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	<title>Aufenthaltsort &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Aufenthaltsort &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Mauern im globalen Dorf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[aschminck]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Nov 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Die ursprüngliche Vision des „World Wide Web“, eine global frei zugängliche Vielfalt an Informationen bereitzustellen, wird immer häufiger durch Software für „Geolocation“ unterlaufen. Diese ermöglicht es Website-Anbietern, anhand der IP-Adresse eines Nutzers dessen Aufenthaltsort zu bestimmen. Wo Datenschützer die Anonymität der Internetnutzer gefährdet sehen, wittern Online-Werber und Internet-Händler eine neue Goldgrube. Doch welche Chancen und Risiken birgt Geolocation aus Sicht der Konsumenten?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Die ursprüngliche Vision des „World Wide Web“, eine global frei zugängliche Vielfalt an Informationen bereitzustellen, wird immer häufiger durch Software für „Geolocation“ unterlaufen. Diese ermöglicht es Website-Anbietern, anhand der IP-Adresse eines Nutzers dessen Aufenthaltsort zu bestimmen. Wo Datenschützer die Anonymität der Internetnutzer gefährdet sehen, wittern Online-Werber und Internet-Händler eine neue Goldgrube. Doch welche Chancen und Risiken birgt Geolocation aus Sicht der Konsumenten?</p>
<p><!--break--></p>
<p>Die wenigsten Internet-Nutzer werden bisher von Geolocation (auch Geotargeting bzw. Geotracking) gehört haben. Gleichwohl kommen sie bei zahlreichen Aufenthalten im Netz damit in Berührung. Manch einer wird sich wohl schon gewundert haben, warum er beim Versuch, die englischsprachige Google-Seite<br />
                            <a href="http://www.google.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.google.com</a> von Deutschland aus aufzurufen, doch wieder auf der deutschen Seite gelandet ist. Vom Nutzer unbemerkt, wird im Hintergrund anhand seiner IP-Adresse sein geographischer Standort ermittelt. Die angeforderte Seite wird dann in der entsprechenden Landessprache angezeigt. Dieses Geolocation genannte Verfahren kann laut dessen Anbietern mittlerweile mit einer Trefferquote von 99 Prozent das Herkunftsland und mit sogar 80 Prozent die<br />
                            <a href="http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/18005/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Herkunftsstadt des Internet-Nutzers berechnen</a>.</p>
<p>Ursprünglich für die Online-Werbebranche entwickelt, um personifizierte Werbebanner schalten zu können, kommt Geolocation-Software neuerdings immer häufiger auch in anderen Bereichen digitaler Dienste (wie Online-Casinos oder Handy-Applikationen) zur Anwendung. Web-Inhalte werden dabei je nach Aufenthaltsort des Nutzers entsprechend gefiltert und modifiziert. Manche Websites werden gar nur für bestimmte nationale oder regionale Nutzergruppen angeboten. Problematisch hieran ist nicht nur das Verfahren an sich, sondern die Tatsache, dass dem Nutzer keinerlei Information darüber zukommt, ob und wann es bei seinen Surftrips angewandt wird. Kann sich der Kunde eines Online-Shopping-Portals so noch sicher sein, ob er nicht aufgrund seines Standortes für gleiche Produkte höhere Preise angezeigt bekommt als in anderen Ländern? Möchte er dann zum Preisvergleich Seiten anderer Länder aufrufen, wird er möglicherweise wie bei<br />
                            <a href="http://www.google.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.google.com</a> immer wieder auf seine Heimatseite umgeleitet. Solche Eingriffe in den einst freien Informationsfluss des WWW dürften von den meisten Internet-Nutzern als Bevormundung und Ausgrenzung empfunden werden. Denn ihre Browser-Eingabe<br />
                            <a href="http://www.google.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.google.com</a> ist wohl weniger ein Tippfehler, als vielmehr der bewusste Aufruf der englischsprachigen Seite. Darüber hinaus widerspricht dieses Verfahren dem Grundgedanken des Internets, welchen dessen Erfinder Tim Berners-Lee, die &#8220;Allgemeingültigkeit im Web&#8221;<br />
                            <a href="http://www.ibiblio.org/pioneers/lee.html">nennt</a>: “ein Web – für jeden, alles und überall”.</p>
<p>Was für die User ein klarer Nachteil ist, eröffnet neue Chancen für private wie kommerzielle Website-Inhaber. Sahen sich diese bisher überfordert, ihre Inhalte im globalen Netz einem Patchwork an lokalen Vorschriften anzupassen, haben sie nun die Möglichkeit, mithilfe von Geolocation nur Nutzern aus ausgewählten Ländern den Zugriff auf ihre Seiten zu gestatten. Online-Casinos können so verhindern, dass ihre Angebote von Spielern aus Ländern genutzt werden, in denen das Online-Glückspiel verboten ist.</p>
<p>Die Möglichkeit, bestimmte Nutzergruppen gezielt auszugrenzen, kann allerdings auch schwerwiegende Folgen haben. Totalitäre Staaten wie China und Saudi-Arabien sind bereits dafür bekannt, staatskritische Seiten aus dem Ausland für die eigenen Bürger zu sperren. Sie könnten die Geolocation-Software für weitergehende politische Zensurmaßnahmen missbrauchen. Die Surfer haben keine Chance, die Anwendung von Geolocation zu unterbinden. Wenn sie überhaupt von dessen Anwendung erfahren. Anonymisierungsdienste, welche den Aufenthaltsort des Nutzers verschleiern, können nur eingeschränkt Abhilfe leisten, denn immer mehr Online-Firmen verweigern anonymen Besuchern den Zugriff auf ihre Dienste. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Internetverbindung über einen entfernten Rechner herzustellen. Der Nutzen dieses Vorgehens zeigt sich an einem aktuellen Beispiel: Die Wahlkampfseite des amerikanischen Präsidenten<br />
                            <a href="//www.georgewbush.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.georgewbush.com</a> war in der Woche vor der US-Wahl nur von Nordamerika aus erreichbar. Sie kann von anderen Orten aber über einen amerikanischen Proxyserver abgerufen werden. Die Verwendung eines Proxys verlagert das Problem jedoch lediglich: Auch dieser kann ebenso wie der PC des Nutzers aufgrund seines Standortes vom Zugriff auf bestimmte Webseiten ausgeschlossen sein.</p>
<p>Längst hat sich die Geolocation-Software wie ein Lauffeuer verbreitet. Verschiedenste Branchen haben sie für sich entdeckt und nutzen sie zur Verbesserung ihrer Produkte. Frei nach dem anschaulichen Motto &#8220;Go global – be local&#8221; wird neuerdings der Handy-Dienst<br />
                            <a href="http://www.mobimate.com/worldmate/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WorldMate</a> angepriesen. Dieser zeigt dem mobilen Nutzer seinen Standort auf einer Weltkarte an oder versorgt ihn mit den regionalen Wettervorhersagen. Und der angeschlagenen Musikindustrie wiederum eröffnet das Verfahren ganz neue Formen der Marktanalyse: Anhand der IP-Adressen von Nutzern illegaler Tauschbörsen im Internet &#8211; den eigentlichen Erzfeinden großer Musikkonzerne &#8211; können Aussagen über die Beliebtheit bestimmter Songs in verschiedenen Ländern getroffen werden.</p>
<p>Diese Vorteile der neuartigen Software für digitale Dienstleister macht sich auch die Werbung zunutze. Geolocation-Anbieter stimmen ihre Werbestrategien speziell auf die Verwertung der Technologie durch die Wirtschaft ab. Dass Geolocation den Profit des Unternehmens vermehrt, verspricht nicht nur der Slogan &#8220;Because Location Matters&#8221; des kommerziellen &#8220;Geolocaters&#8221; Quova. Solange dies der Effizienz und der Kundenzufriedenheit dient, ist dagegen nichts einzuwenden. Gefährlich ist die Anwendung aber dann, wenn der Nutzer nicht mehr frei zwischen Inhalten wählen kann, und Wirtschaft oder Politik entscheiden, welche Informationen er erhält. Dass dies kein Zukunftsszenario sondern schon Realität ist, zeigen Suchergebnisseiten, welche je nach Aufenthaltsland oder -stadt verschiedene Links auflisten.</p>
<p>Je nach Anwendung kann Geolocation demnach für den Konsumenten sowohl einen Segen als auch eine Einbuße an Informationsfreiheit bedeuten. Der Geolocation sollten Grenzen gesetzt werden, damit das noch weltumspannende Netz nicht in kleine regionale Netze aufgespalten wird. Andernfalls wird es für Nutzer bestimmter Webangebote aufgrund ihres Standortes wohl bald immer häufiger &#8220;Ich bin draussen!&#8221; heissen.</p>
<p>
                            <span class="fett">Weiterführende Links:</span><br />
                            <br />–<br />
                            <a href="%20">www.quova.com</a><br />
                            <br />–<br />
                            <a href="http://www.cnn.com/2004/TECH/internet/07/12/borders.online.ap/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.cnn.com/2004/TECH/internet/07/12/borders.online.ap/</a><br />
                            <br />–<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/3958665.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/3958665.stm</a><br />
                            <br />–<br />
                            <a href="http://www.georgewbush.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.georgewbush.com</a><br />
                            <br />–<br />
                            <a href="http://www.mobimate.com/s60/worldmate/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.mobimate.com/s60/worldmate/</a><br />
                            <br />–<br />
                            <a href="http://www.heise.de/tr/artikel/52516/4" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.heise.de/tr/artikel/52516/4</a><br />
                            <br />–<br />
                            <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/427/41386/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/427/41386/</a></p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td class="klein" bgcolor="#FFCC33">Erschienen am<br />
                                  <!-- #BeginEditable "Erscheinungsdatum" -->11.11.2004</p>
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		<title>Mit Sicherheit kein gutes Gefühl</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sfrindt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Anonymität im Internet - Schutz der Daten: Die deutschen Big Brother Awards 2003 wurden vergeben. Die Preise werden für gravierende Eingriffe in den Datenschutz an Politik und Wirtschaft verliehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Anonymität im Internet &#8211; Schutz der Daten: Die deutschen Big Brother Awards 2003 wurden vergeben. Die Preise werden für gravierende Eingriffe in den Datenschutz an Politik und Wirtschaft verliehen.<!--break-->
                    </p>
<p>Es kommt nicht alle Tage vor, dass Preisredner in ihrer Laudatio die Ausgezeichneten für ihr Verhalten rügen. Am 24. Oktober 2003 war es wieder so weit. In Bielefeld wurden die vierten deutschen<br />
                    <a href="http://www.bigbrotherawards.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Big Brother Awards</a> verliehen. Eine unabhängige Jury aus Datenschutz- und Bürgerrechtsverbänden zeichnete Politiker und Wirtschaftsunternehmen in insgesamt sieben Preiskategorien für gravierende Eingriffe in den Datenschutz aus.</p>
<p>In der Kategorie „Politik“ wurden die Regierungen und Innenminister der Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen mit dem Big Brother Award bedacht. Ihr Vorhaben, den Telekommunikationsverkehr ihrer Bürger ohne begründeten Anfangsverdacht zu überwachen, habe drastische Einschnitte in elementare Grund- und Freiheitsrechte zur Folge. Bedroht seien insbesondere das Brief- und Fernmeldegeheimnis, aber auch die Pressefreiheit und das informelle Selbstbestimmungsrecht der Bürger. Die präventive Überwachung des Telefon- und E-Mailverkehrs schließe dabei die Speicherung der Verbindungsdaten mit ein. In seiner Laudatio bezeichnete Dr. Rolf Gössner von der Internationalen Liga für Menschenrechte das Maßnahmenpaket der Länder als „unverhältnismäßig, uferlos und kaum kontrollierbar.“</p>
<p>Das Verhältnis von vollziehender und gesetzgebender Gewalt beschäftigte die Juroren auch im Fall des Innensenators des Landes Berlin, Dr. Ehrhart Körting. Dieser hatte den Einsatz von „stillen SMS“ durch die Berliner Polizei auf besonders fragwürdige Weise legitimiert. Das sogenannte „Pingen“ ermöglicht die Ortung von Verdächtigen durch die Verschickung von SMS. Ob ein solches Vorgehen durch geltendes Recht abgesichert ist, stellen die Datenschützer in Frage. Nach gängiger Lesart schütze das Grundgesetz nicht nur die unmittelbare Kommunikation, sondern auch die Kommunikationsbereitschaft. Diese aber sei durch das Vorgehen der Berliner Polizei verletzt worden.</p>
<p>Dass Datenschutz und Bürgerrechte seit den terroristischen Anschlägen des 11. Septembers unter Anrufung sicherheitspolitischer Gefahren beschnitten werden, darauf haben Experten und Datenschützer wiederholt hingewiesen. Die umstrittene Verschärfung der Landespolizeigesetze in Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen etwa erfolge „im Windschatten der Terrorismusbekämpfung“, wie Dr. Rolf Gössner in seiner Laudatio bemerkte. Gefährdet scheint dieser Tage daher auch die Sicherheit des Datenschutzes. Das ganze Ausmaß einer solchen „Bedrohung durch Sicherheit“ tritt offen zu Tage, wenn der Internet-Service-Provider „T-Online“ das neue Sicherheitsparadigma heranziehen kann, um die datenschutzwidrige Vorratsspeicherung von Verbindungsdaten mit der Verfolgung möglicher Mißbrauchsfälle durch Hacker und die Streuung von Internetviren zu legitimieren.</p>
<p>Mit der rechtswidrigen Speicherung von IP-Adressen verdiente sich „T-Online“ den Big Brother Award in der Kategorie „Kommunikation“. Als rechtlich prekär erweise sich hierbei, dass die Polizei und andere staatliche Bedarfsträger zum Zwecke der Verbrechensbekämpfung auf die gespeicherten Daten von „T-Online“ zurückgreiffen konnten. „T-Online“ habe die Datenschützer wissen lassen, dass die zuständige Datenschutzbehörde, das Regierungspräsidium Darmstadt, der unzulässigen Datenspeicherung ihren behördlichen Segen erteilt habe.</p>
<p>Die Speicherung personenbezogener Daten, das wird an diesem Abend deutlich, zwingt den Datenschutz zum Rückzug. Bei der Gebühreneinzugszentrale (GEZ), dem Preisträger in der Kategorie „Lifetime Award“, habe die umstrittene Vorratsdatenspeicherung nach Einschätzung von Dr. Thilo Weichert, dem Vorsitzenden der Deutschen Vereinigung für Datenschutz e.V., „praktisch zur Errichtung eines zentralen Bundesmelderegisters“ geführt. Auch in diesem Fall werde gegen den verfassungsrechtlichen Verhältnismäßigkeitgrundsatz verstoßen. Weichert prangerte zudem an, dass sich die GEZ systematisch Daten aus mitunter fragwürdigen Quellen beschaffe und sich einer umfassenden und unabhängigen Datenschutzkontrolle, wie sie von der Europäischen Datenschutzrichtlinie vorgeschrieben wird, entziehe.</p>
<p>Dass in Deutschland ein Big Brother Award für gravierende Datenschutzverletzungen verliehen werden müsse, gesteht Dr. Thilo Weichert, habe er bis vor wenigen Jahren selbst nicht geglaubt. In den wenigen Jahren, in denen er seine Beurteilung der datenrechtlichen Lage in Deutschland überdachte, ist der Verfall des Datenschutzes und des Fernmeldegesetzes soweit vorangeschritten, dass der ehemalige Verfassungsrichter Jürgen Kühling im „Grundrechte-Report 2003“ bereits den „Totalverlust“ des Brief- und Fernmeldegeheimnisses beklagte.</p>
<p>Der Big Brother Award will dazu beitragen, gravierende Datenschutzverletzungen öffentlich zu machen und die Verbraucher zu einem sorgsamen Umgang mit vertraulichen Daten anzuhalten. Dies gilt insbesondere für die Nutzung des Internet. Das vorherrschende Thema der diesjährigen Big Brother Awards, die Problematik einer Langzeitspeicherung personenbezogener Daten, wird die Datenschützer über den Winter hinaus begleiten. Experten rechnen damit, dass die Novellierung des Telekommunikationsgesetzes, die für das Frühjahr 2004 erwartet wird, unter anderem die Einführung der Vorratsdatenspeicherung vorsieht. Die elektronischen Spuren, die Internet- und Mobilfunknutzer unfreiwillig hinterlassen, würden dann noch umfangreicher nutztbar.</p>
<p>Ausgezeichnet wurden mit dem Big Brother Award 2003 zudem die Regierung der USA, die „Metro AG“ und – wie bereits im Vorjahr – die „Deutsche Post AG. Die Preisträger des Big Brother Awards 2003 im Überblick:</p>
<ul>
<li>Kategorie „Arbeitswelt“: Die „Deutsche Post-Shop GmbH“</li>
<li>Kategorie „Politik“: Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Thüringen</li>
<li>Kategorie „Verbraucherschutz“: „Future Store Initiative, Metro AG“</li>
<li>Kategorie „Lifetime-Award“: Gebühreneinzugszentrale (GEZ)</li>
<li>Kategorie „Regional“: Der Innensenator von Berlin, Dr. Erhart Körting</li>
<li>Kategorie „Behörden“: Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika</li>
<li>Kategorie „Kommunikation“: „T-Online AG“<br />
                      </li>
</ul>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 29.10.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                    <!-- Content Ende --></p>
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