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	<title>Ausländerpolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Ausländerpolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#034;Integrationsgipfel kommt 50 Jahre zu spät&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Seifert]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jul 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Lale Akgün]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b><span class="fett">Am Donnerstag, 12. Juli 2007, war Dr. Lale Akgün,
SPD-Integrationsexpertin und Bundestagsabgeordnete zu Gast im tagesschau-Chat
in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über den
Integrationsgipfel am 12. Juli 2007, das neue Zuwanderungsgesetz
und ihr Verständnis von Integration.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b><span class="fett">Am Donnerstag, 12. Juli 2007, war Dr. Lale Akgün,<br />
SPD-Integrationsexpertin und Bundestagsabgeordnete zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über den<br />
Integrationsgipfel am 12. Juli 2007, das neue Zuwanderungsgesetz<br />
und ihr Verständnis von Integration.</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><b>Moderator: </b> </b></b>Herzlich<br />
willkommen im tagesschau-Chat. Heute begrüßen wir im<br />
ARD-Hauptstadtstudio die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Lale Akgün.<br />
Sie ist Integrationsexpertin ihrer Partei und selbst im Ausland<br />
geboren und zwar in Istanbul. Der heutige Integrationsgipfel schlägt<br />
hohe Wellen: Einige türkische Verbände werfen der Bundesregierung<br />
Diskriminierung beim Familiennachzug vor. Integration, ein Thema,<br />
das viel Stoff zur Diskussion in unserem Chat bietet. Frau Akgün,<br />
können wir beginnen?</p>
<p><b><b>Lale Akgün:</b></b> Ja.
</p>
<p align="center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/laguen390x.jpg" alt="Dr. Lale Akgün" height="350" width="381" /><br />
<i>Dr. Lale Akgün</i><br />
<i>SPD-Integrationsexpertin und Bundestagsabgeordnete</i>
</p>
<p><b>bora:</b> Finden Sie auch, dass die türkischen<br />
Verbände endlich mal Rückgrat zeigen? Die Bundesregierung<br />
hat sich auch bei der Gestaltung der Gesetzesvorlage nicht mit den<br />
Verbänden beraten, wieso sollen die es jetzt umgekehrt tun<br />
und der Kanzlerin ein Alibi für eine integrationsfreundliche<br />
Politik liefern. Im Tagesgeschäft interessiert es die Kanzlerin<br />
herzlich wenig, was die Migranten möchten und brauchen. Es<br />
geht nur um Stimmen für die nächste Wahl.</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Nun, im Vorfeld wurden die Verbände<br />
im Rahmen einer Anhörung zur Änderung des Zuwanderungsgesetzes<br />
eingeladen und ihre Meinung wurde auch eingeholt. Dass sie sich<br />
zum Gesetz kritisch äußern, kann ich nachvollziehen und<br />
auch verstehen. Aber ein Boykott ist kein gutes Mittel. Und die<br />
von ihnen geäußerte Forderung, im Nachhinein das Gesetz<br />
zu ändern, ist natürlich nicht möglich. </p>
<p><b>BrigitteStenzel:</b> Trifft es nicht zu, dass es für<br />
Menschen, etwa aus dem ostanatolischen Bergland, im Vergleich zu<br />
anderen Staatsbürgern eine unzumutbare Erschwernis ist, wenn<br />
sie in ihrer Heimatregion nicht nur Deutsch lernen sollen, sondern<br />
dort auch noch ihre Prüfung ablegen müssen?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Für mich ist es nicht hinnehmbar,<br />
dass die Ehen von Menschen aus verschiedenen Ländern verschieden<br />
behandelt werden. Es kann nicht sein, dass der Ehegattennachzug<br />
unterschiedlich behandelt wird, weil die Ehe unter dem Schutz des<br />
Grundgesetzes steht.</p>
<p><b>necesin: </b>Wird durch das neue Zuwanderungsgesetz<br />
nicht jede türkische Ehe unter einen Generalverdacht gestellt?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Sie meinen sicherlich die viel<br />
gescholtenen Zwangsehen. Ich bin der Überzeugung, dass man<br />
mit dem Gesetz, wie es jetzt vorliegt, Zwangsehen nicht verhindern<br />
kann. Dafür hätte es im Gesetz anderer Maßnahmen<br />
bedurft. Im Übrigen weiß kein Mensch in Deutschland,<br />
wie viele Zwangsehen geschlossen werden. Deshalb wäre es ganz<br />
wichtig, jetzt wo die Bundesregierung ja Geld für die Integration<br />
in die Hand nehmen will, eine größere, und ich unterstreiche<br />
&#8211; eine wissenschaftlich fundierte Studie &#8211; zu dem Thema Zwangsehen<br />
in Auftrag zu geben.</p>
<p><b>Moderator: </b> Wie kann man Zwangsehen verhindern?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Um Zwangsehen zu verhindern oder<br />
Menschen zu helfen, die von Zwangsehen betroffen sind, hätten<br />
folgende Regelungen ins Gesetz aufgenommen werden müssen. Erstens:<br />
Für Frauen, die nach Deutschland zwangsverheiratet werden,<br />
wären vor allem aufenthaltsrechtliche Erleichterungen unter<br />
Ausbau von niederschwelligen Beratungsangeboten wichtig. Zweitens:<br />
Für Frauen, die ins Ausland zwangsverheiratet werden, wäre<br />
die Verlängerung des Rückkehrrechts dringend notwendig<br />
gewesen. Das heißt, dass ihre Aufenthaltserlaubnis nicht erlischt<br />
und sie die Chance haben, nach Deutschland zurück zu kommen.</p>
<p><b>cevher:</b> Manche Frauen versuchen, die deutsche Sprache<br />
zu erlernen. Aber wie soll das gehen, wenn die Umgebung nur türkisch<br />
spricht und sich die Deutschen, besonders in Großstädten,<br />
vor einem Kontakt scheuen oder sich mit Vorurteilen distanzieren?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Sie haben aber einen wunderschönen<br />
Namen &#8211; übersetzt bedeutet er &quot;Juwel&quot; &#8211; und Sie haben<br />
einen ganz wichtigen Punkt angesprochen. Den Erwerb der deutschen<br />
Sprache vergleiche ich gerne mit dem Erwerb des Führerscheins.<br />
Man muss üben, üben, üben! Bei der Sprache geht das<br />
eben nur durch Kontakte und das ist wiederum die gesellschaftliche<br />
Seite der Integration. Menschen müssen sich kennen lernen.<br />
Dann verstehen sie, dass wir nicht so unterschiedlich sind, sondern<br />
dass wir sehr viel mehr Gemeinsamkeiten haben, gerade Frauen. Besonders<br />
Frauen könnte der Kontakt über die Kinder leichter fallen,<br />
als es im Moment der Fall ist, wenn beide Seiten mehr Interesse<br />
zeigen würden.</p>
<p><b>saw:</b> Was halten Sie davon die Männer ausländischer<br />
und deutscher Abstammung, die eine so genannte „Importbraut“<br />
(ob aus der Türkei oder aus Indonesien) heiraten, zu einer<br />
&quot;Eheaufklärung“ zu verpflichten, bei der ihnen die<br />
Rechte der Ehefrau in Deutschland klar gemacht werden?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich glaube, wir sollten Menschen<br />
überhaupt viel mehr über die Ehe- und Familiengründung<br />
erzählen. Ich habe immer für Elternschulen plädiert,<br />
wo jungen Paaren die Verantwortung des Eltern-Werdens bewusst gemacht<br />
werden könnte. Man könnte durchaus Ihren Gedanken aufgreifen<br />
und auf Standesämtern jungen Menschen Aufklärungsmaterial<br />
an die Hand geben, beispielsweise über Eheschließung,<br />
Verantwortung in der Ehe und auch Scheidung. Aber das ist ein weites<br />
Feld.</p>
<p><b>Christoph Dowe:</b> Was sagen Sie zu der Absage türkischer<br />
Vertreter beim Integrationsgipfel?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich kann ihre Beweggründe,<br />
die dazu geführt haben, nachvollziehen, aber halte den Schritt<br />
nicht für richtig.</p>
<p><b>Moderator: </b> Welchen Schritt hätten Sie vorgeschlagen?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich hätte ihnen vorgeschlagen,<br />
dass sie auf jeden Fall im Gespräch bleiben, wobei ich insgesamt<br />
nicht von dem Gipfel überzeugt bin. Aber das ist eine andere<br />
Sache. Ich bin von dem Gipfel nicht überzeugt, weil es 50 Jahre<br />
nach Beginn der Arbeitsmigration nach Deutschland zu spät ist<br />
für Gipfel und wir mit anderen Instrumenten arbeiten müssen.<br />
Aber da die Verbände ja anscheinend von dem Gipfel beim ersten<br />
Mal begeistert waren, hätten sie auch an dem zweiten teilnehmen<br />
müssen.</p>
<p><b>xxxx77:</b> Warum wird heute mehr über Integration<br />
gesprochen? Die Migranten gibt es seit mehr als 20 Jahren. Als Sie<br />
hierher kamen, mussten Sie keine Sprachkenntnisse nachweisen, keiner<br />
wollte dass Sie Deutsch können-deswegen hat man Sie doch vernachlässigt?<br />
Kann es sein, dass die Politik einfach gescheitert ist, und jetzt<br />
ein Sündenbock gesucht wird?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Auch ich bin der Meinung, dass<br />
Integrationspolitik viel früher hätte anfangen müssen.<br />
Und ich muss auch heftig widersprechen, dass die zweite und dritte<br />
Generation viel schlechter integriert ist, als die erste. Als die<br />
ersten Gastarbeiter in Gastarbeiterwohnheimen gelebte haben und<br />
keinerlei Kontakt zur deutschen Bevölkerung hatten, hat keiner<br />
von Parallelgesellschaften gesprochen. Dabei waren das eher Parallelgesellschaften,<br />
weil die Kontakte sich nur auf die Arbeitswelt beschränkt haben.<br />
Heute, wo wir viel weiter sind in der Integration der Menschen,<br />
Menschen in allen gesellschaftlichen Gruppierungen anzutreffen sind,<br />
spricht jeder von &quot;Parallelgesellschaften&quot;. Leider wird<br />
bei uns, was Integration angeht, die Stimme der Wissenschaft viel<br />
zu wenig gehört. Die deutschen Integrationswissenschaftler<br />
würden jedem bestätigen, dass wir so schlecht nicht sind,<br />
was Integrationserfolge in unserem Land angeht.</p>
<p><b>yen150:</b> Mein Vater hat als koreanischer Bergarbeiter<br />
neben türkischen Kollegen unter Tage gearbeitet. Er sprach<br />
damals auch kein Deutsch, trotzdem sind Asiaten der Zweiten und<br />
Dritten Generation voll integriert. Auch wir haben unsere Parallelgesellschaft,<br />
unsere eigenen Bräuche. Warum gelingt die Integration bei einigen<br />
Gruppen, bei anderen nicht? Die Voraussetzungen sind doch dieselben?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Dafür müssten wir erst<br />
einmal darüber sprechen, was Integration ist. Wir haben auf<br />
der einen Seite Integration, die durch knallharte Fakten belegbar<br />
ist, wie zum Beispiel Bildung, Arbeitsplatz, Einkommen, Wohnort,<br />
gesellschaftliche Stellung. Auf der anderen Seite haben wir die<br />
&quot;gefühlte&quot; Integration. Die meisten Menschen gehen<br />
davon aus, dass zum Beispiel Muslime schlechter zu integrieren sind<br />
als Nicht-Muslime. Leider wird da nicht genug hinterfragt. Und als<br />
Beispiel werden immer soziale Brennpunkte in den Großstädten<br />
angeführt, die inzwischen jeder Bundesbürger kennt: Berlin-Neukölln,<br />
Duisburg-Marxloh und Hamburg-Willhelmsburg. Diese Stadtteile sind<br />
zum Synonym für nicht gelungene Integration geworden. Und da<br />
die meisten Menschen in diesen Stadtteilen nie gewesen sind, wird<br />
ihr Bild von diesen Stadtteilen meist durch die Medien geprägt.<br />
So entstehen die Bilder von der Nicht-Integration der Zugewanderten:<br />
Kopftuchfrauen mit vielen Kindern, heruntergekommene Häuser,<br />
bärtige Männer, Kebapbuden.</p>
<p><b>Zadam:</b> Das Problem vieler Ausländer in Deutschland<br />
ist der Spagat zwischen zwei Ländern. Bei mir ist das Polen<br />
und Deutschland. Ich habe mich für Europa als Lösung meines<br />
Problems entschieden und sehe mich nicht als Deutschen oder Polen,<br />
sondern als Europäer. Wären die Türken in Deutschland<br />
in der Lage, sich als Europäer zu fühlen, obwohl Ihnen<br />
von fast allen Staaten gesagt wird, dass sie nicht dazugehören?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich glaube, Sie haben für<br />
sich eine gute Lösung gefunden, nämlich die Synthese zwischen<br />
zwei Ländern als Europäer. Übrigens machen das sehr<br />
viele junge Menschen, indem sie die lokale Ebene für sich beanspruchen<br />
(&quot;Ich bin Kölner, Berliner usw.!&quot;) und eben die supranationale<br />
als Europäer. Warum sollen sich Türken nicht als Europäer<br />
fühlen? Europäer zu sein, ist ein &quot;state of mind&quot;.<br />
Man kann durchaus ein guter Europäer sein, ohne dass das Ursprungsland<br />
der Eltern in der EU ist.</p>
<p><b>elle:</b> Frau Akgün, bitte nicht auf die Medien<br />
schimpfen! Was tun Sie persönlich um Ihren Landsleuten die<br />
Integration in UNSERE Gesellschaft näher zu bringen?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Wer sind denn meine Landsleute?<br />
Ich bin mit neun Jahren nach Deutschland gekommen und bin jetzt<br />
53 Jahre alt. Das heißt, ich lebe seit 44 Jahren in Deutschland.<br />
Ich bin deutsche Staatsbürgerin und sitze als Volksvertreterin<br />
im Deutschen Bundestag.</p>
<p><b>Tomasz:</b> Inwieweit spielt die Religion eine Rolle?<br />
Ich kenne viele Polen und Russen, auch Aussiedler, die Christen<br />
oder Atheisten sind, aber in diesem Land weder willkommen noch integriert<br />
sind und auch keine Lust haben, sich hier zu Hause zu fühlen.<br />
Ist das ein anderes Problem, als das von jungen Muslimen?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Nein. Natürlich nicht! Ich<br />
glaube auch nicht, dass es die Gruppe der jungen Muslime gibt. Junge<br />
Muslime sind eine genauso weit gefächerte Gruppe wie andere<br />
Religionsgemeinschaften auch. Ich glaube, es wäre zu kurz gegriffen,<br />
Menschen nur über ihre Religion zu definieren, genauso wie<br />
es zu kurz greift, sich selbst nur über Religion zu definieren.<br />
Die Identität und das Bewusstsein werden durch viele Faktoren<br />
mitbestimmt. Eine sehr wichtige Rolle spielt dabei die soziale Frage,<br />
aber auch die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Milieus.</p>
<p><b>Moderator: </b> Noch einmal zur Politik und dem Integrationsgipfel:</p>
<p><b>GenosseKoeln:</b> Hallo Lale, wie werden die Migranten<br />
vertreten, die nicht religiös sind. Gibt es da ausreichend<br />
Beteiligung für atheistische, unreligiöse Menschen, die<br />
sich nicht mit und über die islamische Religion identifizieren<br />
bzw. definieren? Gruß aus Köln.</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Gruß nach Köln zurück!<br />
Ich freue mich immer, wenn sich Leute aus meiner Heimatstadt melden.<br />
Ich glaube, es ist an der Zeit, dass sich Migranten in der Gesellschaft<br />
über die Gruppen Gehör verschaffen, die ihnen gesellschaftlich<br />
entsprechen. Wir brauchen keine weiteren Migrantenvereine, weil<br />
dies wiederum nur eine Dimension wäre, nämlich, dass man<br />
irgendwann mal, oder die Eltern, &quot;migriert&quot; sind. Das<br />
reicht aber nicht für den Zusammenhalt und schafft wieder neue<br />
Separierungen. Also rein in die Parteien, Vereine, Sportclubs, überall<br />
da wo Menschen zusammenkommen!</p>
<p><b>elle:</b> Unter &quot;Ihren Landsleuten&quot; verstehe<br />
ich zunächst die Türken, falls Sie aus der Türkei<br />
stammen. Frau Akgün, Sie haben meine Frage nach Ihrem persönlichen<br />
Einsatz für eine Integration der Türken in UNSERE Gesellschaft<br />
nicht beantwortet.</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Falls ich es noch nicht erwähnt<br />
haben sollte: Meine Eltern stammen wirklich aus der Türkei.<br />
Und ich bin auch in Istanbul geboren. Aber als glühende Anhängerin<br />
des republikanischen Denkens gehört diese Gesellschaft uns<br />
allen. Wir sind alle Teil dieser Gesellschaft. Und wir müssen<br />
allen helfen, die aus dieser Gesellschaft herausfallen und des-integriert<br />
sind. Das sind sozial Benachteiligte, Bildungsarme, also alle, die<br />
es in dieser Gesellschaft schwer haben. Ich bin Sozialdemokratin<br />
und es ist meine Aufgabe, all diesen oben erwähnten Menschen<br />
die Chance zu geben, in der Gesellschaft anzukommen. Wenn Sie nach<br />
meinem persönlichen Hintergrund fragen sollten, so kann ich<br />
Ihnen sagen, dass ich 15 Jahre als Psychologin in den sozialen Brennpunkten<br />
der Großstadt Köln gearbeitet habe!</p>
<p><b>Moderator: </b> Zum Thema Chancengleichheit:</p>
<p><b>Gärtnerin:</b> Wie kann erreicht werden, dass<br />
Lehrer/innen auch Kindern mit Migrationshintergrund eine Empfehlung<br />
für eine höherer Schule geben? Ich habe selbst mehrfach<br />
erlebt, dass mit dem Hinweis fehlender Unterstützung nur eine<br />
Hauptschulempfehlung gegeben wurde.</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Sie sprechen ein sehr schwieriges<br />
Thema an: Das Thema, dass Kinder mit Migrationshintergrund bei gleichen<br />
Voraussetzungen nicht gleich gefördert werden. Dazu bedarf<br />
es bei der Lehrerausbildung mehr interkultureller Kompetenz! Wir<br />
brauchen auch mehr Unterstützung für die Lehrer. Ich glaube<br />
nämlich, dass Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und<br />
Pädagogen sehr viel im Bereich der Integrationsarbeit geleistet<br />
haben, dass sie aber auch oft allein gelassen wurden. In diesem<br />
Zusammenhang müsste man aber auch über unser dreigliedriges<br />
Schulsystem reden und darüber nachdenken, ob es geeignet zur<br />
Förderung sozial benachteiligter Kinder ist.</p>
<p><b>BrigitteStenzel:</b> Glauben Sie daran, dass es in<br />
Deutschland in der Zukunft einen deutschen Bundeskanzler mit Migrationshintergrund<br />
geben wird?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Warum nicht? Gerade haben wir<br />
in Frankreich einen Präsidenten mit Migrationshintergrund bekommen.<br />
Und es war im Wahlkampf kein einziges Mal Thema. Ich finde Sarkozy<br />
ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration. 😉</p>
<p><b>Moderator: </b> Wir sind leider schon wieder am Ende<br />
unserer Zeit angelangt. Herzlichen Dank unseren Usern, die viele<br />
und interessante Fragen gestellt haben. Leider kamen nicht alle<br />
zum Zug. Frau Akgün, möchten Sie noch ein Schlusswort<br />
an die User richten?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich freue mich, dass sich so viele<br />
Menschen in unserem Land für die Fragen der Zuwanderung und<br />
Integration interessieren und ich freue mich auch, dass so viele<br />
qualifizierte Fragen gestellt worden sind. Das zeigt mir, dass wir<br />
die Integrationsfrage nicht so pessimistisch angehen müssen!</p>
<p><b>Moderator: </b> Das war unser tagesschau-Chat bei tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Vielen Dank für Ihr Interesse und vielen<br />
Dank an Frau Akgün. Das Protokoll des Chats ist in Kürze<br />
zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht noch einen schönen<br />
Tag!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ein bundeseinheitlicher Einbürgerungstest ist sinnvoll&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/ein-bundeseinheitlicher-einbuergerungstest-ist-sinnvoll-152/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/ein-bundeseinheitlicher-einbuergerungstest-ist-sinnvoll-152/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Einbürgerungstest]]></category>
		<category><![CDATA[Föderalismusreform]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Harry Carstensen]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Dienstag, den 21. März 2006, war 
Peter Harry Carstensen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
Ministerpräsident von Schleswig-Holstein</b><b>, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Er beantwortete Fragen zum hessischen Einbürgerungstest, zur 
Föderalismusreform, zu den anstehenden Landtagswahlen und zu 
Studiengebühren und Bildungspolitik.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Dienstag, den 21. März 2006, war<br />
Peter Harry Carstensen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
Ministerpräsident von Schleswig-Holstein</b><b>,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Er beantwortete Fragen zum hessischen Einbürgerungstest, zur<br />
Föderalismusreform, zu den anstehenden Landtagswahlen und zu<br />
Studiengebühren und Bildungspolitik.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Verehrte Politik-Interessierte, herzlich willkommen zum tagesschau-Chat.<br />
Heute stellt sich Peter Harry Carstensen, Ministerpräsident<br />
von Schleswig-Holstein, Ihren Fragen. Sie können Ihre Fragen<br />
jederzeit stellen, wir sammeln und schauen, wie viele wir schaffen.<br />
Peter Harry Carstensen chattet aus Kiel. Einen guten Tag, Herr Ministerpräsident<br />
nach Kiel und die Frage: Können wir beginnen?
</p>
<p class="normal">
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Moin, natürlich<br />
können wir beginnen! Freue mich auf den Chat. Hier war bis<br />
eben gutes Wetter, jetzt fängt es an zu schneien. Ich hoffe,<br />
dass es woanders gut bleibt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das Schöne am Chat: alles wetterunabhängig,<br />
Hauptsache die Strommasten bleiben stehen: beginnen wir damit:
</p>
<p>
<b>isi: </b>Ist ein Fragebogen auf hohem Niveau als Einbürgerungstest<br />
wirklich sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen: </b>Es ist schon notwendig,<br />
dass eine Einbürgerung etwas schwieriger sein wird, als Mitglied<br />
eines Vereins zu sein und ich bin schon dafür, dass es richtig<br />
ist, auch Hürden aufzubauen, um deutlich zu machen, dass man<br />
wirklich den Schritt auch überlegt. Deutsch zu werden heißt,<br />
Teil einer Gesellschaft zu werden, die besondere Werte und Traditionen<br />
hat und pflegt. Es muss auch deutlich gemacht werden, dass man das<br />
will. Ob es nun richtig ist, dass dies ein Test mit 100 Fragen ist,<br />
das kann und sollte man diskutieren.
</p>
<p>
<b>Hansi88:</b> Ich finde, dass Einbürgerungstests<br />
doch nur dann helfen, wenn unsere Politiker selbst diesen Fragen<br />
gewachsen sind?
</p>
<p>
<b>m.d.: </b>Herr Carstensen, können Sie alle Fragen<br />
des hessischen Einbürgerungstests aus dem Stegreif beantworten?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Aus dem Stegreif könnte<br />
ich sie nicht beantworten, aber mit etwas Vorbereitung bekomme ich<br />
das hin. Es geht aber nicht darum, dass man das aus dem Stegreif<br />
beantworten kann, sondern dass man sich mit der Kultur, mit der<br />
Geschichte, mit der Politik des Landes beschäftigt und das<br />
kann man in der Vorbereitung auch tun.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zweimal zum gleichen Thema:
</p>
<p>
<b>Thommy:</b> Meiner Meinung nach ist der Einbürgerungstest<br />
ja sehr sinnvoll. Aber was bringt der gleiche noch, wenn man eh<br />
schon alles Fragen zuhause vorbereiten kann? Stellt das nicht direkt<br />
den gesamten Sinn dieses Tests in Frage?
</p>
<p>
<b>Minas: </b>Glauben Sie wirklich an den Sinn von Einwanderungstest<br />
in der Form dieses Fragenkatalogs, wenn man bedenkt, dass man schlichtweg<br />
100 Antworten auswendig zu lernen braucht? Wäre die Möglichkeit<br />
individueller Entscheidung (&#8216;Auswahlgespräche&#8217;) nicht besser<br />
als Grundlage?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Also erst einmal habe<br />
ich gesagt, dass man sich bei der Vorbereitung auch mit der Kultur<br />
und der Geschichte eines Landes beschäftigt. Das ist ja auch<br />
Sinn des Tests, dass man sich nicht so einfach anmelden kann wie<br />
bei einem Verein. Aber über das Verfahren sollte sicherlich<br />
noch mal gesprochen und diskutiert werden.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Kommentar von:
</p>
<p>
mulfi: Ich lebe in Kanada und erlebe tagtäglich Einwanderung<br />
in seiner buntesten Form. Deutschland kann sich meiner Meinung nach<br />
endlich mal erlauben, auch die eigenen Wünsche auszudrücken<br />
und durchaus kontrollieren, wen sie ins Land lassen. Ich finde den<br />
Einbürgerungstest absolut in Ordnung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> und Frage von:
</p>
<p>
<b>Eberhard:</b> Ist es nicht sinnvoller, Sprachkenntnisse<br />
abzufragen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das ist eine Voraussetzung.<br />
Es ist nicht so, dass man an der Grenze stehen kann und sagen kann,<br />
ich will Deutscher werden. Schon heute gibt es Voraussetzungen,<br />
nämlich: acht Jahre Aufenthalt, selbst für das Einkommen<br />
sorgen zu können, die Sprache zu beherrschen. Also, es ist<br />
jetzt auch nicht von heute auf morgen möglich, die deutsche<br />
Staatsbürgerschaft anzunehmen und das ist auch gut so. Im Übrigen<br />
stimme ich dem zu, was Mulfi gesagt hat: Wer Deutscher werden will,<br />
hat auch gewissen Ansprüchen zu entsprechen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch mal im Doppelpack:
</p>
<p>
<b>Peter: </b>Ich denke, die Tests sind in Ordnung, die<br />
Auswahl der Fragen aber unglücklich. Völlig unverständlich<br />
bleibt aber, warum jedes Bundesland seinen eigenen Katalog aufstellt.<br />
Hier zeigt sich doch nur wieder, wie verwaltungsintensiv der Föderalismus<br />
ist, oder?
</p>
<p>
<b>Schneemann:</b> Sollte so ein Fragebogen nicht Aufgabe<br />
der Bundesregierung sein? Wieso bearbeiten einzelne Länder<br />
dieses Thema?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Im Moment wird das Thema<br />
von einzelnen Ländern aufgegriffen. Es ist aber sinnvoll, dort<br />
ein gemeinsames, abgestimmtes Verfahren zu finden. Es wäre<br />
ja unsinnig, die Staatsbürgerschaft in Rheinland-Pfalz zu beantragen,<br />
weil es dort vielleicht einfacher wäre um dann anschließend<br />
nur über den Rhein zu gehen und in Hessen zu wohnen. Das kann<br />
es ja wohl nicht sein.
</p>
<p>
<b>Janosch:</b> Als zusätzliche Hürde vor der<br />
Einwanderung finde ich den Test nicht schlecht. Wie viel Fragen<br />
in Prozent sollte man denn als Einbürgerungskandidat Ihrer<br />
Meinung nach richtig haben?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Jetzt muss ich den Test<br />
wohl selbst noch mal machen, damit ich selbst weiß, was ich<br />
als Deutscher jetzt schon beantworten kann. Ich habe ja gesagt,<br />
dass man über den Test, über die Art eines Tests sicher<br />
noch einmal diskutieren muss.
</p>
<p>
<b>Lucas: </b>Der beste Zugang zu einer Gesellschaft<br />
ist doch die Sprache. Mir erscheint es so, als wolle die Politik<br />
mit dem Wissenstest den Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft<br />
erschweren. Wer durchfällt ist dann selber Schuld und die Politik<br />
ist fein raus, da sie kein weiteres Geld für Integration und<br />
Deutschunterricht aufwenden muss.
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das ist nicht der Fall.<br />
Wir werden in Schleswig-Holstein schon im Kindergarten Sprachtests<br />
einführen. Sprache hat etwas mit Integration zu tun. Aber Integration<br />
ist ein Weg, eine Sache von zwei Seiten. Man muss zulassen, dass<br />
integriert wird, man muss helfen, dass integriert werden kann und<br />
man muss Integration auch wollen. Wer nicht Deutsch spricht und<br />
nicht Deutsch sprechen will, zeigt, dass er sich auch nicht integrieren<br />
will.
</p>
<p>
<b>mulfi: </b>In Kanada gibt es Provinzen, wo es einfacher<br />
ist, einzuwandern. Das liegt aber an der wirtschaftlichen Lage der<br />
einzelnen Provinzen. Man versucht in einwohnerschwachen Regionen,<br />
eher zu unterstützen, so dass nicht alle Neuankömmlinge<br />
nach Toronto oder Vancouver gehen. Könnten Sie sich das nicht<br />
auch für Deutschland vorstellen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen: </b>Das Grundgesetz sieht<br />
eine Freizügigkeit für jeden Deutschen vor. Wer Deutscher<br />
geworden ist, hat das Recht auf diese Freizügigkeit und das<br />
ist auch gut so. Wenn ich richtig informiert bin, ist Kanada etwas<br />
größer als Deutschland. Hier ist das keine Lösung.
</p>
<p>
<b>OW: </b>Schauen wir uns mal zwei Szenarien an. Zum<br />
einen ein &#8216;reicher&#8217; Einwanderer, der in das Land investieren möchte<br />
und zum anderen ein &#8216;Otto-Normal&#8217; Einwanderer, der sich hier eine<br />
Existenz aufbauen will. Könnte es dort Unterschiede geben?<br />
Wie stehen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Kanada sind die Investitionen, die<br />
der Einwanderer mitbringt, wohl von Bedeutung. Oder es war so.
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen: </b>Nein, da gibt es überhaupt<br />
keine Unterscheide, weil es hier nicht um Einwanderung geht, sondern<br />
um den Erwerb der Staatsbürgerschaft, die &#8211; wie schon erwähnt<br />
&#8211; auch an andere Voraussetzungen gebunden ist, wie einen achtjährigen<br />
Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gut, vielleicht steht die Einbürgerung<br />
am Ende einer Einwanderung. Aber steht dieses Thema Fragenkatalog<br />
nicht genau für den Umgang mit der Einwanderung?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Nein, das glaube ich nicht.<br />
Hier geht es darum, denjenigen, die hier schon lange leben auch<br />
die Möglichkeit zu geben, auch die deutsche Staatsbürgerschaft<br />
zu erwerben.
</p>
<p>
<b>Porthos: </b>Was ist mit den ausländischen Jugendlichen/Kindern,<br />
wenn die Eltern sich entschließen, die deutsche Staatsbürgerschaft<br />
anzunehmen? Müssen diese dann auch einen Test machen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das ist eine schwierige<br />
Frage. Hat sicherlich etwas mit dem Alter zu tun und ob sie hier<br />
zur Schule gehen und unsere Kultur, Wirtschaft und Politik im Unterricht<br />
kennen lernen.
</p>
<p>
<b>krawallier:</b> Wieso muss sie noch erschwert werden,<br />
wenn es sowieso keinen &#8216;Run&#8217; auf die deutsche Staatsbürgerschaft<br />
gibt?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das hat nichts mit &quot;run&quot;<br />
oder Nachfrage zu tun, sondern mit einem Selbstverständnis<br />
und Selbstbewusstsein der deutschen Nationalität zu tun.
</p>
<p>
<b>Chris1: </b>Welche Probleme hat es denn bisher gegeben,<br />
so dass plötzlich die Einführung von Einbürgerungstests<br />
erwogen wird?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Es geht um Integration.<br />
Und Integration insbesondere dann, wenn auch noch die deutsche Staatsbürgerschaft<br />
angestrebt werden soll. Dann sind Voraussetzungen zu erfüllen.<br />
Und diese Voraussetzungen haben zu tun mit der deutschen Sprache<br />
und der Gesellschaft in die jemand reingehen will. Ich will deutlich<br />
machen, dass es hier nicht um einen Vereinsbeitritt geht, sondern<br />
hier werden Rechte und Pflichten, die sich aus unserem Grundgesetz<br />
ergeben, übernommen.
</p>
<p>
<b>Frühling:</b> Wie sehr kann die Demographie bei<br />
der Diskussion eine Rolle spielen? Es werden immer mehr Kinder geboren.<br />
Wäre da nicht die Alternative ausländischen Bürgern<br />
die Staatsbürgerschaft zu erleichtern, um sie an Deutschland<br />
zu binden?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Leider werden immer weniger<br />
Kinder geboren. Aber ich glaube, das Problem wird noch nicht so<br />
richtig erkannt. Es geht nicht um ein Erschweren oder Erleichtern,<br />
sondern es geht um eine Einbürgerung, um eine Staatsbürgerschaft,<br />
um ein Identifizieren mit dieser Gesellschaft und mit diesem Staat.<br />
Und ich bin doch der Meinung, dass dieses auch abgeprüft werden<br />
muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eindeutige Gegenposition von:
</p>
<p>
<b>Hakki Cavus:</b> Der Test hat nichts mit Sprache zu<br />
tun, vielmehr ist enthält es Elemente einer Aufdoktrinierung<br />
einer Gesinnung. Wo bleibt die ach so propagierte Meinungsfreiheit,<br />
die insbesondere bei den Verunglimpfungen eines religiösen<br />
Wertes so sehr gepriesen wurde?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Dann habe ich einen anderen<br />
Test gelesen. Diese Meinung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.<br />
Ich bin im Übrigen der Meinung, dass wir auch in Deutschland<br />
andere Probleme haben und staune so über den Stellenwert dieser<br />
Diskussion. Ich gehe davon aus, dass in der nächsten Woche<br />
die Diskussion auf einer ganz anderen Basis geführt werden<br />
kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Aus welchem Grund? Weil die Landtagswahlen<br />
dann vorbei sind?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Sicherlich auch.
</p>
<p>
<b>Lilith und Kain:</b> Herr Carstensen, warum ist das<br />
Thema &#8216;Der Ausländer&#8217; für die CDU vor Wahlen so interessant?
</p>
<p>
<b>angie: </b>Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass Sie<br />
mit Ihren Plänen zu einem Einbürgerungstest am rechten<br />
Rand des politischen Spektrums fischen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das ist Unsinn. Gerade<br />
dieser Chat und die Fragen zeigen doch, dass es hier sehr unterschiedliche<br />
Meinungen gibt und die haben nichts mit dem rechten Rand des politischen<br />
Spektrums zu tun. Ich bin hier doch nicht in einem rechten Chat.
</p>
<p>
<b>Wahlausgag:</b> Herr Carstensen. Welche Rolle spielt<br />
der Wahlausgang am kommenden Sonntag für die große Koalition<br />
in der Bundespolitik?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Überhaupt keine.<br />
Die große Koalition ist ein Bündnis der Vernunft, in<br />
Berlin genauso wie in Schleswig-Holstein. Wer sich in Verantwortung<br />
um die Probleme in Deutschland und auch in Schleswig-Holstein kümmert,<br />
der lässt sich<br />
von den Wahlergebnissen überhaupt nicht beeinflussen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Als Landesvater und Großkoalitionär<br />
in Kiel: Was ist der wichtigste Tipp, den Sie Angela Merkel gegeben<br />
haben – oder geben?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Erst einmal dafür<br />
zu sorgen, dass man menschlich miteinander arbeiten kann. Zweitens<br />
dafür zu sorgen, dass die wichtigen Probleme in Verantwortung<br />
und in der richtigen Reihenfolge abgearbeitet werden können.<br />
Drittens den Rücken gerade halten, weil es bei der Lösung<br />
großer Probleme auch Gegenwind geben wird.
</p>
<p>
<b>unknown:</b> Herr Carstensen, eine Frage zur Bildungspolitik:<br />
Die Kompetenz dafür soll vollständig an die Länder<br />
übergeben werden. Macht es wirklich Sinn angesichts von PISA<br />
und Globalisierung gerade auf diesem Gebiet Kleinstaaterei zu betreiben?<br />
Sind Sie der Meinung, dass die Bürger (auch die Schüler)<br />
mit dieser Dezentralisierung der Bildung einverstanden sind?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Es gibt ja die Kultusministerkonferenz,<br />
die die Aufgabe hat, die Bildungspolitik der Länder zu koordinieren.<br />
Aber Kultur ist natürlich in den Ländern unterschiedlich.<br />
Und dem gerecht zu werden und die Vorteile unterschiedlicher Kulturen<br />
herauszuarbeiten, dient die Kulturpolitik der Länder.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und was sagen Sie zum Vorwurf der Kleinstaaterei?<br />
Schließlich ist ein Umzug mit zwei Kindern in unterschiedlichem<br />
Schulalter von Berlin nach München heute schon ein echtes Abenteuer.<br />
Das kann viel Nachhilfeunterricht kosten.
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das kann ein Problem sein<br />
und diese Probleme müssen minimiert werden. Das hat aber nichts<br />
damit zu tun, ob die Länder ihre Kulturhoheit wahrnehmen oder<br />
nicht. Wenn Sie in Bayern von der Oberpfalz ins Allgäu ziehen,<br />
wenn Sie in Schleswig-Holstein von Nordfriesland nach Stormarn ziehen,<br />
gibt es auch Probleme. Die Länder haben auch ein Interesse<br />
daran, ihre eigenen Bildungsstandards hochzuhalten und nicht gleichmachen<br />
zu lassen. Wettbewerb <br />
kann hier belebend wirken.
</p>
<p>
<b>Migi: </b>Führt diese Kompetenzverteilung nicht<br />
dazu, dass in den Ländern bei einem Regierungswechsel die Schulpolitik<br />
immer wieder neu orientiert und den Vorstellungen der Regierungspartei/<br />
-koalition angepasst wird?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Die Gefahr gibt es in<br />
allen Politikbereichen. Aber ich glaube, wir tun der Schulpolitik<br />
keinen Gefallen, wenn wir weiter an ideologischen Grabenkämpfen<br />
festhalten. Diese werden auf dem Rücken von Schülerinnen<br />
und Schülern ausgetragen. Wir sollten uns vielmehr die demografische<br />
Entwicklung in unseren Regionen ansehen und werden dann feststellen,<br />
dass der Mangel an Schülern uns vor ganz andere Probleme stellen<br />
wird. Und die haben wir pragmatisch zu lösen.
</p>
<p>
<b>manu: </b>Zur Föderalismusreform: Soll die Föderalismusreform<br />
so umgesetzt werden wie sie jetzt ist? Trotz Ihrer Mängel vor<br />
allem im Umweltbereich? Schaffen Sie dadurch nicht &#8216;verfassungswidriges<br />
Verfassungsrecht&#8217;? Es gibt dann zum einen den Rechtsgrundsatz &#8216;Bundesrecht<br />
bricht Landesrecht&#8217; zum anderen die &#8216;Abweichungsgesetzgebung&#8217; der<br />
Länder.
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Wenn die &quot;Abweichungsgesetzgebung&quot;<br />
der Länder im Grundgesetz festgeschrieben ist, dann ist das<br />
natürlich nicht verfassungswidrig. Schleswig-Holstein ist nicht<br />
über alle Regelungen, die vorgeschlagen sind, begeistert und<br />
das haben wir auch deutlich gemacht. Aber es ist notwendig, dass<br />
wir eine Neuordnung der bundesstaatlichen Ordnung bekommen. Es muss<br />
deutlich werden, wer für welche Politikbereiche verantwortlich<br />
ist und wir haben Verantwortlichkeiten in letzter Zeit außerordentlich<br />
stark verwischt.
</p>
<p>
<b>ichdasich:</b> Entschuldigen sie die Zwischenfrage,<br />
aber wo sie gerade so motiviert über Schulpolitik reden &#8211; wann<br />
waren sie das letzte Mal in einer?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich habe häufiger<br />
hier Schulklassen hier bei mir und es ist auch erst wenige Wochen<br />
her seit ich eine Schule besucht habe. Aber man muss auch nicht<br />
krank gewesen sein, um zu wissen, wie Gesundheitspolitik gemacht<br />
wird.
</p>
<p>
<b>Guest1617:</b> Erfahrungsgemäß wird jährlich<br />
das Bildungsbudget in den neuen Bundesländern gekürzt.<br />
Ist es aus dieser Sicht sinnvoll, den einzelnen Ländern weitere<br />
Befugnisse zuzusichern?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich weiß nicht,<br />
ob die erste Aussage stimmt. Ich kann nur für mein Land reden:<br />
Für uns ist die Bildungspolitik Schwerpunktpolitik. Sie fängt<br />
übrigens nicht erst in der Schule an, sondern sie beginnt schon<br />
im Kindergarten, insbesondere im letzten Kindergarten-Jahr.
</p>
<p>
<b>DerDude:</b> Wäre es nicht auch Konsequent, einige<br />
Bundesländer zusammenzulegen, in Hinblick auf Kosten, demografische<br />
Entwicklung, ausufernde Verwaltung? Haben die Stadtstaaten, z.B.<br />
Bremen und Hamburg heutzutage noch ein Existenzrecht als eigenes<br />
Bundesland?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Unsere Zusammenarbeit<br />
mit Hamburg ist exzellent. Wir tun alles, um noch enger zusammen<br />
zu arbeiten. Aber einen Zusammenschluss <br />
müssen die Bürgerinnen und Bürger entscheiden.
</p>
<p>
<b>endgegner:</b> Was für Änderungen würden<br />
sie noch an der Föderalismusreform vornehmen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Wir haben Probleme mit<br />
der Neuordnung des Beamtenrechts, mit dem Strafvollzug, den die<br />
Länder übernehmen sollen und wir haben natürlich<br />
Sorgen, dass wir bei der Hochschulförderung den Kürzeren<br />
ziehen könnten.
</p>
<p>
<b>der Wilde:</b> Apropos, was halten sie von der teilweisen<br />
Privatisierungen von Justizvollzugsanstalten wie sie in Hessen teilweise<br />
stattfindet?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich halte viel von Privatisierungen.<br />
Aufgabe des Staates ist, für die Sicherheit zu sorgen und auch<br />
für den Strafvollzug zu sorgen. Länder müssen nicht<br />
Eigentümer von Gefängnissen sein, sie müssen dafür<br />
sorgen, dass es Gefängnisse gibt.
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Herr Ministerpräsident, bremst sich<br />
die große Koalition in Kiel nicht manchmal selbst? Sicher,<br />
Sie hätten lieber mit der FDP regiert, aber nehmen interne<br />
Konflikte nicht zu?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Nein. Kommen Sie: Wir<br />
laden Sie ein, diese Koalition einmal zu beobachten. Wer in der<br />
Lage gewesen ist, Haushaltseckwerte im Kabinett zu beschließen,<br />
die einen intensiven Sparhaushalt beschreiben, wie wir das in der<br />
letzten Woche gemacht haben, bei dem kann man nicht von Konflikten<br />
sprechen natürlich haben wir unterschiedliche politische Auffassungen,<br />
aber das Land hat riesige Probleme, die wir auch gemeinsam lösen<br />
können und müssen. Das tun wir.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Da fällt mir ein: Heide Simonis<br />
hat erklärt, sie wisse, wer der &quot;Heide“-Mörder<br />
ist. Wissen Sie es auch?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Nein, ich weiß es<br />
nicht. Und ich gebe gerne zu, mich interessiert es auch außerordentlich<br />
wenig. Bei uns geht es nicht darum, einen Dolch zu suchen, sondern<br />
Hacke und Spaten in die Hand zu nehmen und für das Land zu<br />
arbeiten.
</p>
<p>
<b>Wahlausgag:</b> Der Wahlausgang in Baden-Württemberg<br />
scheint relativ klar an die CDU zu gehen. In RLP bleibt wahrscheinlich<br />
Herr Beck an der Regierung. Welchen Wahlausgang prognostizieren<br />
Sie für Sachen-Anhalt?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Prognosen sind deswegen<br />
immer so schwer, weil sie in die Zukunft gerichtet sind. Deshalb<br />
wage ich mich da nicht ran. Und was ich von Demoskopen halte, sage<br />
ich nach der Wahl in Schleswig-Holstein lieber nicht.
</p>
<p>
<b>tach: </b>Welche Ratschläge geben Sie &#8211; nach<br />
Ihren eigenen Erfahrungen &#8211; Christoph Böhr in Rheinland-Pfalz<br />
auf den Weg?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Siegen wollen und arbeiten<br />
bis zum letzten Tag, bis zur letzten Stunde.
</p>
<p>
<b>timo111:</b> Herr Ministerpräsident: Was halten<br />
sie von dem Vorschlag, Kindergartenplätze umsonst zu Verfügung<br />
zu stellen? Ich bin selbst Gemeinderat und weiß, dass die<br />
Kommunen am Ende wieder die Zahler sind. Was will die Politik noch<br />
alles auf die unterste Ebene abschieben?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich halte Kindergartenplätze<br />
gerade in Hinsicht auf die Schulpolitik für außerordentlich<br />
wichtig. Es wäre schön, wenn wir uns das leisten könnten,<br />
insbesondere das letzte Kindergartenjahr für die Eltern kostenfrei<br />
zu gestalten. Mir ist aber sehr bewusst, dass wir uns das als Land<br />
und die meisten Kommunen derzeit nicht leisten können.
</p>
<p>
<b>nordmann:</b> Sind Sie für Studiengebühren<br />
in Schleswig-Holstein und wenn ja, glauben Sie diese mit der SPD<br />
durchsetzen zu können?
</p>
<p>
<b>IngoKiel:</b> Ich bin Student aus der Landeshauptstadt<br />
Kiel und würde gerne kurz und prägnant Ihre Meinung zum<br />
Thema Studiengebühren in Schleswig-Holstein lesen!
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich halte Studiengebühren<br />
für dringend geboten. Wir werden allerdings, so steht es im<br />
Koalitionsvertrag, keinen Alleingang machen, aber auch keine Insellösung<br />
zulassen, wenn Studiengebühren in den Nachbarländern eingeführt<br />
werden. Studiengebühren müssen den Universitäten<br />
zugute kommen und dienen nicht dazu, Haushaltslöcher zu füllen.<br />
Voraussetzung ist ein vernünftiges Darlehensystem und ein System<br />
von Stipendien. Keiner darf durch Studiengebühren abgehalten<br />
werden, zu studieren. Kann mir mal jemand verraten, warum Studiengebühren<br />
von Bösem sein sollen? Wohingegen jeder erwartet, dass Kindergartenplätze<br />
durch Eltern finanziert werden müssen?
</p>
<p>
<b>Oskar:</b> Herr Carstensen, ich war enttäuscht,<br />
dass Sie angetreten sind, um Schulden abzubauen und die Staatsverschuldung<br />
brutal erhöht haben. Woher kommt die Füllhornausschüttungslust,<br />
wenn man erst an der Macht ist?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich weiß nicht,<br />
woher Sie diese Informationen haben. Sie haben sich sicherlich nicht<br />
über Schleswig-Holstein informiert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Stunde tagesschau-Chat ist vorbei.<br />
Vielen Dank, Herr Ministerpräsident, dass Sie sich Zeit für<br />
den Chat genommen haben! Es sind noch jede Menge Fragen vorhanden,<br />
aber wir beschränken uns ja auf 60 Minuten. Vielen Dank an<br />
alle interessierten Chatter und noch der Hinweis: Am kommenden Montag<br />
chatten wir am Tag nach der Landtagswahl um 14.30 Uhr mit dem ARD-Wahlexperten<br />
Jörg Schönenborn. Am Dienstag stellt sich dann Bundesinnenminister<br />
Wolfgang Schäuble ab 13.45 Uhr der Diskussion. Das Protokoll<br />
dieses Chats gibt’s in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de. Wir wünschen allen<br />
noch einen schönen Tag!
</p>
<p><b>Peter Harry Carstensen:</b> Danke für die Fragen<br />
und die Möglichkeit zu antworten. Beste Grüße aus<br />
Kiel.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kristina Köhler fordert Lehrstühle für islamische Theologie an deutschen Unis</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/kristina-koehler-fordert-lehrstuehle-fuer-islamische-theologie-an-deutschen-unis-206/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jun 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Kristina Köhler]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Kristina Köhler, MdB und Islam-Expertin 
der CDU, war am 16. Juni zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de. Sie sprach über die Positionen der 
CDU zur Zuwanderungs- und Integrationspolitik.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Kristina Köhler, MdB und Islam-Expertin<br />
der CDU, war am 16. Juni zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Sie sprach über die Positionen der<br />
CDU zur Zuwanderungs- und Integrationspolitik.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politikinteressierte,<br />
herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe wird<br />
veranstaltet von tagesschau.de und politik-digital.de und unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Im ARD-Hauptstadtstudio ist jetzt Kristina<br />
Köhler bereit zum chatten. Frau Köhler ist seit 2002 Bundestagsabgeordnete<br />
und Mitglied im Innenausschuss. Bei der Union kümmert sie sich<br />
auch (und in Wahlkampfzeiten ganz sicher nicht nur) um das Problem<br />
Integration. Den Antrag der Union: &quot;Politischen Islamismus<br />
bekämpfen – verfassungstreue Muslime unterstützen&quot;<br />
hat sie federführend erarbeitet. Zu welchen Themen sie auch<br />
immer Fragen haben ob Integration, Europa-Krise oder die siegesgewisse<br />
Union, nur zu. Beginnen wir damit:
</p>
<p>
<b>Hans-Christian:</b> Wäre es möglich, dass<br />
Einwanderer einen Schwur auf das Grundgesetz ablegen, ich fände<br />
das (auch für alle anderen Bürger der BRD) sehr gut!
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich fände das auch<br />
sehr gut. Ich will auch, dass das in unser Regierungsprogramm aufgenommen<br />
wird und in Wiesbaden setze ich mich auch noch dafür ein.
</p>
<p>
<b>valeri lowanofski:</b> Stehen Sie mit Ihrem Kampf<br />
gegen fundamentalistische Islamisten in einer laizistischen also<br />
antiklerikalen Tradition oder eher pro-christlich?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Weder noch. Deutschland<br />
ist weder ein christliches Land noch ein laizistisches. Sondern<br />
wir sind ein säkulares Land und an dieser Tradition will ich<br />
festhalten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum Schwur:
</p>
<p>
<b>Hans-Christian:</b> Ist das überhaupt gesetzlich<br />
durchsetzbar? Gibt es dafür reale Chancen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Oh ja. Denn selbst in der<br />
SPD spüre ich sehr viel Sympathie für diesen Vorschlag<br />
und mit der Verfassung gibt es gar keine Probleme.
</p>
<p>
<b>gb:</b> Wieso denken Sie, dass mit einem Schwur auf das Grundgesetz<br />
sich etwas ändert, in den USA funktioniert dies auch nicht?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich glaube, dass Rituale<br />
auch sehr bewusstseinsbildend sein können. Denjenigen, der<br />
sich in einem Kampf gegen unsere Verfassung befindet, wird man damit<br />
in der Tat nicht beeindrucken können, der wird einfach lügen.<br />
Aber anderen macht man vielleicht klar, dass wir mit dem deutschen<br />
Pass auch Identität und uneingeschränkte Verfassungstreue<br />
verbinden.
</p>
<p>
<b>maza:</b> Welche Maßnahmen zur Integration der „verfassungstreuen<br />
Muslime“ haben Sie vorgesehen und wie werden Sie überhaupt<br />
solche Menschen finden/identifizieren?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Wir müssen Rahmenbedingungen<br />
schaffen, dass sich ein europäischer, ein deutscher Islam ausbilden<br />
kann. Ein aufgeklärter, ein säkularer Islam. Dafür<br />
ist es wichtig, dass sich auch hier in Deutschland islamische Theologie<br />
eigenständig entfalten kann. Deswegen will ich, dass wir Lehrstühle<br />
für islamische Theologie einrichten, an denen wir Imame und<br />
Religionslehrer für Islam ausbilden. Zu ihrer zweiten Frage:<br />
Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass wir in Deutschland rund<br />
30.000 Islamisten haben. Sowohl solche, die gewaltbereit sind als<br />
auch solche, die Gewalt ablehnen aber versuchen, über politische<br />
Mittel hier die Durchsetzung des islamischen Rechts, der Scharia,<br />
zu erreichen. In Deutschland leben aber 3,2 Millionen Muslime, d.h.<br />
die Islamisten sind eine wirkliche Minderheit. Das Problem ist aber<br />
in der Tat, dass gerade sie nicht organisiert sind, sondern die<br />
muslimischen Verbände, die sich organisiert haben, werden in<br />
der Mehrheit vom Verfassungsschutz als problematisch eingestuft.<br />
Deswegen gibt es keinen zentralen Ansprechpartner für verfassungstreue<br />
Muslime. Das ist auch für die Politik ein riesiges Problem.
</p>
<p>
<b>honky:</b> Wie stehen Sie zu den einstweiligen Verfügungen<br />
des Münchner Landgerichts, die Ihnen verbieten, die Islamische<br />
Gemeinschaft in Deutschland öffentlich mit der Muslimbruderschaft<br />
in Verbindung zu bringen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Gegen diese einstweilige<br />
Verfügung gehe ich gerade rechtlich vor.
</p>
<p>
<b>strigga2:</b> Denken Ihre Parteikollegen genau wie<br />
Sie bezüglich der islamistischen Lehrstühle?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Islamische Lehrstühle!<br />
Ich verwende den Begriff &quot;islamistisch&quot; nur für die<br />
radikale Variante des Islams. In der Tat haben wir über die<br />
Frage der Lehrstühle heftig diskutiert. In dem Antrag sprechen<br />
wir uns immerhin grundsätzlich dafür aus – das verbuche<br />
ich für mich schon mal als Erfolg.
</p>
<p>
<b>flamboiant:</b> Schöne Idee mit den islamischen<br />
Lehrstühlen, aber braucht man für eine ernsthafte aufgeklärte<br />
islamische Theologie nicht die Unterstützung der wichtigsten<br />
islamischen Zentren? Die allerdings konservativ sind.
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich weiß jetzt nicht,<br />
was Sie mit islamischen Zentren meinen. Wenn Sie den Islamrat oder<br />
den Zentralrat der Muslime meinen, sage ich, dass man deren Unterstützung<br />
nicht braucht. Denn beide Organisationen vertreten nur einen Bruchteil<br />
der Muslime in Deutschland und sind insofern keinesfalls legitimiert,<br />
für &quot;den Islam&quot; in Deutschland zu sprechen. Deswegen<br />
halte ich es auch für falsch, wenn Politiker diese beiden Organisationen<br />
hofieren und damit aufwerten.
</p>
<p>
<b>tyrson:</b> Was glauben Sie, wie groß die Bereitschaft<br />
der Muslime in Deutschland ist, sich integrieren zu wollen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Eine pauschale Aussage ist<br />
schwierig. Wir haben in der Tat gerade bei den Jüngeren eine<br />
Tendenz, sich wieder weniger integrieren zu wollen, die mir sehr<br />
viel Sorgen macht. Ich glaube das hängt vor allem auch mit<br />
der schlechten Bildung vieler jüngerer Muslime in Deutschland<br />
zusammen. Sie wissen, dass sie kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt<br />
haben und ziehen daher ihr Selbstbewusstsein aus ihrer Identifikation<br />
mit ihrem Herkunftsland. Deswegen ist Bildung der wichtigste Schlüssel<br />
zur Integration. Und natürlich Deutsch, aber das haben mittlerweile<br />
ja alle Parteien eingesehen.
</p>
<p>
<b>Faithdancer:</b> Sind denn die Einwanderer eigentlich<br />
das Problem, wenn wir von Integration sprechen oder sind nicht vielmehr<br />
die Ausländer mit ungeklärtem Status schwer zu integrieren?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich denke das bezieht sich auch auf<br />
Asylbewerber mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis etc.
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Leider sind auch die, die<br />
schon lange, oft in dritter Generation, hier leben, nicht genügend<br />
integriert. Viele von denen haben sogar einen deutschen Pass! Das<br />
ist auch ein Ergebnis einer Politik, die zu lange geglaubt hat,<br />
bei den sogenannten &quot;Gastarbeitern&quot; handle es sich wirklich<br />
um Gäste.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist diese Einstellung &quot;Gastarbeiter<br />
sind Gäste&quot; in der CDU (und in der CSU) inzwischen vollständig<br />
verschwunden?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich habe noch nie gehört,<br />
dass ein Parteifreund von mir überhaupt noch von &quot;Gastarbeitern&quot;<br />
spricht. Daher bin ich schon überzeugt, dass wir uns dieser<br />
Illusion nicht mehr hingeben.
</p>
<p>
<b>Sulli:</b> Was sind ihre Anforderungen an eine Integration?<br />
Wer ist integriert?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Gute Frage, schwierige Frage!<br />
Ich verlange keine vollständige Assimilation, also z.B. die<br />
Religionsausübung oder auch kulturelle Gebräuche kann<br />
jeder leben, wie er will. Problematisch wird es, wenn Menschen ihr<br />
ganzes Leben so organisiert haben, dass sie fast gar nicht mit der<br />
deutschen Mehrheitsgesellschaft in Berührung kommen. Wenn also<br />
von der Hebamme bis zum Bestatter alles in der Hand von anderen<br />
Migranten ist.
</p>
<p>
<b>Taleel:</b> Viele theoretische Ansätze &#8211; wie wollen Sie<br />
konkret gegen sog. &quot;Ehrenmorde“ vorgehen? Gibt es da<br />
schon Pläne?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ein Problem ist, dass es<br />
immer wieder Urteile gibt, die bei &quot;Ehrenmorden&quot; nicht<br />
von Mord ausgehen, sondern argumentieren, der Mörder sei so<br />
in seinen &quot;fremdkulturellen Wertvorstellungen&quot; verhaftet,<br />
dass man nicht Mord annehmen könne, sondern Strafmilderung<br />
gewährt wird. Deswegen müssen wir meines Erachtens gesetzlich<br />
klar stellen, dass eine Tötung wegen vermeintlicher Verletzung<br />
der sogenannten &quot;Ehre&quot; auch wirklich ein Mord aus niederen<br />
Beweggründen ist.
</p>
<p>
<b>kreuzberg:</b> Mein Sohn soll auf eine Schule in der<br />
von 400 Schülern noch zwei deutscher Herkunft sind. Der Rest<br />
ist klassisches Kreuzberger Sammelsurium. Ist es verwerflich, wenn<br />
ich mein Kind da gar nicht integrieren will sondern gleich in eine<br />
andere Schule schicke? Ich muss die Fehler einer schlechten internationalen<br />
Politik nicht auf dem Rücken meines Kindes austragen.
</p>
<p>
<b>ibizo:</b> In Berlin gibt es jetzt die erste deutsche Schule<br />
ohne deutsche Schüler. Sollte man das einfach so akzeptieren?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> @kreuzberg: Kann ich absolut<br />
nachvollziehen, ich würde als Mutter genauso handeln. Die Politik<br />
muss dafür sorgen, dass Eltern wie Sie gar nicht in diese Problemlage<br />
kommen, indem wir sicherstellen, dass niemand auf die Schule kommt,<br />
der nicht ausreichend Deutsch kann. Dafür haben wir in Hessen<br />
sogenannte &quot;Vorlaufkurse&quot; eingerichtet. Das Einschulungsgespräch<br />
findet bei uns schon ein Dreivierteljahr vor Schuljahresbeginn statt,<br />
und wenn wir dann sehen, dass die Kinder kein Deutsch können,<br />
bekommen sie ein Dreivierteljahr intensiven Deutschunterricht. Und<br />
wenn sie dann immer noch nicht genug Deutsch können, dann noch<br />
ein weiteres komplettes Jahr. Wir machen damit in Hessen super Erfahrungen<br />
und viele Bundesländer haben dieses Modell mittlerweile übernommen.
</p>
<p>
<b>Katharina:</b> Also resignieren wir und überlassen<br />
Ausländern, ob mit Staatsangehörigkeit oder ohne, unsere<br />
Schulen?
</p>
<p>
<b>Hans-Christian:</b> Na ja, aber das ist auch keine<br />
Lösung. Wo sollen die nicht-deutsch-sprechenden denn hin? Auf<br />
die Straßen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Also Moment. @Hans-Christian:<br />
Nein, natürlich nicht! Sie sollen Deutsch lernen und bekommen<br />
das in Hessen auch vom Staat erstmals so angeboten und sollen dann,<br />
wenn sie gut Deutsch können, in die Schule. Wichtig ist, dass<br />
kein Kind diese frustrierende Erfahrung macht, im Klassenraum zu<br />
sitzen und kein Wort zu verstehen. Denn damit ist schulischer Misserfolg<br />
schon absolut vorprogrammiert. @Katharina: Wenn die Kinder wirklich<br />
integriert sind und wirklich gut dem Unterricht folgen können,<br />
ist das Problem auch nicht mehr so da.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine besondere &quot;Problemgruppe&quot;<br />
sind Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund<br />
&#8211; nicht nur mit türkischer sondern etwa auch mit russlanddeutscher<br />
Herkunft:
</p>
<p>
<b>Joachim&#8211;Schmidt:</b> Welche konkreten praktischen<br />
Maßnahmen können Sie sich zum Thema Integration gerade<br />
von Jugendlichen und älteren Ausländern vorstellen. Meines<br />
Erachtens werden zu diesem Thema oft nur Theorien abgegeben, ohne<br />
konkrete, umsetzbare Ideen zu liefern.
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Also @Moderator: In der<br />
Tat sind die Probleme mit jungen Russlanddeutschen oft genauso gravierend.<br />
Deswegen werden bei unserem hessischen Modell auch alle Kinder völlig<br />
unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft auf Deutschkenntnisse<br />
überprüft. Manchmal können sogar solche Kinder kein<br />
gutes Deutsch, die seit Generationen urdeutsch sind! @Joachim-Schmidt:<br />
Das wichtigste ist, dass wir allen Jugendlichen eine realistische<br />
Chance bieten, in unserer Gesellschaft erfolgreich zu sein. Das<br />
heißt, einen Job zu finden, eine Familie gründen zu können,<br />
soziale Anerkennung zu erfahren. Und da müssen wir bei den<br />
Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Tat zusätzlich<br />
zum Beispiel auf Qualifizierung und Weiterbildung setzen, ganz mühsam<br />
uns die Qualifikation jedes Einzelnen angucken und weitere Angebote<br />
machen, um ihm so eine realistische Chance in Deutschland zu geben.<br />
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir hoffentlich bald in Deutschland<br />
flächendeckend islamischen Religionsunterricht anbieten, aber<br />
genau nicht so wie in Berlin, wo mit der islamischen Föderation<br />
eine Gruppe an den Schulen unterrichten darf, die nicht wirklich<br />
von den Schulaufsichtsbehörden kontrolliert werden kann, und<br />
der auch immer wieder Verbindungen zu &quot;Milli Görus&quot;,<br />
die vom Verfassungsschutz als islamistisch eingestuft werden, nachgesagt<br />
werden. So ein Religionsunterricht wirkt gerade gegen Integration.<br />
Ein Religionsunterricht auf dem Boden unserer Verfassung würde<br />
bei der Integration helfen.
</p>
<p>
<b>Hunter6247:</b> Aber die Chance zu bieten, in unserer<br />
Gesellschaft erfolgreich zu sein, ist doch momentan keinem Jugendlichem,<br />
egal welcher Staatsbürgerschaft, gegenüber gewährleistet,<br />
wenn man sich die momentane Arbeitsmarktsituation ansieht, oder?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Gewährleistet ist sie<br />
gegenüber niemandem. Aber es ist nach wie vor so, dass –<br />
je besser die Bildung ist – umso höher die Chance auf<br />
dem Arbeitsmarkt ist. Wer überhaut keinen Schulabschluss hat,<br />
ist so gut wie chancenlos. Und dies sind überproportional viele<br />
Migranten.
</p>
<p>
<b>Gl?sch:</b> Produzieren wir nicht immer mehr Ausländerfeindlichkeit,<br />
wenn man mehr Menschen in die Sozialsysteme einwandern lässt,<br />
ohne ihnen Perspektiven bieten zu können. Macht zusätzliche<br />
Einwanderung eigentlich nur dann Sinn, wenn es wieder aufwärts<br />
geht in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Menschen, die wirklich politisch<br />
verfolgt sind, will ich in jeder wirtschaftlichen Lage helfen. Dies<br />
ist aber nur ein Bruchteil der Menschen, die nach Deutschland kommen.<br />
Dann gibt es noch die Bürgerkriegsflüchtlinge –<br />
auch denen müssen wir helfen. Aber wir müssen sehen, dass<br />
diese Menschen unter den europäischen Ländern gerechter<br />
aufgeteilt werden. Und wir müssen sehen, dass diese Menschen,<br />
wenn die Gefahr im Heimatland vorüber ist, wieder zurückgehen.<br />
Ein Großteil der Menschen, die nach Deutschland kommen, kommt<br />
aber in der Tat aus wirtschaftlichen Gründen. Das kann ich<br />
sogar persönlich nachvollziehen. Aber wir müssen einfach<br />
sehen, dass wir diese Menschen in Deutschland nicht aufnehmen können,<br />
weil das sowohl unsere finanzielle als auch unsere Integrationskapazität<br />
überschreitet. Mit dem neuen Zuwanderungsgesetz hat die CDU/CSU<br />
durchgesetzt, dass es keine Migration in den Arbeitsmarkt nach Deutschland<br />
geben darf.
</p>
<p>
<b>Martin KS:</b> Frau Köhler, wie gedenken Sie<br />
die offensichtlich insbesondere unter den türkischen Zuwanderern<br />
herrschenden tradierten und weit hinter der Aufklärung der<br />
europäischen Neuzeit hinterherhinkenden Rollenbilder von Mann<br />
und Frau zu verändern? Darf Toleranz so weit gehen, dass elementare<br />
Menschenrechtsverletzungen, die türkische Männer an ihren<br />
Frauen begehen hingenommen werden können?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zusatzfrage von mir gleich dazu: Wie<br />
ursächlich ist das Mann-Frau-Verhältnis bei Migranten<br />
für Probleme bei der Integration?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Wir dürfen/ müssen<br />
in der Tat ganz deutlich machen, dass die Gleichberechtigung von<br />
Mann und Frau zu den grundlegenden Prinzipien unserer Verfassung<br />
gehört und dass wir das deswegen auch einfordern. Wir haben<br />
in Deutschland zu lange unter dem Stichwort &quot;kulturelle Differenz&quot;<br />
falsche Toleranz geübt. Deswegen müssen wir z.B. schon<br />
im Schulunterricht klar machen, dass wir nicht dulden, dass Mädchen<br />
vom Sportunterricht oder Sexualkundeunterricht befreit werden. Und<br />
wir müssen gegen Zwangsheiraten vorgehen, zum Beispiel indem<br />
wir denjenigen, der seine Braut gezwungen hat, das Aufenthaltsrecht<br />
entziehen. In der Tat ist das Mann-Frau-Verhältnis eines der<br />
Grundprobleme bei der Integration. Es enthält aber auch eine<br />
große Chance, denn 50% der Migranten (die Frauen) würden<br />
durch ein Mehr an Integration wirklich mehr Lebenschancen bekommen<br />
und deswegen setze ich auch auf eine &quot;Emanzipationswelle&quot;<br />
bei muslimischen Frauen. Dabei muss sie aber der deutsche Staat<br />
unterstützen.
</p>
<p>
<b>ibizo:</b> In Frankreich dürfen weder Lehrerinnen noch<br />
Schülerinnen Kopftücher tragen. Sollte dieses Modell auch<br />
in Deutschland eingeführt werden?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich finde dieses Modell<br />
sehr sympathisch. Ich habe das auch neulich beim wissenschaftlichen<br />
Dienst des Bundestages prüfen lassen. Dort kam man zu dem Ergebnis,<br />
dass ein Kopftuchverbot für Schülerinnen mit der Verfassung<br />
nicht vereinbar ist. Schade.
</p>
<p>
<b>Storch:</b> Sie sprachen von dem Wunsch von CDU/CSU, die Migration<br />
in den Arbeitsmarkt zu verhindern. Wie lässt sich eine solche<br />
mindestens zweifelhafte Meinung vor dem Hintergrund der demografischen<br />
Perspektiven, die einen Bevölkerungsrückgang prognostizieren,<br />
rechtfertigen?
</p>
<p>
<b>demos:</b> Wer soll denn, wenn wir keine wirtschaftliche<br />
Einwanderung erlauben, für unsere Renten sorgen? Sollten wir<br />
nicht wirtschaftliche Einwanderung akzeptieren, und wie Kanada versuchen,<br />
diese nach unseren Wünschen zu steuern?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Wenn wir wirklich unsere<br />
demografischen Probleme über Zuwanderung lösen wollten,<br />
bräuchten wir eine so riesige Zahl an Zuwanderung, die die<br />
Integrationsfähigkeit unseres Landes bei weitem übersteigen<br />
würde. Außerdem zeigt sich, dass auch Zuwanderer sich<br />
nach ein, zwei Generationen in der Kinderzahl uns anpassen. Wir<br />
hätten also wieder genau dasselbe Problem. @Storch: In der<br />
Tat ist sich die Wissenschaft einig, dass es in ein, zwei Jahrzehnten<br />
eher einen Arbeitskräftemangel geben wird. Dann habe ich auch<br />
nichts gegen gezielte, gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften.<br />
Aber zurzeit würde das wirklich keinen Sinn machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wurde bereits vorher gestellt, passt<br />
aber auch hier:
</p>
<p>
<b>aber-aber:</b> Das spräche dann für eine<br />
engagiertere Entwicklungspolitik, um den Menschen, die ihre Heimat<br />
aus (auch wirtschaftlicher) Verzweiflung verlassen, den Grund für<br />
das notwendige Abwandern zu nehmen. Sehen Sie da einen Zusammenhang<br />
zwischen Entwicklungspolitik und Zuwanderungspolitik?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Dieser Zusammenhang ist<br />
absolut da. Allerdings sind es auch in der Regel nicht die Allerärmsten,<br />
die nach Deutschland kommen, weil die sich die &quot;Reise&quot;<br />
hierher gar nicht leisten können. Insofern ist eine gute Entwicklungshilfe<br />
vor allem auch ein moralisches Gebot, auch wenn sie bei der Frage<br />
der Zuwanderung nur teilweise Wirkung zeigt.
</p>
<p>
<b>gast1234567:</b> Meinen Sie nicht, dass die CDU-Regierung<br />
unter Kohl es verschlafen hat, die aus der Türkei kommenden<br />
Menschen, in ein Integrationsverfahren einzugliedern? Wieso wundern<br />
Sie sich jetzt, dass eine solche Parallelgesellschaft, wie wir sie<br />
besonders in Berlin vorfinden, entstanden ist?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich wundere mich darüber<br />
nicht! Und sicherlich hat die Regierung Kohl auch hier viel versäumt.<br />
Aber es ist auch die Wahrheit, dass wir Deutschkenntnisse schon<br />
seit vielen Jahren einfordern und dafür noch vor wenigen Jahren<br />
von den Grünen vorgeworfen bekamen, wir wollten &quot;Zwangsgermanisierung&quot;<br />
betreiben.
</p>
<p>
<b>Taleel:</b> Integration scheint ein wichtiger Punkt ihrer Politik<br />
zu sein, aber was ist mit den Mitbürgern, die sich nicht integrieren<br />
lassen?
</p>
<p>
<b>Mueller:</b> Sorry, aber ich vermisse bisher die Diskussion<br />
über den Anteil, den die Bevölkerung “deutscher<br />
Herkunft“ leisten muss für eine erfolgreiche Integration<br />
der Migranten. Integration kann doch nie nur einseitig erfolgen.<br />
Wie stehen Sie dazu, Frau Köhler?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> @Taleel: Wer sich wirklich<br />
dauerhaft jeder Integration verweigert, scheint auch kein großes<br />
Interesse zu haben, hier zu leben. Solche Leute müssen wir<br />
dann auch als letzte Konsequenz ausweisen. Das geht allerdings nicht,<br />
wenn ihr Leben in ihrem Herkunftsland bedroht ist. @Mueller: Ich<br />
denke schon, dass die größere Bringschuld bei denen liegt,<br />
die hierher gekommen sind. Aber das, was ich vorhin an Deutschkursen<br />
beschrieben habe ist ja ein Angebot, das der deutsche Staat den<br />
Migranten macht – auch kein ganz billiges! Auch die Integrationskurse,<br />
die seit 01.01.2005 jeder zugewanderte besuchen muss, verstehe ich<br />
als ein solches Angebot.
</p>
<p>
<b>Rory Breaker:</b> Viele Migrantinnen und Migranten<br />
verwechseln Integration mit Assimilation und fürchten um den<br />
Verlust ihrer Werte und Moral. Diese Angst ist vor allem bei Muslimen<br />
sehr ausgeprägt. Wie gedenkt die CDU diese Ängste und<br />
Sorgen aufzulösen und die große Wichtigkeit eines guten<br />
Integrationsprozesses darzustellen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Zum Beispiel dadurch, dass<br />
sich bei uns gerade bundesweit ein deutsch-türkisches Forum<br />
in der CDU gründet. Das sind also türkische CDU-Mitglieder,<br />
die genau das leben. Sie sind überzeugte Muslime und genauso<br />
überzeugte Deutsche. Dieses deutsch-türkische Forum wird<br />
hoffentlich in der Öffentlichkeit sehr deutlich machen, was<br />
wir unter Integration, und nicht Assimilation, verstehen.
</p>
<p>
<b>ibizo:</b> Wird Kristina Köhler nach einer gewonnenen Bundestagswahl<br />
in die Ministeriumsarbeit einsteigen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich will erst mal meinen<br />
Wahlkreis gewinnen und dann weiter eine gute Facharbeit machen.<br />
Und den Rest überlassen wir dem Schicksal und Frau Merkel!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Stunde ist um, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen, das Thema werden wir sich<br />
noch einmal aufgreifen. Herzlichen Dank, Frau Köhler, dass<br />
Sie sich für den Chat Zeit genommen haben. Das Transkript dieses<br />
Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Noch ein Terminhinweis:<br />
Morgen, Freitag, 17. Januar chatten wir aus Pjöngjang mit den<br />
ARD-Korrespondenten Mario Schmidt und Martin Fritz, die derzeit<br />
Nordkorea bereisen. Der Chat beginnt um dreizehn Uhr, hoffen wir,<br />
dass uns niemand die Leitung kappt. tagesschau.de wünscht allen<br />
Beteiligten noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Tschüss, hat mir auch<br />
sehr viel Spaß gemacht! Die Fragen waren außerordentlich<br />
gut.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Terrorismus und Zuwanderungsgesetz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/terrorismus-und-zuwanderungsgesetz-230/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Apr 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Bosbach]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
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					<description><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
<b>Wolfgang Bosbach<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->28.04.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
<b>Wolfgang Bosbach<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->28.04.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" -->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Zum Chat ist heute der Unionsfraktionsvize und Innenexperte Wolfgang<br />
Bosbach ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr Bosbach, sind Sie bereit<br />
für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?</span>
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wbosbach.jpg" alt="Wolfgang Bosbach, Unions-Fraktionsvize" align="left" height="115" width="84" />Wolfgang<br />
Bosbach:</b> Ich freue mich darauf.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir wollen in der nächsten Stunde<br />
verschiedenste Themen ansprechen: Kanzlerkandidaten-Frage, Schicksal<br />
der GSG-9-Beamten im Irak, Terrorismus, Bundespräsidentenfrage,<br />
Zuwanderungsgesetz. Doch erst eine Frage vorweg: Auf welchem Gebiet<br />
ist die Union Ihrer Einschätzung nach momentan am erfolgreichsten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> In der Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik,<br />
weil wir da schon am Beispiel Neuregelung für die Minijobs nachweisen<br />
konnten, dass unsere Ideen zur Belebung des Arbeitsmarktes die Richtigen<br />
sind. In diesem Bereich wurden hunderte neue Arbeitsplätze geschaffen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort Terrorismus:<br />
Ihrer Meinung nach wird die Gefahr des islamistischen Terrorismus in<br />
Deutschland noch weitgehend unterschätzt. Was müsste am dringendsten<br />
getan werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Wir müssen uns die Menschen,<br />
die nach Deutschland einreisen wollen, näher ansehen und es muss<br />
wieder gelten, im Zweifel für die Sicherheit und nicht wie zur<br />
Zeit für die Einreisefreiheit. Wir müssen uns von ausländischen<br />
Straftätern, gewaltbereiten Islamisten und Terrorhelfern leichter<br />
trennen können, als das derzeit möglich ist. Wir müssen<br />
aber auch die geistige Auseinandersetzung mit denen führen, die<br />
unsere freiheitliche Ordnung stören wollen.
</p>
<p>
<b>Claudia:</b> Im Hilton-Hotel in Berlin war gerade wieder<br />
ein Fehlalarm, reagieren wir inzwischen auf Terrordrohungen nicht viel<br />
zu sensibel?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Es gibt keinen Grund, die Sicherheitslage<br />
zu dramatisieren, aber wir dürfen sie auch nicht bagatellisieren.<br />
Wenn die Sicherheitsbehörden ernstzunehmende Hinweise auf ein möglicherweise<br />
stattzufindendes Attentat bekommen, dann bleibt ihnen nichts anderes<br />
übrig, als zur Gefahrenabwehr das Gebäude räumen zu lassen<br />
und nach Sprengstoff zu suchen, oder anderen Gefahrenquellen.
</p>
<p>
<b>bluemoon:</b> Welche Kriterien sollen denn da gelten?<br />
Müsste nicht viel mehr Datenaustausch zwischen den Geheimdiensten<br />
erfolgen? Was spricht denn gegen ein deutsches FBI?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Der reibungslose und direkte Austausch<br />
von Daten und Informationen ist zur Terrorbekämpfung außerordentlich<br />
wichtig. Es gibt immer noch keine zentrale Datei zur Terrorismusbekämpfung,<br />
in der sowohl die Polizeien als auch die Dienste ihre Erkenntnisse einstellen<br />
können bzw müssen; dies wird begründet mit dem sog. Trennungsgebot<br />
von Diensten und Polizeien. Das Argument überzeugt aber nicht,<br />
denn es geht nicht um die Übertragung von Befugnissen auf die Dienste,<br />
sondern nur um den Austausch von Informationen. Wenn die Polizei wüsste,<br />
was sie alles weiß, wäre Deutschland sicherer. Eine zentrale<br />
Bundespolizei neben BKA, BGS und ZKA würde meiner Überzeugung<br />
nach aber nicht zu mehr Sicherheit führen. Möglich wäre<br />
jedoch die ermittelnden Einheiten der Bundespolizeien zusammen zu fassen.
</p>
<p>
<b>grinx03:</b> Brauchen wir den großen Lauschangriff<br />
und Vorratsdatenspeicherung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Die akkustische Wohnraumüberwachung<br />
ist zwar ein nur sehr selten angewandtes aber unverzichtbares Mittel<br />
zur Verbrechensbekämpfung, das sich in den letzten Jahren insbesondere<br />
bei der Aufklärung von Kapitalverbrechen bewährt hat. Bei<br />
der Vorratsdatenspeicherung kann ich im Moment nicht erkennen, auf welchen<br />
Sachverhalt sich die Frage bezieht.
</p>
<p>
<b>gaby:</b> Hat die Union Pläne, wie man Terrorbekämpfung<br />
in Europa besser koordinieren könnte?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Es ist richtig, dass wir den internationalen<br />
Terrorismus mit nationalen Mitteln alleine nicht werden bekämpfen<br />
können. Notwendig sind eine funktionierende grenzüberschreitende<br />
Zusammenarbeit: Der Austausch von Verbindungsbeamten, aber auch Ermittlungserkenntnissen<br />
und die Stärkung von Europol.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir springen kurz zurück:
</p>
<p>
<b>bluemoon:</b> Eine neue Bundespolizei sicherlich nicht,<br />
aber eine, die die Aufgaben der einzelnen Behörden, es gibt ja<br />
auch noch die ganzen Landesbehörden, bündelt! Ist es da nicht<br />
logische Konsequenz, dass etwas schief gehen muss. Warum wird hier die<br />
föderale Organisation so &quot;hoch&quot; gehalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich will das nicht mit dem formalen<br />
Argument begründen, dass es zunächst die Länder gab und<br />
dann erst den Bund, und dass das Grundgesetz von einer grundsätzlichen<br />
Verwaltungshoheit der Länder ausgeht, sondern von zwei anderen<br />
Überlegungen: Zum Einen garantieren dezentrale Strukturen einen<br />
viel unmittelbareren Überblick über Gefährdungslagen<br />
bei der inneren Sicherheit (die Länderpolizeien sind am Geschehe<br />
&quot;näher&quot; dran) und große Behörden und Organisationsstrukturen<br />
bedeuten oft nicht mehr Effektivität, sondern mehr Bürokratie.<br />
Bei gemischten Zuständigkeiten von Bund und Ländern besteht<br />
zu dem die Gefahr, dass entweder zwei Behörden am gleichen Sachverhalt<br />
arbeiten oder dass ein Sachverhalt überhaupt nicht bearbeitet wird,<br />
weil jeder glaubt, die Zuständigkeit läge beim anderen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch eine weitere Facette des Themas: Die<br />
Union fordert den Einsatz der Bundeswehr im Inneren, Blödsinn sagen<br />
andere. Deshalb,&#8230;
</p>
<p>
<b>marcy:</b> Ist die Bundeswehr dem Terrorismus gewachsen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir wollen nicht die Gewährleistung<br />
der inneren Sicherheit von der Polizei auf die Bundeswehr übertragen,<br />
sondern nur die Rechtsgrundlagen dafür schaffen, dass die Bundeswehr<br />
zukünftig zur Abwehr terroristischer Gefahren im Inland eingesetzt<br />
werden darf, wenn nur sie die Fähigkeiten hat, einen Angriff abzuwehren.<br />
Bei Angriffen aus der Luft ist es ja evident, dass nur die Luftwaffe<br />
der Bundeswehr, nicht aber die Polizei, die Gefahr bannen kann. Wir<br />
haben weltweit die besten ABC-Abwehrkräfte, die wir nach unsere<br />
Verfassung in jedem Land der Erde einsetzen dürfen, nur nicht in<br />
Deutschland zur Abwehr eines terroristischen Anschlags. Das wollen wir<br />
ändern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort: Mzoudi-Freispruch:
</p>
<p>
<b>wischi:</b> Untergräbt die Justiz die Polizeiarbeit,<br />
siehe Prozess in Hamburg, indem sie Terroristen wieder auf freien Fuß<br />
setzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Das Urteil habe ich mit zwiespältigen<br />
Gefühlen zur Kenntnis genommen. Auf der einen Seite ist es in der<br />
Tat mehr als nur unbefriedigend, wenn ein zweifelsfrei brandgefährlicher<br />
Angeklagter den Gerichtssaal als freier Mann verlassen kann., aber den<br />
Grundsatz &quot;Im Zweifel für den Angeklagten&quot; können<br />
und dürfen wir aus rechtsstaatlichen Überlegungen nicht aufgeben.<br />
Wenn ein Gericht Zweifel an der Schuld eines Angeklagten hat, kann keine<br />
Verurteilung erfolgen. Aber das heißt nicht, dass Her Mzoudi wegen<br />
seiner Gefährlichkeit nicht ausgewiesen werden sollte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier wollen wir zu einem anderen Thema<br />
überleiten:<br />
Humanitäre Organisationen haben sich besorgt darüber gezeigt,<br />
dass die wichtige und überfällige Entscheidung beim Zuwanderungsgesetz<br />
zunehmend von Fragen der Terrorbekämpfung dominiert wird. Gibt<br />
es da eine unheilvolle Verquickung?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch mal zur internationalen Strafbarkeit:
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Nein. Das Ausländerrecht hat<br />
stets auch Vorschriften zum Zwecke der Gefahrenabwehr enthalten, die<br />
unserer Überzeugung nach den neuen Gefährdungslage angepasst<br />
werden müssen. Anfang des Jahres hat Rot-Grün gefordert, das<br />
Kapitel Sicherheit aus den Verhandlungen auszuklammern: das konnten<br />
wir nicht akzeptieren. Nach dem 11. März war Rot-Grün nun<br />
doch bereit, auch über dieses Thema zu sprechen. Die Verhandlungen<br />
werden am kommenden Wochenende fortgesetzt.
</p>
<p>
<b>Walt:</b> Wie wird sich die Union im Zuwanderungsstreit<br />
verhalten? Prognosen besagen, dass Deutschland eine jährliche Zuwanderung<br />
von ca. 250.000 Menschen benötigt, um die negativen wirtschaftlichen<br />
Effekte des Bevölkerungssrückganges halbwegs zu kompensieren.<br />
Ist es da nicht reichlich kontraproduktiv, die Zuwanderung zu begrenzen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben jedes Jahr eine Bruttozuwanderung<br />
zwischen 750.000 und 800.000 und eine Nettozuwanderung von ca. 200.000.<br />
Wenn wir uns darum bemühen würden, das Geburtendefizit durch<br />
mehr Zuwanderung zu kompensieren, müssten wir die Nettozuwanderung<br />
vervierfachen, was die Integrationskraft unseres Landes weit überfordern<br />
würde. Die demographische Entwicklung in Deutschland ist allerdings<br />
in der Tat besorgniserregend, dies ist aber in erster Linie eine Herausforderung<br />
für die Familienpolitik, nicht für das Ausländerrecht.
</p>
<p>
<b>regina:</b> Was ist Brutto, was ist Netto?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Nettozuwanderung ergibt sich aus<br />
dem Zuzug aller Deutschen und Ausländer nach Deutschland (Bruttozuwanderung)<br />
minus dem Fortzug von Deutschen und Ausländern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> UN-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers<br />
hat an den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat appelliert,<br />
nicht den Schutz von Opfern nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer<br />
Verfolgung im geplanten Zuwanderungsgesetz zu streichen. Im europäischen<br />
Vergleich habe Deutschland in diesen Fragen noch Nachholbedarf, so Lubbers.<br />
Ist die Union dort uneinsichtig?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Bundesregierung hat vor wenigen<br />
Wochen der betreffenden EU-Richtlinie zugestimmt, so dass sie nun für<br />
Deutschland geltendes Recht wird. Dem Text dieser Richtlinie könnten<br />
wir ins deutsche Ausländerrecht übernehmen. Wir sollten aber<br />
nicht über diese Richtlinie hinaus gehen.
</p>
<p>
<b>Steuerzahler:</b> Sattelt man da das Pferd nicht von der<br />
falschen Seite? Sollte man nicht eher die Familie so stärken, dass<br />
eine Frau mit Kind erwerbstätig bleiben kann, anstatt die Zuwanderung<br />
allein zu regeln?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Richtig ist, dass wir die gesellschaftlichen<br />
Rahmenbedingung so ändern sollten, dass insbesondere junge Familien<br />
bzw. erwerbstätige Mütter nicht vor die Alternative gestellt<br />
werden, Erziehung oder Erwerbstätigkeit, sondern dass sie beides<br />
&#8211; wenn sie es gerne möchten &#8211; miteinander vereinbaren können.<br />
Dazu gehören die Stichworte &quot;ausreichende Kindertagesstätten,<br />
Ganztagsschule, Randstunden – Über-Mittags-Betreuung&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu der vorletzten Antwort: Sie stimmen<br />
also zu, den Schutz von Opfern nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer<br />
Verfolgung nicht zu streichen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben stets gesagt, dass wir<br />
den Anwendungsbereich der Genfer-Flüchtlingskonvention strikt beachten,<br />
aber auch nicht ausdehnen wollen. Schon nach geltender Rechtslage können<br />
auch Opfer von nichtstaatlicher Verfolgung innerstaatlichen Schutz in<br />
Anspruch nehmen, aber nicht bei jeder Form nichtstaatlicher Verfolgung,<br />
z.B. dann wenn sich marodierende Banden bekämpfen.
</p>
<p>
<b>kummer:</b> Tja, nur mit dem Aufruf zum Kinderkriegen<br />
wird man das nicht hinbekommen. Vielleicht ein bisschen familienfreundlicher<br />
agieren? Die Merzsche Steuerpolitik ist ja da nicht gerade besonders<br />
weit &#8211; am Ende tut`s den Besserverdienern wieder gut.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Der bloße Aufruf alleine wird<br />
sicherlich die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder nicht sprunghaft<br />
ansteigen lassen, aber eine konsequente kinderfreundliche Politik wohl.<br />
Das Merzsche Steuerkonzept ist ausgesprochen familienfreundlich, denn<br />
jeder soll einen Freibetrag in Höhe von 8.000 Euro pro Person erhalten<br />
plus Arbeitnehmerpauschalbetrag &#8211; wäre bei einer vierköpfigen<br />
Familie ein Betrag von 33.000 Euro komplett steuerfrei, so dass insbesondere<br />
viele Familien mit Kindern überhaupt keine Einkommessteuer mehr<br />
bezahlen müssten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Um den Deckel bei der Zuwanderung zuzumachen:<br />
Am Freitag tagt mal wieder die Arbeitsgruppe Zuwanderung des Vermittlungsausschusses<br />
von Bundestag und Bundesrat. Wird es zum Durchbruch kommen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich würde mich ja schon freuen,<br />
wenn es wenigstens einen substantiellen Fortschritt geben würde.<br />
Dies setzt allerdings voraus, dass wir von Seiten der Koalition beim<br />
Bereich Sicherheit nicht nur vage Ankündigungen, sondern konkrete<br />
Texte vorgelegt bekommen, über die man dann verhandeln kann. Auch<br />
wenn wir am Wochenende nicht zu einem Abschluss kommen sollten, werden<br />
wir am Samstag doch sicherlich, eher als heute beurteilen können,<br />
ob es am Ende zu einer Einigung kommen wird oder nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nächstes Thema: Wegen des tödlichen<br />
Anschlags auf einen deutschen Konvoi im Irak sollen GSG-9-Beamte zum<br />
Schutz der Botschaft in Bagdad nun doch mit dem. Wegen des tödlichen<br />
Anschlags auf einen deutschen Konvoi im Irak sollen GSG-9-Beamte zum<br />
Schutz der Botschaft in Bagdad nun doch mit dem verlegt werden. Heute<br />
hat der Innenausschuss darüber getagt, was ist dabei herausgekommen.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich habe leider persönlich<br />
an den Beratungen nicht teilnehmen können. Nach den uns bisher<br />
erteilten Informationen können wir jedoch nach wie vor nicht nachvollziehen,<br />
warum es nicht möglich gewesen sein soll, neben dem Geschäftsträger<br />
auch die GSG-9-Beamten auf dem sichereren Luftweg nach Bagdad zu transportieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt den Vorwurf, die Bundesregierung<br />
sei zu stolz gewesen, die Amerikaner um Transportmöglichkeiten<br />
zu bitten. Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich halte es für nicht ausgeschlossen,<br />
dass dieser Vorwurf zutreffend ist. Sollte er sich als wahr herausstellen,<br />
wäre eine derartige Haltung unbegreiflich und unverantwortlich,<br />
denn bei der besonderen Gefahrenlage im Irak muss der Schutz von Menschenleben<br />
immer mehr Gewicht haben als jede politische Erwägung.
</p>
<p>
<b>calamity:</b> Glauben Sie, nachdem zwei GSG9 Beamte entführt<br />
wurden, dass wir uns überhaupt am wirtschaftlichen Aufbau im Irak<br />
beteiligen sollten, wäre dies nicht zu gefährlich?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ein Irak, das eine stabile demokratische<br />
Ordnung hat, die Menschenrechte wahrt und von dem keine Gefahr mehr<br />
ausgeht, liegt auch in unserem Interesse. Daher sollten auch wir uns<br />
an humanitären Hilfeleistungen für den Irak angemessen beteiligen.<br />
Es geht dabei nicht in erster Linie um die Beseitigung von Kriegsschäden,<br />
sondern um den Wiederaufbau eines Landes, das unter einer jahrzehntelangen<br />
Diktatur gelitten hat. Richtig ist, dass bei dem Einsatz von Personal<br />
auf deren Sicherheit besonderer wert gelegt werden muss.
</p>
<p>
<b>sommerwind</b> Sie verteidigen Köhlers Kritik an<br />
den USA. Fallen sie damit Merkel in den Rücken oder loten sie einen<br />
Kurswechsel aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Horst Köhler hat gestern vor<br />
der Unionsfraktion in der Bundesversammlung gesagt, dass sowohl die<br />
USA als auch die Europäer Fehler gemacht hätten. Wer will<br />
das bestreiten? Er hat aber auch gesagt, dass die USA &quot;ein Hort<br />
der Freiheit&quot; seien und dass unser Platz an ihrer Seite sein müsste.<br />
Dies ist kein Widerspruch zu den Positionen im Irak-Konflikt und ich<br />
sehe auch keinen Grund, warum Angela Merkel ihre bisherigen Aussagen<br />
in diesem Punkt korrigieren sollte.
</p>
<p>
<b>politicalforce:</b> Zur K-Frage: Jeder der beiden bedeutendsten<br />
Politiker, Stoiber wie auch Merkel, würden beim nächsten Mal<br />
den Wechsel schaffen. Nur die Frage, ob die Partei- und Fraktionschefin<br />
sich mit dem Verweis Stoiber hat seine Chance schon bewiesen, vielleicht<br />
auch auf sein Alter, 2006 durchsetzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Über ihren Optimismus freue<br />
ich mich, allerdings schlage ich vor, dass wir nicht zu früh jubeln,<br />
sondern alle Kraft darauf konzentrieren, dass aus den guten Umfrageergebnissen<br />
ein ebenso gutes Wahlergebnis wird. Die berühmte K-Frage sollten<br />
wir erst dann entscheiden, wenn sie entschieden werden muss, was nach<br />
Lage der Dinge erst 2006 der Fall sein wird.
</p>
<p>
<b>ju_stadtlohn:</b> Herr Köhler spricht doch nicht<br />
ex cathedra, das ist doch eine Meinung unter vielen. Warum wird er dennoch<br />
zurück gepfiffen?
</p>
<p>
W<b>olfgang Bosbach:</b> Niemand pfeift Herrn Köhler<br />
zurück und für mich ist es geradezu erfreulich und erfrischend,<br />
wie offen Herr Köhler das sagt, was er denkt. Auch für ihn<br />
gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung und davon sollte<br />
er auch weiterhin Gebrauch machen.
</p>
<p>
<b>icke03:</b> Hätte Merkel überhaupt noch eine<br />
Chance auf eine Kanzlerkandidatur, würde wider Erwarten Gesine<br />
Schwan zur Bundespräsidentin gewählt werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ja. Deutschland hat in den vergangenen<br />
Jahrzehnten zwei Männer in den Ämtern des Bundeskanzlers und<br />
Bundespräsidenten völlig problemlos verkraftet. Warum sollte<br />
das bei zwei Frauen anders sein?
</p>
<p>
<b>Mark25:</b> Das ist doch nur Geplänkel &#8211; es weiß<br />
doch jeder, dass, wenn Angela Merkel zur Wahl antreten würde, die<br />
derzeitige Regierung weitere 4 Jahre regieren würde.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich glaube, dass wir mit einer Kanzlerkandidatin<br />
Angela Merkel gute Wahlchancen hätten, denn sie hat sich in allen<br />
bisherigen Ämtern hervorragend bewährt und genießt nicht<br />
nur in der Union hohes Ansehen. Ich bitte aber auch um Verständnis<br />
dafür, dass ich mich an K-Spekulationen nicht weiter beteiligen<br />
möchte, denn die Union würde einen kapitalen Fehler machen,<br />
wenn wir uns jetzt mehr mit Personal- als mit Sachfragen beschäftigen<br />
würden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dazu passt:
</p>
<p>
<b>Mark25:</b> Das heißt man wählt nicht mehr,<br />
weil man von Konzepten der jeweiligen Partei überzeugt ist, sondern<br />
nur um die &quot;Anderen&quot; abzuwählen&#8230;.?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Sicherlich spielt bei vielen Wahlentscheidungen<br />
nicht nur die Begeisterung über die Politik der gewählten<br />
Partei, sondern auch die Enttäuschung über die Fehlleistungen<br />
der politischen Konkurrenz eine Rolle. Meistens haben die Wählerinnen<br />
und Wähler ein ganzes Bündel von Wahlmotiven, aber den Wahlzetteln<br />
kann man es nicht ansehen, warum die Wähler die eine oder die andere<br />
Partei gewählt haben.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Unsere Zeit ist bereits um. Vielen Dank<br />
an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen sind<br />
leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Bosbach, dass Sie<br />
sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses Chats<br />
finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten Chat gibt<br />
es am nächsten Montag, dem 3. Mai, ab 3.00 Uhr mit dem Chef der<br />
Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Ludwig Georg Braun. Das<br />
tacheles.02-Team wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Ich bedanke mich für das lebhafte<br />
Interesse und hoffe, dass niemand enttäuscht ist, dass ich seine<br />
Frage nicht beantwortet habe.
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Ausweisungsvorschriften für gefährliche Ausländer verschärfen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Norbert Röttgen]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Dr. Norbert Röttgen<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->31.03.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Dr. Norbert Röttgen<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->31.03.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Heute feiern wir ein kleines<br />
Jubiläum: das ist der 100. Chat von tacheles.02 &#8211; dem Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de mit Unterstützung von tagesspiegel.de<br />
und sueddeutsche.de. Heute ist Norbert Röttgen, CDU-Politiker,<br />
Rechtsexperte und rechtspolitischer Sprecher der Unionsfraktion ins<br />
ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herzlich willkommen, können wir<br />
beginnen?</span>
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich möchte meiner Freude Ausdruck<br />
geben, dass ich hier bei diesem Jubiläum sein darf und freue mich<br />
sehr.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Röttgen, vor zwei Stunden hat in Berlin<br />
die Afghanistan-Konferenz begonnen &#8211; der fortgesetzte Versuch, durch<br />
die Stabilisierung des Landes dem internationalen Terrorismus eine Basis<br />
zu entziehen. Was ist wichtiger, die Förderung Afghanistans oder<br />
die gezielte Suche und Bekämpfung mutmaßlicher islamischer<br />
Terroristen?
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/nroettgen.jpg" align="left" height="115" width="84" />Norbert<br />
Röttgen:</b> Es wäre falsch, dies als entweder oder zu behandeln.<br />
Ganz wichtig ist, die Ursachen des Terrorismus, die im Kern außerhalb<br />
unseres Landes liegen zu beseitigen. Terrorismus ist letztendlich nicht<br />
politisch oder militärisch zu besiegen, denn trotzdem hat der Staat<br />
die exklusive Aufgabe alles Mögliche und rechtsstaatlich Mögliche<br />
für die Sicherheit der Bürger zu tun und hier gibt es Defizite.</p>
<p>
<b>buerger:</b> Trotz Terrorwarnungen, der große Lauschangriff<br />
ist zunächst am Verfassungsgericht gescheitert. Wird das Thema<br />
innere Sicherheit in Deutschland zu lasch gehandhabt?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Der so genannte große Lauschangriff<br />
ist im Kern vom Bundesverfassungsgericht bestätigt worden, allerdings<br />
gibt es ein großes Problem darin, die Entscheidung praxisgerecht<br />
umzusetzen. Das Verfassungsgericht hat ausdrücklich das Recht jedes<br />
Bürgers, einen absolut geschützten Rückzugsbereich zu<br />
haben, höher bewertet, als das Allgemeininteresse, auch schwere<br />
Kriminalität zu bekämpfen. Bei nur rund 30 Abhörungen<br />
im Jahr wird damit nach meiner Überzeugung dem Individualinteresse<br />
ein Übergewicht eingeräumt. Terroristen dieses Recht einzuräumen,<br />
halte ich für falsch und die Entscheidung für schwer praktikabel,<br />
weil sie Tarnmöglichkeiten für diejenigen bietet, die schwerste<br />
Verbrechen heimlich verabreden und organisieren. Die Entscheidung des<br />
Verfassungsgerichts wirft auch die unbeantwortete Grundsatzfrage auf,<br />
wie das Verhältnis des Verfassungsstaates und der aktuellen terroristischen<br />
Herausforderung gestaltet werden soll. Ich plädiere dafür<br />
diese Grundsatzfrage &#8211; was kann, was darf der Staat &#8211; vor einem Terrorangriff<br />
zu diskutieren und nicht nach einer möglichen Hysterie nach einem<br />
Anschlag.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das Verfassungsgericht sagt: Kein Abhören im<br />
Schlafzimmer. Heißt, ein bisschen übers Kuscheln reden und<br />
schon schalten sich die Verfassungsschützer ab. Selbst wenn es<br />
so wäre, hemmt das die Fahndung oder Überwachung von Terroristen<br />
wirklich?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich meine leider ja. Sobald die Polizei<br />
intimes Vokabular hört, das möglicherweise ja ein Code für<br />
Absprachen ist, muss nach dem Urteil die Polizei abschalten; sie darf<br />
nicht dokumentieren, sie muss abschalten. Wann darf die Polizei wieder<br />
einschalten? Kann die Polizei ein Tonband, das läuft, von menschlichen<br />
Stimmen unterscheiden? Bei nur 30 Maßnahmen im Jahr scheint mir<br />
das eine Fehlgewichtung zu sein &#8211; jedenfalls gegenüber schwersten<br />
Formen von Kriminalität, insbesondere von Terrorismus.
</p>
<p>
<b>erez:</b> Deutschland ist das Land mit der häufigsten Telefonüberwachung<br />
(Prantl, SZ). Wie ist eine Überwachung zu rechtfertigen, die in<br />
der Praxis zig Unbeteiligte unter Verdacht stellt und deren Durchführung<br />
nicht einmal die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt. (Bekanntgabe<br />
d. Überwachung an die Beteiligten nach d. Aktion)?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die mangelnde Bekanntgabe ist beispielsweise von<br />
Herrn Ströbele scharf kritisiert worden.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Vollzugsdefizite sprechen nicht gegen<br />
ein Instrument, sondern erfordern eine bessere Anwendung. Da muss man<br />
die Anwendung verbessern, aber nicht das Instrument abschaffen. Keiner<br />
bestreitet die hohen rechtsstaatlichen Anforderungen an solche Instrumente,<br />
aber das darf kein Vorwand sein, sie gänzlich abzuschaffen oder<br />
sie so auszugestalten, dass sie keine praktische Wirkung mehr haben.
</p>
<p>
<b>elVisa:</b> Die Zahl der Lauschangriffe steigt in Deutschland auch<br />
ohne großen Lauschangriff. Wofür also der Sache Tür<br />
und Tor öffnen, statt die bestehenden Gesetze auszuschöpfen?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Die Zahl steigt nicht, wir haben im Jahr<br />
rund 30 solcher Maßnahmen (großer Lauschangriff), also ein<br />
sehr zurückhaltender Einsatz. Die technischen Überwachungsmaßnahmen<br />
sind zunehmend nötig um in abgeschottete organisierte Kriminalitätsstrukturen<br />
eindringen zu können. Sie reflektieren also auch den hohen Organisationsgrad<br />
von Kriminalität und das Tätigsein ethnisch sprachlich abgeschotteter<br />
Täterkreise.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was ist mit der &quot;allgemeinen&quot; Telefonüberwachung?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich halte sie für ein unerlässliches<br />
Instrument. Das auch einer intensiven Kontrolle bedarf aber unabweisbar<br />
notwendig ist, um in organisierte Strukturen schwerer Kriminalität<br />
eindringen zu können.
</p>
<p>
<b>bürger:</b> Wie ist es denn mit dem Hauptkommunikationsmittel<br />
Internet &#8211; sind Deutsche Behörden personell und technisch ausreichend<br />
ausgestattet, um die Sicherheit der Bevölkerung vor Anschlägen<br />
abzusichern?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Es gibt Defizite in der Informationsvernetzung<br />
der Sicherheitsbehörden. Ich halte es z.B. für skandalös,<br />
dass wegen föderaler Finanzierungsstreitigkeiten es in Deutschland<br />
noch keinen einheitlichen Digitalfunk der Sicherheitsbehörden gibt.<br />
Wenn jeder in der Polizei wüsste, was die Polizei und die Sicherheitsbehörden<br />
intern wissen, wären wir schone einen erheblichen Schritt weiter.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal die Frage bezogen auf den Informationsweg<br />
der mutmaßlichen Terroristen &#8211; diese nutzen ja bekanntermaßen<br />
das Internet sehr stark. Halten Sie da die Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden<br />
im Internet für ausreichend?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Da sehe ich kein Defizit, das Internet<br />
erleichtert erheblich auch die Kommunikation von Verbrechern und Terroristen,<br />
aber ich sehe kein Defizit im Zugriff durch die Polizei weil das Internet<br />
sich durch allgemeine Zugänglichkeit ja gerade auszeichnet. Aber<br />
es ist eben ein Instrument weltweiter Kommunikation auch für Terroristen.
</p>
<p>
<b>Pohl:</b> Ist es nicht so, dass man einen Terroranschlag einfach<br />
nicht verhindern kann, wenn er sich gegen weiche Ziele richtet?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Keiner kann das Gegenteil garantieren,<br />
aber man kann etwas zur Vorbeugung tun. In Deutschland sind eine Reihe<br />
von Anschlägen verhindert worden, und das Gebot der Stunde heißt<br />
auch Prävention. Die Repression stößt ja bei Menschen,<br />
die bereit sind, ihr Leben wegzuwerfen, an Grenzen. Darum muss die Prävention<br />
auf allen Ebenen gestärkt werden. Hier gibt es ungenutzte Instrumente<br />
und Festhalten an überkommenem Souveränitätsdenken innerhalb<br />
Deutschlands und zwischen den Staaten der EU.
</p>
<p>
<b>MdB_Sachsen:</b> Arbeitet der Datenschutzbeauftragte gegen die effiziente<br />
Terrorbekämpfung?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dazu: Der Berliner Datenschutzbeauftragte Hansjürgen<br />
Garstka hat heute davor gewarnt, Sicherheitsmaßnahmen zu Lasten<br />
der persönlichen Freiheit einzuführen. Flächendeckende<br />
Videoüberwachung, Telefonabhören zu präventiven Zwecken,<br />
&quot;Stille SMS&quot; sind für ihn nicht mit rechtsstaatlichen<br />
Grundsätzen zu vereinbaren
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Das ist die Grundsatzfrage: Wie reagiert<br />
der Verfassungsstaat auf Terrorismus. Ich möchte zugeben, dass<br />
ich auf diese Frage noch keine abschließende Antwort habe, aber<br />
ich bin nicht bereit, schlicht die Kapitulation des Verfassungsstaates<br />
zu akzeptieren weil ohne Sicherheit Freiheit nicht möglich ist.<br />
Und darum müssen wir nach meiner Auffassung alles Rechtstaatliche<br />
ausschöpfen, z.B. als Instrument der Prävention eine Kronzeugenregelung<br />
einführen, zur Verhinderung neuer Verbrechen. Tabuisierungen, wie<br />
die von Ihnen zitierten, führen eine Weile zu Handlungsverweigerungen<br />
und dann vielleicht nach einem Anschlag zu Übertreibungen und sind<br />
damit gefahrsteigernd.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommentar von :
</p>
<p>
<b>opfer:</b> Benjamin Franklin hatte da eine andere Auffassung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachtrag zur so genannten Stillen SMS:<br />
Stille SMS = Eine SMS, die das Handy als &quot;empfangen&quot; an das<br />
Mobilfunkunternehmen meldet, aber nicht auf dem Display oder im Speicher<br />
anzeigt. Der Trick für Ermittler, die solche SMS verschicken: Dadurch<br />
entstehen auch ohne &quot;normale&quot; Telefongespräche Verbindungsdaten<br />
&#8211; die wiederum können die Ermittlungsbehörden praktisch gleichzeitig<br />
am PC abfragen. Da die Verbindungsdaten auch zeigen, wo sich das Handy<br />
befindet, weiß man dann auch, wo der Besitzer gerade ist (je nach<br />
dem ob in der Stadt oder auf dem Land mit einer Genauigkeit von bis<br />
zu einigen hundert Metern)
</p>
<p>
<b>hennis:</b> Wie kann man das Problem der zu Terrorzwecken nach Deutschland<br />
einreisenden Personen in den Griff bekommen?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Indem wir alles tun, um stärkere<br />
Kontrollen zu ermöglichen und wenn eine auf Tatsachen begründete<br />
Gefahr mit der Einreise verbunden ist, die Einreise ablehnen. Wir brauchen<br />
darüber hinaus erweiterte Möglichkeiten der Ausweisung, wenn<br />
Tatsachen belegen, dass von einem Ausländer terroristische Gefahren<br />
ausgehen. Die Hürden des Ausländergesetzes sind zurzeit zu<br />
hoch, dies führt dazu, dass wir mit hohem Aufwand gefährliche<br />
Personen in beachtlicher Zahl beobachten, aber nicht einschreiten können.
</p>
<p>
<b>mwerner:</b> Wie stellen Sie sich vor, stärkere Kontrollen<br />
durchzuführen, ohne der Bevölkerung ihre Freiheit zu nehmen<br />
(sprich Überwachungsstaat)? Die USA sind da ja eines der schlechten<br />
Beispiele.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Sicherheit ist eine Voraussetzung der<br />
Freiheit, die Opfer von Terrorismus sind auch in ihrer Freiheit und<br />
in ihrem Leben beeinträchtigt, darum führt diese Alternative<br />
in die Irre. Es geht immer um Abwägungen. Von dem gegenwärtigen<br />
Terrorismus geht eine erhebliche Gefahr für einzelne Menschen und<br />
unsere Gesellschaft aus und darum ist es ein Gebot der Freiheit und<br />
Friedesssicherung effektiv vorzugehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die erste Frage wohl recht allgemein, die zweite<br />
trifft den Kern meines Erachtens:
</p>
<p>
<b>Bert Schlächter:</b> Definieren Sie bitte Terrorismus!
</p>
<p>
<b>buerger:</b> Ab wann wird ein Extremist Terrorist &#8211; erst bei Planung<br />
eines Anschlages oder bereits bei Ablehnung der Verfassung (des Gastlandes)?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Die Schwelle zum Terrorismus ist übersprungen,<br />
wenn aus der Ablehnung des so Seins der westlichen Gesellschaften die<br />
Bereitschaft folgt, aktiv und gewaltsam diese Gesellschaften zu zerstören.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie haben gerade die Tatsachen erwähnt, auf<br />
deren Grundlage man davon ausgehen kann, dass terroristische Gefahren<br />
von Ausländern ausgehen:
</p>
<p>
<b>Vogel:</b> Der Begriff der Tatsachen ist ebenso problematisch, im<br />
Strafrecht handelt es sich doch um eine ebenso hohe Hürde. Und<br />
die Nachrichtendienste werden da in nächster Zeit nicht wirklich<br />
mitspielen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Heißt, es entscheiden doch wohl Verdachtsgründe<br />
und nicht überprüfbare Tatsachen?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich finde eine Tatsache ist es, wenn ein<br />
in Deutschland lebender Ausländer nach Afghanistan in ein Camp<br />
der Al Quaida ausreist. Das ist noch keine Straftat, aber ein objektiver<br />
Umstand hoher Gefährlichkeit. Das halte ich nicht für tolerabel.<br />
Eine Ausweisung ist nach geltendem Recht nicht möglich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Schilys Vorschlag für eine &quot;Sicherungshaft&quot;<br />
bei terrorismusverdächtigen Ausländern, die nicht abgeschoben<br />
werden können, ist sogar vom bayerischen Innenminister Beckstein<br />
&#8211; bekanntermaßen kein Mann, der zimperlich ist &#8211; sehr zurückhaltend<br />
aufgenommen worden. Der Innenminister überholt die Union derzeit<br />
rechts, scheint es &#8211; alles nur Taktik oder wäre die Union bei einer<br />
Sicherungshaft dabei?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Zum einen ist Herr Schily rhetorisch anspruchsvoller<br />
als in seinem politischen Handeln, was aber vermutlich mehr an der Koalition<br />
als an ihm selbst liegt. Der Vorschlag ist zweifelhaft, weil man gefährliche<br />
Bürger oder Menschen ja nicht endlos in Haft nehmen kann, sondern<br />
immer nur vorübergehend. Also nutzt eine solche Haft wenig, wenn<br />
am Ende der Staat etwa bei gefährlichen Ausländern keine Handlungsmöglichkeit<br />
hat. Positiv ist an dem Vorschlag, dass er uns zwingt über das<br />
Verhältnis von der Sicherheitsaufgabe des Staates in einem ganz<br />
speziellen Segment &#8211; Terrorismus &#8211; und den Freiheitsansprüchen<br />
einzelner, die im Zusammenhang mit Terrorismus stehen, neu zu definieren.<br />
Solange wir nicht hierüber im Grundsätzlichen Klarheit erzielen,<br />
werden solche Vorstöße politisch und möglicherweise<br />
auch Verfassungsgerichtlich ins Leere laufen. Mit dieser Methode erwecken<br />
wir immer nur den Eindruck, dass Politiker die Backen aufblasen, aber<br />
am Ende der Staat nicht handlungsfähig wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Heißt: Schilys Vorschlag ist heiße Luft?<br />
Wie will die Union das Problem konkret lösen?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Also, keiner kann in Anspruch nehmen,<br />
ein Konzept zu haben, dass das Problem löst, aber es gibt ungenutzte<br />
Instrumente. Ich wiederhole den Appell, aus der Praxis eine Kronzeugenregelung<br />
für terroristische Straftäter wieder einzuführen. Wir<br />
sind der Auffassung dass Ausweisungsvorschriften für gefährliche<br />
Ausländer verschärft werden sollen. Wir halten es für<br />
vertretbar und geboten, die speziellen Fähigkeiten der Bundeswehr<br />
und nur diese bei besonderen Gefährdungslagen einsetzen zu können.<br />
Wir brauchen eine Verbesserung der Strukturen innerhalb unseres Landes<br />
und wir brauchen die Bereitschaft zum nationalen Souveränitätsverzicht<br />
um der europäischen. Bedrohung durch Terrorismus eine europäische<br />
Handlungsebene entgegenzustellen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal zur Ausweisung: Löst aber das Problem<br />
nicht, das entsteht, wenn man die, die man loswerden will, nicht loswerden<br />
kann:
</p>
<p>
<b>Vogel:</b> Sicherungshaft wäre doch fast so etwas wie das deutsche<br />
&quot;Guantanamo&quot;.
</p>
<p>
<b>svenje:</b> Wieso nehmen die Regierung oder die Opposition keine<br />
Stellungnahme zu Guantanamo Bay?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Darum führt Sicherungshaft allein<br />
auch nicht weiter, weil Sicherungsmaßnahmen immer nur auf ein<br />
bestimmtes Ziel hin verfolgt werden dürfen. darum muss die Handlungskompetenz<br />
des Staates gestärkt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie fordern den Einsatz der Bundeswehr im Inneren:
</p>
<p>
<b>leon:</b> Aber die Bundeswehrsoldaten sind doch auch gar nicht ausgebildet<br />
für einen solchen Einsatz.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Sie sollen ja auch nicht zur Hilfspolizei<br />
werden, sondern das einsetzen, was sie an spezifischen Fähigkeiten<br />
haben. Also z.B. bei Angriffen aus der Luft oder von See aus bei der<br />
Abwehr biologischer und möglicherweise chemischer Waffen. In Extremfällen<br />
aber auch die Sicherung von gefährdeten Gebäuden, was übrigens<br />
eine der ausdrücklichen Aufgaben der Bundeswehr im Verteidigungs-<br />
und Notstandsfall ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Union hat gestern das Konzept verabschiedet,<br />
wonach die Bundeswehr bis zu 50 &quot;Regionalbasen Heimatschutz&quot;<br />
mit einer Stärke von bis zu 500 Soldaten für den Einsatzfall<br />
in Bereitschaft gehalten werden sollen. Zentrale Aufgabe soll auch Hilfeleistung<br />
bei terroristischen Angriffen &#8211; das geht auch ohne Heimatschutz. Außerdem<br />
geht es um die Bewachung gefährdete Objekten &#8211; klingt doch sehr<br />
nach Hilfspolizei. Ist das nicht Wahlkampfrhetorik ohne Wahlkampf?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Nein, es geht ganz ausdrücklich nicht<br />
darum, dass die Bundeswehr mit allgemeinen polizeilichen Aufgaben betraut<br />
wird. Es geht um Extremfälle .Und im Extremfall wird ohnehin das<br />
geschehen, was notwendig ist. Wir halten es für besser, wenn wir<br />
vorher mit kühlem Kopf beraten, was im Extremfall erlaubt sein<br />
soll.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommentare zu ihrer vorhergehenden Antwort:
</p>
<p>
<b>Vogel:</b> Da haben sie nicht Unrecht, in Afghanistan machen sie<br />
zurzeit auch nix anderes, als Polizeiarbeit.
</p>
<p>
<b>Vogel:</b> Holen Sie lieber die ausgebildeten Polizeibeamten aus<br />
den Verwaltungsebenen.
</p>
<p>
<b>lars_dietrich:</b> Die Einführung von Interpol seinerzeit und<br />
anderen übergreifenden Ermittlungsorganisationen funktioniert nur<br />
in der westlichen Welt &#8211; muss nicht der nahe und ferne Osten ebenfalls<br />
eingebunden werden, damit ein Terrorist sich nicht einfach absetzt?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Eine große Aufgabe besteht darin<br />
auch die Staaten, aus denen terroristische Gefahren entstammen in den<br />
Verbund internationalen Organisationen einzubeziehen. Je weiter der<br />
Einfluss demokratischer auf Friedenssicherung orientierter internationaler<br />
Organisationen ist, desto geringer sind die Chancen für Terrorismus,<br />
die sich ja gegen Demokratie, Toleranz, Menschenrechte wenden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> ein innerdeutsches Streitthema:
</p>
<p>
<b>Stefan N.:</b> Umzug des BKA: Sie sind ein Verfechter, dass das<br />
Amt seine Außenstelle in Meckenheim erhalten soll. Klar, ist auch<br />
ihr Wahlkreis. Aber mal ehrlich: Wäre es langfristig nicht kostengünstiger,<br />
den Standort nach Berlin zu verlegen?
</p>
<p>
<b>Stefan N.:</b> Noch einmal BKA-Umzug: Ein weiteres Argument für<br />
den Umzug ist doch auch, dass die BKA-Hausleitung näher am politischen<br />
Berlin dran wäre. Beim BKA handelt es sich ja nicht um einen Richter,<br />
der unabhängig von Weisungen arbeiten soll.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Es ist ganz sicher nicht kostengünstiger<br />
umzuziehen (Kosten ca. 600 Mio. Euro), aber das wichtigste ist, dass<br />
es nicht besser wäre für die Aufgabe des BKA. Wer gerade in<br />
einer Zeit terroristischer Bedrohung eine wichtige Sicherheitsbehörde<br />
in Umzugskartons stecken möchte, schwächt die Funktionsfähigkeit<br />
dieser Behörde. Nicht zuletzt durch Personalverlust.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Klingt doch nach Standortpolitik: Der Bundesnachrichtendienst<br />
muss umziehen, weil es angeblich besser ist.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Es ist auffällig, dass Innenpolitiker<br />
aller Bundestagsfraktionen nachdrücklich vor dem Umzug warnen.<br />
Ich bin der festen Überzeugung, dass nur die Frage der Leistungsfähigkeit<br />
des BKA das Kriterium für die Entscheidung über den Umzug<br />
sein kann. Im Bundestag gibt es eine handvoll MdBs aus den betroffenen<br />
Regionen, aber eine Mehrheit gegen den Umzug.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was bringt der biometrische Abdruck (Finger / Augeniris<br />
etc,) auf dem Pass. Eine Maßnahme die effizient sein könnte?<br />
Verabschiedet ist sie ja schon.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Wenn sie europäisch vorgenommen wird<br />
und sogar im transatlantischen Verbund halte ich es für eine Erfolg<br />
versprechende Maßnahme. Das ist ein Beispiel, wo nationale Politik<br />
nur ganz wenig bewirken kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In welchem Zeitraum müsste sie eingeführt<br />
werden? Wie lange könnte das beim Fingerabdruck dauern?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Es muss dann eingeführt werden, wenn<br />
die technische Möglichkeit dafür zuverlässig vorhanden<br />
ist. Zum Fingerabdruck: Weiß ich nicht.
</p>
<p>
<b>Actron:</b> Im Internet habe ich bei den Grünen soeben ein<br />
Transkript einer Bundestagsdebatte über Sicherheitsverwahrung vom<br />
12. Februar gefunden. Sie fallen vor allem durch 10 Zwischenrufe in<br />
der Rede Ihres Kollegen Jerzy Montag auf, bei der Rede Ströbeles<br />
am gleichen Tag waren es vier Zwischenrufe. In Ihrer Gegenrede am nächsten<br />
Tag revanchieren sich die zwei mit insgesamt 18 Zwischenrufen. Ist das<br />
so üblich oder schlechter Stil?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Wir sind eben dialogorientiert und bei<br />
den Kollegen der Grünen war der Korrekturbedarf offensichtlich<br />
sehr groß. Während die Folgerichtigkeit meiner Ausführungen<br />
eigentlich keines Zwischenrufes bedurft hätte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Chat-Zeit ist um, vielen Dank für ihr<br />
Interesse, vielen Dank an Sie, Herr Röttgen. Der nächste Chat<br />
ist am Montag, 5. April um dreizehn Uhr. Dann chattet Martina Krogmann,<br />
CDU-Abgeordnete und Internet-Beauftragte der CDU mit uns. Wir laden<br />
Sie herzlich dazu ein. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden<br />
Sie auf den Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht<br />
Ihnen noch ein schönen Tag- hoffentlich so sonnig wie derzeit in<br />
Berlin!
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich bedanke mich auch sehr und freue mich<br />
dass ungewöhnlicherweise die Gelegenheit besteht, sich ausführlich<br />
und differenziert über ein politisches Thema zu unterhalten. Viel<br />
Erfolg weiterhin!
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Volker Beck zu Schäuble und Zuwanderung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><b>Volker Beck</b><!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->02.03.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><b>Volker Beck</b><!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->02.03.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p align="left">
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Zum Chat ist heute Volker Beck, Grünen-Bundestagsabgeordneter und<br />
Verhandlungsführer der Grünen beim Zuwanderungsgesetz, ins<br />
ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Kann es losgehen?</span>
</p>
<p align="left">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/vbeck84x115.jpg" align="left" height="115" width="84" /><br />
<b>Volker Beck:</b> Ja
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Dinge braucht der Grünen-Politiker: Erfolg<br />
beim Zuwanderungsgesetz, Erfolg im Super-Wahljahr und einen schönen<br />
Streit, mit dem sich die Opposition selbst beschädigt. Zuwanderungsgesetz<br />
ist noch offen, aber immerhin zerstreitet sich die Opposition über<br />
der Kandidaten-Frage bei der Bundespräsidentenwahl und bei der<br />
Hamburg-Wahl glänzten die Grünen schon mal. Da müsste<br />
es den Grünen doch eigentlich schon ziemlich gut gehen? Wächst<br />
der Einfluss der Grünen in der rot-grünen Koalition wieder?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Also unser Einfluss ist glaube ich seit der letzten<br />
Bundestagswahl gleich hoch und wir haben uns als stabiler Faktor in<br />
der Koalition erwiesen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zuerst zu Zuwanderung, Bundespräsidentenspektakel<br />
kommen wir gleich noch drauf:
</p>
<p>
<b>wasser:</b> Die Frage der &quot;Zuwanderung von Leistungsträgern<br />
ist für eine Stadt wie Hamburg und andere Großstädte<br />
von essenzieller Bedeutung&quot;, sagte Merkel. Ist das nicht auch ihre<br />
Position und wo ist der Dissens?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Der Dissens ist bei der Umsetzung. Wir wollen,<br />
dass in Deutschland, wie in mit uns konkurrierenden Ländern längst<br />
üblich, Spitzenkräfte das Angebot bekommen, auf Dauer in Deutschland<br />
Leben und Arbeiten zu können. Die Union will nur befristete Aufenthaltstitel<br />
anbieten. Damit sind wir unattraktiver als Länder wie beispielsweise<br />
die USA.
</p>
<p>
<b>chatter:</b> Die CDU hat bisher alle Entwürfe der Regierung<br />
zurückgewiesen. Die FDP ist im Prinzip für den aktuellen Entwurf,<br />
wird sich aber wohl erst einmal enthalten. Die PDS hat zuerst Zustimmung<br />
signalisiert, wird nun aber gegen den Gesetzentwurf stimmen, oder?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Was die PDS machen wird, ist völlig irrerelevant,<br />
weil es derzeit darauf ankommt, ob der Bundesrat zustimmen wird.
</p>
<p>
<b>Luise:</b> Hört die CDU nicht, was die Wirtschaft will? Arbeitskräfte?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Die CDU hat sich entschieden, im Bereich Ausländerpolitik<br />
gegen die Interessen der deutschen Wirtschaft und damit auch der Arbeitsplätze<br />
in Deutschland Politik zu machen.
</p>
<p>
<b>flr09:</b> Die Grünen konnten in Hamburg wieder Punkten: Woher<br />
sind die Stimmen gekommen?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Die Stimmen sind von den Jungwählern gekommen,<br />
von der SPD und von der FDP. Neu ist für die Grünen, dass<br />
sie neben der Umweltkompetenz und dem Thema Bürgerrechte erstmals<br />
auch für ihre Kompetenz beim Thema Bildungspolitik und soziale<br />
Gerechtigkeit Stimmen bekommen haben.
</p>
<p>
<b>agendaa:</b> Ist die Karriere von Schill endgültig vorbei?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich wünsche ihm einen schönen Urlaub<br />
in Südamerika!
</p>
<p>
<b>Karim:</b> Wann tritt das Zuwanderungsgesetz in Kraft, wenn es zu<br />
einem Kompromiss am 12 .März kommt?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Das könnte am 1.7.2004 oder 1.1.2005 sein.
</p>
<p>
<b>Bert:</b> Beer warf der Union erneut eine &quot;Abschottungspolitik&quot;<br />
vor. Warum?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Die Union will an keinem Punkt zu einer Neuformulierung<br />
der Regeln bei der Arbeitsmigration kommen. Sie lehnt ihre eigenen Konzepte<br />
zum Punkteverfahren von 2001 genauso ab, wie eine flexiblere Regelung<br />
für qualifizierte Zuwanderer oder ein attraktives Angebot mit einem<br />
Daueraufenthaltsstatus für Höchstqualifizierte. Damit würde<br />
praktisch alles beim Alten bleiben. Ein Zuwanderungsgesetz ohne Zuwanderung<br />
also.
</p>
<p>
<b>Hanne:</b> Sie sagen, in wichtigen Fragen wie der Arbeitsmigration<br />
seien keine Fortschritte erzielt worden. Ob ein Durchbruch gelinge,<br />
sei offen. Wo liegt der Knackpunkt?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Es geht darum, im Bereich der Arbeitsmigration<br />
zu flexibleren Regelungen für die deutsche Wirtschaft zu kommen.<br />
Außerdem wollen wir, dass im Flüchtlingsrecht europäische<br />
Standards, z.B. bei der nichtstaatlichen Verfolgung, endlich auch in<br />
Deutschland eingehalten werden und dass es an anderen Punkten keinen<br />
Rückschritt für Flüchtlinge gibt. Wir brauchen auch dringend<br />
eine Altfallregelung. Es macht keinen Sinn Flüchtlinge über<br />
Jahre hinweg von Monat zu Monat, von Halbjahr zu Halbjahr mit einer<br />
vorübergehenden Duldung auszustatten Irgendwann muss es mit diesen<br />
Kettenduldungen ein Ende haben und müssen diese Flüchtlinge<br />
die Chance für einen Neustart ins Leben in unserem Land erhalten.
</p>
<p>
<b>Petr:</b> Sind die EU-Standards höher als in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> In allen Mitgliedsstaaten der Europäischen<br />
Union ist es selbstverständlich, dass im Falle eines untergegangenen<br />
Staates, wie heute z.B. in Somalia oder früher in Afghanistan,<br />
nichtstaatliche Verfolgung anerkannt wird. Allein in Deutschland weicht<br />
die Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte hiervon ab, so dass uns vom<br />
Ausland hier eine Schutzlücke bei der Umsetzung der Genfer Flüchtlingskonvention<br />
bescheinigt wird.
</p>
<p>
<b>losiop:</b> Wenn CDU-Chefin Angela Merkel weiter eine Lösung<br />
blockiere, würden die Grünen mit der SPD einen Weg finden<br />
müssen, wie man ohne die Union die Situation verbessern könne.<br />
Wie sieht der Weg aus?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Das Ausländerrecht ist grundsätzlich<br />
nach unserer Verfassung eine zustimmungsfreie Rechtsmaterie. Deshalb<br />
kann der Bund, wenn er an den bestehenden Verwaltungsverfahren nichts<br />
verändert oder wenn er die Verwaltungstätigkeit selbst übernimmt,<br />
das materielle Ausländerrecht auch zustimmungsfrei gestalten. Wir<br />
brauchen z.B. dringend eine wettbewerbsfreundliche Regelung für<br />
Höchstqualifizierte. Wenn diese mit der Union nicht zu erreichen<br />
ist, müssen wir der Wirtschaft mit einer zustimmungsfreien Lösung<br />
helfen. Sonst hat Deutschland als Standort für Innovationen und<br />
wissenschaftliche Höchstleistungen keine Chance.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Grünen betonen immer wieder, man werde gemeinsam<br />
mit der SPD entscheiden. Am Ende dürfte der Kanzler das letzte<br />
Wort haben &#8211; und dessen Entscheidungen fallen nicht unbedingt nach grünen<br />
Kriterien. Was wollen Sie dem entgegenhalten &#8211; die Koalition werden<br />
Sie ja wohl nicht platzen lassen.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Wir werden hier gemeinsam entscheiden und niemand<br />
wird hier in der Koalition einsame Entscheidungen fällen. Unsere<br />
Kriterien für eine Zustimmung sind ja auch völlig rational.<br />
Wir werden ein Gesetz machen. wenn es im Bereich der Arbeitsmarktmigration,<br />
im Flüchtlingsschutz und bei der Integration ein Fortschritt gegenüber<br />
dem geltenden Ausländergesetz darstellt. Ist es ein Rückschritt<br />
oder Stillstand, dann macht es keinen Sinn, ein Gesetz als Selbstzweck<br />
zu verabschieden.
</p>
<p>
<b>lemonMUCPARIS:</b> Wird eigentlich berücksichtigt, dass Zuwanderung<br />
nur Sinn macht, wenn man gleichzeitig im universitären Bereich<br />
massiv auf internationale Standards hinarbeitet? Bin gerade als Student<br />
im Ausland und weiß, wie wahnsinnig schwer Anerkennung von Abschlüssen,<br />
Examina etc. ist.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> In diesen Bereichen der gegenseitigen Anerkennung<br />
von ausländischen Qualifikationen müssen wir unbürokratischer<br />
werden. Es kommt oftmals auch auf die tatsächlichen Fähigkeiten<br />
stärker an als auf formale Abschlüsse. Das zeigt das Beispiel<br />
<br />
Bill Gates eindrücklich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Beck, Sie sagen vor allem bei den Hochqualifizierten<br />
sind die bisherigen Regelungen einen Bremse. Jedes Jahr verlassen Tausende<br />
junge deutsche hochqualifizierte Wissenschaftler die Bundesrepublik<br />
in Richtung USA. Ist das die Zuwanderungsdiskussion nicht eine Scheindebatte.<br />
Wäre nicht mit einer Verbesserung der Forschungslage viel mehr<br />
zu erreichen?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Also, es ist richtig, dass wir in der Forschungspolitik<br />
etwas für die Attraktivität Deutschlands tun müssen.<br />
Wir brauchen z.B. dringend einen Wissenschaftstarifvertrag, der auch<br />
außerhalb der Universität attraktive Arbeitsbedingungen sichert.<br />
In modernen, atmenden Gesellschaften ist es allerdings selbstverständlich,<br />
dass ein Teil der akademischen. Elite das Land zumindest zeitweise verlässt,<br />
um an anderen Standorten Erfahrungen und Kontakte zu sammeln. Nur wenn<br />
man dies nicht ausgleicht, indem man im Gegenzug ebenfalls höchstqualifizierte<br />
Akademiker ins Land holt, ist dies ein Problem. Wir leben in einer globalen<br />
Welt, in der Migration einen festen Stellenwert hat. Deutschland verlassen<br />
jedes Jahr im Durchschnitt 600.000 Menschen. Im Gegenzug kommen jährlich<br />
zw. 700.000 und 800.000 Menschen zu uns. Wir sind also ein Einwanderungs-<br />
und Auswanderungsland.
</p>
<p>
<b>lemonMUCPARIS:</b> Wie sieht es im nichtakademischen Bereich aus?<br />
Gibt es da nicht auch durchaus einige Gebiete wo mehr &quot;Gewürz&quot;<br />
gut täte, z.B. Kunst, aber auch Selbständige?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Aus diesem Grund sind wir für die Aufhebung<br />
des Anwerbestopps im Bereich der qualifizierten Tätigkeiten. Die<br />
Wirtschaft soll die Möglichkeit haben, in diesem Bereich Arbeitskräfte<br />
anzuwerben, wenn sie für einen Arbeitsplatz nachweislich weder<br />
einen Deutschen oder einen gleichgestellten EU-Ausländer gefunden<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Beim Anwerbestopp bleibt aber eben diese Bedingung:<br />
es muss niemand aus Deutschland oder der EU für den entsprechenden<br />
Arbeitsplatz geben. Eigentlich gibt&#8217;s das doch gar nicht &#8211; oder nur<br />
für Hochqualifizierte, oder?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Es gibt in vielen Bereichen offene Stellen, die<br />
im Einzelfall nicht durch einen deutschen Bewerber besetzt werden können.<br />
Oftmals fehlen bestimmte Qualifikationen oder die Menschen sind nicht<br />
bereit, von Rostock nach München umzuziehen, um die Arbeit dort<br />
zu tun, wo sie angeboten wird.
</p>
<p>
<b>Armenier:</b> Wer soll untersuchen, ob es keinen deutschen Qualifizierten<br />
gibt, etwa die BA?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ja, das ist eine Aufgabe für die Bundesagentur<br />
für Arbeit.
</p>
<p>
<b>SiD:</b> Was halten Sie von der Idee in Deutschland ebenfalls Eliteuniversitäten<br />
zu gründen? Sollte man nicht vorhandene Unis unterstützen<br />
und somit dem mehr oder weniger letzten verbleibenden Rohstoff &quot;Wissen&quot;<br />
in Deutschland zu halten?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich find es richtig, zwischen den universitären<br />
Einrichtungen mehr Wettbewerb zu ermöglichen. Gute Leistung soll<br />
sich auch auszahlen. Allerdings halte ich nichts davon, ganze Universitäten<br />
gegen einander ins Rennen zu schicken. Für diesen Wettbewerb in<br />
den Disziplinen Forschung , Lehre und Nachwuchsbildung sollten einzelne<br />
Institute oder Fakultäten in Frage kommen.
</p>
<p>
<b>Nodus1978:</b> Die Unis sind nur die Spitze des Eisbergs! Der Unterrichtsausfall<br />
an normalen und berufsbildenden Schulen hat längst ein unerträgliches<br />
Maß angenommen! Dazu kommen überalterte Lehrpläne und<br />
Lehrkräfte die nicht reformfähig sind! Unten muss das bildungspolitische<br />
Umdenken beginnen. Schon im Kindergarten sollte über frühkindliche<br />
und kindgerechte Bildung nachgedacht werden. Dann kann man sich in 5<br />
Jahren noch mal Gedanken über Unis machen!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich glaube nicht, dass wir 5 Jahre Zeit haben.<br />
Der Bund hat im Bereich Hochschulpolitik einen Teil der Verantwortung<br />
und die muss er wahrnehmen. Für die Schulpolitik sind die Länder<br />
zuständig und die müssen ihre Hausaufgaben ebenfalls machen.<br />
Wer mehr Geld in die Bildung investieren will, muss aber Schluss machen<br />
mit der albernen Debatte um weitere Steuersenkungen. Denn irgendwoher<br />
muss das Geld auch kommen.<br />
E.T.: Wie stehen Sie zur emotionalen Frage der Zuwanderung. Es gibt<br />
immer noch sehr viele Menschen in Deutschland die einfach Angst vor<br />
Ausländern haben. Begründet oder nicht, ist hierbei eigentlich<br />
egal. Das Gefühl einer Überfremdung ist meiner Meinung nach<br />
sehr stark.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Das entscheidende ist, dass wir endlich das Thema<br />
Integration systematisch anpacken. Hier hat die Politik 30 Jahre lang<br />
die Sache schleifen lassen. Wir müssen dafür sorgen, im Interesse<br />
der Ausländer, aber auch im Interesse des innenpolitischen Friedens,<br />
dass alle Menschen, die zu uns kommen, die deutsche Sprache erlernen<br />
und Recht und Kultur unseres Landes verstehen. Das baut auch irrationale<br />
Ängste ab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ärger-Thema Bundespräsidentenwahl:
</p>
<p>
<b>Hagen:</b> Als Fischer wegen seiner Sponti-Vergangenheit aus dem<br />
Außenministerium geschossen werden sollte, veranstalteten Opposition<br />
und Medien einen ziemlichen Zirkus. Wie ist es zu erklären, dass<br />
es niemanden aufzuregen scheint, wenn uns jetzt mit Schäuble ein<br />
Mann, der das Parlament belogen hat und per eidesstattlicher Versicherung<br />
beteuerte, illegale Spenden angenommen zu haben &#8211; ein Lügner und<br />
Gesetzesbrecher also &#8211; als der &quot;beste&quot; denkbare Kandidat für<br />
das Präsidentenamt vorgeschlagen wird?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich finde Herr Schäuble ist aus vielen Gründen<br />
nicht der geeignete Kandidat: Er ist das Modell Griesgram für die<br />
schlechtgelaunte Republik. Wir brauchen einen Bundespräsidenten,<br />
oder besser noch eine Bundespräsidentin, die das Land zusammenführen<br />
kann. Also wir warten jetzt erst einmal auf einen Vorschlag der anderen<br />
Seite und dann werden wir uns dazu verhalten. Wir werden auf jeden Fall<br />
die Debatte nicht so führen, wo einzelne Namen wie auf dem Basar<br />
gehandelt werden und die FDP inzwischen schon Koppelgeschäfte ventiliert,<br />
nach dem Motto: Stimm Du für meinen Steuermodell, dann wähle<br />
ich auch deinen unmöglichen Kandidaten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Am Ende könnte auch der Kuhhandel herauskommen:<br />
Nicht der &quot;beste&quot;, sondern der &quot;zweitbeste&quot; Kompromisskandidat<br />
wird Präsident.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Bei der jetzigen Opposition ist nicht auszuschließen,<br />
dass gute Kandidaten keine Chance haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was wäre mit Töpfer, könnten Sie dem<br />
zustimmen?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Töpfer ist auf jeden Fall ein Kandidat, der<br />
über die Lagergrenzen hinaus Akzeptanz findet.
</p>
<p>
<b>logger:</b> Süssmuth ist ein Name, den man sich ernsthaft überlegen<br />
sollte! Ich glaube, dass sie mehrheitsfähig über die Parteigrenzen<br />
hinweg wäre!
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich halte persönlich viel von Frau Süssmuth.<br />
Sie hat als Bundestagspräsidentin bewiesen, dass sie präsidiale<br />
Qualitäten hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe User, vielen Dank für ihr Interesse, vielen<br />
Dank Herr Beck. Morgen Abend chatten wir um 23.00 Uhr mit Tom Buhrow,<br />
dem ARD-Korrespondenten in Washington über den Wahlkampf zwischen<br />
Kerry und Bush. Nach dem Super-Tuesday werden sich die Wahlkampffronten<br />
dort ein bisschen geklärt haben, Tom Buhrow beobachtet den Wahlkampf<br />
aus nächster Nähe und weiß sicher Interessantes zu berichten.<br />
Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Seiten der<br />
Veranstalter. Einen schönen Tag wünscht das tacheles.02-Team!
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Deutschland sollte endlich eine gesteuerte und gezielte Einwanderung bekommen.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Marieluise Beck]]></category>
		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuchstreit]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte 
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte<br />
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und<br />
wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Im<br />
ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich heute Marieluise Beck, die<br />
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und<br />
Integration. Können wir loslegen, Frau Beck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Frau Beck, im Vermittlungsausschuss wird derzeit zwischen Union und Rot-Grün<br />
über das Zuwanderungsgesetz verhandelt. Ihre Parteichefin Angelika<br />
Beer hat gefordert: &quot;die wesentlichen Bestandteile&quot; des rot-grünen<br />
Gesetzentwurfes müssten erhalten bleiben, sonst werde das ganze Vorhaben<br />
platzen. Sehen Sie das auch so und wo ist die Grenze für Sie, hinter<br />
die man nicht zurückfallen darf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die Grenze wird grob dort markiert, wo es eine Verschärfung<br />
und Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Ausländerrecht gäbe.<br />
Allerdings, muss man sich in Erinnerung rufen, weshalb dieses neue Gesetz<br />
überhaupt gemacht wurde. Deutschland sollte endlich eine gesteuerte<br />
und gezielte Einwanderung bekommen, damit wir den Herausforderungen einer<br />
modernen Gesellschaft gewachsen sind. Wer fordert den Anwerbestop aufrechtzuerhalten,<br />
negiert den eigentlichen Impuls für dieses Gesetz.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>soso</b>:<br />
Die Debatte im Bundesrat zum Einwanderungsgesetz war peinlich für<br />
die Politik und der Sache schädlich. Wie haben sie sich dabei gefühlt<br />
und was denken sie in der Sache darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck:</b> Ich habe als Zuschauerin dem Drama im Bundesrat beigewohnt.<br />
Als &quot;Ausländerbeauftragte&quot; bin ich sehr wohl vertraut damit,<br />
dass gerade Ausländerthemen immer wieder als Folie herhalten müssen<br />
für politische Auseinandersetzungen, bei denen es eigentlich um Machtfragen<br />
geht. Das finde ich sehr bedauerlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
Wie will man Chancengleichheit für Migrantinnen und Migranten herstellen,<br />
wenn Politik und Gesellschaft diese nach wie vor als unbeliebte aber für<br />
den Bedarfsfall nützliche Humanressource betrachten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie treffen den Kern des Problems mit ihrer Einschätzung.<br />
Ich bin fest davon überzeugt, dass Integration nur gelingen kann,<br />
wenn wir den Migrantinnen und Migranten echte Angebote machen, zu unserer<br />
Gesellschaft dazuzugehören. Das bedeutet vor allem, Chancen zu eröffnen<br />
in Bildung und Ausbildung, in Zugängen zu gesellschaftlichen Institutionen<br />
und mit einer Haltung, die gleichzeitig kulturelles und religiöses<br />
Anderssein respektiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kerner</b>:<br />
Aber wollen Ausländer dazu gehören? Sie schotten sich doch ab?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Das halte ich für ein gut gepflegtes Vorurteil, das<br />
bedauerlicherweise oft von jenen geäußert wird, die den Einwanderern<br />
nicht wirklich die Türen in unserer Gesellschaft öffnen wollen.<br />
Nach meinen Erfahrungen überschätzen wir als Aufnahmegesellschaft,<br />
wie viele kleine Demütigungen, Kränkungen und Zurückweisungserfahrungen<br />
es für viele Migrantinnen in unserer Gesellschaft gibt und damit<br />
produzieren wir zum Teil den Rückzug, den wir dann beklagen.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard.jpg" alt="Marieluise Beck" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Migros</b>:<br />
Heißt integrieren Deutsch-werden? Und wie werde ich deutsch? Wo<br />
fängt das an und wo hört das auf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Chapeau. Es gibt nicht den Ausländer und es gibt nicht<br />
den Otto-Normaldeutschen, der als Maßstab für vollzogene Integration<br />
herhalten könnte. Moderne Gesellschaften sind pluralistisch, das<br />
heißt es gibt lesbische, heterosexuelle, asiatisch aussehende, schwarze,<br />
jüdische, christliche, atheistische, muslimische, buddhistische Menschen,<br />
jeweils unter den Deutschen und auch unter den Migranten. Gemeinsam Basis<br />
für das Deutschsein sind die Grundwerte der Verfassung und die Rechtsordnung.<br />
Kulturelle und religiöse Differenz, sind von den klugen Verfassungsvätern<br />
und -Müttern explizit geschützt worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Veronika</b>:<br />
Wie können Sie als Ausländerbeauftragte überhaupt Einfluss<br />
nehmen auf die Stimmung in der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
Ausländern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die schärfste Waffe der Migrationsbeauftragten ist<br />
das Wort. Wie ich höre, hat auch der Bundespräsident keine anderen<br />
Instrumente in der Hand oder im Mund. Es geht immer um Aufklärung,<br />
Ausleuchten des Fremden und Unbekannten, Dialog, sich Kennenlernen, Einschätzen<br />
können, was das Fremde oder die Fremden mitbringen oder durch ihre<br />
Symbole vermitteln wollen. Kurz gesagt, es gibt keine Alternative zu einer<br />
aufklärenden Debatte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal zum &quot;Deutschsein&quot;:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pauöli</b>:<br />
Aber jede Gesellschaft und jeder Staat muss doch klare Grenzen haben,<br />
sonst macht das Staatsbürgerrecht ja keinen Sinn mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie haben vollkommen Recht. Es geht mit der Staatsbürgerschaft<br />
um die Zugehörigkeit zu einer Nation. Die Eintrittsbedingungen in<br />
eine Nation sind klar definiert, sei es durch Geburt oder bei den Einbürgerungen<br />
durch Aufenthaltszeiten, Sprachkenntnisse und die Sicherung des eigenen<br />
Lebensunterhaltes plus die Anerkennung der Verfassungswerte und des Rechtsstaates<br />
als gemeinsame Grundlage für die Zugehörigkeit zu einer Nation.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>UmsÖ</b>:<br />
Die Franzosen sind ganz &quot;natürlich&quot; stolz auf ihr Land.<br />
Sollten die Deutschen das auch sein und entspannter damit umgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Angesichts der unfassbaren Ereignisse, die durch den deutschen<br />
Faschismus in die Welt getragen worden sind, fällt es schwer, umstandslos<br />
stolz auf dieses Land und damit seine Geschichte zu sein. Anders als in<br />
Frankreich mit seiner republikanischen Tradition und einem unbefangenen<br />
Patriotismus ist nach der deutschen Geschichte das Verhältnis zur<br />
Nation gebrochener. Es geht in Deutschland immer darum, die dunklen und<br />
die hellen Seiten der eigenen Geschichte gemeinsam auszuleuchten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Kommentare zu Staatsbürgerschaft und Deutsch-Sein:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>student nl</b>:<br />
Ich sehe es nicht mehr wirklich ein, den Kopf einzuziehen, denn ich meine,<br />
ein Deutscher kann stolz darauf sein, wie er mit seiner Geschichte umgeht,<br />
anders als die Japaner z.B., deren Präsident das Grab eines Kriegsverbrechers<br />
ehrt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
apropos Deutsch-Sein: Teile unserer Gesellschaft sollten es akzeptieren,<br />
dass der Gedanke vom Deutsch-Sein aufgrund der Abstammung in die Geschichte<br />
gehört. Für eine überfällige Errungenschaft des Staatsbürgerschaftsgesetztes<br />
halte ich die Tatsache, dass deutsche Staatsbürgerschaft nun aufgrund<br />
des Jus Soli erreicht werden kann. Der Gedanke vom &quot;deutschen Blut&quot;<br />
gehört endgültig aufs Abstellgleis.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Zu student nl: Es geht bei der Haltung gegenüber Deutschland<br />
nicht um individuelle Schuldgefühle, die eine zweite und dritte Nachkriegsgeneration<br />
zu Recht zurückweist. Es geht allerdings dennoch, um ein historisches<br />
Bewusstsein, dass die Nation, zu der wir als Bürgerinnen und Bürger<br />
gehören, eine Geschichte hat, die wir nicht negieren können,<br />
und die gleichzeitig auch Verpflichtungen für unsere Haltung und<br />
Handlungen, jetzt, bedeuten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kommentar<br />
zu Gunnar</b>. Sie haben ja Recht. Das Absurde in Deutschland war,<br />
dass bis zur Staatsbürgerschaftsrechtsreform im Jahr 2000 Ausländer<br />
in deutschen Kreissälen geboren wurden. Rein statistisch wäre<br />
die Zahl der Ausländer in Deutschland deutlich niedriger, wenn wir<br />
wie andere republikanische Staaten das Jus Soli (Geburtsrecht) früher<br />
eingeführt und Einbürgerungen erleichtert hätten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zur folgenden Frage: Haben Sie da Erfahrungen, vielleicht im Austausch<br />
mit den Ausländerbeauftragten anderer Länder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pontek</b>:<br />
Wieso haben andere Staaten denn nicht dieses Problem, so haben sich die<br />
Kolonialmächte in ihrer Blütezeit auch nicht gerade mit Ruhm<br />
bekleckert. Gewiss ist die deutsche Schuld eine besondere, aber gerade<br />
in Sachen Rassismus ist bspw. die USA (Sklavenhandel etc.) auch nicht<br />
gerade ein Vorbild, aber mit Patriotismus hat dort keiner Probleme!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Um diese schwierige Frage zu beantworten, muss man vermutlich<br />
etwas tiefer in die deutsche Geschichte und in die Frage der Nationenbildung<br />
einsteigen. Die USA und Frankreich &#8211; deren Nationenbildung fand eindeutig<br />
auf der Basis von allgemeinen Bürgerrechten statt und machte damit<br />
ein Angebot an alle Bürger, sich mit dem eigenen &quot;Vaterland&quot;<br />
zu identifizieren &#8211; während zeitgleich im mitteleuropäischen<br />
Raum, der jetzt Deutschland ist, noch viele Kleinstaaten plus das Königsreich<br />
Preußen und das Kaiserreich Österreich existierten. Deutschland<br />
verstand sich deswegen lange Zeit als Kulturnation, zusammengehalten durch<br />
Sprache und Kultur, und der positive Rückgriff auf allgemeine Werte,<br />
wie die Bürgerrechte fand nicht statt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Halstuch</b>:<br />
In Berlin werden Kopftücher für Lehrerinnen nicht verboten,<br />
lese ich. In Baden-Württemberg wird eifrig an einem Gesetz gearbeitet.<br />
Diese Uneinheitlichkeit ist verwirrend und verunsichert. Sollten sie da<br />
nicht ein Machtwort sprechen?</span>
</p>
<p><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich kann ihnen nur zustimmen. Ich finde auch, dass man<br />
politische Entscheidungen viel öfter mir übertragen sollte,<br />
dann hätten wir nicht so ein Durcheinander im Föderalismus.<br />
😉 </p>
<p>
Angesichts der Tatsache, dass die Schulpolitik in die Hoheit der Länder<br />
fällt und es sich bei der Kopftuchfrage um eine schulische Angelegenheit<br />
handelt, können in den Ländern unterschiedliche Gesetze gemacht<br />
werden. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil die<br />
Grundlagen für eine solche Gesetzgebung deutlich markiert: wenn man<br />
sich entscheidet, die Institution Schule säkular werden zu lassen,<br />
das heißt religiöse Symbole und Inhalte aus dem Ort Schule<br />
verbannt, dann muss das alle Religionen in gleichem Maße treffen.<br />
Die Alternative ist das Zulassen von Vielfalt. Grenzen bestehen dort,<br />
wo religiös-politisch missioniert wird. Ich gehe davon aus, dass<br />
der Versuch der Kultusministerin Schavan, diese Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts<br />
zu umgehen und die christlich, jüdischen Symbole als &quot;normal&quot;,<br />
die islamischen als nicht-zugehörig, zu definieren, verfassungsrechtlich<br />
nicht standhalten wird.
</p>
<p></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wo endet die Gleichheit der Kulturen? Warum soll die christliche Kultur,<br />
die die deutsche Nation Jahrhunderte lang prägte und ja immer noch<br />
gelebt wird, nicht vorrangig vermittelt werden?</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Wir haben in Deutschland eine sehr dramatische Erfahrung,<br />
wie über den Ausschluss einer Religion, nämlich der jüdischen,<br />
die dann sogar zu der künstlichen Definition einer Ethnie umgedeutet<br />
wurde, zunächst zu harten Diskriminierungen und dann zur Ausmerzung<br />
führte. Die Gleichheit der Religionen, die die Verfassungsväter-<br />
und mütter ins Grundgesetz geschrieben haben, ist eine historische<br />
Konsequenz aus diesem Teil der deutschen Geschichte. Das bedeutet jedoch<br />
nicht, dass wir eine christlich- abendländische Prägung, die<br />
wir zweifellos haben, verstecken sollten.</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Magenta</b>:<br />
Wie reagieren Schüler auf das Kopftuch? Gibt es dazu Untersuchungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Anders als die aufgeregte politische Debatte, sind in den<br />
Orten, wo es kopftuchtragende Lehrerinnen gibt, Schülerinnen und<br />
Schüler und auch Eltern deutlich gelassener mit dieser Frage umgegangen,<br />
als die ideologischen Vorturner. In Nordrhein-Westfalen gibt es seit Jahren<br />
kopftuchtragende Lehrerinnen und es sind keinerlei Konflikte aus diesen<br />
Schulen bekannt geworden. Es gab sogar Protestaktionen von Schülern,<br />
Schülerinnen und Eltern, nachdem einer kopftuchtragenden Referendarin<br />
die Weiterbeschäftigung untersagt wurde, weil sie ihre Lehrerin wiederhaben<br />
wollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wilhelms</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Beck, auch auf die Gefahr hin, dass Sie schon mal auf<br />
eine ähnliche Frage geantwortet haben: Wie wollen Sie mit dem Problem<br />
umgehen, dass die islamische Religion &#8211; in ihrer Entwicklung 600 Jahre<br />
rückständig &#8211; auf eine radikale Missionierung der christlich-jüdischen<br />
Welt aus ist? Ähnlich wie die Kreuzfahrer üben sich auch die<br />
heutigen radikalen Moslems nicht in Toleranz und gefährden unsere<br />
innere Sicherheit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt nicht die Christen und nicht die Moslems. Es gibt<br />
in der Tat höchst alarmierenden politischen Extremismus, der meint<br />
sich vom Islam ableiten zu können, sowohl in fundamentalistischen<br />
Staaten, wie Afghanistan unter den Taliban, Iran unter den Mullahs und<br />
zum Beispiel der Norden Nigerias. Doch ebenso wie das Christentum sich<br />
einen kulturellen Wandel nicht entziehen konnte, gibt es auch einen Islam,<br />
der die universellen Menschenrechte anerkennt, und damit auch demokratische<br />
und Gleichheitsgrundsätze. Wenn wir diese Ausdifferenzierung des<br />
Islam nicht wahrzunehmen bereit sind, verlieren wir jede Chance auf Dialog.<br />
Die Friedensnobelpreisträgerin dieses Jahres ist eine Muslime aus<br />
dem Iran.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>matze3</b>:<br />
Ich habe einen Bericht über die steigende Kriminalität bei russischen<br />
Aussiedlern gesehen. Dort scheint es ein zunehmendes Integrations-Problem<br />
zu geben. Wie wollen Sie diese Bevölkerungsgruppe stärker integrieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt leider keinen Instrumentenbaukasten &quot;Integration&quot;,<br />
wie den Arztkoffer. Trotz Sprachkursangeboten und Qualifikationsangeboten<br />
durch die Bundesanstalt für Arbeit, gibt es in der Tat viele Konflikte<br />
vor Ort mit Spätaussiedlern, die zu zunehmenden Anteilen mitreisende<br />
russische Familienmitglieder sind. Ich gehe davon aus, dass es keine Alternative<br />
zu dem sehr mühseligen Weg gibt, auch für diese Zugewanderten<br />
möglichst viele gesellschaftliche Chancen zu eröffnen, das heißt<br />
Zugänge zu schaffen, Teilhabe zu ermöglichen, damit sie selber<br />
einen integrierten Weg durch die deutsche Gesellschaft für lohnenswert<br />
erhalten, als einen desintegrierten, der Kriminalität, formal Drogenabhängigkeit<br />
und Gewalttätigkeit, bedeutet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
In vielen Städten ist eine Gettoisierung von einzelnen Stadtvierteln<br />
bereits Fakt. Duisburg-Marxloh oder das Rollberg-Viertel in Berlin-Neukölln<br />
&#8211; dort wohnen auch viele Aussiedler aus der früheren Sowjetunion.<br />
Der Berliner &quot;Tagesspiegel&quot; sprach gestern von &quot;no-go-areas&quot;.<br />
Die Politik sei hilflos, heißt es. Ist die Gettoisierung noch rückgängig<br />
zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich selber verwende den Begriff des Gettos nicht, weil<br />
er historisch klar definiert ist, als auch räumlich abgeschlossen.<br />
Ich halte es für treffender, von ethnischen Communities zu sprechen,<br />
deren Entstehung überall auf der Welt mit Migration verbunden ist.<br />
Man denke an Chinatown in New York oder das Holländische Viertel<br />
in Potsdam. Problematisch werden diese Communities dann, wenn sie sozial<br />
zerfallen, über extrem hohe Arbeitslosigkeit, miserable städtebauliche<br />
Verhältnisse, Unterbeschäftigung von Jugendlichen, Perspektivlosigkeit<br />
und fehlenden sozialintegrativen Angeboten. Insofern handelt es sich bei<br />
den Problemen, in den von Ihnen genannten Vierteln zumeist, neben den<br />
ethnischen Problemen, immer auch um soziale Probleme. Das konnte man übrigens<br />
in England, bei den gewalttätigen Revolten von jungen Migranten,<br />
deutlich lernen. Bei einer solchen Zusammenballung von Problemen, gibt<br />
es keine Alternative, als auch in diesen Räumen, Perspektiven auf<br />
Chancen der Teilhabe entgegenzusetzen durch Investitionen in Bildung,<br />
Anschluss zum Arbeitsmarkt und Stadtentwicklung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman991</b>:<br />
Was sagen Sie zu der Angst Vieler, dass gerade in der heutigen Krisenzeit<br />
hohe Zuwanderung die Deutschen Probleme speziell auf dem Arbeitsmarkt<br />
vergrößert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Generell ist ökonomisch belegt, dass wir bisher durch<br />
die Zuwanderung wirtschaftlich profitiert haben. Sowohl in den Unternehmen<br />
als auch in den Sozialversicherungssystemen. Zuwanderung von Menschen,<br />
die auf dem deutschen Arbeitsmarkt keine Chance bekommen, ist in der Tat<br />
ein Problem. Nicht nur weil der Arbeitsmarkt ein zentraler Ort von Integration<br />
ist, sondern weil sonst auch Kosten entstehen. Wir wissen aber, dass es<br />
namhafte Bereiche auf dem Arbeitsmarkt gibt, die von deutschen Arbeitnehmern<br />
nicht mehr angenommen werden. Dazu gehören Pflege, Gastronomie, Haushalt.<br />
Gleichzeitig haben wir auch im hochqualifizierten Bereich Segmente des<br />
Arbeitsmarktes, bei dem gutqualifizierte Menschen fehlen und deren Nichtvorhandensein<br />
Arbeitsplätze kostet. So wissen wir inzwischen, dass jeder eingereiste<br />
IT- Fachmensch, drei Arbeitsplätze in Deutschland nach sich gezogen<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hopi</b>:<br />
Wie lange muss ich mich in einem geeinten Europa noch entscheiden, ob<br />
ich Deutsche ODER Italienerin sein will &#8211; wann wird die doppelte oder<br />
die europäische Staatsbürgerschaft verwirklicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ist für Deutsche und Italiener bereits der Fall &#8211;<br />
seit einem Jahr.<br />
Innerhalb der EU gibt es eine Vereinbarung auf Gegenseitigkeit bei der<br />
Hinnahme von Doppelstaatsbürgerschaft.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat- und Politik- Interessierte, vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und die zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Frau Beck, dass Sie sich<br />
die Stunde Zeit genommen haben (es ist sogar etwas mehr geworden). Das<br />
Transkript dieses Chats finden Sie wie alle anderen auch auf den Seiten<br />
der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag.</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Eine Bundesausländerbeauftragte &#8220;zum Chatten&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine-bundesauslaenderbeauftragte-zum-chatten-395/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[cdowe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Apr 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Marieluise Beck]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/eine-bundesauslaenderbeauftragte-zum-chatten-395/</guid>

					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>Marieluise Beck im Chat am 24. April 2001</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Marieluise Beck im Chat am 24. April 2001</b></span><!--break--><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Einen Tag, nachdem die CSU ihr<br />
umstrittenes Strategiepapier zur Einwanderung vorgelegt hatte, war<br />
Marieluise Beck, Ausländerbeauftragte des Bundes, zu Gast im Chat von<br />
stern.de und politik-digital. Rund um die Themen Einwanderung und<br />
Rassismus wurde engagiert diskutiert. Becks Meinung zu den Entwürfen<br />
der CDU: <i>&quot;Es macht mich perplex, dass nach einem Jahr Debatte die<br />
CSU mit einem so dünnen Papierchen an die Öffentlichkeit tritt und<br />
dafür auch noch Beifall bekommt. Die CSU Verlautbarungen enthalten<br />
keinen einzigen ausdifferenzierten Vorschlag sondern nur allgemeine<br />
Willensbekundungen. Aber vielleicht ist man ja schon erstaunt, wenn<br />
eine CSU zum Thema Einwanderung überhaupt so etwas zu stande bekommt&quot;.</i><br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Überhaupt machte die<br />
Bundesausländerbeauftragte keinen Hehl aus ihrer Haltung gegenüber den<br />
jüngsten Bemerkungen der Union. Die Äußerung des CDU-Generalsekretärs<br />
Laurenz Meyer, er <i>&quot;schäme sich nicht, ein Deutscher zu sein&quot;</i>, passe nicht zu einer demokratischen offenen Gesellschaft. Dies sei ein Bekenntnis zu einem <i>&quot;Stöckchen&quot;</i>, das von rechten Wahlplakaten komme. Aber auch zu Mitgliedern der eigenen Partei hatte Beck  Kritisches zu bemerken: <i>&quot;Ich<br />
fand es schade, dass Trittin mit seiner überzogenen Polemik die<br />
Möglichkeit verschenkt hat, Herrn Meyer dort anzugreifen wo es<br />
politisch notwendig gewesen wäre&quot;.</i><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dass Deutschland schon seit<br />
langem ein Einwanderungsland sei, negiere die Gesellschaft nur bislang.<br />
Die Bremer Politikerin verlieh ihrer Sorge um den zunehmenden Rassismus<br />
im Alltag Ausdruck.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Als einen wichtigen Integrationsfaktor bezeichnete Beck das Erlernen der deutschen Sprache, <i>&quot;weil man sonst von Schule, Ausbildung oder beruflichem Fortkommen abgehängt wird&quot;</i>. Da aber viele Zuwanderer das Recht auf Zuwanderung haben <i>&quot;kann man Sprachkurse nur im Angebotsweg anbieten&quot;</i><br />
erklärte Beck. Was die Möglichkeiten der multikulturellen Gesellschaft<br />
angeht, gab sich die Abgeordnete der Grünen optimistisch: <i>&quot;Jede<br />
dritte Ehe in westdeutschen Großstadtzentren wird inzwischen binational<br />
geschlossen, bundesweit hat jedes 6. Kind binationale Eltern. Also<br />
keine Integration?&quot;</i><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Trotz des hohen Klärungsbedarf im Chat musste Beck ihr eigenes Amt im Chatraum verteidigen. Auf die Frage eines Chatters: <i>&quot;Wenn denn schon alles so toll geregelt ist, wozu brauchen wir dann noch eine Ausländerbeauftragte?&quot;</i> konterte sie: <i>&quot;Zum Chatten&quot;</i>.<br />
Vertiefend erklärte sie, dass sie und ihr Team neben ihren eigentlichen<br />
politischen Aufgaben etwa 1300 Einzelfälle im Jahr bearbeiten. Probleme<br />
gäbe es jedoch, weil in Deutschland viele unterschiedliche Stellen sich<br />
mit der Einwanderung befassten. <i>&quot;Eine politische Instanz, die<br />
endlich System in dieses Wirrwarr bringt, wäre sicherlich vernünftig.<br />
On the long run könnte das auch ein Ministerium sein&quot;.</i><br />
<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/politik/chataktuell/archiv/5150_13139.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
<!-- Content Ende --></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="center">
<p>
			&nbsp;
			</p>
<p>			<center><br />
			<i><a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Kommentieren<br />
			Sie diesen Artikel!</span></a></i><br />
			</center><br />
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
			</span><br />
			<center><br />
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><i><a href="http://www.politik-digital.de/salon/diskussion/">Diskutieren<br />
			Sie mit anderen in unserem Forum!</a></i></span><br />
			</center></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Jasmin Tabatabai</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Feb 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerfeindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Jasmin Tabatabai]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/chat_mit_jasmin_tabatabai-410/</guid>

					<description><![CDATA[<table border="0" width="390">
	<tbody>
		<tr>
			<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
			<td>Sehr geehrte Frau Tabatabai, herzlich willkommen im Chat von Cornelsen,
			der Shoa Foundation und politik-digital. Wir freuen uns, Sie live von der
			Bildungsmesse in Hannover begrüßen zu können. Das Thema
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<table border="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>Sehr geehrte Frau Tabatabai, herzlich willkommen im Chat von Cornelsen,<br />
			der Shoa Foundation und politik-digital. Wir freuen uns, Sie live von der<br />
			Bildungsmesse in Hannover begrüßen zu können. Das Thema<br />
			des Chats &quot;Erinnern für Gegenwart und Zukunft&quot; bezieht sich auf eine<br />
			gleichnamige CD-Rom und einen Schülerwettbewerb. Warum engagieren<br />
			Sie sich als Patin für diesen Wettbewerb?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich glaube, ich müsste eher erklären, warum ich es nicht<br />
			täte. Jetzt mal im Ernst: Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit&#8230;.<br />
			und ich freue mich sehr, als Patin hier mitwirken zu dürfen</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>SK-Biene: </b></td>
<td>Meine Frage an Jasmin: Sie sprechen 4 Sprachen, sind in zwei verschiedenen<br />
			Ländern aufgewachsen &#8211; Wo fühlen Sie sich zu Hause?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>In Berlin, wo meine Freunde sind. ich sehe mich auch als Deutsche,<br />
			bloß mit einem orientalischen Background&#8230;. home is where the heart<br />
			is.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>hoetzle: </b></td>
<td>Hallo Jasmin, warum bist du aus dem Iran nach Deutschland gekommen?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich war auf der deutschen Schule und in der Revolutionszeit hat diese<br />
			zugemacht &#8211; wegen den Unruhen. Deswegen sind wir nach Deutschland, denn<br />
			sonst hätten wir ein Jahr verloren.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>NCC1701: </b></td>
<td>Kannst Du noch einmal erklären, was Du in dieser Organisation<br />
			für eine Position hast und was Du da machst?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich bin Patin für den Schülerwettbewerb, der von der Shoah-Foundation<br />
			und dem Cornelsen Verlag ausgerufen wurde. Meine Aufgabe heute ist es mit<br />
			Euch zu chatten und möglichst viele Jugendliche, also Euch, für<br />
			diesen Wettbewerb zu gewinnen.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>SK-Biene: </b></td>
<td>Würden Sie sagen, dass man als prominente(r) Künstler(in)<br />
			eine Vorbildfunktion haben kann und muß?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Keine Ahnung ob ich zum Vorbild tauge 🙂 aber auf jeden Fall hat man<br />
			eine besondere Verantwortung wenn man in der Öffentlichkeit steht<br />
			&#8211;  in welcher Form auch immer.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>marla: </b></td>
<td>Haben sie jemals Ausländerfeindlichkeit selbst erlebt?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ja, wenn auch eher in subtiler Form. Da ich aktzentfrei deutsch spreche,<br />
			werde ich oft nicht als &quot;Ausländer&quot; erkannt. Ich hab aber auch schon<br />
			mal 9 Monate auf einen neuen Personalausweis gewartet, weil der Beamte<br />
			mir erzählen wollte, dass ich gar keine Deutsche bin.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>joe:</b></td>
<td>Hallo Frau Tabatabai! Würden Sie Deutschland als ausländerfeindliches<br />
			Land bezeichnen? Auch im Vergleich mit anderen Ländern&#8230;</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai:</b></td>
<td>Nein, überhaupt nicht. Ich wünsche mir nur manchmal, die<br />
			Deutschen würden sich selber mehr lieben&#8230; und ich meine damit kein<br />
			dumpfes &quot;ich bin stolz ein doitscher zu sein&quot; oder so&#8217;n kack. Sondern ein<br />
			gesundes liebevolles Verhältnis zu dem Land, in dem ich lebe. Es gibt<br />
			auch viele schöne Sachen an Deutschland.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>Zum Engagement:</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>rockstar: </b></td>
<td>Viele Künstler engagieren sich gegen rechts. Das finde ich klasse!<br />
			Aber hast du nicht manchmal Angst, gerade dann Zielscheibe von rechten<br />
			zu werden? </td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Nö, ich habe vor diesen Dumpfbacken keine Angst. es gibt schließlich<br />
			genügend vernünftige Deutsche.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>h-o: </b></td>
<td>Du machst ja auch Musik. In deinen bisherigen Songs hast du das Thema<br />
			Ausländerfeindlichkeit bisher noch nicht aufgegriffen. Könntest<br />
			Du dir vorstellen, eine extra eine Platte mit Liedern &quot;gegen Rassismus&quot;<br />
			zu machen, evtl. mit anderen Leuten zusammen und auf die Einnahmen aus<br />
			dem CD-Verkauf zu verzichten?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ja, natürlich.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>susy: </b></td>
<td>..vielleicht mit der Besetzung von BANDITS&#8230;? </td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>Gibt es da konkrete Planung?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich werde die Mädels mal fragen, wenn ich sie wieder sehe.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>Vielleicht noch mal ganz grundsätzlich zum Thema:</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Schuelerzeitung: </b></td>
<td>Worum handelt es sich bei diesem Wettbewerb?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Es ist ein Wettbewerb mit dem alle angesprochen sind. Egal ob mit einer<br />
			Website, mit einem Song, mit einem Film oder mit einem Aufsatz, einer Fotoreportage&#8230;und<br />
			und und &#8211; was immer euer gewünschter Output ist. Es sollte nur um<br />
			das Thema Toleranz und Respekt zwischen allen Menschen. Egal was ihre Herkunft<br />
			oder ihr Beruf ist.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Frankie: </b></td>
<td>Was meinen Sie persönlich, wodurch Ausländerfeindlichkeit<br />
			entsteht?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich glaube, Intoleranz und Hass entsteht immer durch Angst. und Unwissenheit.<br />
			Wenn ich meinen Gegenüber nicht kenne, ist es für manche Menschen<br />
			leichter ihn abzulehnen, als zu versuchen ihn zu verstehen.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>hoetzle: </b></td>
<td>Wie verhältst du dich, wenn in deiner Nähe jemand ausländerfeindlich<br />
			behandelt wird oder diskriminiert wird, z.B. in der U-Bahn?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Auf jeden Fall einschreiten. Auf gar keinen Fall wegsehen und schweigen.<br />
			und wenn es nur ist, dass man die Polizei ruft. </td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>Waren Sie schon mal in einer solchen Situation?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Nicht in einer U-Bahn, und nicht mit Verprügeln oder so. Aber<br />
			ja, klar, habe ich eine solche Situation schon erlebt.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>akiju: </b></td>
<td>Wo fängt deiner Meinung nach die Ausländerfeindlichkeit an?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>In dem Moment, wo ich einen Menschen nicht als Mensch, sondern als<br />
			Ausländer, Homosexuellen, etc. irgendwie &quot;anders&quot; behandle.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>h-o: </b></td>
<td>Im Osten Deutschlands gilt Ausländerfeindlichkeit (z. B. unter<br />
			arbeitslosen Jugendlichen) als besonders weit verbreitet. Mit welchen Maßnahmen<br />
			könnte man am ehesten dagegen vorgehen?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich glaube, dass diese CD-ROM ein sehr guter Anfang ist. weil die Geschichte<br />
			hier nicht nüchtern und sachlich, mit abstrakten Zahlen und Daten<br />
			erzählt wird, sondern als persönliche erlebte Geschichte. Auf<br />
			mich macht so was jedenfalls viel mehr Eindruck als jeder Aufsatz aus Geschichtsbüchern.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>akiju:</b></td>
<td>Meinst du nicht, dass wir nicht alle ab und zu dazu tendieren zu diskriminieren?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Klar. Um so wichtiger ist es, uns dessen bewußt zu werden. Die<br />
			jüngere Geschichte Deutschlands mit allen Verbrechen, die begangen<br />
			wurden, ist doch auch eine Chance für uns, die Jüngeren, aus<br />
			den Fehlern zu lernen und dafür zu sorgen, dass so etwas wenigstens<br />
			in unserem eigenen Land nie wieder passieren darf.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>Kommen wir mal zu dem Thema &quot;Medien&quot;:</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>joe: </b></td>
<td>Was könnte man mit Hilfe der Medien für ein offenenes, multikulturelles<br />
			Deutschland tun?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Auch hier gilt: Nicht wegschauen, sondern dagegenhalten. Ich hoffe<br />
			sehr, dass der allgemeine Aufschrei im Sommer letzten Jahres und die ganzen<br />
			Aktionen gegen Ausländerfeindlichkeit, nicht nur eine Modeerscheinung<br />
			waren, um dass Sommerloch zu stopfen, sondern dass es weitergeht.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Schuelerzeitung: </b></td>
<td>Welche &quot;Neue Medien&quot; nutzen Sie, sehr geehrte Frau Tabatabai?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Das Internet zum Beispiel. Es ist ein tolles Medium. es bringt die<br />
			Welt näher zusammen, sozusagen ins Wohnzimmer. Ich liebe meinen Computer<br />
			und finde, dass CD-ROMs und DVDs ganz tolle neue Erfindungen sind.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator:</b></td>
<td>noch mal zu den Medien:</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Floh: </b></td>
<td>Ist das Thema &quot;Rassismus&quot; und &quot;Holocaust&quot; und dessen Bekämpfung<br />
			vielleicht zu uninteressant für die Medien? (Nachrichten ausgenommen)</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich glaube nicht. Vielleicht ist es eher zu brisant. Sicher, wenn ich<br />
			lieber langweiligen Leuten im Container zusehe, als einem Zeitzeugen 5<br />
			Minuten zuzuhören, dann ist mir auch nicht mehr zu helfen. Ich persönlich<br />
			finde die deutsche Geschichte jedenfalls gar nicht uninteressant, sondern<br />
			sehr spannend.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>joe: </b></td>
<td>Die Deutschen haben oft ein &quot;Problem&quot; mit ihrer Vergangenheitsbewältigung.<br />
			Wie haben Sie das selbst im Geschichtsunterricht in der Schule erlebt?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ehrlich gesagt habe ich mich im Geschichtsunterricht eher gelangweilt.<br />
			Alles sehr theoretisch. Ich wüünschte, ich hätte damals<br />
			diese CD-ROM gehabt &#8211; das wäre wesentlich spannender gewesen.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>lippe: </b></td>
<td>Sie sind bisher kaum in politischen Rollen aufgetreten. Warum glauben<br />
			Sie, hat man Sie für das Shoah-Projekt ausgewählt?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Vielleicht, weil ich als Halb-Iranerin, Halb-Deutsche für ein<br />
			&quot;multikulturelles&quot; Deutschland stehe. Eigentlich mag ich das Wort &quot;multikulturell&quot;<br />
			gar nicht so, weil es mir zu wollsockig klingt, aber wir haben halt kein<br />
			besseres. Vielleicht wäre das doch eine Idee für den Wettbewerb:<br />
			&quot;Erfindet ein cooleres wort für &#8216;multikulti&#8217;&quot;.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>NCC1701:</b></td>
<td>Wie wäre es mit &quot;Metakulturell&quot;</td>
</tr>
<tr>
<td><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td align="right" valign="top">&quot;Metakulturell&quot; ist gut, aber klingt sehr theoretisch.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Lippe00: </b></td>
<td>Glauben Sie, dass Filme wie „Gripsholm“ einen Beitrag zur politischen<br />
			Toleranz leisten können?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Zumindest ist es eine Auseinandersetzung mit einem der größten<br />
			deutsch-jüdischen Autoren und sein Leben in genau dieser Zeit, wo<br />
			der Nationalismus an die Macht kam.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>BattleofEvermore:</b></td>
<td>Ist es deiner Meinung nach wichtiger an Vergangenes zu gedenken oder<br />
			vielmehr eine Basis für die zukünftigen Generationen zu schaffen?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Du kannst eine Basis nur schaffen, wenn du weißt, wer du bist.<br />
			und um zu wissen, wer du bist, mußt du deine eigene Geschichte kennen.<br />
			Es geht hier nicht um Schuld und Scham. Natürlich ist kein Deutscher<br />
			aufgrund seiner Herkunft schuldig. Aber wir haben nun mal eine ganz spezielle<br />
			Geschichte und es ist sehr wichtig, dass wir uns damit auseinander setzen,<br />
			dass wir sie auch annehmen. . Sonst laufen wir Gefahr, wieder die selben<br />
			Fehler zu machen. Wenn wir unsere Vergangenheit richtig verarbeitet hätten,<br />
			hätten wir heute das Problem mit den Neonazis nicht. Dann wären<br />
			seit 1990 nicht 93 Menschen an Folgen von rechtsradikalen Übergriffen<br />
			gestorben und würde die CDU auch keine Wahlen gewinnen &#8211;  mit<br />
			Kampagnen gegen die doppelte Staatsbürgerschaft oder absurden Diskussionen<br />
			um Schwachsinnsbegriffe wie &quot;Deutsche Leitkultur.&quot;</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Lippe00:</b></td>
<td>Wird Ihre Rolle als Patin des Schülerwettbewerbs Einfluss haben<br />
			auf die Rollen, die Sie in Zukunft spielen werden, d. h. werden Sie darauf<br />
			achten, dass diese mit Ihrer Funktion hier vereinbar sind?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich werde weiterhin die Rollen spielen, die ich mit meinem Gewissen<br />
			vereinbaren kann.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Uta: </b></td>
<td>Wie sind Sie dazu gekommen gegen rechte Gewalt tätig zu werden?<br />
			War es aus eigener Initiative?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, meine Position<br />
			als &quot;öffentliche Person&quot; dazu zu nutzen gegen rechtes Gedankengut<br />
			vorzugehen. Ich lebe sehr gerne in Deutschland  und habe vor, es auch<br />
			noch eine ganze Weile zu tun. Es gibt mehr als genügend Deutsche,<br />
			die weltoffen, klug und tolerant sind. Und ich weigere mich, das Feld für<br />
			eine kleine, unverbesserliche, dumme Minderheit zu räumen, die alten<br />
			Zeiten nachtrauern.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>joe: </b></td>
<td>Einer Ihrer Dozenten sagte: &quot;Mit diesem Namen bekommst Du nur Ausländerrollen.&quot;<br />
			Sind diese Rollen in Film und Fernsehen zu klischeehaft besetzt?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich drehe seit mittlerweile 10 Jahren in Deutschland filme und werde<br />
			nicht als Ausländerin eingesetzt. Ich glaube, dass spricht für<br />
			das Land, in dem ich lebe.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Stan: </b></td>
<td>Wenn Sie Kinder hätten, würden Sie diese nach deutschen oder<br />
			iranischen Maßstäben erziehen?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Von beidem das beste. Hauptsache lieb haben.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>LutzBusse: </b></td>
<td>Wie beurteilen Sie linke Gewalt ?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Finde ich auch scheisse &#8211; ebenso wie Gewalt Kindern oder Frauen gegenüber.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>rockstar: </b></td>
<td>Meinst du nicht, dass die rechtsradikalen Gedanken vieler Jugendlicher<br />
			nur eine Art Ventil für Unzufriedenheit mit diesem Staat sind und<br />
			weniger mit der Vergangenheit zu tun haben?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ja, das mag sein, dass viele gar nicht wissen, mit was für einem<br />
			Feuer sie da spielen. aber es ist auch falsch, das alles als &quot;dumme-Buben-Streiche&quot;<br />
			abzutun&#8230; Meine Oma erzählt, das hat vor 60 Jahren auch so angefangen<br />
			&#8211; &quot;dumme-Buben-Streiche&quot;. Naja, von den Auswirkungen hat sich die Welt<br />
			und vor allem Deutschland bis heute nicht erholt. Das ist ja genau der<br />
			Trick der Nazis. Sie arbeiten mit der Unzufriedenheit und dem Hass der<br />
			Unwissenden. Aber gerade in Deutschland haben wir ja gesehen, wozu das<br />
			führt, also haben wir doch auch die Chance, es besser zu machen.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>noch zwei Fragen?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Klar.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Lippe00: </b></td>
<td>Sie sagen in einem Interview mit „Der Welt“, dass Sie im Umgang mit<br />
			Menschen sehr vorsichtig, fast misstrauisch, sind. Ist dieses Verhalten<br />
			auf schlechte Erfahrungen zurückzuführen oder sind auch Sie nicht<br />
			frei von Vorurteilen?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich glaube, ich bin eher ein im Privatleben schüchterner Mensch,<br />
			der nicht gleich jedem um den Hals fällt. So war das gemeint.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>Und zum Schluss:</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Frankie: </b></td>
<td>Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich drehe im April einen neuen Film mit Jürgen Vogel und Meret<br />
			Becker. Und arbeite parallel fleißig an der Fertigstellung meines<br />
			neuen Albums. 6 Songs hab ich schon fertig, also Daumen drücken.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>Eine interessante Frage gibt es noch:</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Verena:</b></td>
<td>Meinst du, unsere Gesellschaft wäre in der Lage, auf die rechtsradikalen<br />
			Zeiten zurückzufallen?</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich glaube, jede Gesellschaft ist potentiell dazu in der Lage. Auch<br />
			heute hier bei uns. Bloß wären es heute wahrscheinlich nicht<br />
			mehr die Juden, die verfolgt würden, sondern eine andere Minderheit.<br />
			Wir sollten uns nie blind auf einen Staat verlassen. Denn auch damals war<br />
			es ein Staat, ein rechtmäßig gewählter, der das alles angeordnet<br />
			hat. Wir sollten immer in unser Herz blicken und versuchen, eher die Gemeinsamkeiten<br />
			zu entdecken als die Unterschiede. Wir sind schließlich alle Menschen.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator:</b></td>
<td>Ein gutes Schlusswort ;-))</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Moderator: </b></td>
<td>Liebe Jasmin Tabatabai, im Namen des Cornelsen Verlags, der Shoa Foundation,<br />
			politik-digital und natürlich aller User: herzlichen Dank für<br />
			den spannenden Chat. Leider konnten nicht alle fragen beantwortet werden,<br />
			vielleicht chatten Sie ja mal wieder? Wir wünschen weiterhin viel<br />
			Erfolg bei ihrer Arbeit und bei ihrem Engagement gegen rechte Gewalt und<br />
			Intoleranz. Das Protokoll des Chats wird bei Cornelsen nachzulesen sein.<br />
			Dann bis bald&#8230;.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Ich danke euch für eure Teilnahme und hoffe, viele werden an dem<br />
			Wettbewerb teilnehmen. Alles liebe und gerne wiederholen wir das Ganze.<br />
			Tschüß.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>suffertom: </b></td>
<td>HELLO FROM AMERICA JASMIN!!!!!!!!!</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Hello back.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Verena: </b></td>
<td>Ich drücke dir für dein neues Album und deine Zukunftspläne<br />
			ganz fest die Daumen&#8230; auch im Sinne anderer Fans  !!:)  Jasmin,<br />
			geh mal auf funny-fan.de</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>funny-fan ist cool. Kenn ich.</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>chrissie: </b></td>
<td>DANKE!</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>Kata: </b></td>
<td>Ich wünsche dir noch einen schönen Tag in Hannover</td>
</tr>
<tr>
<td align="right" valign="top"><b>JasminTabatabai: </b></td>
<td>Tschüß, jetzt aber wirklich. Mein Zug geht.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_mit_jasmin_tabatabai-410/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Cem Özdemir</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 May 2000 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Cem Özdemir]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<table border="0">
	<tbody>
		<tr valign="top">
			<th align="right">CemOezdemir:</th>
			<td>cem ist jetzt da, es kann losgehen<br />
			</td>
		</tr>
		<tr valign="top">
			<th align="right">Moderator:</th>
			<td>wunderbar ;-)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<table border="0">
<tbody>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>cem ist jetzt da, es kann losgehen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>wunderbar 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Hallo Herr Oezdemir, im Namen von Tomorrow und politik-digital moechte<br />
			ich Sie zu unserem heutigen Promi-Chat begruessen. Hoffe auf viele<br />
			interessante Fragen!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Hallo! Alles im Lack?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Alles im Lack 😉 Erste Frage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">sonja:</th>
<td>Herr Oezdemir, seit wann sind Sie Parteimitglied bei Buendnis90/Die<br />
			Gruenen? Und was hat Sie an dieser Partei so begeistert?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>1981 bin ich eingetreten. Gründe: Die haben erkannt, daß es keinen<br />
			Gegensatz zwischen Wirtschaft und Umweltschutz geben darf, wenn es auch<br />
			für künftige Generationen noch lebenswert sein soll auf der<br />
			Erde.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Brueggemann:</th>
<td>Harr Özdemir, neiden Ihnen die Parteikollgen ihre (für einen Grünen)<br />
			überdurchschnittliche Popularität?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Was soll ich jetzt sagen? Ich schweige vornehm&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">heinz:</th>
<td>Was halten Sie von der Rede des Bundespräsidenten im Haus der Kulturen<br />
			der Welt?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ich kann zustimmen, wundere mich aber darüber, daß alle Parteien und<br />
			Politiker in Begeisterungsstürme ausbrechen. Entweder sind sich alle einig<br />
			oder jeder sucht sich raus, was ihm passt.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">muffin:</th>
<td>Sie sind in Deutschland als Sohn türkischer Eltern geboren, wie<br />
			wichtig ist Ihnen die türkische Herkunft, wie ist ihr persönliches<br />
			Verhältnis zur Türkei?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ich habe in der Türkei Verwandte, Freunde und Leute, die mir sehr<br />
			wichtig sind. Aber ich habe auch immer klar gemacht: Ich bin hier geboren<br />
			und aufgewachsen und Abgeordneter dieses Landes. Also: Deutschland ist<br />
			meine erste Heimat, die Türkei die zweite und Europa hoffentlich bald<br />
			unsere gemeinsame&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>dementsprechend:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">123fun:</th>
<td>Die Türkei hat die EU-Mitgliedschaft beantragt, bis zur Aufnahme wird<br />
			aber noch ein langer Weg zu beschreiten sein. Gehört die Türkei in die<br />
			EU?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Eine demokratische Türkei, die sich an die sog. Kopenhager Kriterien<br />
			hält (gilt für alle Beitrittsaspiranten!) gehört in die Europäische Union.<br />
			Die heutige Türkei hat aber noch einen langen Weg vor sich. Vielleicht<br />
			sollten sich die Politiker in Ankara Galatasaray zum Vorbild nehmen. Die<br />
			haben auch keine Probleme mit intern. Regeln.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>zu galatasaray später! 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">treino:</th>
<td>Glauben Sie, dass sich in der Türkei die Lage der Menschenrechte vor<br />
			dem Hintergrund der angestrebten EU-Mitgliedschaft verbessern<br />
			wird?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Sie muß sich ändern. Sonst gibt es auch keine Annäherung. Immerhin<br />
			spricht der neue Staatspräsident die Probleme offen an und auch der<br />
			Menschenrechtsausschuß des Parlaments hat einen sehr klaren Bericht über<br />
			Folter in Gefängnissen vorgelegt. Jetzt muß es nur noch endlich umgesetzt<br />
			werden.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">ollip.:</th>
<td>Was sind für Sie die Grundvoraussetzungen für einen Beitritt der<br />
			Türkei in die EU
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Demokratisierung (d.h. eine neue Verfassung, die Meinungsfreiheit<br />
			gewährleistet, ein neues Parteiengesetz ohne 10 % Hürde etc.) und weitere<br />
			wirt. Reformen (Privatisierungen) etc.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">clever:</th>
<td>Von welchen Werten der türkischen Gesellschaft können wir lernen? Was<br />
			können sich die Türken bei uns abgucken?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Wenn man sich daran erinnert, daß es Zeiten während der ersten<br />
			Besiedlung Anatolien durch die Türken gab, in denen relative<br />
			Religionsfreiheit herrschte und vor über 500 Jahren, der osman. Sultan die<br />
			aus Spanien vertriebenen Juden aufgenommen hat, sieht man, wie weit die<br />
			Türkei schon mal war&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Andererseits wäre die Türkei gut beraten, von der Dezentralisierung<br />
			und kommunalen Selbstverwaltung, wie sie in Deut. und der EU üblich sind<br />
			zu lernen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">muffin:</th>
<td>Integration mal andersrum: Wie sieht es eigentlich mit der Integration<br />
			von sog. Deutsch-Türken bei einer Rückkehr in der Türkei aus?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ist nicht immer einfach. Vieles in der Türkei hat sich in den letzten<br />
			40 Jahren sehr geändert. Deshalb wollen gerade viele Jugendliche, die mit<br />
			den Eltern in die Türkei gezogen sind, wieder nach Deutschland.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">sunny:</th>
<td>Sie setzten sich für Integration hier lebender Ausländer ein, was<br />
			genau umfasst ihrer Meinung nach Integration? Wo hört sie auf? Was muss in<br />
			Deutschland konkret passieren, um eine bessere Integration hierlebender<br />
			Ausländer zu gewährleisten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Vor allem zwei Dinge: Jeder muß sich an die Gesetze halten, ans<br />
			Grundgesetz und an die Werte dieser Gesellschaft (die mehr oder weniger<br />
			auch anderswo gelten!), wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau<br />
			(!) und schließlich sollte man die Amtssprache (Deutsch, manchmal auch<br />
			Dialekt) beherrschen. 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">littlesister:</th>
<td>Herr Özdemir, wie stehen Sie zu der damaligen &quot;Abschiebungs&quot;-Strategie<br />
			beim Fall &quot;Mehmet&quot;?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ich finde es schlimm, was der &quot;Mehmet&quot; alles ausgefressen hatte und<br />
			wie seine Eltern ganz offensichtlich überfordert waren mit seiner<br />
			Erziehung. Aber Abschiebung ist keine Lösung. Es gibt ja auch Deutsche<br />
			Straftäter. Was machen wir mit denen? Auf den Mond?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Christoph:</th>
<td>Ich hätte eine Frage zu einem anderen Thema. Warum ist ihre Partei so<br />
			entschieden gegen die Beibehaltung der Wehrpflicht?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Bass:</th>
<td>Sind Sie mit der Einschränkung der Wehrpflicht einverstanden
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Es passt nicht mehr in unsere Zeit, Zwangsdienste zu haben.<br />
			Frankreich, GB und die USA haben sich auch für die Berufsarmee<br />
			entschieden. Dort besteht auch keine Putschgefahr! Die neuen Aufgaben der<br />
			Bundeswehr erfordern Profis.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Norbert:</th>
<td>Was sagen Sie zum Vorschlag von Stoiber &quot;Ökosteuer<br />
			aussetzen&quot;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ein echter Stoiber eben. Wenn er jetzt noch sagt, wie wir etwas gegen<br />
			die drohende Klimakatastrophe machen; die Lohnnebenkosten senken, um<br />
			Arbeitsplätze zu senken, wäre ich ihm echt dankbar. Aber darüber muß er<br />
			sich ja keinen Kopf zerbrechen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Es muß natürlich Arbeitsplätze schaffen heißen. Sorry!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">littlesister:</th>
<td>Welches politisches Vorbild haben Sie?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Schwierig. Keine lebenden Menschen. Martin Luther King finde ich<br />
			bewundernswert. 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>nochmal zur ökosteuer:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">uwe1964:</th>
<td>Warum muß der Autofahrer immer tiefer in die Tasche Greifen<br />
			?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Da empfehle ich, die Frage an die Mineralölkonzerne zu stellen. Unsere<br />
			6 (in Worten sechs!) Pfennige sind jedenfalls garantiert nicht der<br />
			Grund.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Kalle:</th>
<td>Herr Özdemir, die Grünen haben kaum noch Anziehnungskraft bei der<br />
			Jugend. Wie kann man das ändern?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Das ärgert mich auch. Wir wirken manchmal, als ob wir alles verbieten<br />
			wollten was Spaß macht. Außerdem ist unser Erscheinungsbild in Talkshows<br />
			etc. häufig sehr negativ. Etwas mehr Freundlichkeit und Schnelligkeit bei<br />
			der Besetzung neuer Themen wie Internet würde uns helfen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>und nochmal zum vorbild! 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">littlesister:</th>
<td>Es gibt keinen &quot;lebenden&quot;, der Sie beeindruckt, prägt? 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Na ja, Mandela finde ich auch sehr faszinierend. Willy Brandt hat mir<br />
			auch immer imponiert.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Brueggemann:</th>
<td>Herr Özdemir, welche Politikfelder werden die Grünen in zehn Jahren<br />
			besetzen können &#8211; das grüne Profil wird ja immer mehr von den anderen<br />
			Parteien absorbiert und in den eigenen Programmen verbraten.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Wir müssen die Modernisierer der Gesellschaft sein, die sich trauen,<br />
			auch unbequeme Wahrheiten anzusprechen: Integrationspoltik und<br />
			Einwanderung ohne Ideologie; Bildungspolitik, die den Schulen und<br />
			Hochschulen mehr Autonomie gewährt und schließlich Renten- und<br />
			Sozialstaatskonzepte, die auch morgen noch zukunftsfähig sind.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">julia:</th>
<td>Herr Özdemir &#8211; Sie nutzen dieses Forum aus bestimmten Gründen, davon<br />
			gehe ich einmal aus. Mich interessiert die Verflechtung von Medien und<br />
			Politik. Wie sehen Sie die Zukunft der Politik auf der Basis von so<br />
			kulturpessimistischen Ansätzen wie &quot;Politikzirkus&quot;? Wie wichtig wird<br />
			Publicity?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Die Möllemania wird sich auch wieder legen. Inhalte sind immer noch<br />
			wichtig. Aber das &quot;Verkaufen&quot; wird immer wichtiger! Beiden zusammen<br />
			entscheidet über den Erfolg.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">GerdNitsche:</th>
<td>Herr Özdemir, können sie mir sagen, wie warscheinlich eine Koalition<br />
			zwischen ihnen und der SPD in NRW ist???
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Leider nicht. Möllemann wäre sicher der einfachere Koalitionspartner<br />
			für die SPD in NRW. Statt einer Entflechtung von Landesunternehmen und<br />
			Landesregierung heißt seine Botschaft: Wir wollen auch an die<br />
			Fleischtöpfe.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">SommerJr.:</th>
<td>Herr Oezdemir: Für wie wichtig halten sie eine weite Verbreitung des<br />
			Internet bei der deutschen Bevölkerung? Ist eine hohe Internetnutzungsrate<br />
			Ihrer Meinung nach notwendig, damit möglichst viele an den Vorteilen der<br />
			New Economy und bspw. E-Gerventment teilhaben können?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Absolut. Wir hinken immer noch hinterher, gemessen an die USA. Langsam<br />
			kommt der Zug auch bei uns in Fahrt. Internet-Zugang an jeder Schule ist<br />
			ein Anfang. 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">bigbrother:</th>
<td>Wie wichtig ist den Das Internet für sie??
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Die Bedeutung wächst ständig. Mails beantworte ich häufig selbst.<br />
			Meine HOmepage wird stark genutzt und dient zur<br />
			Informationsarbeit.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">bigbrother:</th>
<td>Ich habe gehört es wird einen relaunch ihrer homepage geben. die alte<br />
			ist doch in ordnung, was soll denn besser werden??
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>So ist es. Gut ist nicht gut genug. Mit meinem Webmaster bereiten wir<br />
			eine echte Überraschung vor. Es wird der Hammer: Danach wird man das Thema<br />
			Homepage wohl neu definieren müssen &#8230; Tipp: www.oezdemir.de
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>danke! 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">carsten:</th>
<td>addresse der homepage???
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">SommerJr.:</th>
<td>Glauben Sie, dass ein notwendiger Schritt zur weiteren Verbreitung des<br />
			Internet die Etablierung eines erschwinglichen Pauschalzugangs (Flatrate)<br />
			ist, um somit möglichst vielen Menschen das Kostenhemmnis zu nehmen? Wie<br />
			ist ein solcher Zugang zu realisieren? 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>www.oezdemir.de Einfacher geht es nicht mehr &#8211; oder?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>ne, wirklich nicht!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Absolut. Ohne eine Senkung der Preise, keine Masse!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Monopole (Telekom) sind stets ein Problem. Siehe USA
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Pope:</th>
<td>Was braucht &quot;Grün&quot; am dringendsten &#8211; Visionen, Realismus, Marketing,<br />
			Strategien, frische Köpfe, &#8230;?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Alles zusammen wäre ideal. Also eine personelle und inhaltliche<br />
			Erneuerung.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Claudio_JU_:</th>
<td>Herr Özdemir: Wie ist Ihre Stellung zum Atomausstieg?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ideal wäre im Konsens mit der Industrie. Wenn die Industrie sich<br />
			allerdings dem Willen der Parlamentsmehrheit entgegenstellt, muß es mit<br />
			einem Gesetz gehen. In spätestens 15 bis 18 Jahren ist dann hoffentlich<br />
			das letzte AKW vom Netz!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Antonia:</th>
<td>Herr Oezdemir: Was ist ihr wichtigstes politisches Anliegen im<br />
			Moment?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Es sind so viele Gleichzeitig, um die ich mich kümmere (Kampfhunde,<br />
			Datenschutz, Green Card, Arbeitserlaubnis für Asylbewerber&#8230;). Z.Zt. wohl<br />
			das Thema Integration.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">littlesister:</th>
<td>Herr Özdemir, wie fühlt man sich eigentlich, wenn man als deutscher<br />
			Politiker Personenschutz braucht und Interessen für Deutschland &quot;sicher&quot;<br />
			vertreten zu können?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ohne wäre mir lieber. Aber es ist halt der Preis für meinen Job und<br />
			die Positionen, die ich vertrete.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">chatty:</th>
<td>Allgemein wird behauptet, dass ein hoher Ausländeranteil auch höhere<br />
			Kriminalitätsraten mit sich bringt. In Berlin-Kreuzberg ist es meines<br />
			Wissens genau andersherum, wie kommt das?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>So pauschal ist es sicher falsch. Nichtdeutsche sind jünger als die<br />
			durchschnittliche deutsche Bevölkerung. Jugendliche sind wiederum häufiger<br />
			Täter als beispielsweise die Oma und der Opa.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Yusuf:</th>
<td>Herr Özdemir, Wie sehen Sie die Chancen in der Zukunft für die<br />
			doppelte Staatsangehörigkeit
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Kurzfristig schwierig. Mittel- und Langfristig glaube ich natürlich,<br />
			daß es sinnvoll ist für die erste Generation eine bessere Lösung zu<br />
			erreichen, die ihnen die doppelte Staatsbürgerschaft ermöglicht. Die<br />
			Einführung des Geburtsrechtes betrachte ich allerdings als wichtige<br />
			Änderung in Deutschland.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">bigbrother:</th>
<td>Wie wichtig ist die doppelte staatsbürgerschaft, die einbürgerung ist<br />
			doch vereinfacht worden dass ist doch schon mal was oder?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ja. Aber für viele Angehörigen der ersten Generation ist die doppelte<br />
			Staatsb. wie das Foto der Eltern im Schlafzimmer. Und wenn man ihnen sagt:<br />
			Gib das Foto auf dem Rathaus ab, dann bekommst Du einen deutschen Paß,<br />
			sagen sie nein. So, wie auch Deutsche im Ausland entscheiden!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">uwe1964:</th>
<td>Wie ist Ihr Meinung , zum Beschluß der Bundesregierung außländische &quot;<br />
			Spezialisten einzuschleusen &quot; ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Wir schleußen sie nicht ein, sondern werben um sie, da wir in<br />
			unmittelbarer Konkurrenz zu den USA und Kanada stehen. Dafür braucht man<br />
			gute und unbürokratische Bedingungen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Eckhard:</th>
<td>Finden sie es nicht problematisch für Ihre eigene politische Kariere,<br />
			so stark mit nur einem politischen Thema (Ausländerpolitik) verbunden zu<br />
			sein?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ich bin nicht der Ausländerbeauftragte der Bundesreg., sondern<br />
			innenpolitischer Sprecher meiner Fraktion. Ich äußere mich zum Waffenrecht<br />
			genauso, wie zum Thema Akteneinsichtsrechte, aber eben auch Integration.<br />
			In der Öffentlichkeit werde ich natürliche noch immer sehr stark mit<br />
			&quot;Ausländerthemen&quot; in Verbindung gebracht. Wahrscheinlilch ist es eine<br />
			Frage der Zeit, bis es sich ändert.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Die Zeit ist nun leider fast um ;-( Deshalb die vorletzte<br />
			Frage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">julia:</th>
<td>Verspüren Sie denn eine negative Veränderung Ihres politischen<br />
			Idealismus, je länger Sie im &quot;Zirkus&quot; sind? Können Sie noch Ihre &quot;Krallen&quot;<br />
			zeigen? 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Ich versuche es zumindest. Solche Chats helfen mir dabei. Weil ich ein<br />
			Feed-back kriege und weiß was &quot;draußen&quot; so gedacht wird. Solange ich den<br />
			Spaß nicht verliere bleibe ich dabei (wenn ich natürlich gewählt werde).<br />
			Ansonsten sollte man aufhören.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>&#8230; letzte Frage und die noch wie verspochen zu Galatasaray!<br />
			😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">uefa:</th>
<td>Galatasaray Istanbul hat den Uefa-Cup gewonnen. Haben Sie sich darüber<br />
			gefreut? Was heisst eigentlich Galatasaray?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Galatasaray ist ein Stadtteil von Istanbul, so wie Besiktas und<br />
			Fenerbahce. Ich war in einer Berliner türkischen Bar mit Freunden zusammen<br />
			feiern. Es war ein nervenzehrender Krimi. Am Ende hat sich die Aufregung<br />
			gelohnt. Ein super Spiel mit einem glänzenden Sieger!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Herr Oezdemir, wir moechten uns bei Ihnen ganz herzlich fuer die<br />
			letzten 60 Minuten bedanken. Es hat uns sehr viel Spass gemacht!<br />
			Hoffentlich trifft man sich im Chat bald mal wieder! 🙂
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Mir hat es auch Spaß gemacht. Vielleicht auf bald mal wieder. Alles<br />
			Gute und haltet die Ohren steiff (sagt man doch so &#8211; oder?).
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>das geht schon so ok! 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>also dann bis bald!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>schoene gruesse nach berlin!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">bigbrother:</th>
<td>ciao
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Willi:</th>
<td>gg
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">CemOezdemir:</th>
<td>Grüße an alle. Ciao
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">makarna:</th>
<td>bye
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">sonja:</th>
<td>vielen dank!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Antonia:</th>
<td>Tschüß</td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
					
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