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	<title>Auslandseinsatz &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Auslandseinsatz &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Ich bin ein Verfechter der Wehrpflicht&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Nov 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Auslandseinsatz]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 9. November 2006 war Johannes Kahrs, SPD-Bundestagsabgeordneter, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über den Libanon-Einsatz der Bundeswehr und sprach sich für den Erhalt der Wehrpflicht aus.
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 9. November 2006 war Johannes Kahrs, SPD-Bundestagsabgeordneter, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über den Libanon-Einsatz der Bundeswehr und sprach sich für den Erhalt der Wehrpflicht aus.<br />
<!--break--> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Johannes Kahrs. Er ist SPD-Bundestagsabgeordneter und unter<br />
anderem Mitglied des Verteidigungsausschusses. Darüber hinaus zählt er zu den Sprechern des Seeheimer Kreises in der SPD. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind, Herr Kahrs. Unsere Leser werden Ihnen Fragen aus allen Politikbereichen stellen. Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Jawoll.
</p>
<p>
<b>tobenglisch:</b> Guten Tag Herr Kahrs. Wie ist die Stimmung momentan im Verteidigungsausschuss? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Libanon-Einsatz ein zu kritisches Thema für die große Koalition werden könnte. Da sehe ich eher beim möglichen EU-Beitritt der Türkei Probleme. Wird letzteres auch in &quot;ihrem&quot; Ausschuss intensiv behandelt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Da ich Vollmitglied im Haushaltsausschuss bin, werden wir uns garantiert mit dem EU-Beitritt beschäftigen. Insbesondere, da ich als stellvertretender Vorsitzender der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe ein großer Verfechter des EU-Beitritts der Türkei bin.
</p>
<p>
<b>Ayhan:</b> Hallo vielleicht die erste Frage: Was ist der Zweck der deutschen Soldaten im Libanon, wollen sie Israel schützen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Erstens sind wir nicht im Libanon, sondern Teil einer Koalition und haben den Aufgabenbereich Verhinderung des Schmuggels &#8211; sind also nur mit Marine anwesend. Hauptaufgabe unseres Einsatzes ist es, Waffenschmuggel in den Libanon zu unterbinden und dadurch die libanesische Zentralregierung zu stützen.
</p>
<p>
<b>jeanclaud:</b> Wie rechtfertigen Sie den Libanoneinsatz<br />
nach den letzten Zwischenfällen mit der israelischen Luftwaffe?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wichtig ist hier die große<br />
Linie, die ist weiterhin unstrittig. Probleme gibt es am Anfang<br />
eines jeden Einsatzes für alle Beteiligten. Die haben wir hoffentlich<br />
auch mittlerweile mit den Israelis geklärt.
</p>
<p>
<b>Zauberlehrling:</b> Seit wann wussten Sie von der<br />
Sechs-Meilen-Regelung? Warum wurde die Öffentlichkeit nicht<br />
früher davon in Kenntnis gesetzt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Sechs-Meilen-Regelung war<br />
für mich nie ein wesentlicher Punkt, da uns der zuständige<br />
Kommandeur der Bundesmarine versichert hat, zu jeder Zeit seinen<br />
Auftrag durchführen zu können.
</p>
<p>
<b>Markus22:</b> Herr Kahrs, in der Bevölkerung<br />
werden Auslandseinsätze der Bundeswehr zur Zeit eher kritisch<br />
betrachtet. Während im Haushalt nach wie vor Lücken klaffen<br />
und Steuererhöhungen anstehen, leistet sich der Staat mehrere<br />
Einsätze parallel. Warum muss eigentlich immer die Bundesrepublik<br />
mit ihrer außenpolitischen Verantwortung in Vorschuss treten?<br />
Gibt es keine europäischen Alternativen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die europäischen Staaten<br />
sind fast alle in unterschiedlichen Auslandseinsätzen engagiert.<br />
Ich halte es allerdings auch für wichtig, Auslandseinsätze<br />
auch einmal zu beenden. Deswegen haben wir darauf gedrungen, den<br />
Kongo-Einsatz wie vertraglich beschlossen zu beenden und den Einsatz<br />
in Bosnien herunterzufahren und auch in absehbarer Zeit zu beenden.
</p>
<p>
<b>ganoven_ede:</b> In letzter Zeit gab es zahlreiche<br />
Diskussionen über das Libanon-Mandat der Bundeswehr (Stichwort<br />
Sechs-Meilen-Zone). Kaum eine Rolle spielte jedoch bisher in der<br />
öffentlichen Diskussion die grundsätzliche Kritik, dass<br />
die Bundeswehr materialtechnisch gar nicht entsprechend ausgerüstet<br />
sei, um effizient Waffenschmuggel zu unterbinden (z.B. wegen Schiffen,<br />
die eher für die Ostsee geeignet sind und nicht schnell genug<br />
sind etc.). Wie ist Ihre Meinung dazu?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Bundesmarine kann mit dem<br />
vorhandenen Gerät den Einsatz ausführen, so der zuständige<br />
Kommandeur vor Ort. Wir haben keinen Grund, an seiner Aussage zu<br />
zweifeln. Gleichzeitig wurden vor einigen Jahren Ersatz für<br />
die Schnellboote geordert. Die ersten fünf Korvetten werden<br />
jetzt nach und nach an die Bundesmarine übergeben.
</p>
<p>
<b>setare:</b> Bitte antworten Sie auf die Frage, seit<br />
wann Sie von der Sechs-Meilen-Regelung wussten und warum die Bevölkerung<br />
nicht früher informiert wurde.
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Als Mitglied des Haushaltsausschusses<br />
war ich grundsätzlich für diesen Einsatz und hatte im<br />
Rahmen der Benachrichtigung aller Kollegen im Bundestag Kenntnis<br />
von der Sechs-Meilen-Zone. Ich habe dies aber nie als Problem angesehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Können Sie verstehen, dass jetzt<br />
über die Ablösung von Verteidigungsminister Jung spekuliert<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich glaube, dass die Diskussion<br />
unfair ist. Der Minister ist neu, hat sehr schnell zwei neue Auslandseinsätze<br />
im Parlament beschlossen bekommen und einen weiteren in Afghanistan,<br />
der zunehmend schwierig wird. Ich stimme nicht in allen Fragen mit<br />
ihm und seiner Einschätzung überein, z.B. betreffend des<br />
Einsatzes im Kongo oder der Fragen des Einsatzes von deutschen Bodentruppen<br />
im Libanon. Dies rechtfertig jedoch meines Erachtens keine Ablösung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Würden Sie Geld darauf verwetten,<br />
dass Jung die kommenden sechs Monate im Amt übersteht?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Kleine Beträge ja. Eine Kiste<br />
naturtrüben Apfelsaft wäre ich bereit zu verwetten.
</p>
<p>
<b>mokka:</b> Mal ehrlich, hundert Millionen Euro und<br />
wir fahren vor dem Libanon spazieren, während die Hisbollah<br />
ihre Waffen über Land transportiert. Wie kann man so was vor<br />
dem Steuerzahler verantworten?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wir sind als Teil einer Koalition<br />
mit dem Aufgabenbereich auf See beauftragt. Franzosen und Italiener<br />
sind u.a. im Südlibanon im Einsatz, um die Aufgabe dort durchzuführen.<br />
Auch hier gilt: Der Mix macht es.
</p>
<p>
<b>Harrypotter:</b> Haben Sie gedient?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Jawohl, Major der Reserve, deutsche<br />
Panzergrenadiertruppe. Glück auf!
</p>
<p>
<b>Andriko:</b> Der Libanoneinsatz wird bis 2007 mit<br />
ca. 193 Millionen Euro zu Buche schlagen (SPIEGEL), für den<br />
Wiederaufbau des Libanon stellt die Bundesregierung knapp 40 Millionen<br />
Euro zur Verfügung: Können Sie mir diese Verhältnis<br />
erklären?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wir sind Teil einer Koalition<br />
und die Länder, die sich am Truppeneinsatz beteiligen. Die<br />
sind in der Regel weniger am Wiederaufbau beteiligt <br />
als die Länder, die sich nicht mit Truppenteilen beteiligen.<br />
Auch hier macht es der Mix.
</p>
<p>
<b>rskorb:</b> Herr Kahrs, falls die Bundesmarine ein<br />
Schmugglerschiff aufbringt und dieses Schiff sich unter Umständen<br />
wehrt, darf dann mit Waffengewalt eingegriffen werden?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>-Simon Haber-:</b> Würde die Bundeswehr durch<br />
die Aufhebung der Wehrpflicht nicht um einiges schlagkräftiger?
</p>
<p>
<b>student81:</b> Sehr geehrter Herr Kahrs, ist die Wehrpflichtigenarmee<br />
im Angesicht der wachsenden internationalen Aufgaben noch zeitgemäß<br />
für Deutschland?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Erstens: Ich bin ein großer<br />
Verfechter der Wehrpflicht, da die Bundeswehr dadurch eine qualitativ<br />
hochwertige Armee ist. Zweitens werben wir unter den Wehrpflichtigen<br />
über 50 Prozent unserer Zeit- und Berufssoldaten. Drittens<br />
stellen sich freiwillig länger dienende Wehrpflichtige &#8211; 20<br />
Prozent der Soldaten – in den Einsatz.
</p>
<p>
<b>golfer:</b> Nach der US-Wahl gestern: Muss Deutschland<br />
jetzt auch in den Irak? Merkel wird ja bestimmt nicht wie Schröder<br />
bei einer Anfrage ablehnen.
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die große Koalition wird<br />
nur Beschlüsse in Übereinstimmung treffen. Einem Einsatz<br />
der Bundeswehr im Irak wird die SPD nicht zustimmen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was denken Sie, wird sich nach Bushs<br />
Schlappe im Irak verändern?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Amerikaner werden ihre Strategie<br />
im Irak überdenken müssen und entweder mit stärkeren<br />
Truppeneinsatz für den inneren Frieden im Irak sorgen, damit<br />
das „Nation-Building“ gelingt, oder sich in einem schrittweisen<br />
Verfahren aus dem Irak zurückziehen. Wobei ich nicht weiß,<br />
was dann passieren würde und ob dies gut wäre.
</p>
<p>
<b>JH:</b> Könnte man die Bundeswehr nicht zu einer<br />
Friedenstruppe entwickeln, die eine passive Rolle mit Waffen pflegt<br />
und sich auf die Abwendung von Auswirkungen diverser Natur und Industriekatastrophen<br />
spezialisiert?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> So etwas haben wir schon, es nennt<br />
sich Technisches Hilfswerk und wird dafür auch benutzt. Ich<br />
halte es auch nach wie vor für notwendig, eine Bundeswehr zu<br />
unterhalten.
</p>
<p>
<b>babyblue:</b> Wie können Sie als Verteidigungsexperte<br />
mit Ihrem Gewissen vereinbaren, Spenden von Rüstungskonzernen<br />
erhalten zu haben?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Zu dem Zeitpunkt, als mein Kreisverband<br />
Spenden erhalten hat, war ich nicht für den Bereich Verteidigung<br />
zuständig.
</p>
<p>
<b>mecklenburgvorpommern:</b> Sehr geehrter Herr Kahrs,<br />
Deutschland genießt in vielen Ländern der Welt einen<br />
relativ guten Ruf, da es sich aus vielen vergangenen Konflikten<br />
mehr oder weniger herausgehalten hat. Glauben Sie nicht, dass nun<br />
durch die massive Beteiligung der Bundeswehr in allen Teilen der<br />
Welt dieser Ruf und die damit einhergehende Macht als &quot;Vermittlerrolle&quot;<br />
für immer verloren gehen könnte?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wir sind als BRD immer in unterschiedlichen<br />
Koalitionen und wenn immer möglich mit UN-Mandat im Einsatz<br />
und haben das Ziel, in den jeweiligen Staaten, insbesondere im Bereich<br />
„Nation-Building“, zu helfen. Daher haben wir nach meiner<br />
Erfahrung insbesondere ein großes Ansehen. Weiterhin hat allerdings<br />
auch die Ablehnung am Einsatz im Irak unsere Position deutlich verbessert.
</p>
<p>
<b>mze:</b> Denken Sie, dass das Vertrauen in westliche<br />
Truppen gesunken ist angesichts der regelmäßigen Enthüllungen<br />
in den Medien?
</p>
<p>
<b>-Simon Haber-:</b> Wurde die &quot;Todeskopfaffäre&quot;<br />
nicht überbewertet?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich glaube, dass diese Totenkopfaffäre<br />
ein Fall für die örtlichen Disziplinarvorgesetzten ist,<br />
deren Aufgabe es ist, solchen Unsinn disziplinarrechtlich zu würdigen.<br />
Für den Ruf der Bundeswehr ist dies nie gut, lässt sich<br />
aber nur schwer bei einer Armee von 250.000 Mann dauerhaft vermeiden.<br />
So bedauerlich das auch ist.
</p>
<p>
<b>Markus22:</b> Eine Frage zum weltpolitischen Status<br />
der Bundesrepublik: Vor einiger Zeit wurde über einen dauerhaften<br />
Sitz Deutschlands im Weltsicherheitsrat beraten. Soweit ich mich<br />
erinnere, wurde dieser Vorstoß zunächst verworfen. Müssten<br />
am Ende solcher Einsätze nicht politische Zugeständnisse<br />
stehen? Oder was haben uns die ständigen Ratsmitglieder voraus?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ständige Ratsmitglieder sind<br />
stärker in UN-Entscheidungen eingebunden. Gleichzeitig haben<br />
sie natürlich auch eine größere Verpflichtung, an<br />
den Einsätzen der Vereinten Nationen teilzunehmen. Daher kann<br />
ich beide Standpunkte in dieser Frage sehr gut nachvollziehen.
</p>
<p>
<b>olivius2000:</b> Ist es für eine Partei, insbesondere<br />
der SPD, nicht generell problematisch, Spenden der Rüstungsindustrie<br />
zu bekommen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Prinzipiell können sich Parteien<br />
entsprechende Regelungen geben. Die SPD hat dies bisher noch nicht<br />
getan. Ich halte es für wichtig, dass dies immer analog der<br />
gesetzlichen Regeln geschieht.
</p>
<p>
<b>SIHa:</b> Wie können Sie es verantworten, dass<br />
wir Truppen in Usbekistan stationiert haben und so die dortige Diktatur<br />
unterstützen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Bundeswehr unterhält<br />
nur ein kleines Kontingent in Usbekistan. Dies hat mehr mit der<br />
logistischen Unterstützung für Afghanistan zu tun.
</p>
<p>
<b>Leser1:</b> Hallo Herr Kahrs. Haben Sie eine Erklärung<br />
dafür, warum Peter Struck immer wieder gegen seinen Nachfolger<br />
schießt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich habe persönlich nicht<br />
das Empfinden, dass Peter Struck gegen seinen Nachfolger schießt,<br />
sondern merke an jeder Ecke, dass er der Bundeswehr sehr verbunden<br />
ist und sie auch unterstützt.
</p>
<p>
<b>zuh?:</b> Gibt es ein spezielles Ressort &quot;Nation-Building&quot;<br />
in der Bundeswehr, wenn doch ein nicht geringer Teil der Aufgaben<br />
der Bundeswehr in den Bereich des „Nation-Building“<br />
fällt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Es gibt innerhalb der Bundeswehr<br />
zuständige Einheiten, die für diesen Bereich zuständig<br />
sind und auch den Einsatz der Nichtregierungs­Organisationen<br />
koordinieren. Ich halte es für wichtig, dass wir künftig<br />
im Deutschen Bundestag nicht mehr den Einsatz der Bundeswehr beschließen,<br />
sondern künftig das Engagement als ganzes. Dies würde<br />
bedeuten, dass sowohl das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />
(Entwicklungshilfe) als auch das Innen- und Außenministerium<br />
genauso ihre Kräfte auf Auslandseinsätze richten müssen<br />
wie die Bundeswehr.
</p>
<p>
<b>mze:</b> Wie stehen sie zu einem &quot;Nation-Building&quot;<br />
in Tschetschenien?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich glaube, dass ein „Nation-Building“<br />
in Tschetschenien notwendig ist. Ich glaube aber nicht, dass sich<br />
die Bundeswehr daran beteiligen sollte, da wir derzeit an genug<br />
Auslandseinsätzen beteiligt sind.
</p>
<p>
<b>u3 member:</b> Was passiert, wenn all die vielen Bundeswehreinsätze<br />
zu viele Opfer fordern und es in Deutschland zu einer Art „Amerika-Irak-Situation“<br />
kommt? Die Leute haben genug von den Einsätzen. Darf die Bundeswehr<br />
sich auch von ihrem Mandat zurückziehen bzw. Aufgaben nicht<br />
nachkommen, wenn es zu innenpolitischen Unruhen kommt?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Über den Einsatz der Bundeswehr<br />
im Ausland entscheidet der Deutsche Bundestag, also die gewählten<br />
Bundestagsabgeordneten. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee.<br />
Die Verantwortung liegt beim Parlament und deshalb glaube ich, dass<br />
es gar nicht erst zu dieser Situation kommen wird.
</p>
<p>
<b>Keetenheuve2:</b> Hallo Herr Kahrs, die SPD wirkt<br />
auf mich als eine in sich zerrissene Partei &#8211; hier die Traditionalisten,<br />
die in altlinker Manier sich für Unterdrückte und Arme<br />
einsetzen (bzw. die, die sie dafür halten) und auf der anderen<br />
Seite Pragmatiker, die sich ein bisschen links von der CDU positionieren<br />
wollen. Wie lange hält die SPD diesen Spagat noch aus?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich kann diese Einschätzung<br />
so nicht teilen. Als Volkspartei deckt die SPD immer ein Spektrum<br />
innerhalb der Bevölkerung ab, dass mindestens 50 Prozent der<br />
Bürgerinnen und Bürger anspricht und ansprechen muss.<br />
Dadurch entstehen immer wieder auch parteiinterne Konflikte. Das<br />
ist normal und Teil der demokratischen Auseinandersetzung. Das macht<br />
uns so lebendig und gut.
</p>
<p>
<b>töfte:</b> Möchten Sie Rot-Grün zurück?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wenn ich mir das wünschen<br />
dürfte, gerne. Der Wähler hat leider anders entschieden.<br />
Insbesondere dann, wenn ich Gerhard Schröder als Bundeskanzler<br />
zurückbekomme.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Wie steht es mit der<br />
FDP als künftigen Partner?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Über Koalitionen sollte man<br />
nach und nicht vor Wahlen sprechen. Wichtig ist, dass wir soviel<br />
wie möglich sozialdemokratische Inhalte durchsetzen können.<br />
Ich persönlich glaube daher, dass Rot-Grün ein Erfolgsmodell<br />
war.
</p>
<p>
<b>töfte:</b> Wie stehen Sie zu Schröders Memoiren?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Halte ich für lesenswert<br />
und gut. Es ruft in mir die Erinnerung an die Erfolge aber auch<br />
turbulenten Zeiten der rot-grünen Koalition hervor.
</p>
<p>
<b>golfer:</b> Sind die sinkenden Arbeitslosenzahlen<br />
nicht auf die Ergebnisse der rot-grünen Koalition zurückzuführen<br />
und nicht auf die der neuen Regierung?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die derzeitige Wirtschaftslage<br />
ist natürlich ein Ergebnis der rot-grünen Reformen. Reformen<br />
brauchen immer einige Zeit, bis sie wirken. Das sieht man jetzt.
</p>
<p>
<b>Henrik Hoppenstedt:</b> Sehr geehrter Herr Kahrs,<br />
das Gerangel um den EU-Beitritt der Türkei ist nach wie vor<br />
nicht geklärt. Befürworten Sie eine vollständige<br />
Aufnahme oder eine privilegierte Partnerschaft?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich bin ein überzeugter Anhänger<br />
eines gleichberechtigten Beitritts der Türkei in die EU. Analog<br />
der Bedingungen, die für alle Länder gelten. So schwierig<br />
das für die Türkei auch sein mag.
</p>
<p>
<b>kurtur:</b> Sehr geehrter Herr Kahrs, wann wird endlich<br />
die Bundeswehr gegen linke Demonstranten eingesetzt? In Hamburg<br />
zeigt sich ja, dass man mit Wasserwerfern nicht mehr weiterkommt!
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Wir Sozialdemokraten lehnen den<br />
Einsatz der Bundeswehr im Inneren ab. Weiterhin glaube ich, dass<br />
ein Hamburger Senat unter Führung von Matthias Petersen mit<br />
seiner guten sozialdemokratischen Politik verhindern würde.
</p>
<p>
<b>samba:</b> Gestern haben die Wirtschaftsweisen der<br />
Bundesregierung eher schwache Ergebnisse zugeordnet. Sehen Sie das<br />
auch so? Kann die Regierung zu ihrer Anfangsstärke zurückfinden?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Die Wirtschaftsweisen ändern<br />
ihre Meinung viel zu häufig und sind meiner Meinung nach kein<br />
Indikator für das Land. Ich halte mich da lieber an die realen<br />
Zahlen und die werden wöchentlich besser. Glück auf.
</p>
<p>
<b>Maserati:</b> Glauben Sie, dass die Bundeswehr tatsächlich<br />
Weihnachten wieder aus dem Kongo zurück ist? So, wie Herr Jung<br />
es angekündigt hat?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Herr Jung hat das dem Bundestag<br />
so zugesagt und wir gehen davon aus, dass er sich an sein Wort hält.<br />
Alles andere würden wir missbilligen.
</p>
<p>
<b>Marian233:</b> Wo sehen Sie, als Mitglied des Seeheimer<br />
Kreises, die Zukunft der SPD? Kann die SPD die Partei der Mitte<br />
werden und somit langfristig die CDU überflüssig machen?
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich glaube, dass die SPD als linke<br />
Volkspartei, als Partei der abhängig Beschäftigten, gut<br />
aufgestellt ist. Wir sind als Anwalt der normalen Arbeitnehmerinnen<br />
und Arbeitnehmer unverzichtbar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat für<br />
heute. Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere<br />
Bitte um Verständnis an jene,S die wir mit ihrer Frage nicht<br />
berücksichtigen konnten. Unser besonderer Dank gilt Johannes<br />
Kahrs, der sich die Zeit genommen hat, zum Chatten ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
zu kommen. Ihnen allen wünschen wir noch einen schönen<br />
Tag.
</p>
<p>
<b>Johannes Kahrs:</b> Ich bedanke mich auch für<br />
die rege Teilnahme und empfehle, bei jeder Bundestagswahl ihr Kreuz<br />
bei der SPD zu machen. Glück auf!
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
<!-- Content --><br />
<span style="font-size: x-small"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Dass &#8220;unsere Jungs&#8221; Weihnachten wieder zu Hause sind, sehe ich noch nicht&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdass_quotunsere_jungsquot_weihnachten_wieder_zu_hause_sind_sehe_ich_noch_nichtquot-134/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Jul 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Auslandseinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Wim Dohrenbusch]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 10. Juli, war 
Wim Dohrenbusch, ARD-Korrespondent in Nairobi, zu Gast im tagesschau-Chat 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete 
Fragen zum Kongo-Einsatz der Bundeswehr, den bevorstehenden Wahlen 
und den Perspektiven der Demokratisierung Afrikas.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 10. Juli, war<br />
Wim Dohrenbusch, ARD-Korrespondent in Nairobi, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete<br />
Fragen zum Kongo-Einsatz der Bundeswehr, den bevorstehenden Wahlen<br />
und den Perspektiven der Demokratisierung Afrikas.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Herzlich willkommen<br />
zum tagesschau-Chat. Unser heutiger Gast ist uns aus Nairobi zugeschaltet:<br />
Wim Dohrenbusch berichtet von dort aus für die ARD über<br />
20 Länder Ost- und Zentralafrikas. Zu seinem Berichtsgebiet<br />
gehört auch die Demokratische Republik Kongo. Der Bundeswehreinsatz<br />
in Kongo und die Wahlen dort werden heute unser Schwerpunktthema<br />
sein. Fragen zu anderen Themen aus Herrn Dohrenbuschs Berichtsgebiet<br />
werden wie immer gerne entgegengenommen. Frage nach Nairobi: Können<br />
wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Jambo sana aus Nairobi. Hier ist Wim Dohrenbusch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Heute beginnt die Bundeswehr mit der Verlegung des Hauptkontingents<br />
für den EU-Einsatz in Kongo. Zu dieser Mission die erste Frage:
</p>
<p>
<b>MOEs &#8211; Taverne:</b> Wie viele Soldaten werden zum<br />
Einsatz kommen und werden auch Frauen eingesetzt?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Es werden insgesamt 780 Soldaten nach Afrika gehen.<br />
280 nach Kinshasa, etwa 500 in den Nachbarstaat Gabun.
</p>
<p>
<b>Klassensprecher:</b> Hallo Herr Dohrenbusch. Wie ist<br />
die Stimmung in Kongo gegenüber dem Einsatz fremder Soldaten<br />
im Land?
</p>
<p>
<b>Anna: </b>Wie ist die Stimmung bei den deutschen Soldaten,<br />
die schon in Kongo sind?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Allgemein hat man großen<br />
Respekt vor den Soldaten aus Europa. Respekt im positiven Sinn.<br />
Weil diese Soldaten wirklich Schutz und Sicherheit versprechen.<br />
Die Deutschen sind im Kongo durchaus beliebt, denn sie gelten als<br />
zuverlässig und verbindlich. Außerdem haben sie keine<br />
koloniale Vergangenheit. Ich war bis vor ein paar Tagen in Kinshasa.<br />
Es sind inzwischen 70 Soldaten dort, übrigens auch eine Handvoll<br />
Frauen. Die Stimmung ist allgemein gut. Man fühlt sich relativ<br />
sicher und überhaupt nicht bedroht. Andererseits ist es für<br />
viele Soldaten tatsächlich sehr verunsichernd, mit der Armut<br />
und dem Elend der Menschen umzugehen.
</p>
<p>
<b>Jakob: </b>Stimmt es, dass ein Bundeswehrsoldat bereits<br />
in Kinshasa verletzt wurde? Die Nachricht kam aus Gabun. Wenn es<br />
stimmt &#8211; wie ist es geschehen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Davon weiß ich nichts. Am Wochenende ist<br />
ein kongolesischer Journalist in seinem Haus von uniformierten und<br />
bewaffneten Männern erschossen worden. Ein deutscher Journalisten-Kollege<br />
ist vor einer Woche bei einem Raubüberfall verletzt worden.
</p>
<p>
<b>konrad.k.l: </b>Spielt diese Kolonialvergangenheit<br />
wirklich so eine Rolle? Oder anders: Die Belgier sind also im Kongo<br />
nicht beliebt?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Das Verhältnis zu den Belgiern ist zumindest<br />
zwiespältig, das gilt auch für die Franzosen. So ist es<br />
aber überall in Afrika mit den ehemaligen Kolonialmächten.<br />
Einerseits ist die Bindung immer noch eng, aber es sind eben doch<br />
die alten Ausbeuter und Unterdrücker.
</p>
<p>
<b>Robert:</b> Wie werden die Aufgaben der Soldaten aussehen<br />
und wie werden diese durchgeführt?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die wichtigste Aufgabe ist laut Oberkommando &quot;Sichtbarkeit<br />
demonstrieren&quot;. Umgekehrt darf auf keinen Fall der Eindruck<br />
entstehen, dass man nur da ist, um den Wahlsieg des Präsidenten<br />
abzusichern, wirtschaftliche Interessen zu verteidigen oder nur<br />
im Notfall Landsleute zu evakuieren. Für die deutschen Soldaten<br />
ist der &quot;Bereich Kinshasa&quot; das Einsatzgebiet. Wie eng<br />
das gefasst wird, das muss sich in den nächsten Monaten herausstellen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt einige Fragen zur Dauer des Einsatzes:
</p>
<p>
<b>Bobo:</b> Hallo Herr Dohrenbusch. Denken Sie, dass<br />
nach Ablauf der regulären Zeit des Einsatzes sich dieser verlängern<br />
wird? Schließlich wird sich die Situation auch nach den demokratischen<br />
Wahlen nicht schlagartig ändern. Wie sehen Sie also die Zukunft<br />
der Bundeswehr in Afrika?
</p>
<p>
<b>Konga: </b>Ist es Ihrer Meinung nach realistisch,<br />
dass die deutsche Truppe Weihnachten wieder zu Hause sein wird?<br />
Was bringt so ein Einsatz wirklich, wenn er nur über einen<br />
relativ kurzen Zeitraum erfolgt? Müssten die Soldaten nicht<br />
eigentlich über ein, zwei Jahre bleiben, um nachhaltige Wirkungen<br />
zu hinterlassen?
</p>
<p>
<b>taoli:</b> In den Angaben der Politik zum Einsatzrisiko<br />
wurde nicht präzisiert, man müsse &quot;bei Null&quot;<br />
anfangen mit dem Einsatz &#8211; wie heute in den Nachrichten angegeben.<br />
Dieses intendiert meines Erachtens, dass man schon jetzt erste Hinweise<br />
gibt, dass die öffentlich benannte zeitliche Begrenzung des<br />
Einsatzes nicht funktionieren wird und dieses jetzt schon absehbar<br />
ist auf Kommandoebene des Einsatzes. Wie beurteilen Sie diese Einschätzung?
</p>
<p>
<b>Hhiu: </b>Es gab ja viel Kritik über einen so<br />
kurzen Einsatz der Bundeswehr in Kongo. Verteidigungsminister Jung<br />
will die Jungs ja im Dezember wieder zu Hause haben. Halten Sie<br />
dies für realistisch und welche Konsequenzen hat das?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Der gesamte EUFOR-Einsatz ist durch Beschluss<br />
der EU-Gremien, bzw. der deutsche durch den Bundestag auf vier Monate<br />
vom Wahltag am 30. Juli an, begrenzt. Ich halte das für sehr<br />
optimistisch, denn der gesamte Wahlprozess ist kompliziert und langwierig,<br />
mit zweitem Wahlgang bei den Präsidentschaftswahlen und Provinzialwahlen.<br />
Dann wird die Regierungsbildung sicher ein Kraftakt werden, weil<br />
es darum geht, die Verlierer in den Demokratisierungsprozess einzubeziehen.<br />
Die werden nämlich nicht so einfach an der Wahlurne wieder<br />
abgeben, was sie im Krieg mit Waffengewalt erbeutet haben. Also:<br />
Ernst wird es wahrscheinlich erst ab Ende August, wenn das Wahlergebnis<br />
feststeht. Dass &quot;unsere Jungs&quot; Weihnachten wieder zu Hause<br />
sind, wie es Verteidigungsminister Jung behauptet, das sehe ich<br />
noch nicht. Außenminister Steinmeier sagt inzwischen auch,<br />
dass man da wohl etwas flexibler sein muss.
</p>
<p>
<b>lichtgestalt:</b> Ich habe in Ihrem Beitrag gelesen,<br />
dass die Deutschen in kürzester Zeit, Ihr Lager aufgebaut haben<br />
&#8211; mit fließend Wasser und Satellitenanlagen. Schürt so<br />
etwas keinen Neid bei der Bevölkerung, die schon jahrelang<br />
auf fließendes Wasser wartet?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die Bundeswehr bemüht sich um Öffentlichkeitsarbeit.<br />
Nach dem Ende des Einsatzes sollen die Brunnen, das Krankenhaus<br />
und alle anderen Einrichtungen den Kongolesen übergeben werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Thema, zu dem es mehrere Fragen gibt, sind Kindersoldaten.
</p>
<p>
<b>Robert:</b> Wird sich der Einsatz nur auf Kinshasa<br />
beschränken oder auch außerhalb der Stadt abspielen.<br />
Zum Beispiel Eingriffe bei Unruhen (gerade nach der Wahl). Wie sind<br />
die Reaktionen auf einen Konflikt mit &quot;Kindersoldaten&quot;<br />
geplant? Sicherlich ein schwieriges Thema, gerade in anbetracht<br />
etwaiger Reaktionen der deutschen (Welt-) Öffentlichkeit!
</p>
<p>
<b>Hannes:</b> Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit,<br />
dass deutsche Soldaten im Kongo auf Kindersoldaten treffen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Zum Einsatzgebiet: EUFOR kann im Prinzip im ganzen<br />
Kongo eingesetzt werden, die Deutschen nur im Großraum Kinshasa.<br />
Kindersoldaten sind so ein Thema. In Kinshasa, davon kann man ausgehen,<br />
gibt es keine Kindersoldaten. Bei den zahlreichen Rebellenmilizen<br />
im Osten und Norden sieht das schon anders aus. Aber mal so gefragt:<br />
Wie sollten Friedenstruppen damit umgehen, wenn sie in einen Hinterhalt<br />
geraten und möglicherweise Kindersoldaten bei dem Angriff dabei<br />
sind. Erst nach dem Ausweis fragen, und dann zurückschießen?<br />
Und wie geht man mit bewaffneten Jungendbanden und &quot;normalen“<br />
Kriminellen um? Da sind die Grenzen fließend.
</p>
<p>
<b>petermann:</b> Denken Sie, dass der Kongo-Einsatz<br />
ein Vorbild für mögliche Einsätze in anderen Teilen<br />
Afrikas sein könnte?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Sicher, es wird ja auch schon relativ offen über<br />
eine deutsche Beteiligung an einer Friedensmission in der Darfur-Region<br />
im Sudan diskutiert.
</p>
<p>
<b>zinedine:</b> Zu den Kindersoldaten: Gab es denn schon<br />
Konflikte zwischen den Uno-Soldaten in Kongo, die jetzt schon da<br />
sind, und Kindersoldaten? Und wie gehen die damit um?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die 17.000 Blauhelme, die seit Jahren in Kongo,<br />
vor allem in den Unruheregionen stationiert sind, sind schon häufig<br />
in Gefechte verwickelt worden. Wenn man dabei auf Kindersoldaten<br />
trifft, dann werden die festgenommen und Organisationen wie UNICEF<br />
übergeben. Das sollte übrigens auch die kongolesische<br />
Armee tun. Genaue Zahlen gibt es aber nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir nun vom Einsatz der Bundeswehr zum Grund<br />
ihrer Anwesenheit &#8211; den Wahlen:
</p>
<p>
<b>Klassensprecher:</b> Wie ist denn eigentlich die politische<br />
Situation im Kongo? Und: ist durch die Wahl eine echte Stabilisierung<br />
absehbar?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Es hat seit der Unabhängigkeit, also seit<br />
45 Jahren nur Diktatur, Krieg und Korruption im Kongo gegeben. Das<br />
Land ist sechsmal so groß wie Deutschland und verfügt<br />
praktisch über keine Straßen und Eisenbahnen, keinerlei<br />
Infrastruktur. So gesehen ist es fast unregierbar. Ob sich durch<br />
die Wahlen wirklich die Situation spürbar verbessert, da habe<br />
ich meine großen Zweifel. Nur: Ohne den Versuch sind Chaos<br />
und Krieg vorprogrammiert.
</p>
<p>
<b>Interessix:</b> Ergibt es Sinn, einem Land wie Kongo<br />
Demokratie nach europäischem Muster aufdrücken zu wollen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Tun wir das? Die Kongolesen haben sich um den<br />
Jahreswechsel eine neue Verfassung gegeben, der das Volk mit 84<br />
Prozent zugestimmt hat. Der Wahlprozess ist eine kongolesische Angelegenheit.<br />
Zur Absicherung der Wahlen haben die Vereinten Nationen nun die<br />
Europäer um Hilfe gebeten. Also, die Bevormundung hält<br />
sich doch sehr in Grenzen.
</p>
<p>
<b>Maximo:</b> Wie kommt es denn eigentlich, dass ein<br />
Diktator es &quot;zulässt&quot;, dass es demokratische Wahlen<br />
geben soll?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die Luft wird dünn für Diktatoren in<br />
Afrika. Allein schon durch neue Medien, Satellitenfernsehen, Internet<br />
usw. ist zumindest die kleine Mittelschicht viel besser auf dem<br />
Laufenden, was im Rest der Welt und vor ihrer eigenen Haustür<br />
passiert. Diktatoren haben es heute viel schwerer, ihre Völker<br />
für dumm zu verkaufen. Außerdem haben sich seit dem Ende<br />
des &quot;Kalten Krieges&quot; die Maßstäbe für<br />
Entwicklungshilfe und Zusammenarbeit verändert. Heute wird<br />
schon mehr auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte<br />
geachtet. Es sei denn, man verurteilt das als unangemessene Einflussnahme<br />
oder Aufdrücken westlicher Demokratiemodelle.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein paar konkrete Fragen zum Wahlkampf:
</p>
<p>
<b>lolle: </b>Wie läuft der Wahlkampf im Kongo ab?
</p>
<p>
<b>Maximo:</b> Gibt es eine Möglichkeit der Bevölkerung,<br />
sich zu organisieren? Wie funktioniert das System in Kongo, das<br />
ja offensichtlich stabil zu sein scheint?
</p>
<p>
<b>Wegbereiter:</b> Wie sind die Chancen der politischen<br />
Wettbewerber und welche gibt es? Welche politischen Forderungen<br />
verfolgen diese?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Offiziell ist der Wahlkampf seit Anfang des Monats<br />
eröffnet. Man sieht in Kinshasa und anderen größeren<br />
Städte Banner, Spruchbänder und Plakate. Vor allem von<br />
Präsident Joseph Kabila und seinen Vizepräsidenten Bemba<br />
und Ruberwa. Es gibt Kundgebungen, Demonstrationen usw. Auf dem<br />
Land oder im Busch haben aber sicher ganz viele Leute noch nichts<br />
von den bevorstehenden Wahlen gemerkt.
</p>
<p>
<b>Leiden:</b> Welche Rolle spielen Medien im Kongo in<br />
Bezug auf eine Demokratie im Kongo?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Oh je. Es gibt 33 Präsidentschaftskandidaten<br />
und rund 9.000 Bewerber um 500 Parlamentssitze, mehr als 200 Parteien,<br />
viele Einzelkandidaten. Selbst bei den Präsidentschaftskandidaten<br />
gibt es einige, von denen selbst die Kongolesen noch nie etwas gehört<br />
haben. Es gibt staatlichen Rundfunk und Fernsehen, ein gutes Dutzend<br />
privater Tageszeitungen, aber die Verbreitung ist natürlich<br />
sehr mäßig (siehe Infrastruktur). Das wichtigste Medium<br />
&#8211; wie übrigens überall in Afrika &#8211; ist das Radio. Und<br />
hier tut sich der Sender der UN-Blauhelmmission, &quot;Radio Okapi&quot;,<br />
besonders positiv hervor. Die haben eine enorme Verbreitung, senden<br />
in vielen verschiedenen Sprachen und haben einen sehr guten Ruf<br />
in der Bevölkerung.
</p>
<p>
<b>polski:</b> Wie unabhängig ist der staatliche<br />
Rundfunk?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ist das eine ernsthafte Frage? Staatliche Medien<br />
sind immer das Sprachrohr der Herrschenden.
</p>
<p>
<b>Hanns:</b> Wie erklären sie die Kluft zwischen<br />
Stadt und Land, die unter anderem dadurch zum Ausdruck kam, dass<br />
in der Hauptstadt Kinshasa gerade mal 50,29 Prozent für die<br />
Verfassung stimmten, wogegen die Zustimmung in denen von Krieg betroffen<br />
Provinzen Nord- und Sud-Kivu bei 96,67 und 97,6 Prozent lag?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Das ist eine spannende Frage, auf die ich keine<br />
eindeutige Antwort habe. Auch Vertreter von Hilfsorganisationen,<br />
die im Nordosten aktiv sind, hat das sehr überrascht. Aber<br />
vielleicht liegt es daran, dass gerade dort die Menschen ihre ganze<br />
Hoffnung auf Frieden und Sicherheit in die neue Verfassung und die<br />
Wahlen setzen.
</p>
<p>
<b>polski: </b>Wie weit ist das Internet in Kongo verbreitet.<br />
Haben auch ärmere Leute Zugriff darauf?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Internet braucht Elektrizität, Internet braucht<br />
Nutzer, die lesen und schreiben können. Außer in den<br />
Städten spielt sich da also nicht ganz so viel ab. Aber die<br />
Verbreitung von Handys ist unglaublich hoch. Und die Leute informieren<br />
sich gegenseitig. Insofern ist das Internet auch in einem Land wie<br />
dem Kongo von großer Bedeutung.
</p>
<p>
<b>Wurstbrot:</b> Glauben Sie, dass Präsident Kabila<br />
jedes Wahlergebnis akzeptiert? Oder wird er sich eher wie Berlusconi<br />
verhalten und nichts unversucht lassen, die Wahl zu annullieren?<br />
Wie geht Kabila denn überhaupt mit der Mission um, die ihm<br />
ja ganz und gar nicht gefallen könnte?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Über genau diese Fragen zerbrechen sich viele<br />
kluge Leute den Kopf. Vielleicht ist Kabila das kleinere Übel,<br />
jedenfalls im Gegensatz zu den ehemaligen Milizenchefs und Politgangstern.<br />
Ob aber Kabila tatsächliche eine Niederlage akzeptieren würde,<br />
da habe ich so meine Zweifel. Aber niemand glaubt ernsthaft, dass<br />
Kabila verliert. Spätestens im zweiten Wahlgang dürfte<br />
er die absolute Mehrheit erreichen. Und viele Menschen auf dem Land<br />
kennen ja niemanden anders als Kabila. Das war für mich schon<br />
sehr eindrucksvoll zu erleben, als ich in der Ituri-Provinz unterwegs<br />
war.
</p>
<p>
<b>Basisdemokratie:</b> Welche afrikanischen Länder<br />
werden derzeit noch von Diktaturen regiert? Gibt es hier ähnliche<br />
Prozesse hin zu einer Demokratisierung? Wann ist damit zu rechnen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Bei allem Elend, Bürgerkrieg und Not in Afrika<br />
muss man sich auch einfach mal klar machen, dass die Entwicklung<br />
der letzten Jahre doch eher hoffnungsvoll war. Friedensvertrag zwischen<br />
Nord- und Südsudan, Frieden in Angola, Sierra Leone, Liberia,<br />
Burundi. Aber oft ist es noch sehr brüchig. Und wenn man heute<br />
nach Somalia schaut, oder in die Darfur-Region, kann man nur das<br />
nackte Grauen kriegen.
</p>
<p>
<b>alf:</b> Wäre es nicht endlich an der Zeit die<br />
Folgen des Kolonialismus zu beseitigen, d.h. diesem absurden überdimensionierten<br />
Flächenstatt aufzulösen und der Multi-Ethnizität<br />
in diesem Gebiet Rechnung zu tragen? Man kann nicht so viele Ethnien<br />
in einem künstlichen Staat zusammenwerfen, aufgrund der Loyalität<br />
zu seiner Ethnie wird es immer zu Zwistigkeiten kommen.
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ganz sicher nicht! Die Afrikaner &#8211; so verrückt<br />
es vielleicht klingen mag &#8211; wollen das so. Andererseits, wo sollte<br />
man aufhören? Den Kongo in zwei, drei oder 300 Staaten aufteilen.<br />
Wenn man damit anfangen würde, dann bräche das Chaos endgültig<br />
aus. Es gibt ja den Fall Äthiopien-Eritrea. Und auch dort stehen<br />
Blauhelme an der Grenze, nachdem sich die einstigen Bürger<br />
einen blutigen Krieg geliefert haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir haben noch fünf Minuten. Schon<br />
jetzt eine Entschuldigung an dieser Stelle, dass wir nicht alle<br />
Fragen berücksichtigen können. Es liegen noch viele unbeantwortete<br />
Fragen vor. Hier kommen noch einige persönliche:
</p>
<p>
<b>lolle:</b> Unter welchen Bedingungen können Sie<br />
im Kongo arbeiten?
</p>
<p>
<b>Pretender2006:</b> Wie sieht Ihre Familie Ihren Einsatz<br />
in einem, unter Umständen nicht ganz so ungefährlichen<br />
Land. Hat sie Angst? Haben Sie selber Angst?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ehrlich gesagt, Voraussetzung ist ein ordentliches<br />
Hotel, ein kongolesischer Mitarbeiter, der weiß, wen man wo<br />
bestechen kann, um überhaupt geradeaus über die Straße<br />
zu kommen. Also, einerseits ist es das reine Chaos, andererseits<br />
gefallen mir die Menschen, mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem<br />
unbeugsamen Überlebenswillen. Deshalb habe ich mich trotz Elend<br />
und Chaos nicht unwohl gefühlt. Ohne ein bisschen Angst geht<br />
es nicht. Das ist auch ein nützlicher Sender für Gefahr.<br />
Und die Familie hat’s nicht leicht, ist aber dran gewöhnt<br />
und wartet in Nairobi, dass ich wieder heil nach Hause komme.
</p>
<p>
<b>martin78:</b> Wieso wollten Sie gerade nach Afrika?<br />
Was hat Sie daran gereizt?
</p>
<p>
<b>hannes:</b> Was reizt Sie an der Arbeit als Afrika-Korrespondent?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ich habe hier in Kenia vor 23 Jahren mal einen<br />
Schulfreund besucht, der in der Entwicklungshilfe war und mich &#8211;<br />
platt gesagt &#8211; in Land und Leute verliebt. Manches nervt, vieles<br />
ist anstrengend. Aber Natur, Klima, die Freundlichkeit und Offenheit<br />
der Menschen faszinieren mich bis heute.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Deutschland hat im letzten Monat vor allem ein Thema<br />
die Menschen und die Medien beschäftigt. Dazu die letzte Frage<br />
nach Nairobi:
</p>
<p>
<b>vivelafrance:</b> Sind die Afrikaner eigentlich genau<br />
so fußballverrückt wie die Deutschen in den letzten vier<br />
Wochen gewesen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Jaaa! Schade nur, dass die Länder und Menschen<br />
hier in Ost- und Zentralafrika besser ohne Ball als mit durch die<br />
Gegend laufen können. Ich hätte gern auch ein oder zwei<br />
Vertreter aus Afrika in &quot;meinem&quot; Berichtsgebiet gehabt.<br />
Aber warten wir mal auf 2010.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat. Vielen Dank Herr Dohrenbusch,<br />
dass Sie sich Zeit genommen haben. Das Protokoll des Chats ist wie<br />
immer in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de zu finden. Das Tagesschau-Chat-Team dankt<br />
allen Teilnehmern für Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen<br />
und wünscht noch einen angenehmen Tag.
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ich bin ganz begeistert über die vielen tollen<br />
und interessanten Fragen. Vielen Dank an alle und: Kwaherini ya<br />
Ugerumani!
</p>
<p class="normal">
</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Der BND braucht ein reinigendes Gewitter&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 May 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
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		<category><![CDATA[Renate Künast]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 17. Mai, war Renate 
Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Sie beantwortete Fragen zur BND-Affäre und zum geplanten Bundeswehreinsatz 
im Kongo.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 17. Mai, war Renate<br />
Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Sie beantwortete Fragen zur BND-Affäre und zum geplanten Bundeswehreinsatz<br />
im Kongo.<!--break-->
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Liebe Freunde des tagesschau-Chats,<br />
heute ist die Chefin der Grünen Bundestagsfraktion, Renate<br />
Künast, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen und dafür danken<br />
wir ihr herzlich. In ihrer Funktion ist Frau Künast für<br />
alle wesentlichen Politikfelder zuständig &#8211; daher sind auch<br />
Fragen aus allen Bereichen willkommen. Die Fülle wird uns wie<br />
immer zwingen, zu sortieren. Frau Künast, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ja, wir können anfangen,<br />
ich bin bereit.
</p>
<p>
<b>Harry M:</b> Thema: BND &#8211; Sehr geehrte Frau Künast,<br />
es ist sehr traurig, dass Sie als führende Politikerin den<br />
BND (eine der wichtigsten Einrichtungen) als Sauladen bezeichnen.<br />
Denn erstens würde in keinem Land über dieses Thema so<br />
ein Wind gemacht. Es ist traurig genug, dass die Information so<br />
an die Öffentlichkeit gekommen ist. Wenn es aber Ihre ehrliche<br />
Meinung ist, dann frage ich mich, wieso Sie zur Zeit Ihrer Regierung<br />
so gar nichts gemacht haben.
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Da stecken viele Einzelfragen<br />
drin, ich versuche sie einzeln abzufragen: Ich habe mich sehr kritisch<br />
über den BND geäußert, weil er in der letzten Zeit<br />
immer wieder gezeigt hat, dass er sich nicht an die Regeln hält.<br />
Mich ärgert, dass sie auch die Pressefreiheit und das Recht<br />
aller Menschen, sich durch eine unabhängige Presse zu informieren,<br />
nicht respektieren. Einige führen in der Behörde ein Eigenleben,<br />
tricksen sogar ihren Präsidenten aus. Deshalb muss man hier<br />
ganz klare Worte sagen. Ich meine, der BND braucht ein reinigendes<br />
Gewitter. Erstens muss alles öffentlich gemacht werden. Zweitens<br />
sind notfalls personelle Entscheidungen zu treffen und man muss<br />
ein Verwaltungssystem entwickeln, das sicherstellt, dass sie sich<br />
wirklich an Weisungen halten. Übrigens täuschen Sie sich<br />
nicht: Auch in den USA wird sehr scharf, beispielsweise im Kongress,<br />
über die CIA und ihre Aktivitäten diskutiert.
</p>
<p>
<b>S. Rolfsson:</b> Wenn sich der BND zu einem &quot;Sauladen&quot;<br />
entwickelt hat, fand das ja wohl auch während Ihrer Regierungszeit<br />
statt. Wo waren Sie bzw. Ihre Partei da?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Bezüglich des Themas<br />
Pressefreiheit hat sich der BND bereits Anfang der 90er Jahre falsch<br />
verhalten und systematisch Journalisten benutzt. Wenn ich Aufklärung<br />
sage, gehört auch dazu, ob in der grünen Regierungszeit<br />
Fehler gemacht worden sind.
</p>
<p>
<b>labersack:</b> Frau Künast, der BND wird regelmäßig<br />
von Skandalen eingeholt. Wäre es nicht an der Zeit, ihn grundlegend<br />
umzustrukturieren, anstatt Bauernopfer zu bringen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Ja, er braucht ein reinigendes<br />
Gewitter und mindestens ein internes Kontrollsystem, was dafür<br />
Sorge trägt, dass Weisungen eingehalten werden. Mir reicht<br />
es nicht, wenn die Bundesregierung jetzt sagt, der BND dürfe<br />
keine Journalisten anwerben, um Eigenschutz zu betreiben.
</p>
<p>
<b>silke:</b> Befürworten Sie einen Rücktritt<br />
Ernst Uhrlaus vom Posten des BND-Chefs?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Mir scheint, das Hauptproblem<br />
ist weit vor der Zeit von Ernst Uhrlau entstanden, nämlich<br />
Anfang der 90er Jahre. Wir müssen als erstes aufklären,<br />
wer die Verantwortung dafür trägt und dann geht es an<br />
personelle Konsequenzen. Mir fällt auf, dass es damals um die<br />
Namen Schmidtbauer und Hanning ging. Schmidtbauer war im Kanzleramt<br />
der verantwortliche Koordinator. Der heutige Staatsminister im Innenministerium,<br />
Herr Hanning, war damals seine rechte Hand.
</p>
<p>
<b>S. Rolfsson:</b> Sie wollen &quot;alles öffentlich<br />
machen&quot;. Das geht aber bei einem Geheimdienst nicht, da dieser<br />
ja dann kein Geheimdienst mehr ist!
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Tja, Geheimdienst in einem<br />
Rechtsstaat darf aber nicht heißen, dass der einen Fehler<br />
nach dem anderen macht, ohne dass alle Abgeordneten oder die Öffentlichkeit<br />
erfährt, was vorgefallen ist. Hier hat der Geheimdienst übrigens<br />
in ein Grundrecht eingegriffen. Die Pressefreiheit ist im Grundgesetz<br />
geschützt. Die Grenzen der Veröffentlichung des Berichtes<br />
können jetzt nur darin liegen, dass z.B. die Daten von Opfern<br />
nicht veröffentlicht werden.
</p>
<p>
<b>Maass:</b> Ich hätte gerne, dass sie auf die<br />
Frage eingehen, wo ihre Partei war als das alles passierte, denn<br />
das besteht ja nicht erst seit der neuen Legislaturperiode.
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Wir klären ja jetzt die<br />
Details auf und ich werde mir genau die Abläufe vorlegen lassen.<br />
Ich weise aber auf eines hin: Die Probleme haben massiv begonnen<br />
und stattgefunden vor unserer Regierungszeit. Im Parlamentarischen<br />
Kontrollgremium ist damals darüber nicht berichtet worden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das PKG die einzige Möglichkeit<br />
für eine Partei, an solche Informationen zu kommen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Außer sie haben einen<br />
Informanten direkt im Dienst. Jetzt aber kommt es auf eines an:<br />
Dass wir die Aufarbeitung nicht nur im PKG machen, das auch unter<br />
Geheimhaltung arbeitet. Ich meine, dieses muss auch im Rechts- und<br />
Innenausschuss besprochen werden. Dort geht es schließlich<br />
um die Wahrung von Grundrechten. Was mir noch fehlt, ist eine Äußerung<br />
der Medien selbst. Schließlich müssen sich auch Journalisten<br />
die Frage stellen, ob es ihren ethischen Grundsätzen entspricht,<br />
mit Geheimdiensten zusammen zu arbeiten. Ich meine nein, weil auch<br />
sie das Vertrauen brauchen bei Informationen, die sie weitergeben,<br />
sauber zu sein und nicht beeinflusst zu werden.
</p>
<p>
<b>meier22:</b> Ist das PKG nicht ohnehin überholt?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Nein, das PKG ist nicht überholt.<br />
Wenn man einen BND braucht, um sich gegen Angriffe von außen<br />
zu schützen, dann braucht man logischerweise eine Kontrolle,<br />
die ebenso wie der Dienst selbst unter Bedingungen der Geheimhaltung<br />
eine parlamentarische Kontrolle gewährleistet. Die Grünen<br />
haben allerdings einen Änderungsantrag für das Gesetz<br />
über das PKG eingebracht. Wir halten einige Punkte für<br />
veränderungsbedürftig. Das PKG soll in Zukunft eine Art<br />
Selbstbefassungsrecht haben, also Punkte auf die Tagesordnung setzen<br />
können und nicht auf die Verwaltung warten müssen.
</p>
<p>
<b>Langzeitstudent:</b> Als Laie stellt man sich einen<br />
&quot;Eingriff in die Pressefreiheit&quot; so vor, dass die Presse<br />
darin gehindert wird, über bestimmte Themen zu berichten. Wieso<br />
stellt es einen Eingriff in die Pressefreiheit dar, wenn sich der<br />
BND darüber informiert, womit sich Journalisten beschäftigen?<br />
Ist das nicht auf gewisse Weise sogar Pflicht des BND? Wäre<br />
ja peinlich, wenn die Presse regelmäßig schneller wäre,<br />
als der BND&#8230;
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Erstens ist die Presse bei<br />
uns frei und unabhängig. Unser GG sagt, dass eine Zensur nicht<br />
stattfindet. Und in unserem System darf der Staat Eingriffe nur<br />
vornehmen, wenn er dazu ausdrücklich berechtigt ist. Es gibt<br />
aber keine Ermächtigung, in der Arbeitsweise der unabhängigen<br />
Medien rumzuschnüffeln. Und die Medien brauchen ja gerade diesen<br />
Schutz, der sich auch auf ihre Informanten bezieht, um Dinge herauszufinden,<br />
die andere z.B. vertuschen wollen.
</p>
<p>
<b>volvic:</b> Thema: Murat Kurnaz. Sehr geehrte Frau<br />
Künast, &quot;Zeit&quot; und &quot;Spiegel&quot; behaupten,<br />
die amerikanische Regierung hätte der rot-grünen Regierung<br />
die Freilassung von Murat Kurnaz aus Guantanamo nach Deutschland<br />
angeboten und die rot-grüne Regierung hätte das abgelehnt,<br />
obwohl die Grünen offiziell die Freilassung von Kurnaz fordern.<br />
Ist das wahr?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Jetzt bewegen wir uns auf<br />
einem schwierigen Terrain mit zum Teil Geheimhaltung. Ich will aber<br />
soviel sagen: Nach meinem Kenntnisstand wollten die USA, dass die<br />
Bundesrepublik ihn als Informanten des Geheimdienstes benutzt. Das<br />
ist abgelehnt worden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Siegfried Kauder ist gegen eine Veröffentlichung<br />
des BND-Untersuchungsberichtes. Argument: Die Arbeit des BND würde<br />
behindert. Hat er Recht?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Nein, er hat nicht Recht.<br />
Man muss sich zwar den Umfang der Veröffentlichung genau ansehen,<br />
aber im Prinzip gilt, wer Fehler macht, soll nicht durch Geheimhaltung<br />
geschützt werden. Den allergrößten Schaden für<br />
den BND und seine Arbeit haben die Mitarbeiter angerichtet, die<br />
Journalisten angeworben oder abgeschöpft haben mit dem Ziel,<br />
Eigensicherung zu betreiben. Ich mache mir heute weniger Sorgen<br />
um Geheimnisverrat und die Frage, wie die Wahrheit ans Licht kam,<br />
als vielmehr darüber, welches Verständnis von Demokratie<br />
eigentlich im BND vorherrscht.
</p>
<p>
<b>Maßanzug:</b> Wie bewerten Sie die Kosten, die<br />
durch den Umzug des BND nach Berlin entstehen? Ist das wirklich<br />
nötig? Womit werden diese Kosten (1,5 Mrd.) gerechtfertigt?
</p>
<p>
<b>Schuppe:</b> Was ist Ihre Meinung zu dem geplanten<br />
Umzug des BND; nur weil in Bayern ein paar Sturköpfe sitzen,<br />
kommen nun immense Kosten auf die Steuerzahler zu, auf Grund der<br />
zwei getrennten Standorte, oder?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Wir Grünen waren nie<br />
Befürworter eines Umzuges. Probleme innerhalb des BND muss<br />
man durch gute Führung lösen. Insgesamt ist dieser Umzug<br />
einfach sündhaft teuer, das Geld könnte man bestens für<br />
andere Dinge verwenden. Mir fällt als erstes Bildung ein. Der<br />
faule Kompromiss, der mit dem Land Bayern jetzt geschlossen wurde,<br />
macht durch einen Teilumzug das Ganze noch teurer.
</p>
<p>
<b>KonstantinS: </b>Wird der BND eigentlich auch die<br />
Aktivitäten im Kongo begleiten?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Jetzt geht es beim Kongo um<br />
etwas ganz anderes, nämlich die Bitte der UN, den Demokratisierungsprozess<br />
zu unterstützen. Seit 2003 gibt es dort das MONUC-Mandat. Der<br />
Kongo steht nach einem Bürgerkrieg, der über 3,8 Millionen<br />
Menschen das Leben kostete, jetzt vor demokratischen Wahlen und<br />
die UN hat die EU gebeten, durch die Anwesenheit von Soldaten quasi<br />
potentielle Putsch-Aktivitäten ein Stück weit abzuschrecken.<br />
Das wird im Ansatz von den meisten von uns für richtig gehalten.<br />
Europa hat auch einfach eine Verpflichtung, Afrika bei Demokratisierung<br />
zu helfen.
</p>
<p>
<b>Maßanzug:</b> Können da 800 Soldaten wirklich<br />
ausreichen? Für das ganze Land bräuchte man doch wesentlich<br />
mehr?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ja, sie müssen sehen,<br />
es sind schon MONUC-Soldaten im Land und der deutsche Beitrag ist<br />
nur Teil eines gesamteuropäischen Einsatzes. Die UN hat gebeten<br />
und der Bitte wird entsprochen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.<br />
Für uns Grüne ist wichtig, dass der Teil, den die deutschen<br />
Soldaten in Kinshasa leisten, nicht allein auf die Stadt beschränkt<br />
wird. Das vom Bundestag abzustimmende Mandat soll unserer Meinung<br />
nach die Möglichkeit schaffen, im Umfeld von Kinshasa gegebenenfalls<br />
Nothilfe leisten zu können. Alles andere wäre unverantwortlich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Erst war von 500 Soldaten die Rede,<br />
jetzt von 800 &#8211; war Verteidigungsminister Jung da nicht richtig<br />
im Bilde und fühlen sie sich schlecht informiert?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Die Information hat jetzt<br />
gerade erst richtig begonnen, nachdem die EU ihre Planung vervollständigt<br />
hat. Nach meinem jetzigen Stand geht es um 500 Soldaten im Einsatz<br />
und ca. 280 Reservesoldaten. Wir werden über die Details am<br />
Freitag im Bundestag und dann in den Ausschüssen diskutieren.<br />
Uns ist wichtig, dass die deutschen Soldaten nicht eng auf die Stadtgrenzen<br />
reduziert sind. Wir Grüne haben darüber hinaus einen Antrag<br />
gestellt, dass die Bundesregierung über diesen militärischen<br />
Beitrag hinaus Leistungen auf der zivilen Ebene erbringen muss.<br />
Das fängt bei einer stärkeren Hilfe an, eigene Sicherheitskräfte,<br />
z.B. Polizei, auszubilden und geht bis dahin, dass der Kongo zu<br />
unterstützen ist in der Bekämpfung von Korruption. Das<br />
Land wird nur wirksam unterstützt, wenn das langfristig geschieht.
</p>
<p>
<b>Assassini:</b> Sehr geehrte Frau Fraktionsvorsitzende,<br />
glauben Sie, dass die Anstrengungen der Bundesregierung bezüglich<br />
des Kongoeinsatzes etwas mit der Erweiterung des UN-Sicherheitsrats<br />
zu tun haben, der ja erweitert werden soll und um den sich Deutschland<br />
bewirbt?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ich sehe keinen Zusammenhang.<br />
Es hat aber etwas damit zu tun, dass die EU jetzt zum ersten Mal<br />
wirklich international geprüft wird, ob sie bereit und in der<br />
Lage ist, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zu<br />
praktizieren. Die Frage an uns Europäer ist doch, ob wir auch<br />
wirklich ein Interesse haben, international Verantwortung zu übernehmen.<br />
Mir kommt es darauf an, dass die Europäer in Zukunft immer<br />
mehr zeigen, dass Konflikte mit zivilen Mitteln gelöst werden,<br />
statt mit Militäreinsätzen und dass wir bei Demokratisierungsprozessen<br />
helfen. Es wäre falsch, wenn die EU das immer anderen allein<br />
überlässt.
</p>
<p>
<b>Katena:</b> Hätten die Soldaten nicht schon vor<br />
geraumer Zeit in den Kongo entsandt werden müssen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Die UN hat ihre Bitte gerade<br />
für den Zeitraum der Wahlen und der Installierung einer neuen<br />
Regierung ausgesprochen. Deshalb ist es richtig, den Einsatz dann<br />
auch auf den Zeitraum von vier Monaten zu beschränken. Wie<br />
ich schon gesagt habe, sind weitere Unterstützungen nicht durch<br />
das Militär zu leisten.
</p>
<p>
<b>Mikaelle:</b> Wieso leistet Deutschland mit 800 von<br />
insgesamt 1500 Soldaten den größten Teil?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Es gibt innerhalb der EU für<br />
solche Fälle immer genaue Absprachen. Einzelne Mitgliedstaaten<br />
der EU machen dann z.B. Zusagen, wie viel Personal mit welcher besonderen<br />
Qualifikation sie gegebenenfalls einsetzen könnten. Das dient<br />
der besseren Planung. So kommt auch zustande, dass absprachegemäß<br />
das Leitungszentrum dieses Einsatzes geografisch in Deutschland<br />
&#8211; nämlich in Potsdam &#8211; sein soll, obwohl es sich um einen europäischen<br />
Einsatz handelt. Der Leiter wird ein deutscher Soldat sein, allerdings<br />
tätig als Europäer und entsprechend weisungsgebunden.
</p>
<p>
<b>earsonic:</b> Sehr geehrte Frau Künast, inwieweit<br />
ist der Einsatz der deutschen Soldaten im Kongo auch als Beginn<br />
einer strategischen Platzierung von europäischen Interessen<br />
auf dem Afrikanischen Kontinent im Sinne z.B. von Ressourcensicherung<br />
für die Zukunft (bevor andere zuschlagen: USA, China, Stichwort<br />
Öl vor Nigeria, etc.) zu sehen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Das ist eine sehr gute Frage.<br />
Es soll nach grüner Auffassung eben nicht ein Zugriff auf die<br />
dortigen Bodenschätze sein. Der Demokratisierungsprozess im<br />
Kongo soll ja gerade bewirken, dass nicht nur Eliten des Landes<br />
und ausländische Unternehmen den Zugriff auf die reichhaltigen<br />
Bodenschätze haben. Unsere Idee ist, dass Europa auch wegen<br />
der Kolonialgeschichte z.B. Belgiens heute eine Verantwortung hat,<br />
diesen Ländern bei der Demokratisierung zu helfen. Deshalb<br />
haben Europäer die verschiedenen afrikanischen Staaten schon<br />
lange Zeit dabei beraten, eine afrikanische Union zu gründen<br />
und stärker auszubauen. Gemeinsam wären diese Entwicklungsländer<br />
stärker in ihrer Interessenvertretung gegenüber anderen.<br />
Das war auch immer ein starkes Interesse von Joschka Fischer.
</p>
<p>
<b>Cow: </b>Falls es zu Problemen in Kongo kommen sollte,<br />
wie würden sich die europäischen Soldaten verhalten?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Einmal ist klar, wenn einige<br />
versuchen würden, im Kongo zu putschen, müssten die deutschen<br />
Soldaten eingreifen. Das ist gerade der Zweck ihrer Anwesenheit,<br />
die Missachtung des Wahlergebnisses zu verhindern. Absprachegemäß<br />
haben die deutschen Soldaten in diesem Einsatz speziell die Aufgabe,<br />
in Notfällen zu evakuieren. Dafür sind sie speziell trainiert.<br />
Ich habe natürlich die große Hoffnung, dass es am Ende<br />
nicht zu einem Einsatz von Waffen kommen wird. Natürlich machen<br />
wir uns auch Gedanken um den Schutz unserer Soldaten. Deshalb schauen<br />
wir uns im Parlament den Auftrag sehr genau an.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Muss man nicht bei solchen Einsätzen<br />
die Bevölkerung vorher immer wieder massiv darauf hinweisen,<br />
dass die Möglichkeit besteht, dass deutsche Soldaten sterben<br />
könnten?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ich glaube, das wissen alle,<br />
dass, wenn man solcherart Verantwortung übernimmt, darin auch<br />
konkrete Gefahren für die Menschen stecken. Deshalb nehmen<br />
die Bundestagsabgeordneten ihre Verantwortung bei der Planung jetzt<br />
sehr ernst.
</p>
<p>
<b>June2006:</b> Die FDP möchte sich nun mehr der<br />
Umweltpolitik annehmen. Sehen die Grünen ihr Stammgebiet gefährdet?
</p>
<p>
<b>silke:</b> Die FDP will jetzt auch in das Thema Umweltpolitik<br />
einsteigen. Braucht die Partei der Grünen ein neues Profil,<br />
um sich deutlicher von anderen abgrenzen zu können?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Also wir Grünen sind<br />
immer dafür vorzudenken. Wir analysieren: Was sind eigentlich<br />
die Bedingungen in 10, 20 Jahren und machen daraus kreative und<br />
innovative Politik &#8211; schon heute. Deshalb haben wir auch immer gedrängelt,<br />
aus der unsicheren Atomenergie auszusteigen und erneuerbare Energien<br />
zu fördern, für Einsparmaßnahmen zu sorgen und Effizienztechnologien<br />
zu fördern.
</p>
<p>
Bei der FDP kann Guido Westerwelle gerne jeden Monat ein neues<br />
Image erfinden, man wird es ihm nicht glauben. Er will Umweltpartei<br />
sein, beschließt dann aber sofort längere Laufzeiten<br />
für Atomkraftwerke. Er will Bürgerrechtspartei sein, hat<br />
aber nicht mal einen Frauenförderplan innerhalb der FDP. Er<br />
will Bürokratie abbauen, beschließt aber gleich an den<br />
überholten Pflichtmitgliedschaften in den Handwerkskammern<br />
festzuhalten. Sie sehen, ich bin gelassen.
</p>
<p>
<b>Sozialdemokrat21:</b> Werte Frau Künast, macht<br />
es für ihre Partei einen Unterschied, dass Kurt Beck neuer<br />
SPD-Vorsitzender ist?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Wir betrachten jetzt mal sehr<br />
gespannt, welche Politik Kurt Beck jetzt vertreten wird. Er ist<br />
eigentlich ein Vertreter der alten konservativ-etatistischen SPD,<br />
hat aber das Papier von Matthias Platzeck für die Programmdebatte<br />
übernommen. Wir werden es beobachten. Ein Problem für<br />
die SPD wird sicherlich auch sein, dass ihr Koalitionspartner, die<br />
CDU, sich ja gerade verändert. Auch da wissen wir noch nicht<br />
wohin.
</p>
<p>
<b>hallodri:</b> Wie beurteilen Sie eigentlich die Arbeit<br />
Ihres Nachfolgers Horst Seehofer?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Sie wissen mein Herz schlägt<br />
für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Die haben es eigentlich<br />
verdient, dass man ihre Interessen vertritt. Bei der Verbraucherinformation,<br />
bei der Agrogentechnik zum Beispiel.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
mit Renate Künast, bei der wir uns herzlich bedanken, dass<br />
sie sich Zeit für uns genommen hat. Vielen Dank auch an unsere<br />
User für ihre Fragen &#8211; verbunden mit der Bitte um Verständnis<br />
an all jene, die heute nicht zum Zuge gekommen sind. Unser nächster<br />
Chatgast wird am 22. Mai ab 13.20 Uhr Fritz Kuhn sein.
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ich freue mich, dass es so<br />
viele nachdenkliche Fragen gab, sowohl über den BND als auch<br />
über den Kongo-Einsatz. Daran merkt man, dass in Wahrheit uns<br />
allen die gleichen Fragen auf den Nägeln brennen.</p>
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