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	<title>Ausweisung &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Ausweisung &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Ausweisungsvorschriften für gefährliche Ausländer verschärfen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Dr. Norbert Röttgen<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->31.03.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Dr. Norbert Röttgen<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->31.03.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Heute feiern wir ein kleines<br />
Jubiläum: das ist der 100. Chat von tacheles.02 &#8211; dem Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de mit Unterstützung von tagesspiegel.de<br />
und sueddeutsche.de. Heute ist Norbert Röttgen, CDU-Politiker,<br />
Rechtsexperte und rechtspolitischer Sprecher der Unionsfraktion ins<br />
ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herzlich willkommen, können wir<br />
beginnen?</span>
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich möchte meiner Freude Ausdruck<br />
geben, dass ich hier bei diesem Jubiläum sein darf und freue mich<br />
sehr.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Röttgen, vor zwei Stunden hat in Berlin<br />
die Afghanistan-Konferenz begonnen &#8211; der fortgesetzte Versuch, durch<br />
die Stabilisierung des Landes dem internationalen Terrorismus eine Basis<br />
zu entziehen. Was ist wichtiger, die Förderung Afghanistans oder<br />
die gezielte Suche und Bekämpfung mutmaßlicher islamischer<br />
Terroristen?
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/nroettgen.jpg" align="left" height="115" width="84" />Norbert<br />
Röttgen:</b> Es wäre falsch, dies als entweder oder zu behandeln.<br />
Ganz wichtig ist, die Ursachen des Terrorismus, die im Kern außerhalb<br />
unseres Landes liegen zu beseitigen. Terrorismus ist letztendlich nicht<br />
politisch oder militärisch zu besiegen, denn trotzdem hat der Staat<br />
die exklusive Aufgabe alles Mögliche und rechtsstaatlich Mögliche<br />
für die Sicherheit der Bürger zu tun und hier gibt es Defizite.</p>
<p>
<b>buerger:</b> Trotz Terrorwarnungen, der große Lauschangriff<br />
ist zunächst am Verfassungsgericht gescheitert. Wird das Thema<br />
innere Sicherheit in Deutschland zu lasch gehandhabt?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Der so genannte große Lauschangriff<br />
ist im Kern vom Bundesverfassungsgericht bestätigt worden, allerdings<br />
gibt es ein großes Problem darin, die Entscheidung praxisgerecht<br />
umzusetzen. Das Verfassungsgericht hat ausdrücklich das Recht jedes<br />
Bürgers, einen absolut geschützten Rückzugsbereich zu<br />
haben, höher bewertet, als das Allgemeininteresse, auch schwere<br />
Kriminalität zu bekämpfen. Bei nur rund 30 Abhörungen<br />
im Jahr wird damit nach meiner Überzeugung dem Individualinteresse<br />
ein Übergewicht eingeräumt. Terroristen dieses Recht einzuräumen,<br />
halte ich für falsch und die Entscheidung für schwer praktikabel,<br />
weil sie Tarnmöglichkeiten für diejenigen bietet, die schwerste<br />
Verbrechen heimlich verabreden und organisieren. Die Entscheidung des<br />
Verfassungsgerichts wirft auch die unbeantwortete Grundsatzfrage auf,<br />
wie das Verhältnis des Verfassungsstaates und der aktuellen terroristischen<br />
Herausforderung gestaltet werden soll. Ich plädiere dafür<br />
diese Grundsatzfrage &#8211; was kann, was darf der Staat &#8211; vor einem Terrorangriff<br />
zu diskutieren und nicht nach einer möglichen Hysterie nach einem<br />
Anschlag.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das Verfassungsgericht sagt: Kein Abhören im<br />
Schlafzimmer. Heißt, ein bisschen übers Kuscheln reden und<br />
schon schalten sich die Verfassungsschützer ab. Selbst wenn es<br />
so wäre, hemmt das die Fahndung oder Überwachung von Terroristen<br />
wirklich?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich meine leider ja. Sobald die Polizei<br />
intimes Vokabular hört, das möglicherweise ja ein Code für<br />
Absprachen ist, muss nach dem Urteil die Polizei abschalten; sie darf<br />
nicht dokumentieren, sie muss abschalten. Wann darf die Polizei wieder<br />
einschalten? Kann die Polizei ein Tonband, das läuft, von menschlichen<br />
Stimmen unterscheiden? Bei nur 30 Maßnahmen im Jahr scheint mir<br />
das eine Fehlgewichtung zu sein &#8211; jedenfalls gegenüber schwersten<br />
Formen von Kriminalität, insbesondere von Terrorismus.
</p>
<p>
<b>erez:</b> Deutschland ist das Land mit der häufigsten Telefonüberwachung<br />
(Prantl, SZ). Wie ist eine Überwachung zu rechtfertigen, die in<br />
der Praxis zig Unbeteiligte unter Verdacht stellt und deren Durchführung<br />
nicht einmal die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt. (Bekanntgabe<br />
d. Überwachung an die Beteiligten nach d. Aktion)?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die mangelnde Bekanntgabe ist beispielsweise von<br />
Herrn Ströbele scharf kritisiert worden.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Vollzugsdefizite sprechen nicht gegen<br />
ein Instrument, sondern erfordern eine bessere Anwendung. Da muss man<br />
die Anwendung verbessern, aber nicht das Instrument abschaffen. Keiner<br />
bestreitet die hohen rechtsstaatlichen Anforderungen an solche Instrumente,<br />
aber das darf kein Vorwand sein, sie gänzlich abzuschaffen oder<br />
sie so auszugestalten, dass sie keine praktische Wirkung mehr haben.
</p>
<p>
<b>elVisa:</b> Die Zahl der Lauschangriffe steigt in Deutschland auch<br />
ohne großen Lauschangriff. Wofür also der Sache Tür<br />
und Tor öffnen, statt die bestehenden Gesetze auszuschöpfen?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Die Zahl steigt nicht, wir haben im Jahr<br />
rund 30 solcher Maßnahmen (großer Lauschangriff), also ein<br />
sehr zurückhaltender Einsatz. Die technischen Überwachungsmaßnahmen<br />
sind zunehmend nötig um in abgeschottete organisierte Kriminalitätsstrukturen<br />
eindringen zu können. Sie reflektieren also auch den hohen Organisationsgrad<br />
von Kriminalität und das Tätigsein ethnisch sprachlich abgeschotteter<br />
Täterkreise.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was ist mit der &quot;allgemeinen&quot; Telefonüberwachung?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich halte sie für ein unerlässliches<br />
Instrument. Das auch einer intensiven Kontrolle bedarf aber unabweisbar<br />
notwendig ist, um in organisierte Strukturen schwerer Kriminalität<br />
eindringen zu können.
</p>
<p>
<b>bürger:</b> Wie ist es denn mit dem Hauptkommunikationsmittel<br />
Internet &#8211; sind Deutsche Behörden personell und technisch ausreichend<br />
ausgestattet, um die Sicherheit der Bevölkerung vor Anschlägen<br />
abzusichern?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Es gibt Defizite in der Informationsvernetzung<br />
der Sicherheitsbehörden. Ich halte es z.B. für skandalös,<br />
dass wegen föderaler Finanzierungsstreitigkeiten es in Deutschland<br />
noch keinen einheitlichen Digitalfunk der Sicherheitsbehörden gibt.<br />
Wenn jeder in der Polizei wüsste, was die Polizei und die Sicherheitsbehörden<br />
intern wissen, wären wir schone einen erheblichen Schritt weiter.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal die Frage bezogen auf den Informationsweg<br />
der mutmaßlichen Terroristen &#8211; diese nutzen ja bekanntermaßen<br />
das Internet sehr stark. Halten Sie da die Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden<br />
im Internet für ausreichend?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Da sehe ich kein Defizit, das Internet<br />
erleichtert erheblich auch die Kommunikation von Verbrechern und Terroristen,<br />
aber ich sehe kein Defizit im Zugriff durch die Polizei weil das Internet<br />
sich durch allgemeine Zugänglichkeit ja gerade auszeichnet. Aber<br />
es ist eben ein Instrument weltweiter Kommunikation auch für Terroristen.
</p>
<p>
<b>Pohl:</b> Ist es nicht so, dass man einen Terroranschlag einfach<br />
nicht verhindern kann, wenn er sich gegen weiche Ziele richtet?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Keiner kann das Gegenteil garantieren,<br />
aber man kann etwas zur Vorbeugung tun. In Deutschland sind eine Reihe<br />
von Anschlägen verhindert worden, und das Gebot der Stunde heißt<br />
auch Prävention. Die Repression stößt ja bei Menschen,<br />
die bereit sind, ihr Leben wegzuwerfen, an Grenzen. Darum muss die Prävention<br />
auf allen Ebenen gestärkt werden. Hier gibt es ungenutzte Instrumente<br />
und Festhalten an überkommenem Souveränitätsdenken innerhalb<br />
Deutschlands und zwischen den Staaten der EU.
</p>
<p>
<b>MdB_Sachsen:</b> Arbeitet der Datenschutzbeauftragte gegen die effiziente<br />
Terrorbekämpfung?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dazu: Der Berliner Datenschutzbeauftragte Hansjürgen<br />
Garstka hat heute davor gewarnt, Sicherheitsmaßnahmen zu Lasten<br />
der persönlichen Freiheit einzuführen. Flächendeckende<br />
Videoüberwachung, Telefonabhören zu präventiven Zwecken,<br />
&quot;Stille SMS&quot; sind für ihn nicht mit rechtsstaatlichen<br />
Grundsätzen zu vereinbaren
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Das ist die Grundsatzfrage: Wie reagiert<br />
der Verfassungsstaat auf Terrorismus. Ich möchte zugeben, dass<br />
ich auf diese Frage noch keine abschließende Antwort habe, aber<br />
ich bin nicht bereit, schlicht die Kapitulation des Verfassungsstaates<br />
zu akzeptieren weil ohne Sicherheit Freiheit nicht möglich ist.<br />
Und darum müssen wir nach meiner Auffassung alles Rechtstaatliche<br />
ausschöpfen, z.B. als Instrument der Prävention eine Kronzeugenregelung<br />
einführen, zur Verhinderung neuer Verbrechen. Tabuisierungen, wie<br />
die von Ihnen zitierten, führen eine Weile zu Handlungsverweigerungen<br />
und dann vielleicht nach einem Anschlag zu Übertreibungen und sind<br />
damit gefahrsteigernd.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommentar von :
</p>
<p>
<b>opfer:</b> Benjamin Franklin hatte da eine andere Auffassung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachtrag zur so genannten Stillen SMS:<br />
Stille SMS = Eine SMS, die das Handy als &quot;empfangen&quot; an das<br />
Mobilfunkunternehmen meldet, aber nicht auf dem Display oder im Speicher<br />
anzeigt. Der Trick für Ermittler, die solche SMS verschicken: Dadurch<br />
entstehen auch ohne &quot;normale&quot; Telefongespräche Verbindungsdaten<br />
&#8211; die wiederum können die Ermittlungsbehörden praktisch gleichzeitig<br />
am PC abfragen. Da die Verbindungsdaten auch zeigen, wo sich das Handy<br />
befindet, weiß man dann auch, wo der Besitzer gerade ist (je nach<br />
dem ob in der Stadt oder auf dem Land mit einer Genauigkeit von bis<br />
zu einigen hundert Metern)
</p>
<p>
<b>hennis:</b> Wie kann man das Problem der zu Terrorzwecken nach Deutschland<br />
einreisenden Personen in den Griff bekommen?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Indem wir alles tun, um stärkere<br />
Kontrollen zu ermöglichen und wenn eine auf Tatsachen begründete<br />
Gefahr mit der Einreise verbunden ist, die Einreise ablehnen. Wir brauchen<br />
darüber hinaus erweiterte Möglichkeiten der Ausweisung, wenn<br />
Tatsachen belegen, dass von einem Ausländer terroristische Gefahren<br />
ausgehen. Die Hürden des Ausländergesetzes sind zurzeit zu<br />
hoch, dies führt dazu, dass wir mit hohem Aufwand gefährliche<br />
Personen in beachtlicher Zahl beobachten, aber nicht einschreiten können.
</p>
<p>
<b>mwerner:</b> Wie stellen Sie sich vor, stärkere Kontrollen<br />
durchzuführen, ohne der Bevölkerung ihre Freiheit zu nehmen<br />
(sprich Überwachungsstaat)? Die USA sind da ja eines der schlechten<br />
Beispiele.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Sicherheit ist eine Voraussetzung der<br />
Freiheit, die Opfer von Terrorismus sind auch in ihrer Freiheit und<br />
in ihrem Leben beeinträchtigt, darum führt diese Alternative<br />
in die Irre. Es geht immer um Abwägungen. Von dem gegenwärtigen<br />
Terrorismus geht eine erhebliche Gefahr für einzelne Menschen und<br />
unsere Gesellschaft aus und darum ist es ein Gebot der Freiheit und<br />
Friedesssicherung effektiv vorzugehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die erste Frage wohl recht allgemein, die zweite<br />
trifft den Kern meines Erachtens:
</p>
<p>
<b>Bert Schlächter:</b> Definieren Sie bitte Terrorismus!
</p>
<p>
<b>buerger:</b> Ab wann wird ein Extremist Terrorist &#8211; erst bei Planung<br />
eines Anschlages oder bereits bei Ablehnung der Verfassung (des Gastlandes)?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Die Schwelle zum Terrorismus ist übersprungen,<br />
wenn aus der Ablehnung des so Seins der westlichen Gesellschaften die<br />
Bereitschaft folgt, aktiv und gewaltsam diese Gesellschaften zu zerstören.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie haben gerade die Tatsachen erwähnt, auf<br />
deren Grundlage man davon ausgehen kann, dass terroristische Gefahren<br />
von Ausländern ausgehen:
</p>
<p>
<b>Vogel:</b> Der Begriff der Tatsachen ist ebenso problematisch, im<br />
Strafrecht handelt es sich doch um eine ebenso hohe Hürde. Und<br />
die Nachrichtendienste werden da in nächster Zeit nicht wirklich<br />
mitspielen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Heißt, es entscheiden doch wohl Verdachtsgründe<br />
und nicht überprüfbare Tatsachen?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich finde eine Tatsache ist es, wenn ein<br />
in Deutschland lebender Ausländer nach Afghanistan in ein Camp<br />
der Al Quaida ausreist. Das ist noch keine Straftat, aber ein objektiver<br />
Umstand hoher Gefährlichkeit. Das halte ich nicht für tolerabel.<br />
Eine Ausweisung ist nach geltendem Recht nicht möglich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Schilys Vorschlag für eine &quot;Sicherungshaft&quot;<br />
bei terrorismusverdächtigen Ausländern, die nicht abgeschoben<br />
werden können, ist sogar vom bayerischen Innenminister Beckstein<br />
&#8211; bekanntermaßen kein Mann, der zimperlich ist &#8211; sehr zurückhaltend<br />
aufgenommen worden. Der Innenminister überholt die Union derzeit<br />
rechts, scheint es &#8211; alles nur Taktik oder wäre die Union bei einer<br />
Sicherungshaft dabei?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Zum einen ist Herr Schily rhetorisch anspruchsvoller<br />
als in seinem politischen Handeln, was aber vermutlich mehr an der Koalition<br />
als an ihm selbst liegt. Der Vorschlag ist zweifelhaft, weil man gefährliche<br />
Bürger oder Menschen ja nicht endlos in Haft nehmen kann, sondern<br />
immer nur vorübergehend. Also nutzt eine solche Haft wenig, wenn<br />
am Ende der Staat etwa bei gefährlichen Ausländern keine Handlungsmöglichkeit<br />
hat. Positiv ist an dem Vorschlag, dass er uns zwingt über das<br />
Verhältnis von der Sicherheitsaufgabe des Staates in einem ganz<br />
speziellen Segment &#8211; Terrorismus &#8211; und den Freiheitsansprüchen<br />
einzelner, die im Zusammenhang mit Terrorismus stehen, neu zu definieren.<br />
Solange wir nicht hierüber im Grundsätzlichen Klarheit erzielen,<br />
werden solche Vorstöße politisch und möglicherweise<br />
auch Verfassungsgerichtlich ins Leere laufen. Mit dieser Methode erwecken<br />
wir immer nur den Eindruck, dass Politiker die Backen aufblasen, aber<br />
am Ende der Staat nicht handlungsfähig wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Heißt: Schilys Vorschlag ist heiße Luft?<br />
Wie will die Union das Problem konkret lösen?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Also, keiner kann in Anspruch nehmen,<br />
ein Konzept zu haben, dass das Problem löst, aber es gibt ungenutzte<br />
Instrumente. Ich wiederhole den Appell, aus der Praxis eine Kronzeugenregelung<br />
für terroristische Straftäter wieder einzuführen. Wir<br />
sind der Auffassung dass Ausweisungsvorschriften für gefährliche<br />
Ausländer verschärft werden sollen. Wir halten es für<br />
vertretbar und geboten, die speziellen Fähigkeiten der Bundeswehr<br />
und nur diese bei besonderen Gefährdungslagen einsetzen zu können.<br />
Wir brauchen eine Verbesserung der Strukturen innerhalb unseres Landes<br />
und wir brauchen die Bereitschaft zum nationalen Souveränitätsverzicht<br />
um der europäischen. Bedrohung durch Terrorismus eine europäische<br />
Handlungsebene entgegenzustellen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal zur Ausweisung: Löst aber das Problem<br />
nicht, das entsteht, wenn man die, die man loswerden will, nicht loswerden<br />
kann:
</p>
<p>
<b>Vogel:</b> Sicherungshaft wäre doch fast so etwas wie das deutsche<br />
&quot;Guantanamo&quot;.
</p>
<p>
<b>svenje:</b> Wieso nehmen die Regierung oder die Opposition keine<br />
Stellungnahme zu Guantanamo Bay?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Darum führt Sicherungshaft allein<br />
auch nicht weiter, weil Sicherungsmaßnahmen immer nur auf ein<br />
bestimmtes Ziel hin verfolgt werden dürfen. darum muss die Handlungskompetenz<br />
des Staates gestärkt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie fordern den Einsatz der Bundeswehr im Inneren:
</p>
<p>
<b>leon:</b> Aber die Bundeswehrsoldaten sind doch auch gar nicht ausgebildet<br />
für einen solchen Einsatz.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Sie sollen ja auch nicht zur Hilfspolizei<br />
werden, sondern das einsetzen, was sie an spezifischen Fähigkeiten<br />
haben. Also z.B. bei Angriffen aus der Luft oder von See aus bei der<br />
Abwehr biologischer und möglicherweise chemischer Waffen. In Extremfällen<br />
aber auch die Sicherung von gefährdeten Gebäuden, was übrigens<br />
eine der ausdrücklichen Aufgaben der Bundeswehr im Verteidigungs-<br />
und Notstandsfall ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Union hat gestern das Konzept verabschiedet,<br />
wonach die Bundeswehr bis zu 50 &quot;Regionalbasen Heimatschutz&quot;<br />
mit einer Stärke von bis zu 500 Soldaten für den Einsatzfall<br />
in Bereitschaft gehalten werden sollen. Zentrale Aufgabe soll auch Hilfeleistung<br />
bei terroristischen Angriffen &#8211; das geht auch ohne Heimatschutz. Außerdem<br />
geht es um die Bewachung gefährdete Objekten &#8211; klingt doch sehr<br />
nach Hilfspolizei. Ist das nicht Wahlkampfrhetorik ohne Wahlkampf?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Nein, es geht ganz ausdrücklich nicht<br />
darum, dass die Bundeswehr mit allgemeinen polizeilichen Aufgaben betraut<br />
wird. Es geht um Extremfälle .Und im Extremfall wird ohnehin das<br />
geschehen, was notwendig ist. Wir halten es für besser, wenn wir<br />
vorher mit kühlem Kopf beraten, was im Extremfall erlaubt sein<br />
soll.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommentare zu ihrer vorhergehenden Antwort:
</p>
<p>
<b>Vogel:</b> Da haben sie nicht Unrecht, in Afghanistan machen sie<br />
zurzeit auch nix anderes, als Polizeiarbeit.
</p>
<p>
<b>Vogel:</b> Holen Sie lieber die ausgebildeten Polizeibeamten aus<br />
den Verwaltungsebenen.
</p>
<p>
<b>lars_dietrich:</b> Die Einführung von Interpol seinerzeit und<br />
anderen übergreifenden Ermittlungsorganisationen funktioniert nur<br />
in der westlichen Welt &#8211; muss nicht der nahe und ferne Osten ebenfalls<br />
eingebunden werden, damit ein Terrorist sich nicht einfach absetzt?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Eine große Aufgabe besteht darin<br />
auch die Staaten, aus denen terroristische Gefahren entstammen in den<br />
Verbund internationalen Organisationen einzubeziehen. Je weiter der<br />
Einfluss demokratischer auf Friedenssicherung orientierter internationaler<br />
Organisationen ist, desto geringer sind die Chancen für Terrorismus,<br />
die sich ja gegen Demokratie, Toleranz, Menschenrechte wenden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> ein innerdeutsches Streitthema:
</p>
<p>
<b>Stefan N.:</b> Umzug des BKA: Sie sind ein Verfechter, dass das<br />
Amt seine Außenstelle in Meckenheim erhalten soll. Klar, ist auch<br />
ihr Wahlkreis. Aber mal ehrlich: Wäre es langfristig nicht kostengünstiger,<br />
den Standort nach Berlin zu verlegen?
</p>
<p>
<b>Stefan N.:</b> Noch einmal BKA-Umzug: Ein weiteres Argument für<br />
den Umzug ist doch auch, dass die BKA-Hausleitung näher am politischen<br />
Berlin dran wäre. Beim BKA handelt es sich ja nicht um einen Richter,<br />
der unabhängig von Weisungen arbeiten soll.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Es ist ganz sicher nicht kostengünstiger<br />
umzuziehen (Kosten ca. 600 Mio. Euro), aber das wichtigste ist, dass<br />
es nicht besser wäre für die Aufgabe des BKA. Wer gerade in<br />
einer Zeit terroristischer Bedrohung eine wichtige Sicherheitsbehörde<br />
in Umzugskartons stecken möchte, schwächt die Funktionsfähigkeit<br />
dieser Behörde. Nicht zuletzt durch Personalverlust.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Klingt doch nach Standortpolitik: Der Bundesnachrichtendienst<br />
muss umziehen, weil es angeblich besser ist.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Es ist auffällig, dass Innenpolitiker<br />
aller Bundestagsfraktionen nachdrücklich vor dem Umzug warnen.<br />
Ich bin der festen Überzeugung, dass nur die Frage der Leistungsfähigkeit<br />
des BKA das Kriterium für die Entscheidung über den Umzug<br />
sein kann. Im Bundestag gibt es eine handvoll MdBs aus den betroffenen<br />
Regionen, aber eine Mehrheit gegen den Umzug.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was bringt der biometrische Abdruck (Finger / Augeniris<br />
etc,) auf dem Pass. Eine Maßnahme die effizient sein könnte?<br />
Verabschiedet ist sie ja schon.
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Wenn sie europäisch vorgenommen wird<br />
und sogar im transatlantischen Verbund halte ich es für eine Erfolg<br />
versprechende Maßnahme. Das ist ein Beispiel, wo nationale Politik<br />
nur ganz wenig bewirken kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In welchem Zeitraum müsste sie eingeführt<br />
werden? Wie lange könnte das beim Fingerabdruck dauern?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Es muss dann eingeführt werden, wenn<br />
die technische Möglichkeit dafür zuverlässig vorhanden<br />
ist. Zum Fingerabdruck: Weiß ich nicht.
</p>
<p>
<b>Actron:</b> Im Internet habe ich bei den Grünen soeben ein<br />
Transkript einer Bundestagsdebatte über Sicherheitsverwahrung vom<br />
12. Februar gefunden. Sie fallen vor allem durch 10 Zwischenrufe in<br />
der Rede Ihres Kollegen Jerzy Montag auf, bei der Rede Ströbeles<br />
am gleichen Tag waren es vier Zwischenrufe. In Ihrer Gegenrede am nächsten<br />
Tag revanchieren sich die zwei mit insgesamt 18 Zwischenrufen. Ist das<br />
so üblich oder schlechter Stil?
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Wir sind eben dialogorientiert und bei<br />
den Kollegen der Grünen war der Korrekturbedarf offensichtlich<br />
sehr groß. Während die Folgerichtigkeit meiner Ausführungen<br />
eigentlich keines Zwischenrufes bedurft hätte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Chat-Zeit ist um, vielen Dank für ihr<br />
Interesse, vielen Dank an Sie, Herr Röttgen. Der nächste Chat<br />
ist am Montag, 5. April um dreizehn Uhr. Dann chattet Martina Krogmann,<br />
CDU-Abgeordnete und Internet-Beauftragte der CDU mit uns. Wir laden<br />
Sie herzlich dazu ein. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden<br />
Sie auf den Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht<br />
Ihnen noch ein schönen Tag- hoffentlich so sonnig wie derzeit in<br />
Berlin!
</p>
<p>
<b>Norbert Röttgen:</b> Ich bedanke mich auch sehr und freue mich<br />
dass ungewöhnlicherweise die Gelegenheit besteht, sich ausführlich<br />
und differenziert über ein politisches Thema zu unterhalten. Viel<br />
Erfolg weiterhin!
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;</p>
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