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	<title>Axel Troost &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Axel Troost &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>tagesschau-Chatreihe zur Finanzkrise: Die Linke</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 10:39:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Troost]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
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					<description><![CDATA[Zum Auftakt der Chatreihe zur Finanzkrise war Axel Troost am 10. November 2008 live im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag beantwortete die zahllreichen User-Fragen rund um die Position seiner Partei zur Finanzkrise.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Auftakt der Chatreihe zur Finanzkrise war Axel Troost am 10. November 2008 live im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Der finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag beantwortete die zahllreichen User-Fragen rund um die Position seiner Partei zur Finanzkrise.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Heute starten wir mit unserer<br />
Chat-Serie zum Thema Finanzkrise. Bis Freitag haben Sie, liebe User,<br />
jeden Tag die Möglichkeit, Ihre Fragen an die Finanzexperten des<br />
Bundestages zu richten. Hier im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich jetzt<br />
Axel Troost, den finanzpolitischen Sprecher der Linksfraktion. Schön,<br />
dass Sie bei uns sind. Können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Ja!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Kommen wir zu der im Chatroom am häufigsten gestellten Frage: Welchen<br />
volkswirtschaftlichen Sinn hat das &quot;Zocken&quot; am Aktienmarkt? Sollte der<br />
Handel nicht besser auf mittel- und langfristige Käufe und Verkäufe<br />
beschränkt werden?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Ja, er sollte<br />
beschränkt werden, weil volkswirtschaftlichen Sinn hat das Zocken<br />
überhaupt nicht. Es hat einen rein betriebswirtschaftlichen Sinn,<br />
nämlich kurzfristige Gewinne zu erzielen, aber dies hat auch negative<br />
Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Deswegen treten wir seit vielen<br />
Jahren für eine Beschränkung und für eine Verlangsamung der<br />
Finanzmarkttransaktionen ein.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Am Wochenende tagt der Weltfinanzgipfel in Washington, was erwarten Sie von dem Treffen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Relativ wenig konkrete Beschlüsse. Es wird viel geredet, aber konkrete<br />
Maßnahmen sind bisher so gut wie nicht besprochen und beschlossen<br />
worden. Wir glauben, dass es auch sinnvoller ist, zunächst auf<br />
europäischer Ebene entsprechende Vereinbarungen festzulegen und dann<br />
auch umzusetzen.
</p>
<p>
<b>stadtbibliothek</b>: Die<br />
Finanzkrise ist im internationalen Rahmen, durch die USA, ausgelöst<br />
worden. Gibt es überhaupt die Möglichkeit, wirkungsvolle Werkzeuge im<br />
nationalen Rahmen zu finden, um solchen Entwicklungen effektiv entgegen<br />
zu wirken?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Ja, die gibt es schon.<br />
Dass es zu dieser Ausweitung in den internationalen Bereich gekommen<br />
ist, liegt an der Deregulierung des Finanzmarktes insgesamt. Wenn<br />
künftig Kreditverkäufe nicht mehr in diesem Maße möglich sind, weil sie<br />
mit Eigenkapital unterlegt werden müssten oder ein Großteil der Risiken<br />
bei der abgebenden Bank verbleiben würden, dann wäre es nicht in diesem<br />
Ausmaß zu einer Übertragung der amerikanischen Kreditkrise in die ganze<br />
Welt gekommen.
</p>
<p>
<b>querbeet</b>: Hallo Herr Troost, in<br />
der Finanzmarktkrise wurden Staatsgelder neu verteilt, um taumelnde<br />
Banken zu retten und damit ein marodes System am Leben zu halten, bzw.<br />
die ganz große Katastrophe zu verzögern. Wäre es nicht klüger gewesen,<br />
die Banken und mit ihr die Wirtschaft komplett an die Wand fahren zu<br />
lassen? Der Kollaps kommt auch ohne weitere Kapitalströme von unten<br />
nach oben ohnehin früher oder später.
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
So pessimistisch bin ich nicht. Auch wenn wir einen<br />
realwirtschaftlichen Abschwung und eine Krise erwarten, wird diese doch<br />
geringer sein, als sie bei einem Zusammenbruch des Bankensystems<br />
gewesen wäre. Deswegen war es aus unserer Sicht richtig, Maßnahmen zu<br />
ergreifen, um eine gewisse Beruhigung wieder in den Finanzmarkt hinein<br />
zu bekommen. Unsere Kritik am Bankenrettungsfonds in der Bundesrepublik<br />
konzentriert sich auf drei Punkte. Erstens, dass parlamentarische<br />
Verfahren beim Bundestag und Bundesrat im Nachhinein außen vor gehalten<br />
werden. Zweitens die Tatsache, dass nicht geklärt ist, wer eventuell<br />
entstehende Kosten und Verluste am Schluss zu tragen hat. Hier haben<br />
wir eindeutig dafür plädiert, dass dies die Kreditwirtschaft und nicht<br />
die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler tragen müssen. Und drittens,<br />
wenn Eigenkapital Banken zur Verfügung gestellt wird, dann muss dies<br />
mit Stimmrechten versehen werden, damit die öffentliche Hand Einfluss<br />
auf die Geschäftspolitik der betreffenden Banken nehmen kann.
</p>
<p>
<b>Fero</b>: Wie viel mehr Staat benötigt der Finanzmarkt?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Wir brauchen endlich wieder eine deutliche Regulierung und das heißt,<br />
auch die Rücknahme von sehr vielen Gesetzen aus den letzten zehn<br />
Jahren. Rot-Grün hat mit der Deregulierung begonnen, hat versucht, die<br />
sogenannte Finanzindustrie in der Bundesrepublik zu fördern und dies<br />
ist von der Großen Koalition fortgesetzt worden. Wir brauchen wieder<br />
deutlich mehr Staat und staatliche Regulierung in diesem Bereich. Diese<br />
Position wird zumindestens im Grundsatz von allen Parteien, vielleicht<br />
mit Ausnahme der FDP, im Bundestag getragen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Welche Regelungen für den internationalen Finanzmarkt schlagen Sie vor? Welche Instrumente sind praktikabel?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Das Erste ist, dass wir eine drastische Beschränkung der<br />
Kreditverbriefungen durch mehr Eigenkapitalanforderungen und durch die<br />
Überlassung von Restrisiken bei der abgebenden Bank herbeiführen<br />
müssen. Wir müssen bestimmte Kreditgeschäfte, insbesondere mit<br />
Hedgefonds und Private-Equity-Fonds, ebenfalls stärkeren<br />
Eigenkapitalpflichten unterwerfen. Wir müssen im ganzen Bereich der<br />
Derivate in erheblichem Umfange Einschränkungen herbeiführen, zum<br />
Beispiel durch die Einführung eines Finanz-TÜVs, der von uns als Die<br />
Linke Anfang des Jahres vorgeschlagen wurde. Der prüft bei jedem<br />
Produkt zunächst bei Einführung ersteinmal, ob mit diesem Produkt<br />
überhaupt gehandelt werden kann und dieses zulassen würde.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Welche Stelle sollte das prüfen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Dazu müsste möglicherweise im Rahmen der Bankenaufsicht eine eigene<br />
Stelle bei der BaFin oder der deutschen Bundesbank bei der<br />
Bundesrepublik geschaffen werden. Bei der Gesamtfrage spielt dann auch<br />
noch die Frage der Rating-Agenturen eine zentrale Rolle. Die<br />
Rating-Agenturen haben gegenwärtig eine nicht verträgliche Doppelrolle.<br />
Sie sollen Produkte auf ihre Seriösität prüfen und beraten Banken<br />
gleichzeitig beim Handel mit diesen Produkten. Wir sind für die<br />
Einführung einer europäischen öffentlich-rechtlichen Rating-Agentur<br />
bzw. eine Einrichtung die über Gebühren von den Nutzern finanziert wird.
</p>
<p>
<b>Bilderberg</b>:<br />
Hallo Herr Troost. Einen großen Beitrag zur aktuellen Finanzkrise haben<br />
die Hedgefonds geleistet. Eine ähnliche Art auf fallende Kurse zu<br />
&quot;wetten&quot;, gab es schon Anfang des 20. Jahrhunderts, bis sie nach dem<br />
Börsencrash in den 20ern verboten wurden. Wieso wurden sie<br />
zwischendurch wieder erlaubt?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Ja,<br />
das ist insgesamt die Frage der Deregulierung der Finanzmärkte, wo im<br />
Prinzip der klassische Industriekredit inzwischen ersetzt wird durch<br />
Beteiligungen an Unternehmen in Form von Hedgefonds und<br />
Private-Equity-Fonds. Wir sind der Ansicht, dass diese Branche wieder<br />
massiv zurück geschnitten werden muss. Gerade weil durch diese Fonds in<br />
erheblichem Umfang Einfluss auf die Realwirtschaft, das heißt auf<br />
Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle und die dort beschäftigten<br />
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ausgeübt wird.
</p>
<p>
<b>Vincent</b>: Wie stehen Sie zu einer Verstaatlichung von Banken?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Ich halte die Forderung in dieser Abstraktheit für wenig Ziel führend.<br />
Wir haben in der Bundesrepublik ein dreigliedriges Bankensystem, wo<br />
neben den Privatbanken ein öffentlich-rechtlicher Bankensektor und ein<br />
Genossenschaftssektor existiert. Wenn alle Privatbanken nun auf einmal<br />
in Form von Unternehmen des Bundes geführt würden, würde dies eine<br />
massive Konkurrenz oder auch den Untergang für das Sparkassenwesen<br />
bedeuten und das scheint mir nicht zielführend zu sein. Was wir aber<br />
brauchen, ist eine deutliche Regulierung aller drei Bankensysteme und<br />
die Beschränkung des Einflusses von Privatbanken auf die Realwirtschaft.
</p>
<p>
<b>controller</b>:<br />
Wie ist es möglich, dass öffentliche Einrichtungen, wie Landesbanken<br />
oder die Kfw sich an hochspekulativen Fonds beteiligen dürfen und was<br />
will man künftig dagegen tun?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Es<br />
ist in der Tat ein Skandal, dass die öffentlichen Banken, insbesondere<br />
die großen Landesbanken, im internationalen Bereich an spekulativen<br />
Geschäften in diesem Ausmaß teilgenommen haben. Dies widerspricht ihrem<br />
öffentlich-rechtlichen Aufgabenbereich und muss künftig auch gesetzlich<br />
untersagt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Welche Funktionen sollen die Landesbanken in Zukunft wahrnehmen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>: Häufig wird behauptet, dass<br />
sämtliche Landesbanken in einer Krise seien. Aus meiner Sicht ist diese<br />
pauschale Aussage so nicht richtig. In erheblicher Schieflage war die<br />
Sachsen LB und ist heute die West LB und die Bayern LB. Die anderen<br />
Landesbanken haben durchaus auch tragfähige Geschäftsmodelle, zum<br />
Beispiel im Bereich der Finanzierung des Schiffbaus, im Bereich der<br />
Finanzierung der Flugzeugindustrie aber auch des großen Mittelstandes<br />
mit seinem entsprechenden Auslandsgeschäft. Aber Landesbanken sind<br />
langfristig nur dann wirklich sinnvoll, wenn sie die<br />
Geschäftsaktivitäten der regionalen Sparkassen unterstützen und nicht<br />
mit diesen in Konkurrenz treten, beziehungsweise deren Gewinne dann<br />
anschließend verzocken. Die Linke ist seit langer Zeit in intensiven<br />
Kontakten mit dem Giro- und Sparkassenverband. Wir haben gemeinsam die<br />
Privatisierung der Berliner Sparkasse verfolgt und einen Einfluss von<br />
Privatkapital dort verhindern können. Auch seit Beginn der<br />
Finanzmarktkrise sind wir in intensiven Kontakten und Gedankenaustausch.
</p>
<p>
<b>kai</b>:<br />
Wie viele kleine und mittelständische Unternehmen müssen noch kaputt<br />
gehen, bevor die Banken in die Schranken gewiesen werden ?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Sicherlich ist die Kreditvergabe an kleine und mittelständische<br />
Unternehmen auch durch die Regelungen von Basel II erschwert worden.<br />
Die jetzige Finanzkrise führt möglicherweise in dem einen oder anderen<br />
Fall auch dazu, dass Kreditanforderungen verschärft worden sind oder<br />
Zinsen erhöht worden sind. Aus unserer Sicht ist es gerade in dieser<br />
Situation zwingend erforderlich, dass die Sparkassen hier in die<br />
Bresche springen und entsprechende Liquidität und Kredite für kleine<br />
und mittelständische Unternehmen zur Verfügung stellen.
</p>
<p>
<b>Kriese73</b>:<br />
Hallo Herr Troost. Warum wurde die Entwicklung zur Finanzkrise/<br />
Weltwirtschaftskrise nicht früher erkannt (durch die US-Regierung oder<br />
durch andere Regierungen/Institutionen) und warum wurde nicht<br />
frühzeitig entgegen gesteuert? Sah man die Krise nicht kommen oder<br />
konnte/ wollte niemand reagieren?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Letztlich hat die Presse, wie auch die Wissenschaft, seit vielen Jahren<br />
darauf hingewiesen, dass die Entwicklung in den USA relativ ungesund<br />
gewesen ist. Trotzdem hat niemand international, wie auch in der<br />
Bundesrepublik, hier wirkliche Konsequenzen gezogen. Man muss immer<br />
wieder sagen, im Rahmen der Finanzkrise haben die Vorstände der Banken<br />
versagt, haben die Aufsichtsräte ihre Aufgaben nicht richtig<br />
wahrgenommen, haben die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Testate<br />
ausgestellt, die im Nachhinein wenig wert sind, haben die<br />
Rating-Agenturen Bewertungen abgegeben, die sich als völlig<br />
unrealistisch herausgestellt haben, hat die BaFin und die Bundesbank<br />
stark versagt, weil die Risiken nicht richtig erkannt worden sind. Aber<br />
auch das Bundesfinanzministerium und letztlich natürlich auch die<br />
Politik und die Finanzpolitiker haben nicht frühzeitig Gegenmaßnahmen<br />
ergriffen.
</p>
<p>
<b>Ramon</b>: Was halten Sie davon, dass<br />
Politiker alle Schuld auf die Spekulanten schieben? Lenken Sie dann<br />
nicht auch von ihrem eigenen Unvermögen ab, denn schließlich wussten<br />
sie seit langem von dem Regelungsbedarf hinsichtlich der Finanzmärkte<br />
und haben so ja auch mit Schuld an der Situation&#8230;
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Wir betonen immer wieder als Linke und auch Oskar Lafontaine als<br />
Person, dass es Viele gegeben hat, die in den letzten zehn Jahren vor<br />
dieser Entwicklung gewarnt haben. Aber leider haben alle Politiker der<br />
anderen Parteien, erst Rot-Grün und dann die große Koalition, genau<br />
gegenteilige Beschlüsse herbeigeführt. Insofern ist die Politik<br />
natürlich auch für dieses Versagen in die Haftung zu nehmen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Welchen Anteil hat denn Ihr Partei- und Fraktionsvorsitzender Lafontaine als Mitglied im KfW-Verwaltungsrat?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Zunächst einmal bleibt es dabei: Oskar Lafontaine hat 1999 genau auf<br />
diesen Regulierungsbedarf hingewiesen und galt dann in der<br />
internationalen Finanzwelt als der gefährlichste &quot;Regulierer&quot; in der<br />
ganzen Welt&#8230;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: &#8230; Sie lenken ab!
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Lafontaine ist eines von vielen Verwaltungsratsmitgliedern, er hat<br />
meines Wissens nach als Einziger gegen die Rettungsmaßnahmen der IKB<br />
gestimmt. Die bedeuten, dass öffentliche Gelder in Höhe von fast zehn<br />
Milliarden Euro zur Sanierung der IKB verwendet worden sind, denen<br />
Verkaufserlöse in Höhe von weniger als 200 Millionen Euro<br />
gegenüberstehen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Jetzt haben Sie die Politik kritisiert und bei Ihrer eigenen Partei sind Sie so unkritisch?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Nein, es geht weniger um die Politiker in den Aufsichtsräten, sondern<br />
es geht um die Politiker als Gesetzgeber, die bestimmte Geschäfte und<br />
Geschäftsmodelle unterbinden oder stark regulieren müssen. In den<br />
Aufsichtsräten selbst ist die Chance der Einflussnahme ausgesprochen<br />
schwierig, weil letztlich ein Aufsichts- oder Verwaltungsratsmitglied,<br />
dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, natürlich auf Angaben<br />
des Vorstandes und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bzw. der<br />
Bankenaufsicht angewiesen ist.
</p>
<p>
<b>TOBL</b>: Wann hat<br />
Lafontaine denn bisher Verantwortung gezeigt? Hat er sich nicht<br />
vielmehr als inaktiv während der Finanzkrise erwiesen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Lafontaine ist gegenwärtig ein wichtiger Oppositionsführer, aber nicht<br />
in der Lage, aus dieser Position heraus Verantwortung und Einfluss zu<br />
nehmen.
</p>
<p>
<b>gunda</b>: Wie hätte man die Finanzkrise abwenden können?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Das Grundproblem der ständig wieder aufkochenden Finanzblasen in aller<br />
Welt liegt in zweierlei Tatbeständen: Erstens in der Tatsache, dass wir<br />
in den letzten zehn Jahren weltweit &#8211; besonders stark aber in der<br />
Bundesrepublik &#8211; eine Umverteilung von unten nach oben feststellen<br />
müssen. Mit der Konsequenz, dass große Kapitalmengen im privaten<br />
Bereich angesammelt worden sind, die nun auf den Finanzmarkt geworfen<br />
werden. Dass heißt, vom früheren Umlagesystem in ein Anlagesystem<br />
überzugehen, mit der Konsequenz, dass Billionen von Mitteln weltweit<br />
verzinslich angelegt werden müssen, um die private Altersvorsorge<br />
sichern zu können. An beiden Punkten ist aus unserer Sicht dringender<br />
Änderungsbedarf angesagt. Wir brauchen wieder eine Rückverteilung<br />
zugunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und wir brauchen<br />
wieder eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Zu Beiden hat<br />
die Linke entsprechende Maßnahmepläne und Gesetzesvorschläge<br />
eingebracht.
</p>
<p>
<b>harald</b>: Was halten Sie vom Konjunkturpaket?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Wir halten es erstens für wesentlich zu gering, weil Herr Steinbrück<br />
mit allen Mitteln versucht, Maßnahmen, die bereits lange beschlossen<br />
worden sind, in dieses Paket hinein zurechnen. Wir glauben zum Zweiten<br />
dass viele Maßnahmen, wie zum Beispiel die befristete Aufhebung der<br />
KfZ-Steuer letztlich nicht zielführend sind. Nötig sind öffentliche<br />
Investitionen in großem Umfang, insbesondere ausgeführt durch den<br />
kommunalen Bereich. Dies sichert unmittelbar Beschäftigung und kann<br />
insbesondere im Handwerksbereich und bei kleinen und mittelständischen<br />
Unternehmen den Verlust weiterer Arbeitsplätze verhindern.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Lafontaine kritisiert Merkels Konjunkturanreize als &quot;Schutzschirmchen&quot;, welche Summen möchte die Linkspartei ausgeben?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Wir glauben, dass auch kurzfristig eine Größenordnung von 50 Milliarden<br />
Euro notwendig ist, um einen Konjunktureinbruch, wie er möglicherweise<br />
noch nie in der Bundesrepublik in diesem Ausmaß stattgefunden hat,<br />
entgegenzuwirken. Die Gefahr, dass wir weltweit in eine Rezession<br />
gleiten, hat es in dieser Form seit dem zweiten Weltkrieg noch nie<br />
gegeben. Deswegen sind alle Länder und natürlich auch die<br />
Bundesrepublik als wichtiges führendes Land in Europa gefordert, hier<br />
massiv entgegenzuwirken. Dies wird aber nur Erfolg haben, wenn die<br />
Politik deutlich macht, dass sie auch mittelfristig wirklich gewillt<br />
ist, die Wirtschaftskrise abzuwenden. Wenn bereits jetzt wieder<br />
diskutiert wird, dass man 2012 wieder einen ausgeglichenen Haushalt auf<br />
der Bundesebene anstrebt, dann muss man bezweifeln, dass wirklich<br />
ernsthafte Maßnahmen zur Konjunkturstabilität wirklich durchgeführt<br />
werden. In den USA ist in den 30er Jahren mit der sogenannten<br />
New-Deal-Politik gezeigt worden, dass ein Gegensteuern möglich ist,<br />
wenn die Politik entsprechend konsequent handelt.
</p>
<p>
<b>JRauchfuss</b>:<br />
Ihre Partei fordert in ihrem Sofortprogramm die Verschärfung der<br />
Haftung von Managern. Inwieweit sollen Manager haften? Macht dies nicht<br />
den Posten Manager in Deutschland denkbar unattraktiv?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Manager sollen aus unserer Sicht durchaus mehr verdienen als normale<br />
Beschäftigte. Unsere Vorstellung ist allerdings, dass es nicht mehr als<br />
das 20fache des Durchschnittseinkommens in den entsprechenden Betrieben<br />
sein sollte. Wenn wir, wie gegenwärtig, ganz andere Zahlen immer wieder<br />
sehen, dann ist aus unserer Sicht eine deutlich verschärfte<br />
Manager-Haftung zwingend erforderlich. Wenn man aus der heutigen Presse<br />
entnehmen kann, dass im Bereich der Dresdner Bank an eine einzelne<br />
Person ein Bonus von 400 Millionen Euro gezahlt werden soll, dann ist<br />
dies ein Hohn auf die politischen Bestrebungen, hier regulierend<br />
einzugreifen.
</p>
<p>
<b>berolina</b>: Bekommen wir nächstes Jahr eine Rezession? Was ist Ihre Prognose?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Alle Prognosen gehen davon aus, dass wir im nächsten Jahr einen<br />
Rückgang des Sozialproduktes erleben werden. Wir haben unterschiedliche<br />
Schätzungen, die von minus 0,2 bis minus 0,8 reichen. Ich halte es aber<br />
auch nicht für ausgeschlossen, dass wir Ende nächsten Jahres bereits<br />
bei einem Minus von 2 Prozentpunkten wären. Dies wäre der stärkste<br />
Rückgang in der Bundesrepublik seit dem Zweiten Weltkrieg. Dies hätte<br />
dann auch zur Folge, dass wir ein massives Ansteigen der<br />
Arbeitslosigkeit und damit wieder Arbeitslosenquoten im zweistelligen<br />
Bereich befürchten müssen.
</p>
<p>
<b>hansi</b>: Halten Sie einen ausgeglichen Bundeshaushalt bzw. einen Schuldenabbau nicht für wichtig?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Die Linke hat hier eine sehr differenzierte Position. Die Tatsache,<br />
dass wir im Augenblick über 1,5 Billionen Schulden haben, ist im<br />
Wesentlichen auf zwei Prozesse zurückzuführen: Erstens, beim Prozess<br />
der deutschen Einheit von 1992 bis 1998 ist die öffentliche<br />
Verschuldung um 700 Milliarden Euro angestiegen. Zweitens, durch einen<br />
Steuersenkungswahn, eingeleitet von Rot-Grün ab dem Jahr 2000, der dazu<br />
geführt hat, dass Einnahmeausfälle von weit über 300 Milliarden Euro<br />
entstanden sind. Die sind über Neuverschuldung dann ausgeglichen<br />
worden. Das heißt, eine Billion der insgesamt 1,5 Billionen<br />
Gesamtschulden sind auf diese beiden Prozesse zurückzuführen. Deswegen<br />
glauben wir, dass einer allgemeine Verteufelung von Staatsverschuldung<br />
entgegenzuwirken ist. In der wirtschaftlichen Krise ist staatliche<br />
Neuverschuldung die einzige Möglichkeit, Konjunktureinbrüchen wirklich<br />
entgegen zu wirken. Mittelfristig sind wir allerdings der Ansicht, dass<br />
wir wieder eine erhöhte Steuerquote benötigen. Aus unserer Sicht müssen<br />
die Besserverdienenden in Form einer reformierten Vermögens- und<br />
Erbschaftssteuer wieder zu einer Finanzierung des Sozialstaates<br />
beitragen.
</p>
<p>
<b>Kalotta</b>: Sehen Sie den Fehler im System Kapitalismus? Wenn ja, was ist ihre Alternative?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
In ersten Schritten geht es zunächst einmal um eine Regulierung dieses<br />
Kapitalismus. Wir haben ganz unterschiedliche Ausprägungen in der<br />
Vergangenheit, wie auch gegenwärtig. Die Spanne zwischen einem<br />
anglo-amerikanischem Kapitalismus und dem, was wir in den<br />
skandinavischen Ländern sehen, ist sehr groß. Aus unserer Sicht gilt<br />
es, aus Erfahrungen &#8211; aus positiven Erfahrungen &#8211; aus den<br />
skandinavischen Ländern zu lernen und viele Dinge von dort auch zu<br />
übernehmen.
</p>
<p>
<b>T</b>: Was kann der gewöhnliche Bürger tun, um sein Vermögen zu retten? Edelmetalle kaufen?
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Nein, das halte ich für genauso spekulativ, wie viele andere<br />
Anlagenformen auch. Ich glaube, dass ganz normale Bankguthaben bei<br />
allen Banken, aber insbesondere beim Sparkassensektor, die sichere Form<br />
der Anlage sind.
</p>
<p><b>Moderator</b>: Letzte Frage: Wie viel haben Sie persönlich in den vergangenen Wochen am Aktienmarkt verloren?</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Überhaupt nichts. Ich hatte für meine Tochter eine private<br />
Altersvorsorge auf Fondsbasis abgeschlossen und diese bereits Anfang<br />
des Jahres komplett aufgelöst. Ich selbst besaß und besitze keine<br />
Aktien, geschweige denn irgendwelche dubiosen Derivate.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Das waren 45 Minuten tagesschau-Chat zum Thema Finanzkrise. Herr<br />
Troost, ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit! Vielen Dank auch an die<br />
User, leider konnten wir nicht alle Fragen stellen. Doch morgen geht&#8217;s<br />
weiter: <a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chat2.html" title="Was tun gegen die Finanzkrise?">Um 13 Uhr ist dann der Vize-Chef der FDP-Bundestagsfraktion, Carl-Ludwig Thiele, im tagesschau-Chat zu erreichen.</a> Das Team von tagesschau.de freut sich auf die Diskussion. Noch einen schönen Tag und bis morgen!
</p>
<p>
<b>Axel Troost</b>:<br />
Herzlichen Dank für die vielen interessanten Fragen. Morgen werden Sie<br />
von Herrn Thiele die extreme Gegenposition zur Kenntnis nehmen können.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wir sind gespannt!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts und Thomas Querengässer, tagesschau.de</i></p>
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