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	<title>Barbara Stolterfoht &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Barbara Stolterfoht &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Ich bin überzeugt, dass in Deutschland eine ungerechte Politik keinen Bestand haben wird.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Agenda 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Stolterfoht]]></category>
		<category><![CDATA[Paritätischer Wohlfahrtsverband]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bstolterfoht1.jpg" alt="Barbara Stolterfoht" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Vorsitzende 
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bstolterfoht1.jpg" alt="Barbara Stolterfoht" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Vorsitzende<br />
des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Barbara Stolterfoht</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
ist am 6. November 2003 zu Gast im </b></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02-Chat<b><br />
von tagesschau.de und poltik-digital.de.</b></b></span></span></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich heute Barbara Stolterfoht,<br />
Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Der Paritätische<br />
Wohlfahrtsverband ist der Dachverband der zahlreichen Verbände in<br />
Deutschland, die soziale Arbeit leisten. Viele sind davon in Pflege und<br />
Betreuung tätig. Können wir beginnen Frau Stolterfoht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die rot-grüne Koalition hat heute ein Rentengesetz verabschiedet,<br />
das für die Rentnerinnen und Rentnern im kommenden Jahr weniger Rente<br />
im Geldbeutel bedeutet. Aus ihrer Sicht ein Fehler?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Ja, das ist ein Fehler. Das mag für Rentner mit der Maximalrente<br />
hinnehmbar sein, für Kleinrentnerinnen und Kleinrentner ist das eine<br />
Katastrophe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>halligallimit67</b>:<br />
Heute hat der Bundestag über ein Notprogramm entschieden, das die<br />
deutschen Rentner kommendes Jahr in eine Nullrunde schicken wird. Zusätzlich<br />
sollen die Rentner auch noch den kompletten Pflegebeitragssatz übernehmen.<br />
Von wem wurde der vorher bezahlt? Und wem kommt das Geld zu Gute? Wird<br />
es auf alle Pflegebedürftige umgelegt, oder nur auf ältere Menschen?</p>
<p><b>Barbara Stolterfoht</b>: Die Hälfte des Pflegeversicherungsbeitrags<br />
wurde bisher von den Rentnerinnen und Rentnern bezahlt, die andere Hälfte<br />
von den Rentenversicherungen. Das heißt, die Rentenversicherungen<br />
sparen Geld und die Rentnerinnen und Rentner werden stärker belastet.<br />
Berücksichtigen muss man dabei auch noch, dass Rentnerinnen und Rentner<br />
mehr Zuzahlungen und mehr Eigenleistungen für ihre Gesundheit aufbringen<br />
müssen. Da kann es für manche schon eng werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tom</b>:<br />
Betrifft das auch Menschen mit einer Erwerbsunfähigkeits-Rente?(Frührentner)</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Im Prinzip alle. Aber bei der Gesundheitsreform gibt es Obergrenzen bei<br />
der Zuzahlung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fritzchen</b>:<br />
Wie hätte sie Rente ihrer Meinung nach finanziert werden sollen wenn<br />
es keine Nullrunde geben würde?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Der Staat garantiert die Rentenzahlungen. Eine Alternative wäre eine<br />
Anhebung der Beitragssätze gewesen, eine andere eine Erhöhung<br />
des Staatszuschusses &#8211; als Notprogramm wohlgemerkt. Für eine langfristige<br />
Absicherung der Rente braucht es andere Strategien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>HarleyDavidson</b>:<br />
Private Vorsorge wird immer wichtiger, lese ich. Was kritisieren sie daran?<br />
Wir können uns nicht länger auf den Staat verlassen und müssen<br />
selber was tun. Finde ich gar nicht so schlimm.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Ich kritisiere die private Vorsorge überhaupt nicht. Auch die Pflichtbeiträge<br />
zur Rentenversicherung sind ja ein Stück weit private Vorsorge. Die<br />
Alterseinkommen der Zukunft werden wahrscheinlich aus drei Säulen<br />
bestehen &#8211; der Rentenpflichtversicherung, der betrieblichen Rentenversicherung<br />
und privaten Ansparungen. Wichtig ist mir aber, dass jede und jeder sich<br />
das private Sparen auch leisten kann. Mit Minijobs und Niedriglöhnen<br />
geht das nicht. Da braucht man jeden Pfennig zum Leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ein Kommentar und eine Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Betriebsratawoberlin</b>:<br />
Auch wir sind in großer Sorge um unseren Sozialstaat und befürchten,<br />
dass durch die Agenda 2010 noch mehr Menschen an den Rand der Gesellschaft<br />
gedrängt werden und im Abseits stehen. Aus unserer Sicht bedeutet<br />
dies dann auch großer emotionaler Sprengstoff, der sich irgendwann<br />
auch entladen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang S</b>.:<br />
Die grundsätzlich vorhandene öffentliche Akzeptanz für<br />
die Beschneidung des Sozial- (und damit Lebens-) standards steht und fällt<br />
mit der Gerechtigkeitsfrage. Was konkret schlagen Sie vor um die &quot;stärkeren<br />
Schultern&quot; der Besserverdienenden und Eigentümer großer<br />
Vermögen stärker zu belasten, damit dem Eindruck einer sich<br />
öffnenden &quot;Belastungsschere&quot; glaubwürdig begegnet<br />
werden kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Also, jetzt erst einmal den Betriebsrat: die Sorge des Paritätischen<br />
Wohlfahrtsverbandes ist es, dass die jetzt auf den Weg gebrachten &quot;Reformen&quot;<br />
zu Lasten der Ärmeren und Arbeitslosen &#8211; Stichwort Hartz4 &#8211; und zu<br />
Lasten der Kranken gehen, die nicht nur mit der Krankheit, sondern auch<br />
noch mit erhöhten Zuzahlungen zu kämpfen haben. Besonders schlimm<br />
ist es für chronisch Kranke. Ich bin überzeugt, dass eine solche<br />
Politik der Ausgrenzung nicht zukunftsfähig ist. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Zur Frage von Wolfgang<br />
S. Die Gerechtigkeitsfrage ist bei all diesen Fragen die zentrale. Ich<br />
finde es nicht gerecht, wenn durch die Hartzgesetze bei den Arbeitslosen,<br />
die jeden Pfennig brauchen, drei Milliarden eingesammelt werden und mit<br />
der Steuerreform, den Menschen mit überdurchschnittlichen Einkommen<br />
in Höhe von mehreren tausend Euro, Steuern erlassen werden. Ich finde<br />
es auch nicht gerecht, wenn Städte und Gemeinden Schulen und Kindertagesstätten<br />
verfallen lassen müssen, weil sie kein Geld haben und auf der anderen<br />
Seite die Einnahmen aus der Körperschaftssteuer um 20 Milliarden<br />
einbrechen. Zu den konkreten Vorschlägen: Die jetzige Krankenversicherung<br />
muss zur Bürgerversicherung weiterentwickelt werden. Das senkt die<br />
Beitragslast. Durch ein transparentes und gerechtes Steuersystem müssen<br />
alle Bürgerinnen und Bürger nach ihrer Leistungsfähigkeit<br />
herangezogen werden und durch eine höhere Erbschaftssteuer auf höhere<br />
Vermögen und eine moderate Vermögenssteuer könnte der Staat<br />
in die Lage versetzt werden, seine Aufgaben besser zu erfüllen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kopfloser</b>:<br />
Sie waren ja auch mal in einem politischen Amt (Sozialministerin). Können<br />
Sie in Ihrer jetzigen Position was bewirken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Ja, Sozialministerinnen haben es in Kabinetten, die sparen müssen,<br />
besonders schwer, können aber trotzdem einiges bewirken. Jetzt ist<br />
meine Aufgabe Beratung und Beeinflussung der Politik und kritische Stimme<br />
des Teils der Bevölkerung zu sein, für die die gegenwärtigen<br />
politischen Entscheidungen eine untragbare Belastung sind. Das ist ein<br />
anderer aber ebenso spannender Wirkungskreis und meine Erfahrung ist,<br />
dass man eine Menge bewirken kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Heißt kritische Stimme im heutigen Politbetrieb: eine möglichst<br />
laute Stimme sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Also an Lautstärke kann ein Sozialverband es weder mit der Pharmalobby<br />
noch mit den Arbeitgeberverbänden aufnehmen. Die haben öffentlich<br />
und hinter verschlossenen Türen mehr Einfluss als alle Sozialverbände<br />
zusammen. Aber wir tun unser Bestes, um gehört zu werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rosa Luxemburg</b>:<br />
Müssten die Wohlfahrtsverbände nicht angesichts einer Allparteienkoalition<br />
zum Sozialabbau sich stärker auch mit den Ansätzen zu außerparlamentarischem<br />
Widerstand und Protest befassen, bzw. diesen mitentwickeln und unterstützen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und was tun Sie konkret?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Also, es war bisher erstaunlich ruhig in Deutschland. Das scheint sich<br />
jetzt zu ändern. Wohlfahrtsverbände unterstützen Initiativen<br />
und Aktionen im Interesse der Menschen, die sie vertreten. Der Paritätische<br />
kooperiert mit den anderen Verbänden, wie zum Beispiel dem Kinderschutzbund<br />
und dem VDK, mit den Gewerkschaften und mit Attac. Ich bin überzeugt,<br />
dass in Deutschland eine ungerechte Politik keinen Bestand haben wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Welche Partei macht Ihrer Ansicht nach noch eine gerechte Politik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Keine der großen Volksparteien &#8211; und die kleinen Parteien schon<br />
gar nicht &#8211; tut sich zur Zeit mit einer Politik zu Gunsten der Durchschnittsverdiener<br />
und der Schwächeren in der Gesellschaft hervor. Es gibt allerdings<br />
Unterschiede: Ich finde die Pläne der CDU und der FDP zum Fürchten.<br />
Diese Pläne gefährden in der Tat den sozialen Frieden in Deutschland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BerlinerStudi</b>:<br />
Und wen würden Sie unterstützen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Als Vorsitzende eines großen Wohlfahrtsverbandes unterstütze<br />
ich gar keine Partei sondern fordere eine sozial gerechtere Politik bei<br />
allen Parteien ein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Freundfeind</b>:<br />
Sind die Parteien also gegenüber der Wirtschaft offener als gegenüber<br />
den Bürgervertretungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Es ist etwas komplizierter. Die Politik hat nicht den Mut gegenüber<br />
mächtigen Bevölkerungs- und Wirtschaftsgruppen Opfer zu verlangen.<br />
Das Schicksal der Gesundheitsreform hat das mehr als deutlich gezeigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Judith</b>:<br />
Es heißt immer mal wieder, dass Deutschland sich im Würgegriff<br />
der Verbände befindet. Was halten sie von der These?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Auch das würde ich wieder etwas differenzierter sehen. Es ist unglaublich<br />
schwierig in einer pluralistischen Gesellschaft, politischen Konsens zu<br />
organisieren. Hinzu kommt, dass eben manche Interessen ungehinderteren<br />
Zugang zu politischen Machtzentren haben als andere und dass insgesamt<br />
eine Politik zu Gunsten des Sozialstaates und zu Lasten von Wirtschaftsinteressen<br />
kaum noch möglich ist. Ob das ein Sachzwang ist oder ein änderbarer<br />
Tatbestand ist, darüber wird die politische Diskussion in den nächsten<br />
Jahren gehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Krückstock</b>:<br />
Unionsfraktionschefin Angela Merkel konterte gegenüber der Regierung,<br />
Rot-Grün flüchte sich bei der Rente zum wiederholten Mal in<br />
„Notoperationen“. Der CSU- Sozialexperte Horst Seehofer attackierte<br />
die rot-grünen Rentenpläne massiv. Geht es hier wirklich um<br />
unser Wohlergehen, oder doch wieder nur um Wahlkampf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Angesichts der Tatsache, dass in 16 Jahren Regierung Kohl, notwendige<br />
Reformen permanent verschlafen worden sind, finde ich dies nur Wahlkampfpolemik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ortrud</b>:<br />
Was kann man denen sagen, die durch die Komplexität des Problems<br />
überfordert sind und die wichtige kontroverse Diskussion &#8211; z.B. in<br />
der SPD &#8211; als Zerstrittenheit wahrnehmen und sich in Verdrossenheit gegenüber<br />
allen Entscheidern &quot;da oben&quot; zurückziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Tja, das ist eine schwere Frage. Weitermachen und kämpfen für<br />
das was man für richtig hält, in Parteien und Verbänden,<br />
in Initiativen und Selbsthilfegruppen. Das ist das einzige, was hilft.<br />
Resignieren nützt nur denen, die zielgerichtet ihre Interessen verfolgen.<br />
Um es mit einem Zitat von Brecht zu sagen: &quot;Lege Deine Finger auf<br />
jeden Posten, frag wie kommt er dahin&#8230;&quot;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Während der Zeiten niedrigerer Arbeitslosigkeit konnte die Politik<br />
es sich eher leisten, Reformen liegen zu lassen. Jetzt haben wir 4,15<br />
Millionen Arbeitslose:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mmmm</b>:<br />
Bei einem Festakt an der Berliner Humboldt- Universität sagte Eichel,<br />
langfristig dürfe die „Rente mit 67“ kein Tabu sein.<br />
Außerdem soll die Arbeitszeit verlängert werden, damit Deutschland<br />
im internationalen Wettbewerb mithalten könne. Wie passt das mit<br />
unserer Arbeitslosigkeit zusammen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Gar nicht. Ich halte es für absurd, über die Rente mit 67 Jahren<br />
zu diskutieren und längere Arbeitszeiten zu fordern in Zeiten hoher<br />
Arbeitslosigkeit. Was wir brauchen, ist die Chance für über<br />
55-jährige in den Betrieben zu bleiben. Sie sind ja reihenweise aussortiert<br />
worden, mit einer teuren Frühverrentungspolitik. Was wir brauchen,<br />
ist eher Arbeitszeitverkürzung als Arbeitszeitverlängerung.<br />
Um das Arbeitsvolumen auf mehr Hände und Köpfe zu verteilen.<br />
Und was wir brauchen, sind Unternehmer, die mit Innovationskraft, Phantasie<br />
und Mut neue Arbeitsplätze schaffen. Und übrigens, es wäre<br />
ja schon fast ein Wunder, wenn in unserem Lande alle Menschen arbeiten<br />
könnten und Arbeit hätten bis 65. Das tatsächliche Renteneintrittsalter<br />
liegt weit darunter, nämlich knapp über 60.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>T. Heinz</b>:<br />
Arbeitsvolumen ist doch ein völlig falscher Begriff. Arbeit schafft<br />
Arbeit. Wenn man produktiv ist und so mehr verdient als man kostet, können<br />
auch wieder mehr Menschen eingestellt werden. Wirtschaftswachstum heißt<br />
das und hat uns schon mal Vollbeschäftigung gebracht. Arbeit ist<br />
zu teuer, daher schrumpft die Nachfrage danach.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Das halte ich für ein Gerücht und eine gern gepflegte Legende.<br />
Bei den Schweden ist die Arbeit teurer als bei uns, gleichwohl ist die<br />
Arbeitslosigkeit wesentlich geringer. Bei den Polen kostet die Arbeitsstunde<br />
4 Euro 50 Cent und die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 20 Prozent. Wir<br />
wären auch kaum Exportweltmeister, wenn unsere Arbeit tatsächlich<br />
zu teuer wäre. Es kommt wesentlich auch auf andere Faktoren an, wie<br />
den Bildungsstand der Arbeitnehmerschaft und die Produktivität des<br />
einzelnen Arbeitsplatzes. Wir brauchen auch an diesem Punkte eine differenziertere<br />
Betrachtungsweise.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wilfried</b>:<br />
Das eigentliche, oder vermutlich das einzige Problem momentan in diesem<br />
Staate ist ja dessen Verschuldung &#8211; wenn die Ausgaben für Zinszahlungen<br />
für andere Zwecke zur Verfügung ständen, wären alle<br />
strukturellen Probleme vermutlich lösbar. Ist es da nicht sinnvoll,<br />
bis 2010 in den sauren Apfel zu beißen und auf Teufel oder Eichel<br />
komm raus zu sparen (auch wenn es weh tut und sozial völlig ungerecht<br />
ist), um wieder handlungsfähig zu werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Ein Beispiel dafür, dass sparen mit Augenmaß betrieben werden<br />
muss ist die hessische Landesregierung: Sie fördert weiterhin Vertriebenenverbände<br />
und streicht sämtliche Zuschüsse für Schuldnerberatungsstellen.<br />
Es gibt Bereiche in denen nicht gespart werden darf, wenn man zukünftigen<br />
Generationen keinen Schaden zufügen möchte. Dazu gehört<br />
Bildung, dazu gehört eine verlässliche soziale Sicherung für<br />
alle und eine zukunftsfähige Infrastruktur. Ansonsten ist die Verschuldung<br />
des Staates seit mindestens 25 Jahren ein politisch verleugnetes Problem,<br />
das als erstes Hans Eichel wirklich angepackt und thematisiert hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sie haben vorhin ein transparentes und gerechtes Steuersystem gefordert:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Was halten Sie vom Steuerreformvorschlag von Friedrich Merz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Klingt gut, schauen wir mal, ob er nicht im Kampf der Interessengruppen<br />
auf der Strecke bleibt. Ich bin nicht sicher, ob die Durchschnittseinkommen<br />
wirklich entlastet werden, wenn ihnen alle Vergünstigungen von Entfernungspauschale<br />
bis steuerfreie Nachtzuschläge gestrichen werden.Viele Arbeitnehmer<br />
haben nur deswegen ein einigermaßen erträgliches Einkommen,<br />
weil sie nachts und Schicht arbeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>AltundWeise</b>:<br />
In der Rürup-Kommission stimmten Sie als einziges Mitglied dem Abschlussbericht<br />
der Kommission nicht zu. Was sagen sie dann erst zur Herzog-Kommission?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Schöne Frage. Ich war mit den Ergebnissen zu wenig einverstanden,<br />
um zustimmen zu können. Aber eins muss man der Rürup-Kommission<br />
lassen, und insbesondere ihrem Vorsitzenden: da wurde solide gearbeitet<br />
und gerechnet und die Vorschläge hatten Hand und Fuß und passten<br />
zusammen. Die Vorschläge der Herzog-Kommission sind unsolide und<br />
unsozial.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Merker</b>:<br />
Sind die Frauen die Verlierer der Agenda 2010?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Ja. Frauen verdienen weniger und werden härter getroffen, wenn soziale<br />
Leistungen gestrichen werden und mehr zugezahlt werden muss. Frauen haben<br />
schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, wenn die Leistungen der Bundesanstalt<br />
für Arbeit zusammengestrichen werden und Frauen leiden mehr unter<br />
Rentenkürzungen, weil ihre Renten ohnehin nur die Hälfte der<br />
Männerrenten ausmachen und sie über betriebliche Renten und<br />
private Rentenversicherungen wesentlich schlechter abgesichert sind. Nicht<br />
alle Frauen verfügen über einen Ehemann, der all diese locker<br />
finanziell auffangen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Unsere Chat-Stunde ist um, vielen Dank für Ihr Interesse. Vielen<br />
Dank Frau Stolterfoht, dass Sie zu uns gekommen sind. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen schönen Tag!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Barbara Stolterfoht</b>:<br />
Danke für die Einladung, es hat Spaß gemacht.</span></p>
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