<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Bastard-Pop &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/bastard-pop/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Fri, 22 Dec 2006 11:12:53 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Bastard-Pop &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Bastard-Pop, Bootlegging und Sampling</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/musik-und-internet/bastard-pop-bootlegging-und-sampling-3338/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/musik-und-internet/bastard-pop-bootlegging-und-sampling-3338/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[choeschele]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2006 11:12:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Musik und Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bastard-Pop]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/bastard-pop-bootlegging-und-sampling-3338/</guid>

					<description><![CDATA[Wenn man Musik von den Beatles und den Beastie Boys zusammenrührt, erhält man Songs der Beastles. Das ist zumindest die Logik von Bastard-Pop. Die Idee ist nicht ganz neu, aber der Siegeszug digitaler Musik hat dennoch ein ganz neues Musikgenre hervorgebracht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man Musik von den Beatles und den Beastie Boys zusammenrührt, erhält man Songs der Beastles. Das ist zumindest die Logik von Bastard-Pop. Die Idee ist nicht ganz neu, aber der Siegeszug digitaler Musik hat dennoch ein ganz neues Musikgenre hervorgebracht.<!--break--> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Früher war Musikproduktion Personen überlassen, die ihre<br />
Berufung darin sahen, Musiker zu sein. Sie steckten ihre gesamte<br />
Arbeits- und Freizeit in ihr Hobby, um nach langen, aufwändigen<br />
Phasen des Konzipierens, Produzierens und Masterns einen Track zu<br />
veröffentlichen. Dieser Track suchte seinen Weg von der Plattenfirma<br />
über den Plattenladen via DJ zum Publikum. Die Leute tanzten<br />
dann &#8211; oder auch nicht. Charakteristisch für das, was unter<br />
Begriffen wie Bootlegging, Mashup-Musik oder <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Bastard_pop" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bastard-Pop</a><br />
firmiert: Es ist wesentlich schneller. Die MP3s werden nach kurze<br />
Bearbeitungszeit wiederum zurück in den Informationsverteiler<br />
Internet geladen, dort stehen sie &#8211; noch &#8211; kostenlos erneut zum<br />
Download, sie lassen sich auf CD brennen, auf den iPod laden oder<br />
mit anderen Musikstücken mixen.
</p>
<p>
Anders als früher kann heutzutage praktisch jeder, der Lust<br />
und Laune hat, mit Programmen wie &quot;Cool Edit Pro&quot;, &quot;Soundforge&quot;<br />
und &quot;P2P&quot; von seinem Wohnzimmer aus die neue Unterhaltungs-<br />
und Produzentensoftware voll ausnützen: einfach kurz aus dem<br />
Netz herunterladen und via Hackerseiten illegal gecrackt. So werden<br />
auch alle, die nicht Noten lesen können, zu Musikern, indem<br />
sie mit der Maus über den Bildschirm fahren und sich damit<br />
zufrieden geben, nicht zu verstehen was sich da in ihren Computern<br />
abspielt. Hauptsache es groovt, rockt oder klingt irgendwie.
</p>
<p>
Kurz: Wir bewegen uns in einer Welt, die geprägt ist von Drag-and-Drop-Design,<br />
in der computergestützte &#8211; oder allgemeiner: elektronisch unterstützte<br />
&#8211; Arbeiten sowie Urformen des Remixes wie Collagen oder Montagen<br />
längst zum Alltag gehören. Das Herunterladen von Image-<br />
und Sounddateien, das Kopieren von Script und Code wie auch Loopgrabbing-Aktionen<br />
sind moderne Arbeitsweisen geworden. In diesem Zusammenhang ist<br />
es wenig verwunderlich, dass nicht nur &quot;nerds&quot;, &quot;bedroom-hackers&quot;<br />
und radikale Open-Source-Vertreter sich des fertigen Materials anderer<br />
bedienen, um es in ihren Gedanken- und Produktionsprozess einfließen<br />
zu lassen.
</p>
<p>
Dass Bootlegging eher latent mit der Open-Source-Lobby verwandt<br />
ist als mit adoriertem DJ-Mainstream, zeigt sich etwa auch an den<br />
Arbeitsutensilien und deren Interface-Wert. Bootlegger pflegen keinen<br />
Gerätefetischismus wie Rock- oder Popbands. Sie basteln mit<br />
beschleunigten Medienschnittprogrammen (Acid, Soundforce oder Cool<br />
Edit Pro anstatt Fender, Yamaha oder Boss) an einer Komposition,<br />
oder besser gesagt: an einer Sound-Bricolage. Die konservierten<br />
Instrumentengeräusche und ihr früherer Kontext, wie sie<br />
mit Stimme und Text verbunden waren, scheint bei der zweiten &quot;geBastard-Pop-ten&quot;<br />
Version völlig überflüssig zu sein.
</p>
<p class="fett">
<b> Entzauberte Ohrwürmer</b>
</p>
<p>
Die Form eines traditionellen Popsongs bezieht sich auf den Standard<br />
von 3:30 Minuten. Wird diese Form verändert, etwa radikal verkürzt,<br />
und mit anderen Formen akkumuliert, sprich:abgemixt, so hören<br />
wir extrahierte,meist komprimierte, essentielle Bausteine des Pops.<br />
Das ist Bastard-Pop , eine Bootleg-Version bereits bestehender Songs.<br />
Allerdings haben sie in ihren neu arrangierten Formen eigentlich<br />
so gut wie nichts mehr mit dem Klangbild des Pops zu tun. Im Gegenteil:<br />
Sie wurden dadurch entzauberte Ohrwürmer. Ihre plötzlich<br />
mehrspurige Gesamtheit ist nicht wirklich leicht zu merken und animiert<br />
kaum zum Mitsingen. Was sie jedoch beim Zuhörer oder auch Produzenten<br />
hinterlassen, ist ein super-illusionistischer Raum, ein im Kopf<br />
erdachtes und mit neuen, beschleunigten Medien ausgeführtes,<br />
phantasmatisches Kunstwerk der heutigen Remix-crossover-Culture.
</p>
<p>
Das Stück &quot;<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Osymyso#Intro-Inspection" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Intro<br />
&#8211; Introduction</a>&quot; des britischen Künstlers Osymyso etwa<br />
vereint 101 Popintros auf einem zwölfminütigen Musikstück.<br />
Durch das kurze Anschneiden charakteristischer Pop-Passagen entstand<br />
ein eher kurzes <a href="http://www.xfm.co.uk/Article.asp?id=4911" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gedankenstakkato</a>,<br />
das keinen Anfang und keine Ende hat. Obwohl &quot;Intro &#8211; Introduction&quot;<br />
ausschließlich aus Veratzstücken von Pop-Songs besteht,<br />
kann man es selber nicht mehr dem Pop-Genre zuordnen: Dieses fremdartig<br />
klingende Soundexperiment.ist schlicht und ergreifend zu schwer<br />
tanzbar und hat zu wenig Ohrwurmpotenzial.
</p>
<p>
Bootlegging gilt als komplett neue Musikform , die ihre Wurzeln<br />
in Bereichen wie der Medleys, schnellen DJ-Mixes (Funkmaster Flex,<br />
DJ Spookey, DJ Godfather, etc.) oder auch des Jingles hat: eine<br />
kurze einprägsame Melodie, und im Falle von Jingles meist akustischer<br />
Bestandteil eines Werbespots. Ein gut gelungener Versuch unsere<br />
Gehöhrgänge neu zu parametrisieren, aber auch gleichzeitig<br />
mit dem Kitsch alter Zeiten mittels neuer hochmedialer Technologien<br />
aufzuräumen.
</p>
<p class="fett">
<b> Abtanzen auf Sound-Bricolages</b>
</p>
<p>
Anstatt also kommerziell erworbene Schallplatten mit Hilfe eines<br />
Hightech-Hardware-Equipments als zentrales Subjekt der Begierde<br />
aufzulegen, meist erhöht auf der Bühne einer Diskothek,<br />
geben sich clubfähig gewordene Nebenjob-DJs inzwischen mit<br />
Freeware, vielen MP3s und einer ISDN-Leitung zufrieden.
</p>
<p>
Bastard-Pop treibt die traditionellen Pop-Attitüden konsequent<br />
weiter: Die Autonomie des Künstlers ist noch stärker auf<br />
das Musikstück bezogen. Und die künstlerisch-kreative<br />
Koalition zwischen Interpret und seinem Song wird unwichtiger, ob<br />
die Texte wirklich vom Sänger sind, ob es Live oder Playback<br />
ist, spielt keine Rolle.
</p>
<p>
Bootlegging nimmt der individuellen und eigentlich bereits abgeschlossenen<br />
Musikproduktion den Mythos des Unberührbaren. Durch das Extrahieren<br />
von Stimmen (Acapella) und anschließende Verschmelzen in ein<br />
nicht minder bekanntes instrumentelles Begleitkonstrukt (Instrumentalversion),<br />
erhalten Stimme und Sound einen neuen, fast intimeren Bezug.
</p>
<p>
Bootlegger bräuchten eigentlich weder Label noch Promoter,<br />
geschweige denn eine eigene Bühne oder einen Club. Trotzdem<br />
erfahren Bootlegger, allen voran in Großbritannien, einen<br />
enormen Hype, auch kommerzieller Natur. Und dass manche von ihnen<br />
bereits einen Plattenvertrag bei einem Major in der Tasche haben,<br />
zeigt, wie weit Creative Commons-Überzeugungen und Marktwirtschaft<br />
nach wie vor auseinander liegen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/musik-und-internet/bastard-pop-bootlegging-und-sampling-3338/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
