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	<title>Berichterstattung &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Zwischen medialen Mythen und Gender Bias – ADHS jenseits der Klischees</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Noomi Lucia Blumenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 14:07:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p><span class="TextRun SCXW126752907 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW126752907 BCX8">ADHS wird nach wie vor überwiegend mit Jungen und Männern in Verbindung gebracht. Bei Mädchen und Frauen bleibt die Störung deshalb oft unerkannt oder wird fehldiagnostiziert – eine Wahrnehmung, die auch durch mediale Darstellung</span><span class="NormalTextRun SCXW126752907 BCX8">en</span><span class="NormalTextRun SCXW126752907 BCX8"> begünstigt wird.</span></span><span class="EOP SCXW126752907 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="TextRun SCXW254355215 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254355215 BCX8">Da steht es nun, schwarz auf weiß: Aufmer</span><span class="NormalTextRun SCXW254355215 BCX8">k</span><span class="NormalTextRun SCXW254355215 BCX8">samkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Und ich bin vor allem eins: erstaunt. Ein paar Monate zuvor wurde mir der Verdacht von einer behandelnden Psychologin mitgeteilt. Auch das, zu meiner Überraschung. Ich hatte es einige Zeit vorher selbst vermutet und sogar einen Termin bei einem Psychiater gefunden. Dieser sprach fünfzehn Minuten mit mir, sah sich meine Grundschulzeugnisse an und konkludierte schließlich: es könne keine ADHS vorliegen, es scheine ich sei in der Schule konzentriert gewesen. Ich verließ die Praxis eingeschüchtert und beschloss mir keine Gedanken mehr darüber zu machen.</span></span><span class="EOP SCXW254355215 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="TextRun SCXW53393461 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">Bei meiner zweiten Diagnostik teilte man mir mit, dass Mädchen</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> und Frauen</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> mit ADHS unter anderem oft nicht diagnostiziert werden, weil sie weniger negativ auffallen</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">, z.B. in der Schule.</span> <span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">Das war ein Augenöffner. </span><span class="NormalTextRun CommentStart SCXW53393461 BCX8">Trotzdem relativierte ich während </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">de</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">r Anamnese</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> sämtliche </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">meiner</span> <span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">Aussagen und Selbstbeschreibungen und verließ den Raum unsicher.</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> Als ich den Befund in der Hand hielt, konnte ich es nicht glauben. Als ich es meinen Freund*innen erzählte, konnte ich es noch immer nicht glauben. Ich </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">glaubte und verstand es erst,</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> als ich begann </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">die Geschichte der Diagnose zu recherchieren und </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">die Berichterstattung zu </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">analysier</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">en</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> und feststellte, wie eingeschränkt der mediale, gesellschaftliche und medizinische Blick auf ADHS lange war und noch immer ist.</span></span><span class="EOP SCXW53393461 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW75016895 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW75016895 BCX8">Stereotypen und Gender Bias</span></span><span class="EOP SCXW75016895 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span data-contrast="auto">Wie die meisten Menschen, bin ich mit einem sehr stereotypen Bild von ADHS aufgewachsen. Bereits in meiner Kindheit festigte sich das Bild vom im Unterricht störenden Jungen, der nicht stillsitzen kann, Lehrer*innen gegenüber frech oder sogar aggressiv ist und deswegen wahrscheinlich mindestens eine Klassenstufe wiederholen muss. Im Gegensatz zu diesen Stereotypen kann ADHS sehr unterschiedlich aussehen. Die Symptome müssen bereits im Kindesalter präsent sein, in mehreren Lebensbereichen auftreten und die Betroffenen im Alltag einschränken. Sie dürfen ebenfalls durch kein anderes Krankheitsbild erklärt werden. Hohe Impulsivität bzw. geringe Impulskontrolle, geminderte Aufmerksamkeit, aber starke Schübe von Hyperfokus bei Themen und/oder Aktivitäten, die von persönlichem Interesse sind, motorische Hyperaktivität &amp; exekutive Dysfunktion, welche sich z.B. in Schwierigkeiten mit (Selbst-)Organisation oder Prokrastination zeigen können – doch das sind klinische Beschreibungen. Die Erfahrung von ADHS beschreiben Betroffene oft als einen konstanten Chaos im Kopf oder eine immerwährende Unruhe.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Der Grund für die teils zwar wahren, aber irreführenden Stereotypen und den damit einhergehenden, fehlenden Diagnosen bei Mädchen und Frauen liegt unter anderem in der Historie von ADHS.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Wissenschaftler*innen gingen lange davon aus, dass ADHS eine Störung ist, die nur im Kindesalter vorliegt und sich auswächst. Sie ist daher erst seit 1992 mit der damals aktuellen Version der </span><i><span data-contrast="auto">International Classification of Diseases</span></i><span data-contrast="auto"> (ICD 10) bei Erwachsenen diagnostizierbar. Gegenstand der Forschung waren bis in die achtziger Jahre Kinder, und vor allem Jungen. Die Geschichte der Ausgrenzung von Frauen aus der medizinischen und psychiatrischen Forschung ist auch </span><a href="https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Frauen-in-der-Medizin-Darum-werden-sie-haeufig-benachteiligt-,medizin284.html"><span data-contrast="none">heutzutage</span></a><span data-contrast="auto"> ein großes Problem. Patriarchale Sozialisation und geschlechtsbezogene Vorurteile wie Erwartungen </span><i><span data-contrast="auto">(Gender Bias)</span></i><span data-contrast="auto"> verändern sowohl die Präsentation als auch die Wahrnehmung von ADHS-Symptomen bei Mädchen und Frauen: sie internalisieren ihre Unruhe eher, sind besser in der Lage Verhalten zu kaschieren oder zu maskieren – sich sozial anzupassen. Sie neigen zu Höflichkeit und Zurückhaltung und behalten Probleme eher für sich. Die Erfahrung von der Norm abzuweichen wird schambehaftet, der Selbstwert leidet. Natürlich wird diese Erfahrung nicht nur von Frauen und Mädchen gemacht, generell hat ADHS eine hohe </span><a href="https://adhs-deutschland.de/begleitstoerungen/die-begleiterkrankungen-bei-adhs-assoziierte-stoerungen-oder-komorbiditaeten"><span data-contrast="none">Komorbidität</span></a><span data-contrast="auto"> mit psychischen, wie physischen Krankheiten und Störungen. Kinder mit ADHS haben in bis zu 30% der Fälle eine Rechen- oder Leserechtschreibschwäche. Bis zu 50% der Erwachsenen mit ADHS leiden im Laufe ihres Lebens unter einer Depression oder einer Angststörung, auch Bluthochdruck ist dreimal so häufig. Das Stereotyp, nur Jungen oder Männer seien betroffen, teilt sich ADHS mit der Autismus-Spektrum Störung. Und nicht nur das, die beiden Diagnosen konnten bis 2013 nicht simultan gestellt werden, da man davon ausging, sie würden einander ausschließen. Mittlerweile ist dies widerlegt und Studien vermuten, dass die beiden eine </span><a href="https://www.medicalnewstoday.com/articles/audhd#overview"><span data-contrast="none">hohe Komorbidität</span></a><span data-contrast="auto"> aufweisen können.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ob anerzogenes Verhalten, gesellschaftliche Erwartungen oder Komorbiditäten, meistens wird </span><span data-contrast="auto">eine</span><span data-contrast="auto"> ADHS als zugrunde liegende Problematik nicht erkannt, </span><a href="https://www.focus-gesundheit.de/magazin/gender-health-gap-adhs-wird-bei-frauen-oft-uebersehen"><span data-contrast="none">insbesondere bei Mädchen und Frauen</span></a><span data-contrast="auto">. Aber wie passt das zu den aktuellen Debatten um die sogenannte </span><i><span data-contrast="auto">„Modediagnose“</span></i><span data-contrast="auto"> ADHS?</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW72491651 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW72491651 BCX8">Über- oder Unterdiagnostiziert?</span></span><span class="EOP SCXW72491651 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span data-contrast="auto">Egal ob in Artikeln, Podcasts oder Reportagen – momentan wird viel über ADHS berichtet und diskutiert. Im </span><a href="https://www.swr.de/swrkultur/leben-und-gesellschaft/streit-um-adhs-ist-die-krankheit-eine-versteckte-begabung-forum-2025-01-31-100.html"><span data-contrast="none">SWR Kultur Forum</span></a><span data-contrast="auto"> wurde erst Ende Juli die Frage gestellt, ob es sich bei der Diagnose um </span><i><span data-contrast="auto">„eine Krankheit oder eine versteckte Begabung“</span></i><span data-contrast="auto"> handle und in der </span><a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/gesellschaft/adhs-krankheit-astrid-neuy-lobkowicz-e022255/?reduced=true"><span data-contrast="none">Süddeutschen Zeitung</span></a><span data-contrast="auto"> spricht die Ärztin Astrid Neuy-Lobkowicz darüber, dass sie pro Monat 350 Anfragen zu einer Diagnostik bekäme. Oft kommt die Frage, oder gar Behauptung auf, es handle sich bei ADHS um eine </span><a href="https://www.3sat.de/kultur/kulturplatz/kulturplatz-vom-29-maerz-2025-100.html"><span data-contrast="none">Modediagnose</span></a><span data-contrast="auto">. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sieht man sich die Daten aus den 2000er und 2010ern an, lässt sich eine vermehrte Häufigkeit von Diagnosen feststellen. So stieg zwischen 2009 und 2014 laut </span><a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/adhs-in-deutschland-trends-in-diagnose-und-medikamentoeser-therapie-a54340f8-3a0f-4c2e-bc8f-56ba5d5fd14e"><span data-contrast="none">einer Auswertung von Krankenkassendaten</span></a><span data-contrast="auto"> die Menge an Diagnosen bei 18–69-Jährigen von 0,2 auf 0,4 Prozent. Ebenso fand eine in der </span><i><span data-contrast="auto">Cambridge University Press</span></i><span data-contrast="auto"> veröffentlichte </span><a href="https://www.cambridge.org/core/journals/bjpsych-open/article/attentiondeficit-hyperactivity-disorder-diagnoses-and-prescriptions-in-uk-primary-care-20002018-populationbased-cohort-study/E0818CCAE895FF273C7448756CFB0066"><span data-contrast="none">Studie</span></a><span data-contrast="auto"> aus dem Jahr 2023 einen Anstieg an ADHS-Diagnosen in fast allen Altersgruppen in den Jahren 2000 bis 2018 in England.</span><br />
<span data-contrast="auto">Eine andere aktuelle</span> <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0165032725008638?via%3Dihub"><span data-contrast="none">Studie</span></a> <span data-contrast="auto">im </span><i><span data-contrast="auto">Journal of Affective Disorders </span></i><span data-contrast="auto">konnte hingegen keinen Anstieg in der globalen Prävalenz von ADHS seit 2020 feststellen. Sie merkt ebenfalls an, dass es aufgrund der Covid-19 Pandemie und unzureichenden, hochqualitativen Studien zur Thematik schwer ist, aussagekräftige Ergebnisse zur Prävalenz von ADHS zu erzielen. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Was jedoch in den in den letzten zehn Jahren enorm anstieg, ist die </span><a href="https://www.aerzteblatt.de/news/pravalenz-von-adhs-weltweit-nicht-angestiegen-nachfrage-nach-diagnostik-schon-20ea2623-4957-4438-aecf-bf28fe14e127"><span data-contrast="none">mediale Aufmerksamkeit</span></a><span data-contrast="auto"> für ADHS: zwischen Januar und Mai 2014 wurden global 5.775 Artikel zu ADHS veröffentlicht, im gleichen Zeitraum 2024 waren es 25.080 Artikel.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW23475743 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW23475743 BCX8">Einsamkeit, trotz Aufmerksamkeit</span></span><span class="EOP SCXW23475743 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="TextRun SCXW254402997 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Die größere gesellschaftliche und mediale Aufmerksamkeit ermöglicht es Betroffenen </span><span class="NormalTextRun CommentStart SCXW254402997 BCX8">einfacher an Informationen zur Störung kommen, somit</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> beginnen</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> bisherige Stigmata </span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">sich zu lösen</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> und die Menge an Menschen, die vermuten unter ADHS zu leiden, steigt. </span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Die Autor</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">*innen der Studie des </span></span><span class="TextRun SCXW254402997 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Journal </span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">of</span> <span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Affective</span> <span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Disorders</span> </span><span class="TextRun SCXW254402997 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">vermuten dies ebenso. Somit verlängern sich Wartelisten, bis sie geschlossen werden – ein relevanter Aspekt der ohnehin bereits bestehenden medizinischen- und vor allem psychiatrischen Unterversorgung: Kosten müssen entweder vollständig oder teils selbst erbracht werden, nur eine Minderheit des medizinischen Fachpersonals ist auf ADHS spezialisiert und behandelt, wie bereits erwähnt, oftmals unter einem Gender Bias. Der Prozess zur Diagnose und Behandlung, wie z.B. durch Medikation ist dadurch stark erschwert, in den meisten Fällen dauert es Jahre von eine</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">m</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> Ver</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">dacht</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> bis zur Behandlung.</span></span><span class="EOP SCXW254402997 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW105178728 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8">Von </span><span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8">Verklärung</span> <span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8">und</span><span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8"> Veränderung</span></span><span class="EOP SCXW105178728 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span data-contrast="auto">ADHSler*innen können durch ihre unkonventionelleren Denkweisen oft sehr kreativ und energiegeladen sein und besondere Problemlösungs-Kompetenzen aufweisen. Viele wollen diese Eigenschaften nicht missen und sich insbesondere nach einer späten Diagnose bestärken, ihr Sein frei und ohne Scham ausleben. Begleitet wird dies durch einen Perspektivwechsel, den Betroffene momentan zunehmend für sich schaffen. Statt ADHS als Störung zu bezeichnen, wird sie dem Konzept der Neurodivergenz zugeschrieben, dies</span><span data-contrast="auto"> lehnt </span><span data-contrast="auto">an das wesentlich ältere, </span><i><span data-contrast="auto">soziale Modell von Behinderung</span></i><span data-contrast="auto">, welches theoretisiert, dass psychische oder physische Einschränkungen bzw. Behinderungen durch soziale und gesellschaftliche Umstände erst zu Einschränkungen werden. So sieht das Konzept der Neurodivergenz neurobiologische Abweichungen nicht als krankhaft, sondern als Teil menschlicher Vielfalt. Der Begriff ist nicht neu, bereits 1998 schrieb der Journalist Harvey Blume im Atlantic zu Neurodiversity. Im Spektrum der Neurodiversität liegen ADHS, Autismus, Legasthenie, Dyskalkulie und Dyspraxie.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sowohl das soziale Modell von Behinderung als auch Neurodivergenz werden von Betroffenen wie Wissenschaftler*innen diskutiert, insbesondere weil es Einschränkungen gibt, die Betroffene unabhängig von ihrer Umwelt beeinträchtigen. Die Konzepte werden allerdings auch als sinnvoll erachtet um psychiatrische, medizinische und gesellschaftliche Institutionen und Normen zu kritisieren und (Selbst-)Akzeptanz zu stärken.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Auch die Berichterstattung zu ADHS legt ihr Augenmerk auf diese Wandlung und die neu gefundene Bestärkung der Identifikation mit Neurodivergenz, interpretiert diese jedoch als </span><i><span data-contrast="auto">„Hype“</span></i><span data-contrast="auto"> um die Störung – eine fehlgeleitete Konklusion. Der Spiegel beschreibt in einem gleichnamigen, aktuellen </span><a href="https://www.spiegel.de/kultur/adhs-diagnose-wie-der-hype-um-hyperaktivitaet-zu-steigenden-zahlen-fuehrt-a-c0060b55-88e5-40fc-9656-a4afd662ce04"><span data-contrast="none">Artikel</span></a> <i><span data-contrast="auto">„die neue Attraktivität“</span></i><span data-contrast="auto"> der Diagnose. Dort liegt die Problematik; obwohl Betroffene ihre Erfahrungen mit ADHS zu leben, ADHSler*innen </span><i><span data-contrast="auto">zu sein</span></i><span data-contrast="auto">, von Scham befreien und positives darin sehen, vielleicht sogar Vorteile finden, lässt nicht darauf schließen, die Diagnose würde als etwas Begehrliches gesehen. Ein nicht zu vernachlässigender Teil der aktuellen medialen Berichterstattung und Atmosphäre legen dies allerdings nahe. Man könne so weit gehen, es als neustes ADHS-Stereotyp zu sehen – etwas womit man sich gerne und leicht identifiziert, eine beliebte Gruppenzugehörigkeit. Die Wahrnehmung und Verbreitung von ADHS in Kultur und Gesellschaft sollte auch medial analysiert werden, doch das muss scharfsinnig und emphatisch geschehen. Denn wenn eine ADHS bei vielen Betroffenen, zumeist Frauen, erst im Erwachsenenalter erkannt wird, und dies nur nach einem langen Weg des Ungewissen und Scham, kann die Diagnose wirklich so populär sein?</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Titelbild unter Public Domain:<br />
Der Struwwelpeter: Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug Tafel 2, 1858, Heinrich Hoffmann</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-1" data-row="script-row-unique-1" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-1"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-3"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-3" data-row="script-row-unique-3" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-3"));</script></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Internetwahlkampf in England</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/neuwahlen-zum-bundestag-2005/wahlkampfukwahlkampf05050428-shtml-2742/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuwahlen zum Bundestag 2005]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlblog]]></category>
		<category><![CDATA[Parlamentswahl]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
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		<category><![CDATA[politisches Weblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Für Premierminister Tony Blair enthält die Wahl in Großbritannien am 5. Mai viel Zündstoff. Denn er will zum dritten Mal in Folge die Parlamentswahl gewinnen. Für deutsche Politiker, Wahlstrategen und Wahlkampfberater jeder Couleur bietet die laufende Wahlkampfmaschine der Briten im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl 2006 zündende Ideen. Ihre Mission: Neuigkeiten und denkbare Trends zu Politik, Public Affairs und politischer Kommunikation.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Für Premierminister Tony Blair enthält die Wahl in Großbritannien am 5. Mai viel Zündstoff. Denn er will zum dritten Mal in Folge die Parlamentswahl gewinnen. Für deutsche Politiker, Wahlstrategen und Wahlkampfberater jeder Couleur bietet die laufende Wahlkampfmaschine der Briten im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl 2006 zündende Ideen. Ihre Mission: Neuigkeiten und denkbare Trends zu Politik, Public Affairs und politischer Kommunikation.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">Der Countdown zur Wahl läuft in England auf Hochtouren. Blair steht momentan vor seiner härtesten Bewährungsprobe als Politiker. Im deutschen Wahlsystem hätte er – da stimmen die Meinungsumfragen überein – keine Chance, zum dritten Mal eine absolute Mehrheit im Parlament zu erzielen. Doch im Vereinigten Königreich ist einiges anders: Die Unterschiede in der Regelung zum Wahltermin, der Wahlkampfführung und dem Wahlsystem haben einen großen Einfluss auf den britischen Wahlkampf. Gewählt wird mindestens alle fünf Jahre, den genauen Wahltermin darf sich der amtierende Premierminister selbst aussuchen, muss ihn aber von der Queen genehmigen lassen. Der Wahlkampf konzentriert sich nur auf die Stimmbezirke, in denen knappe Ergebnisse zu erwarten sind und auf die Stammwähler. Denn bei der letzten Wahl in Großbritannien rutschte die Wahlbeteiligung unter 60 Prozent. Eine geringe Wahlbeteiligung würde vor allem Blairs Partei schaden. Es gibt eine sehr kurz gehaltene, knapp vierwöchige Wahlkampfperiode und das macht das Internet für den Wahlkampf so interessant.</p>
<p>Am 11. April diesen Jahres bat Blair die Queen, das Parlament aufzulösen. Seitdem haben Conservatives (Tory), Labour und andere Parteien die Möglichkeit, die Wähler mit einer schnellen Taktik über das Internet zu erreichen. Und von diesen Möglichkeiten wird ausführlich Gebrauch gemacht.</p>
<p>
                              <strong>Blogs sind die Highlights für schnelle Reaktionen im Wahlkampf</strong>
                            </p>
<p>Auf der Website<br />
                            <a href="http://www.politicsonline.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politicsonline.com</a> ist eine<br />
                            <a href="http://www.politicsonline.com/globalcontent/specialreports/2005/ukelections" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Übersicht</a> der Online-Angebote zur UK-Wahl nach Funktionen geordnet eingerichtet. Das Informationsangebot und vor allem die Motivation potentieller Wähler schreiben die Briten groß. Dem Wähler werden hier die neuesten Nachrichten, Tools und Strategien rund um die Wahl bereitgestellt. Jeder Surfer kann online vom Voting Assistance – der Wahl-Hilfe wie beispielsweise<br />
                            <a href="http://www.aboutmyvote.co.uk" target="_blank" rel="noopener noreferrer">aboutmyvote.co.uk</a> profitieren, die Details zu Wahlen auf nationaler und europäischer Ebene erläutert.</p>
<p>Über die Election Directories<br />
                            <a href="http://www.dowire.org/wiki/UK_elections" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DoWire.org</a> und<br />
                            <a href="http://www.psr.keele.ac.uk/area/uk/ge05.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Election 2005</a> – den so genannten Wahl-Verzeichnissen, kann jeder Politik-Anfänger zum echten Insider der britischen Parlamentswahl avancieren. Eine umfassende Wahlberichterstattung der im Lande relevanten Medien bietet Interessierten täglich Links zum Wahl-Countdown. Up-to-date und möglichst breit informiert sein, dies scheint in England kein Problem. Eine parteipolitisch neutrale Übersicht aller zur Wahl stehenden politischen Parteien vervollständigt das<br />
                            <a href="http://www.politicsonline.com/globalcontent/specialreports/2005/ukelections/#6" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Informationstool</a>. Selbstverständlich sind alle Angebote auch direkt verlinkt. Die Devise des Wahlkampfes bezeichnet ein extra Tool:<br />
                            <a href="http://www.politicsonline.com/globalcontent/specialreports/2005/ukelections/#2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Get Involved Online</a>. Hier können mitmachen. Es ist beispielsweise möglich, sich über die BBC die<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/1/hi/uk_politics/vote_2005/frontpage/4425283.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">News zur Wahlberichterstattung</a> direkt auf das Handy schicken zu lassen. Auch die unzähligen Wahl-Spezial-Wettseiten sind außerordentlich spannend. Gewinnt Labour 320, 340 oder 360 Sitze? Wie viele weibliche Abgeordnete werden gewählt? Unglaublich viele Angebote laden auch den hiesigen User ein, die im Vergleich zur britischen Insel niedrigen Löhne und Gehälter zu verwetten. Auch das bereits aus dem USA-Wahlkampf bekannte factcheck-Konzept ist im UK-Wahlkampf<br />
                            <a href="http://www.channel4.com/factcheck" target="_blank" rel="noopener noreferrer">übernommen</a> worden.</p>
<p>Die Highlights politischer Online-Kommunikation sind die Dienste und insbesondere das mittägliche Update von<br />
                            <a href="http://blogs.guardian.co.uk/election2005/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Guardian</a> und<br />
                            <a href="http://www.voidstar.com/ukpoliblog/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">UK Political Blogs</a>. Netztagebücher, Weblogs oder Blogs füllen unzählige Webseiten, die periodisch neue Einträge enthalten. Überall tummeln sich auf den britischen Online-Angeboten Blogger. Scheinbar der Idealfall erreicht? Auf alle Fälle reagieren Weblogs schneller auf Trends oder bieten weiterführende Informationen oder Links zu speziellen Themen. Die meisten Weblogs haben eine Kommentarfunktion. Dies ermöglicht es allen Usern, einen Eintrag zu kommentieren und so mit dem Autor oder anderen Lesern zu diskutieren.</p>
<p>Eine sehr gut durchdachte Unterstützung der immer wieder zu beantwortenden Frage eines geplagten Wählers „Wen soll ich bloß wählen?“ bietet die für die Wahlentscheidung eine nützliche Hilfe<br />
                            <a href="http://www.whoshouldyouvotefor.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">whoshouldyouvotefor.com</a>. Ziel der mit der deutschen interaktiven Wahlhilfe<br />
                            <a href="http://www.bpb.de/methodik/RHLDMF,,0,Willkommen_beim_WahlOMat.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahl-O-Mat</a> vergleichbaren Site ist, den Wählern mit einem simplen Tool die Wahlentscheidung zu erleichtern. Hier erhält der britische Wähler eine Wahlempfehlung zu einer Partei, die seine Interessen und Ansichten am besten vertritt. Vorausgesetzt, man hat über 25 Punkte zu Themen, wie Europa, Steuern, Rentner, Gesundheit, Kriminalität, Bildung oder Kinder abgestimmt.</p>
<p>Bei dieser Vorlage, so scheint es, können die deutschen Wahlkampfmanager in Bezug auf die Nutzung des Internets noch einiges lernen. Es bleibt abzuwarten, in welchem Ausmaß das Internet bei der Bundestagswahl 2006 in Deutschland eine Rolle spielen wird.<br />
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8216;Manchmal muss man grausame Fotos zeigen&#8217;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/manchmal-muss-man-grausame-fotos-zeigen-5347/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Wilde]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 15:35:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Focus]]></category>
		<category><![CDATA[Norwegen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Presserat]]></category>
		<category><![CDATA[Bild.de]]></category>
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					<description><![CDATA[Über den Terroranschlag in Oslo und auf Utoya wurde bereits ausführlich berichtet. An den deutschen Pressekodex sowie den Schutz von Opfern und Angehörigen hielten sich bei der Berichterstattung nur wenige Journalisten. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über den Terroranschlag in Oslo und auf Utoya wurde bereits ausführlich berichtet. An den deutschen Pressekodex sowie den Schutz von Opfern und Angehörigen hielten sich bei der Berichterstattung nur wenige Journalisten. </p>
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<!--break-->
</p>
<p>
Der 22 Juli 2011 wird für immer ein schwarzer Tag in der Geschichte Norwegens und Europas sein. Mindestens 76 Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben, für ihre Angehörigen und Freunde sowie für die ganze Nation und Europa wird die Welt wohl für immer eine andere sein.
</p>
<p>
Nationale und internationale Medien waren bereits kurz nach dem Bombenanschlag in Oslo vor Ort und berichteten über die fürchterlichen Ereignisse. Innerhalb kürzester Zeit waren auf YouTube Videos aus dem Regierungsviertel zu sehen, auf bild.de wurde ein „Liveticker“ eingerichtet. Mit diesem konnte man in Echtzeit verfolgen, wie Familien um ihre Kinder bangten, die auf der Insel Utoya von einem zu dem Zeitpunkt noch unbekannten Attentäter verfolgt, bedroht und getötet wurden. Wenige Minuten nach der Tat veröffentlichten die ersten Online-Newsportale Bilder von der Insel, von Verletzten und in manchen Fällen auch von Toten. Es wurden verzweifelte Angehörige interviewt, die noch nicht wussten, ob ihre Kinder noch lebten. Andere Medien mutmaßten bereits während der Ereignisse, dass fundamentalistische Islamisten für die Tat verantwortlich seien. Als bekannt wurde, dass ein Norweger, der anti-muslimische Ideologien verfolgte, für die Tat verantwortlich war, wurden Bilder des Täters in Kampfmontur veröffentlicht. Am Tag nach dem Anschlag wurden sein an wirrer Ideologie, Brutalität und Perversion kaum zu übertreffendes Pamphlet und ein dazugehöriges YouTube Video veröffentlicht. In einigen Online-Artikeln wurde auch in Deutschland auf das sogenannte Manifest verlinkt.
</p>
<p>
Die Frage bleibt, ob die Veröffentlichungen in dieser Form nötig waren. Haben deutsche Medien richtig reagiert, sind Journalisten und Redakteure ihrer ethischen Verantwortung nachgekommen? Kann man in Zeiten der digitalen, immer schneller werdenden Berichterstattung überhaupt noch erwarten, dass sich Reporter darauf besinnen, das Wohl der Opfer und Angehörigen über den Sensationswert einer Nachricht zu stellen?
</p>
<p>
Wenn man sich den Pressekodex des deutschen Presserats genauer ansieht, scheint es, als hätten einige Medien gegen diesen in zahlreichen Fällen verstoßen.
</p>
<p>
Ziffer 4:„Bei der Recherche gegenüber schutzbedürftigen Personen ist besondere Zurückhaltung geboten. Dies betrifft vor allem Menschen, die sich nicht im Vollbesitz ihrer geistigen oder körperlichen Kräfte befinden oder einer seelischen Extremsituation ausgesetzt sind, aber auch Kinder und Jugendliche. Die eingeschränkte Willenskraft oder die besondere Lage solcher Personen darf nicht ausgenutzt werden.“
</p>
<p>
In der Extremsituation in Oslo und Utoya war gegenüber den jugendlichen Opfern und ihren Angehörigen keine besondere Zurückhaltung geboten.
</p>
<p>
In Ziffer 11 des Kodex wird genauer beschrieben, wie sich die Presse im Falle einer „Sensationsberichterstattung“ zu verhalten hat, im Besonderen wird auf den Jugendschutz eingegangen.
</p>
<p>
„Unangemessenen sensationell ist eine Darstellung, wenn in der Berichterstattung der Mensch zum Objekt, zu einem bloßen Mittel, herabgewürdigt wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn über einen sterbenden oder körperlich oder seelisch leidenden Menschen in einer über das öffentliche Interesse und das Informationsinteresse der Leser hinausgehenden Art und Weise berichtet wird. Bei der Platzierung bildlicher Darstellungen von Gewalttaten und Unglücksfällen auf Titelseiten beachtet die Presse die möglichen Wirkungen auf Kinder und Jugendliche.“
</p>
<p>
Bilderreihen, wie auf Fokus Online erschienen, zeigen trauernde und schwer verletzte Menschen. Ist es tatsächlich im öffentlichen Interesse, dieses Leid zu verfolgen? Ella Wassink, Sprecherin des Deutschen Presserats, äußerte sich dazu gegenüber politik-digital.de: „Manchmal muss man grausame Fotos zeigen, vielleicht auch um Verständnis zu wecken und um das ganze Ausmaß zu erklären“.
</p>
<p>
Der Pressekodex sagt jedoch etwas anderes: „Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt vor dem Leid der Opfer und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zum Opfer werden.“
</p>
<p>
Diskussionswürdig ist auch die Darstellung des Täters in den Medien. Das erklärte Ziel des Norwegers war es, möglichst viel Aufmerksamkeit und Medienpräsenz zu erlangen. Auf die Frage, ob es nicht unangemessen sei, inszenierte Bilder und das Manifest des Täters zu veröffentlichen, antwortete Ella Wassink vom Presserat: „Ich denke einfach, dass es in diesem Fall ganz klar zu dem Hintergrund gehört. Diese Tat ist so unfassbar, dass man natürlich nach Erklärungen sucht und die Medien darüber berichten müssen“.
</p>
<p>
Es ist richtig, dass Medien die offensichtlichen Informationen über den Täter der Öffentlichkeit nicht vorenthalten sollten. Dennoch setzt der Kodex auch hier eine klare Grenze:
</p>
<p>
„Die Veröffentlichung so genannter Verbrecher-Memoiren verstößt gegen die publizistischen Grundsätze, wenn Straftaten nachträglich gerechtfertigt oder relativiert werden, die Opfer unangemessen belastet und durch eine detaillierte Schilderung eines Verbrechens lediglich Sensationsbedürfnisse befriedigt werden.“
</p>
<p>
Auch das 1515 Seiten lange sogenannte Manifest des Täters wurde in der Online Ausgabe des <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/zur-leser-debatte-um-das-breivik-manifest/4437518.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tagesspiegel</a> verlinkt. Diese Maßnahme der Redaktion führte zu einer hitzigen Diskussion auf der Website, da sich viele Leser die Frage stellten, ob man eine unbegreifbare Tat dadurch verstehen kann, indem man die wirren Ideologien des Täters analysiert bzw. zugänglich macht. Die Frage, welchen und wie viel Raum der Täter dadurch bekommt, muss gestellt werden. Und auch die, ob Eltern und Angehörige von Opfern eine von den Medien durchgeführte Psychoanalyse des Täters lesen wollen oder sollten,  die ausgerechnet diesen wieder in den <a href="http://www.wuv.de/nachrichten/medien/norwegen_und_das_medien_massaker_ein_taeter_darf_nicht_abgebildet_werden" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fokus rückt</a>.
</p>
<p>
Es ist schwieriger geworden, die steigende Zahl der publizierenden Journalisten und Autoren mit Moralappellen zu erreichen. Ella Wassink vom Presserat erklärt, dass der Presserat nicht jeden im Netz agierenden „selbsternannten Journalisten“ auf seine moralische Verantwortung hinweisen könne. „Die Journalisten, die eine entsprechende Ausbildung haben, sind sich des Pressekodex in der Regel bewusst“, so Wassink.<br />
Dennoch druckte die Bild-Zeitung fünf Tage nach der Tat einen SMS-Dialog zwischen einer verzweifelten Mutter und ihrer auf der Insel um ihr Leben bangende Tochter ab.
</p>
<p>
Christoph Bieber ist Professor für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft an der Universität Duisburg-Essen. Er ist der Ansicht, dass die meisten Journalisten und Redaktionen sich durchaus Gedanken darüber machen, was publiziert wird und was nicht. Da aber die Publikationshoheit der Medien derzeit durch das Internet verloren gehe, „wird vielleicht versucht werden, Bilder oder weitere Materialien zurückzuhalten, doch lässt sich dadurch die Verbreitung problematischer Inhalte nicht verhindern. Sobald Informationen in digitaler Form vorliegen, werden sie auch veröffentlicht werden – die Frage ist allerdings, von wem und in welchem Rahmen.“ Auch Ella Wassink meint, dass der Presserat keine Qualitätsminderung im Journalismus erkennen kann, wenn es darum geht, den Pressekodex einzuhalten. „Zumindest können wir das anhand unserer Beschwerden, auch wenn die steigend sind, nicht unbedingt belegen.“
</p>
<p>
Christoph Bieber findet, dass zumindest die Qualitätsmedien sich mit den Attentaten in Norwegen angemessen auseinandersetzen: „Gerade die Qualitätszeitungen bieten auch viele gute Interpretationsangebote, die zum besseren Verständnis der Ereignisse beitragen können.“ Er hält es generell nicht für falsch, dass solche Analysen angeboten würden, „es muss aber darüber diskutiert werden, wie weit Journalisten gehen dürfen und wie die Berichterstattung auszusehen hat. Es ist eben ein großer Unterschied, ob über das Manifest berichtet, daraus zitiert wird, es einen Link zum Volltext gibt oder sogar die Datei zum Download bereit gestellt wird“.
</p>
<p>
Um besser auf Verstöße gegen journalistische Leitlinien und Selbstverpflichtungen reagieren zu können, schlägt Bieber die Errichtung einer Online-Plattform vor, auf der Hinweise zum fragwürdigen Umgang mit Nachrichten und Bildern gesammelt werden. Frei nach dem Vorbild des „GuttenPlag Wiki“ ginge es hier um eine Plattform zur öffentlichen Kollaboration. Bislang nimmt der Presserat Beschwerden über ein Online-Formular entgegen, ein für alle einsehbares Wiki wäre ein Schritt in Richtung mehr Transparenz.
</p>
<p>
Bieber nennt hier auch das Leitprinzip der „sousveillance“, der Beobachtung von unten, im Gegensatz zum klassischen Überwachungsmodell durch eine zentrale Institution („surveillance“). Somit könne jeder Einzelne, dem ethische Verstöße in der Presse auffallen, nicht nur seinen Unmut darüber im Netz äußern, sondern „diese Empörung auf einer Plattform bündeln und kanalisieren“. Seiner Ansicht nach wäre das ein erfolgversprechendes Angebot für den ethischen Umgang mit Informationen in einer vernetzten Medienlandschaft. „Solche Maßnahmen sind in Zukunft erfolgversprechender, als die klassische Vorgehensweise des Presserats als Institution, die sich zu einem Thema äußert und dann hofft, dass diese Empfehlungen dementsprechend umgesetzt werden.“
</p>
<p>
Im Fall der Anschläge von Oslo bleibt bei der Berichterstattung ein übler Nachgeschmack. In diversen Fällen wurde gegen den Pressekodex verstoßen, um Verkaufs- oder Klickzahlen zu steigern. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Diskussion über den Umgang mit solchen Ereignissen in den Medien jetzt beginnt, um zukünftig das Wohl der Opfer und Angehörigen stärker in den Mittelpunkt zu stellen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Al Jazeera setzt auf soziale Medien</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/al-jazeera-setzt-auf-soziale-medien-5258/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 May 2011 13:19:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Al Jazeera]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[The Stream]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
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					<description><![CDATA[<img height="98" width="308" align="left" src="/sites/politik-digital.de/files/thestream.png" />Der im Emirat Katar beheimatete TV-Sender Al Jazeera setzt schon länger auf eine Symbiose von klassischer Fernsehberichterstattung und dem Einsatz neuer Medien. Mit dem Projekt „The Stream“ gibt Al Jazeera den Nutzern sozialer Medien noch mehr Raum im eigenen Programm.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/thestream.png" alt="" width="308" height="98" align="left" />Der im Emirat Katar beheimatete TV-Sender Al Jazeera setzt schon länger auf eine Symbiose von klassischer Fernsehberichterstattung und dem Einsatz neuer Medien. Mit dem Projekt „The Stream“ gibt Al Jazeera den Nutzern sozialer Medien noch mehr Raum im eigenen Programm.</p>
<p>Insbesondere im Zusammenhang mit der <a href="/info-links-zur-arabischen-revolution" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arabischen Revolution</a> wurde sehr deutlich, dass sich <a href="http://english.aljazeera.net/watch_now/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Al Jazeera</a> bei seiner Berichterstattung zunehmend auf die neuen Medien stützt. Ob Facebook, Twitter, YouTube oder Skype – der arabische Sender nutzt konsequent die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten. Mit dem vor etwas mehr als einem Monat gestarteten Projekt „<a href="http://stream.aljazeera.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Stream</a>“ baut der TV-Sender seine Social Media-Aktivitäten weiter aus (siehe auch: <a href="http://stream.aljazeera.com/story/the-stream-press" target="_blank" rel="noopener noreferrer">internationale Presseschau</a>). Dabei handelt es sich um weit mehr als eine 30-minütige Show, die täglich ausgestrahlt wird. Mit „The Stream“ soll eine Social Media-Community rund um den Globus geschaffen werden, die mit der TV-Show „The Stream“ bei Al Jazeera ihr eigenes Programm erhalten soll &#8211; bislang nur als englischsprachiges Angebot.</p>
<p align="center"><a class="colorbox" href="/wp-content/uploads/thestream-screenshot.png"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/thestream-screenshot.png" alt="" width="300" height="230" align="middle" /></a></p>
<p align="center"><strong><br />
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken) </strong></p>
<p>In jedem Fall ein innovativer Ansatz, den es in dieser Form bei Konkurrenzangeboten wie CNN bisher nicht gibt. Das Ziel ist es, mit weniger bekannten Online-Communities weltweit in Verbindung zu treten und deren Geschichten und Standpunkte in einer Art „Nachricht des Tages“ bzw. als „Top Story“ zu teilen. „The Stream“ will unbekannten Stimmen eine Plattform für Diskussionen bieten sowie neue Perspektiven und Blickwinkel auf Nachrichten zulassen. Ein zentraler Bestandteil der TV-Show „The Stream“ ist es, die Zuschauer bei der Entdeckung neuer Online-Tools zu unterstützen und sie bei der Erschließung und dem Teilen von Informationen über die sozialen Netzwerke zu beraten.</p>
<p>Auf Anfrage von politik-digital.de berichtet der Moderator des TV-Formats Derrick Ashong, dass das Produktionsteam stetig das Feedback der Nutzer auf der <a href="http://stream.aljazeera.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eigenen Webseite</a>, <a href="https://www.facebook.com/AJStream" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook</a> und <a href="http://twitter.com/AJStream" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter</a> im Blick hat und im ständigen Dialog mit ihnen stehe. Am einfachsten sei es, per Tweet mit dem Team in Verbindung zu treten. „Die Nutzer können uns Stories vorschlagen, über die wir dann berichten, aktuelle oder frühere „The Stream“-Themen kommentieren oder interessante Inhalte teilen und mit anderen Zuschauern in Kontakt treten“, so Ashong.</p>
<p>So wurde in einer der <a href="http://stream.aljazeera.com/story/bangladesh-aborigines" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ersten Sendungen vom 28. April</a> unter dem Titel „Bangladesh&#8217;s Forgotten People“ das Schicksal der indigenen Bevölkerung in Bangladesch thematisiert. Seit vielen Jahren sind die vornehmlich in den Chittagong Hill Tracts lebenden Stämme Opfer von <a href="http://www.medico.de/themen/gesundheit/dokumente/medico-nothilfe-in-bangladesh/3742/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">anhaltenden Menschenrechtsverletzungen</a> seitens Siedlern und Militär. Eine von <a href="http://stream.aljazeera.com/stories" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vielen weiteren Geschichten</a>, die in den Mainstream-Medien gewöhnlich kaum Platz finden.</p>
<div align="center"><iframe src="http://www.youtube.com/embed/r6tG0VpiejQ" frameborder="0" width="480" height="349"></iframe></div>
<p align="center">
<p align="center"><strong>&#8220;The Stream&#8221;-Sendung vom 28. April mit dem Thema „Bangladesh&#8217;s Forgotten People“ unter der Moderation von Derrick Ashong</strong><strong><br />
</strong></p>
<p>Das bisherige Feedback sei sehr positiv, meint Ashong. „Einer der Hauptgründe für den Start des Programms ist, dass es eine Zielgruppe für einen intelligenten, interaktiven Diskurs gibt, der sich aus dem Publikum selbst, seinen redaktionellen Ideen und Inspirationen schöpft.“ Oft sei es nur Augenwischerei, wenn soziale Medien in den Mainstream-Medien zum Einsatz kommen.</p>
<p>Das Team von „The Stream“ nutze die sozialen Medien jedoch als Motor, der das Publikum zur Beteiligung antreibe. Zwar sei es noch zu früh, um definitiv zu sagen, wer dieses Publikum ist: „Aber unserer Meinung nach handelt es sich dabei um die Generation einer vernetzten, global denkenden Jugend, die daran interessiert ist, bei globalen Entwicklungen mitzureden.“ Al Jazeera hat hier einen innovativen Test-Ballon aufsteigen lassen, der im besten Fall zu neuen Horizonten in der Verschmelzung von klassischer Berichterstattung und der Internet-Kommunikation vorzudringen vermag. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedoch sehr schwierig einzuschätzen, wohin sich das Social-Media-Experiment entwickeln wird. Dazu ist es noch zu jung. Stephen Phelps, geschäftsführender Produzent bei Al Jazeera, stellte <a href="http://www.niemanlab.org/2011/04/a-web-community-with-a-tv-show-inside-the-streams-efforts-to-turn-broadcasting-into-a-social-medium/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in einem Interview</a> kürzlich fest: „In einem oder zwei Jahren würde ich gerne vier Folgen pro Tag und sieben Tage die Woche bei Al Jazeera auf Englisch und Arabisch in der TV-Übertragung sehen. […] Bei den Social Media geht es um Community. Wir müssen eine aufbauen und ihr unser Gehör schenken.“</p>
<p>Die Quellen für Geschichten, erklärt Stephen Phelps, seien fast unendlich. Man sei nicht mehr auf Reporter, Crews oder Satelliten angewiesen, um über diese Geschichten auf eine mediengerechte Weise zu berichten.</p>
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		<title>Die Landtagswahlen in der Blogschau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Jan 2008 18:06:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Fernsehen bringt Sondersendungen mit Hochrechnungen Interviews und Liveschaltungen, auf Online-Nachrichtenplattformen kann man die neuesten Hochrechnung als Flash-Animation bewundern und die Print-Presse berichtet am Tag danach. Wie aber reagierte die Blogosphäre auf die Wahlen in Hessen und Niedersachsen?
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Fernsehen bringt Sondersendungen mit Hochrechnungen Interviews und Liveschaltungen, auf Online-Nachrichtenplattformen kann man die neuesten Hochrechnung als Flash-Animation bewundern und die Print-Presse berichtet am Tag danach. Wie aber reagierte die Blogosphäre auf die Wahlen in Hessen und Niedersachsen?<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Die aktuelle <a href="http://www.wikio.de/blogs/top/politik" target="_blank" title="Wikio Top-Ten der Politik-Blogs " rel="noopener noreferrer">Wikio-Top-Ten der Politik-Blogs</a> scheint die Ergebnisse der Wahl in Hessen und Niedersachsen eher weniger zu interessieren.<br />
Zwar wurde der ein oder andere Eintrag im Laufe des Wahlsonntags verfasst, die Wahlberichterstattung bleibt jedoch weiterhin Steckenpferd der klassischen Medien und ihrer Online-Angebote.<br />
Die Stärke der Blogs liegt eher darin, sich kleinen Teilbereichen oder Nebenschauplätzen der Wahlen zu widmen.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Top Ten der Politik-Blogs</b>
</p>
<p>
Netzpolitik.org (Platz 1) unterstützte zum Beispiel einen Aufruf des CCC, doch selbst Wahlbeobachter zu werden, um den Einsatz von Wahlcomputern in Hessen zu beobachten. Am Wahlsonntag bestand die Berichterstattung dann nicht aus Wahlergebnissen, sondern den <a href="http://netzpolitik.org/2008/erste-berichte-von-der-wahlbeobachtung-in-hessen/" target="_blank" title="Wahlbeobachter" rel="noopener noreferrer">Berichten der Wahlbeobachter</a>.<br />
Auch die Autoren anderer Blogs befassten sich mit diesem Thema.
</p>
<p>
Ähnlich speziell sah es bei <a href="http://npd-blog.info/?cat=16" target="_blank" title="NPD-blog.info" rel="noopener noreferrer">NPD-blog.info</a> (Platz 5) aus. Ganz der  Zielsetzung des Blogs als kritisches NPD-Watchblog folgend beschäftigte sich der Autor Patrick Gensing überwiegend dem Abschneiden der rechten NPD.
</p>
<p>
Andere Blogs unter den Top 10 wie zum Beispiel <a href="http://lumma.de/eintrag.php?id=3714" target="_blank" title="Lummaland" rel="noopener noreferrer">Lummaland</a> (Platz 4) und <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=2922" target="_blank" title="NachDenkSeiten" rel="noopener noreferrer">NachDenkSeiten</a> (Platz 6) beschränken sich auf einen mehr oder weniger kurzen Artikel über die Wahlen und den Ergebnissen.
</p>
<p>
Kurz und prägnant befassten sich die Macher von <a href="http://redblog.twoday.net/stories/4653851/" target="_blank" title="redblog" rel="noopener noreferrer">redblog</a> (Platz 8) mit dem Thema Landtagswahlen. Sie beschränkten sich darauf, das Wahlwochenende &#8211; getreu des Mottos „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ &#8211; mit einem Foto der SPD-Kandidatin Ypsilanti und ihres CDU-Konkurrenten dem aktuellen Ministerpräsident Roland Koch zu kommentieren &#8211; Bildtitel: „Dann machen wir es eben gemeinsam und haben uns lieb!“
</p>
<p>
Es gibt jedoch auch Ausnahmen. <a href="http://www.patje.de/2008/01/27/live-blogging-landtagswahlen-in-hessen-und-niedersachsen/" target="_blank" title="Wahl-Live-Blog" rel="noopener noreferrer">PatJe.de</a> (PLatz 9) statete am Sonntagabend einen vierstündigen Liveblog zur Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Und sonst?</b>
</p>
<p>
Sonst sind die Beiträge zur Kommentare zur Wahl bunt gemischt. Von „<a href="http://www.it-guerilla.de/2008/01/28/eine-qual-mit-der-wahl/" target="_blank" title="Eine Qual mit der Wahl" rel="noopener noreferrer">Eine Qual mit der Wahl</a>“  über „<a href="http://blog.datentrampelpfad.de/archives/408-Ausgekocht.html" target="_blank" title="Ausgekocht" rel="noopener noreferrer">Ausgekocht</a>“ bis hin zu „<a href="http://zweicent.brostedt.de/index.php/2008/01/wenn-die-ampel-rot-zeigt-seh-ich-schwarz/" target="_blank" title="Rote Ampel" rel="noopener noreferrer">Wenn die Ampel rot zeigt, seh ich schwarz</a>“ ist alles dabei.
</p>
<p>
Auch mit Wahlfazits wie „<a href="http://granad.pytalhost.net/drupal/?q=denn-sie-wissen-nicht-was-sie-whlen-sollen" target="_blank" title="Denn sie wissen nicht..." rel="noopener noreferrer">Denn sie wissen nicht was sie wählen (sollen)&#8230;</a>“ oder „<a href="http://www.ingovogelmann.com/2008/01/28/chronische-ignoranz-hilft-nicht/" target="_blank" title="Chronische Ignoranz" rel="noopener noreferrer">Chronische Ignoranz hilft nicht</a>“ wird nicht gespart.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Parteien und Blogs</b>
</p>
<p>
Parteien-Weblogs waren zwar ohnehin alles andere als ein großer Trend des Wahlkampfes, aber  &#8211; sofern vorhanden  &#8211; scheinen aktuelle Einträge im Stress des Wahlwochenendes in Vergessenheit geraten zu sein. Berichte über den Ausgang oder Stellungnahmen sucht man im <a href="http://www.die-zeit-ist-reif.de/" target="_blank" title="Blog der SPD Hessen" rel="noopener noreferrer">Blog der SPD Hessen</a> vergeblich. Der letzte Eintrag stammt von Freitagnachmittag.
</p>
<p>
Auch das <a href="http://www.schwarzbuchkoch.de" target="_blank" title="schwarzbuschkoch" rel="noopener noreferrer">schwarzbuchkoch</a>, des Landesverband Hessen von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN macht da keine Ausnahme. Das Blog, in dem Internetnutzer die Möglichkeiten haben, die Politik des bisherigen Ministerpräsidenten Roland Koch zu kritisieren, war allerdings auch nicht als aktuelle Informationsplattform, sondern als Kritik-Sammlung an Roland Koch konzipiert.</p>
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		<title>Spitzenkandidaten und Wahlerfolg</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/spitzenkandidaten_und_wahlerfolg_0-34/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
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					<description><![CDATA[Personalisierung - Kompetenz - Parteien: Ein internationaler Vergleich von Dr. Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Augsburg</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Personalisierung &#8211; Kompetenz &#8211; Parteien: Ein internationaler Vergleich von Dr. Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Augsburg<br />
Die Wahlkampfstrategie der Grünen im Bundestagswahlkampf 2002 war genau auf ihren Spitzenkandidaten Joschka Fischer zugeschnitten. Der beliebteste deutsche Politiker lächelte von zahlreichen Plakaten, absolvierte eine Unmenge von Wahlkampfauftritten und witzelte bei Harald Schmidt. Als die ersten Hochrechnungen am Wahlsonntag bekannt wurden, krächzte er mit heiserer Stimme: „Wir haben unser Ziel erreicht!“ Joschkas Partei hatte ein unerhört gutes Ergebnis eingefahren und die Berichterstatter waren sich einig, dass das vor allem dem Außenminister zu verdanken sei. Ein Beweis für die totale Personalisierung der Politik?<br />
Frank Brettschneider ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Augsburg und hat darüber ein Buch geschrieben. „Spitzenkandidaten und Wahlerfolg“ wurde allerdings nicht etwa in fünf Tagen verfasst, sondern beschäftigt sich mit mehr als 30 Wahlen im Zeitraum von 1960 bis 2000 in der Bundesrepublik Deutschland, den USA und Großbritannien. Entsprechend gründlich hat Brettschneider auch recherchiert, in wie weit die vorherrschende Meinung der erhöhten Personalisierung im Wahlkampf tatsächlich der Wahrheit entspricht.<br />
<strong>Was ist Personalisierung?<br />
</strong> Was unter „Personalisierung der Politik“ überhaupt zu verstehen ist, variiert von Autor zu Autor. Brettschneider unterscheidet deshalb zwischen Personalisierung in Bezug auf die Wahlkampfführung, die Medienberichterstattung und das Wählerverhalten. „Stellenwert von Kandidatenorientierungen im sozialpsychologischen Modell“ nennt der Wissenschaftler schon seinen ersten Teil. Doch halb so wild, das Modell selbst ist nämlich einfacher zu verstehen als sein Name, Brettschneider modifiziert es auch noch und unterzieht das modifizierte Modell einem Praxistest: Die Parteiidentifikation ist demnach ein langfristiger Faktor, Parteien- und Kandidatenorientierungen sind dagegen kurzfristige Faktoren, zusammen bestimmen sie die letztendliche Wahlentscheidung. Bei der Untersuchung geht es Brettschneider nicht um kurzfristige Trends, sondern um Regelmäßigkeiten. Alles empirisch im zweiten Teil des Buches belegt, versteht sich. Wobei der Autor zugibt, dass die Datenlage äußerst unbefriedigend sei.<br />
<strong>Kandidatenorientierung und Wählerverhalten<br />
</strong> Sein Ergebnis für die „erste Personalisierungsbehauptung“ ist trotzdem deutlich. Sie ist falsch, „Candidate-Voting“ variiert von Wahl zu Wahl und Land zu Land, es gibt keinen längerfristigen Trend. Natürlich hängt die Personalisierung des Wählerverhaltens stark von verschiedensten Bedingungen ab. Bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen ist der Kandidat wichtiger als seine Partei. Wenn für die Wähler kaum Unterschiede in den Parteiprogrammen zu erkennen sind, orientieren sie sich stärker an den Kandidaten. Und je weniger sich diese ähneln, desto wichtiger ihre Person für die Wahlentscheidung. Vor allem Wechselwähler neigen zum „Candidate-Voting“, beispielsweise wenn sie den Kandidaten „ihrer“ Partei negativ, seinen Kontrahenten hingegen positiv.<br />
<strong>Wahlkampfführung<br />
</strong> Auch die „zweite Personalisierungsbehauptung“ widerlegt der Professor. Danach seien unpolitische Merkmale für die Beurteilung der Kandidaten in den letzten Jahrzehnten wichtiger geworden. Davon gingen wahrscheinlich auch die Christdemokraten aus, als sie Michael Spreng als Wahlkampfmanager holten und fortan Home-Stories über Edmund Stoiber in Boulevard-Blättern platzierten. Doch nichts dergleichen ist belegt, im Gegenteil. Wähler orientieren sich viel stärker an „Leadership-Qualitäten“ wie Führungsstärke, Entscheidungsfreude und Tatkraft als an Alter, Charme und Ausstrahlung. Weiterhin behauptet Brettschneider, die Wahlkampfführung sei zwar professionalisiert, doch nicht personalisiert worden. Es habe immer mal wieder stärker personalisierte Wahlkämpfe gegeben, wie bei der „Willy-Wahl“ 1972 oder unter Konrad Adenauer. Wenn, dann sei dieser Trend in den USA anzutreffen, dort institutionell bedingt durch die sogenannten „Primaries“. Trotz Fernseh-Wahlkampf und amerikanisierten Methoden stehen bei deutschen Wählern immer noch die Themen im Vordergrund.<br />
<strong>Medienberichterstattung<br />
</strong> Immerhin, in einem Bereich sieht auch Brettschneider die fortschreitende Personalisierung. Die Medienberichterstattung konzentriere sich tatsächlich immer mehr auf die Spitzenkandidaten, und zwar in allen drei untersuchten Ländern. Er bilanziert dies nicht ohne eine ironische Anmerkung. Gerade diejenigen betreiben eine verstärkte Personalisierung, die die „Personalisierung der Politik“ immer stärker beklagen und darin eine Gefahr für die Demokratie befürchten.<br />
Alles in allem ein ziemlich wissenschaftliches Buch, dessen Ergebnisse direkt nach dem Wahlkampf 2002 ein wenig unglaubwürdig wirken.</p>
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		<title>Spitzenkandidaten und Wahlerfolg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Personalisierung - Kompetenz - Parteien: Ein internationaler Vergleich von Dr. Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Augsburg</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Personalisierung &#8211; Kompetenz &#8211; Parteien: Ein internationaler Vergleich von Dr. Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Augsburg<br />
Die Wahlkampfstrategie der Grünen im Bundestagswahlkampf 2002 war genau auf ihren Spitzenkandidaten Joschka Fischer zugeschnitten. Der beliebteste deutsche Politiker lächelte von zahlreichen Plakaten, absolvierte eine Unmenge von Wahlkampfauftritten und witzelte bei Harald Schmidt. Als die ersten Hochrechnungen am Wahlsonntag bekannt wurden, krächzte er mit heiserer Stimme: „Wir haben unser Ziel erreicht!“ Joschkas Partei hatte ein unerhört gutes Ergebnis eingefahren und die Berichterstatter waren sich einig, dass das vor allem dem Außenminister zu verdanken sei. Ein Beweis für die totale Personalisierung der Politik?<br />
Frank Brettschneider ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Augsburg und hat darüber ein Buch geschrieben. „Spitzenkandidaten und Wahlerfolg“ wurde allerdings nicht etwa in fünf Tagen verfasst, sondern beschäftigt sich mit mehr als 30 Wahlen im Zeitraum von 1960 bis 2000 in der Bundesrepublik Deutschland, den USA und Großbritannien. Entsprechend gründlich hat Brettschneider auch recherchiert, in wie weit die vorherrschende Meinung der erhöhten Personalisierung im Wahlkampf tatsächlich der Wahrheit entspricht.<br />
<strong>Was ist Personalisierung?<br />
</strong> Was unter „Personalisierung der Politik“ überhaupt zu verstehen ist, variiert von Autor zu Autor. Brettschneider unterscheidet deshalb zwischen Personalisierung in Bezug auf die Wahlkampfführung, die Medienberichterstattung und das Wählerverhalten. „Stellenwert von Kandidatenorientierungen im sozialpsychologischen Modell“ nennt der Wissenschaftler schon seinen ersten Teil. Doch halb so wild, das Modell selbst ist nämlich einfacher zu verstehen als sein Name, Brettschneider modifiziert es auch noch und unterzieht das modifizierte Modell einem Praxistest: Die Parteiidentifikation ist demnach ein langfristiger Faktor, Parteien- und Kandidatenorientierungen sind dagegen kurzfristige Faktoren, zusammen bestimmen sie die letztendliche Wahlentscheidung. Bei der Untersuchung geht es Brettschneider nicht um kurzfristige Trends, sondern um Regelmäßigkeiten. Alles empirisch im zweiten Teil des Buches belegt, versteht sich. Wobei der Autor zugibt, dass die Datenlage äußerst unbefriedigend sei.<br />
<strong>Kandidatenorientierung und Wählerverhalten<br />
</strong> Sein Ergebnis für die „erste Personalisierungsbehauptung“ ist trotzdem deutlich. Sie ist falsch, „Candidate-Voting“ variiert von Wahl zu Wahl und Land zu Land, es gibt keinen längerfristigen Trend. Natürlich hängt die Personalisierung des Wählerverhaltens stark von verschiedensten Bedingungen ab. Bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen ist der Kandidat wichtiger als seine Partei. Wenn für die Wähler kaum Unterschiede in den Parteiprogrammen zu erkennen sind, orientieren sie sich stärker an den Kandidaten. Und je weniger sich diese ähneln, desto wichtiger ihre Person für die Wahlentscheidung. Vor allem Wechselwähler neigen zum „Candidate-Voting“, beispielsweise wenn sie den Kandidaten „ihrer“ Partei negativ, seinen Kontrahenten hingegen positiv.<br />
<strong>Wahlkampfführung<br />
</strong> Auch die „zweite Personalisierungsbehauptung“ widerlegt der Professor. Danach seien unpolitische Merkmale für die Beurteilung der Kandidaten in den letzten Jahrzehnten wichtiger geworden. Davon gingen wahrscheinlich auch die Christdemokraten aus, als sie Michael Spreng als Wahlkampfmanager holten und fortan Home-Stories über Edmund Stoiber in Boulevard-Blättern platzierten. Doch nichts dergleichen ist belegt, im Gegenteil. Wähler orientieren sich viel stärker an „Leadership-Qualitäten“ wie Führungsstärke, Entscheidungsfreude und Tatkraft als an Alter, Charme und Ausstrahlung. Weiterhin behauptet Brettschneider, die Wahlkampfführung sei zwar professionalisiert, doch nicht personalisiert worden. Es habe immer mal wieder stärker personalisierte Wahlkämpfe gegeben, wie bei der „Willy-Wahl“ 1972 oder unter Konrad Adenauer. Wenn, dann sei dieser Trend in den USA anzutreffen, dort institutionell bedingt durch die sogenannten „Primaries“. Trotz Fernseh-Wahlkampf und amerikanisierten Methoden stehen bei deutschen Wählern immer noch die Themen im Vordergrund.<br />
<strong>Medienberichterstattung<br />
</strong> Immerhin, in einem Bereich sieht auch Brettschneider die fortschreitende Personalisierung. Die Medienberichterstattung konzentriere sich tatsächlich immer mehr auf die Spitzenkandidaten, und zwar in allen drei untersuchten Ländern. Er bilanziert dies nicht ohne eine ironische Anmerkung. Gerade diejenigen betreiben eine verstärkte Personalisierung, die die „Personalisierung der Politik“ immer stärker beklagen und darin eine Gefahr für die Demokratie befürchten.<br />
Alles in allem ein ziemlich wissenschaftliches Buch, dessen Ergebnisse direkt nach dem Wahlkampf 2002 ein wenig unglaubwürdig wirken.</p>
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		<title>Warblogs: vom Alltag im Kriegsgebiet</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-3082/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gerade in Kriegszeiten ist eine ausgewogene Berichterstattung Aufgabe der Medien. Blogger zeichnen dagegen ein anderes, subjektives Bild von der Situation vor Ort und machen den traditionellen Onlinemedien damit die Deutungshoheit streitig. Eine Analyse.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade in Kriegszeiten ist eine ausgewogene Berichterstattung Aufgabe der Medien. Blogger zeichnen dagegen ein anderes, subjektives Bild von der Situation vor Ort und machen den traditionellen Onlinemedien damit die Deutungshoheit streitig. Eine Analyse.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
„Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd“. Bereits Bismarck stellt Kriege als Ausnahmesituationen, als Zeiten der Lüge, dar. Arthur Ponsonby betont sogar die Notwendigkeit der Lüge: In Kriegszeiten sei „die Erklärung der Wahrheit ein Verbrechen“.</p>
<p>Wie können angesichts dieser Lügenszenarien Journalisten agieren, deren erklärtes Ziel es ist, wahrheitsgemäß zu berichten? Die saloppe Antwort eines Regierungssprechers lautet: „Die oberste Regel im Krieg ist: niemals lügen. Die zweite: nie die ganze Wahrheit sagen“.
</p>
<p>
Was für den Journalismus angesichts seiner politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen eine große Herausforderung zu sein scheint, könnte für Warblogs leichter zu realisieren sein: eine authentische Kriegsberichterstattung. So verhilft der jüngste Konflikt zwischen Israel und Libanon den Online-Kriegstagebüchern einmal mehr zum Ruhm.</p>
<p><b>Eine Bandbreite an Stimmen und Meinungen</b>
</p>
<p>
Ähnlich wie 2003 im Irak tauschen sich derzeit im Nahen Osten viele Menschen online über den Krieg aus. Die aktuelle Warblog-Szene in der Krisenregion entwickelt sich dabei unter anderen Voraussetzungen als etwa die irakischen Kriegstagebücher. Am Nahostkonflikt sind vor allem Länder beteiligt, in denen zahlreiche Menschen über einen Internetanschluss verfügen. So präsentieren sich hier nicht nur einige vereinzelte Warblogger, sondern eine ganze Bandbreite an Stimmen und Meinungen wird im Internet laut. Kann dieses Potpourri an subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungsberichten eine Alternative zur Berichterstattung traditioneller Onlinemedien sein? Worin unterscheiden sich die Angebote?
</p>
<p>
Der 13. und 30. Juli 2006 sind ereignisreiche Tage im Nahen Osten. Das schlägt sich auch in den Medien nieder: Am 13.07. dominieren die Berichte über den ersten Großangriff der Israelis auf Beirut und Umgebung. Gut zwei Wochen später erregen die Bomben auf die libanesische Ortschaft Kana weltweite Aufmerksamkeit. Die Onlineausgaben von Süddeutscher Zeitung und Spiegel reagieren mit einer umfangreichen dossierartigen Berichterstattung, die sie noch am selben Tag online stellen.<br />
<br />
Die Warblogger hingegen scheinen es mit der Aktualität weniger genau zu nehmen. Viele der Autoren posten nicht mehr am gleichen Tag einen Beitrag zu den Geschehnissen. Häufig bieten sie erst Tage später ausführliche Berichte an. Hinsichtlich der Aktualität laufen die Onlinemedien den Warblogs deswegen wohl den Rang ab.</p>
<p><b>Die Stärke der Warblogs liegt in den Augenzeugenberichten</b></p>
<p>Nicht jedoch in der Berichterstattung: sie ist gekennzeichnet durch die Wiedergabe von persönlichen Eindrücken. Die Stärke der Warblogs liegt in den Augenzeugenberichten, die teilweise schonungslos offen gelegt werden. So berichtet das Warblog<br />
<a href="http://anecdotesfromabananarepublic.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anecdotes from a Banana Republic</a> aus Beirut vor Ort in Kana. Die Bloggerin beschreibt, was er in den Trümmern der zerstörten Häuser gesehen hat: „Babyfotos, …, Handtaschen, …, Joghurtbecher, …, Berge von Mathematik- und Französisch-Hausaufgaben.“ Doch nicht immer sind die Augenzeugenberichte derart emotional besetzt, teilweise liefern sie auch nebensächliche Informationen: „Der Strom fiel für einige Sekunden aus“, schreibt der gleiche Blogger beispielsweise kurz nach Kriegsbeginn aus der libanesischen Hauptstadt.
</p>
<p>
Die Onlinemedien der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel hingegen berufen sich selten auf Augenzeugen als Quellen. Überwiegend werden dort offizielle Quellen wie Regierungen, Polizei oder Armee zitiert. Überhaupt dominiert die neutrale Art der Berichterstattung die traditionellen Onlinemedien. Die Analysen bei SZ und Spiegel Online zeichnen sich dadurch aus, dass sie den aktuellen Konflikt auf globaler Ebene erläutern und neben Reaktionen aus Europa, Amerika und Russland auch die Folgen für Börse und Tourismus zur Sprache bringen.
</p>
<p>
Diese Zusammenhänge bieten Warblogs nicht, sie geben Überblicksdarstellungen auf einer individuellen Ebene. Die Erfahrungswelt der Warblogger – und damit auch ihre Analyse – ist subjektiver. Der Konflikt wird in seinen Konsequenzen für den eigenen Alltag oder den der Landsleute analysiert. Durch diesen individuellen Bezug vieler Kriegstagebücher wirken ihre Beschreibungen emotional und wenig distanziert. Die Blogger verleihen dem mit ihren Insider-Informationen ein menschliches Gesicht. Das Warblog<br />
<a href="http://muqata.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Muqata</a> etwa berichtet über getötete israelische Soldaten und listet diese namentlich auf. Doch damit nicht genug: Sogar Ort und Datum ihrer Begräbnisfeiern werden veröffentlicht. „Seine Beerdigung findet um 16.30 Uhr auf dem Kiryat Sha’ul Militärfriedhof statt.“
</p>
<p>
<a href="/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-teil-2">Weiter zu Teil 2 &gt;&gt;</a></p>
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		<title>Der Libanonkonflikt in Video-Warblogs und Web 2.0</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Während der Libanonkonflikt immer aufs neue eskaliert, bilden sich im Netz neue Formen für den Umgang mit der Krise. Kriegsgegner und Propagandisten, aber auch Nachrichtenangebote entdecken den Nutzen von Web 2.0 für ihre Zwecke.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Während der Libanonkonflikt immer aufs neue eskaliert, bilden sich im Netz neue Formen für den Umgang mit der Krise. Kriegsgegner und Propagandisten, aber auch Nachrichtenangebote entdecken den Nutzen von Web 2.0 für ihre Zwecke.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Die Sonne geht auf in der Wüste. Junge Männer binden sich in Zeitlupe ihre Schnürsenkel, im Hintergrund spielt ruhige Musik. Doch dann starten Kampfjets in der Morgensonne, explodieren Bomben in Gegenden, die offensichtlich von Zivilisten bewohnt sind. Und die jungen Männer, die Soldaten sind, bahnen sich ihren Weg durch Städte, die in Trümmern liegen. Im Hintergrund singt jemand: „Brothers in arms“.</p>
<p>Doch nicht nur wie<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Wahd2piIr4Q&amp;feature=PlayList&amp;p=BB8C6A9D2201568E&amp;index=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Filme wie dieser</a>, die aus der Propagandaabteilung des israelischen Militärs stammen, sondern auch Friedensaufrufe finden sich auf der Videoplattform YouTube<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/results?search_type=search_videos&amp;search_sort=relevance&amp;search_query=Israel%2BLebanon%2BStop%2BWar&amp;search=Search" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zuhauf</a>. Zahlreiche Videos tragen die Titel: „Stop the War“. Und nicht nur Aufnahmen aus dem Libanon fordern ein Einschreiten der Vereinten Nationen, sondern auch Videos von Demonstrationen aus aller Welt. Mit diesen Videos sprechen die Netizens eine deutliche Sprache. Im Zuge der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah hat sich im Netz eine Bewegung formiert, die neue Beteiligungsformen des Internet in ihrem Sinne nutzt. Während die<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/extremismus/hkirchner_intifada.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cyberintifada</a> noch vor einigen Jahren vor allem die Störung und Zerstörung israelischer Websites zum Ziel hatte, also auf der technischen Ebene agierte, zeigen sich durch die<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/web20/pbihr_grundlagen_060803.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Web 2.0-Angebote</a> neue Möglichkeiten auf der inhaltlichen Ebene aktiv zu werden. Durch neue Technologien und technische Vereinfachung haben sich interaktive Plattformen entwickelt, von denen flickr.com, youtube.com und wikipedia.org nur die bekanntesten sind.</p>
<p>                            <strong>Meinungen weltweit verbreiten</strong></p>
<p>Natürlich werden diese Plattformen auch von Usern genutzt, die in Krisengebieten wie dem Nahen Osten leben. Dort sind diese Angebote oftmals eine willkommene Chance, weltweit mit einer hohen Anzahl an Usern zu kommunizieren und Meinungen zu verbreiten. So ist es nicht verwunderlich, dass die Videoplattform YouTube zu den Schlagworten Lebanon und Israel und War über 1000 Videos anzeigt. Unter ihnen finden sich nicht allein Friedensaufrufe wie das eingangs beschriebene Video, sondern auch<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=mMt5oKwrxiQ&amp;mode=related&amp;search=" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nachrichtenmitschnitte</a> und Korrespondentenberichte, minutenlange Statements von muslimischen Gemeindevertretern und kurze Animationsfilme. Einer davon<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Jj_b5f5mbv4&amp;mode=related&amp;search" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beschreibt</a> die Gewaltspirale im Nahen Osten kurz aber eindeutig und stellt am Ende die Frage „Was würdest DU tun??“</p>
<p>Die Grenze zwischen Betroffenheit und Propaganda ist bei YouTube jedoch durchaus fließend, wie die Videos des Nutzers „Obession: The Movie“ deutlich machen. Unter diesem Namen versucht ein Regisseur, für seinen zumindest fragwürdigen Film über Islamismus und Terror eine Vertriebsfirma zu suchen. Er hat zahlreiche<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=uHbV5CSj51I" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beiträge</a> zum „Krieg des radikalen Islams gegen des Westen“ auf die YouTube-Plattform hochgeladen. Hier sprechen sich scheinbar seriöse Experten klar für die Bekämpfung des Terrors aus. Unter dem Titel „Hitler and the Mufti“ werden die Wurzeln des islamischen Terrors mit Hitlers Antisemitismus in direkten Zusammenhang gestellt. Originalaufnahmen von einem Treffen Hitlers mit dem Mufti von Jerusalem sollen hierfür als Beweis dienen. Kategorisierungen der Videos und der Nutzer, die sie bei YouTube hochladen, fallen bei dieser Vielzahl an Videos schwer. Klar ist: Sowohl die libanesische Seite als auch die israelische nutzen die Plattform für ihre<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,429579,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">propagandistischen</a> Interessen.</p>
<p>Neben diesen politischen und den allgemeinen Konflikt beleuchtenden Inhalten bieten die Web 2.0-Plattformen ebenfalls die Möglichkeit, Alltagssituationen zu schildern. Auf der Suche nach den<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/web20/cjordan_tagging_060803.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tags</a> Israel, Lebanon und War zeigt die Fotoplattform flickr.com 5.928 Bilder, die unter jedem dieser drei Begriffe eingeordnet sind. Viele dieser Bilder zeigen Kriegssituationen, Hubschrauber über Beirut, zerstörte Gebäude. Zwischen diesen Fotografien findet sich jedoch auch ein erstaunliches Foto unter dem Titel “Life goes on”. Ein Brautpaar schreitet über eine menschenleere Straße. Der Bräutigam scheint nicht glücklich, doch der Fotograf vermutet wohl richtig: „Er spiegelt die momentane Stimmung in der Stadt wieder “. Darüber hinaus merkt der Fotograf an, dass er, während er das Foto aus einem fahrenden Auto schoss, sich so schnell wie möglich in Sicherheit<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/manunited/195923873/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bringen wollte</a>.</p>
<p>                            <strong>&#8220;Wie ein echtes Kriegskorrespondentenfoto&#8221;</strong></p>
<p>Klare Worte finden sich auch unter den anderen gefundenen Bildern: “Wir haben lange genug zugeschaut, es ist Zeit zu handeln und das Schweigen zu brechen. Es geht nicht darum, ob man Muslim oder Jude ist. Es geht darum, ein Mensch zu sein. Wir alle leiden, wir alle bluten und wir alle verdienen es, in Frieden<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/moayadphoto/205594792/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zu leben</a>.” Die Sorge um einen Fotografen, der ein zerstörtes öffentliches Gebäude fotografiert hat, wird deutlich anhand der Kommentare unter diesem Bild: „Bitte pass auf dich auf, mein Freund. Ich finde dein Foto ganz erstaunlich. Es sieht aus wie ein echtes<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/codernoir/196001323/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kriegskorrespondentenfoto</a>, aber bitte riskiere nicht dein Leben. Sei stark!“</p>
<p>Derzeit sind die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Libanon bei YouTube und Flickr sehr prominent vertreten. Wenn das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon tatsächlich Bestand hat, werden diesen Krieg bald andere Wörter und Bilder ablösen. Doch der Nahe Osten wird wohl immer ein Thema sein &#8211; nicht nur bei YouTube und Flickr.<br />
                            </p></p>
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		<title>Warblogs: vom Alltag im Kriegsgebiet (Teil 2)</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-teil-2-3652/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<b>Warblogger suchen den Kontakt zu ihren Lesern</b>
<p>
Warblogger verstehen sich jedoch nicht nur als Lieferanten von Informationen dieser Art an ihre Leser, sondern möchten mit ihnen in Kontakt treten. Interaktivität spielt bei den Tagebüchern des Nahostkonflikts also eine große Rolle. In vielen Postings regen die Blogger ihre Nutzer dazu an, Fragen zu stellen und ihre Meinung kundzutun. „Bitte kommentiert oder postet neue Beiträge“, fordert der Blogger von Anecdotes from a Banana Republic ausdrücklich seine Leser auf. In den Onlineausgaben der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel werden allenfalls indirekte interaktive Angebote gemacht. So bieten beide Medien Foren an, in denen sich die Leser über den Krieg austauschen können. Direkte Nutzerkommentare sind jedoch nicht zu finden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Warblogger suchen den Kontakt zu ihren Lesern</b></p>
<p>
Warblogger verstehen sich jedoch nicht nur als Lieferanten von Informationen dieser Art an ihre Leser, sondern möchten mit ihnen in Kontakt treten. Interaktivität spielt bei den Tagebüchern des Nahostkonflikts also eine große Rolle. In vielen Postings regen die Blogger ihre Nutzer dazu an, Fragen zu stellen und ihre Meinung kundzutun. „Bitte kommentiert oder postet neue Beiträge“, fordert der Blogger von Anecdotes from a Banana Republic ausdrücklich seine Leser auf. In den Onlineausgaben der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel werden allenfalls indirekte interaktive Angebote gemacht. So bieten beide Medien Foren an, in denen sich die Leser über den Krieg austauschen können. Direkte Nutzerkommentare sind jedoch nicht zu finden.<!--break-->
</p>
<p>
<br />
Insgesamt bieten die untersuchten Onlinemedien weniger Nutzerservice. Meist stellen sie nur Links zu internen Angeboten (Foren, Umfragen, Dossiers) her und verweisen nicht auf externe Berichte. Ganz anders die Warblogs: Hier werden Medienberichte aus verschiedenen Ländern verlinkt, darunter Israel und Libanon, Deutschland und die USA. Der Nutzer erhält dadurch einen guten Überblick über die unterschiedlichen Perspektiven.</p>
<p>Diese werden noch stärker in den Kommentaren der Blogger akzentuiert. Subjektivität und Persönlichkeit gelten im Allgemeinen als Stärke der Weblogs und auch die israelischen und libanesischen Warblogger vertreten ihre Meinungen mit deutlichen Worten. Der Warblogger Gash beispielsweise verurteilt „Israels willkürliche Ungesetzlichkeit, beim Gemetzel an Zivilisten“ und bezeichnet die Israelis als „blutrünstige Bastarde.“ Auch Ironie und Zynismus sind beliebte Stilmittel. Sie machen die Blog-Kommentare eingänglich. Der Nutzer sollte sich jedoch bewusst sein, dass hier Meinungen transportiert werden, die auch Beleidigungen nicht scheuen. So wird Im Warblog Anecdotes from a Banana Republic nach dem Vorfall in Kana zynisch resümiert: „Die EU ist &#8216;geschockt&#8217; und &#8216;bestürzt’ über das Massaker. Geschockt? Bestürzt? Etwa so wie ‘Jimmy, ich bin bestürzt, dass du mit deinem brandneuen Fahrrad gegen einen Baum gefahren bist’ oder wie ‘Bobby Sue, ich bin bestürzt, dass du diese Kekse nicht mit deiner Schwester teilen willst’.“ Die Journalisten von SZ und Spiegel Online geben wesentlich moderatere Kommentare. Zwar werden auch hier Meinungen transportiert, aber es wird auf ausreichende Begründung und die Vermeidung von Beleidigungen wert gelegt.</p>
<p><b><br />
In Warblogs werden die Ereignisse individuell aufbereitet</b></p>
<p>Auch bei der Präsentation von Informationen unterschieden sich beide Angebotsformen deutlich. Während die großen Onlinemedien auf die üblichen journalistischen Darstellungsformen wie Nachrichte, Reportage und Kommentar zurückgreifen, werden in den Warblogs die Ereignisse zum Teil individuell und künstlerisch aufbereitet. Der Künstler Mazen Kerbay etwa verarbeitet die Kriegsereignisse auf seinem Kerblog in Bildern und Gedichten. Über Kana schreibt er: “Vor 2000 Jahren, in Kana, verwandelte Jesus Wasser in Wein. Heute, in Kana, verwandelten die israelischen Streitkräfte Kinder in Asche.“</p>
<p>Es geht hier aber nicht darum, zu entscheiden, welches Angebot lesenswerter ist. Sowohl die klassischen Medien als auch Warblogs zeigen Stärken und Schwächen. Die traditionellen Medien punkten mit Vollständigkeit und Aktualität; Warblogs zeichnen sich vor allem durch Augenzeugenberichte und persönliche Statements aus.</p>
<p>Wer einen umfassenden Einblick ins Kriegsgeschehen wünscht, sollte einen Medienmix aus beiden Formaten wählen. Warblogger können die Medien durchaus auch ergänzen: Sie können zusätzliche Informationen liefern und als &#8216;Watchdogs’ der Medien fungieren, indem sie fehlerhafte Medienberichte korrigieren oder kritisieren. Das zeigt auch das jüngste Beispiel von manipulierten Bildern aus dem brennenden Beirut: ein Fotograph der Nachrichtenagentur Reuters hatte einige Bilder aus der libanesischen Hauptstadt digital bearbeitet, um sie dramatischer wirken zu lassen. Reuters stellte diese Bilder online – die Fälschung flog erst durch einige Blogger auf. Sie konnten nachweisen, dass die Bilder manipuliert worden waren. Reuters suspendierte daraufhin den Fotographen und entfernte die Bilder.</p>
<p><a href="/edemocracy/netzkultur/jsommerhaeuser_warblogsimlibanon_060817_teil1.shtml"><br />
&lt;&lt; Zurück zu Teil 1</a></p>
<p>Der Artikel basiert auf einer Analyse, die die Autorin für politik-digital.de erstellt hat. Sie hat an zwei Tagen die Berichterstattung der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (SZ) und von Spiegel Online mit den Meldungen von zwölf ausgewählten Warblogs verglichen.</p>
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