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	<title>Beutekunst &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Verschollene Schätze und verwaiste Werke</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Kunstwerke, die im Dritten Reich beschlagnahmt, gestohlen und verbracht
worden sind, hängen in vielen deutschen Museen. Der Grund: Der Kontakt
zum früheren Besitzer und dessen Erben konnte nicht vermittelt werden.
Eine ausführliche Liste der „Beutekunst“ im Internet soll nun Abhilfe
schaffen. Dr. Michael Naumann stellte das Projekt in Berlin vor.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Kunstwerke, die im Dritten Reich beschlagnahmt, gestohlen und verbracht<br />
worden sind, hängen in vielen deutschen Museen. Der Grund: Der Kontakt<br />
zum früheren Besitzer und dessen Erben konnte nicht vermittelt werden.<br />
Eine ausführliche Liste der „Beutekunst“ im Internet soll nun Abhilfe<br />
schaffen. Dr. Michael Naumann stellte das Projekt in Berlin vor.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wenn ein Rembrandt-Gemälde im Museum den Vermerk „Besitz die<br />
Bundesrepublik Deutschland“ trägt, kann es sein, dass dieses Werk in<br />
Wirklichkeit aus dem Bestand der berüchtigten „Linzer Sammlung“ Adolf<br />
Hitlers stammt. Die geklauten Kostbarkeiten aus dem Besitz von<br />
Verfolgten des NS-Regimes wollte Hitler in einem germanischen<br />
Mega-Museum in seiner Heimatstadt Linz zusammenführen, wohl um die Welt<br />
angesichts des deutschen Kunstsinns neidvoll erblassen zu lassen. Die<br />
rechtmäßigen Besitzer dieser Kunstwerke konnten nach dem Krieg nicht<br />
immer ermittelt werden. So sind immerhin 2.200 Bilder in Verwaltung der<br />
Bundesregierung aus dieser zusammengeraubten und beschlagnahmten<br />
Sammlung später an deutsche Museen als Leihgabe gegangen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Aus deutschen Wohnzimmern und russischen Archiven&#8230;</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eine Internet-Initiative der <a href="http://www.bundesregierung.de/01/pressf.html">Bundesregierung</a><br />
veröffentlicht nun die nicht zurückgeführten Kulturgüter auf der Webpage<br />
<a href="http://www.lostart.de/">www.lostart.de</a>, um die<br />
möglichen Vorbesitzer oder Anspruchsberechtigten zu ermitteln. Dabei finden auf diesen Seiten nicht nur<br />
„verfolgungsbedingt entzogene“ Kunstwerke der sogenannten „Linzer Sammlung“ Aufnahme in die<br />
Internetdatei. Neben diesen als gestohlen eingestuften Werken gab und gibt es auch zahlreiche Kulturgüter<br />
in Archiven, Museen und deutschen Wohnzimmern, bei denen vermutet wird, dass sie ihren verfolgten<br />
Eigentümern von Nazis geraubt wurden. Bei diesen Werken ist es besonders schwierig, die Provenienzen<br />
festzustellen. Auf der anderen Seite sind auch Kulturgüter, die als sogenannte Beutekunst aus deutschen<br />
Sammlungen entwendet und ins Ausland gebracht wurden, hier registriert. Allein in Russland befinden sich<br />
etwa eine Millionen Stücke aus deutschen Sammlungen, darunter wahrscheinlich auch der legendäre<br />
Schliemann-Schatz.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&#8230; ins Internet und um die Welt</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dr. Michael Naumann, Staatsminister und Beauftragter der Bundesregierung<br />
für Kultur und Medien, stellte die neuen Webseiten von lostart.de am<br />
10.4 in Berlin vor. An das Internet knüpft er in diesem Zusammenhang die<br />
Hoffnung, das der weltweite Verbreitungsradius dazu beitragen wird, mehr<br />
Anspruchsberechtigte zu erreichen. „Das Internet“ erklärte Naumann<br />
„bietet einen qualitativen und quantitativen Unterschied, den es vorher<br />
einfach nicht gab“.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der Beginn der Bemühungen um Rückführung der geraubten Kunst liegt<br />
selbstverständlich schon weit zurück. Direkt nach dem Krieg richteten<br />
die Alliierten in München einen „Central Collecting Point“ (CCP) ein,<br />
von dem aus viele der eingelagerten Werke der „Linzer Sammlung“ ihren<br />
Vorbesitzern oder jüdischen Organisationen zugeführt wurden.. In<br />
Westdeutschland kümmerte sich die „Treuhandverwaltung Kulturgut“ um eine<br />
Vermittlung der Restbestände des CCP. Seit 1969 schließlich ist das<br />
Finanzministerium für die verwaisten Werke zuständig. In der ehemaligen<br />
DDR war die Wiedergutmachung des NS-Bilderklaus über ihre Anfänge nicht<br />
hinausgekommen. Vonstatten ging hier eher die Rückgabe von verbrachten<br />
Kunstwerken, darunter berühmte Arbeiten wie Raffaels Sixtinische Madonna<br />
(Dresden) oder der Pergamonaltar (Berlin) durch die Sowjetunion.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Suche Borussia&#8230;.</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Nach der Wende bemühte man sich zunächst ebenfalls vor allem um die<br />
Rückführung von kriegsbedingt verbrachten Kunstgegenständen aus<br />
Osteuropa. Erst durch die Washingtoner Konferenz zur Vermögensregelung<br />
von Holocaust-Opfern im Dezember 1998 belebte sich die Diskussion um<br />
Wiedergutmachung von deutscher Seite wieder, und so bat Michael Naumann<br />
zunächst die Direktoren der führenden deutschen Museen um Mithilfe. Da<br />
das Echo aus diesem Kreise nur äußerst zaghaft zurückschallte, beschloss<br />
Naumann andere Wege zu gehen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zunächst folgte eine gemeinsame Erklärung<br />
von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden, in der die Prüfung<br />
von verdächtigen Kunstwerken als Ziel genannt wurde. Die<br />
„Koordinierungstelle der Länder für die Rückführung von Kulturgütern“,<br />
seit 1998 mit Sitz in Magdeburg, begann daraufhin im Herbst 1999 ihre<br />
interne Verlust-Datenbank für den Internet-Start umzubauen. Mit Hilfe<br />
des Instituts für Betriebliche und Technische Informationssysteme der<br />
<a href="http://wwwiti.cs.uni-magdeburg.de/">Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg</a><br />
wurde dieser Internetgang<br />
vorbereitet und professionell durchgeführt. Inzwischen dürfte auch den<br />
Direktoren der deutschen Museen klar geworden sein, dass an die Stelle<br />
der Werke, die sie möglicherweise verlieren, lange vermisste Kunstwerke<br />
gehängt werden können. Zudem hat sich gezeigt, dass die rechtmäßigen<br />
„neuen alten“ Besitzer in den meisten Fällen zu einem fairen Verkauf der<br />
Bilder bereit sind.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Seiten von www.lostart.de bieten den Kunstsuchenden nun verschiedene<br />
Möglichkeiten. Dr. Michael Franz, Leiter der Koordinierungsstelle in<br />
Magdeburg, erläuterte anlässlich der Pressekonferenz am 10.4., wie die<br />
Vermittlung der Kunstwerke im Internet funktioniert. Zum einen gibt es<br />
Listen der Kunstwerke, die den rechtmäßigen Anspruchsstellern zugeführt<br />
werden könnten. Weiterhin bieten die Seiten die Möglichkeit, gesuchte<br />
Kunstgegenstände anzumelden. Darüber hinaus veröffentlichen deutsche<br />
Institutionen eine Beschreibung von Bildern, die aus ihren Sammlungen<br />
ins Ausland verbracht wurden. Die Koordinierungsstelle ist auch<br />
Herausgeberin des internationalen Newsletters &quot;Spoils of War&quot;, der den<br />
Informationsaustausch auf internationaler Expertenebene gewährleisten<br />
soll und ebenfalls auf dieser Website zu finden ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&#8230;.biete van Gogh</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Einige Kunstwerke konnten bereits im Vorfeld des Internetstarts<br />
vermittelt werden. So hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bereits<br />
verschiedene Objekte der Sammlung Silberg zurückgeben können, darunter<br />
eine Zeichnung von van Gogh. Auch die berühmte Borussia von Menzel ist<br />
im Rückgabe-Prozess begriffen. In vielen Fällen, so betonte Naumann ist<br />
man bei der Deklarierung von Werken mit möglicher NS-Provenienz auf die<br />
moralische Haltung der jetzigen Besitzer angewiesen, da ein Verweis auf<br />
Verjährungfristen den Anspruch formal-juristisch abschmettern würde. Um<br />
so wichtiger sei es, mit Hilfe des Internets Transparenz zu schaffen und<br />
die Biographie von Kunstwerken zu dokumentieren: „Rechtsfrieden ist<br />
nicht in jedem Fall identisch mit Gewissensfrieden“ erklärte Naumann und<br />
stellte weiterhin fest, dass gerade bei einem zwangsläufig immer<br />
unvollkommenen Bemühen um Gerechtigkeit für Opfer des NS-Regimes<br />
juristische Fristen kein Argument sein dürften.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die www.lostart.de-Initiative verfolgt weitgestreckte Ziele. Dr. Gerd<br />
Harms, Kultusminister von Sachsen-Anhalt, knüpft an das Projekt die<br />
Hoffnung einer internationalen Zusammenarbeit bezüglich vermisster oder<br />
gestohlener Werke. Mit Hilfe einer allgemein kompatiblen Software soll<br />
irgendwann der gesamte Kunstmark transparenter werden. Vielleicht taucht<br />
der legendäre Schliemann-Schatz dann ja auch wieder auf&#8230;.<br />
</span></p>
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