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	<title>Björn Böhning &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Björn Böhning &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Björn Böhning, SPD</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Germar Molter]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Dec 2012 11:51:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzpolitischer Rückblick 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Björn Böhning]]></category>
		<category><![CDATA[2012]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitischer Rückblick]]></category>
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					<description><![CDATA[2012 war ein gutes netzpolitisches Jahr, weil Netzpolitik einen vernünftigen Weg in die Köpfe der Menschen gefunden hat. Netzpolitik wird [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/bjoern-boehning-spd/portraits-des-parteivorstands-der-spd-am-04-12-2011-in-berlin-3/" rel="attachment wp-att-125170"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-125170" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bild_Björn_Böhning1-305x231.jpg" alt="Björn Böhning" width="305" height="231" /></a>2012 war ein gutes netzpolitisches Jahr, weil Netzpolitik einen vernünftigen Weg in die Köpfe der Menschen gefunden hat. Netzpolitik wird verstanden als das, was es ist: gesellschaftspolitisch relevant.</p>
<p>In Berlin ist Netzpolitik Chefsache. Wir haben als erste Landesregierung eine eigene Stelle dafür geschaffen. Es geht darum, digitale Infrastruktur auszubauen, Schulbildung zu digitalisieren, Medienkompetenz früh zu lehren und auch politische Interaktion im Netz zu nutzen. ACTA, Sven Regener, GEMA-Tarife, Shit- und Candystorms – diese Ereignisse haben ungemein politisiert. Die Bundesregierung hat es bisher verpasst, diese Energie aufzunehmen, Themen zu diskutieren und in Politik umzusetzen. Das ist die schlechte Seite des netzpolitischen 2012. Schwarz-Gelb hat sich im Leistungsschutzrecht verheddert, statt das Urheberrecht zu modernisieren und endlich den 3. Korb zu verabschieden. Wir brauchen dringend ein gesellschaftlich akzeptiertes Rechtsverständnis des digitalen Zeitalters. Dass es kompliziert ist, kann keine Ausrede sein.</p>
<p><em>Björn Böhning ist Chef der <a href="http://www.berlin.de/rbmskzl/index.de.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Senatskanzlei in Berlin</a>. Er studierte <a href="http://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Politikwissenschaften an der FU Berlin</a> und war von 2004 bis 2007 <a href="http://www.jusos.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Juso- Bundesvorsitzender</a>, bevor er als Leiter der Abteilung &#8220;Politische Grundsatz- und Planungsangelegenheiten&#8221; der Senatskanzlei arbeitete. Björn Böhning ist <a href="http://spd-netzpolitik.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzpolitischer Sprecher der SPD</a>.</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Björn Böhning: „Netzpolitik als Gesellschaftspolitik verstehen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 10:50:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Björn Böhning]]></category>
		<category><![CDATA[Abgeordnetenhaus]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Chef der Berliner Senatskanzlei Björn Böhning ist unter anderem für das Thema Netzpolitik zuständig. Mit den Veränderungsprozessen durch das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_11912" aria-describedby="caption-attachment-11912" style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/netzpolitik-als-gesellschaftspolitik-verstehen/boehning-kl/" rel="attachment wp-att-11939"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-11939" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/boehning-kl.png" alt="Björn Böhning" width="305" height="232" /></a><figcaption id="caption-attachment-11912" class="wp-caption-text">© Senatskanzlei Berlin</figcaption></figure>
<p><strong>Der Chef der Berliner Senatskanzlei Björn Böhning ist unter anderem für das Thema Netzpolitik zuständig. Mit den Veränderungsprozessen durch das Internet ist er als netzpolitischer Sprecher der SPD jedoch bereits länger vertraut. Im Gespräch mit politik-digital.de nimmt Böhning Stellung zu seiner persönlichen Motivation und der netzpolitischen Herausforderung durch andere Parteien.</strong></p>
<p>Durch lange Gänge und über schrittdämpfende Teppichböden geht es zum Chef der Berliner Senatskanzlei. Schwere Türen, hinter denen man beim Betreten des Berliner Rathauses so gar nicht den Arbeitsplatz eines Politikers vermutet, dem die „taz“ schon mal das Etikett „Typ Sportjackenträger“ anheftete. Das geräumige Büro sieht dann auch eher nach Verwaltungsalltag und politischer Verantwortung aus. Akten und Zeitungen auf dem Schreibtisch, dazu ein Besprechungstisch in der Mitte des Raumes und ein stummes Fernsehbild im Hintergrund. Der Bundespräsident wird gleich zurücktreten. Das Rednerpult im Schloss Bellevue ist aber noch verwaist und so nimmt Björn Böhning sich Zeit.</p>
<h3>Initialzündung #Zensursula</h3>
<p>Mit norddeutsch-unaufgeregtem Zungenschlag erzählt der in Lübeck aufgewachsene SPD-Politiker, der vor seinen Aufgaben in der Berliner Landesverwaltung bereits von 2004 bis 2007 Bundesvorsitzender der Jusos war, von seiner  politischen Sozialisation und dem Aufwachsen im und mit dem Internet. Während „frühere Juso-Generationen“ sich stets physisch hätten treffen müssen, war die digitale Kommunikation in seiner Zeit an der Spitze des Verbandes bereits gang und gäbe. Schon damals stand unter anderem das Thema Vorratsdatenspeicherung für die Jusos auf der Tagesordnung. Die politischen Herzensanliegen des Politikwissenschaftlers waren jedoch zunächst Sozialstaats- und Beschäftigungspolitik. Und auch seine Arbeit im Grundsatz- und Planungsreferat von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit, wo er vor seiner Ernennung zum Staatssekretär tätig war, hatte keinen explizit netzpolitischen Schwerpunkt.</p>
<p>Ausschlaggebend für das eigene netzpolitische Engagement sei für ihn wie bei vielen anderen der „C64-Generation“ die im Sommer 2009 aufkeimende Diskussion rund um das kontroverse Thema Netzsperren gewesen. Seine Partei, zur damaligen Zeit mitten in den Vorbereitungen eines ohnehin nicht einfachen Bundestagswahlkampfes, hatte die von der christdemokratischen Familienministerin Ursula von der Leyen initiierten Regelungen in der Großen Koalition auf Bundesebene mitzutragen. Er selbst hat damals auf einem Bundesparteitag in der Schlussphase der Großen Koalition einen Antrag gegen Netzsperren eingebracht, der in der eigenen Partei „nicht vorgesehen war“.</p>
<p>Gerade außerhalb der Sozialdemokratie, deren Mitglied der 33-Jährige seit 1994 ist, sei dieses Engagement auf positive Resonanz gestoßen und so blieb Björn Böhning an dem Thema dran. Mit Alexander Görlach, dem Herausgeber des Debattenmagazins „The European“, hat er im vergangenen Sommer <a title="&quot;Freiheit oder Anarchie&quot;" href="http://www.vorwaertsbuchverlag.de/buecher/freiheit-oder-anarchie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Freiheit oder Anarchie“</a>, einen Band zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen durch das Internet veröffentlicht. Eine Streitschrift, deren Spannung vor allem in den so unterschiedlichen &#8211; und paradoxerweise zugleich wieder ähnlichen &#8211; Analysen des konservativen Publizisten Görlach und des prominenten Parteilinken liegt. Vor Terminen zum Thema Netzpolitik jedenfalls könne er sich, wie er inzwischen sagt, „nicht retten“.</p>
<h3>Von der technikzentrierten Netzpolitik zur gesellschaftlichen Debatte</h3>
<p><strong></strong>Was denn einen „Netzpolitiker“ charakterisiere? Auf diese Frage kann auch der ansonsten begriffssicher und präzise formulierende Polit-Profi auf Anhieb keine abschließende Antwort, sondern allenfalls Anhaltspunkte, geben. Als Sozialdemokrat wolle er jedenfalls „weg von einer doch sehr technikzentrierten Netzpolitik“ und dieses Feld zukünftig als „Gesellschaftspolitik“ verstanden wissen. Es gehe hierbei unter anderem um verantwortungsvolles Nutzungsverhalten, Medienkompetenz und die Frage der Bildung im Internetzeitalter. Dass er gerade an den letztgenannten Punkten nicht nur aufgrund seiner politischen Verantwortung, sondern auch im Privaten ein besonderes Interesse haben wird, nimmt man Böhning, der vor einigen Wochen zum ersten Mal Vater geworden ist, ohne weiteres ab.</p>
<p class="smarterwiki-linkify">Eng mit diesem Verständnis von Netzpolitik als umfassende Gesellschaftspolitik hängt auch die Mitgliedschaft im <a title="D64 - Zentrum für digitalen Fortschritt" href="http://d-64.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verein „D64“</a> zusammen. Dieser prominent besetzte Think Tank, zu dessen weiteren Gründungsmitgliedern unter anderem der Hamburger Blogger und Social Media-Experte Nico Lumma oder Mario Sixtus zählen, setze „nicht allein auf Bürgerrechtspolitik“, sondern wolle den Prozess der Digitalisierung ebenfalls umfassend begreifen. Damit grenzt der Verein sich ganz bewusst von anderen Berliner Think Tank-Gründungen der jüngeren Vergangenheit ab, mit denen sich die D64-Macher aber austauschen und selbstverständlich ein kooperatives Verhältnis pflegen. Natürlich habe man, dies ist Böhning wichtig, bei der Gründung des Vereins auch auf Unterstützung parteiferner Netzaktivisten, Wissenschaftler, Unternehmer und Blogger gesetzt, gleichwohl leugnen die Vereinsgründer ihre Nähe zur SPD nicht.<strong></strong></p>
<h3 class="smarterwiki-linkify"><strong></strong>Die SPD und das Internet: „Kultureller Wandel dauert länger als ein Beschluss&#8221;</h3>
<p class="smarterwiki-linkify">Wie geht eine bald 150 Jahre alte <a title="SPD" href="http://www.spd.de/aktuelles/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Partei</a> mit den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung um? Knapp zweieinhalb Jahre nach seinem ersten Parteitagsauftritt zum Thema Netzpolitik sei „die Sensibilität beim Thema auf allen Ebenen da“, so Björn Böhnings Fazit des vergangenen Berliner Parteitages. Unter breiter Beteiligung von Internet-Nutzern sei beispielsweise im letzten Jahr ein einstimmig verabschiedeter <a title="Leitantrag zum Thema Netzpolitik" href="http://spd-netzpolitik.de/berlin/leitantrag-freiheit-gerechtigkeit-solidaritaet-digitalen-gesellschaft" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leitantrag</a> zur sozialdemokratischen Netzpolitik erarbeitet und diskutiert worden. „Einmalig“ sei, und hier schwingt merklich Stolz mit, dieser Prozess in der Geschichte der deutschen Parteienlandschaft und ein „Erfolg“ der Arbeit der inzwischen zahlreichen sozialdemokratischen Netzpolitiker.</p>
<p>Eine Mitgliederpartei mit etablierten Strukturen und Geschichte wie die SPD könne und solle jedoch nicht einfach so ihr Programm und ihre Arbeitsweise verändern, so Böhning, und meint mit dem „historischen Bruch“, von dem er nun spricht, wohlgemerkt die digitale Revolution und nicht etwa die dreieinhalbminütige Rücktrittserklärung Christian Wulffs, die in der Zwischenzeit auf dem Fernseher zu betrachten gewesen ist. Zwei Dinge seien aus seiner Sicht wichtig. Zum einen würde er seiner eigenen Partei raten, beim Thema Netzpolitik „nicht anderen Parteien hinterzulaufen“. Zum anderen müsse die SPD sich jeden Tag von Neuem die Mühe geben „sich diesen neuen Fragen zu öffnen“. Konkreter wird er hier jedoch zunächst nicht.</p>
<p>Die Tatsache, dass die Sozialdemokratie im Internet eben nicht immer Avantgarde ist, sondern mit Blick auf neue Phänomene wie die Piratenpartei, bestimmte Entwicklungen verspätet realisiert hat, gibt Böhning unumwunden zu. Die Struktur des Internets habe man anfangs „nicht ausreichend nachvollzogen“ und bei Themen wie dem Urheberrecht zunächst zu sehr aus industriepolitischer Perspektive argumentiert. Zur Zukunft des Urheberrechts hat sich Böhning nach dem Gespräch mit politik-digital.de soeben in der &#8220;Süddeutschen Zeitung&#8221; <a title="Süddeutsche Zeitung" href="http://www.sueddeutsche.de/digital/spd-netzpolitiker-bjoern-boehning-zum-urheberrecht-langfristig-ist-die-kulturflatrate-der-richtige-weg-1.1290698" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geäußert</a>. Gerade mit Blick auf sein eigens Arbeitsfeld, die Berliner Landespolitik und die dortigen Erfolge der Piraten im vergangenen Herbst, schaltet Böhning jedoch sogleich wieder in den Angriffsmodus um. „Politisch-programmatisch“ seien die 15 neuen Mitglieder des Berliner Landesparlaments bislang „nicht besonders wahrnehmbar“ und für ihn viel mehr ein „kulturelles Phänomen“, das in einer Stadt wie Berlin natürlich einen gewissen Resonanzboden habe.</p>
<h3>Die (politische) Debatte im Netz</h3>
<p class="smarterwiki-linkify">Die Debatte über die Piraten und ihre Anhängerschaft gärt jedenfalls nicht nur in Berlin. Und so möchte man gerne wissen, wie ein in konventionellen Parteigremien und mit herkömmlichen, wie er selbst es nennt, „holzigen“ Verwaltungsprozessen erfahrener Politiker, die politische Debattenkultur im Netz wahrnimmt. Der Wowereit-Vertraute, der anderseits bald 15.000 Follower auf <a title="Twitter" href="http://twitter.com/#!/boehningb" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter</a> hat, wird dann doch noch einmal deutlich. „Die Aufregung im Internet, der vielbeschworene <a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Shitstorm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Shitstorm</a>“, ist zu Böhnings spürbarer Verärgerung bislang „häufig noch größer als die Lösungskompetenz mit Blick auf zeitgemäße Fragen“. Die „schnelle Aufregung“ wirkt in diesen Debatten nach seiner Ansicht wichtiger als das über den Tag hinausgehende Interesse an politischen Themen. Was Björn Böhning damit gemeint haben könnte, zeigt sich schon relativ bald nach dem Gespräch in der digitalen Praxis: Im Internet tobt derzeit eine veritable <a title="Cicero-Online" href="http://www.cicero.de/berliner-republik/wie-das-netz-den-boesen-gauck-erfand/48369?seite=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Meta-Debatte</a> über die Bewertung der Wulff-Nachfolge.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich rate Kurt Beck, seine Äußerungen nicht zu wiederholen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_rate_kurt_beck_seine_aeusserungen_nicht_zu_wiederholenquot-138/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jun 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
		<category><![CDATA[Björn Böhning]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialleistung]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauchsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Jusos]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, 9. Juni, war Björn Böhning, 
Vorsitzender der JuSos, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in 
Kooperation mit politik-digital.de. Er stellte sich den Fragen zur 
Rolle der Jusos in der SPD, Studiengebühren und den Äußerungen 
Kurt Becks zum Hartz 4-Missbrauch.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, 9. Juni, war Björn Böhning,<br />
Vorsitzender der JuSos, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in<br />
Kooperation mit politik-digital.de. Er stellte sich den Fragen zur<br />
Rolle der Jusos in der SPD, Studiengebühren und den Äußerungen<br />
Kurt Becks zum Hartz 4-Missbrauch.</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Chatter, heute<br />
ist der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten, Björn Böhning,<br />
ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Wie es sich für einen Juso<br />
gehört, hält er mit Kritik an der SPD nicht hinter dem<br />
Berg. Alle Fragen sind willkommen, wir sammeln und ordnen dann.<br />
Herr Böhning, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Ja, gerne.
</p>
<p>
<b>Pille90: </b>Herr Böhning, ich bin 16 Jahre alt<br />
und habe schon selber an einer Veranstaltung der Jusos teilgenommen.<br />
Dabei fiel mir auf, dass nur wenige Mitglieder in meinem Alter bei<br />
den Jusos sind. Dies entmutigte mich, weiter mitzumachen. Spiegelt<br />
dies auch die Bundessituation der Jusos wieder?
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Ganz im Gegenteil. Die<br />
Jusos haben im letzten Jahr über 11.000 neue Mitglieder gewonnen.<br />
Damit sind wir erstmals seit den 70er Jahren in absoluten Zahlen<br />
mehr geworden. Unter den neuen Mitgliedern sind vor allem Jüngere<br />
zwischen 16 und 22 Jahren.
</p>
<p>
<b>Simon_Haber:</b> Wie ist der Altersdurchschnitt der<br />
Jusos?
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Der Altersdurchschnitt<br />
der Aktiven liegt zwischen 16 und 21 Jahren und der Altersdurchschnitt<br />
insgesamt wird bei Ende 20 liegen.
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Es gibt kein einziges<br />
durchgerechnetes oder wirklich zur Verfügung stehendes Kreditprogramm.<br />
Gleichzeitig ist es so, dass natürlich nur ärmere Studierende<br />
auf solche Kreditangebote zurückgreifen müssten und andere<br />
sich die Kredite sparen können. Es kann nicht sein, dass mit<br />
einem Studium bereits ein Schuldenberg für den weiteren Lebenslauf<br />
aufgebaut wird. Auch diese Maßnahme würde einem Großteil<br />
der jungen Menschen den Zugang zur Hochschule abspenstig machen.
</p>
<p>
<b>sirius:</b> Wieso gegen Studiengebühren, wenn<br />
Studienkonten okay waren?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die Jusos treten auch gegen andere Formen<br />
von Studiengebühren wie Studienkonten oder Einschreibegebühren<br />
ein. Grundsätzlich aber ist mir ein gebührenfreies Erststudium<br />
sympathischer als die Studiengebührenforderung der Union.
</p>
<p>
<b>Philipp Stroehle:</b> Würden die Jusos Hochschulgebühren<br />
akzeptieren, wenn sie direkt in die Hochschulen einfließen<br />
und einen Betrag von 300 Euro pro Semester nicht überschreiten<br />
würden? Ausbildungen können auch richtig Geld kosten.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ausbildung und Bildung kosten immer Geld<br />
und sollten von der gesamten Gesellschaft getragen werden. Wenn<br />
Deutschland eine Chance in Europa haben möchte, muss es ein<br />
hochleistungsfähiges Bildungssystem haben. Das bedeutet auch,<br />
wir brauchen mehr und nicht weniger Akademiker. Alle Erfahrungen<br />
mit Studiengebühren zeigen uns, dass es bei z.B. 300 Euro nicht<br />
bleiben würde, sondern die Studiengebühren in den Jahren<br />
massiv ansteigen. Dazu kommt, dass natürlich der Staat seine<br />
Mittel für das Hochschulsystem zurückfahren würde<br />
und damit Studiengebühren zu einer unsozialen Milchmädchenrechnung<br />
verkommen.
</p>
<p>
<b>Craim:</b> Wie sollen aber die Universitäten<br />
finanziert werden bzw. die Forschung?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir brauchen in der Tat massiv zusätzliche<br />
Mittel im Bildungssystem. In den nächsten Jahren müssten<br />
wir durchsetzen, dass etwa sechs bis sieben Prozent des Bruttoinlandproduktes<br />
der Bildung und Forschung zugute kommen. Das lässt sich nicht<br />
aus der Portokasse bezahlen, dazu brauchen wir zusätzliche<br />
Steuermittel. Ich plädiere stark für eine drastische Erhöhung<br />
der Erbschaftssteuer, damit alle junge Menschen vom zukünftig<br />
vererbten Vermögen profitieren.
</p>
<p>
<b>Riedel:</b> Dann müssten Kindergartenplätze<br />
auch von der gesamten Gesellschaft getragen werden, da dort die<br />
Ausbildung der Kleinen bereits beginnt.
</p>
<p>
<b>palimpalim:</b> Sind Sie dann auch für kostenlose<br />
Kindergärten?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die Jusos plädieren stark für<br />
kostenfreie Kindergartenplätze. Da sind jetzt die Kommunen<br />
und die Länder in der Verantwortung, Kindergärten kostenfrei<br />
zu gestalten. Hier gehen sowohl Klaus Wowereit in Berlin als auch<br />
Kurt Beck in Rheinland-Pfalz mit gutem Beispiel voran. Der neue<br />
SPD-Chef hat sogar angekündigt, in den nächsten Jahren<br />
in seinem Land den kostenfreien Zugang zu Kindergärten für<br />
alle zu ermöglichen. Das ist aber nur ein Schritt hin zu einer<br />
Vorschule ab dem vierten Lebensjahr, in dem alle Kinder sowohl Betreuungs-<br />
als auch Bildungsangebote spielerisch erhalten. Das würde nicht<br />
nur bildungspolitisch Sinn machen, sondern wäre auch ein wichtiger<br />
Beitrag zur Integration von Migrantinnen und Migranten.
</p>
<p>
<b>Kuntze1:</b> Was halten Sie von dem Fondsmodell, das<br />
die Arbeitsgruppe Gesundheit derzeit diskutiert?
</p>
<p>
<b><b>Björn Böhning:</b></b> Das Fondsmodell ist bisher<br />
hinreichend unkonkret geblieben. Grundsätzlich kann ich mir<br />
einen Fond, in den die privaten Krankenversicherungen ebenfalls<br />
einzahlen, gut vorstellen. Das Fondsmodell à la Kauder allerdings<br />
sieht das Einfrieren der Arbeitgeberbeiträge sowie eine kleine<br />
Kopfpauschale vor. Letztere würde dafür sorgen, dass die<br />
großen Kassen, die einen Großteil der Patienten versichern,<br />
hohe Kopfpauschalen von ihren Versicherten nehmen müssen. Damit<br />
würden die Ersatzkassen und die AOK vor einer strukturellen<br />
Krise stehen und die vielen auch sozial schwächeren Versicherten<br />
ständen plötzlich ohne jegliche gesundheitliche Betreuung<br />
da. Wir lehnen daher das Fondsmodell in dieser Form ab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kann es sein, dass die SPD heimlich<br />
still und leise und im Schutze der WM nachgibt und sich auf das<br />
Kauder-Modell einlässt, um später womöglich beim<br />
Kündigungsschutz zu punkten?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich habe auch die Befürchtung, dass<br />
die SPD in der Gesundheitspolitik einer Reduzierung der Solidarität<br />
im System Vorschub leistet. Es kommt jetzt für uns darauf an,<br />
dass unser Modell der solidarischen Bürgerversicherung stärker<br />
in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Wir wissen, dass die<br />
übergroße Mehrheit der Bevölkerung Kopfpauschalen<br />
ablehnt. Diese Mehrheit müssen wir für eine fortschrittliche<br />
Gesundheitspolitik mobilisieren.
</p>
<p>
<b>palimpalim:</b> Wie wollen Sie denn eigentlich Einfluss<br />
auf die Entscheidungen der Koalition nehmen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir sind im ständigen Kontakt mit<br />
der SPD-Bundestagsfraktion und auch den sozialdemokratischen Ministern.<br />
Hier werben wir stark für unsere Positionen. Wir Jusos stellen<br />
dazu mittlerweile 20 Prozent der Delegierten auf Bundesparteitagen,<br />
was unsere Stellung innerhalb der SPD enorm verstärkt. Gleichzeitig<br />
werden wir über die Öffentlichkeit und auch mit Bündnispartnern,<br />
wie den Gewerkschaften, die SPD dazu drängen, dass sie es nicht<br />
zulässt, dass das Gesundheitssystem zerschlagen wird.
</p>
<p>
<b>Tarja:</b> Hallo Björn. Die Jusos treten ja gelegentlich<br />
in offene Opposition zur SPD. Glaubst du, dass die Jusos tatsächlich<br />
Einfluss auf die Politik der Mutterpartei nehmen können? Konkret:<br />
Glaubst du, die SPD wird jemals wieder für ArbeitnehmerInnen<br />
und sozial Ausgegrenzte eintreten?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Dafür setze ich mich ein und die<br />
stark ansteigenden Mitgliedszahlen bei den Jusos zeigen, dass unsere<br />
Positionen wieder attraktiver werden. Z.B. sind wir beim Thema &quot;Generation<br />
Praktikum&quot;, also jungen Leuten, die sich von Praktikum zu Praktikum<br />
ohne jegliche Bezahlung hangeln, mit der SPD-Fraktion und dem Arbeitsminister<br />
Franz Müntefering in einem intensiven Dialog. Wir setzen uns<br />
dafür ein, dass junge Praktikanten endlich mehr Rechte und<br />
sozialen Schutz bekommen und finden für unsere Forderungen<br />
bei beiden sehr offene Ohren.
</p>
<p>
<b>PolitBürger:</b> Herr Böhning, Herr Beck<br />
hat meines Erachtens eine unsinnige Debatte angestoßen: Ist<br />
es anstößig, ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Existenzsicherung<br />
geltend zu machen? Wenn dies der Fall wäre, dann müsste<br />
es bereits anstößig sein, derartige Gesetze zu machen.<br />
Zumal kein einziger Politiker im Bundestag existenzielle Probleme<br />
haben dürfte. Was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich denke auch, dass jegliche Debatten<br />
über angebliche Sozialschmarotzer sofort eingestellt werden<br />
müssen. Es kann nicht sein, dass wegen einiger schwarzer Schafe,<br />
die es überall gibt, die Arbeitslosen pauschal verunglimpft<br />
werden. Auch kann es nicht sein, dass die Arbeitslosen jetzt für<br />
handwerkliche Fehler der Politik büßen sollen. Wir wollen<br />
eine soziale Existenzsicherung für alle und dann muss man auch<br />
akzeptieren, wenn Menschen diese in Anspruch nehmen. Ich begrüße<br />
es sehr, dass Kurt Beck seine Äußerungen vom gestrigen<br />
Tage heute bereits deutlich entschärft hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hat Kurt Beck sich da schon zum ersten<br />
Mal in die Nesseln gesetzt, als Parteivorsitzender?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Leider ist es so, dass<br />
Missbrauchsdebatten eine politische Konjunktur haben. Immer dann,<br />
wenn den Schwächsten der Gesellschaft Transfermittel gekürzt<br />
werden sollen, kommt eine populistische Diskussion gegen Ausgegrenzte<br />
hoch. Ich rate Kurt Beck, seine Äußerungen nicht zu wiederholen,<br />
bin aber schon der Meinung, dass sein Hinweis darauf, dass die Wohlhabenden<br />
in der Gesellschaft auch ihren Beitrag zur Finanzierung des Staates<br />
leisten müssen, sehr richtig ist.
</p>
<p>
<b>Philipp Stroehle:</b> Kann man mit den Bürgern<br />
auf Kuschelkurs gehen, wenn die Realität sagt, dass eines der<br />
besten Sozialsysteme nicht mehr refinanziert ist? Da gehören<br />
Fakten auf den Tisch, denen Aktionen folgen müssen. Ob es schmeckt<br />
oder nicht.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Fakt ist, dass unsere Sozialsysteme intakt<br />
sind, allerdings wir auch Reformbedarf haben. Im Gesundheitssystem<br />
z.B. sind die Ausgaben der GKV in den letzten 30 Jahren, gemessen<br />
am Bruttoinlandsprodukt, nicht gestiegen. Wir wissen allerdings<br />
auch, dass wir massive Strukturreserven im System haben müssen.<br />
Z.B. ist es mir nicht einsichtig, warum die Patienten immer zusätzliche<br />
Lasten tragen müssen, Apotheker oder Pharmahersteller weiterhin<br />
ihre Scheininnovationen bei Medikamenten für teures Geld verkaufen<br />
dürfen. Hier ist eine Reform angezeigt. Die Behauptung, die<br />
Sozialsysteme seien alle nicht mehr finanzierbar, trifft aber nicht<br />
zu.
</p>
<p>
<b>Klassensprecher:</b> Sie klingen ein bisschen wie<br />
ihr ehemaliger Parteikollege Oskar Lafontaine. Alles wollen, aber<br />
ohne Verantwortung übernehmen zu können bzw. realisierbare<br />
Vorschläge zu machen. Glauben Sie, dass das bei der jungen<br />
Bevölkerung noch zieht?
</p>
<p>
<b>palimpalim:</b> Sie lehnen ja vieles ab. Mir fehlen<br />
da ein wenig die schlüssigen und realistischen Konzepte als<br />
Antwort auf die Ablehnung!
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich setze mich in der Bildungspolitik<br />
sehr stark für ein längeres gemeinsames Lernen bis Klasse<br />
zehn ein. Alle internationalen Erfahrungen zeigen, dass ein solches<br />
Schulsystem erfolgreicher und chancengleicher ist. Im Gesundheitssystem<br />
schlage ich statt einer Entsolidarisierung eine stärkere Steuerfinanzierung<br />
und ein sinnvollen Qualitätswettbewerb. Drittens plädieren<br />
die Jusos in der Arbeitsmarktpolitik für einen gesetzlichen<br />
Mindestlohn, damit man von Arbeit wieder leben kann. Alle diese<br />
Vorschläge sind auch in der großen Koalition realisierbar<br />
und mit Oskar Lafontaine hatten die Jusos schon in seiner Zeit als<br />
SPD-Vorsitzender nichts zu tun.
</p>
<p>
<b>uta65:</b> Intakt? Dann machen wir uns also nur mal<br />
wieder zu viele Sorgen?
</p>
<p>
<b>Chris82:</b> Aber die Beitragszahler werden doch immer<br />
weniger. Wie kann man da von einem intakten System sprechen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> In der Tat sind viele pauschale Vorwürfe<br />
an die Sozialsysteme der Versuch, diese abzuschaffen. Aber es gibt<br />
natürlich auch Reformbedarf. Weil wir immer weniger Beitragszahler<br />
haben, brauchen wir einen neuen Finanzierungsmix in den sozialen<br />
Sicherungssystemen. Das bedeutet: Wir müssen Kapitaleinkünfte,<br />
die einen immer größeren Stellenwert bei den Einkünften<br />
der Menschen bekommen, über Steuern oder Beiträge in die<br />
Finanzierung des Sozialstaates einbeziehen. Das wäre nur logisch.
</p>
<p>
<b>benji:</b> Es geht darum, eigene Finanzierungsvorschläge<br />
für den Umbau der Sozialsysteme zu machen. Fällt den Jusos<br />
da mehr ein als immer nur die vom Verfassungsgericht für gesetzeswidrig<br />
erklärte Vermögensteuer und die Erhöhung der Erbschaftssteuer?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass<br />
wir einen neuen Finanzierungsmix brauchen. Ich halte z.B. den Vorschlag,<br />
einen Gesundheitssoli einzuführen, um die Kinderversicherung<br />
zu bezahlen, für sinnvoll. Gleichzeitig ist es mir überhaupt<br />
nicht einsichtig, warum man in Deutschland für eine CD Mehrwertsteuer<br />
bezahlt, aber jemand, der auf Börsen Finanzen transferiert,<br />
nicht einen Cent zahlen muss. Wenn wir die Globalisierung wirklich<br />
ernst nehmen, brauchen wir auch neue internationale Steuern. Deshalb<br />
treten die Jusos für eine Börsenumsatzsteuer ein.
</p>
<p>
<b>George2:</b> Was halten Sie von einem bedingungslosen<br />
Grundeinkommen, das armutsfest ist und jedem ohne Bedarfsprüfung<br />
zusteht?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das halte ich für eine linksutopische<br />
Illusion. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre weder finanzierbar<br />
noch politisch sinnvoll. Es wäre nichts anderes als eine Alimentierung<br />
des Nichtstuns und ein Abschreiben der Arbeitslosen in ihrer Situation.<br />
Ein Sozialsystem muss immer auf die Erwerbsverhältnisse zugeschnitten<br />
sein und sollte sich nicht von der Realität abkoppeln.
</p>
<p>
<b>BlubberBlaBla:</b> Eine Börsensteuer wäre<br />
auch nur europaweit interessant. Die Möglichkeit für Schlupflöcher<br />
würde man so in den Griff bekommen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das ist richtig. Wir brauchen endlich<br />
einen europäischen Rahmen für die Steuerpolitik. Ich fordere<br />
von der Bundesregierung ein, dass sie im nächsten Jahr, wenn<br />
sie die EU-Ratspräsidentschaft innehat, endlich konsequente<br />
Schritte für europäische Mindeststeuersätze und eine<br />
europäische Börsenumsatzsteuer unternimmt. Das würde<br />
uns als stärkste Wirtschaftsmacht in Europa gut zu Gesicht<br />
stehen.
</p>
<p>
<b>knutaux:</b> Ist es nicht auch so. dass die Kosten<br />
für Hartz IV systematisch unterschätzt wurden, um jetzt<br />
eine Missbrauchsdebatte anzetteln zu können?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das halte ich für zu verschwörungstheoretisch.<br />
Richtig ist aber, dass Hartz IV die wirkliche Armut in Deutschland<br />
konsequent offen gelegt hat. Wer sich darüber heute beschwert,<br />
hat entweder früher die Realität nicht zur Kenntnis genommen<br />
oder will nun aus Hartz IV ein Murks-ALG II machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gesundheitsreform, Pflegereform, Kündigungsschutz,<br />
Reform der Hartz-Reformen &#8211; gefährliche Klippen für die<br />
große Koalition. Wie sehen Sie deren Zukunft? Wann fliegt<br />
der Laden auseinander? Wie weit kann sich die SPD verbiegen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die Zeit unter rot-grün mit der Agenda<br />
2010 hat gezeigt, dass die SPD viele derlei Sargnägel nicht<br />
mehr verträgt. Neuerliche Massenaustritte oder weitere verheerende<br />
Wahlniederlagen stellen die SPD vor eine Existenzkrise. Gerade deshalb<br />
muss sie in der großen Koalition ein klares sozialdemokratisches<br />
Profil zeigen. Wichtig ist, dass wir den Niedriglohnsektor endlich<br />
ordnen und existenzsichernde Löhne in Deutschland durchsetzen<br />
und dass wir den Mut haben, nicht nur mittlere und niedrige Einkommen<br />
zu belasten, sondern auch hohe. Ich finde den Weg, der jetzt bei<br />
der Erbschaftssteuer eingeschlagen wird, nämlich Steuererlasse<br />
nur zu gewähren, wenn auch wirklich Arbeitsplätze gesichert<br />
oder geschaffen werden, für richtig. Hier zeigt sich die Doppelmoral<br />
der Union. Sie will Unternehmen nur entlasten, damit ihre Gewinne<br />
steigen. Das ist nicht unser Weg.
</p>
<p>
<b>borowski:</b> Wer wird Weltmeister?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Deutschland wird Weltmeister. Wir werden<br />
Brasilien im Finale schlagen. Das geht aber nur, wenn Franz Beckenbauer,<br />
besser bekannt unter &quot;der Kaiser&quot;, dem Bundestrainer und<br />
der Nationalmannschaft endlich nicht mehr öffentlich in den<br />
Rücken fällt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Herzlichen Dank an alle, die sich beteiligt haben. Wer heute mit<br />
seiner Frage nicht durchgekommen ist, möge es uns nachsehen.<br />
Besonderen Dank an unseren Gast, Björn Böhning, der sich<br />
Zeit für uns genommen hat. Unser nächster Chatgast wird<br />
am 26. Juni ab 14 Uhr Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD)<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Vielen Dank auch. Und<br />
ich wünsche uns allen ein gutes Fußballspiel heute Abend.<br />
Deutschland gewinnt 3:0.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Was sind die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Generationengerechtigkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Jusos]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Björn Böhning, Vorsitzender 
der Jusos, und Philipp Mißfelder, Vorsitzender der Jungen 
Union, waren am 13. September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale 
für politische Bildung. Es entzündete sich eine kontroverse 
Debatte über die Zukunft der Sozialsysteme, das Thema Generationengerechtigkeit 
und die Bildungspolitik.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Björn Böhning, Vorsitzender<br />
der Jusos, und Philipp Mißfelder, Vorsitzender der Jungen<br />
Union, waren am 13. September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale<br />
für politische Bildung. Es entzündete sich eine kontroverse<br />
Debatte über die Zukunft der Sozialsysteme, das Thema Generationengerechtigkeit<br />
und die Bildungspolitik.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
herzlich Willkommen im zweiten Live-Duellchat der Bundeszentrale<br />
für politische Bildung. Gestern waren Nike Wessel, Grüne<br />
Jugend, und Johannes Vogel, Junge Liberale, zu Gast. Heute chatten<br />
wir mit den Vorsitzenden von Junger Union und den Jusos, Philipp<br />
Mißfelder und Björn Böhning. Im oberen Feld werden<br />
die beiden Politiker befragt, in dem unteren Feld werden die Fragen<br />
und Kommentare der Chatterinnen und Chatter abgebildet. Wir freuen<br />
uns auf Ihre Kommentare und Fragen, die Sie gerne an die beiden<br />
Duellanten richten können. Herzlich Willkommen Herr Mißfelder<br />
(in Recklinghausen) und Herr Böhning (in Berlin)! Können<br />
wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ja, gerne.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder</b>: Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, Herr Böhning, eine Frage<br />
vorab: Haben Sie sich schon einmal durch den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale<br />
für politisch Bildung geklickt (www.wahl-o-mat.de), mit dem<br />
man anhand von einigen Fragen seine Parteipräferenz überprüfen<br />
kann? Und damit verknüpft die Frage: Was kam denn raus, bei<br />
Ihnen? Die Mutterpartei?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Nein, werde ich aber<br />
im Anschluss an Chat machen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Nein, habe ich auch noch<br />
nicht gemacht, aber ich werde es nachholen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das könnte ja überraschende Antworten generieren:<br />
Jugendorganisationen von Parteien sind ja im besten Falle so etwas<br />
wie die Brutstätte für Reformen der Mutterpartei. Dabei<br />
weichen gerade Jugendorganisationen eben auch immer wieder von der<br />
Parteilinie ab. Herr Böhning, Herr Mißfelder, wie zukunftsfähig<br />
sind ihre eigenen Parteien? Herr Böhning, machen Sie den Anfang?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Na, in der Tat haben<br />
wir eine ganze Menge Kritik auch an der Bundesregierung geübt.<br />
Wir sehen aber, dass unsere Kritik Folgen gehabt hat und im Wahlmanifest<br />
der SPD jetzt die wichtigsten Zukunftsthemen angesprochen sind.<br />
Das ist erstens die Bildungspolitik, die wir stärker fördern<br />
wollen, auch finanziell, und das ist zweitens die Vereinbarkeit<br />
von Familie und Beruf, die wir durch das Elterngeld sicher stellen<br />
wollen. Das ist zukunftsfähige Politik.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Kritik gehört dazu.<br />
Wir haben die Pflicht als Jugendorganisation die Interessen der<br />
jungen Generation zu vertreten. Das weicht sehr häufig von<br />
den offiziellen Stellungnahmen von der Partei ab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wo sind denn bei CDU und SPD die größten<br />
Konfliktlinien zwischen Jugendorganisation und Mutterpartei?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Sicherlich bei der Frage<br />
der Generationengerechtigkeit. Zwar haben wir in den vergangenen<br />
Jahren sehr viel durchsetzen können, aber die Jugend ist in<br />
Deutschland vollkommen unterrepräsentiert, wenn es um deren<br />
Interessenvertretung geht.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Insbesondere bei der<br />
Bildungspolitik und bei der Frage der Gerechtigkeit, wo wir weitergehende<br />
Vorstellungen haben. Wir haben uns z.B. dafür eingesetzt, dass<br />
die Erbschaftssteuer erhöht wird, um dieses Geld direkt an<br />
die Schulen zu geben. Da haben wir uns bis jetzt noch nicht durchsetzen<br />
können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wo sind denn aus Ihrer Sicht die größten<br />
Unterschiede zwischen den beiden Jugendorganisationen, denen sie<br />
vorstehen? In welchen Bereichen hat der jeweils andere (also Herr<br />
Mißfelder zur SPD, Herr Böhning zur CDU?) denn keine<br />
ausreichende Programmatik vorzuweisen? Vielleicht zunächst<br />
nur in Stichworten, wir gehen dann in der Folge auf einzelne Bereiche<br />
ein.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Bei der Zukunft der Wehrpflicht<br />
und auch in der Bildungspolitik.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Der größte<br />
Unterschied ist, dass wir der Meinung sind, dass Schuldenmachen<br />
nichts mit Generationengerechtigkeit zu tun.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort Generationengerechtigkeit möchte ich<br />
aufgreifen: Die Sozialsysteme müssen reformiert werden, das<br />
ist wohl unbestritten. Was sagen Sie Vertretern Ihrer Generation,<br />
die von Ihnen fordern, für mehr Generationengerechtigkeit zu<br />
sorgen &#8211; z.B. beim Thema Rente? Hat das Umlagefinanzierte System<br />
ausgedient? Kann man jungen Menschen zumuten, in die Staatskasse<br />
einzuzahlen und gleichzeitig privat vorzusorgen?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Es wird eine Doppelbelastung<br />
der jungen Generation geben, nämlich erstens dass die junge<br />
Generation das marode Rentensystem weiter finanzieren muss und zweitens<br />
Eigenvorsorge betreiben muss.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Diese Doppelbelastung<br />
gibt es nur, wenn wir neben dem umlagefinanzierten System auch eine<br />
Privatversicherung aufbauen. Das ist nicht sinnvoll. Deshalb brauchen<br />
wir auch zukünftig die bestehenden 3 Säulen, Umlage, Steuern<br />
und Riester-Rente. Das ist zukunftsfähig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Die Beiträge bleiben<br />
auch in den nächsten Jahren leider auf einem sehr hohem Niveau<br />
und wir wissen bereits heute, dass demgegenüber eine geringere<br />
Gegenleistung gegenüber stehen wird. Deshalb müssen wir<br />
der jungen Generation bereits heute sagen, dass sie sich nicht mehr<br />
allein auf die gesetzliche Rentenversicherung verlassen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was für einen Stellenwert sollen in Zukunft private<br />
Vorsorgen einnehmen, Herr Böhning? Die Doppelbelastung ist<br />
ja schon längst da. Viele junge Menschen empfinden das System<br />
als subjektiv ungerecht, Herr Böhning &#8211; waren die Reformen<br />
nicht ausreichend?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die privater Vorsorge<br />
wird weitere eine starke Säule bleiben. Wir stellen uns aber<br />
gegen eine Umstellung der Rente auf ein kaptialgedecktes System,<br />
wie z.B. Kirchhof das will. Ziel einer modernen Rentenpolitik muss<br />
es sein, dass die neuen Lebens- und Erwerbsläufe junger Menschen<br />
auch in der Rentenberechnung Berücksichtigung finden. Das heißt,<br />
wir müssen Auszeiten und Weiterbildungszeiten in der Rente<br />
anrechnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort Herr Kirchhof, Herr Mißfelder: Ist sein<br />
Steuersystem aus Ihrer Sicht ein Beitrag zur &quot;Generationengerechtigkeit&quot;?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Kapitaldeckung und Eigenvorsorge<br />
werden zukünftig die wichtigere Säule der Rentenversicherung<br />
sein. Die Umlage kann in Zukunft aufgrund der demographischen Situation<br />
in unserem Land in einigen Jahrzehnten nur noch ein Existenzminimum<br />
leisten.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das sehe ich anders.<br />
Es ist vielmehr so, dass wir heute die 3 Säulen der Rente stärken<br />
müssen. Die demographische Situation ist erstens abhängig<br />
von der Gestaltung der Einwanderung und einer modernen Familienpolitik.<br />
Diese zu verändern, ist weitaus sinnvoller, als die Rente zu<br />
privatisieren. Wir haben in den USA gesehen, welche negativen Auswirkungen<br />
ein privates Rentenversicherungssystem hat. Dort stehen nach einigen<br />
Firmenpleiten Millionen von Rentnerinnen und Rentnern ohne Einkommen<br />
da.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, hier schwingt der Vorwurf mit,<br />
dass die CDU kaltherzigen Kapitalismus bis ins hohe Alter organisieren<br />
will. Kann man das so stehen lassen?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Einwanderungspolitik<br />
ist auf gar keinen Fall die Lösung. Der Kapitalismus ist nicht<br />
kaltherzig, gerade weil die CDU für die Prinzipien der sozialen<br />
Marktwirtschaft eintritt.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Von den Prinzipien der<br />
sozialen Marktwirtschaft hat sich die Union spätestens mit<br />
Kirchhof und Merkel verabschiedet. Davon zeugt zum Beispiel die<br />
ungerechte Kopfpauschale, die Reiche massiv entlasten soll und Arbeitnehmerinnen<br />
und Arbeitnehmer belastet.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Das ist doch einfach<br />
pures Wahlkampfgetöse. Wir brauchen wieder mehr Rückbesinnung<br />
auf die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, indem wir überhaupt<br />
Wettbewerb, Eigenverantwortung und Subsidiarität wieder zulassen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Es ist interessant, dass<br />
Herr Mißfelder es als pures Wahlkampfgetöse bezeichnet,<br />
wenn über die Unterschiede zwischen der Bürgerversicherung<br />
und der Kopfpauschale gesprochen wird. Das werden diejenigen anders<br />
sehen, die von dieser Unionspolitik betroffen wären.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur Generationengerechtigkeit, dann kommen<br />
wir zum Thema Bildung. Wie kann den Generationengerechtigkeit im<br />
Sozialbereich aussehen? Indem alten Menschen nicht mehr jedes neue<br />
Hüftgelenk bezahlt wird, wie Sie, Herr Mißfelder, einmal<br />
überspitzt formulierten?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Sie verkürzen unzulässigerweise<br />
die Diskussion von vor zwei Jahren. Es geht um Generationengerechtigkeit<br />
und die Chancen gerade auch zukünftiger Generationen um Teilhabe<br />
am gesellschaftlichen Wohlstand in allen Lebensbereichen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich bin der Meinung,<br />
dass solche Vergleiche unserer Generation schaden und unsozial sind.<br />
Aus meiner Sicht ist mit dem Thema Generationengerechtigkeit vor<br />
allem die Schaffung von Bildungschancen junger Menschen verbunden<br />
und nicht Sozialabbau.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gleichzeitig, Herr Böhning, hat die SPD keine wirklichen<br />
Alternativen in 7 Jahren Regierungsverantwortung erarbeitet, oder?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning: </b>Das stimmt nicht. Wir<br />
haben die Arbeitslosenversicherung erneuert und eine aktive Arbeitsmarktpolitik<br />
durchgesetzt. Wir haben mehr in Bildung investiert durch das Ganztagesschulprogramm<br />
und die massive Ausweitung des Bafögs und wir haben für<br />
die Ausbildungschancen junger Menschen gesorgt, indem wir die Jugendarbeitslosigkeit<br />
reduziert haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, bietet die CDU da mehr an?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Rot-grün hat in<br />
den vergangenen Jahren so gut wie nichts erreicht. Die Arbeitslosigkeit<br />
ist gestiegen, die Rentenkasse ist pleite, die Pflegeversicherung<br />
kollabiert. Bei den Bildungschancen stimme ich Björn absolut<br />
zu. In Zukunft muss Bildung und Familie eines der Hauptfelder der<br />
politischen Tagesordnung sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Bildung: Gemeinsam argumentieren sie, dass hier<br />
weitaus mehr getan werden muss, als bislang. Aber wenn die CDU sich<br />
für Studiengebührten ausspricht, schreit die SPD; wenn<br />
die Regierung Ganztagsschulen mit mehreren Milliarden fördert,<br />
ist die Resonanz der CDU verhalten. Fangen wir mit den Ganztagsschulen<br />
an: Herr Mißfelder, ist es nicht richtig, viel Geld in eine<br />
Reform des Schulwesens zu stecken?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Ganztagsschulen sind<br />
sehr wichtig um jungen Paaren die Möglichkeit zu geben Beruf<br />
und Familie miteinander zu vereinbaren. Deshalb sind wir als JU<br />
nicht dagegen, sondern dafür. Wir wollen allerdings auch, dass<br />
insgesamt mehr Geld für Bildung investiert wird und deshalb<br />
sprechen wir uns für Studiengebühren aus, weil dies die<br />
einzige Möglichkeit ist momentan, um weiteres Geld für<br />
die Universitäten zu bekommen. Der Staat ist bankrott und weitere<br />
Schuldenmachen wäre unverantwortlich, deshalb müssen die<br />
Studenten sich stärker an den Kosten mit beteiligen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir brauchen mehr Ganztagesschulen<br />
in Deutschland und das haben wir mit vier Milliarden Euro gefördert.<br />
Mir ist es lieber, dass schnell etwas für mehr Ganztagsschulen<br />
getan wird als über Länderkompetenz zu streiten. Es zeigt<br />
sich heute, dass die Unionsländer, insbesondere Kochs Hessen,<br />
die Mittel für den Bau von Ganztagsschulen in nur geringem<br />
Maße abfragen und damit die Strategie der Vereinbarkeit von<br />
Familie und Beruf konterkariert wird. Bei allen Unterschieden zwischen<br />
Mutterpartei und Jugendorganisation verschärft die Union mit<br />
ihrer rückständigen Familienpolitik die schwierige Situation<br />
vieler Mütter und Väter.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Also ein &quot;Boykott&quot; einer an sich richtigen<br />
Reform, Herr Mißfelder?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Kein Boykott, sondern<br />
zielsichere Förderung. Wir dürfen das Geld nicht zum Fenster<br />
rausschmeißen, sondern müssen Projekte fördern,<br />
die tatsächlich eine Chance auf Erfolg haben. Reine Verwahranstalten<br />
für Kinder lehnen wir ab. Wir wollen dass Bildungsinhalte auch<br />
in Ganztagsangebote integriert werden und dort geht es eben nicht<br />
nur um den Bau von Schulgebäuden, sondern ganz klar um den<br />
Inhalt.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir fördern die<br />
Vereinbarkeit von Familie und Beruf und schaffen Bildungschancen<br />
und Herr Mißfelder nennt das Verwahranstalten. Das lasse ich<br />
mir auf der Zunge zergehen. Aber jenseits der Rhetorik brauchen<br />
wir in der Tat bildungspolitische Programme für die Ganztagsschulen,<br />
da sind die Länder in der Pflicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sind denn die föderalen Strukturen eine Chance<br />
oder ein Hindernis für eine groß angelegte Bildungsreform?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Nein. Auch zukünftig<br />
ist Bildungspolitik Ländersache und dort wo die Union regiert<br />
sieht man, dass die Ergebnis weitaus besser sind als bei rot-grün<br />
regierten Ländern z.B. Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Bayern ist im internationalen<br />
Vergleich auch nur hintere Mittelklasse im Vergleich z.B. mit den<br />
skandinavischen Ländern. Auch hier gilt: Der Einäugige<br />
ist unter den Blinden König. Klar ist: die Länder, die<br />
ein integratives Bildungssystem haben, in dem länger gemeinsam<br />
gelernt wird, sind erfolgreich. Wir wollen deshalb mehr Förderung,<br />
auch frühkindliche Förderung. Ich persönlich bin<br />
der Meinung, die Durchsetzung dieser Themen ist mir wichtiger als<br />
irgendwelche Länderkompetenzen.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Die Situation in den<br />
skandinavischen Ländern kann man gar nicht vergleichen mit<br />
dem deutschen System. Es wird wesentlich mehr Geld in anderen Ländern<br />
ausgegeben als bei uns und deshalb hängt es auch stark davon<br />
ab, ob die Politik bereit ist in Bildung zu investieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Insgesamt aber, das zeigte die Pisa-Studie, hinkt Deutschland<br />
hinterher. Wird denn insgesamt genug Geld für Bildung ausgegeben?<br />
Wie viel Prozent des Bruttoinlandprodukts müsste denn in diesem<br />
Bereich ausgegeben werden, wenn man es „richtig“ machen<br />
wollte?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Dort gibt es keine Zahlen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Sechs Prozent am Bruttoinlandsprodukt<br />
für Bildung und Forschung.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Klar ist nur, dass Schüler<br />
nicht in heruntergekommenen Klassenzimmern sitzen sollen und mehr<br />
als 30 Schüler nicht in einer Klasse gehören von 6 Prozent<br />
ist übrigens die Bundesrepublik sehr weit entfernt.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das stimmt, das stellt<br />
mich trotzdem nicht zufrieden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Würde der Bildungs- und Forschungsetat unter einer<br />
CDU Regierung denn wachsen?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Forschungs- und Bildungsausgaben<br />
werden steigen aber eben nicht nur seitens des Staates, sondern<br />
der Einzelne muss auch bereit sein, mehr Geld für seine persönliche<br />
Bildung auszugeben. Und wir müssen Unternehmen animieren, dass<br />
Deutschland wieder zum Forschungsstandort Nummer 1 wird. Das hat<br />
gerade die grüne Partei mit ihrer Technikfeindlichkeit in den<br />
vergangenen 7 Jahren sehr stark verhindert&#8230; Windkraft, Dosenpfand,<br />
Technikfeindlichkeit!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Studiengebühren: Wie ist<br />
das denn mit den Studiengebühren, Herr Böhning: Wäre<br />
das wirklich so schlimm? Das bisherige System hat ja nun auch nicht<br />
wirklich dazu geführt, dass ärmere Schichten an die Unis<br />
strömen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die Einführung von<br />
Studiengebühren führt dazu, dass noch viel mehr Menschen<br />
aus bildungsfernen Schichten keine Chance haben, zur Uni zu gehen.<br />
Schon heute ist die Bildung stark vom Geldbeutel der Eltern abhängig.<br />
Das ist ein Skandal und wir müssen diese Entwicklung umkehren.<br />
Deshalb bin ich gegen Studiengebühren jedweder Art. Sie verhindern<br />
Chancengleichheit und gefährden den Wissenschaftsstandort Deutschland,<br />
denn es ist doch klar: wir brauchen mehr Fachkräfte statt weniger<br />
Fachkräfte.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Es ist unsozial, dass<br />
der Geselle und der Handwerksmeister mit seinen Steuern das Studium<br />
des Zahnarztsohnes bezahlt. Gerade viele Auszubildende müssen<br />
große Teile ihrer Ausbildung selbst bezahlen. Deshalb ist<br />
es ungerecht, dass Studenten bisher sich nicht beteiligt haben und<br />
nachher als Akademiker wesentlich mehr Geld verdienen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, drängen Studiengebühren<br />
die bildungsfernen Schichten tatsächlich aus der Uni?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Studiengebühren<br />
sind nicht unsozial.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Es hat sich gezeigt in<br />
Ländern, die Studiengebühren eingeführt haben, wie<br />
z.B. Österreich, dass die Zahl derer. Studierenden aus Arbeiterhaushalten<br />
massiv eingebrochen ist. Da hilft auch nicht ein irgendwie geartetes<br />
Stipendiensystem, sondern Studiengebühren sind an sich ein<br />
Hemmnis, zur Universität zu gehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage von &quot;Blubber&quot;: Macht es denn<br />
überhaupt Sinn so viele Studenten auszubilden? Gibt es hier<br />
eine Nachfrage in absehbarer Zeit?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder: </b>Ja, wir brauchen in Zukunft<br />
wesentlich mehr Fachkräfte. Aber über Studiengebühren<br />
am 18. September gar nicht abgestimmt. Das entscheiden ganz allein<br />
die Bundesländer.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ja, es macht Sinn. Weil<br />
wir in der Wissensgesellschaft mehr Uniabsolventen statt weniger<br />
brauchen. Nur dann haben wir eine Chance im europäischen und<br />
internationalen Wettbewerb.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müssen Reformen im Bildungswesen nicht auch dazu<br />
führen, dass der Bund &#8211; und nicht die Länder &#8211; das Bildungswesen<br />
stärker steuert? Bislang liegt das in Länderhand.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Grundsätzlich bin<br />
ich für eine stärkere Bundeskompetenz im Bildungssystem,<br />
weil wir uns einen bildungspolitischen Flickenteppich in Zukunft<br />
nicht mehr leisten können. Wir fordern von jungen Menschen<br />
immer mehr Mobilität und Flexibilität ein, gleichzeitig<br />
gibt es 16 unterschiedliche Bildungssysteme in Deutschland, von<br />
den europäischen Dimensionen ganz zu schweigen. Das zeigt,<br />
wir brauchen mehr Einheitlichkeit.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Es gibt kulturelle Unterschiede<br />
auch zwischen einzelnen Bundesländern. Baden-Württemberg<br />
arbeitet viel enger mit Frankreich zusammen, Schleswig-Holstein<br />
sehr eng mit Dänemark. Diese Unterschiede müssen berücksichtigt<br />
werden und deshalb lehne ich diesen Einheitsbrei, den die SPD plant,<br />
ab.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Was im übrigen nur<br />
Flensburg und Schleswig zutrifft. Wenn ich mich gegen einen Flickenteppich<br />
ausspreche, meine ich, dass der föderale Wettbewerb nicht zu<br />
Kosten der jungen Menschen existieren darf. Deshalb brauchen wir<br />
Rahmenbedingungen für einen deutschen und europäischen<br />
Bildungsraum, das ist dann nicht Einheitsbrei, sondern das sind<br />
Zukunftschancen für junge Menschen, unabhängig davon,<br />
in welchem Bundesland sie geboren sind oder wo sie hinziehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Ausbildung. Die Jusos forderten mal „Wer<br />
nicht ausbildet, wird umgelegt“. Dazu diese Frage an Sie beide:<br />
&lt;Maus&gt; Ich bin auch für mehr Ausbildungsplätze –<br />
Studieren ist natürlich nicht das non plus ultra. Wo sollen<br />
die denn herkommen, Herr Mißfelder, Herr Böhning? Herr<br />
Mißfelder, Sie haben das Wort.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Ausbildungsplätze<br />
und Arbeitsplätze entstehen nur wenn Wirtschaftswachstum vorhanden<br />
ist. Dafür müssen wird die Rahmenbedingungen schaffen,<br />
d.h. Steuern runter, Bürokratie weg, weniger Öko-Schwachsinn!
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> &#8230;ist ja interessant:<br />
Ausbildungschancen gibt es also nur, wenn wir Wirtschaftswachstum<br />
haben. Das glaube ich nicht. Bildungschancen müssen unabhängig<br />
von der wirtschaftlichen Gesamtsituation bereit gestellt werden.<br />
Leider haben die Unternehmen in der Vergangenheit sich ihrer Verantwortung<br />
zur Schaffung von genügend Ausbildungsplätzen entzogen.<br />
Deshalb bleibt es richtig, dass die Unternehmen, die nicht ausbilden,<br />
zahlen für die Unternehmen, die ausbilden.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Ohne Wirtschafswachstum<br />
gibt es keinen Weg aus der Wirtschaftskrise. Die Unternehmen müssen<br />
erst einmal wieder Luft zum Atmen bekommen, um überhaupt an<br />
neue Jobs denken zu können. Der Mittelstand muss deshalb besonders<br />
entlastet werden.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> &#8230;und junge Menschen,<br />
die einen Ausbildungsplatz suchen, sollen dann auf der Straße<br />
bleiben?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Nein. Wirtschaftswachstum<br />
führt sofort zu einer Einstellungswelle, wenn wir bürokratische<br />
Hemmnisse, z.B. im Arbeitsrecht abbauen. Björn Böhning:<br />
Das heißt nichts anders, als die Abschaffung von Arbeitnehmerrechten<br />
wie dem Kündigungsschutz oder der Tarifautonomie. Das schafft<br />
zwar keine Arbeit, dafür aber Ungerechtigkeit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kann man nicht beides machen? Für Wirtschaftswachstum<br />
sorgen und durch sanften Druck mehr freie Ausbildungsplätze<br />
garantieren? Stehen diese beiden Positionen sich wirklich so unversöhnlich<br />
gegenüber?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Nein. Beides ist möglich<br />
und muss gleichzeitig durchgesetzt werden.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Sanfter Druck O.K. Weitere<br />
Zwangsmaßnahmen nein. Der Mittelstand leidet so sehr unter<br />
den bürokratischen Hürden, die gerade Rot-Grün aufgebaut<br />
hat. Noch weitere Belastungen sind nicht vertretbar.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Wir haben 130.000 Mitglieder<br />
in der JU. Wir haben zum erstem Mal seit über 20 Jahren wieder<br />
steigende Mitgliederzahlen. Von Politikverdrossenheit kann daher<br />
gar keine Rede sein. Die jungen Menschen wollen sich engagieren<br />
und deshalb müssen die Parteien wesentlich attraktiver werden<br />
für die Jugend.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Seit dem 22. Mai (NRW-Wahl)<br />
haben die Jusos über 3000 neue Mitglieder gewonnen. Das zeigt,<br />
es gibt keine Politikverdrossenheit, sondern eher eine Parteienverdrossenheit.<br />
Dem müssen wir uns ernsthaft stellen und offene Formen der<br />
Mitarbeit anbieten. Das heißt z.B. im Wahlkampf nicht im Hinterzimmer<br />
zu verbleiben, sondern dort hinzugehen, wo junge Menschen sind.<br />
In der Kneipe oder an der Küste.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Aber Sie wollen doch nicht bestreiten, dass die Parteibindung<br />
insgesamt abnimmt. Was sind da Konzepte, dieser Entwicklung entgegenzuwirken?<br />
Zwischen den Wahlterminen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir haben zwei zentrale<br />
Dinge bereits angegangen. Erstens kümmern wir uns programmatisch<br />
und organisatorisch stärker als in der Vergangenheit um junge<br />
Auszubildende. Mittlerweile sind dadurch wieder deutlich mehr Azubis<br />
bei den Jusos aktiv. Und zweitens müssen wir viel stärker<br />
als in der Vergangenheit das Internet nutzen, um mit jungen Menschen<br />
in Dialog zu treten und sie anzusprechen.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Politik muss Glaubwürdigkeit<br />
zurück gewinnen, deshalb ist es richtig, was Angela Merkel<br />
macht, nämlich vor der Wahl zu sagen was nach der Wahl Sache<br />
ist. Diese Strategie der Ehrlichkeit ist der entscheidende Schlüssel,<br />
um junge Menschen wieder für Politik zu begeistern. Denn viele<br />
fragen sich, warum über Jahrzehnte falsche Versprechungen gemacht<br />
wurden, die ohnehin nicht einzuhalten waren. Merkel hat aus unserer<br />
Sicht damit den Nerv der Jugend in Deutschland getroffen und deshalb<br />
unterstützen wir sie mit voller Kraft.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten Live-Chatduell der Bundeszentrale<br />
für politische Bildung! Vielen Dank für Ihr Interesse.<br />
Herzlichen Dank an Herrn Mißfelder und Herrn Böhning,<br />
dass Sie sich kurz vor Wahlkampfende die Zeit genommen haben. Es<br />
sind viele Fragen übrig geblieben. Der dritte und letzte Chat<br />
in dieser Reihe der Bundeszentrale für politische Bildung findet<br />
am Freitag, den 16. September ab 16 Uhr statt. Den Fragen stellen<br />
sich dann die Jugendreferenten von PDS / Linkspartei und vom Deutschen<br />
Gewerkschaftsbund. Wir würden uns freuen, wenn Sie auch dann<br />
wieder dabei sein könnten!
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wichtig ist, dass möglichst<br />
viele junge Menschen wählen gehen, denn jede Stimme zählt!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir lassen den Talkraum unten noch<br />
etwas offen, schlage ich vor. Herr Mißfelder, was sind Ihre<br />
Vorschläge?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Wählen gehen ist<br />
das Wichtigste.</p>
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