<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>BND-Affäre &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/bnd-affaere/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Fri, 05 Jun 2020 08:25:55 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>BND-Affäre &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Das Kanzleramt kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen!</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/das-kanzleramt-kann-sich-nicht-aus-der-verantwortung-stehlen-145488/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/das-kanzleramt-kann-sich-nicht-aus-der-verantwortung-stehlen-145488/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[André Hahn]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 May 2015 10:06:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitischer Einspruch]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[BND]]></category>
		<category><![CDATA[Frank-Walter Steinmeier]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Altmaier]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas de Maizière]]></category>
		<category><![CDATA[Kanzleramt]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[NSA]]></category>
		<category><![CDATA[Ronald Pofalla]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=145488</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Vor knapp zwei Wochen wurden die ersten Informationen über den BND-Skandal durch Recherchen des Spiegel bekannt. Seitdem stehen das Bundeskanzleramt und seine aktuellen und letzten Leiter in der Kritik. Aber auch Bundeskanzlerin Merkel gerät zunehmend unter Druck, die Hintergründe der Affäre schnell und umfassend aufzuklären. Dr. André Hahn (Die Linke) ist Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums zur Überprüfung der Tätigkeit der Geheimdienste, er schreibt in einem Gastbeitrag über den Spionageskandal von BND und NSA und die Verantwortung des Kanzleramtes.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Noch kann man die Dimension der jüngstens BND/NSA-Affäre nicht abschließend bewerten, aber nach dem, was bisher in den Medien berichtet wurde und auch ich aus meiner Arbeit weiß, handelt es sich um einen der größten Geheimdienstskandale in der Geschichte der Bundesrepublik.</p>
<p>Der Bundesnachrichtendienst (BND) soll dem US-Geheimdienst über fast ein Jahrzehnt hinweg beim Ausforschen und Aushorchen von europäischen Unternehmen, Institutionen sowie Politikern und letztlich auch bei Wirtschaftsspionage geholfen haben.</p>
<p>Im BND ist das durchaus aufgefallen, schließlich hat man über Jahre hinweg offenbar mehr als 40.000 illegale Suchbegriffe festgestellt, die seitens der NSA in die Überwachungsmaschinerie eingespeist werden sollten. Diese wurden nach Erkennung gesperrt, wobei unklar ist, ob und wie lange sie vorher schon im System waren. Zudem sind noch nicht einmal alle heiklen Begriffe erfasst worden, wie sich nach den Snowden-Enthüllungen herausstellte, denn bei einer Tiefenprüfung im Jahr 2013 – so laut nicht dementierten Medienberichten – sollen noch einmal 2.000 so genannte Selektoren gefunden worden sein, die womöglich über Jahre hinweg zu Anwendung kamen und über die millionenfach Daten von Organisationen und Personen erfasst wurden, die weder etwas mit Waffenhandel noch mit organisierter Kriminalität und schon gar nicht mit Terrorismus zu tun hatten. Doch allein das waren die Themen für die gemeinsamen Projekte zwischen dem BND und amerikanischen Geheimdiensten.</p>
<p>Wenn die neuesten Informationen stimmen und es schon in den Jahren 2008 bzw. 2010 Berichte des BND über versuchte bzw. auch real erfolgte Wirtschaftsspionage seitens der NSA an die Dienst- und Fachaufsichtsbehörde gegeben hat, dann hätte das Bundeskanzleramt das Parlamentarische Kontrollgremium und auch die Obleute im NSA-Untersuchungsausschuss belogen, denn dort hat Kanzleramtsminister Altmaier am 22. April 2015 erklärt, sein Amt habe erst vor wenigen Tagen von derartigen Bestrebungen erfahren.</p>
<p>Natürlich war Herr Altmaier 2008 noch nicht im Amt &#8211; das war der jetzige Bundesinnenminister de Maizière &#8211; aber Altmaier trägt neben der Bundeskanzlerin die politische Verantwortung für sein Haus. Deshalb müssen sofort alle Karten auf den Tisch, sowohl gegenüber dem Kontrollgremium als auch gegenüber dem Untersuchungsausschuss, der den Hauptteil der Aufklärung zu leisten hat.</p>
<h3>Bundestag muss Ausklärungsarbeit leisten (können)</h3>
<p>Das Parlament hat Anspruch auf die ganze Wahrheit, und die Abgeordneten sind fraktionsübergreifend nicht bereit, sich länger mit häppchenweisen Informationen abspeisen zu lassen. Es muss vollständig aufgeklärt werden, wer wann durch wen über die Versuche der (Wirtschafts-)Spionage gegen deutsche und europäische Interessen unterrichtet und was daraufhin dagegen unternommen wurde &#8211; oder eben auch nicht. Der NSA-Untersuchungsausschuss muss alle angeforderten Unterlagen vollständig erhalten, insbesondere auch die kompletten Listen mit den so genannten Selektoren, also jenen Suchbegriffen (Namen, Firmen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern usw.), die die NSA interessierten. Erst dann kann man den tatsächlich entstandenen Schaden wirklich erkennen.</p>
<p>Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, warum der BND Spionage gegen deutsche und europäische Interessen direkt oder indirekt unterstützt, zumindest aber geduldet hat. Allerdings wurde von BND-Leuten im NSA-Untersuchungsausschuss immer wieder betont, dass die Geheimdienst-Kooperation mit den USA angeblich unverzichtbar sei. Möglicherweise hat man deshalb weggeschaut, und der Bundesregierung fehlte offenbar der Mut, den US-Bestrebungen entschieden entgegenzutreten. Es wäre jedoch sowohl die Verantwortung des BND und vor allem des Kanzleramtes gewesen, sofort zu intervenieren und gegebenenfalls die Zusammenarbeit in den rechtlich ohnehin umstrittenen Projekten zu beenden. Das ist aber offenbar nicht geschehen. Diese Unterwürfigkeit gegenüber den US-Amerikanern muss endlich ein Ende haben!</p>
<p>Ob die Bundeskanzlerin selbst von den Vorgängen in Kenntnis gesetzt wurde, ist derzeit noch nicht sicher. Es ist aber kaum vorstellbar, dass ihr Kanzleramtschef von solchen Vorgängen weiß und seine Chefin nicht unterrichtet. Eines ist aber klar: Angesichts der Dimension der Vorwürfe muss es am Ende auch personelle Konsequenzen geben, an der Spitze des BND ebenso wie im Kanzleramt. Momentan ist vor allem der frühere Kanzleramtschef de Maizière in der Kritik, aber auch sein Vorgänger Steinmeier und sein Nachfolger Pofalla sind längst nicht „aus dem Schneider“ und werden im Untersuchungsausschuss vielleicht sogar unter Eid aussagen müssen. Thomas de Maizière wird voraussichtlich schon am 6. Mai dem Parlamentarischen Kontrollgremium Rede und Antwort stehen. Danach wissen wir hoffentlich mehr.</p>
<p>Bilder: <a href="http://www.flickr.com/photos/95284782@N06/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">marsmet548</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a></p>
<div class="attribution-info"></div>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/das-kanzleramt-kann-sich-nicht-aus-der-verantwortung-stehlen-145488/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Der BND braucht ein reinigendes Gewitter&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/der-bnd-braucht-ein-reinigendes-gewitter-142/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/der-bnd-braucht-ein-reinigendes-gewitter-142/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 May 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Auslandseinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Renate Künast]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/der-bnd-braucht-ein-reinigendes-gewitter-142/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 17. Mai, war Renate 
Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Sie beantwortete Fragen zur BND-Affäre und zum geplanten Bundeswehreinsatz 
im Kongo.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 17. Mai, war Renate<br />
Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Sie beantwortete Fragen zur BND-Affäre und zum geplanten Bundeswehreinsatz<br />
im Kongo.<!--break-->
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Liebe Freunde des tagesschau-Chats,<br />
heute ist die Chefin der Grünen Bundestagsfraktion, Renate<br />
Künast, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen und dafür danken<br />
wir ihr herzlich. In ihrer Funktion ist Frau Künast für<br />
alle wesentlichen Politikfelder zuständig &#8211; daher sind auch<br />
Fragen aus allen Bereichen willkommen. Die Fülle wird uns wie<br />
immer zwingen, zu sortieren. Frau Künast, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ja, wir können anfangen,<br />
ich bin bereit.
</p>
<p>
<b>Harry M:</b> Thema: BND &#8211; Sehr geehrte Frau Künast,<br />
es ist sehr traurig, dass Sie als führende Politikerin den<br />
BND (eine der wichtigsten Einrichtungen) als Sauladen bezeichnen.<br />
Denn erstens würde in keinem Land über dieses Thema so<br />
ein Wind gemacht. Es ist traurig genug, dass die Information so<br />
an die Öffentlichkeit gekommen ist. Wenn es aber Ihre ehrliche<br />
Meinung ist, dann frage ich mich, wieso Sie zur Zeit Ihrer Regierung<br />
so gar nichts gemacht haben.
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Da stecken viele Einzelfragen<br />
drin, ich versuche sie einzeln abzufragen: Ich habe mich sehr kritisch<br />
über den BND geäußert, weil er in der letzten Zeit<br />
immer wieder gezeigt hat, dass er sich nicht an die Regeln hält.<br />
Mich ärgert, dass sie auch die Pressefreiheit und das Recht<br />
aller Menschen, sich durch eine unabhängige Presse zu informieren,<br />
nicht respektieren. Einige führen in der Behörde ein Eigenleben,<br />
tricksen sogar ihren Präsidenten aus. Deshalb muss man hier<br />
ganz klare Worte sagen. Ich meine, der BND braucht ein reinigendes<br />
Gewitter. Erstens muss alles öffentlich gemacht werden. Zweitens<br />
sind notfalls personelle Entscheidungen zu treffen und man muss<br />
ein Verwaltungssystem entwickeln, das sicherstellt, dass sie sich<br />
wirklich an Weisungen halten. Übrigens täuschen Sie sich<br />
nicht: Auch in den USA wird sehr scharf, beispielsweise im Kongress,<br />
über die CIA und ihre Aktivitäten diskutiert.
</p>
<p>
<b>S. Rolfsson:</b> Wenn sich der BND zu einem &quot;Sauladen&quot;<br />
entwickelt hat, fand das ja wohl auch während Ihrer Regierungszeit<br />
statt. Wo waren Sie bzw. Ihre Partei da?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Bezüglich des Themas<br />
Pressefreiheit hat sich der BND bereits Anfang der 90er Jahre falsch<br />
verhalten und systematisch Journalisten benutzt. Wenn ich Aufklärung<br />
sage, gehört auch dazu, ob in der grünen Regierungszeit<br />
Fehler gemacht worden sind.
</p>
<p>
<b>labersack:</b> Frau Künast, der BND wird regelmäßig<br />
von Skandalen eingeholt. Wäre es nicht an der Zeit, ihn grundlegend<br />
umzustrukturieren, anstatt Bauernopfer zu bringen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Ja, er braucht ein reinigendes<br />
Gewitter und mindestens ein internes Kontrollsystem, was dafür<br />
Sorge trägt, dass Weisungen eingehalten werden. Mir reicht<br />
es nicht, wenn die Bundesregierung jetzt sagt, der BND dürfe<br />
keine Journalisten anwerben, um Eigenschutz zu betreiben.
</p>
<p>
<b>silke:</b> Befürworten Sie einen Rücktritt<br />
Ernst Uhrlaus vom Posten des BND-Chefs?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Mir scheint, das Hauptproblem<br />
ist weit vor der Zeit von Ernst Uhrlau entstanden, nämlich<br />
Anfang der 90er Jahre. Wir müssen als erstes aufklären,<br />
wer die Verantwortung dafür trägt und dann geht es an<br />
personelle Konsequenzen. Mir fällt auf, dass es damals um die<br />
Namen Schmidtbauer und Hanning ging. Schmidtbauer war im Kanzleramt<br />
der verantwortliche Koordinator. Der heutige Staatsminister im Innenministerium,<br />
Herr Hanning, war damals seine rechte Hand.
</p>
<p>
<b>S. Rolfsson:</b> Sie wollen &quot;alles öffentlich<br />
machen&quot;. Das geht aber bei einem Geheimdienst nicht, da dieser<br />
ja dann kein Geheimdienst mehr ist!
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Tja, Geheimdienst in einem<br />
Rechtsstaat darf aber nicht heißen, dass der einen Fehler<br />
nach dem anderen macht, ohne dass alle Abgeordneten oder die Öffentlichkeit<br />
erfährt, was vorgefallen ist. Hier hat der Geheimdienst übrigens<br />
in ein Grundrecht eingegriffen. Die Pressefreiheit ist im Grundgesetz<br />
geschützt. Die Grenzen der Veröffentlichung des Berichtes<br />
können jetzt nur darin liegen, dass z.B. die Daten von Opfern<br />
nicht veröffentlicht werden.
</p>
<p>
<b>Maass:</b> Ich hätte gerne, dass sie auf die<br />
Frage eingehen, wo ihre Partei war als das alles passierte, denn<br />
das besteht ja nicht erst seit der neuen Legislaturperiode.
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Wir klären ja jetzt die<br />
Details auf und ich werde mir genau die Abläufe vorlegen lassen.<br />
Ich weise aber auf eines hin: Die Probleme haben massiv begonnen<br />
und stattgefunden vor unserer Regierungszeit. Im Parlamentarischen<br />
Kontrollgremium ist damals darüber nicht berichtet worden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das PKG die einzige Möglichkeit<br />
für eine Partei, an solche Informationen zu kommen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Außer sie haben einen<br />
Informanten direkt im Dienst. Jetzt aber kommt es auf eines an:<br />
Dass wir die Aufarbeitung nicht nur im PKG machen, das auch unter<br />
Geheimhaltung arbeitet. Ich meine, dieses muss auch im Rechts- und<br />
Innenausschuss besprochen werden. Dort geht es schließlich<br />
um die Wahrung von Grundrechten. Was mir noch fehlt, ist eine Äußerung<br />
der Medien selbst. Schließlich müssen sich auch Journalisten<br />
die Frage stellen, ob es ihren ethischen Grundsätzen entspricht,<br />
mit Geheimdiensten zusammen zu arbeiten. Ich meine nein, weil auch<br />
sie das Vertrauen brauchen bei Informationen, die sie weitergeben,<br />
sauber zu sein und nicht beeinflusst zu werden.
</p>
<p>
<b>meier22:</b> Ist das PKG nicht ohnehin überholt?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Nein, das PKG ist nicht überholt.<br />
Wenn man einen BND braucht, um sich gegen Angriffe von außen<br />
zu schützen, dann braucht man logischerweise eine Kontrolle,<br />
die ebenso wie der Dienst selbst unter Bedingungen der Geheimhaltung<br />
eine parlamentarische Kontrolle gewährleistet. Die Grünen<br />
haben allerdings einen Änderungsantrag für das Gesetz<br />
über das PKG eingebracht. Wir halten einige Punkte für<br />
veränderungsbedürftig. Das PKG soll in Zukunft eine Art<br />
Selbstbefassungsrecht haben, also Punkte auf die Tagesordnung setzen<br />
können und nicht auf die Verwaltung warten müssen.
</p>
<p>
<b>Langzeitstudent:</b> Als Laie stellt man sich einen<br />
&quot;Eingriff in die Pressefreiheit&quot; so vor, dass die Presse<br />
darin gehindert wird, über bestimmte Themen zu berichten. Wieso<br />
stellt es einen Eingriff in die Pressefreiheit dar, wenn sich der<br />
BND darüber informiert, womit sich Journalisten beschäftigen?<br />
Ist das nicht auf gewisse Weise sogar Pflicht des BND? Wäre<br />
ja peinlich, wenn die Presse regelmäßig schneller wäre,<br />
als der BND&#8230;
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Erstens ist die Presse bei<br />
uns frei und unabhängig. Unser GG sagt, dass eine Zensur nicht<br />
stattfindet. Und in unserem System darf der Staat Eingriffe nur<br />
vornehmen, wenn er dazu ausdrücklich berechtigt ist. Es gibt<br />
aber keine Ermächtigung, in der Arbeitsweise der unabhängigen<br />
Medien rumzuschnüffeln. Und die Medien brauchen ja gerade diesen<br />
Schutz, der sich auch auf ihre Informanten bezieht, um Dinge herauszufinden,<br />
die andere z.B. vertuschen wollen.
</p>
<p>
<b>volvic:</b> Thema: Murat Kurnaz. Sehr geehrte Frau<br />
Künast, &quot;Zeit&quot; und &quot;Spiegel&quot; behaupten,<br />
die amerikanische Regierung hätte der rot-grünen Regierung<br />
die Freilassung von Murat Kurnaz aus Guantanamo nach Deutschland<br />
angeboten und die rot-grüne Regierung hätte das abgelehnt,<br />
obwohl die Grünen offiziell die Freilassung von Kurnaz fordern.<br />
Ist das wahr?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Jetzt bewegen wir uns auf<br />
einem schwierigen Terrain mit zum Teil Geheimhaltung. Ich will aber<br />
soviel sagen: Nach meinem Kenntnisstand wollten die USA, dass die<br />
Bundesrepublik ihn als Informanten des Geheimdienstes benutzt. Das<br />
ist abgelehnt worden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Siegfried Kauder ist gegen eine Veröffentlichung<br />
des BND-Untersuchungsberichtes. Argument: Die Arbeit des BND würde<br />
behindert. Hat er Recht?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Nein, er hat nicht Recht.<br />
Man muss sich zwar den Umfang der Veröffentlichung genau ansehen,<br />
aber im Prinzip gilt, wer Fehler macht, soll nicht durch Geheimhaltung<br />
geschützt werden. Den allergrößten Schaden für<br />
den BND und seine Arbeit haben die Mitarbeiter angerichtet, die<br />
Journalisten angeworben oder abgeschöpft haben mit dem Ziel,<br />
Eigensicherung zu betreiben. Ich mache mir heute weniger Sorgen<br />
um Geheimnisverrat und die Frage, wie die Wahrheit ans Licht kam,<br />
als vielmehr darüber, welches Verständnis von Demokratie<br />
eigentlich im BND vorherrscht.
</p>
<p>
<b>Maßanzug:</b> Wie bewerten Sie die Kosten, die<br />
durch den Umzug des BND nach Berlin entstehen? Ist das wirklich<br />
nötig? Womit werden diese Kosten (1,5 Mrd.) gerechtfertigt?
</p>
<p>
<b>Schuppe:</b> Was ist Ihre Meinung zu dem geplanten<br />
Umzug des BND; nur weil in Bayern ein paar Sturköpfe sitzen,<br />
kommen nun immense Kosten auf die Steuerzahler zu, auf Grund der<br />
zwei getrennten Standorte, oder?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Wir Grünen waren nie<br />
Befürworter eines Umzuges. Probleme innerhalb des BND muss<br />
man durch gute Führung lösen. Insgesamt ist dieser Umzug<br />
einfach sündhaft teuer, das Geld könnte man bestens für<br />
andere Dinge verwenden. Mir fällt als erstes Bildung ein. Der<br />
faule Kompromiss, der mit dem Land Bayern jetzt geschlossen wurde,<br />
macht durch einen Teilumzug das Ganze noch teurer.
</p>
<p>
<b>KonstantinS: </b>Wird der BND eigentlich auch die<br />
Aktivitäten im Kongo begleiten?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Jetzt geht es beim Kongo um<br />
etwas ganz anderes, nämlich die Bitte der UN, den Demokratisierungsprozess<br />
zu unterstützen. Seit 2003 gibt es dort das MONUC-Mandat. Der<br />
Kongo steht nach einem Bürgerkrieg, der über 3,8 Millionen<br />
Menschen das Leben kostete, jetzt vor demokratischen Wahlen und<br />
die UN hat die EU gebeten, durch die Anwesenheit von Soldaten quasi<br />
potentielle Putsch-Aktivitäten ein Stück weit abzuschrecken.<br />
Das wird im Ansatz von den meisten von uns für richtig gehalten.<br />
Europa hat auch einfach eine Verpflichtung, Afrika bei Demokratisierung<br />
zu helfen.
</p>
<p>
<b>Maßanzug:</b> Können da 800 Soldaten wirklich<br />
ausreichen? Für das ganze Land bräuchte man doch wesentlich<br />
mehr?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ja, sie müssen sehen,<br />
es sind schon MONUC-Soldaten im Land und der deutsche Beitrag ist<br />
nur Teil eines gesamteuropäischen Einsatzes. Die UN hat gebeten<br />
und der Bitte wird entsprochen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.<br />
Für uns Grüne ist wichtig, dass der Teil, den die deutschen<br />
Soldaten in Kinshasa leisten, nicht allein auf die Stadt beschränkt<br />
wird. Das vom Bundestag abzustimmende Mandat soll unserer Meinung<br />
nach die Möglichkeit schaffen, im Umfeld von Kinshasa gegebenenfalls<br />
Nothilfe leisten zu können. Alles andere wäre unverantwortlich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Erst war von 500 Soldaten die Rede,<br />
jetzt von 800 &#8211; war Verteidigungsminister Jung da nicht richtig<br />
im Bilde und fühlen sie sich schlecht informiert?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Die Information hat jetzt<br />
gerade erst richtig begonnen, nachdem die EU ihre Planung vervollständigt<br />
hat. Nach meinem jetzigen Stand geht es um 500 Soldaten im Einsatz<br />
und ca. 280 Reservesoldaten. Wir werden über die Details am<br />
Freitag im Bundestag und dann in den Ausschüssen diskutieren.<br />
Uns ist wichtig, dass die deutschen Soldaten nicht eng auf die Stadtgrenzen<br />
reduziert sind. Wir Grüne haben darüber hinaus einen Antrag<br />
gestellt, dass die Bundesregierung über diesen militärischen<br />
Beitrag hinaus Leistungen auf der zivilen Ebene erbringen muss.<br />
Das fängt bei einer stärkeren Hilfe an, eigene Sicherheitskräfte,<br />
z.B. Polizei, auszubilden und geht bis dahin, dass der Kongo zu<br />
unterstützen ist in der Bekämpfung von Korruption. Das<br />
Land wird nur wirksam unterstützt, wenn das langfristig geschieht.
</p>
<p>
<b>Assassini:</b> Sehr geehrte Frau Fraktionsvorsitzende,<br />
glauben Sie, dass die Anstrengungen der Bundesregierung bezüglich<br />
des Kongoeinsatzes etwas mit der Erweiterung des UN-Sicherheitsrats<br />
zu tun haben, der ja erweitert werden soll und um den sich Deutschland<br />
bewirbt?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ich sehe keinen Zusammenhang.<br />
Es hat aber etwas damit zu tun, dass die EU jetzt zum ersten Mal<br />
wirklich international geprüft wird, ob sie bereit und in der<br />
Lage ist, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zu<br />
praktizieren. Die Frage an uns Europäer ist doch, ob wir auch<br />
wirklich ein Interesse haben, international Verantwortung zu übernehmen.<br />
Mir kommt es darauf an, dass die Europäer in Zukunft immer<br />
mehr zeigen, dass Konflikte mit zivilen Mitteln gelöst werden,<br />
statt mit Militäreinsätzen und dass wir bei Demokratisierungsprozessen<br />
helfen. Es wäre falsch, wenn die EU das immer anderen allein<br />
überlässt.
</p>
<p>
<b>Katena:</b> Hätten die Soldaten nicht schon vor<br />
geraumer Zeit in den Kongo entsandt werden müssen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Die UN hat ihre Bitte gerade<br />
für den Zeitraum der Wahlen und der Installierung einer neuen<br />
Regierung ausgesprochen. Deshalb ist es richtig, den Einsatz dann<br />
auch auf den Zeitraum von vier Monaten zu beschränken. Wie<br />
ich schon gesagt habe, sind weitere Unterstützungen nicht durch<br />
das Militär zu leisten.
</p>
<p>
<b>Mikaelle:</b> Wieso leistet Deutschland mit 800 von<br />
insgesamt 1500 Soldaten den größten Teil?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Es gibt innerhalb der EU für<br />
solche Fälle immer genaue Absprachen. Einzelne Mitgliedstaaten<br />
der EU machen dann z.B. Zusagen, wie viel Personal mit welcher besonderen<br />
Qualifikation sie gegebenenfalls einsetzen könnten. Das dient<br />
der besseren Planung. So kommt auch zustande, dass absprachegemäß<br />
das Leitungszentrum dieses Einsatzes geografisch in Deutschland<br />
&#8211; nämlich in Potsdam &#8211; sein soll, obwohl es sich um einen europäischen<br />
Einsatz handelt. Der Leiter wird ein deutscher Soldat sein, allerdings<br />
tätig als Europäer und entsprechend weisungsgebunden.
</p>
<p>
<b>earsonic:</b> Sehr geehrte Frau Künast, inwieweit<br />
ist der Einsatz der deutschen Soldaten im Kongo auch als Beginn<br />
einer strategischen Platzierung von europäischen Interessen<br />
auf dem Afrikanischen Kontinent im Sinne z.B. von Ressourcensicherung<br />
für die Zukunft (bevor andere zuschlagen: USA, China, Stichwort<br />
Öl vor Nigeria, etc.) zu sehen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Das ist eine sehr gute Frage.<br />
Es soll nach grüner Auffassung eben nicht ein Zugriff auf die<br />
dortigen Bodenschätze sein. Der Demokratisierungsprozess im<br />
Kongo soll ja gerade bewirken, dass nicht nur Eliten des Landes<br />
und ausländische Unternehmen den Zugriff auf die reichhaltigen<br />
Bodenschätze haben. Unsere Idee ist, dass Europa auch wegen<br />
der Kolonialgeschichte z.B. Belgiens heute eine Verantwortung hat,<br />
diesen Ländern bei der Demokratisierung zu helfen. Deshalb<br />
haben Europäer die verschiedenen afrikanischen Staaten schon<br />
lange Zeit dabei beraten, eine afrikanische Union zu gründen<br />
und stärker auszubauen. Gemeinsam wären diese Entwicklungsländer<br />
stärker in ihrer Interessenvertretung gegenüber anderen.<br />
Das war auch immer ein starkes Interesse von Joschka Fischer.
</p>
<p>
<b>Cow: </b>Falls es zu Problemen in Kongo kommen sollte,<br />
wie würden sich die europäischen Soldaten verhalten?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Einmal ist klar, wenn einige<br />
versuchen würden, im Kongo zu putschen, müssten die deutschen<br />
Soldaten eingreifen. Das ist gerade der Zweck ihrer Anwesenheit,<br />
die Missachtung des Wahlergebnisses zu verhindern. Absprachegemäß<br />
haben die deutschen Soldaten in diesem Einsatz speziell die Aufgabe,<br />
in Notfällen zu evakuieren. Dafür sind sie speziell trainiert.<br />
Ich habe natürlich die große Hoffnung, dass es am Ende<br />
nicht zu einem Einsatz von Waffen kommen wird. Natürlich machen<br />
wir uns auch Gedanken um den Schutz unserer Soldaten. Deshalb schauen<br />
wir uns im Parlament den Auftrag sehr genau an.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Muss man nicht bei solchen Einsätzen<br />
die Bevölkerung vorher immer wieder massiv darauf hinweisen,<br />
dass die Möglichkeit besteht, dass deutsche Soldaten sterben<br />
könnten?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ich glaube, das wissen alle,<br />
dass, wenn man solcherart Verantwortung übernimmt, darin auch<br />
konkrete Gefahren für die Menschen stecken. Deshalb nehmen<br />
die Bundestagsabgeordneten ihre Verantwortung bei der Planung jetzt<br />
sehr ernst.
</p>
<p>
<b>June2006:</b> Die FDP möchte sich nun mehr der<br />
Umweltpolitik annehmen. Sehen die Grünen ihr Stammgebiet gefährdet?
</p>
<p>
<b>silke:</b> Die FDP will jetzt auch in das Thema Umweltpolitik<br />
einsteigen. Braucht die Partei der Grünen ein neues Profil,<br />
um sich deutlicher von anderen abgrenzen zu können?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Also wir Grünen sind<br />
immer dafür vorzudenken. Wir analysieren: Was sind eigentlich<br />
die Bedingungen in 10, 20 Jahren und machen daraus kreative und<br />
innovative Politik &#8211; schon heute. Deshalb haben wir auch immer gedrängelt,<br />
aus der unsicheren Atomenergie auszusteigen und erneuerbare Energien<br />
zu fördern, für Einsparmaßnahmen zu sorgen und Effizienztechnologien<br />
zu fördern.
</p>
<p>
Bei der FDP kann Guido Westerwelle gerne jeden Monat ein neues<br />
Image erfinden, man wird es ihm nicht glauben. Er will Umweltpartei<br />
sein, beschließt dann aber sofort längere Laufzeiten<br />
für Atomkraftwerke. Er will Bürgerrechtspartei sein, hat<br />
aber nicht mal einen Frauenförderplan innerhalb der FDP. Er<br />
will Bürokratie abbauen, beschließt aber gleich an den<br />
überholten Pflichtmitgliedschaften in den Handwerkskammern<br />
festzuhalten. Sie sehen, ich bin gelassen.
</p>
<p>
<b>Sozialdemokrat21:</b> Werte Frau Künast, macht<br />
es für ihre Partei einen Unterschied, dass Kurt Beck neuer<br />
SPD-Vorsitzender ist?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Wir betrachten jetzt mal sehr<br />
gespannt, welche Politik Kurt Beck jetzt vertreten wird. Er ist<br />
eigentlich ein Vertreter der alten konservativ-etatistischen SPD,<br />
hat aber das Papier von Matthias Platzeck für die Programmdebatte<br />
übernommen. Wir werden es beobachten. Ein Problem für<br />
die SPD wird sicherlich auch sein, dass ihr Koalitionspartner, die<br />
CDU, sich ja gerade verändert. Auch da wissen wir noch nicht<br />
wohin.
</p>
<p>
<b>hallodri:</b> Wie beurteilen Sie eigentlich die Arbeit<br />
Ihres Nachfolgers Horst Seehofer?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Sie wissen mein Herz schlägt<br />
für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Die haben es eigentlich<br />
verdient, dass man ihre Interessen vertritt. Bei der Verbraucherinformation,<br />
bei der Agrogentechnik zum Beispiel.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
mit Renate Künast, bei der wir uns herzlich bedanken, dass<br />
sie sich Zeit für uns genommen hat. Vielen Dank auch an unsere<br />
User für ihre Fragen &#8211; verbunden mit der Bitte um Verständnis<br />
an all jene, die heute nicht zum Zuge gekommen sind. Unser nächster<br />
Chatgast wird am 22. Mai ab 13.20 Uhr Fritz Kuhn sein.
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ich freue mich, dass es so<br />
viele nachdenkliche Fragen gab, sowohl über den BND als auch<br />
über den Kongo-Einsatz. Daran merkt man, dass in Wahrheit uns<br />
allen die gleichen Fragen auf den Nägeln brennen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/der-bnd-braucht-ein-reinigendes-gewitter-142/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Untersuchungsausschüsse sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotuntersuchungsausschuesse_sind_eines_der_wichtigsten_mittel_fuer_die_oppositionquot-153/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotuntersuchungsausschuesse_sind_eines_der_wichtigsten_mittel_fuer_die_oppositionquot-153/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg van Essen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchungsausschuss]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotuntersuchungsausschuesse_sind_eines_der_wichtigsten_mittel_fuer_die_oppositionquot-153/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war 
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur 
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im 
Kongo.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war<br />
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur<br />
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Freunde und Gegner von FDP und BND-Ausschuss, willkommen zum<br />
Tagesschau-Chat. Ins ARD-Hauptstadtstudio ist heute Jörg van<br />
Essen gekommen, der Parlamentarische Geschäftsführer der<br />
FDP-Fraktion, in allen Oppositionsfragen mit Sicherheit gut informiert.<br />
Wie immer sind Fragen zu allen Themen möglich, von BND-Affäre<br />
über Tarifstreit und Kongo-Einsatz der Bundeswehr bis zur Landtagswahl.<br />
Wir sortieren ein bisschen und dann gehen Sie an Jörg van Essen.<br />
Los geht’s:
</p>
<p class="normal">
<b>Kaja: </b>Haben Sie aus dem Visa-Ausschuss<br />
und u.a. dem unsäglichen Lügenausschuss immer noch nichts<br />
gelernt? Ihre Untersuchungsausschüsse nimmt doch keiner mehr<br />
ernst!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Untersuchungsausschüsse<br />
sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition. Der Visa-Ausschuss<br />
hat das Bild des damaligen Außenministers Fischer dramatisch<br />
verändert. Ich finde, der Untersuchungsausschuss zu den jetzigen<br />
Fragen (CIA, El-Masri) ist wichtig, weil die Bundesregierung ihre<br />
Chance, aus eigener Kraft aufzuklären, nicht genutzt hat.
</p>
<p>
<b>annett:</b> Herr van Essen, wie stehen Sie zu dem<br />
Vorwurf, dass ein Untersuchungsausschuss zur BND-Affäre das<br />
Verhältnis zu den USA erneut belasten würde?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Befürchtung muss<br />
man ernst nehmen, aber ich teile sie im Endeffekt nicht. Der wissenschaftliche<br />
Dienst im Bundestag hat uns aufgelistet, wie offen und streng das<br />
amerikanische Parlament mit seinen Geheimdiensten umgeht.<br />
Von daher erwarte ich Verständnis dafür, dass auch wir<br />
das tun. Geheimdienste, die aus Fehlern gelernt haben, können<br />
besser zusammen arbeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nun hat man nach den Geheimdienst-Vorlagen<br />
für den Irak-Krieg aber nicht unbedingt den Eindruck, dass<br />
die US-Geheimdienste gut kontrolliert werden.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe dazu keine Erkenntnisse,<br />
wie die Qualität der Kontrolle ist. In aller Regel versuchen<br />
Geheimdienste, sich der Kontrolle zu entziehen. Umso wichtiger ist<br />
es, dass wir notwendige Konsequenzen ziehen. Einige liegen schon<br />
auf der Hand. Wir werden deshalb als FDP-Fraktion einen Gesetzentwurf<br />
für eine Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums des<br />
Bundestags vorlegen.
</p>
<p>
<b>Marcus: </b>Ich glaube schon, dass ein Untersuchungs-Ausschuss<br />
sinnvoll ist. Aber warum geben Sie den Grünen und insbesondere<br />
den Linken hier eine Steilvorlage? Bei einer Schröder-Schelte<br />
bin ich immer dabei, aber damit schaden Sie doch auch der großen<br />
Koalition und damit der CDU, mit denen Sie doch eigentlich koalitionsfähig<br />
und -willig sind, oder?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zunächst einmal: Der<br />
Untersuchungsauftrag kann nur gemeinsam von der Opposition formuliert<br />
werden. Wir sind damit mit Grünen und der Linken in einer ähnlichen<br />
Zwangsehe wie CDU/CSU und SPD. Uns geht es natürlich um die<br />
politische Verantwortung. Ich bin froh, dass wir uns da gegen die<br />
Grünen durchsetzen konnten, die ihren Auftrag nach dem Motto<br />
formuliert hatten: „die Kleinen hängt man, die Großen<br />
lässt man laufen“. Wir sehen als bürgerliche Opposition<br />
unsere Pflichten und haben deshalb einen Ermittlungsbeauftragten<br />
vorgeschlagen, der bei dieser sensiblen Materie hilfreich ist und<br />
außerdem zur Beschleunigung der Untersuchung beitragen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wer soll diesen Job übernehmen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir haben bisher keinen Vorschlag<br />
gemacht. Ein Ermittlungsbeauftragter muss von einer Zweidrittel-Mehrheit<br />
der Mitglieder des Untersuchungsausschusses gewählt werden,<br />
damit er über Vertrauen verfügt. Wir denken an Kandidaten,<br />
mit denen wir aber noch nicht sprechen konnten. Deshalb wäre<br />
es unfair, ihre Namen schon zu nennen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Nachfrage zur Erweiterung der Kompetenzen<br />
des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG):
</p>
<p>
<b>georg: </b>Wie soll ihrer Meinung nach denn eine erweiterte<br />
Kontrolle aussehen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Eine der Ideen, die wir diskutieren,<br />
ist ein Vorschlag des ehemaligen Präsidenten für Verfassungsschutz,<br />
Werthebach, ähnlich wie beim Wehrbeauftragten des Bundestages<br />
einen Geheimdienst-Beauftragten zu installieren, der das Parlament<br />
in seinen Aufgaben unterstützt. Wir werden im Übrigen<br />
mit Sicherheit vorschlagen, dass die Mitglieder des PKG die Fraktionsvorsitzenden<br />
unterrichten, um politisch brisante Fragen mit diesen diskutieren<br />
zu können. Derzeit steht unser einziges Mitglied, Max Stadler,<br />
bei allen Fragen ohne die Möglichkeit einer Rücksprache<br />
und Diskussion da. In der gleichen Situation sind auch die Vertreter<br />
von Linksfraktion und Grünen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist denn inzwischen klar, wer ihr Obmann<br />
im BND-Ausschuss wird? Max<br />
Stadler ziert sich ja noch ein bisschen.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Ja, das ist richtig. Max<br />
Stadler hat darum gebeten nach Möglichkeit nicht Mitglied zu<br />
werden. Wir haben mehrere gute Bewerbungen aus der Fraktion und<br />
wollen mit diesen Bewerbern noch Gespräche führen. Diese<br />
Zeit haben wir aber auch noch, da der Ausschuss frühestens<br />
in der letzten Märzwoche eingesetzt wird und erst in der ersten<br />
Aprilwoche seine Arbeit aufnimmt.
</p>
<p>
<b>Kaja: </b>Zur Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums:<br />
Sind da nicht irgendwann zu viele Köpfe involviert? Lähmt<br />
das nicht die Arbeit des BND?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Es müssen zwei Ziele<br />
unter einen Hut gebracht werden: Einmal wirksame Kontrolle, die<br />
auch dem BND dient, weil jeder vermiedene Fehler die Arbeit des<br />
BND stärkt. Und auf der anderen Seite nicht zu viele Personen,<br />
die damit befasst sind, weil sonst Geheimhaltung schwieriger wird.<br />
Die Neigung zu plaudern &#8211; besonders gegenüber den Medien &#8211;<br />
nimmt mit der Zahl der Mitglieder zu. Aus diesem Grunde ist dem<br />
Ermittlungsbeauftragten im Gesetz ausdrücklich verboten, öffentliche<br />
Erklärungen abzugeben.
</p>
<p>
<b>Herr der Ringe:</b> Warum hat sich Ihre Fraktion doch<br />
für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen? Anfangs zögerten<br />
Sie doch!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zu den Zögernden habe<br />
ich auch selbst gehört. Mich haben zwei Dinge letztendlich<br />
überzeugt: Einmal hatte Wolfgang Gerhardt die Chance, den geheimen<br />
Teil der Bundesregierung zu studieren und war entsetzt, wie wenig<br />
die Bundesregierung die Chance genutzt hat, klar begangene Fehler<br />
einzugestehen &#8211; z.B. die Nichtunterrichtung des Parlamentarischen<br />
Kontrollgremiums über die Entsendung der BND-Mitarbeiter nach<br />
Bagdad. Zweitens hat unser Mitglied Max Stadler, dem ich sehr vertraue<br />
und den ich als exzellenten Juristen schätze, in der Fraktion<br />
erklärt, dass er weitere Fragen habe. Dies hat sich im Übrigen<br />
auch bei meinen Verhandlungen mit den anderen Oppositions-Fraktionen<br />
bestätigt, wo wir bei jeder der Fragen abgeklopft haben, ob<br />
diese noch offen sind und das jeweils von den anwesenden PKG-Mitgliedern<br />
Stadler, Neskovic und Ströbele bestätigt wurde.
</p>
<p>
<b>Billy@SPD:</b> Wäre die Wahl 2002 zu Gunsten<br />
der Union und FDP ausgegangen, hätte die FDP doch sicher kein<br />
Problem damit gehabt, den BND mit den USA zusammenarbeiten zu sehen.<br />
Wieso kritisieren Sie es also an der alten Regierung?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Hauptkritikpunkt ist für<br />
uns das Bild, das die alte Regierung in der Öffentlichkeit<br />
gezeigt hat &#8211; nämlich strikt gegen den Krieg zu sein &#8211; und<br />
das Bild, das sich jetzt zeigt, dass über die bekannten Dinge,<br />
wie Überflugrechte, Bewachung von Kasernen hinaus, intensiv<br />
kriegswichtiger Gedankenaustausch betrieben wurde. Im Übrigen<br />
hat die FDP den Irakkrieg immer aus politischen und rechtlichen<br />
Gründen für falsch gehalten. Wir haben aber unsere Kritik<br />
gegenüber den Amerikanern als Freunde vorgetragen und haben<br />
im Gegensatz zu Schröder und Fischer für unsere Kritik<br />
deshalb offene Ohren gefunden.
</p>
<p>
<b>Ludwig:</b> Hat die FDP einen weitergehenden Untersuchungsauftrag<br />
verhindert, wie es die Grünen suggerieren?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das Gegenteil ist der Fall.<br />
Die Grünen hatten nur zwei Fragen zu El-Masri und überhaupt<br />
keine Fragen zu den Vernehmungen unter Folterumständen formuliert.<br />
Und die politische Verantwortlichkeit zu all dem was geschehen ist,<br />
hat sie auch nicht interessiert. Die FDP hat durchgesetzt, dass<br />
alles dies geschehen kann. Im Übrigen haben wir auch keinerlei<br />
Generalabrechnung mit Rot-Grün beabsichtigt, wie es mein Kollege<br />
Volker Beck immer wieder behauptet. Wir wollten einen Untersuchungsausschuss<br />
zu politisch brisanten Fragen und keinen historischen Ausschuss<br />
zur Regierungszeit von Rot-Grün.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal in der gleichen Sache:
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Sind die Handlungen des BND unrechtmäßig<br />
gewesen?
</p>
<p>
<b>Michi: </b>War das Vorgehen des BND gesetzlich korrekt?<br />
Wenn ja, handelt es sich dann nicht um einen politischen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ob rechtliche Grenzen überschritten<br />
worden sind, soll der Untersuchungsausschuss gerade klären.<br />
Da der Krieg gegen den Irak ohne völkerrechtliches Mandat geführt<br />
wurde, war es der Bundesregierung und ihren Organen, darunter dem<br />
BND, untersagt, aktiv diesen Krieg zu unterstützen. Deshalb<br />
ist die Frage, ob beispielsweise Zielkoordinaten geliefert wurden<br />
von enormer Bedeutung. Hier muss der Untersuchungsausschuss noch<br />
Aufklärungsarbeit leisten. Dass der BND zwei Mitarbeiter zur<br />
Aufklärung dorthin entsandt hat, um der Bundesregierung ein<br />
eigenes Lagebild zu ermöglichen, ist allein für sich rechtlich<br />
und politisch nicht zu beanstanden.
</p>
<p>
<b>Hunger:</b> Was wären den die rechtlichen Grenzen?<br />
Ist der Informationsaustausch illegal?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist in der Allgemeinheit<br />
schwer zu sagen. In der NATO gibt es ein gut funktionierendes Nachrichtenwesen,<br />
das sicherlich auch in diesem Zusammenhang zu einem Informationsaustausch<br />
geführt hat. Es kommt auf die einzelne Nachricht an, die bewertet<br />
werden muss. Dinge die unmittelbar zu militärischen Reaktionen<br />
geführt haben im Krieg, sind wegen der Rechtswidrigkeit des<br />
Krieges höchst problematisch.
</p>
<p>
<b>Markus R: </b>Der Jugoslawien-Krieg wurde doch auch<br />
ohne völkerrechtliches Mandat durchgeführt, da gab es<br />
aber keinen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Richtig. Zunächst einmal:<br />
Die Problematik hatten wir auch beim Jugoslawien-Krieg. Die Entscheidung<br />
ist mir aus diesem Grund damals sehr schwer gefallen. Es gibt aber<br />
einen wesentlichen Unterschied: Wegen des andauernden Völkermordes<br />
im Kosovo war nach der Meinung aller Demokratien dringendes Handeln<br />
angesagt und man scheiterte an einem angedrohten Veto einer Diktatur,<br />
der Volksrepublik China. Man hatte im Übrigen alle Möglichkeiten<br />
ausgeschöpft, die die UN-Charta bietet. Ich habe damals deshalb<br />
mit einem nicht guten Gefühl eine ähnliche Situation wie<br />
bei einem innerstaatlichen, übergesetzlichen Notstand gesehen.<br />
Alle diese Voraussetzungen treffen auf den Irak nicht zu. Es ist<br />
mit getürkten Geheimdienstmeldungen gearbeitet worden. Auch<br />
viele Amerikaner haben das Gefühl, man hätte sich ein<br />
paar Wochen mehr Zeit geben sollen, um über die Richtigkeit<br />
des Vorgehens nachzudenken.
</p>
<p>
<b>Martin: </b>Rechtwidrigkeit des Krieges? Das klang<br />
ja vor vier Jahren noch etwas anders. Oder hat nicht die FDP damals<br />
im Wahlkampf die SPD für ihre Stellungnahmen gegenüber<br />
den USA verurteilt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist völlig falsch.<br />
Wir haben unsere rechtlichen und politischen Bedenken immer geltend<br />
gemacht. Wir haben die SPD aber zu Recht kritisiert, dass sie das<br />
wichtige Verhältnis zu dem USA durch das törichte Verhalten<br />
des Bundeskanzlers und des Bundesaußenministers beschädigt<br />
hat. Mit der Konsequenz, dass die deutsche kritische Stimme in Washington<br />
nicht mehr gehört wurde. Bei einem Besuch von Wolfgang Gerhardt<br />
und mir haben wir unsere Kritik klar und eindeutig vorgetragen und<br />
uns ist gesagt worden, wenn Schröder und Fischer uns gesagt<br />
hätten, sie wären unsere Freunde und nicht unsere Feinde,<br />
würden wir ernsthafter mit ihnen diskutieren. Das hat uns nicht<br />
gefallen und das kritisieren wir zu Recht.
</p>
<p>
<b>Volker: </b>Und das stellen Sie erst jetzt fest (falsche<br />
Geheimdienstberichte)? Hat die FDP 2002 nicht auch das Regime im<br />
Irak verurteilt und vor der Gefahr des internationalen Terrorismus<br />
gewarnt und somit die Ängste in der Bevölkerung geschürt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir hatten damals schon,<br />
wie viele, Zweifel an den Geheimdienstberichten. Trotz des politischen<br />
Fehlers des Krieges ist doch aber nicht zu übersehen, dass<br />
es sich bei Saddam Hussein um einen besonders gewalttätigen<br />
Mörder handelt, der für viel tausendfachen Tod verantwortlich<br />
ist. Ich erinnere nur an die Giftgasangriffe auf schiitische Dörfer.<br />
Wir haben deshalb den politischen Kampf gegen Saddam Hussein unterstützt.<br />
Er steht zu Recht vor Gericht.
</p>
<p>
<b>Newroz:</b> Herr Jörg van Essen, ich bin ein<br />
irakischer Staatsbürger, meine Frage: Wir wissen jetzt alle,<br />
dass Deutschland sich an den irakischen Krieg beteiligt hat. Ist<br />
jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen, dass die Deutschen jetzt beim<br />
Aufbau des Iraks helfen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das tun sie doch bereits<br />
in vielfältiger Form, beispielsweise durch finanzielle Mittel<br />
aber auch durch Ausbildungshilfe. Unser Wunsch ist ein demokratischer<br />
Irak und ein friedliches Zusammenleben von Schiiten, Sunniten und<br />
Kurden in diesem Land. Die Hilfe wird natürlich erschwert,<br />
wenn deutsche Staatsbürger, die als Helfer kommen, entführt<br />
und mit dem Tode bedroht werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müsste mehr getan werden? Vielleicht<br />
auch um das Ansehen Deutschlands wieder zu verbessern? In der arabischen<br />
Welt dürfte das durch die BND-Affäre vermutlich auch beschädigt<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe noch keine gesicherten<br />
Erkenntnisse, ob das deutsche Ansehen in der arabischen Welt, welches<br />
immer sehr hoch gewesen ist, wirklich geschädigt worden ist.<br />
Eine solche sichere Feststellung kann man derzeit noch nicht feststellen.<br />
Die FDP hat allerdings vorgeschlagen, für den Nahen Osten eine<br />
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit einzurichten,<br />
die in der gegenwärtigen Krisensituation sowohl im Irak als<br />
auch in Palästina besonders hilfreich sein könnte.
</p>
<p>
<b>Extremleber:</b> Warum stellt sich die Union denn<br />
quer, wenn es um das Thema Untersuchungsausschuss geht? Liegt es<br />
wirklich daran das die Union mit nicht mit einer Partei koalieren<br />
kann, wenn es rauskommt, dass die SPD in der Frage nicht ganz die<br />
Wahrheit gesagt hat?!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe das Gefühl,<br />
dass genau das der Grund ist. Unter der Hand kommen immer wieder<br />
Kollegen aus der Union auf einen zu und sagen: Der Untersuchungsausschuss<br />
ist doch genau richtig. Schade, dass wir soviel Ärger in der<br />
Koalition haben, dass wir jetzt auch schon in dieser Frage Rücksicht<br />
auf die SPD nehmen müssen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu der vorgeschlagenen Konferenz:
</p>
<p>
<b>lagavulin:</b> Wer sollte Ihrer Meinung nach an einer<br />
derartigen Konferenz teilnehmen? Wer die Leitung innehaben?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Natürlich die beteiligten<br />
Länder der Region, einschließlich Israel. Im Übrigen<br />
die EU, die Vereinigten Staaten und Russland. Also eine Zusammensetzung<br />
wie sie erfolgreich ja auch bei der Konferenz über Sicherheit<br />
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) schon einmal erprobt worden<br />
ist und zum Zusammenbruch des Ostblocks geführt hat.
</p>
<p>
<b>Inge: </b>Sehr geehrter Herr Essen, ich selbst komme<br />
aus Sachsen-Anhalt. Vor einigen Tagen habe ich in der Zeitung gelesen,<br />
dass die FDP in ihrem neuen Haushaltsplan schon die Mehrwertsteuererhöhung<br />
eingeplant hat, obwohl in diesem Wahlkampf sie damit werben, die<br />
Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen. Wie ist das zu erklären?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ein kluger Kaufmann stellt<br />
sich auf unangenehme Entwicklungen sicherheitshalber ein. Ob wir<br />
als FDP das bei unserem Haushalt getan haben, ist mir gar nicht<br />
bekannt, weil ich nicht sehen kann, wo wir als Partei überhaupt<br />
Mehrwertsteuer zu zahlen hätten. Das ändert aber nichts<br />
an unserer klaren politischen Haltung gegen die Mehrwertsteuererhebung,<br />
die zu konjunkturellen Einbrüchen in der Wirtschaft und damit<br />
zum Verlust von Arbeitsplätzen führen wird. Es wäre<br />
schade, wenn Sachsen-Anhalt, das bei den Arbeitslosen bei der rot-roten<br />
Regierung das Schlusslicht der Bundesrepublik war, und unter der<br />
jetzigen schwarz-gelben Regierung diese Position verloren hat, wieder<br />
mehr Arbeitslose haben würde.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Mehrwertsteuererhöhung bringt<br />
viele Milliarden auf einen Schlag. Selbst wenn man ihren Vorschlägen<br />
zur Subventionskürzungen folgen würde, wäre das im<br />
kommenden Jahr noch nicht zu realisieren. Sollte Finanzminister<br />
Steinbrück also lieber noch mal den EU-Stabilitätspakt<br />
reißen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Nein, das kann er gar nicht,<br />
weil eben in diesen Tagen von den EU-Finanzministern deutlich gemacht<br />
worden ist, dass man einen weiteren Verstoß gegen die Maastricht-Kriterien<br />
nicht hinnehmen wird. Die FDP hat es sich schon im vergangenen Jahr<br />
bei den Haushaltsberatungen nicht leicht gemacht. Wir haben nämlich<br />
nicht, wie andere Oppositionsparteien, kräftige Ausgabenerhöhungen<br />
gefordert, sondern ein dickes Sparbuch vorgelegt, um die Maastricht-Kriterien<br />
zu erfüllen und eine Mehrwertsteuererhöhung überflüssig<br />
zu machen. Das werden wir bei den diesjährigen Haushaltsberatungen<br />
wieder ähnlich tun.
</p>
<p>
<b>Jürgen:</b> Herr van Essen, bei einem Neujahrsempfang<br />
in Göttingen haben Sie sich gegen einen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo ausgesprochen. Jetzt scheint ein solcher Einsatz aber bevorzustehen.<br />
Wie verhält sich die FDP in dieser Frage?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich bin weiterhin strikt<br />
dagegen und freue mich sehr, dass heute der Bundeswehrverband in<br />
ähnlicher Weise Stellung genommen hat. Die Frage z.B., ob die<br />
Soldaten der EU im Kongo wirklich willkommen sind, ist von der EU<br />
bis heute nicht geklärt. Auch der mögliche Auftrag für<br />
die deutschen Soldaten liegt im Nebel. Unsere Kollegen aus dem Verteidigungsausschuss,<br />
die in der letzten Woche in Brüssel waren, kamen entsetzt über<br />
den Stand des Planungsergebnissen zurück. Nach meiner Auffassung<br />
darf die Bundeswehr in diesen Abenteuer nicht geschickt werden.<br />
Ich halte die Zusage der Bundeskanzlerin für einen schweren<br />
Fehler.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul<br />
hat den Einsatz angesichts von drei Millionen Toten im Kongo im<br />
tagesschau-Chat als &quot;wichtiges politisches Signal&quot; bezeichnet.<br />
Und Kinshasa ist derzeit kein Kampfgebiet, betont sie. Ist das für<br />
Sie kein Argument?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Überhaupt nicht. Denn<br />
diese Millionen Toten sind ja eben nicht in Kinshasa zu beklagen<br />
gewesen. Wenn man an der Situation in den Bürgerkriegsgebieten<br />
nichts ändert, darf man mit diesen Zahlen nicht operieren.<br />
Die Ministerin ist im Übrigen erschreckend blauäugig.<br />
Seit langem kann man lesen, dass die Konfliktparteien derzeit intensiv<br />
Kindersoldaten in die Region Kinshasa bringen.
</p>
<p>
<b>richard:</b> Haben sie nicht vor ein paar Minuten<br />
(Irak) die internationale Verantwortung angemahnt und ist die Ermöglichung<br />
von friedlichen Wahlen nicht Aufgabe der internationalen Gemeinschaft?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Das ist so, aber nur dann,<br />
wenn durch die Wahlen tatsächlich eine Änderung der Situation<br />
erreicht werden kann. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Wahlen<br />
im Kongo die Demokratie in diesem Land voranbringen und zu einem<br />
Ende des Bürgerkrieges beitragen. Im Übrigen müssen<br />
Sicherheitsprobleme nach meiner Erfassung zunächst einmal in<br />
der Region gelöst werden. Hier im Herzen Afrikas ist deshalb<br />
zunächst einmal die Organisation Afrikanischer Staaten (OAU)<br />
gefragt. Bevor Deutschland auf den Plan tritt, sind nach m.A. zunächst<br />
einmal die ehemaligen Kolonialstaaten in der Verantwortung, die<br />
diese Länder ausgebeutet haben und in vielen Fällen zu<br />
den heutigen Problemen im Wesentlichen beigetragen haben. Es ist<br />
ein Fehlglaube, wenn man meint, durch die Entsendung deutscher Soldaten<br />
in der Welt für Frieden sorgen zu können. Es ist für<br />
mich eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz deutscher<br />
Militärs, dass deutsche Interessen betroffen sind. Das sehe<br />
ich im Kongo nicht.
</p>
<p>
<b>HIT: </b>Herr van Essen, ist das Argument, dass nur<br />
in reicheren Regionen Interventionen Erfolgen (Schutz von Eigeninteressen<br />
vs. Risiko) nur paranoid oder ist da was dran?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe gerade schon gesagt,<br />
dass eigene Interessen eine Rolle spielen dürfen und müssen.<br />
Trotzdem sind wir selbstverständlich in der Verpflichtung überall<br />
auf der Welt die Situation der Menschen zu verbessern und Freiheit<br />
und Demokratie zu stärken. Aber wie gesagt, ich halte es für<br />
einen Fehlglauben, wenn Deutschland wieder meinen sollte, das sei<br />
seine militärische Aufgabe.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
mit Jörg van Essen. Vielen<br />
Dank, Herr van Essen, dass Sie zum Chat gekommen sind. Das Protokoll<br />
gibt’s zum Nachlesen auf tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Der<br />
nächste fest geplante Chat findet am 21. März statt. In<br />
der Woche<br />
vor den Landtagswahlen diskutieren Sie und wir mit dem<br />
Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen<br />
(CDU). Dieser Chat beginnt ein wenig später als üblich<br />
– um<br />
sechzehn Uhr. tagesschau.de und politik-digital.de wünschen<br />
Ihnen noch einen schönen Tag.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotuntersuchungsausschuesse_sind_eines_der_wichtigsten_mittel_fuer_die_oppositionquot-153/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es gibt Berührungspunkte mit der FDP&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/es-gibt-beruehrungspunkte-mit-der-fdp-161/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/es-gibt-beruehrungspunkte-mit-der-fdp-161/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Jan 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Linkspartei.PDS]]></category>
		<category><![CDATA[Bedingungsloses Grundeinkommen]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Katja Kipping]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchungsausschuss]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/es-gibt-beruehrungspunkte-mit-der-fdp-161/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="fett">
Katja Kipping, MdB und Stellvertretende Vorsitzende 
der Linkspartei.PDS war am Mittwoch, 25. Januar 2006 zu Gast im 
tagesschau-Chat von tagesschau.de in Kooperation mit politik-digital.de 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> Haupttthemen 
des Chats war die Diskussion um ein allgemeines Grundeinkommen und 
den Einsatz eines Untersuchungsausschusses zur BND- und CIA-Affäre.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Katja Kipping, MdB und Stellvertretende Vorsitzende<br />
der Linkspartei.PDS war am Mittwoch, 25. Januar 2006 zu Gast im<br />
tagesschau-Chat von tagesschau.de in Kooperation mit politik-digital.de<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> Haupttthemen<br />
des Chats war die Diskussion um ein allgemeines Grundeinkommen und<br />
den Einsatz eines Untersuchungsausschusses zur BND- und CIA-Affäre.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich<br />
willkommen beim tagesschau-Chat. Ganz kurzfristig haben wir einen<br />
interessanten Gast gewinnen können, denn heute ist die Bundestagsabgeordnete<br />
und stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping<br />
zu uns ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Fragen können an<br />
Frau Kipping zu allen Themen gestellt werden &#8211; wir sammeln und &quot;arbeiten<br />
ab&quot;. Herzlich willkommen, Frau Kipping, sind Sie bereit?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Herzlich willkommen, es kann losgehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie sitzen in Sachen BND-Ausschuss<br />
mit der FDP in einem Boot. Gibt es, auch was einen möglichen<br />
Fragenkatalog angeht, völlige Übereinstimmung mit den<br />
Liberalen?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Zumindest ist es uns gelungen,<br />
mit der FDP-Fraktion einen gemeinsamen Antrag zu formulieren. Wenn<br />
es um Freiheitsrechte geht, gibt es tatsächlich gewisse Berührungspunkte.
</p>
<p>
<b>Phantomas:</b> Können Sie sich vorstellen, dass<br />
Herr Lafontaine Herrn Schröder im BND-Ausschuss befragt?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Bei dem Unterausschuss geht es<br />
nicht darum, mögliche alte Rechnungen zu begleichen. Insofern<br />
sind die Konstellationsfragen, wer wen befragt, nicht wichtig. Uns<br />
geht es darum zu erfahren, inwieweit die Bundesregierung von Menschenrechtsverletzungen<br />
wusste.
</p>
<p>
<b>Maserati:</b> Frau Kipping, Jetzt mal Tacheles: Sehen<br />
Sie überhaupt noch eine Chance für Vollbeschäftigung<br />
in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Vollbeschäftigung der alten<br />
Art wird es wohl nicht mehr geben. Was jetzt gefragt ist, ist die<br />
Verteilung der vorhandenen Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung<br />
und Bezahlung gesellschaftlich sinnvoller Tätigkeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich denke, wir bleiben noch einen Augenblick<br />
beim Thema BND &#8211; auch wenn wir gerade einen rasanten Themenwechsel<br />
hatten.
</p>
<p>
<b>Frühaufsteher:</b> Ich glaube nicht, dass die<br />
Grünen mit ihrer Entscheidung Joschka Fischer schützen<br />
wollen. Sie hatten ihn ja in der Fraktion bereits deutlich überstimmt.<br />
Was steckt wirklich hinter der Entscheidung gegen den Ausschuss?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Darüber kann man nur mutmaßen.<br />
Und unbestätigte Mutmaßungen möchte ich nicht verbreiten.
</p>
<p>
<b>Kieler:</b> Frau Kipping, mal ganz ehrlich: Meinen<br />
Sie nicht auch, dass ein Untersuchungsausschuss eher „der<br />
Kampf einer Maus gegen einen Gorilla“ wäre? Machen Geheimdienste<br />
nicht ohnehin, was sie wollen und sind sie nicht schon längst<br />
außer Kontrolle geraten? Und was sagen sie denn zur Meldung<br />
der Nachrichtenagentur ddp, dass der BND den Mossad mit Ausweisen<br />
und persönlichen Daten deutscher Staatsbürger versorgt?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Medienberichte wie diese unterstreichen<br />
die Notwendigkeit eines Unterausschusses, auch wenn tatsächlich<br />
dieses Instrument nicht ausreicht, um Geheimdienste von Parlament<br />
aus zu kontrollieren.
</p>
<p>
<b>Garp:</b> Hallo Frau Kipping. Wird denn die Rolle<br />
des BND nicht auch überbewertet? Auch mit zwei BND-Mitarbeitern<br />
hat sich doch Deutschland nicht wirklich am Krieg beteiligt. Mir<br />
ist die Diskussion zu prinzipiell!
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Genau. Weil wir nicht wissen, ob<br />
es sich bei den zwei Mitarbeitern nur um die Spitze eines Eisberges<br />
handelt, setzen wir uns so engagiert für einen Untersuchungsausschuss<br />
ein. Auch um Klarheit zu schaffen.
</p>
<p>
<b>rolf.meyer:</b> Was würde geschehen, wenn herauskäme,<br />
dass der BND mehr in die Luftangriffe involviert war als bisher<br />
angenommen?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> So etwas dürfte nicht ohne<br />
Konsequenzen bleiben. Welche Änderungen dann notwendig sind,<br />
möchte ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen.
</p>
<p>
<b>Philipp Muckley:</b> Hallo Frau Kipping, momentan<br />
gibt es in Deutschland sehr wichtige Aufgaben zu lösen. Die<br />
Arbeit der Regierung sollte so wenig wie möglich blockiert<br />
werden. Wäre es da nicht sinnvoll, erstmal vom Untersuchungsausschuss<br />
abzusehen und zu versuchen, die Angelegenheit so aufzuklären?<br />
Mir erscheint das irgendwie als Griff nach einem Strohhalm, da die<br />
Regierung momentan beliebt ist. Wie stehen Sie zu der These?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Wenn man sich einmal auf die Argumentation<br />
einlässt, wegen großer Aufgaben demokratische Grundsätze<br />
zurück zu stellen, ist unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung<br />
schnell in der Krise. Große Aufgaben stehen schließlich<br />
ständig vor den Regierungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nach drei Monaten im Amt steht die<br />
große Koalition im öffentlichen Ansehen tatsächlich<br />
erstaunlich gut da, insbesondere Kanzlerin Merkel. Was hat die Opposition<br />
falsch gemacht?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Zuerst einmal freut sich die Linksfraktion,<br />
dass die Regierung zumindest einen kleinen Teil ihrer Forderungen<br />
aufgenommen hat. Die Angleichung der Hartz IV-Regelsätze für<br />
Ost und West wäre ohne unseren Einsatz und den Protest der<br />
Montagsdemonstranten undenkbar gewesen. Auch, dass man sich inzwischen<br />
von der Illusion verabschiedet hat, alles über das freie Spiel<br />
des Marktes regeln zu lassen und stattdessen wieder stärker,<br />
zumindest rhetorisch, soziale Aspekte debattiert, steht für<br />
uns auf der Haben-Seite.
</p>
<p>
<b>RolleRückwärts:</b> Hallo Frau Kipping,<br />
worauf gründet sich Ihre Motivation, sich derart für die<br />
Politik zu engagieren? Haben Sie mal ein schlechtes Erlebnis gehabt?</p>
<p><b>Katja Kipping:</b> Es gab nicht das Erlebnis oder den<br />
Entschluss, wo ich gesagt habe: jetzt gehst Du in die Politik. Mir<br />
ging es vor allem immer nur darum, mein Lebensumfeld und den Rahmen<br />
für das Leben selber mitzugestalten. Und da ich schlecht schweigen<br />
kann, wenn mich etwas ärgert, bin ich immer mehr in politische<br />
Initiativen involviert worden. Nachträglich musste ich feststellen,<br />
dass es vielen Menschen so gegangen ist und wahrlich nicht nur traumatisierte<br />
Menschen sich mit Politik beschäftigen.
</p>
<p>
<b>13-August:</b> Ein freies Spiel des Marktes gibt es<br />
doch in Deutschland gar nicht &#8211; wir sind unter den Industrienationen<br />
am reguliertesten &#8211; und das ist unser Problem. Selbst rot-(grüne)<br />
Regierungen anderswo haben dies begriffen und gehandelt &#8211; mehr Freiheit<br />
war der Ansatz, wirtschaftlicher Erfolg und geringere Arbeitslosigkeit<br />
die Belohnung dafür.
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Ein Gegenargument: Die Steuer-<br />
und Abgabenquote, zum Beispiel in Skandinavien, ist deutlich höher<br />
als in der Bundesrepublik Deutschland und trotzdem oder gerade deswegen<br />
fällt dort die Arbeitslosenquote deutlich geringer aus.
</p>
<p>
<b>Das Paradoxon:</b> Woher nimmt man die Kraft, an die<br />
eigene Rolle in der Gestaltung zu glauben, wenn man in diesem Politikmechanismus<br />
integriert ist?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Durch positive Erfahrungen. So<br />
ist es mir im Landtag in Sachsen auch aus der Opposition heraus<br />
gelungen, mehr Gelder für Schulbusse zu erstreiten. Im Übrigen<br />
gibt es ja auch den berühmten &quot;self-fulfilling&quot;-Effekt<br />
negativer Prophezeiungen. Wer meint, nichts ändern zu können,<br />
wird kaum die notwendige Kraft aufbringen können. Ich setze<br />
deswegen auf den &quot;self-fulfilling&quot;- Effekt des Optimismus.
</p>
<p>
<b>heimchen:</b> Was wäre die Alternative zu einem<br />
freien Markt unter den gegebenen Umständen der Globalisierung?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Globalisierung ist keine überirdische<br />
Kraft, der wir schutzlos ausgeliefert sind. Der Globalisierung ist<br />
auch über die Politik entsprechend der Weg geebnet worden.<br />
Zum Beispiel wurde die Bildung von Hedge-Fonds durch das Investment-Modernisierungsgesetz<br />
unter rot-grün befördert. Wir sollten die Europäische<br />
Union in einem ersten Schritt dafür nutzen, dass es europaweit<br />
zu einer Angleichung der sozialen Standards und Steuersätze<br />
kommt. Das kann natürlich kein Wettbewerb nach unten sein.<br />
Im nächsten Schritt muss man sich über die internationale<br />
Ebene Gedanken machen. Gegenfrage: Sind sie denn der Meinung, dass<br />
der freie Markt bisher alles so gut geregelt hat?
</p>
<p>
<b>zuschauer:</b> Ich las in der Vorstellung, dass Sie<br />
dafür sind, Leuten auch ohne Arbeit ein Grundeinkommen zu geben.<br />
Warum dies? Meine Friseurin arbeitet jeden Tag und hat nicht mehr<br />
Geld als ein Harz-IV-Empfänger zum Leben. Der muss aber nicht<br />
jeden Morgen um sechs aufstehen und eine Stunde quer durch die Stadt<br />
fahren.<br />
Katja Kipping: Das ist tatsächlich eine Sauerei, dass heute<br />
mehr denn je Menschen voll arbeiten und nur halb verdienen. Deswegen<br />
streite ich für einen Mindestlohn von 8 Euro die Stunde, damit<br />
auch jede Friseurin oberhalb der Armutsgrenze leben kann. Den „Working<br />
Poor“ ist aber nicht geholfen, wenn es noch andere gibt, denen<br />
es noch schlechter geht.
</p>
<p>
<b>Android:</b> Wie hoch soll eigentlich das Grundeinkommen<br />
sein?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Als Europäerin kann ich nicht<br />
einfach die Empfehlung der Europäischen Kommission zu den nationalen<br />
Armutsgrenzen ignorieren. Diese besagen, dass die Armutsgrenze für<br />
die Bundesrepublik für 2003 bei 938 Euro liegt. Ein zweiter<br />
Orientierungspunkt für mich ist ein errechneter Warenkorb von<br />
Erwerbsloseninitiativen, die festgestellt haben, dass 800 Euro das<br />
Mindeste ist, was ein Mensch zur Teilhabe braucht. Eine Grundsicherung<br />
oder ein Grundeinkommen in dieser Höhe ist natürlich nicht<br />
einfach zu finanzieren. Deswegen sollte es schrittweise eingeführt<br />
werden.
</p>
<p>
<b>südtiroler:</b> Hallo Frau Kipping, Ihr Friseurbeispiel<br />
ist ein bisschen weltfremd. Viele Friseure sind selbständig<br />
und verdienen auch nicht nix. Die haben keine Arbeitgeber, bei dem<br />
sie mehr Lohn einklagen können!
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Die Frage ist ja, warum selbstständige<br />
Friseure oder Handwerker eine so schlechte Auftragslage haben. Gerade<br />
kleine Unternehmen sind darauf angewiesen, dass Menschen vor Ort<br />
ihre Produkte oder Dienstleistungen kaufen können. Dazu brauchen<br />
sie Geld. Wenn jeder einen Mindestlohn bekommt, geht es auch den<br />
kleinen Unternehmen besser.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kleine Entspannungsfrage zwischendurch:
</p>
<p>
<b>Coautor24:</b> Sind Sie in Berlin schon mal nach Hause<br />
gekommen und haben sich gedacht: Mein Gott, dass ist ja alles fürchterlich<br />
hier?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Fürchterlich nicht, aber ehrlich<br />
gesagt, die ersten Sitzungswochen waren schon recht stressig.
</p>
<p>
<b>Beaconjake:</b> Tag Frau Kipping. Gebührenfreie<br />
Kita-Plätze und bedingungsloses Grundeinkommen – klingt<br />
wunderbar, finde ich. Aber seien Sie doch so ehrlich und sagen sie<br />
ihren Wählern: Wenn wir an der Regierung wären, könnten<br />
wir das auch nicht bezahlen!
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Wir haben ein eigenes Steuerkonzept<br />
erarbeitet, mit dem Mehreinnahmen von mehr als 60 Milliarden Euro<br />
machbar sind. Damit wäre zumindest der Einstieg in eine bedarfsorientierte<br />
soziale Grundsicherung finanzierbar. Ein bedingungsloses Grundeinkommen<br />
bedürfte tatsächlich über lange Zeit Umverteilung<br />
in viel größerem Maßstab. Deswegen diskutiert meine<br />
Fraktion jetzt nur über die Einführung der sozialen Grundsicherung.<br />
Es gibt aber im Netzwerk Grundeinkommen verschiedene Wissenschaftler,<br />
die auch Finanzierungsmodelle für ein bedingungsloses Grundeinkommen<br />
erarbeitet haben. Wer mehr wissen möchte: www.grundeinkommen.de.
</p>
<p>
<b>Sean:</b> Wenn man einen Mindestlohn einführt,<br />
begibt man sich in die Gefahr noch mehr Arbeitslosigkeit zu schaffen<br />
oder gibt es ein Modell, das dies verhindert? Das wäre mir<br />
neu.
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Woher kommt die Überzeugung,<br />
dass ein Mindestlohn zur Arbeitslosigkeit führt? Die Mehrzahl<br />
der Arbeits- und Ausbildungsplätze werden durch kleine und<br />
mittelständische Unternehmen geschaffen. Gerade die sind auf<br />
Binnenkaufkraft angewiesen. Insoweit ist der Mindestlohn eher hilfreich.<br />
Aber es geht mir tatsächlich nicht darum, Arbeitsplätze<br />
ohne Rücksichtig auf Lohnhöhe und Inhalt zu fordern. Diese<br />
Gesellschaft braucht vor allem Arbeitsplätze, die ein Leben<br />
jenseits der Armut und sinnstiftende Tätigkeiten ermöglichen.
</p>
<p>
<b>rote zora:</b> Noch einmal zu ihrer Armutsgrenze von<br />
900 beziehungsweise 800 Euro. Ich bin Studentin und lebe (gut) von<br />
600 Euro. Meinen sie nicht, dass Arbeitlose in Zeiten schmaler Kassen<br />
zurückstecken müssen?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Ohne pedantisch wirken zu wollen:<br />
Das ist nicht meine Armutsgrenze, sondern die der Europäischen<br />
Kommission, die auch die Bundesregierung im Armuts-Reichtumsbericht<br />
anführt. Als Studentin habe ich auch von weniger gelebt, jedoch<br />
hat man als Student Ermäßigungen, die andere Menschen<br />
nicht haben. Zum Beispiel günstigere Eintritte, kostengünstigerer<br />
öffentlicher Personennahverkehr, kostenlose Bibliotheken und<br />
Internetzugang etc.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen mit gleicher Richtung:
</p>
<p>
<b>Tim:</b> Wie könnte man Ihrer Meinung nach Unternehmen,<br />
die sehr hohe Gewinne einfahren und gleichzeitig Personal entlassen<br />
dazu bringen, dies nicht zu tun?
</p>
<p>
<b>alexander:</b> Wie kann es denn sein, dass große<br />
Unternehmen trotz großer Gewinne Personal abbauen?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Zu Tim: Zum einen gilt es, in diesen<br />
Auseinandersetzungen die Gewerkschaften zu stärken. Zum zweiten<br />
könnten öffentliche Aufträge gezielt nur an Unternehmen<br />
gehen, die kein Personal abbauen, bei Gewinnen. Zum dritten: manche<br />
Arbeitsplätze werden aufgrund von Verlagerungen in andere Länder<br />
abgebaut. Hier sind wir wieder bei der Frage, wie wir zuerst europaweit,<br />
dann international soziale und Lohnstandards nach oben hin angleichen<br />
können. Das wird kein Kinderspiel. Ist aber nicht zuletzt im<br />
Sinne globaler Gerechtigkeit notwendig.
</p>
<p>
<b>esass:</b> Sind Ihnen Forschungen dazu bekannt, wie<br />
sich verschiedene Personengruppen (zum Beispiel Arbeitslose, Beschäftigte,<br />
Reiche) verhalten würden, wenn es zu einem bedingungslosen<br />
Grundeinkommen käme?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Es gibt eine Untersuchung, die<br />
die Mär, alle würden in der Hängematte liegen, sobald<br />
sie keine Angst vor Hunger haben müssen, wiederlegt. Bereits<br />
heute ist jeder dritte Erwachsene mindestens 15 Stunden die Woche<br />
ehrenamtlich tätig, bringt sich also sinnstiftend in die Gesellschaft<br />
ein. Tatsächlich bedarf aber auch der Wandel der Arbeitswelt<br />
einen Wandel des Bildungssystems. Ich verweise hier auf Wolfgang<br />
Engler. Der sagt, eine zentrale Aufgabe der Schule muss sein, die<br />
Menschen dazu zu ermutigen, ihrem Leben Sinn und Bewandtnis zu geben,<br />
selbst wenn der Absprung auf den Arbeitsmarkt nicht gelingt.
</p>
<p>
<b>ldt:</b> Frau Kipping, Sie sind PDS-Mitglied: Was<br />
bedeutet für Sie Sozialismus, den ihre Partei ja im Namen trägt?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Demokratischer Sozialismus ist<br />
für mich die Beendigung der Unterdrückung des Menschen<br />
durch den Menschen, ist die Ausweitung des Reiches der Freiheit<br />
und die weitest mögliche Einschränkung des Reiches der<br />
Notwendigkeit. Konkret bedeutet das für mich, dass der Mensch<br />
wieder die Verfügungsgewalt über sein eigenes Leben hat.<br />
Dazu muss der Einzelne frei von materieller Not sein. Dazu bedarf<br />
es einer Demokratisierung der Wirtschaft. Und dazu bedarf es einer<br />
Demokratisierung der politischen Entscheidungsprozesse.
</p>
<p>
<b>Pantherin:</b> Fallen Ihnen eigentlich die ganzen<br />
machtgierigen alten Männer (und auch Frauen) auf die Nerven?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Nö. Was mich ärgert ist,<br />
wenn Gesprächspartner die Kunst des Zuhörens und des Fragestellens<br />
gänzlich verlernt haben oder wenn meinem Gegenüber kein<br />
besseres Argument einfällt, als der Verweis auf mein Alter.<br />
Insofern fallen mir nur ganz Einzelne manchmal auf die Nerven.
</p>
<p>
<b>benselbaum:</b> Gysi, Bisky, Lafontaine, Maurer, Ernst<br />
– die Linkspartei ist eine ziemliche Männerpartei, finden<br />
Sie nicht?
</p>
<p>
<b>Katja Kipping:</b> Lötzsch, Pau, Enkelmann, Kipping,<br />
wir haben doch auch jede Menge Frauen, finden Sie nicht? Wenn ich<br />
mir sonntags so Christiansen angucke, habe ich eher den Eindruck,<br />
dass die Männerlastigkeit in der medialen Widerspiegelung ein<br />
Problem aller Parteien ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wie stets die Bitte um Nachsicht an diejenigen, die mit ihrer Frage<br />
nicht zum Zuge gekommen sind. Vielen Dank für Ihr Interesse.<br />
Vielen Dank an Sie, Frau Kipping, dass Sie heute Zeit für unsere<br />
User hatten. Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Dort erfahren Sie auch die Termine für<br />
die nächsten Chats. Nächster Gast bei uns ist die Grüne<br />
Bundestagsabgeordnete und Bundestagsvizepräsidentin Katrin<br />
Göring-Eckardt am 6. Februar ab 13.00 Uhr.
</p>
<p><b>Katja Kipping:</b> Besten Dank für die Fragen.<br />
Ich fand es sehr spannend und bleiben Sie so kritisch und fragend.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/es-gibt-beruehrungspunkte-mit-der-fdp-161/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Mit der Absage pflegen Grüne das Denkmal Fischer&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotmit_der_absage_pflegen_gruene_das_denkmal_fischerquot-162/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotmit_der_absage_pflegen_gruene_das_denkmal_fischerquot-162/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Jan 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Niebel]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchungsausschuss]]></category>
		<category><![CDATA[CIA-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotmit_der_absage_pflegen_gruene_das_denkmal_fischerquot-162/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 23. Januar, war Dirk Niebel, MdB und Generalsekretär 
der FDP, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de in Kooperation 
mit politik-digital.de. Die Haltung der Grünen zu einer Einsetzung 
eines Untersuchungsausschusses zur BND- und CIA-Affäre kommentierte 
Niebel ebenso wie das Investitionsprogramm der schwarz-roten Regierung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 23. Januar, war Dirk Niebel, MdB und Generalsekretär<br />
der FDP, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de in Kooperation<br />
mit politik-digital.de. Die Haltung der Grünen zu einer Einsetzung<br />
eines Untersuchungsausschusses zur BND- und CIA-Affäre kommentierte<br />
Niebel ebenso wie das Investitionsprogramm der schwarz-roten Regierung.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, draußen<br />
ist es knackig kalt, aber in unserem Chat geht&#8217;s hoffentlich gleich<br />
heiß her: herzlich willkommen beim tagesschau-Chat. Unser<br />
Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute der Generalsekretär<br />
der FDP, Dirk Niebel. Wie immer können Fragen zu allen Themen<br />
gestellt werden &#8211; wir sammeln und &quot;arbeiten ab&quot;. Herzlich<br />
willkommen, Herr Niebel, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Klar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Niebel, wie teuer erkauft die<br />
FDP die Zustimmung der Grünen zum BND-Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Wir haben nie einen BND-Ausschuss<br />
gefordert, sondern einen Ausschuss, der sich mit der Aufhellung<br />
der Grauzonen des rechtsstaatlichen Handeln beschäftigt. Damit<br />
die Grünen hier kein Argument haben, um abzuspringen, haben<br />
wir in einem Kompromissvorschlag fast vollständig ihre Formulierungen<br />
des Untersuchungsauftrages übernommen.
</p>
<p>
<b>Frederik (in Rouen):</b> Sehr geehrter Herr Niebel,<br />
wie stehen Sie zu der Meinungsänderung der Grünen? Warum<br />
sind die Grünen nun zum Verzicht bereit und warum beharrt die<br />
FDP auf den Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Wir wollten immer umfassende Transparenz<br />
gewährleisten, von der Entführung deutscher Staatsbürger<br />
über CIA-Flüge bis zu Verhören in Foltergefängnissen.<br />
Wenn die Grünen jetzt abspringen, dient das nicht der Pflege<br />
des Rechtsstaates, sondern der des Denkmals Fischer.
</p>
<p>
<b>hansprobst: </b>Muss man sofort, wenn die Medien brüllen,<br />
einen Ausschuss einrichten?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Im Gegenteil. Wenn aber seit Ende<br />
letzten Jahres viele Fragen nicht beantwortet wurden und immer neue<br />
dazu kommen, ist es die Aufgabe des Parlaments, die Regierung zu<br />
kontrollieren.
</p>
<p>
<b>Hook:</b> Schaden Sie mit einem Untersuchungsausschuss<br />
nicht der Arbeit des BND?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Der Vorwurf, Aufklärung würde<br />
die innere Sicherheit gefährden, ist infam. Das Gegenteil ist<br />
der Fall. Nicht aufzuklären würde den Rechtsstaat gefährden.<br />
Darüber hinaus ist uns die Notwendigkeit funktionierender Geheimdienste<br />
bewusst. Auch ein Untersuchungsausschuss kann teilweise geheim tagen<br />
und wird sicher keine operativen Aufgaben des BND öffentlich<br />
machen.
</p>
<p>
<b>aron:</b> Was für Themen wünschen Sie (oder<br />
die FDP) denn im Detail aufgeklärt zu sehen? Geht es nur um<br />
die Beteiligung deutscher an der Zielauswahl oder auch um andere<br />
Themen wie die CIA-Flüge oder auch um Fälle wie die Entführung<br />
el-Masris?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Die Frage der Aufgaben des BND im<br />
Irak ist nur ein kleiner Bestandteil des notwendigen Untersuchungsauftrages.<br />
Der Schwerpunkt muss neben den von Ihnen angesprochenen Themen bei<br />
der Durchsetzung des absoluten Folterverbotes liegen. Daher muss<br />
geklärt werden, ob deutsche Behörden unter Folter erzielte<br />
Erkenntnisse verwertet haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zum Kompromiss: Sie sagen,<br />
sie haben fast vollständig die Formulierungen des Untersuchungsauftrages<br />
der Grünen übernommen. Was genau heißt das?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Das bedeutet, dass dieser Untersuchungsausschuss<br />
nicht einer Abrechnung mit Rot-Grün dienen soll, sondern Aufklärung<br />
über die nicht beantworteten Fragen bringen soll. Das bedeutet<br />
weiter, dass die Grünen sich nicht herausreden können<br />
und dass es kein politisches Argument für sie gibt, sich zu<br />
verweigern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie reagieren Sie und die FDP, wenn<br />
die Grünen tatsächlich abspringen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Ein Untersuchungsausschuss kann dann<br />
nicht beantragt werden. Aber die Öffentlichkeit würde<br />
erkennen, dass alles, was die Grünen jemals über Rechtsstaat,<br />
Bürgerrechte, Transparenz und demokratische Kontrolle erzählt<br />
haben, ad absurdum geführt würde.
</p>
<p>
<b>Chestnut:</b> Könnte das Ganze nicht zum PR-Desaster<br />
für die FDP werden? Wenn die Partei zu verzweifelt an dem Ausschuss<br />
festhält, denkt sich doch jeder: Klar, die haben&#8217;s nötig,<br />
weil sie in der Opposition sind.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Wenn die kleinste Fraktion im Bundestag,<br />
die Grünen, sich an der Aufklärungsmöglichkeit nicht<br />
beteiligt, werden sie schon ihre Gründe haben. Der Untersuchungsausschuss<br />
muss nicht belegen, ob Joseph Fischer gelogen hat oder nicht. Wer<br />
heute in den Focus guckt, erfährt, dass Fischer sich am 16.<br />
Dezember 2003 ausführlich von den BND-Agenten in Aman hat vortragen<br />
lassen,<br />
obwohl er noch Anfang des Jahres der Öffentlichkeit und seiner<br />
Fraktion gesagt hat, dass er diesen Vorgang nicht kenne.
</p>
<p>
<b>drasdo:</b> Ich verstehe die ganze Diskussion nicht.<br />
Jede Bundesregierung, die staatspolitisch verantwortlich handelt,<br />
muss, um sich ein eigens Bild zu verschaffen, Mitarbeiter in eine<br />
Krisenregion schicken. Mit der Diskussion erreichen Sie allerdings<br />
den Mann am Stammtisch sehr gut.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Die erste Aussage ihres Satzes ist<br />
völlig richtig. Hier geht es nur um die Deckungsgleichheit<br />
von Reden und Handeln. Viel wichtiger sind mir die anderen unbeantworteten<br />
Fragen, die ich vorhin schon genannt hatte.
</p>
<p>
<b>aron:</b> Würden Sie sagen, Sie haben den konkreten<br />
Verdacht, dass deutsche Behörden Folteraussagen verwendet haben?<br />
Welche Zeugen würden sie zu diesem Thema gerne befragen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Innenminister Schäuble hat in<br />
der Bundestagsdebatte gesagt, in den Akten gäbe es keine Erkenntnisse,<br />
die auf die Verwertung von Foltergeständnissen hinweisen. Das<br />
reicht nicht aus!
</p>
<p>
<b>luftikus:</b> Das parlamentarische Kontrollgremium<br />
hat die BND-Geschichte aus Bagdad schon für unproblematisch<br />
erklärt. Wieso soll das dann überhaupt noch in den Ausschuss?<br />
CIA würde doch reichen. Dann machen bestimmt auch die Grünen<br />
mit.
</p>
<p>
<b>dunkelmann:</b> Hallo Herr Niebel, für wie groß<br />
halten Sie denn den Einfluss von Fischer in der Grünen-Fraktion?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> zu luftikus: Einspruch. Das parlamentarische<br />
Kontrollgremium hat festgestellt, dass die Agenten entsprechend<br />
ihres Auftrages korrekt gehandelt haben. Das bedeutet etwas anderes.<br />
Im Übrigen: Wir haben nie einen BND-Ausschuss gefordert. Wir<br />
haben die Fragestellung der Grünen fast vollständig übernommen.<br />
Aber die Reihenfolge der Fragen in unserem Vorschlag so verändert,<br />
dass CIA und Folter vorne stehen und nicht der BND, wie es die Grünen<br />
vorgeschlagen haben. Zu dunkelmann: Er (Joschka Fischer) wurde in<br />
der Vergangenheit als Gottvater bezeichnet, wenn er innerhalb einer<br />
Woche die Fraktion und Parteiführung nach einem klaren &#8216;Ja&#8217;<br />
zum Untersuchungsausschuss zu einem &#8216;Nein&#8217; umdrehen kann, sagt dass<br />
nicht nur was über seinen Einfluss, sondern auch über<br />
das mangelnde Rückgrat der grünen Fraktion aus.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Für Sie ein Skandal?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Zumindest sehr erhellend.
</p>
<p>
<b>hans probst:</b> Wie stehen Sie dann zu Aussagen eines<br />
Wolfgang Schäuble, man dürfe &quot;erfolterte&quot; Aussagen<br />
von Häftlingen auch in Deutschland in einem Rechtsstreit verwenden?
</p>
<p>
<b>R.M.:</b> Dürfen Ihrer Meinung nach deutsche<br />
Behörden unter keinen Umständen Folteraussagen verwenden?<br />
Auch nicht im zugespitzten Fall, in dem dadurch Leben gerettet werden<br />
können?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Das absolute Folterverbot darf nicht<br />
aufgeweicht werden. Wer sich im Kampf gegen den Terror nicht rechtstaatlicher<br />
Mittel bedient, begibt sich auf eine schiefe Bahn und überschreitet<br />
eine rote Linie, wodurch man sich auf die gleiche Ebene begibt,<br />
wie diejenigen, die man bekämpfen will.
</p>
<p>
<b>bndagent:</b> Wird auch die Beziehung zwischen Frau<br />
Osthoff und dem BND Teil des Untersuchungsausschusses sein?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Ich glaube, es ist notwendig, dass<br />
der Bundesaußenminister dem parlamentarischen Kontrollgremium<br />
gegenüber zum Fall Osthoff Rede und Antwort steht. Dieser Fall<br />
ist zwar sehr diffus, hat mit dem anderen Komplex aber nichts zu<br />
tun.
</p>
<p>
<b>blacktimh:</b> Wie finden Sie die Vorwürfe, dass<br />
Susanne Osthoff die Entführung plante?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Das kann ich nicht beurteilen. Der<br />
Umstand, dass eventuell Lösegeld bezahlt wurde und davon einiges<br />
bei ihr aufgefunden wurde, verbietet es aber, dass die Bundesregierung<br />
gegenüber den zuständigen Gremien weiterhin schweigt.<br />
Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten, ist es meines Erachtens nicht<br />
nur kriminell, sondern Frau Osthoff hätte anderen potenziellen<br />
Entführungsopfern einen Bärendienst erwiesen.
</p>
<p>
<b>Hasenchartbreaker:</b> Hallo Herr Niebel. Was ist<br />
eigentlich dran an dem Gerücht, dass die FDP intern schon ziemlich<br />
von der Selbstdarstellung eines Herrn Westerwelle genervt ist?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Überhaupt nichts.
</p>
<p>
<b>Eirikr:</b> In Deutschland wird immer wieder mit nachfrageorientierten,<br />
keynesianisch ausgerichteten Argumenten gefochten. Warum ist es<br />
so schwer, den Leuten klar zu machen, dass das Schnee von gestern<br />
ist? Zumal nur eine Minderheit unter den Experten in Deutschland<br />
daran glaubt und im europäischen Ausland damit auch nicht mehr<br />
argumentiert wird.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Das Grundproblem besteht darin, dass<br />
gerade bei einer großen Koalition die schwarz und rot lackierten<br />
Sozialdemokraten den Bürgern nichts zutrauen. So versuchen<br />
sie, mit einem Investitionsprogramm, für das sie das Geld nicht<br />
haben, etwas zu erreichen, was Bürger und Unternehmen, wenn<br />
ihnen der Staat mehr vom selbstverdienten Geld überließe,<br />
viel besser selbst könnten.
</p>
<p>
<b>Oskar Matzerat:</b> Was genau unterscheidet für<br />
Sie den Begriff &quot;liberal&quot; im Deutschen von dem &quot;liberal&quot;<br />
im Amerikanischen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Im deutschen Liberalismus wurde der<br />
Nachtwächterstaat durch die sogenannten Neoliberalen abgelöst,<br />
die dafür gesorgt haben, dass im Umgang untereinander Spielregeln<br />
aufgestellt wurden, die der Staat wie ein Schiedsrichter zu überwachen<br />
hatte. Mittlerweile könnte man glauben, der Schiedsrichter<br />
möchte gerne selbst die Tore schießen. Das kann nicht<br />
funktionieren. Der amerikanische Liberalismus ähnelt meines<br />
Erachtens eher dem alten Nachtwächterstaat.
</p>
<p>
<b>jj:</b> Sehr geehrter Herr Niebel. An sich bin ich<br />
ja der FDP gegenüber sehr wohlgesonnen, doch habe ich in letzter<br />
Zeit ein Problem: Mir fällt auf, dass das einzige, was man<br />
von den Liberalen hört, Gemecker ist. Es wird von Bundesparteiseite<br />
nur rumgemosert, gemeckert, kritisiert. Ist das die Rolle der FDP<br />
in der Opposition?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Überhaupt nicht. Da ist ihre<br />
Wahrnehmung leider sehr eingeschränkt. Schon im Vorfeld des<br />
Koalitionsvertrages war es die FDP, die in der Diskussion über<br />
die Föderalismusreform die Großkoalitionäre zwingen<br />
konnte, auch eine Reform der Finanzbeziehungen in Deutschland im<br />
Koalitionsvertrag festzuschreiben. Die Rolle der FDP als Oppositionsführer<br />
ist eine konstruktive, die die große Koalition auch antreibt<br />
und selbstverständlich zu kontrollieren hat.
</p>
<p>
<b>aron_:</b> Noch einmal zu den Foltervorwürfen:<br />
Als überzeugter Gegner von Folter frage ich mich, wie derart<br />
ungeheuerliche Vorwürfe entstehen konnten. Woher kommt die<br />
Vermutung, dass deutsche Behörden Folteraussagen verwendet<br />
hätten?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Deutsche Beamte haben nach Auskunft<br />
des Bundesinnenministers sowohl in Guantanamo als auch in syrischen<br />
und libanesischen Gefängnissen, die für Folter bekannt<br />
sind, Vernehmungen durchgeführt. Übrigens ohne, dass der<br />
Generalbundesanwalt davon wusste. Allein das bedarf der rückhaltlosen<br />
Aufklärung.
</p>
<p>
<b>PPM:</b> Sehr geehrter Herr Niebel, was sehen sie<br />
denn so problematisch daran, dass der BND im Irak aktiv war und<br />
eventuell Informationen an die Amerikaner weitergegeben hat? Die<br />
USA sind schließlich unsere Verbündete und wenn der BND<br />
Informationen weitergegeben haben sollte, sehe ich darin kein Problem.<br />
Warum auch?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Grundsätzlich würde ich<br />
Ihnen zustimmen. Handeln und Reden der Bundesregierung würde<br />
dann allerdings sehr weit auseinander klaffen. Nichtbeteiligung<br />
am Irakkrieg bedeutet ja nicht nur, keine Soldaten zu schicken.<br />
Aber noch einmal: Die FDP hat zu keinem Zeitpunkt einen BND-Ausschuss<br />
gefordert, sondern von Anfang an eine umfassende Beleuchtung der<br />
Grauzonen rechtsstaatlichen Handelns.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage nach Verhören in Guantanamo:
</p>
<p>
<b>Clemens Gretkowski:</b> Was für Beamte, Herr<br />
Niebel? BND, Bundespolizei, Bundeswehr? Was für Beamte haben<br />
die Vernehmungen durchgeführt?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Nach meinem Wissen Beamte des Bundeskriminalamtes.
</p>
<p>
<b>Montagsmaler:</b> Kommt meine Frage noch? Ich entdecke<br />
in der Rückkehr der Menschenrechts- und Rechtsstaatsthemen<br />
mehr Gemeinsamkeiten zwischen FDP und SPD als mit der CDU. Steht<br />
Ihnen nur die Marktscheu der Sozialdemokraten bei einer Koalition<br />
im Wege?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Koalitionsfragen werden beantwortet,<br />
wenn sie sich stellen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dennoch: Könnte die SPD der Nach-Schröder-Ära<br />
für die Liberalen im Bund künftig wieder interessant sein?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Da die Sozialdemokratisierung der<br />
Union in rasendem Tempo vorangeht, unterscheiden sich Union und<br />
SPD immer weniger voneinander. Das bedeutet für uns, all die<br />
Menschen, die einen Politikwechsel wollten und nur einen Personalwechsel<br />
bekamen, sind bei der FDP herzlich willkommen.
</p>
<p>
<b>Kallebeckenbauer:</b> Hallo Herr Niebel, sind die<br />
gewählten Abgeordneten wirklich die Vertreter des Volkes? Ich<br />
habe nicht immer den Eindruck. Da wird viel über die Köpfe<br />
der Leute hinweg entschieden. Warum machen Sie von der FDP sich<br />
nicht stark dafür, Volksabstimmungen generell einzuführen?<br />
Haben die Politiker davor Angst?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Wir haben uns als FDP seit längerer<br />
Zeit für eine Stärkung plebiszitärer Elemente ausgesprochen.<br />
Das gilt insbesondere, wenn die Legislaturperiode tatsächlich<br />
auf 5 Jahre verlängert werden sollte. Generell halten wir aber<br />
an der repräsentativen Demokratie in einem 82-Millionen Volk<br />
fest.
</p>
<p>
<b>David13:</b> Was hält die FDP von der Lohnforderung<br />
der IGM: Konjunkturbremse oder eine echte Alternative um den Binnenmarkt<br />
anzukurbeln?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Ein &quot;Superprogramm&quot; zur<br />
Vernichtung von innerdeutschen Arbeitsplätzen. Stattdessen<br />
würde ein einfaches und niedriges Steuersystem zu einem wesentlichen<br />
Schub für mehr Wachstum und weniger Arbeitslosigkeit führen.
</p>
<p>
<b>Usama:</b> Hallo Herr Niebel. Die Erhöhung der<br />
Mehrwertsteuer haben Sie gegeißelt, weil sie die Konjunktur<br />
abwürge. Jetzt geißeln Sie die staatlichen Investitionen,<br />
die die Konjunktur ankurbeln sollen. Was wollen Sie denn überhaupt?<br />
Noch mehr Belastung der kleinen Leute und Entlastung der großen<br />
Unternehmen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Es ist doch unsinnig, dass der Staat<br />
den Bürgern ihr selbstverdientes Geld wegnimmt, durch einen<br />
teuren Verwaltungsapparat katalysiert, um es ihnen dann hinterher<br />
nach Abzug der Verwaltungskosten zweckgebunden in Form eines Investitionsprogramms<br />
wieder zurück zu geben. Nicht der Staat, die Bürger wissen<br />
besser, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen.
</p>
<p>
<b>Copperhead:</b> Wird die FDP per Bundesrat die Mehrwertsteuer-Erhöhung<br />
zu Fall bringen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Kein Land mit FDP-Regierungsbeteiligung<br />
wird der Mehrwertsteuer-Erhöhung zustimmen. Das bedeutet, wir<br />
müssen unsere Regierungsbeteiligung in Baden-Württemberg,<br />
Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt am 26. März erhalten und<br />
dann noch ein weiteres Bundesland von der Unsinnigkeit der Mehrwertsteuer-Erhöhung<br />
überzeugen, um diese zu verhindern. Im September wählen<br />
die rot-rot regierten Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.<br />
Ich bin gespannt, wie die PDS ihren Wählern eine Mehrwertsteuer-Erhöhung<br />
verkaufen möchte. Sie sehen also, wenn die FDP in den Wahlen<br />
stark wird, gibt es eine echte Chance, die Mehrwertsteuer-Erhöhung<br />
zu verhindern.
</p>
<p>
<b>Tequilllla:</b> Halten sie es für möglich,<br />
aus ihrer Oppositionsrolle bestimmte Projekte der CDU (oder auch<br />
SPD) zu unterstützen, die im jeweils anderen Lager der Koalition<br />
keine hundertprozentige Zustimmung findet und so eventuell die Stimmen<br />
zur Durchsetzung fehlen? Ich denke da an die Kombilohn-Debatte seitens<br />
der CDU, die nicht von allen SPD Anhängern als Unsinn abgetan<br />
wird, aber auch nicht von allen getragen wird.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Von unserer Warte aus wäre das<br />
sicher möglich, allerdings wird die Regierung bestimmt nicht<br />
mit wechselnden Mehrheiten arbeiten. Das bedeutet alles, worüber<br />
die beiden sich nicht einigen können, findet nicht statt. Also<br />
Politik auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner.
</p>
<p>
<b>Jk:</b> Wie stellen sie sich denn eine Ausmistung<br />
der &quot;teuren&quot; Verwaltung vor? Mehr Bundeskompetenz und<br />
weniger Ebenen? Ein vereinfachtes Verwaltungsverfahrensgesetz? Da<br />
hätte ich doch Angst, dass Sie Rechtsschutzinstanzen für<br />
den Bürger beschneiden müssten.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Weniger Aufgaben für den Staat<br />
und mehr Freiheit für den Bürger bedeutet in der Konsequenz<br />
auch weniger Verwaltung. Eine Aufgabenüberprüfung dessen,<br />
was der Staat zu tun hat, ist dringend überfällig. Befristete<br />
Gesetze und Verordnungen, Bürokratiefolgeabschätzung im<br />
Vorfeld von Gesetzgebungsverfahren würden ein Übriges<br />
tun.
</p>
<p>
<b>PPM:</b> Tendieren Sie dazu, dass sich die Union gerade<br />
dem &#8216;sozialen Gedanken&#8217; anbiedert, anstatt sich wieder ihrem eigenen<br />
&#8216;konservativen&#8217; Profil zuzuwenden,<br />
oder sehen Sie diese Entwicklung als eine kurzfristige Entwicklung?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Im Binnenwettbewerb der beiden großen<br />
sozialdemokratischen Parteien sehe ich eher einen dauerhaften Linksruck<br />
im deutschen Bundestag. Es gibt vier staatsgläubig/sozialdemokratisch<br />
strukturierte Fraktionen und eine bürgerlich liberale.
</p>
<p>
<b>Lennox:</b> Ich dachte, es ging hier um Geheimdienstmethoden<br />
und Terroristenjagd!?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie in der Anmoderation angekündigt:<br />
&quot;Wie immer können Fragen zu allen Themen gestellt werden&quot;.
</p>
<p>
<b>aron_:</b> Halten sie die Diskussion um den Atomwiedereinstieg<br />
in Anbetracht der ebenso knappen Uranvorkommen für sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Kernkraftwerke, die nicht sicher<br />
sind, müssen sofort abgestellt werden. Kernkraftwerke, die<br />
sicher sind, müssen die Chance bekommen, entsprechend ihrer<br />
wirtschaftlichen Lebensdauer betrieben zu werden. Eine Forderung<br />
nach Neubau von Kernkraftwerken halte ich für unsinnig, insbesondere,<br />
weil mir kein Betreiber bekannt ist, der sie ernsthaft erheben würde.
</p>
<p>
<b>lemonBER:</b> Auch wenn Sie die Grünen zu den<br />
staatsgläubigen Parteien zählen &#8211; sehen Sie nicht gerade<br />
bei Bürgerrechtsthemen und eben auch beim Missbrauch der Regierungsmacht<br />
durch all zu selbstgerechte Staatlichkeit Anknüpfungspunkte<br />
an die Grünen, die zweite Partei mit zumindest liberalem Potential?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Ich sehe Anknüpfungspunkte in<br />
Teilen der grünen Wählerschaft, nicht aber im Handeln<br />
der grünen Partei. Weder in der Regierungszeit, wo sie die<br />
Lösung von Problemen immer irgendwelchen staatlichen Organisationen<br />
zugeordnet hat, noch in der Opposition, wo sie jetzt auf dem besten<br />
Weg ist, alle öffentlich proklamierten Ziele zum Schutz von<br />
Joseph Fischer über Bord zu werfen.
</p>
<p>
<b>Klammerbeutel:</b> Hallo Herr Niebel. Offensichtlich<br />
kommen Sie ja von der großen Koalition mit Ihrer ehemaligen<br />
Partnerpartei, der CDU, nicht so richtig los. Besteht bei dieser<br />
Konstellation der Opposition überhaupt die Chance einer schlagfertigen<br />
Gegenposition zur amtierenden Regierung?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Selbstverständlich. Erstens,<br />
weil große Koalition zwar große Mehrheit bedeutet, nicht<br />
aber große Problemlösungskompetenz. Eine große<br />
Koalition hat langwierige Abstimmungsprozesse, um sich auf den kleinsten<br />
gemeinsamen Nenner zu einigen. Das reicht nicht zur Lösung<br />
der Probleme Deutschlands.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Für die Kanzlerin gehen die Beliebtheitswerte<br />
stark nach oben: Warum steht die große Koalition so gut da?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Erstens ist Frau Merkel eine durchaus<br />
sympathische Persönlichkeit. Zweitens bringen große Koalitionen<br />
es mit sich, dass viele Menschen sie gewählt haben, sich also<br />
gerne im Ergebnis wieder sehen. Hierfür nehmen sie ebenso wie<br />
Teile der veröffentlichten Meinung inhaltliche Abstriche hin.
</p>
<p>
<b>Imperanevs:</b> Sie stehen Sie persönlich zu<br />
einem geplanten gesamtdeutschen Einbürgerungstest?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Grundsätzlich bin ich der Ansicht,<br />
dass man von Einbürgerungswilligen über die Kenntnisse<br />
der deutschen Sprache hinaus Grundkenntnisse des deutschen Gesellschaftssystems<br />
erwarten kann. Ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung<br />
ist zwingend, das bedeutet aber nicht, dass der Staat alles fragen<br />
darf. Die sexuelle Ausrichtung oder individuelle religiöse<br />
Überzeugungen sind Privatsache.
</p>
<p>
<b>Peter18:</b> Wie alles im Leben, so sollte auch diese<br />
Geschichte den normalen Dienstweg gehen und von den Vorgesetzten<br />
der beiden Agenten geklärt werden. Ich denke, ein Nachrichtendienst<br />
ist zum beschaffen von Informationen da. Auch für die Beschaffung<br />
von Lageinformationen aus dem Irak und wenn diese dann auch noch<br />
dazu dienen, dass der Schaden an zivilen Gebäuden minimiert<br />
wird, ist das zumindest militärisch gesehen sehr wertvoll.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Abgesehen davon, dass wir keinen<br />
reinen BND-Untersuchungsausschuss wollen, dient natürlich auch<br />
die Weitergabe nicht zu bombardierender Ziele einem militärischen<br />
Zweck. Der Jurist nennt so etwas Umkehrschluss. Hier geht es wieder<br />
um die Frage von Reden und Handeln einer Regierung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wie stets die Bitte um Nachsicht an diejenigen, die mit ihrer Frage<br />
nicht zum Zuge gekommen sind. Vielen Dank für Ihr Interesse.<br />
Vielen Dank an Sie, Herr Niebel, dass Sie heute Zeit für unsere<br />
User hatten. Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Dort erfahren Sie auch die Termine für<br />
die nächsten Chats. Nächster Gast bei uns ist die Grüne<br />
Bundestagsabgeordnete und Bundestagsvize-Präsidentin Katrin<br />
Göring-Eckardt am 6. Februar ab 13 Uhr.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Vielen herzlichen Dank und ich wünsche<br />
Ihnen allen einen ergebnisorientierten Arbeitstag.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotmit_der_absage_pflegen_gruene_das_denkmal_fischerquot-162/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
