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	<title>Börse &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Börse &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Börsencrash nur kurze Delle&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/boersencrash-nur-kurze-delle-3709/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Jan 2008 15:39:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Börse]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Dreger]]></category>
		<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Globaler Börsencrash: Christian Dreger, Chef der Konjunkturabteilung im deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) chattete am 24. Januar 2008 mit den Usern über die Wirtschaftskrise in den USA und deren Auswirkungen für Deutschland. Gegen Ende des tagesschau-Chats in Zusammenarbeit mit politik-digital.de verriet der Wirtschaftswissenschaftler ein paar Anlagetipps. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Globaler Börsencrash: Christian Dreger, Chef der Konjunkturabteilung im deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) chattete am 24. Januar 2008 mit den Usern über die Wirtschaftskrise in den USA und deren Auswirkungen für Deutschland. Gegen Ende des tagesschau-Chats in Zusammenarbeit mit politik-digital.de verriet der Wirtschaftswissenschaftler ein paar Anlagetipps. <!--break--></p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Heute ist Christian Dreger, Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Die Bundesregierung hat ihre Erwartungen an das Wirtschaftswachstum heruntergeschraubt und warnt vor den Folgen der US-Finanzkrise. Wie reagieren die deutschen Unternehmen? Was bedeutet das für den Bürger als Sparer und Anleger? Herr Dreger, noch einmal herzlich willkommen. Können wir beginnen?
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/cdreger_0.jpg" alt="Christian Dreger" title="Christian Dreger" height="237" width="178" />
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Auf jeden Fall. Hallo!
</p>
<p>
<b>JoJo:</b> Wie<br />
sieht Ihre Konjunkturprognose für 2008 aus?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir haben ein Konjunkturprognose Anfang Januar<br />
vorgestellt und dort eine Wachstumsrate von 2,1% für das reale<br />
BIP (Bruttoinlandsprodukt, Anm. der Redaktion)<br />
prognostiziert.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Anfang Januar &#8211; ist das<br />
noch aktuell?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das würde ich schon sagen. Diese Prognosen haben ja<br />
eine gewisse Halbwertzeit. Sie sind schon auf Basis reiflicher<br />
Überlegungen entstanden. Wir sehen jetzt, dass die Risiken wohl<br />
zugenommen haben, aber wir sehen noch keinen Bedarf für eine<br />
Prognosekorrektur.
</p>
<p>
<b>Mahler:</b> Erholt sich der Dax auf<br />
Dauer, war das nur eine kurzfristige Delle?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Ich denke, das war eine kurzfristige Delle, die sich<br />
zurückbilden wird, wenn die Unsicherheit aus den Märkten<br />
verschwunden ist. Auf Dauer ist der Trend weiter nach oben<br />
gerichtet.
</p>
<p>
<b>Böse Überraschungen mit Banken</b>
</p>
<p>
<b>Spekulantius:</b> Warum sind die Börsen<br />
so hypersensibel, das ist ja schon irrational, oder?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das hat mit der Unsicherheit zu tun. Man hat einfach<br />
unvollständige Informationen. Auf der anderen Seite erlebt man<br />
dann immer wieder böse Überraschungen. In Deutschland haben<br />
wir da als Beispiel etwa die Hypo Real Estate letzte Woche und auch<br />
die Westdeutsche Landesbank. Man hat in beiden Fällen die<br />
Schwere der Verluste eigentlich nicht erwartet. Insofern ist es auch<br />
ein Problem der Informationspolitik der beteiligten Banken. Es ist<br />
damit zu rechnen, dass die Volatilität an den Aktienmärkten<br />
mit der Zeit abnehmen wird, wenn eben mehr Informationen eingehen &#8211;<br />
oder verlässlichere. Aus fundamentaler Sicht sind die aktuellen<br />
Kursschwankungen weit überzogen.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Hier kommt eine Nachfrage, es gibt noch Zweifel an Ihrer<br />
Prognose:</p>
<p><b>Jugo:</b> Aber die Bundesregierung und<br />
andere Institute haben die Prognose schon nach unten korrigiert &#8211; wie<br />
schlimm ist die Krise?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir sehen eigentlich schon, dass die Risiken zugenommen<br />
haben. Aber wir sehen noch keinen dringenden Korrekturbedarf. 2008<br />
ist nach unserer Prognose das Jahr des Konsums, der insbesondere von<br />
zwei Faktoren gestützt wird: Dies ist zum einen die positive<br />
Beschäftigungsentwicklung, die auch 2008 noch anhält, und<br />
zum anderen der Reallohnzuwachs. Beides erhöht die Einkommen und<br />
damit den Konsum. In Deutschland ist der Konsum weitgehend unabhängig<br />
von den Vermögen.
</p>
<p>
<b>Holger:</b> Was bedeutet der<br />
Börsencrash für die Preisentwicklung?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Die Preisentwicklung wurde hauptsächlich bisher von<br />
den Energiepreisen und von der Situation auf den Lebensmittelmärkten<br />
bestimmt. Der Börsencrash hat keine unmittelbaren Auswirkungen.<br />
Man könnte indirekte Effekte konstruieren, z.B. wenn aus dem<br />
Börsencrash eine schwächere realwirtschaftliche Entwicklung<br />
aufgrund zurückgehender Nachfrage folgen würde, würde<br />
diese eher preisdämpfende Folgen haben. Ein weiterer Effekt<br />
ergibt sich auch aus der Zinssenkung der US-Zentralbank, die zur<br />
Beruhigung der Situation an den Aktienmärkten erfolgte.
</p>
<p>
Dies wird<br />
tendenziell den Dollar weiter unter Druck setzen, so dass die<br />
Importpreise in Euro gerechnet rückläufig sein sollten.<br />
Also gibt es auch hier sozusagen Preisdämpfung.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Konstruiert die Bundesregierung also Effekte, wenn sie von<br />
Preissteigerungen ausgeht?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Die Bundesregierung hat noch eine persistentere<br />
Preisentwicklung im Kopf.<br />
Bei uns ist es ja auch so, dass wir in<br />
der ersten Hälfte des Jahres eine höhere Inflationsrate<br />
haben werden, als in der zweiten. Hier kommen beispielsweise<br />
Nachwirkungen des Energiepreisanstiegs zum Tragen. Wir erwarten<br />
allerdings nicht, dass sich höhere Lohnabschlüsse in dem<br />
Maße in höheren Preisen niederschlagen werden, wie dies<br />
offenbar die Bundesregierung tut. Lohn-Preis-Spiralen haben wir in<br />
nennenswertem Umfang in den letzten Jahren nicht mehr gesehen.
</p>
<p>
<b>Harlinger:</b> Ich bin kein Experte:<br />
Was heißt denn persistent?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Dauerhaftigkeit. Inflation geht eben langsam zurück,<br />
in dem Sinne. Hohe Inflationsraten bleiben über einen längeren<br />
Zeitraum erhalten.<br />
<b><br />
Auswirkungen der US-Krise in Europa</b>
</p>
<p>
<b>AlexDD:</b> Guten Tag. Eins<br />
verstehe ich nach den Börsencrash der letzten Tage nicht. Da wo<br />
die Krise eigentlich stattfinden soll &#8211; in den USA &#8211; gingen die<br />
Börsen relativ wenig nach unten. In Deutschland, wo die<br />
Konjunktur noch gut läuft, hat der DAX aber gleich ein<br />
Vielfaches verloren. Wie kann man so etwas erklären? Oder ist da<br />
einfach nur Psyche im Spiel gewesen?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das kann man nicht erklären. Aus fundamentaler Sicht<br />
sind die Kursschwankungen nicht zu rechtfertigen. Sie haben mit Ihrer<br />
Analyse durchaus Recht.
</p>
<p>
Die Krise ist<br />
zunächst nur in den USA relevant und sorgt dort für eine<br />
schwächere konjunkturelle Entwicklung, während sich der<br />
Euroraum noch im Aufschwung befindet. Offensichtlich erwarten die<br />
Marktteilnehmer ein erhebliches Übergreifen der Krise, das wir<br />
allerdings bei derzeitiger Kenntnislage noch nicht sehen.</p>
<p><b>kt:</b><br />
Warum sind wir Deutsche / Europäer scheinbar immer am meisten<br />
betroffen? Die asiatischen Börsen hatten zwar auch riesige<br />
Kurseinbrüche, der HangSeng hatte aber am Mittwoch ein Plus von<br />
fast elf Prozent und damit das Meiste wieder ausgeglichen.
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das ist zum großen Teil nur psychologisch zu<br />
erklären. In Europa ist es so, dass die wirtschaftliche<br />
Entwicklung in Großbritannien in Mitleidenschaft gezogen wird,<br />
weil die Märkte dort auch von der Immobilienkrise erfasst<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Schimmelreiter:</b><br />
Wird die Wirtschaft durch Börsenschwankungen immer anfälliger?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Gute Frage. Es ist nun einmal so, dass wir die<br />
Börsenentwicklung im Moment nur als temporär sehen. Der<br />
Einbruch wird sich wieder zurückbilden. Es hätte<br />
realwirtschaftliche Konsequenzen, wenn die Einbrüche dauerhaft<br />
sind. Prinzipiell kommen hier mindestens zwei Einflusskanäle in<br />
Frage. Zum einen sind dies Vermögenseffekte beim Konsum, zum<br />
anderen die Effekte auf das Investitionsverhalten der Unternehmen.<br />
Der Konsum in Deutschland ist praktisch unabhängig von der<br />
Entwicklung der Vermögenspreise. Was die Investitionen angeht,<br />
wären die börsennotierten Unternehmen betroffen. Da ihr<br />
Marktwert sinkt, verschlechtern sich die Kreditkonditionen. Dies<br />
würde für sich genommen die Investition dämpfen,<br />
allerdings sind die deutschen Unternehmen derzeit in einer günstigen<br />
Gewinnsituation. Dazu hat auch die mehrjährige Lohnzurückhaltung<br />
beigetragen. Die Investitionen werden in Deutschland auch in<br />
besonderer Weise durch Eigenmittel finanziert. Kredite spielen eine<br />
geringe Rolle.<br />
<b><br />
&quot;2008 wird positiv für den Konsum&quot; </b>
</p>
<p>
<b>savalat:</b> Im Einzelhandel ist seit Montag<br />
absolute Flaute: die Kunden reagieren auf den Crash und die negativen<br />
Nachrichten. Wird der Binnenhandel in Deutschland dieses Jahr noch<br />
mal an Schwung gewinnen oder ist 2008 &quot;schon gelaufen&quot;?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir sagen eigentlich schon, dass 2008 positiv für<br />
den Konsum wird. <br />
Wir hatten ja 2007 den Dämpfer, der uns<br />
durch die Mehrwertsteuererhöhung beschert worden ist. <br />
2008<br />
ist es eben so, dass die Beschäftigung zunimmt und es<br />
Reallohnzuwächse geben wird.
</p>
<p>
Die<br />
Arbeitslosigkeit geht dabei erheblich zurück, so dass sich auch<br />
die Risiken, den Arbeitsplatz zu verlieren, zurückbilden. Dies<br />
fördert die Konsumbereitschaft.
</p>
<p>
<b>Jugo:</b><br />
Werden die Zinsen für Guthaben und Kredite sich verändern?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir gehen nicht davon aus. Im Prinzip könnte die EZB<br />
die Zinsen wie die US-Notenbank senken. Die Geldpolitik in Europa<br />
achtet aber mehr auf inflatorische Entwicklung als die Notenbank in<br />
den USA. Kommt der Dollar jedoch weiter unter Druck, könnte die<br />
EZB eher die Zinsen senken, aber steigern werden sie sie nicht.</p>
<p><b>Herr<br />
Müller:</b> Wie wird sich der Dollarkurs in den nächsten<br />
Monaten Ihrer Meinung nach entwickeln und was für einen Einfluss<br />
könnte die neue Währung Amero auf den Dollar nehmen? Wird<br />
man in Zukunft wieder mehr Euro für Dollar/Amero bekommen?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir erwarten eigentlich einen recht stabilen Wechselkurs<br />
im Bereich zwischen 1,45 und 1,50 Dollar pro Euro. Prinzipiell hat<br />
man hier zwei Effekte zu unterscheiden:
</p>
<p>
Zum einen hemmt<br />
ein schwacher Dollar die Exporttätigkeit, andererseits bestehen<br />
deutsche Exporte zum großen Teil aus Investitionsgütern,<br />
die in geringerem Maße im preislichen Wettbewerb stehen. <br />
Für<br />
diese Exporteure dürfte der schwache Dollar leichter zu<br />
verkraften sein. Zudem werden heute 75 Prozent aller Exporte in Euro<br />
abgerechnet, so dass sie von der Dollarabwertung zunächst nicht<br />
betroffen sind.  Darüber hinaus verbilligt der schwache Dollar<br />
die Rohstoffimporte in Euro. Hätte es die Euroaufwertung nicht<br />
gegeben, würden wir heute an der Zapfsäule zwei Euro pro<br />
Liter Normalbenzin bezahlen. Insofern kommt der starke Euro den<br />
Verbrauchern zugute.
</p>
<p>
Der schwache<br />
Dollar hilft außerdem, die globalen Ungleichgewichte zu<br />
reduzieren, die ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft<br />
darstellen. Das Handelsbilanzdefizit der USA, das derzeit etwa bei<br />
sechs Prozent des BIP liegt, wird dadurch teilweise<br />
abgebaut.
</p>
<p>
<b><br />
Euro als neue Leitwährung</b>
</p>
<p>
<b>gesell:</b> Könnte der Euro, wenn der Dollar<br />
weiter schwächelt, zur neuen Leitwährung werden?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Es gibt Indizien, dass der Euro innerhalb der<br />
Weltwährungsreserven an Bedeutung gewinnt. Dies geht zunächst<br />
einmal zu Lasten des US-Dollars. Gleichwohl bleibt die USA die<br />
wichtigste Volkswirtschaft in der Weltwirtschaft, so dass der Dollar<br />
eine starke Position innerhalb der Weltwährungsreserven behält.
</p>
<p>
<b>merz331:</b><br />
Wie stark ist eigentlich dieser Einfluss des Euro-Kurses auf die<br />
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft? Das müsste<br />
sich doch absichern lassen.
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das lässt sich sicherlich absichern. Aber Sie müssen<br />
hier auch sehen, dass der Wechselkurseinfluss im Zeitablauf eher<br />
gesunken ist. So ist der Euroraum für deutsche Exporte deutlich<br />
wichtiger als bspw. der bilaterale Handel mit den USA.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Lässt sich das in Zahlen ausdrücken?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wenn der Dollarkurs um 10 Prozentschwächer wird,<br />
sinken die Exporte um durchschnittlich etwas weniger als ein Prozent.<br />
Diese Zahl ist allerdings gegenwärtig noch etwas übertrieben,<br />
weil sie auf den vergangenen Verhaltensweisen beruht und damit auch<br />
eine Periode umfasst, in der der Wechselkurs tendenziell wichtiger<br />
war. Es ist also ein zeitlicher Durchschnitt und die tatsächliche<br />
Bedeutung dürfte heute etwas niedriger liegen.
</p>
<p>
<b>Charlie Alphasierra:</b> Wie kann<br />
die EZB der Inflation im Binnenmarkt entgegenwirken ohne im<br />
Wechselkurs noch teurer zu werden? Ist das nicht ein Widerspruch?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: In diesem Widerspruch lebt die EZB derzeit. Es ist<br />
allerdings auch so, dass sich die aktuell höhere Inflation im<br />
Euroraum über das Jahr 2008 tendenziell nicht fortsetzen wird.
</p>
<p>
Wir haben in 2008<br />
keine drastischen Energiepreiserhöhungen, wie wir sie in 2007<br />
gehabt haben.<br />
Außerdem dürfte<br />
sich die Preisentwicklung bei den Lebensmitteln beruhigen. Die EZB<br />
fürchtet vor allem das Aufkommen von Lohn-Preis-Spiralen.<br />
Allerdings dürfte der hohe Wettbewerb im Euroraum dazu führen,<br />
dass im Fall höherer Lohnabschlüsse eher Beschäftigung<br />
abgebaut wird, als dass Preise erhöht werden. Insofern sehen wir<br />
eigentlich nur ein geringes Risiko für eine anziehende<br />
Inflation.<b><br />
</b>
</p>
<p>
<b>Rolle der Zentralbanken</b>
</p>
<p>
<b>katmai:</b> Wird durch das von den<br />
Zentralbanken massiv ins Finanzsystem gepumpte Geld der wirkliche<br />
Crash nicht erst verschoben und verschlimmert?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Grundsätzlich ist es so, dass die Zentralbanken<br />
eingreifen, um mehr Liquidität in den Markt zu pumpen und<br />
Anspannungen zwischen den Geschäftsbanken zu vermeiden.<br />
<br />
Insofern wird durch das Verhalten<br />
der Zentralbanken die Krise eher eingedämmt. Aus<br />
ordnungspolitischer Sicht kann man natürlich fragen, inwieweit<br />
es die Aufgabe der Zentralbanken ist, Risiken von Geschäftsbanken<br />
abzusichern.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Das fragen sich auch die User:</p>
<p><b>Vordina:</b> Wieso können<br />
Banken wie die West-LB, wenn sie Mist bauen, nicht einfach in die<br />
Insolvenz gehen? Warum muss der Steuerzahler die Fehler auch noch<br />
subventionieren?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Die West-LB ist ja eine Bank, die im Eigentum des Landes<br />
und der Sparkassen ist und die Eigentümer verfolgen mit der<br />
West-LB natürlich auch noch weitere, übergeordnete Ziele,<br />
die über den speziellen wirtschaftlichen Rahmen hinausgehen.<br />
Aber es ist sicherlich auffällig, dass in Deutschland bisher<br />
hauptsächlich von den Banken in öffentlicher Hand die Rede<br />
ist, die von der Finanzkrise betroffen sind.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Woran liegt das?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Ein Grund dafür könnte sein, dass das<br />
Risikomanagement bei Banken des öffentlichen Sektors<br />
verschiedentlich nicht so gut funktioniert wie bei den<br />
Geschäftsbanken.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Zum Stichwort Ordnungspolitik:</p>
<p><b>johann1978:</b> Hallo<br />
Herr Dreger, was ist denn Ihr Tipp für die Bundesregierung:<br />
Eisernes Sparen oder kann sie trotz Verschuldung die Zügel ein<br />
bisschen lockerer lassen?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir würden schon sagen, dass es darauf ankommt,<br />
jetzt ein bisschen mehr zu sparen, die Konsolidierung also<br />
fortzusetzen. Gegenwärtig wird ja verstärkt diskutiert, ob<br />
man der Finanzmarktkrise nicht mit einem Konjunkturprogramm begegnen<br />
soll. Das ist aus unserer Sicht ein Irrweg. Deutschland befindet sich<br />
im Aufschwung, so dass ein Konjunkturprogramm deplaziert wäre.<br />
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass solche<br />
Programme im Allgemeinen eine erhebliche Wirkungsverzögerung<br />
aufweisen. Das Programm würde bspw. erst in ein bis 1,5 Jahren<br />
wirksam. Dann dürfte sich die wirtschaftliche Situation aber<br />
erheblich von der gegenwärtigen unterscheiden, so dass das<br />
Konjunkturprogramm nicht optimal zugeschnitten sein kann.<br />
Außerdem kommt es für Deutschland<br />
darauf an, die Konsolidierung der Staatsfinanzen voranzubringen.<br />
Dabei geht es nicht um den Budgetausgleich an der Spitze des<br />
Konjunkturzyklus, sondern über den Konjunkturzyklus hinweg.<br />
Infolge der absehbaren demografischen Entwicklung müsste man<br />
heute sogar strukturelle Überschüsse realisieren, um die<br />
finanziellen Probleme im Bereich der sozialen Sicherung abzufedern.
</p>
<p>
<b>Arne-Steffen_Moeller:</b><br />
Abgesehen von dem Kapitalbedarf der Banken &#8211; wie wird sich Ihrer<br />
Meinung nach die Krise auf die Refinanzierungsmöglichkeiten der<br />
Unternehmen (sowohl große Unternehmen als auch kleinere und<br />
mittlere Unternehmen) auswirken? Ist hier mit sinkenden Investitionen<br />
von Seite der Unternehmen zu rechnen? Wenn ja in welchem Umfang?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das wäre nur der Fall, wenn die Krise tatsächlich<br />
dauerhafte Auswirkungen zeigt. Wir müssen für Deutschland<br />
davon ausgehen, dass die Unternehmen eine höhere<br />
Eigenmittelquote für Investitionen aufweisen. Hier ist auch zu<br />
berücksichtigen, dass die finanziellen Bedingungen für<br />
Investitionen durch die Politik der Lohnmoderation in der<br />
Vergangenheit verbessert wurden.
</p>
<p>
<b>Niedriges Wachstum in Deutschland</b>
</p>
<p>
<b>WilliCoburg:</b><br />
Also ist alles in Ordnung in Deutschland angesichts der Krise in USA<br />
und Asien?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Na ja, die fundamentalen Fakten stimmen eben immer noch<br />
in Deutschland.<br />
Deutschland wird in 2008 eine recht positive<br />
Entwicklung nehmen. Dabei muss man aber ganz generell sehen, dass die<br />
Wachstumsraten in Deutschland im internationalen Vergleich eher<br />
niedrig sind.  Insofern müsste man sich darauf konzentrieren,<br />
Strukturen zu schaffen, die wachstumsfördernd sind. Dazu ist die<br />
Zeit des Aufschwungs besonders geeignet.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Die User zweifeln weiter:</p>
<p><b>Heiner:</b> Die<br />
Entwicklung der wirtschaftlichen Situation in den USA lässt sich<br />
ja schon einige Zeit beobachten. Wird diese Entwicklung so<br />
weitergehen? Wenn ja, wird das dauerhafte Konsequenzen für die<br />
deutsche Wirtschaft haben und welche?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Natürlich hat die Dämpfung der wirtschaftlichen<br />
Aktivität in den USA negative Konsequenzen für die<br />
Weltwirtschaft und damit auch für die deutschen Exporte.
</p>
<p>
Allerdings sollte<br />
man die Effekte auch nicht übertreiben. Bei einem Rückgang<br />
der Wachstumsrate in den USA von etwa einem Prozentpunkt sinkt nach<br />
Informationen des internationalen Währungsfonds das Wachstum in<br />
der Eurozone um 0,2 Prozentpunkte. Allgemein ist die Bedeutung der<br />
USA für die Weltwirtschaft eher zurück gegangen.
</p>
<p>
<b>lustig:</b> Hallo, woran liegt es,<br />
dass wir zurzeit einen Aufschwung haben?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Der Aufschwung, den wir im Moment haben, kommt<br />
letztendlich von der weltwirtschaftlichen Entwicklung, die ja schon<br />
seit einigen Jahren überaus positiv verlaufen ist. Dies hat dazu<br />
geführt, dass zunächst die Exporte angezogen sind.<br />
Verspätet hat dann die Entwicklung auf die Binnenkonjunktur<br />
übergegriffen. Die Verzögerungen<br />
sind im Wesentlichen durch die Restrukturierungen in den Unternehmen<br />
begründet, die die allgemeinen Wettbewerbspositionen der Firmen<br />
erheblich verbessert haben. Dazu hat auch die Lohnmoderation<br />
beigetragen. Dies hat über anziehende Investitionen zu einem<br />
Beschäftigungsanstieg geführt, der nun den höheren<br />
Konsum nach sich zieht &#8211; also ein klassisches Muster für<br />
Deutschland, allerdings mit Verzögerungen bzgl. des Übergreifens<br />
der Welt- auf die Binnenkonjunktur.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Wir haben in der Zwischenzeit bei den Chatteilnehmern nachgefragt:<br />
Schüren die Börsenturbulenzen bei Ihnen Angst um den<br />
Arbeitsplatz? 21 Prozent sagen ja, 79 sagen nein. Wie stehen sie<br />
dazu, Herr Dreger?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Würde ich auch unterschreiben. Arbeitsplatzverluste<br />
könnten ja nur bei einer Abkühlung der Konjunktur drohen.<br />
Wenn die Konjunktur nachhaltig zurückgeht, wird sicherlich die<br />
Schaffung neuer Arbeitsplätze behindert und bestehende gehen<br />
verloren. Das ist aber nicht das Szenario, was wir von den<br />
Börsenentwicklungen her erwarten, jedenfalls nicht für<br />
Deutschland.
</p>
<p>
<b>levi:</b> Wie<br />
sieht das Worst Case Szenario aus?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das Worst Case Szenario sieht so aus, dass wir jetzt<br />
tatsächlich einen erheblichen Rückgang der konjunkturellen<br />
Expansion haben und dass uns die Finanzkrise der USA in erheblich<br />
stärkerem Maße trifft und den Aufschwung in Deutschland<br />
beendet. Dies ist aber eher ein unwahrscheinliches Szenario.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Noch ein Expertentipp für den Bürger:</p>
<p><b>afw9:</b><br />
Würden sie (langfristig orientierten) Anlegern weiterhin dazu<br />
raten, ihr Geld in Aktien anzulegen (vgl. Kostolanys<br />
Schlaftabletten-Taktik)?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Sicherlich ist es eine gute Idee, sein Portfolio<br />
teilweise in Aktien zu halten. Aktienanlagen sind zwar mit höherem<br />
Risiko ausgestattet als andere, haben dafür aber auch eine<br />
höhere Rendite. Wenn man sich die langfristige Entwicklung<br />
ansieht, dann sind wir im DAX immer noch erheblich höher, als<br />
die Indexstände in der ersten Hälfte des Jahres 2006. Der<br />
Index stand bei etwa 5300 bis 5500 Punkten. Gegenwärtig sind wir<br />
20 Prozent darüber. Es kommt natürlich immer darauf an,<br />
welche Aktien man wählt. So sind Unternehmen des TecDAX heute<br />
teilweise noch erheblich unter ihren Höchstständen aus der<br />
Zeit des New Economy Booms. Bei Standardwerten sollte die<br />
langfristige Tendenz eindeutig nach oben zeigen.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Eine Stunde tagesschau-Chat ist vorbei. Dankeschön an Herrn<br />
Dreger für die Ausführungen und Analysen. Dankeschön<br />
auch an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht<br />
alle stellen konnten. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch<br />
einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Vielen Dank!</p>
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