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	<title>Bologna-Prozess &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Bologna-Prozess &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Das Problem ist, dass e-Learning nicht oben auf der Agenda von Bologna steht&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[E-Learning]]></category>
		<category><![CDATA[Birgit Hennecke]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna-Prozess]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschulreform]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Freitag, 27. Oktober, 
war Birgit Henneke, Expertin für die Einführung von Bachelor 
und Master-Studiengängen in Deutschland, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a> 
Live-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. 
Sie sprach mit den Nutzern über den Bologna-Prozess und die 
Rolle, die e-Learning dabei spielt.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Freitag, 27. Oktober,<br />
war Birgit Henneke, Expertin für die Einführung von Bachelor<br />
und Master-Studiengängen in Deutschland, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a><br />
Live-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
Sie sprach mit den Nutzern über den Bologna-Prozess und die<br />
Rolle, die e-Learning dabei spielt.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Nutzerinnen und<br />
Nutzer von e-teaching.org, willkommen zum e-teaching.org Live-Chat.<br />
Zu Gast ist Birgit Hennecke, Expertin für die Einführung<br />
von Bachelor und Master-Studiengängen in Deutschland. Einen<br />
schönen guten Tag Frau Hennecke und vielen Dank, dass Sie Zeit<br />
für uns haben. Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, gerne und herzlichen Dank<br />
für die Einladung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Können Sie uns erklären,<br />
was sich hinter dem Begriff des Bologna-Prozesses verbirgt?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Der Bologna-Prozess zielt ab<br />
auf die Harmonisierung des europäischen Hochschulraumes, d.h.<br />
die Mobilität von Studierenden und Lehrenden soll verbessert<br />
werden, die Studiengänge und -abschlüsse an europäischen<br />
Hochschulen sollen vergleichbarer werden. Die Vision ist, dass Studierende<br />
problemlos innerhalb ihres Studiums von Oslo bis nach Barcelona<br />
und von London bis nach Bukarest ihren Studienplatz wechseln können<br />
und die Studienleistungen überall gleichermaßen anerkannt<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Z_P1a/8Xy:</b> Seit wann gibt es die Initiative?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Seit 1999. Im Juni 1999 haben<br />
sich damals Bildungsministerinnen und -Minister aus noch 29 Ländern<br />
in Bologna zusammen gefunden und haben die gemeinsame Erklärung<br />
unterschrieben. Hier wurde auch schon die Zeitvorgabe der Umsetzung<br />
des Prozesses bis 2010 festgelegt. Heute sind es übrigens 46<br />
Länder.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wird es nach dem Jahr 2010 ein Nachfolgeprojekt<br />
geben?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Es wird sicherlich nötig<br />
sein, aber ich weiß es nicht. Ich hoffe es.
</p>
<p>
<b>Kurator:</b> Wer ist in der Politik verantwortlich<br />
für die Einhaltung der hochschulpolitischen Rahmenvorgaben<br />
in Bezug auf den Bologna-Prozess?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Einige Rahmenvorgaben (Zugänge<br />
und Abschlüsse) sind beim Bundesministerium für Bildung<br />
und Forschung angesiedelt. Die wesentliche Gestaltung obliegt aber<br />
den Kultusministern der Länder.
</p>
<p>
<b>Z_P1a/8Xy: </b>Welche politischen Absichten stehen<br />
hinter dem Vorhaben Bologna-Prozess?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Vorrangig die Internationalisierung<br />
der Hochschullandschaft, die Herstellung von Mobilität von<br />
Studierenden und Lehrenden, mehr Transparenz der Studiengänge<br />
und -abschlüsse.
</p>
<p>
<b>europeunited: </b>Ist der Bologna-Prozess ursprünglich<br />
für die Schaffung einer europäischen Harmonisierung gedacht<br />
gewesen oder spielt dieser Gedanke hier überhaupt eine Rolle?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, das ist das wesentlichste<br />
Element.
</p>
<p>
<b>Aford:</b> Von welchen Ländern wird die Harmonisierung<br />
der Hochschullandschaft denn mitgetragen?<br />
<b><br />
Birgit Hennecke:</b> Das sind wie gesagt 46 mehr oder weniger<br />
europäische Länder von Island bis Russland, von Norwegen<br />
bis Zypern.
</p>
<p>
<b>Heurist:</b> Eines der Ziele des Bologna-Prozesses<br />
ist die internationale Mobilität auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.<br />
Haben Sie hierzu Zahlen, inwieweit sich die Bereitschaft der Absolventen<br />
geändert hat?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Es gibt noch relativ wenig statistische<br />
Angaben zu Bachelor-Absolventen und deren Verhalten in Bezug auf<br />
den ausländischen Arbeitsmarkt. Das wird sicher noch einige<br />
Jahre dauern.. Ich gehe aber davon aus, dass sich durch eine stärkere<br />
internationale Ausrichtung des Studiengangs auch die Motivation<br />
von Studierenden, die vielleicht schon Auslandspraktika gemacht<br />
haben, erhöhen wird, auch im Ausland zu arbeiten.
</p>
<p>
<b>anna:</b> Wie sieht die Umsetzung von Bologna in der<br />
Realität aus? Wie kommen Hochschulen, Lehrende und Studierende<br />
damit zurecht?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Immer besser. Aber es gibt noch<br />
viele Herausforderungen. Viele Hochschulen müssen mehrere Aspekte<br />
der Reform gleichzeitig bewältigen. Zum Beispiel müssen<br />
die Prüfungsverwaltungen viel mehr Aufgaben übernehmen.<br />
Die Studierendenverwaltung verändert sich, die Curriculumsentwicklung<br />
verändert sich komplett. Und auch die Lehrenden sind mit neuen<br />
Aufgaben konfrontiert. Da all dies gleichzeitig passieren muss,<br />
ohne dass die Hochschulen zusätzliche Mittel oder Personal<br />
bekommen, bewegt sich manches langsamer, als es vielleicht 1999<br />
gewünscht war.
</p>
<p>
<b>Next one please: </b>Welche Fortschritte und Erfolge<br />
hat es denn bisher gegeben?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Es sind bis zu diesem Wintersemester<br />
ca. 45 % aller deutschen Studiengänge in die Bachelor- und<br />
Masterform überführt worden und die Tendenz ist steigend.<br />
Alle deutschen Hochschulen haben einen Bologna-Koordinator/Koordinatorin,<br />
der sich vor Ort um die Herausforderungen des Bologna-Prozesses<br />
kümmert. Die Reform ist mittlerweile auf der operativen Ebene<br />
angekommen.
</p>
<p>
<b>anna:</b> Wie können die Studierenden sich in<br />
den Bologna-Prozess einbringen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Das ist eine gute Frage. Über<br />
den Weg von studentischen Organisationen wie den FZS oder ESIB,<br />
die sehr aktiv den Prozess mitgestalten. Und vor Ort an den Hochschulen<br />
hören wir eigentlich immer wieder die Klage, dass bei dem Wunsch<br />
von Fachbereichen, ihre Studierenden bei der Curriculumsentwicklung<br />
zu beteiligen, sie häufig auf Desinteresse stoßen. Ansprechpartner<br />
wären hier z.B. die Studiendekane, die sich sicher über<br />
interessierte Studierende freuen.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Wieso heißt der Prozess eigentlich<br />
&#8216;Bologna&#8217;?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Weil er 1999 in der italienischen<br />
Stadt Bologna angestoßen wurde.
</p>
<p>
<b>korea:</b> In Deutschland ist Bildung Ländersache<br />
&#8211; ist das ein Hindernis für den Bologna-Prozess? In anderen<br />
Ländern ist man da durch zentralistische Regierungen doch sicher<br />
schneller handlungsfähig, oder?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Wir hoffen sehr auf die gute<br />
Zusammenarbeit der Kultusministerkonferenz nach der Föderalismusreform.
</p>
<p>
<b>Möhnke:</b> Bologna ist ein bürokratisches<br />
Monster, das schwer vermittelbar ist. Was tut die Hochschulrektorenkonferenz,<br />
um die guten Ansätze des Prozesses öffentlichkeitswirksam<br />
zu promoten?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Die Hochschulrektorenkonferenz<br />
hat extra zwei Projekte dafür angestoßen &#8211; die Servicestelle<br />
Bologna und das Kompetenzzentrum Bologna, um den Prozess aktiv zu<br />
unterstützen. Diese Projekte sind zuständig für die<br />
persönliche Beratung von Fragenden aus der Hochschule, für<br />
die Veranstaltungsorganisation zum Thema, für die Herausgabe<br />
von Publikationen und für die Vernetzung der verschiedenen<br />
Akteure im Bologna-Prozess. Das sind unter anderem die schon genannten<br />
Bologna-Koordinatoren. Im Kompetenzzentrum sind zudem 21 Beraterinnen<br />
und Berater koordiniert, die an 21 Hochschulstandorten nur für<br />
die Umsetzung des Bologna-Prozesses delegiert sind.
</p>
<p>
<b>anna:</b> Werden die Lehrenden bei der Umsetzung von<br />
Bologna ausreichend unterstützt?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Da gibt es verschiedene Aspekte.<br />
Viele Lehrende fühlen sich mit der zusätzlichen Arbeit,<br />
die auf sie zukommt, ziemlich allein gelassen. Aber es gibt auch<br />
Hochschulen, die sehr aktive Unterstützungsangebote für<br />
ihre Lehrenden institutionalisiert haben, sei es kurzfristig zusätzliches<br />
Personal in den Studierenden- und Prüfungsverwaltungen oder<br />
jene genannten Bologna-Beraterinnen und –Berater,<br />
die den Lehrenden unter die Arme greifen. Die schon genannten Projekte<br />
der Hochschulrektorenkonferenz bieten ebenso ihre Unterstützung<br />
vor Ort an. Aber es bräuchte sicher weitaus mehr Fortbildungsangebote<br />
und strukturelle Maßnahmen und auch zusätzliches Geld.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage vom Nutzer &#8216;frager&#8217;<br />
auf die Frage von Möhnke:
</p>
<p>
<b>frager:</b> Das hört sich alles eher bürokratisch<br />
an, da hat Möhnke schon recht. Was ist der Output?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Der Output sind geschultere Lehrende,<br />
wissendere Curriculumsentwickler, sensibilisierte Hochschulleitungen,<br />
viel mehr Berücksichtigung von didaktischen Fragen in der Curriculumsentwicklung<br />
wie z.B. die sogenannte Kompetenzorientierung, ein viel stärkeres<br />
Interesse an Qualitätsentwicklungsfragen an den Hochschulen<br />
und zum Teil das Angehen von lange anstehenden Problemen.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Wie wird eigentlich den Personen<br />
mit Diplom Rechnung getragen? Gibt es hier eine Regelung, die besagt,<br />
dass das Diplom dem Master entspricht (im Ausland wird es nur als<br />
Bachelor anerkannt)?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, es gibt eine Regelung. In<br />
der ländergemeinsamen Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz<br />
gibt es eine klare Aussage zur Gleichwertigkeit der Abschlüsse.<br />
Hier wird allerdings unterschieden nach Diplomabschlüssen an<br />
Fachhochschulen und Universitäten: „Bachelor-Abschlüsse<br />
verleihen grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplomabschlüsse<br />
an Fachhochschulen. Masterabschlüsse verleihen dieselben Berechtigungen<br />
wie Diplom- und Magisterabschlüsse an Universitäten und<br />
gleichgestellten Hochschulen.&quot;
</p>
<p>
<b>Boschlektor Mostar:</b> Gibt es speziell zur Kompetenzorientierung<br />
interessante Publikationen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, es gibt einige. Hier verweise<br />
ich auf die Bibliothek der Hochschulrektorenkonferenz, die auch<br />
von Nicht-HRK-Mitgliedern benutzt werden kann. Man kann die Bibliothek<br />
anmailen oder anrufen, die Nummer finden sie unter http://www.hrk.de.
</p>
<p>
<b>Helga Maria Schneide:</b> Wie wird die Initiative<br />
Bologna denn von den Nichtteilnehmenden Ländern bewertet? Gibt<br />
es in anderen Ländern der Welt ähnliche Projekte?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, gibt es. In Lateinamerika<br />
wird der Bologna-Prozess sehr intensiv beobachtet und freundlich-kritisch<br />
begleitet. Auch asiatische Hochschulen stehen in einem intensiven<br />
Austauschprozess. Zudem sind viele ehemalige Sowjetrepubliken in<br />
intensivem Austausch zum Bologna-Prozess, u.a. auch mit der Internationalen<br />
Abteilung der Hochschulrektorenkonferenz.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zum Thema e-Learning im<br />
Bologna-Prozess:
</p>
<p>
<b>tmennig-FU-Berlin:</b> Wie viel e-Learning braucht<br />
Ihrer Ansicht nach Bologna?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Bologna kann e-Learning sehr<br />
gut gebrauchen, meiner Meinung nach. Das Problem ist nur, dass e-Learning<br />
nicht weit genug oben auf der Agenda von Bologna steht. Es gibt<br />
ja viele gemeinsame Berührungspunkte zwischen e-Learning und<br />
den Bologna-Notwendigkeiten.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> In welchem Zusammenhang stehen e-Learning<br />
und Bologna?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Wie schon gesagt, gemeinsame<br />
Ziele sind die Förderung von Mobilität und Internationalisierung,<br />
die Selbststeuerung des Lernens, die Orientierung an den Kompetenzen,<br />
die die Studierenden erwerben können und das &quot;automatische&quot;<br />
Erwerben von zusätzlichen Kompetenzen von den Studierenden<br />
neben dem eigentlichen Fachwissen. Für beide gemeinsam gilt<br />
die Basis des Paradigmenwechsels &quot;vom teaching zum learning&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei ähnliche Fragen:
</p>
<p>
<b>StephanMosel:</b> Wo und wie sehen Sie die Rolle von<br />
e-Learning im Bologna-Prozess?
</p>
<p>
<b>veronika:</b> Welche Bedeutung hat nun eigentlich<br />
tatsächlich e-Learning bei &#8216;eBologna&#8217;?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ganz konkret bei der Unterstützung<br />
von Joint-Degrees oder Joint-Programs, d.h. gemeinsame Studiengänge<br />
an Hochschulen verschiedener Nationen,<br />
oder auch bei der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen.
</p>
<p>
<b>Katrin Windolf:</b> Inwieweit wird die Bedeutung und<br />
Rolle von e-Learning bei den Entscheidungsträgern erkannt und<br />
gefördert?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich glaube, dass die Potentiale<br />
hier noch nicht ausgeschöpft sind. <br />
Die Probleme von Bologna bewegen sich noch so sehr an den Wurzeln,<br />
dass über e-Learning bisher noch nicht viel diskutiert wurde.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Mich interessiert, inwieweit Bologna<br />
Dozenten dazu motivieren kann, e-Learning in der Lehre einzusetzen,<br />
und ob es dazu Bestimmungen gibt im Bologna-Verfahren.
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Soweit ich weiß gibt es<br />
keine Bestimmungen. Aber die Motivation kommt vielleicht durch den<br />
erhöhten Druck, der auf Lehrende durch viele zusätzliche<br />
Aufgaben zukommt, indem sie sich z.B. durch e-Teaching Tools bei<br />
den studienbegleitenden Prüfungen Erleichterung verschaffen.
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ein Beispiel wären digitale<br />
Lernertagebücher statt Abschlussprüfungen.
</p>
<p>
<b>Bernhard Hiegl:</b> Wie sehen Sie die Notwendigkeit<br />
und den Einsatzrahmen sogenannter E-Portfolios?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> E-Portfolios als von den Studierenden<br />
selbst gesteuerte Lerninstrumente finde ich ein ausgezeichnetes<br />
Instrument. Es gibt keine Vorgaben und Bestimmungen, da ist der<br />
gestalterische Spielraum der Lehrenden gefragt.
</p>
<p>
<b>Müller:</b> Welche Formen des e-Learning werden<br />
an den Hochschulen, die den Bachelor eingeführt haben, praktiziert?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Dazu gibt es noch keine generelle<br />
Erhebungen oder Untersuchungen. Ich weiß nur von der anderen<br />
Seite, dass es häufig Probleme gibt bei der Akkreditierung<br />
von e-Learning-Modulen. Diese Form des Lernens und Lehrens wird<br />
von den Akkreditierern häufig nur dem Fernstudium oder Weiterbildungsmastern<br />
zugeordnet. In grundständigen Bachelorn führen sie noch<br />
häufig zu Irritationen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage von e-learnerin:
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Nachfrage: Ist irgendwo festgelegt,<br />
dass die neuen Studiengänge e-Learning Veranstaltungen enthalten<br />
müssen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Nein.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Vom „teaching zum learning“<br />
heißt mehr Eigenverantwortlichkeit der Lernenden. Wie ist<br />
das mit Verschulungstendenz bei Bologna vereinbar?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Dies ist ein hervorragendes Instrument<br />
gegen die Verschulungstendenz. Dieser sogenannte Paradigmenwechsel<br />
setzt aber auch eine wirkliche Curriculumsveränderung voraus,<br />
eine Bereitschaft der Lehrenden, von der bisher normalen Input-Orientierung<br />
wegzugehen und sich stärker an dem zu orientieren, was als<br />
Kompetenzen bei den Lernern heraus kommen kann. Dies setzt auch<br />
voraus, dass Lehrende neue Lehrformen ausprobieren.
</p>
<p>
<b>Katrin Windolf:</b> Wie hoch ist Ihrer Erfahrung nach<br />
die Akzeptanz dieses Lernmediums bei den Studenten?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Die Akzeptanz der Studierenden<br />
hängt sehr stark von der Vermittlung der Lehrenden ab. Ist<br />
e-Teaching für die Lehrenden selbstverständlich, so akzeptieren<br />
dies auch die Studierenden.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Bologna ist Mehrarbeit, e-Learning ist<br />
Mehrarbeit. Gibt es ein Anreizsystem, sich da zu engagieren?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Mehr Anreizsysteme wären<br />
sicherlich wünschenswert, in beiderlei Hinsicht. Vor allem<br />
für die Lehrenden. Dies ist vor allen Dingen Hochschulsache.<br />
Einige Hochschulleitungen fördern den Bologna-Prozess sehr<br />
stark an ihrer Hochschule und schaffen z.B. Anreizsysteme, indem<br />
sie die Akkreditierungsprozesse aus zentralen Mitteln bezahlen und<br />
dies nicht den Fachbereichen überlassen. Es gibt auch entsprechende<br />
pekuniäre oder ideelle Anreizsysteme an Hochschulen im Bereich<br />
e-Learning. Aber es ist der Autonomie der einzelnen Hochschule überlassen,<br />
diese beiden Bereiche mit noch mehr Anreizsystemen zu versehen.
</p>
<p>
<b>Katrin Windolf:</b> Womit hat diese Verkennung des<br />
e-Learning-Potenzials denn Ihrer Meinung nach zu tun?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Mit der Gleichzeitigkeit von<br />
unglaublich vielen Prozessen und Herausforderungen, die die Hochschulen<br />
förmlich überrollen. Sie müssen sich mit den Auswirkungen<br />
der Föderalismusreform beschäftigen, mit Globalhaushalten<br />
und Zielvereinbarungen. Gleichzeitig sollen sie die Systeme für<br />
die Auswahl von Studierenden entwickeln. Sie müssen sich mit<br />
der Verwaltung der Studiengebühren beschäftigen und gleichzeitig<br />
ihre gesamten Curricula verändern. Da ist e-Learning eben nur<br />
ein kleiner Bereich von sehr vielen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es gerade im Bereich e-Learning<br />
und Bologna internationale Best-Model Practice-Kooperationen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja. Mir fällt das Kompetenznetz<br />
Skandinavistik ein, das an den Universitäten Basel, Freiburg,<br />
Straßburg und Tübingen angesiedelt ist. Mit ihrem blended<br />
learning-Konzept können sie die kleinen Skandinavistiklehrstühle<br />
an allen Hochschulen erhalten. Es gibt noch weitere Joint-Degree-Programme,<br />
die e-Learning benutzen. Z.B. ein Joint-Degree-Masterstudiengang<br />
an der Fachhochschule Frankfurt. Genaueres finden Sie auf der Internetseite<br />
http://www.fh-frankfurt.de/.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier noch ein Kommentar zum Thema e-Learning:
</p>
<p>
<b>e-teacher:</b> Zur Frage der e-learnerin: Meine Erfahrungen gehen dahin,<br />
dass e-Learning bislang weder in den Hochschulleitungen noch bei<br />
den Lehrenden als wichtiges Element des Selbststudiums erkannt und<br />
begriffen wurde.
</p>
<p>
<b>master:</b> Ist denn e-Learning nicht auch im Weiterbildungsbereich<br />
wirtschaftlich interessant für die Hochschulen? Gibt es Anreize,<br />
sich da zu engagieren (z.B. finanzielle Hilfen, wenn ein e-Learning-Programm<br />
aufgesetzt wird)?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, das ist auch der Bereich,<br />
in denen die Hochschulen e-Learning als neues Potenzial erkennen<br />
werden. Durch die Möglichkeit, auch Weiterbildungsmaster anbieten<br />
zu können, wachsen die Potentiale der wissenschaftlichen Weiterbildung<br />
enorm. Da die Zielgruppen hier fast immer berufstätig sind,<br />
ist e- oder blended-Learning ein notwendiges Instrument. Mir sind<br />
zur Zeit keine Anreize bekannt. Aber ich bin sicher, dass sich hier<br />
Hochschulen einen lukrativen Markt erobern werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt noch eine Nachfrage nach den<br />
Kooperationen im Bereich e-Learning:
</p>
<p>
<b>Boschlektor Mostar:</b> Existieren Kooperationen auch<br />
mit Osteuropa und speziell mit Germanistik-Lehrstühlen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Für konkrete Nachfragen<br />
verweise ich auf die internationale Abteilung der Hochschulrektorenkonferenz,<br />
z.B. Herrn Smolarczyk oder Frau Assenmacher. Die können ganz<br />
konkrete Projekte in diesem Bereich benennen.
</p>
<p>
<b>Ellen Fetzer:</b> Der Prozess führte ja teilweise<br />
zu einer Reduktion von Lehrinhalten. Wäre e-Learning eine Chance,<br />
europäische Kooperationen zu fördern, so dass auch selten<br />
gelehrte Inhalte eine Zukunftschance haben?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Zum Teil. Die Lehrenden spezifischer<br />
Inhalte müssten bereit sein, mit e-Learning und e-Teaching<br />
umzugehen. Grundsätzlich sehe ich aber die großen Chancen<br />
von e-Learning bei der Unterstützung von europäischen<br />
Kooperationen. Welche selten gelehrten Inhalte sind denn gemeint,<br />
Ellen Fetzer?
</p>
<p>
<b>Bernhard Hiegl:</b> Welche konkreten Nachteile haben<br />
Hochschulen langfristig zu erwarten, die sich bewusst gegen e-Learning<br />
entscheiden, weil sie es zwar aus Gründen der Personalknappheit<br />
für nötig aber aus didaktischer Sicht für schlechter<br />
als klassische Lehrformen halten?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich glaube, dass sie zur Zeit<br />
keine Nachteile haben, dass sie perspektivisch aber gerade im Bereich<br />
der internationalen Kooperationen strukturell schlechter gestellt<br />
sind.
</p>
<p>
<b>schröder: </b>Noch mal zu Forschungs- und Bildungsmarketing:<br />
Wer muss eigentlich für den Bildungsstandort werben: Der Bund,<br />
die Länder oder die Hochschulen selbst?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Durch die zunehmende Autonomie<br />
der Hochschulen ist dies primär Aufgabe der Hochschulen selbst.<br />
Diese stehen ja auch im Wettbewerb miteinander. Für die Präsentation<br />
der deutschen Hochschulen insgesamt sind auch die Länder und<br />
der Bund zuständig. Hier sind natürlich auch Wissenschaftsorganisationen<br />
wie die Hochschulrektorenkonferenz gefragt.
</p>
<p>
<b>trier:</b> Die Engländer, Amerikaner, aber auch<br />
die Australier machen uns vor, wie man Ausländer an Hochschulen<br />
lockt. Dabei vermute ich, dass das oft nicht mit Qualität der<br />
Lehre, sondern mit selbstbewusstem Auftreten der Unis und Marketing<br />
zu tun hat. Machen die Hochschulen hier da alles richtig?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Da würde ich ihre Vermutung<br />
teilen. Zumindest hängt sicherlich einiges auch von den Marketingstrategien<br />
ab. Aber z.B. durch das Gate-Projekt, das bei der Hochschulrektorenkonferenz<br />
und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) angesiedelt<br />
ist, entwickeln die deutschen Hochschulen ja eine Marketingstrategie.<br />
Etwas mehr Bewusstsein für ihre Repräsentation nach außen<br />
täte den deutschen Hochschulen sicherlich ganz gut.
</p>
<p>
<b>veronika:</b> Durch die Modularisierung kommen immer<br />
mehr Prüfungen auf die Lehrenden zu. Sind &#8216;e-Prüfungen&#8217;<br />
nicht auch ein wichtiger Bestandteil? Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Sie wären sicherlich eine<br />
Entlastung. Darauf bin ich oben bereits zum Teil eingegangen. Die<br />
Möglichkeiten hier sind vielfältig. Hier könnten<br />
digital gestützte Tests geschrieben werden oder studienbegleitend<br />
kleine Prüfungen, z.B. durch Multiple Choice, vereinfacht werden.<br />
Wichtig ist hier die Bereitschaft der Lehrenden, die Prüfungen<br />
wirklich studienbegleitend (!) durchzuführen und nicht ausschließlich<br />
am Ende eines Moduls.
</p>
<p>
<b>anna: </b>Welches Potenzial steckt für die Hochschulen<br />
in Europa als Markt für den Export von &#8216;Bildungsdienstleistungen&#8217;?
</p>
<p>
<b>Geophys:</b> e-Learning war Ihr Schwerpunktthema.<br />
Was mich interessieren würde: Welche Ausmaße hat das<br />
im Hochschulbereich inzwischen angenommen? Ich erinnere mich an<br />
Prognosen, dass der Bereich ein milliardenschwerer Markt (für<br />
die Anbieter) werden sollte. Ist dem so?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> e-Learning ist noch kein milliardenschwerer<br />
Markt geworden. Allerdings beschleunigt der Bologna-Prozess die<br />
Notwendigkeit der hochschulweiten digitalen Vernetzung an der Schnittstelle<br />
von Studierendenverwaltung und Lehre. Ich glaube, dass dies eine<br />
zukunftsträchtige Branche sein könnte. Natürlich<br />
kann Bologna auch den europaweiten Export von Bildungsdienstleistungen<br />
beschleunigen. Dies ist zur Zeit aber noch kein Spielfeld für<br />
die Haupt-Bologna-Akteure, soweit ich weiß.
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<b>gido: </b>Wie sieht der typische Arbeitstag einer<br />
Bologna-Beraterin aus?
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<b>Birgit Hennecke:</b> Ich bin keine Bologna-Beraterin<br />
im Wortsinne. Der Begriff ist &quot;belegt&quot; mit den schon benannten<br />
21 Delegierten an ausgewählten Modellhochschulen. Wenn Sie<br />
meinen Arbeitstag meinen, besteht er häufig in der Beantwortung<br />
von E-Mails, in der Entwicklung von Evaluationsverfahren, in der<br />
Vorbereitung von Vorträgen und in der Projektierung von Veranstaltungen.
</p>
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<b>Moderator:</b> Kommen wir zur letzten Frage für<br />
unseren heutigen e-teaching.org Live-Chat:
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<b>haerka:</b> Wo sind eigentlich die Grenzen von e-Learning?<br />
Man kann doch nicht alle Curricula damit abdecken?
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<b>Birgit Hennecke:</b> Stimmt. Es geht sicherlich grundsätzlich<br />
um die Ergänzung von Curricula mit e-Learning-Modulen. Ich<br />
würde auch eher für blended-Learning, also für eine<br />
Mischung von e-Learning und Präsenzlehre, plädieren. Das<br />
macht zumindest für die meisten deutschen Hochschulen mit einem<br />
hohen Anteil von Präsenzlehre mehr Sinn.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 90 Minuten e-teaching.org<br />
Live-Chat. Unsere Zeit ist um. Vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und Dank an Frau Hennecke für den Chat! Das Protokoll des Chats<br />
finden Sie in Kürze auf http://www.e-teaching.org. Unsere Bitte<br />
um Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht<br />
berücksichtigen konnten. Unter der URL http://www.e-teaching.org/community<br />
können Sie weiter über dieses Thema diskutieren. Der nächste<br />
e-teaching.org Live-Chat findet am 20. November ab 10.00 Uhr statt.<br />
Dann stellt sich Wolfgang Coy, Professor für Informatik, Ihren<br />
Fragen zum Thema &quot;Open Access und Open Content&quot;. e-teaching.org<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich danke allen Beteiligten für<br />
ihre rege Teilnahme und für die interessanten Fragen. Mir hat<br />
es sehr viel Spaß gemacht und Sie haben mich ganz schön<br />
auf Trab gebracht. Falls Sie noch weitere Fragen haben, können<br />
Sie sich auch gerne unter meiner E-Mail-Adresse hennecke@hrk.de<br />
an mich wenden. Ich danke für die Einladung zum Chat und für<br />
die gute Moderation und wünsche noch einen schönen Tag.
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