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	<title>Bradley Manning &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Bürger sucht Staat: Edward Snowden und das nicht-wirtschaftliche Moment der digitalen Gegenwart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Krystian Woznicki]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Aug 2013 13:14:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Debatten in der Post-Snowden-Welt übersehen meistens einen wichtigen Punkt: Überwachung, das vermeintliche Produkt des Staats, ist ebenso ein Baby [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Edward-Snowden_klpixel.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-131381" alt="Edward-Snowden_klpixel" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Edward-Snowden_klpixel-630x350.jpg" width="630" height="350" /></a>Die Debatten in der Post-Snowden-Welt übersehen meistens einen wichtigen Punkt: Überwachung, das vermeintliche Produkt des Staats, ist ebenso ein Baby der privaten Wirtschaft. Ob Werkzeuge oder Experten, Infrastruktur oder Ideologie – Überwachung wird heute maßgeblich vom Markt geprägt. Edward Snowden stellt sich mit seinen Enthüllungen in mehrfacher Weise gegen diese Entwicklung. Auf diese Weise belebt er die Figur des Bürgers und zieht den Staat zur Verantwortung. Berliner Gazette-Herausgeber Krystian Woznicki kommentiert.<br />
<a href="sydney.edu.au/arts/sociology_social_policy/docs/seminar/Lyon_on_Bauman.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Total-Überwachung</a> gehört in westlichen Demokratien zu den angenommenen und zu den <a href="https://netzpolitik.org/2013/die-bequeme-staatsglaubigkeit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geduldeten Szenarien</a>. Die weit verbreitete Akzeptanz geht auf die Neuzeit zurück. Die staatlichen Überwacher galten als Beschützer – sowohl in der Gestalt von distanzierten Autoritäten als auch von konkreten Vertrauenspersonen im Alltag der Bürger. Sie profilierten sich durch Fürsorge, Verantwortung, Wachsamkeit und boten größtmöglichen Schutz – sowohl für den Einzelnen als auch für dessen Eigentum. Insbesondere nachts, wenn die meisten schlafen. Für dieses Rundumversorgungspaket erwarteten die Überwacher Disziplin und Gehorsam. Man musste sich an deren Normen und Gesetze halten.<br />
Das waren in der Neuzeit “Stoff, Form und Gewalt eines staatlichen Gemeinwesens” (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leviathan_%28Thomas_Hobbes%29" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Thomas Hobbes</a>). Und heute? Der Staat bietet nicht mehr Schutz, sondern Sicherheit. Das ist ein entscheidender Unterschied. Neuerdings zum “Super-Grundrecht” avanciert, dient Sicherheit als Legitimation für verfassungswidrige Operationen. Für den Staat ist in Friedenszeiten jeder Exzess denkbar: Ob nun für die paranoide Übererfüllung seiner Beschützerfunktion oder für die Vernachlässigung eben dieser Pflicht.<br />
Die seit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elfter_September_2001" target="_blank" rel="noopener noreferrer">11.09.2001</a> unablässig “boomende Sicherheitsindustrie” (<a href="http://www.naomiklein.org/shock-doctrine" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Naomi Klein</a>) katalysiert beide Extreme: Der mit der privaten Wirtschaft verwachsene Überwachungsstaat ist den Produktversprechen der Sicherheitsfirmen erlegen und wird im Zuge dessen zu neuartigem Größenwahn beflügelt. Andererseits entzieht er sich seiner Verantwortung, wenn er Überwachung an private Dienstleister auslagert.</p>
<h3>Duldung und Division</h3>
<p>Der Fall Snowden zeigt: Die Zumutungen haben einen Punkt erreicht, an dem die Duldung einem Aufbegehren weicht. Aus “ich weiß, dass ich Zugang zu ungeheurem Wissen habe” wird “ich kann nicht länger mit dem Wissen um dieses Wissen leben”. Snowdens innere Kehrtwende wäre ein Identifikationsangebot unter vielen, wenn das Problem nicht uns alle beträfe. Und so drängt es sich geradezu auf, dass zudem aus “wir wissen, dass wir nicht wirklich wissen wollen, wie es nun genau ist” so etwas wird wie “wir können nicht länger mit dem Wissen um unser Nicht-Wissen-Wollen leben”.<br />
Darüber hinaus zeigen <a href="http://www.theguardian.com/profile/glenn-greenwald" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Snowdens Enthüllungen</a> über die Zusammenarbeit zwischen Staaten und transnationalen IT-Konzernen: die Überwacher sind auf maximale Distanz zu ihren Subjekten gegangen, die sie nur noch datentechnisch erfassen, einsortieren und analysieren wollen, aber für die sie nicht mehr sorgen wollen, geschweige denn Verantwortung übernehmen wollen.<br />
Eine tiefe Kluft tritt deutlicher denn je zu Tage: Die Division zwischen Staat und Bürger. Das zeigt sich in den Enthüllungen selbst – sowohl in der großen Erzählung als auch in jedem einzelnen Detail. Und die Berichterstattung über die Enthüllungen zementiert diese Spaltung. Man setzt entweder auf Personengeschichten oder auf die Skandalisierung von Machtmißbrauch. So werden Snowdens Situation und die Inhalte seiner Enthüllungen von einander getrennt. Kein Bericht strebt eine Synthese an.</p>
<h3>Bürger und Staat zusammendenken</h3>
<p>Bürger- und Staatsfragen zusammenzudenken, liegt offenbar nicht im Interesse von Journalisten. Selbst jene, die politisch engagiert das Wort ergreifen, verweigern sich in dieser Sache. John Naughton etwa betont, nicht Snowden sei die Geschichte, sondern das, was seine Enthüllungen über die <a href="http://www.theguardian.com/technology/2013/jul/28/edward-snowden-death-of-internet?view=mobile" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zukunft des Internet</a> aufzeigen. <a href="https://netzpolitik.org/2013/die-bequeme-staatsglaubigkeit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lorenz Matzat</a> gibt wiederum zu verstehen, er habe den Staat in dieser Sache abgeschrieben, der Bürger hingegen müsse sich neu sammeln. Jedoch erinnert uns der zwischenzeitig an einem Flughafen gestrandete und dann in Russland Asyl suchende Edward Snowden daran: ein Staat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Staatenlose" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ohne Bürger</a> und umgekehrt ein <a href="http://plato.stanford.edu/entries/citizenship/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bürger ohne Staat</a> sind nicht denkbar.<br />
Snowden macht deutlich: Wer einen Bürger, der wie Edward Snowden <a href="http://brianholmes.wordpress.com/2013/06/10/from-the-margins-to-the-center/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">außerordentliche Zivilcourage</a> beweist, zum Staatsfeind erklärt, schwächt nicht nur die Identität des Bürgers. Sondern auch des Staats. Welche Legitimation hat die USA noch als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gescheiterter_Staat" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rechtsstaat</a>, wenn sie berechtigte Kritik aus den Reihen ihrer Bürger unterdrückt? Diese Frage stellt sich insbesondere dann, wenn der Gegenstand der Kritik staatliche Programme sind, die nicht nur auf der Beschneidung von Bürgerrechten basieren sondern darüber hinaus sogar darauf ausgerichtet sind, Bürger in ihren Freiheiten und Rechten massiv einzuschränken. Wäre dem nicht so, könnten wir folgende Fragen beantworten: Wird Snowden jemals wieder ein freier Bürger sein können? Wird er jemals Anerkennung finden von jenem Staat, dem sein konstruktives Aufbegehren als Bürger gilt? Doch das steht wohl genauso in den Sternen wie der Verbleib des Bürger-Modells an sich.<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Edward-Snowden_kls.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-131382" alt="Edward-Snowden_kls" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Edward-Snowden_kls-630x350.jpg" width="630" height="350" /></a><br />
Die Veränderungen von Staatlichkeit lassen offen, ob und wie wir in Zukunft in der Lage sein werden, uns als Bürger zu begreifen. Welche Rechte werden wir haben? Auf welchen Gesetzen werden sie fußen? Welches Selbst-Bewusstsein wird uns antreiben? Wie groß und in welcher Weise ausgeprägt wird unser Wille zum Politischen sein? Welches Verhältnis zum Staat werden wir haben? Eines ist klar, und auch daran erinnert: Sowohl der Bürger als auch der Staat – beides muss immer und immer wieder erkämpft werden, weil beides nicht gegeben ist (allenfalls nur auf dem Papier oder als Lippenbekenntnis). Und weil beides überformt ist durch die Logik des Marktes. Das heißt aber auch, dass der Kampf sowohl auf der politischen Ebene als auch auf der intellektuellen Ebene geführt werden muss. Wir müssen Staat und Bürger auch neu denken.</p>
<h3>Hindernisse und Hürden</h3>
<p>Die Kluft zwischen Bürger und Staat ist inzwischen eine immer größer und undurchdringlicher werdende Schattenzone, in der auch <a href="http://berlinergazette.de/http:/de.wikipedia.org/wiki/Prism/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PRISM</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tempora" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tempora</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/XKeyscore" target="_blank" rel="noopener noreferrer">XKeyscore</a> entstehen konnten. Diese Schattenzone rund um die Geheimdienste wird strukturell zusehends ununterscheidbarer von der Schattenzone des Staats, die aufgrund der immer weniger parlamentarischen/demokratischen Prozessen unterworfenen Gestaltung von Politik entsteht. Diese Entwicklung hin zu einem “neoliberalen Staat” (David Harvey) begünstigt die Wirtschaft und ermöglicht die so genannte privat-public-partnership sowie die Privatisierung staatlicher Leistungen.<br />
Denn auch so lässt sich die Auflösung des Staats lesen: Er löst sich nicht in Luft auf, stattdessen lösen sich seine vertrauten Konturen und Strukturen auf, an dessen Stelle neue treten: Staatliche Überwachungsinfrastrukturen etwa, die in weitgehend undurchsichtiger Weise auf verschiedenen Ebenen privatisiert sind. Erstens werden sie nicht mehr allein von Behörden, sondern zu großen Teilen von privaten Security-Anbietern betrieben. Zweitens kauft der Staat auf dem freien Markt <a href="http://berlinergazette.de/technologien-unternehmen-verantwortung-menschenrechte/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sicherheitsprodukte</a> ein. Drittens unterstützt der Staat die IT-Industrie mit Subventionen sowie Sonderrechten und bittet im Gegenzug um freien Zugang zu Kundendaten.<br />
Ob die besagten Schattenzonen lediglich eine Begleiterscheinung des Transformationsprozesses sind oder ob sie das Wesen des neuen Staats ausmachen – das wird auch die zivilgesellschaftliche Transparenzbewegung so schnell nicht beantworten können. Zwar adressiert sie mit ihrer Forderung nach Abschaffung der Schattenzonen den richtigen Punkt. Doch zeigt sich schon heute: Nicht nur die Verweigerung der Transparenz, sondern auch das <a href="http://berlinergazette.de/totale-transparenz-zukunft-der-zeitung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transparenz-Washing</a> ist ein großes Problem. Apropos: “US-Regierung will Details zur Telefonüberwachung offenlegen” (<a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/telefonueberwachung-us-regierung-will-details-offenlegen-a-913991.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel Online</a>). Das “Offenlegen” wird von hochbezahlten Image-Agenturen betreut. Es zielt auf die Orchestrierung von Transparenz und damit auf die systematische Irreführung jeglichen Engagements seitens der Bürger.</p>
<h3>Was bringt der “Snowden-Effekt” in Bewegung?</h3>
<p>Ohnehin ist dieses Engagement heutzutage nicht mit allzu rosigen Aussichten aufgeladen. Verglichen mit der Weltrevolution 1968 gehen heute weltweit deutlich mehr Menschen auf die Straße. Die Regierungen sind jedoch weniger denn je gewillt einzulenken, geschweige denn auf die Proteste zu hören. Entsprechend realistisch gibt sich Snowden. Gefragt nach der schlimmsten Konsequenz seiner Enthüllungen über die Überwachungsprogramme <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5yB3n9fu-rM" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sagt Snowden</a>: “das sich nichts ändert.”<br />
Bereits jetzt absehbar ist, dass der “Snowden-Effekt” (<a href="http://pressthink.org/2013/07/the-snowden-effect-definition-and-examples/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jay Rosen</a>) einiges in Bewegung bringt. Er setzt unbequeme Themen auf die Agenda von Politik und Massenmedien und hält sie dort erstaunlich lange ‘oben’. Nebenbei könnte der “Snowden-Effekt” Bürger und Staat zu einer Renaissance verhelfen und damit Begriffe neu beleben, denen der Beigeschmack einer kafkaesk-verwalteten Welt anhaftet.<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/vieles_pxl.jpeg.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-131383" alt="vieles_pxl.jpeg" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/vieles_pxl.jpeg-630x351.jpg" width="630" height="351" /></a><br />
Die Frage der Stunde ist ob und wie Bürger und Staat neu aufgeladen werden können: Kann einer wie Edward Snowden, der sich weitaus seriöser präsentiert als der geistesverwandte <a href="http://www.theguardian.com/world/bradley-manning" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bradley Manning</a> – kann ein solcher Bürger- und Staats-Idealist das Ideal des Bürgers und das Ideal des Staats neu beleben? Und damit gleichsam neue Ideale des Bürgers sowie des Staats definieren helfen?</p>
<h3>Von EZLN über WikiLeaks zu Snowden</h3>
<p>Edward Snowden hat mehrfach zu verstehen gegeben, dass er mit seinen Enthüllungen der USA nicht schaden möchte – im Gegenteil. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter entpuppt sich als demokratietheoretisch geschulter Bürgerrechtler, wenn er <a href="http://www.theguardian.com/world/2013/jun/09/edward-snowden-nsa-whistleblower-surveillance" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in seinen Ausführungen</a> auf die Notwendigkeit einer öffentlichen Debatte verweist. Er macht den Schritt an die Öffentlichkeit in einem besonderen Moment: Noch während Bradley Manning der Prozess gemacht worden ist, sichtlich darum bemüht alle potenziellen Whistleblower einzuschüchtern, legte er Informationen nach, die die von Manning angestoßenen Debatten über das Verhältnis von Staat und Bürger in neuer Weise befeuern.<br />
Während Manning den Rohstoff (Informationen) lieferte, verstand es <a href="http://berlinergazette.de/feuilleton/dossiers/wikileaks/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WikiLeaks</a> den Informationen eine Perspektive, eine Stoßrichtung zu geben: die Rechenschaftspflicht öffentlicher Institutionen reaktivieren. Die Whistleblower-Plattform konnte die an sie gerichteten Erwartungen nicht vollends erfüllen. Doch hat sie ein wichtiges historisches Bindeglied geschaffen zwischen disparaten Ansätzen und Bewegungen, die die Rolle des (aufbegehrenden) Bürgers und die Aufgaben des Staats auf ihre Agenda gesetzt haben. Der Fall Snowden erscheint vor diesem Hintergrund als Sperrspitze einer <a href="http://berlinergazette.de/anarchie-der-zukunft/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diffusen Bewegung</a>, die so unterschiedliche Strategien verfolgt wie Raumbesetzungen und Online-Aktivismus. Und das in so unterschiedlichen Ländern wie Deutschland und Mexiko.<br />
Einmal aus der Vogelperspektive betrachtet: Die jüngsten Aufstände rund um den <a href="http://berlinergazette.de/digitale-avantgarde-arabische-welt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">arabischen Frühling</a>, die <a href="http://berlinergazette.de/occupygezi-protest-istanbul/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Occupy-Bewegung</a>, netzpolitische Initiativen (u.a. <a href="http://berlinergazette.de/aufbegehren-gegen-acta-digitale-generation/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ad-Acata</a>) sowie die Riots von Paris bis <a href="http://berlinergazette.de/blackberry-riots-dialektik/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">London</a> beerben die globalisierungskritischen Bewegungen nach den Ausschreitungen von Seattle im Jahre <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/1999_Seattle_WTO_protests" target="_blank" rel="noopener noreferrer">1999</a>. Ihren Vorläufer haben jene wiederum in den Aktionen der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Subcomandante_Marcos">EZLN</a>. Sie besetzen seit den frühen 1990er Jahren eine verarmte Region in Süd-Mexiko und verzichten dabei auf Waffengewalt. Ihren öffentlichen Druck entfalten sie stattdessen medial. Dabei gilt das Aufbegehren nicht primär den multinationalen Konzernen und der globalen Wirtschaft, die als primäre Ursachen für das Elend gelten. Vielmehr wendet sich ihr Widerstand gegen den Staat. Wer sonst könnte Rechte garantieren? Wer sonst könnte den Ausverkauf des Landes und somit auch die Macht der multinationalen Konzerne eindämmen?</p>
<h3>Willkommen im Bürgerkrieg!</h3>
<p>Es ist eine Bewegung, die sich (noch) nicht als solche begreift. Ob wir hier über die 99% sprechen oder eher eine Minderheit der Weltbevölkerung, sei dahin gestellt. So oder so: All jene, die sich heute noch in einem sich auflösenden beziehungsweise im Entstehen begriffenen Rechtsrahmen bewegen und engagieren sind noch “informelle politische Subjekte” (<a href="http://press.princeton.edu/titles/8159.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Saskia Sassen</a>), die im bevorstehenden Geschichtsabschnitt zu “formal politischen Subjekten” reifen, sprich: die neuen Bürger werden.<br />
Dass dieser Prozess nicht ohne Kampf möglich ist, daran erinnern <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tiqqun_%28Literatur%29" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tiqqun</a>. Das Autorenkollektiv aus Frankreich meint: Recht zu haben reiche nicht aus, man müsse auch in der Lage sein, Veränderungen herbeizuführen. Tiqqun ist nicht so dumm Gesetze (und Rechte) für “nutzlos” (<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/information-consumerism-the-price-of-hypocrisy-12292374.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Evgeny Morozov</a>) zu erklären, sondern relativiert ihre gesellschaftspolitische Funktion und verweist nicht zuletzt auf das Dilemma der Rechtsdurchsetzung – deren schleichende Privatisierung einerseits, deren Aufhebung andererseits. Konsequenterweise ruft Tiqqun den Bürgerkrieg aus. Unter anderem mit dem Ziel, den Rechtsstaat zu reanimieren.<br />
Man kann den “Snowden-Effekt” mit “Paranoia” und “Getöse” (<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nsa-ex-innenminister-schily-haelt-furcht-vor-ueberwachung-fuer-paranoid-a-913507.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Otto Schily</a>) abtun, aber damit weder das “Ende der Debatte” (<a href="http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/hr/sendung_vom_18082013-102.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frank Schirrmacher</a>) legitimieren, noch den “kommenden Bürgerkrieg” in Abrede stellen. Zu ernsthaft bedrohen sowohl die Überwachungsverfahren als auch deren Undurchsichtigkeit die Gesellschaft. Die Vermählung von Staat und Wirtschaft ermöglicht ein post-panoptisches Schattenregime der “sozialen Klassifizierung” (<a href="http://berlinergazette.de/buerger-staat-edward-snowden-digitale-gegenwart/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">David Lyon</a>), der “kumulativen Benachteiligung” (<a href="www.surveillance-and-society.org/ojs/index.php/journal/article/download/consumer_editorial/consumer_editorial" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Oscar Gandy</a>), der “datenbasierten Diskriminierung” (<a href="http://datenfresser.info/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kurz/Rieger</a>) sowie der “Adiaphorisierung” (<a href="http://baumaninstitute.leeds.ac.uk/conference/conference-papers/milovic/10/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zygmunt Baumann</a>) – derweil sich die Spaltung zwischen Bürger und Staat verschärft.</p>
<h3>Bedrohungen, Gegenmittel, Forderungen</h3>
<p>Wenn Rechtsstaat und Bürgerschaft erkämpft werden müssen, dann sind Grundrechte nicht alles, aber wichtig. Schutzrechte müssen zugunsten des “Super-Grundrechts Sicherheit” (<a href="http://www.spreezeitung.de/10132/gibt-es-ein-super-grundrecht-auf-sicherheit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hans-Peter Friedrich</a>) verteidigt werden. Datenschutz etwa gehört in der Post-Snowden-Welt ganz oben auf die Agenda. Ebenso die Forderung nach einem Whistleblower-Schutz. Vielleicht muss sogar eine “Whistleblower-Gewerkschaft” (<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-soziologe-ulrich-beck-im-gespraech-digitaler-weltstaat-oder-digitaler-humanismus-12287900.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ulrich Beck</a>) her.<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/vieles_klar.jpeg.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-131384" alt="vieles_klar.jpeg" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/vieles_klar.jpeg-630x384.jpg" width="630" height="384" /></a><br />
Die Rechenschaftspflicht öffentlicher Institutionen muss durchgesetzt werden. Geheimdienste sind davon nicht ausgeschlossen. Die Komplexität der Technik, nationale Sicherheit oder Betriebsgeheimnisse privatwirtschaftler Partner können nicht ernsthaft als Argumente herhalten um die Undurchsichtigkeit der neuen Überwachungsverfahren zu legitimieren.<br />
Transparenz als Kontrollmechanismus kann ein probates Gegenmittel sein. Doch kann es nicht Transparenz, um der Transparenz willen sein. Wir, die Bürger von morgen, müssen uns fragen: Wie wollen wir Transparenz herstellen? Wozu genau? Was dann machen damit? Unreflektierte Transparenz kann nicht zuletzt dem Daten- und Informationsfetischismus zum Opfer fallen. Deshalb gilt auch analog dazu: Leaks nicht der Leaks willen. Es geht vielmehr darum auf der wachsenden Informationsbasis der Leaks und den daraus resultierenden gesellschaftspolitischen Konsequenzen möglichst bald <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-soziologe-ulrich-beck-im-gespraech-digitaler-weltstaat-oder-digitaler-humanismus-12287900.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nicht nur noch mehr Informationen zu leaken, sondern auch Medizin, Essen, Häuser</a> und öffentliche Netz-Infrastrukturen.</p>
<h3>Das nicht-wirtschaftliche Moment</h3>
<p>Zu Beginn des 21. Jahrunderts lösen Konzerne aus dem IT-Bereich das Militär als Technologie-Avantgarde ab. Darüber hinaus ersetzen sie den Staat als Container, in dem wir uns aufgehoben fühlen. Die Allgegenwart der Ökonomisierung zeitigt nicht nur einen neoliberalen Staat, sondern auch Sinnsysteme wie Facebook, die Menschen das ersehnte Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln. Hier ist das Verhältnis von Bürger und Staat an einem Nullpunkt angekommen. Hier ist es in fortgeschrittener Auflösung begriffen.<br />
Wollen wir das Verhältnis von <a href="http://berlinergazette.de/gemeingut-debatte-theorien/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bürger und Staat</a> neu im Konnex Technologie und Zugehörigkeit denken – dann gilt es nicht zuletzt für das “nicht-wirtschaftliche Moment” (<a href="http://berlinergazette.de/teilen-kulturrecht-statt-marktversagen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Philippe Aigrain</a>) unserer digitalen Ära zu sensibilisieren. Wie auch immer das Selbstverständnis als Mitglied eines sozialen Netzwerks (ob Kunde, Konsument oder Produkt, ob unfreiwillig oder selbstbestimmt überwachtes Objekt), längst überformt es das Mindset des Bürgers. Sich als Bürger neu zu begreifen (mit allem was dazu gehört, mit allen Konsequenzen, auch im Hinblick auf den Staat) das bedeutet heute das “nicht-wirtschaftliche Moment” auf die eigene Existenz zu beziehen. Sich als Bürger zu rekonzipieren, bedeutet Nicht-Kunde, Nicht-Konsument, Nicht-Produkt der (Selbst-)Überwachung zu sein. Zumindest für einen Moment, in dem sich potenziell alles neu ordnet.<br />
Schließlich bedeutet es Bürgerschaft mit anderen zu teilen – als Lebensgefühl, als Gesinnung, als innere Notwendigkeit. Wie es Edward Snowden mit uns tut: Statt weiterhin ein Angestelltendasein zu fristen, hat er sich, seinem Gewissen folgend, auf seine Rolle als verantwortungsvoller Bürger besonnen. Statt die Informationen an den Meistbietenden zu verkaufen, macht er sie der Öffentlichkeit <a href="http://www.nytimes.com/2013/08/18/magazine/laura-poitras-snowden.html?pagewanted=all&amp;_r=1&amp;" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in Zusammenarbeit mit glaubwürdigen Journalisten</a> frei zugänglich. Statt sich von den Massenmedien als <a href="http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/hr/sendung_vom_18082013-102.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Widerstandspopstar</a> feiern zu lassen, lässt er sein Wissen sprechen. Zwecks konstruktiver Kritik am Staat. Snowden zeigt damit nicht zuletzt, dass das “nicht-wirtschaftliche Moment” ein besonders kostbares Moment ist in Zeiten, die hoffnungslos überladen scheinen mit den Werten und der Logik des Marktes. Darüber hinaus zu denken, fällt schwer. Etwa genauso schwer, wie sich selbst als Bürger und den Staat als Rahmen der eigenen Existenz zu begreifen. Wie das doch möglich ist – das führt Snowden in einer sehr radikalen Weise vor.<br />
&nbsp;<br />
Dieser Artikel ist ein Crosspost und wurde zuerst in der <a href="http://berlinergazette.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Gazette</a> veröffentlicht.<br />
Bilder: Portrait von Edward Snowden: Standbild aus einem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5yB3n9fu-rM">Film</a> von <a title="w:Laura Poitras" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Laura_Poitras">Laura Poitras</a> (<a href="http://www.praxisfilms.org/" rel="nofollow">Praxis Films)</a>; Demonstration: <a title="flickruser:48973657@N00" href="http://www.flickr.com/people/48973657@N00">See-ming Lee</a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>„We Steal Secrets“: Die Geschichte von Wikileaks als Doku-Thriller</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tobias Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jul 2013 10:28:25 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Adrian Lamo]]></category>
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					<description><![CDATA[Öffentlich machen, was geheim ist und der Öffentlichkeit schadet – das ist die Mission von Wikileaks. Transparenz wider die Macht! [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ArtikelbildWeStealSecrets.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-130239" alt="ArtikelbildWeStealSecrets" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ArtikelbildWeStealSecrets.jpg" width="640" height="429" /></a>Öffentlich machen, was geheim ist und der Öffentlichkeit schadet – das ist die Mission von Wikileaks. Transparenz wider die Macht! Weil die Organisation aber ihrerseits mächtig geworden ist, richtete sich der Transparenzanspruch in den vergangenen Jahren zunehmend auch gegen sie selbst. Aktuellstes Beispiel ist die Kinodokumentation „We Steal Secrets“. Darin liefert der oscarprämierte Dokumentarfilmer Alex Gibney eine personenfixierte Aufarbeitung mit Thriller-Dramaturgie, deren Komplexität sie jedoch davor bewahrt, in simple Gut/Böse-Kategorien zu verfallen.<br />
Es beginnt wie „Mission: Impossible“. Regisseur Alex Gibney vermengt Interviews und Archivmaterial zu einem Auftakt, der auch aus einem Thriller stammen könnte, so sehr erfüllt er die Regeln des Spannungskinos: Die NASA bereitet Ende der 1980er einen Raketenstart vor, um das Raumschiff „Galileo“ ins All zu befördern. Dessen Energieantrieb basiert auf Plutonium und bringt Anti-Atomkraft-Aktivisten in Rage. Plötzlich leuchtet ein Schriftzug auf den NASA-Computern: WANK, das heißt „Worms against nuclear killers“. Eine Gruppe australischer Hacker hat sich Zugang zu einem der leistungsfähigsten Rechnersysteme der Welt verschafft! Eines ihrer Mitglieder soll zwanzig Jahre später zur Ikone all derjenigen werden, die daran glauben, dass das Knacken von Programmcodes auch Regierungen knackt: Julian Assange.<br />
So steckt das zweite Charakteristikum der Doku ebenfalls schon im Intro, nämlich die<br />
Konzentration auf die sichtbaren Köpfe von Wikileaks, zuallererst auf den Gründer Julian Assange. Er wird als hackender Heilsbringer eingeführt, der den nach 9/11 zunehmend omnipotenten US-Geheimdiensten seine radikale Freiheitsvision entgegensetzt: Wikileaks soll „erster Geheimdienst des Volkes“ werden. Assange, das weiß Gibney, trägt alle Merkmale von Wikileaks bereits in seiner Persönlichkeit. Er ist intelligent, kritisch gegenüber Großmächten, aber nie ganz zu fassen – ständig in Bewegung und charakterlich ambivalent, wie mit fortlaufender Filmdauer unübersehbar wird.</p>
<h3>Die ganze Welt schaut zu</h3>
<p>„We Steal Secrets“ ist chronologisch aufgebaut. Assanges Hacker-Pubertät, von einer dreijährigen Bewährungsstrafe gekrönt, folgt die Gründungsphase Wikileaks, inklusive der ersten Enthüllungen: Ein Leak brachte die Korruption in der Familie eines ehemaligen kenianischen Präsidenten an die Öffentlichkeit, ein anderer zeigt unverantwortliche Geschäftspraktiken der größten isländischen Bank kurz vor der Finanzkrise. Island ist ohnehin ein wichtiger Schauplatz, denn hier schnitten Wikileaks-Aktivisten das als „Collateral Murder“ bekannte Video, auf dem US-amerikanische Soldaten von einem Helikopter aus irakische Zivilisten töten. Doch die Filmaufnahmen waren nur Teil einer noch viel größeren Enthüllung. Im selben Jahr – 2010 – stellte Wikileaks mit den „Afghan War Diarys“ und den „Iraq War Logs“ die bisher größte Sammlung von öffentlich gemachten Kriegsdokumenten online. Sie belegen US-amerikanisch verantwortete Folter und zivile Opfer.<br />
In Gibneys Doku markiert der wohl berühmteste Leak einen Wendepunkt. Mit dem Whistleblower Bradley Manning bekommt der Film eine neue Hauptperson – und er bekommt Tiefe, da sich die Frage nach der Verantwortung von Enthüllern stellt.</p>
<h3>Angst vorm Leak</h3>
<p>Bradley Manning war zum Zeitpunkt seiner Kontaktaufnahme mit Wikileaks gerade mal Anfang 20. Er arbeitete als Militäranalyst in Bagdad. Da der aktuelle Prozess vor einem Militärtribunal noch läuft, steht eine abschließende Bewertung seiner Rolle aus. Alles deutet jedoch darauf hin, dass er die Quelle für Wikileaks folgenreichste Publizierung ist. Diese Sicht vertritt auch Gibney. Er lässt Manning durch Zitate aus Chats zu Wort kommen, in denen sich der junge Mann dem Hacker Adrian Lamo anvertraute – der ihn an die US-Behörden verriet. So entsteht das intimste Porträt des Films. Ob es nötig war, auch den Identitätskonflikt Mannings auszuleuchten – der homosexuelle Mann möchte lieber als Frau leben -, sei dahingestellt. In jedem Fall belegt der <a href="http://www.wired.com/threatlevel/2011/07/manning-lamo-logs/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Chat,</a> dass Manning schwer mit sich haderte, die von ihm sichergestellten Dateien weiterzureichen. Es ist nicht leicht, das Richtige zu tun, wenn es die Freiheit kosten kann.<br />
Nach Mannings Verhaftung verkomplizierte sich die Frage noch weiter – und für Gibneys Film spricht, dass dieser Punkt nicht übergangen wird: Sollte Wikileaks jetzt, da jedes Dokument prozessrelevant sein könnte, weiteres Manning-Material öffentlich machen? Assange entschied sich dafür. Aber was ist mit den Namen der in den Akten genannten Informanten, die den Amerikanern Hinweise gegeben hatten? Sollten die geschwärzt werden? Laut Gibney drängten New York Times, Guardian und Spiegel, die Wikileaks bei der Auswertung halfen, auf eine Schwärzung. Doch aus Zeitmangel sei Assange der Bitte nicht vollumfänglich nachgekommen – und habe einem Guardian-Reporter zufolge gar gesagt, Kollaborateure verdienten sowieso den Tod.</p>
<h3>Die Realität ist grau</h3>
<p>Spätestens nach dem Guardian-Zitat dürften Assanges leidenschaftlichste Anhänger Grund genug haben, im Kino die Vorstellung zu sprengen (oder wenigstens das Smartphone zu zücken und „We Steal Secrets“ in der Filmdatenbank <a href="http://www.imdb.com/title/tt1824254/combined" target="_blank" rel="noopener noreferrer">imdb</a> die niedrigste Wertung zu verpassen). Die Apologeten, unter denen sich Wikieleaks <a href="http://wikileaks.org/IMG/html/gibney-transcript.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">selbst</a> befinden, ignorieren jedoch das Bemühen Gibneys um Ausgewogenheit. Ein Dokumentarfilmer kann, will er möglichst objektiv sein, nicht mehr tun, als unterschiedliche Stimmen einzufangen. Daran hält sich Gibney. Wenn dann drei ehemalige Weggefährten Assanges unabhängig voneinander zu dem Schluss kommen, dass sie u. a. aufgrund dessen autoritären Verhaltens nicht weiter mit ihm arbeiten wollen, darf Gibney das nicht unter den Tisch kehren. Im Übrigen hat er Assange nach eigenem Bekunden mehrmals erfolglos um ein Interview gebeten, für das dieser aber eine fürstliche Entlohnung eingefordert hätte – oder die Bespitzelung anderer Interviewpartner.<br />
Viel Neues erfährt der kundige Zuschauer insgesamt jedoch nicht. Gibney hatte genug Arbeit, das Bekannte auf gut zwei Stunden Filmdauer zu komprimieren, was eine erhöhte Aufmerksamkeit auch auf Seiten des informierten Publikums verlangt. Das Geflecht von Personen, Orten und Ereignissen ist weit verzweigt und damit naturgemäß unübersichtlich. Je mehr Gibney aber seinen Film weitet, desto mehr stellt sich die Frage nach dem Wahrheitsgehalt. Ist „We Steal Secrets“ der Weisheit letzter Schluss in Sachen „Wikileaks“? Nein, natürlich nicht. Wer eine Doku daran misst, dass sie „die Wahrheit“ bietet, handelt vermessen. Gibneys Auseinandersetzung gebührt Lob, weil er sich der Wahrheit zumindest nähert. Seine Methode: Komplexität zulassen, trotz Personenfokus und Dramatisierung. So sieht Transparenz aus, die mit den Mitteln des Kinos gewonnen wird.<br />
Und weil die Wikileaks-Geschichte geradezu danach schreit, auch im fiktionalen Kino Verwertung zu finden, wurde sie längst entsprechend adaptiert. Im Oktober dieses Jahres erscheint „Inside Wikileaks“ mit Daniel Brühl und Benedict „Sherlock“ Cumberbatch.<br />
Ein Film über den anderen großen Enthüller unserer Zeit, Edward Snowden, liegt ebenfalls in der Luft. Produzent Nico Hofmann („Unsere Mütter, unsere Väter“) kann sich solch ein Projekt gut vorstellen – Amateurfilmer haben auf youtube schon mal <a href="http://www.youtube.com/watch?v=OWVGDBeR42I" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vorgelegt.</a><br />
Bild: thierry ehrmann <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY 2.0)</a></p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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		<title>Mehr Protest wagen &#8211; Digitale Presseschau KW 27</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alinka Rother]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jul 2013 11:10:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wahrheitssager werden weggesperrt, der Bundespräsident schwadroniert irgendwie am Kernproblem vorbei, die Datenschützer vom Dienst scheinen zu schweigen in diesen stürmischen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wahrheitssager werden weggesperrt, der Bundespräsident schwadroniert irgendwie am Kernproblem vorbei, die Datenschützer vom Dienst scheinen zu schweigen in diesen stürmischen Zeiten, es regt sich kaum Protest. Weder die Politik noch die überwachte (und übersättigte?) Bevölkerung regt sich. Und das, obwohl die Hobbes&#8217;sche Schreckensvision im Begriff ist, wahr zu werden. Proteste, wie sie derzeit in Brasilien stattfinden, muss man hierzulande mit der Lupe suchen. Mit der Lupe, die Altavista nun aus der Hand legt&#8230;</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="http://www.youtube.com/watch?v=UFFkcCh-pCc" title="I am Bradley Manning  (full HD)" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/UFFkcCh-pCc?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Bradley Manning spielte WikiLeaks brisante Geheiminformationen der US-Army im Irak zu – und wurde verhaftet. Weil er die Wahrheit ans Licht brachte. In diesem Unterstützungsvideo für Manning plädieren allerlei Prominente für die Informationsfreiheit und den Schutz von Whistleblowern. Und stellen die unangenehme Frage „What would YOU do?“</p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-06/Ueberwachung-Prism-Piraten/komplettansicht" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stumm auf hoher See</a></h3>
<p>Der aktuelle Überwachungsskandal, er könnte ein Steilpass sein für die Piratenpartei. Also jener politischen Gruppierung, die sich so vehement gegen Internetspionage stemmt und für Datenschutz eintritt. Doch viel hört man nicht von den Polit-Freibeutern, zwar werden  Demonstrationen organisiert und Statements formuliert, der große Aufwind bleibt aber aus. So richtig interessant scheinen die Piraten ob der monatelangen inneren Querelen für eine größere Öffentlichkeit nicht mehr zu sein. Die fatale und traurige Erkenntnis könnte lauten, dass ein Thema von solch ungeheurer Bedeutung wie die Internetüberwachung letzten Endes viel zu wenige Leute interessiert.</p>
<h3><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/prism-und-tempora-fakten-und-konsequenzen-a-909084.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Licht ins Dunkel</a></h3>
<p>NSA, PRISM, GCHQ, Tempora und Boundless Informant: Begriffe, die seit über einem Monat durch die Medien schwirren. Die Enthüllungen Snowdens über die weltumspannende digitale Überwachung durch den amerikanischen und englischen Geheimdienst machen fassungslos. Und je mehr Informationen an die Öffentlichkeit geraten, desto schwerer fällt es, den Überblick zu behalten. Der Spiegel versucht, Licht ins Dunkel zu bringen: Neben Begriffserklärungen, möglichen Konsequenzen der Enthüllungen, Reaktionen der Politik und Strategien der digitalen Selbstverteidigung gewährt der Spiegel Einblick in unterschiedliche Dokumente zu den Spähprogrammen.</p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-07/gauck-snowden-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mund auf!</a></h3>
<p>Apropos Reaktionen der Politik: Bundespräsident Joachim Gauck möchte sich nicht empören. Zunächst wären mehr Informationen darüber nötig, welchen Rechtsbruch Snowden konkret aufgedeckt habe. Generell aber habe er für „puren Verrat“ kein Verständnis. &#8220;Der öffentliche Dienst muss auf Vertrauenswürdigkeit setzen&#8221;, so Gauck. Den massiven Vertrauensbruch zwischen Staat und Bürgern sprach er nicht an. Durch verdachtsunabhängige Speicherung von (Meta)Daten und die Erstellung von Bewegungsprofilen wird die Bevölkerung ganzer Staaten unter Generalverdacht gestellt. Und die Datensammler sind jeder demokratischen Kontrolle entzogen. Sollte Gauck das nicht bekannt vorkommen? Wo bleibt seine Empörung, sein Einsatz für die von ihm vielgeliebte Freiheit? Juliane Leopold wirft Gauck in der Zeit vor, sich in einem Unfehlbarkeitsglauben gegenüber dem Staat zu verlieren. Deshalb begreife er Kritiker des bestehenden Status Quo als störende Nestbeschmutzer. Sie fordert Gauck auf, „seine Zweifel an den Zweifelnden abzulegen“ und seiner Aufgabe, Vertrauen zwischen Bürger und Staat zu stiften, nachzukommen.</p>
<h3><a href="http://www.freitag.de/autoren/danielm2601/die-rueckkehr-des-leviathan" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leviathan</a></h3>
<p>Gesellschaftstheoretiker Thomas Hobbes beschrieb im 17. Jahrhundert den Leviathan, den allmächtigen Souverän außerhalb der Rechtsordnung. Daniel Martienssen fragt sich in „der Freitag“, ob Hobbes wohl wusste, im 21. Jahrhundert Recht zu bekommen. Die ganzheitliche Überwachung der Bürger, wie Edward Snowden sie offenbarte, machten die gruseligen Hobbbes&#8217;schen Ideen zur Wirklichkeit. Die westlich-aufgeklärten Machthaber &#8211; Obama und Cameron – sie versündigen sich, so Martienssen, an Recht und Verfassung, Merkel, die EU und auch das Volk blieben zu stumm und untätig, um an den offensichtlichen Verhältnissen grundlegend etwas zu ändern.</p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/suchmaschine-vor-schliessung-hasta-la-vista-altavista-1.1709447" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ein Relikt aus der Vergangenheit</a></h3>
<p>Wer sucht, googelt. Das war nicht immer so, denn es gab ein Leben vor Google. Mitte der 1990er Jahre, aus heutiger Sicht so etwas wie das Internet-Mittelalter, ging die Suchmaschine Altavista (die Älteren werden sich noch erinnern&#8230;) online und wurde schnell zur gefragtesten Online-Suche im damaligen Netz. Nach einigen Besitzerwechseln war Altavista im Frühjahr 2000 noch die Nummer eins auf dem zerklüfteten Suchmaschinenmarkt, bis, ja bis Google kam und die Herrschaft an sich riss. Es folgte der rasante Absturz, und nun, mittlerweile in Besitz von Yahoo, wird Altavista vom Netz genommen, einfach abgeschaltet. So ist es auf dem schnelllebigen Online-Markt: Ökonomische Bedeutungslosigkeit lässt sich alleine durch historische Bedeutung nur schwer wettmachen.</p>
<h3><a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2013/07/brasilien-vielfalt-der-proteste-zeigt-sich-auch-im-netz/#more-12031" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vernetzter Protest</a></h3>
<p>Brasilien ist die zweitstärkste Twitter-Nation. Das zeigt sich nun auch in den massiven Protesten, die seit einigen Wochen in Brasilien aufgebrandet sind. Bis zu hunderttausende Menschen gehen regelmäßig auf die Straße, um ihre Unzufriedenheit mit den staatlichen Ausgaben und der Korruption zum Ausdruck zu bringen. Dabei kommen auch die sozialen Medien zum Einsatz. Eine zentrale Bedeutung spielt Facebook, so etwa die Seite der Antikorruptionsbewegung „Movimento Contra Corrupcao“ mit 780.000 Likes. Via Twitter werden unter verschiedenen Hashtags Informationen in Form von Videos, Bildern und Artikeln verbreitet. Allerdings: &#8220;Die sozialen Medien sind zwar essentiell, jedoch nicht der Auslöser der Proteste&#8221;, so Débora Medeiros  von Globalvoices. Wichtiger als die neuen Medien seien die persönlichen Erlebnisse der Menschen. Ein Risiko der sozialen Medien: Über Facebook, Twitter und Co können Fehlinformationen schnell verbreitet werden. Zuletzt hielt sich das Gerücht eines Generalstreiks der Gewerkschaften hartnäckig im Netz. Zu Unrecht, wie ein Sprecher einer Gewerkschaft nun in einem Statement klarstellte.</p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-04/harper-reed-datenschutz" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> </a></h3>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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