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	<title>Buchrezension &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Buchrezension &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Im Kreisverkehr auf der Datenautobahn</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Jan 2018 14:45:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Datenkapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Einflussmöglichkeit haben Bundesregierung und Europäische Union gegenüber global agierenden Digitalkonzernen? Wer zieht Facebook endlich die Weltverbesserer-Maske vom Gesicht? Und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Daten-und-Öl.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-154059" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Daten-und-Öl.jpg" alt="Daten und Öl" width="618" height="280" /></a>Welche Einflussmöglichkeit haben Bundesregierung und Europäische Union gegenüber global agierenden Digitalkonzernen? Wer zieht Facebook endlich die Weltverbesserer-Maske vom Gesicht? Und wann begreifen Kultusministerinnen und -minister hierzulande, dass digitale Bildung nicht beim vernetzten Klassenzimmer aufhört, sondern ebendort erst anfängt?</p>
<p>In einer Zeit, in der diese und ähnliche Fragen unseren Alltag immer umfassender prägen, ist der Grünen-Politiker und Datenschutzexperte Malte Spitz zu einer Reportage-Reise über die Vergleichbarkeit von Öl und Daten für die Machtgefüge in den jeweiligen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen aufgebrochen. Eine spannende Reportage-Reise, bei deren Niederschrift der Autor nicht immer die Orientierung behält.</p>
<p>Richtige und zum Weiterdenken anregende Beobachtungen, nur unsystematisch aufbereitet? So könnte ein (vor-) schnelles Urteil über das Buch „Daten – Das Öl des 21. Jahrhunderts?“ (Hoffmann und Campe, 248 Seiten, 16,00 Euro) lauten. Das abschließende Urteil über das Buch fällt, so viel sei vorweggenommen, wesentlich differenzierter aus, auch wenn Spitz, der zwischen 2006 und 2013 Beisitzer im Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen war und im Januar 2018 in den Parteirat gewählt wurde, sich in der ersten Hälfte des knapp 250 Seiten starken und in sieben Kapitel gegliederten Buches im Kapitel „Geschichte“ immer wieder in Analogien und Nebenvergleichen zu verlaufen droht. Möglicherweise zu viel Material und Eindrücke von seinen Gesprächen, die er für das Buch rund um den Globus mit Expertinnen und Experten verschiedenster Disziplinen geführt hat? Dass er mitunter von einem Gesprächspartner spontan einen weiteren Experten empfohlen bekam, schreibt Spitz selber. Auch für wohlmeinende Leser ist es jedenfalls nicht immer einfach, ein stringentes erkenntnisleitendes Interesse zwischen den Zeilen im Blick zu behalten.</p>
<p>Der Verfasser setzt bei seinen Erkundungen immer wieder zu grundsätzlich zweifelsohne korrekten Vergleichen des Wertes, der Beschaffenheit bzw. der (historischen) Funktion von Öl mit den entsprechenden Eigenschaften von Daten an oder streut bedenkenswerte Erläuterungen, beispielsweise zur Frage, ob wir online mit Daten bezahlen oder diese Gegenstand eines Tauschgeschäftes seien, ein. Seine Erkenntnisse verlieren sich an anderer Stelle leider allzu häufig im Deskriptiven. Und Offensichtlichen, beispielsweise, wenn er schreibt:</p>
<p>„Ein Fass Öl ist überall auf der Welt mehr oder weniger das gleiche Fass Öl. Mögen die Ölsorten unterschiedliche Qualitäten und Preise haben, die Nutzung und Verarbeitung ist gleich (&#8230;). Diese Einheitlichkeit gibt es bei Daten nicht. Es gibt Tausende Dateiformate, unendlich verschiedene Möglichkeiten, Daten anzuordnen.“</p>
<figure id="attachment_154070" aria-describedby="caption-attachment-154070" style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/DatensinddasneueÖl.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-154070 size-medium" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/DatensinddasneueÖl-305x495.jpg" alt="Cover Daten- das Öl des 21. Jahrhunderts © Hoffman und Campe Verlag" width="305" height="495" /></a><figcaption id="caption-attachment-154070" class="wp-caption-text">Spitz, Malte (2017): Daten &#8211; Das Öl des 21. Jahrhunderts?, 248 Seiten, Preis: €16,00, ISBN:3455000304</figcaption></figure>
<p>Für ein Sachbuch, als solches wird die Veröffentlichung vom Verlag gelistet, sind diese und zahlreiche ähnliche Feststellungen recht holzschnittartig geraten. Für eine Untersuchung, getrieben von systematisch grundiertem wissenschaftlichem Interesse, wirken zahlreiche Vergleiche und vergleichbare Ähnlichkeiten, die Spitz in den Kapiteln akribisch zusammenträgt, zu konstruiert. Und für ein politisches Manifest, das ein solches Buch vor dem Hintergrund der Fragestellung ihrer aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Relevanz und des bereits in der Vergangenheit erfolgten (gesellschafts-) politischen Engagements des Autors für Themen wie die <a href="https://www.zeit-stiftung.de/f/Digital_Charta_371x528_RZ%20%281%29.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Charta der digitalen Grundrechte der Europäischen Union“ </a> ja auch hätte werden können, fehlt es dem Buch  bei all dem positiv hervorzuhebenden inhaltlichen Interesse und der explorativen und journalistischen Akribie des Verfassers an argumentativer Stringenz.</p>
<p>Dass Spitz hierzu sehr wohl imstande ist, zeigt er im Buch immer wieder. Beispielsweise im dritten Kapitel mit der Überschrift „Freiheit“. Ein Kapitel, das unter anderem der Auseinandersetzung mit den innenpolitischen Implikationen der wachsenden Bedeutung von Daten gewidmet ist und in dem der Verfasser in zahlreichen Unterkapiteln mit teils konkreten Vorschlägen zur Lösung beispielsweise von Sicherheitsfragen auf seine praktische politische Erfahrung als einer der führenden bündnisgrünen Datenschutz-Politiker der vergangenen Jahre setzen kann.</p>
<p>Bei diesen wenigen, dafür aber prägnant formulierten Appellen und Vorschlägen hätte der Autor es bewenden lassen können.</p>
<p>Regulierung, Innovation und Eigeninitiative: Nachhaltigkeit im digitalen Zeitalter<br />
„Nachhaltigkeit im digitalen Zeitalter“, so der Untertitel des Buches, dem – nach gut 200 Seiten auch das siebte und letzte Kapitel gewidmet wird. Ein Kapitel, in dem der Autor Raum für vorwärtsgerichtete Ideen und Appelle findet und konstatiert, dass – anders als beim Öl, wo dieser Diskurs nicht zuletzt im Umweltschutzkontext seit mehreren Jahrzehnten global geführt wird – eine weltweite Debatte über digitale Nachhaltigkeit noch in den Kinderschuhen steckt, wenn sie überhaupt schon begonnen hat.</p>
<p>Unter „Nachhaltigkeit“ versteht Malte Spitz, dabei nicht in erster Linie die notwendigen und wichtigen Debatten um die ökologischen Fragen der Digitalisierung, wie die Kühlung von Serverräumen, die Entsorgung von Endgeräten oder den Umgang mit den Grundlagen vieler Hightech-Geräte, den Seltenen Erden. Er meint eine andere Konfliktlinie: „Beim Diskurs um digitale Nachhaltigkeit geht es vielmehr um die Frage einer selbstbestimmten, offenen Gesellschaft. Dabei ist das Thema Macht entscheidend: Wer hat Macht, wie wird sie ausgeübt und wie wird sie kontrolliert?“</p>
<p>Zur Gestaltung der Frage der Nachhaltigkeit im digitalen Zeitalter macht der Autor neben den Aspekten der Regulierung und der Innovation vor allem einen dritten Punkt stark – den der Eigeninitiative:</p>
<p>„Die Menschen müssen aktiv werden, sie müssen selber nachhaltig handeln, müssen ihren Konsum regulieren, um so Einfluss auf die Industrie zu nehmen. Dazu bedarf es einer umfassenden Aufklärung der Menschen, wie es sie im Bereich Umweltschutz auch gegeben hat.“</p>
<h3>Eine Frage der Perspektive?</h3>
<p>Zum Thema digitale Nachhaltigkeit werden die Gedanken konsistent aufbereitet und erläutert. Woran es liegen mag, dass dies nicht durch alle sieben Kapitel hindurch pointiert gelingt? Der Leser erfährt von den überaus zahlreichen und im Einzelfall gewiss lohnenswerten Besuchen des Autors in Entwicklungslaboren, bei traditionellen Chemieunternehmen, bei Sicherheitsexperten, an Universitäten, bei einstigen politischen Entscheidungsträgern und bei Investoren aus der Perspektive des Ich-Erzählers. Eine Veröffentlichung in Magazin- oder Zeitungsreportagenform wäre jedoch vielleicht die bessere Idee gewesen. Denn diese dramaturgische Herangehensweise lässt in Buchform den Spannungsbogen immer wieder zusammenfallen.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Malte Spitz behandelt in seinem Buch eine der wesentlichen, wenn nicht die herausragende Fragestellung der Organisation von Wirtschaft und Gesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts. Nein, Daten sollten nicht das Öl des 21. Jahrhunderts werden. Wichtiger sei die Kontrolle über die Frage, wer profitiert und wie gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Machtmonopolen entgegengewirkt werden kann, so seine Schlussfolgerung, die er gemeinsam mit „12 Thesen für den Diskurs“ präsentiert.</p>
<p>Dennoch: Dem in „Daten – Das Öl des 21. Jahrhunderts?“ behandelten Thema wäre bei allen spannenden Perspektiven und zum Nach- und Weiterdenken anregenden Erkenntnissen, die im Buch versammelt werden, jedoch eine noch stärkere Sensibilität für die Analyseebene und das Untersuchungsdesign seiner Fragestellung zu wünschen – und möglicherweise durch eine stärkere Eingrenzung der Fragestellung auch zu erreichen gewesen.</p>
<p>Jede ambitionierte Reflektion zur Frage der sozial- und umweltverträglichen Ordnung von Macht, Teilhabe und Einflussmöglichkeiten in der digitalen Gesellschaft ist per se ein begrüßenswertes Unterfangen. Erst recht, wenn diese Auseinandersetzung in der zum Innehalten und zum Zurücktreten aus dem eigenen digitalen Alltagshandeln einladenden Form des gedruckten Buches daherkommt. Und dass Fragen der Bedeutung von Daten für die Ordnung und das Machtgefüge unserer Gesellschaft interessierte Leserschichten erreichen können, das zeigt nicht nur die Veröffentlichung von Malte Spitz: Hingewiesen sei hier zusätzlich auf „Das Digital“, eine Veröffentlichung, die von dem Oxford-Wissenschaftler Viktor Mayer-Schönberger und dem Wissenschaftsjournalisten Thomas Ramge ebenfalls im vergangenen Jahr vorgelegt wurde und bei Feuilleton und Fachpublikum auf breites Interesse stieß.</p>
<p>Titelbild via <a href="https://pixabay.com/de/pump-buchse-%C3%B6lfeld-%C3%B6l-kraftstoff-848300/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a>, drpepperscott230, <a href="https://pixabay.com/de/service/terms/#usage" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, bearbeitet.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Erststimme, Zweitstimme, keine Stimme- „Warum wir irre wählen“- Eine Buchrezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan Raab]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Oct 2017 11:03:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Buchrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Angstanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Psycho Politico]]></category>
		<category><![CDATA[Roman Maria Koidl]]></category>
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					<description><![CDATA[„Der moderne Wahlkampf braucht die Wirklichkeit nicht mehr.“ Betrachtet man die Ergebnisse der kürzlichen Bundestagswahl, so scheint jedoch die Realität [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/HilljeArtikel.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-153200 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/koidl.jpg" alt="" width="640" height="280" /></a>„Der moderne Wahlkampf braucht die Wirklichkeit nicht mehr.“ Betrachtet man die Ergebnisse der kürzlichen Bundestagswahl, so scheint jedoch die Realität die Politik eingeholt und ein verwirrendes Wahlergebnis hervorgebracht zu haben. In seinem neusten Werk versucht sich der Publizist Roman Maria Koidl an einer Erklärung für eine Demokratie einer Gesellschaft, die sich im Umbruch befindet.</p>
<h3>Angst vor der Zukunft</h3>
<p>Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch selbst dann bleibt die Angst zurück. In seinem neusten Werk untersucht der österreichische Autor und Unternehmer Roman Maria Koidl die Frage „Warum wir irre wählen“. Zentrales Argument seines Essays ist die Erkenntnis von Niklas Luhmann, dass in einer Welt der zunehmenden Individualisierung, Differenzierung aber auch Polarisierung nur eines alle Menschen eint: die Angst, die Unsicherheit vor dem, was die Zukunft bringen mag. Insbesondere die Digitalisierung der Politik hat großen Anteil daran und verstärkt so die politischen Krisen einer zunehmend vernetzten Gesellschaft in einer immer komplexeren Welt.</p>
<h3>Suche nach dem Problem</h3>
<p>Das Ergebnis der Bundestagswahl ist verwunderlich, steht Deutschland doch laut den letzten Wirtschaftszahlen im internationalen Vergleich gut dar. Dennoch hat die letzte Legislaturperiode „Wutbürger“ und die Alternative für Deutschland hervorgebracht.  Was ist also das Problem?</p>
<p>Der Autor sucht die Erklärung in den beiden großen Veränderungen unserer Zeit, der Globalisierung und der Digitalisierung. Eine zunehmend vernetztere Welt sorgt für immer komplexere Abläufe und Problematiken, deren Zusammenhänge zu verstehen immer schwieriger zu werden scheint. Zeitgleich sorgt die Digitalisierung mit ihren technischen Innovationen für den Wegfall vieler Arbeitsplätze. Berufsgruppen, wie beispielswiese die Kohlekumpel in den USA, welche für Trump stimmten, definieren sich über ihre Arbeit, bestimmen so einen Zusammenhalt, ein Selbstwertgefühl.</p>
<p>Verschiedenste Berufe werden in Zukunft dank Industrie 4.0. aussterben. Und mit jenen werden diese überflüssig, welche sie ausüben, treffen deren Selbstwertgefühl besonders stark. Zeitgleich sorgt das ökonomische Paradigma der globalen Weltwirtschaft für einen neuen Optimierungsgedanken, der immer höhere Anforderungen an Qualifikationen und individuelle Leistungen stellt, man muss sich stets noch mehr anstrengen. Andersartigkeit werde nur geduldet, sofern sie unterhaltsam und vor allem profitabel sei. Andernfalls gelte diese vor allem als unerwünscht, störend. Wo ist also das Problem?</p>
<p>Genau dies ist das Kernproblem, wird es doch in einer vernetzten Welt immer schwieriger, eine Ursache, einen Schuldigen klar zu benennen. Man spricht von <em>wicked problems, </em>Probleme, deren Hauptproblem bereits die Definition des Problems selbst ist. Die Folge: Politiker und Repräsentanten des Staates, schlicht das gesamte politische System, wird kollektiv als Schuldiger benannt und hinterfragt.</p>
<h3>Der neue Typus des Psycho Politico</h3>
<p>Genau diese Entwicklung habe einen neuen Typus von Politiker hervorgebracht, argumentiert Koidl, den <em>Psycho Politico. </em>„Seine Legitimation ist die Angst, seine Opposition die Realität, seine Wählerbasis eine radikalisierte Mittelschicht“, spitzt er es zu. Moderne Kommunikationsformen wie die Sozialen Medien erlaubten es, vorbei an den etablierten Parteien und Kanälen der Demokratie, direkt Einfluss auf die politische Debatte zu nehmen. Als Beispiele führt der Autor unter anderem den Immobilienmogul Donald Trump an, der zum Zeitpunkt seiner Kandidatur noch nicht einmal Mitglied der republikanischen Partei gewesen ist, oder den ÖVP Kanzlerkandidaten Sebastian Kurz, welcher die gesamte Partei hinter seinem Namen, kurz „Liste Kurz“ versammelt hat. Dabei scheinen weniger die Fakten zu zählen, als vielmehr sei der erfolgreich, welcher am ehesten die eigenen Ängste bestätige. Hierin beschreibt das Werk eine große Bedrohung für die Demokratie, welche sich zunehmend von Fakten löse. „In der politischen Kommunikation findet dies Ausdruck in einem Wechsel von Überzeugungen zu Geschichten, von Inhalten zu Unterhaltungen, von Fakten zu Gefühlen“, befürchtet Koidl.</p>
<p>Die Welt befindet sich im Wandel. Es stellt sich die Frage, wer kommt weiter, wer bleibt zurück. Solche Widersprüche verursachen Unsicherheiten, sind schwer zu verarbeiten. Daher sieht Koidl vor allem ein Abdriften in Scheindebatten und Ersatzdebatten, welche den Versuch einer Lösung längst durch billige Empörung ersetzt hätte. Insbesondere der Aspekt der Emotionalisierung spiele eine immer wichtigere Rolle, gewinne doch das „Bauchgefühl“, der „gesunde Menschenverstand“, die Oberhand in der politischen Debatte. Insbesondere das Thema Migration kann hier als gutes Ventil dienen, verkörpert dies doch im wahrsten Sinne des Wortes das andere, das fremde und verdächtige. Erstaunlicherweise sind es genau die Gebiete mit dem geringsten Ausländeranteil, welche die größte Angst vor Überfremdung haben. Dabei kritisiert der Essayist eine überkommene Sucht nach Aufmerksamkeit, welche sich in eine immer schrillere, sensationslustigere Sphäre steigere, notfalls auch durch „Fakenews“, einzig dem Zweck dienend, die Klickzahlen und Anhängerschaft zu erhöhen.</p>
<h3>Richtig falsch, relativ</h3>
<p>Was ist es nun, das Angst macht, könnte man an dieser Stelle fragen. Es ist die Angst vor der Zukunft, die Angst nicht mehr mitzuhalten in einer Welt, welche zunehmend unverständlich zu werden scheint. Die Globalisierung lässt viele Widersprüche auftreten, die nur im Zusammenhang verständlich werden. Um diesen Kontext jedoch zu begreifen, erfordert es politischer Bildung. Ein Kernelement des demokratischen, politischen Diskurses sieht der Autor aus diesem Grund nicht darin, Fakten nach richtig oder falsch zu beurteilen, sondern sie im Verhältnis zueinander zu bewerten. Im Rückgriff auf das Model des amerikanischen Politologen Jason Brennan, lässt sich die Gesellschaft in drei Gruppen einteilen. Meinungslose und uninformierte stellten etwa die Hälfte der Bevölkerung, gefolgt von meinungsstarken uninformierten, vergleichbar dem Typus einer politischen Fankurve. Lediglich ein Viertel sei informiert und treffe seine Entscheidungen auf Basis von Fakten und dem Abwägen von Argumenten. Nicht die „wirtschaftliche Abgehängten“, sondern die Uninformierten hätten Trump gewählt, sei er doch einer von ihnen. Diese Zugehörigkeit bestimme sich nicht nach wirtschaftlichen Status, sondern dem Grad der Bildung. Auf Basis einer Abwägung und Reflektion wären sicher die Widersprüche im Wahlprogramm des Donald Trump deutlich geworden.</p>
<figure id="attachment_153469" aria-describedby="caption-attachment-153469" style="width: 200px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/9783455002492.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-153469" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/9783455002492-195x119.jpg" alt="" width="200" height="330" /></a><figcaption id="caption-attachment-153469" class="wp-caption-text">Koidl, Roman Maria:Warum wir irre wählen. Hoffmann und Campe. 176 Seiten, Preis: 16 Euro. ISBN 978-3455002492</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<p>Natürlich, wie Koidl bekräftigt, ist politische Bildung essentiell für den demokratischen Diskurs, doch verliere diese zunehmend am moderierenden Einfluss. Hierbei sieht der Autor durchaus die Fähigkeit, dass Bürger Zusammenhänge einordnen könnten, ein Weltbild zu ändern erscheint jedoch sehr schwierig. Insbesondere das politikwissenschaftliche Prinzip des Framing, vereinfacht gesagt, ein Konzept, nachdem je nach Sozialisation und Prägung Sachverhalte unterschiedlich wahrgenommen werden, sei zu einem bedeutenden Faktor geworden. Hierbei sind es die digitalen Medien, etwa durch Fakenews oder Echoblasen, welche die eigene Meinung, das eigene Weltbild zu bekräftigen scheinen. Deutlich wird dies an der häufigen Verwendung des Begriffs „Naivlinge“ durch AfD-Anhänger. Auf diese Weise wird der eigene Frame als der einzig gültige, die Deutungshoheit gesehen.</p>
<h3>Die fünfte Gewalt?</h3>
<p>„Klicken Sie hier, so etwas Tolles haben Sie noch nicht gesehen“. Ohne dass auch nur ein Wort über den Inhalt in diesem Satz stecken würde, hat dieser bereits für Aufmerksamkeit gesorgt. So verhält es sich auch mit den Medien. Ein Verlust der klassischen öffentlichen Medien zugunsten eines liberalen Medienmarktes ermöglicht es heute praktisch jedem, seine eigenen Nachrichten zu verbreiten. Ob diese wahr oder erfunden, verdreht oder authentisch sind, spielt dabei kaum eine Rolle.</p>
<p>Allerdings sieht der Startup-Gründer Koidl in Fakenews und chattenden, tweetenden Politikern eine harmlose Erscheinung der digitalen Veränderung im Vergleich zu dem, was bevorstünde. Es sei vor allem die Gefahr, dass die etablierte Politik zunehmend von einer digitalen, globalen Welt zurückgedrängt würde, welche insbesondere von Finanzkonzernen und Technikunternehmen dominiert werden. Im Netz gehe es vor allem darum, Stimmungen für sich zu schaffen. Jedoch folgt dieses Netz anderen Regeln als die etablierte Demokratie. Hieran kritisiert der Autor sowohl die etablierten Parteien als auch einen Großteil der Bevölkerung, welche noch nicht begriffen hätten, welchen Einfluss die digitalen Konzerne wie Apple, Facebook, Google &amp; Co in Zukunft auf unser Leben und den politischen Diskurs in unserer Demokratie haben werden.</p>
<p>„Nichts bleibt dabei verborgen, nichts ist geheim“ warnt er eindringlich. Jemand, der wie Google ständig betone gut zu sein, (Don´t be evil), dem sei nicht zu trauen. Überwachung folgt dem User auf Klick und Like durch das Netz.  Bereits heute ermöglichen es einige wenige Likes auf Facebook, mehr über eine Person zu erfahren als der eigene Partner über ihn weiß. Die Folgen zeigten sich kürzlich im U.S.-Wahlkampf oder dem Brexit-Votum. Entscheidend hierfür war unter anderem das Unternehmen Cambridge Analytics des Hegdefondmanagers, Trump-Anhängers und Freund von Nigel Farage, Robert Mercer. Laut eigenen Angaben besitzt das Unternehmen über 200 Millionen persönliche psychologische Profile von amerikanischen Wählern, die gezielt mit personalisierten Anzeigen angesprochen wurden. Auf diese Weise haben sie aktiv die Wahlentscheidung mit beeinflusst, behauptet das Unternehmen, allerdings mehren sich skeptische Stimmen, die an der Wirksamkeit der Kampagne zweifeln.</p>
<p>Dennoch, insgesamt ersetzen die Psychogramme immer mehr die klassischen gesellschaftlichen Schichten. Prinzipiell ist dieses Vorgehen nicht anders als Onlineshopping, wobei auf Basis von abgegeben Daten bestimmt wird, welchen Schuh jemand kaufen sollte. Hier werden jedoch keine Produkte, sondern Meinungen verkauft, die Menschen dazu bewegen sollen, bestimmte Handlungen wie etwa Wahlentscheidungen vorzunehmen. Wahlkampf findet somit zunehmend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Gefahr sieht Koidl an dieser Stelle vor allem in einer Entpolitisierung, einem zunehmenden Machtgewinn von Technokraten, vorbei an der etablierten Politik.  Nutzungsvereinbarungen würden zu neuen Grundgesetzten, an die sich immer stärker durchschaubare und vorhersagbare User zu halten haben. Ohne Facebook oder Youtube wäre der globale Einfluss des IS wohl kaum denkbar gewesen. Es ist bezeichnend, wenn für Milliarden deutsche Interessen am Hindukusch verteidigt werden, Propaganda jeglicher Art jedoch ungehindert in das letzte Kuhdorf dringe, wie es der Autor formuliert. Einerseits werden nackte Brüste gelöscht, wie die Neue Pinakothek zu München erfahren durfte. Die Ausstellung zu Max Beckmann zierte das Werk „Die Schlafende“, worauf deren Account gesperrt wurde. Andererseits ist bis heute die Löschung von verfassungsfeindlichen Kommentaren kaum hinreichend gelungen. US Mediengiganten entschieden über unsere Kulturgüter, Mark Zuckerberg sei zum Staatenlenker eines Staates mit 1,9 Milliarden Bürgern geworden, ohne dafür jemals legitimiert worden zu sein.  Anders ausgedrückt, die etablierte Politik erscheine zunehmend machtlos gegenüber dem Einfluss der digitalen Welt.</p>
<p>Deutlich wird dies daran, dass für Milliarden deutsche Interessen am Hindukusch verteidigt werden aber am heimischen PC jegliche Propaganda ungehindert mit wenigen Klicks leicht verfügbar sei.</p>
<h3>Vorwärts in die Vergangenheit</h3>
<p>Wo es Macht gibt, wird diese früher oder später auch verwendet, egal ob von Diktatoren, oder von Einzelunternehmen für ein paar Cent bei Facebook“, warnt Koidl eindringlich. Das Bewusstsein für die Problematik dieser Entwicklung in Politik und Gesellschaft sieht er bedauerlicherweise als zu gering an. Hierbei geht der Autor vor allem mit den etablierten Parteien hart ins Gericht, die sich diesem Thema bisher kaum angenommen hätten. So kritisiert er die SPD dafür, ein altes Konzept der „sozialen Gerechtigkeit“ aus den 90er Jahren aufgegriffen zu haben, obwohl sich die Realitäten längst geändert hätten. Schulz sei es nicht gelungen, durch gezielte Themensetzung eine Wechselstimmung zu erzeugen, was Merkel einen minimalistischen Wahlkampf ermöglicht habe. Im Kern stehe die politische Krise weniger im Zeichen einer sozialen Gerechtigkeitsfrage als einer Ablehnung der Globalisierung mit ihren unsicheren Folgen und dem damit verbundenen Umwälzungen. Entwicklungen wie der Rückgriff auf die Religion sind eine Folge davon, erlaubt es doch die Demokratie verschiedenes zu glauben, während genau das Gegenteil der Kern von Religion ist.</p>
<p>Eben diesen Trend sieht Koidl in den digitalen Konzernen. Erstaunlich ist es, dass genau jene, welche den Wandel beschwören, sich vor diesem fürchten. So sieht er das eigentliche Ziel der digitalen Technokratie darin, basierend auf Algorithmen, jegliche Unsicherheiten des natürlichen Lebens ausfindig zu machen und aufzuheben. In diesem Sinne versuchen Entwickler und Programmierer dem Wandel entgegenzuwirken, welchen sie selbst geschaffen haben. In einer Demokratie sorgt das Grundgesetz dafür, dass die individuelle Selbstbestimmung eines jeden geschützt ist. Diese Grundrechte sind individuell einklagbar, was jedoch mit transnationalen Konzernen nicht möglich ist. Sie entziehen sich dem Einfluss der nationalen Rechtsprechungen, etablieren ihre eigenen staatlichen Gebilde. Während die Demokratie auf Konsens und Allgemeinwohl basiert, findet eine Entpolitisierung im Digitalen statt. Eine freizügige Digitalbranche ermöglicht es diesen, in ihren Sphären zu definieren, was Meinungsfreiheit bedeute. In diesem Sinne beschwört Koidl das Bild eines Fortschritts, der nicht progressiv sei, sowie einer neuen Freizügigkeit, die jedoch nicht die Freiheit garantiere, sondern ein neues Machtgefüge schaffe, welches sich auf dem Weg in eine technokratische Diktatur befinde. Hierbei ersetzte die Technokratie immer weiter die Demokratie.</p>
<h3>Einladung an die Kritik</h3>
<p>Nüchtern, sachlich diskutiert Roman Maria Koidl in seinem Werk die Veränderung unsere Gesellschaft durch die globale Digitalisierung, welche alle Gesellschaftsbereiche erfasst. Hierbei zeichnet der Autor ein besorgniserregendes Bild von den soziopolitischen Folgen etwa der Industrie 4.0., bietet jedoch auch Anlass zum Nachdenken. Aktuelle Beispiele aus der Tagespolitik als auch persönliche Erfahrungen aus dem Leben des Autors illustrieren die Argumentation und verdeutlichen diese. Das Werk beschreibt ein politisches System, dessen demokratische Institutionen zwar formal intakt sind, der Einfluss der Wähler auf die Politikgestaltung, zugunsten einer neuen Elite jedoch beschränkt sei. Hierbei ruft Koidl vor allem zu einem Paradigmenwechsel im politischen Denken der etablierten Parteien auf, sich den veränderten Bedingungen eines digitalen Umbruchs zu stellen, deren jetzige Auswirkungen wohl erst Vorboten eine tiefgreifende technischere, wirtschaftlichere, sozialere und nicht zuletzt politischere Umwälzung sind. Dabei geht der Autor, selbst einst digitaler Wahlkampfmanager des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, mit allen Parteien von AfD bis Linkspartei hart ins Gericht.</p>
<p>Das Buch liefert keine endgültige Antwort, wie die zukünftigen Herausforderungen unserer Zeit zu beantworten sind, der Autor vertritt auch nicht diesen Anspruch. Viel eher geht es im darum, den Blickwinkel auf eine Entwicklung zu richten, die lange zu wenig Beachtung fand. Das größte Problem wird nicht die Suche nach einer Lösung, sondern die Definition des Problems selbst.</p>
<p>Was zählen Wahrheiten in einer Welt voller Polarisierung, Individualisierung und Algorithmierung? Einst prägte der Aufklärer René Descartes den Ausspruch „Ich denke, also bin ich“. Für ihn waren lediglich das denkende Ich und der Zweifel absolute Wahrheiten. In diesem Sinne ist das Buch als eine Einladung zu verstehen, selbst zu denken, hinterfragen, sich in die gesellschaftliche Debatte des digital globalen Zeitalters einzumischen. Denn wie formuliert es Roman Maria Koidl treffend: „Die neuen Verlierer sind nicht die Armen, es sind die Dummen.“</p>
<p>Titelbild: Türen by qimono via <a href="https://pixabay.com/de/t%C3%BCren-entscheidungen-w%C3%A4hlen-sie-1587329/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay.com</a>,  <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a> / Buchcover: <span class="st">©</span> Hoffmann und Campe</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/TitelbildRezensionArte.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p><img decoding="async" src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b76402208ee9466fb38ce67c7c48ef44" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>„Der unsichtbare Mensch“</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Mar 2014 10:45:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Anonymität im Internet ist ein zweischneidiges Schwert. Sie kann Whistleblower bei der Preisgabe von Informationen schützen. Doch die vermeintliche Unsichtbarkeit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/unsichtbarer-mensch-oben.jpg"><img decoding="async" class="size-large wp-image-138605 alignnone" alt="unsichtbarer mensch oben" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/unsichtbarer-mensch-oben-630x472.jpg" width="630" height="472" /></a>Anonymität im Internet ist ein zweischneidiges Schwert. Sie kann Whistleblower bei der Preisgabe von Informationen schützen. Doch die vermeintliche Unsichtbarkeit wird von Menschen auch missbraucht, die Hass und Gemeinheiten verbreiten. <a href="https://twitter.com/brodnig">Ingrid Brodnig</a>, Leiterin des Medienressorts und Netzpolitik-Journalistin bei der Wiener Wochenzeitung „<a href="http://www.falter.at/">Falter</a>“, diskutiert in ihrem Buch „<a href="http://www.czernin-verlag.com/buch/der-unsichtbare-mensch">Der unsichtbare Mensch</a>“ die Licht- und Schattenseiten von Anonymität. Sie liefert aktuelle Beispiele und erläutert, wie sich Unidentifizierbarkeit auf das menschliche Verhalten auswirken kann. Brodnig motiviert den Leser darüber nachzudenken, wie Anonymität, Meinungsfreiheit, Demokratie und Überwachung zusammenhängen und wie jeder zu konstruktiven Debatten und einem respektvollen Umgang im Netz beitragen kann.<br />
Einleitend (im zweiten Kapitel des Buchs) zeigt die Autorin, wie sich unser Verständnis von Anonymität im Laufe der Zeit verändert hat. Das Neue an Anonymität im Internet ist laut Brodnig, dass die rein textbasierte Kommunikation den Menschen ein Gefühl von „Unsichtbarkeit“ verleiht. Dass man weder gesehen noch gehört wird, kann sich sowohl positiv als auch negativ auf das menschliche Verhalten auswirken. Einerseits gelingen Kollaborationen, wie z. B. das Online-Lexikon Wikipedia, bei dem auch „Halbwissen“ zur Diskussion gestellt wird. Auch kann Anonymität den Schwachen oder Unterdrückten als Instrument dienen, um sich Gehör zu verschaffen. Brodnig schreibt über den Schutz von Informanten wie Whistleblower und investigative Journalisten, die für die Öffentlichkeit relevante Dinge aufdecken.<br />
Ein Großteil des Buchs (das dritte und vierte Kapitel) beschäftigt sich mit den „dunklen Seiten“ der Anonymität im Netz: Mobs, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)">Trolle</a> und Kinderpornografie. Brodnig nennt u. a. Cybermobs, die in China als „Menschenfleisch-Suchmaschine“ bezeichnet werden. In einer Art Hexenjagd rächt sich die Meute an anderen. Anonymität in Form einer „gesichtslosen Masse“, die sich unsichtbar durch das Netz bewegt, verleitet häufig Menschen zu aggressivem und rücksichtslosem Verhalten. Viele Menschen trennen zwischen Online- und Offline-Identität und denken beim Verfassen einer Hass-Mail: „Das bin doch nicht ich“.<br />
Manche Gruppen, wie z. B. Antifeministen oder das Kollektiv „Anonymous“ (die beide ausführlich im Buch besprochen werden), sind oft lauter als der durchschnittliche Kommentierende. Sie nutzen die vermeintliche Unsichtbarkeit im Netz, um zahlreicher zu erscheinen als sie tatsächlich sind. Ganze Debatten können sie ins Destruktive lenken, selbst wenn die Mehrheit der Leser anders denken mag.</p>
<h3><b>Stärkt oder schwächt Anonymität im Internet die Demokratie? </b></h3>
<p>Problematisch ist, dass die meisten Trolle oder Hassposter ihr Verhalten oft mit dem Argument der Meinungsfreiheit rechtfertigen. In einer demokratischen Gesellschaft sollte man angstfrei debattieren können. Dass Meinungsäußerungen Angriffsfläche bieten, wird in demokratischen Gesellschaften immer der Fall sein. Viktor Mayer-Schönberger vom Oxford Internet Institute schreibt im Vorwort zu Brodnigs Buch, dass vermehrte Anonymität im Internet ein „effektives Frühwarnsystem unserer Demokratie“ sei. Je weniger die Menschen bereit sind, unter ihrem echten Namen zu diskutierten, desto gefährdeter sei ein freier Diskurs.<br />
Auch Unternehmer wie Mark Zuckerberg oder Arianna Huffington verlangen, dass Menschen unter ihrem echten Namen im Internet verkehren. Das Onlinemedium „Huffington Post“ verbietet anonyme Kommentare, da ihre Gründerin denkt, dass Menschen zu ihrer Meinung stehen und sich nicht „hinter der Anonymität verstecken“ sollten. Zuckerberg hingegen betrachtet mehrere Identitäten als einen „Mangel an Integrität“. Das hört sich vielleicht plausibel an, Brodnig weist in ihrem Buch jedoch darauf hin, dass Geheimdienste, Staaten und Internetkonzerne ein großes Interesse daran haben, zu wissen, wer, was und wo im Internet tut. Meinungsfreiheit und Demokratie könnten demnach als Vorwand für umfangreicheres Datensammeln und eine Kontrolle der Bevölkerung ausgenutzt werden.</p>
<h3><b>Gibt es überhaupt noch echte Anonymität? </b></h3>
<p>Ob es überhaupt noch Sinn mache, über Anonymität zu reden, wird im letzten Teil des Buchs besprochen (Kapitel 5). Denn durch die Bekanntmachung von Überwachungsapparaten und Vorratsdatenspeicherung ist bekannt, dass wir heute weder anonym noch privat im Netz unterwegs sind. Auch als Privatperson kann ich – z. B. anhand der Emailadresse &#8211; herausfinden, woher die  Hass-Poster kommen. Viele Menschen würden ihre Anonymität komplett falsch einschätzen, sagt Brodnig.<br />
Lohnt es sich dann überhaupt, Anonymität im Internet zu schützen? Brodnig zitiert dazu in ihrem Buch den chinesischen Cyberdissidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Anti_(Journalist)">Michael Anti</a> (echter Name: Zhao Jing):  „Es ging nicht um Anonymität, es ging um diese neue Identität &#8230; Als ich meinen Namen wechselte, wurde ich immer mutiger“. In dem Bewusstsein, dass die chinesische Regierung seine Identität stets kannte, kritisierte Anti im Internet unter seinem Pseudonym die kommunistische Führung. Sein Facebook-Profil wurde aufgrund der Klarnamenpflicht des sozialen Netzwerkes 2011 gelöscht. Anonymität bedeutet heute vielleicht eher die Möglichkeit, eine Seite der eigenen Persönlichkeit im Netz auszuleben und nicht komplett unerkannt zu sein. In diesem Sinne ist Identität  also nicht notwendig singulär, sondern passt sich an das Gegenüber an.<br />
<figure id="attachment_138602" aria-describedby="caption-attachment-138602" style="width: 188px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/der-unsichtbare-mensch.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-138602 " alt="der unsichtbare mensch" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/der-unsichtbare-mensch.jpg" width="188" height="302" /></a><figcaption id="caption-attachment-138602" class="wp-caption-text">Ingrid Brodnig: Der unsichtbare Mensch &#8211; Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert. Wien: Czernin Verlag, 2013, € 18,90</figcaption></figure><br />
Es gibt weitere Gründe, Anonymität im Internet nicht als Ganzes abzuschaffen. Brodnig liefert erschreckende Beispiele: Ein Realnamen-Gesetz, dass 2007 in Südkorea in Kraft trat, um bösartige Postings zu unterbinden, verpflichtete alle Bürger auf Websites, nur unter ihrem richtigen Namen und mit Nennung ihrer Einwohnernummer zu kommentieren. Kurz darauf wurden die privaten Daten von 70 Prozent der südkoreanischen Bevölkerung von Hackern geklaut.</p>
<h3><b>Der Ton macht die Debatte</b></h3>
<p>In einer Zeit in der on- und offline zunehmend miteinander verschmelzen, kann man nicht mehr von „Cybermobbing“ oder einer „virtuellen Welt“ sprechen. Anfeindungen im Netz sind real und schmerzhaft. Im letzten Teil des Buchs stellt Brodnig Wege für ein soziales Miteinander im Netz vor. Die Moderation von Kommentaren auf „Zeit Online“ wird als Beispiel genannt, wie eine respektvolle und sachliche Diskussion gefördert werden kann. Ein mehrköpfiges Community-Team überprüft jedes einzelne Posting anhand einer „digitalen Hausordnung“. Wird ein Kommentar gelöscht, gibt es eine Begründung wie: „Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion“. Solch eine umfangreiche Moderation ist jedoch teuer und zeitaufwändig.<br />
Die Hervorhebung von nützlichen Kommentaren durch Bewertungen anderer Nutzer, wie auf der Website <a href="http://stackoverflow.com/">Stack Overflow</a>, ist eine preiswertere Möglichkeit, für einen freundlicheren Umgang im Internet zu sorgen. Konstruktive Beiträge werden durch positive Bewertungen belohnt und die Community überwacht sich selbst. Oft hilft es auch, wenn Journalisten oder Verfasser von Texten im Internet sich früh einschalten und mit ihrer Leserschaft diskutieren. „Zeit“-Redakteur David Schmidt sagte Brodnig, dass Artikel oft als ein fertiges, unmenschliches Produkt angesehen würden. Gegen diese „unpersönliche Wand“ ließe es sich leicht argumentieren. „Sobald da aber ein Mensch ist, der sagt, dass er sich Gedanken dazu gemacht hat, gehe ich ganz anders damit um“.<br />
Im Allgemeinen könne aber jeder Einzelne ohne viel Aufwand für einen besseren Ton im Netz sorgen, z. B. indem man sich die Situationen im Internet offline vorzustellt. Die Autorin verweist auf ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=UMpgVRCm9d4">YouTube Video</a>, in dem Studenten den „Online Disinhibition Effect“ schauspielerisch darstellen. Es würde einem schon seltsam vorkommen, wenn Menschen ohne Vorwarnung öffentlich angepöbelt und beschimpft werden.</p>
<h3><b>Fazit</b></h3>
<p>„Der unsichtbare Mensch“ bespricht die historischen, politischen und psychologischen Dimensionen von Anonymität und erläutert die Komplexität des Konzepts im virtuellen Raum. Für Community-Manager und Moderatoren von Nachrichtenseiten oder Foren enthält das Buch eine Reihe von nützlichen Tipps, um besser auf anonyme Poster zu reagieren bzw. mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das Einbinden von spannenden, aktuellen Beispielen sorgt für eine abwechslungsreiche Lektüre. Die Autorin bezieht zwischendurch immer wieder klar Position, was das Buch persönlich und zugänglich macht. So schreibt sie direkt zu Anfang des Buchs: „Ich plädiere weder für null noch für hundert Prozent Anonymität, sondern für eine komplexere Auseinandersetzung mit diesem Thema“. Was mich betrifft, hat Ingrid Brodnig ihr Ziel erreicht.<br />
Bilder: oben: <a href="http://www.flickr.com/photos/29487767@N02/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Daniela Hartmann</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a>, Buchcover: © <a href="http://www.czernin-verlag.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Czernin Verlag</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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		<title>Das Beste beider Welten &#8211; Rezension: „Internet und Partizipation“</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Feb 2014 10:21:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Zwischen Fortschrittseuphorie und Technikangst vereint der Sammelband „Internet und Partizipation“ wissenschaftliche Forschung mit Eindrücken aus der Praxis und bietet so [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/7221714496_f69f5f5c05_z.jpg"><img decoding="async" class="size-large wp-image-137851 alignnone" alt="7221714496_f69f5f5c05_z" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/7221714496_f69f5f5c05_z-630x473.jpg" width="630" height="473" /></a>Zwischen Fortschrittseuphorie und Technikangst vereint der Sammelband „Internet und Partizipation“ wissenschaftliche Forschung mit Eindrücken aus der Praxis und bietet so das Beste beider Welten: einen faktenreichen Überblick über die Trends politischer Partizipation im Internet.<br />
Nein, einen umfassenden und systematischen Überblick stelle der Sammelband nicht dar, präzisiert die Herausgeberin Kathrin Voss und grenzt den Band so gleich zu Beginn von jenen Publikationen ab, die mit Versprechungen auf totale Aufklärung locken. Aber unbedeutend sind die Inhalte darum noch lange nicht. Der Band mit dem Untertitel „Bottom-up oder Top-down? Politische Beteiligungsmöglichkeiten im Internet“ verortet sich im Spannungsfeld von Fortschrittseuphorie und Technikangst. Ermöglicht das Instrumentarium des Web 2.0 normalen Bürgern mehr Gewicht bei politischen Entscheidungen? Welche Instrumente sind dazu besonders dienlich, welche weniger? Oder droht vielmehr ein Verfall der politischen Kultur? Dazu sei besonders der Beitrag von Gerhard Vowe empfohlen.<br />
Das erste Kapitel versammelt Beiträge zur Dimension zivilgesellschaftlichen Engagements im Internet. Demgegenüber beschäftigt sich das zweite Kapitel mit internetgestützter Parteimitarbeit und berücksichtigt besonders die SPD, die Grünen und die Piratenpartei. Im letzten Kapitel werden staatlich organisierte Partizipationsangebote, wie BürgerForen, Bürgerhaushalte oder Konsultationen über Gesetzesentwürfe beleuchtet.<br />
<strong>Ein gelungenes Mosaik aus Wissenschaft und Praxis</strong><br />
<figure id="attachment_137853" aria-describedby="caption-attachment-137853" style="width: 183px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/IuP-voss-buchcover.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-137853" alt="IuP voss buchcover" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/IuP-voss-buchcover-305x435.jpg" width="183" height="261" /></a><figcaption id="caption-attachment-137853" class="wp-caption-text">Voss, Kathrin (Hrsg.): Internet und Partizipation – Bottom-up oder Top-down? Politische Beteiligungsmöglichkeiten im Internet. Reihe: Bürgergesellschaft und Demokratie. Wiesbaden: Springer VS, 2014, € 39,99</figcaption></figure><br />
Der Sammelband überzeugt vor allem mit dem gelungenen Konzept, wissenschaftliche Forschung mit anwendungserprobter Praxis zu verbinden. So ist jedem Kapitel der Aufsatz eines Wissenschaftlers vorangestellt, die oder der den aktuellen Stand der Forschung zum jeweiligen Thema zusammenfasst. Darauf folgen vier bis fünf Aufsätze sowohl von Wissenschaftlern wie Praktikern, die auf einen ausgewählten Aspekt fokussieren. Jeden für sich genommen, böten diese spezialisierten Aufsätze keine Antworten auf die Fragen nach dem politischen Potential des Internets. Zusammengenommen aber ergeben die einzelnen Beiträge, einige davon bereits in renommierten Fachzeitschriften erschienen, eine detaillierte Illustration der wissenschaftlichen Thesen.<br />
<strong>Trend in den Parteien</strong><br />
So pointieren die Beiträge zur Bedeutung des Internets für SPD, Grüne und Piratenpartei im zweiten Kapitel die Thesen des Politikwissenschaftlers Christoph Bieber. Er identifiziert  eine Art digital-partizipatives Wettrüsten der Parteien, hervorgerufen durch die rasante technische Entwicklung sowie die Etablierung der Piraten,  kontinuierlich befeuert durch Wahlkämpfe . Dass daraus aber nicht notwendigerweise echte Partizipationsangebote resultieren, zeigt der Beitrag von Katharina Hanel und Stefan Marschall. Sie nehmen ein Experiment der SPD unter die Lupe und kommen zu dem Schluss, dass die „gelebte […] Öffnung der Partei“ (Aussage der SPD) bis auf Weiteres im Stadium reiner Symbolpolitik verbleibt.<br />
<strong>Warnung vor Zustimmung per Mausklick</strong><br />
Wie gut sich die einzelnen Beiträge teilweise ergänzen, zeigt sich unter anderem, wenn Dieter Rucht bezüglich der Bedeutung von Online-Mobilisierung für Offline-Proteste andeutet, was Kathrin Voss einige Seiten später mit ausgewählten Beispielen konkretisiert. Politische Kampagnengruppen haben im Netz derartig zugenommen, dass ein Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer entbrannt ist.  Online-Kampagnen seien zur „Massenware auf dem Markt politischer Handlungsaufrufe“ geworden, wie Voss urteilt.<br />
Die vormals geringen Kosten von Online-Protestaufrufen relativieren sich inzwischen. Mit der kontinuierlichen Aktualisierung des eigenen Internetauftritts sowie der Bereitstellung von interaktiven Tools und dem Zwang zur Eigenwerbung steigt der Aufwand für Online-Protestaktionen immer weiter an. Ihrer Überpräsenz wegen wird den „Zustimmungsbekundungen per Mausklick“, wie Kathrin Voss überzeugend erläutert, von politischen Entscheidungsträgern weit weniger Gewicht zugesprochen als Demonstrationen, den etablierten Medien und analogen Unterschriftenlisten. Je größer die Gesamtzahl der Online-Kampagnen, desto geringer erscheint die Wirkung der einzelnen Aktion. Zusammengenommen gelingt es allen Autoren, die Diskussion um Internet und Partizipation um zahlreiche Farbschattierungen jenseits des Schwarz-Weiß-Schemas zu erweitern, in dem die Thematik teilweise immer noch verhandelt wird.<br />
<strong>Fazit</strong><br />
Der Sammelband führt einige der wichtigsten deutschsprachigen Wissenschaftler, wie die Professoren Dieter Rucht oder Herbert Kubicek, mit langjährigen Praktikern zusammen, wie Malte Spitz (Vorstandsmitglied von Bündnis 90/ Die Grünen), oder zebralog-Gründer Matthias Trénel, und bringt die Debatte um die Bedeutung des Internet für die politische Partizipation voran. Als besonders fruchtbar erweist sich das weitgefasste Verständnis von Partizipation, das den Beiträgen zugrunde liegt. Ob Engagement, Mitarbeit, Beteiligung oder Protest: Durch die Integration der verschiedenartigen Facetten des Partizipationsbegriffs bietet die Publikation einen Überblick, der sich als umfassender erweist, als vieles, was bisher auf dem Markt erschienen ist. In diesem Sinne ist vielleicht das Einzige, was man der Herausgeberin vorwerfen kann, übertriebene Bescheidenheit.<br />
Bilder: oben: <a href="http://www.flickr.com/photos/zoonabar/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zoonabar</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-SA 2.0)</a>, Buchcover: © <a href="http://www.springer.com/springer+vs/politikwissenschaft/book/978-3-658-01027-0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Springer VS</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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		<title>Buchrezension: „Das Echo-Prinzip: Wie Onlinekommunikation die Politik verändert“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christina zur Nedden]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Sep 2013 14:09:53 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[politische Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Buchrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Echo-Prinzip]]></category>
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		<category><![CDATA[Yussi Pick]]></category>
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					<description><![CDATA[Alle wollen Wahlkampf machen wie Obama. Und keiner schafft es. In seinem Buch „Das Echo-Prinzip: Wie Onlinekommunikation die Politik verändert“ [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/7912137730_e678e2a6b1_z.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-132372" alt="7912137730_e678e2a6b1_z" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/7912137730_e678e2a6b1_z-630x418.jpg" width="630" height="418" /></a>Alle wollen Wahlkampf machen wie Obama. Und keiner schafft es. In seinem Buch „Das Echo-Prinzip: Wie Onlinekommunikation die Politik verändert“ beschreibt der Digital-Experte Yussi Pick anhand von Beispielen aus den USA und Europa, wie das Internet unser Medienverhalten verändert, und wie man es nutzen kann, um den öffentlichen Diskurs erfolgreich zu beeinflussen.<br />
Der österreichische Kommunikations- und Kampagnenberater <a href="http://www.echoprinzip.at/uber-yussi-pick/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Yussi Pick</a> bietet dem Leser einen praxisorientierten Werkzeugkasten, der Vertretern der politischen Kommunikation detailreich erläutert, wie sie Online-Tools effektiv für ihre Arbeit nutzen können – auch ohne einen deutschen Obama. Wer jetzt denkt, das Buch sei sicher in einem halben Jahr veraltet, hat Recht. Aus diesem Grund aktualisiert und ergänzt der Autor regelmäßig Kapitel seines Buches in einem begleitenden <a href="http://www.echoprinzip.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog</a>.<br />
Die Mehrzahl der Bücher mit digitalem Fokus beschreibt das Internet als eine Art Naturgewalt, die alles verändern oder gar auslöschen wird – vor allem Printmedien seien vom Aussterben bedroht. Yussi Pick stellt gleich zu Beginn seines Buches die erfrischende These auf, dass dem nicht so ist. Das Internet bedeutet nicht das Todesurteil für die traditionellen Medien, vielmehr existieren beide nebeneinander und sind voneinander abhängig. „Das Echoprinzip“, wie Pick es nennt, funktioniert, indem die Inhalte der traditionellen Medien ihren Widerhall in den Sozialen Medien finden und umgekehrt. Botschaften werden durch dieses Prinzip verstärkt und multipliziert. Soziale Medien sind „ergänzende, nicht ersetzende Medien“, so Yussi Pick. Die Mehrheit der per Twitter verbreiteten Links führt zum Beispiel immer noch zu Artikeln, die in traditionellen Medien veröffentlicht wurden.<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das_Echo_Prinzip.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-132376" alt="Das_Echo_Prinzip" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das_Echo_Prinzip.jpg" width="155" height="240" /></a>Und doch haben sich, laut Yussi Pick, viele politische Kommunikatoren das Prinzip noch nicht zu eigen gemacht. Soziale Medien werden wie traditionelle Medien behandelt und mit textlastigen Pressemitteilungen gefüttert. Die Nachricht verbreitet sich nicht, denn der Nutzer fühlt sich nicht angesprochen. Dabei ermöglicht Onlinekommunikation es Organisationen, direkt mit Menschen in Kontakt zu treten, sie erfordert Interaktion und nicht Information durch eine zentrale Nachrichtenquelle. Was also muss man tun, um im Internet gehört bzw. gelesen zu werden?<br />
Das Buch setzt sich wie eine Gebrauchsanweisung für politische Kommunikatoren fort. Zuerst werden Grundsätze erläutert, die für alle Sozialen Medien gelten. Dabei finden sich viele praktische Ratschläge, von der Bedeutung der User-Aktivierung (ASK) bis hin zu detaillierten Anweisungen für einen Online-Content-Plan samt Spalteneinteilung. Aber auch die Grenzen des Internets als Kommunikationsmittel, beispielsweise durch die Filterblase, die digitale Spaltung oder den Klick-Aktivismus, werden von Pick aufgeführt.<br />
Im dritten Teil wird auf die Besonderheiten und den potentiellen politischen Nutzen verschiedener Plattformen eingegangen. Dazu gehören neben den großen sozialen Netwerken wie Facebook und Twitter auch Blogs, Bilder, Meme und Videos. Auch weniger naheliegende Kanäle wie E-Mail oder Websites, Google oder Facebook-Werbung, werden als potentielle Instrumente für politische Online-Kommunikation vorgestellt.<br />
Gleichgültig, welchen der Tipps man für seine Arbeit anwenden kann oder sollte, nach Einschätzung von Pick erfordert es ein allgemeines Umdenken der Kommunikatoren. Online-Kommunikation unterscheidet sich von traditioneller Kommunikation, und jeder Versuch, „die politische Taktik der letzten 50 Jahre schlicht in die digitale Welt zu übersetzen“, wird scheitern, meint der Autor. Menschen wollen involviert und persönlich angesprochen werden.<br />
Im Weg steht den Kommunikatoren oft die eigene Betriebsblindheit oder eine falsche Einschätzung der Verhältnisse. Ärgerlich, wenn das teure Video im Internet verwaist oder, im schlimmsten Fall, sich die Öffentlichkeit darüber lustig macht, dass man den digitalen Wandel noch nicht verinnerlicht hat. Dass Online-Kommunikation wirklich erfolgreich ist, weiß man dann, wenn sie auch offline Wirkung erzielt und Menschen mobilisiert werden. Dafür muss man seine Zielgruppe gut kennen, ihr zuhören und sich nicht scheuen, sie um Aktion zu bitten. Trotz aller guten Ratschläge ermutigt Pick jedoch letztlich zu Spontanität und der Bereitschaft, aus den eigenen Fehlern zu lernen: „Just do it. Das ist nicht als Aufforderung zu verstehen, an die Onlinekommunikation völlig unüberlegt heranzugehen. Es ist vielmehr der Appell, der politischen Kommunikation im Netz unverkrampft zu begegnen“.<br />
&nbsp;<br />
<em>Pick, Yussi (2013): Das Echo-Prinzip &#8211; Wie Onlinekommunikation Politik verändert; Czernin Verlag; 168 Seiten; ISBN: 978-3-7076-0471-9; 16,90 €; 9,99 <em>€</em> als E-Book<br />
</em><br />
Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/bombartz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BombartZ</a>  <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC 2.0)</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Redaktion liest: Bücher rund um das Thema Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Solinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Dec 2012 10:06:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vor nicht allzu langer Zeit war das Internet noch ein Spezialthema, mit dem sich nur wenige in Büchern befassten. Das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/die-redaktion-liest-buecher-rund-um-das-thema-internet-2/537556252_2ec77e2f1b_z/" rel="attachment wp-att-124340"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-124340" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/537556252_2ec77e2f1b_z-630x420.jpg" alt="" width="630" height="420" /></a><br />
Vor nicht allzu langer Zeit war das Internet noch ein Spezialthema, mit dem sich nur wenige in Büchern befassten. Das ist jetzt vorbei: Die Publikationen purzeln nur so! Schnell verliert man den Überblick über die &#8211; zumal oft ähnlichen &#8211; Titel. Doch das lässt sich ändern: Die Redaktion hat sich einige der diesjährigen Publikationen zur Brust genommen und eine Übersicht erstellt, auf dass jede und jeder das passende Sachbuch finden möge!<br />
<br class="clear" /></p>
<h3>„Internet“ &#8211; Segen oder Fluch“ von Kathrin Passig und Sascha Lobo</h3>
<p><em>Gelesen von Johann Eggert</em><br />
<em><strong><a href="http://politik-digital.de/die-redaktion-liest-buecher-rund-um-das-thema-internet-2/internet-segen-oder-fluch_cover/" rel="attachment wp-att-124387"><img decoding="async" class="wp-image-124387 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Internet-segen-oder-fluch_cover-305x468.jpg" alt="" width="195" height="299" /></a></strong></em><br />
<em><strong>Um was geht&#8217;s?</strong></em> Um den „modernen Kulturkampf“, die Auseinandersetzung zwischen „Internet-Ausdruckern“ und „Webbies“ und den Disput dieser beiden, sich scheinbar diametral entgegenstehenden Haltungen zu Themen wie Privatsphäre, Filterblasen und den Begriff der Freundschaft im 21. Jahrhundert.</p>
<p><em><strong>Um was hätte es gehen sollen?</strong></em> Lobo und Passig sind beide Vorreiter der Netzkommunikation und der Arbeit im und mit dem Internet. Aufschlussreich wären teilnehmende Beobachtungen aus beiden Welten, aus der der Skeptiker und aus der der Netz-Fans, gewesen.</p>
<p><em><strong>Wen könnte das interessieren?</strong></em> Menschen, denen der Internet-Anschluss für den Konsum von Lobos wöchentlicher Spiegel-Online-Kolumne fehlt.</p>
<p><em><strong>Fazit:</strong></em> Die Länge des Buches und die Langatmigkeit einiger Kapitel wird &#8211; je nach Standpunkt &#8211; den Internetskeptikern die Euphorie nehmen, sich mit dem Objekt ihrer Skepsis zu befassen. Den Fürsprechern des Lebens auf der Datenautobahn könnte sie Argumente FÜR die Kommunikation in 140 Zeichen liefern.</p>
<p><em>Erschienen im Rowohlt Verlag, zu haben für 19,99 €</em><br />
<br class="clear" /></p>
<h3>Die digitale Gesellschaft von Markus Beckendahl &amp; Falk Lüke</h3>
<p><em>Gelesen von Germar Molter</em><br />
<strong><em><a href="http://politik-digital.de/die-redaktion-liest-buecher-rund-um-das-thema-internet-2/die_digitale_gesellschaft-cover/" rel="attachment wp-att-124396"><img decoding="async" class="wp-image-124396 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/die_digitale_gesellschaft-Cover-305x474.jpg" alt="" width="183" height="284" /></a></em></strong></p>
<p><strong><em>Um was geht&#8217;s?</em></strong> Das Internet verändert die Gesellschaft und die Politik steht hilflos daneben. Wenn sie trotzdem versucht einzugreifen, geht es schief.</p>
<p><strong><em>Wen könnte das interessieren?</em></strong> Eignet sich für Menschen mit wenig bis gar keinen oder nur rudimentären Kenntnissen über das Internet. Anekdotenreich führen die Autoren in Begrifflichkeiten wie den Streisand-Effekt ein und erläutern, warum nicht alles aus der analogen Welt genauso auch in der digitalen funktioniert.Versierte Nutzer werden hingegen kaum etwas Neues erfahren.</p>
<p><em><strong>Fazit: </strong></em>Kurzweil und Anspruch auf über 200 Seiten.</p>
<p><em>Erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag, zu haben für 14,90 €</em><br />
<br class="clear" /></p>
<h3>„Die stille Revolution“ von Mercedes Bunz</h3>
<p><em>Gelesen von Julia Solinski</em><br />
<em><strong><a href="http://politik-digital.de/die-redaktion-liest-buecher-rund-um-das-thema-internet-2/bunz_cover-2/" rel="attachment wp-att-124399"><img decoding="async" class=" wp-image-124399 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bunz_Cover1-305x500.jpg" alt="" width="183" height="300" /></a></strong></em><em><strong>Um was geht&#8217;s? </strong></em>Mechanische Webstühle haben die Industrialisierung eingeleitet, wir erleben jetzt die Digitalisierung: Das Internet verändert unsere Arbeitswelt und macht so manchen Beruf bald überflüssig,  schafft aber auch neue Betätigungsfelder.</p>
<p><em><strong>Um was hätte es gehen sollen? </strong></em>Bei „Revolution“ denkt man schon irgendwie an etwas Politisches: Twitter-Revolution, E-Voting oder Online-Bürgerbeteiligung sind aber Phänomene, die Bunz eher streift als thematisiert. Stattdessen fokussiert sie auf den Journalismus. Vielleicht wollte sie sich ja auch nur Stoff für&#8217;s nächste Buch aufsparen.</p>
<p><em><strong>Wen könnte das interessieren? </strong></em>Neben Journalisten und allen, die es werden wollen, ein Muss für Leute mit dem diffusen Gefühl, dass da gerade „was ganz Großes“ in Gange ist. Bunz liefert ihnen nicht nur den theoretischen Unterbau, sondern auch viele tolle Beispiele, die bei der nächsten Küchentisch-Diskussion garantiert für Stimmung sorgen werden.</p>
<p><em><strong>Fazit:</strong></em> Daumen hoch! <a href="http://politik-digital.de/heute-schreiben-sie-buecher-rezension/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier gehts zur ausführlichen Rezension </a></p>
<p><em>Erschienen im Suhrkamp-Verlag, zu haben für 14,00 €</em><br />
<br class="clear" /></p>
<h3>„Grenzenlos vernetzt?“, herausgegeben von Frank Bsirske, Lothar Schröder u. a.</h3>
<p><em>Gelesen von Sabine Vogel</em><br />
<em><strong><a href="http://politik-digital.de/die-redaktion-liest-buecher-rund-um-das-thema-internet-2/bsirske_ua_netzpolitik/" rel="attachment wp-att-124397"><img decoding="async" class="wp-image-124397 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bsirske_ua_Netzpolitik-305x457.png" alt="" width="183" height="274" /></a></strong></em><em><strong>Um was geht&#8217;s?</strong></em> Um Gewerkschaftsarbeit und Mitbestimmung zukunftsfähig zu gestalten, müssen diese mit netzpolitischen Instrumenten verflochten werden. Die Autoren stellen mit persönlichen Schwerpunkten eine breite Auswahl an Instrumenten der Netzpolitik vor, geben Anregungen für die Gewerkschaftsarbeit und hinterfragen kritisch Trends.</p>
<p><em><strong>Um was hätte es gehen sollen?</strong></em> Der Untertitel „Gewerkschaftliche Positionen zur Netzpolitik“ lässt eine ungewöhnliche Verknüpfung erwarten. Die Neugier, wie diese Verflechtung im Detail aussehen kann, wird allerdings nur teilweise befriedigt.</p>
<p><em><strong>Wen könnte das interessieren?</strong></em> Funktionäre, Personalentscheider und Strategen können sich mit dem Buch schnell auf den aktuellen Stand des Wissens bringen und Anregungen für die operative Arbeit erhalten.</p>
<p><strong><em>Fazit:</em></strong> Das Buch gibt einen sehr guten Überblick über den aktuellen Stand der Netzpolitik und die Schnittstellen zur gewerkschaftlichen Arbeit.</p>
<p><em>Erschienen im VSA Verlag, zu haben für 14,80 €</em><br />
<br class="clear" /></p>
<h3>„Unter Piraten. Erkundungen in einer neuen politischen Arena“, herausgegeben von Christoph Bieber und Claus Leggewie</h3>
<p><em>Gelesen von Johann Eggert</em><br />
<em><strong><a href="http://politik-digital.de/die-redaktion-liest-buecher-rund-um-das-thema-internet-2/ums2071xleggewie-indd-3/" rel="attachment wp-att-124398"><img decoding="async" class=" wp-image-124398 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Unter-Piraten_Buchcover.jpg" alt="" width="156" height="237" /></a></strong></em></p>
<p><em><strong>Um was geht&#8217;s?</strong></em> Um ein neues politikwissenschaftliches UND popkulturelles Phänomen bzw. die Rezeption durch aufgeweckte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.</p>
<p><em><strong>Um was hätte es gehen sollen?</strong></em> Endlich um weniger Seefahrermetaphern und sonstige Wortspiele!</p>
<p><em><strong>Wen könnte das interessieren?</strong></em> Menschen, die schon im Internet wohnten, als es die Piraten als Partei noch gar nicht gab, und die daher ein Verständnis für die angelegentlich nerdige Sprache des ansonsten überaus lesenswerten Sammelbandes haben.</p>
<p><em><strong>Fazit:</strong></em> Eines der ersten Werke auf dem Markt, das dieses neue Phänomen am Sternenhimmel der Parteienforschung aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Subdisziplinen beleuchtet und dabei sowohl nationale wie auch internationale Perspektiven in den Blick nimmt. <a href="http://politik-digital.de/buchveroeffentlichung-unter-piraten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier gehts zur ausführlichen Rezension</a></p>
<p><em>Erschienen im transcript Verlag, zu haben für 19,80 €</em></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/cc-lizens/" rel="attachment wp-att-121978"><img decoding="async" class="aligncenter size-medium wp-image-121978" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x53.png" alt="CC-BY-SA-Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>&#8220;Weder links noch rechts, sondern Pirat&#8221; &#8211; Buchrezension</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/weder-links-noch-rechts-sondern-pirat-buchrezension-4-123057/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Nov 2012 11:15:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Buchrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Parteienforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Oskar Niedermayer]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer sind die Piraten? Woher kommen sie? Was treibt sie an und wie reagiert die restliche Parteienlandschaft? Der Berliner Parteienforscher [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/weder-links-noch-rechts-sondern-pirat-buchrezension-3/piratenpuzzle/" rel="attachment wp-att-122903"><img decoding="async" class="aligncenter size-large wp-image-122903" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Piratenpuzzle-630x475.jpg" alt="Totenkopf als Puzzle" width="630" height="475" /></a></p>
<p><strong>Wer sind die Piraten? Woher kommen sie? Was treibt sie an und wie reagiert die restliche Parteienlandschaft? Der Berliner Parteienforscher Oskar Niedermayer hat ein Buch publiziert, das sich dem Phänomen Piratenpartei anhand politikwissenschaftlicher Analysen zu nähern versucht. Damit reiht er sich in eine kleine Liste weiterer Piraten-Buchveröffentlichungen ein.</strong></p>
<p>Die meisten Rückblicke sind längst gesendet, das Jubiläum anlässlich ihres ersten Jahres  im Berliner Abgeordnetenhaus längst gefeiert, und die ersten Abgesänge auf die Piratenpartei sind bereits veröffentlicht. Da es bis zur nächsten Landtagswahl auch noch mehr als zwei Monate hin ist, kann man durchaus die Frage stellen: Wer interessiert sich aktuell für die Piratenpartei?</p>
<p><strong>Interessengebiet für die Parteienforschung</strong></p>
<p>Nachdem die von teils ehrfürchtigem Staunen begleiteten Erfolgsmeldungen in der Tat merklich abgeklungen sind und bei den Piraten, ihrem Bundesvorstand und den inzwischen vier Landtagsfraktionen Alltag(sstreit) eingekehrt ist, erweiterte sich im Verlauf des Jahres 2012 der hiesige Büchermarkt rund um die Partei und deren Anhängerschaft.</p>
<p>Neben dem von einem stattlichen Vorschuss und allerhand boulevardeskem Krawall begleiteten Erscheinen von Julia Schramms <a href="http://www.randomhouse.de/Buch/Klick-mich-Bekenntnisse-einer-Internet-Exhibitionistin/Julia-Schramm/e408990.rhd" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Klick mich“</a>, den teils skurrilen „Innenansichten“ einer politischen Akteurin, nährt sich auch die seriöse Forschung der Partei, ihrer Struktur und ihrem Selbstverständnis. Christoph Bieber und Claus Leggewie machten bereits im Frühsommer mit <a href="http://www.transcript-verlag.de/ts2071/ts2071.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Unter Piraten“</a> den Anfang und versammelten zahlreiche soziologische und kulturwissenschaftliche Perspektiven in ihrem Band.</p>
<p><strong>Gründungsmythos, Genderfrage, Grundsatzprogramm</strong></p>
<p>Was macht nun das neue beim Wiesbadener Fachverlag Springer VS erschienene Buch &#8220;Die Piratenpartei&#8221; im Einzelnen aus? Unter der Herausgeberschaft des Parteienforschers Oskar Niedermayer,  der an der Freien Universität Berlin Politische Wissenschaft lehrt, sind im vorliegenden Band Aufsätze von elf deutschen Wissenschaftlern vereinigt. Auch wenn der eine oder andere Rekurs auf Kategorien und Typologien der politikwissenschaftlichen Parteienforschung für den Laien umständlich zu lesen sein mag und anders als bei populärwissenschaftlichen Sachbüchern ein Glossar oder Stichwortregister natürlich fehlt, so sind die Abgeklärtheit und die empirisch-gesättigte Nüchternheit ein großer Gewinn. Denn die vermisst man bislang bei der Analyse einer Partei, deren Innenleben allzu gerne in Tweets, Blogposts und Mailinglisten zerrieben zu werden scheint.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/weder-links-noch-rechts-sondern-pirat-buchrezension-3/cover-niedermayer-piraten/" rel="attachment wp-att-122958"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-122958" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/cover-niedermayer-piraten-305x432.jpg" alt="Buchcover Oskar Niedermayer: Die Piratenpartei" width="214" height="302" /></a>Mit großer Sachlichkeit und basierend auf quantitativen wie qualitativen Erhebungen werden beispielsweise die historischen Wurzeln der Organisation (Henning Bartels), ihre bisherige parlamentarische Arbeit (Carsten Koschmieder) und die Sozialstruktur ihrer Anhängerschaft (Tobias Neumann) analysiert. In einem enorm detaillierten Beitrag geht Manuela S. Kulick zudem der Frage der Bedeutung von Geschlechterverhältnissen für die Binnen- und Außenwirkung der Partei nach und stellt fest, dass Frauen in der Piratenpartei „von Beginn an unterrepräsentiert waren“- was man in der aktuellen Debatte um die ehemalige Spitzenfrau Marina Weisband fast übersehen könnte.</p>
<p>Einen endgültigen Aufschluss über den Charakter der Partei kann selbstverständlich auch das nun vorliegende Buch (noch) nicht liefern. Dafür ist die Organisation zu jung und die Gesamtschau der demoskopischen Daten nicht aussagekräftig genu &#8211; wie die Wahlforscher Richard Hilmer und Stefanie Haas in ihrem Beitrag zeigen. Die Autoren können jedoch der von Piraten öffentlich gern gepflegten Attitüde der Nicht-Verortbarkeit entgegenhalten, dass „entgegen der selbstverordneten Loslösung vom Links-Rechts-Schema“ die Demoskopie zeigen könne, „dass die Piraten im Politikraum Deutschlands eher im linken und deutlich im libertären Lager zuhause sind“. Das bedeute aber nicht allzu viel, so Hilmer und Haas abschließend: „Dass sie deswegen eine parteipolitische Alternative zu den Angeboten von SPD, Grünen und Linkspartei ist“, glaube „nur eine Minderheit der Deutschen“.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Für den politikwissenschaftlichen Laien, der das Buch eher zufällig zur Hand nimmt, mag die bereits erwähnte, mitunter streng an den Typologien der Parteienforschung orientierte Sprache zunächst befremdlich erscheinen. Es ist jedoch gerade die von Niedermayer formulierte Einleitung zu den „Erfolgsbedingungen neuer Parteien im Parteiensystem“, die dem interessierten Leser einen gewinnbringenden analytischen Leitfaden und dem knapp 260 Seiten starken Band eine Klammer gibt.</p>
<p>Stringenz erhält das Buch zudem durch die Perspektive der Autoren, die allesamt an deutschen Forschungseinrichtungen lehren und publizieren. Die rein nationale Perspektive ist zugleich ein kleiner Nachteil gegenüber den bei Christoph Bieber und Claus Leggewie versammelten spannenden internationalen Einblicken.</p>
<p>Auch wenn die Zahl der Publikationen und Forschungsperspektiven aktuell steigt, so wird nicht die Präsenz auf dem Buchmarkt, sondern der elektorale Erfolg ausschlaggebend für die Zukunft der Partei sein. Die Frage also, „ob die Piraten mit ihrem spezifischen Verständnis von Organisation und Führung den in den Denkstrukturen der ‘Politik 1.0‘ verhafteten anderen Parteien im Wettbewerb auf der Bundesebene tatsächlich Paroli bieten können“, wie es Herausgeber Niedermayer in einem abschließenden Kapitel nüchtern formuliert.</p>
<p><em>Oskar Niedermayer (Hrsg.): Die Piratenpartei, Springer VS. Erschienen am 08.09.2012. Preis: 19,95 €.</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Buchveröffentlichung: „Unter Piraten“</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/buchveroeffentlichung-unter-piraten-117610/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jun 2012 15:58:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Buchrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Buchveröffentlichung]]></category>
		<category><![CDATA[Institut für Medien- und Kommunikationspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Parteienforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarzkopf-Stiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Bieber]]></category>
		<category><![CDATA[Claus Leggewie]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Lauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sich die Piratenpartei in den vergangenen Monaten wahrlich nicht beschweren. Die Kommentare, (Schnell-)Analysen und Blogposts waren [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p align="JUSTIFY"><a href="http://politik-digital.de/buchveroeffentlichung-unter-piraten/unter-piraten_3_630x420/" rel="attachment wp-att-117646"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-117646" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Unter-Piraten_3_630x420.jpg" alt="" width="630" height="420" /></a>Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sich die Piratenpartei in den vergangenen Monaten wahrlich nicht beschweren. Die Kommentare, (Schnell-)Analysen und Blogposts waren allerdings häufig kurzatmig und zumeist an tatsächlichen oder vermeintlichen Medienskandalen orientiert. Mit „Unter Piraten“ ist soeben eines der ersten Bücher erschienen, in dessen Beiträgen hinter die Fassaden der inzwischen in vier Landesparlamenten vertretenen Partei geblickt wird. Gestern war Buchvorstellung in Berlin.</p>
<p align="JUSTIFY">„Warum ein Buch?“ mit dieser Frage und der (selbst-) ironischen Nachbemerkung, dass es „3.000 Tweets“ vielleicht doch auch getan hätten, eröffnete Mitherausgeber Christoph Bieber die Buchvorstellung in den trotz nahendem EM-Spiel gut besuchten Räumlichkeiten der Schwarzkopf-Stiftung in Berlin. Bieber, Professor für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft an der NRW School of Governance und zudem Vorsitzender von pol-di.net e.V./politik-digital.de, hatte ebenso wie sein Ko-Herausgeber Claus Leggewie auf dem Podium Platz genommen, um auch über die Entwicklung zu diskutieren, welche die Piratenpartei seit der Drucklegung des Buches genommen hat. Denn, so wurde im Laufe der rund zweistündigen Veranstaltung (eine Kooperation des <a href="http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcat=54" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik</a> (IfM) sowie den Universitäten Tübingen und Potsdam) mehrmals deutlich: Den je aktuellen Entwicklungsstand eines Phänomens wie der Piratenpartei wissenschaftlich-fundiert auf Papier zu analysieren ist eine &#8211; der Struktur der Piratenpartei möglicherweise inhärente – Unmöglichkeit.</p>
<p align="JUSTIFY">Über die Art und Weise, wie die Autoren im nun vorliegenden Buch mit dieser Herausforderung umgegangen sind, diskutierten Leggewie und Bieber jedoch nicht alleine. Flankiert wurden die beiden Politikwissenschaftler, die Moderator Leonard Novy ob ihrer bisherigen gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit als „eingespieltes Duo“ vorstellte, von einem Vertreter aus der Praxis. Dem Piratenpolitiker Christopher Lauer oblag die Kommentierung der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Perspektive der Berliner Landespolitik.</p>
<h3 align="JUSTIFY">Das Buch: Entern, Ändern, Neustart</h3>
<p align="JUSTIFY"><a href="http://politik-digital.de/buchveroeffentlichung-unter-piraten/ums2071xleggewie-indd-2/" rel="attachment wp-att-117629"><img decoding="async" class="wp-image-117629 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/cover_unter_piraten_neu.jpg" alt="" width="225" height="342" /></a>Positiv überrascht zeigte sich das Talkshow-erprobte Abgeordnetenhausmitglied gleich zu Beginn von den optimistischen Einschätzungen über die Piraten, die die beiden Herausgeber mit Blick auf ihre eigenen Beiträge zu dem Sammelband referierten. Vor- und Nachwort von Christoph Bieber und Claus Leggewie bilden die Klammer für die übrigen 18 Analysen, die von Schilderungen piratenverwandter soziokultureller Phänomene wie der Figur des „Nerds“ (Matthias Mertens) über die (Post-) Gender-Thematik (Jasmin Siri und Paula-Irene Villa) bis hin zu Gedanken über die Aussagekraft der Piratenfarbe „orange“ (Claudio Gallio) reichen.</p>
<p align="JUSTIFY">Durchdacht wirkt vor allem die Struktur des Buches, obschon sich &#8211; bei einem so neuen Forschungsfeld mag das zu verzeihen sein &#8211; die Beschreibungen und Analysen in den verschiedenen Beiträgen immer wieder überschneiden. In den Bereichen „Entern“, „Ändern“ und „Neustart“ sind Analysen teils hochkarätiger nationaler und internationaler Netzaktivisten, Wissenschaftler und Publizisten wie Karl-Rudolf Korte, Dirk von Gehlen oder Lawrence Lessig zu finden. Als wohltuend skeptisch ist nach einem ersten Blick in das druckfrische Buch dabei besonders der Beitrag von Claus Leggewie am Schluss des rund 250 Seiten starken Buches hervorzuheben, in dem der Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen eindringlich vor der strukturellen Macht von Internetkonzernen warnt und damit die Piraten-Skepsis vor staatlicher Datensammelwut aufnimmt.</p>
<h3 align="JUSTIFY">„Was steht nicht im Buch?“</h3>
<p align="JUSTIFY">In seinem einleitenden Statement hatte Christoph Bieber zuvor bereits offensiv darauf hingewiesen, welche Themen in dem neuen Band nicht versammelt seien. Einige Entwicklungen seien „so schnell, dass wir sie gar nicht im Buch erfassen konnten“. Neben einer wissenschaftlichen Analyse des Themenfeldes „Liquid Democracy“ fehle im Buch auch und vor allem ein Verweis auf die Problematik rechtsextremen Gedankenguts in der Piratenpartei. Dass Christoph Bieber diese Frage zu einem „kurzfristigen Problem“ erklärte, scheint an dem hinter diesem Phänomen liegenden Kern des Problems vorbeizugehen. In einer wissenschaftlichen Publikation wäre eine explizite Diskussion der Frage spannend gewesen, welche Abwehrmechanismen eine politische Gruppierung entwickeln kann (oder sollte), die sich, anders als die letzten erfolgreichen Parteigründungen in der Bundesrepublik, nicht auf klassen- bzw. konfessionsbasierte gemeinsame Werte stützen kann. Ein Punkt, der jedoch nicht nur in dem Buch, von dem erste druckfrische Exemplare auf der gestrigen Veranstaltung kursierten, zu kurz kommt. Auch die Diskutanten auf dem Podium der Schwarzkopf-Stiftung konnten oder wollten nicht so recht darauf hinweisen, welche Herausforderungen die ideengeschichtliche Andersartigkeit der Piraten möglicherweise auch in Zukunft noch mit sich bringen wird.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p align="JUSTIFY">Mit „Unter Piraten“ liegt trotz der oben genannten zwangsläufig vorhandenen Lücken ein wissenschaftlich-fundierter Überblick über die Wesensmerkmale einer gerade einmal sechs Jahre alten parteipolitischen Bewegung vor. Einer Bewegung, deren Hauptmerkmal eben ihr fluider Charakter zu sein scheint. Die in „Unter Piraten“ versammelten Beiträge zeigen jedoch, dass die Wurzeln der Partei tiefer in Geschichte und Kultur zurückreichen und dass eine wissenschaftliche Auseinandersetzung in Buchform möglich &#8211; und mit Blick auf die oben angerissenen weißen Flecken &#8211; geboten ist.</p>
<p align="JUSTIFY">Auf Seefahrermetaphern kann natürlich auch „Unter Piraten“ nicht vollständig verzichten. Ansonsten hebt sich das im Bielefelder transcript-Verlag erschienene „Mehrgenerationenprojekt“, so die Selbstbeschreibung Claus Leggewies, jedoch wohltuend von den jüngsten Feuilleton-Analysen ab. Die gestrige Veranstaltung machte mit klugen Beiträgen und &#8211; dies ist auf artverwandten Diskussionsveranstaltungen keine Selbstverständlichkeit &#8211; differenzierten und intelligenten Nachfragen Lust auf die Lektüre.</p>
<p align="JUSTIFY">
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