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	<title>Buchveröffentlichung &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Von alten Gatekeepern und neuen Skandalierern</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Aug 2012 16:22:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wie verändert sich die Wahrnehmung persönlicher oder kollektiver Verfehlung durch die Digitalisierung und die ständige Verfügbarkeit neuartiger Publikationsformate? Die Tübinger [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/von-alten-gatekeepern-und-neuen-skandalierern/slider_skandal_630x330-2/" rel="attachment wp-att-120107"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-120107" alt="Bild &quot;der entfesselte Skandal&quot;" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Slider_Skandal_630x3301.jpg" width="630" height="330" /></a>Wie verändert sich die Wahrnehmung persönlicher oder kollektiver Verfehlung durch die Digitalisierung und die ständige Verfügbarkeit neuartiger Publikationsformate? Die Tübinger Medienwissenschaftler Hanne Detel und Bernhard Pörksen haben hierzu im Frühjahr ein Buch vorgelegt. Im Interview mit politik-digital.de sprach Mitautorin Hanne Detel über die Arbeit am Buch und die Besonderheiten der Skandalisierungskultur im Netz.</p>
<p>Debatten, Skandalschemata und vor allem Langzeitwirkungen von Skandalen haben sich im Zuge der Digitalisierung von Medien und Gesellschaft gewandelt. Soweit ein bereits bekannter Prozess, dessen Bewertung bislang allzu häufig durch polemische Blogeinträge selbsterklärter „digital natives“ beziehungsweise martialisch anmutende Reaktionen sprachgewaltiger Kulturpessimisten („Heveling-Traktat) geprägt gewesen ist. Das Buch  „Der entfesselte Skandal: Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ bemüht sich aus der  Perspektive der Medientheorie um begriffliche Klarheit. Was in neobürgerlichen Zeitungskolumnen allzu häufig mit polemischem Unterton als Teufel an die Wand gemalt wird, haben die Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Hanne Detel nun in anspruchsvoller, dennoch gut lesbarer, vor allem aber unaufgeregter Buchform recherchiert und seziert.</p>
<p><a title="Buch" href="http://www.halem-verlag.de/2012/der-entfesselte-skandal/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Der entfesselte Skandal“</a>, so der Titel ihres im Kölner Herbert von Halem Verlag erschienenen Buches beleuchtet die durch zunehmende Digitalisierung befeuerten Medienskandale der vergangenen Jahre und Jahrzehnte mit bemerkenswerter Akribie. Die Kernthese der beiden Forscher lautet hierbei, dass Skandale und/oder die nicht beabsichtigte Medienpräsenz, anders als früher, nicht mehr zwangsläufig linear verlaufen müssen. Die Skandale können durch neuartige Publikationsformate und ein verändertes Mediennutzungsverhalten jederzeit und aus allen Richtungen angeheizt werden.Die beiden Autoren liefern keine finale Theorie des entfesselten Skandals. Vielmehr beschreiben sie das Phänomen entlang der Genese einer ganzen Reihe von Fallbeispielen, die sich in das kollektive Gedächtnis unserer Mediengesellschaft eingebrannt haben. Unter den 15 Fällen ist die Distribution der Folterfotos aus dem irakischen Abu-Ghuraib ebenso vertreten wie eine detaillierte Analyse der Wirkungsmechanismen kollektiver Online-Recherche im Fall Guttenberg. Immer dann, wenn individuelle, von den Medien weniger multiperspektivisch beleuchtete bzw. bereits in Vergessenheit geratene Affären und Empörungswellen unter den Prämissen der Medienwirklichkeit des digitalen Zeitalters aufgearbeitet werden, sticht das Buch besonders hervor.</p>
<h3>Der kategorische Imperativ des digitalen Zeitalters</h3>
<p>Hervorgehoben sind in jedem Kapitel bestimmte Begriffe oder Phänomene, so dass das Buch auch für Leser ohne direkten Bezug zu Netzphänomenen ein Gewinn ist. Zwar überlassen die Autoren ihrem Publikum ganz bewusst eine Bewertung der vorgestellten Fälle. Bereits in der Einleitung formulieren Detel und Pörksen jedoch ihren an Immanuel Kant angelehnten kategorischen Imperativ des digitalen Zeitalters, mit dem sie bewusst machen wollen, welche Konsequenzen eine im Internet geäußerte Meinung haben kann.</p>
<p>politik-digital.de hat die Co-Autorin Hanne Detel zu ihrer Arbeit am Buch, nationalen Unterschieden und ihren Erkenntnissen befragt. Detel, Jahrgang 1983, ist Akademische Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaf der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt: Print- und Onlinemedien.</p>
<p><strong>politik-digital.de: Frau Detel, in einem Interview zur Entstehung Ihres Buches haben Sie kürzlich gesagt, dass Ihrer Publikation eine Datenbank zugrunde lag, in der sie Fälle sortiert und klassifiziert haben. Welches war das wesentliche Merkmal, das ein Medienereignis Ereignis aufweisen musste, um Eingang in Ihre Tabelle zu finden?</strong></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/von-alten-gatekeepern-und-neuen-skandalierern/detel/" rel="attachment wp-att-120100"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-120100" alt="Foto Hanne Detel" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Detel-195x119.jpg" width="182" height="111" /></a>Hanne Detel: Wir haben uns bei der Auswahl der Fälle an der klassischen Skandaldefinition orientiert. Danach besitzt ein Skandal drei Merkmale: Zunächst begeht eine Person einen Normverstoß, handelt entgegen der gängigen Werte oder Gesetze. Diese Grenzüberschreitung wird öffentlich und damit einem großen Publikum zugänglich gemacht, das sich – und das ist der dritte Schritt – darüber empört. Uns interessierten Skandale, bei denen der Normverstoß primär im Internet oder mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien enthüllt und verbreitet, kommentiert und diskutiert wurde.</p>
<p>Hier liegt eines der entscheidenden Unterschiede zum klassischen Skandal: Nicht mehr nur Journalisten – die früheren Gatekeeper – können einen Skandal initiieren, sondern jeder Mensch mit Smartphone oder Computer. Als Beispiel sei auf die Affäre um den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verwiesen, dessen Plagiate von einer gut organisierten Gruppe anonymer Enthüller auf dem Wiki GuttenPlag systematisch dokumentiert wurden. Auf diese Weise machten sie das Ausmaß des Vergehens für jedermann sichtbar und nachvollziehbar.</p>
<p><strong>politik-digital.de: Aufgrund der &#8220;Grenzenlosigkeit&#8221; des Internet wundert es nicht weiter, dass sich unter den 15 aufgearbeiteten Fällen in Ihrem Buch Beispiele aus Deutschland, Europa, den USA und aus Asien finden.<br />
Konnten Sie im Zuge der Analyse der einzelnen Fälle und der Auswertung von Sekundärquellen zumindest national oder regional variierende Rezeptions- und Bewertungsmuster herausarbeiten?</strong></p>
<p>Hanne Detel: Ob Menschen eine Handlung als Normverstoß wahrnehmen oder nicht, hängt in der Tat in vielen Fällen von ihrem kulturellen, nationalen, ideologischen oder auch religiösen Hintergrund ab – das ist allerdings nicht nur bei Netzskandalen der Fall: Man denke nur an den Aufruhr unter Muslimen nach dem Druck der Mohammed-Karikaturen und vergleiche sie mit den Reaktionen, die jüngst auf die Abbildungen des Papstes in der Satire-Zeitschrift „Titanic“ folgten. Ein in seiner Intensität vergleichbar Auslöser führte zu völlig unterschiedlichen Reaktionen bei den jeweiligen Anhängern.</p>
<p>Auch für unser Buch untersuchten wir Fälle, die verschiedene Erregungsstränge beobachten ließen: So führte etwa der Schlichtungsversuch einer jungen Chinesin in den USA zwischen Pro-Tibet-Demonstranten und ihren chinesischen Gegnern zu einem regelrechten Cybermob, der seinen Höhepunkt in anonymen Morddrohungen und heftigen Beschimpfungen im Netz fand. Von Amerikanern erfuhr die Studentin hingegen, in und außerhalb des Internet, viel Unterstützung und Zuspruch für ihren Einsatz – die Entrüstung richtete sich hier gegen die chinesischen Skandalierer. Es wird deutlich: Anders als in den klassischen Medien, die meist eher gleichförmig über Skandale berichten, wird im Internet in vielen Fällen die gesamte Bandbreite an Meinungen sichtbar.</p>
<p><strong>politik-digital.de: Am Stil Ihres Buches fällt auf, dass es &#8211; mit Ausnahme der Formulierung des modifizierten &#8220;Kategorischen Imperativs&#8221; kaum belehrend daherkommt. Für wie wünschenswert halten Sie es, einigen der in Ihrem Buch recherchierten Skandalszenarien</strong> <strong>zukünftig dadurch zu begegnen, dass an Schulen und Fortbildungseinrichtungen verstärkt Wert auf das Fach Medienpädagogik bzw. Medienethik gelegt wird?</strong></p>
<p>Hanne Detel: Das halte ich für realistisch und wünschenswert, denn eine verstärkte Medienpädagogik ist die logische Konsequenz unseres kategorischen Imperativs des digitalen Zeitalters, dessen erster Satz lautet: „Handele stets so, dass dir die öffentlichen Effekte deines Handelns langfristig vertretbar erscheinen.“ Im digitalen Zeitalter sind wir alle Publizisten. Jedoch können wir uns nicht vorstellen, was mit unseren Tweets und YouTube-Videos, unseren E-Mails und SMS eines Tages geschieht, in welchen Kontexten sie womöglich eines Tages wieder auftauchen und gegen uns oder gegen die, über die wir berichtet haben, verwendet werden. Daher sollten bereits Schüler für diese möglichen Konsequenzen sensibilisiert werden, noch bevor sie intime oder private Informationen über sich und andere Menschen im digitalen Schaufenster platzieren.</p>
<p>Allerdings muss – so heißt es im zweiten Satz unseres kategorischen Imperativs – unbedingt mit dem Scheitern gerechnet werden, denn im Extremfall sind alle Vorsichtsmaßnahmen nutzlos.</p>
<p><strong>politik-digital.de: Mit der Facebook-Gruppe &#8220;Der entfesselte Skandal&#8221; wird u.a. auf Berichterstattung zu den Themen des Buches aufmerksam gemacht. Ist die Facebook-Gruppe in Ihren Augen Dokumentation oder zusätzlich auch Fortentwicklung des Schreibprozesses an Ihrem Buch?</strong></p>
<p>Hanne Detel: Die Facebook-Seite zum Buch wird von der Agentur Literaturtest betreut und startete erst, nachdem wir den „entfesselten Skandal“ zu Ende geschrieben hatten. Hätten wir die Facebook-Seite zu einem früheren Zeitpunkt aufgebaut, so hätten wir bereits während der Recherche- und Schreibphase den aktuellen Stand unserer Arbeit dokumentieren und mit interessierten Nutzern diskutieren können. Ein Beispiel, das zeigt, wie sich ein solcher virtueller Austausch realisieren und nutzen lässt, ist übrigens die Seite zum Dokumentarfilm „Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft“ von Svea Eckert und Anika Giese (<a title="Facebook Doku Notizblock" href="http://www.facebook.com/ARD.Doku" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„FB Doku Notizblock&#8221;</a>).</p>
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		<title>Buchveröffentlichung: „Unter Piraten“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jun 2012 15:58:37 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Institut für Medien- und Kommunikationspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sich die Piratenpartei in den vergangenen Monaten wahrlich nicht beschweren. Die Kommentare, (Schnell-)Analysen und Blogposts waren [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p align="JUSTIFY"><a href="http://politik-digital.de/buchveroeffentlichung-unter-piraten/unter-piraten_3_630x420/" rel="attachment wp-att-117646"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-117646" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Unter-Piraten_3_630x420.jpg" alt="" width="630" height="420" /></a>Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sich die Piratenpartei in den vergangenen Monaten wahrlich nicht beschweren. Die Kommentare, (Schnell-)Analysen und Blogposts waren allerdings häufig kurzatmig und zumeist an tatsächlichen oder vermeintlichen Medienskandalen orientiert. Mit „Unter Piraten“ ist soeben eines der ersten Bücher erschienen, in dessen Beiträgen hinter die Fassaden der inzwischen in vier Landesparlamenten vertretenen Partei geblickt wird. Gestern war Buchvorstellung in Berlin.</p>
<p align="JUSTIFY">„Warum ein Buch?“ mit dieser Frage und der (selbst-) ironischen Nachbemerkung, dass es „3.000 Tweets“ vielleicht doch auch getan hätten, eröffnete Mitherausgeber Christoph Bieber die Buchvorstellung in den trotz nahendem EM-Spiel gut besuchten Räumlichkeiten der Schwarzkopf-Stiftung in Berlin. Bieber, Professor für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft an der NRW School of Governance und zudem Vorsitzender von pol-di.net e.V./politik-digital.de, hatte ebenso wie sein Ko-Herausgeber Claus Leggewie auf dem Podium Platz genommen, um auch über die Entwicklung zu diskutieren, welche die Piratenpartei seit der Drucklegung des Buches genommen hat. Denn, so wurde im Laufe der rund zweistündigen Veranstaltung (eine Kooperation des <a href="http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcat=54" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik</a> (IfM) sowie den Universitäten Tübingen und Potsdam) mehrmals deutlich: Den je aktuellen Entwicklungsstand eines Phänomens wie der Piratenpartei wissenschaftlich-fundiert auf Papier zu analysieren ist eine &#8211; der Struktur der Piratenpartei möglicherweise inhärente – Unmöglichkeit.</p>
<p align="JUSTIFY">Über die Art und Weise, wie die Autoren im nun vorliegenden Buch mit dieser Herausforderung umgegangen sind, diskutierten Leggewie und Bieber jedoch nicht alleine. Flankiert wurden die beiden Politikwissenschaftler, die Moderator Leonard Novy ob ihrer bisherigen gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit als „eingespieltes Duo“ vorstellte, von einem Vertreter aus der Praxis. Dem Piratenpolitiker Christopher Lauer oblag die Kommentierung der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Perspektive der Berliner Landespolitik.</p>
<h3 align="JUSTIFY">Das Buch: Entern, Ändern, Neustart</h3>
<p align="JUSTIFY"><a href="http://politik-digital.de/buchveroeffentlichung-unter-piraten/ums2071xleggewie-indd-2/" rel="attachment wp-att-117629"><img decoding="async" class="wp-image-117629 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/cover_unter_piraten_neu.jpg" alt="" width="225" height="342" /></a>Positiv überrascht zeigte sich das Talkshow-erprobte Abgeordnetenhausmitglied gleich zu Beginn von den optimistischen Einschätzungen über die Piraten, die die beiden Herausgeber mit Blick auf ihre eigenen Beiträge zu dem Sammelband referierten. Vor- und Nachwort von Christoph Bieber und Claus Leggewie bilden die Klammer für die übrigen 18 Analysen, die von Schilderungen piratenverwandter soziokultureller Phänomene wie der Figur des „Nerds“ (Matthias Mertens) über die (Post-) Gender-Thematik (Jasmin Siri und Paula-Irene Villa) bis hin zu Gedanken über die Aussagekraft der Piratenfarbe „orange“ (Claudio Gallio) reichen.</p>
<p align="JUSTIFY">Durchdacht wirkt vor allem die Struktur des Buches, obschon sich &#8211; bei einem so neuen Forschungsfeld mag das zu verzeihen sein &#8211; die Beschreibungen und Analysen in den verschiedenen Beiträgen immer wieder überschneiden. In den Bereichen „Entern“, „Ändern“ und „Neustart“ sind Analysen teils hochkarätiger nationaler und internationaler Netzaktivisten, Wissenschaftler und Publizisten wie Karl-Rudolf Korte, Dirk von Gehlen oder Lawrence Lessig zu finden. Als wohltuend skeptisch ist nach einem ersten Blick in das druckfrische Buch dabei besonders der Beitrag von Claus Leggewie am Schluss des rund 250 Seiten starken Buches hervorzuheben, in dem der Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen eindringlich vor der strukturellen Macht von Internetkonzernen warnt und damit die Piraten-Skepsis vor staatlicher Datensammelwut aufnimmt.</p>
<h3 align="JUSTIFY">„Was steht nicht im Buch?“</h3>
<p align="JUSTIFY">In seinem einleitenden Statement hatte Christoph Bieber zuvor bereits offensiv darauf hingewiesen, welche Themen in dem neuen Band nicht versammelt seien. Einige Entwicklungen seien „so schnell, dass wir sie gar nicht im Buch erfassen konnten“. Neben einer wissenschaftlichen Analyse des Themenfeldes „Liquid Democracy“ fehle im Buch auch und vor allem ein Verweis auf die Problematik rechtsextremen Gedankenguts in der Piratenpartei. Dass Christoph Bieber diese Frage zu einem „kurzfristigen Problem“ erklärte, scheint an dem hinter diesem Phänomen liegenden Kern des Problems vorbeizugehen. In einer wissenschaftlichen Publikation wäre eine explizite Diskussion der Frage spannend gewesen, welche Abwehrmechanismen eine politische Gruppierung entwickeln kann (oder sollte), die sich, anders als die letzten erfolgreichen Parteigründungen in der Bundesrepublik, nicht auf klassen- bzw. konfessionsbasierte gemeinsame Werte stützen kann. Ein Punkt, der jedoch nicht nur in dem Buch, von dem erste druckfrische Exemplare auf der gestrigen Veranstaltung kursierten, zu kurz kommt. Auch die Diskutanten auf dem Podium der Schwarzkopf-Stiftung konnten oder wollten nicht so recht darauf hinweisen, welche Herausforderungen die ideengeschichtliche Andersartigkeit der Piraten möglicherweise auch in Zukunft noch mit sich bringen wird.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p align="JUSTIFY">Mit „Unter Piraten“ liegt trotz der oben genannten zwangsläufig vorhandenen Lücken ein wissenschaftlich-fundierter Überblick über die Wesensmerkmale einer gerade einmal sechs Jahre alten parteipolitischen Bewegung vor. Einer Bewegung, deren Hauptmerkmal eben ihr fluider Charakter zu sein scheint. Die in „Unter Piraten“ versammelten Beiträge zeigen jedoch, dass die Wurzeln der Partei tiefer in Geschichte und Kultur zurückreichen und dass eine wissenschaftliche Auseinandersetzung in Buchform möglich &#8211; und mit Blick auf die oben angerissenen weißen Flecken &#8211; geboten ist.</p>
<p align="JUSTIFY">Auf Seefahrermetaphern kann natürlich auch „Unter Piraten“ nicht vollständig verzichten. Ansonsten hebt sich das im Bielefelder transcript-Verlag erschienene „Mehrgenerationenprojekt“, so die Selbstbeschreibung Claus Leggewies, jedoch wohltuend von den jüngsten Feuilleton-Analysen ab. Die gestrige Veranstaltung machte mit klugen Beiträgen und &#8211; dies ist auf artverwandten Diskussionsveranstaltungen keine Selbstverständlichkeit &#8211; differenzierten und intelligenten Nachfragen Lust auf die Lektüre.</p>
<p align="JUSTIFY">
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