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	<title>Bundesnachrichtendienst &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Bundesnachrichtendienst &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Besser spät als nie: Eine Untersuchung ohne Zeugen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nicolas Krotz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Apr 2014 14:21:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Prof. Wolfgang Krieger]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 3. April konstituiert sich ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages, der sich mit den Folgen des NSA-Überwachungsskandals befasst. Fast ein [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/polizisten-tür.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-138698" alt="poilzisten tür" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/bullen-tür-630x500.jpg" width="630" height="500" /></a>Am 3. April konstituiert sich ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages, der sich mit den Folgen des NSA-Überwachungsskandals befasst. Fast ein Jahr nachdem die ersten Enthüllungen durch Edward Snowden publik wurden, sollen die Überwachungs- und Spionagevorwürfe gegenüber den Geheimdiensten nun geprüft werden. Welche Schwerpunkte setzt der NSA-Untersuchungsausschuss (UAS) und was kann von ihm erwartet werden? Wir haben beim Geheimdienstexperten Wolfgang Krieger nachgefragt. Dass der UAS viele neue Erkenntnisse bringen wird, glaubt er nicht.<br />
Bevor der Deutsche Bundestag sich nun mit den Enthüllungen beschäftigt, die vor allem die Bundesregierung und Bundesbürger betreffen, hat das EU-Parlament bereits eine Untersuchung der Geheimdienstaktivitäten und ihrer Auswirkungen auf die Grundrechte durchgeführt. Der <a href="http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+REPORT+A7-2014-0139+0+DOC+PDF+V0//DE">Abschlussbericht</a> wurde am 12. März verabschiedet. Zeitlich war die Untersuchung knapp bemessen und konnte wenige neue Informationen liefern. Zeugen, die zu mehr Aufklärung hätten beitragen können, wie Geheimdienstmitarbeiter aus EU-Mitgliedsstaaten und aus den Vereinigten Staaten, sind einfach nicht erschienen. Die Spionage durch US-Geheimdienste wurde generell verurteilt, und Vorwürfe gegenüber EU-Mitgliedsstaaten, die diesen dabei halfen, wurden in dem Bericht bekräftigt. Die anlasslose Massenüberwachung durch Geheimdienste bedeute einen schweren Eingriff in die Grundrechte der Bürger, stellte der Bericht fest. Alle EU-Mitgliedsstaaten – explizit adressiert ist auch Deutschland – werden im Bericht u. a. dazu aufgefordert, Sorge zu tragen, dass ihre „nationalen Rechtsrahmen und Kontrollmechanismen im Bereich geheimdienstlicher Tätigkeiten mit den Normen der Europäischen Menschenrechtskonvention in Einklang stehen“.</p>
<h3><b>Die Zielsetzung des Untersuchungsausschusses</b></h3>
<p>Die Untersuchung, die der Bundestagsausschuss nun durchführen soll, wird insgesamt aus drei thematischen Blöcken bestehen: Zum einen müsse ein besseres Bild von den Geheimdienstaktivitäten der Five-Eyes (Australien, Kanada, Neuseeland, Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten) gewonnen werden. Geklärt werden soll, wen die Geheimdienste in welchem Umfang überwacht haben, ebenso wie die Frage, ob deutsche Stellen oder von ihnen Beauftragte die Five-Eyes dabei unterstützt haben.<br />
Zweitens müsse genauer ermittelt werden, wie umfassend die Überwachung von deutschen Politikern, Bediensteten des Bundes und deutschen Einrichtungen im In- und Ausland gewesen sei. Herausgefunden werden soll, weshalb die Kommunikationserfassungen durch die Five-Eyes von Stellen des Bundes nicht früher bemerkt und unterbunden worden sind. Eine zentrale Frage lautet auch, ob die Bundesregierung ihren gesetzlichen Informationspflichten z. B. gegenüber dem Parlamentarischen Kontrollgremium (das Gremium zur Kontrolle der nachrichtendienstlichen Tätigkeit des Bundes) und der G 10-Kommission (das Organ, welches über Beschränkungsmaßnahmen im Bereich des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses entscheidet) nachgekommen ist.<br />
Im dritten Themenblock des Ausschusses soll eine bessere Vorstellung davon gewonnen werden, wie es um den Schutz der deutschen Telekommunikationsinfrastruktur bestellt ist und welche Empfehlungen notwendig sind, um diesen zu verbessern. Um den bestmöglichen Schutz der Privatheit der Bürger zu gewährleisten, soll u. a. geklärt werden, ob bei der <a href="http://www.daniel-schwerd.de/drucksachen/5214">Vergabe von öffentlichen Aufträgen</a> künftig anders vorgegangen werden muss.<br />
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><strong>Prof. Dr. Wolfgang Krieger</strong> ist seit 1995 Universitätsprofessor für Neuere Geschichte an der Philipps-Universität Marburg. Er gilt als Experte für die Geschichte der Nachrichtendienste. Zu seinen Veröffentlichungen gehört u. a. „Geheimhaltung und Transparenz. Demokratische Kontrolle der Geheimdienste im internationalen Vergleich“ (hrsg. mit W. Smidt, U. Poppe, H. Müller-Enbergs) Münster 2007.</div></div><br />
Für die Untersuchung wird der Ausschuss hochrangige Geheimdienstbeamte aus dem Vereinigten Königreich und den USA laden sowie Bedienstete aus dem Kanzleramt (dem der Bundesnachrichtendienst unterstellt ist) sowie die Kanzlerin höchstselbst. Gerhard Schindler, Präsident des Bundesnachrichtendienstes, wird – anders als bei der Untersuchung durch das EU-Parlament – erscheinen müssen. Eine Einladung Edward Snowdens ist noch ungewiss. <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CDAQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.europarl.europa.eu%2Fdocument%2Factivities%2Fcont%2F201403%2F20140307ATT80674%2F20140307ATT80674EN.pdf&amp;ei=_nohU76iDsrsswbb9YHYBA&amp;usg=AFQjCNFe7i0BJr5lRGqfOONmWVsmN-TiLg&amp;sig2=ezB8UKdyY1qx180LHlABqA&amp;bvm=bv.62922401,d.Yms&amp;cad=rja">Snowden hatte zuvor mehrfach gesagt,</a> er werde keine neuen Informationen bekannt geben und diese den eingeweihten Journalisten überlassen.<br />
&nbsp;</p>
<h3><b>„Snowden ist nur ein kleines Licht“</b></h3>
<p>Prof. Wolfgang Krieger forscht seit Jahren über Geheimdienste, er sieht in der Befragung Snowdens keine Notwendigkeit. Der Whistleblower sei als ehemaliger Service-Techniker für Computernetze im Geheimdienstgefüge ein „kleines Licht“.  Ihn einzuladen, könne „allenfalls als politische Zirkusnummer“ dienen und die „moralisierende Aufgeregtheit“ anfachen. Zu der Frage, ob sich der UAS bei seinen Sitzungen gegen eine Abhörung durch US-Geheimdienste wehren könne, macht sich Krieger keine Illusionen: „Das ist irrelevant, weil die USA viel mehr wissen als unsere Parlamentarier.“<br />
Aber warum wissen deutsche Parlamentarier so wenig und wofür gibt es das Parlamentarischen Kontrollgremium, wenn die Geheimdienstaktivitäten dem allgemeinen politischen Interesse derart zuwiderlaufen, wie es der Fall zu sein scheint? Laut Kriegers Einschätzungen würden sich (deutsche) Politiker „möglichst wenig mit den geheimen Nachrichtendiensten“ beschäftigen und Schwierigkeiten lieber aus dem Weg gehen. Deshalb, und um die anlasslose Massenüberwachung der Geheimdienste zukünftig unterbinden zu können, fordert Krieger die Politik auf, das Parlamentarische Kontrollgremium endlich adäquat einzusetzen – neuer Instrumente bedürfe es demnach nicht, sie seien theoretisch ausreichend vorhanden. Die  „Möglichkeiten des <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/pkgrg/index.html">Gesetzes über die Kontrolle der Dienste“</a> müssten also lediglich voll ausgeschöpft und ein Diskurs darüber geführt werden, welche Befähigungen diese tatsächlich bräuchten. Den Bundesnachrichtendienst „als bösen Buben hinzustellen“ – wie es in seinen Augen die Opposition beabsichtigt – sei irreführend. Für Krieger ist der Untersuchungsausschuss „politische Augenwischerei“, da die wichtigsten Zeugen, die englischen und US-amerikanischen Geheimdienstbeamten, „nicht kommen oder nichts sagen“ würden.<br />
Ganz anders sieht das der Grünen-Politiker Konstantin von Notz, der den Untersuchungsausschuss als das „schärfste Schwert des Parlaments“ bezeichnete, das nun zum Einsatz komme, um „verfassungsgemäße Verhältnisse“ wiederherstellen zu können. <b> </b></p>
<h3><b>Fazit</b></h3>
<p>Parlamentarische Kontrolle ist verfassungsmäßig vorgesehen, aber sie fand praktisch nicht statt. Es ist davon auszugehen, dass die Bundesregierung den Geheimdiensten seit Jahrzehnten und in wechselnder Besetzung bewusst freie Hand ließ. Bis heute scheinen die zuständigen Politiker eine Debatte über angemessene Vorgaben zu vermeiden. Der Geheimdienstskandal entpuppt sich damit zum Politikskandal. Es müsse, so Wolfgang Krieger, vielmehr „grundsätzlich über die deutsche Position in der Welt des Internets“ nachgedacht werden. Alles andere sei eine „unzulässige Verkürzung des politischen Problems“. Die einzige Hoffnung des Geheimdienstexperten ist, dass der Ausschuss einen Anstoß in diese Richtung geben wird.<br />
&nbsp;<br />
<strong>Weiterführende Links:</strong><br />
Debatte im Plenum des Deutschen Bundestages zur Einsetzung des Untersuchungsausschusses: <a href="http://bit.ly/1jD6ktL">bit.ly/1jD6ktL</a><br />
Drucksache des Deutschen Bundestages zum Untersuchungsausschuss: <a href="http://bit.ly/1pBr6Hz">bit.ly/1pBr6Hz</a><br />
Interview mit Clemens Binninger, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums und des Untersuchungsausschusses: <a href="http://bit.ly/1i1sIHV">bit.ly/1i1sIHV</a><br />
Zusammenfassung der Aussagen des Untersuchungsberichts des EU-Parlaments: <a href="http://politik-digital.de/eu-parlament-zur-nsa-affaere-schwerwiegender-eingriff-in-grundrechte-der-buerger/">http://politik-digital.de/eu-parlament-zur-nsa-affaere-schwerwiegender-eingriff-in-grundrechte-der-buerger/</a><br />
Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/boston_public_library/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Boston Public Library</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-ND 2.0)</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-130752" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Online-Überwachungsprogramm PRISM – auch sinnvoll und notwendig für die deutsche Sicherheitspolitik?&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/netzstandpunkte/online-ueberwachungsprogramm-prism-auch-sinnvoll-und-notwendig-fuer-die-deutsche-sicherheitspolitik-129961/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Lagershausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jul 2013 12:15:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzstandpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Terror]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden zu den Spionagetätigkeiten des US-Geheimdienstes NSA haben in den vergangenen Wochen weltweit für Aufsehen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden zu den Spionagetätigkeiten des US-Geheimdienstes NSA haben in den vergangenen Wochen weltweit für Aufsehen gesorgt. Auch Deutschland und die EU werden in hohem Maße und gezielt überwacht. Wie weit sollten, wie weit dürfen Geheimdienste gehen, um Terrorismus zu verhindern und die Bürger zu schützen? Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl und Datenschützer padeluun kommen zu sehr unterschiedlichen Antworten.<br />
Das Abhörwerkzeug PRISM der US-Geheimdienste und das britische Gegenstück Tempora sind im Zuge der weltweiten Terrorismusprävention nach den Anschlägen des 11. September 2001 eingesetzt und sukzessive ausgebaut und erweitert worden. So wird laut dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden mittlerweile die komplette Internetkommunikation zwischen den USA und dem Rest der Welt systematisch abgehört und mitgelesen. Jede Aktivität bei Internetdiensten wie Facebook, Google oder Skype sei für die Sicherheitsbehörden einsehbar; Suchalgorithmen sollen demnach jede E-Mail, jeden Chat und das allgemeine Surf- und Kommunikationsverhalten eines jeden Internetnutzers online nach verdächtigen Begriffen durchleuchten.<br />
Offiziell wird dieses bisher unter strengster Geheimhaltung stehende Vorgehen mit der erfolgreichen Verhinderung von Terroranschlägen begründet. Mehr als 50 Terroranschläge sollen laut NSA bereits dank der PRISM-Überwachungstechnik verhindert worden sein, darunter auch Attentate in Deutschland.<br />
Doch scheinen die Überwachungsmaßnahmen aus dem Ruder gelaufen zu sein und lassen sich mit reiner Terrorismusprävention nicht mehr rechtfertigen. Durch die Praxis, das Privat- und Geschäftsleben jedes einzelnen Bürgers zu überwachen und auszuwerten, wird die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt. Auch sickerte jüngst durch, dass  selbst sämtliche EU-Behörden möglicherweise verwanzt und europäische Politiker abgehört wurden; die Überwachung geschäftlicher Kommunikation wirft zudem den Vorwurf der Wirtschaftsspionage auf.<br />
Die Reaktionen waren allen voran in Deutschland entsprechend massiv. SPD-Chef Sigmar Gabriel <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gabriel-fordert-ermittlungen-gegen-nsa-chef-a-909329.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sieht</a> in den Spähaktionen in der Verfassung geschützte Grundrechte gefährdet,<br />
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/gastbeitrag-leutheusser-schnarrenberger-ueber-prism-skandal-a-904884.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">forderte</a> von den USA volle Transparenz und Offenlegung aller Überwachungsaktivitäten.<br />
Doch die Maßnahmen zur Terrorabwehr ernten auch Lob. Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/lob-der-polizeigewerkschaft-fuersprecher-in-deutschland-fuer-obamas-netz-spionage/8319284.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wünscht sich</a> derartige Werkzeuge zur Verhinderung terroristischer Gefahr, wie es PRISM und Tempora sind, auch für die deutschen Sicherheitsbehörden. Und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-06/friedrich-verteidigt-obama" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bedankte sich</a> bei den USA für die Überwachung.<br />
Brauchen die deutschen Sicherheitsbehörden auch einen derart weitreichenden Zugang in die Privatsphäre der Bürger, um terroristische Angriffe zu unterbinden und die öffentliche Sicherheit gewährleisten zu können? politik-digital.de fragte bei zwei Experten nach: Hans-Peter Uhl (CSU) ist Vorsitzender der <a href="http://www.cducsu.de/Titel__innen/TabID__13/SubTabID__15/AGID__2/arbeitsgruppen.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arbeitsgruppe Innenpolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion</a> und Mitglied des Innenausschusses. Er sieht die Online-Durchsuchung und Quellen-Telekommunikationsüberwachung zu unrecht kritisiert und bezeichnet diese als grundrechtsschonende Maßnahmen.<br />
Der Künstler padeluun setzt sich mit dem <a href="http://digitalcourage.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verein Digitalcourage e.V.</a> für Bürgerrechte und Datenschutz ein. Für ihn stellen Geheimdienste Relikte des Imperialismus dar, die gegen den demokratischen Souverän arbeiten und vor allem Unsicherheit produzieren.<br />
<br/><div class="subcolumns">
             <div class="c75l">
               <div class="subcl">
                 <div class="entry-content-position">
                   </p>
<h2>Pro-Standpunkt von Dr. Hans-Peter Uhl</h2>
<p>Alle Nachrichtendienste, auch der Bundesnachrichtendienst, sind auf Informationen angewiesen. Ohne die Beschaffung von solchen, auch oftmals nicht offenen, Informationen können sie ihre Aufgabe nicht erfüllen. Insofern ist die Informationsbeschaffung durch Nachrichtendienste nicht bereits von vornherein verwerflich.<br />
Der Bundesnachrichtendienst geht aber einen anderen Weg als die jetzt öffentlich diskutierte Speicherung weitgehend aller Kommunikationsdaten wie dies offenbar die Vereinigten Staaten praktizieren.<br />
Bei der sogenannten strategischen Kontrolle des Bundesnachrichtendienstes wird ohnehin nur ein Teil der Kommunikation mit dem Ausland erfasst. Aus einer Menge verschiedener Gesprächsverbindungen werden dann mit Hilfe von Suchbegriffen einzelne aufgegriffen und ausgewertet – ein Bruchteil der Kommunikation überhaupt. Der weitaus überwiegende Teil wird erst gar nicht erfasst und wenn doch, nicht gespeichert.<br />
Dieses Verfahren dient dem Schutz unserer Bürger vor Terroranschlägen und Kriminalität. Es ist im Gesetz genau festgeschrieben. Der Kernbereich der privaten Lebensgestaltung wird beachtet. Das vom Deutschen Bundestag gewählte Parlamentarische Kontrollgremium überwacht das Verfahren. Der Bundesnachrichtendienst gibt hierüber für jeden nachlesbar regelmäßig Bericht.<br />
Nur so können wir legitime sicherheitsbehördliche Maßnahmen gleichzeitig effektiv und verhältnismäßig ausgestalten. Die zu Unrecht von einigen kritisierten Maßnahmen wie die Online-Durchsuchung und Quellen-Telekommunikationsüberwachung, bei der nur auf einzelne Computer zugegriffen wird, oder auch die Vorratsdatenspeicherung, bei der ein Teil der Verbindungsdaten für einen begrenzten Zeitraum gespeichert werden sollen, sind ebenso wie die strategische Überwachung zielgerichtete und grundrechtsschonende Maßnahmen.<br />
Wir suchen die Nadel im Heuhaufen. Die Vereinigten Staaten gehen offenbar weiter, indem sie den ganzen Heuhaufen aufheben.</p>
<h2>Contra-Standpunkt von padeluun</h2>
<p>Dank des Whistleblowers Edward Snowden, haben wir nun die gesicherte Erkenntnis, welchen Übergriffen wir Menschen sowie Politik und Wirtschaft täglich ausgesetzt sind. Und trotzdem glauben wir „irgendwie“, dass Geheimdienste für Sicherheit sorgen.<br />
Geheimdienste sind Relikte des Kolonialismus, der heute durchaus treffend Imperialismus genannt werden kann. Geheimdienste sind dafür da, Menschen zu belügen, sie zu verunsichern, Länder zu destabilisieren, gefügig zu machen und zu berauben. Sie führen nicht erklärte Kriege und provozieren damit Gegenschläge. Sie arbeiten für die Mächtigen statt für den demokratischen Souverän. Sie produzieren Unsicherheit.<br />
Geheimdienste stehen nicht für Sicherheit. Im Gegenteil. Für Sicherheit sorgen Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Geheimdienste sind dafür da, genau diese drei Ideale zu unterlaufen.<br />
Die Dienste werden (egal ob juristisch legal oder illegal) eingesetzt, um uns täglich zu verunsichern. Diese Verunsicherung funktioniert von ganz alleine: Da muss man nur behaupten, dass man alle Daten sehen und alle Telefonate mithören könne. Die Konklusion ist Geschichte, die sich im Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts bereits 1983 manifestierte: Menschen werden in ihren individuellen Entfaltungschancen beeinträchtigt. Auch das Gemeinwohl leidet, weil Selbstbestimmung eine elementare Funktionsbedingung eines auf Handlungsfähigkeit und Mitwirkungsfähigkeit seiner Bürger begründeten freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens ist.<br />
Von Helmut Kohl als unbestritten starke Führungspersönlichkeit wird kolportiert, dass er es sich leisten konnte, die täglichen Depechen des BND einfach nicht zu lesen. Chapeau!<br />
„Geheim“ bedeutet eigentlich „zum Hause gehörend“. Der Geheimrat Goethe hat „den Hof“ als kluger und gebildeter Mensch beraten – also das getan, was heute im Bundestag Expertenkommissionen tun. Dazu bedarf es keiner „geheimgehaltener“ Informationen. Sondern das kann nur eine gut ausgestattete Wissenschaft und NGO-Landschaft leisten.<br />
Fazit: Geheimdienste erzeugen Unsicherheit. Nur Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sorgen für Sicherheit. Diese Sicherheit kann (und darf) nicht garantiert werden, denn sonst wären wir auf dem Weg zum Totalitarismus. Deswegen: Freiheit statt Sicherheit. Deswegen: Freiheit statt Angst. Die Großdemonstration gleichen Namens findet zwei Wochen vor der Bundestagswahl am 7. September 2013 in Berlin statt.<br />

                 </div>
               </div>
             </div>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Absolute Sicherheit gibt es nicht&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotabsolute_sicherheit_gibt_es_nichtquot-502/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotabsolute_sicherheit_gibt_es_nichtquot-502/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alina Barenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Apr 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesnachrichtendienst]]></category>
		<category><![CDATA[Max Stadler]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Armee Fraktion]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b><span class="fett"> Am 24. April 2007 war der Vorsitzende des parlamentarischen
Kontrollgremiums, Max Stadler (FDP), zu Gast im tagesschau-Chat
in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Macht
des Parlamentes über den Bundesnachrichtendienst, den Umgang
mit RAF-Tätern und das Verhältnis von Sicherheit und Freiheit.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b><span class="fett"> Am 24. April 2007 war der Vorsitzende des parlamentarischen<br />
Kontrollgremiums, Max Stadler (FDP), zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Macht<br />
des Parlamentes über den Bundesnachrichtendienst, den Umgang<br />
mit RAF-Tätern und das Verhältnis von Sicherheit und Freiheit.</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
herzlich willkommen zum tagesschau-Chat. Unser Gast im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist heute Max Stadler, Vorsitzender des parlamentarischen Kontrollgremiums<br />
und FDP-Obmann im BND-Untersuchungsausschuss. Vielen Dank fürs<br />
Kommen, Herr Stadler. Neben Geheimdienstkontrolle und Innerer Sicherheit<br />
darf es natürlich auch um andere Themen gehen und Ihre Fragen<br />
können Sie natürlich wie immer jederzeit stellen, sie<br />
werden gesammelt. Können wir beginnen?<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mstadler85.jpg" alt="Max Stadler" align="right" height="106" width="85" />
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>sonja_braun:</b> Brauchen wir keinen Untersuchungsausschuss,<br />
um den RAF-Mord an Siegfried Buback aufzuklären? Warum reagiert<br />
die Politik hier so verhalten?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Wir brauchen den Ausschuss noch nicht,<br />
denn es gibt ja Aufklärungsmöglichkeiten im Parlamentarischen<br />
Kontrollgremium, das morgen tagt. Auch der Innenausschuss des Bundestages<br />
wird der Regierung kritische Fragen stellen. Erst wenn man dann<br />
keine befriedigenden Antworten erhalten haben sollte, wären<br />
weitere Schritte zu überlegen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Aber Sie schließen es nicht aus,<br />
dass dieses Thema Gegenstand eines Untersuchungsausschusses werde<br />
könnte?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Ein Untersuchungsausschuss befasst<br />
sich normalerweise mit Vorgängen, die noch nicht allzu lange<br />
zurückliegen. Hier steht ja der Vorwurf im Raum, dass in den<br />
80er Jahren Informationen zurückgehalten worden sind. Das liegt<br />
mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Deswegen glaube ich im Moment<br />
noch nicht, dass ein Untersuchungsausschuss kommen wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Grundsatzklärungsbedarf:
</p>
<p>
<b>unwissender:</b> Worin liegt eigentlich der Unterschied<br />
zwischen dem Untersuchungsausschuss und dem Parlamentarischen Kontrollgremium?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Das Parlamentarische Kontrollgremium<br />
tagt grundsätzlich geheim und darf nur ausnahmsweise seine<br />
Erkenntnisse veröffentlichen. Ein Untersuchungsausschuss tagt<br />
prinzipiell öffentlich und macht daher die Geschehnisse für<br />
die Bevölkerung transparenter.
</p>
<p>
<b>Paulchen:</b> Macht es Sinn, den RAF-Tätern so<br />
viel Medienaufmerksamkeit zu geben? Ein Mord mehr oder weniger &#8211;<br />
was macht das bei den begangenen Grausamkeiten für einen Unterschied?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Es ist richtig, dass es sich bei<br />
den RAF-Tätern meist um vielfache Mörder handelt. Aber<br />
wir haben aus Äußerungen von Angehörigen der Opfer<br />
gelernt, dass es für sie schon sehr bedeutsam ist, die wahren<br />
Tathergänge zu erfahren. Und auch die Öffentlichkeit hat<br />
daran ein Interesse.
</p>
<p>
<b>S.Habers:</b> Liegt hier nicht der Verdacht nahe,<br />
dass die Regierung dieses Thema mit der Begründung, die Geschehnisse<br />
seien schon so alt, unter den Tisch fallen lassen möchte?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Das wird der Regierung nicht gelingen.<br />
Denn selbst wenn wir uns nicht für einen Untersuchungsausschuss<br />
entscheiden sollten, gibt es für das Parlament ja andere Möglichkeiten<br />
der Kontrolle. Morgen tagt zum Beispiel der Innenausschuss, und<br />
ich bin sicher, dass sich dieses Gremium nicht mit einer mangelhaften<br />
Aufklärung zufrieden geben wird.
</p>
<p>
<b>gruenerlinker:</b> Was ist Ihre Position zum Fall<br />
Christian Klar? Saß er mehr oder weniger „unschuldig&quot;<br />
im Gefängnis?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Das ergibt sich ja auch aus den neuen<br />
Aussagen nicht. Christian Klar wurde als Mittäter verurteilt,<br />
und es wird ja nicht etwa behauptet, dass er bei der Ermordung von<br />
Herrn Buback nicht dabei gewesen sei.
</p>
<p>
<b>BNDler:</b> Sollte Christian Klar angesichts der neuen<br />
Entwicklungen im Fall Buback nicht begnadigt werden?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Das ist eine Entscheidung, die der<br />
Bundespräsident zu treffen hat. Es steht mir nicht zu, dem<br />
Bundespräsidenten Ratschläge zu geben. Ich glaube aber,<br />
dass die Neuentwicklung keinen besonderen Einfluss auf diese Entscheidung<br />
nehmen wird, sondern dass der Bundespräsident andere Faktoren,<br />
wie beispielsweise die schon lange Haftdauer von Christian Klar,<br />
in seine Entscheidung einbeziehen wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie waren Richter: Welche Faktoren<br />
werden noch bei einer solchen Begnadigung berücksichtigt &#8211;<br />
oder müssen berücksichtigt werden?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Wir müssen unterscheiden zwischen<br />
einer Entlassung auf Bewährung, die ein Gericht im Fall von<br />
Christian Klar im Jahre 2009 aussprechen könnte. Da kommt es<br />
vor allem auf die Frage an, ob der Verurteilte heute noch eine Gefahr<br />
für die Gesellschaft darstellt. Also auf die so genannte soziale<br />
Prognose. Bei einer Gnadenentscheidung durch den Bundespräsidenten<br />
ist dieser völlig frei, nach welchen Gesichtspunkten er entscheidet.
</p>
<p>
<b>moeglichewelten:</b> Sind Klars jüngste antikapitalistischen<br />
Meinungsäußerungen als juristische Argumentationsgrundlage<br />
gegen Hafterleichterung et cetera heranziehbar, beziehungsweise<br />
gerichtlich verwertbar?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Es gibt kein Gesinnungsstrafrecht.<br />
Deswegen spielt es keine Rolle, welche politischen Auffassungen<br />
jemand äußert. Entscheidend ist nur, ob daraus ein Schluss,<br />
zum Beispiel auf fortbestehende Gewaltbereitschaft gezogen werden<br />
könnte. Dies haben dann unabhängige Richter zu entscheiden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und Ihre Bewertung der Entscheidung<br />
für Hafterleichterungen?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Wir haben Gewaltenteilung. Richter<br />
entscheiden unabhängig von der Meinung von Parlamentariern.<br />
Soweit ich das mitbekommen habe, hat das Gericht in vorsichtiger<br />
Weise Vollzugslockerungen beschlossen, wie sie durchaus üblich<br />
sind, bevor ein Gefangener später in die Freiheit entlassen<br />
wird. Ich habe dies nicht zu kritisieren.
</p>
<p>
<b>heintje:</b> Warum, wenn es denn so wäre, hat<br />
die Regierung Informationen über den richtigen Tathergang im<br />
Fall Buback zurückgehalten? Welche Gründe und Motive könnte<br />
Sie gehabt haben?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Darüber kann ich im Moment auch<br />
nur spekulieren. Denkbar wäre, dass die Informationen nicht<br />
beweiskräftig genug waren für ein Gerichtsverfahren. Möglich<br />
wäre auch, dass man Informanten nicht nennen wollte, um sie<br />
zu schützen. Dann hätte aber ein Weg gefunden werden müssen,<br />
die Informationen in anonymisierter Form der Justiz zur Verfügung<br />
zu stellen. Daher warte ich selber mit Spannung darauf, welche Erklärung<br />
die Bundesregierung geben wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie werden sich morgen im Kontrollgremium<br />
mit den Vorwürfen an die Geheimdienste in Sachen Buback-Mord<br />
auseinander setzen. Wie wird das konkret ablaufen? Kommen da Akten<br />
auf den Tisch, gibt es eine Power-Point-Präsentation oder wie<br />
muss man sich das vorstellen?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Die Bundesregierung gibt dem Kontrollgremium<br />
einen Bericht, der logischerweise erst einmal ihre Sicht der Dinge<br />
enthält. Wenn uns das nicht ausreichend erscheint, haben wir<br />
die Möglichkeit, Akten einzusehen. Das schärfste Schwert<br />
bleibt natürlich ein Untersuchungsausschuss. Einen solchen<br />
haben wir vor gut einem Jahr zu anderen Themen genau deswegen beschlossen,<br />
weil damals die Berichte der Bundesregierung im Kontrollgremium<br />
offenkundig lückenhaft waren.
</p>
<p>
<b>Thoms L.:</b> Ich habe manchmal das ungute Gefühl,<br />
das das Recht in diesem Land nicht für jeden gleich ausgelegt<br />
wird. Wie denken Sie darüber?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Das wäre das Schlimmste, was<br />
einer Rechtsordnung passieren kann, wenn die Bürger das Gefühl<br />
haben, dass ihr Grundrecht auf Gleichbehandlung nicht ernst genommen<br />
würde. Deswegen gibt das Grundgesetz der Politik und allen<br />
staatlichen Behörden den Auftrag, gleiche Sachverhalte gleich<br />
zu behandeln. Dass dies nicht immer eingehalten wird, zeigen viele<br />
Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, mit denen Gesetze<br />
wegen eines Verstoßes gegen den Gleichheitsgrundsatz aufgehoben<br />
worden sind.
</p>
<p>
<b>ursel:</b> Müssen die Kontrollbefugnisse des<br />
Parlamentes Ihrer Meinung nach erweitert werden? Wie weit könnten<br />
diese gehen?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Eindeutig ja. Derzeit ist das Kontrollgremium<br />
darauf angewiesen, dass die Bundesregierung von sich aus über<br />
wichtige Vorgänge berichtet. Oder dass die Medien bestimmte<br />
Missstände aufdecken. Ein Reformvorschlag lautet daher, den<br />
Mitarbeitern der Geheimdienste das Recht zu geben, sich unmittelbar<br />
an das Kontrollgremium zu wenden, wenn sie uns Fehlentwicklungen<br />
mitteilen wollen. Dieses Recht gibt es bisher nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie setzen also auch ein bisschen auf<br />
die Selbstkontrolle der Geheimdienste &#8211; wo man doch sagt, eine Krähe<br />
hackt der anderen kein Auge aus.
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Aber genau die Insider wissen doch<br />
am Besten, was in ihren Behörden schief läuft. Wenn man<br />
sie zum Stillschweigen verurteilt, ist es natürlich umso schwieriger<br />
für ein Kontrollgremium, wirklich zu erfahren, was gespielt<br />
wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sehr braucht das Kontrollgremium<br />
das Interesse der Öffentlichkeit? Ohne Öffentlichkeit<br />
versanden die Untersuchungen, oder?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Untersuchungsausschüsse brauchen<br />
auf alle Fälle das Interesse der Öffentlichkeit. Wir haben<br />
im BND-Untersuchungsausschuss gesehen, dass sich aufgrund der öffentlichen<br />
Berichterstattung Zeugen gemeldet haben, von denen wir bis dahin<br />
gar nichts wussten. Das Kontrollgremium tagt bekanntlich geheim.<br />
Da müssten die Möglichkeiten erweitert werden, die Öffentlichkeit<br />
zumindest nach den Sitzungen besser als bisher über die Ergebnisse<br />
zu informieren.
</p>
<p>
<b>Joachim:</b> Wie kann man Geheimdienste vernünftig<br />
kontrollieren, wenn sie sich ständig weigern, Informationen<br />
herauszurücken (mit dem Argument des Quellenschutzes)? Stellen<br />
sie nicht einen „Staat im Staate&quot; dar? Vielen Dank für<br />
Ihre Antworten.
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Geheimdienste lassen sich nach meiner<br />
Erfahrung in der Tat nicht hundertprozentig kontrollieren durch<br />
ein parlamentarisches Gremium. Dennoch ist die Bereitschaft der<br />
Dienste, sich der Aufsicht des Parlaments zu stellen, in den letzten<br />
Jahren deutlich gewachsen. Die Hauptverantwortung für die Kontrolle<br />
trägt übrigens das Bundeskanzleramt.
</p>
<p>
<b>stenzel2:</b> Sie haben die Bundesregierung für<br />
ihr Vorgehen im Fall Kurnaz scharf kritisiert. Muss aber nicht Terrorabwehr<br />
Vorrang vor Einzelschicksalen haben?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Das ist die zentrale Frage im Fall<br />
Kurnaz. Meiner Meinung nach muss auch bei der Terrorabwehr beachtet<br />
werden, welche Auswirkungen staatliche Maßnahmen auf das Schicksal<br />
eines einzelnen Menschen haben. Wenn man wie gegenüber Herrn<br />
Kurnaz eine Einreisesperre verhängt, dann braucht man dafür<br />
schon Beweise, die es eben gegen Herrn Kurnaz nicht in ausreichender<br />
Form gegeben hat.
</p>
<p>
<b>norton:</b> Wie hätte sich die Bundesregierung<br />
Ihrer Meinung nach im Fall Kurnaz verhalten sollen?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Die Bundesregierung hätte sich<br />
vergewissern müssen, ob &#8211; wie sie nur vermutet hat &#8211; die Türkei<br />
bereit war, ihren Staatsbürger Murat Kurnaz aus Guantanamo<br />
herauszuholen. Da dies nicht geschehen ist und Herr Kurnaz in Deutschland<br />
geboren ist und ausschließlich hier gelebt hat, hätte<br />
sich die Bundesregierung bei den USA für die Freilassung und<br />
Wiedereinreise von Herrn Kurnaz einsetzen müssen. Genau dies<br />
hat übrigens später die neue Bundeskanzlerin Angela Merkel<br />
getan.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Machen Sie da einen Unterschied bei<br />
Ihrer Forderung hinsichtlich der Lage 2002 und der Situation 2005?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Diesen Unterschied nimmt ja Herr<br />
Steinmeier für sich in Anspruch. Ich kann aber nicht verstehen,<br />
warum Herr Steinmeier als Außenminister im Jahre 2006 bei<br />
den USA gemeinsam mit Frau Merkel die Freilassung von Herrn Kurnaz<br />
aus Guantanamo betrieben hat, im Jahre 2002 dagegen mitentschieden<br />
hat, dass es eine Einreisesperre gegen Kurnaz gab. Ich kann nicht<br />
erkennen, warum man im Jahre 2002 nicht schon genauso gehandelt<br />
hat, wie dann später im Jahr 2006.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal zum gleichen Thema:
</p>
<p>
<b>recht:</b> Wieso sollte denn die Bundesregierung für<br />
Kurnaz verantwortlich gewesen sein, wenn dieser doch meines Wissens<br />
türkischer Staatsbürger ist?
</p>
<p>
<b>claus:</b> Weshalb lag die Verantwortung für<br />
Murat Kurnaz Ihrer Meinung nach bei der Bundesregierung und nicht<br />
bei der türkischen Regierung?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Ich bin auch der Meinung, dass es<br />
eine Verantwortung der türkischen Regierung gab. Aber da Herr<br />
Kurnaz seit seiner Geburt in Deutschland lebte, gab es eben auch<br />
eine menschliche Verantwortung der Bundesregierung, wenn auch keine<br />
juristische. Vielleicht ist ein Vergleich erlaubt: Wenn in meinem<br />
Haus ein Mieter lebt, bin ich als Hausherr für ihn nicht so<br />
verantwortlich, wie für meine eigenen Familienangehörigen.<br />
Aber doch stärker verantwortlich als für einen wildfremden<br />
Dritten.
</p>
<p>
<b>Thoms L.:</b> Ich denke, dass seit einiger Zeit im<br />
Namen der Terrorabwehr immer mehr Kontrollen für den Bürger<br />
eingeführt wurden. Kann es sein, das man so die freiheitlichen<br />
Grundrechte einer Demokratie untergräbt?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Ja, leider sehe ich genau diese Tendenz.<br />
Auch durch eine gute Absicht, nämlich unbestreitbare Gefahren<br />
durch den Terrorismus abzuwehren, ist der Staat nicht davor gefeit,<br />
bei seinen Maßnahmen über das Ziel hinaus zu schießen.<br />
So hat das Bundesverfassungsgericht beispielsweise den Gesetzgeber<br />
korrigieren müssen, als eine Mehrheit im Bundestag gegen die<br />
Stimmen der FDP beschlossen hatte, den Abschuss von Passagierflugzeugen<br />
zuzulassen und damit das Leben unschuldiger Passagiere und der Flugzeugbesatzung<br />
zu vernichten.
</p>
<p>
<b>TheoLodz:</b> Herr Stadler, was sagen Sie zu der Niederlage<br />
Schäubles bei der Fingerabdruckdiskussion? Lehnt er sich mit<br />
seinen Forderungen zu weit aus dem Fenster?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Leider hat in der Vergangenheit die<br />
SPD, und vor allem auch Bundesjustizministerin Zypries, schon viel<br />
zu vielen Gesetzen zugestimmt, die die Freiheit unnötig einschränken.<br />
Zuletzt hat die Regierung ja beschlossen, dass alle unsere Telefonverbindungsdaten<br />
für sechs Monate gespeichert werden, also Millionen Daten unverdächtiger<br />
Bürgerinnen und Bürger. Daher war es höchste Zeit,<br />
dass endlich einmal Herr Schäuble sich in der Frage der Fingerabdrücke<br />
nicht durchgesetzt hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das Thema „Fingerabdruck-Abruf<br />
online“ für die Polizei, ob zentral oder dezentral, für<br />
Sie endgültig vom Tisch?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Leider nein. Die Sachverständigenanhörung<br />
im Innenausschuss hat gestern ergeben, dass es am Besten wäre,<br />
auf Fingerabdrücke in Reisepässen völlig zu verzichten.<br />
Die Gefahr eines Missbrauchs von kopierten biometrischen Daten ist<br />
nicht auszuschließen. Außerdem befürchte ich, dass<br />
die Regierung doch über kurz oder lang wieder mit der Forderung<br />
nach einer zentralen Fingerabdruckdatei kommen wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Schäubles Salamitaktik?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Man hat den Eindruck, dass Herr Schäuble<br />
eine so große Zahl offenkundig undurchsetzbarer Vorschläge<br />
macht, um im Wege des „Kompromisses&quot; dann doch einiges<br />
durchzubringen. Dagegen hilft nur eine aufmerksame, kritische Öffentlichkeit<br />
und eine konsequente Opposition im Bundestag.
</p>
<p>
<b>harry:</b> Der nordrhein-westfälische Innenminister<br />
Wolf (FDP) ist weiterhin für Online-Durchsuchungen, zum Beispiel<br />
bei Terrorverdacht. Die Bundes-FDP spricht sich klar dagegen aus.<br />
Warum?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Bisher gab es bereits Online-Durchsuchungen<br />
von Privat-PCs ohne rechtliche Grundlage. Minister Wolf ist der<br />
Meinung, dass man diesen Wildwuchs beschneiden muss, indem man für<br />
Online-Durchsuchungen strenge Kriterien formuliert. Seine Absicht<br />
besteht also darin, Online-Durchsuchungen einzuschränken. Die<br />
FDP-Bundestagsfraktion geht aber noch einen Schritt weiter und möchte<br />
auf dieses Mittel ganz verzichten, weil heimliches Mitlesen des<br />
Staates in privaten PCs unserer Meinung nach zu stark in die Intimsphäre<br />
eingreift.
</p>
<p>
<b>recht:</b> Was geht denn Ihrer Meinung nach vor? Recht<br />
auf Privatsphäre oder Recht auf Sicherheit? Ist beides noch<br />
miteinander vereinbar?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Ich versuche, eine Lösung darin<br />
zu finden, dass der Staat bei allen Maßnahmen für die<br />
Sicherheit so wenig wie möglich in die Privatsphäre eingreifen<br />
darf. Unter Juristen nennt man dies den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit<br />
der Mittel. Da es absolute Sicherheit nicht gibt, wäre zu viel<br />
von unserer persönlichen Freiheit verloren, wenn, beispielsweise<br />
beim Abhören von Telefonen und beim Mitlesen von Briefen oder<br />
E-Mails, sich der Staat nicht mehr auf das unbedingt Notwendige<br />
beschränken würde.
</p>
<p>
<b>utelemper:</b> Wieso kann Schäuble für so<br />
einen irren Plan („Bundestrojaner“) eine Mehrheit bekommen?<br />
Wird die Angst vor Terror nicht zu übertrieben dargestellt?<br />
Nutzt Schäuble die Angstmache nicht einfach, um seine „Stasi<br />
2.0 &quot;-Pläne durchzusetzen?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Wir haben tatsächlich erlebt,<br />
dass nach jedem schlimmen Vorfall, wie beispielsweise den Bombenanschlägen<br />
in Madrid oder London oder den versuchten Anschlägen mit Kofferbomben<br />
auf Bahnhöfen in Deutschland, manche Politiker sofort reflexartig<br />
nach schärferen Gesetzen rufen. Die FDP plädiert für<br />
eine besonnene Innenpolitik. Ich hoffe, dass sich im Bundestag immer<br />
mehr Abgeordnete unserer Position anschließen.
</p>
<p>
<b>Xabbu:</b> Wie sehen Sie die Gefahr des Missbrauchs<br />
bei der Online-Durchsuchung? Der Ermittler wäre in der Lage,<br />
die angeblichen Beweise selber hochzuladen.
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Da diese Gefahr des Missbrauchs nicht<br />
völlig auszuschließen ist &#8211; obwohl ich unseren Behörden<br />
die von Ihnen genannte Schweinerei nicht zutraue &#8211; ist es besser,<br />
wenn der Gesetzgeber den Plänen für eine heimliche Online-Durchsuchung<br />
von PCs die rote Karte zeigt. Wenn dies der Bundestag nicht tut,<br />
wird das Bundesverfassungsgericht solche Gesetze stoppen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Für den Fall, dass man brisantes<br />
Wissen hat:
</p>
<p>
<b>Joachim:</b> Wie kann der Bürger an das parlamentarische<br />
Kontrollgremium herantreten?
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Das Kontrollgremium hat ein Sekretariat,<br />
das unter der Adresse des Bundestages erreichbar ist und mit dem<br />
man sich in Verbindung setzen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
bei tagesschau.de und politik-digital.de. Vielen Dank Herr Stadler,<br />
dass Sie sich Zeit genommen haben. Das Protokoll des Chats ist wie<br />
immer in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team dankt<br />
allen Teilnehmern für Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen<br />
und wünscht noch einen angenehmen Tag.
</p>
<p>
<b>Max Stadler:</b> Dankeschön. Ich wünsche<br />
auch allen Teilnehmern und allen, die mitgelesen haben, einen schönen<br />
Dienstag.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Den Grünen wird der Untersuchungsausschuss nicht unbequem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Dienstag, 17. Januar, war Christine Scheel, MdB 
der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de. Hauptthema des tagesschau-Chats 
in Kooperation mit politik-digital.de war die angebliche BND-Hilfe 
Deutschlands für die USA im Irak-Krieg.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Dienstag, 17. Januar, war Christine Scheel, MdB<br />
der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de. Hauptthema des tagesschau-Chats<br />
in Kooperation mit politik-digital.de war die angebliche BND-Hilfe<br />
Deutschlands für die USA im Irak-Krieg.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, Geheimdienst-Freunde<br />
und -Gegner, herzlich willkommen beim Tagesschau-Chat. Zum Chat<br />
ist heute Christine Scheel, Abgeordnete von Bündnis 90/Grüne<br />
im Bundestag ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Wie immer können<br />
Fragen zu allen Themen gestellt werden, egal ob Bundesnachrichtendienst,<br />
die neue Fürsorge der Politik für die Kindererziehung<br />
oder die beliebte Mehrwertsteuererhöhung wir sammeln und „arbeiten<br />
ab“. Können wir beginnen Frau Scheel?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Gerne.
</p>
<p>
<b>Hortensius:</b> Frau Scheel, liegt es nicht im Interesse<br />
der Bundesrepublik Deutschland, wenn Bundesnachrichtendienst und<br />
Militärischer Abschirmdienst auch mit anderen Geheimdiensten<br />
kooperieren, sofern dieses indirekt auch Interessen der BRD nutzt<br />
(In diesem Falle denke ich da auch an einen Nutzen für die<br />
offizielle Kooperation mit betroffenen Staaten) ?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich denke auch, dass es Aufgabe<br />
des Geheimdienstes ist, auch im Interesse der Bundesrepublik, dass<br />
Kooperationen stattfinden. Es ist aber auch Aufgabe der Geheimdienste<br />
sich an Vorgaben der Länder, die sie entsenden, zu halten.<br />
D.h. Kooperation ja, aber kein Eigenleben gegen staatlich-politische<br />
Interessen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Können Sie sich<br />
vorstellen, dass der Bundesnachrichtendienst auf eigene Faust handelte?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das ist genau das, was wir nicht<br />
wissen. Der Bundesnachrichtendienst hat dem damaligen Kanzleramtsminister<br />
Steinmeier berichtet und inwieweit einzelne Aktivitäten dort<br />
oder im Kanzleramt vorgestellt wurden wissen wir nicht.
</p>
<p>
<b>geh-heim-dienst:</b> Ich bin gespannt, was wir von<br />
einem Untersuchungsausschuss erwarten können. Ich denke: Nichts!<br />
immerhin arbeiten Geheimdienste absichtlich geheim.
</p>
<p>
<b>athlet1:</b> Was bringt ein Untersuchungsausschuss<br />
den Bürgern, wenn sie aus Gründen der Geheimhaltung nicht<br />
viel mehr erfahren als vorher?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wir sind derzeit in der Diskussion<br />
darüber, was überhaupt von einem Untersuchungsausschuss<br />
erwartet werden kann. Deswegen ist die Fragestellung richtig. Andererseits<br />
stellt sich schon die Frage, inwieweit sich Geheimdienste verselbstständigt<br />
haben und inwieweit es Grenzen der Geheimhaltung gibt. D.h. Geheimdienste<br />
können nicht alles tun, was sie sich vorstellen.
</p>
<p>
<b>Lehrmo:</b> Frau Scheel, halten Sie es für richtig,<br />
ein Problem mit einem staatlichen Instrument wie dem Bundesnachrichtendienst<br />
öffentlich zu diskutieren? Wäre es nicht vielmehr sinnvoller<br />
so etwas intern zu klären?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ja, da schlagen zwei Herzen<br />
in meiner Brust. Zum einen hat die Öffentlichkeit schon den<br />
Anspruch zu erfahren, dass die politische Entscheidung der Nichtteilnahme<br />
am Irakkrieg auch so gelebt wurde. Zum anderen werden Aufgaben,<br />
die Geheimdienste haben, vielleicht in ein falsches Licht gestellt.<br />
So ist es selbstverständlich, dass die Geheimdienste weltweit<br />
Entwicklungen beobachten, um ihren jeweiligen Ländern auch<br />
Informationen geben zu können. Ansonsten müssten wir auf<br />
andere Geheimdienste zurückgreifen, was ich ziemlich unsinnig<br />
finde.
</p>
<p>
<b>FredMueller:</b> Warum sind die Grünen überhaupt<br />
so erpicht auf einen Untersuchungsausschuss? Schließlich tragen<br />
Sie in diesem Fall die Verantwortung mit, als ehemalige Regierungspartei.
</p>
<p>
<b>laurin:</b> Wieso wollen die Grünen einen Untersuchungsausschuss?<br />
Es geht doch immerhin um eine Affäre aus der Regierungszeit<br />
der Grünen! Es scheint nur eine Abwehrreaktion zu sein. Nach<br />
dem Motto: wenn wir uns jetzt darüber empören, dann denken<br />
die anderen, wir wissen gar nichts davon!
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Die Grünen haben sich mit<br />
der Frage Untersuchungsausschuss &#8216;ja’ oder &#8216;nein’ ganz<br />
aktuell erst festgelegt, weil unsere zuständigen Innenpolitiker<br />
viele Fragen haben, die nicht beantwortet sind. Die Entscheidung,<br />
einen Untersuchungsausschuss einzusetzen darf grundsätzlich<br />
nicht davon abhängig sein, ob Untersuchungen in die eigene<br />
Regierungszeit fallen oder nicht. Es geht um größtmögliche<br />
Transparenz.
</p>
<p>
<b>Fragensteller100:</b> Halten Sie es für möglich,<br />
dass ein Untersuchungsausschuss für die Grünen unbequem<br />
werden könnte? Schließlich waren Sie sieben Jahre lang<br />
an der verantwortlichen Regierung beteiligt, auch wenn die Zuständigkeit<br />
für den Bundesnachrichtendienst beim Kanzleramt liegt.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das halte ich nicht für<br />
möglich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt Sie gehen davon aus,<br />
dass auch Außenminister Fischer über diese Vorgänge<br />
&#8211; soweit sie stattgefunden haben &#8211; nicht informiert war?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Meines Wissens hat der ehemalige<br />
Außenminister sich dahingehend geäußert, dass schon<br />
klar war, dass Geheimdienste unterwegs sind, aber über die<br />
Berichterstattungen in den Medien über das Verhalten der Dienste<br />
entsetzt gezeigt.
</p>
<p>
<b>Vall:</b> Sehr geehrte Frau Scheel hat denn Ihre Fraktion<br />
sich nicht während des Irak-Konfliktes mit Hilfe des Bundesnachrichtendienstes<br />
über Vorgänge im Irak direkt informiert? Da Ihre Fraktion<br />
mit an der Regierung beteiligt war ist doch davon auszugehen, dass<br />
zumindest einige Damen oder Herren über diese Vorgänge<br />
informiert waren.
</p>
<p>
<b>athlet1:</b> Frau Scheel, was für einen Einblick<br />
haben Politiker beim Bundesnachrichtendienst eigentlich? Und wie<br />
können sich &#8216;einfache Bürger&#8217; einen Einblick verschaffen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Es gibt die parlamentarischen<br />
Kontrollgremien, die auch über die Arbeit von Geheimdiensten<br />
informiert werden. Allerdings unter Geheimhaltungsregeln, so dass<br />
auch die Fraktion nicht über die Inhalte der Diskussion in<br />
diesen Gremien informiert wird. D.h. für mich persönlich,<br />
dass ich nicht weiß, was der Bundesnachrichtendienst tut.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Einfach, weil mit ja oder nein zu beantworten:
</p>
<p>
<b>Fragensteller100:</b> Wenn es Ihnen um größtmögliche<br />
Transparenz geht und es keinen Unterschied machen soll, ob Untersuchungen<br />
in die eigene Regierungszeit fallen oder nicht: Würden sie<br />
auch dann einen Untersuchungsausschuss fordern, wenn Sie nach wie<br />
vor Regierungsverantwortung tragen würden?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>modtiger:</b> Wie oft tagen die parlamentarischen<br />
Kontrollgremien?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich glaube einmal im Monat,<br />
bin aber nicht sicher, ob es nicht einen unregelmäßigen<br />
Rhythmus je nach Arbeitsanfall gibt. D.h. wenn Diskussionen aufkommen,<br />
wird dieses Kontrollgremium einberufen.
</p>
<p>
<b>rolf.meyer.hl:</b> Angenommen es würde sich in<br />
einem Untersuchungsausschuss herausstellen, dass der Bundesnachrichtendienst<br />
mehr am Krieg involviert war als bisher bekannt. Was würde<br />
dann geschehen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Dann müssten die Bundesnachrichtendienst-Beamten<br />
mit Konsequenzen zu rechnen haben.
</p>
<p>
<b>Crespo R: </b>Sind sie nicht der Meinung, dass eventuell<br />
Geheimdienste anderen realpolitischen Realitäten ausgesetzt<br />
sind als Bundestagsfraktionen und deswegen dort auch nicht mit demselben<br />
Maß gemessen werden sollte?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das ist sehr schwierig zu beurteilen.<br />
Selbstverständlich sind Geheimdienste anderen Realitäten<br />
ausgesetzt. Aber was bedeutet beispielsweise Unterstützung<br />
der Geheimdienste im Irak? Kann eine Warnung „hier steht ein<br />
Krankenhaus“ schon als Unterstützung gewertet werden<br />
oder dient es eher dem Schutz der Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>David23:</b> Ich habe kürzlich die These gehört,<br />
dass Amerika versucht, die alte Bundesregierung in Misskredit zu<br />
bringen. Prof. Eenboom sagte das, glaube ich. Und ich kann mir ehrlich<br />
gesagt nicht vorstellen, dass die Kriegsführung der USA auf<br />
Informationen zweier Bundesnachrichtendienst-Mitarbeiter angewiesen<br />
war. Die Versorgung der eigenen Regierung mit Infos ist doch legitim,<br />
selbst eine Information der USA über zivile Einrichtungen ist<br />
in Ordnung, wenn man Leben retten wollte.
</p>
<p>
<b>letizia:</b> Frau Scheel, glauben Sie, dass hinter<br />
den Enthüllungen der letzten Tage eine US-Kampagne steckt?<br />
Eine Parallele mit den CIA-Flügen lässt sich ja unweigerlich<br />
ziehen und erweckt so zumindest den Anschein.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Diesen Verdacht habe ich auch.<br />
Denn es ist schon sehr eigenartig, dass diese Debatte gerade jetzt<br />
auftaucht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wen sehen Sie hinter einer solchen<br />
Debatte? Wer könnte Sie ausgelöst haben mit welchen Interessen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Es ist ja in den USA nicht auf<br />
Freude gestoßen, dass Deutschland sich nicht am Irakkrieg<br />
beteiligt hat und somit könnte es durchaus im Interesse der<br />
amerikanischen Regierung liegen, hier politisch etwas zu zündeln.
</p>
<p>
<b>NahOstPolitik:</b> Wie glaubwürdig ist jetzt<br />
noch die Nicht-Beteiligung am Irak-Krieg?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Die politischen Entscheidungen<br />
sind eindeutig: Nicht-Beteiligung.
</p>
<p>
<b>bdoren:</b> Sehr geehrte Frau Scheel, zuerst möchte<br />
ich sagen, dass auch ich eine vollkommene Aufklärung befürworte.<br />
Haben Sie jedoch keine Angst davor, dass eine Aufklärung die<br />
pazifistische Grundhaltung Ihrer Partei und der Regierung in der<br />
Irak-Frage jegliche Glaubwürdigkeit raubt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Vielleicht dient diese Diskussion<br />
auch dazu, deutlich zu machen, welche Aufgaben Geheimdienste haben.<br />
Damit in der Bevölkerung auch transparenter wird, dass die<br />
Anwesenheit von Beamten, in dem Fall im Irak, nicht automatisch<br />
etwas mit Kriegsbeteiligung zu tun haben muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vorausgesetzt die Vorwürfe sind<br />
stichhaltig:
</p>
<p>
<b>666:</b> Wurde Deutschland durch die Veröffentlichungen<br />
der ARD bezüglich der Bundesnachrichtendienst-Aktivitäten<br />
in Bagdad in den Fokus international operierender Terrorgruppen<br />
gerückt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Diese Befürchtung gibt<br />
es, allerdings glaube ich, dass internationale Gruppen, Terrorgruppen,<br />
auch wissen, dass Geheimdienste vor Ort sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mehre Nachfragen in Sachen Lancierung<br />
der Geheimdienst-Informationen:
</p>
<p>
<b>Joschka:</b> Wollen Sie ernsthaft die USA bezichtigen?<br />
Ist das nicht zu einfach?
</p>
<p>
<b>Jack: </b>Aber wieso kommen diese Enthüllungen<br />
dann genau jetzt, wenn es eine Kampagne ist?
</p>
<p>
<b>joey:</b> Frau Scheel, glauben sie Präsident<br />
Bush, dass er nichts von den Bundesnachrichtendienst Aufenthalten<br />
wusste?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich weiß nicht, woher<br />
diese Informationen kommen. Vielleicht gibt es auch das Interesse,<br />
der rot-grünen Regierung im nachhinein Schaden zufügen<br />
zu wollen, indem eine Debatte angestoßen wird, die alle möglichen<br />
Sachverhalte vermischt, um das Image der alten Regierung im Blick<br />
auf das Verhalten zum Irakkrieg zu ramponieren. Ich glaube, dass<br />
es vorwiegend auch der Versuch ist, den Grünen zu unterstellen,<br />
wir hätten das alles wissen sollen. Was mitnichten der Fall<br />
ist. Ob der Präsident Bush davon wusste weiß ich nicht.
</p>
<p>
<b>Vall:</b> Sehr geehrte Frau Scheel, denken Sie nicht,<br />
dass Beschuldigungen gegen die US-Regierung, die auf Spekulationen<br />
beruhen, etwas zu weit gehen und somit sehr vorsichtig eingesetzt<br />
werden sollten?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich bin ja sehr vorsichtig.<br />
Vermutungen sind Vermutungen und nicht mehr.
</p>
<p>
<b>Alejandro:</b> Beweist die aktuelle Debatte über<br />
den Bundesnachrichtendienst nicht die Ohnmacht unserer Demokratie?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Dies wäre eine gute Begründung,<br />
einen Untersuchungsausschuss einzusetzen und die Grenzen auszuloten,<br />
inwieweit sich Geheimdienste über demokratisch getroffene parlamentarische<br />
Entscheidungen hinwegsetzten können. Ich finde, das dürfen<br />
sie nicht. Darüber ist zu reden.
</p>
<p>
<b>Hortensius: </b>Ein Blick über die derzeitige<br />
Situation hinaus: Inwiefern macht es im Rahmen der immer größer<br />
werdenden staatlichen Einheit eigentlich Sinn, noch nationale Geheimdienste<br />
zu haben? Wäre es nicht sinnvoller, einen europäischen<br />
Geheimdienst einzurichten, der dann der Kontrolle durch das EU-Parlament<br />
unterliegt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Diese Diskussion wird geführt.<br />
Inwieweit es sinnvoll ist, einen europäischen Geheimdienst<br />
einzurichten, hängt natürlich auch davon ab, inwieweit<br />
sich die einzelnen Staaten darauf verständigen können,<br />
dass die Kontrolle nur durch das Europäische Parlament vorgenommen<br />
wird. Die politischen Entscheidungen in Bezug auf die Beteiligung<br />
am Irakkrieg der einzelnen EU-Staaten haben gezeigt, dass es durchaus<br />
auch unterschiedliche Interessen gibt.
</p>
<p>
<b>NahOstPolitik:</b> Würde ein Beschluss des Bundestages<br />
gegen Mitarbeit von Ermittlungsbehörden mit Folterstaaten nicht<br />
helfen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wer definiert, wer ein Folterstaat<br />
ist? Deutschland hat sich sehr klar gegen jegliche Foltermethoden<br />
ausgesprochen und die Debatte um Guantanamo wird jetzt auch in der<br />
neuen Regierung geführt. Wir Grünen haben hier eine eindeutige<br />
Position.
</p>
<p>
<b>Splitter:</b> Welche Gemeinsamkeiten stellen Sie mit<br />
den anderen Parteien in der Opposition nach fast 100 Tagen der neuen<br />
Regierung fest? Kann diese Konstellation überhaupt eine echte<br />
oppositionelle Position schaffen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Es gibt Gemeinsamkeiten in der<br />
Beschreibung der Notwendigkeiten zur Reformierung der sozialen Sicherungssysteme<br />
oder einer nachhaltigen Haushaltpolitik. Allerdings ist es nun Aufgabe<br />
der Opposition, dies auch einzufordern oder auch eigene Vorschläge<br />
zu machen, um die notwendigen Reformen sehr zügig auf den Weg<br />
zu bekommen. Bislang sehen wir, dass alle komplizierteren Sachverhalte<br />
von der Unternehmensbesteuerung bis zur Frage Gesundheitspolitik<br />
auf die lange Bank geschoben werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Sachen &quot;Wachstums&quot;-Milliarden-Investitionsprogramm<br />
der schwarz-roten Regierung:
</p>
<p>
<b>schnucki:</b> Hallo Frau Scheel. Sie behaupten, dass<br />
die 25 Milliarden Euro ein Schummelpaket seien. Was genau sind dafür<br />
die Gründe? Ist der Betrag zu niedrig oder halten Sie prinzipiell<br />
nichts von diesen keynesschen Ansätzen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Keynessche Ansätze kurz gesagt:<br />
staatliche Investitionen um die Konjunktur in schlechten Zeiten<br />
anzukurbeln.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Viele Maßnahmen in diesem<br />
Paket sind bereits beschlossene Sachen, z.B. ist das Programm zur<br />
energetischen Altbausanierung bereits bei der Kreditanstalt für<br />
Wiederaufbau, die zur 80 % dem Bund gehört. Auch andere Maßnahmen<br />
gibt es bereits im Steuerrecht und sie wurden lediglich befristet<br />
ausgeweitet. Auf der anderen Seite wird man mit Steuererhöhungen<br />
weitaus mehr Einnahmen haben, als für diese Programme jetzt<br />
ausgegeben wird.
</p>
<p>
<b>Mooshammer:</b> Frau Scheel, wie schätzen Sie<br />
die Entwicklung der Konjunktur in Deutschland ein? Wird es nach<br />
einem leichten Aufschwung in 2006 wieder eine kleine Rezession in<br />
2007 geben, wie von einigen Wirtschaftsexperten befürchtet?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das ist im Moment wirklich sehr<br />
schwer zu sagen. Ich habe festgestellt, dass die Prognosen von Wirtschaftsexperten<br />
in den letzten Jahren selten so eingetroffen sind. Es wird darauf<br />
ankommen, wie die Gesamtstimmung in Deutschland sein wird und natürlich<br />
für ein Exportland wie Deutschland auf die weltweiten Entwicklungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Interessant, aber sehr speziell. Daher<br />
erlaube ich mir den klassischen Zusatz: Mit der Bitte um eine kurze<br />
Antwort.
</p>
<p>
<b>Dale 2:</b> Verehrte Frau Scheel, was halten Sie als<br />
Finanz- und Wirtschaftspolitikerin davon, dass selbst in detailliertesten<br />
steuerrechtlichen Fragen der Gerechtigkeitsbegriff in den letzten<br />
Jahren das maßgebliche politische Kriterium geworden ist?<br />
Würden Sie sich gerade in Ihrem Fachgebiet nicht lieber Debatten<br />
wünschen, in denen Indikatoren wie Wettbewerbsfähigkeit<br />
und Effizienz im Vordergrund stehen (z.B. beim europäischen<br />
Steuerrecht/Mehrwertsteuer-Debatte)?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Sicher sind diese Indikatoren<br />
wie Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz ganz maßgebend<br />
aber man muss auch im Blick haben, dass die Akzeptanz steuerpolitischer<br />
Entscheidungen in der Bevölkerung davon abhängt, inwieweit<br />
die Menschen das Gefühl haben, dass es fair zugeht. Wenn der<br />
Eindruck entsteht, der Staat verzichte aus Wettbewerbsgründen<br />
bei international operierenden Unternehmen auf Steuereinnahmen,<br />
aber jeder einzelne Bürger wird zur Kasse gebeten, stört<br />
dies das Vertrauen in politische Entscheidungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mit Bezug auf die Frage nach der Konjunktur<br />
2007:
</p>
<p>
<b>Mooshammer:</b> Das ist für mich keine befriedigende<br />
Antwort. Ich hatte Sie ja nach Ihrer Meinung gefragt.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich glaube schon, dass es bei<br />
den Investitionen sowohl privat als auch im Unternehmensbereich<br />
zur Effekten kommt, dass Vorzieheffekte für 2006 stattfinden.<br />
Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass 2007 sich die wirtschaftliche<br />
Situation verschlechtern muss.
</p>
<p>
<b>Daniel:</b> Frau Scheel, wie bewerten Sie die Äußerung<br />
von Wirtschaftsminister Glos, dass Energiepolitik in erster Linie<br />
Wirtschaftspolitik sei?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Energiepolitik hat viel mit<br />
Umweltpolitik zu tun, mit Effizienz, mit der Frage, welche Ressourcen<br />
stehen wie lange zur Verfügung, welche Abhängigkeiten<br />
gibt es und damit ist das Thema Energiepolitik nicht allein ein<br />
Wirtschaftsthema, sondern ein Bereich der politischen Diskussion,<br />
der in vielen anderen Politikfeldern auch relevant ist.
</p>
<p>
<b>Interessierter:</b> Gerade im Hinblick auf Steuergesetzgebung:<br />
Wie kann die Politik in der Bevölkerung für nicht sehr<br />
stark akzeptierte, vielleicht sogar den Bürger anfänglich<br />
benachteiligende Entscheidungen, die aber langfristig gesehen auch<br />
für das Wohl des Volkes sehr wichtig sind, mehr um Verständnis<br />
werben?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Dies geht nur, wenn von politischer<br />
Seite ganz offen und ehrlich begründet wird, warum bestimmte<br />
Entscheidungen getroffen werden und in welchem Zusammenhang diese<br />
notwendig sind. Die Politik muss den Mut haben über Wahltage<br />
hinaus zu denken.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und dann muss man die problematischen<br />
Steuerentscheidungen auch noch durchsetzen. Als Finanzpolitikerin<br />
müssten Sie dann ja fast ein Fan einer großen Koalition<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wenn die große Koalition<br />
klare Entscheidungen trifft, die im Ergebnis meinem Anspruch der<br />
Steuervereinfachung und einer vernünftigen Unternehmensbesteuerung<br />
gerecht wird, werde ich zwar nicht gleich zum Fan, werde dies aber<br />
konstruktiv begleiten. Leider wird die große Koalition diesen<br />
Ansprüchen bislang nicht gerecht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Lernfrage:
</p>
<p>
<b>wenwählen?:</b> Sie fordern die Schaffung einer<br />
zentralen Bundesumsatzsteuerverwaltung. Was genau habe ich mir darunter<br />
vorzustellen und welche Konsequenzen hat das für den Steuerzahler?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Die Bundesumsatzsteuerverwaltung<br />
müsste mit den Ländern zusammen arbeiten. Der Hintergrund<br />
dieser Forderung ist, dass wir wissen, dass beim Umsatzsteuerbetrug,<br />
der in einer Größenordnung von 16 Milliarden Euro pro<br />
Jahr eingeschätzt wird, die einzelnen notwendigen Informationen<br />
unterschiedlicher Behörden zusammen fließen müssten,<br />
was derzeit nicht der Fall ist. D.h. es geht bei dieser Forderung<br />
um eine bessere Koordinierung und Effizienz der Betrugsbekämpfung.<br />
Die Softwaresysteme der einzelnen Bundesländer sind nicht immer<br />
kompatibel und auch der Austausch mit Staatsanwaltschaften und dem<br />
Zoll und der europäischen Betrugsbekämpfungsbehörde<br />
ist noch lange nicht optimal.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> 16 Milliarden sind eine gigantische<br />
Summe: Hätte er die, würden Steinbrück Felsbrocken<br />
vom Herzen fallen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass das Thema<br />
Priorität eins hat. Warum eigentlich nicht?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Betrugsbekämpfung im Umsatzsteuerbereich<br />
hat etwas zu tun mit dem Problem der Schwarzarbeit, mit Insolvenzen,<br />
mit hoher krimineller Energie bei Karussellgeschäften und muss<br />
von verschiedenen Seiten angegangen werden. Dies ist nicht einfach.<br />
Ich habe in meiner Amtszeit als Finanzausschussvorsitzende dieses<br />
Thema in mehreren Anhörungen bearbeitet und weiß, dass<br />
in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe Strategien zur Betrugsbekämpfung<br />
Thema sind. Vielleicht wäre es gut, dies auch stärker<br />
in die Öffentlichkeit zu tragen, dass die Politik diese Aufgabe<br />
erfüllen muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch einmal eine rückblickende<br />
Frage auf die Bundesnachrichtendienst-Irak-Affäre:
</p>
<p>
<b>Daniel: </b>Frau Scheel, nicht nur die Bundesnachrichtendienst-Affäre<br />
lässt daran zweifeln, dass die frühere rot-grüne<br />
Bundesregierung in Realität den Irak-Krieg tatsächlich<br />
ablehnend gegenüber stand, wie sie öffentlichkeitswirksam<br />
darstellte. Wie stehen Sie beispielsweise zu Überflugrechten<br />
und zu der Bewachung amerikanischer Kasernen durch die Bundeswehr?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sie während des Irak-Kriegs<br />
erfolgten.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wir hatten im Blick auf die<br />
Awacs-Einsätze keine Bedenken. Im Blick auf die Überflugrechte<br />
gibt es eine sehr differenzierte Diskussion.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten Tagesschau-Chat.<br />
Die Bitte um Nachsicht an diejenigen, die nicht drangekommen sind.<br />
Vielen Dank für Ihr Interesse. Vielen Dank an Sie, Frau Scheel,<br />
dass Sie heute Zeit für unsere User hatten. Das Chat-Protokoll<br />
finden Sie wie immer auf tagesschau.de und politik-digital.de. Dort<br />
erfahren Sie auch die Termine für die nächsten Chats.<br />
Am 23. Januar, also Montag kommender Woche stellt sich Dirk Niebel<br />
ab 12.30 Uhr Ihren Fragen. Einen schönen Tag allerseits!
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich freue mich über das<br />
rege Interesse und wünsche ihnen allen einen schönen Tag.</p>
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