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	<title>Chancen der Digitalisierung &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Internet Governance Forum 2019</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sarah Merz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2019 10:09:27 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Das Internet Governance Forum (IGF) ist eine Diskussionsplattform für verschiedene Interessengruppen, die Informationen zu Praktiken und Strategien im Zusammenhang mit dem Internet und Technologien austauschen. Da das Thema Internet Governance auf dem Weltinformationsgipfel, der von der UN ausgerichtet wird, immer für große, kontroverse Diskussionen sorgte, entschied man sich 2006 das Internet Governance Forum ins Leben zu rufen. 2019 fand dieser in Berlin statt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<h3>Datenverwaltung (Data Governance)</h3>
<p>Der Ausgangspunkt der verschiedenen Panels und Workshops ist, dass Daten DIE Schlüsselressource für Wirtschaft und Gesellschaft darstellen und bei ihrer Benutzung der Mensch im Vordergrund stehen soll. Da in unterschiedlichen Ländern oftmals verschiedene Richtlinien zum Benutzen von Daten gelten, die Globalisierung aber dafür sorgt, dass die Welt immer vernetzter wird, führt dies oft zu Komplikationen. Auf dem IGF werden Möglichkeiten für globale Datenrichtlinien diskutiert und vorgestellt. Diese sollen sich nach moralischen Standards richten und dadurch die fundamentalen Persönlichkeitsrechte sichern.</p>
<h3>Digitale Inklusion</h3>
<p>Im Zuge der Agenda für nachhaltige Entwicklung (SDGs) diskutieren die Teilnehmer*innen darüber, wie man den Zugang zum Internet inklusiv gestalten kann. Im Fokus stehen in diesem Zusammenhang soziale und wirtschaftliche Teilhabe, Gleichstellung der Geschlechter und die Wahrung der Menschenrechte. Dafür muss eine Kultur des Vertrauens zwischen Bürger*innen und Staat etabliert werden. Der Aufbau und Ausbau digitaler Infrastruktur ist der erste Schritt, damit alle Menschen von den Vorteilen des Internets profitieren zu können. Digitale Bildung soll im nächsten Schritt das Potenzial der Nutzung des Internets erhöhen und Diskriminierung bekämpfen.</p>
<h3>Sicherheit, Stabilität und Beständigkeit</h3>
<p>Das Internet kann seine positive Wirkung nur entfalten, wenn sich Individuen im digitalen Raum sicher fühlen. Gegen Hate Speech vorzugehen ist deswegen die gemeinsame Verantwortung von Zivilbevölkerung, Wirtschaft und Politik. Dasselbe gilt für die Desinformationen und Fake News. Auch die Rechte von Kindern müssen im Internet gewahrt bleiben. Dafür soll sichergestellt werden, dass Provider besser mit Strafverfolgungsorganen zusammenarbeiten, um eine effektivere Verurteilung von Straftaten im Netz zu gewährleisten. Die Diskutant*innen tauschen sich darüber aus, wie die Kooperation zwischen Staaten, Unternehmen und einzelnen Personen verbessert werden kann, um Sicherheitsrisiken zu minimieren und gleichzeitig die digitalen Persönlichkeitsrechte zu gewährleisten. Auch Cybersecurity-Ansätze von Staaten müssen diese respektieren.</p>
<h3>Das Internet of Things und das Problem mit der Sicherheit</h3>
<p>Unter dem Titel „The Internet of Things towards the future, building on inherent Core Internet Values“ fand auf dem diesjährigen IGF eine große Diskussionsrunde der Dynamic Coalition on IoT statt.</p>
<p>Der Ausdruck Internet der Dinge (Internet of Things, kurz: IoT) beschreibt vernetzte, intelligente Gegenstände, die sowohl untereinander als auch mit dem Internet verbunden sind. Dabei kann es sich um unterschiedlichste Objekte handeln, vom Alltagsgegenstand wie einem Fernseher oder medizinischem Equipment bis zur industriell genutzten Maschine, die die Produktionsparameter per Sensoren überwacht, um Verzögerungen zu vermeiden und die Qualität zu sichern. Mit komplexeren IoT-Anwendungen könnte es zukünftig möglich sein, globale Probleme wie den Welthunger zu lösen. So könnte die Produktion von Lebensmitteln verbessert werden, indem alltägliche Prozesse, wie die Überwachung der Feuchtigkeit von Pflanzen und der langzeitigen Reproduktionsrate des Saatguts automatisiert werden.</p>
<p>Wie bei jeder neuen Technologie müssen neben den neu entstehenden Möglichkeiten auch die neu entstehenden Risiken beachtet werden. Diese liegen vor allem in der Sicherheit der einzelnen Geräte. Diese sind oft schlecht gesichert und zugleich Teil eines Netzwerks, was sie zu einer Sicherheitslücke für das gesamte System machen kann. Um das IoT für eine „free, secure and enabling rights environment,[and for] the future we want“zu nutzen, müssen die Risiken minimiert werden.</p>
<h3>Wie lässt sich das erreichen?</h3>
<p>Ein Teilnehmer der Diskussionsrunde war Frederic Dnock, von der Internet Society, einer NGO, die sich weltweit für den Ausbau der Internet-Infrastruktur einsetzt. Dnock stellte Richtlinien für unterschiedliche Sektoren vor, die dazu beitragen sollen, das IoT sicherer zu nutzen. Für die Hersteller und Verkäufer sollte „security by design“ zum festen Prinzip in der Produktion von IoT-Geräten werden. Ein echter Fortschritt in Sachen IoT-Sicherheit war im vergangen Jahr in Kooperation mit der Mozilla Foundation gelungen. Man einigte sich auf 5 Minimum-Standards für die Sicherheit des IoT, deren Einhaltung durch die Hersteller die Konsumenten und ihre Geräte schützen. Diese umfassen:</p>
<ol>
<li>Verschlüsselte Kommunikation für jedes Gerät</li>
<li>Regelmäßige Sicherheitsupdates</li>
<li>Ankündigung des nächsten Updates für den Konsumenten</li>
<li>Starke Passwörter</li>
<li>Zugängliche Datenschutzerklärung (Einfache Sprache)</li>
</ol>
<p>Diese Prinzipien werden von unterschiedlichen Ländern weltweit propagiert, besonders hervor tut sich jedoch Kanada, das diese Standards für IoT tatsächlich implementiert hat. Ein großer Fortschritt für die Sicherheit des IoT, da nun NGO und Regierungen damit beginnen können sich hinter diesen Standards zu vereinen und sie rechtlich auch in anderen Ländern bindend zu machen.</p>
<p>Doch IoT-Sicherheit ist ein Thema, das nicht nur große Firmen mit industriellen Fertigungsanlagen betrifft, sondern zieht sich bis in den häuslichen Bereich und dort liegt die Hauptgefahr für den Endverbraucher und seine Daten.</p>
<h3>Sicherheit im SmartHome von Morgen</h3>
<p>Die zahlreichen smarten Gerätschaften, die bereits in viel Haushalten zu finden sind, bleiben bisher nahezu komplett ohne staatliche Regulierungen. Ein Zustand der so nicht weiter existieren darf. Um diesen jedoch zu ändern besteht Handlungsbedarf in unterschiedlichen Bereichen. Zum einen müssen aus der Politik technologieunabhängige Regulierungsgesetze kommen, die für Hersteller Sicherheitsupdates zur Pflicht machen. Gleichzeitig müssen die Bürger*nen besser gebildet werden, wenn es um Programmieren und Internetsicherheit geht. Erreichen lässt sich das am einfachsten über eine Implementierung in die Schulbildung.</p>
<p>Zusätzlich könnten auch unabhängige Verbraucherschutz-Organisationen, wie hier in Deutschland z.B. die Stiftung Warentest, eine entscheidende Rolle in der Bewertung einnehmen. Sie würden zwar keinen politischen Druck auf die Industrie ausüben, dafür aber einen finanziellen, denn informierte Bürger*innen können ein klares Zeichen für Sicherheit setzten und so die Wirtschaft zwingen, den Anforderungen zu folgen. Letztlich wäre speziell eine Art „Label“ oder Klassifizierung von IoT-Geräte in Bezug auf Sicherheit und Nutzbarkeit besonders sinnvoll. Wer diese jedoch vergeben sollte, konnte auch von den Teilnehmer*innen der Diskussion nicht vollständig geklärt werden.</p>
<h3>Sicherheit schon heute?</h3>
<p>Am Ende liegt die Sicherheitsentscheidung aktuell beim Kunden, der diese vor dem Kauf alleine treffen muss. Dabei sollte vor allem eine Risiko- vs.-Nutzen-Abwägung des IoT-Gegenstands im Vordergrund der Entscheidung stehen. Brauche ich das wirklich? Entsteht für mich persönlich durch die Internetanbindung tatsächlich ein Mehrwert? Bei vielen der Geräten kann man die IoT-Option, also die Verbindung zum Internet, deaktivieren und damit natürlich sicher bleiben Allerdings opfert man so auch den Mehrwert, den uns IoT-Geräte bieten.</p>
<p>Für die sichere Nutzung von IoT oder „smarten Geräten“ hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auf seiner Website einige Tipps zusammengefasst. Diese reichen von dem Ratschlag, die Software und damit die Sicherheitsupdates aktuell zu halten, über die Verwendung von sicheren Passwörter (und nicht die des voreingestellten Werkspassworts) bis hin zu der Verwendung eines virtuellen privaten Netzwerks (VPN) für einen sichere Zugriff auf das Heimnetzwerk, auch von außerhalb. Wer mehr dazu erfahren möchte, sollte diesem <a href="https://www.bsi-fuer-buerger.de/BSIFB/DE/DigitaleGesellschaft/IoT/SmartHome/SmartHome_node.html;jsessionid=10F42E34F376008A36D863B28C3F6F16.2_cid351">Link </a>folgen.</p>
<p>Das IoT bietet immer mehr Möglichkeiten, komplexe Aufgaben einfach und automatisiert zu lösen und bildet heute die Grenze zwischen virtueller und realer Welt, nun liegt es an den Herstellern sowie den Regierungen zu handeln und letztlich leider beim Konsumenten, diese sicher und sinnvoll zu nutzen.</p>
<p id="fn-1">Photo by IGF</p>
<div class="_3bJ2H CHExY">
<p>&nbsp;</p>
</div>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Digitalisierung als politische Chance für chronisch kranke Menschen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sarah Merz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Dec 2019 14:12:39 +0000</pubDate>
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</div><div class="uncode_text_column" ><p>Gruppen von politisch aktiven Bürger*innen ziehen in letzter Zeit unter dem Motto:„Friday for future“ durch die Innenstädte dieser Welt. Mit Schildern und Parolen bewaffnet laufen Groß und Klein durch den öffentlichen Raum, um Aufmerksamkeit für ihr politisches Anliegen zu generieren. Keine Demo ohne Sitzblockaden und ein bisschen Streit mit der Polizei. Für sie ganz normal, ganz selbstverständlich.</p>
<p>Doch genau das ist es eben für politische Aktivist*innen, die eine chronische Krankheit haben nicht, ob diese nun psychischer und/oder physischer Art sein mag. Denn chronische Krankheiten haben die Macht, einen Menschen für Tage oder Wochen daran zu hindern die eigenen Vier-Wänden oder im schlimmsten Fall das Krankenhaus zu verlassen. Die US-amerikanische Autorin und Künstlerin Johanna Hedva ist davon selbst betroffen. In ihrem Text „Sick Woman Theory“ schildert sie, wie sie zur Zeit der BlackLiveMatters-Proteste in ihrer Wohnung lag und nicht an den Protesten in einem nahgelegenen Park teilnehmen konnte, da ihre körperlichen Beschwerden es für sie unmöglich machten. Von ihrer Krankheit in die politische Unsichtbarkeit gezwungen, formulierte sie folgende Frage:</p>
<h4>„How do you throw a brick through the window of a bank if you can’t get out of bed?“</h4>
<p>(Übersetzung: Wie soll ich einen Backstein durch die Scheiben einer Bank werfen, wenn ich es nicht aus dem Bett schaffe?)</p>
<p>Wie kann also ein Mensch in einem kranken Körper politisch aktiv werden? Hedva arbeitet sich dafür an der Definition „des Politischen“ nach Hannah Arendt ab, welche nur das Öffentliche als politisch anerkennt, und damit Menschen, die nur teilweise oder gar nicht am öffentlichen Leben teilnehmen können, vollständig entpolitisiert. Menschen, die eine chronische Krankheit haben und die politisch aktiv sein wollen, kämpfen also nicht nur für ihr politisches Ziel, sondern befinden sich auch in einem ständigen Kampf um Sichtbarkeit. In einer Gesellschaft, in der Krankheit als etwas außerhalb der Norm, als ein verstreichendes Übel wahrgenommen wird, sind diese Menschen besonders häufig von unterschiedlichen Arten der Diskriminierung gleichzeitig betroffen.</p>
<h3>Digitalisierung als Chance</h3>
<p>Doch die Zeiten, zu denen eine Demonstration nur in der analogen Welt stattfand, sind vorbei. Digitale Medien spielen heute eine essentielle Rolle in der Organisation und Durchführung von politischen Veranstaltungen. So ergeben sich Chancen für Menschen politisch aktiv zu werden, die eine Krankheit haben, welche ihnen eine Beteiligung an politischen Aktionen an manchen oder allen Tagen nicht möglich macht. Sie können vielleicht keine Steine durchs Fenster werfen, aber dafür Steine ins Rollen bringen, vor den Fenstern ihres Browsers.</p>
<p>Um herauszufinden wie die Digitalisierung chronisch kranken politischen Aktivist*innen hilft und in wieweit sie sich dadurch aus der Unsichtbarkeit befreien können, habe ich ein Interview mit drei Menschen geführt, die wissen, wie es ist, politischen Aktivismus mit einer chronische Krankheit zu vereinen, nämlich an manchen Tagen sehr, sehr schwer.</p>
<p>Der Beginn ihrer Politisierung fand bei zwei der von mir Befragten im Internet und den Sozialen Medien statt. Dort haben sie sich über die Suche und den Austausch mit Gleichgesinnten politisiert und die Sozialen Medien haben ihnen zugleich auch das Gefühl genommen, mit ihren politischen Ansichten und ihrer Krankheit allein zu sein. Durch die neuen technischen Möglichkeiten wurden Menschen hier zusammengebracht, für die das Besuchen eines politischen Treffens mit Einschränkungen verbunden oder sogar schlicht unmöglich ist.</p>
<p>Auf dem Weg in den politischen Aktivismus treffen chronisch kranke Menschen auf viele weitere Hindernisse, so sind Organisationsorte oft nicht barrierefrei zu erreichen oder die Veranstaltungsarten nicht inklusiv geplant. Eine der Aktivist*innen, die anonym bleiben möchte, schrieb: „Meine Krankheit macht mich automatisch unverlässlich, egal wie wichtig mir etwas ist.“ und nimmt damit Bezug auf die Unberechenbarkeit von vor allem psychischen aber auch physischen Krankheiten, für die unter abled oder neurotypical<sup><a id="fnref-1" href="#fn-1">1</a></sup> Aktivist*innen oft wenig Verständnis herrscht.</p>
<p>Im Wahlkampf werden vornehmlich psychische Krankheiten als eine Schwäche ausgelegt, teils wird sogar versucht, die Kandidaten damit zu diskreditieren, was zur Folge hat, dass es nur wenig offen chronisch kranke Politiker gibt und damit dieser Gruppe sowohl eine angemessene Repräsentation als auch ein Vorbild verwehrt bleiben. Diese Stigmatisierung zieht sich bis in den politischen Aktivismus, in dem den chronisch kranken Aktivist*innen das Gefühl gegeben wird, aufgrund ihrer Eingeschränkten weniger wichtig zu sein.</p>
<h4>„Es fällt uns nun mal schwer, auf der Straße laut und sichtbar zu sein und damit geht oft einher, weniger wichtig oder weniger aktivistisch wahrgenommen zu werden&#8221;-@Punbinary</h4>
<p>Dabei enthält politischer Aktivismus viele weitere Formen neben Demonstrationen, die gleichwertig wahrgenommen werden sollten, was oft aber noch nicht der Fall ist. So nutzen alle drei der Befragten vor allem Soziale Medien für ihre politischen Ziele. Hier gibt es die Möglichkeit, sich nicht nur zu informieren, sondern auch Informationen zu teilen oder diese aufzubereiten und zu verbreiten, sei es über den eigenen Blog oder Twitter. Doch auch „Briefe“ an Angeordnete, das Unterschreiben von Online-Petitionen oder Spenden sind Möglichkeiten, politisch aktiv zu werden, auch wenn man das Haus nur schwierig verlassen kann. Messenger und E-Mail ermöglichen es den Aktivist*innen, die das Teammeeting nicht besuchen können, trotzdem alle Informationen zu wichtigen Beschlüssen und zukünftigen Plänen zu erhalten oder diese digital auszudiskutieren.</p>
<p>Bei der Frage, wie die nachkommenden chronisch kranken Menschen den Weg in den politischen Aktivismus finden sollen, legten die Interviewpartner*innen großen Wert darauf zu betonen, wie wichtig es ist, sich dafür nach den eigenen Fähigkeiten zu richten und sich nicht permanent zu zwingen, die eigenen Grenzen zu überschreiten. Man müsse sich selbst Pausen zugestehen und offen mit der eigene Krankheit umgehen. Einen Ratschlag der auch für nicht Betroffene gilt: Gebt Menschen Chancen, gemäß ihren Fähigkeiten aktiv zu werden und respektiert ihre Grenzen.</p>
<h3>Gesellschaftliche Verantwortung</h3>
<p>Die Digitalisierung bietet also Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Einschränkungen unterschiedliche und neue Wege politisch aktiv zu werden entsprechend ihrer persönlichen Möglichkeiten. Sie hilft außerdem Menschen, die sonst zur Unsichtbarkeit verdammt wären, politische Sichtbarkeit zu erlangen. Allerdings werden die von ihnen verwendeten Mittel oft noch nicht als gleichwertig angesehen. Obwohl ihre Kampf um Sichtbarkeit in der unseren Digitalisierten Welt bereits hochgradig politisch geprägt ist, wie Hedva in ihrem Text bzw. Vortrag genauer schildert, welchen ich nur empfehlen kann. (Text: http://www.maskmagazine.com/not-again/struggle/sick-woman-theory ;Vortrag: https://vimeo.com/144782433)</p>
<h4>„Einerseits habe ich zwar immer noch ein Problem damit mich selber politisch aktiv zu nennen, […], aber andererseits ist meine Existenz als chronisch kranker Mensch, der auch öffentlich darüber spricht, schon sehr politisch“-@AlinaManns</h4>
<p>Die Aufgabe von abled oder neurotypical<sup><a id="fnref-1" href="#fn-1">1</a></sup> Menschen und Aktivist_innen ist es, diese neuen digitalen Formen des politischen Aktivwerdens anzuerkennen, sowie sie gleichberechtigt und als wichtig zu behandeln. Ebenso sollten Gedanken zu Barrierefreiheit in den Vordergrund treten, wenn um die Organisation von Treffen und Veranstaltungen geht, um den Zugang für chronisch kranke Menschen einfacher zu machen und ihre Unsichtbarkeit und Stigmatisierung nach und nach abzubauen.<br />
Hedva´s „Sick Woman Theory“ , die sich selbstverständlich nicht nur auf Frauen beschränkt, will unsabled oder neurotypical<sup><a id="fnref-1" href="#fn-1">1</a></sup> Menschen beibringen, wie wichtig es ist, die eigene Empathie zu erweitern und Menschen mit chronischen Krankheiten zu begegnen, ihnen zu zuhören und sie schlicht wahrzunehmen, um ihnen Wege aus der Unsichtbarkeit zu ebnen.</p>
<p>Ich bedanke mich bei meinen Interview-Partner_innen @Punbinary ,@AlinaManns und einer Aktivist_in, die Anonym bleiben möchte.</p>
<p id="fn-1">1.Nicht <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ableism" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ableisistischer</a> Begriff für „gesunde“ Menschen <a href="#fnref-1">↩</a></p>
<p><strong>Photo by:</strong> <a href="https://unsplash.com/photos/wClUbRMCBD8">Andrew Neel </a>on Unsplash</p>
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</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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