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	<title>Charisma &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Charisma &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Mehr Ironie, bitte!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuwahlen zum Bundestag 2005]]></category>
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					<description><![CDATA[Interview mit dem Berater und Coach Ulrich Sollmann über sein Internetprojekt www.charismakurve.de und die Interpretationsmöglichkeiten der Körpersprache von Angela Merkel und Gerhard Schröder.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Interview mit dem Berater und Coach Ulrich Sollmann über sein Internetprojekt www.charismakurve.de und die Interpretationsmöglichkeiten der Körpersprache von Angela Merkel und Gerhard Schröder.</p>
<p><!--break--></p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Herr Sollmann, die &#8220;Charismakurve&#8221; untersucht die öffentliche Wirksamkeit von Angela Merkel und Gerhard Schröder anhand ausgewählter Bilder. Was haben Sie bislang rausfinden können?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Das Projekt<br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> zeigt, dass das Internet schnell, direkt und weltweit reagiert und sich dabei eigenständig entwickelt. Es passieren unvorhergesehene Dinge. Absichten, wie bspw. bestimmte Zielgruppen wie Parteien und andere Institutionen zu erreichen, gingen nicht oder selten auf. Unsere Website bildet Trends der Online-Bewertung des Charismas von Schröder und Merkel ab, setzt aber auch eigene Zeichen. Inzwischen gibt es mehr als 47.000 Zugriffe. 85 % kommen aus Deutschland und Europa, 15 % aus dem außereuropäischen Bereich. Hinsichtlich der Bewertung der Bilder durch die User lässt sich festhalten, dass Schröder positiver und charismatischer eingeschätzt wird als Merkel und politische Ereignisse, wie bspw. die Vorstellung des Kompetenzteams, sich auf das Ergebnis auswirken.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Wie unterscheiden sich die Ergebnisse im Internet von den Umfragewerten der Spitzenkandidaten aus den anderen Medien?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Der Zeitfaktor, nämlich die Unmittelbarkeit von Einschätzung und Ergebnis, macht das Internet spannend. Umfragen in den anderen Medien brauchen viel länger, bis sie ihre Ergebnisse veröffentlichen können. Ein weiterer Unterschied ist das Feedback und die hierdurch angeregte Interaktion. Auch wenn dieser Aspekt noch einiger Reflexion bedarf. Zum Inhalt folgendes: die Umfragen zum Thema in den Medien unterscheiden in der Regel nicht zwischen der persönlichen Ausstrahlung und der Verkörperung von Macht bei den Kontrahenten. In so weit sind die Ergebnisse dieser Umfragen unspezifisch und im Grunde genommen nicht aussagekräftig, um handlungsanleitende Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen zu ziehen.<br />
                            <br />Die Ergebnisse der Online-Befragung dürfen aber nicht nur für sich gesehen werden. Sie müssen immer auf den politischen Kontext sowie die anderen Medien bezogen gesehen werden. Letztendlich, und das werden wir hoffentlich in unserer Auswertung zeigen können, gewinnt das Internetprojekt durch die spezifizierte Unterscheidung zu den anderen Medien eine eigene, interessante Aussagekraft, da sich die User interaktiv beteiligen und an konkreten Bildern Bewertungen abgeben können.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Aus den Ergebnissen der Charismakurve können konkrete Verbesserungsvorschläge an die Kandidaten abgeleitet werden. Glauben Sie Frau Merkel oder Herr Schröder lassen sich diesbezüglich coachen?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Die User differenzieren deutlich ihre Empfehlungen zur Verbesserung der Performance. Ebenso beziehen sie sich auf die jeweils neue Entwicklung der aktuellen Bilder von Schröder und Merkel im Netz. Ich glaube nicht, dass die Politik schon so weit ist, solche Empfehlungen aufzugreifen. Sie täte aber m.E. gut daran, dies zu tun.<br />
                            <br />Herkömmliche Verbesserungsvorschläge für ein TV-Duell bleiben eher auf der Ebene von Kamera- und Sprechtraining. Dies sind zwei Arbeits-Konzepte. Sie reichen aber nicht aus, will man das Zusammenspiel von Körpersprache, nonverbaler Wirkung, Persönlichkeit und Handlungsmustern gerecht werden. Und um die geht’s. Will man die ganze Person und den besonderen Streß beim TV-Duell gerecht werden. Nehmen Sie Stoiber 2002. Alle Welt wollte sehen, wie oft er wohl „äh“ sagen würde. Im 1. TV-Duell glänzte er ohne ein einziges „äh“ , kam aber nicht glaubhaft als Person rüber. Offensichtlich hatte er sich “gutes Benehmen vor der Kamera“ antrainieren lassen, was man natürlich sofort bemerkt.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Wie wichtig ist die Körpersprache der Kandidaten für die Wahlentscheidung des Wählers?</p>
<p>
                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Die Körpersprache bzw. nonverbale Wirkung der Kandidaten ist für die Wahlentscheidung von großer Bedeutung. Entscheidet man doch gerade beim TV-Duell zu einem großen Prozentsatz aufgrund der nonverbalen Botschaften wie Mimik, Gestik, Stimme usw.<br />
                            <br />Der eingeschränkte Blick auf die Körpersprache verfälscht jedoch das Wirkungsbild der beiden Kontrahenten. Der Königsweg ist die Analyse des Zusammenspiels von Körpersprache, nonverbaler Wirkung, Persönlichkeit und Handlungsmustern. In der Regel gewinnen die Menschen intuitiv und spontan ihren eigenen Eindruck, der wie eine Überzeugungsebene wirkt. Über diese kann der Politiker sich als Identifikationsangebot darstellen. Er wird dann von den Wählerinnen und Wählern mit seinem typischen Habitus wahrgenommen.<br />
                            <br />Würde man Körpersprache lediglich auf der deskriptiven Ebene belassen, kämen fotografische Aussagen über die Körpersprache der Kontrahenten einer subjektiven, wenn nicht gar einer moralisierenden Befindlichkeitszuschreibung gleich. Hierauf aufbauende Empfehlungen würden „gutes Benehmen“ als antrainiertes Verhalten entlarven. Ein solches goutieren die Wählerinnen und Wähler nicht.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Was erwarten Sie an neuen Erkenntnissen im Hinblick auf das TV-Duell?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Das TV-Duell wird eine hohe Aufmerksamkeit bei den Medien und insbesondere bei den Wählerinnen und Wählern haben. Es hat in diesem Jahr zudem eine besondere Bedeutung dadurch bekommen, dass es nur ein TV-Duell gibt. Alles muß punktgenau getroffen werden. Jeder der Kontrahenten hat nur einen Schuß frei. Beide werden die Gelegenheit nutzen, um deutlich, nachdrücklich und persönlich überzeugend „zur Sache zu gehen“. In so weit kann man eine spannende Auseinandersetzung erwarten. Entscheiden wird aber die Kunst der Choreographie von Sachverstand, Souveränität und Verkörperung von Macht in der Gesprächsführung und nonverbalen Präsenz. Hierbei ist von besonderer Bedeutung wie der enorme Stress der Situation gemeistert wird. Eine sichere und souveräne Performance steht und fällt mit der Stresskompetenz in der direkten Konfrontation. Während Merkel wahrscheinlich auf sachliche Korrektheit und Überzeugung bauen wird, bei gleichzeitiger nachdrücklicher Abgrenzung von Schröder, wird Schröder hart an der Sache bleibend Merkel persönlich konfrontieren. Letztendlich wird derjenige der beiden punkten, der klar in der Sache, hart in der Konfrontation und überzeugend in der rhetorischen Wertschätzung ist.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Die Charismakurve ist ein reines Internetprojekt, das natürlich keine repräsentative Daten erheben kann. Dennoch, für wie valide halten Sie die Ergebnisse und gab es auch bereits Manipulationsversuche?<br />
                            <strong></p>
<p>Ulrich Sollmann:</strong><br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> zielt nicht auf eine empirisch-statistische Validität ab. Es geht in dem Projekt um die Wirkungsanalyse und die sorgsame und sparsame Steuerung derselben. Interessant ist für uns, wie die Website im Internet als selbstreferenziellem System wahrgenommen wird, Bedeutung bekommt und faktische Wirkung, d.h. Interaktion erzeugt. Das genaue Studium der Zugriffs-Statistik hilft uns dies zu ermitteln, ebenso die Analyse der Art und Weise wie die Website mit ihrem Inhalt thematisch aufgegriffen wird. Der Prozess im Internet läuft aber nicht von alleine, was vielleicht manche glauben mögen. Man muss Trends und Themen, die sich abzeichnen, aufzugreifen und zu kommunizieren. Dies ist wichtig, um Spielräume und Entwicklungsräume der Meinungsbildung auszuloten.<br />
                            <br />Insoweit ist<br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> auch eine gesellschaftspolitische Kampagne, die das Ziel hat, das Zusammenspiel von Körpersprache, nonverbaler Kommunikation und persönlichen Handlungsmustern in der Politik als Thema zu platzieren, an dem man in Zukunft nicht mehr vorbeikommt. Zum Thema Manipulationsversuch: Es gab einen Manipulationsversuch einer Partei oder Unterstützergruppe, der aber durch die Analyse der Statistik schnell erkannt und abgefedert werden konnte.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Was empfehlen Sie oder die User den beiden Kandidaten hinsichtlich der Verbesserung ihrer Körpersprache?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Frau Merkel wird empfohlen energischer und kraftvoller aufzutreten, wie sie es z.B. in der Fernsehsendung „Berliner Runde“ getan hat. Sie wirkt dann überzeugender. Außerdem muss sie gerade in Stresssituationen noch selbstsicherer werden. Bundeskanzler Schröders Körpersprache wird oft als zu souverän empfunden. Er sollte sich nicht zu präsidial geben, sondern &#8211; wie beim Parteitag in Berlin &#8211; auch mal ironisch und mit Humor Sachverhalte interpretieren.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Vielen Dank für das Gespräch.</p>
<p>Das Interview führte Steffen Wenzel</p>
<p class="fett">
<p class="fett">
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		<title>Die Bilanz des ersten TV-Duells</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wahlkampf-bundestagswahl2002-tv6-shtml-2536/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Aug 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[75 Minuten Nachtduell in Berlin-Adlershof: Die erste Live-Fernsehdebatte deutscher Kanzlerkandidaten nach US-Vorbild blieb ohne eindeutiges K.O. und ohne rhetorische Triumphe. Doch der Schlagabtausch brachte Kontrast und war erstaunlich politisch. Ebenso erstaunlich: der defensive Stil des Bundeskanzlers. Für politik-digital analysiert Dr. Marco Althaus die Debatte von Herausforderer Edmund Stoiber und Amtsinhaber Gerhard Schröder.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>75 Minuten Nachtduell in Berlin-Adlershof: Die erste Live-Fernsehdebatte deutscher Kanzlerkandidaten nach US-Vorbild blieb ohne eindeutiges K.O. und ohne rhetorische Triumphe. Doch der Schlagabtausch brachte Kontrast und war erstaunlich politisch. Ebenso erstaunlich: der defensive Stil des Bundeskanzlers. Für politik-digital analysiert Dr. Marco Althaus die Debatte von Herausforderer Edmund Stoiber und Amtsinhaber Gerhard Schröder.<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>Das Themen-Handling</strong><br />
                    <br />Inhaltlich gab es nichts Neues, aber das wurde auf relativ hohem Niveau diskutiert. Beide formulierten bei Themen wie Steuern, Schulden, Arbeitsmarkt, Energie, Zuwanderung, Bundeswehreinsatz oder Großer Koalition schnörkellos und unbürokratisch, und sie bezogen mehrmals klar Position. Politische Kontraste wurden deutlich sichtbar: Die Befürchtung, hier gehe es nur um einen Schönheits- oder Ähnlichkeitswettbewerb, traf nicht zu. Allerdings schossen die beiden Politiker öfter aneinander vorbei als aufeinander. Schröder präsentierte ein recht vollständiges Faktenarsenal seiner Gesetzgebungs- und Etatleistungen, leugnete aber Probleme nicht, gab sich einsichtig und machte die eigene Unzufriedenheit mit dem Erreichten deutlich. Immer wieder wies er auf Stoibers Mitverantwortung für 16 Jahre Kohl-Regierung hin, die Probleme ebenfalls nicht gelöst habe. Er zögerte nicht, kämpferische Töne auf der linken Saite anzuschlagen über Umverteilung, Solidarität und den wirkungsvollen Sozialstaat. Stoiber, der Angreifer, konzentrierte sich auf die Attacke und wich Nachfragen nach konkreten Lösungen meist aus. Das gewohnte Fakten-Feuerwerk des Bayern blieb aus. Er punktete durch einfache Schuldzuweisungen, häufigste Wörter: &#8220;schwerer Fehler&#8221;, &#8220;verhängnisvoller Fehler&#8221;, &#8220;katastrophaler Fehler&#8221; &#8220;verantwortungslos&#8221;. Dabei ritt er auf &#8220;seinen&#8221; Themen Steuern, Arbeitslosigkeit und Mittelstand auch an weniger passenden Stellen herum, vermied aber plumpe Rechthaberei. Stoiber blieb hölzern und umständlich bei den Fragen nach dem fehlenden Kompetenzteammitglied für Umweltfragen und nach der künftigen Rolle seiner Frau, die er allein als unterstützend definierte. Schröder witterte hier seine Chance im Gender-Gap, sprach ausführlich von Doris als &#8220;selbstbewusster Frau&#8221; und in eindeutiger Distanzierung dreimal von einem &#8220;Frauenbild, das nicht meines ist&#8221;.</p>
<p>
                    <strong>Dynamik und Schlagfertigkeit</strong><br />
                    <br />Von den starren Regeln profitierte klar Stoiber. Der Dialogmensch Schröder, der im informellen Pingpong sowohl im Interview, im Menschenbad wie im Plenarsaal besonders stark wirkt, schien im Korsett gefangen. Pro Einzelthema genügten Stoiber ein, zwei Stöße, um zu punkten, er musste bei Angriffen kaum im Detail nachlegen. Schnelle Gegenangriffe, ein blitzendes Vergeltungsschwert Schröders brauchte er kaum zu fürchten. Allerdings: Schröder brach die Regeln mehrmals, um trotzdem eine Replik abzugeben. Zuerst ließen Peter Kloeppel (RTL) und Peter Limbourg (N24) das durchgehen, wurden dann aber strenger. Im Streit um Mittelstand und Steuern blitzte Emotionalität auf: &#8220;Sie machen eine Umverteilung von unten nach oben&#8221;, warf Schröder Stoiber an den Kopf. Der konterte: &#8220;Herr Bundeskanzler, Sie sollten nicht die Unwahrheit sagen.&#8221; Er riet Schröder, mehr &#8220;in die Akten zu schauen&#8221;, damit Fehler wie bei der Körperschaftssteuer nicht passierten. Schröder: &#8220;Das ist schlicht falsch, was er gesagt hat.&#8221; Was die Akten angehe: &#8220;Sie sollten Sie nicht nur mit sich rumtragen, sondern auch lesen.&#8221; Stoiber: &#8220;Der Bundeskanzler tut immer so, als sei er die Inkarnation der sozialen Gerechtigkeit.&#8221; An anderer Stelle führte Stoiber als Beleg für seine Aufrichtigkeit ein altes Schröder-Zitat über sich selbst an: &#8220;Stoiber, der hält, was er verspricht, der zieht das durch&#8221;. Schröder grinste launig: &#8220;Das muss aber sehr lange her sein.&#8221; Ein Anflug von Humor.</p>
<p>
                    <strong>Ausstrahlung und Sympathiewerben</strong><br />
                    <br />Der Bayer setzte in der ersten Hälfte der Sendung auf eine Lächeloffensive, flirtete aber nicht mit der Kamera. Er suchte also nicht &#8211; wie teilweise Schröder &#8211; den direkten Blick in die Wohnzimmer. Er wirkte frisch, energisch und froh, bei diesem Duell zu sein. Die innere Einstellung strahlte nach außen: Man fühlte Stoibers Willen und Kraft. Diese überspielten Argumentations- und Sprachschwächen. Er versuchte erst gar nicht, Einfühlungsvermögen zu demonstrieren. Schröder verbarg den Charmeur und Kumpeltypen hinter der Maske des Staatsmanns. Er war der ernste Mann für ernste Zeiten, den Stoiber eigentlich darstellen wollte. Und er strahlte Macht aus. Dabei blieb die menschliche Wärme auf der Strecke, die er sonst ausstrahlt. Souverän war er, aber auch ungewohnt distanziert. Sonst fühlt er sich vor der Kamera wohl &#8211; hier nicht. Beherrscht, angespannt, besorgt, genervt, gehemmt &#8211; das blieben Schröders unterschwellige Attribute. Er gewann in der zweiten Hälfte der Sendung durch Einwürfe, spontane Reaktionen, klassenkämpferische Töne und ein gelegentliches listiges Schmunzeln. Schröders Schlussstatement über das bei der Flut sichtbar gewordene Engagement und den Gemeinsinn der Bürger, &#8220;einer der größten Schätze Deutschlands&#8221; setzte &#8211; zusammen mit Frieden und Arbeit &#8212; mit seiner Solidaritätsbotschaft den richtigen menschlichen Kontrapunkt zur eher technokratischen Aussage des Bayern. Hier vereinten sich sozialdemokratisches Pathos und persönliches Charisma mit der staatsmännischen Pose.</p>
<p>
                    <strong>Rhetorik, Gestik und Mimik</strong><br />
                    <br />Wer einen stotternden Stoiber erwartet hatte, wurde enttäuscht. Er formulierte prägnant, seine Sätze fanden ein geordnetes Ende, er bewies gewisse Eloquenz durch ein bewusstes Wirkenlassen seiner Anti-Botschaften. Sein Lächeln unterstrich die Souveränität eines Mannes, der sich seiner Sache sicher ist und weiß, das die Erwartungen an seinen Auftritt niedrig hängen. Doch reichte er weder an Schröders Eloquenz heran, noch konnte er den Sätze zerreißenden Stakkato- und Schnellredner in sich ganz bändigen. Er wirkte zwar nicht kühl und verbohrt, aber hinterließ auch keinen wirklich entspannten Eindruck. Normalerweise ist es Schröder, der im Rhythmus der Worte mit Händen und Füßen redet. Doch der beschränkte sich auf wenige Gesten vor der Brust &#8211; immerhin, im Gegensatz zu Stoiber nahm der Kanzler die Hände vom Tisch. Der Schlaks Stoiber klebte am Griff, wippte und wackelte dafür umso mehr mit dem ganzen Körper, hackte mit dem Kopf seine Attacken in die Luft. Kurios wirkte es, wenn Stoiber, den Kopf seltsam schräg gelegt und spitz lächelnd, Schröder direkt mit &#8220;Sie&#8221; ansprach, ihn dabei aber nicht ansah. Was den Kanzler wohl verwirrte, und auch Moderator Limbourg, der sich laut wunderte, warum er dauernd als &#8220;Herr Bundeskanzler&#8221; angesprochen werde. Die häufigen Äääähs begleiteten Stoiber auch zum Duell. Er griff immer wieder zu denselben Floskeln wie den Satzstarter &#8220;Ich sage Ihnen ganz offen&#8230;&#8221; Immerhin: Nur selten brachte er fragwürdigen Politikerjargon wie &#8220;Minuswachstum&#8221; oder verfiel in Stoiberesken wie &#8220;Deutschland ist ein großartiges Land, und die Bevölkerung ist eine großartige Bevölkerung&#8221;. Schröder erklärte seine Politik in äußerst simplen Sätzen, sein häufigstes Wort: &#8220;Machen&#8221;. Das klang nach Tatkraft und Exekutive, ein wenig nach der Diktion der Macht, aber auch unfreiwillig komisch in Sätzen wie: &#8220;Wir haben Kraft-Wärme-Kopplung gemacht.&#8221;</p>
<p>
                    <strong>Die Rollen: Angriff und Verteidigung</strong><br />
                    <br />Stoiber wurde seiner Rolle als Herausforderer gerecht und nutzte die Außenseiterchance. Er ließ keinen Zweifel an seinem Willen, anzugreifen und Themen an sich zu ziehen. Er blieb fast nie bei der Analyse stehen, sondern nutzte bei jeder Frage die Chance zum Angriff und behielt damit die Initiative. Er prangerte Fehler an und versuchte mehrmals, Schröder durch die direkte Ansprache und Provokation aus der Reserve zu locken. Damit zeigte er, dass er &#8211; zumindest unter diesen fixen Duellregeln &#8211; vor einer frontalen Konfrontation mit dem sehr schlagfertigen Schröder keine Angst hat. Er wirkte energisch, fast frech. Der Kanzler als Fernseh-Favorit verteidigte seine Bilanz souverän und dem Medium angemessen. Er nutzte die eingebauten Stärken der Verteidigerrolle. Denn Erhalten ist leichter als Gewinnen. Er ließ Stoiber an sich abarbeiten. Geschickt fing er Provokationen durch Stoiber und Moderatoren ab, indem er Kritik einräumte, nachgab, uminterpretierte. Er nutzte wenige, aber gezielte Gegenstöße, ohne sich zu exponieren. Er schien sich bewusst zurück zu halten. Doch durch die staatsmännische Defensive aus der Stärke des Amtes heraus hemmte er seine Talente als Angreifer. Er hätte Stoiber sicher rhetorisch dominieren können, wäre aber dabei ein hohes Risiko eingegangen. Das Ergebnis: Ein Patt. Das Unentschieden, das Stoiber vielleicht vom Gewinnen abhalten könnte.<br />
                    </p>
<p>Dr. disc. pol. Marco Althaus, M.A. (USA), Diplom-Politologe, ist Leiter der Pressestelle des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Verkehr.</p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
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<tr>
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<div class="tidy-2">Erschienen am 26.08.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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