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	<title>China &#8211; politik-digital</title>
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		<title>KI und Ethik: Eine Bestandsaufnahme (Teil 3/3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Constantin Estorff]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Oct 2019 08:44:04 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Mit der Frage nach der Ethik für künstliche Intelligenz soll sich der letzte Teil dieser Serie zum Stand der KI in Deutschland beschäftigen. Das Thema lädt dazu ein, die wirklich großen Fragen zu stellen. Doch wie finden ethische Bedenken konkret ihren politischen Weg in die Praxis? Eine Bestandsaufnahme von Sein und Bewusstsein.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Der frühe französische Aufklärer Julien Offray de La Mettrie hatte eine revolutionäre Idee, die noch heute bei vielen heftige Reaktionen auslöst: der Mensch ist seiner Ansicht nach bloß eine biologische Maschine – Geist und Intelligenz seien im Grunde reproduzierbar. Und damit stand auf einmal die Grundidee für künstliche Intelligenz im Raum. Faszinierend ist, dass das Nachdenken über eine künstliche Intelligenz dem technischen Stand schon immer weit voraus war: Bereits seit den 1950ern nennt man zum Beispiel den Zeitpunkt, ab dem eine künstliche Intelligenz die menschliche übertreffen kann die <em>technologische Singularität.</em></p>
<p>Heute leben wir in einer Zeit, in der solche und ähnliche theoretische Überlegungen und Bedenken immer mehr Realität werden. Man beschäftigt sich deswegen immer ernster mit der Digitalethik. Umso wichtiger wird es zu fragen, wie die Politik damit konkret umgeht.</p>
<h3>Edel sei die KI, hilfreich und gut</h3>
<p>In der höchst ambitionierten <a href="https://www.bmbf.de/files/Nationale_KI-Strategie.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KI-Strategie der Bundesregierung</a>, welche 2018 veröffentlich wurde, ist nachlesbar: Künstliche Intelligenz solle „soziale Teilhabe und Handlungsfreiheit fördern“, sowie den „Schutz der Privatsphäre“ bewahren. Ein Fokus liege zudem auf möglichst großer „kultureller und medialer Freiheit“. Der hohe ideelle Anspruch der Bevölkerung kommt also nicht zu klein, und das ist auch gut so. Auch die schon lange als Schlagbegriff genutzte Forderung nach „Ethics by and for design“ wird als Bestandteil des Brands „A.I. made in Germany“ zum Ziel erklärt. Nach diesem Vorsorgeprinzip sollen ethische Überlegungen schon während der Entwicklung berücksichtigt werden, sodass potentielle Gefährdungen schon im Vorfeld eingeschränkt werden können. Dahinter könnte der Glaube daran stecken, dass Deutschland und Europa gerade wegen seiner hohen Moral mehr Integrität und Verlässlichkeit und damit einen Marktvorteile schaffe – Stichwort „<a href="https://politik-digital.de/news/interview-mit-wolf-dieter-lukas-bmbf-156661/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ehrbarer Datenkaufmann</a>“. Jedoch genießen diese und ähnliche ethische Forderungen weltweit unter Wissenschaftlern und auch Unternehmern hohe Zustimmung. Die Europäer sind nicht moralischer als andere. Erst jüngst bestätigte dies auch Wolfgang Wahlster, eine Koryphäe der deutschen KI-Forschung, im <a href="https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung/wolfgang-wahlster-wir-muessen-mit-china-kooperieren" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview</a> mit dem Tagespiegel.</p>
<h3>Alles eine Frage der Perspektive</h3>
<p>Die Umsetzung ist aber wie zu erwarten sehr unterschiedlich. Während die USA klassischerweise auf die Selbstverpflichtung der Unternehmen setzt, irritiert China den Westen mit einem eigenen, erst mal widersprüchlich erscheinenden Weg:  Einerseits gibt es die staatlich unterstützten <a href="https://www.baai.ac.cn/blog/beijing-ai-principles" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Beijing AI Principles</em></a>, welche weitestgehend den Positionspapieren der EU und von Google entsprechen,  andererseits aber auch das <a href="https://politik-digital.de/news/jede-handlung-wird-bewertet-willkommen-in-der-zukunft-154096/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sozialkreditsystem</a>. Während man jedoch bei letzterem schnell an Orwells <em>1984 </em>und eine absolute Gleichförmigkeit denkt, bedeutet das System für die meisten Chinesen gerade das Gegenteil: den Schutz des Individuums und der Gesellschaft vor sich selbst. Warum? Als einer der am schnellsten wachsenden Gesellschaften der Welt hat sich China binnen weniger Jahre vom Entwicklungsland zu einer Informationsgesellschaft entwickelt – die Menschen brauchen aber länger als der technologische Fortschritt. Korrupte Beamte und Geldleiher sind ein häufiges Problem und behindern die Entwicklung einer wirklichen Zivilgesellschaft. Das Beispiel soll zeigen, dass ähnliche Wertevorstellungen je nach aktueller Lage extrem unterschiedlich umgesetzt und von der Bevölkerung wahrgenommen werden können.</p>
<h3>Gradlinig ausweichend</h3>
<figure id="attachment_161959" aria-describedby="caption-attachment-161959" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-161959 size-full" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/KI-Siegel-800.jpg" alt="Das KI-Siegel des KI-Bundesverbands" width="800" height="350" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/KI-Siegel-800.jpg 800w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/KI-Siegel-800-300x131.jpg 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/KI-Siegel-800-768x336.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-161959" class="wp-caption-text">Das neue KI-Siegel des KI-Bundesverbands e.V.</figcaption></figure>
<p>Auch Deutschland und Europa gehen ihren eigenen Weg. Im Gegensatz zu den anderen Punkten der KI-Strategie sind die ethischen Ziele aber scheinbar bewusst offen gehalten; wenig verbindende Phrasen wie „die Bundesregierung wird prüfen, ob…“ finden sich relativ häufig wieder. Bei der Umsetzung geht man dabei zwei Wege:</p>
<p>Einerseits können und werden dabei bestehende Strukturen weiter unterstützt, wie beispielsweise das <a href="https://www.digitale-ethik.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Institut für Digitalethik</a>. Auch wurde erst jüngst in Kooperation mit Facebook das <a href="https://fbnewsroomde.files.wordpress.com/2019/10/tum-erc3b6ffnung-ieai.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Institut für KI-Ethik der TU München</a> eröffnet. Facebook und andere Digitalunternehmen dürften ein Interesse daran haben, die aktuell in Bezug auf Digitalethik eher kritische Stimmung mit solchen Mitteln beizulegen, bevor die Politik statt Unterstützung und Leitlinien doch noch einen harten Rahmen vorgeben könnte. Interdisziplinäre Gruppen wie die <a href="https://initiatived21.de/arbeitsgruppen/ag-ethik/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">AG Ethik</a> der Initiative D21 erarbeiten Konzepte. Im Frühjahr stellte der aus über 160 Unternehmen bestehende KI-Bundesverband außerdem sein <a href="https://ki-verband.de/ki-guetesiegel-ai-made-in-germany" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KI-Gütesiegel</a> vor. Darin zu finden: Viele thematische und begriffliche Überschneidungen mit  Forderungen der Datenethikkommission und der europäischen Expertengruppe für KI. Und kürzlich stellte die 2018 von der Bundesregierung ins Leben gerufene Datenethikkommission ihre <a href="https://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Themen/Fokusthemen/Gutachten_DEK_DE.html;jsessionid=1287F4CBD5DFA2E589FCE847A8D40CCD.1_cid324?nn=11678504" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Handlungsempfehlungen</a> vor.</p>
<p>Andererseits lässt sich eben auch eine Strategie der „Europäisierung“ dieser Frage beobachten. Gerne wird unterstellt, dass auf EU-Ebene unliebsame Entscheidungen getroffen werden, die sonst auf Nationalebene nicht durchsetzbar wären. Grund dafür wäre demnach, dass die Augen der Öffentlichkeit noch immer auf die Nationalparlamente ausgerichtet sind. Man könnte genau das unterstellen, aber in diesem Fall kann dieser Schritt durchaus Sinn ergeben. Nur wenn man gute und vor allem einheitliche Bedingungen für die Nutzung von KI schafft und so die Vorteile des größten Binnenmarktes der Welt auch nutzt, kann Europa sich längerfristig im weltweiten Wettbewerb behaupten. Sich wiederum gegenseitig in immer liberaleren Steuer- und vor allem auch Ethikgesetzgebungen zu unterbieten bringt letztendlich niemandem etwas. Bei diesem Vermittlungsprojekt hat die <em>„</em><a href="https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/high-level-expert-group-artificial-intelligence" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>High Level Expert Group on Artificial Intelligence</em></a><em>” </em>alle Arbeit geleistet. Doch sie wird auch heftig kritisiert – zu industriefreundlich seien ihre Richtlinien. Damit rechnet <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/eu-ethikrichtlinien-fuer-kuenstliche-intelligenz-nehmt-der-industrie-die-ethik-weg/24195388.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Thomas Metzinger</a>, Philosophie-Professor und selber Mitglied der Expertengruppe mit selbiger ab. Das verwundere ihm zufolge wenig, schließlich ist die Expertengruppe beinahe ausschließlich aus Industriellen zusammengesetzt.</p>
<h3>Oder soll man es lassen?</h3>
<figure id="attachment_161960" aria-describedby="caption-attachment-161960" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-161960 size-full" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/Biarritz.jpg" alt="Biarritz: Könnte dieser romantische, kleine Ort als der Gründungsstätte einer KI-Weltordnung bekannt werden? " width="640" height="280" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/Biarritz.jpg 640w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/10/Biarritz-300x131.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption id="caption-attachment-161960" class="wp-caption-text">Biaritz: Könnte dieser romantische, kleine Ort als der Gründungsstätte einer KI-Weltordnung bekannt werden?</figcaption></figure>
<p>Es drängen sich also wieder die großen Fragen auf: wie stark kann man Ethik in Form politischer Intervention überhaupt noch durchsetzen? Darauf kann dieser Artikel selbstverständlich keine Antwort liefern, schließlich beschäftigt diese Frage seit Jahrzehnten Sozialwissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aller Couleur. Doch zwei mehr oder weniger konkrete Maßnahmen wären trotzdem denkbar:</p>
<p>Einerseits kann man den politischen Diskurs hierzulande in die Mangel nehmen. Grundsätzlich sind sich die Menschen nämlich in den meisten Themen, die die Digitalisierung anbelangen, relativ einig. Freiheit, Arbeitsplätze, Datensicherheit sind als Forderungen Allgemeinposten, denen die meisten Parteien und auch die meisten Bürgerinnen und Bürger zustimmen dürften. Der Teufel steckt jedoch im Detail – also dort, wo niemand hinschaut. Es gibt <a href="https://www.freiheit.org/netzpolitik-mehr-digitale-bildung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ein fehlendes Bewusstsein</a> um die Relevanz digitaler Problematiken allgemein. Die Bundesregierung hat sich zwar zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung besser aufzuklären – so widmet sich das Wissenschaftsjahr 2019 beispielsweise der KI. Doch eine großangelegte Aufklärungskampagne, wie sie auch in der Strategie geplant ist, sähe anders aus. Mit dem Thema Datensicherheit kann man als Partei (zumindest heute noch) keine Wahlkämpfe gewinnen, sodass bei diesem ohnehin schon eher als Konsens gehandhabten Thema auch nicht so recht ein „Wettbewerb“ um die besten Lösungen entstehen will. Aber gerade davon lebt ja bekanntlich die Demokratie. Ein paar interessante Ideen springen dabei natürlich immer noch heraus, wie zum Beispiel die Idee der Innovationsstiftung für nachhaltige und soziale digitale Anwendungen (<a href="https://www.gruene-bundestag.de/presse/pressestatements/anna-christmann-und-dieter-janecek-zum-digitalgipfel" target="_blank" rel="noopener noreferrer">INSDA</a>), welche die Grünen seit geraumer Zeit fordern.</p>
<p>Andererseits könnte man noch größer denken und ein Abkommen auf globaler Ebene anstreben: Auf dem G7-Gipfel haben Frankreich und Kanada kürzlich ihre Idee eines <a href="https://www.nature.com/articles/d41586-019-02491-x" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>„International Panel on Artificial Intelligence“</em></a>  (IPAI) vorgestellt. Nicht wenige fordern, dass sich hier Deutschland ebenfalls beteiligen soll.  Ziel dieses Panels ist es, grundlegende Abmachungen über die Nutzung von KI zu schließen. Angesichts der Gefahr, die von KI-Waffensystem ausgeht und der Ungewissheit, wie man mit dem Zeitpunkt der „technologischen Singularität“ umgehen soll, macht dies durchaus Sinn. Aber obwohl das IPAI vom Namen und vom Anspruch her dem fürs Klima prominenten <em><a href="https://www.de-ipcc.de/119.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„International Panel on Climate Change“</a></em>  (IPCC), nacheifern will, sollen die Vereinten Nationen hier keinen eigenen Sitz bekommen. Entsprechend diesem wahrscheinlich an das trumpistische Amerika gerichtete Zugeständnis müsste dieser KI-Rat also eher „intergouvermental“ genannt werden.</p>
<h3>Sollten wir Fortschrittsoptimisten werden?</h3>
<p>Was lässt sich nun zusammenfassend sagen? Es gibt noch viel Raum dafür, um künstliche Intelligenz ethischer zu erfassen, und sehr viele gegenläufige Interessen. Die hier vorgestellten Projekte sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vielzahl der teilweise graswurzelhaften Initiativen, die sich für eine ethische KI einsetzen. Man könnte tatsächlich darauf pochen, dass sich die Wirtschaft und Wissenschaft an dieser Stelle mehr oder weniger selbst regulieren.</p>
<p>Ein Fortschrittsoptimist war der Anfangs erwähnte Julien Offray de La Mettrie übrigens nicht. Seiner Ansicht nach war der Mensch nicht zu bändigen, das sei sein Schicksal. Aber ob das auch für eine vom Menschen geschaffene Maschine gilt, ließ er offen.</p>
<p class="_1l8RX _1ByhS">Hier geht es zum ersten Teil der Reihe: <a href="https://politik-digital.de/news/bestandsaufnahme-ki-deutschland-2019-156755/">KI und Wirtschaft</a><br />
Hier geht es zum zweiten Teil der Reihe: <a href="https://politik-digital.de/news/ki-und-gesellschaft-eine-bestandsaufnahme-156825/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KI und Gesellschaft</a></p>
<p class="_1l8RX _1ByhS">Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
<div class="_3bJ2H CHExY">
<p class="_1l8RX _1ByhS"><strong>Photo:</strong> by <a href="https://unsplash.com/@nasa?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">NASA</a> on <a href="https://unsplash.com/s/photos/earth?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a><br />
KI-Siegel: <a href="https://ki-verband.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KI-Bundesverband</a><br />
Biarritz: <a href="https://unsplash.com/@heftiba" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Toa Heftiba</a> on <a href="https://unsplash.com/s/photos/biarritz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Unsplash</a></p>
</div>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wo gibt es überhaupt noch Milchkannen?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/interview-mit-wolf-dieter-lukas-bmbf-156661/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Constantin Estorff]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Sep 2019 15:03:25 +0000</pubDate>
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</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben! Sie sind jetzt designierter Staatssekretär im BMBF und kennen das Ministerium durch ihre jahrelange Arbeit als Leiter der Abteilung „Forschung für Digitalisierung und Innovationen“ ziemlich gut. Was denken Sie, wie gut ist das BMBF für die Technologien von morgen gerüstet?</strong></p>
<p>Wir beschäftigen uns im BMBF mit nichts anderem als dem Morgen. Andere Ministerien müssen sich hingegen mit dem Hier und Jetzt auseinandersetzen. Wir fragen uns hingegen, wie die Welt in den nächsten 20 bis 30 Jahren ausschauen wird. Wenn es zum Beispiel ums Klima geht, haben wir schon Lösungen entwickelt, die jetzt schon umgesetzt werden können. Wir sind nicht nur ein Ministerium, das die Forschung vorantreibt, wir müssen auch gleichzeitig das antizipieren, was kommen wird. Das heißt auch, dass wir uns fragen, welche Anforderungen wir überhaupt an Zukunftstechnologie stellen wollen und welche Risiken zu erwarten sind.</p>
<p><strong>Da können wir ja gleich überleiten zu dem Thema, was uns heute am meisten interessiert: Künstliche Intelligenz. In der KI-Forschung gelten China und die USA als weltweit führend. Erst kürzlich hat ein <a href="https://www.focus.de/digital/dldaily/gastbeitrag-von-mark-klein-ki-europa-braucht-politische-einheit-und-unternehmergeist_id_11083336.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ERGO-Vorstand </a>genau dies nochmal in aller Deutlichkeit kritisiert. </strong><strong>Wie kann Europa jetzt aufschließen und welche anderen Schwerpunkte in der Forschung setzen?</strong></p>
<p>Zuerst einmal möchte ich klarstellen, dass die herrschende Meinung nicht immer gleich die Richtige sein muss. Erst kürzlich haben wir auf einer unserer Pressekonferenzen einen Experten zu Wort kommen lassen, der analysiert hat, welche Regionen auf der Welt am meisten zu künstlicher Intelligenz forschen. Was denken sie, die USA, China oder die EU?</p>
<p><strong>Ich denke, sie können es mir beantworten? </strong></p>
<p>Europa! Nicht China, und nicht die USA. Wenn man dann noch die finanziellen Mittel mit der Einwohnerzahl ins Verhältnis setzt, steht allein Deutschland schon nicht schlecht da. Wenn wir uns hier in Deutschland schon mit diesen Ländern vergleichen, können wir ja so schlecht nicht sein. Wir haben aber in der Wahrnehmbarkeit ein Problem. Die KI, die wir als Konsument täglich erleben, ist eindeutig von Amerika beherrscht. Was man hingegen nicht sehen kann, ist die KI, die in den Fertigungsanlagen ihren Einsatz findet. Im Bereich der KI-Anwendung in der Produktion sind wir weltweit führend, das sieht man bloß nicht.</p>
<p><strong>Also können wir auch davon ausgehen, dass sich in Deutschland heutzutage und in der Zukunft wieder neue „Hidden Champions“ im KI-Bereich herausbilden werden, die ja so typisch und wichtig für die deutsche Wirtschaft sind?</strong></p>
<p>Die für uns so wichtigen Mittelständler benutzen ja schon bereits sehr breit und seit langem KI-Methoden, machen bloß keine großen Pressemitteilungen daraus. Sie benutzen die Technik schon und integrieren sie in ihre Produkte. Aber ich merke, sie wollen auch Schwächen hören. Aber um nochmal schnell festzuhalten: Im verarbeitenden Gewerbe sind wir top, Industrie 4.0 findet bei uns in der Landwirtschaft auch schon statt – hochmodern!</p>
<p><strong>Aber gerade diesbezüglich hat ja Bundesbildungsministerin Karliczek erst kürzlich erwähnt, man bräuchte nicht an jeder Milchkanne in Deutschland 5G. </strong></p>
<p>Moderne Mähdrescher brauchen natürlich schon 5G, die blöde Milchkanne aber selbstverständlich nicht. Sie hat das anders gemeint, man hätte den Kontext auch noch erwähnen müssen, aber das wurde leider nicht mehr transportiert. Und wo gibt es überhaupt noch Milchkannen?</p>
<p><strong>Sie wollten aber noch eine Schwäche nennen? </strong></p>
<p>Dienstleistungen. Unsere Dienstleister sind noch nicht so weit mit KI. Amazon, Google und Co. geben dafür sehr viel Geld aus und ich würde mir wünschen, dass die großen deutschen Dienstleister auch so viel Geld ausgäben. Da müssen wir auch mal an die Wirtschaft appellieren: Ihr müsst da frühzeitig ran!</p>
<p><strong>Wenn wir jetzt schon bei Amazon, Google und Co. sind: Daten sind ja bekanntlich die Ressource schlechthin für die KI-Forschung. Fragen rund um Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung werden in Europa und insbesondere in Deutschland als sehr heikel betrachtet. Es gibt ja offensichtlich einen Interessensgegensatz zwischen KI-Forschung und Datenschutz. Wie sehen Sie das, wird man diesen Gegensatz überhaupt vereinbaren können? </strong></p>
<p>Zuerst einmal ist das vor allem eine europäische Frage. Wir haben eine gemeinsame Datenschutzgrundverordnung. Einige sehr große amerikanische Unternehmen wollen diese Regeln sogar für ihre weltweiten Geschäfte übernehmen mit der Begründung, dass sie mit diesen Regeln nicht nur den europäischen Markt bedienen können, sondern gleichzeitig auch alle anderen Märkte. Es ist also möglich, diese Regeln durchzusetzen. Zweites brauchen wir in Europa so etwas wie einen ehrbaren Datenkaufmann. Wenn Unternehmen miteinander Daten tauschen, dann müssen sie auch darauf vertrauen können, dass mit den Daten nur das gemacht wird, wofür sie bereitgestellt worden sind.</p>
<p>Und die Unternehmen werden nicht so wie die Konsumenten ihre Daten einfach so hergeben. Die wissen nämlich, wie wertvoll die sind. Wir arbeiten momentan an einer gemeinsamen europäischen Cloud (Anm. des Autors: gemeint ist Gaia-X). Da geht es nicht nur um die Technik, sondern auch um die Regeln eines fairen Handelns mit Daten.</p>
<p>Die Grundsätze und Regeln so eines ehrbaren Datenkaufmanns haben wir mit dem Fraunhofer-Institut zusammen entwickelt und viele Unternehmen haben schon ihr Interesse geäußert, daran zu partizipieren. Solche Regeln muss dann auch nicht unbedingt der Staat setzen. Es wäre schön, wenn sich die Wirtschaft selbst dazu verpflichten würde, diese zu befolgen.</p>
<p><strong>Zuletzt würde ich Ihnen gerne noch eine Frage zur digitalen Bildungspolitik stellen. Wie kann die KI-Technologie Ihrer Meinung nach im schulischen Kontext angewendet werden?</strong></p>
<p>Spielerisch. Kinder sind sehr schnell darin, Systeme zu durchschauen. Man sollte keine Ehrfurcht produzieren im Sinne von „das wirst du erst verstehen, wenn du Erwachsen bist“, sondern die Kinder spielen, probieren und hinterfragen lassen. Es sollte in der Schule keine Distanz aufgebaut werden. Was wir nicht brauchen, ist ein Tafelunterricht, bei dem die Kinder theoretisch lernen, was KI ist. Das interessiert die Kinder erstens nicht, es veraltet zweitens schnell und hilft den Kindern drittens nicht, kritisch zu sein und zu hinterfragen.</p>
<p><strong>Aber was sollten SchülerInnen als Betroffene, NutzerInnen oder vielleicht auch als EntwicklerInnen von KI ihrer Meinung nach schon jetzt konkret in der Schule lernen?</strong></p>
<p>Ich bin hier in Berlin zur Schule gegangen und man hat uns erklärt: Traut den Zeitungen nicht. Ich finde eine Medienbildung ist sehr wichtig, um kritische Bürger zu erziehen, die unterschiedlichste Medien hinterfragen und natürlich auch selbst nutzen können. Nur so können sie etwas bewegen. Kritisch bleiben! Und die Lehrer sollten sich natürlich darauf einlassen und nicht sagen, dass sie das alles nicht wollen. Die Lehrer sollten sich eher mit ihren Schülern ins Abenteuer stürzen.</p>
<p><strong>Das genau dann umzusetzen ist aber häufig schwierig. Ich denke da an den Bildungsföderalismus im Allgemeinen und den Digitalpakt im Spezifischen. Wie will man erreichen, dass das Geld am Ende auch so umgesetzt wird, wie man es sich zum Beispiel hier im BMBF vorstellt? </strong></p>
<p>Ich kann Ihnen sagen, dass der deutsche Bundestag und wir als Geldgeber darauf achten, was mit dem Geld passiert. Wir wollen die Wirkung sehen. Es wird tolle Beispiele geben! Sie werden sicherlich darüber berichten was schief geht, aber das ist auch völlig in Ordnung.</p>
<p><strong>Aber sollte es so kommen, werden wir natürlich auch über das, was gut läuft, berichten.</strong></p>
<p>Hoffentlich! Denn dann bekommt man mit, wie es funktionieren kann und wie man es besser nicht machen sollte. Lassen Sie ruhig mal den Wettbewerb ein wenig laufen. Wenn einige Länder oder Kommunen den Digitalpakt dann besonders gut umsetzen, pilgern hoffentlich alle dahin und machen es ihnen nach. Dafür spielen auch Sie – also die Medien – eine Rolle, indem sie mit Ihrer Berichterstattung dafür sorgen, dass das Gute auch nachgeahmt wird.</p>
<p><strong>Wollen wir es hoffen! Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben und noch viel Erfolg bei der Eröffnung des <a href="https://futurium.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Futuriums</a>! </strong></p>
<p><strong>Titelbild:</strong> © BMBF/Hans-Joachim Rickel</p>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-3" data-row="script-row-unique-3" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-3"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-5"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-5" data-row="script-row-unique-5" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-5"));</script></div></div></div>
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		<title>„Künstliche Intelligenz Made in Germany”</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sara Daini]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Mar 2019 15:50:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Konrad-Adenauer-Stiftung]]></category>
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		<category><![CDATA[KI-Strategien]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-6"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>„Künstliche Intelligenz Made in Germany”: Unter diesem Motto stellte die Konrad Adenauer Stiftung (KAS) zusammen mit dem US-amerikanischen Think Tank Cambrian am 15. März in Berlin eine Studie vor, die die deutsche und internationale KI-Strategien beleuchteten.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Künstliche Intelligenz (KI) sei nicht nur die nächste Stufe nach der industriellen und der Informationsrevolution, ordneten Olaf Groth (Cambrian, Founder &amp; Managing Partner) und Tobias Straube (Cambrian, Senior Consultant) das Thema ein, aufgrund der Schnelligkeit und Komplexität handle es sich um eine völlig neue Dimension mit schnell wachsenden Herausforderungen. Angesichts des wirtschaftlichen Potenzials und der Rasanz der Entwicklungen ist längst ein globales Wettrennen entstanden, bei dem derzeit die USA und China die Nase vorn haben und ihren Vorsprung weiter ausbauen könnten.</p>
<h3>KI-Strategien im Vergleich: die USA</h3>
<p>In den USA umfasste die Strategie der Obama-Regierung langfristige Investitionen in die KI-Forschung, wie z. B. das Intergovernmental Personnel Act Mobility Program. Weitere Ansätze waren die Entwicklung effektiver Methoden für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI, die Gewährleistung der Sicherheit von KI-System, die Entwicklung gemeinsamer öffentlicher Datensätze und Umgebungen für KI-Training und -Tests. Die letzte USA-Regierung hielt es auch für wichtig, die Auseinandersetzung mit den ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von KI zu strukturieren. Für die neue Trump-Regierung spielen ethische Fragen keine zentrale Rolle. Die Förderung auf dem Gebiet der Anwendungsforschung bleibt aber erhalten, so werden Investitionen von jährlich 90 Mio. Euro in Grundlagenforschung und Arbeitsmarktforschung getätigt.</p>
<h3>China: Investitionen haben sich gelohnt</h3>
<p>China hat viel in Forschung und Bildung investiert und verzeichnet erste Erfolge: z. B. das Thousand Talents Programm, mit dem Forscher angeworben werden, und die Ausbildung in „KI-Berufen“in Berufsfeldern wie Wirtschaft, Soziales, Management und Recht. Ein Ergebnis ist, dass die Anzahl der Patentpublikationen in China höher ist als in den Vereinigten Staaten: Forschung und Innovationen sind schneller und auch kommerziell erfolgreich. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alibaba_Group" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Alibaba</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tencent" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tencent</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ant_Financial" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ant Financial</a> haben sich etabliert und auch die Start-ups sind gegenüber den amerikanischen Mittbewerbern konkurrenzfähig. Insgesamt kommen elf der zwanzig weltweit wertvollsten Technologieunternehmen aus den USA, neun kommen aus China. Wie kein anderes Land profitiert China von einem enormen Datenvolumen der chinesischen Internet-Nutzer. Im zentral gesteuerten China regelt der nationale KI-Plan des Staatsrates alle institutionellen Zuständigkeiten auf nationaler Ebene neu.</p>
<h3>Die deutsche KI-Strategie</h3>
<p>Deutschland ist eine der größten Wirtschaftsmächte und setzt KI vorrangig in der Industrie ein. Auch die Forschung konzentriert sich auf den Einsatz der Wirtschaft, erklärten Groth und Straube. Die deutsche KI-Förderung ist gut, aber nicht genug: Die Bundesregierung hat nur drei Milliarden Euro bis 2025 in die Entwicklung der KI investiert und muss mehr tun, fordert Olaf Groth. Zum Vergleich: in den USA gibt es 1.400 KI-Start-ups, in Deutschland 106. Wichtig sei zudem, die Förderung in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und Klimaschutz. Langfristig müsse auch das Ziel sein, in einer globalen digitalen Magna Charta ethische Regeln zu verankern.</p>
<h3>Welche sind die Herausforderungen für die Zukunft?</h3>
<p>In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Ronja Kemmer (MdB, Obfrau der CDU/CSU Fraktion in der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz) und Stefan Heumann (Stiftung Neue Verantwortung, Vorstand), welche Schritte nun unternommen werden müssen. Das föderale Staatssystem Deutschlands mit der Bürokratie und den Verteilungskämpfen um Fördergelder wird als herausfordernd für eine schnelle Umsetzung der KI-Strategie empfunden.</p>
<p>Wichtig sei eine enge Kooperation in Europa durch eine gemeinsame Plattform und eine offene Forschungspolitik, außerdem müsse in der Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein für das Thema erschaffen werden. Zudem bräuchten Start-ups mehr Unterstützung und die Hochschulausbildung müsse in diesem Bereich gestärkt werden — hier können Deutschland und Europa von China lernen.</p>
<p>Die Studie lässt sich <a href="https://www.kas.de/einzeltitel/-/content/bewertung-der-deutschen-ki-strategie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> bei der Konrad-Adenauer-Stiftung herunterladen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Hands-free Driving by Steve Jurvetson via <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Hands-free_Driving.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikimedia Commons,</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-2.0</a></p>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-6" data-row="script-row-unique-6" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-6"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-8"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-8" data-row="script-row-unique-8" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-8"));</script></div></div></div>
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		<title>Jede Handlung wird bewertet, willkommen in der Zukunft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Feb 2018 08:59:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[soziales Bewertungssystem]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Gamifizierung]]></category>
		<category><![CDATA[Social Scoring]]></category>
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					<description><![CDATA[Es klingt wie aus einer Dystopie: Soziale Bewertungssysteme belohnen den Gehorsam und bestrafen nichtkonformes Verhalten. 2020 sollen in China alle [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone wp-image-154108 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Fische-China-e1517572693235.jpg" alt="Fische China" width="1920" height="960" />Es klingt wie aus einer Dystopie: Soziale Bewertungssysteme belohnen den Gehorsam und bestrafen nichtkonformes Verhalten. 2020 sollen in China alle Rahmenbedingungen zur Einführung eines solchen Systems geschaffen worden sein. Diese Mechanismen der „soften Steuerung“ ganzer Gesellschaften durch positive Anreize werden von Regierungen auf der ganzen Welt mit Interesse beobachtet. Soziale Wertungssysteme könnten in der Zukunft zum Standard werden. Ob Dystopie oder Utopie, liegt dabei wohl im Auge des Betrachters.</p>
<h3>Gamifizierung der Gesellschaft</h3>
<p>Wenn Konzepte aus dem Spieledesign auch in anderen Bereichen Anwendung finden, wird von einer Gamifizierung gesprochen. Diese Konzepte können von der Sichtbarmachung von Fortschritt und Progression bis hin zur Belohnung von bestimmten Handlungen reichen. Lernsoftware und -apps setzen schon seit langem auf Ideen des Spieledesigns zur Vermittlung von Bildungsinhalten. Der Sinn dahinter ist sehr einleuchtend: Inhärentes kindliches Spielen soll positiv verstärkt werden, damit Lerninhalte mit Spaß vermittelt werden können. Über den einzelnen Übungen steht üblicherweise ein sogenanntes „progression system“. Dieses erlaubt durch das Sammeln von Punkten zu neuen Orten zu reisen, neue Übungen freizuschalten und neue Inhalte zu entdecken. Das Lösen der Aufgaben wird somit jedes Mal belohnt. Ein Umstand, der im Klassenzimmer auf die Art und Weise nicht für jedes einzelne Kind realisierbar wäre.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left">Wie im Themenfeld der Bildung, so finden sich auch in anderen Bereichen Elemente der Gamifizierung. Die Lauf-App Zombies,Run! beispielsweise, speichert die zurückgelegten Laufentfernungen. Dabei werden virtuell Ressourcen aufgenommen, mit denen man nach der sportlichen Aktivität in der App ein Lager in einer Zombieapokalypse aufbauen muss. Spätere Fortschritte benötigen mehr Ressourcen, also auch bessere Laufergebnisse. Dies stellt eine Gamifizierung der sportlichen Aktivität dar, die positiv verstärkt wird und dadurch auch neben der eigentlichen Aktivität eine Menge Spaß bringt.</p>
</blockquote>
<p>Die Gamifizierung dient daher in vielen Bereichen als positiver Anreiz, sich vertieft und mit Spaß einem Themenkomplex zu widmen. Die Hersteller der Apps und Programme binden durch diese Elemente aus dem Spieledesign die Nutzer an ihr Produkt und profitieren ebenfalls stark von der Gamifizierung.</p>
<p>Lernsoftware und Lernapps lassen sich heute kaum noch von „normalen“ Kinderspielen unterscheiden. Das hat den Vorteil, dass Kinder eine Assoziation zwischen Lernen und Spaß entwickeln können. Auf der anderen Seite stellen gamifizierte Inhalte nicht die Realität dar. Im Klassenzimmer oder auf der Arbeit funktionieren Belohnungssysteme in der Regel viel träger und skalieren anders. Eine direkte Belohnung fällt in vielen Fällen weg. Diese Art der Gamifizierung verbreitet sich zwar immer mehr und erreicht auch wichtige Gebiete wie die der Bildung, hat aber dennoch noch keine sehr starke gesellschaftliche Relevanz erreicht. Dies ändert sich aber zunehmest und erreicht in China eine völlig neue Dimension.</p>
<p>Mit einem numerischen Wert, dem sogenannten Social Score, wird jedes digitale Handeln bewertet. Der Wert kann wie in einem Computerspiel durch bestimmte Handlungen erhöht werden. Er kann aber auch drastisch sinken und die Nutzer müssen unter Umständen mit harten Strafen rechnen.</p>
<p>Das „Social Scoring System“ (SCS), welches in China geplant ist, basiert auf vielen verschiedenen Elementen der Gamifizierung. So werden verschiedenen Handlungen verschiedene Punkte zugewiesen, welche sich verbessern lassen. Das User Interface zeigt ständig Optimierungspotential und ähnelt stark dem von Handy-Games. Viele Punkte bedeuten eine bessere Belohnung, was zu einem ähnlichen Handeln motiviert. Auch der Vergleich, wer die höchste Punktzahl hat, erinnert an den Konkurrenzkampf in Spielen und spieleähnlichen Kontexten.</p>
<p>Der Konkurrenzkampf um die höchste Bewertung ist seitdem im Jahr 2014 gestarteten Probelauf in China zu beobachten. Dabei hat dieser Wert nur eine einzige Bedeutung: wer am ehesten die Ansichten der chinesischen Regierung bzw. Partei teilt. Dies tritt allerdings in den Hintergrund, da süchtig machende Spielmechanismen die Bewertungen und das Handeln zu einem Spiel machen und die wahren Intentionen hinter der sozialen Interaktion weniger offensichtlich zu Tage treten. Lern-Apps sind bei Kindern auch nicht aus dem Grund beliebt, dass sie hier besonders viel lernen können, sondern weil sie Spaß machen.</p>
<p>Die Verbesserung der Skalen und hübschen Metriken sowie die Privilegien, die damit einhergehen, treiben die Nutzer zu einem immer statischeren Befolgen der Regierungsthematiken an, ohne dass diese auf Gewalt oder Unterdrückung zurückgreifen muss. Das Befolgen der Parteirichtlinien wird zu einem süchtig machenden Spaßfaktor, der belohnt wird.</p>
<h3>Das chinesische soziale Bewertungssystem</h3>
<p>Die chinesische Regierung verfolgt alles andere als eine geheime Agenda. Die Planung und Erweiterung sowie das Testen von sozialen Bewertungssystemen verfolgt die Regierung schon seit sehr langem und dies auch sehr <a href="https://chinacopyrightandmedia.wordpress.com/2014/06/14/planning-outline-for-the-construction-of-a-social-credit-system-2014-2020/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">offen</a>. Die Vorbereitungen und die Schaffung der Rahmenbedingungen laufen demnach schon seit 2005, wobei seit 2014 die Systeme getestet werden. Bisher haben 8 Unternehmen die Genehmigung erhalten, soziale Bewertungssysteme zu konzipieren und zu entwickeln, die in unterschiedlichen Regionen eingesetzt werden sollen. Im Jahr 2020 sollen alle Rahmenbedingungen eines flächendeckenden sozialen Bewertungssystems etabliert worden sein.</p>
<p>Diese Rahmenbedingungen lassen sich in fünf Hauptpunkte fassen, die von der chinesischen Regierung als fundamental erachtet werden: Der wohl wichtigste Punkt ist die Schaffung von Gesetzen und Standards zu Social-Credits, damit das SCS auf legalem Wege eingeführt und reguliert werden kann. Der zweite Punkt, der bis 2020 etabliert sein soll, ist ein Bankensystem mit der Erfassung von Daten zur Kreditwürdigkeit von allen Chinesen. Damit einher geht das allgemeine Kreditwesen, welches für jede Volkswirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Ein weiterer Punkt der chinesischen Agenda ist die Etablierung eines Marktes zur Vergabe von Krediten. Damit das Kreditwesen der Volkswirtschaft funktioniert, sollten als letzter Punkt allgemeine Anreize und Bestrafungen für die Kredittilgung eingeführt werden.</p>
<p>Alle diese Punkte sind mittlerweile in China etabliert. Wie diese Ausrichtung der chinesischen Regierungslinie zeigt, lag der Schwerpunkt vor allem auf einer Monetarisierung der chinesischen Volkswirtschaft mit einer Datenerfassung aller Bürger zu ihrer Kreditwürdigkeit, die es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab.</p>
<p>Dies bedeutet aber auch, dass jede Aktivität im Internet aufgezeichnet und mit Etablierung eines SCS bewertet wird. So gibt es dann zum Beispiel „gute“ und „schlechte“ Einkäufe. Lokal hergestellte Produkte sowie der Kauf von Arbeitskleidung treiben den Score nach oben. Importierte Waren hingegen senken den Score. Zeitungsberichte, die den Staat und dessen Organe positiv darstellen sowie die Verbreitung dieser auf sozialen Netzwerken, erhöhen ebenfalls den Score. Negative Berichte oder solche, die so eingestuft werden, senken die Bewertung.</p>
<p>Auch Freunde mit niedrigem Score beeinflussen die eigene Bewertung. Da der soziale Wert transparent gezeigt werden soll, kann jeder Nutzer sehen, wie die eigene gute oder schlechte Bewertung zustande gekommen ist. Sollten also Freunde z. B. wegen Kritik an der Regierung eine schlechte Bewertung haben, wird dies ständig angezeigt und auch, dass die eigene Bewertung darunter leidet. Das wird unweigerlich dazu führen, dass die kritisch eingestellten Menschen ins digitale und gesellschaftliche Abseits gedrängt werden, da jede digitale Interaktion mit ihnen auch zu einem Absinken der eigenen Bewertung führt und somit zu einem Verlust von Privilegien in der Gesellschaft. Kritiker werden also auf natürliche Weise in der digitalen chinesischen Gesellschaft isoliert.</p>
<p>Dies ist ein klassischer Ansatz der soft power, da die Regierung ihre Ziele nicht offensiv in die Gesellschaft tragen muss, sondern eine Selektion von Regierungstreuen und Kritikern durch das System selbst bedingt wird, wobei die treuen Bürger belohnt und die nicht treuen vom Rest der Gesellschaft durch Isolation und Verlust von Privilegien bestraft wird.</p>
<h3>Die neuen digitalen Klassen</h3>
<p>Ein niedriger Score im sozialen Bewertungssystem führt unweigerlich zu einem schwereren Stand in der Gesellschaft. Eine Konsequenz eines niedrigen Werts kann zum Beispiel die Drosselung des Internets für den Nutzer sein. Wohnungen oder Jobangebote könnten dann nur noch für Nutzer mit einer bestimmten Wertung erreichbar sein. Ein hoher Score hingegen verspricht eine schnellere Bearbeitung der Anliegen bei den Behörden, bessere Jobangebote und bessere Kreditbedingungen.</p>
<p>Eines ist jedoch schon vor dem flächendeckenden Start des Systems in China klar: Wie in fast jedem Spiel, wird es Gewinner und Verlierer geben. Denn damit es Leute mit hohem Score gibt, muss es auch Leute mit niedrigem Score geben. Da diese von allen anderen gemieden werden, um die eigene Wertsenkung zu verhindern, wird so auf Dauer eine Masse an Menschen entstehen, die immer einen niedrigen Score haben werden. Die Kinder dieser Menschen werden es durch die Familienzugehörigkeit schwieriger haben, ihren Score zu verbessern. Die Chancen sind zudem sehr hoch, dass gerade armen Menschen, die sowieso ein sehr geringes Ansehen in China haben, auch eine niedrige Bewertung haben werden. Diese können beispielweise nicht auf den sozialen Wert einer Kaufentscheidung achten, sondern priorisieren den Preis, der unter Umständen zu einem Absinken der Bewertung führt. Die Ungleichheit, aber auch die Ungerechtigkeit, wird mit diesem System mit voller Wucht in die digitale Sphäre einschlagen und möglicherweise eine neue Dimension von digitalen Klassen erzeugen.</p>
<h3>Wer baut denn sowas?</h3>
<p>In China gibt es ein eigenes Internet mit einer allumfassenden Firewall, die das chinesische Internet von anderen Einflüssen abschirmen soll. In diesem Internet gibt es eigene Dienste und Anbieter, die teilweise eine westliche Entsprechung haben. Die chinesische Regierung hat, durch ihren starken Einfluss in der chinesischen Gesellschaft von Anfang an eine überaus starke Kontrolle über das Internet ausgeübt. Unternehmen, die sich hier ansiedelten oder auch entstanden sind, arbeiten daher sehr eng mit der Regierung zusammen, damit ihre Angebote überhaupt im chinesischen Internet verfügbar sind und dies auch bleiben.</p>
<p>Aus diesem Austausch und der Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft entsteht letztendlich das SCS, welches immerhin Zugriff auf eine große Menge von Daten benötigt. Woher diese Daten kommen, wird klar, wenn man die Unternehmen unter die Lupe nimmt, welche aktiv an einem SCS mit der Regierung zusammenarbeiten. Am prominentesten darunter sind die größten Retailer Chinas: Alibaba und Tencent. Alibaba ist die chinesische Entsprechung von Amazon, wobei der Konzern auch international operiert. Dies beantwortet die Frage, woher die Daten über die Einkäufe stammen, welche dann auch einer sozialen Bewertung unterzogen werden sollen. Das von Alibaba konzipierte Bewertungssystem beruht auf dem Sesame-Credit-System von der Ant Financial Services Group, welche eine Tochtergesellschaft der Alibaba Group ist. Das Sesame-Credit-System hat sich schon als Kredit-Score-System in China bewährt und wird großflächig eingesetzt.</p>
<p>Mit dem zweiten Akteur, welcher an den sozialen Bewertungssystemen mitarbeitet, schließt sich wieder der Kreis zur Gamifizierung. Tencent hält nämlich Teile der überaus erfolgreichen Marken wie Riot Games, Epic Games und Activision Blizzard. Wem diese Namen nichts sagen: Aus diesen Spieleschmieden stammen PC-Spiele wie League of Legends, World of Warcraft und Overwatch, also genau die Spiele, die besonders für ihre süchtig machende Wirkung und ihren immensen monetären Erfolg bekannt sind.</p>
<p>Ebenfalls zu Tencent gehören: Der „qq Messenger“ mit 899 Millionen aktiven Accounts und „Wechat“ mit 980 Millionen aktiven Accounts. Tencent verfügt damit über eine riesige Datenmenge seiner Nutzer, auf die zurückgegriffen werden kann. Übrigens hat der chinesische Investor Tencent auch ein Auge auf den westlichen Markt geworfen und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Tencent auch im Westen nicht mehr zu übersehen sein wird.</p>
<h3>Von den Besten gelernt</h3>
<p>Der Probelauf und die Kommunikation der chinesischen Regierung zu diesem Thema ist äußerst geschickt und zeugt von dem Verständnis von modernen digitalen Prozessen und modernem Marketing. So sind bei dem Probelauf des sozialen Wertungssystems noch keine Strafen für eine niedrige Punktzahl eingebaut. Es gibt also schlichtweg nur positive Erfahrungen der Tester mit diesem System. Die Chinesen, die während der Testphase eine gute Wertung hatten, propagieren das System intrinsisch weiter, ohne jemals selbst die Folgen einer Implementierung für die ganze Gesellschaft abschätzen zu können, noch negative Erfahrungen damit gemacht zu haben. Ein Marketing-Trick, der von Erfolg gekrönt ist. Letztlich hat die chinesische Regierung mit dem Overlay einer sozialen Bewertung über die gesamte Gesellschaft das wohl mächtigste Werkzeug zur Steuerung einer Nation geschaffen, welches jemals implementiert wurde. Denn es muss nicht mehr auf Unterdrückung oder auf „Hard-Powers“ zurückgegriffen werden, sondern die Menschen werden sich selbst gegenseitig dazu antreiben, einen besseren Score zu erzielen, indem Regierungsvorgaben befolgt werden.</p>
<p>Dieses hochkomplexe und allumfassende System wird es in absehbarer Zeit nur in China geben. Jedoch sollte die Abstrahlwirkung auf den Rest der Welt in keinem Fall unterschätzt werden, denn Systeme zur Herrschaft und Kontrolle die funktionieren, werden immer kopiert.</p>
<h3>Alles eine Frage der Perspektive?</h3>
<p>Die wesentlichste Frage ist doch eigentlich, warum will die chinesische Regierung dieses System überhaupt einführen? Warum sollte die chinesische Gesellschaft dies wollen? Um dies im Ansatz zu verstehen, ist es ratsam, die westliche Sicht, in dessen Färbung natürlich auch dieser Artikel geschrieben ist, für einen Moment abzulegen.</p>
<p>In China leben weit über eine Milliarde Menschen verschiedener Ethnien und Sprachen. In einem riesigen Flächenstaat mit dieser gewaltigen Anzahl von Menschen eine gemeinsame Gesellschaft und Regierungsform aufzubauen und zu erhalten, stellt für sich schon eine immense Herausforderung dar. Um überhaupt eine Art Regierung und Staatswesen zu bewahren genießen die Verwaltungseinheiten in den Regionen Chinas eine sehr große Autonomie. Eine zentrale Steuerung und Kontrolle ist in einer so großen und hoch komplexen Gesellschaft analog nicht zu leisten. Dies führt aber in der Regel zu Klüngeleien und Korruption, da die autonomen Verwaltungseinheiten sich ihrer Macht durchaus bewusst sind und in der Regel keine Strafen fürchten müssen, weil sie schlichtweg nicht auffallen. Auch dies ist ein Grund für das Einführen eines SCS. Denn auch die Verwaltungen, die Mitarbeiter und Entscheider unterliegen dem sozialen Wertungssystem. Dadurch wird auch ihre Macht relativiert, da ihre Entscheidungen durch ihre Bewertung öffentlich einsehbar werden. Dies soll laut Regierung auch für die Parteifunktionäre gelten.</p>
<p>Für die chinesische Regierung ist das SCS nicht nur ein Bewertungssystem. <a href="http://www.chinalawtranslate.com/seeing-chinese-social-credit-through-a-glass-darkly/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Es ist eine Art Sicherung der finanziellen, öffentlichen und strafrechtlichen Stabilität</a> für die größte Gesellschaft der Welt, die sich nicht analog verwirklichen lässt, sondern nur noch digital. Diese Maßnahme reiht sich in andere Strategien ein wie die flächendeckende Videoüberwachung mit Gesichtserkennung, welche es Kriminellen schwer macht unterzutauchen, was vor der Einführung dieser Maßnahme eher die Regel war. Auch das Kreditwesen, welches zu den Rahmenbedingungen der Einführung des SCS gehört, ist fundamental für das Funktionieren einer Gesellschaft, eines Marktes und letztendlich auch für das Funktionieren und die Legitimation eines Staates. Ohne diese Maßnahmen wäre es zum Beispiel unmöglich zu unterscheiden, wer kreditwürdig ist und wer nicht.</p>
<p>Für jemanden mit westlichen Hintergrund mag es gruselig und schwer zu verstehen sein, sind es doch genau diese Maßnahmen, welche aus Datenschutz und privatrechtlichen Überlegungen Aktivisten verschiedener Lager in der Ablehnung vereint. In China jedoch tragen sie durchaus zu einem Mindestmaß an Vertrauen und Stabilität zur Öffentlichkeit und der Gesellschaft sowie einem Verantwortungsbewusstsein der Individuen bei. Oder um es anders zu formulieren: Gerade die Einführung des SCS ist ein Anreiz, sich überhaupt erst an gesellschaftliche Konventionen zu halten, sind sie in einer komplett anlog geführten Gesellschaft doch bei mehr als 1 Milliarde Menschen sehr leicht zu umgehen. Genauso wie es falsch wäre, unsere gesellschaftlichen Vorstellungen auf die chinesische Gesellschaft zu übertragen, wäre es umgekehrt ebenso falsch. Denn dies ist in jederlei Hinsicht, eine Frage der Perspektive.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/de/fische-viele-fische-viele-china-2736269/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fische by nessaja99 via pixabay</a>, <a href="https://pixabay.com/de/service/terms/#usage">CC0 Creative Commons</a>, bearbeitet</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Medienzensur in China: Entwickler protestieren mit Guerilla-Videospiel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Aug 2017 15:17:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzensur]]></category>
		<category><![CDATA[Games]]></category>
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					<description><![CDATA[Chinas Regierung lässt in großem Stil Videospiele zensieren. Wer ein neues Game auf den Markt bringen will, muss sich an [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-152928" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/video-controller-336657_1280.jpg" alt="Videocontroller via Pixabay" width="640" height="288" /><br />
Chinas Regierung lässt in großem Stil Videospiele zensieren. Wer ein neues Game auf den Markt bringen will, muss sich an die Spielregeln halten. Das bedeutet für Entwickler: Keine Inhalte, die als Kritik an der Regierung verstanden werden könnten, keine Verweise auf soziale oder politische Missstände in dem Land. Auch den Entwicklern der Games-Schmiede ZuoBuLaiGames dürfte das bewusst gewesen sein. Dennoch haben sie mit &#8220;The Wall&#8221; ein Spiel veröffentlicht, das offensichtlich gegen diese Richtlinien verstößt &#8211; und die Verantwortlichen im schlimmsten Fall für Jahre hinter Gitter bringen könnte.</p>
<p style="text-align: left;">&#8220;Stell dir vor, du wärst hinter einer Mauer geboren worden. Fügst du dich deinem Schicksal und akzeptierst die Gefangenschaft? Oder suchst du nach einem Weg auszubrechen?&#8221; Mit diesen markigen Worten präsentiert eine anonyme Gruppe chinesischer Spielentwickler, die unter dem Decknamen ZuoBuLaiGames operiert, ein neues Online-Spiel, das vor allem unter Auslandschinesen seit Wochen für große Aufregung sorgt.</p>
<h3>Eine beispiellose Provokation</h3>
<p>&#8220;The Wall&#8221; ist eine direkte Anspielung auf Chinas &#8220;Große Firewall&#8221;, einem breiten Bündel an Maßnahmen zur Überwachung und Zensur des Internets in China, das die kommunistische Regierung seit 2003 schrittweise eingeführt hat. Sie sorgt u.a. dafür, dass westliche Webseiten und Dienste wie Facebook, Google, Youtube und Co. in dem Land gesperrt sind. Denn die Regierung fürchtet kaum etwas so sehr, wie freie Medien und ungefilterte Informationsströme, stellen diese doch eine der größten Bedrohungen für den Machterhalt der Kommunistischen Partei, der Machtelite Chinas, dar. Dass mit &#8220;The Wall&#8221; nun ein Spiel auf den Markt kommt, das den User explizit dazu aufruft, eben jene Firewall zu zerstören und chinesischen Internetnutzern den Zugang zu den verbotenen Webseiten zu ermöglichen, dürfte in den Augen der Regierung als beispiellose Provokation erscheinen.</p>
<h3>Facebookk, Googlee, Wkipedia und CornHub</h3>
<p>Ein kurzes Promo-Video, das die Hersteller auf Steam veröffentlicht haben &#8211; einer Games-Plattform, auf der Nachwuchsentwickler ihre Werke erstmals einem breiteren Publikum vorstellen können -, offenbart ein vergleichsweise simples Spielkonzept: Als harmloser Zivilist getarnt bewegt sich der Spieler durch ein labyrinthartiges Gebäude. Auf seinem Weg trifft er auf zahlreiche Wachleute, die die umliegenden Wände bewachen. Hinter diesen Mauern verbergen sich verbotene Webseiten, die Facebookk, Googlee, Wkipedia oder CornHub heißen und offensichtlich das freie westliche Internet repräsentieren. Die Mission des Spielers besteht darin, den Wachleuten möglichst unentdeckt ihre Schlüssel zu entwenden, die Wände niederzureißen und anschließend die dahinter liegenden verbotenen Webseiten zu entsperren. Das Spiel ist gewonnen, sobald alle Webseiten &#8220;befreit&#8221; wurden.</p>
<h3>“Hätten die Mauer längst niederreißen sollen”</h3>
<p>Knapp zwei Monate nach der Erstveröffentlichung Anfang Juni wurde das Game bereits tausendfach heruntergeladen. Trotz des rudimentär anmutenden Spielkonzepts bewerteten knapp 88% der Probanden &#8220;The Wall&#8221; positiv &#8211; ein Rating, mit dem das Spiel zu den beliebtest auf Steam gehört. In zahlreichen Kommentaren drücken die Zocker ihre Sympathien und breite Zustimmung für das Game aus. So schreibt beispielsweise ein User, der sich IGotChu nennt: &#8220;Das Spiel sieht sehr vielversprechend aus. Ich werde euch unterstützen.&#8221; Ein anderer User schließt sich ihm an: “Ich hoffe, dass euch die Polizei nicht auf die Schliche kommt und ihr das Spiel noch weiter entwickeln könnt.” &#8220;Ich bewundere euren Mut. Wir hätten diese Mauer längst niederreißen sollen&#8221;, fordert hingegen der User Atheist1.</p>
<h3>Denkbar ungünstige Zeit für Steam</h3>
<p>Doch es gibt auch kritische Stimmen. Einige User fühlen sich durch &#8220;The Wall&#8221; dazu veranlasst, das chinesische Internet mit allen seinen Einschränkungen in Schutz zu nehmen. So schreibt beispielsweise der User UBIboy: “Ohne die Sperrung ausländischer Dienste in unserem Land hätte unsere heimische Internetindustrie niemals so prosperieren und wachsen können. Keines unserer IT-Unternehmen hätte jemals mit Google mithalten können.” Darüber hinaus lassen sich diverse Kommentatoren ausmachen, die eine schwere Bestrafung seitens der Regierung voraussagen &#8211; nicht nur für die Entwickler, sondern auch für die Betreiber von Steam. Für letztere kommt das Spiel freilich zu einer denkbar ungünstigen Zeit: So hat die chinesische Regierung erst kürzlich angekündigt, die ohnehin schon strengen Regeln für Spieleproduzenten und Betreiber von Onlineportalen noch einmal um einiges zu verschärfen. Fortan sollen sich sämtliche Online-Dienstleister einer staatlichen Prüfung unterziehen müssen, bevor sie Lizenzen für ihr Geschäft erhalten. Nur wer &#8220;sauber&#8221; ist und von der Regierung als unbedenklich eingestuft wird, darf in Zukunft weiter mediale Inhalte produzieren oder bereitstellen. Damit zielen die Maßnahmen der Regierung erstmals nicht mehr nur auf die verbreiteten Inhalte, sondern auch auf die persönlichen Hintergründe und Aktivitäten der Provider.</p>
<h3>Rechtliche Grauzone</h3>
<p>Für die Betreiber von Steam, einer Plattform mit immerhin mehr als 15 Millionen Usern in China, käme ein Verbot einer Katastrophe gleich. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie lange sie kontroverse Inhalte wie &#8220;The Wall&#8221; auf ihrer Seite noch zulassen werden. &#8220;Steam operiert in China schon immer in einer rechtlichen Grauzone&#8221;, sagt Daniel Ahmad, Analyst bei Niko Partners, einer Agentur für Marktforschung. &#8220;Es ist seit Jahren gesetzlich vorgeschrieben, dass alle neuen Videospiele vor ihrer Veröffentlichung eine strenge Prüfung durchlaufen müssen. Ob es anschließend zur Veröffentlichung kommt, entscheidet allein die Regierung. Die auf Steam veröffentlichten Spiele sind bislang jede staatliche Prüfung umgangen.&#8221;</p>
<h3>In absehbarer Zeit den Stecker ziehen</h3>
<p>Es ist nicht davon auszugehen, dass die chinesische Regierung für Steam eine Ausnahme machen wird. Ganz im Gegenteil: Sollte die Plattform weiterhin regierungskritische Spiele wie &#8220;The Wall&#8221; anbieten und verbreiten, dürfte ihr das Zensurministerium in absehbarer Zeit den Stecker ziehen. Das chinesische Game- Portal CovLevel.net hat bereits reagiert und den “Wall”-Trailer von seiner Seite entfernt. Inwiefern das Spiel darüber hinaus Konsequenzen für Entwickler und Portalbetreiber hatte, ist bislang nicht bekannt. Schriftliche Interviewanfragen an ZuoBuLaiGame und Steam blieben bis zum heutigen Tag unbeantwortet.</p>
<p>Titelbild: Education is All, by <a href="https://www.flickr.com/photos/cogdog/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Alan Levine</a> on <a href="https://www.flickr.com/photos/cogdog/14207665792/in/photolist-nDu143-TNFrop-TNFqgp-TNFr7x-TNFqYX-TLi5hy-TLi511-TNFpGt-TNFq52-TNFpRB-TNFptH-TLi4TY-TLi4DQ-TNFrSF-jkVU2f-5SVQV1-9GUqei-cJHMPN-6pvc8r-oBDSSg-V48Lgk-4VNsBu-fzviyT-9Xh8kF-omJjSi-SDEC9C-dvk1QD-8ozniU-4eVLyf-Wa9GNh-9v5KgN-9SCSqn-81TFA-4eRN4n-5rkbrw-W2563F-4eVLxs-6vm14q-4eRN3v-5G4HBz-eabYst-iGLbB1-cPgia5-7T3Lpk-efdcc9-9SFKsW-9v2Ksv-88FiwB-7yXa4L-9SCSEg/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flickr</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p><img decoding="async" src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b76402208ee9466fb38ce67c7c48ef44" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Glaube in Indien und China: Von Mantren und Tablets als digitalem Höllengeld</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan Raab]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Oct 2016 10:29:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Guanxi]]></category>
		<category><![CDATA[Höllengeld]]></category>
		<category><![CDATA[Josspaper]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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		<category><![CDATA[Digitaler Glaube]]></category>
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					<description><![CDATA[Man stelle sich vor, die Welt sei ein Dorf mit 100 Einwohnern. Fast die Hälfte von ihnen wäre online. Bereits [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Josspaper_Ganescha.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-149892 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Josspaper_Ganescha.jpg" alt="Josspaper Ganescha" width="640" height="323" /></a>Man stelle sich vor, die Welt sei ein Dorf mit 100 Einwohnern. Fast die Hälfte von ihnen wäre online. Bereits über 3,5 Milliarden User gibt es heute und es werden täglich mehr. Insbesondere im bevölkerungsreichsten Teil der Erde entdecken immer mehr Menschen das Netz. Uralte Traditionen treffen plötzlich auf moderne Technologien und verändern die Glaubenspraxis in Asien. Ein Blick auf Glauben in Indien und China in Zeiten der digitalen Revolution.</p>
<h3>Göttliche Bites für gläubige User</h3>
<p>„Was ist der Glaube wert, wenn er nicht in die Tat umgesetzt wird?“, fragte einst der Staatsgründer Mahatma Gandhi. In Indien wird die Bedeutung des Glaubens in allen seinen Farben und Facetten deutlich.</p>
<p>Fast 80% der Inder sind Hindus, doch über den ganzen Subkontinent unterscheiden sich die Traditionen und Bräuche stark. Jede Region, ja jedes Dorf kennt seine eigenen Schutzheiligen und Götter, die verehrt werden. Im Puja, wie das traditionelle Ritual in Indien bezeichnet wird, wenden sich die Gläubigen bei Fragen und Problemen an diese. Dazu werden Bildnisse oder Statuen mit Mantren angebetet in der Hoffnung, die dargestellte Gottheit möge im Bildnis anwesend sein. Anschließend werden Speisen, Blüten und edle Dufte geopfert, als dass die Gottheit die Bitten erhören möge.</p>
<p>In Indien sind die Distanzen häufig sehr groß und nicht immer ist der gewünschte Tempel in unmittelbarer Nähe. Daher bieten Portale wie <a href="http://www.saranam.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Saranam</a> einen besonderen Dienst an: Online kann jeder Hindu einfach den Tempel seiner Wahl auswählen, die anzubetende Gottheit sowie die Person für die das Puja bestimmt ist.</p>
<p>Einmal alle 12 Jahre wird die Bedeutung von Religion auf dem Subkontinent besonders deutlich. Wenn die Sonne im Widder und der Jupiter im Sternbild des Löwen stehen, so ist es wieder Zeit für die <a href="http://www.simhasthujjain.in/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Simhast Kumbh Mela</a>. Einer Legende nach soll einst der Gott Vischnu vier Tropfen des göttlichen Elixiers Amrit, das unsterblich macht, verschüttet haben, darunter auch in Ujjain, im Bundesstaat Madhya. Nach der hinduistischen Vorstellung verwandelt sich zu Kumbh Mela das Wasser des Ganges für kurze Zeit in Amrit. Viele Menschen, allein über 50 Millionen in diesem Jahr, pilgern in die Region zu den Ufern des Ganges. Sie hoffen, dass sie sich von ihren Sünden reinwaschen können, um so dem ewigen Kreislauf aus Geburt und Wiedergeburt zu entfliehen.</p>
<p>„Die Wahrheit siegt immer“, ist das Motto des Staates Indien. Analog hierzu ist die Kumbh Mela als eine Art religiöse Börse zu verstehen. Sadhus, Gurus, Gelehrte bieten dort ihre verschiedenen Erkenntnisse für ein erfülltes, spirituelles Leben auf dem Weg zur Wahrheit an. Aber nicht nur religiöse, sondern auch weltliche Dienstleister haben ihren Platz in diesem Kosmos gefunden. Ob Gottheiten per App auf dem Smartphone oder freie Parkplätze für die Pilger, das Angebot ist fast so groß wie die Weisheit der Gurus. Wer sich nicht in die Fluten des heiligen aber stark verschmutzen Ganges oder die Massen von Menschen stürzen will, dem bieten spezielle Zelte voll Technik die Möglichkeit, bequem und ungestört virtuell die Tempel zu besuchen und ungestört dem Glauben nachzugehen.</p>
<p>Aus westlicher Perspektive erscheint dieser Glauben oft archaisch, chaotisch und unverständlich. Manche fragen sich, warum Menschen bereit sind, so viel für ihre religiösen Vorstellungen auszugeben oder speziellen Ritualen nachgehen. Doch wie macht es ein altes indisches Sprichwort deutlich: „Wenn du glaubst, so ist es eine Gottheit, wenn nicht, ein Stein.“</p>
<h3>Vom Himmel auf Erden</h3>
<p>„Ist sie, oder ist sie nicht aus dem Weltall zu sehen, die chinesische Mauer?“ Diese Frage beschäftigte das Reich der Mitte für lange Zeit, ist doch der Himmel entscheidend für das Schicksal Chinas.  Als „Sohn des Himmels“ erhielt der chinesische Kaiser ein „Mandat des Himmels“, um im Zentrum des Kosmos die Geschicke der Welt zu lenken. Dieses Mandat war jedoch nicht für alle Zeiten gesichert, sondern musste stets legitimiert werden. Nur solange es dem Kaiser gelang, Harmonie und Stabilität im Reich zu wahren, nur solange war ihm die legitime Herrschaft über die Welt gesichert. Missernten und Unruhen galten hingegen immer als ein Zeichen dafür, dass der Himmel dem Herrscher nicht mehr gewogen ist. Umstürze und Machtwechsel konnten gerechtfertigt sein, wenn das „Mandat des Himmels“ abgelaufen zu sein schien. Es zählte nicht die edle Herkunft eines Herrschers, sondern seine Fähigkeit, Stabilität und Harmonie im Reich der Mitte zu wahren. Diesen Aufgaben müssen sich alle chinesischen Machthaber bis heute stellen.</p>
<p>„Lass uns eine neue Mauer bauen“, heißt es in der chinesischen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=UctriMuXYS0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nationalhymne</a>. Allerdings ist diese neue„Great Firewall“ unsichtbar. Einst wollten die Ming-Kaiser mit einer Mauer China vor äußeren Feinden schützen. Die gleiche Funktion soll nun neue digitale Mauern erfüllen. Anfangs versuchte die Führung des Landes sogar, ein eigenes Internet aufzubauen, was in Teilen auch gelang. Die Riesen des neuen digitalen Reiches wie Facebook oder Google konnten bis heute in China nicht Fuß fassen. Es erscheint fast, als ob die Kommunistische Partei das virtuelle Mandat in den Clouds und Bytes des digitalen Kosmos innehat. Zwar ist Religion in China Privatsache, die meist toleriert wird, aber nur solange die absolute Meinungsführerschaft der Partei unbestritten bleibt. Am Anfang des digitalen Chinas musste sich jeder User noch registrieren. Bis heute sind nur Spielekonsolen aus heimischer Produktion zugelassen, welche die Bedingungen der chinesischen Behörden erfüllen.</p>
<p>Nichts darf der Harmonie und der Stabilität des Riesenreiches widersprechen, soll das virtuelle Mandat erfüllt werden. Schließlich war dies ein Grund für den Erfolg und Aufstieg Chinas. Dies setzt aber die Bereitschaft voraus, sich stetig mit den neuen Technologien auseinanderzusetzen und mit ihnen auf einer Wellenlänge zu sein.</p>
<h3>Kontakte jenseits aller Kontakte</h3>
<p>Die richtige Wellenlänge in Form von Kontakten sind das, was die chinesische Gesellschaft ausmacht. Nur wer Kontakte hat, der hat einen Namen, existiert. Dieses System als „Guanxi“, zu Deutsch Netzwerk, entstammt der konfuzianischen Tradition. Sie besagt, Streit muss vermieden und Gemeinsamkeiten müssen gefördert werden. In diesem Sinne beschreibt „Guanxi“ ein komplexes Geflecht aus Beziehungen, die immer wieder aktiviert und gepflegt werden müssen. In China gelten Verträge nur als Rahmenordnung, viel wichtiger ist die einzelne Person. Gegenseitige Hilfe, kleine Aufmerksamkeiten und Gefälligkeiten pflegen und stärken das Guanxi.  Darunter fallen auch Geldgeschenke an wichtige und enge Kontakte. Je nach Anlass wie Geburt, Hochzeit oder sonstiges lassen sich mittlerweile bequem per Apps wie Wechat und Alipay Beträge an die Beschenkten versenden. Guanxi ist der Kern der chinesischen Gesellschaft. Jedes Netzwerk ist ein persönliches und nicht übertragbar.</p>
<p>Nur wer die richtigen Leute kennt, kann erfolgreich sein. Die Wichtigkeit des Guanxi geht jenseits aller Vorstellungen bis über den Tod hinaus. Gemäß der chinesischen Volksreligion gibt es zwei Welten, die Welt der Lebenden und die der Geister (Shen), welche miteinander verwoben sind. Die Traditionen und Bräuche sind zwar regional verschieden, doch eint sie alle die Verehrung der Ahnen. Sie wachen aus einer anderen Sphäre über die Familie.</p>
<p>Ob jenseits oder diesseits, in China geht man davon aus, dass die Sphäre der Geister und Ahnen ein Abbild der eigenen Lebenswelt ist. Ähnlich dem Alltag der Lebenden gibt es in der chinesischen Vorstellung Bedürfnisse, welche auch nach dem Tod noch weiterbestehen. Werden diese nicht erfüllt, die Verstorbenen nicht geehrt, können die Geister der Ahnen keinen Frieden finden und plagen als gui die Hinterbliebenen.</p>
<p>Einmal im Jahr im Geistermonat August stehen die Tore der Hölle offen, glaubt man. Dann spucken die gui durch die Straßen der Städte auf der Suche nach Opfern. Insbesondere am 17.August, dem „Fest der hungrigen Geister“, sind sie besonders aktiv. Um von diesen Angriffen verschont zu bleiben, schicken die Chinesen ihren Ahnen Güter in die andere Welt. Am einfachsten geht dies durch die Feuerpost. Traditionell werden sogenannte „Josspaper“ (auch als „Höllengeld“ bekannte Papiergeldscheine) verbrannt, damit die hungrigen Geister sich etwas kaufen können und die eigene Familie in Ruhe lassen. Aber der technische Wandel hat vor den „Toren der Hölle“ nicht haltgemacht. Mittlerweile werden auch aufwendige, teure Papierautos, Smartphones und Tablets verbrannt. Damit stimmt die Wellenlänge jenseits und diesseits wieder, die Onlinewelt vernetzt sogar jenseits aller Vorstellungskraft. Nicht einmal die Geister müssen mehr auf die Bequemlichkeiten der Onlinewelt verzichten.</p>
<h3>Digitales China am seidenen Draht</h3>
<p>„Wer am falschen Faden webt, zerstört das ganze Gewebe“, sagt ein altes chinesisches Sprichwort. Das Reich der Mitte ist eines der ältesten Gebilde aus Traditionen, Werten und Beziehungen. Bis heute hat sich der Gedanke der Stabilität und Harmonie erhalten. Nur so konnte China über die Jahrtausende bestehen und gewahrt bleiben, trotz großer Umbrüche und eines stetigen Wandels insbesondere in den letzten Jahren. Einst war es der Kaiser, heute ist es die Kommunistische Partei, welche über das Land wacht. Einst war es das Mandat des Himmels, welches die kosmische Ordnung wahren sollte, heute ist es das digitale Mandat der Clouds und Bits, welches die Ordnung im Netz wahren soll.</p>
<p>Nur solange die kommunistische Partei dieses Mandat erfüllen kann, solange kann sie den Anspruch erhalten, die Meinungsführerschaft zu haben und die letzte Instanz im digitalen Reich der Mitte zu sein. Immer wieder erschüttern aber neue Skandale das Land, seien es Umweltskandale, giftiges Milchpulver oder die großen Korruptionsskandale. Neue Technologien wie Apps und Smartphones erzeugen eine immer schnellere und unkontrollierte Meinungsflut. Immer wieder muss das digitale Mandat neu legitimiert werden. Nur zaghaft öffnet sich China ausländischen Einflüssen und reagiert immer noch mit scharfer Zensur. Angesichts von über 700 Millionen Usern wird dies aber schwer aufrechtzuerhalten sein. China wandelt sich, wenn auch langsam. Doch wie sagt eine chinesische Weisheit: „Habe keine Angst vor der Langsamkeit, sondern fürchte den Stillstand.“ Traditionen und Moderne verschmelzen im digitalen Asien immer mehr. Heute besteht Internetverbindung bereits über den Tod hinaus. Welchen Weg China aber in Zukunft gehen wird, daran scheiden sich die Geister.</p>
<p>Dies ist ein Crosspost von wahl.de, der Artikel ist zuerst <a href="https://www.wahl.de/aktuell/2016/08/29/glaube-in-indien-und-china/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dort </a>erschienen.</p>
<h3>Alle Artikel der Sommerreihe</h3>
<p><em>Prolog:</em> <a title="Religion und Internet: Glaube im digitalen Wandel" href="http://politik-digital.de/news/religion-und-internet-glaube-im-digitalen-wandel-149744/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Religion und Internet: Glaube im digitalen Wandel</a><br />
<em>Teil 1:</em> <a title="Auf einer Wellenlänge mit Gott? Zwischen Godspots und Social Media" href="http://politik-digital.de/news/auf-einer-wellenlaenge-mit-gott-zwischen-godspots-und-social-media-149751/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Auf einer Wellenlänge mit Gott? Zwischen Godspots und Social Media</a><br />
<em>Teil 2:</em> <a title="Ecclesia 2.0 – Ein Like für die frohe Botschaft" href="http://politik-digital.de/news/ecclesia-2-0-ein-like-fuer-die-frohe-botschaft-149772/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ecclesia 2.0 &#8211; Ein Like für die frohe Botschaft</a><br />
<em>Teil 3:</em> <a href="http://politik-digital.de/news/judentum-und-internet-613-mitzwot-und-einen-digitalen-sabbat-149842/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Judentum und Internet &#8211; 613 Mitzwot und einen digitalen Sabbat<br />
</a><em>Teil 4: </em><a title="Fatwas on the Internet – Wenn der Glaube digital wird" href="http://politik-digital.de/news/fatwas-on-the-internet-wenn-der-glaube-digital-wird-149890/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fatwas on the Internet – Wenn der Glaube digital wird</a><br />
<em>Teil 5:</em> <a title="Glaube in Korea: Digitalisierte Traditionen" href="http://politik-digital.de/news/glaube-in-korea-digitalisierte-traditionen-149874/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Glaube in Korea: Digitalisierte Traditionen<br />
</a><em>Teil 6:</em> <a href="http://politik-digital.de/news/glaube-in-indien-und-china-von-mantren-und-digitalem-hoellengeld-149888/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Glaube in Indien und China: Von Mantren und Tablets als digitalem Höllengeld</a><br />
<em>Teil 7:</em> <a href="http://politik-digital.de/news/der-gottesalgorithmus-digitale-suche-nach-dem-goettlichen-150280/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Der Gottesalgorithmus? &#8211; Digitale Suche nach dem „Göttlichen“ </a><br />
<em>Teil 8</em>: <a href="http://politik-digital.de/news/sterben-2-0-auf-dem-weg-zur-digitalen-unsterblichkeit-150291/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sterben 2.0 – Auf dem Weg zur (digitalen) Unsterblichkeit?</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Josspaper Ganescha von <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital</a>, <span class="licensetpl_attr">licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Sesame-Credits“ – Macht China Überwachung zum Spiel?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/sesame-credits-china-ueberwachung-148275/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Kastner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Jan 2016 10:19:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Sesame Credits]]></category>
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					<description><![CDATA[In China wurde Ende letzten Jahres ein neues Kreditsystem eingeführt, das seine Nutzer die eigene Kreditwürdigkeit über soziale Medien teilen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/China-Fingerprint-Kurios-CC0-via-pixabay.jpg.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-148276 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/China-Fingerprint-Kurios-CC0-via-pixabay.jpg.png" alt="China Fingerprint by Kurios CC0 via pixabay" width="640" height="280" /></a>In China wurde Ende letzten Jahres ein neues Kreditsystem eingeführt, das seine Nutzer die eigene Kreditwürdigkeit über soziale Medien teilen lässt. Dieses System wurde von privaten Unternehmen entwickelt, doch im Zusammenhang mit Plänen der chinesischen Regierung gibt das Anlass zur Sorge.</p>
<h3>Spielend gute Zahlungsmoral</h3>
<p>Es gibt eine Art der Motivationssteigerung, die in immer mehr Bereichen eingesetzt wird: Gamification. Gamification bedeutet, dass Elemente, die normalerweise in Computerspielen auftauchen, auch in anderen Lebensbereichen genutzt werden. Das können Fortschrittsanzeigen sein, die zeigen, wieviel Prozent eines Formulars man schon ausgefüllt hat, oder Highscores, bei denen man mit Freunden vergleichen kann, wer am meisten für seine Fitness tut. So soll die Motivation gestärkt und Unangenehmes, wie der Name schon sagt, spielerisch bewältigt werden.</p>
<p>Manche Angelegenheiten sind absolut unverspielt. Rechnungen zahlen und Kreditwürdigkeit zum Beispiel. Einige chinesische Firmen haben sich nun überlegt, dass es doch gut wäre, wenn man die Nutzer durch Spielelemente zu einer besseren Zahlungsmoral bringen könnte.</p>
<p>Anfang 2015 ging das so genannte „Sesame Credit“-System auf den Markt. Betrieben wird es von acht chinesischen Großunternehmen, unter anderem dem chinesischen Amazon-Pendant und Onlinehandelsgiganten Ali Baba, der für 80% des Onlinehandels in China verantwortlich ist sowie Ebay- und PayPal-ähnliche Dienste anbietet, und Tencent Holdings Limited, das verantwortlich für fast alle größeren Social Media-Plattformen in China und Teilhaber an einigen großen US-amerikanischen Computerspielunternehmen ist.</p>
<p>In erster Linie errechnet Sesame Credits einen persönlichen Bonitätsscore. Da der Bonitätsscore von einem Zusammenschluss privater Unternehmen errechnet wird, ist natürlich zum Beispiel Unternehmenstreue ein wesentlicher Faktor. Insgesamt gibt es <a href="http://qz.com/519737/all-chinese-citizens-now-have-a-score-based-on-how-well-we-live-and-mine-sucks/">fünf</a> Teile, aus denen sich der Score zusammensetzt: Das Einkaufsvolumen bei den teilnehmenden Unternehmen, persönliche Informationen wie Arbeitsplatz oder Familienstatus, als jeweils eigene Kategorien die Zahlungsmoral bei Rechnungen und bei Kreditkartennutzung und als letzter Faktor die Zahl der Freunde, die „Sesame Credits“ nutzen.</p>
<p>Diese Faktoren zusammen ergeben einen persönlichen Punktestand von 350 bis 950 Punkten, der die eigene Kreditwürdigkeit widerspiegelt. Hinzu kommt, laut <a href="http://www.bbc.com/news/world-asia-china-34592186">diversen</a> <a href="http://english.caixin.com/2015-03-02/100787148.html">Berichten</a>, eine Analyse dessen, was eingekauft wird (Wer viele Computerspiele kauft ist faul, wer als Elternteil Windeln kauft verantwortungsvoll). Der ungefähre Punktestand und die Fortschritte in den einzelnen Kategorien werden dem Nutzer dann als Grafik mittels einer App angezeigt, ebenso der Punktestand der teilnehmenden Freunde.</p>
<h3>Prestige und handfeste Vorteile</h3>
<p>Der Einfluss von „Sesame Credits“ geht jedoch weit darüber hinaus, dass man nur für sich selber seine Bonität (bei den teilnehmenden Firmen) anzeigen lassen kann. Das liegt zum einen an den chinesischen Nutzern und zum andere an der Menge und Größe der teilnehmenden Unternehmen.</p>
<p>Nutzer veröffentlichen ihre Punkte in sozialen Netzwerken und vergleichen sie miteinander, wie die Highscores in einem Spiel. So will natürlich jeder der oder die Beste sein und dieses „Gamification“-Verfahren ist auch mit verantwortlich für den großen Erfolg von „Sesame Credits“, das, obwohl es noch in der Betaphase ist, schon viele begeisterte Anhänger hat.</p>
<p>Doch durch die vielfältigen Sparten der mitwirkenden Unternehmen kann man bei einem guten Punktestand auch in anderen Lebensbereichen Vorteile erwerben. Vor allem ist der Punktestand natürlich maßgeblich dafür, wie leicht man einen Kredit bei „Ant Financial Services Group“, dem für das Punktesystem verantwortlichen Finanzarm von Alibaba, bekommt. Bei guten Punkteständen erwarten den Nutzer jedoch auch für ein Kredit-System ungewöhnliche Vorteile wie etwa eine vereinfachte Hotelbuchung oder ein besseres Ranking auf einer von Chinas größten Dating-Seiten und im besten Fall, bei sehr hohen Highscore-Werten, ein vereinfachtes Visum nach Luxemburg.</p>
<p>„Sesame Credits“ scheint also vor allem ein von privaten Unternehmen entwickeltes System zu sein, das ihre Kunden durch Wettbewerb und Vorzüge dazu anhalten soll, bei ihnen zu kaufen, viel zu kaufen, Freunde zu werben und vor allem die Sachen, die sie kaufen, zu bezahlen.</p>
<h3>Die Pläne der chinesischen Regierung</h3>
<p>Die Unternehmen, von denen „Sesame Credits“ stammt, sind jedoch nicht die Einzigen, die den chinesischen Bürgern eine gute Zahlungsmoral beibringen wollen. Im Juni 2014 veröffentlichte die chinesische Regierung ein <a href="https://chinacopyrightandmedia.wordpress.com/2014/06/14/planning-outline-for-the-construction-of-a-social-credit-system-2014-2020/">Dokument</a> zur Aufstellung eines „Social Credit System“, also eines Systems, mit dem soziales Verhalten bewertet werden soll. Dieser Entwurf sieht Maßnahmen vor, mit denen das Verhalten chinesischer Bürger und Institutionen in Richtung eines „sozialen“ Verhaltens beeinflusst werden soll, das, je nach Lesart, als gesellschaftsverträglich oder als staatskonform gedeutet werden kann. Das erklärte Anliegen der Regierung ist es, die vor allem finanzielle Aufrichtigkeit in der Gesellschaft zu stärken. Das blumig formulierte Dokument sieht Anregungen zur Korruptionsbekämpfung und Möglichkeiten für kleine Unternehmen, Kredite aufnehmen zu können, vor.</p>
<p>Das hört sich erst einmal harmlos, sogar lobenswert an. Schaut man sich das Dokument jedoch genauer an, zeigt sich, dass die Vorstellung, wie dies erreicht werden soll, einige nicht so harmlose Ideen enthalten. Der tiefere Sinn darin, Aufrichtigkeit zu stärken ist es, eine „harmonische sozialistische Gesellschaft“ aufzubauen. Der Ausgangspunkt aller Bemühungen müssen daher die (von der Regierung vertretenen und vorgelebten) sozialistischen Grundwerte sein. Das heißt weiter gedacht, wer diese ablehnt oder nicht befolgt ist nicht vertrauenswürdig.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund lesen sich viele Forderungen in einem anderen Licht: So sollen etwa Zuwiderhandlungen gegen den Vertrauensaufbau bestraft und das Befolgen der Regeln belohnt werden. Es soll, natürlich nur zum Vertrauensaufbau, eine Klarnamenpflicht im Internet eingeführt werden. Wer im Internet das Vertrauen bricht, soll etwa mit beschränktem Internetzugang bestraft werden. Es soll ein System zur Belohnung von Meldungen über Vertrauensbrüchen geben und wer etwas meldet soll belohnt werden.</p>
<p>Um eine möglichst umfangreiche Bewertung der Vertrauens- und Kreditwürdigkeit zu gewährleisten, müssen nun möglichst viele Daten über die einzelnen Bürger gesammelt werden. Bis zum Jahr 2020 soll jeder chinesische Bürger dann eine „Social Credit“-Einstufung haben. Und hier treffen sich das „Social Credit“-System der Regierung und das „Sesame Credit“-System der AliBaba Group.</p>
<h3>Was haben „Sesame Credits“ und „Social Credits” mit einander zu tun?</h3>
<p>Obwohl die Betreiber der „Sesame Credits“ private Unternehmen sind, sind sie nicht unabhängig von der chinesischen Regierung. „Sesame Credits“ ist es ein von der chinesischen Regierung unterstütztes <a href="http://blogs.wsj.com/chinarealtime/2015/11/06/china-wants-to-tap-big-data-to-build-a-bigger-brother/">Pilotprojekt</a>. Damit soll die Möglichkeit getestet werden, Personen aufgrund von Informationen aus verschiedenen Quellen einen persönlichen Kredit-Punktestand zuzuordnen. Die chinesische Zentralbank, die auch die Erlaubnis für ein unabhängiges Kreditsystem gab, ließ verlauten, dass das „Sesame Credit“-System dann später auch eine Rolle in dem größer angelegten „Social Credit“-System spielen solle. Dies würde dann der Regierung ermöglichen, in den von ihr errechneten Aufrichtigkeitswert neben behördlich zugänglichen Daten, wie etwa Straftaten, Verkehrsverstöße oder Familienstand, auch das private Konsum- und Internetverhalten der Bürger einzubeziehen.</p>
<h3>Also, macht China jetzt Überwachung zum Spiel?</h3>
<p>Ich denke, die Antwort lautet: Noch nicht, aber die Entwicklung ist bedenklich genug. Schon das aktuell bestehende „Sesame Credit“-System ist als Kreditsystem wesentlich allumfassender als andere Kreditsysteme und regt durch seinen Spielaspekt dazu an, ein guter Konsument zu sein. Aber man kann das System, das ja ein Pilotprojekt ist, nicht unabhängig von den Plänen der chinesischen Regierung sehen und dann enfaltet dieses System ein dystopisches Potential.</p>
<p>Schon das „Sesame Credit“-System gewährt bei bestimmten Punktezahlen Vorteile, dies kann die chinesische Regierung übernehmen. Zugleich kann sie besser schlechte Werte sanktionieren.</p>
<p>Hinzu kommt das zum Beginn erwähnte Gamification-Prinzip. Wenn die chinesische Regierung auch den Spielaspekt des Systems wie etwa die Highscores und die Vergleichbarkeit des eigenen Standes mit Freunden übernimmt, hat das System viele der Pläne der Regierung automatisch eingebaut. Wenn ein Freund niedrige Punkte hat, und diese Punkte darauf beruhen, wie unzureichend er an das sozialistische System angepasst ist, dann wäre es vielleicht besser, nicht allzu eng mit ihm befreundet zu sein. Das könnte ja den eigenen Punkten schaden. Damit man wegen eines schlechten Rankings nicht von Freunden gemieden wird, sollte man also einen guten Punktestand haben und nicht zu sehr negativ auffallen… vor allem wenn ein niedriger Punktestand auch sonst Nachteile mit sich bringt, etwa erschwerte Bedingungen bei der Arbeitsplatzsuche und ein positiver Stand Vergünstigungen wie erleichterte Reisen ins Ausland.</p>
<p>In diesem Sinn ist die Gefahr, die durch dieses System besteht, wohl nicht so sehr staatliche Überwachung und damit verbundene Repression, sondern viel mehr eine umfassende Selbstüberwachung und sozialer Druck. Eine „nettere“ Art seine Bürger linientreu zu halten.</p>
<p>Der chinesische Journalist Zheping Huang sagt dazu: „Selbst wenn mein schlechter Punktewert [bei Sesame Credits] noch nicht viel bedeutet, nehme ich an, es ist das Beste, wenn er nicht zu niedrig wird. Also werde ich – warum auch nicht? – mehr bei Taobao [dem zu Alibaba gehörenden chinesischen Ebay-Äquivalent] kaufen. Hmm, vielleicht dieses Buch; Xi, Jinping: China regieren. Gesammelte Reden des Präsidenten? Damit kann ich nicht falsch liegen.”</p>
<p>Bild: <a href="https://pixabay.com/en/china-flag-fingerprint-country-652856/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kurios</a><span class="licensetpl_attr">,</span> <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CCo Public Domain</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Geschäftspartner von Pekings Gnaden: Westliche IT-Firmen in China</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Josip Pejić]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Dec 2015 09:13:31 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-9"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Im chinesischen Wuzhen findet gerade die Internetmesse „Light of Internet Expo&#8221; statt. Doch westliche IT-Firmen haben es in China nicht leicht. Mit immer rigideren Methoden drängt die chinesische Führung deren Einfluss auf dem Internetmarkt zugunsten heimischer Unternehmen zurück. Dass das im Westen kaum jemanden abschreckt, zeigt, wie wichtig der chinesische Internetmarkt für sie ist.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Lu Wei ist keine besonders imposante Erscheinung. Mit seiner verhältnismäßig geringen Körpergröße, seiner fülligen Statur und seinen ungelenken Schritten wirkt der 55-jährige Chinese behäbig und träge. Steht er westlichen Unternehmern wie Apple-Chef Tim Cook oder Amazons Jeff Bezos gegenüber, so überragen ihn diese gerne mal um einen ganzen Kopf. Und dennoch: Wenn Lu spricht, halten die Silicon-Valley-Bosse den Atem an. Denn Lu ist der Direktor der Zentralen Führungsgruppe für Internetsicherheit und damit Chinas oberster Internetzensor. Wer auf dem größten und am schnellsten wachsenden Internetmarkt der Welt Geschäfte machen will, muss zuerst an ihm vorbei &#8211; und Lu macht es seinen amerikanischen Counterparts alles andere als einfach. Denn ausländische IT-Firmen sind in China zurzeit nicht besonders willkommen. Im Gegenteil, stellt doch die Stärkung und Unabhängigkeit der heimischen IT-Industrie ein zentrales politisches Ziel der Führung unter Präsident Xi Jinping dar.</p>
<h3>Geschäfte nur zu chinesischen Konditionen</h3>
<p>Eine Internetpartnerschaft mit China gibt es dementsprechend nur zu chinesischen Konditionen. Und wie diese aussehen, mag so manchem westlichen Konzernlenker flau im Magen werden lassen: So müssen US-amerikanische und europäische Unternehmen hilflos dabei zusehen, wie der chinesische Staat heimische Computerfirmen wie etwa die Online-Handelsplattform Alibaba, den Smartphone-Hersteller Xiaomi oder den Suchmaschinenbetreiber Baidu offen protegiert und mit kräftigen Finanzspritzen päppelt, während ihnen selbst zunehmend die Daumenschrauben angelegt werden. Beispiele für die Gängelung westlicher IT-Firmen durch chinesische Behörden gibt es genug: So wurde etwa dem amerikanischen Softwarehersteller Symantec 2014 aus heiterem Himmel die Lizenz entzogen, chinesische Behörden mit seinen Produkten zu beliefern. Microsoft durfte im selben Jahr seine Windows-Betriebssysteme nicht länger auf Regierungscomputern installieren, da diese in Zukunft über das Windows-ähnliche chinesische Betriebssystem NeoKylin laufen sollten. Und auch Apple hatte bereits Probleme mit chinesischen Zertifikaten, die letztlich dazu führten, dass das Unternehmen sein iPhone 6 und iPhone 6 Plus verspätet auf den chinesischen Markt bringen und infolgedessen empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen musste. Darüber hinaus wurden nicht wenige westliche IT-Firmen vom chinesischen Ministerium für öffentliche Sicherheit mit fadenscheinigen Begründungen auf die Pekinger Verbotsliste gesetzt, die von Sicherheitsbedenken über Wettbewerbsverzerrung bis hin zu marktmonopolistischem Verhalten reichten. Und als wäre das alles nicht genug, behält sich die chinesische Führung das Recht vor, ausländische IT-Firmen jederzeit und umfassend zu kontrollieren, indem sie ihnen beispielsweise die Nutzung eigener Rechenzentren untersagt und sie somit von staatlichen Servern abhängig macht. Wer nicht bereit ist, nach Pekings Regeln zu spielen, dem bleibt nichts anderes übrig als das Feld zu räumen.</p>
<h3>Eine bittere Erfahrung</h3>
<p>Eine bittere Erfahrung, die auch der US-amerikanische Internet-Gigant Google 2010 machen musste. Nachdem der Suchmaschinenbetreiber aufgrund der Zensur seiner Suchergebnisse wiederholt mit der chinesischen Führung aneinander geraten war, beschloss die Konzernführung im März 2010, sich aus dem chinesischen Markt zurückzuziehen. Zunächst wurden die Suchanfragen vom chinesischen Festland auf Server in Hongkong umgeleitet, wo die Suchergebnisse unzensiert angezeigt werden konnten. Jedoch ruderte der Konzern aus Angst, seine Lizenz zum Betrieb von Webseiten in China komplett zu verlieren, schon bald zurück und entfernte die automatische Umleitung seiner Suchergebnisse wieder. Das Resultat der Plänkelei war, dass Google am Ende erhebliche Marktanteile zu Gunsten seines chinesischen Rivalen Baidu verlor, der seitdem als unangefochtene Nummer Eins auf dem chinesischen Markt gilt.</p>
<h3>Um ein gutes Verhältnis zu Peking bemüht</h3>
<p>Das Beispiel Googles scheint bei westlichen IT-Konzernen Eindruck hinterlassen zu haben. Heute traut sich kaum noch jemand, sich den strengen Vorschriften der Zentralregierung zu widersetzen. Stattdessen sind alle tunlichst um ein gutes Verhältnis zu Peking bemüht. Eines der extremsten Beispiele dafür dürfte wohl Facebook-Boss Mark Zuckerberg sein. Kaum ein anderer Silicon-Valley-CEO drängt seit Jahren so hartnäckig darauf, mit seiner Firma endlich wieder chinesischen Boden betreten zu dürfen, wie der 31-jährige Zuckerberg. Stellt doch das Land mit über 670 Millionen Internetnutzern einen der wichtigsten Wachstumsmärkte für das seit 2009 in China gesperrte Facebook dar. Dementsprechend ist sich Zuckerberg für keine Aktion zu schade, um Chinas großen Anführer Xi Jinping von sich zu überzeugen. So lernte er in nur fünf Jahren fließend Mandarin sprechen und überraschte Xi bei ihrer letzten Begegnung auf dem Internet Industry Forum 2015 in Seattle mit seinen Chinesisch-Künsten. Kurz zuvor hatte Zuckerberg Lu Wei – den Mann, der für Facebooks Sperrung in China verantwortlich ist – in seinem kalifornischen Büro hofiert und dabei wie zufällig das Buch „China regieren“ von Staatschef Xi Jinping auf seinem Schreibtisch liegen gelassen. Seinem chinesischen Gast erklärte er, er ließe das Buch auch an seine Mitarbeiter austeilen, da es ihnen helfen solle, die Besonderheiten des chinesischen Sozialismus besser zu verstehen. Den Vogel schoss Zuckerberg jedoch ab, als er Xi im Oktober 2015 bei einem von US-Präsident Obama veranstalteten Dinner im Weißen Haus bat, seiner damals noch ungeborenen Tochter einen Namen zu geben. Verschiedene internationale Medien berichteten, der chinesische Präsident hätte Zuckerbergs Bitte mit versteinerter Miene und einem einfachen „Nein“ zurückgewiesen. Ein Assistent Xis bemühte sich daraufhin um Schadensbegrenzung und erklärte Zuckerberg, seine Bitte brächte eine zu große Verantwortung mit sich.</p>
<h3>Das Recht, unsere Freunde selbst zu wählen</h3>
<p>Gebracht hat Zuckerberg seine Charme-Offensive bislang wenig &#8211; anders als seinen Kollegen von Apple, IBM, Microsoft oder Amazon bleibt ihm der Zutritt zum chinesischen Internetmarkt weiterhin verwehrt. Zu groß sind das Misstrauen und die Furcht der kommunistischen Führung, die Kontrolle über die Internetaktivitäten chinesischer Nutzer auf der Plattform zu verlieren. So fand Oberzensor Lu Wei unlängst auf einer Konferenz denn auch deutliche Worte, um Chinas Haltung gegenüber westlichen (Medien-) Unternehmen zu beschreiben: „Ich kann nicht ändern, wie Sie sind. Aber ich habe das Recht, meine Freunde selbst zu wählen. Ich muss sicherstellen, dass diejenigen, die zu uns kommen, unsere Freunde sind. Wir heißen niemanden willkommen, der hierher kommt, um Geld zu verdienen, den chinesischen Markt zu übernehmen und am Ende China zu verleumden. Das ist wie bei einer Familie, die keine unfreundlichen Leute als Gäste zu sich einlädt.“ Lus Äußerung kommt zu einer Zeit, in der Peking und Washington sich schon seit längerem gegenseitig beschuldigen, einander mit Hilfe von Computern und Software auszuspionieren. China befürchtet, die USA könnten durch die massive Verbreitung amerikanischer Software kritische Infrastrukturen des Landes, wie z.B. Banken, Kraftwerke, Krankenhäuser oder Mobiltelefonnetze, komplett lahmlegen. Die USA hingegen werfen Peking vor, immer wieder Cyber-Angriffe auf amerikanische Institutionen und Unternehmen zu lancieren und u.a. sensible Daten zu stehlen. US-Präsident Obama verfügte deshalb im April 2015 einen Exekutiverlass, wonach die Verantwortlichen hinter solchen Angriffen in Zukunft mit drastischen Sanktionen belegt werden sollen. Um die Situation nicht vollends eskalieren zu lassen, haben die Führungen beider Länder kürzlich beschlossen, einen Vertrag zum gegenseitigen Schutz vor Cyberangriffen auszuhandeln, in dem sie zusichern, nicht als erstes eine Cyber-Attacke auf den jeweils anderen zu starten. Vor diesem Hintergrund bemühte sich Lu Wei denn auch, ein Zeichen der Entspannung an US-amerikanische IT-Firmen zu senden, indem er ihnen versicherte, dass ihnen die Tür zum Reich der Mitte nach wie vor offen stünde, solange sie in friedlicher Absicht kämen: „Wir sind für alle IT-Unternehmen der Welt offen. Solange Sie nicht Chinas nationalen Interessen oder den Interessen chinesischer Verbraucher schaden, heißen wir Sie und Ihr Geschäft in China willkommen.“ Ob und inwiefern das auch für Mark Zuckerberg gilt, bleibt vorerst abzuwarten.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/globalx/">Global X</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a></p>
<p><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
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		<title>Soziale Medien in China: Wo bleibt Angela Merkel?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Josip Pejić]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Dec 2015 14:39:50 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Christoph Rehage]]></category>
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					<description><![CDATA[Das chinesische Twitter-Pendant Weibo hat mehr als 500 Millionen Mitglieder. Abseits unseres digitalen Radars genießt die soziale Plattform trotz der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Weibo-Teaser.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-147599" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Weibo-Teaser.jpg" alt="Weibo-Teaser" width="640" height="280" /></a>Das chinesische Twitter-Pendant Weibo hat mehr als 500 Millionen Mitglieder. Abseits unseres digitalen Radars genießt die soziale Plattform trotz der Zensur im Reich der Mitte große Popularität. Der britische Premier David Cameron hat Weibos Potenzial schon erkannt – die deutschen Politiker hinken noch deutlich hinterher.</p>
<p>Als der britische Premierminister David Cameron im Dezember 2013 nach China reiste, um sich mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping zu treffen, eröffnete er kurz vor seiner Abreise einen Account auf dem chinesischen Microblogging-Portal Weibo und setzte sogleich seinen ersten Post ab: „Hello my friends in China. I&#8217;m pleased to have joined Weibo and look forward to visiting China very soon.“ Ungeachtet der wenig spektakulären Aussage seiner Nachricht verbreitete sich diese rasend schnell in dem sozialen Netzwerk und so konnte Cameron bereits zehn Minuten nach Versenden seiner ersten Botschaft mehr als 10.000 Antwortkommentare von begeisterten chinesischen Nutzern verzeichnen. Nur acht Stunden nach Eröffnung seines Accounts hatte der britische Premier bereits mehr als 40.000 Follower auf Weibo. Der Social Media-erfahrene Cameron, der schon auf Weibos westlichem Pendant Twitter über eine stolze Anhängerschaft von knapp 1,27 Millionen Followern verfügt, nutzte denn auch im Folgenden seinen neuen Account, um Eindrücke von seinem China-Aufenthalt festzuhalten und diese mit seinen chinesischen Fans zu teilen.</p>
<p>Die Absicht, die dahinter steckte, war klar: Cameron wollte die chinesischen Netizens an seinem Besuch teilhaben lassen und dadurch ihre Herzen für sich gewinnen. Dies ist ihm zweifellos gelungen, haben doch die Chinesen seinen Inhalten sehr viel Beachtung geschenkt, seine Beiträge massenhaft kommentiert, geteilt und geliked. Als dann zwei Jahre später der chinesische Staatspräsident Xi Jinping nach London reiste, reaktivierte Cameron kurzerhand seinen Weibo-Account und postete Bilder von ihm und Xi für die chinesische Netzgemeinde. Obwohl er dadurch wieder viel Aufmerksamkeit auf sich zog, beließ es der britische Premier dieses Mal dabei und verzichtete darauf, mehr von Xis Besuch zu berichten. Leider, möchte man fast sagen, denn die chinesischen Netizens hätten sich durchaus für Xis Amtsbesuch aus der Sicht des britischen Premierministers interessiert. Ihre Begeisterung für die Interaktion über soziale Medien ist jedenfalls unbestritten.</p>
<h3>Westliche soziale Netzwerke in Punkto Mitgliederzahlen längst überholt</h3>
<p>Wie groß diese mittlerweile ist, zeigt unter anderem der Umstand, dass Sina Weibo mit mehr als 500 Millionen Mitgliedern über eine der größten Social Media-Gemeinden der Welt verfügt. Knapp 90 Prozent aller chinesischen Internetnutzer sind in sozialen Netzwerken aktiv. In keiner anderen Region der Welt gibt es mehr aktive Social Media-User als im asiatisch-pazifischen Raum. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die etablierten westlichen Plattformen, wie z.B. Facebook, Twitter oder Youtube, im Reich der Mitte aufgrund der dort herrschenden rigiden Medienzensur geblockt werden und dadurch Millionen chinesische Internetnutzer von diesen Diensten faktisch abgeschnitten sind. Denn die chinesische Regierung hat längst auf das entstandene Vakuum reagiert, indem sie eigene soziale Netzwerke erschaffen ließ, die auf die Bedürfnisse chinesischer Nutzer zugeschnitten sind und dabei gleichzeitig den medienpolitischen Vorgaben Pekings entsprechen. So findet sich für fast jede westliche Plattform eine chinesische Entsprechung, von denen manche ihre westlichen Vorbilder in puncto Mitgliederzahlen sogar schon überholt haben.</p>
<h3>300 ausländische Politiker auf Weibo</h3>
<p>Angesichts der immer weiter wachsenden chinesischen Online-Community liegt die Vermutung nahe, dass neben Cameron auch andere westliche Top-Politiker und Repräsentanten das Potenzial erkannt haben, welches ein Profil beispielsweise auf Weibo für die eigene Reputation haben kann. Und tatsächlich: Laut Aussagen des chinesischen Internetunternehmens Sina Corporation, das u.a. für den Microblogging-Dienst Weibo verantwortlich zeichnet, sind heute etwa 300 ausländische Politiker in dem sozialen Netzwerk registriert. Neben David Cameron sind mit Indiens Premierminister Narendra Modi, dem ehemaligen australischen Premierminister Kevin Rudd und Venezuelas Präsidenten Nicolas Maduro drei weitere Staatsoberhäupter vertreten. Darüber hinaus unterhalten der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, der frühere israelische Staatspräsident Schimon Peres und die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde eigene Weibo-Accounts.</p>
<p>Angela Merkel ist (noch) nicht dabei – generell sucht man deutsche Politiker auf Weibo bislang vergeblich. Dabei macht es auch für deutsche Akteure durchaus Sinn, den direkten Draht zur chinesischen Netzgemeinde in ihre diplomatische Arbeit zu integrieren. So könnte beispielsweise die deutsche Bundeskanzlerin besorgten Chinesen versichern, dass die europäische Flüchtlingskrise keine Gefahr für die deutsche Stabilität darstellt und chinesische Studenten auch weiterhin sorgenfrei zum Studieren nach Deutschland kommen können. Sie könnte aber auch ihren Standpunkt erläutern, warum es angesichts von Kriegen und Vertreibungen im Nahen Osten wichtig ist, Flüchtlinge aufzunehmen – eine Ansicht, die ein Großteil der Chinesen nicht teilt. Unabhängig davon, ob sich Merkel auf Weibo aufhält oder nicht, finden solche Diskussionen in chinesischen Netzwerken statt – und manche rücken die Rolle Deutschlands und der Kanzlerin nicht gerade in ein positives Licht.</p>
<h3>Interesse der chinesischen Netizens wecken</h3>
<p>Dass es im Zweifelsfall aber auch ohne politische Beiträge oder breit gefächerte Diskussionen geht, zeigt das Beispiel von David Cameron. Demnach sind Reisen nach China Anlass genug, ein Konto auf Weibo zu eröffnen und letztlich der einfachere Weg, um das Interesse der Chinesen zu wecken und ihre Sympathie zu gewinnen. „Deutsche Politiker sollten sich zunächst vorrangig mit chinesischen sozialen Medien beschäftigen, wenn sie nach China reisen und mit der chinesischen Bevölkerung in Kontakt treten wollen“, sagt Karsten Luc, China-Experte bei der <a href="http://www.thinkasiagroup.com/">Think Asia Group</a> und zuletzt Visiting Academic Fellow am Mercator Institut für China Studien (MERICS). „Nicht etwa um deutsche Innenpolitik mit den chinesischen Netizens zu diskutieren, sondern um primär ihre Chinareisen aus einer authentischen Perspektive zu dokumentieren.“ Das Ziel solle sein, das Interesse der chinesischen Netizens für die deutsch-chinesischen Beziehungen zu wecken: Welche Themen wurden mit der chinesischen Führung diskutiert? Welche spannenden Ereignisse mit der chinesischen Bevölkerung gab es? Was halten die deutschen Politiker von Chinas Fortschritten und Problemen? Das sind die Fragen, für die sich die Chinesen interessieren.</p>
<h3>Pekings Internetzensur zum Opfer gefallen</h3>
<p>Doch wie authentisch ist der Social Media-Auftritt eines Politikers, der von vornherein bestimmte Themen lieber ausklammert, da sie von Peking nicht gerne gesehen werden? Denn die Gefahr, sich mit politischen Äußerungen zu weit aus dem Fenster zu lehnen, ist in China immer präsent und nicht wenige einflussreiche Persönlichkeiten sind Pekings strenger Internetzensur bereits zum Opfer gefallen. „Die chinesische Regierung hat einen strengen und effektiven Zensurapparat geschaffen“, so Luc. „Was ich sehe ist, dass sich ausländische Politiker oder Institutionen der Zensur bewusst sind und sich in den sozialen Medien an die “Spielregeln” halten.“ Im Endeffekt bedeutet das: Bloß keine Massenmobilisierung in Chinas Netzwerken für Themen loszutreten, die der chinesischen Führung ein Dorn im Auge sind. Haifen Nan, China-Expertin und Social Media-Redakteurin der Robert Bosch Stiftung, erinnert sich an einen Deutschen, der Chinas strenge Internetzensur unlängst am eigenen Leib zu spüren bekam: Der Autor und Sinologe Christoph Rehage. Als einer der einflussreichsten Ausländer auf Weibo mit über 800.000 Followern geriet er 2014 aufgrund seiner Äußerungen zu verschiedenen politischen Themen ins Fadenkreuz der chinesischen Internetwächter. Rehage, der als Student mehrere Jahre in Peking gelebt hat, hatte 2007 mit einer 4646 Kilometer langen Wanderung von Peking in die westliche Provinz Xinjiang landesweit Berühmtheit erlangt. Während seiner Reisen durch China nutzte er seinen Weibo-Account lange Zeit, um von seinen Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten und diese mit den chinesischen Netizens zu teilen. Nach einigen Jahren hatte er eine so große Fangemeinde um sich geschart, dass auch die chinesische Internetpolizei auf ihn aufmerksam wurde. Nachdem sich Rehage 2014 immer häufiger auch zu politischen Themen wie Umweltschutz, freie Meinungsäußerung oder soziale Gerechtigkeit öffentlich äußerte, beschloss man den Stecker zu ziehen und den Deutschen still zu legen. Zunächst wurde sein Weibo-Account gelöscht, dann verlor er auch noch seinen Job als Kolumnist bei einer Pekinger Zeitung. Sämtliche seiner veröffentlichten Artikel wurden aus dem chinesischen Netz entfernt und Weibo war um einen Deutschen ärmer. Laut Nan kann Rehages Löschung durchaus als eine Warnung verstanden werden, dass die chinesischen Autoritäten auch bei prominenten Ausländern keine Ausnahme machen – egal wie populär diese auch sein mögen. Heute zwitschert Rehage auf Twitter weiter, wo er sowohl einen englischsprachigen als auch einen chinesischen Account unterhält. Dessen ungeachtet stellt seine Sperrung für die Nutzer auf Weibo einen großen Verlust dar, denn deutsche Persönlichkeiten wie er erfreuen sich in Chinas sozialen Netzwerken großer Beliebtheit.</p>
<h3>Promis als Deutschland-Botschafter</h3>
<p>In einer von MERICS veröffentlichten Studie hat Karsten Luc sich mit Deutschlandbildern in chinesischen sozialen Netzwerken beschäftigt und dabei interessante Ergebnisse zutage gefördert. Demnach stößt das Thema Deutschland bei chinesischen Social Media-Nutzern auf reges Interesse: „Erstellt man ein Nationen-Ranking auf Basis der ausgewerteten Weibo-Daten, so befindet sich Deutschland auf dem vierten Platz“, so Luc. Dabei drehen sich die Diskussionen am häufigsten um Fußball, deutsche Produktqualität und Bildung. Zu den deutschen Profilen mit den meisten Followern zählen das DFB-Team oder der FC Bayern München. Generell ist der deutsche Fußball auf Weibo ein beliebtes Gesprächsthema. So sind es laut Luc auch eher Persönlichkeiten wie Mesut Özil oder andere deutsche Fußballspieler, die den Wunsch der chinesischen Netzgemeinde befriedigen, berühmten Persönlichkeiten auf Augenhöhe zu begegnen und sich ihnen zumindest virtuell nahe zu fühlen. Zwar sind auch zahlreiche deutsche Einrichtungen vor allem aus dem Bildungsbereich, wie das Goethe Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) oder das Deutschland-Zentrum, in Chinas sozialen Medien vertreten. Allerdings nutzen diese die Netzwerke in erster Linie als Informationsportale und nicht als eine interaktive Plattform, auf der Inhalte kommentiert, geteilt oder geliked werden sollen. „Institutionen posten sehr häufig Antragsformulare und Job-Ausschreibungen als Fotos oder Webseiten-Screenshots. Formate wie Cartoons, Kurzvideos oder Infografiken, die vor allem jüngere chinesische Netizens ansprechen, werden kaum genutzt“, so Luc in seiner Studie. Darüber hinaus erreichen sie aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Follower-Zahlen nur einen kleinen Teil der chinesischen User. Im Gegensatz dazu haben viel beachtete Persönlichkeiten wie Lukas Podolski oder Philipp Lahm einen wesentlich größeren Einfluss und prägen dementsprechend stärker das Deutschlandbild in Chinas sozialen Netzwerken.</p>
<p>So plädiert Luc denn auch dafür, prominente Persönlichkeiten als Deutschland-Botschafter zu nutzen. Wenn schon keine offiziellen Amtsträger den direkten Dialog mit chinesischen Netizens forcieren, so könnten sich zumindest deutsche Prominente mit wichtigen chinesischen Persönlichkeiten in den sozialen Medien vernetzen, um bedeutenden Deutschland bezogenen Themen ein größeres Gewicht zu verleihen. „Das aktuelle Deutschlandbild ist in den chinesischen Sozialen Medien überwiegend positiv“, resümiert Luc. „Es wäre aber fahrlässig, sich darauf auszuruhen.“</p>
<p>Bild: <a href="http://www.weibo.com/ukprimeminister" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Screenshot Weibo @ukprimeminister</a></p>
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		<title>Internet Governance Agenda 2015</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja Hellmys]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Nov 2015 14:05:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vom 18. bis 22. Oktober fand in Dublin die Konferenz der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) statt. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Internet_Fotor.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-147474" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Internet_Fotor.jpg" alt="Internet_Fotor" width="640" height="280" /></a>Vom 18. bis 22. Oktober fand in Dublin die Konferenz der <em>Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (</em>ICANN) statt. Darin ging es um einen verbindlichen Vorschlag für die zukünftige Organisation des Internet. Prägend dafür ist der Begriff <em>Internet Governance</em>, der nicht nur auf der ICANN-Konferenz mit kontroversen Diskussionen verbunden ist.</p>
<p>Die wachsende Bedeutung des Internet wirft seit langem Fragen nach dessen Organisation auf. Mit Organisation wird dabei die Verwaltung von Domainnamen und IP-Adressen bezeichnet. Liegen diese Aufgaben in der Kontrolle einzelner Akteure, besteht die Möglichkeit einer unzulässigen Machtballung. Daraus erklärt sich die Kritik vieler Regierungen an der signifikanten Rolle der USA im Hinblick auf die Internetverwaltung. Die Verwaltung wurde bisher von der <em>Internet Assigned Numbers Authority</em><em> (</em><em>IANA)</em> mit Sitz in den USA übernommen. Das widerspräche nach Ansicht einiger Regierungen aber dem Souveränitätsprinzip nach Art. 2 I UN-Charta, d.h. der souveränen Gleichheit aller Staaten.</p>
<p>Um dem entgegenzuwirken seien wirksame wie neutrale Verwaltungsbehörden notwendig. Bei der Frage nach der Ausgestaltung solcher Behörden, beginnen die Diskussionen. Problematisch ist vor allem, wie die Sicherheit und Stabilität des Internet gesichert werden kann. Den Rahmen dieser Auseinandersetzung bildet die Diskussion um die Konzeptionierung von Internet Governance. Mit dem Begriffspaar wird grundlegend die internationale Organisation des Internets bezeichnet. Die Vereinten Nationen <a href="http://www.wgig.org/docs/WGIGREPORT.pdf">definieren mit Internet Governance</a> konkret die Entwicklung wie auch Anwendung gemeinsamer Prinzipien, Normen, Regeln, Entscheidungsverfahren und Programme für die Fortentwicklung sowie Anwendung des Internets durch Regierungen, den privaten Sektor und die Zivilgesellschaft.</p>
<h3>Die Organisation des Internets: Vergangenheit und Zukunft</h3>
<p>Die Organisation und Kontrolle über das Internet ging zunächst von den USA aus. Im Jahr 1998 wurde die Kontrolle dann auf <a href="https://www.icann.org/">Internet Corporation for Assigned Names and Numbers</a> (ICANN) überragen. Bei ICANN handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation, die nur der rechtlichen Kontrolle des Staates California unterliegt. Damit entzieht sich ICANN zugleich der faktischen Kontrolle etwaiger Aktionäre. Die grundlegenden Aufgaben von ICANN sind im <a href="https://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=6&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CEkQFjAFahUKEwi-obixiYPJAhULWSwKHV1UA48&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.icann.org%2Fresources%2Funthemed-pages%2Fwhite-paper-2012-02-25-en&amp;usg=AFQjCNE1vDmAxcxnduEKKzcLv624bCB">Weißbuch</a> der US-Regierung normiert. Zu nennen sind etwa die Koordination der Interessengruppen wie auch von Namen und IP-Adressen. Für Letzteres ist die ICANN-Unterbehörde <a href="http://www.iana.org/">Internet Assigned Numbers Authority </a>(IANA) zuständig.</p>
<h3>Multi-Stakeholder und Internet Governance</h3>
<p>Zu den wichtigsten Interessengruppen in der Internet Governance gehören neben Regierungen, private Akteure ebenso wie Bürger. Kommt es zu Zusammenschlüssen dieser Interessengruppen, ist von Multi-Stakeholder-Gruppen zu sprechen. Ein solcher Zusammenschuss ist das <a href="http://www.intgovforum.org/cms/">Internet Governance Forum</a> (IGF). Dabei handelt es sich um eine Organisation der Vereinten Nationen, in der u.a. die Verwaltung des Internets thematisiert wird.</p>
<p>Das Multi-Stakeholder-Modell für die Verwaltung des Internets wird vor allem von der Europäischen Union und den USA gefordert. Dem stehen die Regierungen gegenüber, die Internet Governance auf die <a href="http://www.itu.int/en/Pages/default.aspx">International Telekommunikation Union</a> (ITU) übertragen wollen. Bei der ITU handelt es sich um eine Behörde der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Zu den Vertretern dieses Modells gehören China, Russland und Indien. Nach dem ITU-Modell kommen nichtstaatlichen Akteuren nur geringe Mitwirkungsmöglichkeiten zu. Vor allem aber soll der Schwerpunkt der Internetverwaltung der USA entzogen werden. Der Vorschlag ist jedoch – nicht nur – in den <a href="https://www.icann.org/en/system/files/files/globalization-endorsements-18mar14-en.pdf">USA umstritten</a>. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass die Kontrolle des Internets nicht einer zwischenstaatlichen Organisation zu übertragen sei. Hierbei spielen Machtinteressen und Kontrollmöglichkeiten eine Rolle.</p>
<h3>ICANN-Konferenz Dublin 2015: Alternativen nennen, Lösungen implementieren</h3>
<p>Als Reaktion auf die anwachsende Kritik gaben die USA im März 2014 bekannt, die <a href="https://www.icann.org/resources/pages/process-next-steps-2014-08-14-en">Aufsicht über ICANN zu beenden</a>. Die US-Regierung bezog sich dabei auf das Auslaufen des Vertrages mit ICANN zum 30. September 2015. Das Vertragsende bietet die Chance zu einer neuen internationalen Reglementierung des Internet. Das wirft aber das Problem auf, wie eine solche Verwaltung zukünftig gestaltet werden soll? Von herausragender Bedeutung ist dabei die Organisation einer zentralen Internetfunktion: die Vergabe von IP-Adressen.</p>
<p>Da es aber an einer einvernehmlichen Lösung fehlte, wurde im August dieses Jahres der Vertrag mit ICANN um ein weiteres Jahr verlängert. Die Zeit sei nach Aussage von <a href="http://www.ntia.doc.gov/speechtestimony/2015/testimony-strickling-internet-governance-progress-after-icann-53">Larry E. Strickling</a> – Politikexperte und Vermittler zwischen der ICANN und der US-Regierung – notwendig, um ein geeignetes Alternativ-Modell der Internet Governance zu entwickeln und umzusetzen.</p>
<p>Aufgrund dieser offenen Fragen war die zukünftige Verwaltung des Internets das zentrale Thema der <a href="https://community.icann.org/display/acctcrosscomm/Reading+List+-+Dublin">Konferenz der ICANN im Oktober 2015</a> in Dublin. Im Mittelpunkt stand dabei die <a href="https://www.icann.org/stewardship">IANA-Transition</a>, demnach die Übertragung der wichtigsten Verwaltungsfunktionen. Dabei wurden zwei Modelle genannt: die <a href="http://www.ianacg.org/">IANA Stewardship Transition Coordination Group</a> (ICG) und die <a href="https://community.icann.org/display/CPMMB/CCWG-IG+F2F+Meeting">Cross Community Working Group on Enhancing ICANN Accountability</a> (CCWG).</p>
<p>Die ICG wurde im Juli 2014 gegründet, um die Übergangsplanung der Internet-Verwaltung zu koordinieren. Die ICG besteht aus 30 Personen und umfasst direkte wie indirekte Interessengruppen. Die Vertreter wurden von ihren jeweiligen Communities gewählt. Die CCWG sieht wiederum Rechenschaftsmechanismen in Bezug auf sämtliche Funktionen der ICANN vor.</p>
<p>Neben den beiden Modellen wurden vor allem deren Voraussetzungen diskutiert. Dabei stand die Verbesserung der <a href="http://www.ianacg.org/icg-files/documents/IANA-transition-proposal-v9.pdf">Accountability und Transparenz</a> in Vordergrund. Danach sollen ICANN wie auch künftige Behörden jederzeit Rechenschaft über ihr Handeln geben. Eine endgültige Lösung über die künftige Organisation der Internet Governance, blieb in Dublin jedoch aus. Ausgehend von den genannten Zielen ist das Augenmerk somit auf die nächste ICANN-Konferenz zu richten. Die 55. Konferenz findet vom 5. bis 10. März 2016 in Marrakesch statt. Es ist abzuwarten, inwieweit dann nicht nur Diskussionen, sondern auch Lösungen auf der Tagesordnung stehen.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/34339147@N03/">Alex W McCabe</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a></p>
<p><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
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