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	<title>Christian Schmidt &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Christian Schmidt &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Bundeswehrreform und Sicherheitsdebatte</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/bundeswehrreform-und-sicherheitsdebatte-236/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<b>Christian Schmidt<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->24.03.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Christian Schmidt<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->24.03.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich jetzt Christian Schmidt,<br />
CSU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag und Verteidigungspolitischer<br />
Sprecher der Unions-Fraktion. Kann es losgehen, Herr Schmidt?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ja, gerne, herzliche Grüße.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Schmidt. Geheimdienstler und Terrorexperten sehen inzwischen<br />
auch Deutschland als mögliches Ziel von Anschlägen islamischer<br />
Terroristen. Wie sind Ihre Gefühle, wenn Sie im Regierungsviertel<br />
auf der Straße unterwegs sind?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich fühle mich sicher, aber ich bin mir bewusst,<br />
dass wir ein weitaus höheres Risiko haben, als das vielleicht vor<br />
10 Jahren der Fall war.
</p>
<p>
<b>biblio:</b> In den 80&#8217;ern gab es schon einmal eine &quot;weltweite Terrorgefahr&quot;,<br />
die im Nachhinein vergessen wurde. Wird hier nicht mehr Angst erzeugt,<br />
als alles andere?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Angst ist kein guter Ratgeber, ich glaube, besonnene<br />
Reaktion ist wichtig, aber leider sind die Erfahrungen der 80’er<br />
Jahre nicht konsequent umgesetzt worden. Das müssen wir jetzt tun.
</p>
<p>
<b>gholder:</b> Zeigen aktuelle Brandherde wie der Kosovo nicht, dass die<br />
Bundesrepublik sich langsam übernimmt?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Das ist in der Tat ein Problem, die Bundeswehr wird<br />
immer kleiner und soll mehr leisten, die Antwort heißt deswegen:<br />
Bundeswehr nicht kürzen, aber vor allem NATO und europäische<br />
Kooperation arbeitsteilig vorgehen.
</p>
<p>
<b>patriot_1:</b> Sollte sich Deutschland im Irak militärisch im Rahmen<br />
der UNO oder der NATO beteiligen?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Wenn sich die UNO im Irak engagieren und die NATO<br />
bitten, tätig zu werden, dann können wir uns da nicht ausschließen.<br />
Ein militärisches Engagement der Bundeswehr sehe ich allerdings<br />
mit großer Zurückhaltung. (Vergleiche Antwort zur letzten<br />
Frage).
</p>
<p>
<b>Tim:</b> Nach Spanien ist Polen zum Austritt aus der Koalition bereit.<br />
Das irakische Volk fühlt sich von allen Seiten im Stich gelassen.<br />
Verlieren die Amerikaner die Kontrolle?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Die Amerikaner wohl nicht, aber die Europäer<br />
verlieren die Kontrolle über ihre eigenen Interessen. Ich halte<br />
es für eine falsche Reaktion, die Amerikaner sozusagen alleine<br />
sitzen zu lassen, weil das die Gefahr von einer erneuten Destabilisierung<br />
in der Region steigert. Das ist gegen unsere Interessen. Außerdem<br />
wird dadurch die Zukunft des Iraks fragwürdiger.
</p>
<p>
<b>xaver:</b> Bush gerät innenpolitisch derzeit unter Druck. Gut das<br />
Schröder uns nicht in eine vergleichbare Situation gebracht hat<br />
oder?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich glaube, dass es völlig falsch wäre,<br />
nun zwischen den &quot;Guten&quot; und &quot;Schlechten&quot; zu unterscheiden,<br />
weil die Terrorgefahr uns alle gleichermaßen betrifft. Die Bush-Administration<br />
muss ihren Kurs insofern ändern, als Multilateralismus notwendig<br />
ist, d.h. sie müssen die Europäer ernster nehmen und nicht<br />
glauben, alles alleine machen zu können. Man sollte sich allerdings<br />
nicht vorstellen, dass wie immer die US-Wahl ausgeht, ob Bush oder Kerry,<br />
sich die Politik der USA grundsätzlich wesentlich ändern wird.
</p>
<p>
<b>Schnabel:</b> Verantwortung für die Golf-Region schön und gut.<br />
Sehen Sie es denn aber nicht als Problem, dass Europa heute eine Suppe<br />
mit auslöffeln soll, die es nicht bestellt hat?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Frage zurück: Wer hat den Irak geschaffen?<br />
Das waren britische und französische Kolonialbeamte im Jahr 1916.<br />
Ich will damit sagen, dass die europäische Verantwortung für<br />
die Situation in der Golfregion weitaus größer ist als mancher<br />
meint, und dazu gibt es noch ein weiteres wichtiges Argument: die Zukunft<br />
Israels.
</p>
<p>
<b>sokrates:</b> Fühlen Sie sich durch die USA Administration getäuscht?<br />
Und wenn ja, welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich halte nicht alle taktischen Überlegungen<br />
der US-Administration für klug. Ich glaube aber, dass in Europa<br />
oft unterschätzt wird, wie tief die Verletzung der Amerikaner durch<br />
den 11. September wirklich geht und deswegen fühle ich mich nicht<br />
getäuscht, sondern allenfalls manchmal nicht richtig verstanden.<br />
So wie die Amerikaner umgekehrt.
</p>
<p>
<b>Davide:</b> Die Stimmen für einen NATO-Einsatz im Nahen Osten werden<br />
lauter. Würden Sie eine Teilnahme der Bundeswehr unterstützen?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Was heißt für sie Naher Osten? Wenn sie<br />
Israel und die palästinensischen. Gebiete meinen, dann halte ich<br />
den Zeitpunkt für deutsche Beteiligung für noch nicht gekommen.<br />
Ich möchte es aber nicht für alle Zukunft ausschließen.<br />
Yitzhak Rabin hat 1995 kurz vor seinem Tode Deutschland aufgefordert,<br />
sich an einer Friedensinitiative auch mit Soldaten zu beteiligen. Das<br />
muss man abwägen.
</p>
<p>
<b>realname:</b> Herr Schmidt, es gibt Bemühungen die Bedrohung durch<br />
den Terrorismus durch die verschiedenen Dienste wie auch militärisch<br />
einzudämmen. Sind Sie der Ansicht, dass wir in Deutschland einen<br />
übergreifenden Ansatz brauchen, wie es beispielsweise die Amerikaner<br />
mit ihrer Interagency Coordination praktizieren?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Hinsichtlich der Dienste: Bei unseren Diensten gibt<br />
es einen ersten Ansatz mit dem „Information Board“. Ich<br />
halte solche bereichsübergreifende Koordinierung für absolut<br />
notwendig und bis deswegen auch ein Verfechter eines integrierten Gesamtverteidigungskonzeptes.<br />
Ich halte das amerikanische Modell für hochinteressant und bin<br />
gerade dabei, es für unser Sicherheitskonzept der CDU/CSU für<br />
deutsche Verhältnisse anzupassen.
</p>
<p>
<b>Aktivist:</b> Der terroristischen Gefahr mit Bundeswehreinsätzen im<br />
Innern entgegentreten zu können, bezweifle ich. Können Sie<br />
mir konkrete Szenarien nennen?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ja. Konkrete Szenarien sind beispielsweise eine<br />
Erkenntnis der Sicherheitsdienste, dass Angriffe aus der Luft oder von<br />
Terrorkommandos am Boden gegen Infrastruktur (Kraftwerke, Kommunikationszentralen)<br />
an mehreren Orten möglich oder zu erwarten sind. Lassen sie dieses<br />
Szenario während der Fußball-WM spielen und ich möchte<br />
wissen, woher die Kräfte und auch die Fähigkeiten kommen sollen,<br />
dies zu beherrschen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das stelle ich mir das dann mal so vor: Hinterm Bundestag<br />
oder beim Atomkraftwerk xy oder im Hamburger Hafen stehen zwei Wehrpflichtige<br />
mit Sturmgewehr und schieben Wache. Wer mal bei der Bundeswehr war,<br />
weiß, dass das nicht die schärfsten Aufpasser sind &#8211; abgesehen<br />
davon, dass sie bisher in der Regel nur innerhalb von Kasernen Wache<br />
schieben. Bringt das wirklich was?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Gegenfrage: Ist die Abwesenheit von Bereitschaftspolizei<br />
in solchen Fällen ein höheres Sicherheitselement? Ich komme<br />
gerade aus Frankreich zurück, wo gegenwärtig Flughäfen<br />
und Bahnhöfe von Gendarmerie und Militär gesichert werden,<br />
ohne dass darüber überhaupt eine Diskussion stattfindet. Allerdings<br />
möchte ich nicht, dass das Militär Hilfspolizei spielen muss.<br />
General Kirchbach hat erst kürzlich dargelegt, dass Großschadens-Situationen,<br />
die auch terroristisch verursacht sein können, ohne die helfenden<br />
Hände der Bundeswehr nicht beherrschbar wären.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt aber: die Union will klare Abgrenzung der<br />
Kompetenzen? Keine Polizeigewalt, heißt keine Ausweiskontrollen<br />
durch patrouillierende Soldaten oder doch?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Die originäre Ausweiskontrolle bleibt bei der<br />
Polizei. Bereits jetzt kann die Polizei Unterstützung anfordern,<br />
wenn sie selbst nicht mehr Herr der Lage wird. Aber das wäre sicherlich<br />
ein sehr extremer Fall, weil das Fähigkeiten sind, die Polizei<br />
besser kann.
</p>
<p>
<b>Hendrick:</b> Warum plädiert die Union für eine Grundgesetzänderung,<br />
wenn doch bereits im Inland der &quot;schwere Unglücksfall&quot;<br />
im Grundgesetz auslegungsfähig ist?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Es geht auch um die Prävention und nicht nur<br />
um die Reaktion. Nebenbei bemerkt:Die Naturkatastrophe wurde als Begriff<br />
nach den Erfahrungen von H .Schmidt mit der Hamburger Flutkatastrophe<br />
von 1962 ins Grundgesetz geschrieben. Ich glaube, dass wir ehrlich genug<br />
sein sollten, dass die Bekämpfung von terroristischen Gefahren<br />
etwas anderes ist als die Bekämpfung von Hochwasser. Deswegen bin<br />
ich froh, dass wir jetzt eine richtige Debatte über dieses Thema<br />
bekommen.
</p>
<p>
<b>Laib:</b> Ist die WM ohne Bundeswehr im Innern nicht sicher zu gestalten?<br />
Verstehe ich sie da richtig?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich möchte nicht, dass es soweit kommt, dass<br />
wir die NATO anfordern müssen, so wie das Griechenland für<br />
die olympischen Spielen in diesem Sommer gemacht hat. Aber seit 1972<br />
wissen wir, dass große Ereignisse auch den Terror anziehen und<br />
deswegen muss man in solchen Situationen besonders gut vorbereitet sein.<br />
Streitende Fans in Stadien auseinander zuhalten, wird allerdings immer<br />
die Aufgabe der Polizei bleiben, genauso wie die normale Kriminalitätsbekämpfung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> zwei auf einmal:
</p>
<p>
<b>Jassin:</b> Sie &quot;möchten&quot; es nicht, aber Sie würden<br />
dem zustimmen?
</p>
<p>
<b>mohammed:</b> Kommen in Athen auch Deutsche zum Einsatz?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Zu Jassin: Bisher sehe ich keine Notwendigkeit für<br />
eine NATO-Beteiligung. Wenn, dann ginge es darum, die Bundeswehr für<br />
spezielle größere Krisen bzw. Terrorangriffe für den<br />
Notfall einsatzbereit zu halten. Zu Mohammed: Soweit mir bekannt ist,<br />
hat die NATO hier bisher nicht zugesagt und Bundeswehrsoldaten und -Soldatinnen<br />
werden wohl vor allem als Sportler an den olympischen Spielen teilnehmen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommentar zur Frage Militär sichert öffentliche<br />
Einrichtungen:
</p>
<p>
<b>pa864:</b> Ich bin seit 3 Monaten in Rom, das Militär sichert hier<br />
alle wichtigen Einrichtungen.
</p>
<p>
<b>mohammed:</b> Ich meine auch nicht Hooligans, sondern Terroristen, die<br />
zur WM nach Deutschland kommen. Sicher wird 2006 Al-Kaida noch aktiv<br />
sein oder?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich halte solche Szenarien für realistisch.
</p>
<p>
<b>Landei:</b> Glauben sie nicht, dass die ständige Präsenz von<br />
Militär an öffentlichen Orten die Lebensqualität der<br />
Bürger extrem einschränken würde?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich bin gegen ständige Präsenz von Militär<br />
an öffentlichen Orten, aber wenn es für die Sicherheit der<br />
Menschen notwendig ist, dann muss das zeitweise möglich sein.
</p>
<p>
<b>Mehl:</b> Der Abbruch von Raus Afrika-Reise sei unvermeidlich gewesen,<br />
so Innenminister Schily. Man müsse die Drohung sehr ernst nehmen.<br />
Welche Erkenntnisse haben Sie?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich kenne nur die wichtigsten Informationen, die<br />
die deutschen Sicherheitsorgane gehabt haben. Diese machen es für<br />
mich sehr nachvollziehbar, dass der Bundespräsident seine Reise<br />
abgebrochen hat. Das Horn von Afrika ist offensichtlich immer noch ein<br />
Platz, wo sich Terrorleute aufhalten und vernetzt gut zusammen arbeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Also eine ernsthafte Bedrohung. Nicht etwa ein Trittbrettfahrer,<br />
der die Reise von Rau einfach genutzt hat, um die Angst zu schüren?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Das ist wohl so.
</p>
<p>
<b>Atilius:</b> Ich habe gestern eine Reportage über die technologische<br />
Entwicklung der amerikanischen Armee verfolgt. Wie sieht es in dem Bereich<br />
bei der Bundeswehr aus? Mir scheint als sei die konventionelle Technik<br />
schlecht geeignet für die neuen Aufgaben. Wie denken Sie in Bezug<br />
auf die Notwendigkeit der technischen High-Tech-Ausstattung?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Es sei mir gestattet bei einem ARD-Chat, für<br />
heute Abend auf den zweiten Teil dieser Sendung im ZDF von Klaus Brümpers<br />
zu empfehlen. Ich glaube, dass die technologische Lücke in den<br />
Fähigkeiten der Amerikaner auf der einen Seite und der Europäer<br />
auf der anderen Seite für uns zu einem politischen Problem werden<br />
kann, weil gemeinsames Agieren überhaupt nicht mehr möglich<br />
wäre. Dies würde die NATO sprengen und amerikanische Alleingängen<br />
geradezu provozieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> noch einmal zu Raus Reise-Abbruch:
</p>
<p>
<b>muwi:</b> Warum Rau? &quot;Einfach so&quot; als &quot;der Westen&quot;<br />
oder eher spezifisch wegen des deutschen Militärs in Afrika? Oder<br />
hätte es da jeden treffen können (vorausgesetzt es hätte<br />
ihn getroffen u. ist mehr als blinder Alarm)?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich glaube, dass es jeden hätte treffen können,<br />
weil Terror irrational und nicht berechenbar ist. Deswegen halte ich<br />
zwar die Entscheidung der spanischen Wähler für irgendwie<br />
nachvollziehbar, aber insofern falsch, weil man nicht Sicherheit dadurch<br />
gewinnt, dass man sich aus allem heraushält. Dies haben die Italiener<br />
in den 80er Jahren gegenüber dem PLO Terror versucht, und als Quittung<br />
gab es einen Anschlag auf dem Flughafen Rom und die Entführung<br />
eines Kreutzfahrtschiffes.
</p>
<p>
<b>Landei:</b> Wie soll der vermehrte Einsatz der Bundeswehr dann schlimmeres<br />
verhindern, wenn Terror irrational und nicht vorherzusehen ist? Also<br />
doch nur Abschreckung durch Präsenz?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Abschreckung ist das eine, Vorbeugungsmöglichkeiten<br />
sind das andere.<br />
Die Motive des Terrors sind irrational. Aber auch er hinterlässt<br />
Spuren. Wenn dies nicht so wäre, dann wäre der Bundespräsident<br />
vielleicht nicht mehr am Leben.
</p>
<p>
<b>Napoleon:</b> Eine Armee, die aus fünf Panzern einen fahrtüchtigen<br />
zusammenschraubt, soll noch weitere Aufgabenfelder abdecken können?<br />
Wie viel Etat ist nötig um diesen Anforderungen gerecht zu werden?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich glaube, dass erstens der jetzige Plafond im<br />
Verteidigungsetat nicht ausreicht und dass wir als Sofortmaßnahme<br />
mindestens eine Milliarde Euro drauflegen müssen. Ich weiß,<br />
was ich da sage. In einer Zeit zusammenbrechender Sozialsysteme. Trotzdem<br />
können wir uns unsere Sicherheitsstrukturen nicht kaputtsparen.
</p>
<p>
<b>Norbert Sanftmann:</b> Fast alle Länder um uns herum schaffen die<br />
Wehrpflicht ab. Begehen alle damit schwere Fehler oder sehen Sie spezifische<br />
nationale Gründe sie ausgerechnet in Deutschland beizubehalten?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Sie begehen keine Fehler, aber sie schaffen sich<br />
selbst Risken: Alle Länder, die gehofft hatten, mit der Abschaffung<br />
der Wehrpflicht ihren Verteidigungsetat zu entlasten, stellen zwischenzeitlich<br />
fest, dass dies nicht stimmt. Sie haben zudem Probleme bei der Aufwuchs-Fähigkeit<br />
z.B. bei Katastrophenfällen. Deswegen gehen beispielsweise die<br />
Briten jetzt dazu über, das Reservistenwesen neu zu erfinden. Ich<br />
bin kein Wehrpflichtdogmatiker, aber ein Wehrpflichtpragmatiker.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wenn Sie kein Dogmatiker sind, unter welchen Bedingungen<br />
könnten Sie sich eine Abschaffung der Wehrpflicht vorstellen?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich glaube nicht, dass die Wehrpflicht bei einer<br />
Armee, deren Aufgaben und Umfang so konzipiert sind, wie das Struck<br />
gegenwärtig plant, auf Sicht haltbar ist. Verteidigung am Hindukusch<br />
alleine reicht gesellschaftlich nicht aus, Wehrpflicht zu begründen.<br />
Nur wenn wir Verteidigung auch im eigenen Land und auch unmittelbar<br />
verstehen, kann man Wehrpflicht begründen.
</p>
<p>
<b>peace:</b> Der Umbau der Bundeswehr zu einer Einsatzarmee schaffe ein Klima<br />
der Unruhe, lese ich. Lässt die Regierung die Truppe im Ungewissen<br />
und im Stich?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Bei dieser Regierung habe ich immer den Verdacht,<br />
dass sie viele im Stich lässt. Aber ernsthaft: Ich glaube, dass<br />
das Problem der jetzigen Reform ist nicht die Schaffung von Eingreif<br />
&#8211; und Stabilisierungskräften ist (das ist soweit o.k.), sondern<br />
dass Schröder und Eichel Struck nicht mal das Geld geben, dass<br />
er für seine kleine Reform bräuchte. Und immerhin geht es<br />
bei dieser Reform mit Zivilbediensteten und Angehörigen um ca.<br />
eine Million Menschen.
</p>
<p>
<b>ChiracS:</b> Nimmt der politische Rückhalt für die Wehrpflicht<br />
ab? Und wie bewerten sie das?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Nach den letzten Umfragen nimmt der Rückhalt<br />
zu. Das halte ich für erfreulich. Es geht aber nicht, den Wehrdienst<br />
deswegen erhalten zu wollen, weil man dann keine Zivis mehr hat, die<br />
Essen auf Rädern organisieren. Deswegen muss man für die Wehrpflicht<br />
direkt werben und argumentieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mehrere Fragen zur Wehrgerechtigkeit: Eine davon:
</p>
<p>
<b>Norbert Sanftmann:</b> Selbst Oberst Gertz – bisher ein Befürworter<br />
der Wehrpflicht – hält die derzeitige Willkür für<br />
untragbar und sieht keinen Königsweg aus der Wehrungerechtigkeit.<br />
Wie sieht ihr Lösungsvorschlag aus?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gertz ist Vorsitzender des Bundeswehrverbandes.
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Mein Lösungsvorschlag lautet: Zur Verfügung<br />
stellen von ca. 80.000 bis 90.000 Wehrdienstplätzen und Aufrechterhaltung<br />
der Dienstgerechtigkeit (nicht Wehrgerechtigkeit!), weil ich glaube,<br />
dass Familienministerin Renate Schmidt gegenwärtig, eine höhere<br />
Gefährdung für die Wehrpflicht schafft, indem sie durch immer<br />
weitere Reduzierung der Zuschüsse für die Hilfsorganisationen<br />
die Zivildienstplätze stark zurückfährt (unter 60.000).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal zum Etat:
</p>
<p>
<b>Kaiser:</b> Aber der Bundeshaushalt verkraftet keine überteuerten<br />
Eurofighter?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> .. und es kommt noch der Airbus A400 für das Militär,<br />
und der Eurofighter hat noch keine Waffensystem e- viele Altlasten aus<br />
der Zeit der Unions-FDP-Regierung. Die wirklichen Finanzprobleme für<br />
die Bundeswehr kommen erst noch, wenn das alles bezahlt werden muss.
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Die Finanzprobleme kommen in der Tat auf den Nachfolger<br />
von Peter Struck zu, aber wir brauchen die genannten Waffensysteme und<br />
zusätzlich bspw. einen Nachfolger für den Transporthubschrauber<br />
CH53, die bald 40 Dienstjahre haben. Ich sehe eine Zukunftschance in<br />
einer noch stärkeren europäischen Kooperation sowohl in Entwicklung<br />
aus auch in Beschaffung für zukünftige Politik.
</p>
<p>
<b>hoehl:</b> Angesichts der vielen lokalen Kriege in der Welt empfindet man<br />
die Friedensappelle der Regierungen oft nur noch als zynisch, wenn man<br />
andererseits sieht, welche Geschäfte in den gleichen Ländern<br />
mit dem Waffenexport gemacht werden. Wie lange noch will man diese doppelte<br />
Moral und Scheinheiligkeit den Bürgern servieren?
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Diese Frage ehrt den Fragesteller und kann nur mit<br />
ständigem Bemühen beantwortet werden. Im Grunde ist sie zu<br />
tiefst philosophisch und stellt die Frage nach dem Wesen des Menschen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte. Vielen Dank für ihr großes<br />
Interesse, unsere Diskussions-Stunde ist damit zu Ende. Am Mittwoch,<br />
24. März gibt es den nächsten Chat. Dann stellt sich ab dreizehn<br />
Uhr Norbert Röttgen, rechtspolitischer Sprecher der Union, Ihren<br />
Fragen. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Seiten<br />
der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht Ihnen noch einen<br />
schönen Tag. Vielen Dank, Herr Schmidt, dass Sie sich die Zeit<br />
genommen haben!
</p>
<p>
<b>Christian Schmidt:</b> Ich bedanke mich bei allen Diskussionsteilnehmern<br />
und hoffe, dass wir mehr sicherheitspolitische Debatte im Lande haben<br />
als das in der Vergangenheit der Fall war.
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;</p>
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