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	<title>Christine Scheel &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Christine Scheel &#8211; politik-digital</title>
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		<title>tagesschau-Chatreihe zur Finanzkrise: B&#8217;90/Die Grünen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[esnakker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Nov 2008 15:36:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Christine Scheel]]></category>
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		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat-Serie]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Mittwoch, 12. November 2008, war der dritte Tag der tagesschau-Chat-Reihe zur Finanzkrise. Zu Gast im Chat im Chat war <span class="articleImg"><span class="imgSubline">Christine Scheel, Vize-Vorsitzende der B'90/Grüne-Bundestagsfraktion</span></span>. Die  Bundestagsabgeordnete und Finanz-Expertin der Grünen beantwortete Fragen zur Finanzkrise, zum möglichen Konjunkturabschwung und gab dem Chatteam eine Frage an den kommenden Chatgast von der SPD auf den Weg.<br />
<p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch, 12. November 2008, war der dritte Tag der tagesschau-Chat-Reihe zur Finanzkrise. Zu Gast im Chat im Chat war <span class="articleImg"><span class="imgSubline">Christine Scheel, Vize-Vorsitzende der B&#8217;90/Grüne-Bundestagsfraktion</span></span>. Die  Bundestagsabgeordnete und Finanz-Expertin der Grünen beantwortete Fragen zur Finanzkrise, zum möglichen Konjunkturabschwung und gab dem Chatteam eine Frage an den kommenden Chatgast von der SPD auf den Weg.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tagesschau-Chat.<br />
Hier im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich jetzt die stellvertretende<br />
Vorsitzende der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen, Christine Scheel.<br />
Wir freuen uns sehr, dass Sie an der Chat-Serie zur Finanzkrise<br />
teilnehmen. Noch bis übermorgen haben Sie, liebe User, die Möglichkeit,<br />
Ihre Fragen an die Finanzexperten des Bundestages zu richten. Frau<br />
Scheel, wollen wir starten?
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-1.html" onclick="windowOpen('/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-1.html',820,700,1,1);return false;" title="Zur Fotostrecke des Beitrages [neues Fenster]"><br />
</a><b>Christine Scheel:</b> Gerne!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Kommen wir direkt zu unserer Top1-Frage aus dem Chatroom:
</p>
<p>
<b>ole:</b><br />
Welche Vorschläge haben die Grünen zur Beendigung der gängigen Praxis<br />
in Deutschland: Gewinne privatisieren, Verluste vergesellschaften, wie<br />
zum Beispiel geschehen in der Bankenkrise?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir brauchen eine bessere Finanzaufsicht. Es darf nicht sein, dass<br />
außerhalb von Bilanzen Papiere, die riskant sind, regelrecht gehortet<br />
werden. Das heißt, die Bilanzierungsregeln müssen geändert werden,<br />
damit so etwas nicht noch einmal passiert. Finanzmarktprodukte müssen<br />
besser kontrolliert werden in Hinblick auf ihre Risiken. Außerdem gilt<br />
es, für Rating-Agenturen neue Bestimmungen festzulegen, damit diese die<br />
Risiken auch richtig einschätzen.
</p>
<p>
<b>alex:</b> Wie bewerten die Grünen das Hilfspaket der Bundesregierung?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir halten im Grundsatz ein Hilfspaket für richtig. Wir hätten uns<br />
allerdings gewünscht, dass das Parlament mehr Kontrollmöglichkeiten für<br />
die Bedingungen, die an die Banken oder Versicherungen gerichtet<br />
werden, gehabt hätte. Außerdem hätten wir es für sinnvoll gehalten,<br />
wenn alle Banken erstmal unter diesen Rettungsschirm gegangen wären.
</p>
<p>
<b>witreu:</b> Warum sollen nicht ein paar Banken pleite gehen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Banken, die systemrelevant sind, das heißt, wenn die Pleite einer Bank<br />
massive Auswirkungen auf das Marktgeschehen insgesamt hätte, sollten<br />
gestützt werden. Das heißt nicht, dass jede kleine Bank machen kann was<br />
sie will &#8211; ohne das Risiko einer Insolvenz.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Dazu auch die nächste Frage:
</p>
<p>
<b>knt:</b><br />
Hallo! Es hieß bei der Rechtfertigung des Rettungsplanes für Banken:<br />
&quot;Man muss die Banken retten, um die Realwirtschaft zu retten &#8211; denn die<br />
Banken stellen der Realwirtschaft das Kapital zur Verfügung&quot; Warum<br />
lässt man die Banken nicht absaufen und rettet die Realwirtschaft<br />
direkt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Wichtig ist, dass der<br />
Bankensektor untereinander wieder Vertrauen aufbaut. Derzeit geben<br />
Banken sich untereinander zu wenig Kredite, weil das Misstrauen, dass<br />
faule Papiere in der Bilanz schlummern, noch immer sehr groß ist. Das<br />
ist das Hauptproblem, denn Unternehmen brauchen für ihre Investitionen<br />
eine vernünftige Kreditvergabe.
</p>
<p>
<b>Blablubb:</b> Sollte die Regierung Ihrer Meinung nach die deutsche Konjuktur stützen oder doch eher dem Markt die Regulierung überlassen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Ich halte von Gießkannenkonjunkturprogrammen nichts, da sie lediglich<br />
viel kosten, aber durch Mitnahmeeffekte verpuffen.Wichtig ist, dass die<br />
Wirtschaft, beziehungsweise die verschiedenen Branchen,<br />
Planungssicherheit haben in Hinblick darauf, wie die Zukunft von<br />
staatlicher Seite gewünscht wird. Beispiel Automobilwirtschaft: Hier<br />
brauchen wir eine klare gesetzliche Änderung im Kfz-Steuerrecht, damit<br />
CO2-arme Fahrzeuge produziert werden.
</p>
<p>
<b>Gunter:</b><br />
Die Wirtschaftsweisen meinen, dass der Abschwung zu bremsen sei, wenn<br />
Ländern und Kommunen Milliarden in die Verkehrsinfrastruktur stecken.<br />
Was halten Sie von dem Vorschlag?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Planungen in der Verkehrsinfrastruktur brauchen eine Vorlaufzeit, damit<br />
die Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren auch ordentlich<br />
vorgenommen werden können. Bislang gibt es im Bundesverkehrswegeplan<br />
noch genügend Projekte, deren Finanzierung noch nicht abgerufen wurde.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Die fünf &quot;Wirtschaftsweisen&quot; haben der Kanzlerin heute ihr Gutachten<br />
zur Wirtschaftsentwicklung überreicht. Darin steht wenig Erfreuliches:<br />
Deutschland sei auf dem Weg in die Rezession und es werde wieder zu<br />
einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen kommen. Halten Sie die<br />
Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung für ausreichend?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Die Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung sind sehr beliebig. Sie<br />
lassen kein System erkennen. Das Thema Befreiung der Kfz-Steuern ist ja<br />
schon wieder in der Großen Koalition heftig umstritten. Andere<br />
Maßnahmen, wie zum Beispiel die bessere Absetzbarkeit bei<br />
Handwerkerrechnungen, begrüßen die Grünen. Ebenso wie ein<br />
Investitionsanreiz im Bereich der Gebäudesanierung und die Vergabe von<br />
Krediten an kleine und mittelständische Unternehmen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Dazu auch der nächste User<b>.</b>
</p>
<p>
<b>karstenhh:</b><br />
Das Konjunkturprogamm ist doch eigentlich eine Farce bezüglich der<br />
Steuervergünstigung, weil die Käufer sollen etwas kaufen, wofür sie<br />
dann vom Staat eine kleine Entschädigung erhalten. Aber keiner sagt,<br />
wie das der normale Deutsche leisten soll, wo doch das Geld allgemein<br />
so knapp ist und das Auto nur teuer finanziert werden müsste. Da hat<br />
die Politik wieder einmal mehr ihre Kurzsichtigkeit und die Probleme<br />
des Volkes aus den Augen verloren!
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Dieses Beispiel der Steuerbefreiung bei der Kfz-Steuer zeigt, dass die<br />
Regierung nur ein Strohfeuer entfacht, ohne dass dies nachhaltig für<br />
die Bürgerinnen und Bürger Sinn macht. Dahingehend haben Sie Recht.<br />
Allerdings ist es nicht DIE Politik, sondern die Große Koalition, weil<br />
die Grünen zum Beispiel diesen Vorschlag abgelehnt hatten.
</p>
<p>
<b>knt:</b><br />
Nachfrage. Sie sagen: &quot;Unternehmen brauchen für die Investitionen eine<br />
Kreditvergabe.&quot; Nun ist es doch aber so, dass Banken das meiste Geld<br />
gar nicht in die Realwirtschaft investieren. Die Investions-Quote in<br />
Deutschland ist seit Jahren rückläufig! Darum: Warum hat man keinen<br />
&quot;Rettungsschirm für die Realwirtschaft&quot; aufgespannt? Droht einem<br />
Unternehmen die Pleite, weil seine Bank sich verspekuliert hat, bekommt<br />
es Hilfe vom Staat.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ein<br />
Rettungsschirm für die Realwirtschaft wäre nicht finanzierbar und die<br />
Hilfe für einzelne Branchen würde unseren Wettbewerb beschädigen.<br />
Welche Branchen sollen es denn dann sein?
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zum Beispiel die Automobilindustrie&#8230;
</p>
<p>
<b>Justin P.:</b><br />
Inwieweit sollte Nicht-Finanzinstitutionen geholfen werden?<br />
(Beispielsweise aus den USA, wo vor allem eine Unterstützung für<br />
General Motos im Raum steht.)
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir halten eine Subventionierung der Automobilindustrie in Deutschland<br />
für falsch. Wichtig ist, dass die Automobilindustrie ihre Produktion<br />
auf die Bedürfnisse der Menschen &#8211; im Zusammenhang mit den gestiegenen<br />
Benzinpreisen und der Diskussion über CO2-Emmissionen &#8211; endlich<br />
anpasst. Die Selbstverpflichtungserklärungen der Industrie, Autos mit<br />
weniger Verbrauch zu produzieren, ist leider nicht umgesetzt worden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Thomas Oppermann, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der<br />
SPD-Bundestagsfraktion, hält eine Sonderbehandlung der Autoindustrie<br />
für gerecht &#8211; schließlich hänge an ihr jeder sechste bis siebte<br />
Arbeitsplatz.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Es geht<br />
letztendlich darum, dass die Automobilindustrie zukunftsfähige<br />
Fahrzeuge produziert. Dies tut sie nicht so schnell, wenn erst einmal<br />
Subventionen hineingeschoben werden. Wir befürchten, dass staatliche<br />
Subventionen den Innovationsdruck bei der Industrie herausnehmen und<br />
wir Zeit verlieren, eine nachhaltigere Produktion zu bekommen. Die<br />
sollen sich endlich mal bewegen. Die haben in ihren<br />
Forschungsabteilungen hervorragende Entwicklungen, die jetzt schnell<br />
auf den Markt gebracht werden müssen.
</p>
<p>
<b>ThommyD:</b><br />
Wäre eine kurzzeitige Mehrwertsteuersenkung nicht viel effektiver als<br />
ein Ansetzen bei der Kfz-Steuer? Dies käme doch auch den Dienstleistern<br />
und dem Einzelhandel zugute.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Eine Mehrwertsteuersenkung hat die Große Koalition ausgeschlossen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was sagen Sie denn dazu?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Dies würde bedeuten, dass wir eine weitere Staatsverschuldung von &#8211; bei<br />
einem Mehrwertsteuerpunkt &#8211; rund sieben Milliarden Euro hätten und<br />
damit die Schuldenlast sich für die nächsten Generationenen erhöhen<br />
würde. Außerdem glaube ich, dass eine Senkung bei der Mehrwertsteuer<br />
erst Wirkungen zeigen würde, wenn diese mindestens drei Prozentpunkte<br />
wäre. Was aufgrund der Haushaltslage derzeit unverantwortlich wäre.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Joschka Fischer kritisiert die Performance von Merkel während der<br />
Finanzkrise und wirft ihr Führungsschwäche vor. Außerdem hält er die<br />
beschlossenen Konjunkturmaßnahmen für völlig unzureichend. Diese würden<br />
dem heranrollenden &quot;realwirtschaftlichen Tsunami&quot; nicht gerecht.<br />
Stimmen Sie ihm zu?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Leider erschließt sich mir nicht, was er denn stattdessen besser fände. Nur meckern hilft auch nicht weiter.
</p>
<p>
<b>Klara:</b> Frau Scheel, wo sehen die Grünen die Verantwortlichen für die Finanzkrise?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir sehen die Verantwortlichkeit bei der Aufsicht, aber auch bei<br />
fehlenden Regelungen im Finanzmarkt, wofür wiederum die Politik die<br />
Verantwortung trägt.
</p>
<p>
<b>buh79:</b> Inwiefern trägt die<br />
rot-grüne Regierung Mitschuld an der Anfälligkeit des deutschen<br />
Finanzplatzes, insbesondere der Landesbanken, gegenüber der von den USA<br />
verursachten Finanzkrise?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich<br />
sehe keine Veranlassung einer Mitschuld, insbesondere bei den<br />
Landesbanken. Fakt ist, dass die Landesbanken kein Geschäftsmodell<br />
haben, sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt herumtummelten, mit<br />
Produkten hantierten, die sie nicht verstanden haben und die<br />
zuständigen Landesregierungen dem nicht Einhalt geboten haben.
</p>
<p>
<b>alex:</b> Wie würde sich ein grünes Hilfspaket von dem der Großen Koalition denn grundsätzlich unterscheiden?
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-2.html" onclick="windowOpen('/interaktiv/chat/chatprotokoll448-magnifier_pos-2.html',820,700,1,1);return false;" title="Zur Fotostrecke des Beitrages [neues Fenster]"><br />
</a><b>Christine Scheel</b>: Wir begrüßen das Hilfspaket<br />
von seiner Größenordnung, allerdings hätten wir mehr parlamentarische<br />
Kontrolle in Hinblick auf die Bedingungen der jeweiligen Stützaktionen<br />
festgelegt. Jetzt gibt es lediglich ein Gremium, dass von Abgeordneten<br />
jeder Fraktion besetzt ist, der Geheimhaltung unterliegt und lediglich<br />
informiert wird, aber selbst keine Entscheidungen treffen kann.
</p>
<p>
<b>spiderman:</b><br />
Mich würde interessieren, in welchem Bereich des Konjunkturzykluses uns<br />
die Finanzexpertin sieht. Im Abschwung oder schon auf dem Tiefpunkt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich befürchte, wir sind im Abschwung.
</p>
<p>
<b>nachdenkerin:</b><br />
Eine Frage über die Parteigrenzen hinweg. Global und tiefer geschaut:<br />
Muss nicht generell das Geld- und Finanzsystem reformiert werden, weil<br />
durch die negativen Wirkungen der Zinsproblematik (exponentielles<br />
Wachstum von Zins und Zinseszins) sowohl die Schulden (auch des<br />
Staates), als auch die Schere zwischen Arm und Reich immer größer<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich bin für eine<br />
Reform des Finanzsystems mit mehr Transparenz und besseren Regeln.<br />
Allerdings glaube ich, dass die Abschaffung von Zinsen weltweit eine<br />
utopische Vorstellung ist. Unser Wirtschaftssystem braucht auch<br />
Kredite. Es wäre schwer verständlich, wenn diese Kredite nicht<br />
unterschiedliche Konditionen haben würden, die ja letztendlich auch<br />
über dieses Zinsniveau zum Ausdruck kommen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was erwarten Sie sich vom Weltfinanzgipfel in Washington?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich erwarte mir, dass die Länder sich schnell &#8211; im Zusammenhang der weltweiten Finanzkrise &#8211; auf gemeinsame Regeln einigen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Halten Sie eine Einigung wirklich für realistisch?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Ich befürchte schon auch, dass einzelne Interessen der Länder ein<br />
gemeinsames Vorgehen in den bisher diskutierten Punkten &#8211;<br />
Bankenaufsicht, Bilanzierungsregelungen, Rating-Agenturen,<br />
Managergehälter, Haftungsfragen &#8211; verhindern. Letztendlich geht es<br />
vielen Regierungschefs dann doch wieder um das Eigeninteresse ihres<br />
Landes, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
</p>
<p>
<b>JoeMcGrath:</b><br />
Die armen Länder der Erde haben die Krise nicht verursacht, aber werden<br />
am stärksten von ihr betroffen sein. Müsste es nicht ein<br />
internationales Insolvenzverfahren für Staaten geben?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Mir ist nicht klar, was Sie mit einem internationalen<br />
Insolvenzverfahren für Staaten meinen. Bislang wurden vom IWF Staaten,<br />
die drohten, in die Insolvenz zu stürzen, gestützt, wie z.B. Island.<br />
Ich sehe allerdings auch, dass viele arme Länder der Erde von der<br />
Finanzkrise ohne Zutun stark betroffen sind. Daher muss die<br />
Staatengemeinschaft in ihrer Verantwortung diesen Ländern &#8211; im Blick<br />
auf Bekämpfung von Hunger &#8211; auch mehr Unterstützung geben.
</p>
<p>
<b>Acidos:</b><br />
Was muss getan werden, wenn es im schlimmsten Fall zu dem Zusammenbruch<br />
der Finanz- und Gesellschaftsordnung kommt, wie sie in Island droht?<br />
Was für Alternativen zu einem auf exponentiellem Wachstum basierenden<br />
System haben wir?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ein völliger<br />
Zusammenbruch der Finanz- und Gesellschaftsordnung von großen<br />
Industriestaaten wie Deutschland ist nicht zu befürchten. Island ist<br />
ein kleines Land und hat eine völlig andere Situation.
</p>
<p>
<b>Thomas:</b><br />
Ich habe Geld bei der isländischen Kaupthing Bank als Tagesgeld<br />
angelegt. Die ist jetzt ja Pleite. Erst hieß es, dass die<br />
Bundesregierung die Bürgschaft für die Einlagen deutscher Sparer<br />
abgibt. Steinbrück hatte selbst gesagt, dass man diese Sparer nicht<br />
vergessen darf. Jetzt ist davon nicht mehr die Rede. Welche Auffassung<br />
haben Sie? Sollte das Rettungspaket auch für deutsche Sparer gelten,<br />
die in Island ihr Fest- und Tagesgeld angelegt haben?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir sind im Austausch mit dem Finanzministerium, dass die isländische<br />
Einlagensicherung auch für deutsche Anleger gelten soll. Wir erwarten<br />
vom Finanzminister, dass er die Sparer nicht im Stich lässt.
</p>
<p>
<b>Otto:</b> In welchem Umfang, glauben Sie, zahlen wir künftig für das Schuldenmachen der Amerikaner?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Das amerikanische System, dass alles auf Pump finanziert werden kann,<br />
hat leider Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Ich hoffe, dass mit<br />
Barack Obama in Amerika eine andere Politik greift.
</p>
<p>
<b>alexander:</b><br />
Wird die Finanzkrise so viele staatliche Finanzhilfen verschlingen,<br />
dass am Ende Abstriche für den Klimaschutz gemacht werden müssen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir Grünen weisen täglich darauf hin, dass der Klimaschutz im<br />
Zusammenhang mit den Diskussionen über die Finanzkrise nicht vergessen<br />
werden darf. Im Gegenteil: Klimaschutz hat etwas mit Vorsorge zu tun<br />
und hat auch eine hohe Relevanz in Hinblick auf die ökonomischen<br />
Folgewirkungen. Dies hat der Stern-Bericht eindeutig gezeigt.
</p>
<p>
<b>Schulstreik:</b> Wieso hat die Regierung Geld für die Banken, aber nicht für die Bildung?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Das Rettungspaket dient der Stabilisierung unseres gesamten<br />
Wirtschaftsraumes. 400 Milliarden sind Bürgschaften, die mit<br />
Bedingungen vergeben werden. Sodass am Ende &#8211; wenn die Rettungsaktion<br />
abgeschlossen sein wird &#8211; nicht unbedingt Steuerausfälle damit<br />
verbunden sein müssen. Generell sind wir seit Jahren der Auffassung,<br />
dass auf allen politischen Ebenen mehr für die Bildung getan werden<br />
muss. Ein Gutachten hat uns bestätigt, dass in den nächsten Jahren<br />
mindestens 27 Milliarden Euro investiert werden müssen, damit wir<br />
wenigstens im Durchschnitt der OECD-Länder liegen. Zur Finanzierung<br />
schlagen wir Grünen vor, den Solidaritätszuschlag in einen<br />
Bildungs-Soli umzuwandeln und die Einnahmen den zuständigen Stellen für<br />
die Bildungsinvestitionen zur Verfügung zu stellen.
</p>
<p>
<b>lmx:</b><br />
Sie waren Unterstützer der INSM, der Arbeitgeber-Kampagne &quot;Initiative<br />
Neue Soziale Marktwirtschaft&quot;, die seit Jahren Stimmungsmache für den<br />
Markt und für Deregulierung betreibt. Sind Sie damit nicht, wie<br />
Friedrich Merz und andere Lobbyisten der Groß- und Finanzindustrie,<br />
Teil des Problems?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Sie sagen<br />
ja zu Recht, ich WAR Unterstützerin der INSM. Ich bin vor Jahren aus<br />
dieser Initiative ausgetreten, weil mir die politischen Implikationen<br />
nicht gepasst haben.
</p>
<p>
<b>Liberaler:</b> Wo unterscheidet sich ihr Lösungspaket zur Finanzkrise von dem der FDP?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Wir wollen national und international mehr Regeln. Wir setzen uns ein<br />
für eine stärkere Haftung der Manager, genauso wie für eine Begrenzung<br />
der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Managergehältern und Abfindungen.<br />
Wir fordern eine neue Gehaltsstruktur der Manager, da die kurzfristigen<br />
Boni das Verhalten angereizt haben, auf dem Finanzmarkt stärker zu<br />
zocken. Diese Forderungen werden bislang von der FDP so nicht geteilt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Die Große Koalition plant, die Managergehälter zu begrenzen. Werden Sie den Vorschlag unterstützen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Wir erwarten eine langjährige<br />
Diskussion in der Koalition zu diesem Thema. Bislang gibt es noch nicht<br />
einmal ein gemeinsames Eckpunktepapier, geschweige denn eine<br />
Gesetzesformulierung. Falls es hier eine vernünftige Vorlage gibt,<br />
werden wir sie selbstverständlich unterstützen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Gestern war FDP-Fraktionsvize Carl-Ludwig Thiele hier im Chat und hat<br />
uns Folgendes für Sie hinterlassen: &quot;Frau Scheel sollte doch einmal<br />
erklären, wie unter einer rot-grünen Bundesregierung die IKB-Anteile<br />
von der KfW erworben worden sind, in dessen Verwaltungsrat sie saß und<br />
welche finanziellen Folgen dies für den Steuerzahler hat.&quot; Möchten Sie<br />
das jetzt tun?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ja, gern: Als<br />
die KfW die Anteile der Allianz und der Münchner Rück an der IKB<br />
übernommen hat, saß ich nicht im Verwaltungsrat der KfW. Herr Thiele<br />
sollte sich darüber informieren, wer denn da zuständig war. Außerdem<br />
habe ich damals von der FDP keine Stimme vernommen, die der Meinung<br />
war, dass die Mittelstandsfinanzierung an eine ausländische Bank gehen<br />
soll.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Leider müssen wir schon zum<br />
Schluss kommen. Nebenbei haben wir unter den Chattern eine Umfrage<br />
gestartet: &quot;Trauen Sie Bündnis90/Die Grünen zu, die Finanzkrise zu<br />
lösen?&quot; 24 Prozent haben Ja gesagt, 75 Prozent Nein.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Das ist gar nicht so schlecht. Bislang lagen wir bei der Kompetenz in Wirtschaftsfragen immer im einstelligen Bereich.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Eine persönliche Frage zuletzt: Sollte es 2009 zu einer<br />
Regierungsbeteiligung der Grünen kommen, trauen Sie sich das Amt der<br />
Finanzministerin zu?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>: Ich gehe<br />
nicht davon aus, dass in einer Regierungskonstellation mit zwei oder<br />
drei Mitgliedern das Finanzministerium an eine kleine Fraktion vergeben<br />
wird. Hier bin ich Realistin.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das war<br />
die heutige Ausgabe der tagesschau-Chat-Reihe zur Finanzkrise. Frau<br />
Scheel, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Herzlichen<br />
Dank an alle User. Leider konnten wir nicht alle Fragen stellen. Die<br />
nächste Gelegenheit gibt es aber morgen: Dann ist der Vize-Chef der<br />
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Meister, hier bei uns zu Gast.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel</b>:<br />
Herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es hat mir viel<br />
Spaß gemacht. Außerdem finde ich es immer sehr interessant, was die<br />
Chatterinnen und Chatter so bewegt. Und von Herrn Dr. Meister würde ich<br />
gerne wissen, wann denn endlich die gesetzlichen Vorgaben für eine<br />
bessere Regulierung unseres Finanzmarktes von Seiten der Koalition<br />
vorgelegt werden. Reden reicht nicht. Handeln ist gefragt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Das fragen wir ihn! Das Team von tagesschau.de wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag. Bis morgen &#8211; dann legen wir um 12.00 Uhr los!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts und Thomas Querengässer, tagesschau.de.</i>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Den Grünen wird der Untersuchungsausschuss nicht unbequem</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/den-gruenen-wird-der-untersuchungsausschuss-nicht-unbequem-163/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/den-gruenen-wird-der-untersuchungsausschuss-nicht-unbequem-163/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
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		<category><![CDATA[Untersuchungsausschuss]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesnachrichtendienst]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Dienstag, 17. Januar, war Christine Scheel, MdB 
der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de. Hauptthema des tagesschau-Chats 
in Kooperation mit politik-digital.de war die angebliche BND-Hilfe 
Deutschlands für die USA im Irak-Krieg.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Dienstag, 17. Januar, war Christine Scheel, MdB<br />
der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de. Hauptthema des tagesschau-Chats<br />
in Kooperation mit politik-digital.de war die angebliche BND-Hilfe<br />
Deutschlands für die USA im Irak-Krieg.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, Geheimdienst-Freunde<br />
und -Gegner, herzlich willkommen beim Tagesschau-Chat. Zum Chat<br />
ist heute Christine Scheel, Abgeordnete von Bündnis 90/Grüne<br />
im Bundestag ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Wie immer können<br />
Fragen zu allen Themen gestellt werden, egal ob Bundesnachrichtendienst,<br />
die neue Fürsorge der Politik für die Kindererziehung<br />
oder die beliebte Mehrwertsteuererhöhung wir sammeln und „arbeiten<br />
ab“. Können wir beginnen Frau Scheel?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Gerne.
</p>
<p>
<b>Hortensius:</b> Frau Scheel, liegt es nicht im Interesse<br />
der Bundesrepublik Deutschland, wenn Bundesnachrichtendienst und<br />
Militärischer Abschirmdienst auch mit anderen Geheimdiensten<br />
kooperieren, sofern dieses indirekt auch Interessen der BRD nutzt<br />
(In diesem Falle denke ich da auch an einen Nutzen für die<br />
offizielle Kooperation mit betroffenen Staaten) ?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich denke auch, dass es Aufgabe<br />
des Geheimdienstes ist, auch im Interesse der Bundesrepublik, dass<br />
Kooperationen stattfinden. Es ist aber auch Aufgabe der Geheimdienste<br />
sich an Vorgaben der Länder, die sie entsenden, zu halten.<br />
D.h. Kooperation ja, aber kein Eigenleben gegen staatlich-politische<br />
Interessen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Können Sie sich<br />
vorstellen, dass der Bundesnachrichtendienst auf eigene Faust handelte?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das ist genau das, was wir nicht<br />
wissen. Der Bundesnachrichtendienst hat dem damaligen Kanzleramtsminister<br />
Steinmeier berichtet und inwieweit einzelne Aktivitäten dort<br />
oder im Kanzleramt vorgestellt wurden wissen wir nicht.
</p>
<p>
<b>geh-heim-dienst:</b> Ich bin gespannt, was wir von<br />
einem Untersuchungsausschuss erwarten können. Ich denke: Nichts!<br />
immerhin arbeiten Geheimdienste absichtlich geheim.
</p>
<p>
<b>athlet1:</b> Was bringt ein Untersuchungsausschuss<br />
den Bürgern, wenn sie aus Gründen der Geheimhaltung nicht<br />
viel mehr erfahren als vorher?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wir sind derzeit in der Diskussion<br />
darüber, was überhaupt von einem Untersuchungsausschuss<br />
erwartet werden kann. Deswegen ist die Fragestellung richtig. Andererseits<br />
stellt sich schon die Frage, inwieweit sich Geheimdienste verselbstständigt<br />
haben und inwieweit es Grenzen der Geheimhaltung gibt. D.h. Geheimdienste<br />
können nicht alles tun, was sie sich vorstellen.
</p>
<p>
<b>Lehrmo:</b> Frau Scheel, halten Sie es für richtig,<br />
ein Problem mit einem staatlichen Instrument wie dem Bundesnachrichtendienst<br />
öffentlich zu diskutieren? Wäre es nicht vielmehr sinnvoller<br />
so etwas intern zu klären?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ja, da schlagen zwei Herzen<br />
in meiner Brust. Zum einen hat die Öffentlichkeit schon den<br />
Anspruch zu erfahren, dass die politische Entscheidung der Nichtteilnahme<br />
am Irakkrieg auch so gelebt wurde. Zum anderen werden Aufgaben,<br />
die Geheimdienste haben, vielleicht in ein falsches Licht gestellt.<br />
So ist es selbstverständlich, dass die Geheimdienste weltweit<br />
Entwicklungen beobachten, um ihren jeweiligen Ländern auch<br />
Informationen geben zu können. Ansonsten müssten wir auf<br />
andere Geheimdienste zurückgreifen, was ich ziemlich unsinnig<br />
finde.
</p>
<p>
<b>FredMueller:</b> Warum sind die Grünen überhaupt<br />
so erpicht auf einen Untersuchungsausschuss? Schließlich tragen<br />
Sie in diesem Fall die Verantwortung mit, als ehemalige Regierungspartei.
</p>
<p>
<b>laurin:</b> Wieso wollen die Grünen einen Untersuchungsausschuss?<br />
Es geht doch immerhin um eine Affäre aus der Regierungszeit<br />
der Grünen! Es scheint nur eine Abwehrreaktion zu sein. Nach<br />
dem Motto: wenn wir uns jetzt darüber empören, dann denken<br />
die anderen, wir wissen gar nichts davon!
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Die Grünen haben sich mit<br />
der Frage Untersuchungsausschuss &#8216;ja’ oder &#8216;nein’ ganz<br />
aktuell erst festgelegt, weil unsere zuständigen Innenpolitiker<br />
viele Fragen haben, die nicht beantwortet sind. Die Entscheidung,<br />
einen Untersuchungsausschuss einzusetzen darf grundsätzlich<br />
nicht davon abhängig sein, ob Untersuchungen in die eigene<br />
Regierungszeit fallen oder nicht. Es geht um größtmögliche<br />
Transparenz.
</p>
<p>
<b>Fragensteller100:</b> Halten Sie es für möglich,<br />
dass ein Untersuchungsausschuss für die Grünen unbequem<br />
werden könnte? Schließlich waren Sie sieben Jahre lang<br />
an der verantwortlichen Regierung beteiligt, auch wenn die Zuständigkeit<br />
für den Bundesnachrichtendienst beim Kanzleramt liegt.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das halte ich nicht für<br />
möglich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt Sie gehen davon aus,<br />
dass auch Außenminister Fischer über diese Vorgänge<br />
&#8211; soweit sie stattgefunden haben &#8211; nicht informiert war?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Meines Wissens hat der ehemalige<br />
Außenminister sich dahingehend geäußert, dass schon<br />
klar war, dass Geheimdienste unterwegs sind, aber über die<br />
Berichterstattungen in den Medien über das Verhalten der Dienste<br />
entsetzt gezeigt.
</p>
<p>
<b>Vall:</b> Sehr geehrte Frau Scheel hat denn Ihre Fraktion<br />
sich nicht während des Irak-Konfliktes mit Hilfe des Bundesnachrichtendienstes<br />
über Vorgänge im Irak direkt informiert? Da Ihre Fraktion<br />
mit an der Regierung beteiligt war ist doch davon auszugehen, dass<br />
zumindest einige Damen oder Herren über diese Vorgänge<br />
informiert waren.
</p>
<p>
<b>athlet1:</b> Frau Scheel, was für einen Einblick<br />
haben Politiker beim Bundesnachrichtendienst eigentlich? Und wie<br />
können sich &#8216;einfache Bürger&#8217; einen Einblick verschaffen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Es gibt die parlamentarischen<br />
Kontrollgremien, die auch über die Arbeit von Geheimdiensten<br />
informiert werden. Allerdings unter Geheimhaltungsregeln, so dass<br />
auch die Fraktion nicht über die Inhalte der Diskussion in<br />
diesen Gremien informiert wird. D.h. für mich persönlich,<br />
dass ich nicht weiß, was der Bundesnachrichtendienst tut.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Einfach, weil mit ja oder nein zu beantworten:
</p>
<p>
<b>Fragensteller100:</b> Wenn es Ihnen um größtmögliche<br />
Transparenz geht und es keinen Unterschied machen soll, ob Untersuchungen<br />
in die eigene Regierungszeit fallen oder nicht: Würden sie<br />
auch dann einen Untersuchungsausschuss fordern, wenn Sie nach wie<br />
vor Regierungsverantwortung tragen würden?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>modtiger:</b> Wie oft tagen die parlamentarischen<br />
Kontrollgremien?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich glaube einmal im Monat,<br />
bin aber nicht sicher, ob es nicht einen unregelmäßigen<br />
Rhythmus je nach Arbeitsanfall gibt. D.h. wenn Diskussionen aufkommen,<br />
wird dieses Kontrollgremium einberufen.
</p>
<p>
<b>rolf.meyer.hl:</b> Angenommen es würde sich in<br />
einem Untersuchungsausschuss herausstellen, dass der Bundesnachrichtendienst<br />
mehr am Krieg involviert war als bisher bekannt. Was würde<br />
dann geschehen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Dann müssten die Bundesnachrichtendienst-Beamten<br />
mit Konsequenzen zu rechnen haben.
</p>
<p>
<b>Crespo R: </b>Sind sie nicht der Meinung, dass eventuell<br />
Geheimdienste anderen realpolitischen Realitäten ausgesetzt<br />
sind als Bundestagsfraktionen und deswegen dort auch nicht mit demselben<br />
Maß gemessen werden sollte?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das ist sehr schwierig zu beurteilen.<br />
Selbstverständlich sind Geheimdienste anderen Realitäten<br />
ausgesetzt. Aber was bedeutet beispielsweise Unterstützung<br />
der Geheimdienste im Irak? Kann eine Warnung „hier steht ein<br />
Krankenhaus“ schon als Unterstützung gewertet werden<br />
oder dient es eher dem Schutz der Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>David23:</b> Ich habe kürzlich die These gehört,<br />
dass Amerika versucht, die alte Bundesregierung in Misskredit zu<br />
bringen. Prof. Eenboom sagte das, glaube ich. Und ich kann mir ehrlich<br />
gesagt nicht vorstellen, dass die Kriegsführung der USA auf<br />
Informationen zweier Bundesnachrichtendienst-Mitarbeiter angewiesen<br />
war. Die Versorgung der eigenen Regierung mit Infos ist doch legitim,<br />
selbst eine Information der USA über zivile Einrichtungen ist<br />
in Ordnung, wenn man Leben retten wollte.
</p>
<p>
<b>letizia:</b> Frau Scheel, glauben Sie, dass hinter<br />
den Enthüllungen der letzten Tage eine US-Kampagne steckt?<br />
Eine Parallele mit den CIA-Flügen lässt sich ja unweigerlich<br />
ziehen und erweckt so zumindest den Anschein.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Diesen Verdacht habe ich auch.<br />
Denn es ist schon sehr eigenartig, dass diese Debatte gerade jetzt<br />
auftaucht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wen sehen Sie hinter einer solchen<br />
Debatte? Wer könnte Sie ausgelöst haben mit welchen Interessen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Es ist ja in den USA nicht auf<br />
Freude gestoßen, dass Deutschland sich nicht am Irakkrieg<br />
beteiligt hat und somit könnte es durchaus im Interesse der<br />
amerikanischen Regierung liegen, hier politisch etwas zu zündeln.
</p>
<p>
<b>NahOstPolitik:</b> Wie glaubwürdig ist jetzt<br />
noch die Nicht-Beteiligung am Irak-Krieg?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Die politischen Entscheidungen<br />
sind eindeutig: Nicht-Beteiligung.
</p>
<p>
<b>bdoren:</b> Sehr geehrte Frau Scheel, zuerst möchte<br />
ich sagen, dass auch ich eine vollkommene Aufklärung befürworte.<br />
Haben Sie jedoch keine Angst davor, dass eine Aufklärung die<br />
pazifistische Grundhaltung Ihrer Partei und der Regierung in der<br />
Irak-Frage jegliche Glaubwürdigkeit raubt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Vielleicht dient diese Diskussion<br />
auch dazu, deutlich zu machen, welche Aufgaben Geheimdienste haben.<br />
Damit in der Bevölkerung auch transparenter wird, dass die<br />
Anwesenheit von Beamten, in dem Fall im Irak, nicht automatisch<br />
etwas mit Kriegsbeteiligung zu tun haben muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vorausgesetzt die Vorwürfe sind<br />
stichhaltig:
</p>
<p>
<b>666:</b> Wurde Deutschland durch die Veröffentlichungen<br />
der ARD bezüglich der Bundesnachrichtendienst-Aktivitäten<br />
in Bagdad in den Fokus international operierender Terrorgruppen<br />
gerückt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Diese Befürchtung gibt<br />
es, allerdings glaube ich, dass internationale Gruppen, Terrorgruppen,<br />
auch wissen, dass Geheimdienste vor Ort sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mehre Nachfragen in Sachen Lancierung<br />
der Geheimdienst-Informationen:
</p>
<p>
<b>Joschka:</b> Wollen Sie ernsthaft die USA bezichtigen?<br />
Ist das nicht zu einfach?
</p>
<p>
<b>Jack: </b>Aber wieso kommen diese Enthüllungen<br />
dann genau jetzt, wenn es eine Kampagne ist?
</p>
<p>
<b>joey:</b> Frau Scheel, glauben sie Präsident<br />
Bush, dass er nichts von den Bundesnachrichtendienst Aufenthalten<br />
wusste?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich weiß nicht, woher<br />
diese Informationen kommen. Vielleicht gibt es auch das Interesse,<br />
der rot-grünen Regierung im nachhinein Schaden zufügen<br />
zu wollen, indem eine Debatte angestoßen wird, die alle möglichen<br />
Sachverhalte vermischt, um das Image der alten Regierung im Blick<br />
auf das Verhalten zum Irakkrieg zu ramponieren. Ich glaube, dass<br />
es vorwiegend auch der Versuch ist, den Grünen zu unterstellen,<br />
wir hätten das alles wissen sollen. Was mitnichten der Fall<br />
ist. Ob der Präsident Bush davon wusste weiß ich nicht.
</p>
<p>
<b>Vall:</b> Sehr geehrte Frau Scheel, denken Sie nicht,<br />
dass Beschuldigungen gegen die US-Regierung, die auf Spekulationen<br />
beruhen, etwas zu weit gehen und somit sehr vorsichtig eingesetzt<br />
werden sollten?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich bin ja sehr vorsichtig.<br />
Vermutungen sind Vermutungen und nicht mehr.
</p>
<p>
<b>Alejandro:</b> Beweist die aktuelle Debatte über<br />
den Bundesnachrichtendienst nicht die Ohnmacht unserer Demokratie?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Dies wäre eine gute Begründung,<br />
einen Untersuchungsausschuss einzusetzen und die Grenzen auszuloten,<br />
inwieweit sich Geheimdienste über demokratisch getroffene parlamentarische<br />
Entscheidungen hinwegsetzten können. Ich finde, das dürfen<br />
sie nicht. Darüber ist zu reden.
</p>
<p>
<b>Hortensius: </b>Ein Blick über die derzeitige<br />
Situation hinaus: Inwiefern macht es im Rahmen der immer größer<br />
werdenden staatlichen Einheit eigentlich Sinn, noch nationale Geheimdienste<br />
zu haben? Wäre es nicht sinnvoller, einen europäischen<br />
Geheimdienst einzurichten, der dann der Kontrolle durch das EU-Parlament<br />
unterliegt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Diese Diskussion wird geführt.<br />
Inwieweit es sinnvoll ist, einen europäischen Geheimdienst<br />
einzurichten, hängt natürlich auch davon ab, inwieweit<br />
sich die einzelnen Staaten darauf verständigen können,<br />
dass die Kontrolle nur durch das Europäische Parlament vorgenommen<br />
wird. Die politischen Entscheidungen in Bezug auf die Beteiligung<br />
am Irakkrieg der einzelnen EU-Staaten haben gezeigt, dass es durchaus<br />
auch unterschiedliche Interessen gibt.
</p>
<p>
<b>NahOstPolitik:</b> Würde ein Beschluss des Bundestages<br />
gegen Mitarbeit von Ermittlungsbehörden mit Folterstaaten nicht<br />
helfen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wer definiert, wer ein Folterstaat<br />
ist? Deutschland hat sich sehr klar gegen jegliche Foltermethoden<br />
ausgesprochen und die Debatte um Guantanamo wird jetzt auch in der<br />
neuen Regierung geführt. Wir Grünen haben hier eine eindeutige<br />
Position.
</p>
<p>
<b>Splitter:</b> Welche Gemeinsamkeiten stellen Sie mit<br />
den anderen Parteien in der Opposition nach fast 100 Tagen der neuen<br />
Regierung fest? Kann diese Konstellation überhaupt eine echte<br />
oppositionelle Position schaffen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Es gibt Gemeinsamkeiten in der<br />
Beschreibung der Notwendigkeiten zur Reformierung der sozialen Sicherungssysteme<br />
oder einer nachhaltigen Haushaltpolitik. Allerdings ist es nun Aufgabe<br />
der Opposition, dies auch einzufordern oder auch eigene Vorschläge<br />
zu machen, um die notwendigen Reformen sehr zügig auf den Weg<br />
zu bekommen. Bislang sehen wir, dass alle komplizierteren Sachverhalte<br />
von der Unternehmensbesteuerung bis zur Frage Gesundheitspolitik<br />
auf die lange Bank geschoben werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Sachen &quot;Wachstums&quot;-Milliarden-Investitionsprogramm<br />
der schwarz-roten Regierung:
</p>
<p>
<b>schnucki:</b> Hallo Frau Scheel. Sie behaupten, dass<br />
die 25 Milliarden Euro ein Schummelpaket seien. Was genau sind dafür<br />
die Gründe? Ist der Betrag zu niedrig oder halten Sie prinzipiell<br />
nichts von diesen keynesschen Ansätzen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Keynessche Ansätze kurz gesagt:<br />
staatliche Investitionen um die Konjunktur in schlechten Zeiten<br />
anzukurbeln.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Viele Maßnahmen in diesem<br />
Paket sind bereits beschlossene Sachen, z.B. ist das Programm zur<br />
energetischen Altbausanierung bereits bei der Kreditanstalt für<br />
Wiederaufbau, die zur 80 % dem Bund gehört. Auch andere Maßnahmen<br />
gibt es bereits im Steuerrecht und sie wurden lediglich befristet<br />
ausgeweitet. Auf der anderen Seite wird man mit Steuererhöhungen<br />
weitaus mehr Einnahmen haben, als für diese Programme jetzt<br />
ausgegeben wird.
</p>
<p>
<b>Mooshammer:</b> Frau Scheel, wie schätzen Sie<br />
die Entwicklung der Konjunktur in Deutschland ein? Wird es nach<br />
einem leichten Aufschwung in 2006 wieder eine kleine Rezession in<br />
2007 geben, wie von einigen Wirtschaftsexperten befürchtet?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das ist im Moment wirklich sehr<br />
schwer zu sagen. Ich habe festgestellt, dass die Prognosen von Wirtschaftsexperten<br />
in den letzten Jahren selten so eingetroffen sind. Es wird darauf<br />
ankommen, wie die Gesamtstimmung in Deutschland sein wird und natürlich<br />
für ein Exportland wie Deutschland auf die weltweiten Entwicklungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Interessant, aber sehr speziell. Daher<br />
erlaube ich mir den klassischen Zusatz: Mit der Bitte um eine kurze<br />
Antwort.
</p>
<p>
<b>Dale 2:</b> Verehrte Frau Scheel, was halten Sie als<br />
Finanz- und Wirtschaftspolitikerin davon, dass selbst in detailliertesten<br />
steuerrechtlichen Fragen der Gerechtigkeitsbegriff in den letzten<br />
Jahren das maßgebliche politische Kriterium geworden ist?<br />
Würden Sie sich gerade in Ihrem Fachgebiet nicht lieber Debatten<br />
wünschen, in denen Indikatoren wie Wettbewerbsfähigkeit<br />
und Effizienz im Vordergrund stehen (z.B. beim europäischen<br />
Steuerrecht/Mehrwertsteuer-Debatte)?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Sicher sind diese Indikatoren<br />
wie Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz ganz maßgebend<br />
aber man muss auch im Blick haben, dass die Akzeptanz steuerpolitischer<br />
Entscheidungen in der Bevölkerung davon abhängt, inwieweit<br />
die Menschen das Gefühl haben, dass es fair zugeht. Wenn der<br />
Eindruck entsteht, der Staat verzichte aus Wettbewerbsgründen<br />
bei international operierenden Unternehmen auf Steuereinnahmen,<br />
aber jeder einzelne Bürger wird zur Kasse gebeten, stört<br />
dies das Vertrauen in politische Entscheidungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mit Bezug auf die Frage nach der Konjunktur<br />
2007:
</p>
<p>
<b>Mooshammer:</b> Das ist für mich keine befriedigende<br />
Antwort. Ich hatte Sie ja nach Ihrer Meinung gefragt.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich glaube schon, dass es bei<br />
den Investitionen sowohl privat als auch im Unternehmensbereich<br />
zur Effekten kommt, dass Vorzieheffekte für 2006 stattfinden.<br />
Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass 2007 sich die wirtschaftliche<br />
Situation verschlechtern muss.
</p>
<p>
<b>Daniel:</b> Frau Scheel, wie bewerten Sie die Äußerung<br />
von Wirtschaftsminister Glos, dass Energiepolitik in erster Linie<br />
Wirtschaftspolitik sei?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Energiepolitik hat viel mit<br />
Umweltpolitik zu tun, mit Effizienz, mit der Frage, welche Ressourcen<br />
stehen wie lange zur Verfügung, welche Abhängigkeiten<br />
gibt es und damit ist das Thema Energiepolitik nicht allein ein<br />
Wirtschaftsthema, sondern ein Bereich der politischen Diskussion,<br />
der in vielen anderen Politikfeldern auch relevant ist.
</p>
<p>
<b>Interessierter:</b> Gerade im Hinblick auf Steuergesetzgebung:<br />
Wie kann die Politik in der Bevölkerung für nicht sehr<br />
stark akzeptierte, vielleicht sogar den Bürger anfänglich<br />
benachteiligende Entscheidungen, die aber langfristig gesehen auch<br />
für das Wohl des Volkes sehr wichtig sind, mehr um Verständnis<br />
werben?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Dies geht nur, wenn von politischer<br />
Seite ganz offen und ehrlich begründet wird, warum bestimmte<br />
Entscheidungen getroffen werden und in welchem Zusammenhang diese<br />
notwendig sind. Die Politik muss den Mut haben über Wahltage<br />
hinaus zu denken.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und dann muss man die problematischen<br />
Steuerentscheidungen auch noch durchsetzen. Als Finanzpolitikerin<br />
müssten Sie dann ja fast ein Fan einer großen Koalition<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wenn die große Koalition<br />
klare Entscheidungen trifft, die im Ergebnis meinem Anspruch der<br />
Steuervereinfachung und einer vernünftigen Unternehmensbesteuerung<br />
gerecht wird, werde ich zwar nicht gleich zum Fan, werde dies aber<br />
konstruktiv begleiten. Leider wird die große Koalition diesen<br />
Ansprüchen bislang nicht gerecht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Lernfrage:
</p>
<p>
<b>wenwählen?:</b> Sie fordern die Schaffung einer<br />
zentralen Bundesumsatzsteuerverwaltung. Was genau habe ich mir darunter<br />
vorzustellen und welche Konsequenzen hat das für den Steuerzahler?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Die Bundesumsatzsteuerverwaltung<br />
müsste mit den Ländern zusammen arbeiten. Der Hintergrund<br />
dieser Forderung ist, dass wir wissen, dass beim Umsatzsteuerbetrug,<br />
der in einer Größenordnung von 16 Milliarden Euro pro<br />
Jahr eingeschätzt wird, die einzelnen notwendigen Informationen<br />
unterschiedlicher Behörden zusammen fließen müssten,<br />
was derzeit nicht der Fall ist. D.h. es geht bei dieser Forderung<br />
um eine bessere Koordinierung und Effizienz der Betrugsbekämpfung.<br />
Die Softwaresysteme der einzelnen Bundesländer sind nicht immer<br />
kompatibel und auch der Austausch mit Staatsanwaltschaften und dem<br />
Zoll und der europäischen Betrugsbekämpfungsbehörde<br />
ist noch lange nicht optimal.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> 16 Milliarden sind eine gigantische<br />
Summe: Hätte er die, würden Steinbrück Felsbrocken<br />
vom Herzen fallen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass das Thema<br />
Priorität eins hat. Warum eigentlich nicht?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Betrugsbekämpfung im Umsatzsteuerbereich<br />
hat etwas zu tun mit dem Problem der Schwarzarbeit, mit Insolvenzen,<br />
mit hoher krimineller Energie bei Karussellgeschäften und muss<br />
von verschiedenen Seiten angegangen werden. Dies ist nicht einfach.<br />
Ich habe in meiner Amtszeit als Finanzausschussvorsitzende dieses<br />
Thema in mehreren Anhörungen bearbeitet und weiß, dass<br />
in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe Strategien zur Betrugsbekämpfung<br />
Thema sind. Vielleicht wäre es gut, dies auch stärker<br />
in die Öffentlichkeit zu tragen, dass die Politik diese Aufgabe<br />
erfüllen muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch einmal eine rückblickende<br />
Frage auf die Bundesnachrichtendienst-Irak-Affäre:
</p>
<p>
<b>Daniel: </b>Frau Scheel, nicht nur die Bundesnachrichtendienst-Affäre<br />
lässt daran zweifeln, dass die frühere rot-grüne<br />
Bundesregierung in Realität den Irak-Krieg tatsächlich<br />
ablehnend gegenüber stand, wie sie öffentlichkeitswirksam<br />
darstellte. Wie stehen Sie beispielsweise zu Überflugrechten<br />
und zu der Bewachung amerikanischer Kasernen durch die Bundeswehr?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sie während des Irak-Kriegs<br />
erfolgten.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wir hatten im Blick auf die<br />
Awacs-Einsätze keine Bedenken. Im Blick auf die Überflugrechte<br />
gibt es eine sehr differenzierte Diskussion.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten Tagesschau-Chat.<br />
Die Bitte um Nachsicht an diejenigen, die nicht drangekommen sind.<br />
Vielen Dank für Ihr Interesse. Vielen Dank an Sie, Frau Scheel,<br />
dass Sie heute Zeit für unsere User hatten. Das Chat-Protokoll<br />
finden Sie wie immer auf tagesschau.de und politik-digital.de. Dort<br />
erfahren Sie auch die Termine für die nächsten Chats.<br />
Am 23. Januar, also Montag kommender Woche stellt sich Dirk Niebel<br />
ab 12.30 Uhr Ihren Fragen. Einen schönen Tag allerseits!
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich freue mich über das<br />
rege Interesse und wünsche ihnen allen einen schönen Tag.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Vorschläge sind für unsere Ziele wenig tauglich&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[espies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 May 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Agenda 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Christine Scheel]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/cscheel.jpg" alt="Christine Scheel" align="left" border="0" height="105" width="84" />tacheles.02: 
</b> <b>Christine Scheel, Finanzexpertin der Grünen, am 07. 
Mai 2003, </b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>zu 
Gast im tacheles.02 Live-Chat von politik-digital.de und tagesschau.de</b>.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/cscheel.jpg" alt="Christine Scheel" align="left" border="0" height="105" width="84" />tacheles.02:<br />
</b> <b>Christine Scheel, Finanzexpertin der Grünen, am 07.<br />
Mai 2003, </b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>zu<br />
Gast im tacheles.02 Live-Chat von politik-digital.de und tagesschau.de</b>.</span><!--break-->
</p>
<p>
<br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von<br />
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Heute ist die Finanzexpertin der Grünen, Christine Scheel, zum chatten<br />
ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Eine Stunde haben wir Zeit. Kann es<br />
losgehen, Frau Scheel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Ja, ich bin bereit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Die Bundesanstalt für Arbeit braucht in diesem Jahr nach eigenen<br />
Angaben vermutlich einen Bundeszuschuss von bis zu 7,5 Milliarden Euro.<br />
Das ist noch weit mehr als bislang befürchtet, ursprünglich<br />
sollte es gar keinen Zuschuss geben. Als Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses<br />
und Mitglied einer Regierungspartei muss Ihnen da doch der Schweiß<br />
ausbrechen. Im Haushalt ist das nicht vorgesehen, wie wollen Sie das auffangen?</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"></p>
<p><b>Christine Scheel:</b> Wir werden wahrscheinlich die Neuverschuldung<br />
erhöhen müssen. Das hängt auch davon ab, wie die Steuerschätzung<br />
Mitte Mai ausfällt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>steueroasenbewohner:</b><br />
Sind sie für eine moderate Schuldenaufnahme und für ein Konjunkturprogramm,<br />
das Arbeitsplätze schafft? Denn dann werden die staatlichen Steuereinnahmen<br />
steigen und die Schulden können wieder abgebaut werden, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Wir geben in diesem Jahr rund 28 Mrd. Euro für Investitionen aus.<br />
Zudem gibt es für die Kommunen und die Bauindustrie verbilligte Kredite,<br />
in etwa 12 Mrd. Euro. Weitere Konjunkturprogramme würden die Schulden<br />
zu stark erhöhen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ricco:</b> Liebe<br />
Frau Scheel, hat die rot-grüne Regierung den Mittelstand ins steuerpolitische<br />
Aus katapultiert? Und rächt sich diese Strategie jetzt durch die<br />
neuesten Arbeitslosenzahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel</b>:<br />
Nein. Wir sind nicht allein auf der Welt und stehen natürlich, was<br />
die Steuerbelastung betrifft und die Lohnnebenkosten, im internationalen<br />
Wettbewerb. Daher ist es für den Mittelstand wichtig, dass die Agenda<br />
2010 kommt und damit auch der Weg frei wird, die Sozialversicherungsbeiträge<br />
zu senken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gqgerqg:</b> Zu<br />
den Reformplänen: Nur, wenn es billiger wird, Arbeitnehmer zu bezahlen,<br />
stellen die Betriebe neu ein, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tschudowsky:</b><br />
Sehr geehrte Frau Scheel. Was halten Sie von der Idee des DGB, die für<br />
2004 vorgesehenen Steuerentlastungen auf dieses Jahr rückwirkend<br />
vorzuziehen, um den Kommunen und den Bürgern mehr Geld in den Taschen<br />
zu lassen. Der DGB rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu 1,5<br />
%. Wäre das nicht ein psychologisch wichtiges Signal, um die Wirtschaft<br />
wieder in Schwung zu bringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die kommunalen Haushalte, die Länder<br />
und der Bund bei so hohen Steuerausfällen noch verfassungskonforme<br />
Haushalte aufstellen könnten. Trotz der hohen Schuldensituation bleiben<br />
wir dabei, 2004 und 2005 die Steuern weiter zu senken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Was erwarten Sie sich von den Vorschlägen der Gewerkschaften, die<br />
morgen vorgestellt werden sollen. Werden diese Ihrer Meinung nach noch<br />
in die rot-grünen Reformpläne einfließen oder ist schon<br />
alles festgeklopft?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Die Vorschläge sind für unsere Ziele wenig tauglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Das ist ein knappes, recht vernichtendes Urteil.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Selbstverständlich wird man über vernünftige Übergänge<br />
reden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ricco:</b> Liebe<br />
Frau Scheel, Hans Eichel sitzt auf leeren Kassen, der Kanzler auf Bergen<br />
von Arbeitslosen. Glauben Sie, dass die Agenda 2010 mehr sein kann als<br />
&quot;alter Wein in neuen Schläuchen&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Die Agenda 2010 ist nicht alles. Wichtig ist auch Bürokratieabbau,<br />
mehr Vertrauen der Bürger in die Politik und damit auch mehr Lust<br />
für Investitionen. Außerdem müssen wir die Eigenkapitalbasis<br />
der Unternehmen stärken und Selbstständigkeit mehr fördern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal zu den Gewerkschaftsvorschlägen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>eisernelady:</b><br />
Was sind vernünftige Übergänge?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Vernünftige Übergänge bedeutet, dass nicht jemand nach<br />
30 Jahren vom Arbeitslosengeld sofort in die Sozialhilfe rutscht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Mit Bezug auf tschudowskys Frage fragt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ruben:</b> Wer<br />
spricht hier von 1,5 Prozent Wachstum. Zahlreiche Institute gehen wieder<br />
von einer Nullrunde aus. Ist da so eine Steuersenkungspolitik nicht ein<br />
gerade fatales Konzept?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Wir gehen derzeit von einem Wachstum von 0,5% aus. Wir orientieren uns<br />
steuerpolitisch im internationalen Kontext und daher ist es wichtig, um<br />
Deutschland als Investitionsstandort attraktiv zu halten, auch vernünftige<br />
Steuersätze zu haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Am Montag sprachen Sie davon, dass man bei vier oder fünf Milliarden<br />
Euro Zuschuss für die Bundesanstalt für Arbeit &quot;sehr ernsthaft&quot;<br />
über einen Nachtragshaushalt nachdenken müsse. Bei 7,5 Milliarden,<br />
die jetzt veranschlagt werden und ihren vorsichtigen Äußerungen<br />
zum Wachstum, dann ist ein Nachtragshaushalt wohl Fakt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Wir müssen noch die Steuerschätzung abwarten, bevor wir entscheiden,<br />
ob ein Nachtragshaushalt notwendig ist. Der Finanzminister hat noch einen<br />
Kreditermächtigungsrahmen von knapp 10 Mrd. Euro.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Der Kreditrahmen dürfte nach Expertenmeinung mit den Bundesanstalt-für-Arbeit-Milliarden<br />
bereits weg sein &#8211; da höre ich jetzt mehr Finanzminister Eichel sprechen,<br />
als die grüne Finanzexpertin Christine Scheel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Ich halte aufgrund einer guten Transparenz einen Nachtragshaushalt für<br />
die klarere Lösung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>holger:</b> Warum<br />
kümmert man sich überhaupt noch um die Meinungen der Verbände?<br />
Sollte man sich nicht hinstellen und sagen: &quot;Was ihr wollt ist uns<br />
schnuppe. Ihr wollt eh nur Stillstand. Wir machen jetzt was wir für<br />
richtig halten. Basta!&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Wir sollten uns von der Lobbypolitik lösen, das stimmt. Politiker<br />
sind für das Gemeinwohl gewählt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bürger:</b><br />
Warum gehen Politiker nicht mit gutem Beispiel voran und verzichten einfach<br />
auf ihr Kindergeld. Dieses gilt auf für Besserverdienende.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Es steht jedem frei diese Summen zu spenden. Leider ist aufgrund der Rechtssprechung<br />
des Bundesverfassungsgerichtes eine Zahlung des Kindergeldes nur für<br />
niedrigere Einkommen rechtlich nicht möglich. Gesellschaftspolitisch<br />
hielte ich das allerdings für sinnvoll.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>eisernelady:</b><br />
Selbst wenn es der Bundesregierung gelingt, bis 2006 die Nettokreditaufnahme<br />
des Bundes auf Null zu senken, kommen wir jemals wieder von diesem Schuldenberg<br />
herunter?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Gute Frage: 1291, 5 Milliarden Euro beträgt die Staatsverschuldung<br />
nach Angaben des Bundes der Steuerzahler am heutigen Mittwoch. Der rechnet<br />
so: Bei einer Schuldentilgung von 1 Milliarde Euro monatlich würde<br />
es 110 Jahre dauern bis die Schulden getilgt sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Ich befürchte, dass wir aufgrund der wirtschaftlichen Situation bis<br />
2006 die Nettokreditaufnahmen (NKA) nicht auf Null setzen können.<br />
Insgesamt wird deutlich, dass es zwingend ist, dass wir weiter Subventionen<br />
abbauen und sparen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Welche Subventionen sind nach ihrer Meinung als nächstes &quot;dran&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Die Steinkohlesubvention wird seit 1999 bis 2005 vertraglich um knapp<br />
50% abgebaut. Dies muss natürlich weiter gehen. Außerdem erwarte<br />
ich mit großer Spannung den Vorschlag der Ministerpräsidenten<br />
Koch und Steinbrück zum Subventionsabbau. Die größte Steuersubvention<br />
in Deutschland ist die Eigenheimzulage mit 9,5 Mrd. Euro pro Jahr.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>teuro22:</b> Ist<br />
die Vermögenssteuer die Lösung der staatlichen Finanzprobleme?<br />
Aber kaum gegen die CDU/CSU Opposition durchsetzbar?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Nein. Außerdem auch nicht durchsetzbar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bdi__:</b> Hans<br />
Eichel hat versprochen: Wir werden keine zusätzlichen neue Schulden<br />
machen. Aber die Konjunktur lahmt, die Arbeitslosenzahlen sind sehr hoch.<br />
Warum werden die Wohlhabenden und die Unternehmen nicht stärker in<br />
die Pflicht genommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Wir haben steuerliche Unternehmensgestaltungen begonnnen einzuschränken,<br />
damit auch große Konzerne wieder ihren Beitrag zum Steueraufkommen<br />
leisten. Kleine und mittelständische Unternehmen sind die, die Steuern<br />
zahlen und ausbilden. Wohlhabende haben höhere Steuersätze als<br />
Kleinverdiener.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine kurze Spezialfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ulrich:</b> Wird<br />
sich in der nächsten Zeit etwas beim Verlustvortrag bzw. Rücktrag<br />
ändern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Es gibt 250 Mrd. Euro Verlustvorträge in deutschen Unternehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Verlustvortrag: Verrechnung von Gewinnen mit Schulden</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Ich finde, dass wir eine Begrenzung der Verlustverrechnung mit Gewinnen<br />
vornehmen sollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ruben:</b> Frau<br />
Scheel, sie haben die Frage nach dem Mittelstand vorhin nicht beantwortet.<br />
Warum wird dem Mittelstand eine deutlich höhere steuerliche Belastung<br />
zugemutet als großen Lobbyisten wie VW?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Die Steuersätze für Körperschaften gelten für alle<br />
gleich. Personenunternehmen haben viele Vorteile, die sie in einer anderen<br />
Rechtsform nicht hätten, z.B. günstigere Erbschaftssteuer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sind größere Unternehmen nicht im Vorteil? Sie könn(t)en<br />
ins Ausland ausweichen, haben große steuerrechtlichen Abteilungen.<br />
Spielt das eine wesentliche Rolle?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Ja. Allerdings sind wir dabei, dass Gewinne, die in Deutschland entstehen,<br />
auch in Deutschland versteuert werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>holger:</b> Was<br />
ist mit der unterschiedlichen steuerlichen Behandlung von Freiberuflern.<br />
Die müssen keine Gewerbesteuern zahlen. Wann wird das geändert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Demnächst wird ein Gesetz zur Stabilisierung der Kommunalfinanzen<br />
vorgelegt. Bei allen Modellen der Sachverständigenkommission sind<br />
die Freiberufler mit einbezogen. Allerdings wird unterm Strich keine höhere<br />
steuerliche Belastung für die Selbstständigen entstehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>andrak:</b> Aber<br />
der Mittelstand hat auch viele Hemmklötze. Die leichte Betriebskündigung<br />
für Kleinbetriebe unter 4 Personen ist gut, doch leider haben davon<br />
Mittelständler mit 5 und mehr Personen nichts davon. Sie bleiben<br />
weiterhin geknebelt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Aus diesem Grund wollen die Grünen mehr Flexibilität für<br />
Betriebe mit fünf und mehr Personen. Die genaue Ausgestaltung wird<br />
derzeit in der Koalition diskutiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>eisernelady:</b><br />
Wie genau können sie sagen, was eine Senkung des Spitzensteuersatzes<br />
den Staat kosten würde? Ich habe gelesen, dass sie keine aktuellen<br />
Zahlen haben, wie stark welche Einkommensgruppe von den Steuererleichterungen<br />
profitieren wird. Alles nur Spekulation?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Selbstverständlich gibt es Berechnungen des Finanzministeriums.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>33%:</b> Sind Steuersenkungen<br />
das richtige Mittel? Die OECD ermittelte für 2001, dass Deutschland<br />
mit 21,7% den niedrigsten Steueranteil am Bruttoinlandsprodukt in Europa<br />
hatte. Nur Japan und die USA sind niedriger. Ist diese staatliche Großzügigkeit<br />
gerecht(-fertigt)?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Das hängt auch damit zusammen, dass in Deutschland die Freibeträge<br />
für Familien mit Kindern in der Einkommenssteuer verankert sind.<br />
Darüber hinaus gibt es noch andere Komponenten, die, wenn man sie<br />
herausrechnen würde, uns ein Stück weiter nach oben katapultieren<br />
würden. Außerdem muss man die Steuer- und Abgabenbelastung<br />
gemeinsam betrachten. Bei den Abgaben liegen wir im internationalen Vergleich,<br />
leider an der Spitze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Selbst wenn es bei den Lohnkosten eine gewisse Senkung gibt, scheint mir<br />
das eine interessante Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:</b><br />
Sehen Sie denn durch die Osterweiterung der EU keine Gefahr für die<br />
deutsche Wirtschaft, wenn die Lohnnebenkosten unverändert hoch bleiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Wir können die Lohnnebenkosten natürlich nicht auf das Niveau<br />
der EU-Beitrittsländer senken. Deutschland hat zum Glück Wettbewerbsvorteile<br />
bei Bildung, Infrastruktur und Lieferungen just-in-time.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bdi__:</b> Die<br />
erste Stufe der Steuerreform hat den Staat 30 Milliarden gekostet, aber<br />
die Binnennachfrage nicht belebt. Wurden da nicht die Falschen entlastet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Wir senken den Tarif insgesamt ab, so dass alle Einkommen davon profitieren.<br />
Übrigens bedeuten höhere Steuersätze nicht automatisch<br />
höhere Steuereinnahmen. Wichtig ist die Steuergestaltung weiter einzuschränken<br />
und zu einer Vereinfachung zu kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ricco:</b> Liebe<br />
Frau Scheel, der Kanzler hat die Parole ausgeben: Wer gegen meine Agenda<br />
ist, ist gegen meine Regierung. Wie wollen die Grünen da dem Packet<br />
ihren Stempel aufdrücken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Wir haben im Vorfeld der Regierungserklärung natürlich dem Bundeskanzler<br />
unsere Vorschläge vorgetragen und vieles ist davon in der Agenda<br />
2010 zu finden. Diese Agenda steht für die Koalitionsfraktionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Natürlich<br />
kommt dennoch die Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>agenda007:</b><br />
Wird die Agenda innerhalb der Grünen zu einer Spaltung führen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:<br />
</b>Nee, niemals. Da haben wir schon schwierigere Debatten gehabt, siehe<br />
Außenpolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Also, die Grünen-Fraktion steht bei der Abstimmung über die<br />
Agenda 2010 hinter dem Kanzler?</span>
</p>
<p>
<b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Christine Scheel:</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
Na klar. Auch vor dem Kanzler übrigens.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Und die SPD-Fraktion? Sie sitzen ja schließlich nahe bei einander,<br />
da müssten Sie das doch eigentlich wissen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Zum Glück müssen wir nicht die Probleme der SPD-Fraktion klären.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Immerhin wissen wir damit, dass die SPD-Fraktion noch Probleme hat. Und<br />
noch mal zu den Grünen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>33%:</b> Aber Herr<br />
Ströbele wird da doch anderer Meinung sein, oder gibt es das linke<br />
Gewissen in den Grünen nicht mehr und nur noch Neoliberale?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Es gibt nur Ordoliberale. Ich kenne in der Grünen Fraktion keinen<br />
Neoliberalen. Wir sind doch nicht die FDP.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cypher:</b> Frau<br />
Scheel, wäre es Ihrer Meinung nach nicht sinnvoller sowohl die Rentenfinanzierung<br />
als auch die Gesundheitsvorsorge vollständig privat zu betreiben,<br />
um die Lohnnebenkosten endlich nachhaltig zu senken? Ist Ihrer Meinung<br />
nach eine vollständige Finanzierung aus Steuern der richtige Weg<br />
oder wollen Sie an der Finanzierung durch Arbeitgeber/Arbeitnehmer festhalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Wir wollen an der Umlagefinanzierung festhalten und gleichzeitig die individuelle<br />
Verantwortung stärker einbeziehen. Daher haben wir bei der Rente<br />
neben der gesetzlichen Altersvorsorge die private und betriebliche Komponente<br />
gestärkt. Bei der Gesundheitsvorsorge steht dies nun an, dass ein<br />
höherer Eigenbeitrag geleistet werden muss. Wie dies genau geschieht,<br />
ob durch Zuzahlungen oder andere Maßnahmen, ist noch nicht entschieden.<br />
Es gibt in Europa kein Land, das die Rente und Gesundheit rein privat<br />
finanzieren lässt. In der Schweiz gibt es sogar eine Bürgerversicherung,<br />
in die alle einbezahlen egal ob Beamte, Selbstständige oder abhängige<br />
Beschäftigte, und die hat auch einen Arbeitgeberanteil.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Beimel:</b> Frau<br />
Scheel, sind sie für oder gegen Ausstiegsklausel bei Flächentarifverträgen?<br />
Und glauben Sie, dass die Gewerkschaften auch die Arbeitslosen adäquat<br />
vertreten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Gewerkschaften in den letzten<br />
Jahren um die Arbeitslosen gekümmert haben. In der Realität<br />
gibt es heute schon Ausstiegsklauseln. Ich halte viel von betrieblichen<br />
Bündnissen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ein Vorwurf mit Verweis auf eine grundlegende grüne Handlungsmaxime:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>agenda007:</b><br />
Und von Nachhaltigkeit hört man bei den Grünen nichts mehr.<br />
Auch Finanzpolitik darf spätere Generationen nicht mit Schulden belasten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Das ist genau der Punkt. Wir haben den Begriff der Nachhaltigkeit von<br />
der Umweltpolitik auf die praktische Finanzpolitik und übrigens auch<br />
die Wirtschaftspolitik übertragen. Aus diesem Grund versuchen wir<br />
alles, um späteren Generationen Handlungsspielräume zu geben,<br />
d.h. Schulden vermeiden, wo immer es geht und eben nicht die Vorstellungen<br />
der Gewerkschaften umsetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ohhhe:</b> Ich<br />
habe gelesen, dass ihr Parteikollege hier im Chat letztes Jahr auf die<br />
Frage, warum Reformen so schwer seien, sagte: &quot; Ehrliche Antwort:<br />
weil Politiker d i e Besitzstandswahrer schlechthin sind. &quot; Sie auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ich weiß nicht, welcher Parteikollege von Frau Scheel das war, es<br />
gab eine Menge Chat’s, aber vorstellen kann ich es mir.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ohhhe:</b> Es war<br />
Oswald Metzger!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Es gibt viele Abgeordnete der Oppositionsparteien, die jede Forderung<br />
nach Mehrausgaben von Lobby-Verbänden bedienen wollen, damit sie<br />
ja keinen Wähler verlieren. Das ist eine falsche Politik und zudem<br />
unehrlich, denn in Regierungsverantwortung muss man sich entscheiden,<br />
ob man mehr Geld ausgeben und mehr Schulden machen oder die Linie der<br />
Haushaltskonsolidierung verfolgt. Ich persönlich bin für Konsolidierung,<br />
auch wenn es weh tut.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DerWeise:</b> Wann<br />
gibt es endlich eine Steuergesetzgebung, die von normalen Menschen überblickt<br />
und verstanden werden kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Ich habe diese Hoffnung auch noch nicht aufgegeben. Allerdings haben wir<br />
in Deutschland ein über jahrzehnte gewachsenes Steuersystem, in dem<br />
alles &#8211; von der Wohnungsbauförderung über Kulturförderung<br />
bis hin zur Familienpolitik &#8211; im Steuerrecht geregelt ist. Daher brauchen<br />
wir einen gesellschaftspolitischen Konsens, alle Sondertatbestände<br />
aus dem Steuerrecht herauszunehmen. Da würden sich einige wundern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, es gibt noch reichlich Fragen, leider ist<br />
unsere Zeit vorbei. Herzlichen Dank Frau Scheel, Herzlichen Dank an alle<br />
UserInnen für Ihr Interesse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Noch zwei Terminhinweise:<br />
am Montag, 12. Mai kommt Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul<br />
von 18.00 bis 19.00 Uhr zum tacheles.02-Chat, am 22. Mai antwortet FDP-Vizefraktionschef<br />
Otto Solms von 17.00 bis 18.00 Uhr auf Ihre Fragen. Wir freuen uns, wenn<br />
Sie wieder dabei sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Die Transkripte aller<br />
tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de<br />
und politik-digital.de sowie des Unterstützers tagesspiegel.de. Das<br />
tacheles.02-Team wünscht allen noch einen angenehmen Abend.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christine Scheel:</b><br />
Vielen Dank an alle Beteiligten. Die Zeit ist vergangen wie im Flug.</span></p>
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