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	<title>CIA-Affäre &#8211; politik-digital</title>
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	<title>CIA-Affäre &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Mit der Absage pflegen Grüne das Denkmal Fischer&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Jan 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Niebel]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 23. Januar, war Dirk Niebel, MdB und Generalsekretär 
der FDP, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de in Kooperation 
mit politik-digital.de. Die Haltung der Grünen zu einer Einsetzung 
eines Untersuchungsausschusses zur BND- und CIA-Affäre kommentierte 
Niebel ebenso wie das Investitionsprogramm der schwarz-roten Regierung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 23. Januar, war Dirk Niebel, MdB und Generalsekretär<br />
der FDP, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de in Kooperation<br />
mit politik-digital.de. Die Haltung der Grünen zu einer Einsetzung<br />
eines Untersuchungsausschusses zur BND- und CIA-Affäre kommentierte<br />
Niebel ebenso wie das Investitionsprogramm der schwarz-roten Regierung.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, draußen<br />
ist es knackig kalt, aber in unserem Chat geht&#8217;s hoffentlich gleich<br />
heiß her: herzlich willkommen beim tagesschau-Chat. Unser<br />
Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute der Generalsekretär<br />
der FDP, Dirk Niebel. Wie immer können Fragen zu allen Themen<br />
gestellt werden &#8211; wir sammeln und &quot;arbeiten ab&quot;. Herzlich<br />
willkommen, Herr Niebel, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Klar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Niebel, wie teuer erkauft die<br />
FDP die Zustimmung der Grünen zum BND-Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Wir haben nie einen BND-Ausschuss<br />
gefordert, sondern einen Ausschuss, der sich mit der Aufhellung<br />
der Grauzonen des rechtsstaatlichen Handeln beschäftigt. Damit<br />
die Grünen hier kein Argument haben, um abzuspringen, haben<br />
wir in einem Kompromissvorschlag fast vollständig ihre Formulierungen<br />
des Untersuchungsauftrages übernommen.
</p>
<p>
<b>Frederik (in Rouen):</b> Sehr geehrter Herr Niebel,<br />
wie stehen Sie zu der Meinungsänderung der Grünen? Warum<br />
sind die Grünen nun zum Verzicht bereit und warum beharrt die<br />
FDP auf den Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Wir wollten immer umfassende Transparenz<br />
gewährleisten, von der Entführung deutscher Staatsbürger<br />
über CIA-Flüge bis zu Verhören in Foltergefängnissen.<br />
Wenn die Grünen jetzt abspringen, dient das nicht der Pflege<br />
des Rechtsstaates, sondern der des Denkmals Fischer.
</p>
<p>
<b>hansprobst: </b>Muss man sofort, wenn die Medien brüllen,<br />
einen Ausschuss einrichten?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Im Gegenteil. Wenn aber seit Ende<br />
letzten Jahres viele Fragen nicht beantwortet wurden und immer neue<br />
dazu kommen, ist es die Aufgabe des Parlaments, die Regierung zu<br />
kontrollieren.
</p>
<p>
<b>Hook:</b> Schaden Sie mit einem Untersuchungsausschuss<br />
nicht der Arbeit des BND?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Der Vorwurf, Aufklärung würde<br />
die innere Sicherheit gefährden, ist infam. Das Gegenteil ist<br />
der Fall. Nicht aufzuklären würde den Rechtsstaat gefährden.<br />
Darüber hinaus ist uns die Notwendigkeit funktionierender Geheimdienste<br />
bewusst. Auch ein Untersuchungsausschuss kann teilweise geheim tagen<br />
und wird sicher keine operativen Aufgaben des BND öffentlich<br />
machen.
</p>
<p>
<b>aron:</b> Was für Themen wünschen Sie (oder<br />
die FDP) denn im Detail aufgeklärt zu sehen? Geht es nur um<br />
die Beteiligung deutscher an der Zielauswahl oder auch um andere<br />
Themen wie die CIA-Flüge oder auch um Fälle wie die Entführung<br />
el-Masris?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Die Frage der Aufgaben des BND im<br />
Irak ist nur ein kleiner Bestandteil des notwendigen Untersuchungsauftrages.<br />
Der Schwerpunkt muss neben den von Ihnen angesprochenen Themen bei<br />
der Durchsetzung des absoluten Folterverbotes liegen. Daher muss<br />
geklärt werden, ob deutsche Behörden unter Folter erzielte<br />
Erkenntnisse verwertet haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zum Kompromiss: Sie sagen,<br />
sie haben fast vollständig die Formulierungen des Untersuchungsauftrages<br />
der Grünen übernommen. Was genau heißt das?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Das bedeutet, dass dieser Untersuchungsausschuss<br />
nicht einer Abrechnung mit Rot-Grün dienen soll, sondern Aufklärung<br />
über die nicht beantworteten Fragen bringen soll. Das bedeutet<br />
weiter, dass die Grünen sich nicht herausreden können<br />
und dass es kein politisches Argument für sie gibt, sich zu<br />
verweigern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie reagieren Sie und die FDP, wenn<br />
die Grünen tatsächlich abspringen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Ein Untersuchungsausschuss kann dann<br />
nicht beantragt werden. Aber die Öffentlichkeit würde<br />
erkennen, dass alles, was die Grünen jemals über Rechtsstaat,<br />
Bürgerrechte, Transparenz und demokratische Kontrolle erzählt<br />
haben, ad absurdum geführt würde.
</p>
<p>
<b>Chestnut:</b> Könnte das Ganze nicht zum PR-Desaster<br />
für die FDP werden? Wenn die Partei zu verzweifelt an dem Ausschuss<br />
festhält, denkt sich doch jeder: Klar, die haben&#8217;s nötig,<br />
weil sie in der Opposition sind.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Wenn die kleinste Fraktion im Bundestag,<br />
die Grünen, sich an der Aufklärungsmöglichkeit nicht<br />
beteiligt, werden sie schon ihre Gründe haben. Der Untersuchungsausschuss<br />
muss nicht belegen, ob Joseph Fischer gelogen hat oder nicht. Wer<br />
heute in den Focus guckt, erfährt, dass Fischer sich am 16.<br />
Dezember 2003 ausführlich von den BND-Agenten in Aman hat vortragen<br />
lassen,<br />
obwohl er noch Anfang des Jahres der Öffentlichkeit und seiner<br />
Fraktion gesagt hat, dass er diesen Vorgang nicht kenne.
</p>
<p>
<b>drasdo:</b> Ich verstehe die ganze Diskussion nicht.<br />
Jede Bundesregierung, die staatspolitisch verantwortlich handelt,<br />
muss, um sich ein eigens Bild zu verschaffen, Mitarbeiter in eine<br />
Krisenregion schicken. Mit der Diskussion erreichen Sie allerdings<br />
den Mann am Stammtisch sehr gut.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Die erste Aussage ihres Satzes ist<br />
völlig richtig. Hier geht es nur um die Deckungsgleichheit<br />
von Reden und Handeln. Viel wichtiger sind mir die anderen unbeantworteten<br />
Fragen, die ich vorhin schon genannt hatte.
</p>
<p>
<b>aron:</b> Würden Sie sagen, Sie haben den konkreten<br />
Verdacht, dass deutsche Behörden Folteraussagen verwendet haben?<br />
Welche Zeugen würden sie zu diesem Thema gerne befragen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Innenminister Schäuble hat in<br />
der Bundestagsdebatte gesagt, in den Akten gäbe es keine Erkenntnisse,<br />
die auf die Verwertung von Foltergeständnissen hinweisen. Das<br />
reicht nicht aus!
</p>
<p>
<b>luftikus:</b> Das parlamentarische Kontrollgremium<br />
hat die BND-Geschichte aus Bagdad schon für unproblematisch<br />
erklärt. Wieso soll das dann überhaupt noch in den Ausschuss?<br />
CIA würde doch reichen. Dann machen bestimmt auch die Grünen<br />
mit.
</p>
<p>
<b>dunkelmann:</b> Hallo Herr Niebel, für wie groß<br />
halten Sie denn den Einfluss von Fischer in der Grünen-Fraktion?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> zu luftikus: Einspruch. Das parlamentarische<br />
Kontrollgremium hat festgestellt, dass die Agenten entsprechend<br />
ihres Auftrages korrekt gehandelt haben. Das bedeutet etwas anderes.<br />
Im Übrigen: Wir haben nie einen BND-Ausschuss gefordert. Wir<br />
haben die Fragestellung der Grünen fast vollständig übernommen.<br />
Aber die Reihenfolge der Fragen in unserem Vorschlag so verändert,<br />
dass CIA und Folter vorne stehen und nicht der BND, wie es die Grünen<br />
vorgeschlagen haben. Zu dunkelmann: Er (Joschka Fischer) wurde in<br />
der Vergangenheit als Gottvater bezeichnet, wenn er innerhalb einer<br />
Woche die Fraktion und Parteiführung nach einem klaren &#8216;Ja&#8217;<br />
zum Untersuchungsausschuss zu einem &#8216;Nein&#8217; umdrehen kann, sagt dass<br />
nicht nur was über seinen Einfluss, sondern auch über<br />
das mangelnde Rückgrat der grünen Fraktion aus.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Für Sie ein Skandal?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Zumindest sehr erhellend.
</p>
<p>
<b>hans probst:</b> Wie stehen Sie dann zu Aussagen eines<br />
Wolfgang Schäuble, man dürfe &quot;erfolterte&quot; Aussagen<br />
von Häftlingen auch in Deutschland in einem Rechtsstreit verwenden?
</p>
<p>
<b>R.M.:</b> Dürfen Ihrer Meinung nach deutsche<br />
Behörden unter keinen Umständen Folteraussagen verwenden?<br />
Auch nicht im zugespitzten Fall, in dem dadurch Leben gerettet werden<br />
können?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Das absolute Folterverbot darf nicht<br />
aufgeweicht werden. Wer sich im Kampf gegen den Terror nicht rechtstaatlicher<br />
Mittel bedient, begibt sich auf eine schiefe Bahn und überschreitet<br />
eine rote Linie, wodurch man sich auf die gleiche Ebene begibt,<br />
wie diejenigen, die man bekämpfen will.
</p>
<p>
<b>bndagent:</b> Wird auch die Beziehung zwischen Frau<br />
Osthoff und dem BND Teil des Untersuchungsausschusses sein?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Ich glaube, es ist notwendig, dass<br />
der Bundesaußenminister dem parlamentarischen Kontrollgremium<br />
gegenüber zum Fall Osthoff Rede und Antwort steht. Dieser Fall<br />
ist zwar sehr diffus, hat mit dem anderen Komplex aber nichts zu<br />
tun.
</p>
<p>
<b>blacktimh:</b> Wie finden Sie die Vorwürfe, dass<br />
Susanne Osthoff die Entführung plante?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Das kann ich nicht beurteilen. Der<br />
Umstand, dass eventuell Lösegeld bezahlt wurde und davon einiges<br />
bei ihr aufgefunden wurde, verbietet es aber, dass die Bundesregierung<br />
gegenüber den zuständigen Gremien weiterhin schweigt.<br />
Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten, ist es meines Erachtens nicht<br />
nur kriminell, sondern Frau Osthoff hätte anderen potenziellen<br />
Entführungsopfern einen Bärendienst erwiesen.
</p>
<p>
<b>Hasenchartbreaker:</b> Hallo Herr Niebel. Was ist<br />
eigentlich dran an dem Gerücht, dass die FDP intern schon ziemlich<br />
von der Selbstdarstellung eines Herrn Westerwelle genervt ist?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Überhaupt nichts.
</p>
<p>
<b>Eirikr:</b> In Deutschland wird immer wieder mit nachfrageorientierten,<br />
keynesianisch ausgerichteten Argumenten gefochten. Warum ist es<br />
so schwer, den Leuten klar zu machen, dass das Schnee von gestern<br />
ist? Zumal nur eine Minderheit unter den Experten in Deutschland<br />
daran glaubt und im europäischen Ausland damit auch nicht mehr<br />
argumentiert wird.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Das Grundproblem besteht darin, dass<br />
gerade bei einer großen Koalition die schwarz und rot lackierten<br />
Sozialdemokraten den Bürgern nichts zutrauen. So versuchen<br />
sie, mit einem Investitionsprogramm, für das sie das Geld nicht<br />
haben, etwas zu erreichen, was Bürger und Unternehmen, wenn<br />
ihnen der Staat mehr vom selbstverdienten Geld überließe,<br />
viel besser selbst könnten.
</p>
<p>
<b>Oskar Matzerat:</b> Was genau unterscheidet für<br />
Sie den Begriff &quot;liberal&quot; im Deutschen von dem &quot;liberal&quot;<br />
im Amerikanischen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Im deutschen Liberalismus wurde der<br />
Nachtwächterstaat durch die sogenannten Neoliberalen abgelöst,<br />
die dafür gesorgt haben, dass im Umgang untereinander Spielregeln<br />
aufgestellt wurden, die der Staat wie ein Schiedsrichter zu überwachen<br />
hatte. Mittlerweile könnte man glauben, der Schiedsrichter<br />
möchte gerne selbst die Tore schießen. Das kann nicht<br />
funktionieren. Der amerikanische Liberalismus ähnelt meines<br />
Erachtens eher dem alten Nachtwächterstaat.
</p>
<p>
<b>jj:</b> Sehr geehrter Herr Niebel. An sich bin ich<br />
ja der FDP gegenüber sehr wohlgesonnen, doch habe ich in letzter<br />
Zeit ein Problem: Mir fällt auf, dass das einzige, was man<br />
von den Liberalen hört, Gemecker ist. Es wird von Bundesparteiseite<br />
nur rumgemosert, gemeckert, kritisiert. Ist das die Rolle der FDP<br />
in der Opposition?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Überhaupt nicht. Da ist ihre<br />
Wahrnehmung leider sehr eingeschränkt. Schon im Vorfeld des<br />
Koalitionsvertrages war es die FDP, die in der Diskussion über<br />
die Föderalismusreform die Großkoalitionäre zwingen<br />
konnte, auch eine Reform der Finanzbeziehungen in Deutschland im<br />
Koalitionsvertrag festzuschreiben. Die Rolle der FDP als Oppositionsführer<br />
ist eine konstruktive, die die große Koalition auch antreibt<br />
und selbstverständlich zu kontrollieren hat.
</p>
<p>
<b>aron_:</b> Noch einmal zu den Foltervorwürfen:<br />
Als überzeugter Gegner von Folter frage ich mich, wie derart<br />
ungeheuerliche Vorwürfe entstehen konnten. Woher kommt die<br />
Vermutung, dass deutsche Behörden Folteraussagen verwendet<br />
hätten?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Deutsche Beamte haben nach Auskunft<br />
des Bundesinnenministers sowohl in Guantanamo als auch in syrischen<br />
und libanesischen Gefängnissen, die für Folter bekannt<br />
sind, Vernehmungen durchgeführt. Übrigens ohne, dass der<br />
Generalbundesanwalt davon wusste. Allein das bedarf der rückhaltlosen<br />
Aufklärung.
</p>
<p>
<b>PPM:</b> Sehr geehrter Herr Niebel, was sehen sie<br />
denn so problematisch daran, dass der BND im Irak aktiv war und<br />
eventuell Informationen an die Amerikaner weitergegeben hat? Die<br />
USA sind schließlich unsere Verbündete und wenn der BND<br />
Informationen weitergegeben haben sollte, sehe ich darin kein Problem.<br />
Warum auch?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Grundsätzlich würde ich<br />
Ihnen zustimmen. Handeln und Reden der Bundesregierung würde<br />
dann allerdings sehr weit auseinander klaffen. Nichtbeteiligung<br />
am Irakkrieg bedeutet ja nicht nur, keine Soldaten zu schicken.<br />
Aber noch einmal: Die FDP hat zu keinem Zeitpunkt einen BND-Ausschuss<br />
gefordert, sondern von Anfang an eine umfassende Beleuchtung der<br />
Grauzonen rechtsstaatlichen Handelns.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage nach Verhören in Guantanamo:
</p>
<p>
<b>Clemens Gretkowski:</b> Was für Beamte, Herr<br />
Niebel? BND, Bundespolizei, Bundeswehr? Was für Beamte haben<br />
die Vernehmungen durchgeführt?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Nach meinem Wissen Beamte des Bundeskriminalamtes.
</p>
<p>
<b>Montagsmaler:</b> Kommt meine Frage noch? Ich entdecke<br />
in der Rückkehr der Menschenrechts- und Rechtsstaatsthemen<br />
mehr Gemeinsamkeiten zwischen FDP und SPD als mit der CDU. Steht<br />
Ihnen nur die Marktscheu der Sozialdemokraten bei einer Koalition<br />
im Wege?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Koalitionsfragen werden beantwortet,<br />
wenn sie sich stellen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dennoch: Könnte die SPD der Nach-Schröder-Ära<br />
für die Liberalen im Bund künftig wieder interessant sein?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Da die Sozialdemokratisierung der<br />
Union in rasendem Tempo vorangeht, unterscheiden sich Union und<br />
SPD immer weniger voneinander. Das bedeutet für uns, all die<br />
Menschen, die einen Politikwechsel wollten und nur einen Personalwechsel<br />
bekamen, sind bei der FDP herzlich willkommen.
</p>
<p>
<b>Kallebeckenbauer:</b> Hallo Herr Niebel, sind die<br />
gewählten Abgeordneten wirklich die Vertreter des Volkes? Ich<br />
habe nicht immer den Eindruck. Da wird viel über die Köpfe<br />
der Leute hinweg entschieden. Warum machen Sie von der FDP sich<br />
nicht stark dafür, Volksabstimmungen generell einzuführen?<br />
Haben die Politiker davor Angst?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Wir haben uns als FDP seit längerer<br />
Zeit für eine Stärkung plebiszitärer Elemente ausgesprochen.<br />
Das gilt insbesondere, wenn die Legislaturperiode tatsächlich<br />
auf 5 Jahre verlängert werden sollte. Generell halten wir aber<br />
an der repräsentativen Demokratie in einem 82-Millionen Volk<br />
fest.
</p>
<p>
<b>David13:</b> Was hält die FDP von der Lohnforderung<br />
der IGM: Konjunkturbremse oder eine echte Alternative um den Binnenmarkt<br />
anzukurbeln?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Ein &quot;Superprogramm&quot; zur<br />
Vernichtung von innerdeutschen Arbeitsplätzen. Stattdessen<br />
würde ein einfaches und niedriges Steuersystem zu einem wesentlichen<br />
Schub für mehr Wachstum und weniger Arbeitslosigkeit führen.
</p>
<p>
<b>Usama:</b> Hallo Herr Niebel. Die Erhöhung der<br />
Mehrwertsteuer haben Sie gegeißelt, weil sie die Konjunktur<br />
abwürge. Jetzt geißeln Sie die staatlichen Investitionen,<br />
die die Konjunktur ankurbeln sollen. Was wollen Sie denn überhaupt?<br />
Noch mehr Belastung der kleinen Leute und Entlastung der großen<br />
Unternehmen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Es ist doch unsinnig, dass der Staat<br />
den Bürgern ihr selbstverdientes Geld wegnimmt, durch einen<br />
teuren Verwaltungsapparat katalysiert, um es ihnen dann hinterher<br />
nach Abzug der Verwaltungskosten zweckgebunden in Form eines Investitionsprogramms<br />
wieder zurück zu geben. Nicht der Staat, die Bürger wissen<br />
besser, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen.
</p>
<p>
<b>Copperhead:</b> Wird die FDP per Bundesrat die Mehrwertsteuer-Erhöhung<br />
zu Fall bringen?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Kein Land mit FDP-Regierungsbeteiligung<br />
wird der Mehrwertsteuer-Erhöhung zustimmen. Das bedeutet, wir<br />
müssen unsere Regierungsbeteiligung in Baden-Württemberg,<br />
Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt am 26. März erhalten und<br />
dann noch ein weiteres Bundesland von der Unsinnigkeit der Mehrwertsteuer-Erhöhung<br />
überzeugen, um diese zu verhindern. Im September wählen<br />
die rot-rot regierten Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.<br />
Ich bin gespannt, wie die PDS ihren Wählern eine Mehrwertsteuer-Erhöhung<br />
verkaufen möchte. Sie sehen also, wenn die FDP in den Wahlen<br />
stark wird, gibt es eine echte Chance, die Mehrwertsteuer-Erhöhung<br />
zu verhindern.
</p>
<p>
<b>Tequilllla:</b> Halten sie es für möglich,<br />
aus ihrer Oppositionsrolle bestimmte Projekte der CDU (oder auch<br />
SPD) zu unterstützen, die im jeweils anderen Lager der Koalition<br />
keine hundertprozentige Zustimmung findet und so eventuell die Stimmen<br />
zur Durchsetzung fehlen? Ich denke da an die Kombilohn-Debatte seitens<br />
der CDU, die nicht von allen SPD Anhängern als Unsinn abgetan<br />
wird, aber auch nicht von allen getragen wird.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Von unserer Warte aus wäre das<br />
sicher möglich, allerdings wird die Regierung bestimmt nicht<br />
mit wechselnden Mehrheiten arbeiten. Das bedeutet alles, worüber<br />
die beiden sich nicht einigen können, findet nicht statt. Also<br />
Politik auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner.
</p>
<p>
<b>Jk:</b> Wie stellen sie sich denn eine Ausmistung<br />
der &quot;teuren&quot; Verwaltung vor? Mehr Bundeskompetenz und<br />
weniger Ebenen? Ein vereinfachtes Verwaltungsverfahrensgesetz? Da<br />
hätte ich doch Angst, dass Sie Rechtsschutzinstanzen für<br />
den Bürger beschneiden müssten.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Weniger Aufgaben für den Staat<br />
und mehr Freiheit für den Bürger bedeutet in der Konsequenz<br />
auch weniger Verwaltung. Eine Aufgabenüberprüfung dessen,<br />
was der Staat zu tun hat, ist dringend überfällig. Befristete<br />
Gesetze und Verordnungen, Bürokratiefolgeabschätzung im<br />
Vorfeld von Gesetzgebungsverfahren würden ein Übriges<br />
tun.
</p>
<p>
<b>PPM:</b> Tendieren Sie dazu, dass sich die Union gerade<br />
dem &#8216;sozialen Gedanken&#8217; anbiedert, anstatt sich wieder ihrem eigenen<br />
&#8216;konservativen&#8217; Profil zuzuwenden,<br />
oder sehen Sie diese Entwicklung als eine kurzfristige Entwicklung?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Im Binnenwettbewerb der beiden großen<br />
sozialdemokratischen Parteien sehe ich eher einen dauerhaften Linksruck<br />
im deutschen Bundestag. Es gibt vier staatsgläubig/sozialdemokratisch<br />
strukturierte Fraktionen und eine bürgerlich liberale.
</p>
<p>
<b>Lennox:</b> Ich dachte, es ging hier um Geheimdienstmethoden<br />
und Terroristenjagd!?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie in der Anmoderation angekündigt:<br />
&quot;Wie immer können Fragen zu allen Themen gestellt werden&quot;.
</p>
<p>
<b>aron_:</b> Halten sie die Diskussion um den Atomwiedereinstieg<br />
in Anbetracht der ebenso knappen Uranvorkommen für sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Kernkraftwerke, die nicht sicher<br />
sind, müssen sofort abgestellt werden. Kernkraftwerke, die<br />
sicher sind, müssen die Chance bekommen, entsprechend ihrer<br />
wirtschaftlichen Lebensdauer betrieben zu werden. Eine Forderung<br />
nach Neubau von Kernkraftwerken halte ich für unsinnig, insbesondere,<br />
weil mir kein Betreiber bekannt ist, der sie ernsthaft erheben würde.
</p>
<p>
<b>lemonBER:</b> Auch wenn Sie die Grünen zu den<br />
staatsgläubigen Parteien zählen &#8211; sehen Sie nicht gerade<br />
bei Bürgerrechtsthemen und eben auch beim Missbrauch der Regierungsmacht<br />
durch all zu selbstgerechte Staatlichkeit Anknüpfungspunkte<br />
an die Grünen, die zweite Partei mit zumindest liberalem Potential?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Ich sehe Anknüpfungspunkte in<br />
Teilen der grünen Wählerschaft, nicht aber im Handeln<br />
der grünen Partei. Weder in der Regierungszeit, wo sie die<br />
Lösung von Problemen immer irgendwelchen staatlichen Organisationen<br />
zugeordnet hat, noch in der Opposition, wo sie jetzt auf dem besten<br />
Weg ist, alle öffentlich proklamierten Ziele zum Schutz von<br />
Joseph Fischer über Bord zu werfen.
</p>
<p>
<b>Klammerbeutel:</b> Hallo Herr Niebel. Offensichtlich<br />
kommen Sie ja von der großen Koalition mit Ihrer ehemaligen<br />
Partnerpartei, der CDU, nicht so richtig los. Besteht bei dieser<br />
Konstellation der Opposition überhaupt die Chance einer schlagfertigen<br />
Gegenposition zur amtierenden Regierung?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Selbstverständlich. Erstens,<br />
weil große Koalition zwar große Mehrheit bedeutet, nicht<br />
aber große Problemlösungskompetenz. Eine große<br />
Koalition hat langwierige Abstimmungsprozesse, um sich auf den kleinsten<br />
gemeinsamen Nenner zu einigen. Das reicht nicht zur Lösung<br />
der Probleme Deutschlands.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Für die Kanzlerin gehen die Beliebtheitswerte<br />
stark nach oben: Warum steht die große Koalition so gut da?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Erstens ist Frau Merkel eine durchaus<br />
sympathische Persönlichkeit. Zweitens bringen große Koalitionen<br />
es mit sich, dass viele Menschen sie gewählt haben, sich also<br />
gerne im Ergebnis wieder sehen. Hierfür nehmen sie ebenso wie<br />
Teile der veröffentlichten Meinung inhaltliche Abstriche hin.
</p>
<p>
<b>Imperanevs:</b> Sie stehen Sie persönlich zu<br />
einem geplanten gesamtdeutschen Einbürgerungstest?
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Grundsätzlich bin ich der Ansicht,<br />
dass man von Einbürgerungswilligen über die Kenntnisse<br />
der deutschen Sprache hinaus Grundkenntnisse des deutschen Gesellschaftssystems<br />
erwarten kann. Ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung<br />
ist zwingend, das bedeutet aber nicht, dass der Staat alles fragen<br />
darf. Die sexuelle Ausrichtung oder individuelle religiöse<br />
Überzeugungen sind Privatsache.
</p>
<p>
<b>Peter18:</b> Wie alles im Leben, so sollte auch diese<br />
Geschichte den normalen Dienstweg gehen und von den Vorgesetzten<br />
der beiden Agenten geklärt werden. Ich denke, ein Nachrichtendienst<br />
ist zum beschaffen von Informationen da. Auch für die Beschaffung<br />
von Lageinformationen aus dem Irak und wenn diese dann auch noch<br />
dazu dienen, dass der Schaden an zivilen Gebäuden minimiert<br />
wird, ist das zumindest militärisch gesehen sehr wertvoll.
</p>
<p>
<b>Dirk Niebel:</b> Abgesehen davon, dass wir keinen<br />
reinen BND-Untersuchungsausschuss wollen, dient natürlich auch<br />
die Weitergabe nicht zu bombardierender Ziele einem militärischen<br />
Zweck. Der Jurist nennt so etwas Umkehrschluss. Hier geht es wieder<br />
um die Frage von Reden und Handeln einer Regierung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wie stets die Bitte um Nachsicht an diejenigen, die mit ihrer Frage<br />
nicht zum Zuge gekommen sind. Vielen Dank für Ihr Interesse.<br />
Vielen Dank an Sie, Herr Niebel, dass Sie heute Zeit für unsere<br />
User hatten. Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Dort erfahren Sie auch die Termine für<br />
die nächsten Chats. Nächster Gast bei uns ist die Grüne<br />
Bundestagsabgeordnete und Bundestagsvize-Präsidentin Katrin<br />
Göring-Eckardt am 6. Februar ab 13 Uhr.
</p>
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<b>Dirk Niebel:</b> Vielen herzlichen Dank und ich wünsche<br />
Ihnen allen einen ergebnisorientierten Arbeitstag.</p>
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