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	<title>Claudia Roth &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Claudia Roth &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Claudia Roth: Ja zu ISAF, Nein zu Tornados!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[abackhaus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Sep 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Claudia Roth]]></category>
		<category><![CDATA[tagessschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Tornadoeinsatz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, 19. September, war die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zu Gast im tagesschau-Chat
in Kooperation mit politik-digital.de.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, 19. September, war die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politikinteressierte, herzlich<br />
Willkommen im tagesschau-Chat! Im ARD-Hauptstadtstudio ist jetzt<br />
alles bereit für Ihre Fragen an die Grünen-Vorsitzende<br />
Claudia Roth. Vielen Dank, Frau Roth, dass Sie sich Zeit für<br />
den Chat genommen haben. Wir haben ja vorab bereits Fragen gesammelt<br />
und mit der top-bewerteten Frage starten wir auch:
</p>
<p>
<b>Frager:</b> Was geht einem durch den Kopf, wenn man<br />
mit seiner (richtigen?) Meinung bei der Basis nicht ankommt und<br />
sich der unbequemen Wahrheit stellen muss, dass sie anders stimmt,<br />
als man es für erforderlich hält? Sind Reinhard Bütikofer<br />
und mit ihm die ganze Führung von Bündnis90/Die Grünen<br />
desavouiert?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Also einen schönen Mittag erstmal.<br />
Da geht einem viel durch Kopf und Herz und natürlich ist es<br />
eine Niederlage, wenn ein Antrag, der von Bundesvorstand und Parteirat<br />
unterstützt wird, nicht Leitantrag auf einem Parteitag wird.<br />
Aber &#8211; und ich betone das aber &#8211; mit dem Beschluss, der jetzt eine<br />
große Zustimmung bekommen hat, bin ich sehr zufrieden, weil<br />
er die wichtigen Anliegen für die zukünftige Afghanistanpolitik<br />
sehr verantwortlich beschreibt. Er geht an manchen Punkten weiter<br />
als der Antrag des Bundesvorstandes, aber er besteht mit Recht auf<br />
der Notwendigkeit eines umfassenden Strategiewechsels: Was den zivilen<br />
Aufbau angeht, aber was auch und vor allem die militärische<br />
Strategie betrifft. Also: Niederlage für die Führungsebenen,<br />
Erfolg für eine Partei, die sich vor inhaltlichen Auseinandersetzungen<br />
nicht wegduckt und Verantwortung für Afghanistan übernehmen<br />
will.
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth85x.jpg" alt="Claudia Roth" height="102" width="85" /><br />
<i>Claudia Roth</i><br />
<i>Bundesvorsitzende der Grünen</i>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wenn man die Bilder vom Parteitag sieht<br />
&#8211; die Mienen der Führung: Sie waren völlig überrascht,<br />
hat man den Eindruck.
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Ich war nicht überrascht, was<br />
das eindeutige Nein zu den Tornados angeht, was ja von Anfang an<br />
auch meine Position war. Ich war hoch erfreut, dass Positionen wie<br />
&quot;Raus aus Afghanistan&quot; oder &quot;Mehr Militär für<br />
Afghanistan&quot; nur eine klitzekleine Zustimmung bekommen haben.<br />
Ich war überrascht den deutlichen Vorsprung den der Basisantrag<br />
hatte, ja.</p>
<p><b>Moderator:</b> Die Top 2 aus den Vorab-Fragen passt<br />
dazu:
</p>
<p>
<b>chancelor:</b> Warum hat die Parteispitze nicht einen<br />
Punkteplan für einen konkreten Strategiewechsel in Afghanistan<br />
entwickelt und diesen auf der Sonder-Bundesdelegierten zur Abstimmung<br />
gestellt? Ein Versäumnis? Hätte dadurch nicht ein besserer<br />
Kompromiss gefunden werden können?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Sowohl im Antrag des Bundesvorstandes<br />
als auch im jetzt beschlossenen Antrag wird sehr ausführlich<br />
beschrieben, wie ein Strategiewechsel aussehen muss &#8211; kein Dissens.<br />
Er fängt an mit einer deutliche Prioritätensetzung für<br />
den zivilen Aufbau, der sich endlich auch in der Fläche in<br />
Afghanistan auswirken muss, fordert ,den Polizei- und Justizaufbau<br />
massiv zu verstärken, beschäftigt sich mit der Frage einer<br />
erfolgreichen Drogenpolitik und Korruptionsbekämpfung und mit<br />
der Unterstützung eines innerafghanischen Aussöhnungsprozesses.<br />
Wir wollten mit dem Bundesvorstandsantrag nicht nur darüber,<br />
sondern eben auch über die unterschiedlichen militärischen<br />
Komponenten abstimmen lassen. Also: Nein zu Operation Enduring Freedom<br />
(OEF), Abzug der deutschen Soldaten aus OEF, Ja zu einer militärischen<br />
Komponente von Isaf als Assistenz beim Wiederaufbau und &#8211; wie jetzt<br />
eindeutig beschlossen &#8211; Nein zum Tornado-Einsatz. Der Unterschied<br />
war, dass im Bundesvorstandsantrag eine Empfehlung an die Bundestagsfraktion,<br />
was den Umgang mit dem zusammengelegten Mandat angeht, weniger eindeutig<br />
war, als die jetzt vom Parteitag beschlossene Empfehlung der &quot;Nichtzustimmung&quot;.
</p>
<p>
<b>mrtschi:</b> Noch mal ein Hallo Frau Roth. Meine Frage:<br />
Wie schafft man es, von der Managerin der linkesten Band aller Linken<br />
zur grünen Realo-Politikerin zu werden? Wo sind da Ihre Ideale<br />
geblieben? Ist der Traum aus?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Ja, aber ich werde alles geben,<br />
dass er Wirklichkeit wird. Ich bin linke Grüne, das bleibe<br />
ich auch und auch deswegen versuche ich, die realen Verhältnisse,<br />
auch Gewaltsituationen, wie wir sie in Afghanistan finden, nicht<br />
auszublenden. Linke Politik heute kann nicht sagen: &quot;Der Abzug<br />
aus Afghanistan schützt Deutschlands Sicherheit.&quot; Das<br />
ist doppelt falsch. Erstens gibt es Verantwortung für die Menschen<br />
in Afghanistan und zweitens hat die Entwicklung in Afghanistan in<br />
einer globalen Welt unmittelbare Auswirkung auch auf unser Leben.<br />
Aber gut, dass Sie Scherbenfan sind. Das eint uns!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch mal zur Psychologie der PolitikerInnen:<br />
Cillian: Was halten Sie von der Theorie, dass mit fortgeschrittener<br />
Karriere in der Politik und der Gewöhnung an Machtpositionen<br />
auch ein Verlust von Idealen wie z.B. Pazifismus einhergeht?</p>
<p><b>Claudia Roth:</b> Die Gefahr ist groß, sich in<br />
der vermeintlichen Zitadelle der Macht einzuschließen. Dass<br />
das nicht gelingt, dafür sorgt und garantiert die grüne<br />
Partei, wie wir in Göttingen erlebt haben. Weil sie immer wieder<br />
in intensiven Auseinandersetzungen darauf besteht, sich auseinander<br />
zusetzen mit Situationen, in denen Ideale in Widerspruch geraten<br />
können. Wenn Menschenrechte und Pazifismus gegeneinander stehen,<br />
gibt es keine einfachen Antworten auf diese schwierige Frage und<br />
deswegen machen wir es uns nicht leicht und deswegen diskutieren<br />
wir stundenlang auf allen Ebenen der Partei &#8211; anders als jede andere<br />
Partei in diesem Land &#8211; über die einzig wichtige Frage: Was<br />
ist der richtige Weg für Afghanistan? Und wie kann deutsche<br />
und internationale Politik dazu beitragen, dass in einem geschundenen<br />
Land in einer höchst fragilen Region so etwas wie Perspektive<br />
auf Frieden und politische Lösungen überhaupt entstehen<br />
kann?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Nachfragen zu Isaf und OEF:
</p>
<p>
<b>steno:</b> Wie soll die Sicherheit von Isaf ohne OEF<br />
gewährleistet werden?</p>
<p><b>frager:</b> Isaf ist nicht ohne OEF möglich, wie<br />
kann man OEF ablehnen, aber dann immer noch für Isaf sein?<br />
Dann muss man doch beides zusammen beschließen, oder zusammen<br />
ablehnen!
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Tatsache ist, dass OEF Isaf gefährdet.<br />
OEF, sprich der „War on Terror&quot;, ist gescheitert, weil<br />
er als Krieg gegen die Zivilbevölkerung verstanden werden muss.<br />
Die so genannten &quot;Kollateralschäden&quot; haben Hass,<br />
Distanz, Vertrauensverlust und eine Eskalationsspirale der Gewalt<br />
erzeugt. OEF ist nicht Assistenz beim zivilen Aufbau in Afghanistan<br />
und gefährdet deswegen die Isaf-Mission. OEF hat auch dazu<br />
beigetragen, dass demokratische und rechtsstaatliche Kriterien diskreditiert<br />
wurden und werden, wenn Menschen wie Murat Kurnaz in rechtsfreien<br />
Räumen wie in Kandahar die Menschenwürde versagt wird.<br />
Aber solange es keine eigene afghanische Armee und keine eigene<br />
afghanische Polizei gibt, also eine eigene afghanische Sicherheitsstruktur,<br />
sind wir Grünen der Auffassung, dass eine militärische<br />
Komponente wie Isaf im Norden des Landes notwendig ist, um den zivilen<br />
Aufbau abzusichern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weniger OEF heißt, mehr Isaf.<br />
Wenn OEF im Süden Afghanistans nicht mehr agieren soll, müsste<br />
das Isaf tun &#8211; mit der Konsequenz, viel mehr Nato-Soldaten auch<br />
dort zu stationieren &#8211; auch Deutsche.
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Ich lehne die Ausweitung der Bundeswehr<br />
auf den Süden ab, auch um den Norden nicht zu destabilisieren.<br />
Noch einmal: Ich sage Ja zu einer militärischen Komponente<br />
Isaf, aber das Problem ist, dass es eine Prioritätensetzung<br />
auf das Militärische gibt und nicht auf den hinterherhinkenden<br />
zivilen Aufbau. Der Tornadoeinsatz kostet mit achtzig Millionen<br />
Euro genauso viel wie für sechs Jahre Polizeiaufbau verwandt<br />
wurde. Es gibt eine eklatante Unausgewogenheit und Asymmetrie zwischen<br />
zivilem und militärischem Engagement. Afghanistan wird nicht<br />
mit mehr Militär aufgebaut, sondern muss endlich international<br />
koordiniert den zivilen, den politischen Aufbau in den Vordergrund<br />
stellen. Man könnte beispielsweise die fünfhundert Soldaten,<br />
die für den Tornado-Einsatz zuständig sind, viel sinnvoller<br />
für die Ausbildung der afghanischen Armee einsetzen. Also nicht<br />
mehr Militär, sondern eine präzisere und klarere Aufgabenstellung.</p>
<p><b>Petzibaer:</b> Hallo Frau Roth. Würden Sie ihre<br />
Meinung ändern, wenn sich jetzt z.B. morgen ein Selbstmordattentäter<br />
aus Afghanistan am Marienplatz in die Luft sprengt?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Nein. Warum? Mit Tornados kann ich<br />
beim besten Willen einen Selbstmordattentäter am Münchner<br />
Marienplatz nicht aufhalten.</p>
<p><b>gruenes Vorstandsmitglied:</b> Frau Roth, was würden<br />
Sie mir als Vorstand in einem grünen Ortsverband, der dem realpolitischen<br />
Flügel angehört und dieses verheerende Abstimmungsergebnis<br />
als persönlichen Tiefschlag wertet, raten und wie sehen Sie<br />
die Zukunft des realpolitischen Lagers in unserer Partei?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Lieber grüner Freund, ich würde<br />
Dir und Euch raten, den tatsächlichen Beschluss und nicht seine<br />
Interpretation in den Vordergrund zu stellen und deutlich zu machen:<br />
Erstens: Wir sind die einzige Partei, die Kontroversen nicht scheut.<br />
Zweitens geht es bei uns nicht um das &quot;Ob&quot;, sondern um<br />
die Frage &quot;Wie sieht Verantwortung für Afghanistan aus?&quot;<br />
Drittens gibt es viele Ansatzpunkte im jetzigen Beschluss, auf dem<br />
aufgebaut werden kann mit einer übergroßen auch realpolitischen<br />
Zustimmung in der Partei. Und viertens gibt es viele Punkte wo sich<br />
der innerparteiliche Streit lohnt.
</p>
<p>
<b>Koeniginderhanse:</b> Liebe Frau Roth, wie beurteilen<br />
Sie vor dem Hintergrund der aktuellen BDK-Beschlüsse den Vorstoß<br />
eines führenden FDP-Politikers von letzter Woche, mittelfristig<br />
eine Fusion von Grünen und FDP, &quot;altem&quot; und &quot;neuem&quot;<br />
Bürgertum anzustreben?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Unabhängig von dem Beschluss<br />
der BDK ist der Vorschlag eines FDP-Politikers kompletter Schmarrn<br />
und bitte ersparen Sie mir, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.<br />
Der Liberalismus ist schon lange bei uns angekommen. Aber was Bände<br />
spricht, ist die freche Reaktion des Parteivorsitzenden Westerwelle<br />
auf unseren Parteitagsbeschluss. Eine Partei, die gegen Unifil gestimmt<br />
hat .- warum auch immer -, die für Afghanistan stimmen wird<br />
&#8211; warum auch immer &#8211; zeichnet sich vor allem durch außenpolitische<br />
Beliebigkeit und Unglaubwürdigkeit aus, also keine seriöse<br />
Auseinandersetzung mit der Frage &quot;Was ist denn bitteschön<br />
gut für Afghanistan?&quot;</p>
<p><b>Marcus:</b> Liebe Claudia, was sagst Du dazu, dass<br />
die Presse den Antrag so falsch darstellt? Was ist Deine Meinung<br />
zu Cohn-Bendit, der sich meiner Meinung nit einem schwierigen Thema<br />
umzugehen, offensichtlich schwer zu vermitteln ist. Falsch ist:<br />
Die Grünen seien vor 99 zurückgefallen. Falscach in der<br />
Presse unmöglich gemacht hat?</p>
<p><b>Claudia Roth:</b> Ich bedaure sehr, dass in Teilen<br />
der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild von dem Beschluss<br />
gezeichnet wird und der Versuch, differenziert mit einem schwierigen<br />
Thema umzugehen, offensichtlich schwer zu vermitteln ist. Falsch<br />
ist: Die Grünen seien vor 99 zurückgefallen. Falsch ist:<br />
Die Grünen wollten das Militär abziehen. Richtig ist:<br />
Die Grünen sind nicht bereit, sich einem interessengeleiteten<br />
Manöver der Bundesregierung, das das Tornado- mit dem Isaf-Mandat<br />
zusammengelegt hat, vorauseilend zu unterwerfen. Danys Äußerungen<br />
sind scharf zu kritisieren, weil er dazu beiträgt, dass der<br />
Beschluss falsch interpretiert wird und der Fraktionsvorsitzende<br />
der Grünen im Europäischen Parlament sollte seine Partei<br />
nicht als Kindergarten bezeichnen, sondern stolz darauf sein, dass<br />
und wie bei uns um inhaltliche Positionen gerungen wird. Dass Daniel<br />
Cohn-Bendit mit seiner Position auf dem Parteitag nur knapp ein<br />
Viertel der Delegierten hinter sich bringen konnte, sollte dazu<br />
führen, dass er seine Position überdenkt und nicht die<br />
Partei beschimpft.</p>
<p><b>Moderator:</b> Aber immerhin ein Viertel &#8211; und mit<br />
Herzblut argumentiert er auch: Da ähneln sie sich doch ein<br />
bisschen?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth: </b>Ja und deswegen bin ich ja froh,<br />
dass diese Young Rebels auch im Älterwerden jung bleiben.</p>
<p><b>LennartAGoe:</b> Hallo Frau Roth. Wie erklären<br />
Sie sich das Ergebnis der Abstimmung? Eigentlich ist dieses Ergebnis<br />
&quot;realpolitisch&quot; überhaupt nicht tragbar (ohne hier<br />
in die anklagenden Worte der Parteigegner verfallen zu wollen).<br />
Kann es sein, dass das Ergebnis mehr als ein Aufruf der Basis, die<br />
mehr Mitsprache und Anhörung fordert, verstanden werden muss?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Ich glaube, dass das Ergebnis auch<br />
realpolitisch tragbar ist, weil es überhaupt nicht mit einer<br />
politischen Verantwortung für Afghanistan bricht. Richtig ist,<br />
dass ich in diesem Ergebnis die Gefahr einer Entfernung von Parteigremien<br />
an der Spitze der Partei zur Basis sehe. Das muss besser werden,<br />
da müssen wir uns deutlich anstrengen, denn das Gründungsadjektiv<br />
&quot;basisdemokratisch&quot; ist und bleibt ein hoher Wert in unserer<br />
Partei.</p>
<p><b>FlyingV:</b> In der grünen Basis waren wir uns<br />
bei einer Diskussion gestern einig, dass diejenigen in der Fraktion,<br />
die bei der Bundestagsabstimmung dem Einsatz entgegen des Beschlusses<br />
der BDK für den Einsatz stimmen, den Kontakt zur Basis verloren<br />
haben und diese nicht mehr vertreten. Sehen die &quot;Parteioberen&quot;<br />
nicht die Gefahr, bei den nächsten Wahlen abgesetzt oder in<br />
den nächsten Listen nicht mehr aufgestellt zu werden?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Ich bin nach der gestrigen Sitzung<br />
der Bundestagsfraktion davon überzeugt, dass der Beschluss<br />
des Parteitages sehr ernst genommen wird, dass er respektiert wird.<br />
Gleichwohl gibt es aus gutem Grund bei uns kein &quot;imperatives<br />
Mandat&quot;. Das heißt, dass Abgeordnete aufgrund einer schwierigen<br />
Gewissensentscheidung auch zu einem anderen Abstimmungsverhalten,<br />
als das vom Parteitag beschlossene kommen können. Das ist Ausdruck<br />
einer politischen Kultur, die selbstverständlich dann in entsprechenden<br />
Parteigremien zu begründen ist.</p>
<p><b>midaseal:</b> Ein Parteitag steht an, erwarten Sie<br />
nach den Sachfragen jetzt eine Personaldebatte, vielleicht sogar<br />
die Wiederbelebung des Rotationsprinzips?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Eine Personaldebatte steht in Nürnberg<br />
nicht auf der Tagesordnung, wohl aber schwierige, sehr interessante<br />
Sachauseinandersetzungen. Wir werden über die Zukunft des sozialen<br />
Rechtsstaats (Betonung auf sozial) diskutieren, wenn wir die Kontroverse<br />
über Grundeinkommen und Grundsicherung führen. Wir diskutieren<br />
über grüne Marktwirtschaft und über den Rechtsstaat<br />
(Betonung auf Recht, was unserem Innenminister abhanden gekommen<br />
zu sein scheint).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch Top 3 unserer Vorabfragen:
</p>
<p>
<b>chancelor:</b> Widerspricht es sich nicht, wenn die<br />
Grünen auf der einen Seite in der Debatte um die Innere Sicherheit<br />
Online-Durchsuchungen ablehnen, bei der Sicherung ausländischer<br />
Einsätze jedoch Spionage-/Aufklärungsflüge für<br />
zulässig erklären? Sollte nicht erst einmal eine grundsätzliche<br />
Debatte geben, welche Maßnahmen zur Gewährleistung der<br />
Sicherheit die Grünen befürworten?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Sehr geehrter Herr Kanzler, selbstverständlich<br />
ist es richtig, die Debatte um Freiheit und Sicherheit genau in<br />
dieser Balance sowohl innen- als auch außenpolitisch zu führen.<br />
Der Tornado-Einsatz in Afghanistan wurde mit übergroßer<br />
Mehrheit abgelehnt. Gründe dafür: Priorität auf den<br />
militärischen Aspekt, aber auch die Unsicherheit, ob Aufklärungsmaterial<br />
nicht auch eingesetzt wird im Rahmen einer kontraproduktiven Kriegsführung<br />
in Afghanistan. Aufklärungsflüge haben, wenn sie eingebettet<br />
sind in eine militärische Strategie, die Assistenz beim Wiederaufbau<br />
ist, durchaus eine sinnvolle Funktion, nicht aber, wenn selbst der<br />
BND davor warnt, dass sie wahrgenommen werden als Teil eines US-geführten<br />
Luftkriegs. <br />
Zu den Online-Durchsuchungen: Ich würde mir sehr wünschen,<br />
dass alle TeilnehmerInnen dieses Chats mit dafür kämpfen,<br />
dass Bürgerrechte im Internet gewahrt bleiben und der große<br />
Netzangriff des Herrn Schäuble verhindert werden kann. Da dreht<br />
sich Orwell nämlich nicht nur im Grab um, sondern sagt, dass<br />
sein Roman kein Science-Fiction, sondern ein Historiendokument ist.</p>
<p><b>D.M. Schmid:</b> Guten Tag Frau Roth, wie sachlich<br />
kann man denn mit Mitgliedern anderer Parteien über Themen<br />
wie das Engagement in Afghanistan sprechen? Ist das jetzt schon<br />
Wahlkampf &#8211; auch weil die große Koalition langsam am Ende<br />
ist? Profitieren die Grünen davon oder macht es die Lage eher<br />
komplizierter?</p>
<p><b>Claudia Roth:</b> Die Reaktion von FDP, CDU/CSU und<br />
Linkspartei auf unseren Parteitagsbeschluss war nicht sachlich,<br />
sondern populistisch-wahlkämpferisch. Ich würde mir wünschen,<br />
dass wir es schaffen, verantwortlich Kontroversen auszutragen und<br />
nicht jedes wichtige Thema in Hinblick auf den Wahlkampf zu funktionalisieren.<br />
Aber wie soll ich mit einem Herrn Ramsauer seriös über<br />
Afghanistan diskutieren, dem zum Thema &quot;Genozid in Afrika&quot;<br />
nur einfällt: &quot;Was geht uns der schwarze Mann an?&quot;<br />
und Oskar Lafontaine, der verkündet, die Grünen seien<br />
beim Völkerrecht angekommen, der selbst aber Folter für<br />
legitim erachtet, hat den Boden des internationalen Rechts schon<br />
lange verlassen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Beim Thema andere Parteien: Wie finden<br />
die Abgeordneten der anderen Parteien die Kopplung des Isaf-Mandats<br />
mit dem Tornado-Mandat?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Das frage ich mich auch. Ich erlebe<br />
ein lautes Schweigen. Tatsache ist, im März wurde im Bundestag<br />
getrennt abgestimmt über Isaf und Tornados. Bis Ende August<br />
konnte davon ausgegangen werden, dass im Bundestag im Oktober getrennt<br />
über alle militärischen Komponenten abgestimmt werden<br />
kann, also OEF, Isaf und Tornados, was eine differenzierte Haltung<br />
möglich gemacht hätte. Im März haben 74 Abgeordnete<br />
der Koalitionsfraktionen gegen den Tornado-Einsatz gestimmt. Ganz<br />
offensichtlich wollte die Regierung eine Wiederholung verhindern<br />
und deswegen wird zusammengelegt, um Druck auf die Abgeordneten<br />
auszuüben und um behaupten zu können, eine Nichtzustimmung<br />
wäre ein Nein zu Isaf &#8211; was falsch ist! Ich betone: Ich möchte<br />
frei, Ja zu Isaf, und Nein zu den Tornados sagen können. Das<br />
verhindert die Bundesregierung mit ihrem Manöver. Auch deswegen<br />
ist für mich dieses Mandat nicht zustimmungsfähig.</p>
<p><b>Moderator:</b> Noch ein anderes Thema:
</p>
<p>
<b>Diablo:</b> Frau Roth, wie stehen Sie zu der Aussage<br />
vom Verteidigungsminister Jung, im Notfall entführte Passagierflugzeug<br />
abschießen zu lassen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Oder als moralisches Problem gefragt;<br />
was es ja auch ist:
</p>
<p>
<b>johwtal:</b> Frau Roth, stellen Sie sich vor, Sie<br />
wären Verteidigungsministerin. Ein von Terroristen gekapertes<br />
Flugzeug ist im Anflug auf ein Hochhaus in Frankfurt. Eine Evakuierung<br />
ist vollständig nicht mehr möglich. Abfangjäger begleiten<br />
die Passagiermaschine bereits. Welche Entscheidung würden Sie<br />
treffen? In dem Hochhaus arbeitet übrigens auf der 30. Etage<br />
Ihre Tochter/ Ihr Sohn?
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Die Aussagen von Jung zeigen, in<br />
welchem dramatischen Ausmaß die Union versucht, unseren Rechtsstaat<br />
in einen präventiven Überwachungsstaat zu verwandeln,<br />
in dem das Feindrecht gilt und in dem wir uns in einem permanenten<br />
Kriegszustand befinden. Dass ein amtierender Minister glaubt, sich<br />
&quot;einen Dreck scheren zu müssen, um das was das Bundesverfassungsgericht<br />
vorgegeben hat&quot;, ist ein bodenloser Skandal. Mir macht Angst,<br />
dass die Reaktion darauf so verhalten ist. Unser Rechtsstaat braucht<br />
auch und gerade in Zeiten terroristischer Bedrohung Hüter,<br />
die ihn schützen. Ja, es geht um Sicherheit, aber es geht um<br />
rechtsstaatliche Sicherheit. Ja, es geht um Sicherheit, aber es<br />
geht auch darum, die Freiheit zu sichern und auch in schwierigsten<br />
Situationen, wie der Entführung eines Kindes, heiligt der Zweck<br />
nicht die Mittel. Auch dann bleibt das Folterverbot bindend und<br />
auch in der Situation, die Sie beschrieben haben, muss das Grundgesetz<br />
Nummer Eins, die Menschenwürde, unser moralischer Imperativ<br />
sein, sonst haben wir den Kampf gegen den Terrorismus schon verloren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch ein Kommentar von:</p>
<p><b>mrtschi:</b> Ich wünsche Ihnen viel Glück<br />
und hoffe, dass es eines Tages zu diesem Traum kommt &#8211; auch wenn<br />
ich befürchte, dass die Menschen dieser Erde noch lange brauchen<br />
werden.</p>
<p><b>Moderator:</b> Und das war es leider schon wieder für<br />
heute. Herzlichen Dank an alle Teilnehmer für Ihr Interesse<br />
und Ihre Fragen! Herzlichen Dank, Frau Roth, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen sind! Das tagesschau.de-Team wünscht noch einen schönen<br />
Tag!
</p>
<p>
<b>Claudia Roth:</b> Vielen herzlichen Dank auch von<br />
meiner Seite und nicht vergessen: Bürgerrechte auch im Internet!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir sagen ja, zur Vorfahrt für Arbeit.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-sagen-ja-zur-vorfahrt-fuer-arbeit-220/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Apr 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Visa-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Waffenhandel]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Claudia Roth]]></category>
		<category><![CDATA[Joschka Fischer]]></category>
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					<description><![CDATA[Claudia Roth, die Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, 
war am 20.April von 13:30 bis 14:30 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von politik-digital.de und tagesschau.de. Claudia Roth stellte sich 
den Fragen der Chatter und redete über die Visa-Affäre, 
Waffenhandel und das Zugpferd Joschka Fischer.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Claudia Roth, die Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen,<br />
war am 20.April von 13:30 bis 14:30 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von politik-digital.de und tagesschau.de. Claudia Roth stellte sich<br />
den Fragen der Chatter und redete über die Visa-Affäre,<br />
Waffenhandel und das Zugpferd Joschka Fischer.<!--break--></p>
<p class="normal">
<span class="fett">Moderator:</span> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute die Grünen-Vorsitzende<br />
Claudia Roth ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Frau Roth, sind<br />
Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Yes.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Viele haben nicht verstanden,<br />
warum sich die Grünen am Anfang der Affäre mehr darum<br />
bemüht haben, Herrn Fischer zu verteidigen als Aufklärung<br />
und Transparenz in den Vordergrund zu stellen?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Also ich glaube, wir haben<br />
die Dynamik dieser Auseinandersetzung am Anfang unterschätzt.<br />
Vielleicht auch unterschätzt, wie schwierig es ist auf Behauptungen,<br />
die wirklich durch nichts belegt sind, differenziert zu antworten.<br />
Und wie schwierig es ist &#8211; gleichwohl notwendig &#8211; zu sagen: Fehler<br />
sind gemacht worden. Der kriminelle Missbrauch ist möglicherweise<br />
zu langsam erkannt worden, aber die Missbrauchsmöglichkeiten<br />
sind abgeschafft worden. Und gleichwohl auf eine liberale und weltoffene<br />
Visapolitik, die unser Land dringend braucht, zu bestehen.
</p>
<p>
<span class="fett">FischerNetz06:</span> Frau Roth! Ihre Partei<br />
ist im Wahlkampf immer stark auf Herrn Fischer ausgerichtet gewesen.<br />
Ist es nicht an der Zeit ein neue Galionsfigur zu etablieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Fischer ist und bleibt<br />
einer der Schwergewichte unserer Partei, er hat deutscher Außenpolitik<br />
ein Profil gegeben und dafür hohe Anerkennung weltweit bekommen.<br />
Er ist Teil einer Partei mit vielen sehr unterschiedlichen und starken<br />
Persönlichkeiten und es gibt gar keinen Anlass auf seine Kraft,<br />
Wissen, Können und Popularität zu verzichten.
</p>
<p>
<span class="fett">Waldschrat:</span> Wie interpretieren Sie den<br />
Satz von Fischer:„Ich übernehme die politische Verantwortung“?<br />
Welche Konsequenzen hat das?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Er hat Fehler eingestanden.<br />
Er hat nicht energisch und schnell genug reagiert. Er hat aber Missbrauchsmöglichkeiten<br />
abgestellt. Das ist für mich politische Verantwortung. Die<br />
ganzen Details und Abläufe werden jetzt im Untersuchungsausschuss<br />
zu klären sein und ich bin sicher dass Fischer das allergrößte<br />
Interesse hat, dass alle Abläufe aufgeklärt werden und<br />
damit auch Behauptungen entkräftet werden, die in letzter Zeit<br />
die Schlagzeilen bestimmt haben. Die Kriminalitätsstatistiken<br />
weisen keine Steigerungen aufgrund von Ukrainern auf, genauso wenig<br />
Schwarzarbeit und genauso ist die Behauptung, Fischer sein ein &quot;Zuhälter&quot;<br />
und Grüne für Menschenhandel verantwortlich nicht zuletzt<br />
bösartig und durch nichts, aber auch gar nichts belegt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Von der Person weg zur Sache:<br />
In der Integrationspolitik kommen immer mehr Stimmen auf, die sagen,<br />
dass das so genannte Verständnis von Multikulti falsch ausgelegt<br />
wurde. Es wurde mit einer grenzenlosen Toleranz und mit einer grenzenlosen<br />
Offenheit für alle kulturellen Eigenheiten gelebt, was bedeutete,<br />
dass auch Menschenrechtsverletzungen akzeptiert wurden. War das<br />
in der Visa-Politik vielleicht auch so?
</p>
<p>
<span class="fett">Wallner:</span> Wieso sind sie von einer Multi<br />
Kulturellen Politik überzeugt? Sie sehen doch auch dass das<br />
in Deutschland nicht klappt und dass es nur zur höheren Kriminalitätsrate<br />
führen würde! Was gedenken sie zu tun ?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Also ich kann doch die<br />
Realität nicht in Frage stellen! Ob es einem gefällt oder<br />
nicht. Die Bundesrepublik ist ein Einwanderungsland, seit Jahrzehnten.<br />
In Deutschland leben Menschen mit den unterschiedlichsten Religionen,<br />
mit sehr unterschiedlichem kulturellen Hintergrund. Also ist die<br />
Multikulturelle Gesellschaft Realität, die wir gestalten müssen.<br />
Vielfalt und Differenz finde ich nicht als Bedrohung sondern als<br />
Reichtum. Wobei eines unumstößlich ist: Der gemeinsame<br />
Konsens und die gemeinsamen Regeln des Zusammenlebens sind unser<br />
Grundgesetz, unsere rechtsstaatliche Ordnung und daran haben sich<br />
alle zu halten, ohne Wenn und Aber.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Apropos Ausgestaltung:
</p>
<p>
<span class="fett">ThomasK:</span> Ich bin der Meinung das die<br />
Visa und Einreisebestimmungen in der EU sowieso zu locker sind.<br />
Ist mit einer Verschärfung zu rechnen?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Ich wäre ihnen dankbar,<br />
wenn Sie das begründen. Tatsache ist, dass es immer wieder<br />
massive Kritik gab, vor allem 1998 von Seiten der Wirtschaft, Wissenschaft,<br />
Universitäten und Kultur und z.B. Organisationen von binationalen<br />
Familien. Dass wir viel zu restriktive Visaregelungen haben und<br />
dass gerade ein Exportland Deutschland liberale Regelungen braucht<br />
in einer globalen Welt. Und gerade wir Deutsche tun gut daran uns<br />
zu erinnern, welche Bedeutung Reisefreiheit für Demokratisierungsprozesse<br />
hat. Wobei liberale Visa-Regelungen und Reisefreiheit nie heißt:<br />
Rabatt auf Sicherheit.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Stichwort Zwangsprostitution?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Zwangsprostitution ist<br />
ein bedrückendes Problem und es waren gerade die Grünen,<br />
die sich seit 1998 intensiv mit dieser Kriminalität beschäftigt<br />
haben und viele Maßnahmen und gesetzliche Verbesserungen zum<br />
Schutz der Zwangsprostituierten oft gegen den Widerstand der Union<br />
durchgesetzt haben.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Stichwort „Meads“<br />
– erst lange Kritik üben, aber dann doch zustimmen. Und<br />
dann noch sagen, man habe es sich nicht einfach gemacht. Reicht<br />
das, um glaubwürdig zu bleiben?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Also Beschlüsse sind<br />
ja gerade im Regierungshandeln oft von mehreren Punkten beeinflusst:<br />
1. die inhaltliche Auseinandersetzung, 2. Macht- und Mehrheits­verhältnisse<br />
3. Koalitionsräson. Es gab eine monatelange Auseinandersetzung<br />
mit dem Koalitionspartner zum Thema „Meads“. Unsere<br />
erheblichen Zweifel und Bedenken, und unsere ablehnende Haltung<br />
konnte nicht entkräftigt werden. Der Koalitionspartner hat<br />
massiv auf den Einstieg in die Entwicklung dieses Projekts bestanden.<br />
Und so war es letztendlich eine Frage von tatsächlichen Machtverhältnissen<br />
und eine Frage der Koalitionsräson der Beteiligung an der Entwicklung<br />
dieses Projektes zuzustimmen.<br />
Eine Niederlage unserer Position, die ich außerordentlich<br />
bedauere, aber Niederlagen gehören leider auch bisweilen zum<br />
politischen Geschäft.
</p>
<p>
<span class="fett">Waldschrat:</span> Haben sie eigentlich Angst<br />
vor der angeschlagenen und deshalb reizbaren SPD? Sonst ist kaum<br />
erklärbar, wie die Grünen auf diesem auch symbolisch wichtigen<br />
Feld einknicken.
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Natürlich kommen vom<br />
Koalitionspartner auch inhaltliche Begründungen: Bündnisverpflichtungen,<br />
neue Chancen an der Entwicklung der Technologie beteiligt zu sein.<br />
Wir haben diese Begründung aber nicht als ausreichend genug<br />
gesehen, diesem Projekt inhaltlich zuzustimmen und haben auch der<br />
SPD die Frage gestellt warum sie glaubt, dass ein solches Projekt<br />
in der Bevölkerung auf breite Akzeptanz stoßen wird,<br />
in der wir es doch in vielen Bereichen mit leeren Kassen zu tun<br />
haben.
</p>
<p>
<br />
<span class="fett">Submo:</span> Warum haben die Grünen beim<br />
Thema MEADS nicht die Koalition aufgekündigt? Bzw. damit gedroht?<br />
Wenn die SPD das kann, können die Grünen doch auch mal<br />
mit etwas drohen, oder? Ich finde das sehr schade!
</p>
<p>
<br />
<span class="fett">Claudia Roth:</span> 1. Hätte die Aufkündigung<br />
der Koalition das Projekt definitiv nicht verhindert weil die Union<br />
das Projekt schon lange unterstützt. 2. Gibt es in dieser rotgrünen<br />
Koalition eine Reformagenda, die wir vorantreiben wollen. Und das<br />
geht nur in der Koalition. Noch einmal: Es ist eine politische Niederlage,<br />
wir konnten uns nicht gegenüber der SPD durchsetzen. Gleichwohl<br />
denke ich, dass so viele wichtige gesellschaftspolitische, arbeitsmarktpolitische,<br />
umweltpolitische Herausforderungen anstehen, dass ein Koalitionsbruch<br />
falsch gewesen wäre.
</p>
<p>
<span class="fett">Dawson: </span>Wie viel kostet das MEADS Projekt?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Der Beschluss, der jetzt<br />
zu fassen ist, ist der Einstieg in die Entwicklungsphase die über<br />
8 Jahre verläuft und sich insgesamt auf 886 Mio. Euro beläuft,<br />
d.h. eine maximale jährliche Belastung von ca. 155 Mio. Euro.<br />
Im Jahr 2009 wird zu entscheiden sein ob es zu einer Beschaffung<br />
kommen soll und in welchem Umfang diese Beschaffung aussehen soll.
</p>
<p>
<span class="fett">Rechnungshof: </span>Brauchen wir MEADS wirklich?<br />
Die Stiftung Wissenschaft und Politik sagt, das Rüstungsprojekt<br />
sei Blödsinn und unnötig. Was ist Ihre Meinung?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Genau das war auch unser<br />
Argument. Die Fragestellung an den Koalitionspartner, braucht es<br />
dieses Projekt überhaupt? Ist es nicht eine Prioritätensetzung,<br />
die wir anders gewichten würden und wie sind die Bedenken des<br />
Bundesrechnungshofes in die Entscheidung mit einbezogen. Der Koalitionspartner<br />
hat diese Fragen anders beantwortet als wir.
</p>
<p>
<span class="fett">Dawson: </span>Glauben Sie, dass Ihnen die Zustimmung<br />
zu diesem Projekt (wenn auch ungewollt) Wählerstimmen in NRW<br />
kosten wird?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Ja, es wird durchaus kritische<br />
Nachfragen geben &#8211; zu Recht und es wird sicher nicht einen zusätzlichen<br />
Anreiz für die Wahl geben. Diese Frage sollte sich aber vor<br />
allem auch die SPD stellen. Ob sie mit MEADS eine notwendige Mobilisierung<br />
ihres Wählerklientels erreichen kann.
</p>
<p>
<span class="fett">KaPeWe:</span> Welche Auswirkungen der Ausschussarbeit<br />
erwarten Sie für den Wahlkampf in NRW?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Meinen Sie jetzt die erste<br />
Live-Übertragung? Oder die Auseinandersetzung insgesamt?
</p>
<p>
<span class="fett">Thomas Biber:</span> Sie sprechen gerade die<br />
Koalition mit der SPD an. Wie steht die Grüne Basis zu der<br />
derzeitigen Wirtschaftslage und insbesondere zu den derzeitigen<br />
Diskussionen um die Dienstleistungsreform?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Also für unsere Partei,<br />
und zwar auf allen Ebenen ist die hohe Arbeitslosenquote die zentrale<br />
Gerechtigkeitsfrage in unserer Gesellschaft. Wir sagen ja zur Vorfahrt<br />
für Arbeit. ABER, Arbeit mit Zukunft. Und wir wehren uns zu<br />
Recht gegen die Behauptung der Union und Teilen der Wirtschaft,<br />
dass mehr Arbeit durch das Schleifen des sozialen Rechtsstaates,<br />
durch die Abschaffung von Arbeitnehmerrechten, durch das Infragestellen<br />
von sozialen und ökologischen Standards zu erreichen sei. Wir<br />
haben bewiesen, dass in der Verbindung zwischen Ökologie, Ökonomie<br />
und Gerechtigkeit Zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen.<br />
Daran werden wir weiter arbeiten und das ist nicht Grüne Nische<br />
sondern eine Standortfrage für die Bundesrepublik. Es ist unverantwortlich<br />
wie die Union diese Debatte führt, wenn beispielsweise der<br />
sehr konservative Gouverneur von Kalifornien Schwarzenegger ein<br />
außerordentlich ambitioniertes Programm zu erneuerbaren Energien<br />
beschlossen hat, zum ökologischen Wirtschaften, weil er darin<br />
die Zukunft des immerhin 5. größten Wirtschaftsraumes<br />
der Welt sieht. Und die Union bei uns sagt, eine solche Politik<br />
sei standortgefährdend.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Zurück zu NRW:
</p>
<p>
<span class="fett">littleeagle424:</span> Welche Auswirkungen auf<br />
die Arbeit der Bundesregierung hätte ein Wahlsieg von Schwarz-Gelb<br />
in NRW?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Das würde natürlich<br />
hier die Arbeit nicht leichter machen, deswegen kämpfen wir<br />
ja auch und zwar bis 18 Uhr am Wahlsonntag. Es ist eine Aufholjagd,<br />
aber ich sehe, dass die Chance besteht, diese Wahl zu gewinnen und<br />
damit zu verhindern, dass mit Vergangenheitsminister Rüttgers<br />
NRW einen Rückschritt erlebt. Weg von einer modernen Umwelt-<br />
und Energiepolitik zurück zum Atom. Weg von einer integrativen<br />
modernen Schul- und Bildungspolitik zurück zu uralten gescheiterten<br />
Bildungskonzepten Weg von der Reform des sozialen Rechtsstaates<br />
die ihn erhalten will, hin zu neoliberalem Kahlschlag.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Apropos Atom:
</p>
<p>
<span class="fett">mahavira:</span> Wie will die grüne Basis<br />
das Problem gelöst wissen, dass deutsche (Kern-) Kraftwerke<br />
abgeschalten werden, andererseits aber keine neuen alternativen<br />
Kraftwerke in ausreichendem Maße nachgebaut werden (und somit<br />
immer mehr Strom aus dem Ausland aufgekauft wird).
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Einens ist klar: Man kann<br />
nicht von heute auf morgen alle AKW abschalten. Wir setzen 1. auf<br />
erneuerbare Energien auf Energieeinsparungen mit einem enormen Potenzial<br />
und auf Energieeffizienz. Und wir setzen auch auf moderne, neue<br />
Kraftwerkstechniken. In Schleswig-Holstein werden heute schon knapp<br />
30% des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Können Sie aber auch<br />
100 Prozent damit gewährleisten?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Und mit den Plänen<br />
und Projekten wie Offshore-Anlagen können weitere Ressourcen<br />
eröffnet werden. Nich von heute auf morgen. Aber zur Abkehr<br />
von einer nicht beherrschbaren Technologie wie der Atomkraft gibt<br />
es keine Alternative.
</p>
<p>
<span class="fett">Kemal: </span>Wie hoch ist der Anteil der regenerativen<br />
Energie in Deutschland heute und wie hoch wird er im Jahre 2010<br />
sein, finden sie die Aussage Schröders nicht auch lächerlich,<br />
der behauptet, China würde seinen Energiehunger bis zum Jahre<br />
2010 auf einen Anteil von 10% steigern können?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Tatsache ist, das beim<br />
Volkskongress in Peking ein guter und ein schlechter Beschluss gefasst<br />
wurde. Der gute Beschluss: Das China ambitioniert in die erneuerbaren<br />
Energien einsteigen will. Was gerade für in Deutschland entwickelte<br />
modernste Umwelttechnologie große Chancen bietet. Und beispielsweise<br />
ist Deutschland führend in der Entwicklung von Windenergie.<br />
Der schlechte Beschluss: Das Antisezessionsgesetz, was durchaus<br />
als Aggressiver Akt gegenüber Taiwan zu verstehen war und was<br />
mit einer der Gründe war warum wir so vehement gegen die Aufhebung<br />
des Waffenembargos eintreten.
</p>
<p>
<span class="fett">Jemand: </span>Was für Kraftwerktechniken<br />
stehen denn für die Zukunft in der Entwicklung, auf die man<br />
dann zurückgreifen könnte?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Z.B. neue modernste Gaskraftwerks-Techniken.<br />
Dann gibt es große Entwicklungschancen im Bereich Biomasse,<br />
Geothermik. Bei der Biomasse kann aus dem klassischen Landwirt in<br />
Zukunft der Energiewirt werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Zu China:
</p>
<p>
<span class="fett">nabelschau: </span>Wäre es nicht richtig<br />
Waffen an China zu liefern? Schließlich sollte man es sich<br />
mit der zukünftigen Weltmacht nicht verscherzen.
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Wir haben allen Grund dazu<br />
beizutragen, dass diese schon heutige Weltmacht China stabil ist.<br />
Stabilität basiert auf Demokratie auf der Achtung der Menschen-<br />
und Minderheitenrechte und auf Entspannung und Deeskalation in regionalen<br />
Räumen. Waffenlieferungen würden sicher nicht zu einer<br />
solchen Stabilität beitragen können.
</p>
<p>
<span class="fett">Dont_forget_Yugoslavia: </span>Warum keine Waffen<br />
an China verkaufen, wenn man schon an die Türkei Waffen verkauft<br />
hat?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Wie sie wissen sind nicht<br />
zuletzt über die Auseinandersetzungen, ob in die Türkei<br />
deutsche Panzer geliefert werden können unsere Rüstungsexportrichtlinien<br />
verändert und verschärft worden. Mit dem Ergebnis, dass<br />
keine Panzer an die Türkei geliefert wurden. Die Menschenrechtslage<br />
in China ist dramatisch schlecht. In China werden mehr Menschen<br />
hingerichtet als auf der ganzen Restwelt zusammen. Der Umgang mit<br />
Minderheiten wie in Tibet oder bei den Uguren ist sehr oft von Gewalt<br />
bestimmt. Die großen Menschenrechtspakte der UN sind nicht<br />
ratifiziert und umgesetzt. Die Spannungen in der Region nehmen nicht<br />
ab, sonder eher zu. Alles Gründe, die gegen Waffenlieferungen<br />
an China sprechen. Und deswegen ist es folgerichtig, dass es in<br />
der EU es keine Einstimmigkeit gab, das Waffenembargo aufzuheben<br />
und dass das Waffenembargo bis auf weiteres bestehen bleibt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Stichwort angebliche Amigo-Affäre:
</p>
<p>
<span class="fett">michael unbehaun:</span> Ist Volker Schäfer<br />
Ihr Lebensgefährte? Hat dieser vom Bundesamt für Strahlenschutz<br />
Aufträge bekommen? In welcher Eigenschaft und mit welcher Kompetenz?<br />
Ist der Bild-Bericht zutreffend?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Die Vorwürfe die BILD<br />
erhebt entbehren derartig jeglicher Grundlage, so dass ich mich<br />
entschlossen habe mit allen rechtlichen Mitteln dagegen vorzugehen.<br />
Herr Schäfer war lange vor und lange nach einer privaten Beziehung<br />
zu mir im Rahmen des BFS beschäftigt.
</p>
<p>
<span class="fett">Dawson:</span> Welchen Wahlausgang prognostizieren<br />
Sie für die Wahl in NRW?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Jetzt Aufholjagd, dann<br />
Kopf-an-Kopf-Rennen und am Ende Mehrheit für Rot-Grün<br />
mit gestärkten Grünen.
</p>
<p>
<span class="fett">Kimanlin:</span> Warum tun sich die Grünen<br />
so schwer das China Geschäft zu blocken? Sie haben doch alle<br />
moralischen und strategischen Argumente auf ihrer Seite.
</p>
<p>
<br />
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Das ist uns gar nicht schwer<br />
gefallen. Das ist eine ganz klare Position. Außerdem gibt<br />
uns das Ergebnis recht, dass das Waffenembargo im Rahmen der EU<br />
&#8211; und nur dort wird darüber entscheiden &#8211; nicht aufgehoben<br />
wurde. Gleichwohl haben wir das allergrößte Interesse<br />
im Rahmen des Rechtsstaatdialogs, des Menschenrechtsdialogs zu einer<br />
Demokratisierung beizutragen. Die übrigens nicht zuletzt im<br />
allergrößten Interesse der deutschen Wirtschaft ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Mahavira:</span> apropos China: Gab es eine<br />
interne Rüge für Koalitionspartner Schröders Vorstoß<br />
zum Thema Waffenembargo?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Rügen spielen sich<br />
auf anderen Ebenen ab &#8211; es gab unterschiedliche Auffassungen &#8211; darüber<br />
natürlich Kontroversen, die nicht zuletzt bei der Bundestagsdebatte<br />
deutlich geworden sind.
</p>
<p>
<span class="fett">HotElment: </span>Frau Roth! Wie denken Sie<br />
wird die Visa-Affäre für unseren Außenminister ausgehen?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Die Visa-Debatte wird,<br />
das erwarte ich, so ausgehen: Abläufe, wie es zu kriminellem<br />
Missbrauch kommen konnte werden aufgeklärt und dargelegt werden.<br />
Dass diese Möglichkeiten seit langem nicht mehr existieren<br />
wird deutlich werden und es wird nicht zuletzt Joschka Fischer sein<br />
der dafür steht, dass Deutschland von Weltoffenheit und Liberalität<br />
auch im Bereich der Reisefreiheit lebt.
</p>
<p>
<span class="fett">Mahavira:</span> Wer wird im Fall der Fälle<br />
neuer Außenminister?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Joschka Fischer
</p>
<p>
<span class="fett">moorkoenig:</span> Welche Rolle spielt das Eigeninteresse<br />
der Amerikaner an der Entwicklung von MEADS? Wird Deutschland mit<br />
MEADS eine geänderte strategische Rolle in Europa spielen?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Deutschland hat im Rahmen<br />
des Bündnisses bestimmte Bereiche &quot;betreut&quot;. In diesem<br />
Zusammenhang ist MEADS zu sehen. Für die Befürworter von<br />
MEADS ist die Tatsache, dass Deutschland zum ersten mal an einer<br />
Entwicklung beteiligt ist, ein sehr wichtiges Argument.
</p>
<p>
<span class="fett">AugenAufBeimEierlauf:</span> Liebe Frau Roth,<br />
Sie wünschen sich Herrn Ratzinger als Papst, der Frauen gleichberechtigt<br />
anerkennt und homosexuelle Menschen nicht diskriminiert, der sich<br />
einsetzt für neue Positionen im Bereich der Empfängnisverhütung<br />
und der Aids-Bekämpfung. Das sind alles Positionen, denen er<br />
bislang entgegensteht. Finden Sie Ihre Wünsche nicht etwas<br />
naiv?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Nein, ich halte diese Wünsche<br />
nicht für naiv, sondern ich glaube dass es wichtig ist, dass<br />
die katholische Kirche sich gesellschaftlichen Realitäten öffnet<br />
und das ist auch meine Erwartung an Papst Benedikt XVI. Obwohl ich<br />
weiß, dass es gerade mit Kardinal Ratzinger zu Recht kontroverse<br />
Auseinandersetzungen über diese Fragen gab.
</p>
<p>
<span class="fett">Saschale: </span>Ein ganz anderes Thema: Was<br />
ist der Unterschied zwischen PDS und Grüne? Welche dieser Parteien<br />
denkt weniger nach altbundesdeutschen Mustern?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Ich glaube es ist wichtig,<br />
nicht in &quot;altbundesdeutschen&quot; oder &quot;altddr&quot;<br />
Mustern zu denken, sondern in &quot;Deutschen&quot;. In dieser Frage<br />
gibt es erheblichen Nachholbedarf bei der PDS.
</p>
<p>
<span class="fett">Fabian Bremer: </span>Sehr geehrte Frau Roth,<br />
ich bin 15 Jahre alt und seit einem halben Jahr Mitglied in der<br />
SPD. Bei meinen Freunden und Bekannten stoße ich oft auf Verständnislosigkeit<br />
und die typische &#8216;Politikverdrossenheit &#8216;. Wie stellen sie sich<br />
vor, dass mehr junge Menschen motiviert werden können, sich<br />
für Politik zu interessieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Das ist eine sehr wichtige<br />
Frage. Junge Menschen zu mobilisieren, sie neugierig zu machen,<br />
sie anzuspornen sich einzumischen in ihre eigenen Angelegenheiten.<br />
Politik spielt sich nicht nur im Rahmen von Parteien ab, sondern<br />
findet statt in Bürgerinitiativen, in Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen<br />
jeden Tag in konkret gelebter Solidarität und im tiefen Bewusstsein,<br />
dass es darauf ankommt, diese Welt gerechter zu gestalten. Toll,<br />
dass Sie den aktiven Schritt gemacht haben, wenn&#8217;s ihnen nicht mehr<br />
gefällt sind sie auch bei uns herzlich willkommen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Zum Schluss:
</p>
<p>
<span class="fett">kinkel: </span>Ein Wort zur Sprache der Politik:<br />
Joschka Fischer benutzt inzwischen genauso wolkige Formulierungen<br />
wie weiland Hans-Dietrich Genscher. Ist es politisch unklug, klare,<br />
präzise Positionen zu beziehen (und dies auch sprachlich so<br />
zu formulieren), weil man dann darauf &#8216;festgenagelt &#8216; werden könnte?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Ich glaube es ist richtig,<br />
die Sprache zu sprechen, die die Menschen verstehen. Manche machen<br />
das mit mehr, manche mit weniger Schnörkeln und manches Diplomatenwort<br />
verbirgt viele Wahrheiten, die man vielleicht auf den ersten Blick<br />
gar nicht erkennt. Seien sie beruhigt, es gibt einen profunden Unterschied<br />
zwischen dem was Hans Dietrich Genscher und Joschka Fischer sagt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Unsere Zeit ist bereits um.<br />
Vielen Dank an alle User für das große Interesse. Etliche<br />
Fragen sind leider unbeantwortet geblieben. Haben Sie Dank, Frau<br />
Roth, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p><span class="fett">Claudia Roth: </span>Alles verändert sich,<br />
wenn Du es veränderst &#8211; in diesem Sinne einen kämpferischen<br />
Resttag. Bis zum nächsten Mal.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Türkei braucht EU-Beitrittsperspektive</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tuerkei-braucht-eu-beitrittsperspektive-268/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
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		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><br />
</span></b></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir die Grünen-Politikerin und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung,<br />
Claudia Roth. Sie wird in den kommenden 60 Minuten Ihre Fragen beantworten.<br />
Frau Roth, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ja, ziemlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat sich erneut nachdrücklich gegen<br />
eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union<br />
ausgesprochen. Eine Mitgliedschaft der &quot;türkischen Freunde&quot;<br />
überfordere die EU. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich halte diese Position für absolut falsch. Eine demokratische Türkei,<br />
die den Menschenrechten, den Minderheitenrechten, der Rechtsstaatlichkeit<br />
verpflichtet ist, muss ihren Platz in Europa haben dürfen. Europa<br />
ist nicht der Hort des christlichen Abendlandes, sondern basiert auf Menschenrechten,<br />
Grundrechten und Demokratie. Gerade nach dem 11. September wäre die<br />
Mitgliedschaft der Türkei in der EU ein Ausdruck der Stärke<br />
und ein Signal des Dialogs der Kulturen und des Dialogs der Religionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Hier bitte ich auf den 2. Teil der Frage zu achten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Wie stehen Sie zum EU-Beitritt der Türkei? Sind in der Türkei<br />
nicht Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es gibt in der Tat erhebliche Verbesserungen in der Türkei. Zum Beispiel<br />
wurde die Todesstrafe abgeschafft, wird die Folter bekämpft, gibt<br />
es den Beginn der Anerkennung der kurdischen Realität und die Zurückdrängung<br />
des Militärs aus der Politik. Also eine Dynamik der Veränderungen<br />
ausgelöst durch die EU-Beitrittsperspektive. Das reicht aber noch<br />
nicht aus. Es entscheidet nicht die Papierform von Gesetzen, sondern die<br />
Umsetzung in die Realität. Das heißt, wir müssen weiter<br />
darauf drängen, dass die ausstehenden Reformen erfolgen und das es<br />
in der Tat zu einer Überwindung von Menschrechtsverletzungen in der<br />
Türkei kommt und zum Beispiel die Rechte der Kurden voll anerkannt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie sieht das von Ihnen erwähnte Drängen konkret aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Indem die Beitrittsperspektive glaubhaft bleibt, indem auf die uneingeschränkte<br />
Erfüllung der so genannten Kopenhagener Kriterien bestanden wird,<br />
indem Defizite immer wieder aufgezeigt werden als Vorrausetzung, dass<br />
Ende 2004 konkrete Verhandlungen über den Beitritt beginnen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Guten Tag! Grundsätzlich zustimmend sieht man jedoch Presseberichten<br />
zufolge noch zu viele Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Zudem<br />
denke ich, dass es für den Moment mit der Aufnahme der zehn Beitrittskandidaten<br />
schon ein erhebliches Maß an Dialog der Kulturen gibt, das es erst<br />
einmal zu &quot;integrieren&quot; gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Die Türkei ist das Land mit der längsten Beitrittsperspektive<br />
überhaupt, beginnend 1963. Konkrete Beitrittsverhandlungen würden<br />
Jahre dauern, aber das Integrationssignal für die Türkei &#8211; und<br />
nicht zuletzt für Millionen von Menschen aus der Türkei, die<br />
bei uns leben &#8211; macht deutlich, dass sie nicht &quot;zweitklassig&quot;<br />
sind. Und dass eine säkulare Demokratie, die ihre Wurzel im Islam<br />
hat, sehr wohl Platz in Europa haben kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hannes</b>:<br />
Ist das Tempo, mit der die EU wächst, nicht zu schnell?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gute Frage. Eine Erweiterung muss immer auch Vertiefung bedeuten, so dass<br />
die Europäische Union nicht zu einem reinen Staatenbund wird. Aber<br />
&#8211; und das ist die Heuchelei, auch von Frau Merkel &#8211; ein konkreter Beitritt<br />
der Türkei in die EU wird mindestens noch 10 Jahre dauern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h</b>:<br />
Wie sehen sie die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
eines Beitritts. Und werden Sie sich als Vertreter des Deutschen Volkes<br />
an seinen Willen halten, oder orientieren Sie sich an Ihrer persönlichen<br />
Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich werde mit meiner Partei versuchen, diese Frage verantwortlich und<br />
nicht demagogisch zu diskutieren. Ich werde Ängste ernst nehmen,<br />
sie aber nicht schüren und auf die Vorteile für die EU und die<br />
Türkei immer wieder hinweisen. Für mich ist das Allerpositivste,<br />
dass es mit europäischer Politik in der Türkei zu wirklich enormen<br />
Reformen im Menschenrechtsbereich gekommen ist. Diese Dynamik darf nicht<br />
abgebrochen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dada</b>:<br />
Wie steht denn ihre Partei zu ihrer Meinung? Haben sie alle hinter sich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Auf dem gestrigen Parteitag wurde diese Frage diskutiert und mit einer<br />
Gegenstimme und einer Enthaltung meine Position unterstützt, die<br />
sagt, keinen Rabatt bei Menschen und Minderheitenrechten und keine Ausgrenzung<br />
aufgrund der Religionen der Menschen, die in der Türkei leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Bleiben wir beim Parteitag &#8211; da spielte das Thema Zuwanderung eine Rolle.<br />
Die Verhandlungen über das neue Zuwanderungsgesetz verlaufen schleppend.<br />
Knackpunkte sind vor allem die Arbeitsmigration und die Finanzierung der<br />
Integration. Am nächsten Freitag soll es eine &quot;Bereinigungssitzung&quot;<br />
geben. Was haben die Grünen als Verhandlungsmasse in der Hand?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir wollen ein Zuwanderungsgesetz, das Einwanderung regelt, das Asylrecht<br />
sichert und die Integration fördert. Deutschland braucht Zuwanderung,<br />
nicht zuletzt aus demografischen und ökonomischen Gründen. Es<br />
ist ein Standortnachteil dafür keine Regelung zu haben. Und es ist<br />
ein demokratischer Standortnachteil, wenn in Deutschland die restriktivste<br />
Anerkennungspraxis in Europa praktiziert wird. Es geht nicht nur um das<br />
ob, sondern wie ein Zuwanderungsgesetz sein wird. Die Vorschläge<br />
der Union wollen diametral das Gegenteil. Das heißt, wir stimmen<br />
nicht um jeden Preis zu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber der Vermittlungsausschuss lebt doch von geben und nehmen. Die Positionen<br />
sind klar. Was können sie geben, um zu einer Einigung zu kommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir haben schon viel gegeben, aber ein Gesetz darf erstens kein Potemkinsches<br />
Dorf sein. Es muss modern Europa-tauglich, völkerrechtskonform und<br />
zukunftsorientiert sein. Wir dürfen nicht auf Jahre eine zukunftsorientierte<br />
Zuwanderungspolitik mit einem falschen Gesetz blockieren. Dafür wäre<br />
die Union in vollem Maße verantwortlich. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und was machen Sie, wenn sich Rot und Schwarz einfach über ihren<br />
Kopf hinweg einigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das wird nicht passieren. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Halten Sie Debatten um Zuwanderung in der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt<br />
für gerechtfertigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nicht nur für gerechtfertigt, sondern für notwendig. Verantwortliche<br />
Politik muss deutlich machen, dass nicht Migranten an Arbeitslosigkeit<br />
Schuld sind. Es gibt Branchen, in denen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen.<br />
Mit der Greencard-Initiative wurden im Schnitt pro Person zwei neue Arbeitsplätze<br />
geschaffen. Das heißt, es findet keine Verdrängung statt, sondern<br />
das Gegenteil. Selbstverständlich muss in Deutschland sehr viel zukunftsorientierter<br />
ausgebildet werden als bisher. Die deutsche Universität leidet unter<br />
dem restriktiven Ausländergesetz. Es fällt immer schwerer, qualifiziertes<br />
ausländisches Lehrpersonal zu bekommen. Wir brauchen aber die Internationalisierung<br />
auch der deutschen Hochschulen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius</b>:<br />
Welches sind die wichtigsten Punkte im Vorschlag der Grünen zum Zuwanderungsgesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Erstens eine Punktesystem, das Einwanderung regelt. Zweitens: Die Anerkennung<br />
nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer Verfolgung. Drittens: Integration,<br />
die mehr als den reinen Spracherwerb bedeutet. Das ist aber mehr als eine<br />
Stakkatoantwort.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das Thema Türkei bewegt die Gemüter, deshalb:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h:</b><br />
Warum wird bei Beitrittsverhandlungen die Türkei beachtet, Russland<br />
jedoch nicht, das auch halb in Asien liegt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Im Ankara-Vertrag wird seit 1963 die europäische Perspektive verankert.<br />
In der Türkei ordnen sich 90 Prozent der Bevölkerung zu Europa.<br />
In der EU leben schon jetzt Millionen von Menschen, die aus der Türkei<br />
zu uns gekommen sind und gerade Deutschland kann eine herausragende Brücke<br />
im Sinne einer starken multikulturellen, multireligiösen EU spielen.<br />
Russland, als EU-Mitglied, würde in der Tat diesen Rahmen sprengen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schweizer</b>:<br />
Was sind die Vorteile für die EU und für Deutschland?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es sind ökonomische Vorteile. Es sind aber vor allem Vorteile, die<br />
in Zeiten von internationalem Terrorismus eine Stärkung der EU durch<br />
eine demokratische Türkei als Signal gegen Terrorismus bedeuten würde.<br />
Der Anschlag auf Istanbul war ein Anschlag auf eine weltoffene, europäische<br />
Metropole. War ein Anschlag auch auf unsere Werte, auf Demokratie, auf<br />
gleiche Rechte von Mann und Frau, war ein Anschlag auf unser Lebens- und<br />
Gesellschaftsmodell und deswegen braucht die Türkei und die EU Integration<br />
und nicht Ausgrenzung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Die großen Vorteile einer europäischen Integration anerkennend,<br />
bedeutet ein Beitritt der Türkei zur EU aber auch eine gemeinsame<br />
Grenze mit dem Irak. Wie sieht der Irak in zehn Jahren aus? Hier sind<br />
im Augenblick nur Spekulationen möglich. Aber müsste eine Befürwortung<br />
des Türkei-Beitritts nicht auch bedeuten, dass sich die Bundesregierung<br />
am (heute leider noch so brenzligen) Nationbuilding im Irak beteiligt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das Nein zum Krieg im Irak hat keinesfalls bedeutet ein Nein zu humanitärer<br />
Hilfe und zur Unterstützung des politischen Aufbaus des Iraks. Wir<br />
setzen uns im Rahmen der UN massiv dafür ein, zum Beispiel für<br />
einen schnellstmöglichen Souveränitätstransfer auf irakische<br />
Vertreter. Die Situation im Irak ist zutiefst erschütternd und deprimierend<br />
und macht leider deutlich, dass der Krieg nicht positiv gewirkt hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Leiten wir nun zum Thema Vermögenssteuer über &#8211; Benjamin mit<br />
einem interessanten Gedanken:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>benjamin</b>:<br />
Sie reden von Standortnachteil und vom ökonomischen Nutzen. Liberale<br />
Rhetorik &#8211; auch in der Partei mehren sich die Wirtschaftsliberalen? Kommt<br />
die Vermögenssteuer oder bringt die allzu starke Standortnachteile?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Also Wirtschaftsliberale bin ich sicher nicht, sondern alte Jungdemokratin.<br />
Der Standort Deutschland braucht konsequente Reformen. Diese Reformen<br />
sind nötig, um den sozialen Rechtstaat auch in der Zukunft zu erhalten.<br />
Diese Reformen sind nicht sozialer Kahlschlag, wie es Union und FDP wollen.<br />
Reformpolitik findet nur dann Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn<br />
es gerecht zugeht. Mit der Vermögenssteuer wird eine Gerechtigkeitslücke<br />
geschlossen. Es kann nicht sein, dass sich Firmen wie BMW oder Daimler,<br />
armrechnen und keinen Beitrag leisten zum Gemeinwohl diesen Landes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rothenburger</b>:<br />
Vermögenssteuer: Sind die Grünen-Linken um Ströbele unverbesserliche<br />
Anti-Kapitalisten, die den Lauf der Zeit nicht verstehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nein, ich bin Anhängerin des Grundgesetzes, in dem steht, dass Eigentum<br />
verpflichtet. Und ich vermag nicht einzusehen, warum Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger<br />
ihren Beitrag leisten müssen, Vermögende aber nicht. Das hat<br />
nichts mit Anti-Kapitalismus zu tun, sondern mit sozialer Gerechtigkeit<br />
und Solidarität, mit sozialen Rechten, die die Grundlage unserer<br />
Demokratie sind. Working-Poor, Kopfpauschale, Aufhebung des Kündigungsschutzes<br />
ist nicht Lauf der Zeit, sondern ein Anschlag auf unser Gesellschaftssystem,<br />
das auch sozialen Zusammenhalt braucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ist das nicht Augenwischerei. Die Grünen-Spitze hat trotz Entgegenkommen<br />
mehr als klar gemacht, dass es eine effektive betriebliche Vermögenssteuer<br />
nicht geben wird. Es wurde auf dem Parteitag dagegen gestimmt, einen verbindlichen<br />
Gesetzesentwurf von der Bundestagsfraktion zu fordern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Der Parteitag hat sich eindeutig auch für eine betriebliche Vermögenssteuer<br />
ausgesprochen, ohne im Detail die Kriterien zu benennen. Der politische<br />
Wille ist klar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kofi</b>:<br />
Aber im Bundesrat finden sie doch keine Mehrheiten für ihre Aussagen.<br />
Jetzt schöne Reden halten kann ich auch. Aber wie sehen die Kompromisse<br />
aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Dass sie so schöne Reden halten können, freut mich. Aber die<br />
Tatsache, dass es im Bundesrat andere Mehrheiten gibt, darf nicht bedeuten,<br />
schon vorauseilend eigene Positionen aufzugeben. Wir müssen sie als<br />
machbar darstellen und notwendig für die Zukunft und damit die Blockadepatrioten<br />
der CDU/CSU unter Druck setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also doch die Beruhigungspille für ihre Parteibasis, zumindest aus<br />
Sicht von Reinhard Bütikofer und Christine Scheel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Keine Beruhigungspille, sondern politischer Auftrag an Bundesvorstand<br />
und Fraktion. Im Übrigen ist der Konsens sehr groß. Wir wollen<br />
eine Vermögenssteuer, wie sie im Detail aussieht, muss jetzt erarbeitet<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jürgen</b>:<br />
Wie groß ist der administrative Aufwand, um die Vermögenssteuer<br />
einzutreiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Diese Frage unterstellt, dass er zu groß sei. Wir hatten bis 1996<br />
eine Vermögenssteuer. Ich sehe keinen Grund, sie nicht wieder einzuführen.<br />
Wenn wir wissen, wie enorm groß Vermögen in Deutschland ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Anmerkung &#8211; die Vermögenssteuer hat 1996 gerade 4,6 Milliarden eingebracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gerade sagen sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nun ja, bei knapp 43 Milliarden Defizit. Aber nun letzte Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sonnenblumenfee</b>:<br />
Möchten Sie wieder die Grünen-Chefin werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Aus Bayern kommend sage ich, &quot;schaun wir mal&quot;. Diese Frage stellt<br />
sich nicht heute. Deswegen auch heute keine Antwort.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Unsere Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle für ihr Interesse und<br />
die zahlreichen Fragen. Es ist leider Vieles noch unbeantwortet geblieben.<br />
Dank an Sie, Frau Roth. Das Transkript dieses Chats und aller anderen<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02</span></p>
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					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tuerkei-braucht-eu-beitrittsperspektive-268/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Werte statt Verwertbarkeit</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/werte-statt-verwertbarkeit-389/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/werte-statt-verwertbarkeit-389/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Oct 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Genforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Claudia Roth]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zu Gast im Chat von
politik-digital.de und stern.de war diesmal Claudia Roth, Vorsitzende
der Partei Bündnis90/Grüne, die mit den Teilnehmern des Chats lebhaft
über Embryonenforschung, Neue Medien und natürlich über die Bedeutung
der ehrgeizigen FDP für die Grünen diskutierte.
</span>
<span style="font-size: x-small; font-]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zu Gast im Chat von<br />
politik-digital.de und stern.de war diesmal Claudia Roth, Vorsitzende<br />
der Partei Bündnis90/Grüne, die mit den Teilnehmern des Chats lebhaft<br />
über Embryonenforschung, Neue Medien und natürlich über die Bedeutung<br />
der ehrgeizigen FDP für die Grünen diskutierte.<br />
</span><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Einen Austausch des Wählerpotentials von den Grünen hin zur FDP sieht die Grüne nicht kommen: <i>&quot;Die<br />
FDP ist für mich viel Hülle ohne Inhalt, Strategie 18 reiner<br />
Politikersatz, Herr Westerwelle erinnert mich an das Märchen &quot;Des<br />
Kaisers neue Kleider&quot;. Keine einzige wirkliche politische Konzeption zu<br />
den entscheidenden Zukunftsfragen, sozusagen Freiheit ohne<br />
Verantwortung, Wachstum ohne Grenzen, Verwertbarkeit statt Werte.&quot;</i><br />
</span><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In Vorbereitung auf die nächste<br />
Bundestagswahl müsse den Wählern vor allem vermittelt werden, wie eine<br />
Politik ohne die Grünen aussähe. Dabei habe es ihre Partei noch nicht<br />
in ausreichendem Maße geschafft <i>&quot;deutlich zu machen, dass unsere<br />
Themen Zukunftsfragen berühren, dass alte grüne Werte neue Werte sind<br />
und dass wir Inhalte mit kompetenten Personen verbinden können&quot;</i>. Es gehe vor allem auch darum, junge Leute zu mobilisieren für Politik und für das Einmischen als <i>&quot;Primärtugend in einer lebendigen, funktionierenden Demokratie&quot;</i>.<br />
</span><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein weiteres zentrales Thema im<br />
Chat war die Embryonenforschung, zu der sich Claudia Roth eine breite<br />
gesellschaftliche Debatte wünscht. Diese <i>&quot;zentrale moralisch-ethische Fragestellung&quot;</i> müsse dem <i>&quot;Fortschritts- und Machbarkeitswahn&quot;</i> in der Wissenschaft gegenübergestellt werden, denn <i>&quot;nicht alles, was machbar ist, darf auch machbar sein&quot;</i>. Der neue Ethikrat solle dabei die gesellschaftliche Debatte mit anstossen.<br />
</span><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zukunftsthema bei den Grünen seien natürlich auch die neuen Medien und besonders die <i>&quot;Frage der demokratischen Teilhabe und des demokratischen Zugangs zu Informationen&quot;</i>,<br />
die als demokratische Grundrechte nicht vom Kontostand abhängig gemacht<br />
werden dürfen. Dabei stellte die frühere Managerin der Rockban &quot;Ton<br />
Steine Scherben&quot; jedoch auch klar, dass die Neuen Medien nur einen Teil<br />
unserer heutigen Kommunikation ausmachen: <i>&quot;Surfen, Henning Mankell lesen und laut und kräftig Musik hören: alles zusammen, das macht unser Leben reich&quot;</i>.<br />
<br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/politik/chataktuell/archiv/5150_15628.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
<!-- Content Ende --></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="center">
<p>
			&nbsp;
			</p>
<p>			<center><br />
			<i><a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Kommentieren<br />
			Sie diesen Artikel!</span></a></i><br />
			</center><br />
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
			</span><br />
			<center><br />
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><i><a href="http://www.politik-digital.de/salon/diskussion/">Diskutieren<br />
			Sie mit anderen in unserem Forum!</a></i></span><br />
			</center></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/werte-statt-verwertbarkeit-389/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
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