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	<title>Cyberrepression &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Kritik im Netz: Wie viel Filter verträgt die Freiheit?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Apr 2013 08:03:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Journalisten werden weltweit zensiert, überwacht, und verfolgt &#8211; mit westlicher Informationstechnologie. Doch Demokratien unterstützen nicht nur die Cyberrepression der Autokraten. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ahdieh-Ashrafi-CC-BY-NC-ND.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-128337" alt="Ahdieh Ashrafi (CC BY-NC-ND 3.0)" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ahdieh-Ashrafi-CC-BY-NC-ND-630x504.jpg" width="630" height="504" /></a>Journalisten werden weltweit zensiert, überwacht, und verfolgt &#8211; mit westlicher Informationstechnologie. Doch Demokratien unterstützen nicht nur die Cyberrepression der Autokraten. Sie setzen selbst Filtersoftware ein.<strong>  </strong><br />
Wie es global um die Meinungsfreiheit im Internet bestellt ist, lässt sich am besten an einer Zahl und einem Datum ablesen: Als die UN-Menschenrechtskommission bestätigte, dass fundamentale Rechte wie das auf freie Meinungsäußerung auch im Internet gelten, unterzeichneten gerade mal 71 Länder die <a href="https://netzpolitik.org/2012/resolution-un-menschenrechtsrat-bestatigt-die-gultigkeit-der-menschenrechte-auch-im-internet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Resolution</a>. Das Prekäre: Sie wurde vor weniger als einem Jahr &#8211; im Juli 2012 &#8211; verabschiedet.<br />
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass heute rund zwei Drittel aller Staaten kritische Stimmen und Informationen im Netz weder fördern noch formell anerkennen. Im Gegenteil: Internetzensur ist auf dem Vormarsch. Die Menschenrechtsgruppe <em>Reporter ohne Grenzen</em> <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung-im-detail/artikel/rog-bericht-feinde-des-internets-westliche-ueberwachungstechnik-in-den-haenden-von-diktatoren/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">prangert in ihrem Bericht &#8220;Feinde des Internet 2013&#8221;</a> das global zunehmende Repressionspotential im Internet an. Für Journalisten und Blogger, die unabhängige Meinungen über Online-Kanäle verbreiten, birgt der technische Ausbau der digitalen Überwachung die Gefahr, ausspioniert und geortet zu werden. Aus Sicht der Zensoren mit Erfolg, wie die Zahlen von ROG belegen.<br />
Weltweit wurden in diesem Jahr bereits 179 Journalisten und 148 Netzaktivisten (<em>Netizens</em>) in Haft genommen. China, Vietnam und Iran gehen besonders massiv gegen abweichende Meinungen im Internet vor. 58 Journalisten haben die drei Länder im laufenden Jahr bereits verhaftet, zudem 120 der weltweit 148 verhafteten Netizens.<em> Reporter ohne Grenzen</em> zählt China, Vietnam und Iran neben Bahrein und Syrien zu den ärgsten &#8220;Feinden des Internet&#8221;.</p>
<h3><strong>Staatliche Einschüchterung führt zu Selbstzensur </strong></h3>
<p>Im vergangenen Jahr wurden 143 Journalisten und Onlinedissidenten umgebracht. In 22 Ländern mussten Pressevertreter Verhaftungen fürchten, allen voran in der <a href="http://en.rsf.org/press-freedom-barometer-journalists-imprisoned.html?annee=2012" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Türkei, China, Eritrea, Iran und Syrien.</a> Rund halb so viele Staaten verfolgten auch die freie Meinungsäußerung im Internet. Die meisten Länder verzichten dabei sogar auf physische Gewalt oder (il)legale Inhaftnahme. Denn viele kritische Stimmen lassen sich viel eleganter verstummen. Was der Staat nicht mit Hilfe der Technik schafft, erledigt oft die Selbstzensur.<br />
Die OpenNet Initiative (ONI), ein <a href="https://opennet.net/about-oni" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gemeinschaftsprojekt dreier renommierter Forschungseinrichtungen</a> in den USA und Kanada, beobachtet Filter- und Überwachungspraktiken in nahezu allen Ländern der Welt. Im Gegensatz zu Menschenrechtsorganisationen wie ROG oder <em>Amnesty International</em> beleuchten die ONI-Forscher die technischen Möglichkeiten der Internetzensur. Ihr Befund: <a href="https://opennet.net/about-filtering" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zur gängigen Praxis</a> zählen die Blockierung unliebsamer Websites &#8211; es können IP-Adressen oder Urls geblockt oder individuelle Benützer-DNA verfälscht werden &#8211; sowie die Manipulation der Suchergebnisse bis hin zur Abschaltung unerwünschter Websites. Oft reicht bereits die Androhung rechtlicher Schritte aus, damit Autoren und Website-Betreiber kuschen und kritische Artikel verwässern oder aus dem Netz nehmen.</p>
<h3><strong>Jede Weltgegend hat spezielle Filterpraktiken </strong></h3>
<p>Dabei verfolgt jedes Land eigene Filterstrategien, um den Zugang und die Verbreitung von Informationen im Internet einzuschränken. In westlichen Ländern sind es vorwiegend Inhalte wie Pornographie (Europa/Australien), Extremismus und Hate Speech (Deutschland/Frankreich) oder Urherberrechtsverletzung (USA), die vom Netz genommen oder in Suchmaschinenlisten indexiert werden, oftmals zum &#8220;Schutz&#8221; der Bürger oder im <a href="http://www.pcmag.com/article2/0,2817,2417547,00.asp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Namen der nationalen Sicherheit</a>.<br />
In Europa hat letztes Jahr hat das umstrittene <a href="https://netzpolitik.org/2012/clean-it-der-geheime-plan-der-eu-der-keiner-war/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">transnationale Projekt CleanIT</a> wieder die Frage aufgeworfen, wo die Grenzen zwischen Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre verlaufen. Auch wenn das Projekt <a href="https://netzpolitik.org/2013/clean-it-abschlussdokument-der-wolf-im-schafspelz-ist-immer-noch-gefahrlich/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nach massiver Kritik gemäßigter</a> daher kommt &#8211; in Europas Polizeibehörden werden längst ähnliche Filterprogramme getestet. Das <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/37/37744/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IOCP-Projekt der EU</a> steht für <em>Identifying and Catching Originators in P2P Networks </em>und soll kinderpornographisches Material und das Tauschverhalten entsprechender User erfassen und in polizeiliche Datenbanken einspeisen.<br />
Die übrigen Weltregionen verfolgen sehr unterschiedliche Filterstrategien. Auf der einen Seite fehlen etwa in Lateinamerika weitgehend die legalen Voraussetzungen zur Anwendung von Zugriffsbeschränkungen, und in Subsahara-Afrika lässt die mangelnde IT-Infrastruktur staatliche Zensur-Bemühungen &#8211; mit Ausnahme von Äthiopien &#8211; überflüssig erscheinen. Auf der anderen Seite investieren Länder in Asien und im Nahen Osten und Nordafrika (MENA-Region) viel Geld und Mühe in technische Zensur- und Überwachungsmethoden.</p>
<h3><strong>Autokraten orten Journalisten mit deutscher Spyware  </strong></h3>
<p>Es ist kaum verwunderlich, dass das <em>Committee to Protect Journalist</em> (CPJ) acht der <a href="http://cpj.org/reports/2012/05/10-most-censored-countries.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zehn zensurwütigsten Länder</a> Asien und der MENA-Region zuordnet. Die entsprechende Sicherheitstechnologie stammt von westlichen IT-Firmen, wie die Enthüllungsplattform Wikileaks in ihren Ende 2011 veröffentlichten <a href="http://wikileaks.org/The-Spyfiles-The-Map.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Spy Files</em></a> aufdeckte. Gaddafi, Mubarak oder al-Assad: Die im arabischen Frühling gestürzten Despoten und der im Todeskampf liegende Diktator verfolgten Online-Aktivisten und Journalisten mit Hilfe von Software <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/the-spyfiles-ein-schlag-gegen-die-ueberwachungstechnik-11552001.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">aus den USA (Blue Coat Systems), Großbritannien (Sophos), Italien (Area), Frankreich (Amesys), Südafrika (Zebra) und Deutschland (Trovicor</a>).<br />
Für <em>Reporter ohne Grenzen</em> sind deshalb auch die führenden Technologie-Exportfirmen wie Gamma, Trovicor, Hacking Team, Amesys und Blue Coat <em>Feinde des Internet</em>. Die Unternehmen sind mitverantwortlich für die Unterdrückung von freier Meinungsäußerung in Regimen, die Software wie <a href="https://citizenlab.org/2012/07/from-bahrain-with-love-finfishers-spy-kit-exposed/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FinFisher&#8217;s Spy Kit</a> zu Filter- und Überwachungszwecken beziehen. Bislang ignoriert die Politik weitgehend den Spagat zwischen der rhetorischen Unterstützung der weltweit geltenden freien Meinungsäußerung im Internet und der Inschutznahme marktwirtschaftlicher Prinzipien.<br />
Nur im Fall von Iran und Syrien haben die USA und die EU mittlerweile ein Ausfuhrverbot von Sicherheits-IT beschlossen. Auch wenn das Europäische Parlament sich vor Kurzem für eine <a href="http://www.itnews.com/legislation/53036/ban-surveillance-tech-repressive-regimes-says-eu-parliament" target="_blank" rel="noopener noreferrer">umfassende Ausfuhrbeschränkung für Überwachungstechnologie</a> ausgesprochen hat, scheinen nicht alle Länder eine EU-weite Regelung anzustreben. Die <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/hermes127.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesregierung zumindest unterstützte</a> in der Vergangenheit Technologieexporte deutscher Unternehmen tatkräftig. Deutschland gehört zu den 71 Ländern, die die Resolution der UN-Menschenrechtskommission unterschrieben haben.<br />
<em>Dieser Artikel wurde zuerst auf <a href="http://jg10.ejs-training.de/tintenkiller/meinungsfreiheit-und-internetzensur/2013/04/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tintenkiller</a> veröffentlicht.</em><br />
Bild: Ahdieh Ashrafi (CC BY-NC-ND 3.0)<br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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		<title>Cyberrepression mit deutscher Technologie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ralf Pauli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 09:20:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der Arabische Frühling hat die Bedeutung neuer Medien für demokratische Transformationen ans Licht gebracht. Nun treten zunehmend deren Repressionspotentiale für [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/cyberrepression-mit-deutscher-technologie/syrias_hitler_keizerstreetart-3/" rel="attachment wp-att-115371"><img decoding="async" class=" wp-image-115371" alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/syrias_hitler_KeizerStreetArt2-630x472.jpg" width="630" height="350" /></a>Der Arabische Frühling hat die Bedeutung neuer Medien für demokratische Transformationen ans Licht gebracht. Nun treten zunehmend deren Repressionspotentiale für Autokraten aus dem Schatten der Reformeuphorie. Konsequent aus Sicht westlicher Sanktionspolitik wäre daher ein rigoroser Ausfuhrstopp der Informationstechnologie, die beim Aufbau von Überwachungsapparaten im Nahen Osten mithalf.</p>
<p>Besser könnte sich die Ohnmacht des Westens nicht ausdrücken: Um dem unverminderten Morden in Syrien unter den Augen der UNO-Beobachter Einhalt zu gebieten, verhängte die EU am vergangenen Montag ein Exportverbot für Luxusartikel wie Uhren oder teure Lebensmittel. Die Maßnahme erscheint skurril, wenn man sich die Versäumnisse der EU-Politik etwa bei der Beschränkung von sogenannten Dual-Use-Gütern, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können, vor Augen führt. Immerhin ist dem Europäischen Parlament bewusst, dass auch Informationstechnologie zur Unterdrückung der Bevölkerung eingesetzt werden kann. In einem <a href="http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=TA&amp;reference=P7-TA-2012-0126&amp;language=DE&amp;ring=A7-2012-0086" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beschluss zum Thema Menschenrechten in der Welt</a> vom 18. April 2012 fordert das Parlament in Straßburg die EU-Kommission auf,</p>
<blockquote><p>&#8220;<em>spätestens im Laufe des Jahres 2013 Vorschläge für intelligente Regulierungsmaßnahmen, einschließlich erhöhter Transparenz und Rechenschaftspflicht für die (in der) EU (niedergelassenen) Unternehmen vorzulegen, um die Überwachung der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen zu verbessern, die auf die Sperrung von Webseiten, die Massenüberwachung, die Überwachung des gesamten Internetverkehrs und aller (mobilen) Kommunikationen, die Abhörung und Transkription privater Gespräche, die Filterung von Suchergebnissen und Einschüchterung von Internetnutzern einschließlich Menschenrechtsaktivisten abzielen</em>.&#8221;</p></blockquote>
<p>Kurz: Die EU will nicht weiterhin als Kollaborateur autokratischer Repression gelten. Damit zieht Europa Lehren aus der Causa Vodafone. Das britische Telekommunikations-Unternehmen hatte sich in den letzten Wochen der Mubarak-Herrschaft im Januar 2011 den Forderungen ägyptischer Staatsorgane untergeordnet, Dienste vorübergehend zu sperren, Regierungspropaganda per SMS zu verbreiten und gezielt Oppositionelle zu beobachten &#8211; erst als sich <em>Amnesty International </em>an die Spitze der Kritikwelle stellte, distanzierte sich Vodafone vom ägyptischen Regime. Bereits vor Jahren hatte die Menschenrechtsorganisation die Mitverantwortung der großen IT-Konzerne für Internetzensur angeprangert. Bislang jedoch störte es weder verantwortliche Unternehmer noch Politiker, dass u.a. in China, Weißrussland, Ägypten, Usbekistan, Iran, Syrien oder Vietnam die freie Meinungsäußerung nicht nur beschnitten wird, sondern auch zu Verhaftung und Folter führen kann &#8211; dank westlichem Know-How.</p>
<p><strong>Westliche Technologie wird über China eingekauft</strong></p>
<p>So begrüßenswert die Resolution des EU-Parlamentes auch ist &#8211; den Ausgang des Serienkonfliktes wird sie nicht mehr beeinflussen: Zu langsam mahlen die Mühlen des Staatenverbundes, völkerrechtlich bindende Beschlüsse in Form von Richtlinien oder Verordnungen umzusetzen. Beschleunigen könnte das Verfahren die <em><a href="http://www.whitehouse.gov/the-press-office/2012/04/23/executive-order-blocking-property-and-suspending-entry-united-states-cer" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Executive Order</a></em> von US-Präsident Barack Obama, die am 23. April in Kraft trat. Darin verfügt die US-Regierung die Sanktionierung von Firmen, die durch die Weitergabe von Kommunikations-Technologie Menschenrechtsverletzungen in Syrien und den Iran ermöglichen. Dazu gehören in erster Linie die Telekommunikationsanbieter beider Länder, die iranische <em>Datak Telekom</em> und die syrische<em> Syriatel</em>. Aber auch IT-Firmen dritter Länder wie die chinesische ZTE (<em>Zhong Xing Telecommunication Equipment Company Limited</em>) könnten in Zukunft geahndet werden. ZTE hat <a href="http://www.nytimes.com/2012/04/24/world/new-sanctions-announced-for-aiding-syria-and-iran.html?_r=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nach Angaben der New York Times</a> Ende 2010 Überwachungs-Technologie im Wert von 100 Millionen Euro an den Iran geliefert. Zudem treten die Chinesen als Zwischenhändler für Softwareprodukte US-amerikanischer Firmen auf. Mehr als 20 US-Firmen wie IBM, Brocade Communications Systems oder Cisco Systems Inc waren an einem <a href="http://www.reuters.com/article/2012/04/10/us-zte-iran-aryacell-idUSBRE8390T720120410" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deal mit ZTE</a> und der iranischen <em>Telecommunication Company of Iran</em> (TCI) vom Juni 2011 beteiligt.</p>
<p>Auch wenn diese Produkte bislang nicht nach Iran gelangt sind, zeigt der Fall, wie leicht westliche Informationstechnologie trotz bestehender Embargos den Weg zu autokratischen Abnehmern findet. Deshalb ist der Vorstoß Obamas, auch gegen Firmen aus Drittstaaten vorzugehen, ein notwendigiger Schritt zur Sicherstellung der Wirksamkeit der Ausfuhrverbote. Und ein weiterer hin zur Prävention von Repression und Genozid in der Welt. Dieses Ziel hatte Obama bereits im August 2011 zum &#8220;Kerninteresse nationaler Sicherheit&#8221; erhoben &#8211; eine moralische Verantwortung, die sich aus dem Versagen seiner beiden Vorgänger Bill Clinton und George W.  Bush in Ruanda bzw. Darfur ableitet. Wie ernst es die US-Regierung mit dem Anspruch universaler Repressions-Prävention meint, muss sich erst noch zeigen. China beispielsweise hat sein Zensursystem 2006 bei der amerikanischen IT-Firma Cisco eingekauft. Und an Ländern des Nahen Ostens &#8211; etwa Bahrain, Saudi Arabien und Kuwait &#8211; verdienen McAfee, Netsweeper und Blue Coat Systems seit Jahren mit dem Verkauf zensurtauglicher Software, wie das <em><a href="http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704438104576219190417124226.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wall Street Journal</a></em> im März vergangenen Jahres aufdeckte. Laut Recherchen der <em>OpenNet Initiative</em> (ONI), die sich der Aufklärung weltweiter Filter- und Überwachungspraktiken verschrieben hat, gehören sogar <a href="http://opennet.net/west-censoring-east-the-use-western-technologies-middle-east-censors-2010-2011" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mindestens neun Ländern Afrikas und des Nahen Ostens</a> zu den Kunden westlicher Sicherheitssoftware.</p>
<p><strong>Gaddafi spionierte mit französischer Software</strong></p>
<p>Doch nicht nur US-Firmen machen mit dem Zensurbedürfnis in der Region Geschäfte. Ägyptens ehemaliger Präsident Hosni Mubarak verwendete die Software FinSpy des deutsch-britischen Herstellers<em> Gamma International</em>. Ein Umstand, der erst in dem Moment Beachtung fand, als das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) auf Anordnung des Innenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) Anfang 2012 eine leicht modifizierte Software für Einsätze <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2012-01/bka-testet-finspy/seite-1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">im Rahmen der Quellen-TKÜ testete</a>. Was als Kritik an der vermeintlichen Beschneidung der Bürgerrechte in Deutschland begann &#8211; Stichwort Staatstrojaner  &#8211;  mündete in der Forderung nach mehr Transparenz beim Export deutscher Technikgüter, die möglicherweise zum Zweck der Repression und Zensur in anderen Ländern zum Einsatz kommen. Gemeinsamer Befund von Spiegel und der Bundesfraktion der Grünen, die die &#8220;<a href="http://gruen-digital.de/2011/11/kleine-anfrage-zu-export-deutscher-zensur-und-ueberwachungstechnik-an-autoritaere-und-totalitaere-staaten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kleine Anfrage zu Export deutscher Zensur- und Überwachungstechnik an autoritäre und totalitäre Staaten</a>&#8221; vom 15. November 2011 an an die Regierung stellte: Die Bundesregierung versuchte die Interessen der deutschen Wirtschaft vor der geplanten EU-Reform zur strengeren Kontrolle bei der Ausfuhr der Dual-Use-Güter zu schützen.</p>
<p>Weitere Ermittlungen des ARD-Magazins FAKT deckten auch die Verwicklung von Siemens (ab 2007 Nokia Siemens Networks) samt Tochterfirma Trovicor auf. Auf Anfrage räumte Siemens ein, im Jahr 2000 Überwachungstechnik an Syrien verkauft zu haben. Kurz zuvor hatte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz bei der Bundesregierung nachgefragt, ob ihr der entsprechende Export eines deutschen Unternehmens&#8221; bekannt war und gemeldet wurde. Wie Notz am 12. April auf <a href="http://gruen-digital.de/2012/04/deutsche-unternehmen-lieferten-ueberwachungstechnik-nach-syrien/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gruen-digital.de</a> publik machte, hat die Bundesregierung auf die geltende Syrien-Embargo-Verordnung vom 18. Februar 2012 verwiesen, die die Weitergabe von Kommunikationsüberwachung verbietet. Eine Verordnung, gegen die sich die Bundesregierung verschwiegenermaßen gesträubt hatte. Eine Verschwiegenheit, die wie auch beim undurchsichtigen Verkauf von 270 &#8220;Leopard 2&#8221;-Panzern nach Saudi-Arabien auf Ablehnung stößt.</p>
<p>Letztlich aber ist es der Vorwurf der doppelten Standards, dem sich die deutsche Regierung stellvertretend für westliche Interessen im Nahen Osten stellen muss. Eine Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft wie die EU muss endlich konsequent ihre Werte über die Partikularinteressen ihrer Wirtschaft stellen. Damit die neuen Medien auch künftig zur Wahrnehmung der Bürgerrechte beitragen &#8211; und nicht diese beschneiden. 2011 wurden laut <em><a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung-im-detail/artikel/rog-bericht-feinde-des-internets-2012/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reporter ohne Grenzen</a></em> 200 Internetjournalisten verhaftet. Zum <em>Welttag gegen Internetzensur</em> am 12. März 2012 verkündeten die Journalisten, dass die Internetfreiheit weltweit in 26 Ländern teils massiv kontrolliert wird &#8211; mit 15 dieser &#8220;Feinde des Internet&#8221; treibt die EU bedenkenlos uneingeschränkten Handel.<strong><br />
</strong></p>
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