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	<title>David Crawford &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>„Barack Obama ist ein Hoffnungsträger für die ganze Welt&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Nov 2008 17:00:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Freitag, 07. November 2008, war David Crawford, Deutschland-Korrespondent des &#34;Wall Street Journal&#34;, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Der gebürtige US-Amerikaner sprach mit den Chat-Gästen über die Wahl Barack Obamas zum zukünftigen Präsidenten der USA, die Potentiale einer neuen Regierung, sowie die möglichen Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen.
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag, 07. November 2008, war David Crawford, Deutschland-Korrespondent des &quot;Wall Street Journal&quot;, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Der gebürtige US-Amerikaner sprach mit den Chat-Gästen über die Wahl Barack Obamas zum zukünftigen Präsidenten der USA, die Potentiale einer neuen Regierung, sowie die möglichen Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen.<br />
<!--break--> </p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. In dieser Woche haben die<br />
Wähler in den USA Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal wird ein<br />
Afro-Amerikaner ins Weiße Haus einziehen &#8211; im Januar löst<br />
Hoffnungsträger Barack Obama den unbeliebten George W. Bush ab. Hier<br />
im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich jetzt David Crawford, er ist<br />
Deutschland-Korrespondent des Wall Street Journal. Vielen Dank, Herr<br />
Crawford, dass sie zum tagesschau-Chat gekommen sind. Sind Sie bereit<br />
für die erste Frage?
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>:<b> </b>Ja.
</p>
<p>
<b>Redo</b>: Wie haben Sie die Wahlnacht erlebt?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Auf zwei Wahlparties &#8211; erst bei<br />
Bekannten von mir (eine Journalistin die ich hier in Berlin kenne) &#8211;<br />
und dann bin ich so gegen 1 Uhr früh zu der Veranstaltung,<br />
organisiert durch die US-Botschaft. Und da war ich bis kurz vor 3<br />
Uhr, bin dann nach Hause und habe dann von zu Hause aus beobachtet,<br />
bis ich wusste, wie die Wahl ausgegangen ist und versuchte ein paar<br />
Stunden Schlaf zu bekommen, weil Mittwoch auch ein Arbeitstag war.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Sie haben hoffentlich die Wahlsendung<br />
der ARD geguckt?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Zum Teil. Man schaltet von Sender<br />
zu Sender. Ich finde es gibt ein bisschen zu viel Talk und zu wenig<br />
Information über die genaue Situation, Auszählungssituation etc.<br />
bei den deutschen Sendern. Aber auf der anderen Seite muss man die<br />
Pausen überbrücken. Als Amerika-Kenner hätte ich eine andere<br />
Auswahl von Gästen gehabt. Es gibt eine Handvoll Leute, die immer<br />
wieder vorkommen. Man hätte andere Personen suchen können.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Der Wille der Deutschen ist nun auch<br />
umgesetzt. Laut Umfragen hätten rund 80 Prozent Barack Obama ihre<br />
Stimme gegeben, wenn sie denn gedurft hätten. Wie wirkt die Obamania<br />
auf Sie?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich finde die Obamamanie ist<br />
wichtig, weil es Obama nicht nur ein Mandat in den USA durch seine<br />
Wahl gibt. Sondern es bedeutet, dass seine Unterstützer auch im<br />
Ausland von ihren eigenen Regierungen berücksichtigt werden. Obama<br />
hat auch Unterstützer in Deutschland und das hat auch einen Einfluss<br />
auf die Politik hier in Deutschland. Eine Bundespolitik muss das dann<br />
auch berücksichtigen &#8211; auch wenn sie in ihrer eigenen Politik<br />
natürlich eigene Interessen verfolgen.
</p>
<p>
<b>Lemann</b>: Obama hat ja bereits stärkeres<br />
Engagement der Nato in Afghanistan eingefordert &#8211; was wird das<br />
konkret für Deutschland bedeuten? Mehr Truppen? Mehr Kampfeinsätze?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Solche Entscheidungen werden<br />
grundsätzlich in Deutschland getroffen. Welche Politik Obama in<br />
Afghanistan bringen wird, das wissen wir noch nicht. Er hat auch noch<br />
keinen Zugang zu allen Informationen über Afghanistan und er wird<br />
erst einmal entscheiden müssen, wo es hingeht. Er hat erst einmal<br />
gesagt, dass er glaubt, dass Afghanistan wichtiger wäre für die<br />
amerikanischen Interessen als Irak zum Beispiel. Er könnte sich auch<br />
vorstellen, Truppen aus dem Irak abzuziehen und in Afghanistan<br />
einzusetzen. Aber ob er von Deutschland Truppen im Süden von<br />
Afghanistan verlangt oder ob er amerikanische Truppen im Irak behält<br />
oder, oder, oder&#8230; Das sind alles Fragen, die Obama selbst derzeit<br />
noch nicht beantworten kann. Bisher hat er nicht alle Informationen<br />
gehabt. Die amerikanische Regierung hat bisher viele Entscheidungen<br />
anhand von Geheiminformationen getroffen. Wenn er die tatsächliche<br />
Lage sieht, vielleicht entscheidet er dann ganz anders.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Aus Russland kam ein<br />
Glückwunsch-Telegramm der besonderen Art, dazu auch eine der am<br />
häufigsten gestellten Fragen aus dem Chatroom: Wie wird sich Obama<br />
hinsichtlich der Georgienkrise und den geplanten<br />
Raketenschildsystemen in der Nähe Russlands verhalten?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Erstmal wird er nicht direkt auf<br />
die Rede von dem russischen Präsidenten reagieren. Er ist noch nicht<br />
der amtierende amerikanische Präsident. Er hat aber gesagt, dass er<br />
sich vorstellen kann, mit allen Leuten zu reden. Auch mit Personen,<br />
wo es Meinungsverschiedenheiten gibt. Möglicherweise wird er<br />
versuchen, eine eigene Beziehung zu dem russischen Präsidenten<br />
aufzubauen. Aber die eine Rede des russischen Präsidenten wird nicht<br />
die amerikanische Politik ändern. Wir müssen über die Zeit sehen,<br />
wie es sich weiter entwickelt. Im Übrigen kann man sagen, dass Obama<br />
nach Aussage des gewählten Vize-Präsidenten Joe Biden<br />
möglicherweise von seinen ausländischen politischen Konkurrenten in<br />
den ersten Monaten seiner Amtszeit geprüft wird. Es kann sein, dass<br />
wir die ersten Vorzeichen zu einer Prüfung jetzt schon gesehen<br />
haben.
</p>
<p>
<b>obi</b>: Wird die Obamamanie nicht nach hinten los<br />
gehen, wenn die Leute merken, dass die ersten Probleme nicht so<br />
einfach lösbar sind und Obama nicht der Messias ist, als der er<br />
manchmal dargestellt wird?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Sicherlich. Bisher hatte die<br />
Obamamania davon gelebt, dass seine Politik noch nicht definiert ist.<br />
Er ist jetzt neu und viele können ihre eigenen Träume in seine<br />
zukünftige Politik versetzen. Natürlich muss er diese jetzt selber<br />
über eine Vielzahl von Feldern seiner Politik festlegen. Und da gibt<br />
es unterschiedliche Meinungen und es wird auch Enttäuschungen geben.<br />
Wir wissen z.B. noch nicht im Detail, wie er zu Umweltfragen steht,<br />
wie er in der Militärpolitik und in anderen Feldern direkt<br />
entscheiden wird. Es wird emotional belegte Fragen geben und er wird<br />
die einen glücklich machen und die anderen enttäuschen. Das wird<br />
sehr interessant zu sehen, wie lange diese Mania anhält. Das ist<br />
sehr teuflisch. In den hundert Tagen &#8211; das entspricht etwa 3 Monaten<br />
&#8211; wo es politische Flitterwochen gibt &#8211; vielleicht dauert es bei ihm<br />
länger, vielleicht weniger, das wissen wir noch nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Dazu auch die nächste Frage:
</p>
<p>
<b>gast0782</b>: Fürchten Sie, dass unter Umständen<br />
durch den Hype um Barack Obama seine Fähigkeiten und vor allem<br />
Möglichkeiten zur Bewältigung der vielen Probleme in den USA<br />
überschätzt werden?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Überschätzung könnte kommen<br />
von Leuten, die weniger Verständnis dafür haben, wie eine<br />
amerikanische Politik zusammengesetzt wird und welchen Zwängen ein<br />
amerikanischer Präsident unterliegt. Die Entscheidungsträger einer<br />
Bundesregierung z.B. haben seit Jahrzehnten mit amerikanischen<br />
Präsidenten zu tun und sie kennen diese Zwänge. Und sie wissen, was<br />
ein amerikanischer Präsident entscheiden kann und was nicht. Andere<br />
Kenner, die beruflich mit internationaler Politik zu tun haben,<br />
werden nicht sehr überrascht. Aber viele seiner Anhänger werden<br />
erst einmal möglicherweise erkennen müssen, dass ein amerikanischer<br />
Präsident nicht einfach reinkommen und alles ändern kann. Amerika<br />
ist ein sehr sehr großes Schiff &#8211; wenn man diese Metapher benutzt &#8211;<br />
und kann nur sehr langsam gelenkt werden.
</p>
<p>
<b>Ihr Benutzername</b>: Barack Obama hat nicht nur in<br />
den USA, sondern weltweit viele Hoffnungen geweckt. Inwiefern glauben<br />
Sie, dass der Faktor Hoffnung sich als ein Zugpferd für einen<br />
tatsächlichen &quot;change&quot; erweisen könnte?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke, dass Barack Obama sehr<br />
viel ändern wird. Alleine wenn man betrachtet, wie viel sein<br />
Vorgänger George W. Bush geändert hat, dann wissen wir, dass es<br />
möglich ist, viel zu ändern. Wenn er in seiner Politik auf<br />
traditionelle Aktivitäten zurück lenkt, wie bisherige Präsidenten<br />
vor George W. Bush, wird dann dieses international sehr gern gesehen<br />
. Er hat gesagt, dass er z.B. die Gefängnisse auf Guantanamo<br />
schließen will. Er hatte auch viele Entscheidungen von Präsident<br />
Bush kritisiert und gesagt, dass er Änderungen machen wird, dass er<br />
auch international mehr mit seinen internationalen Partnern<br />
konsultieren wird. Ich denke, in dieser Richtung kann er etwas<br />
bewirken. Das sind auch Änderungen von Bedeutung. Man hat gesehen:<br />
In wenigen Monaten nach dem 11. September, als eine ganze Welt<br />
praktisch Seite an Seite mit den USA gestanden hat, hat die<br />
US-Regierung sich in eine Quasi-Isolation, die Koalition der<br />
Willigen, bewegt. Ich denke, dass ein Präsident Obama für Amerika<br />
eine viel viel größere Koalition sucht. Das müssen wir abwarten.
</p>
<p>
<b>Arno Nym</b>: Ist nicht bei Obama die Gefahr gegeben,<br />
dass er bei einem erneuten Terroranschlag in den USA gleich doppelt<br />
so hart wie jeder Republikaner reagieren müsste, um zu zeigen, dass<br />
er eine starke Führungspersönlichkeit ist?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich möchte nicht spekulieren,<br />
wir müssen sehen, wie er als Präsident agiert. Man hat aber im<br />
Wahlkampf gesehen, dass er nicht jemand ist, der doll draufhaut, wenn<br />
er unter Druck gesetzt wird. In den Debatten ist er relativ stark<br />
unter Druck gesetzt worden, hat aber gelassen darauf reagiert. Das<br />
ist natürlich nicht zu vergleichen mit einem großen Anschlag, aber<br />
ich möchte ihm nicht unterstellen, dass er im Übermaß reagieren<br />
würde.
</p>
<p>
<b>Daniel Rückenschiedt</b>: Wie hoch ist die Gefahr<br />
einzuschätzen, dass ein Attentat auf Barack Obama ausgeübt wird?<br />
Und von welcher Seite ist damit zu rechnen?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke, es gibt immer Leute,<br />
die Hilfe brauchen, die sich möglicherweise mit Gewalt profilieren<br />
wollen, aber die Fähigkeiten des Personenschutzes haben sich sehr<br />
stark in den letzten Jahrzehnten entwickelt. Ich denke, dass er gut<br />
geschützt ist.
</p>
<p>
<b>dude</b>: Mit ihrem Brief eines Christen aus Obamas<br />
Amerika 2012 hat die christliche Rechte ja noch einmal mit letzter<br />
Kraft und allen Mitteln versucht, Obama zu stoppen &#8211; ohne Erfolg. Wie<br />
denken Sie wird das Verhältnis Obamas zur christlichen Rechten<br />
während seiner Amtszeit aussehen?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke, man kann nicht eine<br />
Politik machen, die allen Leuten recht ist. Es gibt Christen, die<br />
z.B. Obamas Politik ablehnen, weil er sich nicht eindeutig gegen<br />
Abtreibung positioniert. In anderen Fragen aber würden sie ihn<br />
möglicherweise unterstützen. Obama sagte, er will ein Präsident<br />
für alle Amerikaner sein. Wir müssen sehen, wie gut er das schafft.
</p>
<p>
<b>Cakelady</b>: Obama ist der erste Afro-Amerikaner,<br />
der ins Weiße Haus gewählt wurde. Doch noch immer herrschen<br />
Rassismus und Feindseligkeit gegenüber den Schwarzen und<br />
Afro-Amerikanern in einigen großen Teilen der Vereinigten Staaten.<br />
Obama wird immer wieder gerne als zweiter John F. Kennedy bezeichnet,<br />
hat er doch eine gewisse Intelligenz und Rückhalt eines Großteils<br />
der Bevölkerung. Halten Sie es für möglich, dass ihn auch ein<br />
ähnliches Attentat treffen könnte oder er Ziel eines<br />
Terroranschlages werden könnte, gerade wegen seiner Hautfarbe und<br />
Beliebtheit?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Das ist im Grunde die gleiche<br />
Frage wie vorhin. Es gab schon vor wenigen Tagen ein angebliches<br />
Komplott, das vereitelt worden ist. Ich denke, es wird immer solche<br />
Komplotte geben. Er muss damit leben und ich denke, es gibt<br />
Möglichkeiten ihn zu schützen und er wird meiner Ansicht nach<br />
ausreichend geschützt. Aber er muss sich zwischen Volksnähe und<br />
absoluter Sicherheit bewegen. Einen hundertprozentigen Schutz wird es<br />
niemals geben können. Ich möchte nicht, dass er sich in einem<br />
absolut sicheren Raum aufhält und keinen Zugang zu seinem Wahlvolk<br />
bekommt.
</p>
<p>
<b>dagobert</b>: Obama kommt aus einfachen<br />
Verhältnissen, welche Lobby hat er, auf die er sich beim Hinarbeiten<br />
auf einen Wandel stützen kann?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke, er hat sehr viele ganz<br />
normale Leute, natürlich haben die afro-amerikanischen Wähler<br />
großes Vertrauen in ihn. Sicherlich, wenn man das Thema<br />
Wirtschaftskrise betrachtet, die große breite Masse, die<br />
amerikanischen Wähler trauten ihm eher zu als seinem Konkurrenten,<br />
die Anliegen der Normalbürger in seiner Politik zu berücksichtigen,<br />
z.B. dass einfachen Familien geholfen würde. Wenn man eine Situation<br />
hat wie heute, wo viele tausende Familien Angst haben, ihr Zuhause zu<br />
verlieren durch die Hypothekenkrise, dann wird die amerikanische<br />
Bevölkerung von dem neuen Präsidenten verlangen, dass diesen Leuten<br />
geholfen wird. Er wird auch gemessen daran, wie viel Schutz er den<br />
Leuten bieten kann, die ihn gewählt haben.
</p>
<p>
<b>gast33</b>: Wird Obama eine protektionistische<br />
Wirtschaftspolitik durchführen?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Er will nicht als schwach gelten.<br />
Und Protektionismus ist ein Feld, wo es viele Interessen in den USA<br />
gibt. Vor allem in Wirtschaftszweigen wie Textilbranchen oder anderen<br />
gefährdete Branchen, die durch ausländische Konkurrenz gefährdet<br />
sind. Auf der anderen Seite: Die amerikanische Politik ist<br />
international und er hat internationale Partner. Es gibt andere<br />
Branchen in den USA, die davon leben, am internationalen Handel<br />
teilzunehmen. Ich denke, er wird zum Teil protektionistisch<br />
entscheiden und in anderen Situationen weniger. Aber das ist ein<br />
großes Minenfeld für ihn, weil seine Wähler direkt betroffen sind.
</p>
<p>
<b>simone</b>: Mit welchen Maßnahmen könnte es Barack<br />
Obama gelingen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln und den Menschen<br />
mehr Sicherheit zu verschaffen?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke, die Wirtschaft<br />
anzukurbeln ist etwas, was international geschehen muss. Wir haben<br />
gesehen, dass die Rettungsmaßnahmen die gemeinsam gemacht werden,<br />
von z.B. Zentralbanken in vielen Ländern, der Europäischen<br />
Zentralbank, der Bank of England, der Bank in Japan. Obama wird es<br />
nicht im Alleingang machen können. Es gibt in den USA die<br />
Diskussion, ob es ein Rettungspaket geben sollte, auch um die eigene<br />
Wirtschaft anzukurbeln &#8211; das heißt, Geld auszugeben. Er wird jetzt<br />
sicherlich viele Programme anschauen, Vorschläge machen, was die<br />
Regierung tun kann, um Arbeitsplätze zu schaffen. Es kommt heute ein<br />
neuer Arbeitsmarktbericht und es werden sicher keine guten<br />
Nachrichten für die USA sein. Da sind viele hunderttausend<br />
Arbeitsplätze im letzten Jahr verloren gegangen. Eine Politik einer<br />
Bundesregierung, die auch Arbeitsplätze schafft, indem neue<br />
Infrastrukturprojekte gestartet werden und vorhandene Projekte<br />
ausgebaut werden, kann viel stärker wirken als wenn man neue<br />
Projekte startet. Solche Maßnahmen werden gesucht und da kann er<br />
etwas tun.
</p>
<p>
<b>ichbineinberliner</b>: Welche finanziellen Spielräume<br />
hat Barack Obama für die Umsetzung seiner Politik?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Finanziell wird es sicherlich<br />
eng, alleine durch die Tatsache, dass der amerikanische Haushalt<br />
derzeit ein sehr, sehr großes Defizit inne hat, das die<br />
Staatschulden in der Amtszeit von George W. Bush von einem Plus in<br />
ein Minus von vielen Billionen Dollar verschlechtert hat. Durch die<br />
Rettungsmaßnahmen, die jetzt schon bekanntgegeben sind, wird noch<br />
mehr Geld ausgegeben. Auf der anderen Seite: Die amerikanische<br />
Wirtschaft ist sehr groß und es gibt natürlich Raum für neue<br />
Projekte und die Finanzierung von neuen Projekten, so lange es<br />
internationales Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft gibt.<br />
Amerika gilt als ein Land, in das man auch in wirtschaftlich<br />
schwierigen Zeiten investieren kann. Aber Obama muss vorsichtig<br />
agieren, denn dieses Vertrauen darf er auf gar keinen Fall verlieren.
</p>
<p>
<b>gast0782</b>: Während des Wahlkampfes wurde Obama<br />
öfter als Sozialist und manchmal sogar als Kommunist bezeichnet. Für<br />
mich nicht ganz nachvollziehbar. Hängt das mit der Sicht der<br />
Amerikaner auf die &quot;grenzenlose&quot; freie Marktwirtschaft<br />
zusammen oder gibt es andere Gründe dafür?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Da müssen sie eher Herrn McCain<br />
fragen, wieso er ihn als Sozialist beschrieben hat. Ich denke, das<br />
sind Wahlkampfbegriffe. Obama selber würde sich niemals als<br />
Sozialist oder als Kommunist bezeichnen. Im Übrigen gibt es den<br />
Begriff &quot;sozial&quot;, die SPD, oder die CSU haben z.B. diesen<br />
Begriff in ihrem Namen, und niemand bezeichnet sie als sozialistisch<br />
oder kommunistisch.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Stichwort John McCain: Er hat in der<br />
Wahlnacht sehr versöhnliche Töne angeschlagen, hat Sie das<br />
überrascht?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Nein, ich denke, das zeigt<br />
einfach die Tatsache: Wahlkampf ist Wahlkampf und wenn der Wahlkampf<br />
vorbei ist, dann müssen alle Leute sich zusammenschließen, damit es<br />
dem Land die nächsten vier Jahre gut geht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was wird Ihrer Ansicht nach aus Sarah<br />
Palin? Sie scheint ja schon, von einer Kandidatur 2012 zu träumen.
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Sarah Palin wird zunächst nach<br />
Hause gehen, nach Alaska. Es gibt eine große Auseinandersetzung in<br />
der republikanischen Partei über die Rolle, die sie im Wahlkampf<br />
spielte. Wie gut sie mit dieser Kritik umgeht, wird sehr wichtig sein<br />
für ihre politische Zukunft. Aber ich glaube, wir werden mehr über<br />
ihre politischen Chancen wissen, nachdem die ersten Enttäuschungen<br />
von diesem Wahlkampf verflossen sind.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Spekulieren wir mal, mit welchem<br />
Personal wird Obama ins Rennen gehen? Eine erste Entscheidung hat er<br />
ja schon getroffen.
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Er wird jetzt Signale setzen mit<br />
seinen Entscheidungen. Er will Leute benennen, die sofort als<br />
kompetent und zuverlässig gelten. Was er auf gar keinen Fall braucht<br />
, ist ein schneller Rücktritt wegen irgendwelcher Skandale. Zum<br />
Beispiel der Finanzminister: Er wird jemanden ernennen müssen, der<br />
das Vertrauen der Finanzwelt erhält &#8211; das ist eine sehr elitäre<br />
Welt. Er wird aber auch jemanden benennen müssen, der Vertrauen bei<br />
der breiten Bevölkerung findet. Das ist nicht so einfach, weil diese<br />
Leute ein Signal in viele Richtungen senden. Zu den genauen<br />
Personalien möchte ich jetzt noch nichts sagen, denn wir werden<br />
sicher überrascht sein.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Nur eine Frage dazu noch:
</p>
<p>
<b>Mark0001</b>: Wird Powell im Kabinett vertreten sein?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke, dass Obama ihn gerne<br />
in seinem Kabinett gehabt hätte. Colin Powell gilt als loyal und ich<br />
denke, jeder Präsident würde ihn berücksichtigen. Ob Powell das<br />
will ist eine andere Frage. Der Presse war aber zu entnehmen, dass er<br />
nicht zur Verfügung steht.
</p>
<p>
<b>John</b>: War es zu erwarten oder ist es etwas völlig<br />
Neues, dass ein Demokrat sich Republikaner mit ins Boot holt?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Es gab schon einmal so einen<br />
Fall. Präsident Carter z.B. hatte mindestens ein Kabinettsmitglied<br />
in ein anderes Amt übernommen, welches vorher beim republikanischen<br />
Präsidenten aktiv war. Bei Clinton war z.B. auch ein Republikaner im<br />
Kabinett.
</p>
<p>
<b>Wing8613</b>: Bush nannte die Mächtigen der<br />
Wirtschaft stets &quot;seine Basis&quot;.Wird sich Obama gegen den<br />
Lobbyismus behaupten können? Wird er die Macht der Öl-, Automobil-<br />
und Waffenkonzerne eindämmen können?
</p>
<p>
<b>Mark0001</b>: Wird Obama sich an die liberale<br />
Waffengesetzgebung heranwagen?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke, niemand wird alle<br />
Lobbyisten verhindern können. Auch wenn Obama das will, wird er<br />
akzeptieren, dass er viel Rat bekommen wird &#8211; gewollt oder ungewollt.<br />
Er wird diesen Rat bekommen von den Lobbyisten verschiedener<br />
Industriezweige. Er wird aber auch Vorschläge von seiner<br />
Beratermannschaft bekommen und wir müssen dann sehen, wie viel<br />
Einfluss Vertreter aus anderen Organisationen in seiner Regierung<br />
bekommen werden. Da wird er Zeichen setzen mit seinen Entscheidungen.<br />
Ich denke, dass viele seiner Wähler von ihm erwarten, dass er anders<br />
vorgehen wird als George W. Bush. Ich denke selber, dass er sehr viel<br />
stärker die Interessen von normalen Bürgern berücksichtigen wird<br />
als sein Vorgänger.
</p>
<p>
<b>Stephen</b>: Wie denken Sie über das<br />
deutsch-amerikanische Verhältnis unter Obama als Präsident?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke, dass es nun gute<br />
Chancen gibt, dass die Beziehungen besser werden. Übrigens, die<br />
Politik eines demokratischen Präsidenten entspricht vielmehr der<br />
deutschen politischen Mitte als die Politik der republikanischen<br />
Parteien in den USA.
</p>
<p>
<b>Jürgen</b>: Obama hat sich für seine<br />
außenpolitische Wahlkampfrede Deutschland als Tribüne ausgesucht.<br />
Könnte das darauf hindeuten, dass Obama zu Deutschland besondere<br />
Beziehungen pflegen wird?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke, Obama hat diese Bühne<br />
bewusst ausgesucht, weil es schon wichtige internationale Reden in<br />
Berlin gab: John F. Kennedys Rede vor dem Rathaus Schöneberg, Ronald<br />
Reagans Rede am Brandenburger Tor. Er musste sich als staatsmännisch<br />
zeigen und er wusste, dass er viel Begeisterung in Berlin finden<br />
wird, die sich natürlich in Fernsehbildern sehr gut präsentieren<br />
lässt in den USA. Er wollte eigentlich vor dem Brandenburger Tor<br />
sprechen. Ich wäre nicht überrascht, wenn er seine Chance als<br />
Präsident bekommen wird.
</p>
<p>
<b>PeterD</b>: Denken Sie, dass Obama darauf bestehen<br />
wird, dass deutsche Soldaten auch im Süden Afghanistans eingesetzt<br />
werden? Wenn ja, wird die deutsche Regierung darauf eingehen müssen,<br />
um zu Beginn der Regierungszeit Obamas für gute Verhältnisse zu<br />
sorgen?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich glaube nicht, dass diese<br />
Frage entscheidend wird für die deutsch-amerikanischen Beziehungen<br />
und ich glaube auch nicht, dass Obama verlangen oder darauf bestehen<br />
wird, dass die Deutschen mehr Truppen nach Afghanistan schicken. Wie<br />
ich vorhin sagte, denke ich, dass Obama jetzt seine<br />
Afghanistan-Politik finden muss. Und wir wissen nicht, wo dies<br />
hingehen wird. Ich wäre im Übrigen nicht überrascht davon, wenn er<br />
selber darauf hinarbeiten würde, dass die amerikanischen Truppen<br />
abgezogen werden. Das sind alles Fragen, die offen sind. Wir müssen<br />
einfach abwarten.
</p>
<p>
<b>Peter Schreinfeldt</b>: Machen Sie einen Vorschlag:<br />
Wie muss sich Europa verhalten, um einen maximalen Gewinn aus der<br />
neuen Machtkonstellation zu erzielen.
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Ich denke Europa muss auf Obama<br />
zugehen, das werden sie auf jeden Fall tun. Und es sollte eine<br />
beidseitige Bereitschaft geben, eine gemeinsame internationale<br />
Politik in den Feldern der gemeinsamen Interessen zu finden. Es gibt<br />
viele Felder mit gemeinsamen Interessen.
</p>
<p>
<b>jakob7</b>: Obama wirkt im Vergleich zu anderen<br />
Präsidentschaftskandidaten weniger erfahren. Ist es möglich, dass<br />
er dadurch leichter beeinflussbar ist?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Wenn man einen amerikanischen<br />
Präsidenten wählt, wählt man nicht nur eine Person, sondern einen<br />
Präsidenten und 7.000 neue Mitarbeiter. Da wird es viele Experten<br />
geben, die in allen Feldern beraten. Auch viele Leute, die in<br />
früheren Regierungen gearbeitet haben. Und ich denke, es wird von<br />
einem Präsidenten erwartet, dass er ein Alleskönner ist. Aber<br />
natürlich wird es Felder geben, wo er sich stärker beraten lässt<br />
als in anderen. Wir haben im Wahlkampf gesehen, dass er sehr fähig<br />
ist, dass er Koalitionen bilden kann, dass er eine der kreativsten<br />
Strukturen z.B. in der Gewinnung von Spenden und in vielen anderen<br />
Feldern hatte. Zu sagen, dass er unerfahren ist, ist zu kurzsichtig.<br />
Natürlich ist er ein erfahrener Mensch und ich habe überhaupt keine<br />
Angst, dass wir Schwierigkeiten bekommen würden. Wenn man schaut,<br />
wie viel Akzeptanz er gefunden hat: von einem der reichsten Männern<br />
Amerikas (Warren Buffet) bis zu kleinen Leuten, die um ihre<br />
finanzielle Zukunft bangen. Von Bürgerrechtlern bis hin zu Leuten,<br />
die frühere Regierungen mitgetragen haben. Ich denke, er hat eine<br />
breite Unterstützung. Wir müssen uns nur anschauen, wie viele<br />
Glückstränen nach seiner Wahl vergossen worden sind, das war<br />
einmalig.
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<p>
<b>Mame</b>: Gab es irgendwo Berichte über<br />
Wahlbetrug/Manipulation?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Es gab natürlich vor der Wahl<br />
viel Diskussionen über Wahlbetrug. Am Wahltag gab es auch viele<br />
Diskussionen darüber, auch viele Meldungen über Probleme. Aber das<br />
Wahlergebnis war so eindeutig, dass ich denke,diese Diskussion ist<br />
für jetzt beendet.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Die Stunde ist um, lieber Herr<br />
Crawford, was möchten Sie noch loswerden?
</p>
<p>
<b>David Crawford</b>: Barack Obama ist ein<br />
Hoffnungsträger für die ganze Welt und das wird ihm helfen in<br />
seinen ersten Monaten als Präsident. Er wird sicher bemüht sein,<br />
diese Hoffnungen gut als politisches Kapital einzusetzen und es wird<br />
sehr spannend, wie gut er das umsetzen kann. Es gab 1976 eine<br />
ähnliche Wahl von Jimmy Carter, wo es viele Hoffnungen gab und<br />
letztendlich ist er nicht wiedergewählt worden. Er hat jetzt die<br />
Chance mit seiner Antrittsrede im Januar die Begeisterung der<br />
amerikanischen Bevölkerung möglicherweise auszubauen. Es gibt<br />
keinen großen amerikanischen Präsidenten, der keine große Rede<br />
präsentierte bei seinem Antritt. John F. Kennedy hat viel<br />
Begeisterung erzeugt. Obama ist ein guter Redner, er hat viele Leute<br />
inspiriert und wir müssen sehen, wie lange diese Begeisterung<br />
anhält.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das war eine gute Stunde<br />
tagesschau-Chat. Herzlichen Dank, Herr Crawford, dass Sie sich die<br />
Zeit genommen haben, und herzlichen Dank, liebe User, für die vielen<br />
Fragen, die wir leider nicht alle stellen konnten. Das Protokoll des<br />
Chats finden Sie in Kürze zum Nachlesen auf tagesschau.de und<br />
politik-digital.de. Das Team von tagesschau.de wünscht allen noch<br />
einen schönen Tag!
</p>
<p>
&nbsp;</p>
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