<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Dieter Althaus &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/dieter-althaus/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Sun, 08 Oct 2006 23:00:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Dieter Althaus &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>&#8220;Geschlossenheit und Loyalität zur Fuhrung sind entscheidend&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/geschlossenheit-und-loyalitaet-zur-fuhrung-sind-entscheidend-125/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/geschlossenheit-und-loyalitaet-zur-fuhrung-sind-entscheidend-125/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Althaus]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[große Koalition]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/geschlossenheit-und-loyalitaet-zur-fuhrung-sind-entscheidend-125/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Mittwoch, 9. Oktober, <span style="font-size: x-small">war <b>Dieter Althaus:</b>, 
Ministerpräsident von Thüringen, zu Gast im tagesschau-Chat 
in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern 
über die Gesundheitsreform, die Koalition, und Demokratie.</span></span></span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Mittwoch, 9. Oktober, <span style="font-size: x-small">war <b>Dieter Althaus:</b>,<br />
Ministerpräsident von Thüringen, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern<br />
über die Gesundheitsreform, die Koalition, und Demokratie.</span></span></span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich Willkommen<br />
zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist<br />
heute der Ministerpräsident von Thüringen, Dieter Althaus.<br />
Es gibt Ärger in der großen Koalition und damit haben<br />
nicht unwesentlich die Ministerpräsidenten der Union zu tun.<br />
Dieter Althaus ist deshalb, aber nicht nur aus diesem Grund, ein<br />
hoch interessanter Gesprächspartner für uns. Guten Tag,<br />
Herr Althaus, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Jawohl, wir können beginnen.
</p>
<p>
<b>ciao:</b> Ganz direkt: Sind die schlechten Umfrageergebnisse<br />
der Anfang vom Ende der großen Koalition?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Nein, ich denke nicht. Wir haben schwierige Probleme<br />
zu lösen und wir sind jetzt mittendrin, das erste Problem Gesundheitsreform<br />
zu lösen. Die große Koalition wird halten und wird auch<br />
den vorbesprochenen Weg gehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Althaus, laut ARD-Deutschlandtrend ist die Union<br />
bei der Sonntagsfrage um 5 Punkte auf 30 Prozent abgerutscht. Ihre<br />
Partei liegt demnach 3 Punkte hinter der SPD. Wie erklären<br />
Sie sich das?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Es gab eine Anfangseuphorie nachdem in der großen<br />
Koalition unter Bundeskanzlerin Merkel die Union nach der Bundestagswahl<br />
stand, und die Debatten der letzten Tage haben sicher auch Vertrauensverlust<br />
mit sich gebracht. Aber im Grundsatz stehen beide großen Volksparteien<br />
ähnlich da wie im letzten Jahr zur Bundestagswahl. D.h. Arbeit<br />
an den Problemen in Deutschland ist angesagt und im Jahr 2009 muss<br />
es dann auch wieder in den profilierten Wahlkampf gehen.
</p>
<p>
<b>Shaber:</b> Warum kann die SPD zulegen? Vielleicht<br />
weil Sie geschlossener auftritt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die SPD ist im Grundsatz immer eher eine zentralistische<br />
Partei. Wir sind eine föderale Partei und außerdem hat<br />
die SPD erhebliche Führungsprobleme in den letzten Jahren bewältigen<br />
müssen, so dass sie auch daraus ein hohes Maß an aktueller<br />
Geschlossenheit entwickelt. Aber es ist drittens die Aufgabe für<br />
beide Volksparteien, das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit<br />
der Politik zurückzugewinnen. Dabei dürfen wir nicht so<br />
sehr auf die Umfragen schauen sondern uns an den Arbeitsaufgaben<br />
orientieren.
</p>
<p>
<b>dawei:</b> Wieso bekommt man den Eindruck, dass die<br />
CDU beim Thema Gesundheitsreform keine geschlossene Position beziehen<br />
will / kann?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die Gesundheitsreform ist eine der schwierigsten<br />
Reformen. Das haben wir auch in den letzten Jahren gemerkt. Es gibt<br />
zwei ganz unterschiedliche Positionen zwischen der Union und der<br />
SPD. Mit dem jetzt gefundenen Reformkompromiss kann sowohl die Zukunftsfähigkeit<br />
des Systems ermöglicht werden als auch durch mehr Transparenz<br />
und Wettbewerbsfähigkeit bei weiteren Reformschritten gesichert<br />
bleiben. Hierzu wird die Unionsführung auch in den nächsten<br />
Wochen stehen.
</p>
<p>
<b>lucky:</b> Sehr geehrter Herr Althaus! Was soll man<br />
zu diesem Jahrhundertwerk, der Gesundheitsreform sagen? Die richtigen<br />
Ansätze sind da, aber zuviele Lücken im Detail. Vielleicht<br />
sollte man sich überlegen, die Reform von ganz Neuem zu starten.<br />
Wie man sieht, bringen die Kompromisse der SPD und ihrer Partei<br />
nur Streitereien. Auch die acht Euro? Und noch mal ein Prozent vom<br />
Gehalt zusätzlich. Das ist ganz schön viel Geld für<br />
die neuen Bundesländer.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Zum letzten: Die acht Euro sind nicht Additiv zu<br />
dem einen Prozent zu sehen sondern die acht Euro gelten als Grundbeitrag<br />
ohne die ein Prozent-Prüfung. Selbstverständlich bleibt<br />
es darüber hinaus bei der Ein-Prozent-Deckelung. Die SPD will<br />
die Bürgerversicherung und damit eher eine Gesundheitspolitik,<br />
die sich über die Staatsmedizin definiert und die Union möchte<br />
die solidarische Gesundheitsprämie. D.h. durch Transparenz<br />
und Wettbewerb sowohl die Sicherung der Leistung für alle gewährleisten,<br />
aber auch mehr Effizienz ermöglichen. Deshalb muss der Kompromiss<br />
vermitteln. Das gefundene Ergebnis ist unter den gegebenen Umständen<br />
akzeptabel und eröffnet Zukunft.
</p>
<p>
<b>Börries:</b> Sehr geehrter Herr Althaus, wieso<br />
redet die große Koalition immer noch über die umständliche<br />
Gesundheitsreform und wieso wird Ihr guter Vorschlag des bedingungslosen<br />
Grundeinkommens, welches die Fragen der Gesundheitsreform beinhaltet,<br />
nicht diskutiert? Hierzu noch die Frage: Haben Sie sich schon einmal<br />
mit dem Wirtschafter Götz Werner (dm-Drogeriemarkt) über<br />
Ihre Ideen verständigt? Und: herzlichen Dank für Ihre<br />
Idee des Grundeinkommens!
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich bin persönlich überzeugt, dass durch<br />
das Bürgergeld sowohl die Arbeitsmarktprobleme als auch die<br />
Sozialstaatsprobleme besser lösbar sind und viele Gespräche<br />
mit Wissenschaftlern, Unternehmern, Gewerkschaftern und weiteren<br />
bestätigen mich dabei. Auch mit Götz Werner sind wir im<br />
Gespräch. Derzeit gibt es aber auch im Besonderen bei Union<br />
und SPD Vorbehalte gegen eine so umfassende und grundsätzliche<br />
Reform. Viele hoffen noch im System der bestehenden Regeln wieder<br />
mehr Wachstum zu erreichen. Ich werbe für das Bürgergeld<br />
und bin sicher, es wird auf der Tagesordnung bleiben. Ich bin auch<br />
sicher, dass die Durchsetzungsfähigkeit eines solchen Modells<br />
in den nächsten Jahren weiter steigt.
</p>
<p>
<b>Weißwurst: </b>Wie kann es eigentlich sein,<br />
dass Herr Stoiber immer eine Extrawurst für seine Extrapartei<br />
beansprucht?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die Geschichte der Union ist die Geschichte der<br />
zwei Parteien. Das erhöht den Abstimmungsbedarf. Aber es erhöht<br />
auch die Chance, erfolgreich in den Landschaften Deutschlands Politik<br />
zu gestalten. Aber wie für die CDU gilt auch für die CSU,<br />
wir können nur gemeinsam erfolgreich sein. Und das heißt<br />
Geschlossenheit und Loyalität zur Führung und zu den gefundenen<br />
Kompromisslinien sind entscheidend.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie gelten als absolut Merkeltreu &#8211; die jüngsten<br />
Unternehmungen des Herrn Stoiber können Ihnen nicht gefallen.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: In der Politik geht es nicht nach Gefallen und<br />
Nichtgefallen. Ich muss mit öffentlichen Äußerungen<br />
leben. Mein Eindruck ist, wir müssen alle sehr viel mehr dafür<br />
tun, damit das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik<br />
gesteigert wird. Das gilt im Übrigen nicht nur für Deutschland.<br />
Dazu haben alle ihren Beitrag zu leisten und ich rufe auch alle<br />
Kollegen ausdrücklich dazu auf.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Auch Ihre Parteikollegen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Das gilt für alle. Für die CDU, die CSU.<br />
Aber ich meine in der heutigen Verfasstheit der deutschen Demokratie<br />
gilt das auch für alle anderen demokratischen Parteien. Die<br />
Demokratieakzeptanz ist nicht nur in den neuen Ländern rasant<br />
gesunken und diese Warnsignale sollten wir alle ernst nehmen.
</p>
<p>
<b>Name888: </b>Geht Ihnen Herr Stoiber &#8211; wenn man das<br />
mal so unverschämt formulieren darf &#8211; nicht gehörig auf<br />
die Nerven mit eben diesen Sonderwünschen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Gelassenheit ist eine der wichtigen Eigenschaften,<br />
die ich in meiner Funktion haben muss.
</p>
<p>
<b>Schnickschnack: </b>Welche Rolle spielt Frau Ulla<br />
Schmidt eigentlich noch in der Findung einer Lösung bei der<br />
Gesundheitsreform?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Sie ist die zuständige Ministerin und wird<br />
jetzt auch die Detailarbeit, die zu leisten ist, verantworten.
</p>
<p>
<b>Meppen06: </b>Auf Geschlossenheit einzuschwören<br />
ist doch eigentlich ein sicherer Indikator, dass einiges im Argen<br />
liegt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die Welt ist sehr viel komplexer und die Probleme<br />
deutlich mehr als dass nicht auch offene Inhaltsdiskussionen um<br />
den richtigen Weg notwendig wären. Häufig wird das leider<br />
gleich als Streit tituliert. Wenn ich von Geschlossenheit rede,<br />
dann meine ich das Stehen zu einer nach Diskussion gefundenen Linie.
</p>
<p>
<b>Erfurt:</b> Ich habe den Eindruck, dass in diesem<br />
Reformwahn nur die Finanzen betrachtet werden, aber die Bürger<br />
vergessen werden. Sind die zukünftigen Reformen wirklich noch<br />
sozial?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Was ist sozial? Die BRD lebt seit vielen Jahren<br />
über ihre Verhältnisse und finanziert das Soziale damit<br />
auf dem Rücken der Zukunft. Es muss uns wieder darum gehen,<br />
dass jeder einzelne die Chancen zur Beteiligung am Wirtschaftsleben<br />
und an der für ihn notwendigen Solidarität erhält.<br />
Und das heißt, der Staat muss die Regeln für das Wirtschaftsleben<br />
und die Sozialordnung ändern. Dieses tun auch alle Nachbarn<br />
in Europa. Die einen erfolgreicher, die anderen weniger erfolgreich<br />
und Deutschland muss an dieser Stelle deutlich engagierter vorangehen.<br />
Dazu ist die große Koalition aufgerufen und genau auf diesem<br />
Weg befindet sie sich jetzt.
</p>
<p>
<b>lucky:</b> Was geschieht eigentlich, wenn sich die<br />
Krankenkassen gegenüber der Politik quer stellen und diese<br />
Reform ablehnen beziehungsweise nicht umsetzen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Sie müssen sie umsetzen, wenn die Gesetzeskraft<br />
vorhanden ist. Sie haben dann etwa anderthalb Jahre Zeit, sich auf<br />
den Gesundheitsfond einzustellen. Durch den Einstieg in Wettbewerbsstrukturen<br />
und durch mehr Transparenz wird es auch bei den Kassen zu Veränderungen<br />
kommen, die den Patienten dienen.
</p>
<p>
<b>StefanH:</b> Die Gesundheitsreform ist wichtig, ja.<br />
Aber mir kommt es so vor, als wenn sich die Große Koalition<br />
an diesem Punkt geradezu aufhängt. Dabei gibt es wichtigere<br />
Probleme, wie z.B. das des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft. Ging<br />
man die Probleme des Landes vielleicht in der falschen Reihenfolge<br />
an?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Es ist in drei Problemkreisen derzeit dringender<br />
Handlungsbedarf: Wir müssen den Staatshaushalt sanieren, wir<br />
müssen für mehr Wachstum und einen zukunftsfähigen<br />
Sozialstaat reformieren und wir müssen in wesentliche Zukunftsbereiche<br />
wie Bildung, Forschung und Ausbildung noch mehr investieren. In<br />
der großen Koalition gibt es die Verabredung, dass in all<br />
diesen Bereichen durch kleine Schritte positive Veränderungen<br />
erreicht werden Auch die Gesundheitsreform wird Auswirkungen auf<br />
den Arbeitsmarkt haben, z.B. durch die langfristige Abkopplung der<br />
Dynamik der Gesundheitskosten von den Arbeitsmarktkosten. Und außerdem<br />
ist der Gesundheitsmarkt einer der größten Arbeitsmärkte<br />
in Deutschland also auch ganz konkret ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.
</p>
<p>
<b>Shaber:</b> Wird es in der nächsten Legislaturphase<br />
eine neue Gesundheitsreform geben?
</p>
<p>
<b>Rosenflies:</b> Wann muss denn der Entwurf der Gesundheitsreform<br />
zum ersten Mal nachgebessert werden?
</p>
<p>
<b>Pfeil-Magazin:</b> Wird diese Reform beim nächsten<br />
Regierungswechsel nicht eh wieder abgesetzt und eine neue kommt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Nach meiner Kenntnis gab es elf Reformen seit der<br />
Wiedervereinigung und sicher wird auch nach dieser Reform weiterer<br />
Reformbedarf bestehen. Wichtig ist, dass mit der Weichenstellung,<br />
die jetzt vorgenommen wird, die Effizienz des Gesundheitssystems<br />
deutlich gesteigert wird und dass die Rahmenbedingungen für<br />
Leistungserbringer Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und<br />
die Versicherten stabil sind. Beide Parteien, Union und SPD gehen<br />
davon aus, dass sie später auf diesem Kompromiss aufbauend<br />
ihre gesundheitspolitischen Vorstellungen umsetzen können.
</p>
<p>
<b>hubiffm:</b> Ich bin privat krankenversichert, aber<br />
ich denke, die gesetzliche Krankenversicherung und die PKV vermischen<br />
zu wollen (Annahmezwang in der PKV), das geht doch überhaupt<br />
nicht zusammen. Entweder man entzieht der PKV die Daseinsberechtigung<br />
gänzlich oder alles bleibt beim Alten und man nimmt Änderungen<br />
bei Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung vor.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Wir wollen gerade nicht als Union die private Krankenversicherung<br />
in ihrem Bestand und in ihrer positiven Wirkung gefährden.<br />
Das war ein wichtiger Inhaltspunkt in der Auseinandersetzung mit<br />
der SPD. Durch die jetzt gefundenen Kompromisse wird im Gegenteil<br />
das Beispiel der privaten Krankenversicherung auch zum Orientierungspunkt<br />
für die gesetzliche Krankenversicherung.
</p>
<p>
<b>AngelaEngel:</b> Weshalb haben die Bürger Deutschlands<br />
den Eindruck, dass die SPD die Führung in der großen<br />
Koalition übernommen hat? Und warum ist unsere CDU/CSU dem<br />
Anschein nach so ins Hintertreffen geraten?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Angela Merkel trägt die Gesamtverantwortung<br />
für die Bundesregierung und muss in diesen schwierigen Politikfeldern<br />
am Ende vermitteln und auch das Ergebnis konsequent umsetzen. Der<br />
neue Bundesvorsitzende der SPD ist nicht in die Bundesregierung<br />
integriert und hat als Ministerpräsident die Möglichkeit<br />
einer anderen, manchmal auch differenzierteren Betrachtungsweise.<br />
Am Ende kommt es aber darauf an, dass die große Koalition<br />
insgesamt Erfolg hat und wenn sie einen Erfolg für Deutschland<br />
organisieren kann, dann wird das auch ein Erfolg für die Union<br />
und Angela Merkel sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mit anderen Worten: Beck hat keine Verantwortung zu<br />
tragen und kann sich deshalb besser profilieren &#8211; auf Kosten der<br />
großen Koalition und der Union?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Das mag so sein. Am Ende ist es aber wichtig, dass<br />
hier nicht parteipolitisches Kalkül im Mittelpunkt steht, sondern<br />
das Wohl des Landes.
</p>
<p>
<b>Shaber:</b> Die FDP hat Umfrageergebnisse wie noch<br />
nie. Könnte es nach der nächsten Bundestagwahl rot-gelb<br />
heißen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich hoffe nicht. Die Enttäuschungen über<br />
die Kompromissschritte, die gegangen werden, sind natürlich<br />
insbesondere bei den bürgerlichen Wählern festzustellen.<br />
Es bleibt aber dabei: Die Union will im Besonderen die Reformen<br />
für mehr Wirtschaftsdynamik voranbringen und das ist im Ergebnis<br />
dann auch die Vorraussetzung, um den Sozialstaat zukunftsfähig<br />
zu erhalten. Leider gibt es in Deutschland noch Parteien, die lieber<br />
mit populär klingenden Aussagen den Eindruck vermitteln, als<br />
könnte der Sozialstaat rhetorisch gesichert werden, er muss<br />
aber von seinen Grundlagen her erarbeitet werden. Und das heißt:<br />
mehr Freiheit für den Einzelnen und auch mehr Freiheit für<br />
die Wirtschaft.
</p>
<p>
<b>Philipp1984:</b> Werden Sie bei der nächsten<br />
Landtagswahl erneut als Ministerpräsident kandidieren oder<br />
haben Sie bundespolitische Ambitionen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Nein, ich werde 2009 wieder als Kandidat für<br />
das Amt des Ministerpräsidenten antreten und hoffe auf Erfolg.
</p>
<p>
<b>Tante: </b>Warum hat die NPD Ihrer Meinung nach keine<br />
Chance, in den Landtag von Thüringen gewählt zu werden?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Wir müssen dafür arbeiten, dass sie nicht<br />
gewählt wird. Das heißt, wir müssen deutlich machen,<br />
dass diese rechtsradikale Partei weder ein Inhaltsprofil für<br />
eine freiheitliche Gesellschaft noch Personen hat, die glaubwürdig<br />
für die Demokratie stehen. Die NPD schadet der Demokratie und<br />
schadet dem Ruf eines Landes und wenn Wählerinnen und Wähler<br />
ihren Protest über die aktuelle Politik ausdrücken wollen,<br />
dann sollten sie die Alternativen im demokratischen Parteienspektrum<br />
nutzen oder sollten sich vor der Wahl &#8211; auch jetzt schon &#8211; in der<br />
Debatte mit uns über ihre Vorstellungen und unsere Möglichkeiten<br />
in der Politik austauschen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stimmen Sie mir zu. Insbesondere im Osten verlieren<br />
derzeit viele Menschen den Glauben an die Demokratie?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Das ist leider so. Zum Teil gibt es dafür<br />
persönliche Erfahrungsgründe: Lange Zeit arbeitslos zu<br />
sein erhöht nicht das Vertrauen in die handelnde Politik, aber<br />
genau da muss unsere gemeinsame Verantwortung über Parteigrenzen<br />
hinweg wahrgenommen werden. Die Demokratie ist wohl die schwierigste<br />
Staatsform, aber die einzige Staatsform, die dauerhaft Freiheit<br />
und soziale Gerechtigkeit sichern kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie kommt es in diesem Zusammenhang an, wenn Herr Tiefensee<br />
um weitere 15 Jahre Geduld bittet, was die Angleichung der Lebensverhältnisse<br />
im Osten an den Westen anbelangt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Um Geduld zu bitten ist, so denke ich, für<br />
die Politik kein geeignetes Mittel. Politik muss Perspektiven aufzeichnen<br />
und muss durch konkretes Handeln die Menschen ermutigen und gleichzeitig<br />
ihnen ermöglichen, diese Perspektiven zu erreichen. Wir brauchen<br />
junge Menschen in diesem Land und durch langfristige Negativszenarien<br />
erreichen wir nicht, dass sich genau diese jungen Menschen hier<br />
einbringen.
</p>
<p>
<b>muc:</b> Wäre der erfolgreichere Weg, den Rechten<br />
das Wasser abzugraben, nicht eine Bundespolitik, die klare Perspektiven<br />
bietet und keinen Reform-Kompromiss-Hickhack, der alles noch schlimmer<br />
macht?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Klare Politikperspektiven sind wichtig, aber genau<br />
da liegt das Problem. Die Wählerinnen und Wähler haben<br />
im Jahr 2005 eben keine klare Entscheidung gefällt. Weder Union<br />
noch SPD können so ihre Programmatik eins zu eins umsetzen.
</p>
<p>
<b>SaschaDerichs:</b> Sind Sie für einen neuen Versuch,<br />
die NPD verfassungsrechtlich zu verbieten?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich bin kein Jurist. Ich denke, die politische<br />
Auseinandersetzung steht im Mittelpunkt und wenn eine juristische<br />
Auseinandersetzung erneut angestrengt werden soll, müsste der<br />
Erfolg gesichert sein. Sonst geht die NPD indirekt gestärkt<br />
aus einem solchen Verfahren hervor. Zu allererst muss die Demokratie<br />
lernen, mit den Gegnern der Demokratie durch politische Auseinandersetzung<br />
erfolgreich zu bleiben.
</p>
<p>
<b>Trollo:</b> Warum ziehen Sie gegen das Bürgerbegehren gegen das<br />
thüringische Erziehungsgesetz gerichtlich zu Felde? Glauben<br />
sie nicht an den mündigen Bürger?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Noch ist erstens die Entscheidung nicht gefällt<br />
und zweitens ist die Aussage des Verfassungsgerichtshofes sehr eindeutig:<br />
Volksbegehren sind nur möglich, wenn sie nicht deutlich in<br />
die Landeshaushaltsgesetzgebung eingreifen. Genau das wird geprüft<br />
und morgen wird entschieden. Es ist besser, die Rechtsfragen vor<br />
einem Volksbegehren zu beantworten als danach. Darin waren sich<br />
SPD, PDS und Union in der letzten Legislaturperiode einig.
</p>
<p>
<b>Mowo:</b> Was sagen Sie als ehemaliger Lehrer, Direktor<br />
und Kreisschulrat zur Diskussion um die &quot;Verwahrlosung&quot;<br />
der Schule in Deutschland? Und inwieweit ist es überhaupt möglich,<br />
an die Elternhäuser der &quot;Problemkinder&quot; heranzukommen?<br />
Denn viele Probleme würden doch durch mehr Kontrolle und Fürsorge<br />
durch die Eltern gelöst, oder?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die Eltern zu stärken, ihnen zu helfen und<br />
sie auch zu fordern, ihre Erziehungspflicht wahrzunehmen, ist ganz<br />
entscheidend. Und deshalb ist es auch wichtig, dass in Deutschland<br />
dem Thema Erziehung wieder ein wichtiger Stellenwert zukommt. Über<br />
Jahrzehnte ist Eltern und auch Lehrern von bestimmten politischen<br />
Gruppen ausgeredet worden, als Autoritäten aktiv zu sein. Erziehung<br />
beginnt immer durch das konkrete Vorbild und deshalb brauchen wir<br />
auch eine enge Partnerschaft zwischen Lehrern und Eltern. Dort aber,<br />
wo die Eltern oder Alleinerziehende ihre Pflicht überhaupt<br />
nicht erfüllen, muss der Staat handeln, damit am Ende nicht<br />
die Kinder oder Jugendlichen die Leidtragenden sind. Außerdem<br />
ist es wichtig, dass wir im Besonderen dort, wo eine große<br />
Anzahl von ausländischen Mitschülerinnen und Mitschülern<br />
vorhanden sind, mehr für die Integration getan wird.
</p>
<p>
<b>Sagenhaft:</b> Stichwort Atomkraft: werden Sie es<br />
schaffen, das Wahlversprechen der SPD zu brechen und damit der Stromlobby<br />
entgegenzukommen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Deutschland ist mit Technologieführer auf<br />
diesem Gebiet und hat die modernsten und sichersten Atomkraftwerke.<br />
Es muss uns gelingen, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten<br />
die regenerativen Energien stärker genutzt werden können,<br />
um damit sowohl die fossilen Energieträger als auch später<br />
die Atomenergienutzung einzuschränken und zu überwinden.<br />
Aus technischer Sicht ist die Diskussion in Deutschland nicht zu<br />
verstehen. Sie begründet sich fast ausschließlich ideologisch.
</p>
<p>
<b>AndreasKrug:</b> Eine Länderfrage: Die Union<br />
ist in Thüringen im Sturzflug, die SPD gewinnt an Boden. Glauben<br />
Sie an eine erneute absolute Mehrheit 2009, Herr Althaus?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich glaube nicht nur daran sondern ich arbeite<br />
dafür und wir stehen mitten in den notwendigen Umsetzungen<br />
unserer Politik. Ich denke heute nicht schon an Wahlen, sondern<br />
meine ganze Aufmerksamkeit dient dem Land und seiner weiteren positiven<br />
Entwicklung.
</p>
<p>
<b>Mage81:</b> Also ich finde, dass die &quot;Wähler&quot;<br />
eine klare Entscheidung getroffen haben, denn wir hatten ca. 50%<br />
Nichtwähler. Aber von den Politikern wurde dies wieder mal<br />
nicht als Problem erkannt.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Doch. Das Problem der Nichtwähler ist genauso<br />
erkannt wie das Problem, dass sich die Wähler nicht entschieden<br />
haben. Nur die Konsequenz der Politik kann eben nicht sein, dass<br />
wir uns zurückziehen. Sondern wir müssen aus dem schwierigen<br />
Wahlergebnis eine handlungsfähige Mehrheit bilden und das ist<br />
jetzt die große Koalition. Alle Bürger in Deutschland<br />
tragen Verantwortung für die Demokratie auch für ihr Tun<br />
oder Lassen müssen sie sich rechtfertigen.
</p>
<p>
<b>E-tutor:</b> Herr Althaus, wie stehen Sie zu dem heute<br />
vorgenommen Atomwaffentest durch Nordkorea? Welche Konsequenzen<br />
wird dieses nach Ihrer Einschätzung haben?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die internationale Staatengemeinschaft hat klare<br />
Absprachen getroffen, denen Nordkorea zuwider handelt. Die UNO und<br />
der Sicherheitsrat müssen sich deshalb mit diesen Atomwaffentests<br />
beschäftigen und einen Weg suchen, wie auch Nordkorea sich<br />
an diese internationale Abmachungen hält.
</p>
<p>
<b>hartes-hartz:</b> Sie wollen ja jetzt beim Arbeitslosengeld<br />
II die Bedingungen für die Arbeitsaufnahme verschärfen.<br />
Unterstützen Sie das? Wie viele Millionen Euro Einsparung versprechen<br />
Sie sich denn davon?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Im Gegenteil, wir wollen nicht die Bedingungen<br />
für die Arbeitsaufnahme verschärfen sondern wir wollen<br />
die Anreize für die Arbeitsaufnahme verstärken. Das gelingt<br />
auch dadurch, dass wir uns bemühen, dem Grundsatz zu folgen,<br />
dass diejenigen, die zumutbare Arbeit ablehnen, Sanktionen erhalten.<br />
Dies ist auch deshalb fair, weil viele in Deutschland für ihren<br />
Lebensunterhalt hart arbeiten und das häufig auch im Niedriglohnbereich.<br />
Es mag sein, dass der Ausgangspunkt der Diskussion auf Bundesebene<br />
die gestiegenen Ausgaben sind. Für mich ist es vielmehr die<br />
Frage, wie wir wieder mehr Menschen in reguläre Arbeit bekommen.<br />
Es kann uns nicht egal sein, wenn immer mehr Menschen ohne Möglichkeit,<br />
durch eigene Arbeit die Existenz zu sichern, letztlich in eine vollkommene<br />
Abhängigkeit von der öffentlichen Hand geraten.
</p>
<p>
<b>Philipp1984: </b>Von Seiten der SPD (Struck, Beck)<br />
wird oft gegen Frau Merkel gestichelt und Ihre Autorität in<br />
der Partei in Frage gestellt. Warum stärken die Unions-Ministerpräsidenten<br />
ihr nicht demonstrativ den Rücken, um Geschlossenheit zu demonstrieren?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich bin da sicher der Falsche, der diese Frage<br />
beantworten muss, weil ich die Auffassung teile, dass wir Angela<br />
Merkel in ihrer schwierigen Aufgabe den Rücken stärken<br />
müssen. Ich sage das nicht nur wegen Angela Merkel und ihrer<br />
Funktion, sondern im Besonderen wegen der schwindenden Akzeptanz<br />
der Demokratie und ihrer Verfahren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Teilen Sie denn den Befund, dass ihr von den Ministerpräsidenten<br />
nicht demonstrativ der Rücken gestärkt wird?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Nein, die Sozialdemokraten haben ja das Pech &#8211;<br />
oder das Glück aus ihrer Sicht, dass sie kaum Ministerpräsidenten<br />
haben und deshalb ist es ein besonderer Wert, dass die Union in<br />
Berlin die Hauptverantwortung trägt aber dazu auch noch in<br />
elf Ländern. Und es hat in den letzten Monaten seit Bestehen<br />
der Bundesregierung nicht ein einziges Bundesratsverfahren gegeben,<br />
das Ministerpräsidenten nicht im Sinne der Bundesregierung<br />
entschieden hätten.
</p>
<p>
<b>Baumann:</b> Herr Ministerpräsident, hat die<br />
Bundeskanzlerin als ostdeutsche Politikerin eine ganz besondere<br />
Aufgabe zu erfüllen, der sie eigentlich gar nicht gerecht werden<br />
kann?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Sie trägt die Erfahrungen aus der DDR-Zeit<br />
und auch aus der Wendezeit mit sich. Und sie wirkt im Besonderen<br />
auch für das Zusammenwachsen in Deutschland. Es ist ein Beweis<br />
für den Fortschritt bei der deutschen Einheit, dass in der<br />
Union sowohl die Führung der Partei als auch die Kanzlerschaft<br />
durch eine Ostdeutsche wahrgenommen wird. Hier haben andere Parteien<br />
noch erheblichen Nachholbedarf.
</p>
<p>
<b>Trollo:</b> Wo wird Deutschland am Ende der Legislaturperiode wirtschaftlich<br />
und gesellschaftlich stehen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Schwere Frage. Ich hoffe, dass wir durch die Reformen<br />
den jetzt sichtbaren Wirtschaftaufschwung Rückenwind verleihen<br />
können. So dass die Arbeitslosigkeit weiter sinkt, die Zukunftsfähigkeit<br />
der Sozialsysteme verbessert ist und der Standort Deutschland international<br />
und national, das heißt auch für junge Menschen wieder<br />
attraktiver wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um<br />
Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Dieter Althaus, der sich für<br />
uns Zeit genommen hat. Der nächste Chat findet am Montag, dem<br />
16. Oktober statt. Unser Gast ist dann ab 16.00 Uhr der Präsident<br />
der Deutschen Forschungsgesellschaft, Ernst-Ludwig Winnacker. Das<br />
letzte Wort gehört Ihnen, Herr Althaus.
</p>
<p><b>Dieter Althaus:</b> Es waren spannende und vielfältige<br />
Fragen, die beweisen, wie viele Menschen interessiert sind an den<br />
aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen. Ich ermuntere sie auch<br />
weiterhin: Bleiben sie aktiv, die Demokratie, wir alle brauchen<br />
sie. Vielen Dank.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/geschlossenheit-und-loyalitaet-zur-fuhrung-sind-entscheidend-125/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mutig, klar und ehrlich. Dieter Althaus über das Wahlprogramm der CDU/CSU.</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/mutig-klar-und-ehrlich-dieter-althaus-ueber-das-wahlprogramm-der-cducsu-198/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/mutig-klar-und-ehrlich-dieter-althaus-ueber-das-wahlprogramm-der-cducsu-198/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tim Geelhaar]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Jul 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Althaus]]></category>
		<category><![CDATA[Umsatzsteuer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/mutig-klar-und-ehrlich-dieter-althaus-ueber-das-wahlprogramm-der-cducsu-198/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Dieter Althaus, Ministerpräsident 
des Landes Thüringen, war am 13. Juli zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Im Vordergrund 
stand das Wahlprogramm der CDU/CSU. Althaus rechtfertigte abermals 
den Plan zur Erhöhung der Mehrwertsteuer.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Dieter Althaus, Ministerpräsident<br />
des Landes Thüringen, war am 13. Juli zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Im Vordergrund<br />
stand das Wahlprogramm der CDU/CSU. Althaus rechtfertigte abermals<br />
den Plan zur Erhöhung der Mehrwertsteuer.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator: </b>Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe wird veranstaltet<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und unterstützt von<br />
tagesspiegel.de. Heute ist Thüringens Ministerpräsident<br />
Dieter Althaus unser Gast. Er chattet mit uns aus seinem Büro<br />
in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Guten Tag, Herr<br />
Althaus! Sind Sie bereit?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Ja, ich freue mich auf den Chat!
</p>
<p>
<b>Silbermond:</b> Wann werden die Wähler erfahren,<br />
mit welchem Team Angela Merkel in den Wahlkampf zieht und ob Sie<br />
dabei sein werden?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Das kann ich nicht sagen. Ich<br />
gehe davon aus, dass Angela Merkel ihr Team in den nächsten<br />
zwei Wochen bestimmt. Und ich gehe nicht davon aus, dass ich dabei<br />
sein werde, da ich Ministerpräsident von Thüringen bin.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Würden Sie denn wollen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Ich habe in Thüringen ein<br />
umfassendes Programm für die Wahlperiode vorgenommen und das<br />
arbeite ich ab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Also ein klares Nein?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>doro34:</b> Glauben Sie nicht, dass mit dem Steuerkonzept<br />
der CDU mal wieder die Arbeitnehmer die Leittragenden sein werden?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Nein. Das Wichtigste ist, neue<br />
Arbeitsplätze zu bekommen. Und das erreichen wir nur durch<br />
Wirtschaftswachstum. Dazu stellt die CDU ihre Programmatik auf.
</p>
<p>
<b>Gandalf:</b> Häufiger hört und liest man,<br />
dass die Finanzmittel für den Aufbau-Ost zu einem großen<br />
Teil für laufende Ausgaben statt für Zukunftsinvestitionen<br />
ausgegeben werden (müssen). Wie lassen sich die Aufbau-Ost-Mittel<br />
besser/gezielter nutzen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> An dieser Stelle gibt es sehr<br />
viel oberflächliche Diskussion. Ein Land wie Thüringen<br />
lebt nur zu etwa 45 Prozent von eigenen Steuereinnahmen, das heißt:<br />
all das, was wir tun, ist zu einem großen Teil durch Dritte<br />
finanziert. Seien es die Aufbau-Ost-Mittel oder auch europäische<br />
Mittel.
</p>
<p>
<b>Paulchen Panther:</b> Merkel will den Ostbeauftragten<br />
abschaffen; haben Sie nicht Angst, dass Frau Merkel den Osten besonders<br />
hart ran nimmt; damit es nicht heißt, sie bevorzuge ihre Heimat?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Nein, wichtig ist, dass das ganze<br />
Kabinett dem Aufbau Ost Priorität beimisst und das Angela Merkel<br />
als Kanzlerin ebenfalls diese Priorität beachtet. Und sie wird<br />
das tun, aus ihrer konkreten Kenntnis über die Lage.
</p>
<p>
<b>Worbiser:</b> Herr Ministerpräsident, sehen Sie<br />
ernsthafte Chancen einer großen Koalition im Falle der Neuwahl?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Nein, eine große Koalition<br />
sollten wir nicht anstreben. Wir brauchen klare Richtungsentscheidungen<br />
für Deutschland und keine Kompromisse, die letztlich dem Wirtschaftswachstum<br />
im Wege stehen.
</p>
<p>
<b>flyhigh3:</b> Lieber Herr Althaus, Sie haben der SPD<br />
vorgeworfen, sie zeige Wankelmut im Umgang mit der Linkspartei.<br />
Ist es nicht auch sehr wankelmütig, wenn auf einmal die Mehrwertsteuererhöhung<br />
von der CDU gefordert wird?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Im Gegenteil, das ist mutig. Weil<br />
es für eine sinnvolle Reform, Arbeitskosten wettbewerbsfähiger<br />
zu machen, auch die Gegenfinanzierung angibt.
</p>
<p>
<b>Fraunhof:</b> Herr Althaus, vor einem Jahr sprach<br />
Herr Stoiber noch von Gift für die Binnenkonjunktur, als die<br />
Rede von der Mehrwertsteuer-Erhöhung war. Nun fordert er sie<br />
selbst. Eigenheimzulage, Pendlerpauschale: gleiches Szenario. Warum<br />
sollte ich eine so unglaubwürdige Union trotzdem wählen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Das ist etwas zu allgemein. Wir<br />
haben immer eine Mehrwertsteuererhöhung als isolierte Maßnahme<br />
ausgeschlossen. Nun wird sie kommen, um die Lohnnebenkosten zu senken<br />
und gleichzeitig wird eine große Steuerreform auf den Weg<br />
gebracht. Und auch die Absenkung der Eigenheimzulage und die Veränderung<br />
der Pendlerpauschale ist nicht kategorisch ausgeschlossen worden,<br />
sondern wir wollten diese immer im Zuge der großen Steuerreform<br />
verändern. Genau darum ging der Streit im Jahr 2003 und 2004.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Bräuchten nicht gerade die Länder<br />
im Osten dringend die Mehreinnahmen aus der Mehrwertsteuer?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Wir brauchen vor allem mehr Wachstum<br />
und mehr Beschäftigung, sonst können wir unsere Ziele,<br />
die Gleichwertigkeit neuer und alter Länder zu erreichen, nicht<br />
realisieren.
</p>
<p>
<b>gierschlund:</b> Frau Merkel gibt offen zu, dass sie<br />
nicht die Wahrheit sagt um die Wahl zu gewinnen (aktueller Spiegel).<br />
Glauben sie eine so offensichtliche Wählerverschaukelung könnte<br />
nach hinten losgehen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus: </b>Unser Wahlprogramm ist ehrlich<br />
und klar. In allen grundsätzlichen Bereichen. Wie Details von<br />
Gesetzen aussehen, kann sie aus der Opposition heraus glaubwürdig<br />
heute nicht sagen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ihr Koalitionspartner in spe, die FDP,<br />
attackiert sie heftig &#8211; was steckt dahinter?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Die Hoffnung, sich auf Kosten<br />
der Union zu profilieren. Nach meiner Meinung eine Illusion. Wir<br />
müssen gemeinsam den Wechsel in Deutschland erreichen und deshalb<br />
müssen wir auch den Streit mit Rot-Grün in den Mittelpunkt<br />
der Auseinandersetzung bringen.
</p>
<p>
<b>Knollremmiw:</b> Stichwort Ehrlichkeit: Auf welche<br />
Beschneidungen müssen sich die Menschen in Deutschland einstellen,<br />
wenn die Union regiert?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Ich halte nichts von diesen martialischen<br />
Formulierungen vieler meiner Kollegen. Deutschland lebt über<br />
seine Verhältnisse, der Sozialstaat in der heutigen Form hat<br />
keine Zukunft und wir verlieren Tag für Tag etwa 1000 sozialversicherungspflichtige<br />
Beschäftigungen. Wir müssen wieder mehr Freiheitsräume<br />
für den Einzelnen erschließen, den Staat verschlanken<br />
und die Voraussetzungen für Wohlstand durch Wirtschaftswachstum<br />
sichern. Dann kann auch der Sozialstaat zukunftsfähig umgebaut<br />
und erhalten werden. Wenn alles so bleibt, wie es ist, kann weder<br />
der Wohlstand noch der Sozialstaat die Chancen des Einzelnen sichern<br />
und deshalb muss reformiert werden.
</p>
<p>
<b>brain:</b> Ist es nicht eher an der Zeit seine Wirtschaft<br />
so gestalten, dass sie nicht mehr vom permanenten Wirtschaftswachstum<br />
abhängig ist. Die Märkte sind bei uns doch alle nahezu<br />
gesättigt. Es finden doch fast nur noch Umverteilungen statt.<br />
Wie soll denn da noch ein Wirtschaftswachstum möglich sein?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Wenn es so wäre, wie Sie<br />
vermuten, müssten wir uns auf umfassenden Wohlstandsabbau und<br />
auf ein deutliches Weniger an Sozialstaatssicherung einstellen.<br />
Ich glaube, es gibt in Deutschland, in Europa und noch mehr in vielen<br />
Teilen der Welt erhebliche Potentiale für Wirtschaftswachstum<br />
und Deutschland kann hier mit der menschlichen Chance und den Technologie-Möglichkeiten<br />
sehr viel bewegen. Wer auf Verteilung setzt, und dies als einzige<br />
Perspektive in den Blick nimmt, hat für Deutschlands Zukunft<br />
resigniert.
</p>
<p>
<b>HerrHerrmannMann:</b> Was bieten Sie eigentlich den<br />
Gruppen an, die am meisten unter einer Mehrwertssteuererhöhung<br />
zu leiden hätten? Z.B. Rentner und Studenten (und gerade die<br />
letzten wurden ja jetzt erst durch die Einführung der Studiengebühren<br />
extrem gebeutelt).
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Studiengebühren sind noch<br />
nicht eingeführt und wenn sie eingeführt werden, verbessern<br />
sie die Chancen von Studenten weil dann mehr Möglichkeiten<br />
für Forschung und Lehre an den Universitäten gegeben werden.<br />
Den Rentnern bietet eine Verbesserung der Wirtschaft in Deutschland<br />
die Chance einer sicheren Prognose über die Rentenentwicklung.<br />
Derzeit werden die Rentenkassen durch den Staat erheblich subventioniert,<br />
weil zu wenig Beitragszahler die Stabilität der Renten sichern.<br />
Das ist der Preis der hohen Arbeitslosigkeit.
</p>
<p>
<b>Börsenfeger:</b> Wie wollen Sie die Arbeitslosen<br />
in die Zukunft mitnehmen, wenn Sie diesen weitere finanzielle Einbußen<br />
bescheren, wie etwa die Mehrwertsteuererhöhung, da diese von<br />
den Senkungen der Lohnnebenkosten nichts haben werden?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Doch, sie werden erheblich davon<br />
profitieren. Denn sie bekommen wieder die Chance, durch Wirtschaftswachstum<br />
Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Derzeit wird zu sehr<br />
auf das Halten der Arbeitsplätze geschaut und zu wenig darauf,<br />
dass wir neue Arbeitsplätze brauchen, um den Arbeitslosen wieder<br />
eine Perspektive zu geben.
</p>
<p>
<b>giovanni:</b> Herr Althaus, sehen Sie die neue linke<br />
Wahlalternative um Herr Lafontaine als große Bedrohung für<br />
das CDU-Wahlergebnis?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Ich sehe diese Wahlalternative<br />
als Bedrohung für das freiheitliche Deutschland. Mit Rezepten<br />
von gestern versuchen Lafontaine und Gysi auf demagogische Art und<br />
Weise, Stimmen zu fangen. Ich hoffe darauf, dass das Wahlergebnis<br />
eine klare Perspektive für eine von Union und FDP geführte<br />
Regierung ermöglicht.
</p>
<p>
<b>Kuehne:</b> Ich habe nicht verstanden, warum Studiengebühren<br />
bessere Chancen für StudentInnen bedeuten?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Unsere Universitäten müssen<br />
sich im internationalen Wettbewerb beweisen. Nur dann werden sie<br />
dauerhaft erfolgreich ausbilden können. Und deshalb können<br />
durch Studiengebühren die finanziellen Möglichkeiten der<br />
Universitäten verbessert werden. Und das bringt ihnen Chancen<br />
für diesen Wettbewerb. Wichtig ist, dass Studiengebühren<br />
sozial und zukunftsverträglich organisiert werden und zum anderen<br />
nicht zur Sanierung von Haushalten, sondern zur Förderung von<br />
Forschung und Lehre an den Universitäten benutzt werden.
</p>
<p>
<b>ich bins:</b> Kommen die Studiengebühren denn<br />
den Universitäten und Fachhochschulen direkt zugute, oder werden<br />
mit dem Geld nur andere Löcher gestopft?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Nein, sie müssen direkt den<br />
Universitäten und Fachhochschulen zugute kommen.
</p>
<p>
<b>hennes:</b> Sehen Sie es nicht als problematisch an,<br />
dass die Union die Wahl höchstwahrscheinlich aus Verärgerung<br />
über die Maßnahmen gewinnen wird, die von der CDU maßgeblich<br />
mitgestaltet wurden (Hartz IV, Gesundheitsreform)? Mit anderen Worten:<br />
Die Union wird in ihrer Regierungszeit vor den gleichen Akzeptanzproblemen<br />
stehen wie Rot-Grün, da angesichts der Globalisierung sich<br />
das Wirtschaftswachstum auch unter Ihnen nicht so von heute auf<br />
morgen kommt.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Es ist richtig. Die Arbeitsmarktreform<br />
war notwendig. Aber schon bei der Gesundheitsreform hatten wir vom<br />
Grundsatz weitergehende Vorstellungen. Selbstverständlich muss<br />
aber die Opposition richtige Wege mittragen und deshalb haben wir<br />
hier nicht blockiert. Anders im Übrigen die SPD, die die Gesundheitsreform<br />
aus den 90er Jahren rückgängig gemacht hat und deshalb<br />
das Problem verschärft hat. Wenn wir auf Wirtschaftswachstum<br />
setzen, dürfen wir aber nicht wie Rot-Grün nur ein oder<br />
zwei Maßnahmen in den Blick nehmen, sondern wir müssen<br />
ein umfassendes Reformprogramm umsetzen. Genau das steht in unserem<br />
Programm: Reformen am Arbeitsmarkt, Reformen bei den sozialen Sicherungssystemen,<br />
im Steuerrecht und eine Verschlankung des Staates.
</p>
<p>
<b>Spd-Am Ende?:</b> Was halten Sie vom Wahlmanifest<br />
der SPD?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Es ist eine Mischung aus Populismus<br />
und realen, auch umsetzbaren Programmpunkten. Was mich am meisten<br />
enttäuscht ist die Positiv-Darstellung nach 7 Jahren rot-grün,<br />
die durch die Realität nicht gedeckt ist, und die die Abschiebung<br />
aller Probleme, die Deutschland hat, auf 16 Jahre Kanzlerschaft<br />
Helmut Kohl. So einfach darf es sich eine Partei, die in Regierungsverantwortung<br />
steht, und dies schon in der zweiten Legislaturperiode, nicht machen.<br />
Aber auch, dass die SPD richtigerweise den Spitzensteuersatz von<br />
53 auf 42 in Stufen gesenkt hat und dies nicht erwähnt, wohl<br />
aber mit ihrer Reichensteuer polemisiert, zeigt die Unverantwortlichkeit<br />
der Autoren dieses Programms.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ihr eigenes Wahlprogramm bezeichnet<br />
die Union als ehrlich &#8211; aber ist es auch mutig? Sind nicht noch<br />
viel größere Grausamkeiten unausweichlich?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Ich denke, dass die wichtigsten<br />
Programmteile enthalten sind. Und darauf wird sich auch die Regierungszeit<br />
stützen.
</p>
<p>
<b>Ka5:</b> &#8230;ach ja, Herr Stiegler hat sich im Ton<br />
vergriffen &#8211; und dann gibt es da noch den Gorbatschow-Goebbels-Vergleich<br />
eines Herrn Kohl. Wie empört sind Sie, Herr Ministerpräsident?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Die Aussage von Herrn Stiegler<br />
ist unerträglich und Herr Kohl hat sich für diese Aussage<br />
bei Gorbatschow schon vor vielen Jahren entschuldigt.
</p>
<p>
<b>bienemaja:</b> Was erwarten Sie sich von einem wahrscheinlichen<br />
Koalitionspartner FDP?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Dass er die grundsätzlichen<br />
arbeitsmarkt-, sozial- und wirtschaftspolitischen Programmpunkte<br />
der Union in der aktiven Regierungszeit unterstützt. Die FDP<br />
plädiert für eine starke, an der Wirtschaft ausgerichtete<br />
Politikoffensive. Genau das wird mit unserem Programm erreichbar<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Johannes K. Berner:</b> Hallo Herr Althaus, welche<br />
Branchen sehen Sie als zukunftsträchtig für Deutschland:<br />
Wie bewerten Sie die Chancen für die deutsche Wirtschaft, die<br />
durch freie Software entstehen könnte, wenn man sie fördern<br />
würde?
</p>
<p>
<b>Fraunhof:</b> Welche weiteren Pläne zur Finanzierung<br />
stehen für die Realisierung des Wahlprogramms bereit?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Starke Branchen sind zum Beispiel<br />
die Bio-Technologie, die optische Industrie, die Mikroelektronik<br />
und Mechatronik, die Nano-Technologie und all das was mit diesen<br />
Branchen in Blick auf anwendungsorientierte Umsetzung verbunden<br />
ist. Dazu gehört selbstverständlich auch die Software.<br />
<br />
Zur Frage von Fraunhof: Zum einen die Erhöhung der Mehrwertssteuer<br />
um 2 Prozentpunkte, außerdem werden Steuersubventionen und<br />
andere Subventionen abgebaut, sowie Steuer-Schlupflöcher geschlossen.<br />
Und im Ergebnis muss durch ein stärkeres Wirtschaftswachstum<br />
die Arbeitslosigkeit reduziert werden und die Steuer-Einnahmen müssen<br />
wieder erhöht werden.
</p>
<p>
<b>Gandalf:</b> Seit gut einem Jahr ist Thüringen<br />
nicht mehr Außengrenze der EU. Was hat sich aus Ihrer Sicht<br />
positiv/negativ mit der EU-Osterweiterung für Thüringen<br />
verändert?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Es überwiegen die positiven<br />
Erfahrungen. Der Thüringer Mittelstand baut ein intensives<br />
Netzwerk mit den osteuropäischen Nachbarn auf. Das hilft in<br />
Osteuropa und trägt zur Wettbewerbsfähigkeit der Thüringer<br />
Unternehmen ebenso bei.
</p>
<p>
<b>ohne:</b> Welche besondere Unterstützung bietet<br />
Ihr Bundesland jungen und alten Existenzgründern?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Es gibt eine ganze Reihe von konkreten<br />
Unterstützungsangeboten: Existenzgründerdarlehen, Gründungs-<br />
und Wachstumsfinanzierung. Und günstig ist, wenn Sie sich einmal<br />
direkt bei uns zu Details erkundigen.
</p>
<p>
<b>DeMa:</b> Als Thüringer ist die Stimmung in Thüringen<br />
unter Ihrer Führung sehr unzufrieden! Beispiel: Schließung<br />
von Ämtern und Schulen, Gebühren (Erhöhung) für<br />
Kindergarten etc.? Wollen Sie nicht Ihre Richtung mal wechseln?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus: </b>Ich habe eine andere Erfahrung<br />
von der Stimmung in Thüringen. Und deshalb werde ich die eingeschlagene<br />
Richtung beibehalten. Denn wir brauchen in Thüringen mehr Kraft<br />
für Familie, Bildung und Mittelstand und genau dies werden<br />
wir erreichen.
</p>
<p>
<b>ronnybock: </b>Was tut die CDU gegen die Rechtsextremen?<br />
Ist zu befürchten, dass viele in Thüringen aus Unzufriedenheit<br />
mit SPD und CDU rechtsextrem wählen werden?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Die Rechtsextremen müssen<br />
von allen Demokraten bekämpft werden. Dazu sind wir als Staat<br />
aufgerufen, aber dies ist auch eine Aufgabe für jeden Bürger,<br />
dem Freiheit und Demokratie wichtig sind. An dieser wichtigen Zielstellung<br />
sind die Programme des Freistaats Thüringen ausgerichtet und<br />
das bürgerschaftliche Engagement ist ebenfalls in dieser Frage<br />
deutlich wahrzunehmen. Der Bürgerpreis, der für dieses<br />
Engagement spricht, zeigt dies mit allem Nachdruck.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal zu Herrn Stiegler:
</p>
<p>
<b>Jo-man:</b> Denken Sie, Herr Ministerpräsident,<br />
Herr Stiegler sollte zurücktreten?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus: </b>Er hat sich disqualifiziert mit<br />
dieser aussage und da er vor einigen Wochen auch den Bundespräsidenten<br />
beschimpft hat, sollten er und seine Freunde ernsthaft darüber<br />
nachdenken, ob er wirklich der richtige Mann zur Führung der<br />
bayerischen SPD ist.
</p>
<p>
<b>Alex Dresden01:</b> Welche außenpolitische Schwerpunkte<br />
möchte die Union setzen? U.a. zum ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat,<br />
Auslandseinsätze, Zentrum der Vertreibung Berlin etc.?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Einen UN-Sicherheitsrat-Sitz braucht<br />
Deutschland nicht. Aber selbstverständlich müssen wir<br />
unsere internationale Verantwortung so wie in den letzten Jahren<br />
auch zukünftig wahrnehmen. Zum Zentrum für Vertreibung<br />
gibt es eine Konzeption, die im Grundsatz von uns mitgetragen wird.<br />
Wichtige Aufgabe ist aber, dass Deutschland wieder eine stärkere<br />
Verantwortung für eine gemeinsame europäische Politik<br />
wahrnimmt und ist aber, dass Deutschland wieder eine stärkere<br />
Verantwortung für eine gemeinsame europäische Politik<br />
wahrnimmt und sich nicht länger auf eine Achsenpolitik in Europa<br />
einlässt. Europa und die transatlantische Gemeinsamkeit mit<br />
den USA sind wichtige Pfeiler, auf denen die Stabilität und<br />
der Frieden in Deutschland und Europa ruhen.
</p>
<p>
<b>HerrHerrmannMann:</b> Wie steht die Union zur Frage<br />
der Ausländerpolitik? Wird es schärfere Gesetze geben?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus: </b>Es gibt da einen Kompromiss, der<br />
inzwischen Gesetzeskraft hat und auch erhalten bleibt. Entscheidend<br />
ist die Verantwortung für Integration wahrzunehmen. Das gilt<br />
für den einzelnen, der zu uns kommen will und bei uns bleiben<br />
möchte, als auch für die Politik, die entsprechende Integrationsangebote<br />
verpflichtend unterbreiten muss und die Ergebnisse auch transparent<br />
darstellen muss.
</p>
<p>
<b>Johannes K. Berner:</b> Was passiert, wenn der Bundespräsident<br />
dem Antrag von Herrn Schröder nicht stattgibt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Dann bleibt der Bundestag bestehen<br />
und es gibt keine Neuwahlen.
</p>
<p>
<b>Alfredo:</b> Herr Althaus, wie groß schätzen<br />
sie das Gefahrenpotential nach den Anschlägen in London für<br />
die BRD ein, insbesondere im Hinblick auf den Weltjugendtag in Köln?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Eine 100-prozentige Sicherheit<br />
kann es nicht geben. Aber sowohl in Deutschland als auch in Europa<br />
sind alle, die für die Sicherheit zuständig sind, in besonderem<br />
Maße sensibilisiert und es wird umfassende Vorkehrungen gerade<br />
für den Ablauf des Weltjugendtages geben.
</p>
<p>
<b>Alex Dresden01:</b> Nachfrage zum Zentrum der Vertreibung<br />
in Berlin: In Polen wird dies mit großer Besorgnis gesehen.<br />
Riskieren Sie da nicht eine weitere Verschlechterung der deutsch-polnischen<br />
Beziehungen. Beide Länder befinden sich im Wahlkampf. Eine<br />
solche Diskussion würde zurzeit nur auf den Rücken der<br />
noch empfindlichen Beziehungen ausgetragen werden.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Es gibt nicht die Absicht, ein<br />
solches Zentrum kurzfristig umzusetzen. Und selbstverständlich<br />
muss ein solches Zentrum gemeinsam in Europa akzeptiert und getragen<br />
werden.
</p>
<p>
<b>waehler21:</b> Sollte man nicht mal erst ein gemeinsames<br />
Europa schaffen, bevor man eine transatlantische Gemeinschaft mit<br />
den USA anstrebt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Die transatlantische Gemeinschaft<br />
existiert. Und sie war und ist die Voraussetzung für die europäische<br />
Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Gerade die Wiedervereinigung<br />
unseres Vaterlandes hat gezeigt, wie wichtig es war, dass die USA<br />
diesen Weg des freien Europas unterstützt und gefördert<br />
hat.
</p>
<p>
<b>PD:</b> Wie steht die Union zur schwulen Heirat? Schaffen<br />
Sie die von Ihnen bekämpfte Eingetragene Partnerschaft wieder<br />
ab?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Im Grundgesetz, Artikel 6, steht:<br />
Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz. Das ist ein<br />
klarer Auftrag an die Politik! Genau so ist es aber richtig, dass<br />
rechtliche Hürden im Blick auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften<br />
aus dem Weg geräumt worden sind. Ich sehe keinen weiteren Handlungsbedarf.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Letzte Frage:
</p>
<p>
<b>Kuehne:</b> Herr Althaus, was denken Sie zum Atomausstieg,<br />
den rot-grün durchgesetzt hat?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Wir sollten die Laufzeiten der<br />
Kernkraftwerke in der bisher verhandelten und technisch möglichen<br />
Form erhalten und damit den nur ideologisch begründeten Frühausstieg<br />
nicht weiter verfolgen. In der ganzen Welt wird im Energiemix auch<br />
Atomstrom einbezogen. Deutschland sollte sich deshalb an der weiteren<br />
Erforschung und Entwicklung in dieser wichtigen Energiebranche beteiligen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere 60 Minuten Politik-Chat sind<br />
um. Vielen Dank für das große Interesse. Herzlichen Dank<br />
an Sie, Herr Althaus, dass Sie sich die Zeit für den Chat genommen<br />
haben! Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer auf den Seiten der<br />
Veranstalter. Der nächste Chat findet bereits morgen von 13.00<br />
bis 14.00 Uhr statt. Zu Gast ist dann Reinhold Robbe, der Wehrbeauftragte<br />
der Bundesregierung.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Ich bedanke mich herzlich für<br />
die interessanten und abwechslungsreichen Fragen. Dankeschön.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/mutig-klar-und-ehrlich-dieter-althaus-ueber-das-wahlprogramm-der-cducsu-198/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aufbau Ost, die Bundespräsidentenwahl und Zuwanderung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/aufbau-ost-die-bundespraesidentenwahl-und-zuwanderung-210/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/aufbau-ost-die-bundespraesidentenwahl-und-zuwanderung-210/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 May 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Althaus]]></category>
		<category><![CDATA[Ost Aufbau Ost]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/aufbau-ost-die-bundespraesidentenwahl-und-zuwanderung-210/</guid>

					<description><![CDATA[<b>Dieter Althaus (CDU)<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->21.05.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Dieter Althaus (CDU)<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->21.05.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Liebe Politik-Interessierte, willkommen<br />
im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de<br />
und von sueddeutsche.de. Zum Chat haben wir heute Thüringens Ministerpräsident<br />
Dieter Althaus eingeladen. Wir begrüßen Herrn Althaus in<br />
Erfurt &#8211; sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?
</p>
<p>
<b> <img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dalthaus.jpg" align="left" height="116" width="82" />Dieter<br />
Althaus:</b> Ja, ich stehe gerne zur Verfügung.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Herr Althaus, steigen wir mit einem<br />
aktuellen Thema ein. Die Kritik an CDU-Wahlmann Filbinger wird schärfer.<br />
Hätte man nicht auf ihn als Mitglied der Bundesversammlung verzichten<br />
müssen?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Das hat der Landtag von Baden-Württemberg<br />
nach meiner Kenntnis auch mit Zustimmung von Oppositionspolitikern beschlossen.
</p>
<p>
<b> Zuber:</b> Finden Sie es in Ordnung, dass die Süd-West<br />
CDU nicht bereit ist, auf Filbinger Druck auszuüben, sein Mandat<br />
zurückzugeben?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Das ist der CDU dort vor Ort überlassen,<br />
ich will mich als Thüringer nicht in die Verhältnisse vor<br />
Ort einmischen.
</p>
<p>
<b> rummenigge:</b> Belastet die Nominierung Filbingers als<br />
CDU-Wahlmann die Präsidentenwahl?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Nicht mehr als bei den bisherigen<br />
Wahlen.
</p>
<p>
<b> mrT:</b> Was ist ihre persönliche Meinung zu Horst<br />
Köhler? Würde er einen guten Bundespräsidenten abgeben?<br />
Was sind seine Stärken und Schwächen?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Er wird ein guter Präsident<br />
sein. Seine besondere Stärke ist seine ausgewiesene Kenntnis der<br />
internationalen Ökonomie und der Einsatz der Globalisierung zur<br />
Stärkung der sozialen Gerechtigkeit.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Die Umfragen zeigen es und unsere User<br />
wollen wissen:
</p>
<p>
<b> Wellness69:</b> Wozu Wahlmänner für die Bundespräsidentenwahl;<br />
das Volk soll endlich direkt die Person wählen!!
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Ich bin offen für dieses Diskussion,<br />
dann muss aber auch das Amt mit mehr Rechten ausgestattet sein.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Mit welchen?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Konkrete Regierungsfunktionen müssten<br />
dem Bundespräsidenten mit übertragen werden. Vergleich Amerika,<br />
Frankreich.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Nochmals Nachfrage zu Filbinger:
</p>
<p>
<b> tierse:</b> Auch Paul Spiegel bedauert die Nominierung<br />
Filbingers. Ist das Verhältnis nach Hohmann und jetzt zum Zentralrat<br />
der Juden erneut belastet?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Ich bin auch darüber nicht glücklich.<br />
Aber eine demokratische Entscheidung eines Landtages kann ich nicht<br />
verändern.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Kommen wir zum Thema Osten.
</p>
<p>
<b> LSchmidt:</b> Haben Sie Ideen, wie man den Wachstumsmotor<br />
Ost wieder in Schwung bringen kann?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Unser Industriewachstum ist höher<br />
als das in ganz Deutschland, was wir brauchen sind endlich strukturelle<br />
Reformen im Blick auf den Arbeitsmarkt, das Steuerrecht und den Sozialstaat.<br />
Unser Problem ist die schlechte Wettbewerbssituation.
</p>
<p>
<b> Hartmut:</b> Im Westen gibt es auch Problemzonen: Dortmund,<br />
Gelsenkirchen&#8230; Dann können wir ja bitte auch einen West-Soli<br />
fordern.
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Im Westen gibt es Problemregionen<br />
und selbstverständlich muss hier Strukturwandelpolitik betrieben<br />
werden. Der Soli ist die gesamtdeutsche Leistung, um die teilungsbedingten<br />
Lasten, die immer noch vorhanden sind (Infrastruktur, Produktivitätslücke),<br />
zu überwinden.
</p>
<p>
<b>Gabriela:</b> Wenn man die Kohlesubventionen kürzt,<br />
hätte das für die Betroffenen nicht dieselben Auswirkungen<br />
wie eine Kürzung der Ost-Förderung für die Ostdeutschen?<br />
Wo ist der Unterschied?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Nein, Die Kohle zu subventionieren<br />
macht dauerhaft keinen wirtschaftspolitischen Sinn, wir müssen<br />
auf Zukunftstechnologien setzen.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Können sie die Frage nach dem Unterschied<br />
bitte beantworten?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> In den jungen Ländern geht es<br />
um den Aufbau und die Stabilisierung einer modernen und mittelständischen<br />
Wirtschaft, die dann eigenes Wachstum generiert. Die Kohlesubvention,<br />
das sagt der Begriff schon, ist letztlich ein verlorener Zuschuss, durch<br />
den kein Wachstum entsteht.
</p>
<p>
<b>knut korschewsky:</b> Wo sehen sie in Thüringen Zukunftstechnologien?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Mikrotechnik, Biotechnologie, Kunststofftechnik,<br />
Informationstechnologie/Mikroelektronik, und dieses häufig in modernen<br />
mittelständischen Unternehmen, z.B. in der Automobilzuliefererindustrie,<br />
vernetzt (über 300 Betriebe allein dort).
</p>
<p>
<b> wizard33:</b> Sind Sie für eine Sonderwirtschaftszone<br />
Ost?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Nein, aber für Deregulierung<br />
und hier sollte der Osten Vorreiter sein können.
</p>
<p>
<b> Wellness69:</b> Wenn der Westen soviel Wille zum Umbruch<br />
wie der Osten nach 1990 hätte, würde das gesamte Land da nicht<br />
besser dastehen; z.B. Umbau von Carl Zeiss Jena oder Jenaer Glas?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Sehr gute Frage. Und ich teile die<br />
Analyse.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Stichwort Reformen:
</p>
<p>
<b> knacker:</b> Welches Reformtempo verkraftet Deutschland?<br />
Fallen sie Merkel und Merz in den Rücken, wenn sie nicht strikt<br />
weiter sparen wollen?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Sparen an sich bringt weder Wachstum<br />
noch Beschäftigung. Wir müssen endlich die notwendigen Reformen<br />
auf den Weg bringen, um die Einnahmeseite Deutschlands deutlich zu verbessern.<br />
D.h. bei den Investitionen müssen die richtigen Prioritäten<br />
gesetzt werden.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Anmerkung:
</p>
<p>
<b> weeze:</b> Sind sie bereit zur Kenntnis zu nehmen, dass<br />
Carl Zeiss Jena nur durch staatliche Subventionen so erfolgreich sein<br />
konnte, wie es heute ist?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Ich habe diese Frage nicht gestellt,<br />
ich weiß wie die Sanierung erfolgt ist. Es ging sicher auch dem<br />
Fragesteller nur um das Prinzip, Strukturen zu verändern durch<br />
große Flexibilität.
</p>
<p>
<b> kai hansen:</b> Aber bringen gute Bedingungen für<br />
Unternehmen automatisch mehr Arbeitsplätze?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Für neue Arbeitsplätze<br />
gibt es nur den Weg des Wirtschaftswachstums. Und deshalb müssen<br />
wir bessere Bedingungen für die deutsche Wirtschaft auf den Weg<br />
bringen. Sicher gibt es auch Rationalisierungsinvestitionen, aber auch<br />
diese sind nötig, um in einem Hochlohnland wettbewerbsfähig<br />
zu bleiben.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Eröffnen wir den Wahlkampf:
</p>
<p>
<b> papillon55:</b> SPD-Mitbewerber Christoph Matschie sagt,<br />
Ihr Konzept für einen Wirtschaftsaufschwung in Thüringen komme<br />
zu spät und pünktlich zum Wahlkampf. Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Das habe ich von Herrn Matschie noch<br />
nicht gehört. Was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Bis der User sich noch mal meldet, eine<br />
weitere Frage:<br />
Am 3. 6. wird in Thüringen ein neuer Landtag gewählt. Die<br />
absolute Mehrheit ist keineswegs sicher. Können Sie sich vorstellen,<br />
mit den Grünen zu koalieren?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Nein. Wir brauchen klare Verhältnisse.<br />
Gerade die Grünen haben immer gegen die Infrastruktur gekämpft<br />
und ihre unsinnige Ökosteuer belastet den Wirtschaftsstandort Deutschland.
</p>
<p>
<b> HenrikB:</b> Was heißt für Sie klare Verhältnisse,<br />
Herr Althaus? Schließen Sie eine Koalition generell aus?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> In der Demokratie müssen demokratische<br />
Parteien koalitionsfähig sein. Ich setze auf die absolute Mehrheit.
</p>
<p>
<b>papillon55:</b> Nachtrag: Herr Matschie hat das unter<br />
der Überschrift &quot;Wann wachen Sie auf, Herr Althaus&quot; bereits<br />
im Februar gesagt.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Wir haben das höchste Industriewachstum<br />
in ganz Deutschland und das seit 1 1/2 Jahren. Ich kenne keinen aktuellen<br />
Vorwurf von Herrn Matschie in dieser Richtung.
</p>
<p>
<b> kai hansen:</b> Haben Sie Angst vor Abwanderung von Arbeitsplätzen<br />
nach Osteuropa bzw. in andere Staaten?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Angst ist kein Ratgeber für<br />
kluge Politik. Wir müssen die Chancen der Osterweiterung nutzen.<br />
Gerade mittelständische Unternehmen aus Thüringen können<br />
arbeitsteilige Prozesse organisieren indem sie in Osteuropa investieren.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Nachfrage:
</p>
<p>
<b> floppy:</b> Industriewachstum oder Wirtschaftswachstum?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Industriewachstum.
</p>
<p>
<b> knut korschewsky:</b> Aktuelle Umfragen räumen der<br />
CDU aber kaum Chancen ein, ihre absolute Mehrheit zu verteidigen. Ist<br />
es nicht Zeit, sich mit der Realität auseinanderzusetzen?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Ich möchte Wahlen gewinnen und<br />
nicht Umfragen.
</p>
<p>
<b> Klaus Zaun:</b> Herr Althaus, sie haben in der BILD gesagt,<br />
die Löhne im Osten müssen wegen der EU-Erweiterung runter.<br />
Wie ist das zu verstehen?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> So undifferenziert habe ich das nicht<br />
gesagt. Wir brauchen eine Tarifspreizung und möglicherweise sind<br />
Lohnergänzungszahlungen sinnvoller als Arbeitslosigkeit zu finanzieren.
</p>
<p>
<b> renate:</b> Herr Althaus, Sie werben für den Landtagswahlkampf<br />
mit &quot;der Thüringer Weg&quot;, was bedeutet dieser?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Wir haben leistungsfähige Schulen,<br />
eine starke Forschungslandschaft mit einem erfolgreichen Campus Thüringen,<br />
einem breiten technologisch orientierten Mittelstand und wir sind eines<br />
der familienfreundlichsten Länder in Deutschland und leisten einen<br />
besonderen Beitrag zur Erhaltung unserer Kultur.
</p>
<p>
<b> Schnepfenthaler:</b> Herr Althaus, inwiefern wollen sie<br />
den Standort Thüringen konkurrenzfähig machen? Ich meine jetzt<br />
nicht die Landeshauptstadt, sondern Städte wie Gotha, Eisenach<br />
und die noch kleineren Städte. Leider gibt es kaum Möglichkeiten<br />
für intellektuelle junge Leute, sich dort einzubringen!
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Gerade die genannten Orte stehen<br />
für Wirtschaftswachstum und hohe Attraktivität, trotzdem müssen<br />
wir in ganz Thüringen die Potentiale für mehr Beschäftigung<br />
stärken und deshalb dürfen wir uns auch nicht nur auf die<br />
so genannten Leuchttürme konzentrieren. Junge Leute sollten sich,<br />
wenn sie daran Freude haben, aktiv in die Politik einbringen, dazu gibt<br />
es die Parteien und im Juni stehen auch Kommunalwahlen an.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Stichwort Bildung:
</p>
<p>
<b> helmut s.:</b> finden Sie den Mangel an Ganztagsschulen<br />
familienfreundlich?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Wir haben in Thüringen flächendeckend<br />
Horte an Grundschulen und in den weiterführenden Schulen gibt es<br />
die Schuljugendarbeiter. Selbstverständlich können Ganztagsschulen<br />
eingeführt werden, aber das heißt dann auch, dass alle Eltern<br />
akzeptieren, dass Schüler von 8 Uhr bis 16 Uhr in der Schule sind,<br />
und Unterricht und Freizeit über den ganzen Tag rhythmisiert werden.
</p>
<p>
<b> Trebron:</b> Herr Althaus, wie stehen sie zu dem Thema<br />
Sicherheitspolitik? Gibt es schon alternative Vorschläge zum Terrorproblem,<br />
damit der Teufelskreis aus Angst, immer stärker eingeschränkten<br />
Freiheitsrechten und somit neu aufkommender Gewaltbereitschaft durchbrochen<br />
wird?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Den internationalen Terror zu bekämpfen,<br />
verlangt ein internationales und europäisches Sicherheitskonzept.<br />
Da muss Deutschland aktiv dabei sein. Außerdem müssen terroristische<br />
Bestrebungen frühzeitig mit aller Konsequenz unterbunden werden.<br />
Es geht nicht darum, Freiheit einzuschränken, sondern gerade darum,<br />
sie zu bewahren.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Abschließend zum Thema Zuwanderung:
</p>
<p>
<b> weeze:</b> Herr Althaus, wie beurteilen sie die Äußerungen<br />
des Bundespräsidenten über die zähen Zuwanderungsverhandlungen?<br />
Haben Herr Müller und Herr Beckstein nur ihre Sache gut gemacht<br />
oder können sie der Kritik von Herrn Rau etwas abgewinnen?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Die Zuwanderung muss im nationalen<br />
Interesse zügig geregelt werden, das Verhalten der Grünen<br />
hat lange genug eine Einigung verhindert.
</p>
<p>
<b> sparerverein:</b> Im Zuwanderungsstreit sind die Fronten<br />
weiter verhärtet: Trotz heftigen Widerstands der Grünen hält<br />
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach an der Forderung einer Sicherungshaft<br />
fest. Wer blockiert denn jetzt mehr?
</p>
<p>
<b> Dieter Althaus:</b> Die Sicherungshaft ist im Sinne der<br />
inneren Sicherheit in Deutschland wesentlich, das sieht auch Herr Schily<br />
so. Hier blockieren nur die Grünen.
</p>
<p>
<b> Moderatorin:</b> Unsere Zeit ist bereits um. Vielen Dank<br />
an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen sind<br />
leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Althaus, dass Sie<br />
sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses Chats<br />
finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten Chat gibt<br />
es am Donnerstag, dem 27. Mai, ab 13.00 Uhr mit der Verbraucherministerin<br />
Renate Künast. Wir freuen uns auf Ihre Fragen. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b> Es hat mir viel Freude gemacht und<br />
ich bin begeistert von der Vielfältigkeit der Fragen. Bis bald<br />
im Chat.
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/aufbau-ost-die-bundespraesidentenwahl-und-zuwanderung-210/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
