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	<title>Dieter Otten &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Dieter Otten &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Internetwahlen sind nicht trivial&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Oct 2004 02:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Otten]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[E-Voting]]></category>
		<category><![CDATA[Universität Osnabrück]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein Interview mit Dieter Otten, 
Professor an der Universität Osnabrück und Leiter der 
Forschungsgruppe Internetwahlen, über die Erfahrungen bei der 
Durchführung von Online-Abstimmungen.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein Interview mit Dieter Otten,<br />
Professor an der Universität Osnabrück und Leiter der<br />
Forschungsgruppe Internetwahlen, über die Erfahrungen bei der<br />
Durchführung von Online-Abstimmungen.</span><!--break--><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Ein Interview mit dem Leiter der Forschungsgruppe Internetwahlen, Prof. Dr. Dieter Otten</b></span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Wie lange hat die Forschungsgruppe Wahlen an dem System für <a href="http://www.i-vote.de/">i-vote</a> gearbeitet, und wie viele Leute waren an der Entwicklung der Software beteiligt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Prof. Dr. Dieter Otten:</b><br />
Die Entwicklung der Wahlsoftware hat knapp ein Jahr gedauert. Innerhalb<br />
der Forschungsgruppe Internetwahlen haben fünf Gruppen zu je zwei<br />
Personen daran gearbeitet. Diese Wahlsoftware sorgt dafür, dass der<br />
Wähler nichts weiter zu tun hat, als mittels des eigen entwickelten<br />
Wahlfensters ins virtuelle Wahllokal zu surfen und dort seine Stimme<br />
abzugeben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b><br />
Richtet sich die Wahlwerbung ausschließlich auf den Wahlvorgang, oder<br />
werden auch andere Elemente aus dem Umfeld von Wahlen &quot;digitalisiert&quot;,<br />
z.B. Wählerbildung, Wahlwerbung oder Umfragen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Otten:</b> Nein, bei dieser<br />
Wahl nicht. Wir haben uns hierbei ganz auf die Wahl und die Entwicklung<br />
der Software konzentriert. Grundsätzlich ist die Digitalisierung der<br />
Elemente rund um die Wahl jedoch ganz klar vorgesehen. Mit zwölf<br />
Kommunen und vier Unternehmen planen wir eine weitere Entwicklung<br />
dieser Möglichkeiten, auch im Ausland. Beispielsweise arbeiten wir mit<br />
Franzosen, Holländern und Griechen zusammen. Mit den Griechen, die<br />
bekanntlich von jeher viel Wert auf direkte Demokratie legen, planen<br />
wir eine digitale Agora, einen virtuellen Marktplatz sozusagen. Dieser<br />
soll ein Forum sein für Diskussionen im Netz &#8211; auch auf internationaler<br />
Ebene &#8211; basierend auf einem prä- und postelektoralen Diskussionssystem.<br />
Bei der Osnabrücker Wahl zum Studierendenparlament stehen jedoch die<br />
software-technologische Frage und die Sicherheit im Vordergrund.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b><br />
Verzerrt die Wählerschaft nicht das Ergebnis bzw. das Projekt?<br />
Studierende sind jung, gut gebildet und überdurchschnittlich vernetzt.<br />
Ist eine Online-Wahl in diesem Umfeld nicht ein Selbstläufer?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Otten:</b> Natürlich. Jedoch<br />
ist die Zielrichtung des Projekts nicht, das Ergebnis und die<br />
Reaktionen der Studierenden auf die gesamte Wählerschaft zu übertragen,<br />
sondern die Entwicklung und Anwendung der Software zu testen. Dafür<br />
sind Studierende gerade wegen ihrer guten Bildung, ihrer<br />
Experimentierfreude und der guten Vernetzung ideal geeignet. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Es werden Online-Wahlen durchgeführt, gibt es auch einen Online-Wahlkampf?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Otten:</b> Während im letzten<br />
Jahr keine der Hochschulgruppen im Netz Wahlkampf gemacht wurde, sind<br />
heute die meisten Hochschulgruppen im Netz präsent. Diese Tatsache ist<br />
zurückzuführen auf unser Projekt. Studenten, die via Internet wählen,<br />
nutzen das Internet natürlich auch, um sich zu informieren. Das ist den<br />
Hochschulgruppen in diesem Jahr klar geworden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Erwarten Sie eine höhere Wahlbeteiligung als bei einer Offline-Wahl?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Otten:</b> Wir erwarten eine<br />
deutlich höhere Wahlbeteiligung. Bis zum Ausgabeschlusstermin gab es<br />
einen Run auf die Chipkarten: knapp 500 Studierende haben sich<br />
registrieren lassen und sich die Chipkarten zusammen mit dem Lesegerät<br />
abgeholt. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil dieser Studenten<br />
Neuwähler sind.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Wer finanziert die Chipkarten und Lesegeräte, die für die Wahl notwendig sind?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Otten:</b> Unsere Sponsoren<br />
sind TC Trustcenter, eine Hochsicherheitsvergabestelle für digitale<br />
Signaturen, Secude, das Softwarehaus der Deutschen Bank für<br />
Netzsicherheit und Siemens, das die teuren Lesegeräte zur Verfügung<br />
stellte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Gab es bei bisherigen Projekten, z.B. bei der Sozialwahl, auch Betrugsversuche?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Otten:</b> Nein, keinen<br />
einzigen, obwohl das System damals einem niedrigen Sicherheitsstandard<br />
entsprach. Es gab nur zwei Transaktionsnummern, die man leicht hätte<br />
manipulieren können. Doch ich bin der Meinung, dass selbst bei<br />
hartgesottenen Hackern die Hemmschwelle bei Internet-Wahlen höher ist,<br />
da Wählen ein demokratischer Akt ist.<br />
Das jetzige System ist jedoch nicht knackbar, bis zur nächsten Woche,<br />
in der die Wahlen stattfinden werden, wird es auch niemandem gelingen,<br />
es zu manipulieren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Wann ist mit einer &quot;Serienreife&quot; für &quot;echte&quot; Wahlen, z.B. auf kommunaler Ebene zu rechnen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Otten:</b> Technisch ist das<br />
heute kein Problem. Das Problem ist ein juristisches. Bei einer<br />
Uni-Wahl ist die Internet-Wahl relativ leicht durchzuführen, da die<br />
Regelungen dafür schnell verabschiedet sind. Bei Wahlen auf kommunaler<br />
Ebene müssten die Wahlgesetze geändert werden. Jedoch gibt es unter<br />
Juristen die aberwitzigsten Vorstellungen, was eine Internetwahl alles<br />
anrichten könnte, dabei sind Urnenwahlen nicht sicherer als<br />
Internet-Wahlen. Technisch gehen wir davon aus, dass in spätestens drei<br />
Jahren jeder Computer ein integriertes Lesgerät für Chipkarten mit<br />
Wahlsignaturen besitzt. Dadurch würde sicher auch die Wahlbeteiligung<br />
steigen, eine Wahl via Internet ist einfach bequemer.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b><br />
Gibt es nicht viele Skeptiker, die einer elektronischen Stimmabgabe<br />
kritisch gegenüber stehen? Welche Probleme und Hindernisse sehen Sie<br />
bei der Implementierung in den politischen Prozess?<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Otten:</b> Es gibt<br />
grundsätzlich Einwände gegen die Fernwahl: Das Grundgesetz sagt, dass<br />
der Bürger zur Wahlurne gehen muss. Die Gründe für eine Briefwahl<br />
müssen angegeben werden, damit sie genehmigt wird. Doch das<br />
Wahlverhalten hat sich geändert: Briefwählen ist zu einer<br />
&quot;Volkssportart&quot; geworden. Bei der letzten Bundestagswahl haben 20% der<br />
Hamburger und fast 30% der Münchner per Brief gewählt. Und dies nicht,<br />
weil sie krank sind. Viele Fürsprecher fanden wir im Ausland, die<br />
e-mails schickten, in denen sie eine Internetwahl befürworten. Endlich<br />
hätten im Ausland lebende Deutsche eine einfache, unkomplizierte<br />
Möglichkeit die Politik in ihrer Heimat zu bestimmen.<br />
Es gibt drei unterschiedliche Gruppen von Kritikern: Es gibt die Leute,<br />
die den technischen Ablauf nicht nachvollziehen können und vor allem<br />
Sicherheitsbedenken haben. Dann gibt es die Menschen mit dem<br />
technischen Know-How, die jedoch den Sinn der allgegenwärtigen<br />
Digitalisierung hinterfragen und in Bezug auf Wahlen auch den<br />
demokratischen Akt des Zur-Wahl-Urne-Schreitens als Argument aufführen.<br />
<br />
Die dritte Gruppe der Kritiker sagt, dass Internet-Wähler genau wie<br />
Briefwähler manipulierbar sind. Doch der typische Internetwähler ist in<br />
meiner Vorstellung politisch überzeugt, jung und in seiner<br />
Willensbildung nicht leicht beeinflussbar, wie zum Beispiel Senioren im<br />
Altersheim, die per Brief wählen. <br />
Internet-Wahlen sind nicht trivial. Wenn Leute Mobilität und Wählen<br />
verbinden möchten, kann man es ihnen nicht einfach verbieten. Auf allen<br />
Ebenen wird das Netz genutzt, und warum sollte ein User, der im<br />
Internet seine Bankgeschäfte tätigt, nicht auch seine Stimme abgeben?</span></p>
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