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	<title>Dieter Wiefelspütz &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Dieter Wiefelspütz &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Es gibt keine Patentrezepte gegen Terrorismus, auch niemals völlige Sicherheit&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Sep 2006 21:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Videoüberwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Anti-Terror-Datei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Mittwoch, 6. September, <span style="font-size: x-small">war Dieter Wiefelspütz, 
innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zu Gast im 
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte 
mit den Nutzern über die neue Anti-Terror-Datei, Videoüberwachung 
und die Einschränkungen der Freiheit.</span></span></span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Mittwoch, 6. September, <span style="font-size: x-small">war Dieter Wiefelspütz,<br />
innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zu Gast im<br />
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte<br />
mit den Nutzern über die neue Anti-Terror-Datei, Videoüberwachung<br />
und die Einschränkungen der Freiheit.</span></span></span></span></b><!--break--></p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen<br />
zu 60 Minuten tagesschau-chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist<br />
heute der SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz. Er<br />
ist innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Mit Fragen zur frisch<br />
beschlossenen Anti-Terror-Datei und generell zur inneren Sicherheit<br />
sind Sie bei ihm also an der richtigen Adresse. Herr Wiefelspütz,<br />
können wir beginnen?</p>
<p><b>pedeto:</b> Waren die versuchten Anschläge der<br />
so genannten Kofferbomber eine willkommene Gelegenheit für<br />
die Regierung, schärfere Maßnahmen der Überwachung<br />
durchzusetzen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Die Frage enthält eine ziemlich bösartige<br />
Unterstellung. Mich hat dieses, nur durch einen Glücksumstand<br />
missglückte Attentat sehr betroffen gemacht. Junge Leute werden<br />
nach Deutschland eingeladen, um hier ausgebildet zu werden, werden<br />
hier herzlich empfangen und kriegen es in den Kopf, völlig<br />
unschuldige Menschen in Zügen &#8211; auch sie oder ich hätten<br />
es sein können &#8211; umzubringen. Dieser Umstand besorgt mich sehr.<br />
Selbstverständlich wird es keinen Missbrauch dieses Vorfalls<br />
geben. Wer sollte denn so verrückt sein?</p>
<p><b>Moderator:</b> Eine Folge dieser Attentatsversuche ist die nun beschlossene<br />
Anti-Terror-Datei (ATD). Eine Frage dazu:</p>
<p><b>MrPink:</b> Glauben Sie, dass sich durch die Anti-Terror-Datei<br />
tatsächlich die Sicherheit erhöht?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es gibt keine Patentrezepte gegen Terrorismus,<br />
auch niemals völlige Sicherheit. Das Menschenmögliche<br />
muss getan werden. Die ATD, die wir gerade beraten, wird kein Wundermittel<br />
sein, aber ein weiterer Baustein, um uns im Kampf gegen Terrorismus<br />
besser aufzustellen. Nicht mehr, nicht weniger.</p>
<p><b>MrPink:</b> Welche Daten werden denn jetzt alle in<br />
der Anti-Terror-Datei gespeichert?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es wird zunächst Grunddaten geben<br />
zur Identifizierung einer Person. Die sind für die abrufende<br />
Stelle sichtbar. Und es gibt nicht sichtbare Daten, die die Person<br />
weiter beschreiben. Diese unsichtbaren Daten werden nur als Treffer<br />
gemeldet, um dann anzufragen, ob man an die Daten herankommen darf.<br />
Der Personenkreis, der in diese ATD hineinkommen soll, wird sehr<br />
begrenzt sein. Und das ist in Deutschland zum Glück eine sehr<br />
überschaubare Zahl.</p>
<p><b>typerwriter:</b> Wie lange werden die Daten in der<br />
Anti-Terror-Datei gespeichert?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Solange die Gefahr besteht.</p>
<p><b>odysseus:</b> Was rechtfertigt diese Datei? Es werden<br />
eine Unmenge an Daten gesammelt und die eigentlichen Terroristen<br />
werden sich durch geeignete Maßnahmen doch nur der &quot;Überwachung<br />
entziehen&quot; und weiter in den Untergrund gedrängt? Braucht<br />
ein Selbstmordattentäter eine Krankenkasse, ein reguläres<br />
Bankkonto? Muss er mit Kreditkarte bezahlen und kann er nicht z.B.<br />
auch über wechselnde Internetcafes Kontakt halten?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es ist sicherlich gelegentlich ein Wettlauf.<br />
Die Kofferbombenattentäter hatten wir nicht auf dem Schirm.<br />
Das ist etwas, was mich umtreibt. Wir sammeln nicht wahllos Daten.<br />
Die Arbeit ist aber auch nicht ohne Erfolg. Wir haben in Deutschland<br />
mehrere Attentate verhindert. Das interessiert die Öffentlichkeit<br />
weniger. Sicherheitsarbeit im Kampf gegen Terrorismus ist nicht<br />
perfekt, wir sind aber auch nicht hilf- und auch nicht machtlos.<br />
Richtig bleibt aber: Den Kofferbombenanschlag haben wir nicht verhindern<br />
können.</p>
<p><b>Bobbel:</b> Glauben Sie, dass es viele Verfassungsbeschwerden<br />
geben wird?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das kann ich nicht ausschließen,<br />
dass der eine oder andere zum Verfassungsgericht geht. Warum denn<br />
auch nicht? Wir leben in einem Rechtsstaat.</p>
<p><b>Lennart:</b> Können Sie die Bedenken der Datenschützer<br />
verstehen? Nicht nur in Bezug auf die Anti-Terror-Datei, sondern<br />
auch in Bezug auf die Videoüberwachung?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir reden regelmäßig mit dem<br />
Datenschutzbeauftragten Herrn Schaar, den ich sehr schätze,<br />
obwohl er von den Grünen ist. Wir machen Sicherheitsarbeit<br />
in den Grenzen des Rechtsstaates und nicht außerhalb der Grenzen.<br />
Ich bin für einen klugen Einsatz auch von Videotechnik, aber<br />
gegen eine flächendeckende Videoüberwachung. Diese Auffassung<br />
hat übrigens auch heute morgen Frau Merkel in der Haushaltsdebatte<br />
vertreten. Sicherheitsarbeit muss man mit klarem Verstand und mit<br />
Augenmaß im Rahmen des Rechtsstaates machen. Die Herausforderungen<br />
neuartiger Bedrohungen annehmen, sie aber nicht mit Hektik und Panikmache<br />
beantworten.</p>
<p><b>Moderator:</b> Stichwort Videoüberwachung: Ihre Ausweitung ist<br />
noch nicht beschlossen. Wie sähe diese im Idealfall konkret<br />
aus?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Die Technik der Videoüberwachung<br />
darf nicht überschätzt werden, wenngleich sie ihren Stellenwert<br />
hat. Sie hat gerade bei der Aufklärung der Kofferbombenattentate<br />
sehr geholfen. Wir wollen aber die Videotechnik weiterentwickeln.<br />
Das muss ein intelligentes System werden und nicht so ein stumpfes,<br />
wie es jetzt noch ist. Sie glauben gar nicht, wie viele Stunden<br />
Durchsicht von Videobändern nötig waren, um die Attentäter<br />
zu identifizieren. Das müssen wir durch technische Weiterentwicklung<br />
erleichtern.</p>
<p><b>Klaus Trophobie:</b> Wie viele Bürgerechte (Datenschutz,<br />
Privatsphäre u.s.w.) würden sie denn opfern wollen für<br />
ein Gefühl der Sicherheit (mehr kann es ja nie sein)? Wenn<br />
man nach Amerika guckt, ist da ja von der Freiheit, die man verteidigen<br />
will, meiner Meinung nach, ja schon nicht mehr viel über.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir leben in Deutschland zum Glück<br />
in einem Staat mit einem außerordentlich hohen Niveau an Freiheit<br />
und Sicherheit. Wenn es darum geht, möchte ich nicht tauschen<br />
mit Frankreich, England, Italien und schon gar nicht mit den USA.<br />
Wir leben hier freier und sicherer als in diesen Ländern. Es<br />
gibt im Rechtsstaat allerdings eine rote Linie, die wir niemals<br />
überschreiten dürfen, da wir uns sonst gemein machen würden<br />
mit den Verbrechern. Strikt verboten sind Angriffskrieg, Folter,<br />
Einsperren ohne Gerichtsverfahren, strikt verboten ist in Deutschland<br />
auch Guantanamo. Wir bekämpfen Terrorismus innerhalb des Rechtsstaates<br />
und nicht gegen den Rechtsstaat.</p>
<p><b>Lennart:</b> Es gibt eine einen schönen Aufsatz<br />
eines amerikanischen Soziologen. Der fragt: Wer überwacht die<br />
Überwacher? Wie wird also die Kontrolle überwacht und<br />
wer soll das ausführen? Ist der Datenschutz nicht schon zu<br />
schwach in Deutschland?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich will ganz deutlich sagen, dass für<br />
mich Freiheit als Wert noch ein wenig wichtiger ist als Sicherheit.<br />
Es kann aber durchaus sein, dass viele Menschen im Lande das anders<br />
sehen. Die BRD ist kein zentralistischer Machtstaat. Bei uns gibt<br />
es viele Menschen, die jeweils ein Stück Verantwortung haben,<br />
wir haben sehr viele Kontrollmechanismen, wir haben Gerichte, aber<br />
es wird im Einzelfall immer wieder möglich sein, dass auch<br />
Fehler begangen werden oder auch Skandale möglich sind. Wir<br />
leben nicht einmal ansatzweise in einem Polizei- oder Überwachungsstaat.</p>
<p><b>Moderator:</b> Noch einmal zurück zur Anti-Terror-Datei:</p>
<p><b>alice33: </b>Muss man insbesondere ausländische<br />
Studenten stärker überwachen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es beschäftigt mich sehr, dass Terroristen<br />
in der aktuellen Situation durchweg junge Männer sind zwischen<br />
20 und 40, aus dem Nahen Osten stammen und häufig Studenten<br />
sind. Das beschäftigt uns sehr, dass aus diesem Kreis immer<br />
wieder im Einzelfall gefährliche Verbrecher auffällig<br />
werden. Wir wollen uns allerdings nicht abschotten von der Welt.<br />
Ich finde es prinzipiell großartig, dass ein Teil der Jugend<br />
der Welt in Deutschland studiert. So wie auch viele junge Deutsche<br />
im Ausland arbeiten, zur Schule gehen oder studieren.</p>
<p><b>typerwriter:</b> Wie sieht es in anderen Ländern<br />
aus &#8211; Gibt es dort schon solche Dateien? Wenn ja, gibt es Erfolge<br />
damit zu verbuchen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Jedes Land hat seine eigene Sicherheitskultur.<br />
Wir schauen sicherlich auch über den Tellerrand, aber ich bin<br />
ganz froh, dass wir hier unseren eigenen Stil entwickelt haben.<br />
Wir haben eine ausgesprochen demokratische und zivile Polizei. Es<br />
gibt aber auch in anderen Ländern Dateien.</p>
<p><b>Golem: </b>Wie steht es um Bemühungen eine europäische<br />
Anti-Terror-Einheit aufzubauen? Ein einheitliches Vorgehen dürfte<br />
doch viel größeres Gewicht haben.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich stimme ihnen ausdrücklich zu.<br />
Aber Europa ist eine Schnecke. Immerhin: Etwas Bewegung ist da.<br />
Eine europäische Polizei gibt es freilich noch nicht, aber<br />
Datenaustausch.</p>
<p><b>Moderator:</b> Nach den missglückten Kofferbomben-Anschlägen<br />
kam es plötzlich sehr schnell zu einer Einigung auf die zuvor<br />
jahrelang umstrittene Anti-Terror-Datei. Welche Bedenken hat der<br />
missglückte Anschlag ausgeräumt?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich bin dezidierter Auffassung, dass es<br />
keinen Zusammenhang gibt zwischen den zwei Themen. Wir hätten<br />
in dieser Woche in derselben Weise über die ATD beraten, auch<br />
ohne die Attentate. Dieses Thema ist seit einigen Wochen eingespeist<br />
und wird sicherlich unter einer größeren Anteilnahme<br />
der Öffentlichkeit wegen der gescheiterten Attentate in Berlin<br />
durchberaten.</p>
<p><b>leiprecht: </b>Ist es angesichts der wachsenden Terrorgefahr<br />
in Deutschland nicht an der Zeit, unsere Kultur klar zu definieren<br />
und jeden Migranten darauf einen Eid abgeben zu lassen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Glauben sie, dass man durch einen Eid<br />
sicher ist vor Fehlentwicklungen eines Menschen? Allerdings: Ein<br />
Mensch, der sich wirklich zu hause fühlt in Deutschland wird<br />
niemals auf die Idee kommen, seine Heimat in die Luft zu sprengen.</p>
<p><b>Nutzer:</b> Setzt die Überwachung mittels einer<br />
ATD nicht am falschen Ende an? Müssten nicht vielmehr die Wurzeln<br />
der Terrorismus bekämpft werden?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich sehe hier kein „Entweder, oder“,<br />
sondern ein „sowohl, als auch“, Wenn Verbrecher unterwegs<br />
sind, muss ich sie stoppen, wenn ich eine Chance dazu habe. Gleichzeitig<br />
muss ich mir die Frage stellen: Was bringt Menschen dazu, Unschuldige<br />
in die Luft zu sprengen? Was kann ich dazu tun, diesen Sumpf, in<br />
dem das entsteht, trocken zu legen?</p>
<p><b>Horn: </b>Was wird ein Eintrag in der Datei konkret<br />
bewirken? Mit welchen Konsequenzen kann der Betroffene rechnen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das kommt im Einzelfall darauf an. Jedenfalls<br />
wird die Sicherheitsbehörde wissen, dass sie einen gefährlichen<br />
Menschen vor sich hat.</p>
<p><b>daniela_schmidt: </b>Arbeitet die Bundesregierung<br />
zu wenig mit Muslimverbänden bzw. engagiert sie zu wenige Kulturexperten<br />
der arabischen/türkischen Kultur in Gremien und bei Entscheidungsprozessen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir organisieren jetzt die Islamkonferenz,<br />
die hoffentlich dazu beitragen wird, Defizite in diesem Bereich<br />
abzubauen. Muslime in Deutschland müssen ernster genommen werden.</p>
<p><b>Iezzi_Toronto: </b>Wie glauben Sie, wird das Ausland<br />
auf die momentane Entwicklung in Deutschland reagieren? Wie wird<br />
man die aktuellen Diskussionen in den Nachbarländern auffassen?<br />
Wohlwollend, da es um mehr Sicherheit geht, oder ablehnend, da es<br />
zu verschärften Kontrollen kommen wird?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Unsere Nachbarländer haben mit exakt<br />
denselben Problemen zu tun wie wir auch. Ich gehe davon aus, dass<br />
man wechselseitig großes Verständnis füreinander<br />
hat. Ich glaube, dass wir allen Grund haben, in Europa was Sicherheitsfragen<br />
angeht, enger zusammen zu rücken, weil wir alle im Wesentlichen<br />
die gleichen Probleme haben.</p>
<p><b>QuellQPur:</b> Wird es allgemein Informationen über<br />
diese Datei geben, also z.B. einen regelmäßigen Bericht<br />
über die Anzahl der Personen, welche dort erfasst sind?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Jeder Zugriff auf die Datei wird automatisch<br />
dokumentiert und archiviert. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hat<br />
Kontrollmöglichkeiten. Wir werden nach wenigen Jahren die Datei<br />
evaluieren und prüfen, was sie gebracht hat.</p>
<p><b>daniela_schmidt:</b> Womit &quot;qualifiziert &quot;<br />
man sich denn dafür, in die Datei aufgenommen zu werden? Was<br />
wird kontrolliert und welches Verhalten wird als gefährlich<br />
eingestuft, sodass die Person in die Datei aufgenommen wird?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das Entscheidende ist der Gewaltbezug.<br />
Wenn Wiefelspütz mit Gewalt seine Ziele in diesem Land durchsetzen<br />
will, kommt er in diese Datei.</p>
<p><b>Valentin:</b> Ich glaube, dass die Terrorgefahr gar<br />
nicht so groß ist. Ist es nicht eher so wie es in den USA<br />
war, dass die Angst vor dem Terror von den Politikern nur ausgenützt<br />
wird, die Privatsphäre der Menschen noch mehr einzuschränken?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich kann mit dem Begriff &quot;die Politiker&quot;<br />
überhaupt nichts anfangen. Ich bin seit 59 Jahren ein sehr<br />
freier Bürger dieses Landes und ich glaube es gibt weitere<br />
82 Millionen Bürger, die ähnlich frei sind wie ich. Was<br />
sagen sie denn den Angehörigen der Terroropfer von Madrid oder<br />
London über die angeblich nicht vorhandene Gefahr? Hat es in<br />
New York 3000 Ermordete gegeben oder was war das dort? In welcher<br />
Welt leben sie? Ich muss mich mit Wirklichkeit auseinandersetzen,<br />
das ist die erste Pflicht eines verantwortlichen Politikers.</p>
<p><b>emjay:</b> Der Große Lauschangriff hat gezeigt,<br />
dass Abhörmaßnahmen massiv und unverhältnismäßig<br />
missbraucht werden, das hat sogar das Bundesverfassungsgericht festgestellt.<br />
Wie können sie angesichts dessen glauben,, dass es mit der<br />
Anti-Terror-Datei anders läuft?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich kenne keinen einzigen Fall, wo der<br />
große Lauschangriff missbraucht worden wäre, ihre Behauptung<br />
trifft nicht zu. Das Bundesverfassungsgericht hat eine gesetzliche<br />
Regelung aufgehoben, aber nicht Missbrauch festgestellt. Selbstverständlich<br />
halten sich die Behörden an das Urteil. Wir sind doch nicht<br />
umzingelt von Missbrauch treibenden Staatsbediensteten. Wo haben<br />
sie ihre Vorurteile her?</p>
<p><b>pebcak:</b> Was meinen sie zum Recht auf informationelle<br />
Selbstbestimmung? Wie bekommt man Einsicht, welche Daten welche<br />
Behörden gesammelt haben? Und an wen sie weitergegeben wurden?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir haben nicht nur das Grundrecht auf<br />
informationelle Selbstbestimmung, wir haben inzwischen sogar ein<br />
Informationsfreiheitsgesetz. Ich bin für eine starke Stellung<br />
des Bürgers im Hinblick auf Auskunftsrechte. Wir werden aber<br />
nicht jedem Terrorismusverdächtigen darüber informieren<br />
können, wie wir uns gegen ihn zur Wehr setzen. Es geht im Übrigen<br />
um eine sehr kleine Zahl von sehr gefährlichen Menschen, aber<br />
auch deren Grundrechte sind zu beachten.</p>
<p><b>DDW:</b> Wird nicht die Wahrnehmungsschwelle der Behörden<br />
durch die Anti-Terror-Datei enorm sinken? Wird nicht dadurch jeder<br />
junge Mensch aus Nahost permanent verdächtigt?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir müssen uns auf diejenigen konzentrieren,<br />
die wirklich gefährlich sind. Menschen unter Generalverdacht<br />
zu stellen, ist kompletter Blödsinn, hilft uns aber auch überhaupt<br />
nicht bei der Sicherheitsarbeit.</p>
<p><b>OOo42:</b> Wird die Antiterror-Datei mit ausländischen<br />
Dateien abgeglichen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Nein, das ist nicht vorgesehen und auch<br />
nicht zulässig. Wir haben aber natürlich Informationsaustausch<br />
der Nachrichtendienste und Polizeien, so dass indirekt auch Informationen<br />
einfließen können in unsere nationale Datei.</p>
<p><b>Moderator:</b> Ein großes Thema bei unseren Usern ist die Rolle<br />
der Muslime. Dazu eine Frage:</p>
<p><b>Said:</b> Wie wollen Sie in der Regierung die gemäßigten<br />
Muslime stärken?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich bin der festen Überzeugung, dass<br />
die übergroße Mehrheit der über drei Million Muslime<br />
in Deutschland friedlich und gesetzestreu sind. Es gibt eine Reihe<br />
von Möglichkeiten, die Muslime in Deutschland ernster zu nehmen.<br />
Das ist vor allem auch Aufgabe von Integrationspolitik.</p>
<p><b>Iezzi_Toronto:</b> Wie schätzen Sie die Auffassung<br />
der Bundesbürger bezüglich mehr und schärferen Kontrollen<br />
ein? Hier in Kanada ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass<br />
man zum Beispiel bei der Aufnahme einer neuen verantwortungsvollen<br />
Aufgabe gründlich durchleuchtet wird. Muss in Deutschland vielleicht<br />
auch ein Umdenken erfolgen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> In sicherheitsrelevanten Bereichen wird<br />
auch in Deutschland sehr genau hingeschaut. Es kommt niemand mehr,<br />
um eine Beispiel zu nennen, auf das Rollfeld eines Flughafens, ohne<br />
eine gründliche Überprüfung seiner Zuverlässigkeit.</p>
<p><b>Dr.Ingolfsen:</b> Sehr geehrter Herr Wiefelspütz,<br />
sehen Sie die Sicherheitskräfte &#8211; BKA, BND und BfV &#8211; gut in<br />
Deutschland aufgestellt, oder bedarf es möglicherweise an Nachbesserungen,<br />
speziell auch in finanzieller Hinsicht?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir haben erhebliches investiert im Bereich<br />
unserer Sicherheitsbehörden. Ich bin schon beeindruck von der<br />
Qualität unserer Mitarbeiter in diesen Bereichen, aber wir<br />
sollten uns wechselseitig anspornen, noch besser zu werden. Insgesamt<br />
haben wir bei unserer Polizei ein bemerkenswert hohes Niveau. Denken<br />
sie bitte an die Art, wie sich die Polizei bei der WM präsentiert<br />
hat.</p>
<p><b>Moderator:</b> Direkte Anschlussfrage:</p>
<p><b>emjay:</b> Ist nicht laut Verfassung eine strikte<br />
Trennung von Polizei und Geheimdiensten geboten? Sie geben gerade<br />
zu, dass sie es aufweichen wollen.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das Trennungsgebot gebietet, dass organisatorisch<br />
Geheimdienste von der Polizei getrennt sind und das werden wir auch<br />
aufrecht erhalten. Aber es gibt eine gesetzliche Grundlage für<br />
Informationsaustausch. An diesen Grundlagen werden wir nichts ändern.<br />
Deswegen passt die ATD in dieses System hinein, ohne es zu verändern.<br />
Im Übrigen darf man das Trennungsgebot auch nicht überschätzen.<br />
Andere Rechtsstaaten kennen ein solches Gebot nicht. Der Chef von<br />
BKA und Bundesamt für Verfassungsschutz ist immer ein und derselbe<br />
Bundesinnenminister. Ist ihnen das schon einmal aufgefallen?</p>
<p><b>brownie:</b> Mal kurz weg von der ATD: Befürworten<br />
Sie einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren? Unter welchen Bedingungen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Die Bundeswehr ist nicht die Reservepolizei<br />
des Landes. Wenn wir nicht genug Polizei haben, sollten wir mehr<br />
einstellen. Die BW darf schon jetzt beim Katastrophenschutz helfen<br />
(Elbehochwasser), sie darf bei der WM helfen, das ist alles kein<br />
Problem. Aber sie darf eben nicht als Polizei missbraucht werden.<br />
Daran werden wir festhalten.</p>
<p><b>cod:</b> Ich komme aus Leipzig und angesichts unserer<br />
stark frequentierten Bahnhofspromenaden eine Frage: Gibt es Überlegungen<br />
der Gepäckkontrolle vor dem Betreten von (so großen)<br />
Bahnhöfen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das wird nicht leistbar sein. Die Bahn<br />
transportiert pro Tag über vier Million Gäste, es gibt<br />
über 5000 Bahnhöfe. Wenn wir die großen kontrollieren<br />
würden, was passiert mit den kleinen? Hier wird deutlich, dass<br />
uns auch Grenzen gesetzt sind. Wenn sie nur jeden Fluggast eine<br />
Minute genau überprüfen würden, könnten wir<br />
den Flugverkehr einstellen.</p>
<p><b>Moderator:</b> In Leipzig sollen künftig Hartz-4-Empfänger<br />
als Zugbegleiter eingesetzt werden, das Projekt wurde vergangene<br />
Woche vorgestellt. Setzt sich Bundesminister Tiefensee doch noch<br />
mit seinem Vorschlag durch, Hartz-4-Empfänger für die<br />
innere Sicherheit einzuspannen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich habe kein Problem damit, wenn mehr<br />
Sauberkeit organisiert wird auf Bahnhöfen, wenn gehbehinderten<br />
Menschen geholfen wird, den Zug zu betreten oder zu verlassen. Harte<br />
Sicherheitsarbeit kann aber nur von Profis geleistet werden.</p>
<p><b>Edda Peters:</b> Sie haben in &quot;Hart aber Fair<br />
&quot; vor weit über einem Jahr zugesagt, sich für eine<br />
neue Diätenlösung und für Offenheit bei zusätzlichen<br />
Engagements der MdBs einzusetzen. Mit welchem Ergebnis?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich setze mich weiterhin dafür ein.<br />
Das Thema ist leider vertagt worden. Darüber bin ich nicht<br />
sehr glücklich. Ich füge allerdings hinzu, seit dem 1.1.2003<br />
sind die Diäten nicht mehr angehoben worden.</p>
<p><b>Moderator:</b> Und noch einmal zu den Bahnhöfen:</p>
<p><b>Hurtz:</b> Ist es richtig, dass man auf deutschen<br />
Bahnhöfen nun jederzeit damit rechnen muss, dass man mein Gepäck<br />
durchsucht?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich fahre selber sehr viel mit der Bahn.<br />
Die einzige Veränderung, die ich festgestellt habe, ist der<br />
Lautsprecherhinweis, auf herrenloses Gepäck zu achten. Etwas<br />
anderes habe ich noch nicht gespürt. Da wird auch deutlich,<br />
dass es im Alltag ganz schwer ist, etwas zu bewegen. Vielleicht<br />
ist das aber auch gut so.</p>
<p><b>alice33:</b> Wie werden die Sicherheitskontrollen<br />
an Flughäfen zukünftig aussehen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir haben erhebliches investiert in Deutschland<br />
um auf diesem Sektor besser zu werden. Es gibt auch technologische<br />
Entwicklungen. Wir haben inzwischen einiges erreicht, werden aber<br />
versuchen, weitere Lücken zu schließen. Ich kann nicht<br />
ausschließen, dass wir über die Mitnahme von Handgepäck<br />
an Board eines Flugzeuges neu nachdenken müssen. Die Sicherheitsdebatte<br />
ist dort aber noch lange nicht abgeschlossen. Bei Kontrollen müssen<br />
wir auch immer wieder auf die Würde der Menschen achten.</p>
<p><b>simpson:</b> Welche Klauseln gibt es, um die Terrorgesetze<br />
bzw. ihre Einschränkung der Bürgerrechte später wieder<br />
zu beenden? Gibt es Fristen oder soll ein neuer Status Quo geschaffen<br />
werden?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich bin kurzsichtig, aber nicht blind.<br />
Schon gar nicht folge ich blind irgendeiner Politik, sondern ich<br />
habe einen eigenen Gestaltungswillen. Der Staat hat für die<br />
Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. Diese Sicherheitsarbeit<br />
muss mit Augenmaß erfolgen, aber durchaus entschlossen. Ich<br />
bitte sie herzlich, Mörder nicht zu verharmlosen.</p>
<p><b>dersprecher:</b> Ist das grundlegende Problem nicht<br />
etwa die unzureichende Integration der ausländischen Bevölkerung?<br />
Wie kann es sein, dass Türken seit über 20 Jahren in Deutschland<br />
leben und zum Teil noch kein Deutsch sprechen? Der Staat muss doch<br />
eine solchen Parallelgesellschaft verhindern.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Haben sie schon einmal nachgedacht über<br />
die Gründe für die Parallelgesellschaft der Deutschen<br />
auf Mallorca? Ich will aber hier auch gar nicht ausweichen. Wenn<br />
Studenten kurzzeitig in Deutschland leben und hier sich terroristisch<br />
entwickeln, hat das nicht unbedingt etwas mit Integration zu tun,<br />
weil die auch gar nicht hier bleiben wollen. Ich betone aber ausdrücklich:<br />
Integration ist das ganz große gesellschaftliche Thema der<br />
Gegenwart und Zukunft! Wir müssen auf diesem Sektor deutlich<br />
besser werden. Das gilt für alle.</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat. Wir bedanken uns<br />
bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis<br />
an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Dieter Wiefelspütz, der<br />
sich für uns Zeit genommen hat. Der nächste Chat findet<br />
am übernächsten Donnerstag, den 21. September, statt.<br />
Unser Gast ist dann ab 13 Uhr der CDU-Bundestagsabgeordnete Laurenz<br />
Meyer. Das letzte Wort gehört Ihnen, Herr Wiefelspütz.<br />
For more info please visit : <a style="text-decoration: none" href="http://www.howtopatentsomething.org"><font color="#555555">http://www.howtopatentsomething.org</font></a></p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich mach das unheimlich gerne,<br />
mich mit ihnen auseinander zu setzen. Das wichtigste ist, dass wir<br />
uns alle miteinander interessieren für Demokratie. Ich bedanke<br />
mich bei jedem, der sich beteiligt hat. Eine wunderbare Stunde.</p>
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