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	<title>Dietmar Bartsch &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Dietmar Bartsch &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Elf Prozent sind sensationell&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tknobloch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 13:27:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundestagswahl 2009]]></category>
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					<description><![CDATA[Dietmar Bartsch live im Video-Chat: Am 21. September 2009 stellte sich
der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei den Fragen der User von
tagesschau.de und politik-digital.de. Er sprach über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan, die angebliche Krise seiner Partei und die Chancen bei der Bundestagswahl.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dietmar Bartsch live im Video-Chat: Am 21. September 2009 stellte sich<br />
der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei den Fragen der User von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Er sprach über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan, die angebliche Krise seiner Partei und die Chancen bei der Bundestagswahl.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<div style="text-align: center">
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll520.html" title="tagesschau.de-Chat mit Dietmar Bartsch" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/Bartsch_Transkript.png" alt="Dietmar Bartsch im tagesschau.de-Chat" title="Dietmar Bartsch im tagesschau.de-Chat" height="234" width="417" /></a>
</div>
<div style="text-align: center">
</div>
<p>Falls Sie den Chat verpasst haben oder das Video noch einmal sehen wollen &#8211; einfach das Bild anklicken. </p>
<div align="center">
</div>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>&#8220;Wir haben die Politik ein Stück nach links verschoben&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-haben-die-politik-ein-stueck-nach-links-verschoben-3896/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2008 14:45:59 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, den 22. Mai, war Dietmar Bartsch, Bundesgeschäftsführer der Partei Die Linke, zu Gast im tagesschau-Chat. Er sprach über die Unterschiede der Linken zur SPD, über die Themen des Bundesparteitags und erklärte, was Die Linke unter einer Gesellschaft des demokratischen Sozialismus versteht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, den 22. Mai, war Dietmar Bartsch, Bundesgeschäftsführer der Partei Die Linke, zu Gast im tagesschau-Chat. Er sprach über die Unterschiede der Linken zur SPD, über die Themen des Bundesparteitags und erklärte, was Die Linke unter einer Gesellschaft des demokratischen Sozialismus versteht.<!--break--> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Heute ist Dietmar Bartsch zu<br />
uns ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Er ist Bundesgeschäftsführer<br />
der Linkspartei und damit der Zeremonienmeister des Parteitages, der<br />
am Samstag in Cottbus beginnt. Liebe User, nutzen Sie die<br />
Gelegenheit, Herrn Bartsch Ihre Fragen zu stellen. Herr Bartsch, noch<br />
einmal herzlich willkommen. Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Ja, sehr gerne!
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/dbartsch250_0.jpg" alt="Dietmar Bartsch" height="212" width="249" />
</div>
<div style="text-align: center">
Dietmar Bartsch
</div>
<p><b>molodjez:</b><br />
Was unterscheidet Die Linke von einer sozialdemokratischen<br />
Partei?</p>
<p><b>Dietmar Bartsch</b>:<br />
Die Linke hat als Ziel eine andere Gesellschaft, die wir<br />
demokratischen Sozialismus nennen. Und Die Linke ist eine Partei,<br />
die, wenn man sich die aktuelle Politik ansieht, von der real<br />
existierenden SPD weit entfernt ist.</p>
<p><b>Nihambe:</b><br />
Würden Sie mit der SPD im Bund koalieren? </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Die Möglichkeiten für eine Koalition mit der<br />
SPD sind auf aufgrund der aktuellen Politik dieser Partei nicht<br />
gegeben. Wer Auslandseinsätze der Bundeswehr befürwortet,<br />
die Rente mit 67 eingeführt hat, die Bahn privatisiert und die<br />
Hartz4-Gesetzgebung zu verantworten hat, ist für uns kein<br />
Koalitionspartner. Langfristig jedoch wünsche ich mir in<br />
Deutschland einen Politikwechsel und der ist nur in einem<br />
Mitte-Links-Bündnis machbar. Dazu wären allerdings die<br />
entsprechenden gesellschaftlichen, außerparlamentarischen<br />
Voraussetzungen zu schaffen.</p>
<p><b>Neutral:</b><br />
Wenn es denn jemals zu einer Regierungsbeteiligung Ihrer Partei<br />
kommen würde, wie wollen Sie dann das bisschen Profil, welches<br />
Ihre Partei derzeit dem Anschein nach besitzt, behalten? In einer<br />
Koalition wäre eine strikte Ablehnungshaltung und das Schwenken<br />
der sozialen Fahne nicht möglich, daher droht dann doch ein<br />
Verlust der Glaubwürdigkeit durch die Ernüchterung der<br />
Realität für die Wähler.
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Diese Ansicht teile ich ausdrücklich nicht. Wenn<br />
wir eine Regierungsbeteiligung anstreben würden, geht das nur<br />
unter den Bedingungen: 1. der Überwindung der<br />
Hartz-Gesetzgebung, 2. einer Reform der Gesundheitsreform, 3.<br />
wirksame Maßnahmen für die Bekämpfung der<br />
Kinderarmut, 4. Maßnahmen gegen Altersarmut für sichere<br />
Renten, den Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan und der<br />
Angleichung der Lebensverhältnisse Ost-West.<br />
Sollten<br />
wir dieses durchsetzen &#8211; und das ist politisch möglich &#8211; hätten<br />
wir enorm Profil gezeigt.
</p>
<p>
<b>&quot;CDU und FDP sind logischerweise keine Partner&quot;</b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Hier kommt eine Nachfrage:</p>
<p><b>kway:</b><br />
Wenn Sie nicht mit der SPD koalieren wollen bzw. dürfen, mit wem<br />
dann? Realistisch betrachtet wäre die SPD Ihnen doch noch am<br />
nächsten verbunden.
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Das ist zweifelsfrei richtig. Wir haben mit der SPD auf<br />
kommunaler Ebene vielfache Zusammenarbeit und hatten auch<br />
Regierungszusammenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt<br />
und aktuell in Berlin. Nur die derzeitige Politik der SPD auf der<br />
Bundesebene schließt aktuell Koalitionsüberlegungen aus.<br />
CDU/CSU und FDP sind logischerweise keine Partner.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Und noch eine Nachfrage hierzu:</p>
<p><b>Silent Bob:</b> Zur Frage<br />
&quot;Was unterscheidet Die Linke von einer sozialdemokratischen<br />
Partei?&quot;: Wie sieht diese Gesellschaft konkret aus?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Die Gesellschaft ist zunächst mal mit vielen<br />
Adjektiven beschrieben. Es ist eine Gesellschaft in der soziale<br />
Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit herrschen. Wir verstehen jedoch<br />
unter dem demokratischem Sozialismus nicht nur ein Ziel, sondern auch<br />
ein Wertesystem und den Weg zu dieser neuen Gesellschaft. Ich will<br />
betonen, dass wir ausschließlich auf demokratischem Wege &#8211; auf<br />
dem Wege der Emanzipation der Menschen &#8211; zu dieser neuen Gesellschaft<br />
kommen wollen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die User haben<br />
Definitionsbedarf:</p>
<p><b>defender:</b> Wie definieren Sie<br />
überhaupt &quot;soziale Gerechtigkeit&quot;?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Soziale Gerechtigkeit ist ein Begriff, der Gerechtigkeit<br />
zwischen Alt und Jung, Frauen und Männern, Nord und Süd,<br />
Mensch und Natur einschließt. Er ist nur im Zusammenhang mit<br />
den Begriffen Gleichheit, insbesondere in den Zugangsbedingungen zu<br />
Bildung, öffentlicher Daseinsvorsorge u.ä. und Freiheit<br />
darstellbar. </p>
<p><b>Moderatorin</b>: Eine Frage aus der<br />
Vor-Chat-Phase:</p>
<p><b>Freedom Call:</b> Wie erklären Sie<br />
sich die ausbleibende Empörung der Demokraten in unserem Lande<br />
nach Ihrer Ankündigung &quot;..die bestehende gesellschaftliche<br />
Ordnung der Bundesrepublik Deutschland &quot; im sozialistischen<br />
Sinne verändern zu wollen? Offener kann man unserer freiheitlich<br />
demokratischen Grundordnung nicht den Kampf ansagen?</p>
<p><b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Nein, Die Linke ist ausdrücklich eine Verteidigerin<br />
unseres Grundgesetzes. Da auch insbesondere des Artikels 15, der auch<br />
Vergesellschaftung möglich macht. Ich will auch daran erinnern,<br />
dass selbst im Ahlener Programm der CDU die sozialistische<br />
Gesellschaft Erwähnung findet. Also: Offensichtlich gibt es eine<br />
Vielzahl von Vorurteilen bezüglich des Begriffes &quot;Sozialismus&quot;.<br />
Für uns ist dieser Begriff keinesfalls Einschränkung von<br />
Freiheit, sondern Erweiterung von Freiheit. </p>
<p><b>Max:</b> Wie<br />
kann ich wissen, wofür Die Linke steht, wenn Ihre Partei bis zur<br />
nächsten Bundestagswahl als einzige Bundestagsfraktion noch<br />
immer kein Programm haben wird? Meiden Sie die Programmdiskussion,<br />
weil Ihre Partei selber nicht genau weiß, wofür Sie<br />
eigentlich steht?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Dieses dumme Vorurteil wird gern verbreitet. Schon nach<br />
dem Gesetz hat jede Partei vor ihrer Registrierung ein Parteiprogramm<br />
einzureichen. Die Linke hat ihr Programm mit einer Urabstimmung aller<br />
Mitglieder beschlossen. Wir werden selbstverständlich vor der<br />
Bundestagswahl ein Bundestagswahlprogramm und vor der Europawahl ein<br />
Europawahlprogramm auf Parteitagen entscheiden. Natürlich geht<br />
die programmatische Debatte in meiner Partei weiter und wird zu einem<br />
neuen Programm etwa im Jahre 2010 führen. Dass wir<br />
programmatische Grundlagen haben, zeigt unsere konkrete Politik in<br />
der Kommune, in den Ländern, im Bundestag und im Europäischen<br />
Parlament. Sollte allerdings gemeint sein, dass wir offene Fragen<br />
haben, zu denen wir uns in unserem Programm ausdrücklich bekannt<br />
haben, sehe ich das als einen Vorzug an. Ich glaube im Übrigen,<br />
dass alle Parteien offene Fragen haben &#8211; oder zumindest haben<br />
sollten.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Sie nennen ihr Programm aber<br />
selbst nicht Grundsatzprogramm, sondern Eckpunkte, weil Vieles offen<br />
geblieben ist.
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Nein, nicht weil vieles offen geblieben ist, sondern<br />
weil Die Linke vor einem Jahr in einem &#8211; nicht leichten &#8211; Prozess aus<br />
PDS und WASG hervorgegangen ist und wir unter diesem politischen<br />
Druck und Zeitdruck nicht alle Fragen klären konnten. Deshalb<br />
haben wir die Überschrift &quot;Programmatische Eckpunkte&quot;<br />
gewählt. Zweifelsfrei kann man auch darüber &quot;Programm&quot;<br />
schreiben.
</p>
<p>
<b>&quot;Die Geschichte der Linken ist eine Erfolgsgeschichte&quot;</b>
</p>
<p>
<b>Harr:</b> Welche Bilanz ziehen sie nach etwa<br />
einem Jahr Die Linke und was bedeutet das für den Parteitag?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Die &#8211; jetzt einjährige &#8211; Geschichte der Partei &quot;Die<br />
Linke&quot; ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie die Bundesrepublik<br />
noch nicht erlebt hat. Wir sind die einzige Partei mit<br />
Mitgliederzuwachs, wir sind in vier westdeutsche Landesparlamente<br />
eingezogen &#8211; was kaum jemand für möglich erachtet hat &#8211; und<br />
wir haben die politische Agenda wesentlich mitbestimmt. Heute ist zum<br />
Beispiel ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn<br />
mehrheitsfähig in der Bevölkerung. Heute ist die Rente mit<br />
67 und die sich abzeichnende größere Altersarmut<br />
inakzeptiert in der Gesellschaft. Es gibt Diskussionen zu<br />
Managergehältern, zur Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer.<br />
Nur durch unser Engagement wurde die so genannte 58er-Regelung<br />
verlängert und vieles andere mehr. In einem Wort:<br />
Erfolgsgeschichte.</p>
<p><b>Reader:</b> Was hat Die Linke im letzten<br />
Jahr aus der Opposition verändern können? Treiben Sie die<br />
anderen Parteien vor sich her?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Ich würde zwar nicht so weit gehen wie einige<br />
Medien, dass Die Linke schon jetzt &quot;mitregiert&quot;. Aber wir<br />
haben die Achse der Politik ein Stück nach links verschoben. Der<br />
Begriff der gesellschaftlichen Solidarität ist zurückgekehrt.<br />
Soziale Gerechtigkeit wird von allen Parteien zumindest im Munde<br />
geführt. Und das hat konkrete Auswirkungen. Ein Beispiel: Die<br />
Verlängerung der Afghanistan-Mandate wurde nicht mehr routiniert<br />
vollzogen, sondern es gab inzwischen 140 Abgeordnete des Deutschen<br />
Bundestages, die gegen die Verlängerung gestimmt haben. Es wird<br />
eine Veränderung der Rentenformel geben, durch unser<br />
beharrliches Agieren und unsere Rentenkampagne, die wir in Cottbus<br />
starten werden. Auch dass es in einigen Branchen einen gesetzlichen<br />
Mindestlohn gibt, hätte es ohne unser Agieren hier zusammen mit<br />
den Gewerkschaften nicht gegeben.</p>
<p><b>phlo:</b><br />
Zur &quot;Rente mit 67&quot;: Wie will Die Linke den Problemen des<br />
demografischen Wandels entgegentreten?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Zunächst will ich feststellen, dass es in sehr<br />
vielen europäischen Ländern Rente mit 60, mit 58 oder mit<br />
65 gibt. Auch die Linke leugnet nicht und begrüßt, dass<br />
die Menschen in unserer Gesellschaft älter werden. Die<br />
Finanzierung des Rentensystems muss auf andere Grundlagen gestellt<br />
werden. Zum Beispiel schlagen wir die Aufhebung der<br />
Beitragsbemessungsgrenze, zunächst die Erhöhung, vor. Wir<br />
treten ein für die Einbeziehung der Abgeordneten, Beamten und<br />
Selbstständigen in die Rentenversicherung. Wir sind dafür,<br />
dass die systemfremden Leistungen überprüft werden und<br />
nicht zuletzt: Es ist möglich, über flexibles<br />
Renteneintrittsalter zu reden.
</p>
<p>
<b>phlo:</b> Der<br />
rot-rote Senat in Berlin wird oft als Beispiel für gute<br />
Koalitionsarbeit mit Der Linken gebracht. Wie beurteilen Sie die<br />
politische Arbeit in unserer Hauptstadt?</p>
<p><b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Die damalige PDS ist in Berlin in<br />
Regierungsverantwortung gewählt worden, nach dem Desaster der<br />
Großen Koalition und dem bisher größten<br />
Bankenskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Berlin war über<br />
beide Ohren verschuldet und die Stadt war politisch, kulturell und<br />
wirtschaftlich geteilt. In dieser Situation haben wir uns auf den<br />
schwierigen Weg in Berlin gemacht,  die Stadt gemeinsam mit der SPD<br />
zukunftsfest und zu einer Ost-West-Metropole zu machen. Da gibt es<br />
Erfolge, die sich sehen lassen können. Unter anderem auch die<br />
Haushaltssanierung, aber insbesondere, dass Berlin wirklich eine<br />
Kulturhauptstadt ist. Dass es ein Kultur- und ein Sozialticket gibt<br />
und vieles andere mehr. Und es gibt Dinge, an denen wir arbeiten<br />
müssen. Wir haben in der ersten Legislatur Fehler gemacht, die<br />
uns auch ein wenig erfreuliches Wahlergebnis gebracht haben. Aber aus<br />
diesen Fehlern wurde in Berlin gelernt und ich hoffe, dass wir nach<br />
fünf Jahren das auch von den Wählerinnen und Wählern<br />
honoriert bekommen.
</p>
<p>
<b>&quot;Beobachtung der Partei ist inakzeptabel&quot;</b>
</p>
<p>
<b>Malfa:</b><br />
Welche Chancen rechnen Sie sich in Bayern aus, jetzt da auch die CSU<br />
wieder mehr Sozialthemen in den Vordergrund rückt?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Zunächst freue ich mich, dass die CSU zum Beispiel<br />
unsere Forderung der Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab<br />
dem ersten Kilometer aufgenommen hat. Allerdings weise ich darauf<br />
hin, dass die CSU genau diese Entscheidung mitgetragen und befördert<br />
hat. Die Tatsache, dass wir in Bayern überhaupt eine Chance<br />
haben, in den Landtag einzuziehen, finde ich sensationell. Wir werden<br />
mit der Unterstützung der Bundespartei in Bayern kämpfen,<br />
dass wir diese Chance nutzen. Die Kommunalwahlen in Bayern haben<br />
gezeigt, dass Die Linke auch in diesem Land gewünscht ist. Also:<br />
Eine Sensation ist möglich.
</p>
<p>
<b>Legolas:</b><br />
Welche Argumente haben Sie gegen eine Beobachtung Ihrer Partei durch<br />
den Verfassungsschutz?</p>
<p><b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Die Beobachtung der Partei Die Linke oder auch von<br />
Zusammenschlüssen ist völlig inakzeptabel. Die Linke stellt<br />
Bürgermeister, Landräte und viele Abgeordnete. Sie ist in<br />
den Überwachungsgremien des Verfassungsschutzes vertreten.<br />
Mehrfach und klar und eindeutig haben wir uns nicht nur zum<br />
Grundgesetz bekannt, sondern verteidigen es gegen Angriffe wie den<br />
Einsatz der Bundeswehr im Inneren, Online-Durchsuchungen und<br />
ähnliches. Die Linke war in einigen Bundesländern im<br />
Übrigen verfassungsgebende Partei. Und richtig ist, dass<br />
Landesämter des Verfassungsschutzes wie Brandenburg,<br />
Mecklenburg-Vorpommern, Berlin aber auch Schleswig-Holstein und das<br />
Saarland jegliche Beobachtung eingestellt haben. Dem sollten Herr<br />
Schäuble und Herr Fromm folgen. Und auch die Bundeskanzlerin ist<br />
hier gefordert, als jemand, der aus dem Osten kommt und die Linke<br />
etwas mehr kennt.</p>
<p><b>Theophil:</b><br />
Wie stehen sie zu einer Kandidatur von Sahra Wagenknecht für ein<br />
höheres Parteiamt oder ein Bundestagsmandat?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Sahra Wagenknecht wird in Cottbus für den<br />
Parteivorstand kandidieren. Sie war bereits in den letzten Jahren im<br />
Parteivorstand und ich gehe davon aus, dass sie auch gewählt<br />
wird. Die Repräsentanz der kommunistischen Plattform mit einem<br />
Mitglied in einem 44köpfigen Parteivorstand sehe ich als<br />
angemessen an. Die Entscheidung bezüglich der Bundestagswahlen<br />
stehen noch nicht an und diese Entscheidungen werden in den Ländern<br />
getroffen. Allerdings wird die Bundesspitze der Partei sich dazu sehr<br />
schnell nach Cottbus verständigen und vielleicht auch die ein<br />
oder andere Anregung geben. Bisher war das Thema Sahra Wagenknecht<br />
und Kandidatur zur Bundestagswahl kein Thema, weil sie im<br />
Europaparlament für die Linke sitzt.</p>
<p><b>Ari:</b><br />
Aber geben Personen wie Frau Wagenknecht nicht eher Gründe davon<br />
auszugehen, dass es nicht allen Parteimitgliedern so wichtig ist mit<br />
der Demokratie?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Ich kann nur empfehlen dort mit Sahra Wagenknecht direkt<br />
ins Gespräch zu kommen. Mir ist sie in den Sitzungen des<br />
Parteivorstandes nicht durch besondere Radikalität bei den<br />
Zukunftsfragen unserer Gesellschaft aufgefallen.</p>
<p><b>amuego:</b><br />
Stellt Die Linke einen alternativen Kandidaten zur<br />
Bundespräsidentenwahl?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Mit Respekt haben wir die heutige Entscheidung von Horst<br />
Köhler zur Kenntnis genommen, dass er für eine weitere<br />
Amtszeit kandidiert. Die Linke wird sich nach den bayerischen<br />
Landtagswahlen, wenn die Zusammensetzung der Bundesversammlung<br />
feststeht und wenn gegebenenfalls weitere Kandidaturen bekannt sind,<br />
positionieren. Ich rate meiner Partei bei dieser Wahl nicht zu<br />
Wichtigtuerei, wie das Herr Westerwelle für die FDP tut, der<br />
auch wie wir über knapp 100 Vertreterinnen und Vertreter in der<br />
Bundesversammlung verfügt.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Eine Bitte<br />
um persönliche Antwort:</p>
<p><b>Merle:</b> Wie stehen Sie zur<br />
erneuten Kandidatur von Köhler?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Ich habe Horst Köhler persönlich als Mitglied<br />
des Haushaltsausschusses, der für seinen Einzelplan (<i>der Etat<br />
des Bundespräsidialamtes, d. Red.</i>) zuständig ist,<br />
kennen und auch schätzen gelernt. Ich schätze insbesondere<br />
sein nachhaltiges Engagement für Afrika und die Tatsache, dass<br />
er sich zuhörend mit den besonderen Problemen der Menschen in<br />
Ostdeutschland beschäftigt hat.
</p>
<p>
<b>&quot;Ich habe keinen Zweifel, Gregor Gysi zu vertrauen&quot;</b></p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Themenwechsel:</p>
<p><b>defender:</b><br />
Wann wird sich Die Linke mit ihrer Stasi-Vergangenheit befassen?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Wie keine andere Partei hat sich die PDS mit der<br />
Vergangenheit sowohl mit ihrer Vorgängerpartei, der SED, der<br />
Vergangenheit der DDR aber auch der Vergangenheit der<br />
kommunistischen, sozialistischen und sozialdemokratischen Bewegung<br />
befasst. Wir haben dort um unserer selbst willen schmerzhafte auch<br />
tränenreiche Debatten geführt, Konferenzen gemacht,<br />
Publikationen herausgegeben und auf Parteitagen Entscheidungen zum<br />
Umgang mit der Vergangenheit getroffen. Andere haben es sich sehr<br />
einfach gemacht und schlicht Blockparteien übernommen, ohne sich<br />
auseinanderzusetzen.
</p>
<p>
Das Thema<br />
Staatssicherheit ist ein Aspekt dieser Auseinandersetzung, der in der<br />
Öffentlichkeit häufig in besonderer Weise nach vorne<br />
gestellt wird. Wir haben uns mit unserer Vergangenheit jedoch nicht<br />
wegen des Mainstreams oder weil andere es von uns wollten,<br />
auseinandergesetzt, sondern um unser selbst willen, um der Zukunft<br />
des demokratischen Sozialismus willen.</p>
<p><b>dieter:</b> Herr<br />
Bartsch, kürzlich veröffentlichte die<br />
Stasi-Unterlagenbehörde Papiere, die den Schluss nahe legen,<br />
dass Gysi als IM für die Stasi gearbeitet hat. Wann zieht Ihre<br />
Partei Konsequenzen und verlangt den Rücktritt ihres<br />
Fraktionschefs? Oder ist es für Sie tragbar, einen<br />
Stasi-Mitarbeiter als Chef zu haben?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Gregor Gysi hat in dieser Angelegenheit diverse Prozesse<br />
geführt und diese gewonnen. Auch er hat bezüglich seiner<br />
Vergangenheit klare und präzise Aufklärungsarbeit<br />
betrieben. Ich habe keinen Zweifel, ihm zu vertrauen und kenne auch<br />
keine Dokumente, dass er inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums<br />
für Staatssicherheit war. Die zufälligerweise vor dem<br />
Cottbuser Parteitag formulierten Medienmeldungen habe ich in der<br />
Geschichte der PDS mehrfach erleben dürfen. Ich werde das Gefühl<br />
nicht los, dass hier bewusst einzelne Dokumente im Vorfeld von<br />
wichtigen Parteientscheidungen das Licht der Welt<br />
erblicken.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Wird das Thema zu Diskussionen<br />
am Parteitag führen?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Nein, ich gehe nicht davon aus, dass dieses Thema auf<br />
dem Parteitag aufgerufen wird. Wobei man bei Parteitagen der Linken<br />
nie abschließend weiß, was in den Diskussionen eine Rolle<br />
spielt. Wir lassen uns aber nicht Diskussionen aufzwingen, für<br />
die es keine Grundlagen gibt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Zur Diskussionskultur in ihrer Partei:</p>
<p><b>Links:</b> Sehr<br />
geehrter Herr Bartsch, wie erklären sie es sich, dass Mitglieder<br />
ihrer Partei überdurchschnittlich öfter andere Diskutanten<br />
in so ziemlich jeder politischen Talkshow unterbrechen und ist dies<br />
ihr Verständnis einer demokratischen, regierungsfähigen<br />
Partei?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Nun ist jede Talkshow eine eigene. Und ich sage<br />
selbstkritisch, dass auch bei mir dieses bereits vorgekommen ist.<br />
Richtig ist, dass das nicht die Kultur ist, die ich mir wünsche.<br />
Aber es ist leider auch so, dass wir Vertreterinnen und Vertreter der<br />
Partei Die Linke in besonderer Weise häufig mit Kritik &#8211; an und<br />
manchmal auch unter der Gürtellinie &#8211; konfrontiert werden. Ich<br />
teile allerdings die Auffassung, dass generell die Kultur der<br />
Talkshows verbesserungswürdig ist. Weiß aber auch, dass in<br />
Erinnerung nicht der ruhige solide argumentierende Diskutant bleibt,<br />
sondern häufig der- oder diejenige, die provoziert haben. Als<br />
Vorpommer neige ich eh zu einem ruhigeren Umgang auch mit dem<br />
politischen Konkurrenten.</p>
<p><b>phlo:</b><br />
Öffentlich wird Ihre Partei immer noch von großen Teilen<br />
der etablierten Parteien geschmäht. Wie steht es um die<br />
inoffizielle Arbeit in den Ausschüssen und Gremien?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: In den Bundestagsausschüssen, wo ich das beurteilen<br />
kann, gibt es eine normale Zusammenarbeit. Leider ist es häufig<br />
so, dass mit dem roten Licht einer Kamera die Gesichtszüge der<br />
Vertreterinnen und Vertreter anderer Parteien sich ändern.<br />
Allerdings hat sich das in den letzten Jahren normalisiert und mir<br />
geht es auch nicht darum, dass mich Mitglieder des deutschen<br />
Bundestags anderer Parteien lieben. Wir sind beauftragt, für die<br />
Menschen das Beste zu tun. Und da ist der Umgang wichtig, aber nicht<br />
das Entscheidende.
</p>
<p>
<b>Cthulhu:</b><br />
Ist Die Linke nicht die neue Konservative, da sie die<br />
Sozialdemokratie der 80er predigt?</p>
<p><b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Die Linke predigt nicht die Sozialdemokratie der 70er<br />
oder 80er Jahre. Allerdings schließen wir uns nicht der<br />
neoliberalen Logik an, dass Steuersenkungen und Einschnitte bei den<br />
sozial Schwächeren die einzige Entwicklungslogik sind. In<br />
Deutschland ist die Schere zwischen dem riesengroßen Reichtum &#8211;<br />
wir haben inzwischen 800.000 Vermögensmillionäre &#8211; und<br />
völlig inakzeptabler Armut größer geworden. Laut<br />
UNICEF leben 2,4 Millionen Kinder in Armut. Wenn man uns unterstellt,<br />
dass wir uns mit diesen Verhältnissen nicht abfinden wollen und<br />
die Umverteilung von unten nach oben stoppen wollen, dann ist mir<br />
egal, wie man das bezeichnet. Die Linke ist Zukunftspartei und strebt<br />
die Lösung der Probleme dieses Jahrhunderts an.
</p>
<p>
<b>Finanzierungsquellen für das Programm der Linken</b></p>
<p><b>Georg:</b><br />
Wo soll denn das ganze Geld für Ihre Versprechungen herkommen?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Danke für die Frage. Sehr gerne will ich zunächst<br />
vier Quellen nennen: Die Linke strebt eine Reform der<br />
Erbschaftssteuer an, die das Aufkommen von bisher vier Milliarden<br />
deutlich erhöht. In den nächsten Jahren werden 1,3<br />
Billionen Euro vererbt. Hätten wir eine Erbschaftssteuer wie in<br />
den Vereinigen Staaten, würden ca. 50 Milliarden in die<br />
öffentlichen Haushalte kommen. Zweitens fordern wir die<br />
Wiedererhebung der Vermögenssteuer, wie es sie bis 1996 gab, auf<br />
verfassungsrechtlicher korrekter Grundlage. Auch dies kann einen<br />
zweistelligen Milliardenbetrag bringen. Drittens wollen wir die<br />
Einkommenssteuer verändern, so dass es eine höhere<br />
Belastung für die Spitzenverdiener gibt. Sprich einen erhöhten<br />
Spitzensteuersatz der von jetzt 42 Prozent  in Richtung 50 Prozent<br />
erhöht werden sollte. Gleichzeitig den so genannten<br />
Mittelstandsbauch jedoch abschaffen und die ersten 8.000 Euro pro<br />
Kopf steuerlich freistellen. Viertens hat die Linke auch schon im<br />
Deutschen Bundestag die Einführung einer Börsenumsatzsteuer,<br />
wie es sie zum Beispiel in Großbritannien gibt, vorgeschlagen.<br />
Nicht zuletzt gibt es auch im aktuellen Haushalt ein großes<br />
Einsparpotenzial und zwar nicht nur bei den Auslandseinsätzen<br />
der Bundeswehr, die ca. eine Milliarde Euro jährlich kosten,<br />
sondern bei vielen Etatposten. Hätten wir die durchschnittliche<br />
europäische Steuern- und Abgabenquote in Deutschland, wären<br />
unsere Haushaltsprobleme deutlich geringer.</p>
<p><b>MenuPerso:</b><br />
Und die Erbschaftsteuer bezeichnen Sie also als fair. Ist Ihnen<br />
bewusst, dass dann viele Erben das Haus ihrer Oma verkaufen müssten,<br />
um die Steuer zu bezahlen?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Das will Die Linke ausdrücklich nicht. Es gibt<br />
jetzt Freibeträge &#8211; und wir sind für hohe Freibeträge,<br />
dass &quot;Oma ihr klein Häuschen&quot; nicht belastet wird.<br />
Aber Milliardenbeträge in Geld und Immobilienfonds können<br />
nicht so niedrig besteuert &#8211; wie in kaum einem anderen Land &#8211;<br />
bleiben. Eine Situation, die sich in Deutschland so darstellt, dass<br />
Kinder geboren werden, die das vererbte Vermögen bis an ihr<br />
Lebensende nicht ausgeben können und auf der anderen Seite<br />
Kinder, die ihre Fähigkeiten in unserem Land nicht entfalten<br />
können, ist nicht hinzunehmen. Sie ist inhuman und letztlich<br />
auch ökonomisch unsinnig, weil niemand bei der Geburt weiß,<br />
aus welchem der beiden Kinder der neue Einstein wird.<br />
Also<br />
noch einmal: Freibeträge bei der Erbschaftssteuer, die<br />
Möglichkeit Betriebsübergänge so zu gestalten, dass<br />
Arbeitsplätze nicht gefährdet werden und trotzdem ein<br />
deutlich erhöhtes Aufkommen ist das Angebot Der Linken, welches<br />
auch in einem Gesetzesentwurf der Bundestagsfraktion nachzulesen<br />
ist.</p>
<p><b>defender:</b><br />
@Vermögenssteuer: Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die<br />
Reichen sich von Ihnen ausnehmen lassen. Es wird eine massive<br />
Kapitalflucht ins Ausland geben. Oder wollen Sie die Mauer wieder<br />
aufbauen?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Weder wollen wir eine Mauer aufbauen noch wird es eine<br />
solche Kapitalflucht geben. Warum flüchtet denn das Kapital<br />
jetzt nicht nach Deutschland, wo es keine Vermögenssteuer gibt,<br />
wo sie in anderen Ländern sehr wohl erhoben wird? Dieser<br />
unsinnige Vorwurf tritt, wenn wir Nokia anschauen, auch ohne eine<br />
Vermögenssteuer ein und ich wäre gespannt, wie die<br />
vielfachen Milliardäre Gebrüder Albrecht (Aldi) ihre<br />
Supermärkte unter den Arm nehmen und gehen. Der Maßstab<br />
für unser Agieren können weder die Löhne in Malawi<br />
sein noch die Nicht-Steuern in bestimmten Steueroasen.
</p>
<p>
Im Übrigen<br />
habe ich bei Gesprächen mit vielen Menschen, die über ein<br />
großes Vermögen verfügen, die Bereitschaft erfahren,<br />
sich mehr auch über Besteuerung in gesellschaftliche<br />
Verantwortung zu begeben. Es bleibt nun mal, dass stärkere<br />
Schultern mehr tragen müssen als schwächere.</p>
<p><b>Dennis<br />
Paustian:</b> Wird Die Linke sich für die komplette<br />
Gleichstellung von Schwulen und Lesben im Steuerrecht sowie im<br />
Adoptionsrecht einsetzen?
</p>
<p>
<br />
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Das ist Position Der Linken, wie sie im Übrigen<br />
bereits Position der PDS war.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Wir haben während des Chats unseren Usern die Frage gestellt:<br />
Ist die Linkspartei mittlerweile auch im Bund regierungsfähig?-<br />
37 Prozent haben ja gesagt, 63 Prozent nein. Wie beurteilen Sie<br />
das?</p>
<p><b>Dietmar Bartsch</b>: Ich<br />
finde das enorm hoch, dass 37 Prozent das so empfinden. Wenn die<br />
Hälfte von denen uns wählt, werden wir ganz schnell zu<br />
einem Partner für die Sozialdemokratie werden können.<br />
Allerdings möchte ich wiederholen, dass für uns die Politik<br />
der Maßstab ist. Es geht nicht um Ministerämter und andere<br />
Vorteile. Sondern um konkrete Veränderung von Politik und das<br />
erste Jahr der Linken hat gezeigt, dass wir aus der Opposition heraus<br />
sehr viel verändern konnten.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Macht so ein (nichtrepräsentatives) Ergebnis einigen Mitgliedern<br />
Ihrer Partei Angst?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Es ist so, dass in meiner Partei Mitglieder sind die<br />
jegliche Regierungsverantwortung ablehnen. Aber das ist eine<br />
Minderheit. Meine Position dazu ist klar und eindeutig: Man muss<br />
regieren wollen, man muss regieren können und die<br />
Voraussetzungen für das Regieren müssen stimmen, dass es zu<br />
einem spürbaren Politikwechsel kommt. Dies wird auch in Cottbus<br />
diskutiert werden.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Wie viel Sprengstoff liegt in dieser internen Frage?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Die Frage wird abstrakt, sehr häufig und sehr<br />
intensiv besprochen. In der Praxis gehe ich davon aus, dass ein<br />
eventuelles Mitte-Links-Bündnis aus der Gesellschaft heraus<br />
wächst oder es wächst nicht. Es ist nicht entscheidend, wie<br />
sich Parteien positionieren. Macht die SPD ein Angebot, was mit einem<br />
wirklichen Politikwechsel verbunden ist, wird sich die Linke dem<br />
nicht verschließen können.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Eine Stunde tagesschau-Chat ist fast vorbei. Dankeschön an<br />
unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle<br />
stellen konnten. Herr Bartsch, möchten Sie noch ein Schlusswort<br />
an die User richten?
</p>
<p>
<b>Dietmar<br />
Bartsch</b>: Ich bedanke mich auch für die vielen interessanten<br />
Fragen und würde mir wünschen, dass sich möglichst<br />
viele das Bild über die Partei an ihren konkreten Forderungen<br />
und Handlungen machen und weniger der ein oder anderen<br />
Verlautbarungen anderer politischen Parteien über die Medien<br />
vertrauen &#8211; außer natürlich tagesschau.de.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Zu viel Lob von der Politik wollen wir auch gar nicht. Vielen Dank<br />
für Ihr Interesse und vielen Dank an Herrn Bartsch. Das<br />
Protokoll des Chats ist in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de zu finden. Das<br />
tagesschau-Chat-Team wünscht noch einen schönen Tag!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Lafontaine ist die Verkörperung unserer Chance im Westen&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/lafontaine-ist-die-verkoerperung-unserer-chance-im-westen-516/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Mar 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[WASG]]></category>
		<category><![CDATA[Linkspartei.PDS]]></category>
		<category><![CDATA[Dietmar Bartsch]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><span class="fett">Am
22. März war Dietmar Bartsch, Bundesgeschäftsführer
der Linkspartei.PDS und Mitglied des Bundestages, zu Gast im tagesschau-Chat
in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Fusionspläne
mit der WASG, den anstehenden Parteitag und die linke Politik der
Zukunft.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><span class="fett">Am<br />
22. März war Dietmar Bartsch, Bundesgeschäftsführer<br />
der Linkspartei.PDS und Mitglied des Bundestages, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Fusionspläne<br />
mit der WASG, den anstehenden Parteitag und die linke Politik der<br />
Zukunft.</span></b><!--break--></p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Herzlich<br />
willkommen zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist heute Dietmar Bartsch. Er ist Bundesgeschäftsführer<br />
der Linkspartei.PDS, für die er auch im Bundestag sitzt. Derzeit<br />
bereitet Bartsch die Fusion seiner Partei mit der WASG vor. Beide<br />
Parteien halten am Wochenende in Dortmund einen Parteitag ab. Vielen<br />
Dank, dass Sie gekommen sind, Herr Bartsch. Unsere Leser werden<br />
Ihnen Fragen aus allen Politikbereichen stellen. Können wir<br />
beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Dietmar Bartsch:</b></b> Ja. Sehr gerne.
</p>
<p>
<b>Hurgel:</b> Können Sie kurz erklären, wie<br />
jetzt der aktuelle Stand der Vereinigung von PDS und WSAG aussieht?<br />
Im Bundestag ist es ja eine Fraktion „Die Linke&quot; und<br />
wie sieht es auf Parteiebene aus?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Also, im Bundestag gibt es bereits<br />
diese eine Fraktion, auf der Parteiebene existieren beide Parteien,<br />
die die Gründungsdokumente für die neue Partei erarbeitet<br />
haben. <br />
Diese sollen in Dortmund beschlossen und dann per Urabstimmung bestätigt<br />
werden. Am 15. und 16.Juni findet dann der Gründungsparteitag<br />
von „Die Linke&quot; statt.
</p>
<p>
<b>pdssympi:</b> Sind die alten Westlinken mit der bisherigen<br />
PDS-Klientel eigentlich vereinbar? Das sind zwei völlig unterschiedliche<br />
Kulturkreise?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Die PDS ist nicht homogen, die<br />
Westlinke ist nicht homogen. Natürlich gibt es Unterschiede<br />
und Gemeinsamkeiten. Ich gehe davon aus, dass alle Beteiligten die<br />
Chance einer neuen Linken wahrnehmen.
</p>
<p>
<b>Zottel:</b> Hat die PDS mehr Angst vor der Fusion<br />
als die WASG?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Ängste gibt es sicherlich<br />
auch, aber es werden vor allem die Chancen gesehen. <br />
Deshalb gehe ich von einer hohen Zustimmung in beiden Parteien aus.<br />
Die Parteibildung ist Mittel zum Zweck, mehr politischen Einfluss<br />
in Deutschland zu gewinnen.
</p>
<p>
<b>thomas.l:</b> Glauben sie, dass die neue Linkspartei<br />
alle WASGler integrieren kann und will?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Ich glaube, dass das unmöglich<br />
sein wird. Einige werden einen anderen Weg gehen, aber ich wünsche<br />
mir vor allem Attraktivität, dass viele neue Mitglieder und<br />
Wählerinnen und Wähler zur neuen Linken stoßen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage:
</p>
<p>
<b>Barsch:</b> Klar gibt es Chancen, aber Sie wurden<br />
gerade nach den Ängsten gefragt. Können sie auch dazu<br />
was antworten?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Ja. Die Ängste in der PDS<br />
sind vor allen Dingen damit verbunden, dass die neue Partei westdeutsch<br />
ausschließlich gewerkschaftlich orientiert und männerdominiert<br />
ist. <br />
Die Ängste der WASG kenne ich weniger. Aber sie liegen vor<br />
allen Dingen darin, dass 60.000 Mitglieder der Linkspartei numerisch<br />
eine große Mehrheit in der neuen Partei darstellen.
</p>
<p>
<b>thomas.l:</b> Warum kann man in Berlin so wenig vom<br />
Einfluss der PDS beziehungsweise Linkspartei bemerken?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Das ist sicherlich eine Frage<br />
der Betrachtung. Ich glaube schon, dass die Politik der Linkspartei<br />
in Berlin sichtbar ist. Ein Sozialticket, gebührenfreie Kitas<br />
für sozial Schwächere, Kulturtickets sowie ein öffentlicher<br />
Beschäftigungsbereich sind einige Aspekte.
</p>
<p>
<b><b>Özgür1:</b></b> Was wird denn<br />
neu bei der neuen Linken sein? Faktisch sind es doch die Mitglieder<br />
der beiden alten Parteien.
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Die Linke wird die Frage, was<br />
neu ist, beantworten müssen. Wir werden eine intensive programmatische<br />
Debatte führen. Neu ist aber zum Beispiel der Erfolg bei den<br />
Bundestagswahlen sowie die Erfolge bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen<br />
und Hessen. Hinzu kommt erstmals eine Stabilität bei den Mitgliedern<br />
in der Linkspartei. Letztlich, das Neue an der Linken ist für<br />
uns Aufgabe.
</p>
<p>
<b>thomas.l:</b> Kann es zu einer eventuellen neuen konkurrierenden<br />
Partei von nicht integrierbaren WASGlern kommen?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Das ist möglich. Jedoch<br />
sage ich einer solchen Partei Einflusslosigkeit voraus.
</p>
<p>
<b>lenin:</b> Die Berliner WASG wirft der Linkspartei<br />
neoliberale Politik vor, beispielsweise durch die Abschaffung des<br />
Ladenschlusses, den Verkauf der Berliner Sparkasse oder die Stimme<br />
für die EU-Verfassung im Bundesrat. Das alles hat die Berliner<br />
Linkspartei ja auch viele Stimmen gekostet. Können Sie sich<br />
zu diesen Vorwürfen äußern?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Natürlich. Wir müssen<br />
zur Kenntnis nehmen, dass wir bei den Wahlen eine herbe Niederlage<br />
einstecken mussten. Da liegen sicherlich auch Ursachen bei meiner<br />
Partei. Den Vorwurf neoliberaler Politik jedoch weise ich zurück.<br />
Wir haben in Berlin Regierungsverantwortung übernommen als<br />
die Stadt nach einem Bankenskandal riesig verschuldet war und scheinbar<br />
kein Ausweg möglich war. Deshalb musste es einige schmerzhafte<br />
Einschnitte geben. Der EU-Verfassung hat auch die Berliner Linkspartei<br />
nicht zugestimmt. Dass die Sparkasse veräußert werden<br />
muss, liegt an der vorherigen großen Koalition und ist Aufgabe<br />
der EU. Meine Partei wird in Berlin alles dafür tun, dass der<br />
Charakter einer Sparkasse erhalten bleibt.
</p>
<p>
<b><b>Özgür1:</b></b> Herr Bartsch,<br />
glauben Sie wirklich, dass Ihre neue Partei mit vorgesehenen zwei<br />
Vorsitzenden wirklich handlungsfähig sein wird?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Das glaube ich. Wie kein anderer<br />
steht Lothar Bisky für die Identität der Linkspartei und<br />
für Ostdeutschland. Oskar Lafontaine ist die Verkörperung<br />
unserer Chance im Westen. Wir werden drei Jahre zwei Vorsitzende<br />
haben und das ist eine sinnvolle Entscheidung.
</p>
<p>
<b>laffi:</b> Wie stehen Sie zu Lafontaine?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Ich habe Oskar Lafontaine in<br />
den letzten anderthalb Jahren insbesondere als Fraktionsvorsitzenden<br />
kennen gelernt. Er verfügt über Erfahrungen wie niemand<br />
von uns in der Partei. Und ich arbeite mit ihm gut zusammen.
</p>
<p>
<b>rolledrops:</b> Was hält die Basis im Osten eigentlich<br />
von Oskar Lafontaine?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Ich kann nur von den Auftritten<br />
Oskar Lafontaines während des Wahlkampfes und bei Veranstaltungen<br />
jetzt berichten, dass es einen großen Zuspruch gibt. Die Sehnsucht<br />
der Parteibasis im Osten nach einem Erfolg im Westen lässt<br />
auch über manchen kulturellen Unterschied hinwegsehen.
</p>
<p>
<b>hannes-:</b> Wird der Medienmensch Lafontaine nicht<br />
am Ende alle anderen an die Wand drücken?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Wir sind eine demokratische Partei<br />
und wir haben aktuell kein so bekanntes Gesicht wie Oskar Lafontaine.<br />
Er wird niemanden an die Wand drücken, weil wir den Erfolg<br />
nur gemeinsam mit vielen Frauen und Männern erreichen können.
</p>
<p>
<b>SebLin:</b> Warum sollte der westdeutsche Wähler<br />
die neue Linke wählen? Sieht sich die Partei nicht noch immer<br />
als eine Partei an, die sich den Belangen der Ostdeutschen verpflichtet<br />
fühlt?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Auch die Linkspartei wird sich<br />
aufgrund der großen Diskrepanz zwischen Ost und West weiterhin<br />
den ostdeutschen Interessen in besonderer Weise widmen müssen.<br />
Wahlargumente habe ich hunderte. Aktuell etwa unsere Positionierung<br />
gegen die Rente mit 67, den sinnlosen Einsatz von Tornados, der<br />
Deutschland zur Kriegspartei in Afghanistan macht und den wir ablehnen,<br />
unsere Alternativen zur Unternehmenssteuerreform, und und und&#8230;
</p>
<p>
<b>rene:</b> Gibt es Ziele für die nächste<br />
Bundestagswahl, was die dann vollbrachte Fusion aus beiden Lagern<br />
zu erreichen gewillt ist?
</p>
<p>
<b>thomas.l:</b> Ist das Ziel der neuen Linkspartei in<br />
erster Linie mitzuregieren oder die Benachteiligten zu vertreten?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Mein Ziel für die Europa-<br />
und Bundestagswahlen 2009 sind zweistellige Ergebnisse. Und das<br />
politische Ziel ist, in Deutschland und Europa die Achse der Politik<br />
nach links zu bewegen, für soziale Gerechtigkeit, Frieden und<br />
Emanzipation zu streiten.
</p>
<p>
<b>rene:</b> Wäre es nicht vielleicht sinnvoller,<br />
so eine Art CDU/CSU für Linkspartei/WASG aufzubauen, bei dem<br />
sich die Lager auf die jeweiligen Bundesländer (neu/alt) konzentrieren<br />
können?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Diese Frage ist anders entschieden.
</p>
<p>
<b>Özgür1:</b> Wir reden hier immer über<br />
Lafontaine. Was ist mit dem Star der PDS, Gysi? Wird er noch in<br />
der neuen Partei eine Rolle spielen? Er hat doch im Westen auch<br />
mindestens so viel Einfluss wie Lafontaine.
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Gregor Gysi ist und bleibt einer<br />
der beiden Fraktionsvorsitzenden. Und er steht der Partei als einer<br />
der Spitzenkandidaten für 2009 zur Verfügung. Wir brauchen<br />
seine politischen medialen und menschlichen Fähigkeiten.
</p>
<p>
<b>André Jastrzembski:</b> Empfinden Sie auch<br />
Wehmut, wenn mit der Konstituierung der neuen Partei Die Linke die<br />
relativ kurze Zeit der PDS zu Ende geht?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Natürlich empfindet jemand<br />
wie ich, der lange Jahre Schatzmeister und Bundesgeschäftsführer<br />
der Partei war, auch ein Stück weit Wehmut, weil die PDS über<br />
viele Jahre die spannendste und emotionalste Partei der Bundesrepublik<br />
war. Wir haben die europäische Linkspartei gegründet,<br />
wo wir die Erfahrungen von Spanien über Italien bis nach Norwegen<br />
zur Kenntnis nehmen und auf europäischer Ebene für ein<br />
friedliches und sozial gerechtes Europa streiten. Dieser Prozess<br />
soll auch durch die Bildung der Linken intensiviert werden.
</p>
<p>
<b>Özgür1:</b> Nach etlichen Nullrunden hat<br />
die Bundesregierung die Renten um 0,56 Prozent erhöht. Das<br />
ist doch ein Witz. Wie denkt Ihre Partei darüber?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Wir haben kritisiert, dass es<br />
über viele Jahre faktische Rentenkürzungen gegeben hat.<br />
Allein die Mehrwertsteuer-Erhöhung frisst diese Witz-Erhöhung<br />
auf. Deshalb bleibt jeder Euro Erhöhung für den Einzelnen<br />
wichtig, aber wir brauchen eine grundsätzliche Reform des Rentensystems,<br />
die die Lebensleistungen der Älteren anerkennt und dauerhaft<br />
finanziert werden kann. Das ist möglich. Wer anderes behauptet,<br />
sagt die Unwahrheit.
</p>
<p>
<b>SebLin:</b> Sieht sich die Linkspartei eher als mögliche<br />
Opposition nach der Bundestagswahl 2009 an, oder würde man<br />
sich &#8211; ähnlich wie in Berlin &#8211; auch an einer Koalition mit<br />
der SPD beteiligen?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Die Frage der Konstellation wird<br />
nach politischen Inhalten entschieden. Eine Partei, die zu Wahlen<br />
antritt, muss nach meiner Auffassung auch bereit sein, Regierungsverantwortung<br />
zu übernehmen. Wenn also die Auslandseinsätze der Bundeswehr<br />
beendet werden, Hartz IV nachhaltig korrigiert wird und das Steuersystem<br />
grundsätzlich verändert wird, ist auch eine Regierung<br />
auf Bundesebene mit unserer Beteiligung denkbar. Aufgrund der aktuellen<br />
Situation in der SPD sehe ich das für 2009 allerdings nicht.
</p>
<p>
<b>kummerling:</b> Lieber Herr Bartsch, sie kritisieren<br />
die Rentenkürzung. Ein Konzept haben Sie gegen die Entwicklung<br />
aber auch nicht, oder setzen Linke mehr Kinder in die Welt?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Wir haben ein Rentenkonzept,<br />
das präzise durchgerechnet ist, eine solidarische Bürgerversicherung,<br />
die allerdings alle einbezieht &#8211; auch Abgeordnete, Beamte, Freiberufler,<br />
die die Beitragsbemessungsgrenze anhebt, rentenfremde Leistungen<br />
aus dem System ausgliedert und damit eine Finanzierung möglich<br />
macht. Dass unsere Gesellschaft kinderfreundlicher werden muss,<br />
gehört letztlich auch dazu, wenn wir ein stabiles Rentensystem<br />
wollen. Mein Beitrag mit zwei Kindern ist vielleicht etwas zu gering.
</p>
<p>
<b>Özgür1:</b> Gestern wurde bekannt, dass<br />
das deutsche Bildungssystem bei der UNO angeklagt wurde. Als Berliner<br />
Vater und Opa finde ich es gut, dass hier gemeinsames Lernen favorisiert<br />
wird. Wie denken Sie darüber? Mal was ganz persönliches,<br />
haben Sie Kinder?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Ich habe zwei Kinder und finde,<br />
dass in der Frage des Bildungssystems wir nicht nach Skandinavien<br />
schauen müssen, sondern die Erfahrungen des Bildungssystems<br />
in der DDR verstärkt nutzen sollten.
</p>
<p>
<b>thomas.l:</b> War es nicht mal Ziel der PDS, Hartz<br />
IV abzuschaffen? Warum jetzt nur noch verändern?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Hartz IV muss weg, war eine richtige<br />
Forderung in unseren Wahlkämpfen. Unser Einsatz hat mit dazu<br />
geführt, dass die Regelsätze Ost/West angeglichen worden<br />
sind. Wir haben aber eine Rechtssituation, wo es um die Überwindung<br />
von Hartz IV gehen muss.
</p>
<p>
<b>SebLin:</b> Wie stehen Sie zu Europa beziehungsweise<br />
zur EU?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Die Linkspartei wird eine pro-europäische<br />
Partei sein. Links ist immer internationalistisch und die Solidarität<br />
ein wichtiger Wert. Die entscheidende Frage für Europa ist,<br />
wie dieses Europa gestaltet sein wird. Demokratisch? Friedlich?<br />
Sozial?
</p>
<p>
<b>waldo:</b> Wird die neue Partei eine veränderte<br />
Programmatik haben? Wenn ja, welche?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Die Parteien haben sich vor dem<br />
Dortmunder Parteitag auf programmatische Eckpunkte verständigt,<br />
die im Internet nachzulesen sind. Nach der Parteibildung im Juni<br />
werden wir uns ein neues Programm geben, das hoffentlich vor den<br />
zentralen Wahlen des Jahres 2009 verabschiedet wird. Nach meiner<br />
Auffassung muss dieses Programm durch den Gedanken des demokratischen<br />
Sozialismus geprägt sein.
</p>
<p>
<b>Kiuss:</b> Warum ist es denn so schwierig, die beiden<br />
Parteien zu vereinen? Eigentlich treten sie doch für die gleichen<br />
Ziele ein. Wer wehrt sich da denn am meisten?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Es ist ein demokratischer Prozess.<br />
Es wehrt sich niemand. Es gibt große Zustimmung in beiden<br />
Parteien. Aber anders als alle anderen Parteien wollten wir eine<br />
gleichberechtigte Vereinigung organisieren, keine Übernahme.
</p>
<p>
<b>leipzig:</b> Was kann die Bundesrepublik von der DDR<br />
lernen?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Viele Dinge. Die Gleichberechtigung<br />
von Frauen und Männern war zum Beispiel weiter ausgeprägt.<br />
Die Kinder hatten alle einen Kita-Platz. Jede und jeder konnte kostenfrei<br />
studieren. Und so weiter und so fort.
</p>
<p>
<b>SebLin:</b> Wie wichtig ist der Linkspartei das Thema<br />
Bildung?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Das Thema Bildung ist in einem<br />
Land wie Deutschland, das über wenige Naturressourcen verfügt,<br />
ausgesprochen wichtig. Die lebenslange Bildung, gleichberechtigte<br />
Zugangsmöglichkeiten, gut ausgestattete Schulen, Hochschulen<br />
und Universitäten und eine exzellente Forschung sind für<br />
Deutschland ausgesprochen wichtig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Viele Menschen wurden in der DDR erst<br />
gar nicht zum Studium zugelassen. Haben Sie das vergessen?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Nein. Dort, wo aus religiösen<br />
oder anderen Gründen Menschen nicht zugelassen worden sind,<br />
war und ist das inakzeptabel. Das gehört zu den schwer wiegenden<br />
Defiziten. Allerdings will ich auch feststellen, dass unabhängig<br />
vom Geldbeutel der Eltern in der DDR studiert werden konnte.
</p>
<p>
<b>TheH23:</b> Aber konnten denn nicht nur „Systemtreue&quot;<br />
Vorteile der DDR nutzen?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Das kann, glaube ich, nur jemand<br />
behaupten, der nicht in der DDR gelebt hat. Es gab schwere demokratische<br />
Defizite. Es gab eine Wirtschaft, die nicht effizient genug war.<br />
Aber die Möglichkeiten der meisten, zu studieren, waren groß.
</p>
<p>
<b>frizzante:</b> Sie sind ja Wirtschaftswissenschaftler<br />
und haben in der DDR studiert. Was halten Sie von Marktwirtschaft?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Die staatssozialistische Planwirtschaft<br />
der DDR, der Sowjetunion und anderen Ländern ist gescheitert.<br />
Eine soziale Marktwirtschaft, die nicht profitdominiert ist, ist<br />
auch im Programm der PDS festgehalten.
</p>
<p>
<b>Friseur:</b> Wie sehen Sie die Pläne von Ursula<br />
von der Leyen, mehr Kita-Plätze zu ermöglichen? Ist das<br />
ein Schritt einer Mitte-Rechts-Politikerin nach links? Hätte<br />
der Vorschlag nicht genauso von der PDS stammen können?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Nein. Zum Verdienst von Frau<br />
von der Leyen gehört, dass sie diese Debatte angestoßen<br />
und in der CDU für Wirbel gesorgt hat. In den neuen Ländern<br />
haben wir als Relikt der DDR eine höhere Versorgung mit Kita-Plätzen.<br />
Letztlich geht es hier um mehr als um die Kita-Frage: Es geht um<br />
Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere für Frauen<br />
und letztlich um die Wertvorstellungen unserer Gesellschaft. Und<br />
da gibt es auch zu den Vorschlägen von Frau von der Leyen erhebliche<br />
Differenzen. Mehr für Bildung im frühkindlichen Bereich<br />
zu tun, ist jedoch ein richtiger Ansatz.
</p>
<p>
<b>GustavV:</b> Wie stehen Sie zu der Aussage: „In<br />
der Politik muss der christliche Glaube beziehungsweise das Prinzip<br />
der christlichen Nächstenliebe eine größere Rolle<br />
spielen&quot;?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Unter christlicher Nächstenliebe<br />
wird leider sehr viel Unterschiedliches verstanden. Die Gedanken<br />
des neuen Testaments sollten auch bei den christlichen Parteien<br />
eine durchaus größere Rolle spielen.
</p>
<p>
<b>TheH23:</b> Und welche konkreten Idealvorstellungen<br />
einer Familie haben Sie?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Das sollten vor allem die Familienangehörigen<br />
selbst bestimmen. Vorgaben der Politik sind fehl am Platze.
</p>
<p>
<b>SebLin:</b> Wie realistisch sind eigentlich in Ihren<br />
Augen noch Vorstellungen vom Sozialstaat Deutschland in einer sich<br />
zunehmend globalisierenden Welt, in der es sich gegen Länder<br />
aus Fernost durchzusetzen gilt?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Der Sozialstaat ist eine wesentliche<br />
Voraussetzung für die Entwicklung in Deutschland, auch im Wettbewerb<br />
mit anderen Ländern. Er ist einer der entscheidenden Standortvorteile<br />
und sollte ausgebaut werden. Das ist möglich, auch finanzierbar.
</p>
<p>
<b>Özgür1:</b> Stichpunkt Wirtschaft: Heute<br />
reden Telekombosse mit der Arbeitnehmervertretung. Finden Sie es<br />
richtig, dass die Telekom jetzt so viele Arbeitsplätze auslagert,<br />
faktisch vernichtet?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Die Herangehensweise, Unternehmensgewinne<br />
zu erhöhen und gleichzeitig Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer<br />
zu entlassen oder mit massiven Lohnkürzungen zu bedrohen, gibt<br />
es leider in vielen Unternehmen. Bei der Telekom sind offensichtlich<br />
schwer wiegende Managementfehler gemacht worden, bei denen es nicht<br />
sein kann, dass sie nunmehr zu Lasten der Beschäftigten korrigiert<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage zum Sozialstaat:
</p>
<p>
<b>SebLin:</b> Finanzierbar zum Beispiel mit einer höheren<br />
Besteuerung von Unternehmen?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Wir haben, was die Finanzen der<br />
Bundesrepublik Deutschland betrifft, sehr konkrete Vorschläge,<br />
auch in den Deutschen Bundestag, eingebracht. Einige Beispiele:<br />
Eine reformierte Erbschaftssteuer &#8211; in den nächsten Jahren<br />
werden zwei Billionen vererbt &#8211; würde bei hohen Freibeträgen<br />
(500.000 Euro) jährlich bis zu 50 Milliarden in die Haushalte<br />
bringen können. Eine Börsenumsatzsteuer, die nur die Gewinne<br />
aus Aktienpapierverkäufen besteuert und die in vielen europäischen<br />
Ländern erhoben wird, würde Milliardenbeträge bringen.<br />
Die Unternehmenssteuerreform, die nicht kleinere und mittlere Unternehmen,<br />
sondern Banken und Konzerne bevorteilt und den Haushalt zwischen<br />
sechs und zwölf Milliarden Verluste bringt, sollte verhindert<br />
werden. Die Wiedererhebung der Vermögenssteuer &#8211; bei auch wiederum<br />
hohen Freibeträgen &#8211; sollte erwogen werden. Letztlich gilt<br />
der Ansatz von Willy Brandt: Stärkere Schultern sollen auch<br />
stärker zum Erhalt des Gemeinwohls beitragen.
</p>
<p>
<b>richie_köln:</b> Was halten Sie davon, die Arbeitgeberbeiträge<br />
zukünftig nicht mehr an der Höhe der Löhne, sondern<br />
an der Höhe der Unternehmensgewinne &#8211; eventuell in Relation<br />
zur Zahl der Beschäftigten &#8211; zu bemessen?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> In meiner Partei wird das Thema<br />
der Wertschöpfungsabgabe weiter diskutiert. Meiner Auffassung<br />
nach ist das ein kluger Ansatz, der Unternehmen in schwierigeren<br />
Zeiten entlastet und die Personalkosten nicht nur als Kostenfaktor<br />
darstellen lässt. Eine Bindung an die Gewinne wäre aufgrund<br />
der Gestaltungsmöglichkeiten von Unternehmen falsch. Wichtig<br />
ist mir jedoch, dass das Verständnis, dass Arbeitgeber- und<br />
Arbeitnehmerbeiträge faktisch Lohnbestandteile sind, nicht<br />
verloren geht.
</p>
<p>
<b>Christin:</b> Zum Wahlkampf in den USA: Welcher Kandidat<br />
ist Ihr Favorit? Barack Obama? Wen würden die Linken gerne<br />
an der Spitze sehen?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Ich vermute, dass von den Kandidaten,<br />
die in der Öffentlichkeit sind, kaum jemand unsere Unterstützung<br />
erhalten würde. Ich bin sehr froh, dass die Zeit von George<br />
W. Bush zu Ende geht und würde vermutlich einem demokratischen<br />
Kandidaten &#8211; wenn denn nur die Auswahl zwischen Zweien wäre<br />
&#8211; zuneigen. Ob er nun Obama, Edwards oder Clinton hieße.
</p>
<p>
<b>thomas.l:</b> Setzt sich die neue Linkspartei für<br />
eine Offenlegung der Bezüge aller Parlamentarier ein?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Ja. Das ist eine Forderung, die<br />
die PDS seit 1990 erhebt und die auch die neue Linke weiterhin einfordern<br />
wird.
</p>
<p>
<b>thomas.l:</b> Was hält die neue Linkspartei vom<br />
bedingungslosen Grundeinkommen?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Dies ist eine der spannenden<br />
Debatten innerhalb meiner Partei. Es gibt Mitglieder, die sich nachhaltig<br />
für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzen. Diese Position<br />
ist aktuell nicht mehrheitsfähig. Ich persönlich unterstütze<br />
das Konzept einer Grundsicherung. Wir werden diese Frage in der<br />
Programmdebatte der Partei hoffentlich spannend diskutieren.
</p>
<p>
<b>engels:</b> Glauben Sie, dass irgendwann einmal die<br />
Linkspartei in der Bundesregierung sitzen wird? Oder sehen Sie sie<br />
als komplette Oppositionspartei?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Wir stellen nicht die Konstellation<br />
in den Vordergrund, sondern wir wollen Deutschland nach unseren<br />
Wertvorstellungen verändern. Wer zu Wahlen antritt, sollte<br />
auch die Bereitschaft zur Regierungsmitverantwortung haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Stunde ist auch fast schon wieder<br />
vorbei. Eine letzte Frage:
</p>
<p>
<b>mork:</b> Sie waren ja auch bei einer Zeitung Geschäftsführer.<br />
Was reizt Sie daran, Politiker zu sein?
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Die Herausforderung im Verlagswesen<br />
ist eine sehr spannende, weil man die täglichen Ergebnisse<br />
auf dem Tisch hat. Die Politik ist insbesondere in meiner Aufgabe<br />
als Bundesgeschäftsführer mit den vielen Facetten und<br />
in meiner Partei vermutlich eine der anstrengendsten und spannendsten<br />
Aufgaben, die es derzeit in unserem Lande gibt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat für<br />
heute. Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere<br />
Bitte um Verständnis an jene, die wir mit ihrer Frage nicht<br />
berücksichtigen konnten. Unser besonderer Dank gilt Dietmar<br />
Bartsch, der sich die Zeit genommen hat, zum Chatten ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
zu kommen. Das Transkript dieses Chats finden Sie in Kürze<br />
auf www.tagesschau.de. Ihnen allen wünschen wir noch einen<br />
schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Dietmar Bartsch:</b> Ich bedanke mich bei allen Fragenden<br />
und bitte um Verständnis, dass ich aufgrund der gewünschten<br />
kurzen Antworten nicht immer in der vermutlich gewünschten<br />
Breite antworten konnte. Einen schönen Tag für Sie alle.</p>
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