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	<title>Dietmar Hexel &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Dietmar Hexel &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Dietmar Hexel DGB-Vorstand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Apr 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[DGB]]></category>
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		<category><![CDATA[Dietmar Hexel]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small">Am Sonntag, 1. Mai, war Dietmar Hexel, Mitglied im 
Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tageschau.de für &#34;Bericht aus Berlin&#34;. 
Dietmar Hexel beantwortete Fragen rund um das Thema Arbeit und zur 
Zukunft der Gewerkschaften.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small">Am Sonntag, 1. Mai, war Dietmar Hexel, Mitglied im<br />
Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tageschau.de für &quot;Bericht aus Berlin&quot;.<br />
Dietmar Hexel beantwortete Fragen rund um das Thema Arbeit und zur<br />
Zukunft der Gewerkschaften.</span><!--break--></p>
<p class="normal">
<span style="font-size: x-small"><span class="fett">Moderator:</span><br />
Herzlich Willkommen zum tagesschau-Chat nach dem &quot;Bericht aus<br />
Berlin&quot;. Die SPD schwingt im Wahlkampf die Antikapitalisten-Keule,<br />
viele Arbeitnehmer geraten mit zunehmender Globalisierung immer<br />
mehr unter Druck, haben wir gerade im &quot;Bericht aus Berlin&quot;<br />
gesehen. Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich zum Chat<br />
Dietmar Hexel, Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes.<br />
Vor der ersten Frage noch eine Bemerkung: Ob Kapitalismus-Kritik<br />
oder Mindestlohn-Debatte, Sie können Fragen zu allen Themen<br />
stellen, die Sie interessieren. Wir sammeln die Fragen und stellen<br />
sie im Laufe unseres Chats.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Treo:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Steuern wir auf einen Klassenkampf in der Gesellschaft zu?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wir steuern auf jeden Fall auf eine Polarisierung zu, wenn die Unternehmen<br />
und ihre Verbände nicht ihre Politik ändern. Es ist nicht<br />
hinnehmbar, dass Unternehmen als ihren Zweck das Renditeziel nennen.<br />
Unternehmen haben die Aufgabe gute Produkte und Dienstleistungen<br />
herzustellen und damit auch dem Kunden und der Allgemeinheit zu<br />
dienen. Das ist verloren gegangen. Deshalb haben wir eine Polarisierung.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Hooker: </span></span><span style="font-size: x-small">Was<br />
sagen Sie zu den Äußerungen von FDP Chef Guido Westwelle?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich denke, das bezieht sich auf die &quot;Heuschreckenplage&quot;.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Westerwelle hat nicht verstanden, was die Menschen im Lande bewegt.<br />
Mit Heuschrecken sind Phänomene gemeint, die die Menschen beunruhigen.<br />
Die Gewerkschaften haben die Menschen nicht beunruhigt. Wir haben<br />
manchmal sogar verzweifelt auf die Entwicklung hingewiesen. Gewerkschaften<br />
sind eine praktische Antwort auf den Kapitalismus und stellen ein<br />
Schutzschild gegen &quot;Heuschrecken&quot; dar.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Blumenfrau:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Welche Taten werden der Kapitalismuskritik folgen? Oder war sie<br />
nur hohles Gepolter?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel: </span></span><span style="font-size: x-small">Sie<br />
darf kein hohles Gepolter bleiben. Es gibt mehrere Handlungsebenen.<br />
Jeder Aufsichtsrat, jeder Betriebsrat kann etwas tun, jedes Kommunalparlament,<br />
jedes Landesparlament, auch die Bundesregierung, z.B. beim Thema<br />
Finanzspekulation. Vor allem müssen wir uns natürlich<br />
europäisch aufstellen, um das frei floatende Finanzkapital<br />
in die Schranken zu weisen. Viele Unternehmen <br />
haben ein Problem mit den Rendite-Erwartungen. Sie sind eher an<br />
realem Unternehmenskapital interessiert. Den Konflikt zwischen Realkapital<br />
und Finanzkapital kann die Regierung zugunsten der Unternehmen beeinflussen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Was wäre ihrer nach konkret das Wichtigste, was die Bundesregierung<br />
sofort tun könnte / müsste?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Sie müsste Druck auf Brüssel, also auf die EU und auf<br />
alle Länder ausüben, dass die Steuergesetze in Europa<br />
harmonisiert werden. Zweitens müsste sie Vorschläge machen,<br />
wie weltweit neue Regeln für den Finanztransfer entstehen könnten.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Kommentar von:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">einefrau: </span></span><span style="font-size: x-small">Ich<br />
finde diese Diskussion pervers von der Seite der SPD und Gefolgschaft.<br />
Die schlimmsten Kapitalisten sitzen heute in der Bundesregierung.<br />
Wenn ein/e Arbeitslose/r 55-jährige/r mit Harz 3 so erniedrigt<br />
ist, wie die Leute, die nie gearbeitet haben und auch nicht arbeiten<br />
wollen, ist das mehr als ungerecht. Dann den Moralapostel spielen<br />
und die Kapitalisten beschimpfen: Das ist unmoralisch.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel: </span></span><span style="font-size: x-small">Ich<br />
kann nicht für die SPD sprechen. Für die Gewerkschaften<br />
sage ich: Wir haben sehr große Schwierigkeiten und auch langen<br />
Widerstand organisiert, dass Hartz IV keine negativen Folgen für<br />
Menschen hat, die z.B. lange gearbeitet haben. Wir bleiben dabei:<br />
Es ist nicht hinnehmbar, dass Arbeiter oder Angestellte nach dreißig<br />
oder vierzig Jahren Berufstätigkeit mit 55 arbeitslos werden<br />
und anschließend fast alles verlieren, was sie angespart haben.<br />
Das müssen wir ändern.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Katja Klee: </span></span><span style="font-size: x-small">Warum<br />
distanziert sich der DGB in NRW so stark von der SPD? Mit welcher<br />
Partei wollen Sie denn in Zukunft arbeiten???</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der DGB und die Gewerkschaften arbeiten nicht mit einer bestimmten<br />
Partei. Die Gewerkschaften arbeiten parteiübergreifend. Wir<br />
vertreten die Interessen von 7 Millionen Mitgliedern, die in verschiedenen<br />
Parteien organisiert sein können. Wir beurteilen Parteien nach<br />
ihrem Programm und ihrem konkreten Handeln.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Ökonom44:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Marktmechanismen regeln den Markt nicht mehr. Aber auch der<br />
Einfluss der Gewerkschaften tendiert immer weiter gegen Null (sagen<br />
die Mitgliederzahlen). Wer kann die Diktatur der Unternehmen noch<br />
bremsen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel: </span></span><span style="font-size: x-small">Der<br />
Einfluss der Gewerkschaften ist nicht nur von der Mitgliederzahl<br />
abhängig &#8211; aber natürlich auch. Deshalb ist es wichtig,<br />
Mitglied einer Gewerkschaft zu sein, wenn man gegen den unregulierten<br />
Kapitalismus ist. Kritisieren und schimpfen alleine hilft nicht.<br />
Historisch und aktuell sind Gewerkschaften gerade wegen des Kapitalismus<br />
entstanden. Sie sind organisierte Gegenmacht gegen die Macht und<br />
Willkür der Kapitalseite. Das Problem ist, dass wir dies im<br />
nationalen Maßstab nicht mehr ausreichend bekämpfen können.<br />
Die internationale Arbeit der Gewerkschaften, besonders in Europa<br />
wird deshalb wichtiger. Außer den Gewerkschaften sehe ich<br />
keine sozial starke Gegenbewegung der die Renditenjäger bremsen<br />
kann.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">DwD:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Was halten sie von den Meinungen, dass gerade die Gewerkschaften<br />
mit ihrer Politik Arbeitsplätze verhindern?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Das halte ich für völlig falsch. Wenn die Gewerkschaften<br />
nicht vor über zehn Jahren die 35 Stunden-Woche durchgesetzt<br />
hätten, gäbe es noch mehr Arbeitslose. Die Konkurrenz<br />
mit Billiglohnländern können wir uns nicht leisten. Gewerkschaften<br />
verhindern niemals neue Arbeitsplätze. Im Gegenteil: Wir fordern<br />
in den Aufsichtsräten regelmäßig die Investitionen<br />
zu erhöhen, Ausbildungsplätze zu schaffen und nicht den<br />
Gewinn zum größten Teil an die Aktionäre zu geben.<br />
Das Geld muss in den Unternehmen, und damit bei den Arbeitsplätzen<br />
bleiben.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">miller-chr:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der Organisationsgrad der Gewerkschaften nimmt so gut wie überall,<br />
wie gerade bemerkt, ab. Wie wollen die Gewerkschaften ihr Vorgehen,<br />
insbesondere Streiks, allgemein und öffentlich rechtfertigen,<br />
wenn selbst ihre Mitglieder sich mehr und mehr davon distanzieren?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Mitglieder distanzieren sich nicht &#8211; sonst würden sie nicht<br />
streiken. Der Organisationsgrad in Deutschland ist je nach Branche<br />
unterschiedlich. Er beträgt zwischen 10 und 95 Prozent. Wir<br />
werden im Bereich der Stahlindustrie sehen, dass eine gut organisierte<br />
Belegschaft für ihre Interessen eintritt. Das Problem sind<br />
vor allem Kleinbetriebe, denken Sie an Frisöre, Hotelangestellte<br />
und Fleischereien. Dort sind die Gewerkschaften zwar auch organisiert,<br />
aber nicht immer stark genug. So wünschen wir uns realistische<br />
Vorschläge, dies zu ändern. Manche fordern Lohnnebenkosten-Senkung<br />
und meinen Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Tatsache ist allerdings<br />
auch, dass die Sozialversicherungsbeiträge durch die deutsche<br />
Einheit sehr belastet sind. Die gesamte Abgabenquote für Sozialbeiträge<br />
ist allerdings in den letzten Jahren nicht besonders gestiegen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Zugarbabe:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wie wäre es denn mit Unternehmenstarifverträgen statt<br />
Branchen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Es gibt Unternehmenstarifverträge in vielen Firmen. Der Trend<br />
geht im Moment zu Haustarifverträgen. Das ist aber durchaus<br />
ein Problem, weil dann der Konflikt um Lohn und Leistung nicht mehr<br />
in der Branche ausgetragen wird, sondern in jedem Betrieb. Wir raten<br />
dazu nicht. Wir wollen beim Flächentarifvertrag bleiben, der<br />
sehr flexibel ist und auch Möglichkeiten für die Unternehmen<br />
offen lässt. Nebenbei: Es gibt ungefähr 66.000 Tarifverträge<br />
in der Bundesrepublik. Von einem Korsett für alle kann also<br />
nicht gesprochen werden. Wichtig ist: Immer mehr Betriebe haben<br />
keinen Tarifvertrag. Da werden dann Hungerlöhne gezahlt. Das<br />
müssen wir ändern.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">helmutkohl:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Gewerkschaften können, wie die Parteien, den Menschen keine<br />
Visionen mehr vortragen. Der Einzelne wird durch die Politik dazu<br />
gebracht, nur noch an sich zu denken. Alle jammern, besonders die<br />
CDU. Die Gewerkschaften sind alt und verstaubt, so mein Gefühl.<br />
Meinen sie das wird sich jemals ändern?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel: </span></span><span style="font-size: x-small">Aber<br />
sicher! Die Gewerkschaften sind überhaupt nicht verstaubt.<br />
Wir haben einen großen Zulauf an jungen Mitgliedern. Die zentrale<br />
Botschaft der Gewerkschaft ist: Solidarität statt Egoismus,<br />
Gerechtigkeit statt verschärfter Ungleichheit.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">ibo:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich glaube, wenn man extrem links wählt werden die Arbeitgeber<br />
mehr unter Druck geraten. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich weiß nicht, was Sie mit &quot;extrem links&quot; meinen.<br />
Die Geschichte lehrt uns, dass bisher extreme Parteien ein Problem<br />
nicht lösen konnten. Heute sind die Zusammenhänge einer<br />
Gesellschaft viel komplexer. Wir haben internationalen Handel und<br />
Produktion. Wir haben eine gigantisch große Produktivität.<br />
Zwischen 6,5 und acht Millionen Menschen in Deutschland arbeiten<br />
nicht. Trotzdem sind wir Exportweltmeister und produzieren eine<br />
Unmenge von Gütern. Ich sehe nicht, wie dies von einer extremen<br />
Partei gelöst werden könnte. Komplexe Situationen erfordern<br />
demokratische Dialoge. Einfache Antworten gibt es keine.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><br />
<span class="fett">Moderator:</span> Was halte Sie von der Wahlalternative<br />
Arbeit und soziale Gerechtigkeit WASG, die jetzt in NRW antritt?<br />
Nicht unbedingt extrem, aber neuer Mitspieler am linken Rand.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich würde sie als Mitspieler am linken Rand bezeichnen. Sie<br />
ist das Ergebnis eines Unbehagens, dass bestimmte Themen in den<br />
Parteien nicht mehr vorkommen. Allerdings zeigen die Äußerungen<br />
von Müntefering und auch von Gerald Weiss von der CDU, dass<br />
nicht vergessen wurde, wo den kleinen Leuten der Schuh drückt.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">friedeauferden:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wird die Kapitalismuskritik den Wahlkampf in NRW noch einmal zu<br />
Gunsten der SPD umdrehen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich bin kein Hellseher!</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">vollmerth:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Halten Sie die Einführung von Höchstarbeitszeiten (25-30<br />
Wochenstunden) für wünschenswert? Das immer knappere Gut<br />
&#8216;Arbeit &#8216; muss doch auch gerecht verteilt werden!</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel: </span></span><span style="font-size: x-small">Ich<br />
bin eher für einen Korridor. Arbeitszeiten von 25 bis 30 Stunden<br />
können dazu beitragen, das Problem von Arbeitslosigkeit einerseits<br />
und Produktivität andererseits zu lösen. Intelligentes<br />
Management und starke Betriebsräte haben dazu mit den Gewerkschaften<br />
bereits Vereinbarungen getroffen. Sie können das z.B. bei Rasselstein,<br />
einem Dosenhersteller, oder bei Siemens in Erlangen, aber auch in<br />
der chemischen Industrie besichtigen. In Zukunft werden wir alle<br />
wieder weniger arbeiten &#8211; auf den Lebenszeitraum bezogen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Kugler:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Macht denn nationale Gewerkschaftsarbeit noch Sinn? Wie wollen Sie<br />
denn Jobs, vor allem im niedrig qualifizierten Bereich in Deutschland<br />
erhalten, wenn die Spielregeln in anderen Ländern viel unternehmerfreundlicher<br />
sind. Wenn die Gewerkschaften in Zukunft noch Einfluss haben wollen,<br />
doch dann nur wenn sie international agieren?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Einerseits stimmt das. Deswegen haben wir unsere europäischen<br />
Aktivitäten verstärkt. Der nächste Schritt könnten<br />
zum Beispiel europäische Tarifverträge sein. Andererseits<br />
ist die Mehrheit der Arbeit nicht internationalisiert. Denken Sie<br />
einmal an Krankenschwestern, Altenpfleger, Schulen, alle öffentlichen<br />
Einrichtungen, die Warenhäuser und Fensterputzer. Also kurzum:<br />
alle Dienstleistungen, die wir hier direkt im Lande für ein<br />
angenehmes Leben brauchen. Sie können nicht ausgelagert werden<br />
und es gibt auch keinen Grund für Lohndumping in diesem Bereich.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">fletho:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich bin aus der Gewerkschaft ausgetreten, weil ich es nicht mehr<br />
aushalte, wie die Gewerkschaften in der Mittelmäßigkeit<br />
verharren. Arbeitslose sind den GEWs egal. Bereiche, in den Tarife<br />
nicht mehr gezahlt werden, geben sie verloren. Junge Menschen, die<br />
schon gar nichts anderes mehr kennen als Honorar- und Zeitverträge<br />
erreichen sie so jedenfalls überhaupt nicht.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich möchte Sie einladen, wieder einzutreten. Mittelmäßigkeit<br />
wird nicht besser, wenn gute Leute austreten. Wir werden in den<br />
Bereichen stärker, die Sie nennen: Zeitarbeiter, befristete<br />
Arbeitsverhältnisse, Job-Hopper, Freelancer im Internet-Bereich,<br />
freiberufliche Redakteure und andere. Aber Sie haben Recht: Das<br />
Hauptklientel von uns ist in den Betrieben. Aber wir lernen dazu.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">fletho:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ihre &#8211; im Kern richtige &#8211; Verteidigung von Arbeitnehmerrechten trifft<br />
meine Lebensrealität so was von überhaupt nicht, dass<br />
sie mir wie ein Fossil aus alten Zeiten vorkommen. Ich würde<br />
gerne an Ihre Solidaritätsappelle glauben, aber meine Generation<br />
(30somethings) kann damit nichts anfangen; und zwar, weil wir es<br />
nicht gerecht finden, dass Tarife gezahlt werden und daher teilweise<br />
nicht eingestellt wird.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Nachfrage an Fletho: In welcher Branche arbeiten/ arbeiteten Sie?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel: </span></span><span style="font-size: x-small">Zur<br />
ersten Frage: Vermutlich werden viele demnächst nicht in einem<br />
Job und schon gar nicht in einer Firma arbeiten. Darauf stellen<br />
sich Gewerkschaften ein. Wir brauchen eine neue Work-Life-Balance.<br />
Konkret: Es muss neue Produkte der Gewerkschaften geben, die auch<br />
für Betriebswechsler und für kurze Phasen der Arbeitslosigkeit<br />
sinnvoll sind. Wichtiger als bisher werden auf jeden Fall Weiterbildungsangebote,<br />
das Recht auf bezahlte Qualifikation und Tarifverträge über<br />
Arbeitsplatzsicherheit über den Betrieb hinaus.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">fletho:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich arbeite eigentlich in einer ganz gut gehenden Branche: Pharma.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ja prima, was ist dann Ihre Klage? Ich weiß aber: Viele Pharmareferenten<br />
haben z.B. keine geregelten Arbeitszeiten oder fühlen sich<br />
überlastet. Die Arbeitszufriedenheit hat möglicherweise<br />
auch in der Pharmaindustrie abgenommen. Können Gewerkschaften<br />
für Sie etwas tun?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Ann Arbor:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich arbeite in den Vereinigten Staaten. Hier werde ich nach Leistung<br />
bezahlt, es gibt exzellente Strukturen für berufstätige<br />
Eltern, als Arzt werde ich nicht sozialnivellierend wie eine Krankenschwester<br />
bezahlt. Was will ich eigentlich in Deutschland, Europa stirbt aus<br />
laut Geburtenrate. Alle halten sich mit endlosen Diskussionen und<br />
gegenseitigen Schuldzuweisungen auf anstatt wirklich etwas zu verändern.<br />
Ich denke: Wenn Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze sichern wollen,<br />
dann muss man mal vom &#8216;hohen Ross&#8217; runter in Deutschland oder der<br />
polnische, portugiesische, spanische Arbeitnehmer freut sich.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator: </span></span><span style="font-size: x-small">Jammern<br />
wir zuviel?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Allgemein wünsche ich mir mehr Optimismus in Deutschland, von<br />
allen! Allerdings bin ich der Ansicht, dass es in den USA nicht<br />
unbedingt besser ist als in &quot;Old Europe&quot;. Die Spanne zwischen<br />
Arm und Reich ist noch viel größer. Es gibt jede Menge<br />
Suppenküchen, keine gesetzliche Krankenversicherung, kaum Schutz<br />
im Alter. Die amerikanische Bevölkerung ist geteilter Meinung,<br />
wie man das ändern soll. Sicher ist, Amerika ist keine Blaupause<br />
für Europa. Sie haben auch eine andere Geschichte und Kultur.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Gramaton86:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Glauben sie nicht, dass zu viel Regulierung den Arbeitsmarkt zerstört?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel: </span></span><span style="font-size: x-small">lch<br />
glaube, dass der Arbeitsmarkt nicht überreguliert ist. Wir<br />
beklagen ja im Moment gerade den ungezügelten Kapitalismus.<br />
Wenn Sie Kapitalismus zähmen wollen, brauchen Sie Regeln und<br />
Regularien. Sonst herrscht Wildwest. Dort wo es Regelungen gibt,<br />
die nicht sinnvoll sind, werden die Gewerkschaften einverstanden<br />
sein, sie aufzuheben. Der Schutz der Arbeitnehmer vor Willkür<br />
und Macht muss jedoch gewahrt bleiben.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">SibylleausmWedding:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Neuregelung sei kontraproduktiv und schaffe mehr Bürokratie<br />
und Rechtsunsicherheit, sagt Arbeitgeberpräsident Hundt zum<br />
Thema Mindestlohn. Was meinen Sie?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Es gibt noch gar keine Regelung. Ich glaube, dass es auch sehr einfach<br />
zu regeln ist. Gefragt sind ja im ersten Schritt die Tarifparteien,<br />
also wir und die Arbeitgeber. Herr Hundt muss nicht unterschreiben,<br />
wenn er der Meinung ist, es sei bürokratisch.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Martin Weiss:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Was halten Sie von dem Vorschlag Managergehälter per Gesetz<br />
von den Börsenkursen ihrer Unternehmen abzukoppeln?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Von dem Vorschlag halte ich nichts. Für die Managergehälter<br />
ist der Aufsichtsrat verantwortlich. Ich bin allerdings dafür,<br />
dass Manager keine Aktienoptionen bekommen und ihre Gehälter<br />
auch nicht nach dem Börsenkurs bemessen sind. Der Börsenkurs<br />
sagt über den wahren Wert eines Unternehmens nichts oder nicht<br />
viel aus. Die derzeitigen Managergehälter sind schon sehr hoch.<br />
Sie haben mit Leistung nichts mehr zu tun. Spätestens ab einer<br />
Million Euro pro Jahr &#8211; dafür muss eine Krankenschwester sechzig<br />
Jahre arbeiten &#8211; ist die Vergütung nicht mehr an Leistung gekoppelt,<br />
sondern nur noch Statussymbol. Jeder Aufsichtsrat muss nach dem<br />
Aktiengesetz entscheiden, was er für &quot;angemessen&quot;<br />
hält. Eine Nebenbemerkung: Der Begriff &quot;Angemessenheit&quot;<br />
kam 1931 ins Spiel. Der damalige Reichspräsident sah sich in<br />
Folge der Wirtschaftskrise veranlasst, die ausufernden Managergehälter<br />
zu begrenzen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">MamboGTT:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Reden wir mal über die Chancen, die die Globalisierung mit<br />
sich bringt. Was für Vorteile hat Deutschland durch die Globalisierung?<br />
Und bitte: Keine pauschale Verteufelung!</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Mut_zur_Lücke:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der internationale Wettbewerb reißt das Kartenhaus des deutschen<br />
Wohlfahrtsstaats ein. Die Angst der Deutschen vor der Veränderung<br />
ist verständlich. Aber ist sie Ihrer Meinung nach überhaupt<br />
begründet?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Globalisierung bringt für Deutschland große Chancen.<br />
Nicht umsonst sind wir Exportweltmeister. Auch die EU-Osterweiterung<br />
hat bisher überwiegend positive Effekte bei uns in Deutschland.<br />
Unsere Exportquote in diese Länder ist gestiegen. Das Hauptproblem<br />
bei der Globalisierung ist der unregulierte Finanzverkehr, gegen<br />
den auch nationale Regierungen oft wenig tun können. Zum Wohlfahrtsstaat:<br />
Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland steigt jedes Jahr. Seit<br />
50 Jahren fast kontinuierlich. Wieso sollten wir uns einen anständigen<br />
Wohlfahrtsstaat nicht leisten können? Wir müssen natürlich<br />
bedenken, dass die Wiedervereinigung eine riesige wirtschaftliche<br />
Leistung war. Das gesellschaftlich erwirtschaftete Produkt ist nicht<br />
gesunken! Wir leben nicht in Armut und haben auch keinen Anlass<br />
für eine Mangelverwaltung. Problematisch ist, dass die Spaltung<br />
in Arm und Reich, zugenommen hat. Viele Familien, vor allem Alleinerziehende<br />
sind arm geworden. 1,5 Millionen Kinder leben von Sozialhilfe. Ein<br />
Skandal, den wir in unserem Wohlfahrtsstaat nicht zulassen dürfen.<br />
Wir müssen allerdings intelligente, neue Finanzierungsmöglichkeiten<br />
schaffen &#8211; und, die es sich leisten können, müssen wieder<br />
Steuern zahlen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator: </span></span><span style="font-size: x-small">Und<br />
angesichts der schlechten SPD-Umfragenwerte noch ein Ratschlag für<br />
die Sozialdemokraten:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Barschel: </span></span><span style="font-size: x-small">Wäre<br />
es nicht in dieser Situation günstig für die SPD, Herrn<br />
Oskar Lafontaine aus dem Hut zu zaubern? Ein Mann, der das Volk<br />
versteht&#8230;</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich kann der SPD keine Ratschläge geben. Ich finde nur, Oskar<br />
Lafontaine hat seine Chance gehabt. Er war Finanzminister, er hätte<br />
in der Verantwortung bleiben sollen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Das war eine Stunde Politik-Chat mit Dietmar Hexel vom DGB-Bundesvorstand.<br />
Vielen Dank für Ihr Interesse, vielen Dank, Herr Hexel, dass<br />
Sie zum Chatten gekommen sind. Der nächste Chat ist für<br />
den 12. Mai geplant. Dann werden wir ab 13:00 Uhr mit Ottmar Schreiner<br />
chatten, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Arbeitnehmer in<br />
der SPD und Kritiker vieler Reformvorhaben der rot-grünen Koalition.</span>
</p>
<p><span class="fett"><span style="font-size: x-small">Dietmar Hexel:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Vielen Dank für die Fragen und Anregungen. Es hat mir Spaß<br />
gemacht. Denken Sie daran: Gewerkschaften sind eine praktische Antwort<br />
auf den ungezügelten Kapitalismus und gegen Heuschrecken!</span></p>
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