<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Digital Immigrants &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/digital-immigrants/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Fri, 29 Apr 2016 09:41:53 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Digital Immigrants &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Mein Internet mein Fenster zur Welt</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/mein-internet-mein-fenster-zur-welt-149159/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/mein-internet-mein-fenster-zur-welt-149159/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Apr 2016 09:41:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Immigrants]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Fenster zur Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internetnutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Silver Surfer]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Natives]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=149159</guid>

					<description><![CDATA[Wer auf die Welt kommt baut ein neues Haus, sagte einst Goethe. Häuser haben Fenster, mit denen wir die Welt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/WP_20160422_12_24_11_Pro_v1.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-149162 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/WP_20160422_12_24_11_Pro_v1.jpg" alt="" width="640" height="280" /></a>Wer auf die Welt kommt baut ein neues Haus, sagte einst Goethe. Häuser haben Fenster, mit denen wir die Welt da draußen wahrnehmen und auf sie blicken. Das Internet ist eines davon, doch jeder hat sein eigenes Fenster in diese virtuelle Welt. Alter, Bildung und soziale Herkunft bestimmen den Blick hinaus. Johann (97), Anni (91) und Rosa (15) erklären uns ihre Perspektive.</p>
<h3>Internet ist…</h3>
<p>„Internet ist schnelle Kommunikation.“ „Internet, es ist überall frei zugänglich, man kann alles Mögliche damit machen.“ Zwischen diesen beiden Aussagen liegen über 80 Jahre Lebenserfahrung. In den 1930er Jahren, als Johann (97) und Anni (91) im Alter von Rosa (15) waren, chattete man noch durch Briefe. Wer „skypen“ wollte, der musste sich auf der Post zum Telefongespräch verabreden. Snapchat waren Postkarten aus aller Welt, die häufig gesammelt wurden.</p>
<p>Zeitsprung ins Jahr 2016. Wie selbstverständlich kommuniziert Rosa mit vielen Freunden gleichzeitig in der ganzen Welt. Innerhalb von Sekunden werden Bilder und persönliche Mitteilungen um den Globus geschickt. Das ganz nebenbei, während die neusten Nachrichten, Trends und Ereignisse im Freundeskreis verfolgt werden. Rosa organisiert ihr ganzes Leben über das Netz.</p>
<h3>Deutschland und sein Internet</h3>
<p>Heute nutzen fast 80 Prozent der Deutschen das Internet. Im Schnitt verbringen sie täglich 108 Minuten im Netz. Das Internet ist zum treuen Alltagsbegleiter geworden. „Zum Internet bin ich durch Verwandte und Freunde gekommen, die mir Emails schicken wollten. Da bin ich selber neugierig geworden“, erinnert sich Johann. Auch Rosa ist durch die Familie mit dem Internet Berührung gekommen: „Als vor sieben Jahren meine älteren Schwestern auszogen, wollten wir Kontakt halten. Dafür haben wir einen Familienchat eingerichtet. So habe ich das Internet und seine Möglichkeiten zum ersten Mal wirklich kennengelernt.“</p>
<p>Bereits Zweijährige sind heute in der Lage, intuitiv mit dem Smartphone ihrer Eltern umzugehen, füttern virtuelle Hunde, lernen lesen und schreiben, entdecken die Welt. Bereits 20 Prozent aller 6-7 Jährigen haben ein eigenes Smartphone. Sie gehören zur Generation der „Digital Natives“, all denjenigen, die nach 1980 geboren sind und das Internet von klein auf kennen.</p>
<p>Aber auch die Generation der „Silver Surfer“ entdeckt das Netz immer mehr für sich. Bereits etwa 11 Millionen User in Deutschland sind über 60 Jahre, das ist mehr als die Hälfte. „Ich nutze mein Tablet um regelmäßig Angebote der Discounter zu vergleichen“, erzählt Johann. Rentner sind eine neue Zielgruppe. Doch nicht nur das Alter unterscheidet die Nutzer, viele verschiedene Faktoren spielen eine Rolle.</p>
<h3>Verschiedene Welten zwischen Bits und Bytes</h3>
<p>Eine Studie der DIVSI teilt die digitale Gesellschaft in „Digital Outsiders“ (37 Prozent) „Digital Immigrants“ (19 Prozent) und „Digital Natives“ (44 Prozent) ein. Dabei zeigt sich: Mit sinkendem Alter und steigender Bildung, nimmt die digitale Kompetenz zu, weshalb sich die Spannbreite von „Internetfernen Verunsicherten“ bis zu „Digital Souveränen“ erstreckt. Dieses Muster findet sich bei den jeweiligen Nutzertypen innerhalb der verschiedenen Altersklassen wieder.</p>
<p>„Ich nutze das Internet nicht, da ich es nicht brauche“, meint Anni, die zur Gruppe der Internetfernen zählt. Unter den Silver Surfern ist sie damit der „Häusliche“ Typ. Häusliche sind meist um die 62 Jahre, heimatverbunden und haben einen kleineren Freundeskreis. Traditionelle Medien wie Radio und Fernsehen stellen für sie immer noch die wichtigste Informationsquelle dar.</p>
<p>„Digitale Kommunikation spielt für Menschen meines Alters keine so große Rolle mehr. Persönlicher Kontakt und persönliche Gespräche sind mir wichtiger“, findet Johann. „Ich brauche nicht immer die schnelle Lösung, sondern bin froh, wenn ich Zeit habe, mich mit etwas zu beschäftigen. Trotzdem finde ich das Internet eine interessante Errungenschaft, die ich gerne für meine Hobbys wie Ahnenforschung und Kunst nutze.“ „Digital Immigrants“ wie er sind vielseitig interessiert an neuen Technologien und den Möglichkeiten, die sie bieten. „Mein Tablet ist sehr selbsterklärend. Wenn ich nicht weiter weiß, hole ich mir einfach Hilfe“, beschreibt er sein Surfverhalten.</p>
<p>„Man ist halt viel im Internet“, meint Rosa. Bis zu vier Stunden täglich verbringt sie nach eigenen Einschätzungen online mit Chat, Recherche, Hausaufgaben und sozialen Aktivitäten. Mit ihren 15 Jahren gehört zu den „Digital Natives“. Auf dem Weg zur Schule, beim Lernen, in der Freizeit: das Internet gehört zum Alltag dazu. Unzählige Chatgruppen informieren über Schule, Freizeit, Freunde. Wer nicht über Smartphone und Co. verfügt, hat Schwierigkeiten, diesem Informationsfluss zu folgen. Als „Verantwortungsbedachte Etablierte“ sieht Rosa die technischen Möglichkeiten als hilfreiches Mittel für Schule, Hausaufgaben und schnelle Kommunikation. Trotzdem sieht sie Gefahren und möchte sich von neuen Technologien nicht dominieren lassen. „Es ist jetzt nicht so, dass ich mein ganzes Leben im Internet teilen würde. Ich möchte eigentlich schon noch Privatsphäre haben, abgesehen vom Internet.“</p>
<h3>Internet 2030 – Das Netz zieht sich zu</h3>
<p>„Wir haben viele Entwicklungen mitgemacht aber heute geht es immer schneller. Man kann die Dinge kaum mehr begreifen“, blickt Anni nach vorne. „Was da online passiert ist unheimlich“, findet Rosa. Alles was man schreibt und ins Internet stellt, bleibt schließlich für immer da. Was mit diesen Daten passiert ist ungewiss. Diese Sorge teilt auch Johann: „Jede Kommunikation kann mitgelesen werden, die neuen Techniken eröffnen neue Wege für Kriminelle“, befürchtet er.</p>
<p>Früher traf man sich in Vereinen, heute kommt man in sozialen Netzwerken von überall auf der Welt zusammen. Schon heute „gehen“ wir nicht mehr in das Internet, wir leben bereits mit und in ihm. Die allumfassende Vernetzung schreitet kontinuierlich fort. „Immer früher verfangen wir uns im Netz des Internet“, findet Rosa.</p>
<p>Das Netz fängt nahezu alles ein, doch vieles geht auch verloren. Die Menschen kommen zwar einander näher, aber entfernen sich persönlich auch voneinander. „Es scheint, als habe niemand mehr Zeit für den anderen“, bemängelt Anni. „Ich glaube, dass die Menschen dadurch einsamer werden“, pflichtet ihr Johann bei.</p>
<p>Die Technologie breitet sich immer weiter aus und lässt die Grenzen zwischen Realität und Virtualität verschwinden. So erfasst das „Internet der Dinge“ alle Bereiche unseres Lebens, vernetzt sie und speichert sie ab. Darum erscheint das Internet 2030 kaum vorstellbar.</p>
<p>„Früher eigneten wir uns ein solides Grundwissen an. Heute findet sich auf jede Frage eine schnelle Antwort im Netz. Die Leute wissen nicht mehr wer sie sind, sie brauchen darüber auch nicht mehr nachzudenken“, bedauert Johann.</p>
<p>Das Internet hat jetzt schon eine wahnsinnige Entwicklung hinter sich und eine solche steht ihr noch bevor. Als Johann 1938 Abitur machte, lernte er erstmals Sender und Empfänger für Radios kennen. Heute bereitet sich jeder Abiturient selbstverständlich im Internet auf die Prüfungen vor. Das Internet erleichtert viele Aufgaben, macht vieles einfacher. Kommunikation und Wissensaustauch über die ganze Welt wird befördert. Das bietet viele Chancen.</p>
<p>Das Netz zieht sich immer weiter zu, alle Aspekte des Lebens finden online statt. Digitale Geräte übernehmen immer mehr Aufgaben für uns. Doch wir müssen digital souverän werden, über unsere Daten selbst bestimmen, damit uns das Internet nicht selbst bestimmt. Dazu brauchen wir einen gesunden, kritischen Umgang mit dieser Technologie. Denn sobald der Mensch sich nicht mehr als Mensch begreift, alles den Algorithmen überlässt, macht er sich letztlich selber überflüssig.</p>
<p>Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit von <a href="http://politik-digital.de/user/sraab/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stephan Raab</a> und <a href="http://politik-digital.de/user/owolff/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Oliver Wolff</a>.</p>
<p><span class="licensetpl_attr">Titelbild: <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a> licenced under <a class="external" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/mein-internet-mein-fenster-zur-welt-149159/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#034;Digital Natives&#034;: Von Ureinwohnern und Einwanderern</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/digital-natives-von-ureinwohnern-und-einwanderern-141619/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/digital-natives-von-ureinwohnern-und-einwanderern-141619/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julia Rieder]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Aug 2014 14:35:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Netzgeneration]]></category>
		<category><![CDATA[Silversurfer]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Wampfler]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesfamilienministerium]]></category>
		<category><![CDATA[Screenager]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Enquete]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Natives]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Immigrants]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Literacy]]></category>
		<category><![CDATA[Enquete Kommission]]></category>
		<category><![CDATA[JIM-Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Landesmedienanstalten]]></category>
		<category><![CDATA[(N)Onliner Atlas]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Prensky]]></category>
		<category><![CDATA[Offliner]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=141619</guid>

					<description><![CDATA[Gerne behauptet und doch nie schlüssig belegt, geistert das Begriffspaar von „digitalen Ureinwohnern“ und „digitalen Einwanderern“ seit mehr als zehn [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/girl_pc_bearb.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-145433" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/girl_pc_bearb.jpg" alt="girl_pc_bearb" width="640" height="280" /></a>Gerne behauptet und doch nie schlüssig belegt, geistert das Begriffspaar von „digitalen Ureinwohnern“ und „digitalen Einwanderern“ seit mehr als zehn Jahren durch Internet und analoge Welt. Es ist an der Zeit, die Buzzwords beiseite zu legen und sich endlich mit den Inhalten zu beschäftigen.<b> </b><br />
Vor Kurzem veröffentlichte der Schweizer Blogger und Lehrer Philippe Wampfler einen Aufruf: „Bitte verzichtet auf den Begriff &#8216;digital natives&#8217;!“– und traf damit einen Nerv<b>. </b>Der Begriff „Digital Natives“ ist eigentlich ein alter Hut. Geprägt wurde er 2001 von dem Manager und Pädagogen Marc Prensky, der in einem Aufsatz mit dem Titel <a href="http://www.marcprensky.com/writing/Prensky%20-%20Digital%20Natives,%20Digital%20Immigrants%20-%20Part1.pdf">„Digital Natives, Digital Immigrants“</a> forderte, Lehrer müssten sich auf eine Generation einstellen, die ihr ganzes Leben „umgeben von Computern, Videospielen, Handys und all den anderen Spiel- und Werkzeugen der Digitalen Ära“ verbracht hat. Prensky behauptete, Digital Natives verfügten als „Muttersprachler“ der digitalen Sprache nicht nur über profunde Kenntnisse im Umgang mit Technologie, sondern verarbeiteten Informationen auch fundamental anders als alle Generationen vor ihnen. Auch wenn Prensky seine Behauptungen nicht belegte und sich der Artikel vor allem wie ein Werbetext für die von ihm propagierte Methode des „Digital Game-based Learning“ liest, wurde die Unterscheidung zwischen Digital Natives und Digital Immigrants zu einem beliebten Aufhänger für Diskussionen über die Implikationen der Digitalisierung.<br />
Bis heute wird mit Vorliebe ein Generationenkonflikt heraufbeschworen zwischen denen, für die eine Trennung zwischen online und offline vermeintlich nicht mehr existiert, und denen, die nicht wie selbstverständlich bloggen, posten, twittern und chatten. Doch wie steht es eigentlich um die Fakten? Geht die „Netzgeneration“ wirklich so selbstverständlich und kompetent mit Technologie um? Und unterscheidet sich ihr Mediennutzungsverhalten tatsächlich grundsätzlich von dem der älteren User?</p>
<h3>Der Mythos bröckelt</h3>
<p>Laut <a href="http://www.initiatived21.de/2013/04/pressemitteilung-nonliner-atlas-2013-zahl-der-internetnutzer-steigt-wieder-nur-geringfugig-datenschutz-und-sicherheitsbedenken-sind-haufige-grunde-fur-nichtnutzung/">(N)Onliner Atlas 2013</a> haben 97 Prozent der unter 30-jährigen Deutschen einen Internetzugang, von den 60- bis 69-Jährigen nutzen fast zwei Drittel das Netz, und bei den über 70-Jährigen sind die Offliner mit 70 Prozent deutlich in der Mehrheit. Dass jüngere Menschen das Internet stärker nutzen, ist also nicht abzustreiten. Die Studie fand allerdings noch mehr Ungleichheiten: zwischen Stadt und Land, Männern und Frauen, Menschen mit hohem und solchen mit niedrigem Bildungsabschluss, Armen und Reichen. Nicht nur das Alter hat einen Einfluss darauf, ob und wie man im Netz unterwegs ist, sondern eine Vielzahl sozioökonomischer Faktoren.<br />
Nun macht einen Menschen allein der Fakt, dass er einen Internetzugang besitzt, noch lange nicht zu einem Digital Native. <a href="http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/a-625126-2.html">Begeisterte Anhänger</a> des Begriffs preisen die „neue Generation“ als eine, für die das Internet nicht nur Kommunikationsmittel, sondern ein Kulturraum sei, den sie durch selbst generierte Inhalte, soziale Vernetzung und pausenlose Partizipation immer weiter ausbaue. Digital Natives hätten nicht nur eine ganz eigene Vorstellung von Freundschaft, Privatheit und Identität, sondern nutzten wie selbstverständlich die Möglichkeiten des Netzes, um ihre Meinung kund zu tun und aktiv Einfluss auf das Weltgeschehen zu nehmen. Ein wirkmächtiges Bild &#8211; nur gibt es auch zur Mediennutzung junger Menschen mittlerweile zahlreiche Studien, die ganz deutlich dafür sprechen, dass es an der Zeit ist, den Begriff Digital Natives zu entmystifizieren.<br />
Zwar verbringen Jugendliche immer mehr Zeit im Netz, die Onlineaktivitäten ersetzen jedoch lediglich den Konsum klassischer Medien und nicht andere Freizeitaktivitäten. Nichtmediale Aktivitäten wie Treffen mit Freunden und Unternehmungen mit der Familie spielen weiter eine große Rolle. Wenn man die Nutzung des Netzes durch junge Menschen genauer betrachtet, wird außerdem deutlich, dass sie es eben nicht so proaktiv und andersartig anwenden, wie von Anhängern des Digital Natives-Konzepts behauptet. Den größten Stellenwert hat laut <a href="http://www.mpfs.de/?id=613">JIM-Studie 2013</a> der kommunikative Austausch über E-Mails, Chats und soziale Medien. Die kreative Produktion von Content ist im Alltag der jungen Generation unterdessen nur von marginaler Bedeutung.<br />
Es kann also keine Rede davon sein, dass die Nutzung des Internets durch alle seit 1980 Geborenen sich fundamental von der Nutzung durch ältere Menschen unterscheidet. Die Attribute, die den Digital Natives zugeschrieben werden, treffen höchstens auf eine kleine gesellschaftliche Elite zu, die sich nicht durch ihr Alter, sondern durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Internets auszeichnet. Einige „Silversurfer“ bewegen sich genauso sicher im Netz wie „Screenager“, entscheidend sind vor allem individuelle Interessen und sozioökonomische Faktoren.</p>
<h3>Digitale Kompetenz geht alle Altersgruppen etwas an</h3>
<p>Die Einteilung in Digital Natives und Digital Immigrants ist aber nicht nur faktisch falsch, sondern auch konzeptuell problematisch. Sie betreibt ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Othering">„Othering“</a> und stellt unüberwindbare Gegensätze her, wo keine existieren. Nicht alle jungen Menschen lassen sich in eine Schublade stecken, <a href="http://henryjenkins.org/2007/12/reconsidering_digital_immigran.html">es gibt nicht die eine einzige Erfahrungswelt oder Identität</a>, die alle teilen. Vielmehr existieren in der Generation der vermeintlichen Digital Natives genauso wie im Rest der Gesellschaft Unterschiede im Bezug auf Online-Kompetenzen, Erfahrungen und Identitäten. Nur weil Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, möglicherweise weniger Hemmungen im Umgang mit neuen Medien haben, heißt das noch lange nicht, dass sie sie auch kompetent anwenden können.<br />
Und das ist das eigentliche Problem an der Unterscheidung zwischen Digital Natives und Digital Immigrants: Sie täuscht darüber hinweg, dass sich Kompetenzunterschiede im Umgang mit Medien durch das Nachrücken jüngerer Generationen nicht einfach von selbst erledigen, und sie vermittelt Älteren das Gefühl, sie seien qua Geburtsjahr vom technologischen Wandel ausgeschlossen. Bei all der berechtigten Euphorie über die Möglichkeiten neuer Informationstechnologien darf aber nicht vergessen werden, dass das Wissen um die Potentiale, die die digitale Welt bietet, niemandem in die Wiege gelegt wird, sondern Jung wie Alt vermittelt werden muss. Womit wir beim Thema digitale Medienkompetenz oder „Digital Literacy“ angelangt wären – einem Bildungsbereich, der noch immer sträflich vernachlässigt wird.<br />
Digital Literacy meint die Fähigkeit, Inhalte und Kommunikationsprozesse in den digitalen Medien zu verstehen und einzuordnen. Natürlich stellt sich die Frage, welche Fähigkeiten im Umgang mit Medien wertvoll sind &#8211; damit ist der Medienkompetenzbegriff immer normativ. Bei der Vermittlung eines kompetenten Umgangs mit dem Internet darf es deshalb auch nicht darum gehen, aus einer elitären Perspektive heraus Menschen zu verurteilen, die kein Tech-Blog oder Twitteraccount betreiben und stattdessen lieber den neusten Promiklatsch lesen oder Kochrezepte herunterladen. Zu welchem Zweck und in welchem Umfang das Internet genutzt wird, ist schließlich immer noch Geschmackssache. Ziel muss es viel mehr sein, Menschen, jung wie alt, nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch Mündigkeit im Umgang mit dem Medium Internet, also die kritische Rezeption der Inhalte und das Wissen über die Möglichkeit, selbst Inhalte zu produzieren, zu vermitteln. Denn obwohl das Erstellen von Content sicher nicht die einzig sinnvolle Nutzung des Netzes darstellt, gilt in der digitalen Welt genau wie in der analogen: Nur wer partizipiert, kann sich und seinem Anliegen Gehör verschaffen.</p>
<h3>Es fehlt ein schlüssiges Konzept</h3>
<p>Erst vor einigen Tagen erklärte die Bundesregierung in der <a href="http://politik-digital.de/14-berliner-hinterhofgespraech-alles-oder-nichts-die-digitale-agenda-der-bundesregierung-2014-2017/">Digitalen Agenda</a>, die digitale Medienkompetenz aller Generationen stärken zu wollen, damit „sich jede und jeder Einzelne sicher, informiert und aktiv in der digitalen Gesellschaft verwirklichen kann“. An koordinierten Programmen mangelt es aber bisher und die Digitale Agenda bietet auch nicht mehr als Absichtserklärungen. Einzig die Initiative „Ein Netz für Kinder“, die kindgerechte digitale Angebote fördert, wird als konkretes Projekt in dem Papier erwähnt. „Sichere Surfräume“ für Kinder zu schaffen, wie es das <a href="http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/kinder-und-jugend,did=131814.html">Bundesfamilienministerium</a> formuliert, ist eine nette Idee, viel relevanter wäre es jedoch, generationenübergreifend Kompetenzen für ein aufgeklärtes Surfen auch außerhalb von Schutzräumen zu vermitteln. Bereits im Oktober 2011 hatte die Internet-Enquete in einem Zwischenbericht angemahnt, die Förderung von Medienkompetenz sei eine wichtige staatliche und gesellschaftliche Aufgabe, und hatte eine bessere Vernetzung einzelner geförderter Initiativen sowie neue Bildungskonzepte und Aufklärungskampagnen gefordert. Doch seither hat sich wenig getan. Dazu, wie Jugendlichen von klein auf ein aufgeklärter Umgang mit digitalen Medien mitgegeben werden kann oder wie ältere Menschen für digitale Entwicklungen begeistert werden können, fehlen kohärente Konzepte. Die Förderung der Medien- und Informationskompetenz in der Praxis wird weitgehend den Landesmedienanstalten, privaten Vereinen und einzelnen Initiativen überlassen. Inwieweit und vor allem wie tiefgreifend digitale Medienkompetenz in Schulen vermittelt wird, ist ebenfalls Glückssache und hängt häufig von den Kenntnissen und vom Einsatz einzelner Lehrer ab.<br />
Dabei wäre ein schlüssiges Konzept zur Kompetenzvermittlung für alle Altersschichten wichtiger denn je. Allein der Umstand, dass immer mehr Informationen nur noch online verfügbar sind, sei es zu Anträgen beim Jobcenter oder zu Versicherungspolicen, und Entscheidungs- wie Beteiligungsprozesse durch Online-Petitionen, Bürgerhaushalte oder öffentliche Konsultationen zunehmend digitalisiert werden, macht deutlich, wie wichtig ein kompetenter Umgang mit den neuen Medien wirklich ist. Zudem ist die Vermittlung von Medienkompetenz die einzig praktikable Antwort auf viele „Gefahren“ des Netzes wie Identitätsdiebstahl, Betrug und Falschinformationen, die durch technische Mittel schwer zu bannen sind. Deshalb reicht es nicht, auf binäre Kategorien zurückzugreifen und sich damit abzufinden, dass einige nun mal Digital Natives und andere Digital Immigrants sind. Bildungsangebote und ein gleicher Ressourcenzugang für alle können dafür sorgen, dass jeder im Netz „heimisch“ werden kann.<br />
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/benchan/10904338893" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Benjamin Chan</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/digital-natives-von-ureinwohnern-und-einwanderern-141619/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
