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	<title>digitale Revolution &#8211; politik-digital</title>
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	<title>digitale Revolution &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Gesellschaftlicher Dialog Ethik und Digitalisierung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Karina Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Mar 2018 09:14:35 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am 17. April 2018 lädt die Wegweiser GmbH zum ersten „Gesellschaftlichen Dialog Ethik &#38; Digitalisierung – Vertrauen in unsere vernetzte Welt“ in das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/header_ww_ethik2_620x274.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-154445" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/header_ww_ethik2_620x274.jpg" alt="header_ww_ethik2_620x274" width="620" height="274" /></a>Am 17. April 2018 lädt die Wegweiser GmbH zum ersten „Gesellschaftlichen Dialog Ethik &amp; Digitalisierung – Vertrauen in unsere vernetzte Welt“ in das Humboldt Carré in Berlin ein. Der Kongress wird von Bundesminister Peter Altmaier eröffnet und von Bundesministerin Dr. Katarina Barley, MdB abgeschlossen. politik-digital.de begleitet die Veranstaltung als Medienpartner.</p>
<p>Angesichts sich beschleunigender Veränderungen von Kommunikation, Information, Lernen, Arbeit, Freizeit, Medizin und Demokratie widmet sich der Gesellschaftliche Dialog Ethik &amp; Digitalisierung der Analyse der derzeitigen Entwicklungen.</p>
<p>In zahlreichen Foren diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft unter folgenden Leitfragen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die verschiedenen Lebensbereiche:</p>
<ol>
<li>Staat &amp; Rahmenbedingungen: Kann der Staat Schritt halten mit der Wucht der Digitalisierung und noch immer aus technologischer Innovation gesellschaftlichen Fortschritt für alle machen?</li>
<li>Arbeitgeber &amp; Arbeitnehmer: Wie können Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Wandel der Arbeitswelt durch Robotik, Automatisierung und Digitalisierung gemeinsam gestalten?</li>
<li>IT-Sicherheit &amp; Datenschutz: IT-Angriffe, Sicherheitslücken und Bequemlichkeit – Wie erreichen wir einen hohen IT-Schutz für unsere vernetzte Welt?</li>
<li>Mobilität &amp; Robotik: Fahren oder fahren lassen – neue Freiheiten oder drohender Kontrollverlust durch autonome Mobilitätsangebote?</li>
<li>Gesundheit &amp; Pflege: Big Data in der Gesundheitswirtschaft als Chance für uns alle oder persönliches Risiko?</li>
<li>Bildung &amp; Kompetenzen: Wie gewinnen „Jung und Alt“ notwendige digitale Kompetenzen, sodass alle selbstbestimmt/mündig leben/handeln können?</li>
</ol>
<p>Weitere Informationen zu Programm, Referenten und Teilnahmemöglichkeiten finden Sie <a href="https://www.wegweiser.de/de/gesellschaftlicher-dialog-ethik-digitalisierung-vertrauen-unsere-vernetzte-welt" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</p>
<p>Titelbild: © Wegweiser GmbH</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Südasien Digital: Smartphones, Apps und Videos revolutionieren Indiens Medienlandschaft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/suedasien-digital-smartphones-apps-und-videos-revolutionieren-indiens-medienlandschaft-153235/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Sep 2017 11:35:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[indische Medienlandschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ronald Meinardus]]></category>
		<category><![CDATA[Smartphone Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Revolution in Indien]]></category>
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					<description><![CDATA[Narendra Modi hat sich frühzeitig an die Spitze der Bewegung gestellt. Mit seinem Vorzeigeprojekt „Digital India“ hat sich der Regierungschef [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Smartphone-Indien.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-153195" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Smartphone-Indien.png" alt="wheelchair-538138_1920" width="640" height="309" /></a>Narendra Modi hat sich frühzeitig an die Spitze der Bewegung gestellt. Mit seinem Vorzeigeprojekt „Digital India“ hat sich der Regierungschef zum Schrittmacher der digitalen Transformation in dem südasiatischen Schwellenland erklärt.</p>
<p>Angetrieben vom technischen Fortschritt wandern auch in Indien immer mehr Transaktionen ins Internet: ob E-Commerce, Bankgeschäfte oder Dienstleistungen wie Hotelreservierungen oder Flugbuchungen, das Web ist aus dem Leben vieler Inder nicht mehr wegzudenken. Am massivsten ist die digitale Disruption bei den Medien. „Es findet eine Revolution statt. Unser Markt ist der kompetitivste und zugleich der am schnellsten wachsende in der Welt“, sagt Gaurav Gandhi von der Firma Viacom 18.</p>
<p>Grundlage der explodierenden Zahlen ist das rasante Wachstum des Mobilfunkmarktes. Mit über einer Milliarde möglicher Mobilfunkkunden bietet Indien ein weltweit einzigartiges Potential für das Geschäft mit der Datenübertragung. Es gibt einen gewaltigen Nachholbedarf: Zwar haben neun von zehn Indern ein Mobiltelefon, doch nur jedes zehnte Handy verfügt über Zugang zum Internet. Marktbeobachter rechnen in den kommenden Jahren mit einem gewaltigen Wachstum bei der Datenübertragung; Indien werde, so die Prognose, die USA als zweitgrößter Markt für 4 G-Smartphones ablösen. Derzeit liegen die Inder nach China und den USA auf Rang 3.</p>
<p>Die Aussicht auf das große Geschäft mit der Milliarden-Kundschaft lockt die Investoren. Die Marktriesen Amazon Prime und Netflix haben mit ihren Apps dem traditionellen Fernsehen den Kampf angesagt. Es ist ein ungleicher Kampf, den die „digitalen Invasoren“ – so eine indische Publikation zum Thema – für sich entscheiden werden. Mit gewaltigen Budgets sichern sich die internationalen Online-Konzerne Exklusiv-Rechte an den beliebten Bollywood-Produktionen. Noch sind Indiens Verbraucher die Gewinner: Sie sparen das Geld für Kinokarten und können die beliebten Stars jederzeit und allen Ortens auf den kleinen Bildschirmen ihrer Smartphones bewundern.</p>
<p>Der Hunger nach digitalem Content scheint unersättlich: Im Schnitt – so eine aktuelle Marktstudie – verbringt der Inder 28 Stunden in der Woche vor seinem Smartphone; für das Fernsehen hat er im statistischen Schnitt gerade einmal vier Stunden übrig.</p>
<h3>„Freiheit, echte wahre Freiheit“</h3>
<p>Die Marginalisierung des TV hat in liberaler Sicht einen großen Vorteil. Anders als das Fernsehen entziehen sich die Streamingdienste dem Zugriff der bisweilen rabiaten Zensurbehörde. „Es ist Freiheit, echte wahre Freiheit“, freut sich Filmemacher Karan Anshuman.  Großes Wachstum vermelden vor allem die sozialen Netzwerke Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp, Snapchat und YouTube. „Wir haben 400 Millionen Nutzer in Indien“, sagt Ajay Vidyasagar von YouTube. „Wir erwarten, dass wir diese Zahl in den kommenden zwei bis drei Jahren verdoppeln werden.“ 85 Prozent der Inhalte auf der Video-Plattform werde auf Mobiltelefonen konsumiert, ergänzt der Manager.</p>
<p>Mobil und Video – so heißen auch in diesem Teil der Welt die Megatrends der digitalen Kommunikation. Wo früher Text und stille Bilder dominierten sind es heute Filme: Moderne Smartphones, die zum Teil für wenig Geld auf den Markt geworfen werden, und einfach zu hantierende Apps bieten grenzenlose Möglichkeiten für kreative Freizeitregisseure. Wurden die digitalen Programme zunächst für die kommerzielle Nutzung entwickelt, gehören sie längst zum Arsenal für politische Kampagnen von Parteien und Nichtregierungsorganisationen. Facebook, Twitter und Co. sind aus Indiens Wahlkämpfen nicht wegzudenken.</p>
<p>„Es besteht kein Grund, wieso wir nicht das nächste CNN werden können“, sagt Yusuf Omar. Der Videoblogger aus Südafrika hatte lange Jahre selbst für CNN und eine führende indische Tageszeitung gearbeitet und dort zur Integration von sozialem Content in traditionelle Medien beigetragen. Nun hat Omar die Seiten gewechselt und arbeitet an einem neuen Projekt, das darauf abzielt, Video-Beiträge von Bürgerjournalisten aus der ganzen Welt auf einer Plattform zusammenzuführen.</p>
<p>In Form und Inhalt richten sich die neuartigen Formate, die kurz und bunt sind und stets danach trachten, das flüchtige Auge der Betrachter zu fesseln, an ein junges Publikum. Ihnen gehört die Zukunft. Am Ende werden sich die jungen Menschen mit der Qualität des neuartigen Basis-Journalismus auseinandersetzen müssen.</p>
<p><em> </em></p>
<p>Titelbild: <a href="http://www.freepik.com/free-photos-vectors/school">School image created by Freepik</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p><img decoding="async" src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b76402208ee9466fb38ce67c7c48ef44" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><span style="color: #000000; font-family: HelveticaNeue;"> </span></p>
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		<title>William Patry (Google): &#034;Wandel des Medienkonsums ist größte Herausforderung für das Urheberrecht&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Nov 2014 10:45:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[William Patry ist Urheberrechtsexperte bei Google und redet heute auf der Konferenz „Zugang gestalten!“ über die Chancen digitalisierter Medien. politik-digital.de [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Patry_crop.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-142981" alt="Patry_crop" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Patry_crop.jpg" width="640" height="280" /></a>William Patry ist Urheberrechtsexperte bei Google und redet heute auf der Konferenz „Zugang gestalten!“ über die Chancen digitalisierter Medien. politik-digital.de sprach mit dem Juristen vorab über die Demokratisierung von Bildung, blockierende und konstruktive Gesetze sowie über das Projekt „Google Books“.<br />
<em><strong>politik-digital.de: </strong>Mr. Patry, worüber sprechen Sie auf der Konferenz „<a href="http://www.zugang-gestalten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zugang gestalten!“</a>?</em><br />
<strong>William Patry: </strong>Die Konferenz trägt den Titel „Zugang gestalten!“. Das Erste, was mir dazu in den Sinn kommt, sind verschiedene Projekte, die Zugang ermöglichen, unter anderem natürlich „Google Books“. Aber auch die Hindernisse, die es gibt, und die vielen Dinge, die noch verbessert werden können. Ich betrachte das Thema aus zwei verschiedenen Perspektiven, und darüber werde ich auch sprechen: zunächst natürlich aus der eines Google-Mitarbeiters. Viel interessanter ist vermutlich jedoch meine Sicht als Wissenschaftler und Autor.<br />
<em><em><strong>politik-digital.de:</strong></em> Was interessiert Sie aus wissenschaftlicher Perspektive an dem Thema?</em><br />
<strong>William Patry: </strong>Als ich 1985 mein <a href="http://books.google.de/books/about/The_fair_use_privilege_in_copyright_law.html?id=znSRAAAAMAAJ" target="_blank" rel="noopener noreferrer">erstes Buch</a> schrieb, gab es die Möglichkeiten des digitalen Zugriffs auf Literatur noch nicht. In einer rechtswissenschaftlichen Bibliothek hatte ich Zugriff auf die fachliche Expertise anderer Autoren, die vor mir geschrieben hatten. Ohne die Möglichkeiten des Internets war ich jedoch sowohl physisch als auch geistig auf den Ort der Bibliothek begrenzt. Ich wusste nicht, welche Bücher außerhalb dieses relativ begrenzten Raumes existieren. Das ist sehr beschränkend für jemanden, der nach Weiterentwicklung strebt, der sein Fachgebiet liebt und ein Buch schreiben möchte, das anderen Menschen den Zugang zu Wissen ermöglicht, den sie durch andere Quellen nicht hätten. Die Art und Weise, wie man Zugang ermöglicht und gestaltet, beeinflusst maßgeblich, wie wir uns als Personen entwickeln, und bestimmt, zu wem wir werden können. Wenn dieser Zugang ermöglicht wird, hat das enormen öffentlichen Mehrwert und führt zu einer Demokratisierung des Lernens in Gesellschaften. Digitale Technologien eröffnen mehr Menschen den Zugang zu Bildung.<br />
<em><em><strong>politik-digital.de:</strong></em> Welche Herausforderungen stellt die digitale Revolution an das Urheberrecht?</em><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/William-Patry.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-143010" alt="William Patry" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/William-Patry.jpg" width="224" height="306" /></a><strong>William Patry: </strong>Dass die Digitalisierung eine Herausforderung an das Urheberrecht stellt, würde ich infrage stellen! Ich sehe Recht und Gesetze als Werkzeuge. In den 1990er Jahren habe ich Gesetze entworfen, als ich für den US-Kongress arbeitete. Politische Entscheidungsträger haben gewisse Vorstellungen, wie ein Gesetz aussehen soll. Als Jurist „übersetzt“ man diese Ideen in Gesetzestexte. Und ebendiese sind Werkzeuge, mit denen man etwas bewirken kann. Gesetze sind kein Selbstzweck, und längst nicht alles lässt sich mithilfe von Gesetzen regeln. Niemand würde beispielsweise der Aussage zustimmen, dass Eltern durch gesetzliche Regelungen zu besseren Erziehern werden würden.<br />
Die Herausforderung an das gültige Urheberrecht ist der rapide Wandel: Wer Gesetze schreiben will, die in fünf Jahren noch funktionieren, ist sehr optimistisch. Denn: Der Medienkonsum ändert sich rasend schnell. Wo Menschen vor zwei Jahren noch auf dem Laptop ferngesehen haben, schauen sie dieselben Inhalte nun auf dem Tablet oder ihrem Smartphone. Das stellt uns vor juristische Fragen, primär ist es aber eine unternehmerische Herausforderung, der sich selbstverständlich auch Google stellen muss. Die Herausforderungen sind enorm, und wer das veränderte Konsumverhalten nicht rechtzeitig erkennt, hat auf dem Markt verloren. Wir müssen wegkommen von der Idee, dass sich alles durch Gesetze regeln lässt. Gesetze sollten Fehlverhalten innerhalb der Gesellschaft sanktionieren und nicht diejenigen, die sich richtig verhalten, in ihrem Tun beschränken.<br />
<div class="c33l info-box"><div class="subc"> <strong>William Patry</strong>, geboren 1950 im Bundesstaat New York, ist als Jurist auf Urheberrecht spezialisiert. Bevor er als <strong>Senior Copyright Council bei Google</strong> anfing, arbeitete er für das US-Repräsentantenhaus, außerdem als Universitätsprofessor, Autor und Anwalt.</div></div><br />
<em><em><strong>politik-digital.de:</strong></em> In Deutschland läuft eine Debatte zur Reform des Urheberrechts, das an die sich wandelnde Informationsgesellschaft angepasst werden soll. Sie sprachen das Recht als Werkzeug an. Finden Sie, dass diese Werkzeuge angepasst werden sollten oder reichen sie aus, um urheberrechtliche Fragen angemessen zu bearbeiten?</em><br />
<strong>William Patry: </strong>Ich als Autor möchte, dass Menschen über mein Buch reden. Ich möchte, dass sie Dinge sagen wie: „Ich mag dein Buch!“ oder „Ich finde toll, was du tust, wie kann ich Zugang dazu erhalten?“. Man möchte Gespräche über die Arbeit selbst! Recht ist dann irrelevant, wenn der Markt und der Zugang zu Medien funktionieren. Ideal ist eine Ausgangslage, in der wir uns über juristische Rahmenbedingungen keine Gedanken machen müssen, in der Menschen Dinge erschaffen und wissen, wie sie Zugang erhalten können und wie Autoren bezahlt werden. Derzeit ist die Debatte um die Durchsetzung von Urheberrechtsansprüchen nicht konstruktiv für alle Beteiligten. Wenn man nur über Gesetze spricht, spricht man über Probleme und Störungen und damit auch über Versagen. Die Debatte über die Durchsetzung von Gesetzen ist also auch eine Debatte über Probleme. Wäre es aber nicht der beste Weg, über Erfolge zu sprechen?<br />
<em><em><strong>politik-digital.de:</strong></em> Sprechen wir über Google Books. Wie kam es, dass Google anfing, Bücher zu digitalisieren? Welches Ziel verfolgt Google mit diesem Projekt?</em><br />
<strong>William Patry: </strong>Um Google zu verstehen, muss man zuerst wissen, dass Google nach wie vor eine von Ingenieuren geprägte Firma ist. Ingenieure denken und arbeiten anders – sie fragen nicht nach Beschränkungen, sondern nach Möglichkeiten. Larry Page und Sergey Brin erkannten, dass es problematisch war, Zugang zu bestimmten Inhalten im Web zu erhalten. Die Lösung war eine effiziente Suchmaschine, die Dinge auf einen Index setzen und sie so auffindbar machen würde. Die darauffolgende Frage war dann, auf welche Inhalte man potentiell zugreifen könnte. Da wären natürlich die Inhalte, die schon in digitaler Form vorhanden sind. Der Großteil an Information ist jedoch offline – schätzungsweise 125 Millionen Bücher haben die Menschen vor uns geschrieben. Das Ziel ist doch, möglichst vielen Menschen möglichst viel Zugang zu ermöglichen. Als Ingenieure fragten sich die beiden Google-Gründer daraufhin, wie die Digitalisierung dieser Menge Bücher technisch möglich gemacht werden könnte, und initiierten das Projekt.<br />
<em><em><strong>politik-digital.de:</strong></em> Sie sprachen von 125 Millionen zu digitalisierenden Büchern. Wieviele Bücher hat Google bis jetzt digitalisiert?</em><br />
<strong>William Patry: </strong>Ich denke, es sind etwas über 20 Millionen Bücher.<br />
<em><em><strong>politik-digital.de:</strong></em> Also ist das definitiv nicht die finale Phase des Projekts?</em><br />
<strong>William Patry: </strong>Nun ja, wir wurden mit Hindernissen konfrontiert, die wir vorher nicht ahnen konnten. Unter anderem haben wir neun Jahre lang einen <a href="http://www.heise.de/thema/Google-Books">Gerichtsprozess</a> geführt und Beschwerden bearbeitet, auch vonseiten der deutschen Regierung. Wir mussten Ressourcen aufwenden, die mit dem Projekt nicht in direkter Beziehung standen und es zudem verlangsamten.<br />
<em><em><strong>politik-digital.de:</strong></em> Sind Sie optimistisch, dass die Digitalisierung in den nächsten Jahren fertiggestellt wird?</em><br />
<strong>William Patry: </strong>Dass ein so großes Projekt Zeit in Anspruch nimmt, ist klar. In Europa kooperieren wir mit verschiedenen Universitätsbibliotheken, unter anderem mit der <a href="http://www.europeana.eu/">Europeana</a>. Ich bin mir sicher, dass wir die Digitalisierung so schnell wie möglich abschließen werden.<br />
<em><em><strong>politik-digital.de: </strong></em>Vielen Dank für das Interview.<br />
</em><br />
<strong>William Patry: </strong> Ich bedanke mich auch.<br />
Bilder: <a href="http://www.flickr.com/photos/magdav/5399905776">David Flores;</a> Google (Porträt William Patry)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Bundesregierung tüftelt am Neuland – Digitale Presseschau KW30</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Jul 2014 15:07:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die sozialen Medien kochen diese Woche über mit emotionalen Debatten zu der Situation im Nahen Osten und in der Ukraine. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;">Die sozialen Medien kochen diese Woche über mit emotionalen Debatten zu der Situation im Nahen Osten und in der Ukraine. Passend dazu geht es diesmal im Video der Woche um Meinungsmache und Meinungsmanipulation im Netz. Damit alle Deutschen ihre Meinung kundtun können, plant die Regierung den Breitbandausbau bis 2018 – im jetzt durchgesickerten Entwurf zur Digitalen Agenda. Sind Frauen-Konferenzen ein probates Mittel, um ihre Zahl in der Technikbranche zu erhöhen? Gegen geheimdienstliche Überwachung darf nur klagen, wer sie beweisen kann. Unsere Presseschau dürfen Sie ohne Beweise lesen.</span></p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=UDty-vtZu68" title="Facebook-Posts vom Geheimdienst manipuliert? I Sonntags/Störer" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/UDty-vtZu68?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Meinungsmache und Meinungsmanipulation sind ein großes Problem im Internet. Die aktuellen Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten zeigen eindrucksvoll den Kampf um Meinungshoheit und Deutungshoheit von politischen Ereignissen. In ihrem Sonntags/Störer greifen die Macher von Stör/Element dieses Thema auf. Sie berichten, wie Wikipedia versucht, sich gegen Manipulationen per Tweet-Bots zu wehren, und stellen sich vor, welche Werkzeuge dem britischen Geheimdienst GCHQ zur Meinungsbeeinflussung zur Verfügung stehen könnten.</p>
<h3><a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/digitale-agenda-tuefteln-am-neuland/10241714.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Entwurf zur Digitalen Agenda der Bundesregierung</a></h3>
<p>Anfang dieser Woche ist ein erster Entwurf zur Digitalen Agenda der Bundesregierung durchgesickert. Im Tagesspiegel stellen Simon Frost und Antje Sirleschtov die Eckpunkte des „Tüftelns am Neuland“ vor und haben die Stimmen von Wirtschaftsverbänden und Opposition zu dem Strategiepapier eingeholt. Ihr leider wenig überraschendes Fazit: Die Erwartungen wurden nicht erfüllt.<br />
<a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/digitale-agenda-tuefteln-am-neuland/10241714.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>tagesspiegel.de</em></a></p>
<h3><a href="http://www.netzpiloten.de/leistungsschutzrecht-google-soll-zahlen-facebook-nicht/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Streit um die Snippets</a></h3>
<p>Die VG Media, ein Zusammenschluss zwölf großer deutsche Verlage, möchte Google gerichtlich zwingen, Snippets ihrer Artikel anzuzeigen.Für die Darstellung muss Google dann wiederum laut Leistungsschutzrecht Geld an die Verlage abdrücken. Jakob Steinschaden erklärt für die Netzpiloten, wieso das zu kurz gedacht ist und die Verlage bald abhängig von Facebook und Twitter sein dürften.<br />
<a href="http://www.netzpiloten.de/leistungsschutzrecht-google-soll-zahlen-facebook-nicht/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>netzpiloten.de</em></a></p>
<h3><a href="http://www.fr-online.de/kultur/digitale-revolution-die-letzte-chance,1472786,27912050.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Internet schafft Gesellschaften, indem es alte zerstört</a></h3>
<p>Für die Frankfurter Rundschau beantwortet Arno Widmann die Frage „ob die digitale Revolution unsere Gesellschaft gefährdet“. Er erklärt in seinem Artikel „Die letzte Chance“, warum die digitale Revolution für ihn mit dem Verlust von Meinungshoheit einhergeht, sie es uns aber andererseits ermöglicht, neue Gesellschaften zu schaffen.<br />
<a href="http://www.fr-online.de/kultur/digitale-revolution-die-letzte-chance,1472786,27912050.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>fr-online.de</em></a></p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/frauen-in-der-technikbranche-digitale-maedchenschulen-1.2057945" target="_blank" rel="noopener noreferrer">We can do it!</a></h3>
<p>Obwohl die digitale Revolution die Arbeitswelt revolutioniert, – Stichwort Home Office, flache Hierarchien, flexible Arbeitszeiten – steigen viele Frauen auf der Karriereleiter der Tech-Welt irgendwann aus: Die Mechanismen der analogen Welt scheinen auch digital wirksam zu sein. Gegenbewegungen, die den Frauenmangel analysieren, bewerten und auch bekämpfen, sind notwendig. Ob es aber dauerhaft konstruktiv ist, das isoliert von den männlichen Kollegen zu tun, darf mit Recht bezweifelt werden.<br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/frauen-in-der-technikbranche-digitale-maedchenschulen-1.2057945" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>sueddeutsche.de</em></a></p>
<h3><a href="http://www.politik-kommunikation.de/ressorts/artikel/zu-viele-infos-schrecken-online-ab" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitale Missverständnisse</a></h3>
<p>Wahlvolk und Politik reden manchmal aneinander vorbei. Das gilt allerdings auch im Internet, genauer: im Internetwahlkampf. Eine Studie der FU Berlin kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem unterschiedliche Erwartungen das Problem sind. Während Parteien und Kandidaten im Netz versuchen, komplexe Sachverhalte zu erklären, wollen die User „nur“ deren Meinung erfahren. Informationsaufbereitung dagegen wird von den Medien erwartet. Vielleicht auch deswegen sind die Online-Wahlkämpfe in Deutschland noch immer nicht wahlentscheidend.<br />
<a href="http://www.politik-kommunikation.de/ressorts/artikel/zu-viele-infos-schrecken-online-ab" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>politik-kommunikation.de</em></a></p>
<h3><a title="Digitale Infrastruktur: Breitband 2018 – und danach?" href="http://politik-digital.de/digitale-infrastruktur-breitband-2018-und-danach/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Abstrakte Betroffenheit</a></h3>
<p>Der Berliner Anwalt Niko Härting hat gegen die Überwachungspraktik des Bundesnachrichtendienstes geklagt und ist mit dieser Klage gescheitert – nicht zulässig, so das Urteil der Richter. Interessant jedoch: Prinzipiell gibt das Gericht zu, dass schon die Erhebung von Metadaten über den E-Mail-Verkehr einer Person einen unzulässigen Eingriff in die Grundrechte darstellt. Nur muss die Person eben beweisen können, dass konkret sie betroffen ist. Oder juristisch ausgedrückt: „Die abstrakte Möglichkeit einer Betroffenheit reicht nicht.“<br />
<a href="http://www.internet-law.de/2014/07/klage-gegen-e-mail-ueberwachung-des-bnd-unzulaessig.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>internet-law.de</em></a><br />
<strong>Koautor:</strong> Lukas Böhm<br />
Foto: Screenshot<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<item>
		<title>Neue Technologien von gestern</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/econsumer-verbraucherschutz-hypes-shtml-2873/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[fsteglich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jan 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[Multimedia]]></category>
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					<description><![CDATA[Großes Geld, dreidimensionales Web, virtuelle Fernsehansagerinnen und alle Küchengeräte über die Maus zu bedienen. Das Internet werde unser aller Leben umkrempeln, heißt es seit langem. Heute surfen zwar die meisten und versenden E-Mails, aber der große technologische Umbruch scheint das nicht zu sein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Großes Geld, dreidimensionales Web, virtuelle Fernsehansagerinnen und alle Küchengeräte über die Maus zu bedienen. Das Internet werde unser aller Leben umkrempeln, heißt es seit langem. Heute surfen zwar die meisten und versenden E-Mails, aber der große technologische Umbruch scheint das nicht zu sein.<!--break--><br />
                    <strong>War dies schon die digitale Revolution oder steht uns dieser erst noch bevor? Was ist aus den Hypes geworden, die in den letzten Jahren aufkamen?</strong></p>
<p>Gegen Ende der 1990er Jahre stürzten sich viele Menschen ins Internet-Business in der Manier des amerikanischen Goldrausch. Domainnamen wurden wie Claims abgesteckt und für Millionen Dollar weiterverkauft, wenn sie eingängig genug waren. Wer nicht in einer Internet-Agentur arbeitete, war out. Jede Woche tauchte in den Wirtschafts- und Nachrichtenmagazinen eine neue Gründer-Boygroup auf, alle mit riesigen Maskottchen, in Fabrik- oder Altbauetagen und mit ihrem Logo auf dem Shirt. Der Trend ging zum Zweit-Start-up. Das Internet, das in seinen Anfangszeiten für grenzenlose Information, Kommunikation und Freiheit stand, war ein Synonym für das schnelle Geld geworden.<br />
                    <br />Das Ende des Hypes ist bekannt:<br />
                    <a href="http://www.google.de/search?q=cache:Db8G2KUMak8C:www.boo.com/%2B&amp;hl=de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Boo.com</a>, der spektakulär gestartete und kaum bedienbar gestaltete Online-Fashionhändler, machte im Mai 2000 den Anfang. Gigabell folgte, hunderte weitere Firmen der Neuen Wirtschaft beantragten Insolvenz. Mit den handelnden Personen starb auch die Hofberichterstattung &#8211; Net-Business, econy und andere Magazine wurden eingestellt oder verkauft. &#8220;New Economy&#8221; ist für Unternehmen der Neuen Medien beinahe rufschädigend geworden. Sie sitzen noch immer in Fabrik- oder Altbauetagen, sind aber stolz darauf, keinen Risikokapitalgeber im Aufsichtsrat sitzen zu haben. Sogar<br />
                    <a href="http://www.amazon.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">amazon.com</a>, einer der Start-up-Pioniere, wird jetzt zu einem ganz normalen Unternehmen: Vor wenigen Tagen meldete Jeff Bezos die ersten schwarzen Zahlen.<br />
                    <br />Und in den Webrubriken und Netzwelten der Medienlandschaft rücken andere Themen in den Blickpunkt. Pornographie und Propaganda, die Schattenseiten des Internet, lösen den Hype des schnellen Geldes ab.</p>
<p>
                      <strong>Mythos Multimedia</strong>
                    </p>
<p>Glanz sollte auch durch Multimedia ins Web gebracht werden. Audio- und Videostreaming, also das direkte Abspielen von Musik- oder Filmdaten aus dem Internet, ohne dass diese erst heruntergeladen werden müssen, versprach, den vernetzten Rechner zum allumfassenden Medium werden zu lassen. Fernseher, Radio und (Bild-)Telefon zusätzlich zum unüberschaubaren Informationsangebot. Die nötige Technik und Bandbreite für reibungslose, sprich ruckelfreie Video-Konferenzen ist nicht leicht zu haben. In den meisten Fällen muss darum das kleine Fenster des<br />
                    <a href="http://www.real.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Real Player</a> genügen, um beispielsweise bei ins Web übertragenen Nachrichtensendungen und Pressekonferenzen zuzusehen. Ein weiterer Grund dafür, dass das Streamen in Deutschland nicht so recht ankommt, könnten die vergleichsweise hohen Internetgebühren sein. Der durchschnittliche US-Amerikaner widmet eine Stunde seines Tages gestreamten Filmen oder Musik &#8211; der Deutsche bringt es nur auf durchschnittlich 11 Minuten. Die Flatrates, die hierzulande Abhilfe hätten schaffen können, haben weitgehend das Zeitliche gesegnet, eine bundesweit verfügbare Flatrate bietet nicht ein einziges Telekommunikationsunternehmen mehr an. Die letzten, wenigstens in Großstädten angebotenen Flatrates haben die<br />
                    <a href="http://www.telekom.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Telekom</a> und<br />
                    <a href="http://www.arcor.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arcor</a> im Angebot.</p>
<p>Wenn die Anbieter der Streams auf die Idee kommen, sich ihre Leistung bezahlen zu lassen, könnte aber auch eine Flatrate zu spät kommen: Fernsehen im Internet, ob<br />
                    <a href="http://www.heute.t-online.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Heute-Journal</a> oder<br />
                    <a href="http://www.ftv.com/fashionTV.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mode-Kanal</a> kostet ja bisher noch nichts. Keine Rundfunkgebühren und Decoder-Pakete fallen an. Die nötige Software ist bei<br />
                    <a href="http://www.microsoft.com/windows/mediaplayer/en/default.asp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Microsoft</a> und Real Media kostenlos erhältlich. Tatsächlich kann vom Musikvideo, über den Westernklassiker bis hin zum Online-Radioprogramm bis heute ein großes Angebot an Digital-Waren kostenlos genutzt werden. Die Gratis-Musik-Quelle Napster, die noch bis zum letzten Sommer als der Inbegriff von neuer Preisfreiheit im Datennetz herhielt, ist jedoch vorerst versiegt. Musikanbieter wie<br />
                    <a href="http://www.musicnet.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Music Net</a> , dahinter stecken die Musikriesen BMG, Warner, EMI und Zomba, oder<br />
                    <a href="http://www.pressplay.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pressplay</a>, der Konkurrent aus den Häusern Sony, Universal und Vivendi, erheben nicht nur Gebühren dafür, dass Musik heruntergeladen und auf CD gebrannt wird. Schon das bloße Streaming kostet Geld. So kostet ein Monatspaket von MusicNet, dass 100 Downloads und 100 Streams beinhaltet, US $9,95 in den Vereinigten Staaten &#8211; in Deutschland sogar ganze US $29,99. Auch beim Konkurrenten Pressplay müssen für das selbe Angebot satte 25 Dollar auf den Tische gelegt werden. Musik-Börsen wie Gnutella oder KaZaa, bei denen bis heute kostenfrei getauscht wird, versuchen dem Schicksal des Vorläufers Napster zu entrinnen. Ohne zentralen Server entgehen sie nationalen Gerichtsurteilen, die sie zum Abschalten verpflichten könnten. Napster, der inzwischen von Bertelsmann aufgekaufte Vorreiter im Plattentausch will in Kürze neu ins Netz starten &#8211; diesmal allerdings ohne die großen Namen der Musikszene im Angebot zu haben und außerdem gebührenpflichtig. Mit fünf bis zehn Dollar pro Monat wäre zumindest der bestehende Marktpreis unterboten. Ein Streaming-Programm, das richtig anmachen soll, verspricht der<br />
                    <a href="http://www.playboy.com/zmega.html">Playboy</a> auf seine Seite zu bringen. 20 Millionen US-Dollar stellte der Konzern im letzten Jahr bereit, um Technik und Inhalt für das sexy Streaming zu entwickeln. Bisher ist von Streaming jedoch beim Playboy noch nichts zu sehen. Ob man sich am Ende doch mit dem bewährten eigenem TV-Sender und Online-Video-Bestellung zufrieden geben wird? Streaming-Angebote fast jeder Art, die keinen müden Pfennig kosten, zeigt der<br />
                    <a href="http://www.webtimer.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Webtimer</a>. Bei der großen Auswahl liegt die Vermutung, die Streaming-Welle sei vorüber, einigermaßen fern. Wenn Breitbandzugänge sich weiter verbreiten, dürfte die Nachfrage steigen. Das könnte dann allerdings bald einen Preisanstieg zur Folge haben.</p>
<p>
                      <strong>Avatare</strong>
                    </p>
<p>Avatare sind animierte Figuren im Cyberspace. Mit ihrer Hilfe sollte sich das Web noch weiter von der Zweidimensionalität des Bildschirms lösen, gemütlicher, herzlicher &#8211; eben dreidimensionaler werden. Könnte sich der User im anonymen Datenraum vielleicht nach persönlicher Ansprache sehnen? Könnten virtuelle Berater den Verkauf im Netz begleiten, wenn die direkte Kundenbetreuung im Geschäft unter den Tisch fällt? Solche oder ähnliche Gedanken hatten wohl die Werbestrategen als sie sich Figuren wie Robert-T-Online, Cor@Deutsche Bank oder Liam Loewe ausdachten. Was bei Joe Camel, dem berühmten Werbekamel des gleichnamigen US-Zigarettenkonzerns, funktioniert hat, hätte ja auch zur Erfolgsnummer von T-Online oder der Deutschen Bank werden können.<br />
                    <br />Stattdessen wurde Robert-T-Online ungewollt zum<br />
                    <a href="http://www.golem.de/0102/12406.html%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Absender</a> des unangenehmen &#8220;Kournikova&#8221;-Wurms. Die Betreffzeile &#8220;Neues von Ihrem Internetdienstleister &#8211; Robert T. Online informiert&#8221; mit dem Absender &#8220;support@t-online.de&#8221; täuschte den Telekom-Kunden eine seriöse Herkunft der E-Mail vor. Heute ist der gescholtene Robert auf der Homepage des Konzerns nur nach langer Suche in alten Archiven zu finden. Burschikos und Blond strahlt zwar<br />
                    <a href="http://www.db-cora.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cor@</a> von der Deutschen Bank dem Besucher entgegen, leider führen aber sämtliche Navigationspunkte auf der Seite bei Anklicken ins Nichts. Ebenfalls blauäugig und mit einem charmantem Lächeln bietet sich Liam Loewe auf der Seite des Fernsehherstellers zur virtuellen Produktberatung an: &#8220;Ich bin Loewe Spezialist, Navigationshilfe und technisches Lexikon in Personalunion. Nutzen Sie diese Chance!&#8221;. Der nette Mattscheibenverkäufer im silbernen Zwirn gibt auch Auskunft über sein &#8220;Privatleben&#8221;. Er sei 27 Menschenjahre alt, jedoch erst am 13. August 2000 geboren und wohne im Cyberspace, auf der Festplatte des Hauses Loewe. Zur Information: Er hat keine Partnerin!<br />
                    <br />Immerhin weiß Liam, der auch mit den Augen zwinkern kann, dass er kein Mensch ist.<br />
                    <br />Aber auch an anderer Stelle im Netz tauchen die kleinen Figuren auf. Bei<br />
                    <a href="http://www.electronic-arts.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Electronic Arts</a> kann man sich einen Platz im Simulations-Spiel Sims kaufen. Mit $ 25,99 für die Spiel-CD-Rom darf bei dem virtuellen Single-Treff jeder &#8220;mal Kuppler sein&#8221; wird dort geworben. Avatare für alle! Bei<br />
                    <a href="http://gexserve.genie.de/global_root/init.php?data=babyfred.inc.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">genie.de</a> findet sich die Fantasiefigur &#8220;Baby Fred&#8221;. Grußpostkarten, schenkelklopfende &#8220;Cheffe&#8221;-Witze und Baby-Fred´s Begegnungen mit Stars wie Nadja ab del Farrag gehören zur Spaßpalette. Auch das Baby-Sprachlexikon oder die von Baby-Fred gelesenen Nachrichten scheinen mal ein Highlight der Seite gewesen zu sein. Der letzte Eintrag auf der News-Seite stammt allerdings vom Juli 2001. Hat die Sommerpause der Witzfigur den Garaus gemacht?</p>
<p>Digitale Geschöpfe, die das Kindchen-Schema gelangweilter Büroinsassen ansprechen sollen, haben es schwer zu überleben. Das Massensterben der Tamagotchis nach dem Abklingen des großen Hypes von 1997, sollte da als Mahnmal der Vergänglichkeit im Gedächtnis der computerisierten Welt erscheinen.<br />
                    <br />Mit anderem Ehrgeiz als die Spaßmacher und Kundenbetreuer, die Avatare erschaffen haben, nähert sich seit dem 1.Januar 2001 das<br />
                    <a href="http://www.fraunhofer.de/german/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frauenhofer-Institut</a> den Cyber-Figuren. Im Projekt &#8221;<br />
                    <a href="http://212.205.85.111:8087/Avatar_Conference/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Avatar-Conference</a>&#8221; des Stuttgarter Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation haben sich die Forscher das Ziel gesetzt, die weltweit verstreute Wissenschafts-Gemeinde im virtuellen Raum zusammenzuführen. Experten sollen auf Avatar-Konferenzen über ihre Arbeit berichten. In Direktzeit könnten die Kollegen sich auf der Suche nach der Wahrheit letztem Schluss in die Debatten einschalten. Räumliche Distanz als Ursache ungleich verteilter Information und von Missverständnissen könnte so überwunden werden. Zukunftsmusik? Wie das Frauenhofer-Institut Anfang 2001 mitteilte, ist das Projekt auf 24 Monate angelegt. Am 28. Februar dieses Jahres sollen die Ergebnisse<br />
                    <a href="http://www.iao.fraunhofer.de/d/kontakt/news.hbs?pageid=243&amp;catid=36#243" target="_blank" rel="noopener noreferrer">publik gemacht</a> werden.</p>
<p>
                      <strong>Mobile Web</strong>
                    </p>
<p>Der erste große Hype, der einen drahtlosen Internetzugang überall versprach, war WAP. Das erinnert allerdings bis heute eher an die Anfangstage des btx als an die Zukunft des World Wide Web. Auf kleinen Handydisplays, auf denen niemals die ganze Seite zu sehen ist, mit einer über die Telefontastatur nur mühsam zu bedienenden Navigation, das alles zu horrenden Preisen &#8211; es ist nicht weit her mit dem S-Bahn-Surfen.<br />
                    <br />Eine etwas ausgereiftere Technik des wireless web kommt &#8211; wenn auch nur mit sehr begrenzter Reichweite &#8211; aus Skandinavien. Mit dem Laptop auf dem Balkon sitzen und den Drucker im Arbeitszimmer aktivieren, die Heizung per Palm aufdrehen, über das Headset telefonieren, obwohl das Handy im Koffer auf dem Rücksitz liegt, und nie mehr Kabelstränge mit Tesafilm an Tischunterseiten befestigen müssen. Die Erfüllung all dieser Träume verspricht seit 1998 ein Chip, der kaum größer ist als ein Zwei-Euro-Stück und den Namen eines Vikingerkönigs aus dem 10. Jahrhundert trägt:<br />
                    <a href="http://www.bluetooth.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bluetooth</a> (vom skandinavischen Blatand, also Blauzahn).<br />
                    <br />Über Bluetooth können Daten per Funk von einem sogenannten Master-Gerät an bis zu sieben Peripheriegeräte übertragen werden. Das können zum Beispiel Organizer, Freisprecheinrichtungen, mp3-Player, Lautsprecher oder Haushaltsgeräte sein. Auch die Infrarot-Technik von Fernbedienungen und kabellosen Kopfhörern könnte von Bluetooth abgelöst werden. Das Netz von acht Geräten kann durch den Einsatz weiterer Master ausgebaut werden. Die Reichweite von 10 Metern ist für die meisten Anwendungen ausreichend und kann mit einem Verstärker auf 100 Meter erweitert werden. Bluetooth sendet im für jeden zugänglichen 2,4 GHz ISM-Band (Industrial Scientific Medical-Frequenz) und erreicht je nach Nutzung der Kanäle Übertragungsgeschwindigkeiten zwischen 64 kBit/s, was ISDN-Geschwindigkeit entspricht, und 721 kBit/s.<br />
                    <br />Fast 2.000 Unternehmen sind inzwischen in der 1998 gegründeten Special Interest Group versammelt und entwickeln Lösungen für die drahtlose Kommunikation mittels Bluetooth. Erste mit der Technik ausgestattete Geräte sind bereits auf dem Markt: Handys, Notebooks und Headsets.<br />
                    <br />Experten sagen Bluetooth eine große Zukunft voraus. Auch wenn das medieninteresse nachgelassen hat und gerüchteweise schon mal das Ende der Technologie verkündet wurde &#8211; da der Preis des Chips bei Serienfertigung auf unter 5 Euro sinken dürfte, könnte es tatsächlich zum überall verwendeten Modul werden.<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 24.01.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="tidy-3">
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
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		<title>Die digitale Wirtschaft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/econsumer-verbraucherschutz-barbrook-shtml-2568/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[rbarbrook]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jan 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Dr. Richard Barbrook lehrt an der 
                      Westminster University in London Hypermedia Studies und ist dort Leiter des 
                      Hypermedia Research Centres. Der Autor der Medienbuch-Klassiker 'Media Freedom' und 'The Californian Ideology' ist einer der führenden Kritiker des neoliberalen Wirtschaftssystem aus linkspolitischer Sicht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Richard Barbrook lehrt an der<br />
                      <a href="http://www.wmin.ac.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Westminster University</a> in London Hypermedia Studies und ist dort Leiter des<br />
                      <a href="http://www.hrc.wmin.ac.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hypermedia Research Centres</a>. Der Autor der Medienbuch-Klassiker &#8216;Media Freedom&#8217; und &#8216;The Californian Ideology&#8217; ist einer der führenden Kritiker des neoliberalen Wirtschaftssystem aus linkspolitischer Sicht.<!--break-->
                    </p>
<p>Das Netz ist die Technikikone unseres Zeitalters.<br />
                    <em><br />
                      <a href="http://www.wired.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wired</a><br />
                    </em>, das aus Kalifornien stammende Computermagazin, prophezeit eine Form der Markwirtschaft, wie man sie sonst nur aus neo-klassischen Wirtschaftslehrbüchern kennt. Mit seinen Behauptungen hat das e-Zine globalen Bekanntheitsgrad erworben. Jeder wird in der Lage sein, im Cyberspace ohne Einschränkungen zu kaufen und zu verkaufen. Die Nationalstaaten werden den elektronischen Kommerz nicht mehr kontrollieren können, da er sich ohne Hindernisse über die Ländergrenzen hinwegsetzen kann. Das Netz wird für die ganze Welt den amerikanischen Traum vom großen Geld wahr werden lassen. Diese neoliberale Fantasie aus dem kalifornischen Hi-Tech-Paradies hat mystische Dimensionen angenommen. Durch Freigabe der angeblich natürlichen Gesetze immanent im unregulierten Kapitalismus werden die neuen Informationstechnologien zur Geburt einer neuen Rasse von &#8220;post-humans&#8221; (Post-Menschen) führen: Cyborg-Kapitalisten als Befreier vom einengenden Fleisch. Wie viktorianische Fabrikbesitzer glauben die Hi-Tech-Neoliberalen, dass ihr Selbstinteresse den Gipfel der Darwinistischen Evolution darstellt.</p>
<p>Die kalifornische Ideologie ist die Fantasie der &#8216;virtuellen Klasse&#8217;: Der Westküstenunternehmer und -pioniere, die darauf hoffen, ihren Reichtum aus dem Netz zu gewinnen. Natürlich sind auch die Europäer nicht immun gegen den Einfluss des kalifornischen Traums. Seit dem Untergang des Stalinismus haben viele Intellektuelle eine postmoderne, nihilistische Haltung angenommen, die zum Neoliberalismus keine Alternative bietet. Einige Linke gaben sich gar der masochistischen Freude hin, alle Formen technologischer Innovation als Triumph kapitalistischer Herrschaft zu erklären. Diesen Pessimisten zufolge ist das Anliegen der Arbeiterklasse im Cyberspace verloren gegangen. Jedoch ist der Hi-Tech-Neoliberalismus, der von der kalifornischen Ideologie verfochten wird, selbst ein Versuch, die Prometheusche Macht menschlicher Kreativität zu kontrollieren. Die breitere Verfügbarkeit von Kapital und Material hat, seit Verbesserung der globalen Kommunikation, und allein auf die monopolistische Kontrolle des Wohlstands basierend, die sozialen Kräfte unterlaufen. Vor allem macht die ständige technologische Innovation den Erfolg auf dem Markt zunehmend von den Fähigkeiten und dem Enthusiasmus der Arbeitnehmer abhängig. In der digitalen Wirtschaft ist somit nichts wertvoller als menschliche Genialität.</p>
<p>Vor über zweihundert Jahren waren die Langeweile und Disziplin des Fabrik-Systems als einzige Methode des materiellen Wachstums akzeptiert. Schließlich lebten Arbeiter unter dem Fordismus weitaus besser, als die aristokratische Schicht im Mittelalter. Als aber die Konsumgesellschaft keine Neuigkeit mehr war, fingen viele Menschen an, nach etwas zu suchen, das über das Geld hinaus ging. So fordern Arbeiternehmer seit den 60ern mehr Autonomie im Beruf und mehr Freiheit im Privatleben. Auch die Neoliberalisten haben dem traditionellen Konservatismus den Rücken gekehrt und nutzen Kommerzialisierung und Privatisierung, um jenen Aspirationen wieder Leben einzuhauchen. Zum Beispiel werden den talentierten Arbeitnehmern der Hi-Tech-Industrie Versprechen gemacht, dass auch sie die Möglichkeit haben, ihre eigene Firma zu gründen und die Unabhängigkeit, die mit dem Reichtum kommt, genießen zu können.</p>
<p>Der Hi-Tech-Neoliberalismus ist jedoch ein falscher Traum für die meisten Menschen. In den USA sinkt der Durchschnittslohn seit zwanzig Jahren. In der EU ist die Massenarbeitslosigkeit zum permanenten Phänomen geworden. Selbst die wenigen Glückspilze der &#8220;virtuellen Klasse&#8221; können sich nicht komplett von den sozialen und wirtschaftlichen Problemen des Spätkapitalismus abschotten, indem sie sich in ihren eingezäunten Vorstädten und ihrem verschlüsselten Cyberspace verstecken. Vor allem liefert die freie Marktwirtschaft keine Lösung zum Problem der Entfremdung vom Arbeitsplatz. Im Neoliberalismus drückt sich individuelle Autonomie nur noch durch Deals-Machen aus und nicht durch die Anfertigung nützlicher und schöner Artefakte. Die Geschichte von Computer und Hypermedia ist voller trauriger Episoden, in denen Ingeneure und Künstler ihre Kreativität an die Mühlen der Bürokratie geopfert haben. Anstelle der kalifornischen Ideologie brauchen wir heute ein fundierteres Verständnis vom Netz und seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Denn anstatt technischer Ausdruck des Neoliberalismus zu sein, demonstriert die digitale Wirtschaft die Notwendigkeit der Schaffung einer neuen, auf das 21. Jahrhundert zugeschnittenen, sozialdemokratischen Ordnung.</p>
<p>Die Ursprünge des Internet selbst weisen auf die Märchenqualität der kalifornischen Ideologie hin. Weit davon entfernt, ein Produkt der freien Markwirtschaft zu sein, wurde das Internet als Teil eines riesigen Militärprogramms von amerikanischen Steuerzahlern finanziert, um der Bedrohung des sowjetischen Sputnik-Satelliten entgegenzutreten. Wie viele Erfindungen im Kalten Krieg hätte auch das Internet ein offizielles Geheimnis bleiben können. Als es aber an den Universitäten entwickelt wurde, eigneten sich die Akademiker und Studierenden die neue Technologie für ihre eigenen Zwecke an. Von Online-Diskussionsgruppen über elektronische Post &#8211; die beliebtesten Bestandteile des Netzes wurden von Enthusiasten entwickelt. Angezogen vom nicht-kommerziellen Ethos begannen andere, das Internet als eine neue Art von Gemeinschaftsmedium weiter auszubauen. Selbst heutzutage wird über die Hälfte des Materials im Internet von Amateuren bereitgestellt. Und obwohl die kommerziellen Unternehmer einen Großteil der Hardware entwickelt haben, waren sie die letzten, die das große Potential des Netzes erkannten. Der Grund dafür, dass Microsoft und andere Firmen Billionen von Dollars in das Netz investieren, liegt darin, dass sie aufholen und mithalten müssen mit der weitverbreiteten Nutzung des Netzes durch staatlich subventionierte Institutionen und der Do-it-yourself-Kultur (DIY-Kultur).</p>
<p>Das Netz ist nicht der Vorläufer eines globalisierten, unregulierten Marktplatzes. Im Gegenteil: Seine profane Geschichte veranschaulicht die Vermischung von staatlichen, kommerziellen und sozialen Interessen innerhalb der sich herausbildenden digitalen Wirtschaft. Jeder Bereich will eine Rolle spielen und keiner kann ohne den anderen existieren. Zum Beispiel ist staatliche Intervention notwendig, um den Bau eines Breitband-Netzwerkes sicherzustellen, das alle Haushalte und Geschäfte verbindet. Überließe man dies unregulierten Wirtschaftskräften, würde der universelle Zugang zu den neuen Informationsangeboten nur sehr langsam zustande kommen. Auch kann das kommerzielle Potential des Netzes nur dann voll realisiert werden, wenn ein faseroptisches System bevölkerungsumspannend aufgebaut wird. Wie auch im Falle früherer Dienstleistungen werden profitable Online-Geschäfte nur durch staatliche Regulierung &#8211; oder gar staatlichen Besitz der digitalen Infrastruktur &#8211; florieren.</p>
<p>Darüber hinaus ist auch die Weiterentwicklung der DIY-Kultur notwendig. Wie die Geschichte des Netzes demonstriert, haben Hacking, Piraterie, Shareware und Open-Source-Systeme geholfen, die Einschränkungen von staatlichen und kommerziellen Interessen zu überwinden. Ob nun aus politischen oder profitorientierten Gründen &#8211; große Institutionen versuchen immer noch, ihre Eigentumskontrollen auf den Cyberspace zu übertragen. Dabei ist eines der Hauptanziehungspunkte des Netzes für die Benutzer, dass sie nicht streng kontrolliert werden von irgendwelcher öffentlichen oder privaten Bürokratie. Schon jetzt kann ein Teil der Bevölkerung das Netz zur Information, Bildung und Freizeit außerhalb der Einflusssphäre von Staat und Wirtschaft nutzen. Sobald das Breitband-Netzwerk steht, wird jeder die Möglichkeit haben, bei der Hi-Tech-Geschenkwirtschaft (hi-tech gift economy) mitzumachen. Viele der derzeitigen Netzbesucher laden sich nicht nur einfach Produkte anderer herunter. Sie wollen sich auch selber ausdrücken, zum Beispiel durch eine Homepage oder per Online-Konferenz. Im Gegensatz zu den traditionellen Medien ist das Netz nicht eine Vorstellung des passiven Konsums, sondern eine partizipative Aktivität.</p>
<p>Ironischerweise ist die DIY-Kultur auch eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Entwicklung eines erfolgreichen kommerziellen Sektors im Netz. Indem die Hi-Tech-Geschenkwirtschaft den Menschen ermöglicht, sich die Grundlagen des Hypermedia-Handwerks anzueignen, trägt sie dazu bei, eine bewanderte und innovative digitale Arbeiterschaft hervorzubringen. Allerdings ist es sehr schwierig, das Managementsystem der traditionellen Fabrikhalle auf die neuen Arbeiter und Arbeitsweisen zu übertragen. Die rapide Verbreitung von PCs und nun dem Internet ist Ausdruck des Wunsches vieler Menschen, den kleinlichen Kontrollen des Geschäfts oder Büros zu entkommen. Trotz der Unsicherheit von Kurzzeitarbeitsverträgen wollen sie die Unabhängigkeit des Handwerkerberufs, die im Prozess der Industrialisierung verloren ging, wiedererlangen. Wegen der rasanten technologischen Innovation sind die Facharbeiter der Hypermedia- und Computerindustrie prädestiniert dafür, ihre Ansprüche auf Autonomie zu behaupten.</p>
<p>Während die Neoliberalen nur den Erfolg für Wenige versprechen können, bietet das Wiederaufleben von handwerklichen Methoden eine Arbeitsweise, die die meisten kreativen Arbeiter auch innerhalb des kommerziellen Sektors übernehmen können. Schon jetzt sind die digitalen Handwerker dabei, die kulturellen und technischen Grenzen der Hyper-Medien so weit wie möglich auszudehnen. Entscheidend ist dabei, dass ihre Artefakte im Netz leicht reproduziert und vertrieben werden können. Zum ersten Mal können Handwerker auch Vorteile aus der ‚Economy of Scale&#8217; ziehen, etwas, was bis jetzt immer nur den Fabrikbesitzern vorbehalten war. Die momentane Wiederbelebung des Handwerkertums ist daher weit davon entfernt, in seine low-tech Vergangenheit zurückzufallen; vielmehr steht es für die ‚cutting edge&#8217; in der Entwicklung des Postfordismus.</p>
<p>Die Evolution des Kapitalismus spiegelt sich im Prozess des technologischen Fortschritts wieder. Während klassischer Liberalismus von Kohle und Metall abhängig war, produzierte der Fordismus elektromagnetische, sowie chemische Technologien. Am Ende des 20. Jahrhunderts wird nun behauptet, dass das Netz ein neues wirtschaftliches Paradigma erzeugt. Den Nutzen dieser neuen innovativen Technologie kann man aber nur voll ausschöpfen, wenn man auch die Arbeitsweise umstellt. Der Fordismus war nicht nur von der Erfindung des Motors und anderen Massengütern abhängig. Vor allem die Methode der Fließbandarbeit in der Produktion war für die Entstehung dieser Form des Kapitalismus grundlegend. Sogar die kalifornischen Ideologen vertreten die Ansicht, dass die Expansion des Netzes von der Unterordnung oder der Anpassung der Arbeiter durch unregulierte Märkte abhängt. Trotz ihres offenkundigen technologischen Determinismus akzeptieren sie vorbehaltlos, dass die Organisation der Arbeiterschaft im Zentrum der digitalen Wirtschaft steht.</p>
<p>In der Praxis verhindert der Hi-Tech-Neoliberalismus jedoch die Entwicklung einer gedeihenden digitalen Wirtschaft. Zum Beispiel kann nur eine kleine Minderheit das Glück haben, zur virtuellen Klasse zu gehören. Das kreative Potential der meisten Macher von Hypermedien wird immer noch durch die Produktionsmethoden des Fordismus eingeschränkt sein. Das ist der Grund, weswegen wir uns nicht von den einfach gestrickten Slogans aus Kalifornien einschüchtern lassen sollten. Stattdessen müssen wir versuchen, die Komplexität der Mischwirtschaft, die dem Postfordismus entspringt, zu begreifen. Vor allem müssen wir erkennen, dass menschliche Genialität die wichtigste Eigenschaft der sich herausbildenden digitalen Wirtschaft ist. Der Staat, kommerzielle Unternehmen und die DIY-Kultur haben dabei alle unterschiedliche Methoden, den Prometheuschen Geist menschlicher Kreativität freizusetzen. Unter dem Fordismus wurde der Fabrikarbeiter zu einer heroischen Figur, zur Verkörperung der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In der gegenwärtigen Gesellschaft hat der digitale Handwerker diese Rolle übernommen. Ob sie in der öffentlichen, Geld- oder Geschenkwirtschaft produktiv sind &#8211; digitale Handwerker repräsentieren die Zukunft, die um fachliche, kreative und autonome Arbeit kreist. Das Versprechen der digitalen Wirtschaft liegt nicht nur im praktischen Potential der neuen Informationstechnologien, sondern &#8211; viel wichtiger &#8211; in der Entstehung eines neuen Typus des Arbeiters. Deswegen sind die digitalen Handwerker die Pioniere einer, auf das 21. Jahrhundert zugeschnittenen, Sozialdemokratie.<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 03.01.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="tidy-3">Ins Deutsche übersetzt von<br />
                    <a href="mailto:irobbers@politik-digital.de">Ines Robbers</a></p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Kanon ist tot, es lebe das Leitmedium</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Nov 2000 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemeinbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungskanon]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">
<b>Ein Bildungskanon ist immer auch ein Kanon der Medien, über
die er transportiert wird. Denn ein Kanon gibt einerseits jene
verbindlichen Inhalte vor, die über die Zugehörigkeit zu
bildungsbürgerlichen Kreisen entscheiden.</b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"><br />
<b>Ein Bildungskanon ist immer auch ein Kanon der Medien, über<br />
die er transportiert wird. Denn ein Kanon gibt einerseits jene<br />
verbindlichen Inhalte vor, die über die Zugehörigkeit zu<br />
bildungsbürgerlichen Kreisen entscheiden.</b></span></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">                        Andererseits ist ein<br />
Kanon an die Medien gebunden, in denen er zu finden ist &#8211; das<br />
heißt, er enthält Benutzungsregeln für ihren Gebrauch. Zu den<br />
institutionalisierten Säulen des Bildungskanons zählen Museen,<br />
Theater und Bibliotheken. Ihre Medien sind Bücher, Lexika,<br />
Fachzeitschriften und Zeitungsfeuilletons. Ihre Benutzungsregel ist<br />
die Chronologie: Sie sind von A bis Z durchkonzipiert, werden<br />
im Idealfall von der ersten bis zur letzten Seite, vom ersten bis<br />
zum letzten Akt konsumiert.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">                        Seit die digitalen und interaktiven Medien Wirtschaft und<br />
Gesellschaft erobern, hat erwartungsgemäß auch eine<br />
Kanondebatte eingesetzt. Sie rückt die Frage nach den<br />
wandlungsbedingten Risiken und Chancen der digitalen<br />
Revolution in den Mittelpunkt. Diese Debatte ist richtig und<br />
falsch zugleich: Denn es geht dabei nicht mehr nur um die Liste<br />
der maßgeblichen Bücher oder der mustergültigen Autoren. Es<br />
geht um ein völlig neues Leitmedium.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">                        Je krampfhafter versucht wird, einen klassischen Bildungskanon<br />
oder die dazugehörigen Sekundärtugenden zu reformulieren,<br />
desto deutlicher wird, dass ein derartiges Vorhaben unter den<br />
gegenwärtigen Bedingungen unmöglich geworden ist. Und wie<br />
immer in derartigen Situationen beginnt auch hier ein<br />
Schaukampf: Apokalyptische Protagonisten sehen mit der neuen<br />
Medientechnologie das abendländischen Denken untergehen;<br />
affirmative Technikeuphoriker preisen die Chancen für<br />
Ökonomie, Demokratie und Bildung.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">                        Wissen lässt sich als die Fähigkeit eines Menschen begreifen,<br />
selbst etwas in Gang zu setzen. Das bedeutet für das digitale<br />
Zeitalter: Nicht die potenziell erreichbaren Informationen,<br />
sondern die Kompetenzen der Auswahl, Bewertung und<br />
zweckorientierten Nutzung sind die entscheidenden<br />
Schlüsselqualifikationen für den Wissenserwerb. Nur wer neben<br />
den technischen Voraussetzungen über diese inhaltlichen<br />
Kompetenzen verfügt, ist in der Lage, der so genannten<br />
Informationsflut zu begegnen. Nur der kann gewonnene<br />
Erkenntnisse in soziales und politisches Handeln einfließen lassen.<br />
Nur der kann als &quot;gut informierter Bürger&quot; eine aktive Rolle in<br />
der heutigen Gesellschaft wahrnehmen. Die so gern attestierte<br />
&quot;digitale Spaltung&quot; der Gesellschaft tritt dabei nicht nur als eine<br />
materielle Frage des Zugangs auf, sondern vor allem als eine<br />
kulturelle Frage der adäquaten Aneignung neuer Medien durch<br />
ihre Nutzer. Daher entscheiden soziale Herkunft, Bildungsgrad,<br />
Geschlecht und Alter über Informationsarmut oder -reichtum.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">                        Was sind die neuen Kulturtechniken in einer nichtlinearen<br />
High-Tech-Kultur? Dazu gehört, zielsicher von Informationsinsel<br />
zu Informationsinsel zu springen &#8211; um dabei die Konvergenz von<br />
Medien, Inhalten und eigenen Interessen herzustellen. Das kann<br />
nur jeder für sich selbst. Nur wer flexibel und zugleich zielsicher<br />
ist, kann Orientierung und Kontinuität aus dem Chaos der<br />
Informationen gewinnen. Allein auf die inhaltliche Wertung eines<br />
nur noch schemenhaft erkennbaren Bildungskanons zu vertrauen<br />
reicht dabei nicht mehr aus. Und hier liegt die Chance eines<br />
konvergenten Bildungskanons: &quot;Alte&quot; Inhalte und Maßstäbe mit<br />
&quot;neuen&quot; Medien und Aneignungsweisen zu verbinden &#8211; um sie<br />
wechselseitig zu überprüfen. Gemeinsame Werte und wichtige<br />
Wissensbestände einer Gesellschaft lassen sich nicht aus sich<br />
selbst oder ihrer Tradition heraus begründen. Sie müssen ihre<br />
Relevanz stets neu legitimieren.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Dieser Artikel erschien zuerst in der <a href="http://www.taz.de/" target="_new" rel="noopener noreferrer">taz</a> vom 13. November 2000<br />
</span></span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Frißt die Informationsrevolution ihre Kinder?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/frisst_die_informationsrevolution_ihre_kinder-599/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[sweichert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 1998 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Sechs provokante Thesen zur informationellen
Revolution der Online-Medien und ihrer
gesellschaftspolitischen Bedeutung in der
&#34;Informationsgesellschaft&#34;</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Sechs provokante Thesen zur informationellen<br />
Revolution der Online-Medien und ihrer<br />
gesellschaftspolitischen Bedeutung in der<br />
&quot;Informationsgesellschaft&quot;</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das erleben wir tagtäglich: Ob durch Zeitung, Fernsehen oder Internet &#8211;<br />
Informationen aus aller Welt durchdringen unsere beruflichen und privaten Lebensräume.<br />
Gerade die Neuen Medien haben nicht nur eine andere Infrastruktur der Informationsverbreitung<br />
entstehen lassen, sondern auch eine neue Informationslawine losgetreten, deren Masse sich<br />
mit noch größerem Getöse unaufhaltsam auf uns zubewegt als bisher der Fall. Das Schlimme<br />
an der Info-Flut: Im Informationszeitalter kann ihr niemand entkommen. Aktuelle<br />
Informationen sind zu einem lebensnotwendigen Bestandteil unseres Alltags geworden &#8211; ob<br />
als bloße Mitteilung, als brisante Nachricht oder rein kommerzielle Ware. Die klassischen<br />
&quot;vertikalen&quot; Steuerungsmedien, wie z. B. Macht, Geld oder Recht wurden unlängst abgelöst;<br />
ein intakter Informationsfluß bestimmt nun als neues &quot;horizontales&quot; Steuerungsmedium<br />
Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit in der modernen Informationsgesellschaft: &quot;Nicht mehr<br />
Eisen und Stahl, sondern Informationen sind die Ressourcen von heute.&quot; (1)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die neuen Techniken erheben dabei einen &quot;fast totalen Informationsanspruch&quot; (2). In diesem<br />
Sinne kann man sogar schon von einer &quot;Informationsrevolution&quot; sprechen, die dank Online-Medien<br />
und Multimedia ausgebrochen ist: Noch nie zuvor war es möglich, so schnell, so günstig und<br />
mit derart wenig Energieaufwand an Informationen aus allen Teilen der Erde zu gelangen.<br />
Einzige Voraussetzung: ein Internet-Anschluß.<br />
Revolutionär und neu an der Online-Nutzung sind dabei vor allem die weitverzweigten<br />
Übertragungswege, auf denen Informationen rund um den Globus ihr Ziel finden.<br />
Mit ihnen haben sich nicht nur die Möglichkeiten der Informationsübermittlung grundlegend<br />
verändert. Auch die Verarbeitung von Informationen ist derzeit durch einen strukturellen<br />
Wandel gekennzeichnet, der sich vorrangig in den Köpfen der Mediennutzer vollzieht:<br />
&quot; &#8230; Die Art und Weise, wie Informationen gewonnen, verbreitet und verwertet werden, haben<br />
in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht einschneidende Neuerungen erfahren.&quot; (3)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Die Suche nach der Nadel im digitalen Heuhaufen</b><br />
Einen erheblichen Anteil an den sich neu etablierenden Formen der Informationsverarbeitung<br />
haben vor allem die Suchmaschinen. Die &quot;search engines&quot; versprechen eine komfortable Recherche,<br />
indem sie nach Eingabe eines Suchbegriffs aus den Millionen Dokumenten im Internet diejenigen<br />
auswählen, die neben dem gesuchten Begriff auch qualitativ brauchbare Daten enthalten.<br />
In der Praxis freilich mangelt es hier und da noch an Komfort: Während herkömmliche Maschinen,<br />
wie z. B. &quot;Fireball&quot; (<a href="http://www.fireball.de/">www.fireball.de</a>) oder<br />
&quot;Alta Vista&quot; (<a href="http://www.altavista.com/">www.altavista.com</a>) zuweilen immer noch<br />
endlos lange Listen mit Zehntausenden von Fundstellen ausspucken, von denen die meisten<br />
uninteressant oder gar irrelevant sind, lassen hingegen einige neuere Konzepte schon jetzt<br />
auf einen erkennbaren Mehrwert für den Nutzer schließen: Hier funktioniert die Sondierung<br />
von &quot;guten&quot; und &quot;schlechten&quot; Informationen nach dem Prinzip einer systematischen Beurteilung<br />
und Verarbeitung. Unter www.spiderview.de findet<br />
sich beispielsweise eine schweizerische Suchmaschine für neuere Wirtschaftsinformationen,<br />
die die eingegebene Anfrage nicht nur mehrsprachig übersetzt, sondern auch mit weiteren<br />
Daten bündelt und die Quellen durch zusätzliche Benutzer-Rückkopplung auf eine übersichtliche<br />
Anzahl reduzieren kann. (4)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Die gesuchten Informationen können alternativ dazu nach dem gängigen Verfahren von<br />
Katalogisierung und Schlagwortsuche ebenfalls von &quot;externen&quot; Suchservices bezogen werden.<br />
Zumeist handelt es sich hier immer noch um die &#8211; teilweise kostenpflichtigen &#8211; traditionellen<br />
Pressearchive online (z. B. <a href="http://www.washingtonpost.com/wp-srv/searches/mainsrch.htm">www.washingtonpost.com/wp-srv/searches/mainsrch.htm</a>),<br />
brauchbare Link-Listen von Privatpersonen (z. B. <a href="http://members.aol.com/bkliebhan/pressarc.htm">members.aol.com/bkliebhan/pressarc.htm</a>)<br />
oder kommerzielle Wissenanbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten (als Klassiker für<br />
Wirtschaftsinformationen gilt z. B. <a href="http://www.genios.de/">www.genios.de</a>).<br />
Wem diese Art der Suche immer noch zu umständlich oder unübersichtlich erscheint, der kann<br />
sich die Informationen auch von einer &quot;elektronischen Zeitung&quot; individuell zusammenstellen<br />
lassen. Bei <a href="http://www.paperball.de/">www.paperball.de</a> für die deutschsprachige<br />
Presse oder dem Pendant <a href="http://www.paperboy.net/">www.paperboy.net</a> für<br />
internationale (vor allem US-amerikanische und europäische) Quellen, werden nach Angabe<br />
persönlicher &quot;key words&quot; ausgewählte Pressemedien nach den benötigten Informationen<br />
durchforstet und &#8211; wenn gewünscht &#8211; sogar an die eigene E-Mail-Adresse versandt. Dieses<br />
vor wenigen Jahren noch als Zukunftsvision eher belächelte Konzept der elektronischen<br />
Tablett-Zeitung nach Roger Fidler (5) oder besser bekannt als Nicholas Negroponte&#8217;s Vorstellung<br />
vom virtuellen &quot;daily-me&quot; (6), erfreut sich heute nicht nur bei Journalisten zunehmender<br />
Beliebtheit. Bleibt die Datensuche selbst hier erfolglos, dann forschen &#8211; als letzte<br />
Recherche-Möglichkeit &#8211; sogenannte &quot;Info-Broker&quot; auftragsweise nach den gewünschten<br />
Informationen im Netz. Diese Wissen-Informationsdienste arbeiten teils maschinell, teils<br />
aber noch von menschlicher Hand gesteuert und entwickeln dabei Suchstrategien, die dem<br />
normalen Internet-Nutzer vorbehalten bleiben. Wer diese professionellen Dienste in Anspruch<br />
nimmt, bekommt gegen Bezahlung nebst relevanten Informationen auf Wunsch auch den<br />
Rechercheweg geliefert. Bei <a href="http://www.infobroker.de/">www.infobroker.de</a><br />
gibt es beispielsweise obendrein kostenlose Tips und weitere Wissen-Adressen für<br />
die Online-Recherche.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Internet-society ist per<br />
se basisdemokratisch organisiert, bedingt in erster Linie durch die dezentrale Topologie<br />
des Netzwerkes. Beispielhaft dafür steht die potentielle (und auch tatsächlich genutzte)<br />
Kommunikation der netizens mit dem Weißen Haus (<a href="http://www1.whitehouse.gov/">www1.whitehouse.gov</a>)<br />
oder auch erste Versuche einiger Mitglieder des Deutschen Bundestages<br />
(<a href="http://www.bundestag.de/">www.bundestag.de</a>), mit der Netzwelt Kontakt aufzunehmen. (7) <br />
Dezentralisierung von Informationen und Informationspluralismus verhindern die Bildung von<br />
totalitären Machtmonopolen. Politische Hierarchien werden durch die plebiszitäre,<br />
heterarchische Struktur des Internet quasi aufgehoben. Verstopfte Informationskanäle<br />
und die asymmetrische Verteilung von Know-how können jedoch zu politischer<br />
Machtkonzentration und sozialer Benachteili-gung führen: &quot;Es wäre ja denkbar, daß der<br />
Mensch keineswegs immer willens und in der Lage ist, Informationen optimal zu geben und<br />
aufzunehmen &#8230;&quot; (8)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Mit der weltweit anwachsenden Online-Gemeinde geht auch ein enormes Wachstum des<br />
Informationsvolumens und eine gleichzeitige Dezentralisierung des Informationsangebotes<br />
einher. Diese beiden Phänomene spiegeln sich auch im Schlagwort der<br />
&quot;In-for-ma-tions-ge-sellschaft&quot; wieder, zu deren charakteristischem Medium der Information<br />
Superhighway geworden ist. In dem Begriff steckt aber vor allem, daß die &quot;Informierung&quot;<br />
des Individuums zunehmend nur noch über Informationen als kommerzielle Ware erfolgen kann.<br />
Im folgenden sollen deshalb die Auswirkungen der Informationsrevolution durch die Online-Medien<br />
auf die soziale Wirklichkeit in sechs zugespitzten Thesen unter der Fragestellung<br />
&quot;Frißt die Informa-tionsrevolution über kurz oder lang ihre eigenen Kinder?&quot; umrissen werden.<br />
Insbesondere die Aspekte Machtkonzentration, Informationswertigkeit, Selektionsprozesse<br />
durch User und marktliche Selbstregulierung durch Kommerzialisierung spielen hinsichtlich<br />
der gesellschaftspolitischen Konsequenzen eine große Rolle.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 1: Information gleich Wissen gleich Macht</b><br />
Information ist Grundgut, Rohstoff und Produktionsfaktor. Der amerikanische Philosoph und<br />
Ethnologe Gregory Bateson bietet folgende, zunächst trivial klingende Definition von<br />
&quot;Information&quot; an: Sie ist &quot;irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen<br />
Unterschied ausmacht.&quot; (9) <br />
Im Sinne der Informationsökonomie will Information als Ware verstanden werden und ist<br />
gleichzeitig in der Informationssoziologie als &quot;Zufuhr von Wissen&quot; definiert und somit<br />
als ein Prozeß, der dank intakter Informationswege der Beseitigung von Unkenntnis dient.<br />
Ein Mehr an Information, umgewandelt in Wissensvorsprünge, gilt im betriebswirtschaftlichen<br />
Kontext als Mehrwert. Gesellschaftspolitisch gesehen übt Information als akkumuliertes Wissen<br />
einen entscheidenden Einfluß auf das Demokratisierungsverhalten, die politische Mitbestimmung<br />
und den sozialen Status des Individuums aus. Wissen durch Information erwächst gerade in der<br />
Informationsgesellschaft zum potentiellen Machtinstrument. Ergo: Information gleich<br />
akkumuliertes Wissen gleich Konzentration von Macht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 2: Mehr Informationen führen zu mehr Desinformiertheit</b><br />
Al Gore, der heutige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, prägte 1993 den Begriff des<br />
Information Superhighway: Jedem Amerikaner solle an jedem Ort, zu jeder Zeit und zu einem<br />
akzeptablen Preis Zugang zu jeglicher Art von Information ermöglicht werden. Information ist<br />
prägendes Merkmal unserer Informations- und Wissensgesellschaft. Die Informationsgesellschaft<br />
stellt sich aber nicht &#8211; wie vielleicht qua definitionem anzunehmen wäre &#8211; als informierte<br />
Gesellschaft dar. Im Gegenteil: Die einem ständigen Alterungsprozeß unterworfenen<br />
Informationsmengen erzeugen eine zunehmende Desinformiertheit in der Informationsgesellschaft<br />
und werden zum Dilemma des global citizen. Die exponentielle Verbreitung der<br />
Internet-Technologie und die damit einhergehende Informationsexplosion vergrößern zwar die<br />
Bildungs-, Entfaltungs- und Lebenschancen des Individuums, sie begünstigen aber auch eine<br />
weitergehende Verwissenschaftlichung aller Lebensbereiche und führen zunehmend zu Irritationen<br />
und Desorientierung. Das postindustrielle Zeitalter ist durch ein neues Menschenbild<br />
charakterisiert: Mit dem Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft wird der<br />
&quot;homo oeconomicus&quot; durch die Gestalt des &quot;homo informaticus&quot; abgelöst. Eine informatisierte<br />
Dienstleistungsgesellschaft, die sich aus nach Informiertheit strebenden Individuen<br />
konstituiert, läßt schließlich eine zentrale Frage in den Vordergrund rücken: die nach der<br />
optimalen Informationsverarbeitung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 3: Differenzierungsfähigkeiten bestimmen die sozialen Spaltungslinien</b><br />
Die Gesellschaft wird bereits unaufhaltsam von der Informationswelle erfaßt. Rettungsboote<br />
sind nur vereinzelt in Sicht. Orientierungs- und Medienkompetenz auf der Datenautobahn und<br />
ein zieladäquater Umgang mit Informationen können nur durch das Funktionieren eines<br />
ausgeprägten Selektions- und Differenzierungsapparates gewährleistet werden. Obwohl der<br />
Informationszugriff auf Abruf und der blitzschnelle Datentransfer einen erheblichen Beitrag<br />
für die globalen Kommunikationsstrukturen leisten, können Authentizität und Fundiertheit von<br />
Informationen jedoch in den seltensten Fällen gewährleistet werden. Das mit Trivialität<br />
übersättigte Informationschaos im Internet läßt das global village schnell zur glocal village<br />
degenerieren. Soziale Abgeschiedenheit gilt dem, der entweder durch eine Verhinderung des<br />
public access nicht am Informationsprozeß teilnehmen kann oder dem &#8211; angesichts der<br />
Informationsflut &#8211; der Differenzierungsmechanismus versagt. Die Zielgerade des Information<br />
Superhighway endet geradewegs im Szenario einer Zweiklassengesellschaft;<br />
fehlende Differenzierungsfähigkeiten als Schlüsselkompetenzen beschreiben die soziale<br />
Spaltungslinie von morgen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 4: Kommerzialisierung bietet nur eingeschränkte Selektionsmöglichkeiten</b><br />
Die zunehmende Kommerzialisierung des Netzes kann nur kurzfristig als wirksamer<br />
Filtermechanismus aufgefaßt werden: &quot;Da mit ihr die ökonomischen Gesetze der Regulierung durch<br />
den Markt zu greifen beginnen, ist in den nächsten Jahren vereinzelt mit einer qualitativen<br />
Verbesserung des Online-Angebots durch Gebührenfinanzierung zu rechnen.&quot; (10)<br />
Mit der Einführung einer nutzungsabhängigen Preisstruktur ist es bereits heute möglich,<br />
zuverlässige Dienste maßgeschneidert über die Internet-Plattform anzubieten. Kommerzialisierung<br />
läuft aber auch Gefahr, Qualität an ausschließlich marktwertorientierten Kriterien bezüglich<br />
der Verkäuflichkeit an Werbeträger zu messen. Eine realistisches Szenario, das vor allem<br />
zu Lasten von Bildungswesen und Jugendschutz geht: &quot;Es wird dereguliert, und die Jugend wird<br />
der kommerzialisierten informationellen Umwelt ausgeliefert.&quot; (11) Um den free flow<br />
of information auf der Datenautobahn und damit die gesellschaftliche Integration des<br />
Individuums dennoch gewährleisten zu können, muß eine qualitative Informationsinfrastruktur<br />
geschaffen werden, die dem Verbraucher künftig erlaubt, zwischen infotainment, infotisement<br />
(information + advertisement) und wahren Informationen &#8211; kurz: low-quality-<br />
und high-quality-Informationen &#8211; unterscheiden zu können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 5: Grenzenlose Infomasse gleich Nutzlosigkeit des Internet</b><br />
Bei der nahezu grenzenlosen Zunahme des Informationsvolumens besteht für den Nutzer die<br />
Gefahr, die jeweils gesuchte Information gar nicht oder nur schwer aus dem Informationswust<br />
herausfiltern zu können. In diesem Zusammenhang ist der Verfall von Informationen ohne Pflege<br />
zu nennen: Da es für Daten-Müllhalden keine Müllabfuhr gibt, wird sich die Infomasse<br />
sukzessive vergrößern, ohne daß veraltete Informationen ausgewechselt oder erneuert werden.<br />
Datenrückstände und kommerzielles infotisement können die Kommunikationsleitungen im Internet<br />
verstopfen und lassen &#8211; wie im realen Leben &#8211; Müllberge von nicht mehr aktuellen und<br />
irrelevanten Informationen zurück, um deren Entsorgung sich niemand Gedanken macht und die<br />
als wertlose Ausscheidungen der sozialen Elite nur noch der Informationsparia angeboten werden:<br />
&quot;Die sozial Schwachen werden auf die &quot;Informationsmüllhalden&quot; der Informationsgesellschaft<br />
verwiesen werden, wo sie dann in der dort ausgekippten &quot;kostenlosen&quot; Information wühlen können.&quot; (12) <br />
Die unkontrollierbare Infomasse verringert damit den Gebrauchswert des Internet bis hin zur<br />
völligen Nutzlosigkeit.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 6: Kommerzielle Suchdienste als Zensurinstanzen für Privilegierte</b><br />
Zwar ergibt sich durch die Be- oder Entwertungsverfahren der Suchmaschinen für den Nutzer<br />
rasch eine sehr viel kleinere Menge an zu verarbeitenden Informationen. Der Vorteil, direkten<br />
Zugriff auf sämtliche zur Verfügung stehende Informationen zu haben, wird somit jedoch von<br />
vorne herein eingeschränkt. Die so gewonnenen Daten unterliegen bereits einer Zensur und<br />
Prüfung, so daß das theoretische Prinzip der Informationsdezentralisierung in der Praxis seine<br />
Grenzen findet &#8211; also dort, wo zwischen Anbietern originärer Inhalte und dem Nutzer zusätzliche<br />
Instanzen zwischengeschaltet werden, denen Vorauswahl und Manipulation von Daten offenstehen.<br />
Ferner zeugt die Informationsselektion durch Dritte nicht nur von einer Umwandlung in<br />
Informationen zweiter Ordnung, sondern gleichzeitig von einer Tendenz zum Informationsforum<br />
für Privilegierte. Hier kann &#8211; langfristig gesehen &#8211; nur Informationen bekommen, wer sowohl<br />
die finanziellen Mittel als auch das nötige Know-how mitbringt, um über kommerzielle<br />
Suchdienste an qualitativ bewertete Daten zu gelangen &#8211; mit welchen Maßstäben auch immer<br />
diese Qualität gemessen wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Informationsgesellschaft: Transformationsgesellschaft?</b><br />
Die weltweite Vernetzung trägt epochale Züge hinsichtlich der<br />
Verbreitung von Informationen. Der Informationsnutzung jedes Einzelnen<br />
wird sie bislang hingegen nicht oder nur ansatzweise gerecht. Die<br />
Bedingungen der Informationsverarbeitung werden auch weiterhin das<br />
gesellschaftliche Zusammenleben und die Teilhabe an<br />
gesellschaftspolitischer Mitbestim-mung maßgeblich beeinflussen.<br />
Informiert sein heißt dabei längst nicht mehr nur in Fachdis-kussionen<br />
mitreden zu können. Informiertheit in der Informationsgesellschaft<br />
bedeutet vor allem eines: die &quot;richtigen&quot; Informationen zu selektieren.<br />
Wer ein Mitspracherecht an gesell-schaftspolitischen Entscheidungen<br />
erhalten will, muß in erster Instanz gezielt auswählen kön-nen, um am<br />
politischen Meinungs- und Willensbildungsprozeß teilnehmen zu können.<br />
Selek-tion und Verwertung von Informationen werden in naher Zukunft<br />
somit ganz zweifellos und mehr denn je die individuellen<br />
Existenzgrundlagen bilden. Dafür erfordert der Umgang mit der<br />
Online-Technik zunehmend Schlüsselkompetenzen und Kunstfertigkeiten,<br />
die eine persönliche Auswahl der nötigen Informationen erst<br />
ermöglichen. Das Internet unterliegt derzeit jedoch einem<br />
unvorhersehbaren Strukturwandel nicht nur wirtschaftlicher, sondern vor<br />
allem gesellschaftlicher Natur. Alte Informationsinfrastrukturen<br />
verlagern sich, neue Finanzierungs- und Nutzungsstrukturen entstehen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In dieser dynamischen Transformationsphase, in der es vor allem um die Konvergenz von alten<br />
und neuen Medien geht, kann von einer generellen Nutzlosigkeit des Netzes vorerst nicht die<br />
Rede sein. Dabei wäre es jedoch leichtfertig, sich auf die neuen Kommunikationsformen zu<br />
verlassen, ebenso wie sich ausschließlich auf die klassischen Informationsstrukturen zu<br />
versteifen. Der Wandel der Informationskultur und ihrer Instrumente bietet trotz der<br />
zunehmenden Inflation von Informationen ein unbegrenztes Potential zur Erweiterung des<br />
Wissens, für Innovationen und Entfaltung von Kreativität. Ob die informationelle Revolution,<br />
die uns Online und Internet beschert haben, jedoch nicht früher oder später ihre Kinder<br />
frißt, sich also gegen die ursprünglichen Ideen jener richtet, die so vehement für die neue<br />
Informationstechnologie als der Demokratisierung förderliches Medium gekämpft haben, bleibt<br />
indes abzuwarten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Anmerkungen:</b><br />
<span><br />
</span></span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<ol>
	<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span></p>
<li>Der Autor und Publizist Rudolf Maresch auf der 13. Hamburger Mediendebatte am 9. Dezember 1998.
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Roß, Dieter: Der Markt als sozialverträglicher<br />
	Regelungsmechanismus. Unveröffentlichtes Manuskript zum Mediensymposium<br />
	in Luzern im Dezember 1998, S. 5.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Sonnleitner, Martin / Stadthaus, Markus / Weichert,<br />
	Stephan A. et al.: Online Recherchieren. In: Neverla, I. (Hrsg.): Das<br />
	Netz-Medium. Kommunikationswissenschaftliche Aspekte eines Mediums in<br />
	Entwicklung. In-stitut für Journalistik. Opladen 1998, S. 245.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Innovativ an Spiderview sind vor allem die<br />
	Quellenbündelung, die mehrsprachige Suchanfrage und die Verarbeitung<br />
	von Satzteilen oder ganzer Sätze. Zudem arbeitet das Programm mit einer<br />
	sogenannten &quot;Rele-vanzrückkopplung&quot;, durch die der Informationsradius<br />
	immer mehr eingegrenzt werden kann und dem Cross-Language Information<br />
	Retrieval, einer Art Synonym-Suche, die mittels Pseudoübersetzungen<br />
	funk-tioniert. Vgl. Weber, Felix: Mit einem Griff die Nadel aus dem Heu<br />
	ziehen. In: Neue Zürcher Zeitung vom 4.12.1998, S. 53.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Siehe Fidler, Roger: Die digitale Zeitung. In: Zeitungstechnik. Januar 1994, S. 4.
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Vgl. dazu Negroponte, Nicholas: Bits are Bits: The<br />
	Consequences of Being Digital. In: CSC Vanguard (Hsrg.): The Future of<br />
	Print Journalism in the Digital Age. Cambridge 1994, S. 10.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>In Deutschland mangelt es, sowohl inhaltlich als auch<br />
	formal, bislang noch an kreativer Umsetzung politi-scher<br />
	Online-Kommunikation. Die Partizipationsmöglichkeiten fallen eher<br />
	dürftig aus (vgl. dazu die Ergeb-nisse der Online-Studie von Philipp<br />
	Stradtmann unter www.politik-digital.de); hartnäckig kreisen hier<br />
	der-zeit die Debatten noch um Krypto-Politik und den Standort<br />
	Deutschland. Vgl. z. B. Sudik, Claudia: Wahl-kampf der<br />
	Paragraphen-Surfer. In: die tageszeitung vom 24.09.1998, S. 19.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Seiffert, Helmut: Information über die Information. München 1968, S. 125.
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Bateson, Gregory: Ökologie des Geistes. Anthropologische,<br />
	psychologische, biologische und epistemologi-sche Perspektiven.<br />
	Frankfurt a. M. 1981, S. 488.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Sonnleitner, Martin / Stadthaus, Markus / Weichert, Stephan A. et al.: a. a. O., S. 260.
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Haefner, Klaus: Bildung einer computerisierten<br />
	Gesellschaft &#8211; Trend- und Wunschszenario. In: Schell et al. (Hrsg.):<br />
	Jugend auf der Datenautobahn. Sozial-, gesellschafts- und<br />
	bildungspolitische Aspekte von Multi-media. München 1995, S. 84.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Ebd., S. 99.
	</li>
<p></span></span>
</ol>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Mondlandung des Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rkuhlen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Internetforum]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Prof. Rainer Kuhlen (Universität Konstanz) über
die Wahlschlacht in den Foren</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Prof. Rainer Kuhlen (Universität Konstanz) über<br />
die Wahlschlacht in den Foren</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> <span style="font-size: x-small">Die Mondlandung war das Ereignis, das das Fernsehen endgültig<br />
zum globalen Medienereignis machte. Mit der Veröffentlichung der Clinton-Lewinsky-Starr-Materialien<br />
im Internet und dem parallelen Surf von einigen 10 Millionen Menschen weltweit<br />
im Starr-Report sind die Dienste des Internet im Umfeld des World Wide Web<br />
endgültig zum medialen Globalereignis geworden. In diesem Kontext der Herausbildung<br />
eines neuen »starken« Mediums sind auch die elektronischen Foren zu sehen,<br />
die anläßlich der Bundestagswahl 1998 in Deutschland zum ersten Mal im großen<br />
Stil eingesetzt wurden. Alle waren sie vertreten – ob Politiker, Parteien,<br />
die Medien, politische Institutionen, kommerzielle Anbieter, Bürgerinitiativen<br />
und Privatleute. Es waren die drei wesentlichen Ausprägungen der Informationsforen,<br />
der Kommunikationsforen und der Fun-Foren auszumachen. Werden sich Informationsforen,<br />
die also der Bereitstellung politischer Information dienen, unproblematisch<br />
durchsetzen, so hat sich die Kultur der Politik-Unterhaltung erst ansatzweise<br />
entwickelt. Neue Formen der Bildung von Öffentlichkeit und öffentlicher<br />
Meinung und damit auch Momente direkter Demokratie entwickeln sich über<br />
die Kommunikationsforen, durch die im Prinzip jedermann seine Beiträge in<br />
den Himmel des Internet schreiben kann. Entsprechend dem hier vorgeschlagenen<br />
Netzwerkmodell der Bildung öffentlicher Meinung, kann jeder, vergleichbar<br />
dem berühmten Schmetterlingsschlag, der einen Sturm auslösen kann, politikbildend<br />
seine Spuren hinterlassen. Ob die Bundestagswahl durch die Beteiligung in<br />
den Kommunikationsforen tatsächlich beeinflußt oder gar entschieden wurde,<br />
läßt sich auch dadurch nicht beantworten, daß die Mehrzahl der Anbieter<br />
und Nutzer aus der rot-grünen Politikecke kam. Aber das Ereignis dieser<br />
sich anbahnenden Medienrevolution wird sich nicht mehr vergessen lassen.<br />
</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Noch 1996: elektronischer Wahlkampf mit Medienbrüchen</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg 1996<br />
hatte die Electronic Mall Bodensee (EMB), in Deutschland so ziemlich der<br />
erste, größte und immer noch stark wachsende regionale grenzüberschreitende<br />
elektronische Marktplatz rund um den Bodensee (www.emb.net), ein Politik-Forum<br />
eingerichtet, auf dem die in den Bodenseewahlkreisen sich zur Wahl stellenden<br />
Kandidaten ihre politischen Ziele darstellen und in eine elektronische Diskussion<br />
mit den Bürgerinnen und Bürgern ihres Wahlkreises eintreten konnten. Allerdings<br />
war das nicht so ganz einfach. Nur eine einzige Kandidatin, von der Partei<br />
der Grünen, hatte einen eigenen E-Mail-Anschluß, von selbständigen Web-Seiten<br />
der Politiker war keine Rede. Elektronische Beiträge der Bürger mußten ausgedruckt,<br />
per Fax den Politikern zugesandt und ihre eventuell eingehenden Antworten<br />
wieder eingescannt bzw. über Diskette eingespielt werden. Verbessert wurde<br />
die Situation, als ein lokaler Service Provider für die Zeit des Wahlkampfes<br />
kostenlos Internet-Zugang und E-Mail-Adressen bereitstellte. Von einem Einfluß<br />
des Forums auf den Wahlkampf konnte kaum die Rede sein, wenn auch die Kandidaten<br />
der Partei der Grünen, am aktivsten im Forum, im Bodenseebereich überdurchschnittlich<br />
gut abschnitten. Bei damals vielleicht 5% der Haushalte im Netz konnte man<br />
wohl noch nicht einmal von einer Partikularöffentlichkeit sprechen. Aber<br />
alles fängt einmal an, und manches endet ganz groß. </span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> 1998 &#8211; Internetnutzung schon ein Massenereignis</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> 1998, mit Blick auf die Bundestagswahl, die Ende September<br />
des Jahres stattfand, sieht alles schon anders aus. Die Teilnahme am Internet<br />
wird zum Massenereignis. In den USA sind 70,5 Millionen erwachsene Personen<br />
online. Das sind ca. 35% der (erwachsenen) Bevölkerung. In Deutschland sind<br />
es erst 6,9 Millionen Personen, die das Internet aktiv nutzen, dazu kommen<br />
noch 4,8 Millionen, die an sich Zugang haben, diesen aber bislang nicht<br />
wahrnehmen. Vor allem die Anstiegsraten lassen es aber auch hier als gesichert<br />
erscheinen, daß der Zugriff zum Netz von allen und für alle nur eine Frage<br />
der Zeit ist. So wurde die Zahl von 6,9 Millionen Nutzern in Deutschland<br />
innerhalb von 6 Monaten &#8211; ausgehend von einem Stand von 4,9 Millionen &#8211;<br />
erreicht. Die wohl nicht unrealistischen Prognosen gehen dahin, daß noch<br />
im ersten Jahrzehnt des kommenden Jahrtausends so gut wie alle Personen<br />
in fortgeschrittenen Informationsgesellschaften (wozu die Bundesrepublik<br />
Deutschland sich wird rechnen können) Zugang zum Internet haben werden &#8211;<br />
in welcher Form auch immer sich dieses dann darstellen wird. Das muß nicht<br />
zwangsläufig über den heutigen PC geschehen, der internet-fähige Fernseher<br />
wird vermutlich ebenso zum Rechner wie der PC zum Fernseher, und damit werden<br />
beide zum Universalmedium.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Alle sind sie dabei</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Die politischen Institutionen sind heute mehrheitlich mit<br />
selbständigen Websites vertreten. Mandatsträger aus Bundestag und den Landtagen<br />
zeigen ebenfalls Web-Präsenz, viele gleich mehrfach über persönliche Seiten,<br />
über Darstellungen der Parlamentsdienste (wie im Bundestag) oder der Parteien<br />
und zuweilen auch über Politik-Server regionaler elektronischer Marktplätze<br />
wie in der angesprochenen EMB. Web-Präsenz ist natürlich keineswegs identisch<br />
mit Öffentlichkeit und Teilnahme am Web bedeutet &#8211; wie wir noch zeigen werden<br />
&#8211; keinesfalls direkt politische Öffentlichkeit. Wir meinen mit dieser Einschränkung<br />
nicht nur die angesprochene Tatsache, daß das Web bislang doch erst ein<br />
Viertel der Haushalte erreicht und daß der &quot;durchschnittliche&quot; Web-Nutzer<br />
zur Zeit keineswegs die demoskopische Idealperson darstellt und die Präferenzen<br />
der aktiven Netznutzer für die Parteien daher durchaus stark von dem vor<br />
der Wahl erwarteten und dann offiziellen Wahlergebnis abweichen. Web-Präsenz<br />
an sich ist im politischen Sinne auch deshalb nicht schon gleich Öffentlichkeit<br />
(als das für die Demokratie allgemeine und grundlegende Forum der Meinungsbildung),<br />
weil die bloße Präsentation von Information, wie sie zur Zeit auch bei den<br />
Foren und anderen Informationsangeboten im Web überwiegt, als rezeptive<br />
Form nicht unbedingt demokratische Beteiligung und damit Öffentlichkeit<br />
fördert. Die bislang dominierende Selbstdarstellung der Parteien und der<br />
Politiker nutzt die Potentiale der elektronischen Netze für die Erstellung<br />
von Öffentlichkeit oder für das Herausbilden direkter Formen von Demokratie<br />
nur ansatzweise aus. Informierte Bürger &#8211; aufgeklärte Bürger Präsentation<br />
von seiten der Anbieter und Rezeption auf seiten der Nutzer stellen aber<br />
gewiß auch in dem hier interessierenden Zusammenhang von (neuer) Öffentlichkeit<br />
in elektronischen Medien nicht zu unterschätzende Pluspunkte dar. Wenn die<br />
These (zumindest als notwendige, vielleicht nicht hinreichende Bedingung)<br />
gilt, daß nur informierte Bürger aufgeklärte und damit an den demokratischen<br />
Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen beteiligte Bürger sein können,<br />
dann wird man sagen können &#8211; und wir werden das ja auch nachweisen -, daß<br />
es durch die im Internet verfügbaren Informationsangebote in einem Ausmaß<br />
möglich ist, sich informationell abgesichert an einer Bundestagswahl zu<br />
beteiligen, wie es nie zuvor möglich war. Wahlprogramme, Wahlstatistiken,<br />
Prognosen, Plakate, Politikerporträts, Hintergrundinformationen zu den Wahlbezirken,<br />
zum Wahlrecht und dem Auszählverfahren, Artikel aus der Presse, Karikaturen,<br />
Witze &#8211; was auch immer irgendeinen Bezug zur Bundestagswahl hat, ist im<br />
Prinzip für jedermann aus dem Web verfügbar. Orientierungsbedarf Wir sagen<br />
im Prinzip. Kaum jemand wird sich die Mühe machen, sich umfassend auf die<br />
Suche nach wahlkampfrelevanter Information zu machen &#8211; zu unstrukturiert,<br />
zu umfänglich und zu disparat ist das Angebot. Je mehr das Netz wächst,<br />
um so dringlicher wird es, den Bedarf nach Orientierung zu decken. Es wird<br />
wohl noch eine Weile dauern, bis jeder seinen persönlichen Software-Agenten/Assistenten<br />
zur Verfügung hat, der ihm das gewünschte persönliche Dossier zur Bundestagswahl<br />
aus den heterogenen Ressourcen des Internet zusammenstellt. Bis dahin sind<br />
attraktive Orientierungsformen, z.B. in Form von elektronischen Informationsplattformen<br />
oder elektronischen politischen Marktplätzen, erforderlich. Wir gehen in<br />
Abschnitt 5.1 u.a. mit unserem Vorschlag eines Meta-Forums, das ja auch<br />
diesen Orientierungszwecken dient, auf diesen offensichtlichen Bedarf ein.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Mehrwerteffekte: Vernetzung und Interaktion Information,<br />
Präsentation und informationelle Absicherung sind aber noch nicht die Grenzen<br />
des neuen elektronischen Mediums. Informiert, präsentiert und lesend aufgenommen<br />
wird auch im bisherigen Medium gedruckter und verteilter Information. Was<br />
kommt im elektronischen Medium hinzu? Wird &#8211; und das ist ja dann sicher<br />
die entscheidende systematische Frage &#8211; durch das elektronische Medium auf<br />
eine andere Weise Öffentlichkeit erzeugt als bislang, und wenn ja, welchen<br />
Einfluß hat das auf die Ausprägungen von Politik und Demokratie, oder bescheidener:<br />
auf aktuelles Wahlverhalten? Welche Mehrwerteffekte des Internet auch immer<br />
diskutiert werden, im Vordergrund steht immer &#8211; neben den Möglichkeiten<br />
nicht-linearer Vernetzung &#8211; die Möglichkeit der (asynchronen oder auch synchronen,<br />
also zeitversetzten oder auch zeitparallelen) Kommunikation, der Interaktion<br />
der Teilnehmer untereinander bzw. der Interaktion der Nutzer mit den Anbietern.<br />
Interaktion ist mehr als Präsentation von Information. Und das angesprochene<br />
Massenereignis des Internet ist mehr und anderes als die auf dem Distributionsprinzip<br />
beruhende Massenkommunikation im bislang dominierenden Medienkontext der<br />
Zeitungen, des Rundfunks und der Fernsehanstalten, die ja, neben den politischen<br />
Institutionen &#8211; wie z.B. den Parteien -, überwiegend für die Präsentation<br />
politischer Information zuständig sind. In den Diensten des Internet, angefangen<br />
von den einfachen E-Mail-Diensten, über Datei-Transfer bis hin zu den multimedialen,<br />
hypertextorientierten Diensten des World Wide Web, muß in der Regel der<br />
einzelne Nutzer aktiv werden, um sich zu informieren oder um aktiv durch<br />
Eigenbeiträge daran teilzunehmen. Er muß in einem erheblich größeren Ausmaß<br />
Aktivität zeigen, als diese erforderlich ist, ein Abonnement bei einer Zeitung<br />
zu bestellen oder sich ein Exemplar am Stand zu kaufen.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Das Nutzungsparadigma im Internet Zwar soll nicht verkannt<br />
werden, daß es auch in den Internet-Diensten zunehmend mehr Verteilformen<br />
gibt, z.B. über E-Mail-Abonnements oder durch die Anwendung von elektronischen<br />
Lieferdiensten, sogenannten Push-Technologien, indem von einem Anbieter<br />
laufend Informationen geliefert werden, die einem gewünschten Interessenprofil<br />
entsprechen. Aber grundlegend für das Verhalten im Internet ist sicherlich<br />
die Eigeninitiative des Benutzers, die zumindest das Einwählen und die Auswahl<br />
nötig machen. Es sollte allerdings in den nächsten Jahren sehr intensiv<br />
beobachtet werden, ob sich dieser Initiativcharakter bei der Nutzung der<br />
elektronischen Dienste ändern wird. Es könnte also durchaus sein, daß in<br />
Zukunft die elektronische Zeitung genauso &quot;passiv&quot; rezipiert wird wie bislang<br />
die gedruckte Version. Vielleicht wird die Delegation von Informationsarbeiten<br />
an Software-Agenten, und vielleicht werden die Möglichkeiten der Individualisierung<br />
von Informationsleistungen, z.B. über persönliche Zeitungen und deren direkte<br />
elektronische Zustellung, interaktive Komponenten zurückdrängen. Wir wollen<br />
im folgenden jedoch davon ausgehen, daß das interaktive Verhalten das bestimmende<br />
Nutzungsparadigma im Internet-Umfeld bleiben wird. Massenereignis, aber<br />
keine Massenkommunikation Ist die Teilnahme am Internet zwar durchaus ein<br />
Massenereignis, so ist Kommunikation im Internet allerdings keineswegs Massenkommunikation<br />
im Sinne der bislang dominierenden Medien, die nicht Interaktion, sondern<br />
Distribution zum Prinzip haben. Interaktion, das ist der bidirektionale<br />
Austausch von Information, also Kommunikation, macht den entscheidenden<br />
Paradigmenwechsel bei der medialen Gestaltung von Öffentlichkeit aus. Wir<br />
wollen damit den Kommunikationsbegriff nicht unbillig einschränken &#8211; auch<br />
die bloße Aufnahme von Information, die jemand z.B. über das Radio aussendet,<br />
oder das Lesen eines Buches, wird gemeinhin als Kommunikation angesehen.<br />
Wir stellen aber hier die interaktiven, die Rückmeldeaspekte von Kommunikation<br />
in den Vordergrund.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Bertolt Brechts Vision Bertolt Brecht hatte sich mit seiner<br />
Idee von Rundfunk schon so etwas vorgestellt, nämlich durch die Ausnutzung<br />
des Rückkanals das Radio &quot;aus einem Distributionskanal in einen Kommunikationsapparat<br />
zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der großartigste Kommunikationsapparat<br />
des öffentlichen Lebens, &#8230; wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden,<br />
sondern auch zu empfangen, also den Zuschauer nicht nur hören, sondern auch<br />
sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern in Beziehungen zu<br />
setzen&quot;. Medienprofessionelle Die Entwicklung des Rundfunks und des Fernsehens<br />
hat allerdings das Distributionsparadigma unterstützt, so wie dieses ohnehin<br />
das Paradigma der gedruckten Medien war und ist. Die Medien mögen die Entstehung<br />
aufgeklärter Öffentlichkeit über kompetente journalistische Informationsarbeit<br />
und deren Präsentation begünstigt haben, sie haben aber nicht dazu beitragen<br />
können, eine aktivere Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger am politischen<br />
Geschehen über die Abstimmungstätigkeit in den Wahlkabinen hinaus zu ermöglichen.<br />
Ob das aus technischen Beschränkungen geschah oder Teil der Sicherung von<br />
Macht war, sei dahingestellt. Tatsache ist, daß die &quot;Macher&quot; der öffentlichen<br />
Meinung mit der Autorität der wenigen Medienprofessionellen (Verleger und<br />
Journalisten) bislang eher Information verteilten, als daß sie eine aktive<br />
Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger am Geschäft der Meinungsbildung und<br />
der Formulierung der politisch relevanten Themen (Agenda setting) gestatteten.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Politikprofessionelle Was für die Medienprofessionellen<br />
gilt, trifft in etwas anderer Form auch für die Politikprofessionellen zu.<br />
Zwar verschafft sich die Politik über Expertenrat, Berücksichtigung von<br />
Lobbyisteninteressen, aber vor allem über die Parteien eine breitere Basis<br />
in der Öffentlichkeit, die steht und fällt mit der aktiven Arbeit in den<br />
lokalen Organisationsformen der Ortsvereine oder wie auch immer diese kleinsten<br />
Einheiten politischer Aktivitäten heißen mögen, aber mit Blick auf das nicht<br />
politisch organisierte allgemeine Publikum ist der Informationsaustausch<br />
auch hier weitgehend eine Einbahnstraße, auch zu Zeiten, in denen sich die<br />
politische Macht der Gestaltung durch die Bürgerinnen und Bürger selber<br />
real durch Abstimmung manifestiert. Wahlkämpfe sind weniger Kämpfe mit den<br />
Bürgern, die sich dabei auch mal (informationell) untereinander und mit<br />
den Politikern austauschen dürfen, sondern &quot;Kämpfe&quot; mit den anderen Politikprofessionellen<br />
und Kämpfe um die Präsenz in den Medien, die dann wieder um die Aufmerksamkeit<br />
des Publikums kämpfen können. Nicht vorbeigehen können die traditionellen<br />
Medien und die politischen Repräsentanten und ihre Institutionen allerdings<br />
an der Tatsache, daß eine realistische Alternative zum Distributionsparadigma<br />
heute gegeben ist, und, wie wir es ausführlich beschreiben wollen, sie tun<br />
es auch nicht.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Unter der Hand neue mediale Öffentlichkeit? Wie gesagt,<br />
wir untersuchen diese Frage des möglichen Paradigmenwechsels von Distribution<br />
zu Interaktion hier nicht allgemein, sondern wollen, eher in dokumentierender<br />
als in politiktheoretischer oder gar prognostischer Absicht, festhalten,<br />
wie sich politische Öffentlichkeit 1998 im elektronischen Medium manifestiert.<br />
Schaut man sich die gegenwärtigen Ausprägungen an, so spricht einiges dafür,<br />
daß die Medien und die Parteien/Politiker die Herausforderung des interaktiven<br />
Mediums angenommen haben &#8211; wie weitgehend und mit welchen Konsequenzen,<br />
wollen wir darstellen. Sie sind auf jeden Fall in den Diensten des Internet<br />
allgemein massiv präsent, waren es auch im Bundestagswahlkampf 1998. Ja<br />
man kann sagen, die elektronischen Kommunikationsforen für diesen Wahlkampf<br />
waren um so professioneller und erzielten um so größere Beteiligung, je<br />
stärker die Kompetenz und das Kapital der bisherigen Medien daran beteiligt<br />
waren. Ausgemacht ist aber damit noch nicht, ob sich nicht quasi unter der<br />
Hand eine neue mediale Öffentlichkeit artikulieren kann, die die Aufgabe<br />
des Agenda setting selber in die Hand nimmt. Medialer (politischer) Postprofessionalismus<br />
Bislang gingen Bereitstellung der Plattform und Zuständigkeit für die Inhalte<br />
der (zu verteilenden) Information Hand in Hand, machten also Verleger und<br />
Journalisten eine mediale institutionelle Einheit aus. Was heute für die<br />
Informationsmärkte gilt, gilt auch für die Medienmärkte und für die hier<br />
darzustellenden politischen Arenen im Zusammenhang der Bundestagswahl ’98:<br />
es sind keine Monopole der Zuständigkeit für die Informationsinhalte und<br />
die Verteilungsformen mehr auszumachen. In der Informationswirtschaft spricht<br />
man allgemein von &quot;Postprofessionalismus&quot;. Gemeint ist damit die (immer<br />
weiter fortschreitende) Ablösung der Zuständigkeit für das Geschehen auf<br />
den Informationsmärkten von den klassischen Informationsprofessionellen,<br />
den Bibliothekaren, Dokumentaren, Verlegern, Buchhändlern, in die Zuständigkeit<br />
ganz neuer Personengruppen und Institutionen. Die heutigen Service und Content<br />
Provider, die Betreiber elektronischer Marktplätze und Internetdienste kommen<br />
aus allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen. Zu attraktiv<br />
scheint das Geschäft mit der Information zu sein, als daß dieser Markt dem<br />
ursprünglich Informationsprofessionellen überlassen wird. Softwareunternehmen,<br />
öffentliche Einrichtungen wie Städte, Verbände, Kammern, Banken, Versicherungen,<br />
Vereine, Bildungseinrichtungen &#8211; alle werden sie zu Informationsanbietern.<br />
Und sieht man die Auswirkungen auf den Informationsmärkten, so kann man<br />
das &quot;Post&quot; eigentlich nur als Wehmut der für Information exklusiv Zuständigen<br />
deuten, professionell sind die Informationsmärkte erst durch die &quot;Postprofessionellen&quot;<br />
geworden. Zeigen sich Ansätze eines Postprofessionalismus auch für die Medienwelt<br />
bzw. für die Zuständigkeit der Erstellung von politischer Öffentlichkeit,<br />
speziell zu Zeiten von Wahlen? Es ist mehr als unwahrscheinlich, daß der<br />
skizzierte Paradigmenwechsel von Distribution/Präsentation zu Interaktion/Kommunikation<br />
nicht auch Auswirkungen auf das Geflecht der Partizipanten der Medienindustrie<br />
haben sollte. Diesen allgemeinen Transformationsprozeß deuten wir hier nur<br />
an. Neue Partizipanten zur Erstellung von politischer Öffentlichkeit zeichnen<br />
sich aber durchaus ab. Die speziell für den Bundestagswahlkampf ’98 eingerichteten<br />
Diskussionsforen verschiedener Ausprägung werden zwar auch von den bisherigen<br />
Professionellen, den traditionellen Medien und den politischen Einrichtungen,<br />
bestritten &#8211; und gerade das sind nicht die schlechtesten -, aber es drängen<br />
auch hier &quot;post&quot;professionelle Anbieter und Teilnehmer an die Orte der politischen<br />
Information und Kommunikation, die ja jeder für sich und in ihrem Zusammenspiel<br />
Öffentlichkeit erzeugen. Das sind kommerzielle Forumsbetreiber, Bildungseinrichtungen,<br />
Bürgerinitiativen, einzelne Personen und manche andere, die sich aufgerufen<br />
fühlen, das neue Medium der elektronischen Kommunikationsforen für ihre<br />
Zwecke und Interessen zu nutzen. Diese können basisdemokratisch-politische,<br />
aber durchaus auch kommerzielle Interessen sein, indem versucht wird, über<br />
die momentane Attraktivität des politischen (Wahl-)Geschehens die Aufmerksamkeit<br />
auf die eigentlichen &quot;Geschäfte&quot; zu lenken.</span><br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Wer profitiert von den neuen Medien? Ist das Medium erneut<br />
die Message? Neue mediale Formen schaffen neue Realitäten und mit ihnen<br />
neue Institutionen. Wohl kaum aus sich heraus, sondern indem ihre Potentiale<br />
von bestimmten Akteuren in der gesellschaftlichen Entwicklung besser und<br />
schneller genutzt werden als von anderen Akteuren. Die Geschichte der Medienentwicklung<br />
zeigt, daß Medien zwar durchaus auch zur Verfestigung der Macht bestehender<br />
Institutionen und bislang dominierender Gruppen und Personen verwendet werden,<br />
daß aber in der Regel neue Akteure, die bislang noch nicht auf mediale Formen<br />
fixiert waren, von neuen medialen Möglichkeiten besser haben profitieren<br />
können als die alten Akteure, deren Macht und Einfluß sich auf die Beherrschung<br />
der bislang vorherrschenden Medien abstützte. Als Beispiel hierfür wird<br />
immer wieder die Entwicklung der Druckkunst angeführt, von der der entstehende<br />
Protestantismus eher Nutzen ziehen konnte als der hergebrachte Katholizismus,<br />
dessen Herrschaft wesentlich auf der privilegierten Verfügung über Wissen<br />
bestand. Die Privilegien lösten sich auf, als das knappe Medium, Schrift<br />
auf Pergament, zum überreichlich verfügbaren, Druck auf Papier, wurde. Um<br />
keinen Determinismus zu behaupten: nicht das neue Medium hat den Protestantismus<br />
hervorgebracht, aber die Umgebung bereitgestellt, in der dieser reüssieren<br />
konnte. Bleiben die Monopole oder diversifizieren sich die Bildner öffentlicher<br />
Meinung? Wiederholt sich dieses Wechselspiel von Mediengestaltung, Produktion<br />
und Distribution, und Gestaltung von (politischer) Realität in der Gegenwart?<br />
Zugespitzt auf die Alternative kann gefragt werden, ob die bisherigen dominierenden<br />
Bildner von öffentlicher Meinung &#8211; die Medienprofessionellen und die Politikprofessionellen<br />
&#8211; sich der Potentiale der neuen (interaktiven) Medien so versichern können,<br />
daß ihre Monopole erhalten bleiben, oder ob andere, weniger institutionalisierte<br />
und direktere Formen sich durchsetzen werden, die die Vorzüge direkter Demokratie<br />
begünstigen und die demagogisierenden manipulierenden Nachteile ihres Mißbrauchs<br />
vermeiden können. Plattformen für interaktiv sich aufbauende Öffentlichkeit<br />
Unsere allgemeine, zugespitzte These, die wir in diesem Buch an dem Beispiel<br />
des Bundestagswahlkampfs 1998 im elektronischen Medium diskutieren und belegen<br />
wollen, besagt, daß elektronische Kommunikationsforen im Internet wenn schon<br />
nicht jetzt, so doch in näherer Zukunft die Plattformen für interaktiv sich<br />
aufbauende und sich immer stärker vernetzende Öffentlichkeiten sein können,<br />
so wie die klassischen Massenmedien und die traditionell organisierten Parteien<br />
die Plattformen für eine über Distribution erzeugte Öffentlichkeit waren<br />
und wie sie es wohl auch für eine gute Weile bleiben werden. In welche Richtung<br />
sich auch die institutionelle Frage der Zuständigkeit für Erzeugung von<br />
(politischer) Öffentlichkeit beantworten wird, die Art, wie Öffentlichkeit<br />
erzeugt wird, wird von dem mehrfach skizzierten Paradigmenwechsel nicht<br />
unbeeinflußt bleiben. Noelle-Neumann-Revival &#8211; neue starke Medien? Noch<br />
scheint vieles gegen diese These zu sprechen. Der Informationsbedarf der<br />
vielen ist nicht unbegrenzt, das Kommunikationsbedürfnis, zumal in einer<br />
größeren Öffentlichkeit, ist nicht bei allen als sehr hoch anzusetzen. Die<br />
Teilnahme an den elektronischen Kommunikationsforen ist im Verhältnis zu<br />
dem Aufwand, mit dem sie betrieben werden, sehr bescheiden. Die Qualität<br />
der Beiträge streut, um es vorsichtig zu sagen, noch sehr. Die Auswirkungen<br />
auf das tatsächliche Wahlverhalten sind bislang kaum zu messen und auch<br />
nicht in ihrer Relevanz für die Demokratietheorie einzuschätzen. Eine Arbeit,<br />
wie sie Noelle-Neumann 1973 geleistet hatte, als sie mit ihrer Theorie der<br />
Schweigespirale das Konzept starker Medien propagierte und dem Fernsehen<br />
durchaus eine wahlentscheidende Rolle zubilligte, ist für die elektronischen<br />
Kommunikationsforen (noch) nicht möglich. Werden dies starke, also dominierende<br />
Medien sein? Oder werden sie dauerhaft eine eher spielerische Begleitmusik<br />
zum ansonsten beherrschenden Solopart der klassischen professionellen Medien<br />
spielen?</span></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"></span></span></p>
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