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	<title>digitales Wasserzeichen &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>digitales Wasserzeichen &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Von Walther von der Vogelweide zum Digitalen Rechte-Management</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Sep 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[File-Sharing-Netzwerke]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Heinrich-Böll-Stiftung und das Netzwerk Neue Medien hatten am 19. September zur Diskussion „iPod:youTube. Das Internet und die Zukunft der Musik“ geladen. Ein zusammenfassender Bericht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Die Heinrich-Böll-Stiftung und das Netzwerk Neue Medien hatten am 19. September zur Diskussion „iPod:youTube. Das Internet und die Zukunft der Musik“ geladen. Ein zusammenfassender Bericht.</p>
<p><!--break--></p>
<p>„iPod:youTube. Das Internet und die Zukunft der Musik“ &#8211; passender konnte das Thema am Vorabend der diesjährigen Popkomm-Eröffnung nicht gewählt sein. Die<br />
                            <a href="http://www.boell.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Heinrich-Böll-Stiftung</a> und das<br />
                            <a href="http://www.nnm-ev.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzwerk Neue Medien</a> hatten in den Grünen Salon der Berliner Volksbühne geladen. Auf dem Podium: Peter Zombik (<br />
                            <a href="http://www.ifpi.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IFPI</a>, internationaler Branchenverband der Musikindustrie; Verband der deutschen Phonoindustrie), Stephan Benn (<br />
                            <a href="http://www.vut-online.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">VUT</a>, Verband unabhängiger Tonträgerhersteller), Johnny Haeusler (Blogger von<br />
                            <a href="http://www.spreeblick.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">spreeblick.com</a>) und Moritz Sauer (Netlabel-Katalog<br />
                            <a href="http://www.phlow.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">phlow.net</a>).</p>
<p>Seit Napster beklagt die Musikindustrie rückläufige Verkaufszahlen. Vehement wird deshalb nach neuen Verdienst- und Vertriebswegen für Musik gesucht. Es ist umstritten, ob Online-Anbieter wie &#8220;iTunes&#8221; oder &#8220;MusicLoad&#8221; sich wirklich rechnen. Beide arbeiten mit Kopierschutzsystemen (Stichwort: Digitales Rechte-Management), die das Kopieren der Musik von Nutzer zu Nutzer einschränken sollen. Daran gab es auch auf dieser Veranstaltung reichlich Kritik und Forderungen, mehr auf das Prinzip Offenheit zu setzen &#8211; einerseits auf die Netlabels mit frei downloadbaren Musik-Tracks oder auf Micropayment-Systeme.</p>
<p>
                              <strong>&#8220;Urheberrecht darf nicht zu Restriktionen für den Kunden führen“</strong>
                            </p>
<p>Johnny Haeusler brachte mit seinem Eingangsstatement die Problematik auf den Punkt. Das Urheberrecht sei weiterhin von Bedeutung, dürfe aber nicht zu Restriktionen für den Kunden führen. Das Urheberrecht bliebe so Bestandteil der Unterhaltssicherung von Künstlern.<br />
                            <br />Radikaler war die Position von Netlabel-Vertreter Sauer: „Die Musiker müssen wieder auf die Straße. Sie müssen unterhalten. Walther von der Vogelweide hat das auch nicht anders gemacht und abends seine Lammkeule bekommen“. Ergo: Im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie müssten Leute auf Konzerte und zum Merchandising gelockt werden.</p>
<p>Für den Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Phonoindustrie Zombik ging es nicht in erster Linie um ein verbraucherfreundliches Urheberrecht. Statt dessen stellte er die Frage, wie denn ein urheberfreundliches Urheberrecht aussehen müsse. Der Urheber sollte derjenige sein, der entscheidet, wer wann wie seine Werke nutzen darf. Die Marktforschung hätte für 2005 ergeben, dass allein in Deutschland 400 Millionen illegal verbreitete Alben 30 Millionen legal erworbenen Alben gegenüber stehen würden. Gleichzeitig räumte Zombik aber auch ein, dass der Verbraucher sicher sein müsse, dass eingeräumte Rechte auch in vollem Umfang genutzt werden können. Die Verbände würden sich für die Rechte der Urheber einsetzen und seien nicht zum Selbstzweck da.</p>
<p>Auf die Forderung aus dem Publikum, die Branchenverbände aufzulösen und ihr Vermögen auf die Künstlerschaar aufzuteilen, reagierten die beiden Verbandssprecher mit Sprachlosigkeit. Den gleichen Effekt hatte auch der Vorwurf Johnny Haeuslers, die Urheberechtsverwalter hätten es versäumt, gegen die jetzt bestehenden Restriktionen von Online-Anbietern vorzugehen. Die Situation, dass legal erworbene Musik dem User nicht ohne weiteres zur freien Verfügung, also z.B. zum Überspielen auf den Mp3-Player, zur Verfügung steht, hätten die Verbände mit zu verantworten.</p>
<p>Aus dem Auditorium forderte Katja Mrowka vom<br />
                            <a href="http://www.vzbv.de/go/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verbraucherzentrale Bundesverband</a> ein Recht auf Privatkopie – Zombik reagierte fast empört: „Ein solches Recht gibt es nicht“.</p>
<p>
                              <strong>Wie sieht die Zukunft der Musik aus?</strong>
                            </p>
<p>Wie sieht nun die Zukunft der Musik aus? Haeusler sieht an Stelle einer GEZ-ähnlichen Konstruktion künftig eine Medienflatrate. Weil DRM nicht funktioniere, müsse auch über die Verwendung eines digitalen Wasserzeichens („Watermarking“) nachgedacht werden. Solch ein Wasserzeichen schränkt die Kopierbarkeit eines Musikstücks nicht ein, erlaubt aber nachzuvollziehen, wer die erste Kopie ins Internet gestellt hat – so kann ein Käufer eines Songs diesen auf all seinen Geräten nutzen, während er gleichzeitig davon abgeschreckt werden soll, die Dateien über File-Sharing-Netzwerke zu verbreiten. Das<br />
                            <a href="http://www.iuk.fraunhofer.de/index2.html?Dok_ID=10&amp;Sp=1&amp;Key=20527" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fraunhofer Institut</a> hat bereits ein entsprechendes Verfahren entwickelt.</p>
<p>Für die Vertreter der Verwerterverbände liegen die Chancen vor allem im sogenannten „Digital Rechte-Management“ (DRM). Für Zombik hält die Zukunft „eine bisher nicht gekannte Vielfalt verfügbarer Möglichkeiten“ bereit. „Musik zum einmaligen anhören und die Alltime-Heroes für immer“: Alles liegt auf zentralen Datenbanken und es wird genau das bezahlt, was genutzt wird. Digitales Rechte-Management ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Modells. Zombik fordert politischen Willen „um zu entscheiden, wie der Markt aussehen soll“. Unterstützung erhält Zombik auch vom Sprecher des Verband unabhängiger Tonträger (VUT) Stefan Benn: „Kreativität braucht einen Ordnungsrahmen“. Pauschalpreise und Flatrate seien Planwirtschaft, das heutige System biete „Verteilungsgerechtigkeit“. Es waren nicht ihre einzigen Äußerungen, die Gelächter und ablehnende Zwischenrufe aus dem Publikum hervorriefen.</p>
<p>Zu guter letzt blieb noch die Frage an das ca. 80 Personen starke Auditorium und Podium nach dem künftigen Verhalten: Lediglich zwei Sprachen sich für DRM aus. Fast alle kopieren und wollen dies auch weiterhin tun. Insofern nichts Neues.</p>
<p>Die von den Veranstaltern formulierte Kernfrage, welche Chancen die Digitalisierung für Musiker und Labels bieten würde, blieb aber unbeantwortet. Ein großes Kompliment geht an die Moderatorin Katja Husen vom Netzwerk Neue Medien, die rigoros für eine spannende und pfiffige Diskussion auf Podium und mit dem Publikum sorgte. Schade nur, das mit Johnny Haeusler gerade mal ein Musikurheber (ex Plan B) auf dem Podium vertreten war.<br />
                            </p>
<p>
                              
                            </p></p>
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		<title>In den letzten Tagen der Freiheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ukuehne]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jan 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[geistiges Eigentum]]></category>
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		<category><![CDATA[Nutzerkontrolle]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine stille Revolution steht bevor - Die Zukunft des geistigen Eigentums wird dieser Tage entschieden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine stille Revolution steht bevor &#8211; Die Zukunft des geistigen Eigentums wird dieser Tage entschieden.<!--break-->
                  </p>
<p>Die Ironie wurde uns zu spät bewusst: Es war der Traum von der totalen Freiheit, von Wissen und Wohlstand für jedermann, der uns in die Unmündigkeit lockte. Freiheit braucht Kontrolle. Und die Verbreitung von Raubkopien, Viren und Schund im Internet war ja ein reales Problem. Die Lösung, die kommendes Jahr, so wie es aussieht, fast unbemerkt vollendet werden wird, besteht eigentlich nur aus einer subtilen Abwandlung der juristischen Definition von &#8220;geistigem Eigentum&#8221; und einer technischen Neuerung. So leicht wird es sein, die mächtigsten Demokratien durch einen zentral gelenkten Industrietrust &#8211; der TCP-Alliance &#8211; zu ersetzen. Bleibt die Frage, ob sich dies noch verhindern lässt.</p>
<p>Dabei wurde über den Wert von &#8220;geistigem Eigentum&#8221; immer gestritten, nie formulierte ein Rechtsphilosoph eine logisch konsistente und durchsetzbare Definition. Lange Zeit behalf man sich mit einem Kompromiss: Der rechtliche Schutz sollte umfassend genug sein, damit geistige Arbeit attraktiv bleibt und die Urheber nicht aus Angst vor Plagiaten ihre Erfindungen geheim halten. Andererseits darf dieser Rechtsschutz nicht die Weiterentwicklung von Gesellschaft und Geist verhindern.</p>
<p>Wer mit dem geistigen Werk eines anderen Geld verdienen wollte, musste es dem Urheber abkaufen. Nur für Wissenschaft, Bibliotheken oder den privaten Tausch war es frei. Und die Marktforschung konnte zeigen, dass den Urhebern durch die freien Kopien kein Schaden entstand. Viele jugendliche Menschen wurden durch das freie Kopieren später zu Käufern. Zudem blieb den Urhebern für die privaten und wissenschaftlichen Kopien ein Entgelt &#8211; durch Pauschalabgaben auf Kopierer und Speichermedien.</p>
<p>Dann kam das Internet. Anfangs schaffte es viele kleine Verbesserungen, ersparte die Fahrt zur Bibliothek, digitale Kopien ließen sich ohne Qualitätsverlust herstellen. Alle Grenzen, die den freien Zugang zum öffentlichen Wissen verhindert hatten, schienen zu fallen. Aber zugleich berichteten die Rechteverwerter der Popstars und Hollywoodstudios von Umsatzeinbußen &#8211; die wahrscheinlich auch durch Raubkopien entstanden waren. Außerdem waren die digitalen Speichermedien nicht mit einer Schutzabgabe belegt, so dass die Rechteverwerter nicht durch das Geschäft mit CD-Rohlingen entschädigt wurden.</p>
<p>Die ersten Abwehrmaßnahmen wirkten eher lächerlich. Fast konnte man Mitleid bekommen mit den Goliaths aus der Musikindustrie im Kampf gegen Computerdavids, die alle Schutzmechanismen knackten. Mal ging die Industrie gerichtlich gegen Tauschbörsen vor, doch kurz darauf entstanden zehn neue. Mal versuchten sich die Konzerne selbst in der Guerillataktik und mischten unter die raubkopierten Werke Computerviren. Dies, immerhin, machte den Austausch von Raubkopien überaus mühselig.</p>
<p>Trotzdem sahen viele schon das Ende der kommerziellen Verwertung von geistigem Eigentum nahe. Mancher Philosoph phantasierte von einer Zukunft, da Arbeit nicht mehr mit Geld bezahlt werde, sondern mit der neuen Währung des Internets namens &#8220;Aufmerksamkeit&#8221;. Aber hätte es wirklich ernste Nachteile gehabt, wenn sich die Raubkopien als unausrottbar erwiesen hätten? Wäre uns deshalb auch nur ein Song von Madonna erspart geblieben? Das Popgewerbe wäre ein gutes Geschäft geblieben, nicht nur durch den Verkauf von Konzertkarten und Merchandising-Produkten.</p>
<p>Doch es kam anders. 1994 beschloss die Welthandelsorganisation, &#8220;geistiges Eigentum&#8221; als gewöhnliche Handelsware zu definieren, mit im Wesentlichen gleichen Rechten im kapitalistischen Wirtschaftssystem wie beim materiellen Eigentum. Wo diese Gleichheit nicht besteht, sollten technische Vorkehrungen sie künstlich herstellen. Schrittweise wurden diese Grundsätze in nationales Recht umgewandelt &#8211; mit dem &#8220;Digital Millenium Copyright Act&#8221; der USA von 1998 und anschließend mit der sperrigen &#8220;Richtlinie zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Rechte in der Informationsgesellschaft&#8221; der EU vom Sommer 2001. Bis zum 22. Dezember 2002, so war darin festgelegt, musste sie in allen Mitgliedsstaaten zu gültigem Recht werden.</p>
<p>Allein Deutschland verspätete sich &#8211; aber nicht aus Einsicht in die Tragweite der Gesetzesinitiative. Zwar beklagten einige Abgeordnete, dass das neue Urheberrecht nichts zum Schutz öffentlicher Bibliotheken und legaler Privatkopien unternähme. Aber der wesentliche Punkt ist bisher allen Volksvertretern entgangen. Die Radikalität der Neudefinition von &#8220;geistigem Eigentum&#8221; verblasst vor der unscheinbaren Sonderregel zu einem Einzelfall, der im hinteren Teil der EU-Richtlinie und aller anderen Gesetze behandelt wird. Sie betrifft ein kleines, aber ungewöhnliches Produkt geistiger Arbeit, nämlich eine elektronische Erfindung zum &#8220;Management digitaler Rechte&#8221;. Nie war eine rechtliche Revolutionierung subtiler formuliert, nie war sie mächtiger.</p>
<p>Im Detail: Die Gesetze fordern den Rechteverwerter auf, zum Schutz geistigen Eigentums eine weltweit einheitliche technische Systemlösung zu entwickeln und bei jedem Nutzer zu installieren. Diese Lösung soll geistigem Eigentum eben jene fehlenden Eigenschaften verleihen, die notwendig ist, damit es dem materiellen Eigentum gleichsteht. Insbesondere soll jede Kopie zu einem &#8220;individuierbaren&#8221; Gegenstand gemacht werden, der jederzeit nur mit Zustimmung des Eigentümers von ihm namentlich bekannten Kunden verwendet werden kann. Die Betreiber dieses globalen Schutzmechanismus werden ermächtigt, das System zu betreiben und zu kontrollieren. Sie dürfen gerichtlich gegen jeden Versuch vorgehen, den Schutzmechanismus zu umgehen, ja sie können den Delinquenten sogar den Internetzugang verwehren und damit eben den Zugang zu geistigem Eigentum. Alle Staaten werden verpflichtet, Polizei und Justiz zur Bestrafung von Rechtsbrüchen einzusetzen.</p>
<p>Ein gigantischer Verwaltungsaufwand! Aber gibt es nicht Hacker, die das System knacken? Ist es überhaupt realisierbar? Ja. Es bedarf nur des festen Willens und des koordinierten Vorgehens aller größeren Computer- und Softwarehersteller mit allen größeren Entertainment-Konzernen &#8211; und genau diese haben sich Jahre vor dem großen Coup unbemerkt in der &#8220;Trusted Computer Platform Alliance&#8221; zusammengeschlossen. Die Technik wurde im Sommer 2002 fertig entwickelt und besteht aus einer einfachen Kombination von bekannten Verfahren der Verschlüsselung und &#8220;digitaler Wasserzeichen&#8221;.</p>
<p>Mit diesem Wasserzeichen lässt sich bei jeder Kopie der rechtmäßige Eigentümer und der letzte rechtmäßige Besitzer des Werkes ausfindig machen. Die Verschlüsselung garantiert, dass jede Nutzung nur mit Zustimmung des Schlüsselinhabers stattfindet. Die Schlüssel verwaltet ein zentraler Computer. Der gewaltige Datenverkehr, wenn gleichzeitig eine Milliarde Menschen den neuesten Hit von Madonna hören will, ist technisch ein inzwischen gelöstes Problem. Eher hat man Angst, dass die Einführung des Systems durch einen Boykott der Kunden scheitern könnte, weshalb man behutsam vorgeht.</p>
<p>Erst 2001 hatte der Marktführer Microsoft eine erste Version des Schutzmechanismus in seine Betriebssysteme eingebaut. Ab Herbst 2003 könnte man vermutlich praktisch alle Festplatten, Hauptplatinen, CD- und DVD- Laufwerke mit dem Mikrochip ausstatten, der jeden Datenfluss auf die digitalen Wasserzeichen hin kontrolliert, die Schlüssel abfragt und bei fehlender Legitimation unterbindet. Dem Etikett &#8220;TCPA approved&#8221; auf den Geräten dürfte kaum jemand Beachtung schenken. Erst wenn die TCP-Alliance sich ihres Monopols sicher ist, wird der Schlüsselverwaltungscomputer eingeschaltet und die Nutzung aller Werke ohne die Einzellizensierung unterbunden werden.</p>
<p>Das &#8220;Trusted computing platform&#8221; bedeutete nicht, dass der Benutzer seinem Computer vertrauen kann, sondern umgekehrt, dass der Konzern dem Computer seines Kunden vertraut &#8211; weil er die Kontrolle über den Datenverkehr besitzt. Aus den einst anarchistischen Heimcomputern wird eine Jukebox mit Münzeinwurf vereint mit einem Orwellschen &#8220;Televisor&#8221;. Und alles wird so praktisch. Verbreitet etwa ein Computerbesitzer unliebsame Satiren, könnte man ihn des Copyrightverstoßes anklagen und ohne Gerichtsverhandlung von der Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke ausschließen. So gelänge es der TCP-Alliance binnen kurzem, konkurrierende Firmen zu beseitigen. Bis diese Firmen vor Gericht den Vorwurf des Copyright-Verstoßes entkräftet hätten, wären sie längst pleite. Das Wissen und fast die gesamte Wirtschaftsleistung der Menschheit liegt in den Händen eines Konzerns.</p>
<p>Vielleicht wird es im Jahr 2030 einer namenlosen Untergrundguerilla von Hackern gelingen, in den bestgeschützten Computer der Welt einzubrechen und seinen Datenbestand zu löschen: den Schlüsselverwaltungscomputer. Auf einen Schlag wäre die größte Macht, die das geistige Eigentum der Welt regierte, verschwunden &#8211; und mit ihr das gesamte kulturelle und wissenschaftliche Erbe der Menschheit mit Ausnahme einiger vergilbter Bücher in den wenigen verbliebenen Bibliotheken. Wir wären frei. Um Gedanken auszutauschen, wird es wieder Zeitungen geben, die wir, solange wir noch ohne Elektrizität auskommen müssen, bei Kerzenschein lesen. Es bleibt die Frage: Wird es sich verhindern lassen?</p>
<p>Zuerst erschienen in Süddeutsche Zeitung, 14. Dezember 2002, Seite 14&#8243;<br />
                  <br />Mit freundlicher Genemigung des Autors Ulrich Kühne und des Verlages.<br />
                  <br />Copyright (c) sueddeutsche.de GmbH/Süddeutsche Zeitung GmbH<br />
                  </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
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<tr>
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<div class="tidy-2">Erschienen am 23.01.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                    
                  </p>
<p>                  <!-- Content Ende --></p>
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