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	<title>e-teaching.org &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>e-teaching.org &#8211; politik-digital</title>
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		<title>e-teaching.org-Chat: Open Source Software &#8211; Wer profitiert vom freien Code?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/e-teachingorg-chat-open-source-software-wer-profitiert-vom-freien-code-5896/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 13:30:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Open-Source]]></category>
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		<category><![CDATA[e-teaching.org]]></category>
		<category><![CDATA[Expertenchat]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 21. November fand in Zusammenarbeit mit politik-digital.de der <a href="http://www.e-teaching.org/community/communityevents/expertenchat/oss-wer_profitiert_vom_freien_code" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Chat von e-teaching.org</a> mit dem Experten Florian Gnägi zum Thema<b> </b>&#34;Open Source Software - Wer profitiert vom freien Code??&#34; statt. <a href="http://www.e-teaching.org/community/communityevents/expertenchat/chatprotokoll_gnaegi_opensource/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Chattranskript gibt es unter diesem Link</a>.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 21. November fand in Zusammenarbeit mit politik-digital.de der <a href="http://www.e-teaching.org/community/communityevents/expertenchat/oss-wer_profitiert_vom_freien_code" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Chat von e-teaching.org</a> mit dem Experten Florian Gnägi zum Thema<strong> </strong>&#8220;Open Source Software &#8211; Wer profitiert vom freien Code??&#8221; statt. <a href="http://www.e-teaching.org/community/communityevents/expertenchat/chatprotokoll_gnaegi_opensource/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Chattranskript gibt es unter diesem Link</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;StudiVZ wird E-Learning ausbauen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/studivz-wird-e-learning-ausbauen-4661/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Kemmerich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 14:13:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Samir Barden]]></category>
		<category><![CDATA[E-Learning]]></category>
		<category><![CDATA[StudiVZ]]></category>
		<category><![CDATA[e-teaching.org]]></category>
		<category><![CDATA[Live-Chat]]></category>
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					<description><![CDATA[StudiVZ ist das bekannteste deutschsprachige Studierenden-Netzwerk. Dient es eher sozialen Zwecken oder ist StudiVZ auch &#34;E-Learning von unten&#34;? Im Experten-Chat gab Samir Barden, als Marketing-Leiter einer der Macher des Netzwerks, am 23.11.2009 Antworten auf diese und andere Fragen der User von e-teaching.org und politik-digital.de.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>StudiVZ ist das bekannteste deutschsprachige Studierenden-Netzwerk. Dient es eher sozialen Zwecken oder ist StudiVZ auch &quot;E-Learning von unten&quot;? Im Experten-Chat gab Samir Barden, als Marketing-Leiter einer der Macher des Netzwerks, am 23.11.2009 Antworten auf diese und andere Fragen der User von e-teaching.org und politik-digital.de.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Barden ist jetzt bei uns eingetroffen, der Chat kann also pünktlich beginnen. Vielen Dank, Herr Barden, dass Sie uns heute Fragen zum Thema &quot;studiVZ &#8211; E-Learning von unten?&quot; beantworten. Meine erste Frage an Sie: Können wir anfangen?
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/sbarden_250x296.jpg" alt="Samir Barden" title="Samir Barden" align="left" height="189" width="160" />
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Klar!
</p>
<p>
<b>loranthus:</b> Von wem genau wird studiVZ betrieben?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Wir gehören seit 2007 der Verlagsgruppe Holtzbrinck an. Wir sind aber eine eigenständige Firma in Berlin mit inzwischen knapp 220 Mitarbeitern.
</p>
<p>
<b>ska:</b> Welches Gewinnmodell steckt hinter studiVZ? Wofür werden die Daten verwendet?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Wir sind komplett werbefinanziert. Das ist auch ein Modell, das anfängt, sich zu tragen. Die Daten der Nutzer werden ausschließlich zum Betrieb der Plattform verwendet. Da weisen wir auch auf unser Datenschutzversprechen hin, welches auf unseren Seiten zu finden ist.
</p>
<p>
<b>loranthus:</b> Wie sieht die Zielgruppe von studiVZ aus? Sind das nur Studierende oder zunehmend auch Mitglieder, die ihr Studium bereits abgeschlossen haben?
</p>
<p>
<b>Samir Barden: </b>studiVZ als Unternehmen, wir heißen jetzt VZ-Netzwerke, betreibt drei Plattformen: schülerVZ, studiVZ und meinVZ. Die Kernzielgruppe sind deutschsprachige Internetnutzer im Alter zwischen zwölf und 29.
</p>
<p>
<b>loranthus:</b> Vernetzen sich Studierende in studiVZ vor allem studiumsbezogen, also innerhalb ihres Studienganges/ ihrer Universität oder studiumsunabhängig?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Die Nutzer vernetzen sich in allererster Linie mit ihren Freunden, mit Menschen, die sie real kennen. Ob sie diese Menschen aus ihrem privaten, nicht-universitären Umfeld kennen oder ob es Kommilitonen sind, spielt dabei keine Rolle. Der Fokus liegt immer auf der Kommunikation.
</p>
<p>
<b>Stefanie:</b> Beim Konkurrenten XING gibt es Alumni-Gruppen. Sind diese auch in studiVZ zu finden?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Ja, mit Sicherheit. Ich kann mich an kein Thema erinnern, zu welchem ich keine Gruppen bei uns auf den Plattformen gefunden habe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier eine etwas provokante Frage für den Marketing-Experten:
</p>
<p>
<b>monkey:</b> Was fehlt dem heutigen Studenten, wenn er nicht bei studiVZ ist?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Der schnelle und direkte Kommunikationskanal zu seinen Kommilitonen.
</p>
<p>
<b>Vera:</b> Wie gerechtfertigt ist diese Aussage: Mit sozialen Netzwerken wie studiVZ würden die Nutzer Zeit verschwenden, die sie sinnvoller für das Studium nutzen können?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Gute Frage. Wir verstehen uns nicht als Zeitdieb, sondern als Instrument, mit welchem unsere Nutzer besser und schneller mit ihren Freunden kommunizieren können. Inwieweit eine solche Kommunikation Zeitverschwendung ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir hoffen, dass die Nutzung unserer Plattform für die meisten Nutzer keine Zeitverschwendung, sondern eine Erleichterung ist.
</p>
<p>
<b>Anja:</b> Zu Zeitdieb: Wie werden die VZ-Plattformen zeitlich genutzt (sowohl Tageszeiten, als auch auch Dauer der Nutzung)?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Von unseren über 15,5 Millionen Nutzern sind knapp 50 Prozent täglich mindestens einmal online. Die durchschnittliche Nutzungsdauer beträgt über 30 Minuten am Tag. Die Peaks sind &#8211; nicht überraschend &#8211; im schülerVZ nachmittags, wenn die Schule aus ist, und im studiVZ ab 16, 17 Uhr. Wir merken auch manchmal einen starken Einfluss der Werbepausen im Fernsehen. Zum Beispiel in den Pausen von Germany´s Next Topmodel schießt die Aktivitätskurve jedesmal in die Höhe.
</p>
<p>
<b>Hellen:</b> War das studiVZ jemals als E-Learning-Plattform konzipiert?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Nein. studiVZ war von Anfang an als Kommunikationsplattform gedacht, die Kommunikation von echten, realen Freundeskreisen digital abbildet. Sicherlich war einer der Gedanken bei der Gründung, dass gerade jungen Erstsemestern der Einstieg in eine neue Uni erleichtert wird.
</p>
<p>
<b>E-Learner:</b> Wäre es denn überhaupt sinnvoll, studiVZ für &quot;offizielles E-Learning&quot; zu nutzen?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Ob es denn sinnvoll wäre, unsere Plattform für offizielles E-Learning zu nutzen, weiß ich nicht wirklich. Es gibt ja immerhin von verschiedensten Hochschulen betriebene E-Learning-Plattformen, die teils schon sehr gut funktionieren.Wir sehen uns nicht als Konkurrenz-Produkt zu diesen E-Learning-Plattformen, können uns aber durchaus vorstellen, ein einfacher Zugang dazu zu werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier eine aktuelle Nachfrage:
</p>
<p>
<b>KathrinP:</b> Das bedeutet, studiVZ bietet kein E-Learning-Potential?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Wir haben momentan, Stand heute, knapp über neun Millionen Diskussionsgruppen auf unserer Plattform. Eine sehr große Anzahl dieser Gruppen wird zum Austausch in geschlossenen Nutzergruppen genutzt. Ich sehe in sehr vielen Gruppen eine nutzergetriebene Form des Austauschs über studiennahe Inhalte. Ob das jetzt der direkte Austausch zu dem einzelnen Sachthema ist oder einfach nur das Koordinieren und Verabreden einer Lerngruppe, ist für uns nicht so relevant. Wichtig ist, dass eine solche Form der Kommunikation überhaupt stattfindet. Insbesondere im schülerVZ ist es üblich, dass sich nach der Schule über Hausaufgaben oder kommende Klassenarbeiten/Prüfungen ausgetauscht wird. Das Thema E-Learning hat da aber immer einen sehr cliquengeprägten Charakter.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier eine Nachfrage für die Plattform schülerVZ:
</p>
<p>
<b>Frieda:</b> Könnte man nicht bei schülerVZ ein E-Learning Widget basteln?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Wir sind auf allen Plattformen ab Dezember diesen Jahres in der Lage, Open-Social Applikationen einzubinden. Mit Betreibern von E-Learning-Widgets sind die ersten sehr fruchtbaren Gespräche bereits gelaufen. Ich bin sicher, dass wir schon zu Beginn von Open-Social E-Learning Anwendungen anbieten werden können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier noch eine aktuelle Nachfrage zum Thema Open-Social-Applikationen:
</p>
<p>
<b>Brillenbär:</b> Was meiner Meinung nach auch sinnvoll für ein effizientes E-Learning wäre, ist das Hochladen von Dateien, so dass nicht nur alles in Foren geschrieben werden muss, sondern es auch möglich ist, eine Datei zu verschicken. Was halten Sie von dieser Idee?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Der Gedanke ist nicht neu. Der Wunsch, Dateien in unseren Netzwerken sowohl hochzuladen, als auch beweglich zu machen, ist schon lange da. Mit Open-Social werden Applikationen kommen, die genau das leisten werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das will jetzt aber jemand genauer wissen:
</p>
<p>
<b>Stefanie:</b> Bedeutet die Einbindung von Open-Social-Applikationen, dass auch Dritte Anwendungen bereitstellen können?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>djm:</b> Facebook hat sich ja durch seine API externen Entwicklungen geöffnet. Würde es nicht Sinn machen, auch E-Learning-Tools Zugriff für das studiVZ zu bieten, so dass die Masse zum E-Learning mobilisiert wird?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Facebook erlaubt Anwendungen den Zugriff auf die Daten der Freundesliste. Das werden wir nicht tun. Denn das entspricht in keinster Art und Weise den Vorgaben des deutschen Datenschutzes und birgt unserer Meinung nach auch ein sehr großes Risiko für die Nutzer. Sehr wohl werden die Anwendungen auf unserer Plattform sehr sozial sein. Die eingebauten Einschränkungen werden die Anwendungen allerdings daran hindern, mehr Daten als notwendig zu verarbeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> User Blubb hat noch eine Verständnisfrage:
</p>
<p>
<b>Blubb:</b> Was genau sind Social-Applikationen?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Open-Social ist die technische Plattform, die es erlaubt, externe Anwendungen in einem sozialen Netzwerk wie studiVZ zu nutzen. Als kleines Beispiel: Eine solche Anwendung kann ein Backgammon-Spiel sein, was zwei Nutzer live miteinander spielen können.
</p>
<p>
<b>VisPro:</b> Welche Open-Social Applikationen würden denn seitens studiVZ besonders begrüßt werden?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Alles was Kommunikation und Interaktion fördert und erleichtert. Ob es jetzt ein Chat ist, der Austausch von Dateien oder das gemeinsame Spielen, ist für uns nicht so wichtig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das Thema Open-Social Applikationen und E-Learning scheint unsere Chatter sehr zu interessieren:
</p>
<p>
<b>djm:</b> Wann sollen die ersten Open-Social E-Learning-Anwendungen an den Start gehen?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Ich gehe davon aus, dass wir im Dezember schon die ersten E-Learning-Applikationen auf der Plattform haben werden.
</p>
<p>
<b>djm:</b> Es gibt ja Portale, die das Bewerten der Profs und Hochschulen erlauben. Sind solche Bewertungsfeatures in Zukunft eine Option, um die Kommunikation zu verstärken?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Wenn, dann erlauben wir diesen Diensten den Zugang zu unserer Plattform über Open Social. Die Entwicklung solcher Anwendungen ist zurzeit nicht geplant. Jedes Jahr führen wir jedoch das große VZ-Uni-Ranking durch, was auch weiterhin passieren wird.
</p>
<p>
<b>stefanie:</b> Wie funktioniert das studiVZ-Hochschulranking?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Jeder Studierende kann seine Hochschule nach verschiedensten Kriterien bewerten. Das Hochschulranking ist ein zeitlich begrenztes Ranking und keine ständig mitlaufende Bewertung der Hochschulen.Wir legen hier sehr viel Wert auf die Bewertung von &quot;weichen Faktoren&quot;, von der Lebensqualität der Stadt bis hin zum Mensaessen kann da sehr viel bewertet werden.
</p>
<p>
<b>Stefanie:</b> Wäre studiVZ nicht die ideale Plattform für einen Hochschulführer?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Sehr wahrscheinlich ja. Wir sind kein Anbieter von redaktionellen Inhalten, sondern unterstützen unseren Nutzer bei der Erstellung solcher Inhalte. Wenn also ein Hochschulführer kommt, dann werden die Nutzer ihn machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier zwei Fragen zum Thema Dozenten und studiVZ:
</p>
<p>
<b>Brillenbär:</b> Inwieweit kann man es verhindern, dass sich in studiVZ nicht nur Studenten, sondern auch Professoren und Dozenten anmelden, die die regen Diskussionen und Klausurfragen überwachen können? Könnte es gewährleistet werden, sich als tatsächlicher Student zu identifizieren?
</p>
<p>
<b>Sandra:</b> Sollten sich DozentInnen aus studiVZ komplett raushalten?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Zu Frage 1: Das kann man nicht verhindern. Wir haben keine Verifizierungsmechanismen bei der Anmeldung implementiert und werden das auch in Zukunft nicht tun.
</p>
<p>
Zu Frage 2: Wir bieten über die Privatsphäre-Einstellungen und die Instrumente der Gruppensichtbarkeit alle Möglichkeiten, unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu diskutieren, und empfehlen das unseren Nutzern. Wenn Dozenten einen Mehrwert in der Nutzung von studiVZ sehen, sind sie herzlich willkommen. Eine große deutsche Uni organisiert zum Beispiel alle Aktivitäten rund um die Erstsemester komplett über studiVZ, was von den Studenten auch sehr positiv angenommen wird.
</p>
<p>
<b>loranthus: </b>Gibt es direkte Verbindungen, d.h. eine Zusammenarbeit von studiVZ und Hochschulportalen?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Es gibt erste Gespräche. Mehr darf ich leider noch nicht verraten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier zwei Fragen zum Thema Datenschutz:
</p>
<p>
<b>pmc:</b> Machen sich Studierende Gedanken oder Sorgen wegen Datenschutz? Ob beim &quot;offiziellen E-Learning&quot; oder in einem sozialem Netzwerk?
</p>
<p>
<b>Simmons:</b> Haben Sie nicht Angst, dass Ihnen nach dem Datenklau die User wegrennen? Was machen Sie, um diese zu halten?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Dass sich die deutschen Studierenden sehr intensiv Gedanken und Sorgen zum Thema Datenschutz machen, beweisen die Geschehnisse rund um unsere Änderungen unserer AGBs vor knapp zwei Jahren. Das finden wir gut. Auch wenn wir durch die öffentliche Meinung stellenweise ein Stück weit in schlechtes Licht gestellt worden sind, kann ich hier voller Überzeugung sagen, dass wir uns in jeglicher Hinsicht an geltendes deutsches Datenschutzrecht halten und darüber hinausgehend noch viel mehr leisten.
</p>
<p>
Bei der Anmeldung ist es inzwischen so, dass der Nutzer von Anfang an ein komplett unsichtbares Profil bekommt, welches er aktiv sichtbar schalten muss und hier immer wieder unsere Empfehlung bekommt, sich genau zu überlegen, welche Daten er wem zeigt. Wir machen uns eher Gedanken darüber, wie wir solche Dinge in Zukunft noch besser verhindern können und haben bereits nach sehr kurzer Zeit weitere Schutzmechanismen gegen das Auslesen von Nutzerdaten auf unseren Plattformen implementiert. Man darf hier allerdings nie vergessen, dass die ausgelesenen Daten von jedem angemeldeten Nutzer zu sehen waren, was zum Beispiel vergleichbar ist mit dem Abschreiben des Telefonbuchs. Nur dass bei uns keinerlei Adressdaten oder Telefonnummern öffentlich und außerhalb von Freundesnetzwerken sichtbar sind. Datenschutz ist auch einer der Gründe dafür, dass die Profile unserer Nutzer nicht von Suchmaschinen ausgelesen werden können. Andere soziale Netzwerke erlauben den Zugriff von Suchmaschinen auch auf Nutzerprofile.
</p>
<p>
<b>derNarr:</b> Gibt es bei Social-Applications und ernsthaftem E-Learning von unten nicht Probleme mit dem Datenschutz? (Nach der momentanen Rechtslage) Wie wird studiVZ dem entgegenwirken?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Soziale Applikationen werden bei uns nur auf das Zugriff haben, was ihnen explizit vom Nutzer freigegeben wird. Der Nutzer muss hier vor der Nutzung der Applikation ganz klar selbst angeben, welche seiner Daten verwendet werden dürfen. Hiermit begegnen wir den strengen Richtlinien des deutschen Datenschutzes komplett.
</p>
<p>
<b>Andre:</b> Zur Frage von Brillenbär: Wie kann ich mich dann vor Identitätsdiebstahl schützen? Beispielsweise, wenn mich jemand mit einem Bild von mir im VZ anlegt.
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Das Recht am eigenen Bild ist uns sehr wohl bekannt. Wir haben ein 120-köpfiges Support-Team, das in der Regel binnen 24 Stunden solche Anfragen beantwortet und löst. Man kann nicht verhindern, dass beispielsweise ein Freund ein Foto von einem hochlädt. Wir stellen aber durch schnelle Support-Prozesse sicher, dass dieses Foto dann auch wieder schnell verschwinden kann.
</p>
<p>
<b>VisPro:</b> Finden Sie es gerechtfertigt, dass potentielle Arbeitgeber Netzwerke wie studiVZ nutzen, um sich über das Privatleben der Bewerber zu informieren?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Das ist übliche Praxis. Es wäre falsch zu denken, dass ein potentieller Arbeitgeber nicht auch mal Google, Xing und andere soziale Netzwerke konsultiert, um sich ein besseres Bild vom Bewerber zu machen. Ich sehe es als zusätzliche Chance, einer oft recht kühlen und sachlichen Bewerbung ein menschliches Bild zu geben, was heute in Bewerbungsprozessen zunehmend wichtiger wird. Wir haben auf unserer Seite einen Bewerbungsleitfaden ins Leben gerufen, welcher Schritt für Schritt erklärt, wie man sich vor dem Absenden einer Bewerbung mit dem eigenen Profil auseinandersetzen sollte, um nicht in peinliche Situationen zu kommen.
</p>
<p>
<b>KathrinP:</b> Ist es auch ein Ziel von studiVZ &amp; Co., die Medienkompetenz der User zu schulen? (zum Beispiel was auch die Angabe von Daten auf den Profilseiten betrifft, das Uploaden von Fotos und der Tatsache, dass diese dann im www wiederzufinden sind.)
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Das Web vergisst bei uns sehr wohl. Alle Inhalte auf den Plattformen sind vor allen Suchmaschinen geschützt. Sprich: wenn ein Nutzer etwas löscht, ist es definitiv für immer weg und nicht über irgendwelche Suchmaschinenarchive oder sonstige Wege wieder auffindbar. Die Vermittlung von Medienkompetenz beschäftigt bei uns ein eigenes Team, welches mit Lehrmaterialien, Livechats und Videokonferenzen und direkt vor Ort in Schulen gemeinsam mit Lehrern und Schülern den richtigen Umgang mit sozialen Netzwerken schult. Zudem gibt es eine Eltern- und Lehrer-Hotline, welche täglich sorgenvolle Eltern und kritische Lehrer betreut.
</p>
<p>
<b>Simmons:</b> Gibt es schon so eine Art virtuelles Klassenzimmer, wo sich VZler treffen und Hausaufgaben zusammen besprechen können?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Das gibt es als Funktion noch nicht, wird aber sehr häufig über unsere Gruppenfunktion abgebildet.
</p>
<p>
<b>Jul23:</b> Was halten sie davon, ganze Klassen (samt Lehrerin) zu verifizieren und denen einen eigenen Room zu geben?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Eine sehr gute Frage. Die Funktion eines virtuellen Klassenzimmers bzw. sogar einer virtuellen Schule ist bei uns schon länger in Planung und wird in Teilen, zumindest durch Applikationen, ab Dezember Wirklichkeit. Wichtig an der Stelle ist jedoch, dass das schülerVZ eine komplett abgekapselte Plattform ist, die Erwachsenen nicht zugänglich ist.Wenn wir von der Anwesenheit von erwachsenen Nutzern in schülerVZ Kenntnis erlangen, löschen wir diese Profile unverzüglich.
</p>
<p>
<b>coarty:</b> Wird es auch so etwas wie Expertenchats bei studiVZ geben?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Wir werden unsere Chatfunktion (Plauderkasten) komplett überarbeiten und dann selbstverständlich auch über Chatmodelle jenseits der 1:1 Kommunikation nachdenken.
</p>
<p>
<b>loranthus:</b> Welche Mitgestaltungsmöglichkeiten haben die Mitglieder in studiVZ?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Wir haben in verschiedensten Gruppen Feedbackkanäle eingerichtet, die wir wöchentlich auswerten. Die Entscheidung, was als nächstes gebaut wird, prüfen wir sehr genau in Fokusgruppen und laden regelmäßig Nutzer zum Austausch über die Weiterentwicklung der Plattform ein. Grundsätzlich gilt bei uns im Büro die Politik der offenen Türen, jeder kann vorbeischauen, jeder kann reinschauen, jeder kann mitreden.
</p>
<p>
<b>VisPro:</b> Mal eine generelle Frage: Soziale Netzwerke gibt es viele im Internet. Einige Namen sind hier schon gefallen. In welchen Plattformbereichen sieht sich studiVZ gegenüber den Konkurrenten im Vorteil?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Zu allererst mal bei der Sicherheit der Daten, in Sachen Datenschutz und Privatsphäre-Optionen. Wir sind das einzige, mir bekannte soziale Netzwerk, das sich komplett an den deutschen Datenschutz hält. Wir sind auch in Sachen Jugendschutz sehr aktiv und ordentliches Mitglied in allen großen Jugendschutzorganisationen. Teilweise dort sogar im Vorstand, um das Thema Jugendschutz im Internet aktiv mitzugestalten. Was die Plattform angeht: Im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken bieten wir nicht den funktionalen Mehrwert, sind aber durch unsere lokale Nähe zur Zielgruppe besser in der Lage, auf ihre Bedürfnisse einzugehen.Wichtig für uns ist, dass unsere Plattformen dazu genutzt werden, echte Freundschaften zu pflegen. Das bedeutet: diejenigen Menschen, mit denen sich der Nutzer gerne im echten Leben umgibt und nicht einfach nur lose Bekanntschaften, die man irgendwo mal kennengelernt hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Abschluss noch eine Frage zur Person Samir Barden:
</p>
<p>
<b>stefanie:</b> Welche anderen Social Networking Plattformen nutzen Sie persönlich?
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Ich nutze Xing, LinkedIn, ich habe einen Facebook-Account, aber nicht wirklich viel Zeit ihn zu pflegen, und natürlich VZ.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten e-teaching.org Expertenchat mit Samir Barden von studiVZ zum Thema E-Learning. Leider konnten aufgrund der Kürze der Zeit nicht alle Fragen gestellt werden, dafür bitte ich um Verständnis.
</p>
<p>
<b>Samir Barden:</b> Wenn Sie weitere Fragen haben, finden Sie mich auf den oben genannten Plattformen und können mich jederzeit kontaktieren. Vielen Dank für alle gestellten Fragen!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Bis zum nächsten e-teaching.org-Expertenchat</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>e-teaching.org-Expertenchat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 10:23:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Studenten]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[e-teaching.org]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
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		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
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					<description><![CDATA[Neben der analogen Lehre setzen immer mehr Hochschulen auf Lernplattformen. Aber kommen die E-Learning-Angebote überhaupt bei den Studierenden an? Am 27. Oktober 2008 ab 14 Uhr ist Prof. Dr. Ullrich Dittler zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?pid=1&#38;id=eteaching&#38;cid=193" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ihre Fragen zum Thema &#34;E-Learning an Hochschulen&#34; können Sie bereits jetzt online stellen</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Neben der analogen Lehre setzen immer mehr Hochschulen auf Lernplattformen. Aber kommen die E-Learning-Angebote überhaupt bei den Studierenden an? Am 27. Oktober 2008 ab 14 Uhr ist Prof. Dr. Ullrich Dittler zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?pid=1&amp;id=eteaching&amp;cid=193" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ihre Fragen zum Thema &quot;E-Learning an Hochschulen&quot; können Sie bereits jetzt online stellen</a>.<!--break--> </p>
<p>
An vielen Hochschulen werden inzwischen Lernplattformen eingesetzt und Blended Learning-Szenarien realisiert, die Technik läuft stabil. Die Akzeptanz und die Nutzung dieser webbasierten, multimedialen Zusatzangebote treffen jedoch vielerorts immer noch auf weniger Begeisterung als von den Verantwortlichen erhofft.
</p>
<p>
Wird versucht, mit Schlagworten wie &quot;Web 2.0&quot; und &quot;E-Learning 2.0&quot; dem Thema E-Learning neuen Auftrieb zu verleihen? Wieviel Potenzial steckt wirklich in den neuen Werkzeugen?
</p>
<p>
Im e-teaching.org Expertenchat am 27. Oktober stellt sich der E-Learning-Experte Prof. Ullrich Dittler von der Hochschule Furtwangen den Fragen der Community.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>&#8220;Es gibt keine einheitliche Generation&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 May 2008 14:17:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[E-Learning]]></category>
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		<category><![CDATA[e-teaching.org]]></category>
		<category><![CDATA[Expertenchat]]></category>
		<category><![CDATA[Net-Generation]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Schulmeister]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 30. Mai war Rolf Schulmeister, Gründer des Interdisziplinären Zentrums für Hochschuldidaktik der Universität Hamburg und Initiator des Studiengangs „Master of Higher Education“, zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. Er beantwortete unter anderem die Frage, ob es die so genannte &#34;Net Generation&#34; gibt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 30. Mai war Rolf Schulmeister, Gründer des Interdisziplinären Zentrums für Hochschuldidaktik der Universität Hamburg und Initiator des Studiengangs „Master of Higher Education“, zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. Er beantwortete unter anderem die Frage, ob es die so genannte &quot;Net Generation&quot; gibt.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<i>Moderator:</i><br />
Hallo und herzlich willkommen zum e-teaching.org<br />
Expertenchat. Heute können Sie Prof. Schulmeister von der Uni Hamburg Ihre<br />
Fragen zum Thema &quot;Gibt es eine Net-Generation&quot; stellen. Hier ist es jetzt 14<br />
Uhr. Herr Schulmeister, können wir starten?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Ja gerne.</p>
<p><b>Gibt es Ihrer Ansicht nach eine Net-Generation?</b></p>
<p><i><br />
Moderator:</i> Zum Einstieg die ganz allgemeine Frage, die auch die Überschrift<br />
für den heutigen Chat ergab: Gibt es Ihrer Ansicht nach eine<br />
Net-Generation?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Nein, es gibt viele verschiedene Menschen, aber keine<br />
einheitliche Generation, die man mit einem einheitlichen Merkmal beschreiben<br />
kann.</p>
<p><i>Silf:</i><br />
Sie scheinen ja nicht der These anzuhängen, dass die<br />
Net-Generation anders lernt als vorangegangene Studentengenerationen. Woran<br />
machen Sie das fest?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich habe in dem Aufsatz etwa 45 empirische<br />
Untersuchungen analysiert und festgestellt &#8211; es kommen immer mehr<br />
Untersuchungen zu tage &#8211; ich habe dabei festgestellt, dass die neuen Medien<br />
bei den Kindern dem Spiel dienen, den Jugendlichen zur Kommunikation, und<br />
bei den Erwachsenen der Übergang vom Kommunizieren zum Lernen schwierig ist.<br />
Dies ist offenbar auch ganz verständlich, da das Hauptziel der Jugendlichen<br />
die Kommunikation mit den Peers ist. Das ist uns allen bekannt. Weniger<br />
bekannt war, dass sie ihre vielen Erfahrungen im Umgang mit dem Computer<br />
nicht auf das Lernen übertragen.<br />
<i><br />
mehmann:</i><br />
Dass die Net-Generation existiert, hat aber doch durchaus auch<br />
empirischen Bestand, oder? Wenn man an die ARD-ZDF-Online-Studien denkt, so<br />
wird ein starker Zuwachs der Nutzung multimedialer Inhalte klar. Das gesamte<br />
Freizeitverhalten ändert sich. Das muss doch Auswirkungen auf das Lernen<br />
haben.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Diese These wird immer wieder vertreten. Es ist aber<br />
ein Denkfehler enthalten. Die Tatsache, dass Jugendliche und Kinder heute<br />
viel mehr mit Medien zu tun haben, bedeutet nicht, dass sie dadurch geprägt<br />
sind. Es kommt auf das Motiv an, mit dem sie dieses Medium nutzen. Und sie<br />
nutzen diese Medien durchaus mit der gleichen Motivation, mit der<br />
Jugendliche früher die Kontakte mit Gleichaltrigen wahrgenommen haben. Wir<br />
sind ja auch nicht, nur weil wir mit dem HiFi aufgewachsen sind, eine HiFi<br />
-Generation, oder diejenigen, die mit dem Kofferradio aufgewachsen sind,<br />
eine Kofferradio-Generation.</p>
<p><i>mehmann:</i><br />
Nachfrage: Glauben Sie, dass Jugendliche nicht durch die<br />
Nutzung neuer Medien geprägt sind? Ernsthaft?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Glaube ich ernsthaft. Ich glaube, die Jugend nutzt<br />
die Medien mit ihren Lebenseinstellungen. Und nur die Wenigsten sind<br />
ernsthaft der Sucht verfallen. Die Meisten nutzen die Medien mit ihren<br />
eigenen Lebensmotiven, zu den Zwecken, die sie auch ohne Medien haben, also<br />
Freundschaft oder Kontakt.</p>
<p><i>RUBeL:</i><br />
Sicher müssen Studierende spezielle Studien-Kompetenzen mit<br />
Medien erwerben, ebenso wie wissenschaftliches Schreiben. Aber sie tun sich<br />
leichter, sind unbefangener als Ältere bei der Einarbeitung in ein LCMS<br />
[Anm. der Redaktion: Learning Content Management System] usw. M.E. doch eine<br />
Generationenfrage!<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Das ist vollkommen richtig. Das betrifft aber nicht<br />
nur die Jüngeren, sondern auch die Älteren, die schon länger mit Computern<br />
arbeiten, insbesondere wenn sie mit Computern aufgewachsen sind. Ich benutze<br />
Computer seit 1976. Es ist richtig, dass, wer längere Zeit mit Geräten<br />
umgeht, diese auch besser beherrscht. Dies ist allerdings eine triviale<br />
Erkenntnis, die dummerweise nicht bedeutet, dass die Kompetenz zur Nutzung<br />
der Funktionen dieser Medien damit wirklich gewachsen ist. Es lässt sich<br />
feststellen, dass selbst bei Jugendlichen, die häufig mit Computern<br />
arbeiten, die Kompetenz zur Beurteilung ihrer Suchergebnisse oder der<br />
Information nicht gestiegen ist. Im Gegenteil, es gibt Gruppen, die die<br />
Glaubwürdigkeit des Wissens, das aus dem Internet kommt, zu hoch<br />
einschätzen.</p>
<p><i>supporter:</i><br />
Es gibt natürlich auch schon viele ältere Menschen, die<br />
das Netz nutzen. Aber die Nutzung ist doch ganz schön unterschiedlich: Die<br />
Senioren mailen und halten Kontakt zur Familie, junge Menschen versuchen im<br />
Netz neue Leute kennen zu lernen.</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Das ist richtig, es ist immer wieder<br />
feststellbar. Noch gibt es Unterschiede zwischen den Altersstufen. Aber es<br />
ist in den letzten fünf Jahren offensichtlich geworden, dass die<br />
Unterschiede zu den Älteren nivelliert werden. Also, die etwas leichtere<br />
Zugangsweise führt dazu, dass sich auch die Älteren an die Medien wagen, mit<br />
denen sie nicht aufgewachsen sind.</p>
<p><i>Uuf:</i><br />
Müsste man nicht, anstatt über ganze Generationen zu<br />
diskutieren, die Zielgruppenfrage wieder in den Vordergrund stellen? Ist<br />
diese Zielgruppe nicht in jedem Studiengang grundverschieden und durch<br />
Kriterien wie Sozialisation geprägt?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Völlig richtig. Genau das ist die Hauptthese meiner<br />
Entgegnung auf die Thematik der Net-Generation. Das ist die Frage, die wir<br />
uns immer wieder stellen: Das ist die Diversität. Es wird brisant werden<br />
dadurch, dass wir in allen Bereichen feststellen, dass die sozialen<br />
Unterschiede die Chancen determinieren, also auch die Bildungschancen. D.h.<br />
die so genannte soziale Kluft, die digitial divide, ist eines der<br />
wichtigsten Themen, wenn wir über Verschiedenheit reden. Das hat PISA<br />
gezeigt, das zeigt auch die Diskussion der Hochschulpolitik nach Bologna und<br />
das zeigt auch die Diskussion des Themas „Gibt es eine Net-<br />
Generation?&quot;</p>
<p><i>Lara:</i><br />
Wird sich nicht erst später zeigen, ob es eine Net-Generation<br />
gibt? Z.B. weil die jetzige Studi-Generation ein ganz anderes Verhältnis zur<br />
Informationsverfügbarkeit entwickelt?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Die Grundthese ist doch, dass es eine Generation<br />
in diesem Sinne gar nicht geben kann, sondern nur verschiedene Gruppen.<br />
Darum wird sich die Gruppe der nächsten Generation auch nicht als<br />
geschlossene Gruppe empfinden. Eine zweite These ist die, dass es immer<br />
selbstverständlich und alltäglich ist, wie man in der Umgebung lebt, in der<br />
man aufwächst. Währenddessen besagt die These der Net-Generation das<br />
Gegenteil, dass sie etwas anderes seien, beispielsweise veränderte Hirne<br />
hätten, eine andere Kultur, eine andere Psyche usw. Und das ist widerlegt<br />
worden. Ich habe in meinem Aufsatz auch deutlich gemacht, dass auch<br />
Versuche, bspw. Multitasking als Merkmal einer Generation zu bezeichnen,<br />
verkehrt wären, weil es einfach ein Gewöhnungsprozess ist. Ebenso kann man<br />
nicht sagen, dass die Ungeduld im Umgang mit diesen Geräten nur einer<br />
Generation zukommt. Jedem Benutzer erscheint ein älteres Gerät als<br />
langsam.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Über den<br />
Begriff der Generation allgemein</b><br />
<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Noch zweimal generell zu Generationenfrage:</p>
<p><i>lenzen:</i><br />
Glauben Sie denn, dass es überhaupt schon eine &quot;Generation&quot;<br />
gegeben hat, die als solche gelabelt wurde? Es ist ja auch schwer, von der<br />
„68er Generation&quot; oder der „89er Generation&quot; oder von der „Generation Golf&quot;<br />
zu reden.</p>
<p><i>Lou:</i><br />
Gibt es dann auch keine 68er Generation, keine Baby Boomer<br />
usw.? Generation bedeutet ja nicht, dass alle gleich sind.</p>
<p><i><b>Rolf Schulmeister:<br />
</b></i>Generation als Metapher ist etwas anderes, als<br />
eine Behauptung über eine Kohorte von Menschen, die einen Zeitraum von 20<br />
bis 30 Jahren abdecken. Ich habe auch die Kohorte geschichtswissenschaftlich<br />
untersucht und festgestellt, dass die 68er-Generation immer eine Minderheit<br />
gewesen ist.</p>
<p><i>joker:</i><br />
Ok, es gibt nicht die Net-Generation. Treumann (2007) hat<br />
sieben Nutzertypen, was die Diversität bestätigt. Trotzdem scheint dies eine<br />
andere Diversität zu sein, als vor zehn Jahren. Und wie kann diese<br />
Diversität beim Lehren/Lernen aufgenommen werden?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Es ist eigentlich ein uraltes Problem der<br />
Pädagogik. Seit der Zwergschule redet die Pädagogik über innere<br />
Differenzierung im Unterricht. Das Hauptthema, über das wir heute<br />
diskutieren, ist nicht die Generation, sondern die Verschiedenheit. Man<br />
stellt immer wieder fest, dass alle Benutzer der Neuen Medien in<br />
verschiedene Gruppen zerfallen. Aus Gründen der Motivation, der<br />
Sozialisation, der Kognition, des Lernstils, der interkulturellen Herkunft,<br />
der ethnischen Herkunft usw. Die Pädagogik reagiert darauf mit innerer<br />
Differenzierung. In der Hochschule reden wir vom offenen Lernen und von<br />
offenen Lernsituationen, um dieser Verschiedenheit gerecht zu werden. Leider<br />
fehlen in vielen Bereichen die Mittel, dies auch umzusetzen.</p>
<p><b>Nutzug<br />
von Medien und Diensten durch Studierende</b><br />
<br />
<i></i>
</p>
<p>
<i>mhz:</i><br />
Mehrere hunderttausend Studis sind bei StudiVZ aktiv. Was<br />
machen die da eigentlich? Gibt es da empirische Daten? Meine Vermutung:<br />
StudiVZ ist eine riesige Partnerbörse.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich habe dazu keine Daten und würde auch nicht gerne<br />
Vermutungen dazu anstellen. Das sollte vielleicht Psychologen vorbehalten<br />
bleiben. Aber Sie haben einen richtigen Hinweis gemacht, dass deutlich wird,<br />
dass nach wie vor die Kommunikation auch für über Zwanzigjährige ein<br />
wichtiges Thema ist. Und dass auch für diese Gruppe von Menschen die<br />
Kommunikation mit den neuen Medien wichtiger ist als das Lernen.</p>
<p><i>Lou:</i><br />
Spricht nicht für die Net-Generation, dass heute auf sozialen<br />
Plattformen die Art von virtuellen Lerngemeinschaften entstehen, die man<br />
früher vergeblich versucht hat künstlich zu initiieren? Rolf</p>
<p><i>Schulmeister:</i><br />
Es spricht nicht für die Net-Generation, es spricht<br />
für einige wenige Studierende, die erkannt haben, dass man in diesen<br />
Gemeinschaften sinnvoll miteinander umgehen, Informationen austauschen kann,<br />
vielleicht auch lernen kann. Aber auch nur vielleicht. Denn viele dieser<br />
Gemeinschaften bestehen nur im Austausch. Der größte Teil, von denen, die<br />
sich daran beteiligen, entspricht dem Typ des LURKERs. Also die Leute, die<br />
von dem Wissen anderer profitieren, aber nicht dazu beitragen wollen.</p>
<p><i>Lou:</i><br />
Anmerkung zu den LURKERn: Profitieren nicht am Ende doch jene,<br />
die Wissen aufarbeiten und bereitstellen mehr als die passiven<br />
Konsumenten?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Das ist völlig klar. Diejenigen, die Wissen<br />
konstruieren, haben natürlich die Nase vorn. Diejenigen, die Wissen nur<br />
rezipieren, da bleibt unklar, was sie davon rezipieren. Aber für manche<br />
Zwecke der Kommunikation und der Kooperation beim Lernen ist es<br />
ausgesprochen unglücklich, wenn einige Lernende nicht zu den Lernprozessen<br />
beitragen, weil dann die Last nur bei den Wenigen liegt, die diesen Vorgang<br />
aktiv tragen.<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Ein Kommentar:</p>
<p><i>Lara:</i><br />
Meine wenig computeraffine Schwester organisiert zu meiner<br />
Verwunderung in einem Lehramtsstudium viel über StudiVZ. Da geht es um<br />
Inhalte, nicht (nur) um Geschwätz.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Ja. Es gibt in StudiVZ die Möglichkeit, geschlossene<br />
Gruppen zu organisieren, die sich mit Lerninhalten auseinandersetzen. Das<br />
ist aber noch selten der Fall. Man sieht aber auch, dass andere Medien, in<br />
denen aktive Teilhabe gefördert wird, wenig genutzt werden, zum Beispiel die<br />
Möglichkeit für Kommentare in Weblogs.<br />
<i><br />
heikoidensen:</i><br />
Wie ist die Rolle der Lehrenden in den vernetzten<br />
Lernprozessen? Moderator? Coach? Lernbegleiter?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich weiß ja nicht, was die drei Begriffe alles<br />
konnotieren. Ich verstehe Moderator und Lernbegleiter als das Gleiche. Ich<br />
kenne Leute, die unter Coach nichts anderes verstehen als Lernbegleiter. Um<br />
es konkret zu beschreiben: Ich verstehe meine Rolle als Moderator so, dass<br />
ich die Entstehung der selbstständigen Lernprozesse der Studierenden von<br />
vorne bis hinten erkennen und damit auch begleiten kann. So kann ich am Ende<br />
der Arbeit genau wissen, wie die Studierenden zu ihren Ergebnissen gekommen<br />
sind, welche Schritte sie gemacht haben und dass ich ihnen in allen Stufen<br />
dieses Prozesses geholfen habe.</p>
<p><i>heikoidensen:</i><br />
Hat sich die Art und Weise des Diskurses durch die<br />
vernetzten Lern- und Kommunikationsweisen fundamental geändert &#8211; Stichwort<br />
Diskurskritik? Nicht nur über die neuen Medien, sondern mittels der neuen<br />
Medien als Werkzeuge: Wer spricht? Was ist eine Quelle? Wahrheit? Oder:<br />
Schwarmdenken? Kollaborative Wissens- und Diskursnetzwerke?<br />
Autorenschaften?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich halte das zum jetzigen Zeitpunkt eher für<br />
eine Hoffnung, denn eine Realität. Die Chancen für Diskurse sind durch die<br />
Vernetzung gestiegen, einfach weil es mehr Kontakte dadurch gibt. Aber die<br />
Qualität der Diskurse ist durch das Medium bis heute noch behindert. Man<br />
kann in Präsenzsituationen einmal durch die zusätzlichen nonverbalen und<br />
paralinguistischen Signale, die man erhält, intensiver aufeinander eingehen<br />
und feststellen, an welchen Stellen Diskurse notwendig sind. Und man kann im<br />
unmittelbaren Umgang auch besser prüfen, wann man in den Diskurs einsteigen<br />
und wie lange man ihn durchhalten muss. Andererseits hat das Medium durch<br />
die Persistenz der Kommunikation die Chance, im asynchronen Modus einen<br />
langfristig wertvollen Diskurs zu fördern.</p>
<p><b>Einsatz von Medien in der<br />
Lehre</b></p>
<p><i>phlo:</i><br />
Wie sieht für Sie eine ideale Verknüpfung von Internet,<br />
Lehrenden und Lernenden aus?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Diese Frage führt wieder zurück auf die Frage der<br />
Diversität. Es gibt keine ideale Lösung. Es gibt Situationen, in denen die<br />
Medien nur im Präsenzunterricht auftreten, und es gibt Situationen, in denen<br />
die Medien den Präsenzunterricht ersetzen. Die Verschiedenheit der<br />
unterschiedlichen didaktischen Szenarien begründet sich auch durch<br />
unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen, unterschiedliche Inhalte,<br />
und es begründet sich durch die unterschiedliche Position im Curriculum. Es<br />
gibt also verschiedene Szenarien. Jedes Szenario braucht eine andere<br />
Konstellation für das Verhältnis von Präsenz und virtuellem Lernen.<br />
<i><br />
phlo:</i><br />
Während wir darüber diskutieren, ob es möglich ist Laptopklassen<br />
einzurichten, gibt es sie durch Initiativen, wie OLPC (Anm. der Redaktion:<br />
One Laptop per Child) oder Intel&#8217;s Classmate doch schon in Entwicklungs- und<br />
Schwellenländern. Werden wir überholt?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Wenn wir die Kritik in den USA an No Child Left<br />
Behind sehen, haben wir noch viel zu tun. Das Echo ist nicht durchweg<br />
positiv. Es war ein Propagandaplan, der nur wenigen Schulen geholfen hat.<br />
Dasselbe gilt für die Versuche, die von Microsoft oder Intel usw. gemacht<br />
wurden. Das sind Experimente. Die, wenn sie gut wissenschaftlich untersucht<br />
werden, sicherlich interessante Ergebnisse erbringen können, aber für die<br />
Breite nichts erbracht haben.<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Nun die Frage, die in unserer Vorab-Phase die meisten Stimmen<br />
bekam:<br />
<i><br />
Ich:</i><br />
Ist es nicht ganz normal, dass Computer für Schule und Uni nur als<br />
Mittel zum Zweck genutzt werden? Ein Buch lese ich ja privat auch anders und<br />
aus anderen Gründen als für den Unterricht.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Genau, das hatten wir aber schon so ähnlich<br />
beantwortet. Kinder, die mit Geräten aufwachsen, werden diese auch benutzen.<br />
Für meine Generation war der Fernseher neu. Da haben wir über den Nutzen des<br />
Schulfernsehens diskutiert. Natürlich gab es Kinder, die exzessiv Fernsehen<br />
nutzten. Es muss sich in jeder Epoche wieder eine Ethik entwickeln, der<br />
Umgang mit Innovation herauszubilden. Und wir sind gerade dabei, dieses<br />
bezogen auf die Medien zu tun. Aber wie ich feststelle, werden diese Medien<br />
für die Zwecke genutzt, die dem Entwicklungsstand der Kinder und<br />
Jugendlichen entsprechen. Insofern kann man von einer Alltäglichkeit und<br />
Selbstverständlichkeit im Umgang mit diesen Medien ausgehen.<br />
<i><br />
Gast 22:</i><br />
In welchen Bereichen soll man denn Computer in der Schule / in<br />
der Uni benutzen? Wo ist der von Ihnen gesehene Mehrwert?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Mehrwert ist eine andere Frage, die wiederum<br />
differenziert beantwortet werden muss: Ökonomisch, Zeitersparnis, mehr<br />
Information. Es gibt aber auch Mehrwert durch Multimedia und es gibt einen<br />
Mehrwert, den man als didaktisch bezeichnet, wenn er für das Lernen Vorteile<br />
bietet. Solche Vorteile sehe ich beispielsweise in dem Bereich, in dem ich<br />
arbeite, der Gebärdensprache. Ich habe willkürlichen Zugriff auf Filme, eine<br />
visuelle Sprache. Naturwissenschaftler sehen einen Mehrwert darin, dass es<br />
Experimente in anderen Ländern gibt, auf die sie über das Internet zugreifen<br />
können, so genannte entfernte Labore. Andere wiederum, wie die<br />
Sprachwissenschaftler, holen sich einen Mehrwert daraus, dass sie auf<br />
Originalsprachdaten jederzeit Zugriff haben. Der Mehrwert ist also nach der<br />
Art der Inhalte, der Lernziele und dem Anlass des Lernens zu<br />
differenzieren.
</p>
<p>
<b>Medienkompetenz als Voraussetzung für Lehren und Lernen</b><br />
<br />
<i><br />
Toschko:</i><br />
Sind Sie der Meinung, dass schon in den Grundschulen Umgang mit<br />
den Internet gelernt werden muss?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Da die Sechsjährigen bereits zu Hause mit<br />
Computern umgehen, sollte der Computer auch bereits in der 1. Klasse einen<br />
Platz finden. Ob das in einer so genannten Computerecke oder Laptopklasse<br />
stattfindet, das muss noch herausgefunden werden.</p>
<p>Soma: Was muss sich an den Schulen und Unis verändern, damit der Transfer<br />
von Medienkompetenz gelingt?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Man kann feststellen, dass wir für unsere zukünftigen<br />
Hochschullehrer eine wichtige Aufgabe haben. Sie müssen von vornherein in<br />
Lehre und Lernen die neuen Medien einbeziehen. Sie müssen selber Kompetenz<br />
im Umgang mit diesen Medien demonstrieren. Dies gilt insbesondere für die<br />
Lehre in den Schulen &#8211; nicht nur in Informatik &#8211; weil wir feststellen, dass<br />
die Schüler aus den Schulen &#8211; wenn sie in die Hochschule kommen &#8211; kein<br />
Verlangen danach haben, die Medien für das Lernen einzusetzen. Diese<br />
Voraussetzung ist aber bereits in der Schule zu legen.</p>
<p><i>AlexaHof:</i><br />
Also zählt es für die Medienkompetenz einer Person nicht<br />
nur, mit den neuen Medien umgehen zu können? Man muss also noch ein tieferes<br />
Verständnis dafür entwickeln?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Die Neuen Medien sind ja nur Träger von<br />
Information und Wissen, das, worauf es eigentlich ankommt, sind eben Wissen<br />
und Information. Und da haben wir ein semantisches Problem. Wie beurteilen<br />
wir dieses Wissen und was fangen wir damit an? Dasselbe gilt für die<br />
Kommunikation. Wir können diese Geräte für die eingelebte Kommunikation<br />
nutzen. Aber wenn wir einen Diskurs führen, müssen wir Information und<br />
Kommunikation bewerten und beurteilen.<br />
<i><br />
sabbatical08:</i><br />
Der zentrale Lernstoff, der vermittelt werden muss, um<br />
junge Menschen den Computer sinnbringend einsetzen zu lassen, ist nicht<br />
Medienkompetenz, sondern Quellenkompetenz &#8211; wie ist die Qualität einer<br />
Quelle zu beurteilen. Sehen Sie das auch so?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Das ist richtig, das ist die Definition, die<br />
Dieter Baacke aus Bielefeld mal formuliert hat und die heute noch in der<br />
Untersuchung der Bielefelder in dem Buch von Treumann und Meister et al.<br />
veröffentlicht wurde.</p>
<p><i>Moderator:</i><br />
Wie ist es denn Ihrer Erfahrung nach um die<br />
Quellenkompetenz der Studierenden bestellt? Rolf Schulmeister: Es hat eine<br />
sehr umfassende Untersuchung des University College London zusammen mit der<br />
British Library gegeben, die dieses Problem sehr gründlich untersucht hat.<br />
Danach sieht es nicht gut aus mit der Beurteilungskompetenz der<br />
Studierenden. Ich selbst kann nur über meine Studierende reden. Ich habe<br />
jetzt eine größere Untersuchung vor. Mich wundert aber, dass die<br />
Studierenden einem Menschen, der offensichtlich kompetent ist, Plagiate<br />
vorlegen.</p>
<p><i>Moderator:</i><br />
Ein Kommentar zur Quellenkompetenz:</p>
<p><i>freakofhouse:</i><br />
Also ich hab zu Beginn des Studiums einen Quellen-Kurs<br />
belegt, das war es. Da ging es den Lehrenden eher um die korinthenkackerisch<br />
richtige Zitierweise als um die Einschätzung der Qualität einer Quelle. Dann<br />
darf man sich doch nicht wundern.</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Völlig richtig, natürlich.</p>
<p><i>Moderator:</i><br />
Noch einmal zurück zur Diversität und<br />
Quellenkompetenz:<br />
<i><br />
AlexaHof:</i><br />
Aber basiert nicht jeder Studiengang &#8211; so verschieden diese<br />
auch sind &#8211; auf gewissen Grundkompetenzen? Ob ich nun Informatik, Biologie<br />
oder Germanistik studiere &#8211; die Kompetenz der Quellenkritik oder<br />
Quellenbewertung/ Recherche gehört doch unabhängig vom Fach zur<br />
Grundausstattung eines Studierenden. Ihre Meinung?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Ja und Nein. Einerseits kann man von so genannten<br />
heuristischen/methodischen Kompetenzen reden, die in allen Studiengängen<br />
gleich sind. Andererseits muss man in den Fächern mit unterschiedlich<br />
methodologisch strukturierten Inhalten umgehen. Und diese bedingen<br />
natürlich, dass man die Grundfertigkeiten auch variieren muss. Die neuen<br />
Studiengänge nach Bologna sehen ja hier einen Teil vor, den wir als<br />
Schlüsselkompetenzen oder Berufskompetenzen bezeichnen. Diese sollen in<br />
Zukunft verstärkt ausgebildet werden. Dafür sollen etwa 15 Prozent des ECTS<br />
vorgesehen werden.<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Ist denn die Mehrheit der Lehrenden von der Medienkompetenz<br />
schon weit genug, um Computer-Unterricht anzubieten?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Nein, also wir reden ja heute noch davon, dass wir<br />
noch immer die Fünf-Prozent-Hürde überspringen wollen. Ich denke, dass es<br />
wohl keinen Professor gibt, der nicht mit dem Computer umgehen kann. Aber ob<br />
er/sie sinnvolle Möglichkeiten erkannt hat, im Unterricht die Medien zu<br />
nutzen, das ist eine andere Frage.</p>
<p>derkieler: Was sind denn die wichtigsten (neuen) Schlüsselkompetenzen<br />
jetziger Studienanfänger? Rolf Schulmeister: Wie bereits gesagt, sollen ja<br />
jetzt die Schlüsselkompetenzen gefördert werden in der Annahme, das<br />
Studenten mit wenig Kompetenzen aus der Schule kommen. Ich hätte gerne<br />
Schlüsselkompetenzen wie Neugierde, Skepsis, forschendes Verhalten, mehr<br />
Geduld mit Ungewissheiten oder Unsicherheiten, das Warten auf die Wahrheit,<br />
da hätte ich gerne mehr davon.
</p>
<p>
<b>Zur<br />
Institution Hochschule allgemein</b></p>
<p><i>phlo:</i><br />
Können die Universitäten denn mit der rasanten technischen<br />
Entwicklung überhaupt mithalten und somit gewährleisten, immer adäquate<br />
Lehrmittel zu Verfügung zu stellen.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Das war vor zwanzig Jahren &#8211; aus Preisgründen &#8211; viel<br />
schwieriger als heute. Heute ist in den Hochschulen die Offenheit gegenüber<br />
den Medien groß und die Preise sind günstig. Ich denke, es gibt keine<br />
Schwierigkeiten in dieser Hinsicht. Das Thema hat einen weiteren Aspekt: Es<br />
geht um Geräte und um Software. In dem Bereich, über den wir reden, also<br />
Web2.0, ist ja die Software kostenlos. Das Problem ist eher die Software,<br />
die wir für die Forschung brauchen. Da gibt es sehr spezielle und sehr teure<br />
Software.<br />
<i><br />
s.thurner:</i><br />
Ist nicht ein zentrales Problem, dass Hochschulen eher<br />
innovationsfeindlich sind, wenn es um die Reform der inneren Strukturen geht<br />
(&quot;der Muff von 1000 Jahren unter den Talaren&quot;) 😉 Rolf<br />
<i><br />
Schulmeister:</i><br />
Zu dem letzten Spruch habe ich eine sehr enge Verbindung;<br />
ich war anwesend, als das geschah. Aber: Hochschulen sind aus verschiedenen<br />
Gründen sehr träge Institutionen. Sie haben es einerseits mit Studiengängen<br />
zu tun, die über Jahrzehnte laufen sollen, zweitens haben sie einen<br />
verbeamteten Lehrkörper, drittens weil wir kein Evaluationssystem haben,<br />
viertens weil es keine Leistungsbelohnungssysteme gibt. Von daher ist<br />
verständlich, dass die Hochschulen ihre Innovation im Wesentlichen durch den<br />
immer wieder rein kommenden Nachwuchs beziehen.
</p>
<p>
<b>Zum E-Learning Markt<br />
allgemein</b></p>
<p><i>lottad:</i><br />
Der E-Learning Markt und der ganze<br />
Werkzeug-Instrumentarienkasten des E-Learnings ist total unübersichtlich.<br />
Ist eine Marktklärung und auch eine Etablierung von Standards in dem Bereich<br />
zu erwarten? Wünschen Sie das?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich glaube nicht Letzteres. Es haben sich schon<br />
Marktführer herausgebildet. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, um die<br />
Übersichtlichkeit zu erhöhen, z.B. die von Baumgartner und meine. Es gibt<br />
auch Versuche, Standards zu entwickeln, beispielsweise die von IMS und<br />
<a href="http://www.e-teaching.org/glossar/ieee" onclick="popup('http://www.e-teaching.org/glossar/ieee/glossar_popup_view');return false;">IEEE</a>. Und die meisten Produzenten von Software orientieren sich auch an<br />
diesen Standards. Es gibt zwar auch Bereiche ohne Standards. Aber es ist<br />
davon auszugehen, dass auch diese bald geschlossen werden.<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Das waren gut 70 Minuten e-teaching.org-Expertenchat. Vielen<br />
Dank an Herrn Schulmeister für seine Antworten und natürlich vielen Dank an<br />
unsere Nutzer für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht<br />
alle stellen konnten.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>e-teaching.org-Expertenchat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Wittig]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 May 2008 11:10:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[e-teaching.org]]></category>
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					<description><![CDATA[Gibt es eine &#34;Net-Generation?&#34;
Prof. Dr. Rolf Schulmeister,  Gründer des Interdisziplinären
Zentrums für Hochschuldidaktik der Universität Hamburg und Initiator
des Studiengangs „Master of Higher Education&#34;, ist am Freitag, den 30.
Mai, von 14.00 bis 15.30 zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat.<a href="http://www.talksalon.de/?cid=162&#38;id=eteaching" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Ihre  Fragen können Sie bereits jetzt online stellen.</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gibt es eine &quot;Net-Generation?&quot;<br />
Prof. Dr. Rolf Schulmeister,  Gründer des Interdisziplinären<br />
Zentrums für Hochschuldidaktik der Universität Hamburg und Initiator<br />
des Studiengangs „Master of Higher Education&quot;, ist am Freitag, den 30.<br />
Mai, von 14.00 bis 15.30 zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat.<a href="http://www.talksalon.de/?cid=162&amp;id=eteaching" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Ihre  Fragen können Sie bereits jetzt online stellen.</a><!--break--></p>
<p>
Für Jugendliche stellen der Computer, das Internet und mobile<br />
Technologien selbstverständliche Requisiten ihrer Freizeitgestaltung<br />
dar. Sie treffen die beste Freundin am liebsten im Chatroom, was früher<br />
das Posiealbum war, ist heute das eigene Community-Profil. Kann diese<br />
Generation daher mit Recht als „Net Generation“ bezeichnet werden?
</p>
<p>
Ein Transfer der durch den Umgang mit dem Computer erworbenen<br />
Kompetenzen auf das Lernen scheint noch nicht – oder zumindest nicht in<br />
dem erwarteten Maße – stattzufinden. Die Benutzung des Computers sowohl<br />
für die Schulaufgaben als auch für das Studium in der Universität wird<br />
nüchtern als Mittel zum Zweck betrachtet. Was bringt den Jugendlichen<br />
ihre Medienerfahrung in Schule und Universtität? Und welche Erwartungen<br />
und Forderungen haben sie in Bezug auf die Lehre?
</p>
<p>
Im Rahmen des Expertenchats stellt sich Rolf Schulmeister den Fragen der e-teaching.org-Community.
</p>
<p>
<a href="http://www.talksalon.de/?cid=162&amp;id=eteaching" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stellen Sie jetzt schon Ihre Fragen </a></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Eigene Erfahrungen Grundpfeiler für Medienkompetenz&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eigene-erfahrungen-grundpfeiler-fuer-medienkompetenz-3817/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Mar 2008 12:09:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[e-teaching.org]]></category>
		<category><![CDATA[Marianne Merkt]]></category>
		<category><![CDATA[Master of Higher Education]]></category>
		<category><![CDATA[Qualifizierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Montag, den 03. März 2008, war Dr. Marianne Merkt, Dekanin des neuen Studiengangs &#34;Master of Higher Education&#34; am Zentrum für Hochschuldidaktik an der Universität
Hamburg, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eTeaching.org</a>-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie beantwortete Fragen rund um das Thema &#34;Qualifizierung&#34;.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, den 03. März 2008, war Dr. Marianne Merkt, Dekanin des neuen Studiengangs &quot;Master of Higher Education&quot; am Zentrum für Hochschuldidaktik an der Universität<br />
Hamburg, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eTeaching.org</a>-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie beantwortete Fragen rund um das Thema &quot;Qualifizierung&quot;.<br />
<!--break--> </p>
<p>
<b>Moderator</b>: Hallo liebe Nutzer, herzlich willkommen im e-teaching.org Expertenchat. Heute ist Dr. Marianne Merkt vom Zentrum für Hochschuldidaktik an der Universität Hamburg unser Gast. Sie betreut dort als Dekanin den Studiengang Master of Higher Education. Frau Merkt, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Ja, gerne.
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/merkt_foto.jpg" alt="Marianne Merkt" title="Marianne Merkt" height="171" width="127" />
</div>
<div style="text-align: center">
<i>Dr. Marianne Merkt,</i>
</div>
<div style="text-align: center">
<i>Dekanin für den &quot;Master of Higher Education&quot; </i>
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Vorteile des Weiterbildungsstudiengangs Master of Higher Education</b>
</p>
<p>
<b>Fryl</b>: Welche Vorteile hat man, wenn man auf sein Studium noch den Master of Higher Education aufsetzt?
</p>
<p><b></b></p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Vor allen Dingen hat man Vorteile, wenn man im Bereich von Studienreformprojekten oder E-Learning Projekten arbeitet, dann kommen ganz neue Anforderungen auf die Hochschullehrenden zu. Das ist eine neue Zielgruppe, die sich besonders für den Master of Higher Education interessiert.
</p>
<p>
<b>Facts und Infos zum Studiengang</b>
</p>
<p>
<b>Illiana</b>: Was unterscheidet den Master of Higher Education von anderen weiterführenden Studiengängen?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Der Master of Higher Education ist ein hybrider Weiterbildungsstudiengang, er ist berufsbegleitend. Hybrid heißt, dass man mit jedem Hochschulabschluss als Voraussetzung zum Master of Higher Education zugelassen wird. Ausnahme ist der Bachelor-Abschluss, der reicht als Zulassungsvoraussetzung nicht aus. Berufsbegleitend bedeutet, dass die Teilnehmenden als wissenschaftliche Mitarbeiter, Lehrbeauftragte oder Juniorprofessoren in der Hochschullehre tätig sind und ihre eigene Lehre im Weiterbildungsstudium weiterentwickeln möchten.
</p>
<p>
<b>Wickie</b>: Welche Vorbilder für den Master of Higher Education gibt es im Ausland? Welche Erfahrungen konnten Sie übernehmen?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Es gibt im Ausland keine Weiterbildungsangebote im Bereich der Hochschuldidaktik, die mit einem Masterabschluss beendet werden. Es gibt aber in den anglo-amerikanischen Ländern seit langem die Tradition, sich für die Hochschullehre weiterzubilden.<br />
Die „Center for Teaching and Learning&quot; in Amerika bspw. bieten Workshops für Lehrende und auch für Studierende im hochschuldidaktischen Bereich an. Ebenfalls aus Amerika haben wir das Konzept übernommen, dass unsere Teilnehmenden ein Lehrportfolio in Form einer Masterarbeit schreiben, womit sie ihre eigene Lehre dokumentieren und reflektieren. Was durch die Masterakkreditierung im Master of Higher Education neu dazugekommen ist, ist, dass über die Entwicklung des eigenen Lehrhandelns hinaus jetzt die theoretischen Bezüge wichtiger geworden sind. Das heißt, die Teilnehmer entwickeln nicht nur ihr eigenes Lehrhandeln weiter, sondern können am Ende des Studiums ihr eigenes Lehrhandeln und die Lernprozesse der Studierenden auch auf theoretischem Hintergrund beschreiben und begründen.
</p>
<p>
<b>Anne</b>: Wie muss man sich den Ablauf des Studiums vorstellen? Welche Module gibt es neben Mediendidaktik und was lernen die Studierenden so?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Zusätzlich zum Abschlussmodul werden die vier Module Planungskompetenz, Leitungskompetenz, Methodenkompetenz und das eben schon erwähnte Modul Medienkompetenz angeboten. Die Studierenden lernen eine Vielfalt von Methoden kennen, beispielsweise den Einsatz von Rollenspielen oder Simulationen in der Hochschullehre. Sie lernen ihr Kommunikationsverhalten und die Interaktion mit den Studierenden anhand von Kommunikationsmodellen, beispielsweise dem &quot;inneren Team&quot;, zu entwickeln. Und in dem genannten Modul Medienkompetenz lernen sie, Blended-Learning Szenarien für ihre Hochschullehre zu konzipieren oder Lernmodule zu entwickeln oder auszuwählen, die einen Mehrwert für das Lernen und Lehren in der Hochschule mit sich bringen. Am Ende des Studiums haben die Teilnehmenden gelernt, ein Evaluationskonzept für ihre eigene Lehre zu entwickeln, sie haben gelernt, sich mit Kolleginnen und Kollegen über didaktisch sinnvolle Methoden, beispielsweise des Prüfens, auszutauschen und Hospitationen und Team-Teaching als Bestandteil ihres professionellen Handelns zu verstehen.
</p>
<p>
<b>Anne Thillosen</b>: Wie lange dauert der Studiengang? Wo wird er angeboten?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Die Regelstudienzeit des Studiengangs beträgt zwei Jahre. Der Studiengang wird an der Universität Hamburg angeboten vom Zentrum für Hochschule und Weiterbildung, das bekannter ist unter dem ehemaligen Namen &quot;Interdisziplinäres Zentrum für Hochschuldidaktik&quot;.<br />
Zwei Jahre Regelstudienzeit bedeutet, dass wir als Studienanbieter sicherstellen müssen, dass die Teilnehmenden das Studium in zwei Jahren abschließen können. Die Studierenden entscheiden aber selbst, wie lange sie für das Studium brauchen. Die Reihenfolge der vier oben genannten Module kann frei gewählt werden. Die Lehrveranstaltungen sind als Workshops konzipiert. Zusätzlich wird mit den Lehrenden ein Leistungsnachweis vereinbart. Die Workshops und Leistungsnachweise sind nicht benotet. Die Modulprüfungen finden jeweils am Ende jedes Semester statt. Die Endnote setzt sich dann zusammen aus den Noten der vier Modulprüfungen, der Benotung der Masterarbeit und der mündlichen Abschlussarbeit.
</p>
<p>
<b>Chris</b>: Es gibt also keine Obergrenze an Semestern?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Nein, es gibt keine Obergrenze, da sich die meisten der Teilnehmenden ja in einer Qualifikationsphase befinden. Der weitaus größte Teil der Studierenden sind wissenschaftliche Mitarbeiter und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, die promovieren. Es wäre ein unnötiger Druck, wenn der Studiengang in zwei Jahren abgeschlossen werden müsste.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zwei Fragen zur Zielgruppe des Studiengangs:
</p>
<p>
<b>Horst</b>: An wen richtet sich das Studium genau? Junge Hochschullehrende? Juniorprofessoren?
</p>
<p>
<b>joker</b>: Eigentlich richtet sich der Master doch an (zukünftige) Hochschullehrende. Haben die nicht genügend andere Abschlüsse, als dass sie noch einen Master brauchen?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Die Zielgruppe ergibt sich ziemlich genau aus den Zulassungsvoraussetzungen. Zum Einen muss ein Hochschulabschluss nachgewiesen werden und zum Zweiten ist es erforderlich, die Einbindung in eine Hochschule nachzuweisen. Diese kann in Form eines Arbeitsvertrages über einen Lehrauftrag oder eines Arbeitsvertrages über eine wissenschaftliche Mitarbeit bestehen. Ebenso gilt als Nachweis die Bestätigung der Betreuenden oder des Betreuers über eine Doktorarbeit oder eine Habilitation. Das heißt, Zielgruppe ist der wissenschaftliche Nachwuchs. Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren gehören ebenso zur Zielgruppe.<br />
Zur zweiten Frage: Diese Frage geht in die Richtung &quot;Professionalisierung in der Hochschullehre&quot;. Hochschullehrende sind in Deutschland als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler professionalisiert und ausgebildet. Diese Ausbildung war auch durchaus ausreichend, solange Hochschullehrende in direkten Kontakt kleine Studierendengruppen unterrichten konnten.<br />
Bezeichnenderweise haben sich Hochschuldidaktische Zentren in den 1970er Jahren mit Einführung der Massenuniversitäten etabliert. Die Hochschullehre hat sich sehr weit ausdifferenziert. Die Studentenzahlen, die von den Hochschullehrenden zu betreuen sind, sind enorm gestiegen und ein einzelner Hochschullehrender wird heutzutage kaum noch einen einzelnen Studierenden über den gesamten Hochschulverlauf betreuen. Hinzugekommen sind neue Formen der Kommunikation und der Wissensvermittlung durch E-Learning. Für diese neuen Strukturen und Formen gab es bisher keine Ausbildung im Hochschulbereich und gerade mit der Einführung der Bologna -Strukturen zeigt sich, dass hochschuldidaktisches Wissen und eine hochschuldidaktische Ausbildung zusätzlich zur Kernprofessionalisierung als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler erforderlich geworden ist.
</p>
<p>
<b>muk82</b>: Eignet sich der Studiengang auch für Lehrerinnen und Lehrer?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Wir haben eine ganze Reihe von Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftlern im Studiengang, die Weiterbildung zielt aber in erster Linie auf Hochschullehrer und Weiterbildung. Insofern ist die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern nicht das eigentliche Ziel des Weiterbildungsstudiums.
</p>
<p>
<b>Lama</b>: Ist der Master of Higher Education tatsächlich berufsbegleitend zu schaffen? Die meisten wollen bzw. können sicher nicht noch mehrere Jahre neben dem Beruf studieren.
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Unsere Zielgruppe ist der Beweis dafür, dass es zu gehen scheint. Wir haben aktuell 130 Teilnehmer im Studiengang. Insofern denke ich, es ist durchaus machbar, berufsbegleitend zu studieren.
</p>
<p>
<b>simone</b>: Wird ein &quot;Shift from Teaching to Learning&quot; angestrebt? Wie viel Theorie, wie viel Praxis enthält der Studiengang?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Eigentlich ist unser hochschuldidaktisches Paradigma gerade genau andersherum. Die Schrift der Bundesassistentenkonferenz, mit der die Hochschudidaktik gegründet wurde, hatte den Titel &quot;Forschendes Lernen &#8211; Wissenschaftliches Prüfen&quot;. Die Motivation und das Interesse der Teilnehmenden ernst zu nehmen und für die Lernprozesse zu nutzen, ist uns ein wesentliches Anliegen. Diese Einstellung spiegelt sich auch im Workshopkonzept wieder, in dem die aktive Teilnahme der Studierenden ein wichtiges konzeptionelles Element ist.
</p>
<p>
<b>Arbeitsmarktchancen</b>
</p>
<p>
<b>cytbar</b>: Gibt es schon Erfahrungen, wie Absolventen des Master of Higher Education auf dem Arbeitsmarkt angenommen werden?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Ja, die gibt es, da der Studiengang in seinem Vorläufermodell schon seit 1999 besteht. Rückmeldungen haben wir von einer Reihe von Teilnehmenden, die ins Ausland gegangen sind, z.B. als Assistence Professor nach Amerika, als Lecturers nach England oder in Drittmittelprojekte nach Finnland. Ein weiterer Teil von Teilnehmenden hat bspw. mit der Qualifikation des Masters oder dem davor angebotenen Zertifikat Stellen in E-Learning-Projekten bekommen oder in Stellen, in denen eine didaktische Qualifikation erforderlich war, wie z.B. Professorenstellen für &quot;Didaktik der Biologie&quot;. Eine weitere Zielgruppe sind Teilnehmende, die sich dafür entscheiden, in der Hochschuldidaktik selbst weiter zu arbeiten.
</p>
<p>
<b>E-Learning im Studiengang Master of Higher Education</b>
</p>
<p>
<b>Perlhuhn</b>: Welche Erfahrungen machen sie mit Einsatz von E-Learning beim Studiengang?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Vielleicht kann ich das an einem Beispiel besonders gut deutlich machen: Uns ist es nicht wichtig, die neuen Medien , z.B. Web 2.0 -Tools einzusetzen, weil es diese gibt, sondern wir setzen sie dann ein, wenn sich für uns daraus ein Mehrwert für die Lernprozesse und das Lehren ergibt. Die Portfolios der Teilnehmenden im abschließenden Praxisbegleitseminar wurden im Zertifikatsstudium noch in Papierform erstellt, das heißt, wenn die Teilnehmenden sich darüber austauschen wollten, dann mussten für den nächsten Workshop von allen Portfolios Kopien gemacht werden und die entsprechend Lesezeit eingeplant werden. Mit Umstellung des Konzepts als E-Portfolio entwickeln die Teilnehmenden ihre ersten Ideen und Ansätze in einem gemeinsamen virtuellen Raum und haben die Aufgabe, sich schon sehr früh gegenseitig schriftliches Feedback zu geben. Die Rückmeldung der Teilnehmenden war immer wieder, dass sie aus diesen Feedbackaufgaben besonders viel für ihre eigenen Konzepte gelernt haben.
</p>
<p>
<b>Frodo</b>: Wie wird der Studiengang von Lehrenden wahrgenommen? Gibt es viel Misstrauen gegenüber dem Einsatz &quot;neuer&quot; Medien?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Die Einstellung zum Studiengang hat sich an der Universität Hamburg sehr stark geändert &#8211; im Kontext eines größeren Projekts, KoOp. Das Projekt war ein E-Learning Strategieprojekt der Hamburger Hochschulen, mit dem E-Learning nachhaltig in der Hochschullehre verankert werden sollte. Das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung hatte die Aufgabe, eine E-Learning-Strategie für die Universität Hamburg mit zu entwickeln und die Fakultäten bei der Entwicklung eigener E-Learning-Strategien zu beraten. Wesentliche Themen bei den Beratungen waren die Probleme der Bologna-Reform, insbesondere die Schwierigkeiten, die Studierenden bei geringer Lehrkapazität und geringen Ressourcen gut zu betreuen und die zusätzliche Prüfungslast durch die studienbegleitenden Prüfungssysteme in den Griff zu bekommen.<br />
Hier haben die Beratungen des ZHW zu neuen Ansätzen mit Hilfe von E-Learning geführt.<br />
Das hat dazu geführt, dass vor allem die Leitung der Fakultäten die hochschuldidaktische Weiterbildung des Studiengangs Master of Higher Education als sehr hilfreich einschätzen und ihren Mittelbau dazu motivieren, daran teilzunehmen.
</p>
<p>
<b>muk82</b>: Inwieweit ist für eine inhaltliche, aber auch technische Betreuung während der Selbstlernphasen gesorgt?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Die inhaltliche Betreuung übernehmen die Lehrenden, während der asynchronen Phase ist es meiner Erfahrung nach sehr wichtig, eine sehr klare Aufgabenstellung zu formulieren und die Termine gut und verständlich mitzuteilen. Eine wesentliche didaktische Erfahrung ist jedoch, dass die Studierenden durch eine kooperative Aufgabenstellung in der asynchronen Phase dazu angeregt werden, sich untereinander auszutauschen. Von diesem inhaltlich bezogenen Austausch lernen die Teilnehmenden sehr viel. Die technische Betreuung wird uns zum Teil vom Rechenzentrum abgenommen, wenn es sich um Lernplattformen handelt, die an der Universität Hamburg etabliert sind. Da wir aber immer wieder mit neuen Technologien experimentieren, beispielsweise mit Virtual Classroom Software oder Wikis, müssen wir die technische Betreuung für solche Konzepte selbst übernehmen.
</p>
<p>
Illiana: Was bedeutet Blended Learning ?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Der Ausdruck Blended Learning kommt eigentlich aus der Weiterbildung aus der Wirtschaft. Nach dem &quot;Hype&quot; des Online-Lernens hat man dort sehr schnell festgestellt, dass es bestimmte Aspekte von Präsenzlehren und -lernen gibt, die nur sehr schwer in Online-Arrangements übertragen werden können. Das heißt, man hat versucht, die positiven Seiten der Präsenzlehre oder -weiterbildung mit den positiven Seiten des Online-Lernens zu verbinden. Dafür hat sich dann der Begriff &quot;Blended&quot;, also wörtlich übersetzt gemischtes Lernen, durchgesetzt. Das Online-Lernen hat erst sehr viel später in der Hochschullehre Eingang gefunden und das Gewicht ist sehr viel stärker auf der Präsenzlehre geblieben.
</p>
<p>
<b>Anne Thillosen</b>: Was ist ein Lehrportfolio?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Lehrportfolios wurden im angloamerikanischen Raum eingeführt, um Bewerbern für die Hochschullehre die Möglichkeit zu geben, ihre Lehre zu dokumentieren, ihre Konzepte darzulegen und auch etwas über ihre Bildungsideen zu beschreiben. Das Lehrportfoliokonzept enthält zwei verschiedene Aspekte, die ganz wesentlich für den Einsatz im Studiengang Master of Higher Education sind. In der Prozessphase bei der Erstellung des Lehrportfolios dient die Portfolioarbeit als Reflektionsinstrument und nach Fertigstellung des Portfolios tritt der Produktaspekt stärker in den Vordergrund. Das heißt, die Studierenden im Studiengang Master of Higher Education dokumentieren im Lehrportfolio ihre Bildungsidee, das Verhältnis von Forschung und Lehre, wie es sich selbst für ihre eigene Lehre darstellt .<br />
Sie beschreiben beispielsweise innovative Seminarkonzepte, dokumentieren ihr Engagement für die Lehre, z.B. in Gremienarbeit oder im ehrenamtlichen oder Freizeitbereich und entwickeln ein Konzept, wie sie die Qualität ihrer eigenen Lehre verbessern wollen.
</p>
<p>
<b>Medienkompetenz von Studierenden und Hochschullehrenden</b>
</p>
<p>
<b>Maria</b>: Lässt sich Medienkompetenz eigentlich noch definieren oder ist es bei den vielen neuen Entwicklungen eher ein bewegliches Ziel, das schwer zu erfassen ist?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Die Frage ist, was man mit einer Definition erreichen möchte. Wenn ich Medienkompetenz definieren möchte, um die Einzelbestandteile der Medienkompetenz herauszufinden, dann habe ich vielleicht das wissenschaftliche Ziel, mir darüber klar zu werden, was das Spezifische der Medienkompetenz im Kompetenzbereich ist. Vielleicht möchte ich auch als möglicher Arbeitgeber herausfinden, ob ein Bewerber Kompetenzen mitbringt, die ich für einen bestimmten Arbeitsbereich suche. Unter hochschuldidaktischer Perspektive habe ich ein ganz anderes Ziel: Mit einer Definition von Medienkompetenz möchte ich beschreiben, was eine Hochschullehrende oder ein Hochschullehrender braucht und können muss, um neue Medien und E-Learning in der Lehre gewinnbringend einsetzen zu können. Dann wäre es wichtig, dass die Hochschullehrenden ihre eigene Lehre unter didaktischen Aspekten analysieren können, verstehen, wie die Lernprozesse der Studierenden unterstützt werden können und Erfahrungen haben, wie neue Medien und E-Learning sich dabei in spezifischen Situationen auswirken.
</p>
<p>
<b>Koolio</b>: Gibt es Grundpfeiler von Medienkompetenz, die jeder Studierende und Lehrende drauf haben sollte?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Ich denke, das Wichtigste sind wirklich die eigenen Erfahrungen. Ich habe vor acht Jahren die ersten Online-Seminare mit Hochschullehrenden durchgeführt und dabei eine besondere Lernumgebung aus Kanada eingesetzt. Damals fiel es den teilnehmenden Hochschullehrenden sehr schwer, sich in der Chatkommunikation zurecht zu finden, sie waren verwirrt von den sich ständig überkreuzenden &quot; Threads &quot;, sie konnten den unterschiedlichen Strängen kaum folgen, viele waren damit überfordert, die Beiträge der Moderatoren heraus zu filtern. Wenn ich mir den Chat heute anschaue, dann hat von den Teilnehmenden hier offensichtlich niemand mehr ein Problem damit und das würde ich als einen Teilbereich von Medienkompetenz bezeichnen. Das heißt, ein wesentlicher Grundpfeiler der Medienkompetenz ist es, eigene Erfahrungen mit einem neuen Medium gemacht zu haben, sei es synchrones oder asynchrones Kommunizieren, sei es die Einstellung zu Wikis und deren Veränderbarkeit, oder sei es zu neuen Möglichkeiten wie Second Life.
</p>
<p>
<b>Illiana</b>: Mit welchen Methoden vermitteln Sie den Studierenden Medienkompetenz?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Wir sprechen von einer Inhalt-Form-Methoden-Korrespondenz.<br />
Wir bieten den Teilnehmenden z.B. im Seminar „Entwickeln von Blended-Learning-Szenarien&quot; die Möglichkeit, ein eigenes Konzept für ihre eigene Lehrveranstaltung zu entwickeln. Während des Workshops setzen wir dafür eine Lernplattform, z.B. WebCity, ein. Das heißt, die Teilnehmenden probieren kleine Teile ihres Konzepts in der Rolle der Lehrenden mit den anderen Teilnehmern des Workshops in der Rolle der Studierenden aus. In einer ersten Phase setzen sich die Teilnehmenden mit Methoden auseinander, die ihnen für den Einsatz auf einer Lernplattform besonders geeignet erscheint, z.B. die Aufgabe, ein Mindmapping zum eigenen Sprachenlernen zu erstellen und dieses als Bild den anderen Teilnehmenden im Diskussionsforum zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet, die Teilnehmenden machen selbst in der Rolle der Studierenden Erfahrungen in der Lernplattform und mit den Schwierigkeiten, die Präsenz-Zeiten des Workshops mit den asynchronen Zeiten zwischen den Workshoptagen zu verbinden und haben am Ende des Workshops ein kleines Konzept für ihre eigene Lehrveranstaltung entwickelt, was sie in die eigene Lehre mitnehmen können.
</p>
<p>
<b>Equnix</b>: Wenn Sie die Medienkompetenz von Dozierenden beurteilen müssten, wie würde dieses Urteil ausfallen? Sollten für alle angehenden Hochschuldidaktiker Seminare in Medienkompetenz Pflicht sein?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Ich würde eine Weiterbildung nie zur Pflicht machen wollen. Ich denke aber, dass sich Hochschullehrende viele Möglichkeiten versperren, wenn sie sich mit dem Einsatz neuer Medien nicht auseinander setzen. Neue Medien sind für die jetzige Studierendengeneration ziemlich selbstverständlich und wenn wir nicht aufpassen, dann entstehen sehr schnell zwei Parallelwelten:<br />
Die Hochschullehre im Semesterwochen-Rythmus in Räumen an der Uni und die Studierenden, die sich sehr schnell virtuell vernetzen, dort ihre sozialen Kontakte suchen, sich zu Lerngruppen und in der Freizeit verabreden und kommunizieren. Es wäre für beide Gruppen sinnvoll, wenn diese Welten selbstverständlicher zusammenwachsen würden.
</p>
<p>
<b>Jan</b>: Wie kommt es eigentlich, dass viele Hochschullehrer noch nicht einmal die Grundlagen drauf haben, z.B. gut gestaltete PowerPoint -Folien?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Da würde ich sagen, das liegt an der fehlenden hochschuldidaktischen Weiterbildung. Es liegt auch daran, dass die hochschuldidaktische Weiterbildung seit Bestehen der hochschuldidaktischen Zentren ein Nischenleben geführt hat. Und es liegt daran, dass an deutschen Hochschulen traditionell erst die wissenschaftliche Qualifikation kommt, dann sehr lange nichts und dann irgendwann die Lehre. Diese Wertigkeit ist mit dem Bologna-Prozess in Bewegung geraten und durch die Studienreformprozesse und die Prozesse, die im Hintergrund als Organisationsentwickung und Veränderung der Hochschullandschaft aktuell stattfinden, wurde die Hochschullehre wieder zu einem wichtigeren Punkt an Hochschulen gemacht.
</p>
<p>
<b>Jochen</b>: Welchen Beitrag kann den Medienkompetenz dazu leisten, die Hochschullehre zu verbessern?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Wir sehen Medienkompetenz als ein Teil der hochschuldidaktischen Kompetenz. Das heißt, erst wenn man den spezifischen Lerngegenstand und die spezifischen Lernprozesse in einer spezifischen Lehrveranstaltung verstanden hat, kann man sich überlegen, wie neue Medien und E-Learning gewinnbringend eingesetzt werden können. Die Medienkompetenz besteht dann natürlich auch darin, einschätzen zu können, was sich durch ihren Einsatz verändert.<br />
Veränderungen finden ja nicht nur in den Inhalten statt. Durch den Einsatz von Lernmodulen gibt es eine neue Aufteilung in beispielsweise Selbststudienphasen, in denen Lernmodule eingesetzt werden können und in Phasen asynchronen Arbeitens, in denen ein erster Austausch unter den Studierenden erfolgen kann, so dass dann die Präsenzveranstaltungen genutzt werden können , um die Ergebnisse der Selbststudienphase und der Arbeitsgruppenphasen zusammenzuführen und weiterzuentwickeln.
</p>
<p>
<b>Didaktik in der Hochschullehre</b>
</p>
<p>
<b>merlot</b>: Didaktik ist ja so eine Sache &#8211; bräuchte jeder Hochschullehrer einen Master of Higher Education?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Ich denke nicht, dass jeder Hochschullehrende einen Master of Higher Education braucht. Wenn Hochschullehrende Weiterbildungsworkshops in Hochschuldidaktik nutzen, um ihre Lehre weiter zu entwickeln, dann ist das für einen Großteil der Hochschullehre völlig ausreichend. In dem Moment aber, wo es um innovative Ansätze um Projekte um Studienreformen und Veränderungen der Strukturen geht, ist eine Ausbildung wie der Master of Higher Education von großem Nutzen.
</p>
<p>
<b>Fabian</b>: Wie motiviert man HS-Lehrende, sich für Didaktik zu interessieren?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Hochschullehrende sind dann motiviert, sich mit Hochschuldidaktik auseinander zu setzen, wenn ihnen deutlich wird, dass ihnen die Hochschuldidaktik hilft, ihre eigenen ihnen wichtigen Lerngegenstände und wissenschaftlichen Positionen den Studierenden mitzugeben und wie sie problematische Situationen, die sich ihnen in der Lehre stellen, besser lösen können. Ein hochaktuelles Beispiel ist die Gestaltung der studienbegleitenden Prüfungen, die eine viel höhere Relevanz in der Hochschullehre bekommen haben.
</p>
<p>
<b>Fabian</b>: Ist ein Qualifizierungsprogramm für Hoschschuldidaktik nicht zu unspezifisch? Wie werden die Fachdidaktiken berücksichtigt?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Das ist eine sehr alte Auseinandersetzung der Hochschuldidaktik mit den wissenschaftlichen Disziplinen. Wenn man die hochschuldidaktischen Paradigmen ernst nimmt, dann beschäftigt sich die Hochschuldidaktik damit, wie Forschung und Wissenschaft den Studierenden kommuniziert, erklärt, verständlich gemacht werden kann und wie sie daran teilhaben können. Das heißt, als Hochschuldidaktiker kommen wir gar nicht umhin, uns als erstes mit den Inhalten der Lehre der Teilnehmenden auseinander zu setzen, bevor wir uns damit beschäftigen können, wie die Lernprozesse der Studierenden unterstützt werden können. Wir müssen also immer fachspezifisch vorgehen. Trotzdem gibt es übergreifend Aspekte, die der Hochschuldidaktik sehr wichtig sind, wie beispielsweise die Auseinandersetzung in interdisziplinären Workshops mit den Wissenschafts- und Fachkulturen unterschiedlicher Disziplinen. Sozusagen der Blick über den Tellerrand, der in einer heutigen Wissenschaftskultur besonders wichtig ist.
</p>
<p>
<b>Erfahrungen mit dem Studiengang</b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Als letzte Frage für heute:
</p>
<p>
<b>simone</b>: Den Studiengang gibt es jetzt ja schon eine Weile. Haben auch die Studiengangsanbieter etwas dazu lernen können? Können Sie uns an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben lassen?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Wir haben eine ganze Menge in den letzten zehn Jahren gelernt. Eine wesentliche Erfahrung war, dass es wichtig ist, die Perspektive der Teilnehmenden in die Weitergestaltung von Studiengängen mit einzubeziehen. Eine weitere wesentliche Erfahrung ist, dass der Austausch der Lehrenden im Studiengang untereinander, die ständige Diskussion darüber, wie z.B. Modulprüfungen am besten durchgeführt werden müssen, damit sie auch didaktisch sinnvoll sind &#8211; oder wie wir es bewerkstelligen können, dass die Flexibilität in der Wahl der Lehrveranstaltung für die Teilnehmenden erhalten bleibt &#8211; zwischen Teilnehmenden, Lehrenden und Leitenden des Studiengangs ein wesentliches Qualitätsmerkmal bei der Weiterentwicklung des Studiengangs gewesen sind.<br />
Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist, dass Forschungsprojekte am ZHW über die forschenden Personen, die gleichzeitig Workshops im Studiengang anbieten, in die Lehre des Studiengangs integriert werden.
</p>
<p>
<b>Letzte Worte</b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das waren 90 Minuten e-teaching.org-Expertenchat. Vielen Dank an Marianne Merkt für Ihre Antworten. Und natürlich vielen Dank an unsere Nutzer für die vielen Fragen. Frau Merkt, vielleicht noch ein Schlusswort?
</p>
<p>
<b>Marianne Merkt</b>: Im Moment ist in den Hochschulen in Deutschland sehr, sehr viel in Bewegung. Für viele unserer Kolleginnen und Kollegen sind diese Veränderungen bedrohlich. Ich denke, dass gerade diese Veränderungen, so hart wie die Belastungen sind, die sich daraus ergeben, aber auch viele Chancen eröffnen. Wir versuchen, diese Chancen für die Hochschullehre aus Sicht der Hochschuldidaktik möglichst gut zu nutzen. Ich würde mir wünschen, dass wir mit diesem Engagement möglichst viele Hochschullehrende anstecken können.</p>
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		<title>e-teaching.org-Expertenchat zum Master of Higher Education</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Mar 2008 08:52:23 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[e-teaching.org]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
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					<description><![CDATA[Vom Beruf zum Master – von der Pflicht zur Kür. Wer braucht den Master of Higher Education? Am
Montag, 3. März, ist Studiendekanin Dr. Marianne Merkt vom Zentrum für Hochschuldidaktik an der Universität Hamburg von 15.00 bis 16.30 Uhr zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. Jetzt schon Fragen stellen: <a href="http://www.talksalon.de/index.php?cid=132&#38;id=eteaching" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier entlang.</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Beruf zum Master – von der Pflicht zur Kür. Wer braucht den Master of Higher Education? Am<br />
Montag, 3. März, ist Studiendekanin Dr. Marianne Merkt vom Zentrum für Hochschuldidaktik an der Universität Hamburg von 15.00 bis 16.30 Uhr zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. Jetzt schon Fragen stellen: <a href="http://www.talksalon.de/index.php?cid=132&amp;id=eteaching" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier entlang.</a><!--break--></p>
<p>
Warum sollten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler noch einen weiteren Hochschulabschluss erwerben? Die Anforderungen an eine wissenschaftliche Qualifikation sind in Deutschland mit zwei Qualifikationsphasen, der Doktorarbeit und der Habilitation oder<br />
Juniorprofessur, doch schon hoch genug. Diese Frage wird Dr. Marianne Merkt, Studiendekanin des Studiengangs „Master of Higher Education“ im Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung (vormals IZHD) der Universität Hamburg oft gestellt. Am 3. März wird sie sich ab 15 Uhr im Live-Chat<br />
auf e-teaching.org diese und andere Fragen beantworten.
</p>
<p>
Der Studiengang Master of Higher Education ist der erste curricular geordnete hochschuldidaktische Studiengang in Deutschland. Eines der vier Module zielt explizit auf die Vermittlung von Medienkompetenz ab. Aus welchen Beweggründen beginnen Studierende diesen Studiengang?<br />
Welche Rolle spielt die mediendidaktische Ausbildung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler?<br />
Stellen Sie jetzt schon Ihre Fragen an Dr. Marianne Merkt: <a href="http://www.talksalon.de/index.php?cid=132&amp;id=eteaching" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier geht es zum Chat.</a></p>
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		<title>&#034;Social Tagging&#034; in der Lehre ist selten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Nov 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
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		<category><![CDATA[Social Tagging]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 30. November war Prof. Dr. rer. nat. Thorsten Hampel, Juniorprofessor für Digitale und Kooperative Medien am Department of Knowledge and Business Engineering der Universität Wien, zu Gast. Im Chat beantwortete er Ihre Fragen rund um das Thema &#34;Social Tagging&#34;.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 30. November war Prof. Dr. rer. nat. Thorsten Hampel, Juniorprofessor für Digitale und Kooperative Medien am Department of Knowledge and Business Engineering der Universität Wien, zu Gast. Im Chat beantwortete er Ihre Fragen rund um das Thema &quot;Social Tagging&quot;.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hallo und herzlich willkommen zum e-teaching.org Expertenchat. Unser Gast heute ist Thorsten Hampel von der Universität Wien. So, Herr Hampel ist auch schon bei uns im Büro eingetroffen, wir können also pünktlich anfangen. Hallo Herr Hampel, danke, dass Sie sich heute Zeit für unseren Chat genommen haben.</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Vielen Dank für die nette Einladung hierher.</p>
<p><b>Moderator:</b> Zuerst die Frage, die unsere Nutzer im Vorfeld am besten bewertet haben:<br />
<b><br />
Dalai:</b> Grundsätzlich gefragt: Was versteht man unter Social Tagging und gibt es Unterschiede zur einfachen Verschlagwortung?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> &quot;Social Tagging&quot; ist natürlich eine ganz besondere Form der Generierung von Meta-Daten. Das besondere am Tagging ist zum einen, dass es völlig und bewusst unstrukturiert ist. Tagging ist auch nicht zwingend an Texte gebunden, sondern kann ebenfalls Bilder, Grafiken, Videos, schlicht alle multimedialen Daten umfassen.<br />
&quot;Social Tagging&quot; bedeutet, dass Menschen gemeinsam dieses Medium, also Tags, nutzen und dass sich zusätzlich aus diesen Strukturen auch soziale Strukturen zwischen Menschen ausbilden können. Deshalb &quot;Social&quot; für soziales Strukturieren von Wissen.<br />
Tagging ist ein recht neues Phänomen und setzt dem fast schon klassischen Semantic-Web einen Gegenpool entgegen. War beim Semantic-Web noch der Ansatz ganz gezielt strukturierte semantische Information für das Internet bereitzustellen, geschieht dies beim Tagging zunächst chaotisch, aber nach meiner Ansicht ähnlich effektiv.<br />
Wie erfolgreich das Ganze ist, erkennt man an der Vielzahl der erfolgreichen Web2.0-Applikationen. Dort findet man ja fast keine Applikationen mehr, die nicht eine Tag-Cloud enthält und sich Mechanismen des &quot;Social Tagging&quot; zu eigen macht.</p>
<p><b>Dr.Go:</b> Können Sie den Begriff Folksonomy für Laien erklären?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Folksonomy ist ein Kunstwort, was von Thomas Vander Wal geprägt wurde. Die Folksonomy steht für den sozialen Effekt rund um Tags. Das bedeutet, Menschen vergeben Tags und ich kann plötzlich aus den Tags anderer Menschen ähnliche Interessenlagen und damit ähnliche persönliche Strukturen ableiten. Es entsteht aus dem Taggen verschiedener Personen eine gewisse soziale Gemeinschaft, daher das Kunstwort &quot;Folk&quot; für &#8211; vielleicht griechisch &#8211; Gemeinschaft und &quot;Sonomy&quot; , abgeleitet aus Tagsonomy, also strukturiert.<br />
<b><br />
Features, Tools &amp; Anwendungen</b><br />
<b><br />
Tagomania:</b> Welche Plattform arbeitet Ihrer Ansicht nach am cleversten mit Tags?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Das ist schwer zu sagen. Aus meiner Sicht heraus arbeiten noch sehr wenig wirklich erfolgreiche Plattformen gut und vielversprechend mit Tags. Wir werden da in der nächsten Zeit noch Entwicklungen erleben, die um einiges stärker die Leistungsfähigkeit der Tags beweisen. Erste Ansätze erkennt man zum Beispiel in so banalen Applikationen (auf das Tagging bezogen) wie zum Beispiel &quot;Flickr&quot;. Hier dient das Tagging ja in erster Instanz nur dazu, Fotos für Freunde und Bekannte zur Verfügung zu stellen. Es funktioniert aber nach meiner Einschätzung besonders gut, weil es hier schon mit der Gruppen- und Rechtestruktur des Gesamtsystems verknüpft ist, dass heißt, man muss Tags wirklich mit Zugriffsrechten und mit der Gruppenstruktur seiner persönlichen Umgebung verknüpfen können. Erst dann erreicht es die Leistungsfähigkeit, die ich auch von zukünftigen Applikationen erwarten werde.</p>
<p><b>Uwe:</b> Gibt es feste Regeln wie Tag Clouds gebildet werden oder backt da jeder Dienst seine eigenen Brötchen?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Nach meiner Meinung hat sich da quasi schon ein Standard ausgebildet,<br />
indem eben häufig genannte Tags ja in der Schreibweise des jeweiligen Wortes des Tags größer dargestellt werden, also die Font entsprechend größer. Das liegt vermutlich daran, weil man diese Routinen für die Generierung von Tag-Clouds natürlich sehr einfach im Netz findet und diese in jeweiligen Applikationen integriert werden. Man kann sich natürlich um einiges spannendere Visualisierungen vorstellen, nämlich Darstellungsformen, in denen ich Tags semantisch untereinander verknüpfen kann und in denen mir semantische Relationen zwischen Tags flexibel dargestellt werden. Eine Darstellungsform wäre die, dass die Nutzer ihre Tag-Relationen selbst gestalten und flexibel arrangieren können. Das wäre dann ein kooperatives semantisches Strukturieren auf Basis von Tags.</p>
<p><b>siegurd: </b>Nachfrage: Was sind Clouds in Bezug auf Tags?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Eine Tag-Cloud ist genau diese genannte Darstellungsform, in dem ich eben alle Tags ihrer Häufigkeit entsprechend abgestuft textuell darstelle. Ich kann diese Tag-Cloud zur Navigation innerhalb einer beliebigen Web2.0-Applikation nutzen und das wird ja auch rege gemacht!</p>
<p><b>Murmeltier:</b> Wie lassen sich Feeds und Tags sinnvoll kombinieren?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Feeds sind erstmal eine sehr spannende und wichtige Fähigkeit des neuen Netzes, Informationen zielgerichtet an Nutzer zu liefern. Ich kann natürlich alle diese Fähigkeiten mit den Möglichkeiten des Taggings kombinieren. Die Möglichkeiten, die Ideen hierzu sind fast grenzenlos. Man muss seine ganzen abonnierten RSS-Feeds natürlich auch noch lesen. Das könnte ein Problem sein. 😉</p>
<p><b>flicka:</b> Finden Sie, normale Bookmarks sind komplett überflüssig geworden?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Bookmarks sind erstmal ein Mechanismus, Referenzen im Netz für sich persönlich zu verwalten. Das Gleiche und Ähnliches kann ich auch im Netz tun und natürlich mit Hilfe von Tagsystemen auch in Gruppen. Der Nachteil der Bookmarks ist natürlich, dass ich sie auf dem lokalen Rechner ablege, also nicht an verschiedenen Orten zur Verfügung habe und auch nur schlecht mit anderen Nutzern austauschen kann.</p>
<p><b>cpritz: </b>Wie und womit kann ich Tags erstellen? Gibt es bestimmte Tools? Wo/wie erfolgt die Integration bspw. in die eigene Site?</p>
<p><b>claudia:</b> Gibt es &#8216;Tagging&#8217; Programme die man ein eigene Applikationen integrieren kann?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Taggingsysteme werden mehr und mehr fester Bestandteil von verschiedenen Web2.0-basierten Arbeitsumgebungen und Toolkits, das heißt, wenn man eine Website oder auch ein Portal mit Taggingfähigkeiten ausstatten möchte, sollte man sich an den Möglichkeiten des jeweiligen Toolkits orientieren. Meines Wissens bieten die meisten Toolkits Mechanismen zur Integration des Taggingsystems in die private oder in die Portalwebsite.<br />
Eng damit verknüpft ist das Thema der Webservices bzw. MashUps. MashUps erlauben es, verschiedene Web 2.0 Anwendungen möglichst einfach miteinander zu verknüpfen. Ein Beispiel wäre, dass sich Delicious-Tagclouds in jede beliebige Applikation integrieren lassen.</p>
<p><b>groman:</b> Auf welche Plattformen oder allgemein Portale ließe sich das Tagging gut ausweiten?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Wir sollten, wenn wir über Tagging reden, immer die kooperative Strukturierung und Generierung von Wissen im Blick haben und das ist man automatisch in allen Bereichen des Wissensmanagement in Gruppen. Das klassische Feld des CSCW befasst sich mit Applikationen, die Menschen helfen in Gruppen Wissen zu generieren, zu strukturieren und zu verwalten. Hier werden Tagsysteme wichtige und einfache Mittel sein, um sich abzustimmen, also zu koordinieren und um Kooperationsprozesse zwischen sich zu strukturieren (Groupware).</p>
<p><b>LamPoon:</b> Wikipedia, eine Web 2.0 Vorzeigeplattform, nutzt Tags noch so gut wie gar nicht. Ein Fehler, oder?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Könnte man schon so sagen. Wobei, ob Wikipedia jetzt eine Web 2.0-Vorzeigeplattform ist, auch noch eine Frage wäre. Die Frage wäre nämlich, inwieweit man in einer doch zentral strukturierten Plattform auch sozialere Strukturen der Wissensorganisation erlaubt &#8211; und das ist ja genau das Tagging.</p>
<p><b>pille:</b> Google nutzt Tagging schon bei seinen GMails, warum sind andere Dienste noch so zögerlich im Umgang mit Tags?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Tags sind einfach erst zwei Jahre alt und Google ist in den Entwicklungen zur Zeit natürlich sehr schnell, wobei die grundlegende Idee, E-Mail-Kommunikation durch Mechanismen der Verschlagwortung zu strukturieren, seit den 60er Jahren existiert.</p>
<p><b>Tagging im E-Learning</b></p>
<p><b>Moderator:</b> Und nun zur zweithöchstbewerteten Frage aus unserer Vorab-Phase:</p>
<p><b>Lara:</b> Gibt es Beispiele für Social Tagging in der Lehre?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Beispiele für &quot;Social Tagging&quot; in der Lehre sind rar. Das liegt zum einen daran, dass Tag-Systeme sehr neu sind, zum anderen vielleicht aber auch daran, dass sich in der Lehre die festen Meta-Datenstrukturen etabliert hatten, im Sinne von Lehrenden für Lernende vorgegeben, was allerdings nicht bedeutet, dass diese Systeme sehr erfolgreich waren. Meiner Ansicht nach werden wir in den nächsten Jahren oder Monaten eine ganze Reihe erfolgreicher &quot;Social Tagging&quot;-Systeme für Lernanwendungen erleben. Erste kleine Beispiele finden sich in BibSonomy. Die BibSonomy erlaubt, digitale Semesterapparate mit Hilfe von Tagstrukturen sozial zu strukturieren. In den klassischen Lernumgebungen wie beispielsweise Moodle finden sich noch keine Tagsysteme. Das liegt daran, dass diese Systeme in sich viel zu wenig kooperative Lernumgebungen sind. Wirkliche kooperative Lernumgebungen mit Tagsystemen befinden sich zur Zeit im Aufbau; ein Beispiel könnte die DRUPAL sein, ein weiteres Beispiel ist das Paderborner KOALA-System, wo Tagsysteme für die Strukturierung von Lernumgebungen genutzt werden. KOALA ist eine Web2.0-Lernumgebung.</p>
<p><b>Fabian: </b>Welche Vorteile bietet Social Tagging für das E-Learning?</p>
<p><b>Thorsten Hampel: </b>Also, ich sehe &quot;Social Tagging&quot; als ein wichtiges Element für die kooperative Wissensgenerierung von Lernenden für Lernende. Tagging bedeutet in dem Zusammenhang, dass Wissen viel besser strukturierbar von den Lernenden für ihre persönlichen aber auch für ihre gemeinschaftlichen Lernperspektiven wird. Tagging ist einfach, leicht zu beherrschen und ist damit ein viel probateres Medium als beispielsweise die seit langen Jahren favorisierten Onthologien für Lehr-Lernzwecke.</p>
<p><b>hobbit: </b>Wie kann man sich ein konkretes Szenario von der Nutzung des Taggings beim E-Learning vorstellen?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Ich kann mir in diesem Zusammenhang alle Mechanismen vorstellen, die sich an kooperative Lernprozesse anlehnen, das heißt, Lernende tragen &#8211; in welcher Form auch immer &#8211; aktiv mit persönlich strukturierten Materialen zum Lernprozess bei. In diesem Zusammenhang lassen sich Tagging-Mechanismen beispielsweise auch zur Bewertung und zur Strukturierung des Lernprozesses nutzen.</p>
<p><b>Lara:</b> Nutzen Sie selber Social Tagging, um mit Ihren Studierenden oder Doktoranden Wissen zu teilen?</p>
<p><b>Thorsten Hampel: </b>(Die Frage ist gemein!) Leider viel zu wenig. Ich verwalte Referenzen auf Websites über Taggingplattformen (beispielsweise Delicious). Und im Zuge unseres Workshops (am 21.-22. Februar in Tübingen, Mehr Informationen unter www.gmw-online.de/tagging) sehen wir uns zur Zeit eine Vielzahl von Plattformen an. (übrigens gibt es bei dem Workshop auch ein „Social Program“!).</p>
<p><b>Moderator:</b> Ein Kommentar zum Tagging in der Lehre:</p>
<p><b>claudia:</b> Tag Clouds, die sich auf einen Semesterapparat beziehen, können Lehrenden helfen, den tatsächlichen Wissenstand der Studierenden zu verorten.</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Ja kann man so sagen. Wobei ich kein großer Freund einer Lernfortschrittskontrolle bin, schon gar nicht wenn sie automatisiert geschieht. Zunächst sollten wir getaggte Informationen den Gruppen der Lernenden selbst helfen, weniger als Monitoring und Kontrollinstrument.(Als Schüler hätte ich sonst immer schöne fertige, gut aussehende Tag-Clouds parat gehabt).</p>
<p><b>Nachteile &amp; Probleme</b></p>
<p><b>hopfe:</b> Oft sind Tags sehr schwammig oder einfach viel zu allgemein, wie kann man Abhilfe schaffen?</p>
<p><b>Thorsten Hampel: </b>Ich würde erstmal Tagsysteme nicht reglementieren wollen. Die Erfahrung zeigt, dass sich Tagsysteme in ihrer Komplexität und Granularität durch die Nutzer selbst strukturiert organisieren. Das bedeutet: Viele Nutzer orientieren sich in der Vergabe ihrer Tags an den Tags anderer Nutzer. Das heißt, Tagsysteme erhalten im Idealfall irgendwann auch die Qualität einer ganz einfachen Onthologie.</p>
<p><b>Cpt.Morgan:</b> Ich sehe ständig falsch gesetzte Tags, z.B. bei Fotoportalen. Müssen/sollten Admins Taglisten nicht manuell nachbessern?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Wenn wir das tun, dann ist man natürlich nicht mehr bei der grundsätzlichen Idee des &quot;Social Tagging&quot; sondern dann hätten wir ein &quot;Admin Tagging&quot;. Natürlich ist Spam, auch Spam in Tagging, ein Problem &#8211; da sind vielleicht Filtermechanismen zukünftig gefragt.<br />
Im Prinzip ist man in der gleichen Situation wie noch vor zehn Jahren, als die ersten Websites mit beliebig vielen Meta-Tag-Attributen ausgestattet wurden und die Suchmaschinen sich irgendwann nicht mehr an diesen Meta-Informationen orientieren konnten.</p>
<p><b>j-kay:</b> Ich verstehe nach wie vor nicht, wieso Tags zwingend besser als Ordner sein sollen. Haben Ordner nicht in manchen Bereichen klare Strukturierungsvorteile?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Das ist auf jeden Fall so. Ordner sind erst einmal eine persönliche Strukturierung, die natürlich an der Schreibtischmetapher orientiert sind, das heißt, ich fasse Objekte in einem Ordner zusammen. Tags sind hier um einiges vielschichtiger; ich versehe ein Objekt mit verschiedenen semantischen Attributen. Mit Hilfe dieser Attribute kann ich das Objekt in verschiedenen Kontexten wiederfinden, oder auch eben andere Nutzer können es mit Hilfe dieser Tags wiederfinden. Das heißt, Ordner und Tags sind erst einmal unterschiedliche Dinge.</p>
<p><b>Moderator:</b> Zwei Fragen zu den Nachteilen von Social Tagging:</p>
<p><b>saruman: </b>Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Nachteile beim Social-Tagging?</p>
<p><b>fritze:</b> Was sind denn Nachteile von Tagging? Ich meine, wenn ich tausend Bookmarks habe und dazu dann noch ohne Ende Schlagworte packe, dann wird das ja nicht unbedingt übersichtlicher, oder?</p>
<p><b>Thorsten Hampel: </b>Der größte Nachteil der &quot;Social Tagging&quot;-Systeme ist zunächst der, dass ja die grundsätzliche Idee des semantischen Strukturierens im Netz und insbesondere des Semantic-Web die war, dass ich maschinenerschließbare Zugriffe auf das Internet erhalte. Sprich: Suchmaschinen sollten besser werden und ich sollte auch beim Browsen semantisch unterstützt werden. Tags erlauben zunächst nur sehr schlecht, dass sich Maschinen oder Computer aus den Tags anderer Nutzer Informationen ableiten. Forscher arbeiten zur Zeit daran aus Tagstrukturen, aus Folksonomys, für Maschinen oder Suchmaschinen auswertbare Strukturen abzuleiten. Inwieweit das vollständig gelingen wird, kann ich bis jetzt nicht sagen.<br />
<b><br />
hobbit:</b> Gibt es Risiken für den Missbrauch von Tagging (bspw. für Werbung oder Propaganda)?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Tagging-Dienste haben Probleme mit Spammern. Im Prinzip unterliegen natürlich alle Taggingsysteme den gleichen Risiken und Problemen wie jedes User-Generated-Content-Tool.<br />
<b><br />
Tagging made in Germany?</b></p>
<p><b>dMoll:</b> Die Internationalität von Tags ist doch immer noch ein Riesenproblem, oder? Schließlich sind die meisten auf Englisch!<br />
<b><br />
Thorsten Hampel: </b>Das sehe ich eigentlich nicht so als großes Problem. Natürlich sind viele Web 2.0-Anwendungen wie beispielsweise MySpace.com zunächst in den USA entstanden. Diese Systeme werden aber schnell in andere Kulturkreise wachsen und mit diesen verschiedenen Kulturkreisen ergeben sich natürlich auch eigene Tags.</p>
<p><b>weberwu:</b> Gibt es schon Forschung über das Taggen von Tags, damit man weiß, dass z.B. Deutschland und Germany dasselbe sind?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Viele interessante Arbeitsgruppen im Bereich der KI (Künstliche Intelligenz) beschäftigen sich genau mit dieser Fragestellung. Im Prinzip handelt es sich dabei um das, was ich mit dem Matchen von Onthologien meinte. Das heißt, man versucht ähnliche Tags zu erkennen und allgemein gesprochen aus Tagsystemen semantische Strukturen abzuleiten.<br />
Mehr dazu können Sie auf dem Workshop zum Social Tagging erfahren, der aktuell von der GMW veranstaltet wird. Vom 21. bis 22. Februar im schönen Tübingen. Mehr Informationen dazu gibt es unter <a href="http://www.gmw-online.de/tagging/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.gmw-online.de/tagging/</a> (Und erst das &quot;Social Program“!)</p>
<p><b>Tagging im Unternehmen</b></p>
<p><b>siegfried: </b>Welchen Stellenwert hat Social Tagging in Unternehmen?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Leider noch einen sehr geringen, wobei meiner Meinung nach auch &quot;Social Tagging&quot;-Mechanismen für beliebige Knowledge-Management-Aktivitäten in der Industrie genutzt werden können. Ich habe beispielsweise im letzten Semester mit meinen Studenten in Wien den Prototypen eines China-Collaborateurs entwickelt, der es verschiedener Firmen erlaubt, mit Hilfe von beliebigen getaggten Fähigkeiten Ähnlichkeiten und Fähigkeiten anderer Firmen zu finden und damit Geschäftsbeziehungen flexibel aufzubauen. Anwendungsfeld war hier europäisch-chinesische Kooperation zwischen Firmen.</p>
<p><b>Community Building</b></p>
<p><b>Leon:</b> Funktioniert Social Tagging denn immer? Was ist das Rezept für erfolgreiche Communities ?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Schon Howard Rheingold hat gesagt, dass ein wichtiges Merkmal für virtuelle Gemeinschaften ein gewisser realer Bezug dieser Gemeinschaften ist, ein gewisser realer sozialer Bezug (passion for topics &#8211; geteilte Leidenschaft), wie zum Beispiel bei Flickr die Leidenschaft für Fotografie. Das bedeutet, dass natürlich auch diese Grundstrukturen einer Gemeinschaft auch im &quot;Social Tagging&quot; vorhanden sein müssen.</p>
<p><b>Uwe:</b> Gibt es eine Daumengröße ab wann (Anzahl Nutzer, Dokumente) das Social Tagging funktioniert?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Eine gewisse kritische Größe sollte schon erreicht sein. Tagging-Mechanismen sind zunächst nichts für ganz kleine Gruppen von Nutzern bzw. dort funktionieren natürlich die Folksonomy-Effekte eher schlecht. Der Effekt der Folksonomy ist erst ab Größenordnungen von &#8211; sagen wir mal &#8211; mehreren hundert aktiven Teilnehmern zu spüren.<br />
Das heißt natürlich nicht, dass Taggingmechanismen nicht auch für Kleingruppen sinnvoll wären. Hier stehen dann entsprechend die sozialen Abstimmungsprozesse innerhalb der Gruppe im Vordergrund und es müssen entsprechend viele Ressourcen in den Tag-Prozess einbezogen sein. Wenn fünf Leute fünf Seiten taggen, macht das keinen Sinn. Dann könnte man die Seiten auch nett bei einem Kaffee austauschen.<br />
<b><br />
Forschung zu Tagging</b></p>
<p><b>Durchlaucht:</b> Wie stark nehmen Nutzer die Möglichkeit des selbstständigen Verschlagwortens eigentlich an? Gibt es dazu Forschungen?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Ja! Die Nutzer nehmen das schon sehr gut an. Es gibt Untersuchungen, wie viele Nutzer welche Anzahl von Tags vergeben, das ganze wird auf Delicious gemacht, einige interessante Beiträge hierzu findet man auf den Websites der letzten W3C-Konferenz in Edinborough. Hier gibt es beispielsweise Untersuchungen, dass nur sehr wenige Nutzer mehr als 600 Tags vergeben. Viele nutzertypische Größen um die 100 Tags verwenden.</p>
<p><b>Tentalizer: </b>Sind Portale wie Delicious nicht eigentlich schon älter? Warum kommt in Deutschland so etwas immer so spät an?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> So viel später kommen die bei uns doch gar nicht an. Es kommt weniger auf die Nationalität an, sondern eigentlich viel mehr auf die Wissens- und Internetaktivitäten des Umfeldes.<br />
Viele Plattformen, die in den USA zur Zeit sehr in sind (Web 2.0-Plattformen), werden auch in den nächsten Wochen wieder verschwinden. Die Europäer sind hier zunächst etwas konservativer, was aber nicht heißt, dass nicht diese Plattformen und Werkzeuge einen ähnlichen Erfolg erleben werden wie in den USA. Google gab es auch einige Jahre später erfolgreich in Deutschland und ist heute die Suchplattform Nummer Eins.</p>
<p><b>gringo: </b>Wie kann die Social-Tagging-Community sich mehr Aufmerksamkeit sichern? Bisher ist es doch ein immer noch recht kleiner Kreis&#8230;</p>
<p><b>Thorsten Hampel: </b>Gibt es denn eine &quot;Social Tagging&quot;-Community? Ich würde eher sagen, es gibt eine Community zur Strukturierung von Wissen in Gruppen. Ich finde beispielsweise Dinge wie MindMaps, kooperative SharedWhite-Boards, etc. um einiges wichtiger als eine Tag-Cloud.<br />
Tagging ist eine Form vielfältiger Möglichkeiten der Wissensstrukturierung in Gruppen. In den letzten Jahren ist das WWW ja fast zu einem passiven Medium verkommen. Autoren haben Wissen für Nutzer bereitgestellt, alle aktiveren Formen der Wissensstrukturierung sind entsprechend wenig entwickelt. Dieser Trend dreht sich durch das Web 2.0 in gewisser Weise um. Tagging ist hierzu ein wichtiger Bestandteil.</p>
<p><b>Uwe:</b> Delicious bietet die Möglichkeit, über eine Schnittstelle, die Tagging-Daten auszuwerten. Sehe ich es richtig, dass eigentlich die meisten (alle?) empirischen Daten auf diesem einen Dienst beruhen?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Meistens schon. Es gibt aber auch Untersuchungen zu Flickr und BibSonomy wurde zum Beispiel speziell für Forschungszwecke entwickelt.. Problem ist vielleicht, dass hinzukommt, dass fast alle Forschungen zu Phänomenen des Taggings sehr neu sind.</p>
<p><b>Leon: </b>Wo macht man sich über Tagging schlau? Gibt es z.B. eine Übersicht mit interessanten Anwendungen/Portalen?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Man findet vielfältige Informationen zum einen bei den WWW-Konferenzen von W3C, das ist eine gute Referenz. In der Community Magnolia gibt es zum Beispiel eine Gruppe zu Folksonomys. Man kann auch einfach nach dem Begriff &quot;Folksonomy&quot; googeln und findet schon einige zigtausend Treffer.</p>
<p><b>Geotagging</b></p>
<p><b>CodeX0r: </b>Wie sehen Sie die Zukunft des Taggings? Mit GoogleMaps zum Beispiel ließe sich das doch noch stark erweitern, nicht wahr?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Das ist ein sehr spannender Hinweis. Wir stehen mit den Entwicklungen des Web 2.0 in einer Phase der Kontextualisierung des Internets. Wenn ich Referenzen oder auch Personen auf einer GoogleMap darstelle, dann kontextualisiere ich Dienste nach räumlichen Gegebenheiten. Weitere Web 2.0-Anwendungen werden diese Fähigkeiten noch weiter ausbauen.<br />
Das Internet wird mobiler und liefert mir Inhalte und Dienste meines entsprechenden Kontextes in dem ich mich aktuell befinde. Natürlich werden all diese Mechanismen enge Verbindungen zum &quot;Social Tagging&quot; aufweisen.</p>
<p><b>Charly:</b> Welche neuen Formen der Kontextualisierung von Informationen eröffnen sich durch Geo-Tagging oder Social Navigation?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Hierzu kann man noch einmal ausdrücklich auf die Vielzahl der interessanten Anwendungen verweisen. Deutsche Communities in diesem Bereich sind zum Beispiel &quot;Qype&quot; und &quot;SlideStar&quot;. Hier werden beispielsweise Tags dazu genutzt, Beziehungen zwischen virtuellen Welten und realen Orten herzustellen.</p>
<p><b>Digitale Bibliothek</b></p>
<p><b>Moderator:</b> Was sagen Sie zu Social Tagging in digitalen Bibliotheken?</p>
<p><b>Thorsten Hampel:</b> Bibliothekskataloge haben eine lange Tradition in der Verschlagwortung und Strukturierung des Medienbestandes. Tagging-Mechanismen stehen natürlich dieser klassischen Form des Findens und Suchens von Büchern entgegen. Meiner Meinung nach müsste man beide Mechanismen sinnvoll miteinander kombinieren. Man wird sich sicherlich nicht von seinen Klassifikationsmechanismen für Bücher oder Medien aller Art trennen wollen. &quot;Social Tagging&quot; kann hier jedoch helfen, Literatur und Referenzen auf einfachere Weise zu finden und durch den Nutzer verfügbar zu machen.</p>
<p><b>Letzte Tags…</b></p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 70 Minuten e-teaching.org Expertenchat zum Social Tagging. Vielen Dank an unsere Nutzer für die vielen Fragen und natürlich ein besonderer Dank an Herrn Hampel für die Antworten. Herr Hampel, vielleicht noch ein Schlusswort?<br />
<b><br />
Thorsten Hampel:</b> Ja, zunächst mein herzlicher Dank für die Einladung. Wir sollten in der Thematik in Kontakt bleiben. Ich denke, Tagging ist ein spannendes Feld, das für eine wirklich neue Qualität nutzerzentrierter Werkzeuge steht. Viel spannender als das Tagging isoliert zu betrachten finde ich die neuen Generationen von kooperativen Werkzeugen die wir in den nächsten Jahren erleben werden. Hier wachsen klassische Groupware-Applikationen, Community-Websites und der Arbeitsplatz des Nutzers zusammen.</p>
<p><i>Tags: Berlin Schluss Weihnachtsmarkt Ausstellung Glühwein Fertig Flugzeug Feierabend Wien Wochenende</i></p>
<p><b>Moderator: </b>Wir wünschen auch noch ein schönes Wochenende!
</p>
<p><b></b></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>E-Learning: FHs experimentieren mehr</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/e-learning-fhs-experimentieren-mehr-3618/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Oct 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Fachhochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Patricia Arnold]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Donnerstag, 4. Oktober, war Patricia Arnold von der Fachochschule München zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über elektronisches
Lernen an FHs und Lernstrategien im Mitmach-Web.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Donnerstag, 4. Oktober, war Patricia Arnold von der Fachochschule München zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über elektronisches<br />
Lernen an FHs und Lernstrategien im Mitmach-Web.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hallo und herzlich willkommen zum e-teaching.org-Expertenchat.<br />
An dieser Stelle wird Ihnen Prof. Dr. Patricia Arnold von der FH<br />
München heute Fragen zum Thema E-Learning an Fachhochschulen<br />
beantworten. Frau Arnold ist jetzt auch bei uns eingetroffen, wir<br />
werden also gleich beginnen: Vielen Dank, Frau Arnold, dass Sie<br />
uns heute Fragen zum Thema E-Learning an FHs beantworten. Können<br />
wir anfangen?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Ja. Sehr gerne.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/parnold85x.jpg" alt="Patricia Arnold" height="120" width="85" /><br />
<i>Patricia Arnold<br />
Fachhochschule München</i>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vor dem Chat hatten die Nutzer bereits<br />
einige Tage Zeit, Fragen zu stellen und darüber abzustimmen,<br />
welche heute den Chat eröffnen. Starten wir mit dieser hier:
</p>
<p>
<b>taraäten:</b> Haben Sie einen Überblick,<br />
in welchen Fachbereichen / Fächern E-Learning an FHs besonders<br />
häufig eingesetzt wird? Bestehen Unterschiede zu Unis?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold: </b>Für den Überblick kann<br />
ich auch noch mal auf diese <a href="http://www.verwaltung.fh-koeln.de/imperia/md/content/verwaltung/dezernat1/sg13/service/2006_05.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HIS-Studie<br />
zu E-Learning an Fachhochschulen</a> verweisen. Ich denke verstärkt<br />
wird E-Learning an Technischen Fakultäten an den Hochschulen<br />
eingesetzt. Aber auch die Sozialwissenschaften, zum Beispiel die<br />
Fakultät an der ich tätig bin, entdecken die Möglichkeiten<br />
des E-Learnings. An den Technischen Fakultäten, die ja in der<br />
Mehrzahl an den Fachhochschulen vertreten sind, ist die Affinität<br />
zu dem Medium eben ohnehin etwas größer, aber auch in<br />
der sozialen Arbeit. Ein Beispiel: Für meine Fakultät<br />
wird E-Learning jetzt zur Unterstützung der Lehre entdeckt,<br />
insbesondere durch den Bologna -Prozess.
</p>
<p>
<b>genaudso:</b> Gibt es eigentlich einen Unterschied<br />
zwischen E-Learning an Fachhochschulen und Unis? Warum?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Erklären Sie die Welt in<br />
zwei Sätzen. Also, das E-Learning als solches unterscheidet<br />
sich nicht, weil E-Learning an sich schon nicht eng definiert ist,<br />
sondern sehr viele unterschiedliche Konzepte mit E-Learning verbunden<br />
oder bezeichnet werden. Einen Unterschied sehe ich insbesondere<br />
in der Ressourcenfrage. Der Mittelbau an Fachhochschulen ist zahlenmäßig<br />
wesentlich geringer als an Universitäten und auch die Anzahl<br />
von größeren Forschungsprojekten ist geringer. Deswegen<br />
sind auch die Projekte, in denen E-Learning-Lösungen an FHs<br />
entwickelt worden sind, zahlenmäßig geringer. Dort wo<br />
E-Learning-Lösungen im Einsatz sind, sind die Unterschiede<br />
aber gering oder man hat die gleiche Bandbreite wie halt sonst auch,<br />
wenn man den Begriff E-Learning benutzt.<br />
Anderer Aspekt: Fachhochschulen machen ja von ihrem Lehrauftrag<br />
her „stark praxisorientierte Lehre“ und haben vielfältige<br />
Industrie- und Praxiskooperationen mit Organisationen außerhalb<br />
der Hochschule. Und genau für diese Kooperationen bietet E-Learning<br />
sehr viele Möglichkeiten. Ein Beispiel aus meiner eigenen Lehre:<br />
Ich kann eine Kooperation mit einer Schule sehr gut durch E-Learning-Plattformen<br />
unterstützen. Ich denke, das sind erstmal ein paar Schlaglichter<br />
auf die Unterschiede, aber auch auf das was vereint.
</p>
<p>
<b>Jürgen:</b> Sind die Strukturen an FHs experimentierfreundlicher?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Experimentierfreundlicher würde<br />
ich sagen ja, in der Weise, dass es eben die Kooperationen mit Unternehmen<br />
außerhalb und Entwicklungskooperationen gibt. Auf der anderen<br />
Seite sprechen die Aspekte, die ich vorhin genannt habe &#8211; die schlechtere<br />
Ausstattung mit Support und Ressourcen &#8211; gegen eine Experimentierfreudigkeit<br />
bzw. machen eine Experimentierfreudigkeit schwerer.
</p>
<p>
<b>kathy:</b> Wenn es um E-Learning geht, werden ja allerorten<br />
erstmal die Schwierigkeiten betont. Ein Wunder, dass überhaupt<br />
noch Unterricht stattfindet. Welche Faktoren begünstigen denn<br />
E-Learning an Fachhochschulen?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Begünstigende Faktoren sind<br />
aus meiner Sicht die vielfachen Kooperationen, wo es eben in der<br />
Natur der Sache liegt, hilfreich einen gemeinsamen Lern- und Arbeitsbereich<br />
nutzen zu können, und oft engagierte Hochschullehrende, die<br />
experimentierfreudig in ihrer Lehre sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mit wem kooperieren FHs?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold: </b>Ich würde sagen, FHs kooperieren<br />
nicht unbedingt wegen E-Learning. Die Nutzung von Lernplattformen<br />
oder Web 2.0-Anwendungen ist einfach ein Werkzeug zur Unterstützung<br />
der Kooperationen. Beispiel in meinem Bereich wäre eine Schule,<br />
die ihrerseits mit digitalen Medien und anderen Prüfungsformen<br />
wie E-Portfolios experimentiert und wo Studierende meiner Lehrveranstaltung<br />
diesen Prozess begleiten und unterstützen.
</p>
<p>
<b>Jürgen:</b> Ist die praxisorientierte Orientierung<br />
von FHs eine Chance, Studenten bei der Umsetzung &#8211; z.B. in Projektarbeit<br />
&#8211; zu involvieren?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Die praxisorientierte Lehre an<br />
Fachhochschulen bietet natürlich eine Menge Möglichkeiten.<br />
Wie im Beispiel unserer Kooperation mit einer Schule kann so eine<br />
Projektarbeit, die ja oft an verschiedenen Orten stattfindet und<br />
ganz unterschiedliche Akteure integriert, eben durch einen virtuellen<br />
Arbeitsraum stark erleichtert werden.
</p>
<p>
<b>richard:</b> Sind viele FH-Studiengänge nicht<br />
an sich zu verschult, um innovative Lehre auszuprobieren? Häufig<br />
scheitert doch der Einsatz von Social Software an der Mentalität<br />
der Studenten, die auf Prüfungsleistungen fokussiert sind.
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> FHs sind im Zuge des Bologna-Prozesses<br />
ja gar nicht mehr „verschulter“ als Universitäten.<br />
Die neuen gestuften Studiengänge sind ähnlich reglementiert<br />
und natürlich ist die Prüfungslast sehr, sehr hoch. Das<br />
heißt, Experimentierfreude jenseits jeder Prüfungsorientierung<br />
kann man so ohne weiteres nicht voraussetzen. Aber man kann ja durchaus<br />
versuchen, die Dinge zu kombinieren, in dem man beispielsweise versucht<br />
mit neuen Prüfungsformen zu experimentieren, zum Beispiel <a href="http://www.e-teaching.org/didaktik/kommunikation/portfolio/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Portfolios</a>.<br />
E-Portfolios sind, kurz erklärt, digitale Sammelmappen, in<br />
denen „Werkstücke“ der Studierenden enthalten sind.<br />
Das können Konzepte, ausgearbeitete Fragestellungen oder Sachtexte<br />
sein und gleichzeitig Reflektionen der Studierenden zu diesen Werkstücken,<br />
zum Arbeitsprozess. Und solche E-Portfolios können durchaus<br />
auch Leistungsnachweise sein und damit auch prüfungsrelevant.
</p>
<p>
<b>joe:</b> Was bringt E-Learning denn für den Bologna<br />
Prozess?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Im Bologna-Prozess wird ja stark<br />
von dem studentischen „Workload“ ausgegangen, also die<br />
durchschnittliche Zeit die eine Studentin oder ein Student an Arbeitszeit<br />
in eine Lehrveranstaltung einbringt. Diese Arbeitszeit mit Materialien<br />
und Lernmaterialien zu unterstützen, kann über Lernplattformen<br />
und digitale Medien insgesamt sehr gut vorstrukturiert und unterstützt<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Huber:</b> Wie viel Geld investieren FHs in E-Learning<br />
und E-Teaching? Wie lassen sich durch elektronisches Lernen Kosten<br />
sparen?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Die Investitionen, glaube ich,<br />
sind an jeder Hochschule ganz unterschiedlich und oft schwer vernünftig<br />
zu erfassen, weil ganz viel vom Engagement einzelner Pionierlehrender<br />
abhängt. Das zum Einen. Zum Anderen: Einsparpotenzial. Ich<br />
denke, ganz langfristig sehe ich ein Einsparpotenzial, wenn wir<br />
die Vision vom Digitalen Campus &#8211; der Lehre, Administration und<br />
Forschung &#8211; in einer einheitlichen IT-Lösung unterstützt<br />
realisiert haben. Aber davon, das muss ich sagen, sind wir in meiner<br />
eigenen Praxis und an vielen Hochschulen, die ich kenne, noch ein<br />
ganzes Stück weit entfernt. Es dominieren sehr viele Einzellösungen<br />
und solange das so ist, ist das Einsparpotenzial, wenn man die Qualität<br />
der Lehre erhalten oder sogar verbessern will, gering. Man muss<br />
eher darauf achten, dass es nicht mit ganz viel Mehrarbeit für<br />
die Lehrenden einhergeht.
</p>
<p>
<b>Bellmann: </b>Was meinen Sie dazu: Förderprogramme<br />
und neue technische Entwicklungen sind sekundär. Es kommt auf<br />
die Menschen an, die E-Learning betreiben &#8211; oder eben auch nicht?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold: </b>Also dem zweiten Teil der Aussage<br />
stimme ich natürlich zu. Akteure beim E-Learning sind von zentraler<br />
Bedeutung. Ohne diejenigen, die E-Learning einsetzen, als Lehrende,<br />
oder die E-Learning nutzen als Studierende, lebt die Sache nicht<br />
und wird sich keine andere Lehr- und Lernkultur etablieren. Aber<br />
das heißt für mich nicht, dass Förderprogramme oder<br />
BMBF-Projekte nicht einen wichtigen Beitrag leisten. Genau diese<br />
Programme und Projekte haben oft die Anschubfinanzierung gestellt,<br />
ohne die bestimmte E-Learning-Formen nie entwickelt worden wären.<br />
Als ein Beispiel: Ein großes BMBF-Projekt, das Projekt „Virtuelle<br />
Fachhochschule“, aber auch in meinem jetzigen Bereich der<br />
Studienverbund BASA-Online, der hochschulübergreifend einen<br />
Online-Studiengang für Berufstätige an Fachhochschulen<br />
in der Sozialen Arbeit ermöglicht, sind aus Förderprogrammen<br />
und Projekten hervorgegangen und hätten ohne diese nicht entwickelt<br />
werden können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die nächsten zwei Fragen zu Fördermöglichkeiten:
</p>
<p>
<b>Caltech:</b> Welche Förderprogramme unterstützen<br />
Fachhochschulen bei der Einführung von E-Learning?
</p>
<p>
<b>Reintges:</b> Welche konkreten (finanziellen) Fördermöglichkeiten<br />
gibt es? Wo kann man sich erkundigen?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Es gibt auch da wieder verschiedene<br />
Fördermöglichkeiten. In der zweiten Förderwelle auf<br />
der Bundesebene standen ja Strategieprojekte im Vordergrund, die<br />
in Hochschulverbünden zu bearbeiten waren. Hier können<br />
eben Fachhochschulen genauso Projektpartner sein. Andere Möglichkeiten:<br />
Bei mir in Bayern zum Beispiel kann die Entwicklung von Online-Modulen<br />
durch den Hochschulverbund „ Virtuelle Hochschule Bayern “<br />
gefördert werden. Ähnliche Initiativen gibt es auch in<br />
anderen Bundesländern.
</p>
<p>
<b>fh:</b> Wie intensiv werden die Lehrenden für<br />
die Anwendung von E-Teaching Software geschult und was für<br />
Kosten entstehen dadurch?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Auch das ist natürlich an<br />
Hochschulen unterschiedlich. Es gibt im unterschiedlichen Maße<br />
Supporteinheiten. Die Kosten lassen sich schwer beziffern. Auch<br />
in einer Untersuchung, die wir gerade in Nordrhein-Westfalen gemacht<br />
haben, wurde deutlich, dass Schulungsmaßnahmen oft eben auch<br />
informell erfolgen, durch kollegialen Austausch und eben immer wieder<br />
durch Engagement von einzelnen Protagonisten im E-Learning. Wenn<br />
man hier auf Kostenersparnis hinaus möchte, dann muss man sicherlich<br />
diese Support- und Qualifizierungsmaßnahmen stärker bündeln<br />
und zentral vorhalten.
</p>
<p>
<b>f.dirks:</b> Wie stehen die Lehrenden an FHs E-Learning<br />
gegenüber? Sehen sie es als zusätzlichen Aufwand oder<br />
als Erleichterung?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Also ich würde sagen, in<br />
der ersten Reaktion: ganz klar als zusätzlichen Aufwand. Das<br />
liegt daran, dass es eben oft noch keinen großen Support gibt,<br />
keine etablierten Strukturen zur Erstellung von digitalen Medien.<br />
Wenn Lehrende dann aber den Schritt gemacht haben &#8211; das ist die<br />
Erfahrung an meiner Hochschule &#8211; dass sie die Präsenzlehre<br />
effektiveren können, weil man eben besser vorbereite Studierende<br />
hat und sich Kenntnisse stärker angeglichen haben, dann steigt<br />
oft die Bereitschaft sprunghaft an. Bei uns an der FH in München<br />
war es zunächst ein kleiner Kreis, der die Lernplattform genutzt<br />
hat. Über Gespräche zwischen den Kollegen, aber auch weil<br />
die Studierenden es zum Teil selbst einfordern, sind immer mehr<br />
Kolleginnen und Kollegen mit im Boot und nutzen die Lernplattform.<br />
Die Arbeitsentlastung kommt eben erst dann, wenn man Dinge auch<br />
mehrfach digital unterstützt.
</p>
<p>
<b>else: </b>Erhalten Sie Deputatsreduktion für<br />
den Einsatz von E-Learning? Welche anderen Anreizsysteme gibt es?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Deputatsermäßigung<br />
wäre natürlich ein sehr gutes Anreizsystem. Für die<br />
Administration und die Qualifizierung der Kolleginnen und Kollegen<br />
an meiner Fakultät erhalte ich eine geringe Deputatsermäßigung,<br />
die natürlich in keiner Weise das abdeckt, was dort wirklich<br />
an Arbeit investiert wird. Neben der Deputatsermäßigung,<br />
denke ich, ist ein Anreizsystem eben die langfristige Arbeitsentlastung.<br />
Die entsteht eben durch Mehrfachnutzung von Materialien und Verknüpfung<br />
von Verwaltungsprozessen und Lehr- und Forschungsprojekten digital<br />
unterstützt. Das ist zumindest meine Vision. Aber diese Integration<br />
lässt, wie vorhin schon gesagt, noch etwas auf sich warten.
</p>
<p>
<b>Meister:</b> In welchem Forum tauschen sich den FH-Dozenten<br />
über ihre Erfahrungen im Bereich E-Learning aus?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Ich denke einmal, an den einzelnen<br />
Hochschulen muss man Austauschmöglichkeiten schaffen. Wir haben<br />
auf unserer Lernplattform ein Austauschforum geschaffen. Aber andererseits<br />
finde ich selber auch sehr wichtig, über den eigenen Tellerrand<br />
hinauszuschauen und mache von daher auch immer Werbung für<br />
e-teaching.org, über den Zusammenhang wir hier ja zusammen<br />
gekommen sind, weil hier ja eine Online-Community existiert, von<br />
an E-Learning-Interessierten, wo vielfältig Erfahrung von Interessierten<br />
hochschulübergreifend ausgetauscht werden können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zur Akzeptanz bei den Studierenden:
</p>
<p>
<b>tara:</b> Was geben die Studierenden für Feedback<br />
auf elektronisches Lernen? Kommt es gut an?
</p>
<p>
<b>Meister:</b> Mal was anderes: wie akzeptieren FH-Studenten<br />
E-Learning?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Also in der Regel ist die Akzeptanz<br />
von Studierenden meiner Erfahrung nach höher als die der Lehrenden.<br />
Aber es hängt natürlich davon ab, wie gut die verschiedenen<br />
E-Learning-Formen mit der Präsenzlehre verknüpft sind.<br />
Die erste Ebene, einfach nur die Bereitstellung von Materialien,<br />
ist mittlerweile ein Standard, den viele Studierende einfordern.<br />
Virtuelle Kooperationen und Arbeitsgruppen müssen natürlich<br />
besser und sehr durchdacht in ein Gesamtlehrveranstaltungskonzept<br />
integriert werden und werden nur dann gut akzeptiert, wenn das Konzept<br />
stimmig ist.
</p>
<p>
<b>TJeschke:</b> Vermutlich praktizieren Sie kein reines<br />
E-Learning &#8211; Wie kann Ihrer Meinung nach ein Blended-Konzept an<br />
einer FH aussehen? Wie sind Sie vorgegangen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dazu gleich eine Nachfrage von mir:<br />
Was versteht man unter Blended Learning?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Blended Learning verstehe ich<br />
einmal so, dass man eine Kombination hat aus Online-Lernphasen,<br />
die selbst gesteuert sind, und Präsenzphasen. Wenn ich bislang<br />
hier von E-Learning gesprochen habe, dann habe ich E-Learning immer<br />
im Sinne von Blended-Learning gemeint, also in der Kombination von<br />
beiden Elementen, weil an Fachhochschulen ja die Präsenzlehre<br />
in überschaubaren Lerngruppen einen hohen Stellenwert hat.<br />
Zur ersten Frage: Blended-Learning kann eben die Präsenzlehre<br />
ergänzen und unterstützen. Ein Beispiel aus meiner Lehre:<br />
In einer Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten unterstütze<br />
ich die Veranstaltung kontinuierlich durch Lernaufgaben von Woche<br />
zu Woche auf der Lernplattform. Die Studierenden bereiten sich so<br />
in Kleingruppen auf die wöchentliche Lehrveranstaltung vor<br />
und wir nutzen die gemeinsame Präsenzzeit, sozusagen: Wir steigen<br />
auf einem höheren Niveau ein und klären nur die noch offenen<br />
Fragen und diskutieren die unterschiedlichen Aspekte des Themas.<br />
Die Grundlagen haben sich die Studierenden in den Lernaufgaben über<br />
Material, Hinweise und Online-Diskussionen bereits erarbeitet. Das<br />
ist dann auch genau der studentische „Workload“, den<br />
wir als Hochschule ja auch nachweisen müssen. Und zu meinem<br />
eigenen Vorgehen vielleicht noch eine Ergänzung: In einer Fakultät<br />
für angewandte Sozialwissenschaften, in der wir Bachelor-Studierende<br />
für Soziale Arbeit haben, ist es ganz wichtig, an der Präsenzlehre<br />
anzusetzen und E-Learning eben als Ergänzung und Vertiefung,<br />
mit den Stärken die die digitalen Medien eben haben, zu nutzen.
</p>
<p>
<b>dunja:</b> Ihr Forschungsschwerpunkt sind ja Online-Communities.<br />
Ist Web 2.0 aus Ihrer Sicht nichts Neues oder ändert sich tatsächlich<br />
die Netzkultur und damit auch ein Kontextfaktor für die Lehrbedingungen<br />
an Hochschulen?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold: </b>Web 2.0, denke ich, ist durchaus<br />
etwas Neues. Es ändert sich zwar nicht automatisch eine Netzkultur<br />
und insbesondere keine Lehr- und Lernkultur. Aber der Gedanke der<br />
Partizipation, der mit Web 2.0 verbunden ist, wird durch die neuen<br />
Web2.0-Werkzeuge sehr stark gestärkt und hält auch Einzug<br />
in die Lehre. Als Beispiel: Ich arbeite bei vielen meiner Lehrveranstaltungen<br />
mit begleitenden Wikis, die dann auch verschiedene Studierendengenerationen<br />
weiter pflegen und bestücken. Das würde ich zwar nicht<br />
als Online-Community bezeichnen, aber es ist ein erster Kern von<br />
einer längerfristigen Vernetzung von Studierenden und Lehrenden<br />
über eine Lehrveranstaltung hinaus.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Begriff Web 2.0 bedarf Klarstellung:
</p>
<p>
<b>knittermann:</b> Was ist denn Web 2.0?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Web 2.0 ist ein weiteres Schlagwort<br />
und umfasst eine ganze Anzahl neuer Werkzeuge im Internet, wie zum<br />
Beispiel Wikis, Webblogs, Social Bookmarking, et cetera. Deren Kennzeichen<br />
ist, dass sie einerseits kostenlos zur Verfügung stehen, dass<br />
sie intuitiv zu bedienen sind und von den Nutzern selbst weiterentwickelt<br />
werden. Ein Stichwort ist „User Generated Content“,<br />
deutsch nutzergenerierte Inhalte. Um den Gegensatz deutlich zu machen:<br />
Man hat lange im E-Learning an Hochschulen ausschließlich<br />
Lernplattformen oder Learning- Management-Systeme gehabt, welches<br />
geschlossene Systeme sind. Nutzer müssen sich registrieren<br />
und nur eine festgelegte Gruppe kann die Plattform nutzen. Web 2.0-Werkzeuge<br />
hingegen sind offen. Im Standard können alle Interessierten<br />
Beiträge leisten und das bietet sich eben auch in Kooperationsprojekten<br />
an, wie in dem vorher zitierten Beispiel mit der Schule. Das Wiki,<br />
das dort entsteht, kann eben auch von Lehrerinnen und Lehrern an<br />
der Schule genutzt werden. Mit einem Learning-Management-System<br />
wäre es sehr kompliziert,<br />
Außenstehende aus einer Schule zuzulassen.
</p>
<p>
<b>kriz: </b>Sind Ihre Wikis frei zugänglich? Manche<br />
Dozenten haben ja Angst, dass sie mit Materialien, die offen im<br />
Netz stehen, Plagiaten Vorschub leisten.
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Also meine Wikis sind frei zugänglich.<br />
Zunächst: Ich würde sie dann schließen, wenn ich<br />
größere Spamprobleme bekomme, was aber netterweise noch<br />
nicht der Fall war. Das Plagiatproblem sehe ich anders. Das wird<br />
nicht verstärkt aus meiner Sicht durch frei verfügbare<br />
Materialien auf Wikis, sondern da muss man an anderer Stelle mehr<br />
Sensibilität für die Plagiatproblematik schaffen. Frei<br />
zugängliche Materialien entsprechen aus meiner Sicht auch dem<br />
Gedanken, der ja immer mehr Gewicht gewinnt, von Open Access und<br />
Open Educational Ressources, also dem Prinzip, Wissensressourcen<br />
frei zugänglich zu halten und auch Bildungsressourcen frei<br />
zugänglich zu machen.
</p>
<p>
<b>dunja:</b> Wie alt sind Ihre Lehrwikis? Haben Sie<br />
es schon erlebt, dass ein Wiki nach mehreren Jahrgängen „abgeschlossen“<br />
ist, also die Weiterentwicklung nicht mehr als Arbeitsauftrag lohnt?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Da müsste ich nachfragen:<br />
Was bedeutet in diesem Fall „abgeschlossen“?<br />
Natürlich wechseln Themenschwerpunkte und Zuschnitte der Veranstaltungen,<br />
so dass ich mir durchaus vorstellen kann, Wikis für einen begrenzten<br />
Zeitraum aufzubauen und nach zwei drei Jahren andere Akzente zu<br />
setzen. Da ich seit anderthalb Jahren selbst erst an der Hochschule<br />
bin, sind meine Wikis noch nicht älter als anderthalb Jahre.<br />
Und sie laufen alle noch.
</p>
<p>
<b>bernd:</b> Welche Erfahrungen haben Sie mit E-Learning<br />
in virtuellen Welten , beispielsweise Second Life ?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Also, ich selber habe das noch<br />
nicht eingesetzt. Vor allen Dingen weil ich an vielen Stellen den<br />
Eindruck habe, dass die Studierenden im Schnitt bei uns nicht die<br />
richtige Hardwareausstattung haben. Ich weiß aber von Beispielen,<br />
und ich denke da ist durchaus Potenzial drin, weil man eben in einen<br />
so realen virtuellen Kontext eintauchen kann.
</p>
<p>
<b>frager:</b> Wer ist denn der innovative Treiber im<br />
Feld E-Learning und Web 2.0? Wirtschaft oder Wissenschaften?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold: </b>Die innovativen Treiber sind<br />
aus meiner Sicht die Akteure. Die können natürlich im<br />
Wirtschaftsunternehmen sein, das können aber auch genauso Forscher<br />
in Projekten sein oder eben Hochschullehrende, die daran interessiert<br />
sind, zeitgemäße Lernformen zu machen und sich zumindest<br />
langfristig auch zu entlasten. Also den Unterschied Wirtschaft oder<br />
Wissenschaften &#8211; da muss ich rückfragen &#8211; diese Polarisierung<br />
sehe ich da nicht.
</p>
<p>
<b>kanalrat: </b>Machen Sie sich eigentlich auch Gedanken<br />
über neuartige Archivierungsstrategien? Man muss ja nicht das<br />
Rad immer neu erfinden?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Also das Rad nicht immer neu<br />
erfinden ist sehr stark auf meiner Linie. Ich denke, alle Hochschullehrende<br />
können stark davon profitieren, dass auch zu nutzen, was schon<br />
vorhanden ist und eher weiterzuentwickeln. Neuartige Archivierungsstrategien,<br />
da müsste ich überlegen. Vielleicht ist damit gemeint,<br />
auch stärker darüber nachzudenken und innovative Modelle<br />
zu entwickeln, wie man vorhandene digitale Medien für die Lehre<br />
und passende didaktische Konzepte für E-Learning schneller<br />
und einfacher für die Nutzung von anderen zur Verfügung<br />
stellen kann, also hier gute Austauschmodelle zu finden. Darin sehe<br />
ich eine Herausforderung. Und das beinhaltet natürlich auch,<br />
bereits entwickelte Online-Materialien und Konzepte gut zu archivieren.
</p>
<p>
<b>kanalrat:</b> Ich meine damit vor allem, wie man Ergebnisse<br />
so aufbereitet, dass man sie wirklich wieder findet. Denn man sieht<br />
den Wald vor lauter Bäumen nicht.
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold: </b>Ja, das Wiederfinden muss man<br />
organisieren und das klingt einfacher als es ist. Zum einen arbeitet<br />
man mit Metadaten und zum anderen wird ja im Zusammenhang mit Web<br />
2.0 auch mit nutzererzeugten Metadaten experimentiert. Da käme<br />
ein neues Schlagwort dazu: die Folksonomy, die sozusagen eine Taxonomie<br />
einer breiten Nutzergruppe darstellen.
</p>
<p>
<b>Roger: </b>Wie kann FHs der schnelle Einstieg ins<br />
E-Learning gelingen? Gibt es so was wie ein All-Inclusive-Paket?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold: </b>Das wäre schön. Das<br />
wünschten wir uns auch manchmal. Ein All-Inclusive-Paket rund-um-sorglos<br />
wäre wie gesagt nett, aber gibt es leider nicht. Aus meiner<br />
Sicht ist es wichtig, mit kleinen Schritten zu beginnen, sich bei<br />
einer Lernplattform daran zu orientieren, wo vielleicht einzelne<br />
Akteure schon Erfahrung haben und auf eine gute Benutzerfreundlichkeit<br />
zu achten und zu versuchen, auch schon im kleinen Lehre und administrative<br />
Prozesse gemeinsam zu unterstützen. Als Beispiel: Wir arbeiten<br />
an der Fakultät mit der Lernplattform Moodle und versuchen<br />
auch studienorganisatorische Fragen im Bereich des Studiendekanats<br />
über diese Lernplattform abzuwickeln und so schon eine kleine<br />
Integration zwischen administrativen Prozessen und Lehre hinzubekommen.
</p>
<p>
<b>frager:</b> Welche Systeme setzen sich denn eigentlich<br />
durch? Da konkurriert ja vieles mit vielem?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> In der Tat. Und das ist auch<br />
das, was die All-Inclusive-Lösung leider verhindert. Die Vielfalt<br />
der Lernplattformen einerseits, die jetzt noch mit den frei verfügbaren<br />
Web 2.0-Werkzeugen konkurriert, bindet viel Energie an den Hochschulen,<br />
weil viele Systeme parallel eingesetzt und unterstützt werden<br />
müssen. Pauschale Lösungen für alle gibt es aus meiner<br />
Sicht nicht. Open-Source-Lösungen, wie zum Beispiel Moodle,<br />
sind sicherlich eine Plattform, die stark verbreitet ist. Im Fachhochschulbereich<br />
insgesamt ist neben Moodle noch ILIAS und Stud.IP stark favorisiert.<br />
Aber es gibt an fast jeder Fachhochschule, die ich kenne, mindestens<br />
zwei Systeme im Einsatz.
</p>
<p>
<b>else: </b>Der Wunsch nach einheitlichen All-Inclusive-Lösungen<br />
überrascht mich etwas: Gehört für E-Learning-Aktivistinnen<br />
denn nicht auch der Spaß an der Technik und damit ein Interesse<br />
für neue Produkte dazu?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Also ich glaube, wenn wir jetzt<br />
konkret von Hochschullehrenden an einer Fachhochschule sprechen,<br />
dann ist das Potenzial für Experimentierfreude mit einzelnen<br />
technischen Produkten schnell aufgebraucht. Meine Kolleginnen und<br />
Kollegen, und auch ich, möchten lieber mit passenden didaktischen<br />
Konzepten experimentieren und solche weiterentwickeln, als sich<br />
wieder einmal bei einem neuen Werkzeug mit der nächsten Registrierungsroutine<br />
herumzuärgern. Da muss man sehen, dass Entlastung für<br />
die Lehrenden ein wichtiges Motiv ist, so dass man nicht mit ganz<br />
vielen verschiedenen technischen Plattformen zweckfrei experimentiert.<br />
Dazu ist die Arbeitslast insgesamt angesichts der vielen Umbrüche<br />
an Hochschulen einfach zu hoch.
</p>
<p>
<b>lifelonglearning:</b> Welche E-Learning-Angebote zur<br />
Nachqualifizierung bereits Berufstätiger gibt es?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Der Studiengang <a href="http://www.basa-online.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BASA-Online</a><br />
als Beispiel im Feld „Soziale Arbeit“ wäre ein<br />
solches E-Learning-Angebot. Er bietet eine wissenschaftliche Grundqualifizierung<br />
mit einem Bachelor-Abschluss für Berufstätige im Bereich<br />
der „Sozialen Arbeit“ an, also zum Beispiel Erzieherinnen/Erzieher<br />
und andere die in dem Feld bereits tätig sind, aber keine akademische<br />
Ausbildung haben. Weil das Studium zu 75 Prozent internetbasiert<br />
abläuft und nur zu 25 Prozent in Präsenzwochenenden, lässt<br />
es sich eben berufsbegleitend absolvieren. Ein Beispiel unter vielen.<br />
Der Bereich „Virtuelle Fachhochschule“ bietet in den<br />
Technischen Bereichen &#8211; konkret in den Bereichen Wirtschaft, Informatik<br />
und Technik &#8211; auch Berufstätigen grundständige Onlinestudiengänge<br />
nach dem gleichen Modell an. Und das ist schon eine gute Qualifizierungsmöglichkeit,<br />
die ohne den Einsatz von E-Learning nicht möglich wäre.
</p>
<p>
<b>mk:</b> Hallo Frau Arnold, wie sehen ihre Strategien<br />
für Qualitätsmanagement und Evaluation von E-Learning<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Qualität ist natürlich<br />
immer wichtig. Das heißt, beim Aufbau von neuen Studiengängen,<br />
wie beispielsweise dem genannten BASA-Online-Studiengang, finde<br />
ich es immer wichtig, dass es formative Evaluation gibt. Auch für<br />
den Einsatz bei uns im Regelstudienbetrieb wird der Einsatz der<br />
E-Learning-Formen im Rahmen der Lehrevaluation mitbetrachtet. Wir<br />
arbeiten im Moment daran, spezifischere Evaluationen zu E-Learning<br />
an unserer Hochschule zu etablieren, aber da spielen natürlich<br />
die schon angesprochene Ressourcenfrage und die vielen Wandlungen,<br />
die wir wegen Bologna gerade haben, eine Rolle.
</p>
<p>
<b>Tomas:</b> Für ganz unerfahrene&#8230;wo ist es denn<br />
am „sichersten“, mit kleinen Schritten zu beginnen?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Eine Möglichkeit, die oft<br />
als erster kleiner Schritt genutzt wird, ist auf einer Webseite<br />
oder auf einer Lernplattform erste Materialien zur Verfügung<br />
zu stellen. Ich würde aber versuchen, immer gleich einen Schritt<br />
weiter zu gehen und nicht nur Materialien dort zur Verfügung<br />
zu stellen, sondern das ganze mit Aufgaben zu verbinden: mit Rechercheaufgaben,<br />
Lernaufgaben, die aus dem zukünftigen Berufsfeld entnommen<br />
sind, und wo Ergebnisse entweder auf einer Lernplattform oder in<br />
wenigen Schritten auf einem frei verfügbaren Wiki eingestellt<br />
werden können, eben auch von Studierenden die dann auch ihre<br />
Arbeitsergebnisse gewürdigt sehen.
</p>
<p>
<b>jesemann: </b>Was raten Sie Ihren Fachhochschulkollegen<br />
in Sachen E-Learning? Sollten Sie mehr Experimentierfreude beweisen?
</p>
<p>
<b>Patricia Arnold:</b> Ich rate ihnen eben, den ersten<br />
Schritt zu machen und die Werkzeuge, die wir an der Hochschule zur<br />
Verfügung haben, mal zu nutzen und zu sehen, dass die Studierenden<br />
diese ersten Schritte oft stark würdigen. Außerdem rate<br />
ich ihnen, sich zu vernetzen, also auch mal die anderen Kollegen<br />
zu befragen und nicht jeden Schritt und jedes Konzept und jedes<br />
Werkzeug neu zu erfinden, sondern auch mal etwas von Kollegen zu<br />
übernehmen oder in Teamarbeit zu entwickeln.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren gute 75 Minuten e-Teaching.org<br />
Expertenchat. Vielen Dank an alle Nutzer für die Fragen und<br />
natürlich an Frau Arnold für die Antworten. Leider konnten<br />
aufgrund der Kürze der Zeit nicht alle Fragen gestellt werden,<br />
dafür bitte ich um Verständnis. Das Schlusswort für<br />
heute hat unser Gast, bitte, Frau Arnold:
</p>
<p><b>Patricia Arnold:</b> Vielen Dank erstmal für<br />
die Einladung. Ich kann eigentlich an alle Beteiligten nur appellieren:<br />
Erste Schritte zu machen und vor allen Dingen E-Learning-Formen<br />
an Hochschulen gemeinsam weiter zu entwickeln &#8211; gemeinsam innerhalb<br />
des Kollegiums, aber auch gemeinsam mit Studierenden, weil Partizipation,<br />
glaube ich, wirklich das entscheidende Stichwort ist.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/e-learning-fhs-experimentieren-mehr-3618/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Wo geht&#039;s bitte zur E-University?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wo-gehts-bitte-zur-e-university-3613/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[abackhaus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Sep 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[e-teaching.org]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Schmid]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/wo-gehts-bitte-zur-e-university-3613/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Freitag, 7. September, war Dr. Ulrich Schmid vom Multimedia Kontor Hamburg zu Gast im e-teaching.org Expertenchat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über E-Learning an Hochschulen und beschrieb die Einsatzmöglichkeiten von Lernmanagementsystemen im universitären Betrieb.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Freitag, 7. September, war Dr. Ulrich Schmid vom Multimedia Kontor Hamburg zu Gast im e-teaching.org Expertenchat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über E-Learning an Hochschulen und beschrieb die Einsatzmöglichkeiten von Lernmanagementsystemen im universitären Betrieb.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen zum e-teaching.org-Live-Chat<br />
mit Dr. Ulrich Schmid, Geschäftsführer des Multimedia<br />
Kontor Hamburg (MMKH). Unser Thema heute ist E-Learning an Hochschulen.<br />
Die ersten Fragen sind bereits eingelaufen, wir freuen uns auf Ihre<br />
Beiträge.<br />
Dr. Schmid chattet mit uns aus Berlin, wie sieht es aus, können<br />
wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ja.
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/uschmid85x.jpg" alt="Dr. Ulrich Schmid" height="120" width="85" /><br />
<i>Dr. Ulrich Schmid</i><br />
<i>Geschäftsführer Multimedia Kontor Hamburg</i>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vorab konnten die Nutzer bereits Fragen<br />
stellen und bewerten. Starten wir mit den Fragen mit den meisten<br />
Stimmen.
</p>
<p>
<b>AD:</b> Haben Dozierende genügend Zeit, um wirkungsvolles<br />
E-Learning oder Blended Learning zu betreiben oder muss eine separate<br />
E-Learning-Institution unterstützend eingreifen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Also: Wenn E-Learning auch heißen<br />
soll, ein Blog zu führen oder ein Wiki zu organisieren, dann<br />
würde ich sagen: &quot;Haben Sie die Zeit oder müssen<br />
Sie sich die Zeit nehmen?&quot; <br />
Anders sieht es aus, wenn es um die Entwicklung von multimedialen<br />
Lernmaterialien geht, das kann man nicht so ohne weiteres in die<br />
klassischen Lehre integrieren. <br />
Zur Institution: Ja, ich halte eine Institution, die Support anbietet,<br />
für wichtig. Vor allem auch im Blick auf Beratung und Qualifizierungsangebote.</p>
<p><b>Moderator:</b> Eine Nachfrage: Was ist denn Blended<br />
Learning?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ein Mix aus Onlineanteilen zum<br />
Selbststudium und traditionellen Lernsituationen im Seminar. Meistens<br />
überwiegt der Onlineanteil und es gibt bis zu drei Präsenzanteile<br />
am Anfang, in der Mitte und am Schluss.
</p>
<p>
<b>AD:</b> Welche deutsche bzw. internationale Hochschule<br />
hat bereits Erfolg mit E-Learning und wie?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ich würde sagen, alle Hochschulen,<br />
die ihre E-Learning-Aktivitäten strategisch ausgerichtet haben,<br />
die also wissen, was sie mit E-Learning erreichen wollen, haben<br />
Erfolg damit. Wobei Erfolg Verschiedenes bedeuten kann: Geld sparen,<br />
Qualität erhöhen, das Involvement der Studierenden erhöhen,<br />
ein modernes Image aufbauen.<br />
Erfolglos sind, denke ich, die Hochschulen und Fakultäten,<br />
die sich im Bereich E-Learning allein auf sporadische und individuelle<br />
Aktivitäten verlassen, weil das meistens an einzelnen Personen<br />
hängt und sobald diese Personen nicht mehr da sind, bedeutet<br />
dies auch das Ende der Aktivitäten. Also Beispiele gibt es<br />
inzwischen, denke ich, an allen Hochschulen in Deutschland. Wir<br />
haben in einer Befragung zusammen mit der HIS (Hochschulinformationssystem<br />
GmbH) herausgefunden, dass fast 90 Prozent aller Hochschulen inzwischen<br />
ihren Studierenden Online-Angebote in Form von Material und Kursanteil<br />
bereitstellen. Das ist also ein ganz breiter Prozess und die Bereitstellung<br />
von technologiebasierten Lernumgebungen ist heute kein Sonderfall<br />
mehr, sondern etwas ganz alltägliches. Wenn man da jetzt ein<br />
besonders gelungenes Beispiel heraus greifen will, dann würde<br />
ich einerseits auf die Aktivitäten der &quot;Virtuellen Hochschule<br />
Bayern&quot; hinweisen, weil es dort gelingt, auf einer sehr wirtschaftlichen<br />
Basis qualitätsvolle Online-Angebote bereitzustellen, andererseits<br />
aber auch multimedial anspruchsvolle Projekte, beispielsweise in<br />
der Medizinerausbildung, die sehr fallorientiert und problemorientiert<br />
vorgehen und zeigen, dass E-Learning wirklich den Problem- und Praxisbezug<br />
deutlich erhöhen kann.</p>
<p><b>Moderator:</b> Nun zur Frage, die unsere User auf Platz<br />
3 der beliebtesten Fragen gewählt haben:</p>
<p><b>b.hahn:</b> Lässt sich mit E-Learning für<br />
die Hochschulen Geld sparen oder kommen da noch höhere Kosten<br />
auf die Hochschulen zu?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Also ich würde sagen, man<br />
kann, wenn man will, Geld sparen &#8211; das setzt aber voraus, dass man<br />
sich genauer überlegt, was man will und dann möglichst<br />
professionell und wirtschaftlich diese Pläne realisiert. Beispielsweise<br />
indem man die Multimediaproduktionen an die einschlägigen Anbieter<br />
auslagert und nur für das Qualitätsmanagement sorgt. Man<br />
kann aber auch sehr viel Geld damit versenken, wenn man sich ganz<br />
auf das Handmade der hoch bezahlten Professoren und ihrer Mitarbeiter<br />
verlässt. Dann ist das sicherlich kein &quot;Business-Case&quot;.</p>
<p><b>Moderator:</b> Eine Nachfrage von:</p>
<p><b>knowledge:</b> 90% aller Hochschulen in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ja, in Deutschland.
</p>
<p>
<b>Brenda:</b> Stehen Qualität der Lehre und E-Learning<br />
nicht in einem gewissen Zielkonflikt zueinander?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ich würde sagen, es gibt schlechte<br />
Lehre und schlechtes E-Learning. Gute E-Learning-Angebote werden<br />
eine unvorteilhafte Lernsituation nicht aufwiegen. Letztlich kommt<br />
es darauf an, dass das E-Learning-Produkt möglichst gut auf<br />
die Nutzerbedürfnisse, die Lernstile der Lernenden, aber auch<br />
auf die Didaktik in dem jeweiligen Fach und des jeweiligen Lehrers<br />
angepasst ist.
</p>
<p>
<b>studi:</b> Welche Vorteile bieten sich denn für<br />
Studenten, wenn eine Hochschule auf E-Learning setzt? Was ist machbar,<br />
was sich mit &quot;herkömmlichen&quot; Methoden nicht realisieren<br />
lässt?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Also ganz klar ein sehr viel höheres<br />
Maß an (neudeutsch) Convenience (Bequemlichkeit), der Zugang<br />
zu Lernunterlagen ist sehr viel einfacher, die Flexibilität<br />
ist viel höher. All das, was üblicherweise genannt wird,<br />
wenn es um Orts- und Zeitunabhängigkeit geht.<br />
Ich würde ganz gern an der Stelle auch ein bisschen auf das<br />
Thema Web 2.0 hinweisen, weil ich glaube, dass gerade ein Thema<br />
wie &quot;Podcasting&quot; &#8211; oder auch der Einsatz von Blogs &#8211; den<br />
Studierenden sehr einfache und dazu kostengünstige Tools bietet,<br />
die ein sehr viel höheres Maß an Interaktion, Involvement,<br />
Kommunikation, Feedback, Kooperation, kurz Beteiligung anbieten<br />
und das halte ich für sehr, sehr wertvoll in der Lehre.</p>
<p><b>urs:</b> Wie werden Studierende dauerhaft motiviert,<br />
in einem Fernstudium an Diskussionen teilzunehmen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ich glaube nicht, dass man das<br />
so allgemein beantworten kann. Es gibt den sicherlich richtigen<br />
Hinweis auf die Bedeutung von Anreizen und Moderationen, aber ich<br />
halte es daneben auch für ganz wichtig, dass das E-Learning-Angebot<br />
oder die Diskussionsthemen sehr genau an die Bedürfnisse und<br />
Interessen der Teilnehmenden angepasst werden. Aber wie gesagt,<br />
eine &quot;Goldene Regel&quot; dafür gibt es wahrscheinlich<br />
nicht.</p>
<p><b>Moderator:</b> Es gibt Zustimmung:</p>
<p><b>joker:</b> Anmerkung: Stimme voll zu, Convenience und<br />
überhaupt Rahmenbedingungen sind bessere Argumente für<br />
E-Learning als Qualitätsverbesserung. Schlechte Lehre wird<br />
durch digitale Medien nicht geadelt und auch nicht umgekehrt.
</p>
<p>
<b>MBW:</b> @Urs @Herrn Schmid &#8211; das hat ja eindeutig<br />
auch mit der Bereitschaft zur Kooperation zu tun.</p>
<p><b>jve:</b> Um E-Learning aber wirklich nachhaltig zu<br />
integrieren, sollte man dann Top-Down- oder Bottom-Up-Strategien<br />
verfolgen? Bezogen auf Motivation und Anreiz der Dozierenden, die<br />
das Ganze ja tragen müssen.
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Aus meiner Sicht ist es unerlässlich,<br />
dass eine Hochschulleitung eine klare Position und eine nachhaltige<br />
Strategie zu dem Thema vorgibt. Also insofern Top-Down. Und ich<br />
muss dazu sagen, dass ich hier einen großen Handlungsbedarf<br />
sehe. Leider ist das Thema E-Learning für die meisten Hochschulleitungen<br />
nach wie vor ein klassisches Delegationsthema. Neben dem Top-Down<br />
braucht man aber auch die Bereitschaft Vieler und nicht nur der<br />
Lehrenden, sich in technologiebasierten Lernumgebungen bzw. sich<br />
für technologiebasierte Lernumgebungen zu engagieren. Das reicht<br />
von denjenigen, die die Infrastruktur bereitstellen, bis zu denen,<br />
die tatsächlich ein Lernmanagement-System (LMS) oder Ähnliches<br />
einsetzen sollen. Meines Erachtens nach ist es ganz wichtig, dass<br />
all diese Beteiligten mit guten Argumenten, aber auch der entsprechenden<br />
Unterstützung dafür gewonnen werden. <br />
In der HIS-Studie, die ich vorhin erwähnt habe, sagen im Übrigen<br />
die meisten Hochschulen, die wir gefragt haben, dass die wichtigste<br />
Maßnahme zur Steigerung der Nutzung von E-Learning durch die<br />
Lehrenden die Bereitstellung einfach zu bedienender Software ist.<br />
Ingesamt 94% und fast 90% der Befragten sagen nämlich, dass<br />
sie Beratungs- und Trainingsangebote für besonders wichtig<br />
halten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Viele User fragen zu weiteren Anreizen<br />
für Lehrende, E-Learning an Hochschulen zu betreiben. Stellvertretend<br />
zwei Fragen:</p>
<p><b>Brenda:</b> Was haben Hochschullehrer davon, E-Learning<br />
zu machen? Es ist aufwändig und sie bekommen ihr Gehalt doch<br />
sowieso.
</p>
<p>
<b>Hannes:</b> Wie könnten Anreizsysteme für<br />
Hochschullehrer aussehen? </p>
<p><b>Ulrich Schmid:</b> Ich dachte jetzt auch nicht in erster<br />
Linie an mehr Geld, sondern an befriedigendere Arbeits- und Lehrsituationen<br />
und an zufriedenere Studenten. Das Thema Anreizsystem halte ich<br />
für wichtig. In der Regel geht es dann um Reduktion des Lehrdeputats<br />
und ähnliches, aber ich glaube, dass all diese externen Anreize<br />
nicht ausreichen werden, aus einem internetkritischen Dozenten einen<br />
begeisterten Blogger zu machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Blogs:</p>
<p><b>joker:</b> Web 2.0 bedeutet letztlich Veränderung<br />
der Lehr-/Lernkultur. Wie kann eine Hochschule so etwas flächendeckend<br />
fördern, oder bleiben wir da wieder auf den Good Will von wenigen<br />
angewiesen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ich glaube dass die Net-Generation<br />
&#8211; ob die Hochschulen das wollen oder nicht &#8211; zu einer Veränderung<br />
der Lehr- und Lernkulturen führen wird. Dennoch ist es jetzt,<br />
sozusagen am Anfang dieser Innovationsdynamik, wichtig, dass die<br />
Hochschulen ihre Treiber in dem Bereich identifizieren und gezielt<br />
unterstützen. Das ist auch in Unternehmen so. Auch dort wird<br />
jetzt zunehmend auf Blogs und ähnliches gesetzt und auch dort<br />
spürt man, dass man mit einigen Wenigen vielleicht am Anfang<br />
größere Schritte machen kann, als mit Vielen einen kleinen<br />
Schritt.
</p>
<p>
<b>stenograph:</b> Halten Sie Bloggen für eine wünschenswerte<br />
Beschäftigung eines Dozenten?</p>
<p><b>Ulrich Schmid:</b> Absolut.</p>
<p><b>Hannes:</b> Können Hochschulen mit E-Learning<br />
Geld verdienen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ja. Ich habe ja schon gesagt, dass<br />
man, wenn man Geld verdienen will, eine entsprechende Geschäftsstrategie<br />
braucht und dazu gehört zunächst, sich klar zu werden,<br />
was man mit dem E-Learning-Produkt tatsächlich erreichen will<br />
und wie man ein solches Produkt möglichst wirtschaftlich herstellt<br />
und einsetzt. In den letzten Jahren allerdings ging es nach meiner<br />
Wahrnehmung ganz selten nur um ökonomische Gesichtspunkte beim<br />
E-Learning, sondern vorwiegend um die Steigerung der didaktischen<br />
Qualität, oder noch allgemeiner um die Imageverbesserung, weil<br />
man sich vom Thema E-Learning gewissermaßen einen Modernitätsvorteil<br />
verspricht. Auch das belegt übrigens unsere HIS-Befragung,<br />
in der der überwiegende Teil der Hochschulen ihr Engagement<br />
in Sachen E-Learning mit dem Hinweis auf eine bessere Außenwahrnehmung<br />
und Konkurrenzvorteile begründet. Außerdem glaubt man,<br />
dass man die Studierenden von heute nur noch erreicht, wenn man<br />
in Sachen E-Learning aktiv ist. Wenn es allerdings um wirtschaftliche<br />
Argumente geht, ist der überwiegende Teil der Hochschulen sehr<br />
skeptisch. Meines Erachtens nach unbegründeterweise.</p>
<p><b>Moderator:</b> Nachfrage zu bloggenden Dozenten:</p>
<p><b>stenograph:</b> Sollte sich ein Dozent nicht lieber<br />
um seine Lehrveranstaltungen und Sprechstunden kümmern?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Das eine Tun und das andere nicht<br />
Lassen, würde ich sagen. Außerdem sind Blogs meines Erachtens<br />
ein sehr wirkungsvolles Kommunikationsinstrument, das so manche<br />
Sprechstundenminute ersetzen könnte.</p>
<p><b>adyckhoff:</b> Viel E-Learning-Autorensoftware, die<br />
ich kenne, ist aufwändig zu bedienen, so dass die Erstellung<br />
von Inhalten Zeit kostet. Da muss sich noch einiges tun. Sollten<br />
Dozenten die Möglichkeit haben, E-Learning-Content-Entwicklung<br />
in Auftrag zu geben?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ja, ganz genau. Die bisherigen<br />
Erfahrungen zeigen, dass aufwändige Multimediaproduktionen<br />
nicht wirklich wirtschaftlich und effizient von den Lehrenden produziert<br />
werden können. Sie sollen das auch nicht tun. Ich bin der Meinung<br />
dass wir dringend eine Professionalisierung bei anspruchsvollen<br />
multimedialen Lernangeboten brauchen und zugleich den Lehrenden<br />
Unterstützung in der Nutzung aller einschlägigen &quot;Web<br />
2.0&quot;-Tools anbieten sollten.<br />
Moderator: Ein Einwurf zu bloggenden Dozenten und gleich darauf<br />
die nächste Frage:</p>
<p><b>MBW:</b> @Stenograph: Das ist doch eine Art Sprechstunde,<br />
die er von einem Kongress 1000km weit weg betreiben kann.
</p>
<p>
<b>jve:</b> Oft geht es aber leider darum, dass Hochschulleitungen<br />
mit dem Einsatz von E-Learning Geld einsparen wollen, da sie E-Learning<br />
als Ersatz für Lehre ansehen und damit mehr Studenten erreichen<br />
wollen. Qualität ist dabei sekundär, oder?</p>
<p><b>Ulrich Schmid:</b> Ich habe in meinem Studium durchaus<br />
Lehrerfahrungen gesammelt, die sich nicht durch hohe Qualität<br />
ausgezeichnet haben und damals stand das Thema E-Learning noch woanders.<br />
Aber ich gebe Ihnen Recht, dass die Kommerzialisierungsvorstellungen<br />
mancher Hochschulplaner kaum mit den tatsächlichen Möglichkeiten<br />
des E-Learnings vereinbar sind.</p>
<p><b>Carla:</b> Haben Sie selber eigentlich mal einen E-Learning-Kurs<br />
besucht?</p>
<p><b>Ulrich Schmid:</b> Oh ja, viele. Der letzte Kurs war<br />
ein Weiterbildungsangebot unserer universitären Weiterbildungseinrichtung<br />
zum Thema &quot;Management&quot;.
</p>
<p>
<b>tomleu:</b> Ist E-Learning-Content für Hochschulen<br />
auch für Unternehmen interessant und nicht zu theoretisch?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Leider haben Sie Recht. Das liegt<br />
auch daran, dass unsere E-Learning-Projekte an Hochschulen in aller<br />
Regel ausschließlich die Zielgruppe der Studierenden im jeweiligen<br />
Seminarkontext vor Augen hatten und sich kaum oder nur mit großem<br />
Aufwand für andere Nutzerbedürfnisse adaptieren lassen.<br />
elo: Wie sinnvoll halten Sie aufwändige Multimediaelemente<br />
in einem E-Learning-Kurs?Ulrich Schmid: Wenn es um die Herstellung<br />
eines Problem- oder Praxisbezugs in den Naturwissenschaften, in<br />
den Technikfächern, oder der Medizin geht, halte ich solche<br />
Elemente für unverzichtbar. Außerdem machen sie, denke<br />
ich, großen Sinn, wenn wir Jugendliche oder Kinder addressieren.<br />
Aber ich denke, dass auch die sozial- und geisteswissenschaftlichen<br />
Studierenden erfreut wären, wenn sich ihr E-Learning-Angebot<br />
nicht wie ein Tabellenkalkulationssystem anfühlen würde.</p>
<p><b>Moderator:</b> Viele Fragen zur Kooperation von Hochschulen<br />
in Sachen E-Learning:</p>
<p><b>adyckhoff:</b> E-Learning kann auch eingesetzt werden,<br />
damit Studierende einer anderen Uni an einem Kurs teilnehmen können.<br />
Viele Studierende, die ich kenne, fänden solche Angebote wünschenswert.<br />
Wird es solch einen Austausch bzw. eine Zusammenarbeit zukünftig<br />
vermehrt geben?
</p>
<p>
<b>Timo:</b> Welche Chancen und Probleme sehen Sie in<br />
internationalen Kooperationen zwischen Universitäten beim E-Learning?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Was den Austausch zwischen Hochschulen<br />
in Deutschland angeht, sind wir in der Tat über einige wenige<br />
Pilotprojekte mit &quot;Videoconferencing&quot; oder &quot;Teleteaching&quot;<br />
oder auch virtuellen Klassenräumen nicht hinausgekommen. Da<br />
liegt der Teufel oft im Detail, die organisatorischen Probleme solcher<br />
gemeinsamen Angebote lassen einen manchmal verzweifeln.<br />
Die Zahnbürstengeschichte halte ich dagegen inzwischen für<br />
überholt. Die Bereitschaft, hochschulübergreifend zu kooperieren,<br />
ist deutlich gestiegen. Aber wie gesagt, die technisch-organisatorischen<br />
Probleme sind manchmal überwältigend. Was die internationale<br />
Kooperation angeht, sehe ich eine enorme Dynamik im Bereich der<br />
OpenCourse-Ware oder OpenEducational-Ressources (OER). Inzwischen<br />
haben über 200 der weltweit führenden Universitäten<br />
mehrere tausend zum Teil sehr hochwertige Online-Kurse für<br />
jeden frei verfügbar ins Internet gestellt, darunter zum Beispiel<br />
das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, Stanford<br />
und die OpenUniversity in London. In diesem Zusammenhang können<br />
wir auch eine sehr hohe Bereitschaft zur Kooperation zwischen diesen<br />
Hochschulen feststellen. Außerdem haben sich inzwischen sogar<br />
Google und CreativeCommons darauf verständigt, eine professionelle<br />
Suchmaschine für OER-Content zu entwickeln. Die deutschen Hochschulen<br />
sollten wirklich versuchen, in dieser Bewegung mit zuspielen.
</p>
<p>
<b>Gneis:</b> Wie kann man Exzellenz in E-Learning erkennen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> An den leuchtenden Gesichtern der<br />
Lernenden.
</p>
<p>
<b>stenograph:</b> Wie soll man die Gesichter der Lernenden<br />
sehen, wenn es keine Präsenzveranstaltung mehr ist?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Webcam.
</p>
<p>
<b>Kämmerling:</b> Reusable Learning Objects sind<br />
sehr sinnvoll, doch ich kann das mit den technisch-organisatorischen<br />
Problemen nur unterstreichen! Finden Sie nicht, dass durch politische<br />
Förderung Anreizsysteme entwickelt werden können?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ja. Ich glaube, dass die derzeitige<br />
Situation in der Wissenschaftspolitik durch die Föderalismusdiskussion<br />
leider eher ungünstig ist, wenn es um die systematische hochschulübergreifende<br />
Bereitstellung von digitalen Lernmaterialien geht. Man kann nur<br />
hoffen, dass es den Hochschulen selbst auffällt und dann entsprechende<br />
Maßnahmen für eine bessere Koordination auch über<br />
Hochschul- und Landesgrenzen hinweg getroffen werden.</p>
<p><b>elo:</b> Wie viel Kostenaufwand und Arbeitszeitaufwand<br />
planen Sie für die Erstellung eines E-Kurses, der ansonsten<br />
zwei Wochen in Präsenz abgehalten wird?</p>
<p><b>Ulrich Schmid:</b> Schwierige Frage. Es hängt<br />
davon ab, ob es sich dabei um einen virtuellen Klassenraum handelt,<br />
oder um ein Content-Rich-Lernmodul, ob es dabei um Lernergruppen<br />
oder Einzellerner geht, ob es eine synchrone oder eine asynchrone<br />
Lernsituation ist und so weiter und so fort&#8230; Kurz: Darauf gibt<br />
es keine einfache Antwort.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es trotzdem eine Faustregel?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Eine Faustregel gibt es nicht.<br />
Aber (Kosten-) Beispiele: Soweit ich informiert bin, kostet ein<br />
Onlineseminar-Angebot bei der &quot;Virtuellen Hochschule Bayern&quot;<br />
etwa 50.000 Euro.</p>
<p><b>Timo:</b> OER: Kann man da schon was zur nachhaltigen<br />
Pflege des Materials sagen &#8211; oftmals ja ein wichtiger Punkt.
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ja. Das Qualitätsproblem in<br />
diesem Bereich ist wahrscheinlich eines der größten.<br />
Für eine gewisse Qualität bürgen natürlich die<br />
dahinter stehenden Institutionen. In manchen Projekten wird dieses<br />
Thema natürlich auch explizit behandelt, beispielsweise OER-Projekte<br />
der &quot;OpenUniversity&quot; in London und auch das MIT hat ein<br />
Qualitätssicherungssystem implementiert. In vielen anderen<br />
Bereichen und gerade auch da, wo es nur um die Bereitstellung von<br />
Audio- oder Videoaufzeichnungen als Audio- oder Podcast geht, ist<br />
das Qualitätsthema leider total vernachlässigt.</p>
<p><b>Daniela Lücke:</b> Wie können bspw. externe<br />
Lehrbeauftragte stärker in den E-Learning-Alltag der Hochschule<br />
einbezogen werden? Stichwort: Nutzung der Lernplattform, d.h. wenn<br />
jemand bspw. an mehreren Hochschulen lehrt und verschiedene Lernmanagementsysteme<br />
(LMS) vorfindet?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Das Problem mit der Vielfalt von<br />
LMS betrifft leider nicht nur die Lehrenden, sondern auch die Studierenden.<br />
Immer öfter hört man Klagen über die unterschiedlichen<br />
zum Einsatz kommenden Tools und LMS, die jeweils eine verschiedene<br />
Usability haben und es außerdem erforderlich machen, sich<br />
andauernd neu an- und abzumelden. Leider sehe ich keine Alternative<br />
auf der Systemebene. Wir werden im Gegenteil mit einer noch größeren<br />
Zahl von LMS und ähnlichen Systemen rechnen müssen. In<br />
Hamburg versuchen wir durch ein zentrales Identitymanagement-System<br />
auf mittlerer Sicht auch Single-Sign-On (Maßnahmen für<br />
eine einmalige Anmeldung bei verschiedenen Plattformen, Anm. der<br />
Redaktion) zu ermöglichen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein sehr informierter User &#8211; vielleicht<br />
müssten wir auch hier kurz klären, was gemeint ist:</p>
<p><b>Heinz Kriener:</b> Welche Rolle spielt die MOODLE Plattform<br />
in Hamburg und Deutschland, zusätzlich zu UKE Hamburg und Initiativen<br />
in Baden-Württemberg?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> MOODLE ist eine OpenSource-Lernplattform,<br />
die immer mehr Anhänger im Hochschulbereich findet. Ich kann<br />
leider nicht sagen, wie weit verbreitet dieses System inzwischen<br />
ist. Ich weiß aus Hamburg, dass es in verschiedenen Departments<br />
Einzug gehalten hat und habe auch schon gehört, dass MOODLE<br />
den großen Konkurrenten aus der kommerziellen Welt den Rang<br />
ablaufen soll.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Beitrag von:</p>
<p><b>Timo:</b> Single-Sign-On ist ja an mehreren Hochschulen<br />
ein Vorhaben, in Düsseldorf bspw. auch.
</p>
<p>
<b>duck:</b> E-Learning bereitet ja auch auf das Berufsleben<br />
vor. Internationale Sitzungen per Internetkonferenz sind nicht unüblich.<br />
Bereiten die Hochschulen darauf vor?</p>
<p><b>Ulrich Schmid:</b> Das halte ich für einen ganz<br />
wichtigen Gesichtspunkt, den wir bisher noch gar nicht diskutiert<br />
haben. Ich glaube, es gehört inzwischen zu den grundlegenden<br />
Kompetenzen, die man in einem Studium erwerben muss, mit IT-basierten<br />
Wissensumgebungen umzugehen und diese erfahrenen und erlernten Techniken<br />
auch in die Berufswelt hinein zutragen. Das erwarten die Unternehmen,<br />
manche setzen es auch voraus. Diese E-Learning-Kompetenz gehört<br />
meines Erachtens ganz wesentlich zur Employability, die Hochschulen<br />
ihren Studierenden ja zunehmend versprechen.</p>
<p><b>Ben:</b> Ist es via E-Learning jetzt oder zukünftig<br />
möglich, eine Lehrveranstaltungen parallel für Teilnehmer<br />
verschiedener Sprachen anzubieten (indem die Materialien übersetzt<br />
werden)?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Sicher. Die Frage ist nur, was<br />
es kostet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Einige Einwürfe kurz vor Schluss:</p>
<p><b>Timo:</b> Schön wäre es ja schon, wenn gewisse<br />
Standards bspw. für Lernmodule (Stichwort SCORM) (Sharable<br />
Content Object Reference Model / Sammlung von Standards aus verschienden<br />
Quellen, die Widerverwendbarkeit ermöglichen sollen, Anm. der<br />
Redaktion) eingehalten würden.
</p>
<p>
<b>MBW:</b> Ich finde OpenSource ideal für Universitäten.<br />
Ich vermute, dass die mangelnde Bereitschaft zur Kooperation bei<br />
manchen auch damit zu tun hat, dass zumindest bei schriftlicher<br />
Teilnahme alles Gesagte dann für immer festgeschrieben ist.<br />
Inoffizielle Gespräche sind aber auch wichtig. Wie sehen Sie<br />
das?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Kann ich gut nachvollziehen. Jeder<br />
kennt die Erfahrung, im Internet vergangene Sünden wiederzufinden.<br />
Ich halte das aber für ein kulturelles Problem, das sich wahrscheinlich<br />
verändern wird, wenn die viel beschworene Google-Generation<br />
an die Hochschulen kommt.
</p>
<p>
<b>adyckhoff:</b> Gibt es Best Practice-Beispiele an<br />
deutschen Hochschulen, die Sie empfehlen können?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Also ich könnte aus dem Hamburger<br />
Bereich eine Vielzahl von Projekten nennen, beispielsweise wenn<br />
es um die Vermittlung von allgemeinen berufsqualifizierenden Fähigkeiten<br />
geht, aber auch aus der Geschichtswissenschaft und der Informatik<br />
usw. Ich finde es aber wichtig, nicht zu sehr auf die Endprodukte<br />
und deren multimedialen Glanz, sondern viel stärker auf die<br />
gelebte alltägliche Praxis im Umgang mit dem Internet an der<br />
Hochschule zu schauen und da halte ich zum Beispiel ein Projekt<br />
wie das &quot;Podcampus&quot; für beispielhaft, weil es zeigt,<br />
dass man mit relativ geringem Aufwand sehr viel erreichen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> So, die Chatzeit ist um, aber es sind<br />
noch einige Fragen übrig: Wollen wir einige Minuten überziehen,<br />
Herr Schmid?</p>
<p><b>Ulrich Schmid:</b> Ja, sehr gerne.</p>
<p><b>tomleu:</b> Sollte ein LMS wirklich Verwaltungsfunktionen<br />
bieten oder nur Inhalte präsentieren?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ich glaube, aus Lehrendensicht<br />
spricht vieles dafür, dass ein solches System auch die Organisation<br />
des Seminars erleichtert. Bis hin zur Prüfungssituation. Was<br />
dagegen spricht, ist die Tatsache, dass solche Funktionen natürlich<br />
die Komplexität erhöhen und die Usability erschweren.</p>
<p><b>elo:</b> Halten Sie es für sinnvoll, einen Kurs<br />
erstmal gut strukturiert, aber ohne viele Multimediaobjekte bereitzustellen<br />
und diese dann im Nachhinein aufzubauen, oder sollte gleich von<br />
Anfang an eine teure multimediale Komplettlösung her?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Gut strukturiert ist immer gut.<br />
Und am besten ist es, wenn man den Aufwand von Anfang an möglichst<br />
genau kalkuliert. Teure multimediale Komplettlösungen sind<br />
nicht per se das Mittel der Wahl.</p>
<p><b>MC:</b> Sehen Sie eine Gefahr, dass die schlechten<br />
Seiten des Bolognaprozesses, wie z.B. die starke Erhöhung der<br />
Prüfungsleitungen, den Einsatz von E-Learning in Richtung Rationalisierung<br />
verengt (z.B. Multiple Choice), statt stärker auf qualitative<br />
Aspekte wie bessere Lernbegleitung, Lernerzentrierung und alternativer<br />
Bewertungsansätze zu setzen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ja, ich stimme Ihnen zu &#8211; leider<br />
geht die Diskussion um E-Learning vor dem Hintergrund von Bologna<br />
viel zu sehr in Richtung Effizienz. Allerdings bietet gerade der<br />
Bolognaprozess auch eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für<br />
einen sinnvollen Einsatz von E-Learning.Moderator: Letzte Frage<br />
für heute:</p>
<p><b>stenograph:</b> Wo bleibt beim E-Learning die &quot;Aura<br />
Academia&quot;?
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Was ist das?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> So, die Chatzeit ist auch schon um.<br />
Das Schlusswort gebührt dem Gast.
</p>
<p>
<b>Ulrich Schmid:</b> Ich würde mir sehr wünschen,<br />
dass wir endlich mehr Begeisterung für dieses Thema in allen<br />
Bereichen der Hochschulen finden und wecken können. Ich sehe<br />
allerdings im Moment eher eine noch zurückhaltendere und skeptischere<br />
Grundhaltung im Hochschulmanagement und der Wissenschaftspolitik.</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren etwas über 60 Minuten<br />
e-teaching.org-Live-Chat mit Dr. Ulrich Schmid vom Multimedia Kontor<br />
Hamburg (MMKH). Vielen Dank an Herrn Schmid für die Zeit und<br />
die Antworten und vielen Dank an die User für die zahlreichen<br />
Fragen. Das Chatteam wünscht allen Teilnehmern einen schönen<br />
Tag.</p>
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