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	<title>Echokammer &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Framing der politischen Kultur: Propaganda 4.0 – Ein Buch von Johannes Hillje</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Sep 2017 08:07:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Bundestagswahl 2017 ist vorbei: Mit seinem Buch Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Politik machen erschien mitten im Wahlkampf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/HilljeArtikel.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-153200" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/HilljeArtikel.jpg" alt="TitelbildRezensionArte" width="640" height="280" /></a>Die Bundestagswahl 2017 ist vorbei: Mit seinem Buch <em>Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Politik machen</em> erschien mitten im Wahlkampf eine aktuelle Darstellung von Medienstrategien rechter Populisten. Eine kompakte Analyse über die langfristige Veränderung rechter Politik und deren Auswirkung auf die politische Kultur.</p>
<p>Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Rechtspopulismus. Weder Wahlniederlagen rechter Hoffnungsträger in Frankreich oder Holland, noch die Radikalität ihrer Äußerungen lässt die Erscheinung verblassen. Im Gegenteil – im digitalen Zeitalter zirkulieren und verfestigten sich propagandistische Inhalte im gesellschaftlichen Diskurs. Der Einzug der AFD in den Bundestag zeugt von der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung.</p>
<p>Jahr 2016 in Berlin. Johannes Hillje sitzt im Maxim-Gorki-Theater und sieht sich die Perfomance <a href="http://www.gorki.de/de/rechte-reden">RECHTE REDEN</a> an. Das Berliner Publikum johlt einvernehmlich bei der versucht neutralen Darstellung von Redeauszügen von AfD Spitzenkandidaten. Die Vorstellung soll mahnen, doch vielerlei Zuschauer sind sich einig: Die Sprache der Inhalte beraubt sich jedweder Authentizität. Viele Anwesende amüsieren sich – die Abendunterhaltung ist für das urbane und vornehmlich gebildete Publikum garantiert. Doch die persiflierte Rhetorik ist für Johannes Hillje aber vor allem Grund, das gegenwärtige politische Klima zu reflektieren. Ein Schlüsselmoment und persönliche Motivation. So schreibt er es im Vorwort seines Buches. Ist diese Sprache nur albern? Die Inhalte der Vorstellung mögen im Publikum auf eine einheitliche Ablehnung treffen – für viele deutsche Bürger sind sie aber Ausdruck einer Frustration und politisches Novum zu gleich.</p>
<h3>Das Rennen nach Rechts – Duktus der Empörung</h3>
<p>Im ersten Kapitel seines Werks schreibt Hillje über die Veränderung des sprachlichen Diskurses. Populismus als rhetorisches Kampfmittel. Zwischen der Diskreditierung politischer Gegner und Mobilisierung von Bevölkerungsgruppen fungiert dieser insbesondere als charakteristische Strategie einer eigenen Ideologie. Das Entwaffnen und Delegitimieren von politischen Gegnern ist daher kein rechtes Phänomen, doch scheinen gerade die Apologeten von Rechtsaußen das emotionalisierte Klima zu verstehen. Europaweit &#8211; sei es von der Partij voor de Vrijheid um Geert Wilders, der Front National oder der Brexit-Bewegung – werden Ängste, Unzufriedenheiten, Hass und Enttäuschung in einer sprachlichen Verrohung gebündelt. Die romantische Ideologie des homogenen Volkes gegen Eliten und das Fremde lädt zum interpretativen Spiel ein. Denn in seiner konzeptionellen Beschaffenheit bietet der Populismus die Vorteile eines inklusiven Appells: Kollektive Identität, Emotionalisierung und Vereinfachungen. Jeder ist betroffen, denn jeder ist Teil des größeren Ganzen. Inklusion für diejenigen, die sich nach Exklusion anderer sehnen.</p>
<h3>AFD Framing &#8211; Das Spiel der Polarisierung</h3>
<p>Ob Volk, Milieu, Kultur oder Rasse – der Populismus bietet die Grundlage zur ideologischen Mobilisierung. Während es bei politischen Diskussionen im Allgemeinen als unschick gilt, populistisch zu skandieren, definieren Parteien wie die AFD die politische Sprache neu und lassen Spielraum für aggressive Interpretationen. Als das neue Normal bezeichnet Hillje die Etablierung des AFD-Jargons, der vor allem eins ist: sich aufschaukelnde Empörung mit dem Ziel der Eskalation. Durch eine stetig wiederholte negative Konnotation wird das Andere und das Fremde kriminalisiert und dämonisiert. Als Medienstratege erkennt der Autor eine gefährliche Systematik der kognitiven Prozesse dieser Strategie. Treffend beschreibt er, wie die gebetsmühlenartige Reproduktion von Feindbildern eine eigene Realität und sprachliche Dimension etabliert. Getragen wird dieser Deutungsrahmen – framing – aber nicht nur durch Rechte. Politiker und Medien übernehmen diese negativ besetzten Formulierungen und die damit verbundene Stimmung der AFD. Und tragen so zum Verbreiten dieser Begriffe und Denkmuster bei. Auf diese Weise prägte die Partei schon vor dem Bundestagswahlergebnis von 13% den politischen Dialog.</p>
<h3>Digitale Gegenmacht: AFD als Social-Media-Partei</h3>
<p>Doch wie konnte sie sich so etablieren? Im zweiten Teil seines Werkes beschreibt Hillje das natürliche Terrain der Rechtspopulisten – die Stimmungsmache im digitalen Raum. Kaum eine andere Partei wie die AFD hat so viel in die digitale Kommunikation investiert. Ob durch Echokammern oder versuchte Abnahme der Integrität der Medien: das polarisierende und vereinfachte framing des Rechtspopulismus brilliert im sozialen Netzwerken. Empörung im Dauertakt, ob kontrafaktisch oder nicht. Die Mobilisierung durch Präsenz, Content und Vernetzung. Das Kalkül des Eklats und der Menge an Inhalten zirkuliert im Akkord über Twitter, Facebook und Co. Hilljes Analyse offenbart das Ausmaß des „digitalen Volkes“, das die AFD kanalisiert. „Die offizielle Seite der AfD hat über 320.000 Fans. Keine andere Partei in Deutschland hat so viele Facebook-Fans.“ Im digitalen Bereich investiert die Partei groß – bis zu drei Postings pro Tag. Hillje betrieb für die Recherche zu seinem Buch Feldstudien in AFD-nahen Gruppen und Seiten.</p>
<h3>„In Ansätzen können wir von einem AFD-Internet sprechen.“</h3>
<p>Mit dem Ziel der Delegitimierung der Medien eignet sich die Propaganda 4.0-Maschinerie als verlässliche Alternative zu offiziellen Stellen, die nicht mit der eigenen Agenda übereinstimmen. Doch wie entgegnet man dieser schieren Masse an selektiven, suggestiven oder schlichtweg falschen Informationen? Mit Satire gegen die gewünschte Spaltung der Gesellschaft? Ein Bärendienst: Die Inszenierung der Polarisierung gewinnt langfristig die AFD, da sie innerhalb ihres framings spielt. Sie bleibt dadurch der „Spitzenverdiener der Aufmerksamkeitsökonomie,“ so der Autor.</p>
<h3>Medienstrategien begreifen lernen</h3>
<p>Aber wie kann man das Monopol von sprachlicher Deutungshoheit zurückgewinnen? Eine rhetorische Appeasementpolitik führt zu nichts, stellt Hillje treffend fest. Ein Zeichen der Einsicht mag dem Prinzip des politischen Kompromisses entlehnt sein &#8211; eine rein populistische Partei will jedoch gar nicht den gesellschaftlichen Konsens. Konzeptionell ist sie <em>die</em> Oppositionspartei &#8211;  das vermittelt sie ihren Anhängern und der Gesellschaft. Und gerade dieses Bild verdichtet sich durch ihr besonderes mediales Geschick. Nach dem Prinzip des <a href="http://www.decisions.ch/publikationen/confirmation_bias.html">Bestätigungsfehler</a> werden in AFD-nahen Plattformen Inhalte nicht nur gezielt geteilt, sondern auch algorithmisch verstärkt. Die völlige Selbstüberlassung der Echokammern zeugt von der derzeitigen Informationsinkompetenz, mit der auf die AFD reagiert wird. Daher ist es umso wichtiger, aus den reaktiven und entlehnten Handlungsmustern des AFD-framings herauszutreten.</p>
<figure id="attachment_140620" aria-describedby="caption-attachment-140620" style="width: 213px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/propaganda4.0cover.png"><img decoding="async" class=" wp-image-140620  " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/propaganda4.0cover.png" alt="12109-7_Einspänner.indd" width="213" height="308" /></a><figcaption id="caption-attachment-140620" class="wp-caption-text">Hillje, Johannes (Hg.): Propaganda 4.0 &#8211; Wie Rechte Populisten Politik machen. Berlin: Dietz Verlag 2017. 184 Se iten, Preis: 14,90 Euro. ISBN 978-3-8012-0509-6</figcaption></figure>
<h3>Demokratie 4.0 – Reframing der politischen Debattenkultur</h3>
<p>Im letzten Kapitel seiner Analyse nennt Hillje mögliche Ansätze, um diesen Schritt zu tätigen. Digitale Aufrüstung von Parteien und Politikern ist zwingend notwendig, wenn man das Internet nicht den Populisten überlassen will. Die Oberflächlichkeit und Simplifizierung von Inhalten darf da aber nicht nach populistischer Logik betrieben werden. Ein reframing – also eine Rückeroberung der Deutungshoheit von Begriffen &#8211; muss durch Sensibilisierung erfolgen, nicht mit zunehmender Desensibilisierung. „Es liegt eine Sprachstörung zwischen Parteien und Bürgern vor,“ attestiert Hillje. Wenn man das Vertrauen in das Etablierte wiederherstellen will, dann muss man neben einer starken Präsenz im Netz auch gezielt die Bürger ansprechen. Im Rahmen von <a href="https://www.boell.de/de/2017/02/09/microtargeting-digitales-marketing">Microtargeting</a> könne der Versuch getätigt werden, neue Inhalte mit politischen Gewicht in die Debatte eintreten zu lassen. Die Deutungshoheit des Tabubruchs ist keineswegs ein Spezifikum der Rechten. Auch wenn sie es allgegenwärtig proklamieren. Für die Berichterstattung gilt der gleiche Apell: Digitale Pädagogik reicht nicht aus. Informationskompetenz wird nicht vermittelt, wenn die Medien „Anpasser“ der Sprache sind. Die Verwendung von Begriffen wie „Biodeutsche“ und „Flüchtlingswelle“ zementieren die kognitiven Bedingungen der Populisten. Um zum „Aufpasser“ einer sensibilisierten Kommunikation zu werden, muss die mediale Sprache in eine selbstkritische Verantwortung gezogen werden.</p>
<p>Mit seinem Werk bietet Hillje eine kompakte und breite Analyse aus dem Bereich der Kommunikationsstrategie. Das Buch ist nicht als Ursachenforschung zu bewerten, sondern kritisiert in einer verständlichen Weise die gezielte Veränderung von Sprache und Sprachwirkung im Rahmen rechtspopulistischer Stimmungsmache. Die Effektivität und gezielte Eskalationsspirale bestätigt sich durch den veränderten Duktus der digitalen Debattenkultur und letztlich auch im derzeitigen Wahlerfolg der AFD. Hilljes Ausführungen und Lösungsstrategien bieten letztlich nur einen Umriss eines globalpolitischen Trends, dessen Umfang und Differenzierungsweise tiefer gehen als er es in diesem Buch tut. Dennoch ist besonders seine Beurteilung der kognitiven Reproduktion des framings im digitalen Raum eine treffende Einschätzung über die drastischen Auswirkungen von Sprachsteuerung im Netz.</p>
<p>Mit Ausblick auf die kommende Zusammensetzung des Bundestags kann sich der Leser ein Bild von Populismustrategien machen und die Bedeutung von digitaler Kommunikation noch einmal verinnerlichen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Copyright by <a href="http://www.medienkompetenzwerkstatt.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Henrik Andree/ meko factory</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/TitelbildRezensionArte.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p><img decoding="async" src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b76402208ee9466fb38ce67c7c48ef44" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Pegida: Einsam in der Echokammer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Franziska Türk]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Feb 2015 11:46:28 +0000</pubDate>
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<p class="western">„Wir sind das Volk“ hallt es tausendfach durch das Netz. Es sind die Stimmen gleichgesinnter, aber meist unter sich bleibender Menschen, die kontinuierlich verstärkt und wiederholt werden. Der „Echokammereffekt“ erschwert den Austausch gegensätzlicher Standpunkte und fördert die Radikalisierung – nicht nur im Fall der Pegida-Diskussion in den sozialen Netzwerken.</p>
<p> </p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Man könnte meinen, dass Menschen sich durch Diskussion einander annähern. Dass sie die Meinung des Anderen reflektieren, seinen Standpunkt zu verstehen versuchen, ja hin und wieder sogar ihre Meinung ändern. Liest man sich durch die hitzigen Debatten zu Pegida, die trotz abnehmender Demonstrantenzahlen noch immer auf Facebook geführt werden, merkt man schnell, wie falsch man mit dieser Annahme liegt – denn eine Diskussion mit gegensätzlichen Argumenten existiert nicht. Prof. Dr. Christoph Bieber vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen sieht den Grund dafür hauptsächlich in der Organisation des Protests fast ausschließlich über soziale Netzwerke, die eine wesentlich engere Bindung zwischen Informationsanbietern und -nutzern zur Folge hat: „In der Fülle der Unterstützer gehen anderslautende Meinungen unter und werden kaum oder gar nicht wahrgenommen. Auf die Abschottung folgt eine Polarisierung und auch Radikalisierung des politischen Diskurses“.</p>
<p><a href="http://pup.princeton.edu/sunstein/echo.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Echokammer“</a> oder „Informationskokon“ nennt der amerikanische Rechtswissenschaftler Cass Sunstein das Phänomen, sich nur mit Menschen zu umgeben, die die eigene Meinung teilen. Abgeschirmt von äußeren Einflüssen, anderen Meinungen und kontroversen Standpunkten gelangen nur Bruchstücke der Realität ins Innere des eigenen Kokons, unangenehme Begegnungen können weitestgehend vermieden werden. „Patriotische Europäer” treffen auf andere „patriotische Europäer”, pluralistische Weltbürger auf pluralistische Weltbürger. Fehleinschätzungen bei Gruppendiskussionen werden dadurch reproduziert, die Meinung der Teilnehmer ist nach einer Diskussion meist extremer als zuvor. Denn alleine mögen wir unsicher bezüglich unseres Standpunkts sein – sobald wir jedoch Bestätigung durch Andere erfahren und weitere Argumente für den eigenen Standpunkt geliefert bekommen, werden wir selbstsicher – und entwickeln unweigerlich eine radikalere Meinung.</p>
<h3>Fakten und fremde Meinungen? Fehlanzeige</h3>
<p>Schöner könnte man die Theorie der Echokammer nicht stützen als mit den Links, Posts und Kommentaren, die auf der Pegida-Facebookseite zu finden sind. Dort stößt man auf das Video des Imam Sheikj Abdel Moez al Eila, der predigt, dass sich eine Frau einem Mann nicht verweigern darf, oder auf einen Artikel über die vergewaltigten Mädchen in Rothenham, deren Peiniger größtenteils ausländischer Herkunft waren. Kein Wort dagegen über die Zahlen und Fakten, die belegen, dass viele Einwanderer hoch gebildet sind und die deutschen Sozialkassen <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/faktencheck-zur-einwanderung-zahlen-gegen-vorurteile-1.2240831" target="_blank" rel="noopener noreferrer">auffüllen</a>, statt sie zu plündern; dass Deutschland eine vergleichsweise geringe Zahl an Flüchtlingen aufnimmt und dass es sich bei den Zuwanderern – im Gegensatz zu vielen Pegida-Anhängern – größtenteils um <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/migrationsbericht-der-bundesregierung-einwanderung-ist-katholisch-1.2314099" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Christen</a> handelt. Um sich mit diesen Tatsachen auseinanderzusetzen, müsste man die eigenen Ansichten hinterfragen – wie unangenehm. Einfacher ist es natürlich, sich gegenseitig aufzuhetzen und in seiner kaum begründeten Hilflosigkeit zu bestärken. Finden doch einmal Informationen ihren Weg ins Forum, die nicht so recht ins Pegida-Weltbild passen wollen, werden sie als unwahr abgetan. „Fake“ und „Lügenpresse“ steht dann in großen Lettern und unter exzessivem Gebrauch von Ausrufezeichen unter den Bildern.</p>
<p>Trotz Abschottung: Prof. Dr. Bieber beobachtet, dass die Echokammern in gewisser Weise auch gläsern sind, denn die verbreiteten Inhalte sind auch für die Pegida-Gegner offen sichtbar und werden von diesen weiterverbreitet. „So entsteht zwar keine Kommunikation zwischen den Lagern, aber das Thema erfährt eine enorm schnelle Verbreitung und führt vielleicht auch zu verstärkten Gegenreaktionen. Gänzlich unverbunden sind die Pediga-/NoPegida-Lager im Netz also nicht, aber sie kommunizieren so gut wie nicht direkt miteinander”, erklärt Bieber. In der gläsernen Echokammer wird nicht nur sichtbar, was die Pegida-Anhänger fordern, sondern auch wer sie sind und wie sie ticken. Actionfilme, Verschwörungstheorien, Mario Barth und rechtsextreme Gruppierungen – laut einer <a href="www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-02/wer-ist-pegida-facebook-daten" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zeit Online-Analyse</a> von Facebookdaten ist das die Pegida-Welt.</p>
<p>Bereits Anfang der 1990er Jahre prägte der amerikanischen Informationstheoretiker Nicolas Negroponte das Konzept des <a href="http://openaccess.city.ac.uk/58/2/neil-thurman-making_the_daily_me.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Daily Me”:</a> In einem speziell für uns angefertigten Infopaket erhalten wir Tag für Tag nur die Informationen online, die in unser persönliches Profil passen – und die unsere Vorurteile bestärken. So schaffen wir uns einen eigenen Zugang zur Welt, die wir uns so machen, wie sie uns gerade gefällt. Im Internet sind es nicht nur die sozialen Netzwerke, die uns bestätigend auf die Schulter klopfen. Auch Suchmaschinen präsentieren uns keine unverzerrten Informationen, sondern genau das, was wir gerne lesen möchten – anhand von früheren Anfragen personalisieren sie unser Suchergebnis.<br />
Deshalb ist Sunstein der Meinung, dass ungeplante Begegnungen für einen politischen Diskurs unabdingbar sind. Genau diese werden in einem Internet, das mit Algorithmen unser Verhalten analysiert, aber immer seltener. Andererseits verbietet uns niemand, differierende Websites zu besuchen. Nur: Tun wir das auch? Und wissen wir überhaupt um deren Existenz?</p>
<p>Es gibt auch <a href="http://arxiv.org/pdf/1201.4145.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studien</a>, die Zweifel an Sunsteins Theorie der Echokammer aufkommen lassen. Der Facebook-Experte Eytan Bakshy konnte jüngst zeigen, dass auf Facebook insbesondere die Informationen von entfernten Bekannten einen großen Einfluss haben. Zwar fand er konsistent mit der Theorie der Echokammer: Je enger man mit einer Person auf Facebook befreundet ist, desto eher teilt man deren Links. Aber: Wir teilen auch die Informationen, die von unseren „schwachen Beziehungen” kommen – auf die wir außerhalb von Facebook nicht gestoßen wären und die uns zu Websites führen, die wir normalerweise nicht besuchen.</p>
<p>Da wir in unserem Facebook-Netzwerk deutlich mehr schwache als starke Beziehungen haben, sind flüchtige Bekannte im Aggregat demnach viel einflussreicher als gute Freunde. Folgt man Bakshys Argumentation, stoßen wir durch entfernte Bekannte also immer wieder auf Argumente, die uns bislang fremd waren – und die uns vielleicht ins Grübeln bringen. Ob die Pegida-Diskussion dieser Logik folgt, ist jedoch fraglich. Mit Tools lassen sich Pegida-Anhänger aus der Freundesliste entfernen, und auch diese lassen deutlich durchblicken, dass sie an einem Austausch nicht interessiert sind. Gegensätzliche Meinungen haben es somit schwer, Einzug in die Facebook-Timeline zu halten. Und sind nicht selbst unsere entfernten Facebook-Freunde meist ähnlicher Ansicht wie wir selbst? Möglich, dass sie uns Websites präsentieren, auf denen wir normalerweise nicht unterwegs sind – unsere Meinung spiegeln diese vermutlich aber trotzdem mehr oder weniger wieder.</p>
<h3>Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt</h3>
<p>Und selbst wenn wir doch unterschiedlichen Informationen und Meinungen ausgesetzt sind, bedeutet das noch lange nicht, dass wir sie auch glauben –- Menschen sind äußerst geschickt darin, Tatsachen nach ihrem Gusto zu verdrehen. Auf die Interpretation kommt es an! Sunstein spricht hier von <a href="http://www.nytimes.com/2012/09/18/opinion/balanced-news-reports-may-only-inflame.html?_r=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">verzerrter Informationsaufnahme</a>. Denn unserer Meinung widersprechende Argumente und Standpunkte führen keinesfalls dazu, dass wir unsere Ansichten überdenken, nein, das Gegenteil ist der Fall. Studien konnten zeigen, dass sich die Meinungen von Probanden zu einem bestimmten Thema sogar verstärken anstatt sich abzuschwächen, wenn man ihnen ausgewogene Pro- und Contra-Argumente präsentiert. Der Grund: Widersprüchliche Informationen werden verworfen, die Quelle zum Beispiel als unseriös abgetan. Unterstützende Informationen dagegen werden als Argumente für den eigenen Standpunkt gewertet. Für die Pegida-Diskussion in den sozialen Netzwerken hätte das verheerende Folgen. Selbst wenn Pegida-Anhänger und -Gegner Argumente und Informationen austauschen, würden sich die jeweiligen Meinungen am Ende nur noch verstärken. Ist also alle Hoffnung auf Diskurs vergebens, weil wir um jeden Preis an unserer Meinung festhalten?</p>
<p>Nein. Wir fangen an, an uns und unserer Meinung zu zweifeln, wenn Gegenargumente von einer Quelle kommen, die nicht einfach als unseriös, verzerrt und falsch abgetan werden kann. Tricky ist allerdings wiederum, dass eine Quelle dann als authentisch wahrgenommen wird, wenn sie uns ähnlich ist – hier können selbst banale Dinge wie der Geschmack oder das Aussehen eine Rolle spielen. Dass Pegida-Anhänger allgemein als seriös geltende Quellen wie der Süddeutschen Zeitung oder dem Spiegel keinen Glauben schenken, skandieren sie auf höchst uncharmante Weise. Sunsteins Theorie folgend wäre ein Meinungsumschwung also nur dann möglich, wenn jemand aus den eigenen Reihen anfängt zu zweifelen. Auch deshalb wird es spannend sein zu sehen, wie sich die Bewegung nach der Distanzierung der zurückgetretenen Pegida-Sprecherin Kathrin Oertels vom ehemaligen Vorsitzenden Lutz Bachmann in den kommenden Wochen weiterentwickelt – wie es momentan aussieht, könnte das schon das Ende der Bewegung gewesen sein. Denn um es mit Sunsteins Worten zu sagen: „Was am meisten zählt ist nicht, was gesagt wird, sondern wer es sagt”.</p>
<p>Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/110931166@N08/16005798746/in/photolist-qqETjB-ptV5Vc-q9f2LK-q9duvx-qonUkm-q97hFJ-ptUefa-qqu3ig-qqAwFN-q9f1Jp-q9f1Ba-qqE1cM-q9f15t-qqDZQe-qqu1Sv-q9dsgT-q97ftC-q96ozY-qqtZP8-qonRpw-ptUbpv-q9eYix-q95Mzh-q95MpN-ptE9EN-qqDnJB-qqzTLL-ptE96w-ptTyTv-q95Loj-qMprpz-qK7ieJ-qMjJdS-qMkdhY-pZ26DB-qgpbHN-qgsu4M-pZ25YZ-pZ3xcB-qebezG-pZ25sP-pjtkmd-pZ3vDr-pjGzXa-qebcGU-pZ3uyk-pjGyWn-qgp7Uf-qgsqqV-pYTJtd" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Caruso Pinguin</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div>
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