<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>ehrenamtliches Engagement &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/ehrenamtliches-engagement/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Wed, 19 Sep 2007 23:00:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>ehrenamtliches Engagement &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>&#034;Das Ehrenamt ist unbezahlbar&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/das-ehrenamt-ist-unbezahlbar-3351/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/das-ehrenamt-ist-unbezahlbar-3351/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Sep 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[ehrenamtliches Engagement]]></category>
		<category><![CDATA[Kultusministerium]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/das-ehrenamt-ist-unbezahlbar-3351/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="teaser">
&#160;
</p>
<p>
<span class="fett">Am Donnerstag, 20. September, war Staatssekretär und Ehrenamtsbeauftragter Georg Wacker zu Gast im Chat des Kultusministeriums Baden-Württemberg. Er sprach über ehrenamtliches Engagement und erklärte, warum sich der freiwillige Einsatz lohnt.</span>
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
&nbsp;
</p>
<p>
<span class="fett">Am Donnerstag, 20. September, war Staatssekretär und Ehrenamtsbeauftragter Georg Wacker zu Gast im Chat des Kultusministeriums Baden-Württemberg. Er sprach über ehrenamtliches Engagement und erklärte, warum sich der freiwillige Einsatz lohnt.</span>
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hallo und herzlich willkommen beim<br />
Chat des Kultusministeriums Baden-Württemberg. Unser heutiger<br />
Gast ist Staatssekretär Georg Wacker. Herr Wacker hat sich<br />
bereit erklärt, Ihnen für die nächsten 90 Minuten<br />
Rede und Antwort zu stehen. Unser Thema heute ist das Ehrenamt.<br />
Wir freuen uns auf Ihre Fragen. Herr Wacker, sind Sie bereit?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ja, sehr gerne, ich bin gespannt<br />
auf die Fragen.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://politik-digital.de/salon/photos/gwacker_85x120.jpg" alt="Georg Wacker" height="120" width="85" /><br />
<i>Georg Wacker, <br />
Staatssekretär und Ehrenamtsbeauftragter <br />
Baden-Württemberg</i>
</p>
<p align="left">
<br />
<b>Moderator:</b> Bereits im Vorfeld dieses Chat konnten<br />
die Nutzer Fragen stellen und die Fragen der anderen Nutzer bewerten.<br />
Diese Fragen werden wir im Lauf des Chats stellen. Beginnen möchte<br />
ich mit dieser hier:</p>
<p><b>Holger:</b> Welche Ehrenämter haben Sie eigentlich<br />
inne, Herr Wacker?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ich bin Kreisvorsitzender der CDU<br />
Rhein-Neckar, des mitgliederstärksten Verbandes der CDU in<br />
Baden-Württemberg mit nahezu 5000 Mitgliedern. Darüber<br />
hinaus bin ich Vorsitzender des Landesverbandes der Bibliotheken<br />
Baden-Württemberg (DBV). Dieser Verband vertritt die Interessen<br />
des öffentlichen Bibliothekswesens und der wissenschaftlichen<br />
Bibliotheken. Seit meiner Jugend hatte ich verschiedene ehrenamtliche<br />
Funktionen inne. Auf Nachfragen bin ich gerne bereit, einige Bereiche<br />
aufzuzählen.
</p>
<p>
<b>Malfa:</b> Warum hat Baden-Württemberg eigentlich<br />
eines Ehrenamtsbeauftragten?</p>
<p><b>Georg Wacker:</b> Das Ehrenamt bzw. das Bürgerschaftliche<br />
Engagement ist die tragende Säule unserer Gesellschaft. In<br />
Baden-Württemberg sind nachweislich 4,5 Mio. Menschen ehrenamtlich<br />
engagiert. Damit hat diese Personengruppe auch ein Sprachrohr in<br />
der Landesregierung verdient. Ich bin dankbar, dass der Ministerpräsident<br />
mich gebeten hat, diese Aufgabe wahrnehmen zu dürfen. </p>
<p><b>Moderator:</b> Die Statistik bezieht sich ja auf Personen<br />
in Vereinen und Institutionen. Hierzu diese Nachfrage:</p>
<p><b>Markus: </b>Sind nur die institutionalisierten Ehrenämter<br />
ehrenwert? Was, wenn man anderen „nur“ regelmäßig<br />
hilft?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Diese Statistik beinhaltet nicht<br />
nur die Menschen, die in Vereinen und Institutionen engagiert sind,<br />
sondern auch die Bürgerinnen und Bürger, die sich in losen<br />
Gruppen oder freien gesellschaftlichen Initiativen engagieren. Die<br />
ehrenamtlichen Strukturen in Baden-Württemberg sind ausgesprochen<br />
vielseitig. Aus dieser Erkenntnis geht hervor, dass jedes Ehrenamt<br />
ehrenwert ist.</p>
<p><b>Moderator:</b> Noch eine Frage zur Statistik:</p>
<p><b>badenser:</b> Stellen Sie eine Tendenz im Umfang des<br />
ehrenamtlichen Engagements fest?</p>
<p><b>Georg Wacker:</b> In zunehmendem Maße engagieren<br />
sich junge Menschen im Ehrenamt, vor allem in Baden-Württemberg.<br />
Dies ist erfreulich. Allerdings verändern sich die Formen und<br />
die Dauer des Engagements. Leider erklären sich in nicht ausreichendem<br />
Maß Menschen dazu bereit, Funktionen und Ämter zu übernehmen.<br />
Das Engagement in der so genannten zweiten Reihe wird stärker.<br />
Die Werbung um Führungspersonal im Ehrenamt dagegen schwieriger.<br />
Dennoch muss man abschließend feststellen, dass die Bereitschaft,<br />
sich überhaupt für andere Menschen einzubringen, gewachsen<br />
ist.</p>
<p><b>SVF:</b> Für uns als Sportverein wird es immer<br />
schwieriger, Ehrenamtliche zu gewinnen &#8211; haben Sie Hilfen, was man<br />
tun kann?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Man kann hier verschiedene Tipps<br />
geben. Es kommt hierbei natürlich auf die örtliche Situation<br />
an. Der jeweilige Sportverein muss zunächst gegenüber<br />
der Öffentlichkeit genau beschreiben, um welches jeweilige<br />
Tätigkeitsfeld es sich handelt und wieviel Zeit die jeweilige<br />
Aufgabe erfordert. Gerne biete ich Ihnen im konkreten Fall eine<br />
Rücksprache mit unserem Ehrenamtsbüro an. Hier die Internetadresse:<a href="http://www.ehrenamt-bw.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
www.ehrenamt-bw.de.</a>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal eine Frage nach der Altersstruktur<br />
von Engagement:</p>
<p><b>demo:</b> Welche Altersgruppen engagieren sich besonders<br />
stark ehrenamtlich?</p>
<p><b>Georg Wacker:</b> Es gibt eine Erhebung, die im Auftrag<br />
der Bundesregierung erstellt wurde. Diese stammt aus dem Jahr 2004,<br />
die ich schon an anderer Stelle zitiert habe. Aus dieser Erhebung<br />
geht hervor, dass die Altersgruppe der 46- bis 65jährigen sich<br />
in Baden-Württemberg mit einem Anteil von 50 Prozent aller<br />
Ehrenamtlichen am stärksten engagiert. Gegenüber 1999<br />
hat sich diese Zahl um neun Prozent erhöht. Ein weiterer Aspekt<br />
ist interessant 46 Prozent der 14- bis 30jährigen in Baden-Württemberg<br />
sind ehrenamtlich aktiv.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es handelt sich um den so genannten<br />
zweiten Freiwilligensurvey. Weitere Informationen auf der <a href="http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=73430.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Seite<br />
des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend</a>:</p>
<p><b>Vorstand: </b>Unsere jüngeren Mitglieder sind<br />
bereit, sich zu engagieren, aus- und weiterzubilden. Die Kurse sind<br />
aber häufig unter der Woche. Freistellung von Schule oder Studium<br />
oder Sonderurlaub gibt es in der Regel nicht. Sehen Sie hier eine<br />
Änderungsmöglichkeit?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Es ist sehr erfreulich, dass Sie<br />
mir die Rückmeldung geben, dass junge Menschen bereit sind,<br />
sich fachlich und überfachlich fortbilden zu lassen. Gerade<br />
in diesen Wochen novellieren wir das Sonderurlaubsgesetz, das seit<br />
vielen Jahren Gültigkeit hatte. Mit der neuen Fassung des „Gesetzes<br />
zur Stärkung des Ehrenamtes“ haben Jugendliche für<br />
Fortbildungen einen gesetzlichen Urlaubsanspruch: Für volljährige<br />
Jugendliche bis zu zehn Tagen jährlich und für Jugendliche<br />
mit Vollendung es 16. Lebensjahres in der Ausbildung bis zu fünf<br />
Tage jährlich jeweils unbezahlt. Die Herabsetzung des Anspruchs<br />
auf 16 Jahre ist neu dabei.
</p>
<p>
<b>Nataku: </b>Gibt es in Baden-Württemberg spezielle<br />
Programme, um Jugendliche stärker für ehrenamtliches Engagement<br />
zu begeistern? Arbeiten Sie zum Beispiel mit Schulen zusammen und<br />
was sind das dann für Programme?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Gerne verweise ich auf den Landesjugendplan<br />
des Landes Baden-Württemberg. Er beinhaltet sämtliche<br />
Maßnahmen zur Förderung des Ehrenamtes der Jugend. In<br />
diesem Plan sind vor allem die Fortbildungsmaßnahmen für<br />
die Jugendarbeit verankert. Darüber hinaus ist die Kooperation<br />
für Schulen und Jugendarbeit ein weiterer Schwerpunkt. In Kooperation<br />
mit führenden Verbänden des Ehrenamtes gestalten und unterstützen<br />
wir das Schülermentorenprogramm. Durch die Bildungsplanreform<br />
im Jahr 2004 haben wir das ehrenamtliche Engagement als Element<br />
in den Bildungsplänen ausgewiesen. Beispielsweise TOP SE in<br />
Realschulen (themenorientierte Projekte soziales Engagement). Gerade<br />
dieses Projekt hat kürzlich eine hohe internationale Auszeichnung<br />
durch die Bertelsmann-Stiftung erhalten.
</p>
<p>
<b>steno:</b> Können steigende Rentnerzahlen Ihrer<br />
Meinung nach eine Chance für das Ehrenamt sein, wenn sich vor<br />
allem ältere Bürger engagieren?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ich bin davon überzeugt, dass<br />
in zunehmendem Maße Menschen, die sich im Ruhestand befinden,<br />
für die Gesellschaft vielseitig ehrenamtlich einbringen. Bereits<br />
jetzt ist diese Entwicklung in den vorliegenden Studien erkennbar.</p>
<p><b>Moderator:</b> Nachfrage des gleichen Nutzers: </p>
<p><b>steno:</b> Wo sehen Sie zukünftige Schwerpunkte<br />
ehrenamtlichen Engagements?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Bedingt durch die Tatsache, dass<br />
wir eine immer älter werdende Gesellschaft werden, sehe ich<br />
die Notwendigkeit, dass die unterschiedlichen Generationen miteinander<br />
die Gesellschaft gestalten. Es wäre fatal, wenn jeweils die<br />
Altersgruppen für sich unabhängig voneinander eigene Projekte<br />
gestalten. Es muss das gesellschaftliche Ziel sein, die Gruppen<br />
bei den Projekten zusammenzuführen.
</p>
<p>
<b>Marlon:</b> In welchen Bereichen bringen sich denn<br />
mehr ältere Menschen ein und in welchen sind eher jüngere<br />
Leute aktiv?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> In sozialen Bereichen engagieren<br />
sich vorwiegend Menschen mittleren und des gehobenen Alters, und<br />
im Bereich des Sports und in der Ökologie beispielsweise vorwiegend<br />
jüngere.<br />
Moderator: Hier sind einige Fragen aufgelaufen, mit denen nach der<br />
besonderen Rolle von Baden-Württemberg in der Ehrenamtsförderung<br />
gefragt wird. Hier die erste Frage dazu:</p>
<p><b>tuxfan: </b>Worin unterscheidet sich Baden-Württemberg<br />
in der Förderung von Ehrenämtern?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ich vermute, dass Sie nach einem<br />
Ländervergleich fragen. Ich kenne im Detail die Förderprogramme<br />
anderer Bundesländer nicht. Ich stelle aber fest, dass sehr<br />
häufig von Verantwortungsträgern im Ehrenamt aus anderen<br />
Bundesländern unsere Jugendarbeitförderung besonders hervorgehoben<br />
wird. Vertreter der verbandlichen Jugendarbeit betonen immer wieder,<br />
dass wir vor allem im Bereich der Fortbildung und Weiterqualifizierung<br />
im Ländervergleich eine führende Rolle einnehmen. Dabei<br />
verzichten wir auf zentrale Vorgaben durch das Land. Das Subsidiaritätsprinzip<br />
gilt gerade für diesen Bereich: Verantwortlich für die<br />
Inhalte und Schwerpunkte ist der jeweilige Träger der Jugendarbeit.<br />
<br />
<b><br />
Gemeinwohl:</b> Wieviel Geld gibt das Land für die Ehrenamtsförderung<br />
pro Jahr aus?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Das Schwerpunktressort für<br />
das Ehrenamt ist das Kultusministerium. Hier sind die meisten Maßnahmen<br />
angesiedelt. Aber auch andere Ressorts fördern ehrenamtliche<br />
Aktivitäten. Wenn alle Maßnahmen zusammengerechnet werden,<br />
gibt das Land jährlich circa 75 Millionen Euro für die<br />
unterschiedlichen Programme aus.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und hier wird auch nach der Gegenrechnung<br />
gefragt, nämlich nach dem Wert des Ehrenamtes.<br />
zäpfle: Ist es möglich, den Wert ehrenamtlichen Engagements<br />
in Zahlen zu benennen?</p>
<p><b>Georg Wacker:</b> Das ist außerordentlich schwierig.<br />
Wenn man den Versuch unternehmen würde, die vielen Stunden<br />
eines Ehrenamtlichen in der Woche mit einer normalen Bzahlung, vergleichsweise<br />
aus der freien Wirtschaft, zu vergüten, wäre nach meiner<br />
Auffassung die Bundesrepublik Deutschland nicht im Stande, dieses<br />
zu vergüten; es sei denn, man würde sich maßlos<br />
in eine noch höhere Staatsverschuldung stürzen. Mein Fazit:<br />
Das Ehrenamt ist unbezahlbar. Damit möchte ich zum Ausdruck<br />
bringen, dass jede funktionierende Gesellschaft darauf angewiesen<br />
ist, dass sich Menschen ohne Einforderung eines materiellen Gegenwertes<br />
einbringen.
</p>
<p>
<b>FFern:</b> Dem Bundesland Baden-Württemberg scheint<br />
ehrenamtliches Engagement ja sehr am Herzen zu liegen. Wissen Sie,<br />
welche vergleichbaren Initiativen es in anderen Bundesländern<br />
gibt, um ehrenamtliches Engagement zu stärken?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Jedes Bundesland ist selbst dafür<br />
verantwortlich, eigene Programme zu konzipieren. Deutlich wird aber<br />
bei den Vergleichen, der sicher schwer fällt, dass die Zielrichtungen<br />
vergleichbar sind. Beispielsweise legen alle Bundesländer einen<br />
immer größeren Wert darauf, ehrenamtliches Engagement<br />
in das Schulleben zu integrieren und die Zusammenarbeit mit den<br />
Vereinen vor Ort voranzubringen.
</p>
<p>
<b>Dart:</b> Wäre es nicht hilfreich, die Förderprogramme<br />
der anderen Bundesländer zu kennen, um die eigene Förderung<br />
angemessen weiterentwickeln zu können?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker: </b>Natürlich müssen wir über<br />
den eigenen Tellerrand hinausschauen Zu diesem Zweck findet ein<br />
regelmäßiger Erfahrungsaustausch statt. Die Verbände<br />
des Ehrenamts arbeiten auch sehr intensiv auf Bundesebene zusammen.<br />
In den meisten Fällen sind sie auch bundesweit organisiert.<br />
Daneben wirken auch die Mitarbeiter unseres Hauses in verschiedenen<br />
Arbeitsgruppen auf der Bund-Länder-Ebene mit. </p>
<p><b>Dart:</b> Spielt das Thema Ehrenamt bei der Kultusministerkonferenz<br />
auch eine Rolle?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ja, wenn Ehrenamt auch etwas mit<br />
dem Bildungsauftrag der KMK zu tun hat. Darauf bin ich bereits bei<br />
den vorherigen Fragen eingegangen.
</p>
<p>
<b>SCA:</b> Landeszuschüsse sind ein wichtiges<br />
Finanzierungsinstrument für Vereine. Können wir davon<br />
ausgehen, dass es auch in den nächsten Jahren Zuschüsse<br />
geben wird?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Der Ministerpräsident Günther<br />
Oettinger hat in seiner ersten Regierungserklärung verschiedene<br />
Schwerpunkte genannt. Darin sind verschiedene Finanzierungs- und<br />
Förderzusagen enthalten. Beispielsweise wurde mit den Verbänden<br />
des Sports ein Solidarpakt geschlossen, der bis zum Ende dieser<br />
Legislaturperiode (2011) Gültigkeit hat. Wesentlicher Bestandteil<br />
dieses Solidarpaktes ist eine finanzielle Planungssicherheit bis<br />
zu diesem Zeitpunkt. Dies bedeutet: Die Landesregierung verpflichtet<br />
sich, keine Kürzungen in den Haushalten vorzunehmen. Auch mit<br />
den Verbänden der Jugendarbeit ist ein ähnliches Bündnis<br />
geplant, das kurz vor dem Abschluss steht. Desweiteren haben die<br />
Regierungsfraktionen die politische Aussage formuliert, dass auch<br />
bei den kulturellen und musischen Verbänden keine weiteren<br />
Kürzungen mehr beabsichtigt sind.
</p>
<p>
<b>zäpfle:</b> Wie gut ist Deutschland denn im internationalen<br />
/ europäischen Vergleich in Sachen Ehrenamt aufgestellt?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Aktuell kann ich Sie in diesem Zusammenhang<br />
auf eine Studie hinweisen, die von TNS Infratest erstellt wurde.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die finden sie <a href="http://www.ehrenamt-bw.de/servlet/PB/-s/p16i5o7bd9ko1th3wtmodoebdi0z2xp/menu/1176425/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>:
</p>
<p>
<b>Rollo:</b> Sehen Sie eigentlich Unterschiede zu Ehrenämtern<br />
in anderen Staaten, in den USA ist so etwas m.E. ja verbreiteter.
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ich unterstelle, dass in allen Ländern<br />
oder in allen Wirtschaftsnationen ein vergleichbares Engagement<br />
besteht. Unterschiede sind sicher in der jeweiligen Struktur vorhanden.<br />
Da wir in Baden-Württemberg eine sich über Jahrzehnte<br />
entwickelte Vereins- und Verbandsstruktur haben, kann man hierbei<br />
von einer verlässlichen Förder- und Unterstützungsstruktur<br />
sprechen. Ich bin nicht sicher, ob Ehrenamtliche in anderen Ländern<br />
die gleichen Voraussetzungen vorfinden. </p>
<p><b>Moderator:</b> Nachfrage zur EU, deren Antwort zwar<br />
vermutlich unerschöpflich wäre, aber vielleicht gibt es<br />
einige Hinweise?</p>
<p><b>Gemeinwohl: </b>Gibt es EU-Fördermittel, mit denen<br />
ehrenamtliches Engagement gefördert wird (zum Beispiel Schulungen),<br />
wenn ja, wieviel und für welche Bereiche?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Europa bietet verschiedene Möglichkeiten<br />
zur Förderung ehrenamtlichen Engagements. Fördermöglichkeiten<br />
können aus verschiedenen Aktionsbereichen in Anspruch genommen<br />
werden. Mögliche Ansätze kann hier zum einen das Programm<br />
„Jugend in Aktion“ oder auch „Europa für<br />
Bürgerinnen und Bürger“ liefern. Die einzelnen Förderkriterien<br />
sind jeweils unterschiedlich geregelt. </p>
<p><b>Moderator:</b> Wo finden die Baden-Württemberger<br />
eine Übersicht über Landes-Fördermöglichkeiten,<br />
Herr Staatssekretär?</p>
<p><b>Georg Wacker:</b> Gerne verweise ich auf unsere Internet-Plattform<br />
ehrenamt-bw.de. Dort finden Sie eine Übersicht über die<br />
verschiedenen Maßnahmen. Für spezielle Fragen können<br />
Sie Kontakt anklicken. In gedruckter Fassung ist der Landessportplan<br />
und der Landesjugendplan selbstverständlich erhältlich.<br />
Darüber hinaus können die Baden-Württemberger sich<br />
mit den jeweiligen Vereinen und Organisationen vor Ort in Verbindung<br />
setzen. Diese können zu den jeweiligen Fachgebieten Ansprechpartner<br />
ihrer Verbände benennen. Auch in den Kommunalverwaltungen gibt<br />
es Anlaufstellen, die durch das Land unterstützt werden. Sie<br />
haben die Aufgabe, die Bürger entsprechend zu beraten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Damit sollten vermutlich die vielen<br />
Fragen abgedeckt sein, die danach Fragen, wo man Hilfe findet, wenn<br />
man sich engagieren will. Kommen wir zu einem anderen Thema. Der<br />
Anerkennung von Engagement:</p>
<p><b>Lockhard:</b> Es wird immer viel von Anerkennungskultur<br />
geredet. Was tun Sie dafür, dass diese besser wird?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ehrenamt ist Ehrenamt. Allerdings<br />
erwarten Ehrenamtliche zurecht, dass sogenannte Rahmenbedingungen<br />
für das ehrenamtliche Engagement verbessert werden. Beispielsweise<br />
durch Entbürokratisierung oder durch eine steuerliche Begünstigung<br />
dieses Engagements. Dies ist sicher eine Form der Anerkennung. Daneben<br />
muss das Ehrenamt gesellschaftlich öffentlich gewürdigt<br />
werden, weil Ehrenamtliche auch Vorbilder sind, gerade für<br />
diejenigen, die nach Halt und Orientierung suchen. Da gibt es zweifelsohne<br />
viele Möglichkeiten, dieses zu würdigen. Beispielsweise<br />
durch Wettbewerbe, durch öffentliche Präsentationen der<br />
Projekte oder gar durch besondere Auszeichnungen.
</p>
<p>
<b>Laendle54: </b>Sollte man nicht Zeitspenden irgendwie<br />
geltend machen können, wie man es bei Geldspenden schon kann?<br />
<b><br />
Georg Wacker:</b> Das ist eine spannende Idee. Allerdings ist<br />
mir noch nicht ganz klar, wie man diese Zeit vergüten kann.<br />
Mir verbleibt nur darauf hinzuweisen, dass es steuerliche Möglichkeiten<br />
gibt, wie z.B. die Vergütung einer Übungsleiterpauschale<br />
oder die geplante Aufwandspauschale steuerlich höher zu begünstigen.<br />
Derzeit ist ein Gesetzgebungsverfahren beim Bundesgesetzgeber in<br />
Gange. Danach ist vorgesehen, dass die Übungsleiterpauschale<br />
von 1.848 Euro auf 2.100 Euro erhöht wird und die Aufwandspauschale<br />
neu eingeführt wird mit einer Höhe von 500 Euro pro Jahr.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Damit ist auch diese Frage beantwortet:</p>
<p><b>GHöll:</b> Wieviel Geld darf ich als Ehrenamtlicher<br />
eigentlich mit dem Amt verdienen?</p>
<p><b>Benno:</b> Haben erhaltene Zertifikate über ehrenamtliche<br />
Tätigkeit auch eine Bedeutung für berufliche Entwicklung?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ja, absolut. Immer mehr Unternehmen<br />
achten bei Bewerbungsgesprächen darauf, welche ehrenamtlichen<br />
Qualifikationen der Bewerber um eine Ausbildungsstelle nachweist.<br />
So genannte Schlüsselqualifikationen und Sozialkompetenzen<br />
werden für eine Berufsbiographie immer wichtiger. Um solche<br />
Qualifikationen nachzuweisen, hat das Kultusministerium mit großer<br />
Nachfrage den Quali-Pass eingeführt. Dieses Dokument hat eine<br />
hohe Akzeptanz. Auch in den Schulen gibt es die Möglichkeit,<br />
ein Beiblatt für das Zeugnis auszustellen, wo ehrenamtliche<br />
Aktivitäten dokumentiert sind.
</p>
<p>
<b>teichtier:</b> Welche Preise oder Präsentationsmöglichkeiten<br />
gibt es denn in BaWü?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Kürzlich ist die Bewerbungsfrist<br />
für den Landeswettbewerb „Echt gut“ Baden-Württemberg<br />
abgeschlossen. Nach einem Vorschlag der Jury, hat die Öffentlichkeit<br />
die Möglichkeit, via Internet oder telefonisch Voten abzugeben.<br />
Im Rahmen einer öffentlichen Feierstunde am 22. November 2007<br />
werden die Preise verliehen. Eine weitere Preisverleihung findet<br />
am 29. September 2007 statt. Hierbei werden kommunale Projekte gewürdigt.<br />
Es ist geplant, in absehbarer Zeit auf Regionalkonferenzen Ehrenamtsprojekte<br />
aus den verschiedensten Bereichen der Öffentlichkeit darzubieten.<br />
Dieses Vorgehen hat zum Ziel, dass die verschiedenen Projektträger<br />
voneinander lernen und möglicherweise zusammenarbeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich hoffe, damit ist auch diese Frage<br />
beantwortet:</p>
<p><b>Ghost:</b> Ehrenamt muss gesellschaftlich gewürdigt<br />
werden, sagen Sie &#8211; mit welchen Maßnahmen möchten sie<br />
denn das erreichen?</p>
<p><b>Moderator: </b>Und eine Nachfrage: </p>
<p><b>teichtier:</b> Wie stark muss man sich denn engagiert<br />
haben, um diesen Quali-Pass zu bekommen? Hört sich ja nach<br />
einer spannenden Sache an, auch für andere Bundesländer.
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Die Voraussetzungen können<br />
Sie über das Jugendnetz-bw in Erfahrung bringen. Auch auf dem<br />
Kultusportal Baden-Württemberg können Sie mehr darüber<br />
erfahren. Mehr als 250.000 Exemplare wurden bisher ausgestellt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wir haben noch ca. 10 Minuten. Nächstes<br />
Thema: Ehrenamt der Zukunft:</p>
<p><b>Burlo43:</b> Im Internet finden sich ja auch Menschen<br />
zusammen, um ohne Bezahlung für eine gute Sache zu arbeiten<br />
(Crowdsourcing, etc.) &#8211; ist das institutionalisierte Ehrenamt ein<br />
Auslaufmodell?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ich glaube nicht. Ich habe vorhin<br />
schon darauf hingewiesen, dass die Formen des Engagements zunehmen.<br />
Noch vor 20 Jahren war es üblich, über einen Verein vor<br />
Ort sich ehrenamtlich einzubringen. Mittlerweile gibt es viele andere<br />
Wege, dieses zu tun. Dennoch klagen viele Vereine über zu geringen<br />
Nachwuchs. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass auch die traditionellen<br />
Strukturen eine Zukunft haben.
</p>
<p>
<b>schwoab:</b> Wird das Ehrenamt in Zukunft professioneller<br />
werden?</p>
<p><b>Georg Wacker:</b> Ehrenamtliche sind sehr häufig<br />
Könner in ihren Bereichen. Könner sind in meinen Augen<br />
professionell. Unter Professionalität im Ehrenamt verstehe<br />
ich, dass sie in der fachlichen Entwicklung unterstützt werden<br />
müssen, beispielsweise durch Fortbildungen. Auch darauf bin<br />
ich bei vorherigen Fragen eingegangen. Wir haben die Erfahrung gemacht,<br />
dass die Ehrenamtlichen, die sich am Jugendbegleiterprogramm an<br />
Schulen beteiligen, meistens gute berufliche Qualifikationen haben.<br />
Damit ist auch Professionalität in diesem Bereich gegeben.</p>
<p><b>Moderator:</b> Auch für den Arbeitsmarkt kann<br />
Ehrenamt eine Bedeutung haben, lese ich aus dieser Frage heraus<br />
&#8211; allerdings ist die Frage, ob diese positiv ist:
</p>
<p>
<b>Böblinger:</b> Ist verstärkte ehrenamtliche<br />
Arbeit eine Option für Arbeitslose und wie kann man verhindern,<br />
dass es nicht zu einem Zwang bzw. einer Ausbeutung kommt?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Arbeitslose suchen häufig nach<br />
einem Sinn ihres Daseins. Solange sie keinen Job haben, muss man<br />
ihnen einen uneingeschränkten Zugang zum Bürgerschaftlichen<br />
Engagement ermöglichen. Anfragen diesbezüglich müssen<br />
unterstützt werden. Das hat zunächst nichts mit Ausbeutung<br />
zu tun. Allerdings muss die Arbeitsmarktpolitik darauf ausgerichtet<br />
sein, zunächst Beschäftigungswillige in den regulären<br />
Arbeitsmarkt zu integrieren, und erst danach Bedarfslücken<br />
durch Ehrenamtliche zu schließen. </p>
<p><b>Horex:</b> Die Freizeitangebote sind ja groß:<br />
Für mich als Vorsitzender eines größeren Sportvereins<br />
ist es jedesmal ein Risiko, wenn Übungsleiter gehen, so etwas<br />
wie Kündigungsfristen gibt es ja nicht. Was halten Sie von<br />
Verträgen mit Ehrenamtlichen?
</p>
<p>
<b>Georg Wacker:</b> Ich habe nichts dagegen, wenn Vereinbarungen<br />
geschlossen werden. Das dient auch der Planungssicherheit in den<br />
jeweiligen Vereinen. Allerdings hätten Verträge eher den<br />
Sinn eines Arbeitsvertrages mit hoher Verbindlichkeit. Solche Verträge<br />
laufen der Freiwilligkeit zuwider, da Übungsleiter höchstens<br />
eine Aufwandspauschale erhalten, aber kein Gehalt im Sinne eines<br />
regulären Arbeitsvertrages. Ich plädiere dafür, dass<br />
Vereine mit ihren Übungsleitern eine individuelle verlässliche<br />
Regelung finden, die beiden nützt. </p>
<p><b>Moderator:</b> Die letzte Frage kommt von mir: Herr<br />
Staatssekretär, was ist die nächste ehrenamtliche Tätigkeit,<br />
die sie verrichten?
</p>
<p><b>Georg Wacker:</b> Meine Tochter beabsichtigt in wenigen<br />
Tagen nach Tübingen zu ziehen, weil sie dort bald mit ihrem<br />
Studium beginnen wird. Meine ehrenamtliche Aufgabe sehe ich darin,<br />
ein ganzes Wochenende die Räumlichkeiten zu renovieren, damit<br />
sie gute Startvoraussetzungen hat. <br />
Ich bedanke mich bei allen Fragestellern für die konstruktiven<br />
und auch kritischen Fragen. Sie haben dokumentiert, dass das ehrenamtliche<br />
Engagement Ihnen sehr am Herzen liegt. Dies nehme ich zum Anlass,<br />
mich bei allen Ehrenamtlichen auf diesem Weg für ihren unermüdlichen<br />
Einsatz zu bedanken. </p>
<p><b>Moderator:</b> Liebe Chatgäste, sehr geehrter<br />
Herr Staatssekretär Wacker! Herzlichen Dank für Ihr Teilnahme<br />
an diesem Live Chat des Kultusministeriums Baden Württemberg!<br />
Leider konnten nicht alle Fragen beantwortet werden, aber ich hoffe,<br />
es gelang ein Einblick in die Arbeit im Bereich Ehrenamt. Allen<br />
einen schönen Abend.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/das-ehrenamt-ist-unbezahlbar-3351/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
