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	<title>Einwanderung &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Einwanderung &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Terrorismus und Zuwanderungsgesetz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Apr 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
<b>Wolfgang Bosbach<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->28.04.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
<b>Wolfgang Bosbach<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->28.04.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" -->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Zum Chat ist heute der Unionsfraktionsvize und Innenexperte Wolfgang<br />
Bosbach ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr Bosbach, sind Sie bereit<br />
für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?</span>
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wbosbach.jpg" alt="Wolfgang Bosbach, Unions-Fraktionsvize" align="left" height="115" width="84" />Wolfgang<br />
Bosbach:</b> Ich freue mich darauf.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir wollen in der nächsten Stunde<br />
verschiedenste Themen ansprechen: Kanzlerkandidaten-Frage, Schicksal<br />
der GSG-9-Beamten im Irak, Terrorismus, Bundespräsidentenfrage,<br />
Zuwanderungsgesetz. Doch erst eine Frage vorweg: Auf welchem Gebiet<br />
ist die Union Ihrer Einschätzung nach momentan am erfolgreichsten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> In der Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik,<br />
weil wir da schon am Beispiel Neuregelung für die Minijobs nachweisen<br />
konnten, dass unsere Ideen zur Belebung des Arbeitsmarktes die Richtigen<br />
sind. In diesem Bereich wurden hunderte neue Arbeitsplätze geschaffen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort Terrorismus:<br />
Ihrer Meinung nach wird die Gefahr des islamistischen Terrorismus in<br />
Deutschland noch weitgehend unterschätzt. Was müsste am dringendsten<br />
getan werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Wir müssen uns die Menschen,<br />
die nach Deutschland einreisen wollen, näher ansehen und es muss<br />
wieder gelten, im Zweifel für die Sicherheit und nicht wie zur<br />
Zeit für die Einreisefreiheit. Wir müssen uns von ausländischen<br />
Straftätern, gewaltbereiten Islamisten und Terrorhelfern leichter<br />
trennen können, als das derzeit möglich ist. Wir müssen<br />
aber auch die geistige Auseinandersetzung mit denen führen, die<br />
unsere freiheitliche Ordnung stören wollen.
</p>
<p>
<b>Claudia:</b> Im Hilton-Hotel in Berlin war gerade wieder<br />
ein Fehlalarm, reagieren wir inzwischen auf Terrordrohungen nicht viel<br />
zu sensibel?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Es gibt keinen Grund, die Sicherheitslage<br />
zu dramatisieren, aber wir dürfen sie auch nicht bagatellisieren.<br />
Wenn die Sicherheitsbehörden ernstzunehmende Hinweise auf ein möglicherweise<br />
stattzufindendes Attentat bekommen, dann bleibt ihnen nichts anderes<br />
übrig, als zur Gefahrenabwehr das Gebäude räumen zu lassen<br />
und nach Sprengstoff zu suchen, oder anderen Gefahrenquellen.
</p>
<p>
<b>bluemoon:</b> Welche Kriterien sollen denn da gelten?<br />
Müsste nicht viel mehr Datenaustausch zwischen den Geheimdiensten<br />
erfolgen? Was spricht denn gegen ein deutsches FBI?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Der reibungslose und direkte Austausch<br />
von Daten und Informationen ist zur Terrorbekämpfung außerordentlich<br />
wichtig. Es gibt immer noch keine zentrale Datei zur Terrorismusbekämpfung,<br />
in der sowohl die Polizeien als auch die Dienste ihre Erkenntnisse einstellen<br />
können bzw müssen; dies wird begründet mit dem sog. Trennungsgebot<br />
von Diensten und Polizeien. Das Argument überzeugt aber nicht,<br />
denn es geht nicht um die Übertragung von Befugnissen auf die Dienste,<br />
sondern nur um den Austausch von Informationen. Wenn die Polizei wüsste,<br />
was sie alles weiß, wäre Deutschland sicherer. Eine zentrale<br />
Bundespolizei neben BKA, BGS und ZKA würde meiner Überzeugung<br />
nach aber nicht zu mehr Sicherheit führen. Möglich wäre<br />
jedoch die ermittelnden Einheiten der Bundespolizeien zusammen zu fassen.
</p>
<p>
<b>grinx03:</b> Brauchen wir den großen Lauschangriff<br />
und Vorratsdatenspeicherung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Die akkustische Wohnraumüberwachung<br />
ist zwar ein nur sehr selten angewandtes aber unverzichtbares Mittel<br />
zur Verbrechensbekämpfung, das sich in den letzten Jahren insbesondere<br />
bei der Aufklärung von Kapitalverbrechen bewährt hat. Bei<br />
der Vorratsdatenspeicherung kann ich im Moment nicht erkennen, auf welchen<br />
Sachverhalt sich die Frage bezieht.
</p>
<p>
<b>gaby:</b> Hat die Union Pläne, wie man Terrorbekämpfung<br />
in Europa besser koordinieren könnte?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Es ist richtig, dass wir den internationalen<br />
Terrorismus mit nationalen Mitteln alleine nicht werden bekämpfen<br />
können. Notwendig sind eine funktionierende grenzüberschreitende<br />
Zusammenarbeit: Der Austausch von Verbindungsbeamten, aber auch Ermittlungserkenntnissen<br />
und die Stärkung von Europol.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir springen kurz zurück:
</p>
<p>
<b>bluemoon:</b> Eine neue Bundespolizei sicherlich nicht,<br />
aber eine, die die Aufgaben der einzelnen Behörden, es gibt ja<br />
auch noch die ganzen Landesbehörden, bündelt! Ist es da nicht<br />
logische Konsequenz, dass etwas schief gehen muss. Warum wird hier die<br />
föderale Organisation so &quot;hoch&quot; gehalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich will das nicht mit dem formalen<br />
Argument begründen, dass es zunächst die Länder gab und<br />
dann erst den Bund, und dass das Grundgesetz von einer grundsätzlichen<br />
Verwaltungshoheit der Länder ausgeht, sondern von zwei anderen<br />
Überlegungen: Zum Einen garantieren dezentrale Strukturen einen<br />
viel unmittelbareren Überblick über Gefährdungslagen<br />
bei der inneren Sicherheit (die Länderpolizeien sind am Geschehe<br />
&quot;näher&quot; dran) und große Behörden und Organisationsstrukturen<br />
bedeuten oft nicht mehr Effektivität, sondern mehr Bürokratie.<br />
Bei gemischten Zuständigkeiten von Bund und Ländern besteht<br />
zu dem die Gefahr, dass entweder zwei Behörden am gleichen Sachverhalt<br />
arbeiten oder dass ein Sachverhalt überhaupt nicht bearbeitet wird,<br />
weil jeder glaubt, die Zuständigkeit läge beim anderen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch eine weitere Facette des Themas: Die<br />
Union fordert den Einsatz der Bundeswehr im Inneren, Blödsinn sagen<br />
andere. Deshalb,&#8230;
</p>
<p>
<b>marcy:</b> Ist die Bundeswehr dem Terrorismus gewachsen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir wollen nicht die Gewährleistung<br />
der inneren Sicherheit von der Polizei auf die Bundeswehr übertragen,<br />
sondern nur die Rechtsgrundlagen dafür schaffen, dass die Bundeswehr<br />
zukünftig zur Abwehr terroristischer Gefahren im Inland eingesetzt<br />
werden darf, wenn nur sie die Fähigkeiten hat, einen Angriff abzuwehren.<br />
Bei Angriffen aus der Luft ist es ja evident, dass nur die Luftwaffe<br />
der Bundeswehr, nicht aber die Polizei, die Gefahr bannen kann. Wir<br />
haben weltweit die besten ABC-Abwehrkräfte, die wir nach unsere<br />
Verfassung in jedem Land der Erde einsetzen dürfen, nur nicht in<br />
Deutschland zur Abwehr eines terroristischen Anschlags. Das wollen wir<br />
ändern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort: Mzoudi-Freispruch:
</p>
<p>
<b>wischi:</b> Untergräbt die Justiz die Polizeiarbeit,<br />
siehe Prozess in Hamburg, indem sie Terroristen wieder auf freien Fuß<br />
setzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Das Urteil habe ich mit zwiespältigen<br />
Gefühlen zur Kenntnis genommen. Auf der einen Seite ist es in der<br />
Tat mehr als nur unbefriedigend, wenn ein zweifelsfrei brandgefährlicher<br />
Angeklagter den Gerichtssaal als freier Mann verlassen kann., aber den<br />
Grundsatz &quot;Im Zweifel für den Angeklagten&quot; können<br />
und dürfen wir aus rechtsstaatlichen Überlegungen nicht aufgeben.<br />
Wenn ein Gericht Zweifel an der Schuld eines Angeklagten hat, kann keine<br />
Verurteilung erfolgen. Aber das heißt nicht, dass Her Mzoudi wegen<br />
seiner Gefährlichkeit nicht ausgewiesen werden sollte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier wollen wir zu einem anderen Thema<br />
überleiten:<br />
Humanitäre Organisationen haben sich besorgt darüber gezeigt,<br />
dass die wichtige und überfällige Entscheidung beim Zuwanderungsgesetz<br />
zunehmend von Fragen der Terrorbekämpfung dominiert wird. Gibt<br />
es da eine unheilvolle Verquickung?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch mal zur internationalen Strafbarkeit:
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Nein. Das Ausländerrecht hat<br />
stets auch Vorschriften zum Zwecke der Gefahrenabwehr enthalten, die<br />
unserer Überzeugung nach den neuen Gefährdungslage angepasst<br />
werden müssen. Anfang des Jahres hat Rot-Grün gefordert, das<br />
Kapitel Sicherheit aus den Verhandlungen auszuklammern: das konnten<br />
wir nicht akzeptieren. Nach dem 11. März war Rot-Grün nun<br />
doch bereit, auch über dieses Thema zu sprechen. Die Verhandlungen<br />
werden am kommenden Wochenende fortgesetzt.
</p>
<p>
<b>Walt:</b> Wie wird sich die Union im Zuwanderungsstreit<br />
verhalten? Prognosen besagen, dass Deutschland eine jährliche Zuwanderung<br />
von ca. 250.000 Menschen benötigt, um die negativen wirtschaftlichen<br />
Effekte des Bevölkerungssrückganges halbwegs zu kompensieren.<br />
Ist es da nicht reichlich kontraproduktiv, die Zuwanderung zu begrenzen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben jedes Jahr eine Bruttozuwanderung<br />
zwischen 750.000 und 800.000 und eine Nettozuwanderung von ca. 200.000.<br />
Wenn wir uns darum bemühen würden, das Geburtendefizit durch<br />
mehr Zuwanderung zu kompensieren, müssten wir die Nettozuwanderung<br />
vervierfachen, was die Integrationskraft unseres Landes weit überfordern<br />
würde. Die demographische Entwicklung in Deutschland ist allerdings<br />
in der Tat besorgniserregend, dies ist aber in erster Linie eine Herausforderung<br />
für die Familienpolitik, nicht für das Ausländerrecht.
</p>
<p>
<b>regina:</b> Was ist Brutto, was ist Netto?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Nettozuwanderung ergibt sich aus<br />
dem Zuzug aller Deutschen und Ausländer nach Deutschland (Bruttozuwanderung)<br />
minus dem Fortzug von Deutschen und Ausländern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> UN-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers<br />
hat an den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat appelliert,<br />
nicht den Schutz von Opfern nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer<br />
Verfolgung im geplanten Zuwanderungsgesetz zu streichen. Im europäischen<br />
Vergleich habe Deutschland in diesen Fragen noch Nachholbedarf, so Lubbers.<br />
Ist die Union dort uneinsichtig?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Bundesregierung hat vor wenigen<br />
Wochen der betreffenden EU-Richtlinie zugestimmt, so dass sie nun für<br />
Deutschland geltendes Recht wird. Dem Text dieser Richtlinie könnten<br />
wir ins deutsche Ausländerrecht übernehmen. Wir sollten aber<br />
nicht über diese Richtlinie hinaus gehen.
</p>
<p>
<b>Steuerzahler:</b> Sattelt man da das Pferd nicht von der<br />
falschen Seite? Sollte man nicht eher die Familie so stärken, dass<br />
eine Frau mit Kind erwerbstätig bleiben kann, anstatt die Zuwanderung<br />
allein zu regeln?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Richtig ist, dass wir die gesellschaftlichen<br />
Rahmenbedingung so ändern sollten, dass insbesondere junge Familien<br />
bzw. erwerbstätige Mütter nicht vor die Alternative gestellt<br />
werden, Erziehung oder Erwerbstätigkeit, sondern dass sie beides<br />
&#8211; wenn sie es gerne möchten &#8211; miteinander vereinbaren können.<br />
Dazu gehören die Stichworte &quot;ausreichende Kindertagesstätten,<br />
Ganztagsschule, Randstunden – Über-Mittags-Betreuung&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu der vorletzten Antwort: Sie stimmen<br />
also zu, den Schutz von Opfern nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer<br />
Verfolgung nicht zu streichen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben stets gesagt, dass wir<br />
den Anwendungsbereich der Genfer-Flüchtlingskonvention strikt beachten,<br />
aber auch nicht ausdehnen wollen. Schon nach geltender Rechtslage können<br />
auch Opfer von nichtstaatlicher Verfolgung innerstaatlichen Schutz in<br />
Anspruch nehmen, aber nicht bei jeder Form nichtstaatlicher Verfolgung,<br />
z.B. dann wenn sich marodierende Banden bekämpfen.
</p>
<p>
<b>kummer:</b> Tja, nur mit dem Aufruf zum Kinderkriegen<br />
wird man das nicht hinbekommen. Vielleicht ein bisschen familienfreundlicher<br />
agieren? Die Merzsche Steuerpolitik ist ja da nicht gerade besonders<br />
weit &#8211; am Ende tut`s den Besserverdienern wieder gut.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Der bloße Aufruf alleine wird<br />
sicherlich die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder nicht sprunghaft<br />
ansteigen lassen, aber eine konsequente kinderfreundliche Politik wohl.<br />
Das Merzsche Steuerkonzept ist ausgesprochen familienfreundlich, denn<br />
jeder soll einen Freibetrag in Höhe von 8.000 Euro pro Person erhalten<br />
plus Arbeitnehmerpauschalbetrag &#8211; wäre bei einer vierköpfigen<br />
Familie ein Betrag von 33.000 Euro komplett steuerfrei, so dass insbesondere<br />
viele Familien mit Kindern überhaupt keine Einkommessteuer mehr<br />
bezahlen müssten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Um den Deckel bei der Zuwanderung zuzumachen:<br />
Am Freitag tagt mal wieder die Arbeitsgruppe Zuwanderung des Vermittlungsausschusses<br />
von Bundestag und Bundesrat. Wird es zum Durchbruch kommen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich würde mich ja schon freuen,<br />
wenn es wenigstens einen substantiellen Fortschritt geben würde.<br />
Dies setzt allerdings voraus, dass wir von Seiten der Koalition beim<br />
Bereich Sicherheit nicht nur vage Ankündigungen, sondern konkrete<br />
Texte vorgelegt bekommen, über die man dann verhandeln kann. Auch<br />
wenn wir am Wochenende nicht zu einem Abschluss kommen sollten, werden<br />
wir am Samstag doch sicherlich, eher als heute beurteilen können,<br />
ob es am Ende zu einer Einigung kommen wird oder nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nächstes Thema: Wegen des tödlichen<br />
Anschlags auf einen deutschen Konvoi im Irak sollen GSG-9-Beamte zum<br />
Schutz der Botschaft in Bagdad nun doch mit dem. Wegen des tödlichen<br />
Anschlags auf einen deutschen Konvoi im Irak sollen GSG-9-Beamte zum<br />
Schutz der Botschaft in Bagdad nun doch mit dem verlegt werden. Heute<br />
hat der Innenausschuss darüber getagt, was ist dabei herausgekommen.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich habe leider persönlich<br />
an den Beratungen nicht teilnehmen können. Nach den uns bisher<br />
erteilten Informationen können wir jedoch nach wie vor nicht nachvollziehen,<br />
warum es nicht möglich gewesen sein soll, neben dem Geschäftsträger<br />
auch die GSG-9-Beamten auf dem sichereren Luftweg nach Bagdad zu transportieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt den Vorwurf, die Bundesregierung<br />
sei zu stolz gewesen, die Amerikaner um Transportmöglichkeiten<br />
zu bitten. Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich halte es für nicht ausgeschlossen,<br />
dass dieser Vorwurf zutreffend ist. Sollte er sich als wahr herausstellen,<br />
wäre eine derartige Haltung unbegreiflich und unverantwortlich,<br />
denn bei der besonderen Gefahrenlage im Irak muss der Schutz von Menschenleben<br />
immer mehr Gewicht haben als jede politische Erwägung.
</p>
<p>
<b>calamity:</b> Glauben Sie, nachdem zwei GSG9 Beamte entführt<br />
wurden, dass wir uns überhaupt am wirtschaftlichen Aufbau im Irak<br />
beteiligen sollten, wäre dies nicht zu gefährlich?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ein Irak, das eine stabile demokratische<br />
Ordnung hat, die Menschenrechte wahrt und von dem keine Gefahr mehr<br />
ausgeht, liegt auch in unserem Interesse. Daher sollten auch wir uns<br />
an humanitären Hilfeleistungen für den Irak angemessen beteiligen.<br />
Es geht dabei nicht in erster Linie um die Beseitigung von Kriegsschäden,<br />
sondern um den Wiederaufbau eines Landes, das unter einer jahrzehntelangen<br />
Diktatur gelitten hat. Richtig ist, dass bei dem Einsatz von Personal<br />
auf deren Sicherheit besonderer wert gelegt werden muss.
</p>
<p>
<b>sommerwind</b> Sie verteidigen Köhlers Kritik an<br />
den USA. Fallen sie damit Merkel in den Rücken oder loten sie einen<br />
Kurswechsel aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Horst Köhler hat gestern vor<br />
der Unionsfraktion in der Bundesversammlung gesagt, dass sowohl die<br />
USA als auch die Europäer Fehler gemacht hätten. Wer will<br />
das bestreiten? Er hat aber auch gesagt, dass die USA &quot;ein Hort<br />
der Freiheit&quot; seien und dass unser Platz an ihrer Seite sein müsste.<br />
Dies ist kein Widerspruch zu den Positionen im Irak-Konflikt und ich<br />
sehe auch keinen Grund, warum Angela Merkel ihre bisherigen Aussagen<br />
in diesem Punkt korrigieren sollte.
</p>
<p>
<b>politicalforce:</b> Zur K-Frage: Jeder der beiden bedeutendsten<br />
Politiker, Stoiber wie auch Merkel, würden beim nächsten Mal<br />
den Wechsel schaffen. Nur die Frage, ob die Partei- und Fraktionschefin<br />
sich mit dem Verweis Stoiber hat seine Chance schon bewiesen, vielleicht<br />
auch auf sein Alter, 2006 durchsetzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Über ihren Optimismus freue<br />
ich mich, allerdings schlage ich vor, dass wir nicht zu früh jubeln,<br />
sondern alle Kraft darauf konzentrieren, dass aus den guten Umfrageergebnissen<br />
ein ebenso gutes Wahlergebnis wird. Die berühmte K-Frage sollten<br />
wir erst dann entscheiden, wenn sie entschieden werden muss, was nach<br />
Lage der Dinge erst 2006 der Fall sein wird.
</p>
<p>
<b>ju_stadtlohn:</b> Herr Köhler spricht doch nicht<br />
ex cathedra, das ist doch eine Meinung unter vielen. Warum wird er dennoch<br />
zurück gepfiffen?
</p>
<p>
W<b>olfgang Bosbach:</b> Niemand pfeift Herrn Köhler<br />
zurück und für mich ist es geradezu erfreulich und erfrischend,<br />
wie offen Herr Köhler das sagt, was er denkt. Auch für ihn<br />
gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung und davon sollte<br />
er auch weiterhin Gebrauch machen.
</p>
<p>
<b>icke03:</b> Hätte Merkel überhaupt noch eine<br />
Chance auf eine Kanzlerkandidatur, würde wider Erwarten Gesine<br />
Schwan zur Bundespräsidentin gewählt werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ja. Deutschland hat in den vergangenen<br />
Jahrzehnten zwei Männer in den Ämtern des Bundeskanzlers und<br />
Bundespräsidenten völlig problemlos verkraftet. Warum sollte<br />
das bei zwei Frauen anders sein?
</p>
<p>
<b>Mark25:</b> Das ist doch nur Geplänkel &#8211; es weiß<br />
doch jeder, dass, wenn Angela Merkel zur Wahl antreten würde, die<br />
derzeitige Regierung weitere 4 Jahre regieren würde.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich glaube, dass wir mit einer Kanzlerkandidatin<br />
Angela Merkel gute Wahlchancen hätten, denn sie hat sich in allen<br />
bisherigen Ämtern hervorragend bewährt und genießt nicht<br />
nur in der Union hohes Ansehen. Ich bitte aber auch um Verständnis<br />
dafür, dass ich mich an K-Spekulationen nicht weiter beteiligen<br />
möchte, denn die Union würde einen kapitalen Fehler machen,<br />
wenn wir uns jetzt mehr mit Personal- als mit Sachfragen beschäftigen<br />
würden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dazu passt:
</p>
<p>
<b>Mark25:</b> Das heißt man wählt nicht mehr,<br />
weil man von Konzepten der jeweiligen Partei überzeugt ist, sondern<br />
nur um die &quot;Anderen&quot; abzuwählen&#8230;.?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Sicherlich spielt bei vielen Wahlentscheidungen<br />
nicht nur die Begeisterung über die Politik der gewählten<br />
Partei, sondern auch die Enttäuschung über die Fehlleistungen<br />
der politischen Konkurrenz eine Rolle. Meistens haben die Wählerinnen<br />
und Wähler ein ganzes Bündel von Wahlmotiven, aber den Wahlzetteln<br />
kann man es nicht ansehen, warum die Wähler die eine oder die andere<br />
Partei gewählt haben.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Unsere Zeit ist bereits um. Vielen Dank<br />
an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen sind<br />
leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Bosbach, dass Sie<br />
sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses Chats<br />
finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten Chat gibt<br />
es am nächsten Montag, dem 3. Mai, ab 3.00 Uhr mit dem Chef der<br />
Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Ludwig Georg Braun. Das<br />
tacheles.02-Team wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Ich bedanke mich für das lebhafte<br />
Interesse und hoffe, dass niemand enttäuscht ist, dass ich seine<br />
Frage nicht beantwortet habe.
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/terrorismus-und-zuwanderungsgesetz-230/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>SPD-Parteitag und Zuwanderung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/spdparteitag_und_zuwanderung-237/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/spdparteitag_und_zuwanderung-237/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Gernot Erler]]></category>
		<category><![CDATA[SPD-Parteitag]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Gernot Erler, SPD-Fraktionsvize<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->22.3.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Gernot Erler, SPD-Fraktionsvize<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->22.3.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute ist Gernot Erler,<br />
Vizefraktionschef der SPD im Bundestag zum Chat ins<br />
ARD-Hauptstadtstudio bekommen. Herzlich willkommen, können wir beginnen?</span>
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Wir können gerne beginnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Wir kommen später noch auf die Krise in Irak und die<br />
Terrorismus-Bedrohung zu sprechen, Sie können Fragen zu diesem und<br />
allen anderen Themen bereits stellen. Zunächst aber zum Wechsel an der<br />
SPD-Spitze und zum neuen strahlenden Parteichef Franz Müntefering.
</p>
<p>
<b>olpe:</b><br />
Es ist gestern auf dem Parteitag kein Vorschlag gemacht worden, der<br />
einsichtig gemacht hätte, was vorher nicht zu verstehen war. Was hat<br />
der Parteitag also bezweckt?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Der<br />
Parteitag hat einen Wechsel im Vorsitz beschlossen, der dazu führen<br />
wird, dass sich Franz Müntefering bemühen wird, die SPD mitzunehmen bei<br />
dem Reformkurs, der nicht populär sein kann. Mitnehmen heißt: Mehr<br />
zuhören, mehr erklären. Vorschläge aufgreifen, gemeinsam die Ziele auch<br />
deutlicher Machen und die Zusammenhänge zwischen den Einzelmaßnahmen,<br />
die durchaus umstritten sein können, deutlich zu machen. Das ist in<br />
erster Linie ein Wechsel der sich an die SPD nach innen richtet, die<br />
sich nicht mehr richtig beteiligt fühlte, an den vor allen Dingen, an<br />
den bisweilen hektischen Maßnahmen in Berlin.<br />
Aber natürlich hoffen<br />
wir auch, dass sich über das wiedererstarkte Engagement der Partei<br />
selbst auch Verbesserungen und Verständnis für die Reformen in der<br />
Öffentlichkeit ergeben.
</p>
<p>
<b>18prozent:</b><br />
Franz Müntefering hat klargemacht, dass es mit ihm kein Abrücken von<br />
Schröders Agenda geben wird. Wird das die Partei spalten oder einen?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Darüber besteht ein Konsens. Es wäre auch geradezu verrückt, erst<br />
Tausende von Leuten auszusenden, die auch schwierige, unpopuläre<br />
Maßnahmen erklären und dann hinterher zu rufen: &quot;April, April&quot; &#8211; wir<br />
machen es jetzt alles anders. Aber eins wird passieren, und darüber<br />
berät heute schon das Präsidium der SPD, wir werden die Agenda 2010<br />
ergänzen, ganz besonders in dem Bereich, wo es um Maßnahmen des<br />
Wirtschaftswachstums, für bessere Wettbewerbsfähigkeit und neue<br />
Innovationen geht, aber z.B. auch bei einem Projekt wie der neuen<br />
Bürgerversicherung. Der Reformprozess wird also fortgesetzt und<br />
ergänzt, ohne dass die bisherigen Maßnahmen in Frage gestellt werden.
</p>
<p>
<b>BAhner:</b>  Ein Kommunikationsproblem von Schröder, dass Müntefering besser machen soll? Eine Kritik am Kanzler also?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Keine Kritik, aber eine Einsicht: nämlich die Einsicht, dass heute ein<br />
Bundeskanzler bei den intensiven europäischen Integrationsprozessen,<br />
bei der kritischen Weltlage und bei den gestiegenen Anforderungen an<br />
die Deutschen in der Welt nicht mehr genug Kraft, übrig hat, um einen<br />
solchen Reformprozess auch nach innen, in die Parteigliederungen, in<br />
die Regionen zu vermitteln. Das ist Irrsinn, das alles auf die<br />
Schultern eines einzigen Mannes zu laden. Insofern ist es auch eine<br />
neue Arbeitsteilung an der Spitze.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Also gilt Helmut Schmidts Credo &quot;Alles in einer Hand&quot; definitiv nicht mehr?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Es geht jedenfalls nicht im Jahr 2004, wo sich die EU um 10 Länder<br />
erweitert, wo Deutschland mit einer neuen Nahostinitiative von Joschka<br />
Fischer eine globale Politik leisten möchte, wo der Kanzler gefordert<br />
ist bei der deutschen Unterstützung für die Stabilisierung in<br />
Afghanistan, und wo gleichzeitig der komplexeste &quot;Reformkomplex&quot; der<br />
Nachkriegszeit bewältigt werden muss.
</p>
<p>
<b>Heinz8:</b><br />
Ist es nicht naiv zu glauben, noch mehr Wirtschaftszugeständnisse<br />
würden die SPD-Wählerschaft erweitern? Hat die SPD nicht einen sehr<br />
sehr veralteten Wachstumsbegriff? (30 Jahre nach dem Bericht an den<br />
Club of Rome)
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Eben gerade nicht,<br />
denn was wir im Bereich von Innovation an Konzepten entwickeln, ist ja<br />
gerade nicht klassische Wachstumspolitik, wir leben in einem weltweiten<br />
Wettbewerb, in dem Deutschland nur als Wissensgesellschaft bestehen<br />
kann, bei der wir unsere Humanressourcen, unsere guten Traditionen im<br />
Bildungswesen und unsere technische und wissenschaftliche Kreativität<br />
einsetzen. Deswegen wird diese Innovationsoffensive in die Richtung<br />
bessere Schulbildung bessere Betreuungssituation in den Familien, mehr<br />
Qualifikation und mehr Fortbildung angesiedelt, um etwas abzusichern,<br />
was wir auch gerne &quot;neuen Fortschritt&quot; nennen. Das ist das Gegenteil<br />
von den Wachstumsprozessen der 70er und 80er Jahre.
</p>
<p>
<b>nrwler:</b><br />
Für Clement war das ein Vertrauensbruch, berichten die, die ihm Nahe<br />
stehen, über die Reaktionen auf Schröders und Münteferings einsame<br />
Entscheidung. Ist er unbeliebt bei der Fraktion, der Superminister?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Minister Clement sieht sich als Sachverwalter der Wettbewerbsfähigkeit<br />
der deutschen Wirtschaft und wird in dieser Rolle auch akzeptiert &#8211; im<br />
Kabinett und in der Partei. Aber wir erwarten natürlich auch von ihm,<br />
dass er Sorgen anderer Ernst nimmt und auch erkennt, dass Ungeduld<br />
aufkommen kann, wenn die Wirtschaft z.B. trotz aller Versprechen nicht<br />
genug Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt. Er weiß, dass wir eine<br />
freiwillige Lösung bei den Ausbildungsplätzen bevorzugen, aber wir<br />
können uns auch nicht mit unerfüllten Versprechen auf der Nase<br />
rumtanzen lassen. Wir müssen jetzt das Schwert Ausbildungsplatzabgabe<br />
scharf machen, gerade weil wir es lieber nicht nutzen wollen, sondern<br />
es vorziehen würden, dass dieses Instrument gar nicht erst angewandt<br />
werden muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Clement will die Abgabe<br />
nicht, die SPD-Länder wollen sie nicht, wie wollen Sie die dann<br />
durchkriegen? Verfassungsrechtlich wirds wohl nicht ohne Zustimmung des<br />
Bundesrats gehen.
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Wir haben hier<br />
eine erfolgreiche Arbeit zu beobachten, der Wirtschaftsverbände &#8211; auch<br />
in den SPD-geführten Ländern &#8211; aber bei einem blanken Nein kann es<br />
nicht bleiben, sondern ich erwarte dann &#8211; gerade bei den SPD-geführten<br />
Ländern &#8211; eine überzeugende Alternative für die 30.000 jungen Leute,<br />
die allein im letzten Jahr vergeblich nach einem Ausbildungsplatz<br />
gesucht haben. Solange es diese Alternative nicht gibt, werden wir an<br />
dem Konzept der Ausbildungsabgabe festhalten, natürlich verbunden mit<br />
der Stichtagsregelung, die ja der Wirtschaft ermöglicht, über genügende<br />
Angebote die Anwendung des Gesetzes zu vermeiden.
</p>
<p>
<b>Heinz8:</b><br />
Ist es nicht eher so, dass die SPD in den Umfragewerten die konsequente<br />
Quittung für Ihre handwerkliche katastrophale Arbeit bekommt?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Sicherlich spielt die eine oder andere Schwäche bei der Umsetzung des<br />
Agendapaketes auch eine Rolle. Aber ich glaube nicht, dass das der<br />
Hauptpunkt ist. Wir sind dabei, die sozialen Sicherungssysteme an neue<br />
gesellschaftliche und ökonomische Realitäten anzupassen. Das ist<br />
verbunden in vielen Einzelfällen mit schmerzlichen Einschränkungen mit<br />
bisherigen Besitzständen: Renten wachsen langsamer, die Leute müssen<br />
mehr zuzahlen für ihre gesundheitliche Versorgung, längerfristige<br />
Arbeitslose müssen flexibler sein bei der Suche nach neuen<br />
Arbeitsplätzen. Niemand erwartet, dass die Betroffenen Begeisterung<br />
über diese Maßnahmen zeigen und die Parteien unterstützen, die solche<br />
Maßnahmen treffen müssen. Das Schwierige ist, dass es trotzdem keine<br />
Alternative gibt, die die Interessen der Betroffenen besser schützen<br />
würden als das, was die SPD macht. Wir haben erst dann wieder eine<br />
Chance auf mehr Zustimmung ,wenn zwei Dinge passieren: Einmal, wenn<br />
durch einen gewissen zeitlichen Abstand zu den Einzelmaßnahmen es den<br />
Menschen klar wird, dass es sich um ein Gesamtkonzept handelt, das als<br />
Gesamtkonzept auch Erfolg hat und zweitens, wenn die Menschen<br />
deutlicher erkennen, was die politischen Alternativen sind. Lassen sie<br />
mich ein Beispiel aus der Gesundheitspolitik geben: Wir wollen die<br />
Brücke bauen zu der Bürgerversicherung, bei der die Kosten des<br />
Gesundheitswesens entsprechend der finanziellen Kraft möglichst auf<br />
alle Schultern gleich verteilt wird. Das Gegenkonzept der Opposition<br />
heißt Kopfpauschale: Jeder soll 264 Euro<br />
Krankenkosten/Gesundheitskosten bezahlen, das ist für die<br />
Besserverdienenden ein enormer Vorteil. Viele Menschen mit kleinem<br />
Einkommen sind aber gar nicht in der Lage, diese Kopfpauschale von 264<br />
Euro pro Monat zu bezahlen. Sie sollen dann durch Steuermittel<br />
unterstützt werden und die höheren Steuereinnahmen sollen dann wieder<br />
aus der Masse, das heißt von den kleinen und mittleren Einkommen,<br />
eingetrieben werden. Wenn die Menschen unvoreingenommen und mit den<br />
exakten Zahlen diese beiden Konzepte vergleichen, dann werden sie<br />
besser verstehen, warum wir unseren Weg der Gesundheitsreform gegangen<br />
sind, obwohl der auch unpopuläre Maßnahmen enthält. Diese politische<br />
Mündigkeit diese politische Urteilsfähigkeit brauchen wir, um in der<br />
zeitlichen Perspektive wieder mehr Zustimmung für unsere Politik zu<br />
gewinnen.
</p>
<p>
<b>Böse-Rentners:</b> Solange Sie es nur der<br />
Masse, den einfachen Leuten abnehmen und die Habenden verschonen, mit<br />
Wirtschaftsargumenten und so, werden Sie nicht zugewinnen bei Wahlen<br />
und auch kein Verständnis bekommen. Außerdem erlebt fast jeder Bürger,<br />
wie viele Probleme einfach nicht gelöst werden (können?).
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Ich frage Sie mal zurück: Ist es falsch den Eingangssteuersatz bei der<br />
Steuer von 25.9 auf jetzt 16 und im nächsten Jahr 15 zu senken? Schadet<br />
das den Kleinen?<br />
Ist es eine Maßnahme für Millionäre wenn wir den<br />
Grundfreibetrag bei der Steuer raufsetzen, oder nützt es nicht gerade<br />
den kleinen Einkommen, wenn jetzt über Millionen Haushalte überhaupt<br />
keine Steuern mehr bezahlen müssen und wer profitiert davon, wenn das<br />
Kindergeld in den letzten Jahren nahezu verdoppelt worden ist? Wer<br />
behauptet, dass unsere Reformen es immer nur von den Geringverdienern<br />
holen, der kennt schlicht die Fakten nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  apropos Haushalte: die Zahl der verschuldeten Haushalte steigt. Dazu die Frage von:
</p>
<p>
<b>nivk</b>:<br />
Wie kommt die SPD eigentlich mit den horrenden Insolvenzen klar und mit<br />
den hereinbrechenden oder schon vorhandenen Schulden, die vor allem den<br />
sozial nicht so gut gestellten Bevölkerungsteil ein richtiges Problem<br />
aufgedrückt wird? Die Schuldenfallen, in die viele gerauscht sind, das<br />
nimmt doch überhand und viele Bürger kommen damit nicht mehr klar. Das<br />
ist ein Sprengstoff, der doch nicht mehr aufzuhalten ist?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Wir beobachten natürlich mit Sorge die Zahl der steigenden Insolvenzen<br />
und setzen sie in Beziehung mit der anhaltend hohen<br />
Massenarbeitslosigkeit von 4,5 Mio. Betroffenen. Immer wieder geraten<br />
Haushalte, die langfristige Zahlungsverpflichtungen und<br />
Abzahlungsverpflichtungen machen, in Schwierigkeiten, wenn ein oder<br />
mehrere Mitglieder der Familie den Arbeitsplatz verlieren. Deswegen ist<br />
die einzige überzeugende Antwort, neben einer kompetenten<br />
Schuldnerberatung auf Kommunaler Ebene &#8211; eine wirksame<br />
Arbeitsmarktpolitik, und das was ich vorhin beschrieben habe, eine<br />
Investition in Bildung und Ausbildung und Innovation. Denn nur über<br />
bessere Wettbewerbsfähigkeit und über die Schaffung von anspruchsvollen<br />
Arbeitsplätzen werden wir diesen enormen Überhang an<br />
Dauerarbeitslosigkeit abbauen können. Eine vernünftigere Antwort, auf<br />
die zu vielen verschuldeten Haushalte kenne ich nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Nachtrag des wohl engagierten SPD-&quot;Rentners&quot;:
</p>
<p>
<b>Böse-Rentners:  </b>Ok,<br />
habe im Detail nicht so viel Ahnung, bin Rentner und ,,zufällig &quot; hier,<br />
habe Plakate geklebt und so &#8211; war &#8211; musste kämpferisch sein &#8211; wo ist<br />
das alles?!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Erlahmt das Engagement an der Basis der SPD?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Ich finde, dass es genug Ziele, die wir formuliert haben, gibt, für die<br />
zu kämpfen sich lohnt. Entscheidend ist doch, ob wir das Prinzip der<br />
Solidarität in unseren sozialen Sicherungssystemen erhalten können. Die<br />
Opposition will doch die Chance nutzen um unsere gewachsenen<br />
Sicherungssysteme, für die wir Jahrzehnte lang gekämpft haben, mit<br />
einem völlig neuen System ersetzen. Die eigentliche Botschaft heißt<br />
dort: Jeder soll für sich selber sorgen soll mit seiner eigenen Kraft<br />
sich schützen gegen die Risiken des Lebens, sei es <br />
Krankheit,<br />
Alter, Arbeitslosigkeit. Das missachtet aber unsere Erkenntnis, dass<br />
wir eben auch viele Schwache in unserer Gesellschaft haben und nicht<br />
nur junge und starke, für die diese Botschaft natürlich attraktiv ist.<br />
Das ist jetzt eine historische Auseinandersetzung und eine Chance haben<br />
die Solidaritätsprinzipien zwischen gesunden und Kranken, zwischen<br />
Alten und Jungen, zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen, nur wenn wir<br />
den jetzigen Reformprozess erfolgreich abschließen können. Ich finde,<br />
dafür lohnt sich jedes Engagement, weil das sind die Werte für die wir<br />
von 141 Jahren eingetreten sind und die wie ich finde, nichts an<br />
Aktualität verloren haben.
</p>
<p>
<b>Thomas:</b><br />
Viele Genossen haben ihre Heimat verloren und sie werden sie nicht<br />
durch Disziplinierungsmaßnahmen wiederfinden. Das Problem ist doch,<br />
dass z.Z. kein ergebnisoffener Dialog in der SPD geführt. Ihr müsst das<br />
so schlucken oder ihr schadet der SPD, das ist die Argumentationslinie.
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Ich gebe zu, dass im März letzten Jahres, als der Kanzler die Agenda<br />
2010 verkündet hat, der Dialog zu kurz gekommen ist. Das hatte aber<br />
seine Gründe und die hat Franz Müntefering gestern auf dem Parteitag<br />
auch offen angesprochen. Wir haben zu lange auf einen Genossen gewartet<br />
und auf sein Kommen vertraut, nämlich auf den Genossen<br />
Konjunkturaufschwung. Wir haben gehofft, dass bessere wirtschaftliche<br />
Daten uns vor schmerzlichen Einschnitten retten können. Diese Erwartung<br />
ist nicht erfüllt worden und es gab dann einen Punkt, wo man sehr<br />
schnell handeln musste, wenn man nicht eine Selbstabschaffung unseres<br />
sozialen Sicherungssystems riskieren wollte. Selbstabschaffung damit<br />
meine ich Explosion von Renten- und Krankenkassenbeiträgen und so<br />
weiter, dass war also das Ziehen der Notbremse, diese Verkündung der<br />
Agenda 2010 am 14.3. letzen Jahres. Das soll nicht unsere normale<br />
Vorgehensweise werden und deshalb hat z. B. Franz Müntefering gestern<br />
die Gewerkschaften zu einem neuen Dialog aufgefordert. Er hat deswegen<br />
ausdrücklich angekündigt, sich Zeit nehmen zu wollen für die Sorgen,<br />
Gedanken und Ideen innerhalb der Gliederungen der SPD, d.h. wir werden<br />
jetzt zu unseren normalen Verfahren bei der Willensbildung zurückkehren<br />
können.
</p>
<p>
<b>Moderator:  </b>Aber inhaltlich angeboten hat er nichts. Folglich bleibt die Frage:
</p>
<p>
<b>Aurelius:</b>  Sehr viele Menschen sind von der SPD enttäuscht. Eine neue Linkspartei mit Attac hat Potenzial. Macht sich die SPD Sorgen?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Eine neue Linkspartei hat nach allen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte<br />
in Deutschland keine Chance. Selbst die im Osten sehr starke PDS, die<br />
dort in einigen Regionen über 20 Prozent kommt, ist bei den letzten<br />
Bundestagswahlen an der 5-Prozent-Hürde gescheitert und hat heute nur<br />
zwei direkt gewählte Abgeordnete im Bundestag. Eine Abspaltung von der<br />
SPD löst kein einziges Problem, sondern wird den Konservativen als<br />
willkommene Mehrheitsbeschafferin dienen. Denn jede Stimme für eine<br />
solche Partei, die dann an der 5-Prozent-Hürde scheitert, ist verloren<br />
für die Mehrheitsbildung im Bundestag und damit auch verloren für die<br />
Politik. Das sollte jeder wissen, der mit einer solchen<br />
Scheinalternative liebäugelt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir<br />
haben in der SPD jetzt mehrere Machtzentren: Den Kanzler (ist er noch<br />
einer?), Müntefering, die Parteibasis und die Minister, die ihre<br />
eigenen Wege gehen:
</p>
<p>
<b>resta:</b>  Schmeißt Clement den Bettel hin, wenn er sich gegen Trittin nicht durchsetzt?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b>Spannungen<br />
zwischen den Bereichen Wirtschaft auf der einen Seite, Umwelt auf der<br />
anderen Seite und es ist Aufgabe eines jeden Kabinetts einen Ausgleich<br />
zwischen diesen Interessen zu finden. Ich erwarte in der schwierigen<br />
Situation der rot-grünen Bundesregierung, das jetzt beide Minister ihre<br />
Verantwortung erkennen und statt die Sache auf die Spitze zu treiben<br />
(z.B. bei der Frage des Emissionshandels) sich auf Ihre Verantwortung<br />
für das Ganz zu besinnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Die Gerüchte, Clement habe keine Lust mehr, stimmen also nicht?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Wolfgang Clement ist ein Vollblutpolitiker mit einer großen<br />
Gestaltungsmöglichkeit im Kabinett, denn er trägt dei Verantwortung für<br />
diesen gewaltigen Komplex Wirtschaft und Arbeit. Wer ihn kennt, der<br />
kann sich nicht vorstellen, dass er diese großen<br />
Gestaltungsmöglichkeiten freiwillig aufgibt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Noch mal zum Thema Linkspartei:
</p>
<p>
<b>Aurelius:</b><br />
Sie übersehen dabei den zweifelhaften Ruf der PDS und die vielen<br />
Menschen die mittlerweile händeringend nach einer Wahlalternative<br />
suchen.
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Nein, ich übersehe das<br />
nicht, sondern ich bin entschlossen, diesen Suchenden eine Perspektive<br />
innerhalb der SPD zu geben es ist eben einfach ein Irrtum, dass es hier<br />
einen wirksamen Hebel von außen geben wird, den Hebel gibt es nur<br />
innerhalb der SPD, wie er einer Volkspartei mit verschiedenen<br />
Strömungen und gemeinsamen Werten darstellt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Kommen wir zum Irak &#8211; vor fast exakt einem Jahr, am 20. März, hat der<br />
Irak-Krieg begonnen. Sie waren damals gegen den Krieg. Wie beurteilen<br />
sie die heutige Situation des Irak -besser oder schlechter als zu<br />
Saddam-Zeiten?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Es gab einen großen<br />
Schrecken für die Bevölkerung im Irak, der von dem damaligen Regime von<br />
Hussein ausging. Heute gibt es dieses Regime nicht mehr, der Schrecken<br />
ist aber geblieben. Der geht heute aus von täglichen Attentaten von<br />
einem Kampf um die täglichen Mittel zum Überleben und von den enormen<br />
Problemen des so genannten<br />
Nation Building. Wenn man sich überlegt,<br />
welche irrsinnigen Mittel heute für 150.000 Soldaten im Irak ausgegeben<br />
werden, und wenn man sich überlegt, wie lange es noch dauern wird, bis<br />
wir dort Stabilität und Sicherheit haben werden, dann fühle ich mich in<br />
meiner Ablehnung des Krieges bestätigt. Die Massenvernichtungswaffen,<br />
die der Irak angeblich hatte, wurden nicht gefunden, die Behauptung,<br />
dass Saddam-Regime hätte Kontakte mit Al Quaida gehabt, sind widerlegt,<br />
aber heute ist der Irak ein Tummelplatz für Extremismus und Terrorismus<br />
geworden. Das was angeblich den Terrorismus eindämmen sollte, hat eher<br />
zu einem neuen Tummelplatz für neue terroristische Aktivitäten geführt.<br />
Ich finde, dass die Welt durch den Irak-Krieg nicht sicherer, sondern<br />
schlimmer und unsicherer geworden ist .
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Welche Konsequenzen wollen Sie ziehen?
</p>
<p>
<b>schilys:</b>  Sollte Polen seine Soldaten auch abziehen oder wäre das ein Zugeständnis an den Terrorismus und eine Ermunterung?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Ich glaube wir müssen hier zwischen zwei Dingen unterscheiden:<br />
Natürlich wird kein Problem gelöst, wenn immer mehr Länder ihre<br />
Soldaten aus dem Irak abziehen. Auf der anderen Seite ist es das Recht<br />
von Staaten, die meist nur für eine begrenzte Zeit Soldaten entsendet<br />
habe, diese auch wieder zu beenden. Es ist fahrlässig und gefährlich,<br />
etwa den künftigen spanischen Ministerpräsidenten Zapatero zu<br />
beschuldigen, er folge dem Druck des Terrorismus. In Wirklichkeit hat<br />
er nur das in sein Wahlprogramm angekündigt, was 90% der Spanier für<br />
richtig halten, nämlich die Beteiligung an der Besetzung des Irak zu<br />
beenden. Auch in Polen ist die Mehrheit der Meinung, dass das<br />
Engagement beendet werden soll. Es ist in Demokratien nicht nur üblich,<br />
sondern auch richtig, dass die Meinung der Mehrheit bei der Politik<br />
Beachtung findet .Wer das in der Sache für falsch findet, sollte nicht<br />
so tun, als seien das Leute, die Unverantwortlich mit den Terrorismus<br />
umgehen. Wenn wir damit anfangen, mit solchen Argumentationen, geben<br />
wir in Wirklichkeit tatsächlich den Terroraktionen Einfluss auf<br />
innenpolitische Entscheidungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Das ist die Brücke zum Thema Zuwanderung:
</p>
<p>
<b>Uffesheimer:</b><br />
Die Union verlangt, die Ausweisung potenzieller Terroristen innerhalb<br />
des künftigen Zuwanderungsgesetzes zu regeln. Stimmen sie dem zu?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Das Problem ist nicht die Ausweisung, sondern die Frage auf welcher<br />
Grundlage Ausweisungen erfolgen sollen: Auf der Grundlage von<br />
erwiesenen Tatbeständen oder Vermutungen? Unsere Rechtsordnung hat es<br />
bisher aus gutem Grund vermieden, Maßnahmen gegen Menschen auf der<br />
Basis von bloßen Vermutungen durchzuführen. Ich finde hier ist noch<br />
eine sehr gründliche Prüfung dieser Frage notwendig, weil wir an<br />
unserem bisherigen Weg weiterarbeiten sollten wegen der terroristischen<br />
Gefahr nicht unsere grundsätzlichen Rechtsgüter in Frage zu stellen. In<br />
Amerika gibt es schon viele Beobachter, die sagen, der so genannte<br />
&quot;Patriot Act&quot; sei die schlimmste Einschränkung von Bürgerrechten in der<br />
amerikanischen Geschichte. Ich finde es gut, dass es in Deutschland<br />
einen Konsens gibt, diesem Beispiel nicht zu folgen und dabei sollte es<br />
auch bleiben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Wann können wir denn mit einer endgültigen Einigung beim Zuwanderungsgesetz rechnen? Schaffen Sie das vor Ostern?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Man kann Politik nur mit einer vernünftigen Portion Optimismus<br />
betreiben. Ich finde, eine Verständigung in der Frage ist überfällig<br />
und so sehen es auch die Kirchen, die Leute, die sich mit diesen Fragen<br />
beschäftigen und die Mehrzahl der Deutschen. Ich hoffe, dass deren<br />
Erwartungen jetzt ohne weitere Verzögerungen erfüllt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Vielen Dank für ihr Interesse, unsere Diskussions-Stunde ist damit zu<br />
Ende. Vielen Dank Herr Erler, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Am<br />
Mittwoch, 24. März gibt es den nächsten Chat. Dann stellt sich ab<br />
dreizehn Uhr Christian Schmidt, Verteidigungsexperte der Union, Ihren<br />
Fragen. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den<br />
Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht Ihnen noch einen<br />
schönen Tag!
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Volker Beck zu Schäuble und Zuwanderung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/volker-beck-zu-schaeuble-und-zuwanderung-241/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
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		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><b>Volker Beck</b><!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->02.03.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><b>Volker Beck</b><!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->02.03.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p align="left">
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Zum Chat ist heute Volker Beck, Grünen-Bundestagsabgeordneter und<br />
Verhandlungsführer der Grünen beim Zuwanderungsgesetz, ins<br />
ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Kann es losgehen?</span>
</p>
<p align="left">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/vbeck84x115.jpg" align="left" height="115" width="84" /><br />
<b>Volker Beck:</b> Ja
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Dinge braucht der Grünen-Politiker: Erfolg<br />
beim Zuwanderungsgesetz, Erfolg im Super-Wahljahr und einen schönen<br />
Streit, mit dem sich die Opposition selbst beschädigt. Zuwanderungsgesetz<br />
ist noch offen, aber immerhin zerstreitet sich die Opposition über<br />
der Kandidaten-Frage bei der Bundespräsidentenwahl und bei der<br />
Hamburg-Wahl glänzten die Grünen schon mal. Da müsste<br />
es den Grünen doch eigentlich schon ziemlich gut gehen? Wächst<br />
der Einfluss der Grünen in der rot-grünen Koalition wieder?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Also unser Einfluss ist glaube ich seit der letzten<br />
Bundestagswahl gleich hoch und wir haben uns als stabiler Faktor in<br />
der Koalition erwiesen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zuerst zu Zuwanderung, Bundespräsidentenspektakel<br />
kommen wir gleich noch drauf:
</p>
<p>
<b>wasser:</b> Die Frage der &quot;Zuwanderung von Leistungsträgern<br />
ist für eine Stadt wie Hamburg und andere Großstädte<br />
von essenzieller Bedeutung&quot;, sagte Merkel. Ist das nicht auch ihre<br />
Position und wo ist der Dissens?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Der Dissens ist bei der Umsetzung. Wir wollen,<br />
dass in Deutschland, wie in mit uns konkurrierenden Ländern längst<br />
üblich, Spitzenkräfte das Angebot bekommen, auf Dauer in Deutschland<br />
Leben und Arbeiten zu können. Die Union will nur befristete Aufenthaltstitel<br />
anbieten. Damit sind wir unattraktiver als Länder wie beispielsweise<br />
die USA.
</p>
<p>
<b>chatter:</b> Die CDU hat bisher alle Entwürfe der Regierung<br />
zurückgewiesen. Die FDP ist im Prinzip für den aktuellen Entwurf,<br />
wird sich aber wohl erst einmal enthalten. Die PDS hat zuerst Zustimmung<br />
signalisiert, wird nun aber gegen den Gesetzentwurf stimmen, oder?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Was die PDS machen wird, ist völlig irrerelevant,<br />
weil es derzeit darauf ankommt, ob der Bundesrat zustimmen wird.
</p>
<p>
<b>Luise:</b> Hört die CDU nicht, was die Wirtschaft will? Arbeitskräfte?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Die CDU hat sich entschieden, im Bereich Ausländerpolitik<br />
gegen die Interessen der deutschen Wirtschaft und damit auch der Arbeitsplätze<br />
in Deutschland Politik zu machen.
</p>
<p>
<b>flr09:</b> Die Grünen konnten in Hamburg wieder Punkten: Woher<br />
sind die Stimmen gekommen?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Die Stimmen sind von den Jungwählern gekommen,<br />
von der SPD und von der FDP. Neu ist für die Grünen, dass<br />
sie neben der Umweltkompetenz und dem Thema Bürgerrechte erstmals<br />
auch für ihre Kompetenz beim Thema Bildungspolitik und soziale<br />
Gerechtigkeit Stimmen bekommen haben.
</p>
<p>
<b>agendaa:</b> Ist die Karriere von Schill endgültig vorbei?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich wünsche ihm einen schönen Urlaub<br />
in Südamerika!
</p>
<p>
<b>Karim:</b> Wann tritt das Zuwanderungsgesetz in Kraft, wenn es zu<br />
einem Kompromiss am 12 .März kommt?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Das könnte am 1.7.2004 oder 1.1.2005 sein.
</p>
<p>
<b>Bert:</b> Beer warf der Union erneut eine &quot;Abschottungspolitik&quot;<br />
vor. Warum?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Die Union will an keinem Punkt zu einer Neuformulierung<br />
der Regeln bei der Arbeitsmigration kommen. Sie lehnt ihre eigenen Konzepte<br />
zum Punkteverfahren von 2001 genauso ab, wie eine flexiblere Regelung<br />
für qualifizierte Zuwanderer oder ein attraktives Angebot mit einem<br />
Daueraufenthaltsstatus für Höchstqualifizierte. Damit würde<br />
praktisch alles beim Alten bleiben. Ein Zuwanderungsgesetz ohne Zuwanderung<br />
also.
</p>
<p>
<b>Hanne:</b> Sie sagen, in wichtigen Fragen wie der Arbeitsmigration<br />
seien keine Fortschritte erzielt worden. Ob ein Durchbruch gelinge,<br />
sei offen. Wo liegt der Knackpunkt?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Es geht darum, im Bereich der Arbeitsmigration<br />
zu flexibleren Regelungen für die deutsche Wirtschaft zu kommen.<br />
Außerdem wollen wir, dass im Flüchtlingsrecht europäische<br />
Standards, z.B. bei der nichtstaatlichen Verfolgung, endlich auch in<br />
Deutschland eingehalten werden und dass es an anderen Punkten keinen<br />
Rückschritt für Flüchtlinge gibt. Wir brauchen auch dringend<br />
eine Altfallregelung. Es macht keinen Sinn Flüchtlinge über<br />
Jahre hinweg von Monat zu Monat, von Halbjahr zu Halbjahr mit einer<br />
vorübergehenden Duldung auszustatten Irgendwann muss es mit diesen<br />
Kettenduldungen ein Ende haben und müssen diese Flüchtlinge<br />
die Chance für einen Neustart ins Leben in unserem Land erhalten.
</p>
<p>
<b>Petr:</b> Sind die EU-Standards höher als in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> In allen Mitgliedsstaaten der Europäischen<br />
Union ist es selbstverständlich, dass im Falle eines untergegangenen<br />
Staates, wie heute z.B. in Somalia oder früher in Afghanistan,<br />
nichtstaatliche Verfolgung anerkannt wird. Allein in Deutschland weicht<br />
die Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte hiervon ab, so dass uns vom<br />
Ausland hier eine Schutzlücke bei der Umsetzung der Genfer Flüchtlingskonvention<br />
bescheinigt wird.
</p>
<p>
<b>losiop:</b> Wenn CDU-Chefin Angela Merkel weiter eine Lösung<br />
blockiere, würden die Grünen mit der SPD einen Weg finden<br />
müssen, wie man ohne die Union die Situation verbessern könne.<br />
Wie sieht der Weg aus?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Das Ausländerrecht ist grundsätzlich<br />
nach unserer Verfassung eine zustimmungsfreie Rechtsmaterie. Deshalb<br />
kann der Bund, wenn er an den bestehenden Verwaltungsverfahren nichts<br />
verändert oder wenn er die Verwaltungstätigkeit selbst übernimmt,<br />
das materielle Ausländerrecht auch zustimmungsfrei gestalten. Wir<br />
brauchen z.B. dringend eine wettbewerbsfreundliche Regelung für<br />
Höchstqualifizierte. Wenn diese mit der Union nicht zu erreichen<br />
ist, müssen wir der Wirtschaft mit einer zustimmungsfreien Lösung<br />
helfen. Sonst hat Deutschland als Standort für Innovationen und<br />
wissenschaftliche Höchstleistungen keine Chance.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Grünen betonen immer wieder, man werde gemeinsam<br />
mit der SPD entscheiden. Am Ende dürfte der Kanzler das letzte<br />
Wort haben &#8211; und dessen Entscheidungen fallen nicht unbedingt nach grünen<br />
Kriterien. Was wollen Sie dem entgegenhalten &#8211; die Koalition werden<br />
Sie ja wohl nicht platzen lassen.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Wir werden hier gemeinsam entscheiden und niemand<br />
wird hier in der Koalition einsame Entscheidungen fällen. Unsere<br />
Kriterien für eine Zustimmung sind ja auch völlig rational.<br />
Wir werden ein Gesetz machen. wenn es im Bereich der Arbeitsmarktmigration,<br />
im Flüchtlingsschutz und bei der Integration ein Fortschritt gegenüber<br />
dem geltenden Ausländergesetz darstellt. Ist es ein Rückschritt<br />
oder Stillstand, dann macht es keinen Sinn, ein Gesetz als Selbstzweck<br />
zu verabschieden.
</p>
<p>
<b>lemonMUCPARIS:</b> Wird eigentlich berücksichtigt, dass Zuwanderung<br />
nur Sinn macht, wenn man gleichzeitig im universitären Bereich<br />
massiv auf internationale Standards hinarbeitet? Bin gerade als Student<br />
im Ausland und weiß, wie wahnsinnig schwer Anerkennung von Abschlüssen,<br />
Examina etc. ist.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> In diesen Bereichen der gegenseitigen Anerkennung<br />
von ausländischen Qualifikationen müssen wir unbürokratischer<br />
werden. Es kommt oftmals auch auf die tatsächlichen Fähigkeiten<br />
stärker an als auf formale Abschlüsse. Das zeigt das Beispiel<br />
<br />
Bill Gates eindrücklich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Beck, Sie sagen vor allem bei den Hochqualifizierten<br />
sind die bisherigen Regelungen einen Bremse. Jedes Jahr verlassen Tausende<br />
junge deutsche hochqualifizierte Wissenschaftler die Bundesrepublik<br />
in Richtung USA. Ist das die Zuwanderungsdiskussion nicht eine Scheindebatte.<br />
Wäre nicht mit einer Verbesserung der Forschungslage viel mehr<br />
zu erreichen?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Also, es ist richtig, dass wir in der Forschungspolitik<br />
etwas für die Attraktivität Deutschlands tun müssen.<br />
Wir brauchen z.B. dringend einen Wissenschaftstarifvertrag, der auch<br />
außerhalb der Universität attraktive Arbeitsbedingungen sichert.<br />
In modernen, atmenden Gesellschaften ist es allerdings selbstverständlich,<br />
dass ein Teil der akademischen. Elite das Land zumindest zeitweise verlässt,<br />
um an anderen Standorten Erfahrungen und Kontakte zu sammeln. Nur wenn<br />
man dies nicht ausgleicht, indem man im Gegenzug ebenfalls höchstqualifizierte<br />
Akademiker ins Land holt, ist dies ein Problem. Wir leben in einer globalen<br />
Welt, in der Migration einen festen Stellenwert hat. Deutschland verlassen<br />
jedes Jahr im Durchschnitt 600.000 Menschen. Im Gegenzug kommen jährlich<br />
zw. 700.000 und 800.000 Menschen zu uns. Wir sind also ein Einwanderungs-<br />
und Auswanderungsland.
</p>
<p>
<b>lemonMUCPARIS:</b> Wie sieht es im nichtakademischen Bereich aus?<br />
Gibt es da nicht auch durchaus einige Gebiete wo mehr &quot;Gewürz&quot;<br />
gut täte, z.B. Kunst, aber auch Selbständige?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Aus diesem Grund sind wir für die Aufhebung<br />
des Anwerbestopps im Bereich der qualifizierten Tätigkeiten. Die<br />
Wirtschaft soll die Möglichkeit haben, in diesem Bereich Arbeitskräfte<br />
anzuwerben, wenn sie für einen Arbeitsplatz nachweislich weder<br />
einen Deutschen oder einen gleichgestellten EU-Ausländer gefunden<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Beim Anwerbestopp bleibt aber eben diese Bedingung:<br />
es muss niemand aus Deutschland oder der EU für den entsprechenden<br />
Arbeitsplatz geben. Eigentlich gibt&#8217;s das doch gar nicht &#8211; oder nur<br />
für Hochqualifizierte, oder?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Es gibt in vielen Bereichen offene Stellen, die<br />
im Einzelfall nicht durch einen deutschen Bewerber besetzt werden können.<br />
Oftmals fehlen bestimmte Qualifikationen oder die Menschen sind nicht<br />
bereit, von Rostock nach München umzuziehen, um die Arbeit dort<br />
zu tun, wo sie angeboten wird.
</p>
<p>
<b>Armenier:</b> Wer soll untersuchen, ob es keinen deutschen Qualifizierten<br />
gibt, etwa die BA?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ja, das ist eine Aufgabe für die Bundesagentur<br />
für Arbeit.
</p>
<p>
<b>SiD:</b> Was halten Sie von der Idee in Deutschland ebenfalls Eliteuniversitäten<br />
zu gründen? Sollte man nicht vorhandene Unis unterstützen<br />
und somit dem mehr oder weniger letzten verbleibenden Rohstoff &quot;Wissen&quot;<br />
in Deutschland zu halten?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich find es richtig, zwischen den universitären<br />
Einrichtungen mehr Wettbewerb zu ermöglichen. Gute Leistung soll<br />
sich auch auszahlen. Allerdings halte ich nichts davon, ganze Universitäten<br />
gegen einander ins Rennen zu schicken. Für diesen Wettbewerb in<br />
den Disziplinen Forschung , Lehre und Nachwuchsbildung sollten einzelne<br />
Institute oder Fakultäten in Frage kommen.
</p>
<p>
<b>Nodus1978:</b> Die Unis sind nur die Spitze des Eisbergs! Der Unterrichtsausfall<br />
an normalen und berufsbildenden Schulen hat längst ein unerträgliches<br />
Maß angenommen! Dazu kommen überalterte Lehrpläne und<br />
Lehrkräfte die nicht reformfähig sind! Unten muss das bildungspolitische<br />
Umdenken beginnen. Schon im Kindergarten sollte über frühkindliche<br />
und kindgerechte Bildung nachgedacht werden. Dann kann man sich in 5<br />
Jahren noch mal Gedanken über Unis machen!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich glaube nicht, dass wir 5 Jahre Zeit haben.<br />
Der Bund hat im Bereich Hochschulpolitik einen Teil der Verantwortung<br />
und die muss er wahrnehmen. Für die Schulpolitik sind die Länder<br />
zuständig und die müssen ihre Hausaufgaben ebenfalls machen.<br />
Wer mehr Geld in die Bildung investieren will, muss aber Schluss machen<br />
mit der albernen Debatte um weitere Steuersenkungen. Denn irgendwoher<br />
muss das Geld auch kommen.<br />
E.T.: Wie stehen Sie zur emotionalen Frage der Zuwanderung. Es gibt<br />
immer noch sehr viele Menschen in Deutschland die einfach Angst vor<br />
Ausländern haben. Begründet oder nicht, ist hierbei eigentlich<br />
egal. Das Gefühl einer Überfremdung ist meiner Meinung nach<br />
sehr stark.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Das entscheidende ist, dass wir endlich das Thema<br />
Integration systematisch anpacken. Hier hat die Politik 30 Jahre lang<br />
die Sache schleifen lassen. Wir müssen dafür sorgen, im Interesse<br />
der Ausländer, aber auch im Interesse des innenpolitischen Friedens,<br />
dass alle Menschen, die zu uns kommen, die deutsche Sprache erlernen<br />
und Recht und Kultur unseres Landes verstehen. Das baut auch irrationale<br />
Ängste ab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ärger-Thema Bundespräsidentenwahl:
</p>
<p>
<b>Hagen:</b> Als Fischer wegen seiner Sponti-Vergangenheit aus dem<br />
Außenministerium geschossen werden sollte, veranstalteten Opposition<br />
und Medien einen ziemlichen Zirkus. Wie ist es zu erklären, dass<br />
es niemanden aufzuregen scheint, wenn uns jetzt mit Schäuble ein<br />
Mann, der das Parlament belogen hat und per eidesstattlicher Versicherung<br />
beteuerte, illegale Spenden angenommen zu haben &#8211; ein Lügner und<br />
Gesetzesbrecher also &#8211; als der &quot;beste&quot; denkbare Kandidat für<br />
das Präsidentenamt vorgeschlagen wird?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich finde Herr Schäuble ist aus vielen Gründen<br />
nicht der geeignete Kandidat: Er ist das Modell Griesgram für die<br />
schlechtgelaunte Republik. Wir brauchen einen Bundespräsidenten,<br />
oder besser noch eine Bundespräsidentin, die das Land zusammenführen<br />
kann. Also wir warten jetzt erst einmal auf einen Vorschlag der anderen<br />
Seite und dann werden wir uns dazu verhalten. Wir werden auf jeden Fall<br />
die Debatte nicht so führen, wo einzelne Namen wie auf dem Basar<br />
gehandelt werden und die FDP inzwischen schon Koppelgeschäfte ventiliert,<br />
nach dem Motto: Stimm Du für meinen Steuermodell, dann wähle<br />
ich auch deinen unmöglichen Kandidaten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Am Ende könnte auch der Kuhhandel herauskommen:<br />
Nicht der &quot;beste&quot;, sondern der &quot;zweitbeste&quot; Kompromisskandidat<br />
wird Präsident.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Bei der jetzigen Opposition ist nicht auszuschließen,<br />
dass gute Kandidaten keine Chance haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was wäre mit Töpfer, könnten Sie dem<br />
zustimmen?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Töpfer ist auf jeden Fall ein Kandidat, der<br />
über die Lagergrenzen hinaus Akzeptanz findet.
</p>
<p>
<b>logger:</b> Süssmuth ist ein Name, den man sich ernsthaft überlegen<br />
sollte! Ich glaube, dass sie mehrheitsfähig über die Parteigrenzen<br />
hinweg wäre!
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich halte persönlich viel von Frau Süssmuth.<br />
Sie hat als Bundestagspräsidentin bewiesen, dass sie präsidiale<br />
Qualitäten hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe User, vielen Dank für ihr Interesse, vielen<br />
Dank Herr Beck. Morgen Abend chatten wir um 23.00 Uhr mit Tom Buhrow,<br />
dem ARD-Korrespondenten in Washington über den Wahlkampf zwischen<br />
Kerry und Bush. Nach dem Super-Tuesday werden sich die Wahlkampffronten<br />
dort ein bisschen geklärt haben, Tom Buhrow beobachtet den Wahlkampf<br />
aus nächster Nähe und weiß sicher Interessantes zu berichten.<br />
Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Seiten der<br />
Veranstalter. Einen schönen Tag wünscht das tacheles.02-Team!
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Türkei braucht EU-Beitrittsperspektive</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tuerkei-braucht-eu-beitrittsperspektive-268/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Claudia Roth]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><br />
</span></b></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir die Grünen-Politikerin und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung,<br />
Claudia Roth. Sie wird in den kommenden 60 Minuten Ihre Fragen beantworten.<br />
Frau Roth, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ja, ziemlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat sich erneut nachdrücklich gegen<br />
eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union<br />
ausgesprochen. Eine Mitgliedschaft der &quot;türkischen Freunde&quot;<br />
überfordere die EU. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich halte diese Position für absolut falsch. Eine demokratische Türkei,<br />
die den Menschenrechten, den Minderheitenrechten, der Rechtsstaatlichkeit<br />
verpflichtet ist, muss ihren Platz in Europa haben dürfen. Europa<br />
ist nicht der Hort des christlichen Abendlandes, sondern basiert auf Menschenrechten,<br />
Grundrechten und Demokratie. Gerade nach dem 11. September wäre die<br />
Mitgliedschaft der Türkei in der EU ein Ausdruck der Stärke<br />
und ein Signal des Dialogs der Kulturen und des Dialogs der Religionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Hier bitte ich auf den 2. Teil der Frage zu achten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Wie stehen Sie zum EU-Beitritt der Türkei? Sind in der Türkei<br />
nicht Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es gibt in der Tat erhebliche Verbesserungen in der Türkei. Zum Beispiel<br />
wurde die Todesstrafe abgeschafft, wird die Folter bekämpft, gibt<br />
es den Beginn der Anerkennung der kurdischen Realität und die Zurückdrängung<br />
des Militärs aus der Politik. Also eine Dynamik der Veränderungen<br />
ausgelöst durch die EU-Beitrittsperspektive. Das reicht aber noch<br />
nicht aus. Es entscheidet nicht die Papierform von Gesetzen, sondern die<br />
Umsetzung in die Realität. Das heißt, wir müssen weiter<br />
darauf drängen, dass die ausstehenden Reformen erfolgen und das es<br />
in der Tat zu einer Überwindung von Menschrechtsverletzungen in der<br />
Türkei kommt und zum Beispiel die Rechte der Kurden voll anerkannt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie sieht das von Ihnen erwähnte Drängen konkret aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Indem die Beitrittsperspektive glaubhaft bleibt, indem auf die uneingeschränkte<br />
Erfüllung der so genannten Kopenhagener Kriterien bestanden wird,<br />
indem Defizite immer wieder aufgezeigt werden als Vorrausetzung, dass<br />
Ende 2004 konkrete Verhandlungen über den Beitritt beginnen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Guten Tag! Grundsätzlich zustimmend sieht man jedoch Presseberichten<br />
zufolge noch zu viele Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Zudem<br />
denke ich, dass es für den Moment mit der Aufnahme der zehn Beitrittskandidaten<br />
schon ein erhebliches Maß an Dialog der Kulturen gibt, das es erst<br />
einmal zu &quot;integrieren&quot; gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Die Türkei ist das Land mit der längsten Beitrittsperspektive<br />
überhaupt, beginnend 1963. Konkrete Beitrittsverhandlungen würden<br />
Jahre dauern, aber das Integrationssignal für die Türkei &#8211; und<br />
nicht zuletzt für Millionen von Menschen aus der Türkei, die<br />
bei uns leben &#8211; macht deutlich, dass sie nicht &quot;zweitklassig&quot;<br />
sind. Und dass eine säkulare Demokratie, die ihre Wurzel im Islam<br />
hat, sehr wohl Platz in Europa haben kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hannes</b>:<br />
Ist das Tempo, mit der die EU wächst, nicht zu schnell?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gute Frage. Eine Erweiterung muss immer auch Vertiefung bedeuten, so dass<br />
die Europäische Union nicht zu einem reinen Staatenbund wird. Aber<br />
&#8211; und das ist die Heuchelei, auch von Frau Merkel &#8211; ein konkreter Beitritt<br />
der Türkei in die EU wird mindestens noch 10 Jahre dauern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h</b>:<br />
Wie sehen sie die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
eines Beitritts. Und werden Sie sich als Vertreter des Deutschen Volkes<br />
an seinen Willen halten, oder orientieren Sie sich an Ihrer persönlichen<br />
Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich werde mit meiner Partei versuchen, diese Frage verantwortlich und<br />
nicht demagogisch zu diskutieren. Ich werde Ängste ernst nehmen,<br />
sie aber nicht schüren und auf die Vorteile für die EU und die<br />
Türkei immer wieder hinweisen. Für mich ist das Allerpositivste,<br />
dass es mit europäischer Politik in der Türkei zu wirklich enormen<br />
Reformen im Menschenrechtsbereich gekommen ist. Diese Dynamik darf nicht<br />
abgebrochen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dada</b>:<br />
Wie steht denn ihre Partei zu ihrer Meinung? Haben sie alle hinter sich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Auf dem gestrigen Parteitag wurde diese Frage diskutiert und mit einer<br />
Gegenstimme und einer Enthaltung meine Position unterstützt, die<br />
sagt, keinen Rabatt bei Menschen und Minderheitenrechten und keine Ausgrenzung<br />
aufgrund der Religionen der Menschen, die in der Türkei leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Bleiben wir beim Parteitag &#8211; da spielte das Thema Zuwanderung eine Rolle.<br />
Die Verhandlungen über das neue Zuwanderungsgesetz verlaufen schleppend.<br />
Knackpunkte sind vor allem die Arbeitsmigration und die Finanzierung der<br />
Integration. Am nächsten Freitag soll es eine &quot;Bereinigungssitzung&quot;<br />
geben. Was haben die Grünen als Verhandlungsmasse in der Hand?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir wollen ein Zuwanderungsgesetz, das Einwanderung regelt, das Asylrecht<br />
sichert und die Integration fördert. Deutschland braucht Zuwanderung,<br />
nicht zuletzt aus demografischen und ökonomischen Gründen. Es<br />
ist ein Standortnachteil dafür keine Regelung zu haben. Und es ist<br />
ein demokratischer Standortnachteil, wenn in Deutschland die restriktivste<br />
Anerkennungspraxis in Europa praktiziert wird. Es geht nicht nur um das<br />
ob, sondern wie ein Zuwanderungsgesetz sein wird. Die Vorschläge<br />
der Union wollen diametral das Gegenteil. Das heißt, wir stimmen<br />
nicht um jeden Preis zu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber der Vermittlungsausschuss lebt doch von geben und nehmen. Die Positionen<br />
sind klar. Was können sie geben, um zu einer Einigung zu kommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir haben schon viel gegeben, aber ein Gesetz darf erstens kein Potemkinsches<br />
Dorf sein. Es muss modern Europa-tauglich, völkerrechtskonform und<br />
zukunftsorientiert sein. Wir dürfen nicht auf Jahre eine zukunftsorientierte<br />
Zuwanderungspolitik mit einem falschen Gesetz blockieren. Dafür wäre<br />
die Union in vollem Maße verantwortlich. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und was machen Sie, wenn sich Rot und Schwarz einfach über ihren<br />
Kopf hinweg einigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das wird nicht passieren. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Halten Sie Debatten um Zuwanderung in der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt<br />
für gerechtfertigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nicht nur für gerechtfertigt, sondern für notwendig. Verantwortliche<br />
Politik muss deutlich machen, dass nicht Migranten an Arbeitslosigkeit<br />
Schuld sind. Es gibt Branchen, in denen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen.<br />
Mit der Greencard-Initiative wurden im Schnitt pro Person zwei neue Arbeitsplätze<br />
geschaffen. Das heißt, es findet keine Verdrängung statt, sondern<br />
das Gegenteil. Selbstverständlich muss in Deutschland sehr viel zukunftsorientierter<br />
ausgebildet werden als bisher. Die deutsche Universität leidet unter<br />
dem restriktiven Ausländergesetz. Es fällt immer schwerer, qualifiziertes<br />
ausländisches Lehrpersonal zu bekommen. Wir brauchen aber die Internationalisierung<br />
auch der deutschen Hochschulen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius</b>:<br />
Welches sind die wichtigsten Punkte im Vorschlag der Grünen zum Zuwanderungsgesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Erstens eine Punktesystem, das Einwanderung regelt. Zweitens: Die Anerkennung<br />
nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer Verfolgung. Drittens: Integration,<br />
die mehr als den reinen Spracherwerb bedeutet. Das ist aber mehr als eine<br />
Stakkatoantwort.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das Thema Türkei bewegt die Gemüter, deshalb:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h:</b><br />
Warum wird bei Beitrittsverhandlungen die Türkei beachtet, Russland<br />
jedoch nicht, das auch halb in Asien liegt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Im Ankara-Vertrag wird seit 1963 die europäische Perspektive verankert.<br />
In der Türkei ordnen sich 90 Prozent der Bevölkerung zu Europa.<br />
In der EU leben schon jetzt Millionen von Menschen, die aus der Türkei<br />
zu uns gekommen sind und gerade Deutschland kann eine herausragende Brücke<br />
im Sinne einer starken multikulturellen, multireligiösen EU spielen.<br />
Russland, als EU-Mitglied, würde in der Tat diesen Rahmen sprengen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schweizer</b>:<br />
Was sind die Vorteile für die EU und für Deutschland?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es sind ökonomische Vorteile. Es sind aber vor allem Vorteile, die<br />
in Zeiten von internationalem Terrorismus eine Stärkung der EU durch<br />
eine demokratische Türkei als Signal gegen Terrorismus bedeuten würde.<br />
Der Anschlag auf Istanbul war ein Anschlag auf eine weltoffene, europäische<br />
Metropole. War ein Anschlag auch auf unsere Werte, auf Demokratie, auf<br />
gleiche Rechte von Mann und Frau, war ein Anschlag auf unser Lebens- und<br />
Gesellschaftsmodell und deswegen braucht die Türkei und die EU Integration<br />
und nicht Ausgrenzung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Die großen Vorteile einer europäischen Integration anerkennend,<br />
bedeutet ein Beitritt der Türkei zur EU aber auch eine gemeinsame<br />
Grenze mit dem Irak. Wie sieht der Irak in zehn Jahren aus? Hier sind<br />
im Augenblick nur Spekulationen möglich. Aber müsste eine Befürwortung<br />
des Türkei-Beitritts nicht auch bedeuten, dass sich die Bundesregierung<br />
am (heute leider noch so brenzligen) Nationbuilding im Irak beteiligt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das Nein zum Krieg im Irak hat keinesfalls bedeutet ein Nein zu humanitärer<br />
Hilfe und zur Unterstützung des politischen Aufbaus des Iraks. Wir<br />
setzen uns im Rahmen der UN massiv dafür ein, zum Beispiel für<br />
einen schnellstmöglichen Souveränitätstransfer auf irakische<br />
Vertreter. Die Situation im Irak ist zutiefst erschütternd und deprimierend<br />
und macht leider deutlich, dass der Krieg nicht positiv gewirkt hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Leiten wir nun zum Thema Vermögenssteuer über &#8211; Benjamin mit<br />
einem interessanten Gedanken:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>benjamin</b>:<br />
Sie reden von Standortnachteil und vom ökonomischen Nutzen. Liberale<br />
Rhetorik &#8211; auch in der Partei mehren sich die Wirtschaftsliberalen? Kommt<br />
die Vermögenssteuer oder bringt die allzu starke Standortnachteile?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Also Wirtschaftsliberale bin ich sicher nicht, sondern alte Jungdemokratin.<br />
Der Standort Deutschland braucht konsequente Reformen. Diese Reformen<br />
sind nötig, um den sozialen Rechtstaat auch in der Zukunft zu erhalten.<br />
Diese Reformen sind nicht sozialer Kahlschlag, wie es Union und FDP wollen.<br />
Reformpolitik findet nur dann Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn<br />
es gerecht zugeht. Mit der Vermögenssteuer wird eine Gerechtigkeitslücke<br />
geschlossen. Es kann nicht sein, dass sich Firmen wie BMW oder Daimler,<br />
armrechnen und keinen Beitrag leisten zum Gemeinwohl diesen Landes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rothenburger</b>:<br />
Vermögenssteuer: Sind die Grünen-Linken um Ströbele unverbesserliche<br />
Anti-Kapitalisten, die den Lauf der Zeit nicht verstehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nein, ich bin Anhängerin des Grundgesetzes, in dem steht, dass Eigentum<br />
verpflichtet. Und ich vermag nicht einzusehen, warum Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger<br />
ihren Beitrag leisten müssen, Vermögende aber nicht. Das hat<br />
nichts mit Anti-Kapitalismus zu tun, sondern mit sozialer Gerechtigkeit<br />
und Solidarität, mit sozialen Rechten, die die Grundlage unserer<br />
Demokratie sind. Working-Poor, Kopfpauschale, Aufhebung des Kündigungsschutzes<br />
ist nicht Lauf der Zeit, sondern ein Anschlag auf unser Gesellschaftssystem,<br />
das auch sozialen Zusammenhalt braucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ist das nicht Augenwischerei. Die Grünen-Spitze hat trotz Entgegenkommen<br />
mehr als klar gemacht, dass es eine effektive betriebliche Vermögenssteuer<br />
nicht geben wird. Es wurde auf dem Parteitag dagegen gestimmt, einen verbindlichen<br />
Gesetzesentwurf von der Bundestagsfraktion zu fordern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Der Parteitag hat sich eindeutig auch für eine betriebliche Vermögenssteuer<br />
ausgesprochen, ohne im Detail die Kriterien zu benennen. Der politische<br />
Wille ist klar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kofi</b>:<br />
Aber im Bundesrat finden sie doch keine Mehrheiten für ihre Aussagen.<br />
Jetzt schöne Reden halten kann ich auch. Aber wie sehen die Kompromisse<br />
aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Dass sie so schöne Reden halten können, freut mich. Aber die<br />
Tatsache, dass es im Bundesrat andere Mehrheiten gibt, darf nicht bedeuten,<br />
schon vorauseilend eigene Positionen aufzugeben. Wir müssen sie als<br />
machbar darstellen und notwendig für die Zukunft und damit die Blockadepatrioten<br />
der CDU/CSU unter Druck setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also doch die Beruhigungspille für ihre Parteibasis, zumindest aus<br />
Sicht von Reinhard Bütikofer und Christine Scheel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Keine Beruhigungspille, sondern politischer Auftrag an Bundesvorstand<br />
und Fraktion. Im Übrigen ist der Konsens sehr groß. Wir wollen<br />
eine Vermögenssteuer, wie sie im Detail aussieht, muss jetzt erarbeitet<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jürgen</b>:<br />
Wie groß ist der administrative Aufwand, um die Vermögenssteuer<br />
einzutreiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Diese Frage unterstellt, dass er zu groß sei. Wir hatten bis 1996<br />
eine Vermögenssteuer. Ich sehe keinen Grund, sie nicht wieder einzuführen.<br />
Wenn wir wissen, wie enorm groß Vermögen in Deutschland ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Anmerkung &#8211; die Vermögenssteuer hat 1996 gerade 4,6 Milliarden eingebracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gerade sagen sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nun ja, bei knapp 43 Milliarden Defizit. Aber nun letzte Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sonnenblumenfee</b>:<br />
Möchten Sie wieder die Grünen-Chefin werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Aus Bayern kommend sage ich, &quot;schaun wir mal&quot;. Diese Frage stellt<br />
sich nicht heute. Deswegen auch heute keine Antwort.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Unsere Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle für ihr Interesse und<br />
die zahlreichen Fragen. Es ist leider Vieles noch unbeantwortet geblieben.<br />
Dank an Sie, Frau Roth. Das Transkript dieses Chats und aller anderen<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Deutschland sollte endlich eine gesteuerte und gezielte Einwanderung bekommen.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Marieluise Beck]]></category>
		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
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		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte 
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte<br />
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und<br />
wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Im<br />
ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich heute Marieluise Beck, die<br />
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und<br />
Integration. Können wir loslegen, Frau Beck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Frau Beck, im Vermittlungsausschuss wird derzeit zwischen Union und Rot-Grün<br />
über das Zuwanderungsgesetz verhandelt. Ihre Parteichefin Angelika<br />
Beer hat gefordert: &quot;die wesentlichen Bestandteile&quot; des rot-grünen<br />
Gesetzentwurfes müssten erhalten bleiben, sonst werde das ganze Vorhaben<br />
platzen. Sehen Sie das auch so und wo ist die Grenze für Sie, hinter<br />
die man nicht zurückfallen darf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die Grenze wird grob dort markiert, wo es eine Verschärfung<br />
und Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Ausländerrecht gäbe.<br />
Allerdings, muss man sich in Erinnerung rufen, weshalb dieses neue Gesetz<br />
überhaupt gemacht wurde. Deutschland sollte endlich eine gesteuerte<br />
und gezielte Einwanderung bekommen, damit wir den Herausforderungen einer<br />
modernen Gesellschaft gewachsen sind. Wer fordert den Anwerbestop aufrechtzuerhalten,<br />
negiert den eigentlichen Impuls für dieses Gesetz.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>soso</b>:<br />
Die Debatte im Bundesrat zum Einwanderungsgesetz war peinlich für<br />
die Politik und der Sache schädlich. Wie haben sie sich dabei gefühlt<br />
und was denken sie in der Sache darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck:</b> Ich habe als Zuschauerin dem Drama im Bundesrat beigewohnt.<br />
Als &quot;Ausländerbeauftragte&quot; bin ich sehr wohl vertraut damit,<br />
dass gerade Ausländerthemen immer wieder als Folie herhalten müssen<br />
für politische Auseinandersetzungen, bei denen es eigentlich um Machtfragen<br />
geht. Das finde ich sehr bedauerlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
Wie will man Chancengleichheit für Migrantinnen und Migranten herstellen,<br />
wenn Politik und Gesellschaft diese nach wie vor als unbeliebte aber für<br />
den Bedarfsfall nützliche Humanressource betrachten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie treffen den Kern des Problems mit ihrer Einschätzung.<br />
Ich bin fest davon überzeugt, dass Integration nur gelingen kann,<br />
wenn wir den Migrantinnen und Migranten echte Angebote machen, zu unserer<br />
Gesellschaft dazuzugehören. Das bedeutet vor allem, Chancen zu eröffnen<br />
in Bildung und Ausbildung, in Zugängen zu gesellschaftlichen Institutionen<br />
und mit einer Haltung, die gleichzeitig kulturelles und religiöses<br />
Anderssein respektiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kerner</b>:<br />
Aber wollen Ausländer dazu gehören? Sie schotten sich doch ab?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Das halte ich für ein gut gepflegtes Vorurteil, das<br />
bedauerlicherweise oft von jenen geäußert wird, die den Einwanderern<br />
nicht wirklich die Türen in unserer Gesellschaft öffnen wollen.<br />
Nach meinen Erfahrungen überschätzen wir als Aufnahmegesellschaft,<br />
wie viele kleine Demütigungen, Kränkungen und Zurückweisungserfahrungen<br />
es für viele Migrantinnen in unserer Gesellschaft gibt und damit<br />
produzieren wir zum Teil den Rückzug, den wir dann beklagen.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard.jpg" alt="Marieluise Beck" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Migros</b>:<br />
Heißt integrieren Deutsch-werden? Und wie werde ich deutsch? Wo<br />
fängt das an und wo hört das auf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Chapeau. Es gibt nicht den Ausländer und es gibt nicht<br />
den Otto-Normaldeutschen, der als Maßstab für vollzogene Integration<br />
herhalten könnte. Moderne Gesellschaften sind pluralistisch, das<br />
heißt es gibt lesbische, heterosexuelle, asiatisch aussehende, schwarze,<br />
jüdische, christliche, atheistische, muslimische, buddhistische Menschen,<br />
jeweils unter den Deutschen und auch unter den Migranten. Gemeinsam Basis<br />
für das Deutschsein sind die Grundwerte der Verfassung und die Rechtsordnung.<br />
Kulturelle und religiöse Differenz, sind von den klugen Verfassungsvätern<br />
und -Müttern explizit geschützt worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Veronika</b>:<br />
Wie können Sie als Ausländerbeauftragte überhaupt Einfluss<br />
nehmen auf die Stimmung in der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
Ausländern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die schärfste Waffe der Migrationsbeauftragten ist<br />
das Wort. Wie ich höre, hat auch der Bundespräsident keine anderen<br />
Instrumente in der Hand oder im Mund. Es geht immer um Aufklärung,<br />
Ausleuchten des Fremden und Unbekannten, Dialog, sich Kennenlernen, Einschätzen<br />
können, was das Fremde oder die Fremden mitbringen oder durch ihre<br />
Symbole vermitteln wollen. Kurz gesagt, es gibt keine Alternative zu einer<br />
aufklärenden Debatte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal zum &quot;Deutschsein&quot;:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pauöli</b>:<br />
Aber jede Gesellschaft und jeder Staat muss doch klare Grenzen haben,<br />
sonst macht das Staatsbürgerrecht ja keinen Sinn mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie haben vollkommen Recht. Es geht mit der Staatsbürgerschaft<br />
um die Zugehörigkeit zu einer Nation. Die Eintrittsbedingungen in<br />
eine Nation sind klar definiert, sei es durch Geburt oder bei den Einbürgerungen<br />
durch Aufenthaltszeiten, Sprachkenntnisse und die Sicherung des eigenen<br />
Lebensunterhaltes plus die Anerkennung der Verfassungswerte und des Rechtsstaates<br />
als gemeinsame Grundlage für die Zugehörigkeit zu einer Nation.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>UmsÖ</b>:<br />
Die Franzosen sind ganz &quot;natürlich&quot; stolz auf ihr Land.<br />
Sollten die Deutschen das auch sein und entspannter damit umgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Angesichts der unfassbaren Ereignisse, die durch den deutschen<br />
Faschismus in die Welt getragen worden sind, fällt es schwer, umstandslos<br />
stolz auf dieses Land und damit seine Geschichte zu sein. Anders als in<br />
Frankreich mit seiner republikanischen Tradition und einem unbefangenen<br />
Patriotismus ist nach der deutschen Geschichte das Verhältnis zur<br />
Nation gebrochener. Es geht in Deutschland immer darum, die dunklen und<br />
die hellen Seiten der eigenen Geschichte gemeinsam auszuleuchten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Kommentare zu Staatsbürgerschaft und Deutsch-Sein:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>student nl</b>:<br />
Ich sehe es nicht mehr wirklich ein, den Kopf einzuziehen, denn ich meine,<br />
ein Deutscher kann stolz darauf sein, wie er mit seiner Geschichte umgeht,<br />
anders als die Japaner z.B., deren Präsident das Grab eines Kriegsverbrechers<br />
ehrt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
apropos Deutsch-Sein: Teile unserer Gesellschaft sollten es akzeptieren,<br />
dass der Gedanke vom Deutsch-Sein aufgrund der Abstammung in die Geschichte<br />
gehört. Für eine überfällige Errungenschaft des Staatsbürgerschaftsgesetztes<br />
halte ich die Tatsache, dass deutsche Staatsbürgerschaft nun aufgrund<br />
des Jus Soli erreicht werden kann. Der Gedanke vom &quot;deutschen Blut&quot;<br />
gehört endgültig aufs Abstellgleis.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Zu student nl: Es geht bei der Haltung gegenüber Deutschland<br />
nicht um individuelle Schuldgefühle, die eine zweite und dritte Nachkriegsgeneration<br />
zu Recht zurückweist. Es geht allerdings dennoch, um ein historisches<br />
Bewusstsein, dass die Nation, zu der wir als Bürgerinnen und Bürger<br />
gehören, eine Geschichte hat, die wir nicht negieren können,<br />
und die gleichzeitig auch Verpflichtungen für unsere Haltung und<br />
Handlungen, jetzt, bedeuten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kommentar<br />
zu Gunnar</b>. Sie haben ja Recht. Das Absurde in Deutschland war,<br />
dass bis zur Staatsbürgerschaftsrechtsreform im Jahr 2000 Ausländer<br />
in deutschen Kreissälen geboren wurden. Rein statistisch wäre<br />
die Zahl der Ausländer in Deutschland deutlich niedriger, wenn wir<br />
wie andere republikanische Staaten das Jus Soli (Geburtsrecht) früher<br />
eingeführt und Einbürgerungen erleichtert hätten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zur folgenden Frage: Haben Sie da Erfahrungen, vielleicht im Austausch<br />
mit den Ausländerbeauftragten anderer Länder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pontek</b>:<br />
Wieso haben andere Staaten denn nicht dieses Problem, so haben sich die<br />
Kolonialmächte in ihrer Blütezeit auch nicht gerade mit Ruhm<br />
bekleckert. Gewiss ist die deutsche Schuld eine besondere, aber gerade<br />
in Sachen Rassismus ist bspw. die USA (Sklavenhandel etc.) auch nicht<br />
gerade ein Vorbild, aber mit Patriotismus hat dort keiner Probleme!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Um diese schwierige Frage zu beantworten, muss man vermutlich<br />
etwas tiefer in die deutsche Geschichte und in die Frage der Nationenbildung<br />
einsteigen. Die USA und Frankreich &#8211; deren Nationenbildung fand eindeutig<br />
auf der Basis von allgemeinen Bürgerrechten statt und machte damit<br />
ein Angebot an alle Bürger, sich mit dem eigenen &quot;Vaterland&quot;<br />
zu identifizieren &#8211; während zeitgleich im mitteleuropäischen<br />
Raum, der jetzt Deutschland ist, noch viele Kleinstaaten plus das Königsreich<br />
Preußen und das Kaiserreich Österreich existierten. Deutschland<br />
verstand sich deswegen lange Zeit als Kulturnation, zusammengehalten durch<br />
Sprache und Kultur, und der positive Rückgriff auf allgemeine Werte,<br />
wie die Bürgerrechte fand nicht statt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Halstuch</b>:<br />
In Berlin werden Kopftücher für Lehrerinnen nicht verboten,<br />
lese ich. In Baden-Württemberg wird eifrig an einem Gesetz gearbeitet.<br />
Diese Uneinheitlichkeit ist verwirrend und verunsichert. Sollten sie da<br />
nicht ein Machtwort sprechen?</span>
</p>
<p><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich kann ihnen nur zustimmen. Ich finde auch, dass man<br />
politische Entscheidungen viel öfter mir übertragen sollte,<br />
dann hätten wir nicht so ein Durcheinander im Föderalismus.<br />
😉 </p>
<p>
Angesichts der Tatsache, dass die Schulpolitik in die Hoheit der Länder<br />
fällt und es sich bei der Kopftuchfrage um eine schulische Angelegenheit<br />
handelt, können in den Ländern unterschiedliche Gesetze gemacht<br />
werden. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil die<br />
Grundlagen für eine solche Gesetzgebung deutlich markiert: wenn man<br />
sich entscheidet, die Institution Schule säkular werden zu lassen,<br />
das heißt religiöse Symbole und Inhalte aus dem Ort Schule<br />
verbannt, dann muss das alle Religionen in gleichem Maße treffen.<br />
Die Alternative ist das Zulassen von Vielfalt. Grenzen bestehen dort,<br />
wo religiös-politisch missioniert wird. Ich gehe davon aus, dass<br />
der Versuch der Kultusministerin Schavan, diese Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts<br />
zu umgehen und die christlich, jüdischen Symbole als &quot;normal&quot;,<br />
die islamischen als nicht-zugehörig, zu definieren, verfassungsrechtlich<br />
nicht standhalten wird.
</p>
<p></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wo endet die Gleichheit der Kulturen? Warum soll die christliche Kultur,<br />
die die deutsche Nation Jahrhunderte lang prägte und ja immer noch<br />
gelebt wird, nicht vorrangig vermittelt werden?</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Wir haben in Deutschland eine sehr dramatische Erfahrung,<br />
wie über den Ausschluss einer Religion, nämlich der jüdischen,<br />
die dann sogar zu der künstlichen Definition einer Ethnie umgedeutet<br />
wurde, zunächst zu harten Diskriminierungen und dann zur Ausmerzung<br />
führte. Die Gleichheit der Religionen, die die Verfassungsväter-<br />
und mütter ins Grundgesetz geschrieben haben, ist eine historische<br />
Konsequenz aus diesem Teil der deutschen Geschichte. Das bedeutet jedoch<br />
nicht, dass wir eine christlich- abendländische Prägung, die<br />
wir zweifellos haben, verstecken sollten.</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Magenta</b>:<br />
Wie reagieren Schüler auf das Kopftuch? Gibt es dazu Untersuchungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Anders als die aufgeregte politische Debatte, sind in den<br />
Orten, wo es kopftuchtragende Lehrerinnen gibt, Schülerinnen und<br />
Schüler und auch Eltern deutlich gelassener mit dieser Frage umgegangen,<br />
als die ideologischen Vorturner. In Nordrhein-Westfalen gibt es seit Jahren<br />
kopftuchtragende Lehrerinnen und es sind keinerlei Konflikte aus diesen<br />
Schulen bekannt geworden. Es gab sogar Protestaktionen von Schülern,<br />
Schülerinnen und Eltern, nachdem einer kopftuchtragenden Referendarin<br />
die Weiterbeschäftigung untersagt wurde, weil sie ihre Lehrerin wiederhaben<br />
wollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wilhelms</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Beck, auch auf die Gefahr hin, dass Sie schon mal auf<br />
eine ähnliche Frage geantwortet haben: Wie wollen Sie mit dem Problem<br />
umgehen, dass die islamische Religion &#8211; in ihrer Entwicklung 600 Jahre<br />
rückständig &#8211; auf eine radikale Missionierung der christlich-jüdischen<br />
Welt aus ist? Ähnlich wie die Kreuzfahrer üben sich auch die<br />
heutigen radikalen Moslems nicht in Toleranz und gefährden unsere<br />
innere Sicherheit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt nicht die Christen und nicht die Moslems. Es gibt<br />
in der Tat höchst alarmierenden politischen Extremismus, der meint<br />
sich vom Islam ableiten zu können, sowohl in fundamentalistischen<br />
Staaten, wie Afghanistan unter den Taliban, Iran unter den Mullahs und<br />
zum Beispiel der Norden Nigerias. Doch ebenso wie das Christentum sich<br />
einen kulturellen Wandel nicht entziehen konnte, gibt es auch einen Islam,<br />
der die universellen Menschenrechte anerkennt, und damit auch demokratische<br />
und Gleichheitsgrundsätze. Wenn wir diese Ausdifferenzierung des<br />
Islam nicht wahrzunehmen bereit sind, verlieren wir jede Chance auf Dialog.<br />
Die Friedensnobelpreisträgerin dieses Jahres ist eine Muslime aus<br />
dem Iran.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>matze3</b>:<br />
Ich habe einen Bericht über die steigende Kriminalität bei russischen<br />
Aussiedlern gesehen. Dort scheint es ein zunehmendes Integrations-Problem<br />
zu geben. Wie wollen Sie diese Bevölkerungsgruppe stärker integrieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt leider keinen Instrumentenbaukasten &quot;Integration&quot;,<br />
wie den Arztkoffer. Trotz Sprachkursangeboten und Qualifikationsangeboten<br />
durch die Bundesanstalt für Arbeit, gibt es in der Tat viele Konflikte<br />
vor Ort mit Spätaussiedlern, die zu zunehmenden Anteilen mitreisende<br />
russische Familienmitglieder sind. Ich gehe davon aus, dass es keine Alternative<br />
zu dem sehr mühseligen Weg gibt, auch für diese Zugewanderten<br />
möglichst viele gesellschaftliche Chancen zu eröffnen, das heißt<br />
Zugänge zu schaffen, Teilhabe zu ermöglichen, damit sie selber<br />
einen integrierten Weg durch die deutsche Gesellschaft für lohnenswert<br />
erhalten, als einen desintegrierten, der Kriminalität, formal Drogenabhängigkeit<br />
und Gewalttätigkeit, bedeutet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
In vielen Städten ist eine Gettoisierung von einzelnen Stadtvierteln<br />
bereits Fakt. Duisburg-Marxloh oder das Rollberg-Viertel in Berlin-Neukölln<br />
&#8211; dort wohnen auch viele Aussiedler aus der früheren Sowjetunion.<br />
Der Berliner &quot;Tagesspiegel&quot; sprach gestern von &quot;no-go-areas&quot;.<br />
Die Politik sei hilflos, heißt es. Ist die Gettoisierung noch rückgängig<br />
zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich selber verwende den Begriff des Gettos nicht, weil<br />
er historisch klar definiert ist, als auch räumlich abgeschlossen.<br />
Ich halte es für treffender, von ethnischen Communities zu sprechen,<br />
deren Entstehung überall auf der Welt mit Migration verbunden ist.<br />
Man denke an Chinatown in New York oder das Holländische Viertel<br />
in Potsdam. Problematisch werden diese Communities dann, wenn sie sozial<br />
zerfallen, über extrem hohe Arbeitslosigkeit, miserable städtebauliche<br />
Verhältnisse, Unterbeschäftigung von Jugendlichen, Perspektivlosigkeit<br />
und fehlenden sozialintegrativen Angeboten. Insofern handelt es sich bei<br />
den Problemen, in den von Ihnen genannten Vierteln zumeist, neben den<br />
ethnischen Problemen, immer auch um soziale Probleme. Das konnte man übrigens<br />
in England, bei den gewalttätigen Revolten von jungen Migranten,<br />
deutlich lernen. Bei einer solchen Zusammenballung von Problemen, gibt<br />
es keine Alternative, als auch in diesen Räumen, Perspektiven auf<br />
Chancen der Teilhabe entgegenzusetzen durch Investitionen in Bildung,<br />
Anschluss zum Arbeitsmarkt und Stadtentwicklung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman991</b>:<br />
Was sagen Sie zu der Angst Vieler, dass gerade in der heutigen Krisenzeit<br />
hohe Zuwanderung die Deutschen Probleme speziell auf dem Arbeitsmarkt<br />
vergrößert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Generell ist ökonomisch belegt, dass wir bisher durch<br />
die Zuwanderung wirtschaftlich profitiert haben. Sowohl in den Unternehmen<br />
als auch in den Sozialversicherungssystemen. Zuwanderung von Menschen,<br />
die auf dem deutschen Arbeitsmarkt keine Chance bekommen, ist in der Tat<br />
ein Problem. Nicht nur weil der Arbeitsmarkt ein zentraler Ort von Integration<br />
ist, sondern weil sonst auch Kosten entstehen. Wir wissen aber, dass es<br />
namhafte Bereiche auf dem Arbeitsmarkt gibt, die von deutschen Arbeitnehmern<br />
nicht mehr angenommen werden. Dazu gehören Pflege, Gastronomie, Haushalt.<br />
Gleichzeitig haben wir auch im hochqualifizierten Bereich Segmente des<br />
Arbeitsmarktes, bei dem gutqualifizierte Menschen fehlen und deren Nichtvorhandensein<br />
Arbeitsplätze kostet. So wissen wir inzwischen, dass jeder eingereiste<br />
IT- Fachmensch, drei Arbeitsplätze in Deutschland nach sich gezogen<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hopi</b>:<br />
Wie lange muss ich mich in einem geeinten Europa noch entscheiden, ob<br />
ich Deutsche ODER Italienerin sein will &#8211; wann wird die doppelte oder<br />
die europäische Staatsbürgerschaft verwirklicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ist für Deutsche und Italiener bereits der Fall &#8211;<br />
seit einem Jahr.<br />
Innerhalb der EU gibt es eine Vereinbarung auf Gegenseitigkeit bei der<br />
Hinnahme von Doppelstaatsbürgerschaft.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat- und Politik- Interessierte, vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und die zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Frau Beck, dass Sie sich<br />
die Stunde Zeit genommen haben (es ist sogar etwas mehr geworden). Das<br />
Transkript dieses Chats finden Sie wie alle anderen auch auf den Seiten<br />
der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Eine Bundesausländerbeauftragte &#8220;zum Chatten&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine-bundesauslaenderbeauftragte-zum-chatten-395/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[cdowe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Apr 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Marieluise Beck]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>Marieluise Beck im Chat am 24. April 2001</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Marieluise Beck im Chat am 24. April 2001</b></span><!--break--><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Einen Tag, nachdem die CSU ihr<br />
umstrittenes Strategiepapier zur Einwanderung vorgelegt hatte, war<br />
Marieluise Beck, Ausländerbeauftragte des Bundes, zu Gast im Chat von<br />
stern.de und politik-digital. Rund um die Themen Einwanderung und<br />
Rassismus wurde engagiert diskutiert. Becks Meinung zu den Entwürfen<br />
der CDU: <i>&quot;Es macht mich perplex, dass nach einem Jahr Debatte die<br />
CSU mit einem so dünnen Papierchen an die Öffentlichkeit tritt und<br />
dafür auch noch Beifall bekommt. Die CSU Verlautbarungen enthalten<br />
keinen einzigen ausdifferenzierten Vorschlag sondern nur allgemeine<br />
Willensbekundungen. Aber vielleicht ist man ja schon erstaunt, wenn<br />
eine CSU zum Thema Einwanderung überhaupt so etwas zu stande bekommt&quot;.</i><br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Überhaupt machte die<br />
Bundesausländerbeauftragte keinen Hehl aus ihrer Haltung gegenüber den<br />
jüngsten Bemerkungen der Union. Die Äußerung des CDU-Generalsekretärs<br />
Laurenz Meyer, er <i>&quot;schäme sich nicht, ein Deutscher zu sein&quot;</i>, passe nicht zu einer demokratischen offenen Gesellschaft. Dies sei ein Bekenntnis zu einem <i>&quot;Stöckchen&quot;</i>, das von rechten Wahlplakaten komme. Aber auch zu Mitgliedern der eigenen Partei hatte Beck  Kritisches zu bemerken: <i>&quot;Ich<br />
fand es schade, dass Trittin mit seiner überzogenen Polemik die<br />
Möglichkeit verschenkt hat, Herrn Meyer dort anzugreifen wo es<br />
politisch notwendig gewesen wäre&quot;.</i><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dass Deutschland schon seit<br />
langem ein Einwanderungsland sei, negiere die Gesellschaft nur bislang.<br />
Die Bremer Politikerin verlieh ihrer Sorge um den zunehmenden Rassismus<br />
im Alltag Ausdruck.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Als einen wichtigen Integrationsfaktor bezeichnete Beck das Erlernen der deutschen Sprache, <i>&quot;weil man sonst von Schule, Ausbildung oder beruflichem Fortkommen abgehängt wird&quot;</i>. Da aber viele Zuwanderer das Recht auf Zuwanderung haben <i>&quot;kann man Sprachkurse nur im Angebotsweg anbieten&quot;</i><br />
erklärte Beck. Was die Möglichkeiten der multikulturellen Gesellschaft<br />
angeht, gab sich die Abgeordnete der Grünen optimistisch: <i>&quot;Jede<br />
dritte Ehe in westdeutschen Großstadtzentren wird inzwischen binational<br />
geschlossen, bundesweit hat jedes 6. Kind binationale Eltern. Also<br />
keine Integration?&quot;</i><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Trotz des hohen Klärungsbedarf im Chat musste Beck ihr eigenes Amt im Chatraum verteidigen. Auf die Frage eines Chatters: <i>&quot;Wenn denn schon alles so toll geregelt ist, wozu brauchen wir dann noch eine Ausländerbeauftragte?&quot;</i> konterte sie: <i>&quot;Zum Chatten&quot;</i>.<br />
Vertiefend erklärte sie, dass sie und ihr Team neben ihren eigentlichen<br />
politischen Aufgaben etwa 1300 Einzelfälle im Jahr bearbeiten. Probleme<br />
gäbe es jedoch, weil in Deutschland viele unterschiedliche Stellen sich<br />
mit der Einwanderung befassten. <i>&quot;Eine politische Instanz, die<br />
endlich System in dieses Wirrwarr bringt, wäre sicherlich vernünftig.<br />
On the long run könnte das auch ein Ministerium sein&quot;.</i><br />
<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/politik/chataktuell/archiv/5150_13139.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
<!-- Content Ende --></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="center">
<p>
			&nbsp;
			</p>
<p>			<center><br />
			<i><a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Kommentieren<br />
			Sie diesen Artikel!</span></a></i><br />
			</center><br />
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
			</span><br />
			<center><br />
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><i><a href="http://www.politik-digital.de/salon/diskussion/">Diskutieren<br />
			Sie mit anderen in unserem Forum!</a></i></span><br />
			</center></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></span></p>
]]></content:encoded>
					
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			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Wolfgang Bosbach</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat-mit-wolfgang-bosbach-477/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jun 2000 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Bosbach]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/chat-mit-wolfgang-bosbach-477/</guid>

					<description><![CDATA[<table border="0">
	<tbody>
		<tr valign="top">
			<th align="right">Moderator:</th>
			<td>
			Sehr geehrter Herr Bosbach, im Namen von politik-digital moechte ich
			Sie herzlich zu unserer heutigen digitalen Diskussionsrunde begruessen.
			Viel Spass!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<table border="0">
<tbody>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Sehr geehrter Herr Bosbach, im Namen von politik-digital moechte ich<br />
			Sie herzlich zu unserer heutigen digitalen Diskussionsrunde begruessen.<br />
			Viel Spass!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Zuerst eine kleine Einleitungsfrage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">sunny:</th>
<td>
			Was bewegte Sie zum Eintritt in die CDU?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Das war die Auseinandersetzung über die Ostverträge Anfang der 70&#8217;er<br />
			Jahre und der Umstand, dass ich damals viele junge Leute nicht nur<br />
			politisch interessierten und engagierten, sondern auch parteipolitisch<br />
			betätigt haben.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">annex:</th>
<td>
			Steht die Mehrheit in CDU- und CSU-Fraktion hinter Ihren Ideen?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Für mich kam nur die Union in Frage. Zunächst war ich nur JU-Mitglied und bin dann in die CDU eingetreten.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Fragen sie mich dienstag Abend noch einmal. Ich erwarte in der Fraktion eine lebhafte und interessante Debatte.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">login:</th>
<td>
			wo steht für sie die CDU in der heutigen parteienlandschaft
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			In der Mitte wäre zu einfach. Die CDU bemüht sich auf die aktuellen<br />
			Fragen die richtigen Antworten und für die drängenden Zukunftsproblemen<br />
			die richtigen Lösungen zu finden.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">m_barth:</th>
<td>
			Welchen Aufwand betreibt ihre Partei im Internet &#8230; Kosten, Personen, spezielle Inhalte etc. ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Ich glaube, dass uns ein rechts-links-Schema nicht weiter bringt.<br />
			Entscheidend ist ob die Politik richtig oder falsch, zukunftsorientiert<br />
			oder rückwartsgewandt ist.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			ich bin wohl ein bisschen zu voreilig mit den fragen 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Diese Auskunft kann ihnen nur unsere Bundesgeschäftsstelle geben.<br />
			Jedenfalls bemühen wir uns, den neuen Info-Medien viel stärker zu<br />
			nutzen als es früher der Fall war.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Larsandl:</th>
<td>
			Wie wollen Sie die CDU/CSU im Bereich Medien, inbesondere Neue Medien,<br />
			verbessern? Wo gibt es in Ihren augen in der eigenen Partei Mängel?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Wir müssen als Union viel stärker auf neue technische Möglichkeiten und die damit verbundenen Chancen reagieren&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Hier geht es aber nicht nur um die Nutzung neuer technischer Anwendungen sondern auch um Inhalte&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Ich glaube, dass das Internet eine einmalige Chance bietet, Politik<br />
			transparenter zu machen und viel mehr Menschen als bislang in<br />
			Meinungsbildungsprozesse mit einzubeziehen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">m_barth:</th>
<td>
			Was halten Sie von Wahlen über das Internet? 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Meinungsbildung und innerparteiliche Abstimmungen könnte ich mir vorstellen; Wahlen im klassischen Sinne jedoch nicht&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Wir sollten den Gang zum Wahllokal nicht durch den Mausklick<br />
			ersetzen. Ausserdem kann ich beim besten Willen nicht überblicken<br />
			inwieweit Missbrauchsmöglichkeiten verhindert werden können.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">login:</th>
<td>
			glauben sie,dass über das internet wieder eine grössere nähe zwischen wählern und politik geschaffen werden kann?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Uneingeschränkt: ja! Allerdings wird das Internet nie den persönlichen Kontakt und den persönlichen Dialog ersetzen können.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">m_barth:</th>
<td>
			Und Sie persönlich wie nutzen sich das Internet, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Wir haben sowohl im Berliner Büro als auch im Wahlkreisbüro ein<br />
			Internet-Zugang und ich habe zunächst nicht damit gerechnet welchen<br />
			Umfang die Kommunikation via Internet annehmen würde&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Meine Erfahrungen sind durchweg positiv. Nicht zuletzt deshalb,<br />
			weil sich User erfahrungsgemäß kurz und präzise ausdrücken und die<br />
			Dinge auf den Punkt bringen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">annex:</th>
<td>
			Sie sprechen in Ihrem Thesenpapier von &#8216;Quoten&#8217; &#8211; sollen die auch für Asylbewerber gelten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Nein! Denn das würde im Ergebnis bedeuten, dass bei Erreichen der<br />
			beschlossenen Quote ein tatsächlich politisch Verfolgter keine Aufnahme<br />
			mehr finden könnte&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Allerdings müsste konsequenterweise ein hoher Zuzug von politisch Verfolgten Auswirkungen haben auf den Zuzug im übrigen&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Wir können nicht unsteuerbaren Zuzug und gesteuerten Zuzug einfach<br />
			addieren. Deswegen bessere Bekämpfung des Asylmissbrauchs, um<br />
			Möglichkeiten für Zuwanderung aus anderen Gründen zu gewinnen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">ilona5:</th>
<td>
			wann ist deutschland ein einwanderungsland geworden? mit dem antritt ihrer neuen parteivorsitzenden?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Deutschland wirbt seit 1973 nicht mehr um Zuwanderung. Dennoch sind in den letzten 10 Jahren netto 2 Mio. Ausländer zugezogen&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Die Frage ob wir trotzdem oder deshalb ein Einwanderungsland sind<br />
			ist müßig, denn viel wichtiger ist die Beantwortung der Frage, welche<br />
			Chancen die Einwanderer in unserem Land haben und was wir von ihnen<br />
			nicht nur erwarten dürfen sondern auch erwarten müssen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Daran hat sich mit der Wahl von Frau Dr. Merkel nichts geändert.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">annex:</th>
<td>
			Wie wichtig war für Ihr Papier die Arbeit der &#8216;Arbeitsgruppe Flüchtlingskonzeption&#8217; von Wolfgang Schäuble von 1990?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Ich habe mich nicht an zuvor angefertigten Papieren orientiert, sondern<br />
			ausschließlich die mir übertragene Aufgabe erfüllt eine<br />
			Zustandbeschreibung über aktuelle Fragen der Einwanderungspolitik<br />
			abzugeben und eine Diskussionsgrundlage für eine moderne Ausländer- und<br />
			Asylpolitik vorzulegen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">paul:</th>
<td>
			Ist die einwanderungspolitik der USA auf deutsche Verhältnisse übertragbar?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Nein, weil wir im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten nie ein klassisches Einwanderungsland waren.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">login:</th>
<td>
			finden sie die haltung der cdu in bezug auf die einwanderungsdebatte<br />
			nicht äusserst inkonsequent? wenn man die letzten jahre betrachtet, in<br />
			denen sie immer behauptet haben deutschland sei KEIN einwanderungsland,<br />
			jetzt jedoch die gegnteilige meinung vertreten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Die USA sind 23mal so groß wie die Bundesrepubli Deutschland, haben aber nur 3mal so viel Einwohner&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;außerdem haben sie ganz andere Probleme wie wir, denken Sie beispielsweise an die Situation im Grenzgebiet zu Mexiko.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			zu login: &#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;ich habe in meinem Diskussionspapier ausdrücklich darauf<br />
			hingewiesen, dass uns die Erörterung der Frage, ob wir ein<br />
			Einwanderungsland sind überhaupt nicht weiter bringt&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;je nach dem welche politische Meinung man vertrat, wurde die Frage bajaht oder verneint. Was war damit gewonnen?&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Entscheidend ist alleine, wie man mit Einwanderung umgeht und<br />
			Einwanderen umgeht und wie man Belastungen vermeidet und Chancen nutzt.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">heini:</th>
<td>
			Welche Maßnahmen sind nach den gehäuften Polizistenmoreden in letzer<br />
			Zeit zu ergreifen, um eine höhere Sicherheit der Beamten zu<br />
			gewährleisten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Die Morde in Dortmund und Waltrop wären zwar nicht durch moderne<br />
			schuss- und stichfeste Schutzwesten zu verhindern gewesen, dennoch<br />
			braucht unsere Polizei diese Ausrüstung&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Daneben muss die Aus- und Fortbildung dahingehend verbessert werden,<br />
			dass Gefahrensituationen früher erkannt werden können und rechtzeitiger<br />
			reagiert werden kann.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Floarin:</th>
<td>
			Beurteilen Sie den Kompromiss zum Atomausstieg zwischen Regierung und Atomwirtschaft positiv oder negativ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Ich kann nicht erkennen, dass es sich hier um einen Ausstieg handelt.<br />
			Es handelt sich um eine Vereinbarung zum Abbau von Arbeitsplätzen an<br />
			den Standorten von Kernkraftwerken..
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Ich gehe davon aus, dass die Energieunternehmen nach und nach<br />
			verstärkt zu Energiehandelsunternehmen werden, die ganz sicher auch mit<br />
			Atomstrom handeln werden, der außerhalb Deutschlands produziert wird.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">login:</th>
<td>
			welche entscheidung erhoffen sie von den gruenen in bezug auf den atomausstieg?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Die Grünen müssen sich zwischen der Beibehlatung ihrer politischen Überzeugung oder der Beibehaltung ihrer Ämter entscheiden&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Ich habe keinen Zweifel, dass sie die letzte Alternative wählen werden.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">muffin:</th>
<td>
			Was kann ein Friedrich Merz in der CDU bewirken, was seine Vorgänger nicht schaffen würden oder geschafft haben?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Friedrich Merz kann und wird in der Fraktion von CDU und CSU ebenso wie<br />
			Angela Merkel in der Partei dafür sorgen, dass es zu offenen und fairen<br />
			Diskussionen über die wichtigen Sachfragen unserer Zeit kommt und dass<br />
			die dann zu treffenden Entscheidungen geschlossen getragen werden&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Ich glaube, dass lebhafte Diskussionen in einer Partei die Menschen<br />
			nicht verwirren, sondern beweisen, dass die Union eine lebendige<br />
			Volkspartei ist, in der auch unterschiedliche Meinungen zum tragen<br />
			kommen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Da die Zeit leider schon vorbei ist stellt m_barth nun die vorletzte Frage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">m_barth:</th>
<td>
			Wie wird der Einfluß des Internets in der Zukunft auf die Politik aussehen, wo sehen Sie Chancen?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Der Einfluss des Internets wird kontinuierlich zunehmen und ich bin der<br />
			Überzeugung, dass nicht nur die junge Generation das Medium noch<br />
			stärker nutzen wird&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Wähler und Gewählte rücken schneller und enger zusammen. Das ist<br />
			allerdings noch keine Garantie dafür, dass die politischen<br />
			Entscheidungen schneller fallen. Das jedoch wäre wichtig.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			&#8230; und nun die letzte Frage;-(
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">lynX:</th>
<td>
			Wie groß (prozentual?) ist in der CDU noch das Widerstreben gegen eine<br />
			Erneuerung und der Wunsch zur Rückkehr zu den geruhsamen Zeiten der<br />
			sechzehnjährigen Regierung?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Der Bundesparteitag in Essen hat gezeigt, dass die Sehnsucht nach einem<br />
			Neuanfang viel größer ist als der Wunsch &quot;in die gute alte Zeit&quot; zurück<br />
			zu kehren&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Wir haben keinen Grund nicht zur Geschichte der Union und unserer<br />
			historischen Programmatik zu stehen. Ganz im Gegenteil, aber jede Zeit<br />
			hat ihre neue Herausforderungen, die man nur mit einem Blick nach vorne<br />
			bewältigen kann.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Herr Bosbach, im Namen von politik-digital möchte ich mich bei Ihnen<br />
			für die vergangenen abwechslungsreichen Minuten bedanken! Gruss nach<br />
			Koeln!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Es war für mich eine interessante Erfahrung, die ich gerne wiederholen würde!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Wir stehen immer bereit! 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Ab Montag wird das transcript dieses chats bei politik-digital zu finden sein!</td>
</tr>
</tbody>
</table>
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