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	<title>Entwicklungshilfe &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Entwicklungshilfe &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Digitale Entwicklungshilfe – Neue Netze eröffnen neue Wege</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan Raab]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jun 2016 14:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Subsahara]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Internet verbreitet sich über den Globus. Auch Afrika wurde längst von den Dynamiken der Digitalisierung erfasst. Informations- und Kommunikationstechnologien [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/regenbogen-natur-afrika-ökologisch-509500-by-wjgomes-via-pixabay-licensed-under-cc0-e1466696843651.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-149602" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/regenbogen-natur-afrika-ökologisch-509500-by-wjgomes-via-pixabay-licensed-under-cc0-e1466696843651-630x276.jpg" alt="regenbogen-natur-afrika-ökologisch-509500 by wjgomes via pixabay licensed under cc0" width="630" height="276" /></a>Das Internet verbreitet sich über den Globus. Auch Afrika wurde längst von den Dynamiken der Digitalisierung erfasst. Informations- und Kommunikationstechnologien werden zu einem wichtigen Wachstumsfaktor und eröffnen neue Möglichkeiten in der Entwicklungspolitik.</p>
<h3>Afrika wächst und die Welt zusammen</h3>
<p>Die Welt sei ein Dorf mit 100 Einwohnern. Davon wären 10 Europäer, 16 Afrikaner und 60 Asiaten. Würden wir dieses Dorf im Jahre 2050 wieder besuchen, so würden darin schon 133 Menschen leben. Von ihnen wären 10 nach wie vor Europäer, 74 Asiaten und schon 33 Afrikaner. Es zeigt sich, die Bevölkerung im Süden wächst immer weiter. Bis 2050, lauten die Prognosen, wird die Bevölkerung in Afrika sich auf fast zwei Milliarden Menschen verdoppeln.</p>
<p>Dies stellt die Entwicklungszusammenarbeit und das Wachstum in den Ländern im globalen Süden vor große Herausforderungen. Aber die Bevölkerung wächst nicht nur, sie wächst auch zusammen. Das Internet spielt eine immer wichtigere Rolle im Leben der Menschen. Mittlerweile besitzt die Mehrheit der Afrikaner zwar immer noch keinen Computer oder hat regelmäßigen Zugang zu Elektrizität; Smartphones als Kommunikationsmittel und digitales Endgerät sind aber sehr verbreitet. Im Durchschnitt besitzen 24% der Weltbevölkerung ein Smartphone. In den Entwicklungsländern sind dies bereits 35% und die Zahl nimmt weiter zu. Verfügten im Jahre 2000 gerade einmal 2% der Afrikaner &#8211; vornehmlich Behörden &#8211; über Telefone, besitzen heute schon über 650 Millionen Afrikaner ein Smartphone.</p>
<p>Diese digitale Durchdringung ermöglicht neue Wege in der Entwicklungspolitik. „Die Unterzeichnerstaaten haben es sich zum Ziel gesetzt durch effiziente Telekommunikation, die friedlichen Beziehungen untereinander, die Zusammenarbeit von Mensch und Wirtschaft sowie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.“ Die internationale Fernmeldeunion, die zweitälteste internationale Organisation neben dem Roten Kreuz, setzt sich seit 1865 für die gleiche Teilhabe aller Staaten und ihrer Bewohner am technischen Fortschritt ein. Dazu zählt unter anderem, die Standards zu harmonisieren und auf diese Weise eine geregelte, friedvolle Zusammenarbeit zu fördern. Genau an dieser Stelle setzt die Entwicklungspartnerschaft Deutschlands mit ausgewählten zentralafrikanischen Staaten an. Ziel des Projektes „Digitales Afrika“ ist es, die zunehmende Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für die Entwicklungsarbeit zu nutzen und Wachstumsimpulse zu setzten. Nach Berechnungen der Weltbank steigert jede Erhöhung der digitalen Vernetzung um 10 Prozentpunkte, das Wirtschaftswachstum um 1,12 Prozentpunkte.</p>
<h3>Gute Ideen brauchen gute Vernetzung</h3>
<p>Das Projekt <a href="http://www.bmz.de/de/mitmachen/Wirtschaft/Strategische_Partnerschaft_Digitales_Afrika/index.jsp">„Digitales Afrika“</a> fördert den Ausbau und die Verbreitung der IKT-Netzwerke. Dies geschieht zum einen durch die finanzielle Unterstützung lokaler Anbieter, zum anderen durch die Vernetzung von Ideen, Ressourcen und Knowhow. „Ich komme heute nicht mehr mit dem Geldbeutel und bohre ein paar Brunnen. Wir exportieren Innovationen, Knowhow und Technologiepartnerschaft“, erläuterte Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller.</p>
<p>Vernetzung und Austausch stehen im Vordergrund der Zusammenarbeit. Auf regelmäßigen Netzwerkveranstaltungen sollen junge afrikanische Gründer die Möglichkeit erhalten, Netzwerke und Kooperationspartner für ihre Ideen zu gewinnen. Zeitgleich sollen europäische Unternehmen dabei unterstützt werden, in den digitalen afrikanischen Markt zu investieren. Dazu gehören Gutachten und Beratung sowohl für europäische als auch für lokale Unternehmer. Ganz im Sinne des <a href="http://www.oecd.org/dac/effectiveness/42564567.pdf">Aktionsplan von Accra</a> aus dem Jahre 2008 wird die eigenständige und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung durch die Förderung von lokalen Unternehmern betont.</p>
<p>Zwar mangelt es auf dem afrikanischen Kontinent nicht an eigenen Ideen und mutigen Gründern, häufig fehlt jedoch die Möglichkeit, diese Ideen umzusetzen. Zwar ist das Smartphone immer omnipräsenter im afrikanischen Alltag, häufig fehlt es aber an Computern, Internetleitungen oder sogar einfach an Elektrizität. Aus diesem Grund sind in den letzten Jahren verschiedene Hubs entstanden, die hier Abhilfe schaffen sollen. Beispiele für solche Einrichtungen sind etwa das <a href="http://www.iceaddis.com/">Iceaddis</a> auf dem Campus der Universität von Adis Abeba, Äthiopien, der <a href="http://www.iceaddis.com/">Active Space</a> in Kamerun oder aber das erste Hub seiner Art in Afrika, das <a href="http://ihub.co.ke/">IHub</a> in Nairobi. In Ländern wie Kamerun, wo nur etwa 3% Zugang zum Internet haben, sind solche Einrichtungen von besonderer Bedeutung, da sie Zugang zu digitaler Infrastruktur ermöglichen. Zudem bieten viele dieser digitalen Zentren auch Weiterbildungsangebote und Möglichkeiten, das im Studium erlernte anzuwenden. Auf diese Weise wird eine Brücke zwischen Studium und Beruf ermöglicht. Nicht zuletzt wird durch das Zusammentreffen der verschiedenen jungen Unternehmer der kreative Gedankenaustausch gefördert. Mittlerweile sind über ganz Afrika mehr als 119 dieser Technikhubs entstanden mit steigender Tendenz. Vernetzt sind diese digitalen Ideenwerkstätten durch das <a href="http://afrilabs.com/">Afrilab</a>, welches deren gegenseitigen Austausch und die Zusammenarbeit koordiniert.</p>
<h3>Von der Idee zum eigenen Unternehmen</h3>
<p>Obwohl diese Begegnungsstätten ein hohes kreatives Potenzial aufweisen, stehen sie selber vor großen Herausforderungen. In vielen Fällen, sofern die Regierung diese nicht unterstützt, handelt es sich bei vielen Hubs selbst noch um Startups. Um sich finanzieren zu können und langfristig zu bestehen, sind viele von ihnen dazu übergegangen, ihren Fokus auf die Erforschung neuer Dienste zu legen und diese dann anzubieten. In Zukunft soll neben Sponsoren vor allem die Forschung eine wichtige finanzielle Grundlage für diese digitalen Ideenwerkstätten werden.</p>
<p>Afrika ist ein junger Kontinent mit vielen jungen, frischen Ideen. Leider werden diese viel zu selten wahrgenommen. Aus diesem Grund bieten die Hubs eine erste Anlaufstelle, um die eigenen Ideen bekannt und potentielle Investoren darauf aufmerksam zu machen. Die Hauptaufgabe der digitalen Zentren liegt vor allem in der Beratung und Vermittlung von Ideen, Knowhow und Ressourcen. In vielen Fällen sind die Investitionssummen der kleinen Startups viel zu gering, um bedeutende Investoren davon zu überzeugen. Daher fördern Unternehmen wie <a href="http://www.88mph.ac/">88mpH</a> des Informatikers Paul Graham neue innovative Ideen. Zwischen 2011 und 2014 unterstützte das Unternehmen bereits 36 Startups in Kenia und Südafrika erfolgreich dabei, sich auf dem Markt zu etablieren.</p>
<h3>Global im Netz für regional vor Ort</h3>
<p>Selbst in den entlegensten Gebieten, wo es häufig selbst an Zugang zu Elektrizität oder sauberem Trinkwasser fehlt, verfügen die Menschen über digitale Endgeräte. In einem Erdteil, in dem Regionen noch immer von Analphabetismus, Armut, schlechter Infrastruktur und mangelnder Bildung geprägt sind, eröffnet das digitale Zeitalter neue Möglichkeiten. Ganz nach den Grundsätzen <a href="http://iotmanifesto.org/">des IoT-Manifests</a> soll der Fortschritt dem Menschen dienen und eine win-win-win-Situation für alle Beteiligten schaffen. Open-Source Systeme lassen sich an die Bedürfnisse der einzelnen Regionen und ihrer Nutzer anpassen und werden von diesen angenommen.</p>
<p>Das System <a href="http://www.safaricom.co.ke/personal/m-pesa">M-Pesa</a> des kenianischen Mobilfunkanbieters Safaricom ist ein Ergebnis des technischen Wandels in Afrika. In der afrikanischen Gesellschaft übernehmen traditionell die „Chaama“, Familienverbände, die Verwaltung der Finanzen. Sie entscheiden darüber, wie die Mittel verwendet werden sollen. Ohne diese Familienverbindungen waren größere Anschaffungen kaum möglich. Die Anwendung M-Pesa hingegen ermöglicht es, bequem online die eigenen Finanzen zu verwalten. Nach dem Prinzip eines Prepaid-handys wird der gewünschte Betrag eingezahlt und ist dann wie bei einem Girokonto frei verfügbar. Viele Kioske und Läden in Kenia und Zentralafrika bieten mittlerweile die Möglichkeit, auf diese Weise zu bezahlen. Aber auch Kredite von bis zu 12.500 US-Dollar sind möglich. Mittlerweile werden durch M-Pesa täglich etwa 1,6 Millionen Transaktionen im Wert von bis zu 50,6 Millionen US-Dollar getätigt.</p>
<p>Ein bestimmender Faktor Afrikas ist nach wie vor die Landwirtschaft. Mithilfe von Anwendungen wie <a href="https://www.mfarm.co.ke/">MFarm</a> erhalten Bauern zahlreiche Ratschläge, um ihren Ertrag zu steigern. Zudem haben die Landwirte die Möglichkeit, die Preise für ihre Erzeugnisse einzusehen, womit sie eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Zwischenhändlern erlangen. Leider bestimmen auch Unruhen und instabile Demokratien das Bild der afrikanischen Politik. Darum gründete eine Gruppe von Bloggern und Softwareentwicklern aus Kenia die Open Source Software „<a href="https://www.ushahidi.com/">Ushahidi“</a>, was übersetzt Zeugenaussage bedeutet. Erstmals kam die Software bei den dortigen Präsidentschaftswahlen 2007 zum Einsatz, um gewaltsame Ausschreitungen zu dokumentieren. Mittlerweile hat sich diese Software genau wie die anderen beschriebenen Projekte immer weiter verbreitert und findet nicht nur in Afrika großen Anklang.</p>
<h3>Bildung als Schlüssel zur Nachhaltigkeit</h3>
<p>Um den langfristigen Erfolg dieser und vieler weiterer Projekte zu sichern, ist langfristiges Denken nötig. Insbesondere die Bildung ist ein entscheidender Faktor, verfügen doch viele afrikanische Schüler über kaum Zugang zu höherer Bildung und viele afrikanische Schulen nur über mangelnde Ausbildungsmöglichkeiten. <a href="http://get.mxit.com/">Mxit</a>, die afrikanische Variante des Whatsapp, spricht vor allem junge Afrikaner an. Zeitweise hatte die südafrikanische Kommunikationsplattform im Land mehr Nutzer als Facebook. Dabei geht es den Mxit-Usern nicht nur ums Chatten und Kommunizieren, sondern immer mehr Bildung wird über dieses Netz vermittelt. Denn nur wenige Schulen in ländlichen Regionen sind mit einer guten Bibliothek ausgestattet und gute Schulbücher sind oftmals nur schwer zu bekommen. Konzepte wie <a href="http://blog.paperight.com/">Paperight</a> machen es möglich, im nächsten Cybercafe die Schulbücher einfach auszudrucken. Mit <a href="http://live.fundza.mobi/about/">FunDZa</a> erhalten Smartphonebesitzer die Möglichkeit, bequem über Mxit zwischen einer Vielzahl an Büchern zu wählen, aber auch eigene kleine Texte und Werke zu veröffentlichen.</p>
<p>Afrika durchlebt eine neue Dynamik technischen Wandels. Eine junge Generation von Afrikanern bringt frische Ideen für das Afrika und die Welt von morgen mit. Viele Projekte wurden bereits erfolgreich umgesetzt und bieten eine langfristige Perspektive für Wachstum und Innovation auf dem Kontinent. Diese Ideen gilt es zu fördern und vor allem mit Bildung, Knowhow und Ressourcen zu unterstützen. Denn wie sagt ein afrikanisches Sprichwort: „Einer allein kann kein Dach tragen.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild:<a href="https://pixabay.com/de/users/wjgomes-547207/"> Wjgomes</a> via <a class="external" href="https://pixabay.com/">Pixabay</a> licensed <a class="external" href="http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/">CCO</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Digitale Lösungen in Entwicklungsländern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Schwenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Mar 2016 09:43:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Internet der Dinge]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungsländer]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Crowdfunding]]></category>
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					<description><![CDATA[Neue Technologien steigern den Anbau von Nahrungsmitteln in afrikanischen Ländern. Eine immer größere Rolle neben Apps spielt hierbei das Internet [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/BauermitHandy-Ken-Banks-Kiwanja.net-CC-BY-SA-2.0-via-flickr1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-148738 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/BauermitHandy-Ken-Banks-Kiwanja.net-CC-BY-SA-2.0-via-flickr1.jpg" alt="BauermitHandy-Ken Banks, Kiwanja.net-CC-BY-SA 2.0-via flickr" width="640" height="280" /></a></p>
<p>Neue Technologien steigern den Anbau von Nahrungsmitteln in afrikanischen Ländern. Eine immer größere Rolle neben Apps spielt hierbei das Internet der Dinge.</p>
<p>Bis 2050 sollen laut Berechnungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen 9,1 Milliarden Menschen auf der Erde leben, allein für die Regionen der Subsahara wird ein Bevölkerungswachstum von 108% vorausgesagt. Diese Menschen gilt es dann auch zu ernähren, dabei können Technologien unterstützend wirken. Hierzu gibt es drei große Trends in Entwicklungsländern. Erstens: Wissen vermitteln, um den Anbau effizienter zu machen. Zweitens: Durch Crowdfunding Projekte die Finanzierung sichern. Und Drittens: Versicherungen, um Erträge zu sichern. Alle drei Trends basieren darauf, dass auch stark rurale Gebiete immer mehr Mobilfunknetze haben. Bis 2020 soll bereits knapp die Hälfte der Bevölkerung der Subsahara eine Mobilfunkverbindung haben.</p>
<h3>Trend #1: Wissen ist Macht</h3>
<p>Das einfachste Mittel zur Kommunikation in entlegenen Gegenden ist das Handy. Über das Handy bekommen die Bauern Informationen, wie zum Beispiel den aktuellen Marktpreis ihres Gutes. Oft sind die Bauern nicht in der Lage, selbst auf Märkten ihre Waren anzubieten, sondern verkaufen sie an einen Händler, der sie am Markt weiterverkauft. Dabei waren die Bauern lange auf die Ehrlichkeit und das Wissen der Händler angewiesen und konnten selbst nicht kontrollieren, für wie viel Geld ihr Produkt weiterverkauft wurde. Dank der Informationen über den Marktpreis können die Bauern in faire Verhandlungen treten. Unternehmen wie Esoko haben derzeit schon mehr als 350.000 Kunden in zehn Ländern und senden diesen nicht nur Informationen zum Marktpreis, sondern ermöglichen auch Planung durch Wettermeldungen. Die Meldungen kommen dabei ganz einfach per SMS. Aber auch ganz praktische Tools wie Tipps zum Anbau werden angeboten. Das Problem der hohen Analphabetenrate umgehen die Anbieter ganz pragmatisch: Die Tipps werden einfach per Sprachnachricht verschickt. In Indien ist man schon einen ganzen Schritt weiter, neben den Informationen zum Anbau bietet Nano Ganesh die Möglichkeit, Bewässerungsanlagen über Handy zu steuern.</p>
<h3>Trend #2: Sharing is caring – die Kuh gehört vielen</h3>
<p>Nicht nur Tipps zum Anbau finden ihren Weg zu den Bauern. Mit der App iCow können kenianische Bauern Daten zu ihren Herden eingeben und bekommen dafür personalisierte Informationen und Erinnerungen zum Melken und Impfen. Andere Anbieter gehen noch weiter: Farmable zum Beispiel bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, kleine Summen in eine Kuh zu investieren. Nach der Schlachtung der Kuh wird das Fleisch verkauft und die Investoren bekommen ihre Dividende. Diese Art des Crowdfundings ermöglicht Bauern die Anschaffung von Tieren, die sie sich sonst womöglich nicht leisten könnten. Um Diebstahl vorzubeugen, wird den Tieren ein RFID-Chip eingepflanzt. Dieser Chip ermöglicht es Bauern ihre Herden online zu verfolgen, so können auch verirrte Tiere wiedergefunden werden.</p>
<h3>Trend #3: Versicherungen stellen Lebensunterhalt sicher</h3>
<p>„Weil wir das Wetter nicht kontrollieren können“- damit wirbt die wohl bekannteste Versicherungsgesellschaft für Kleinbauern in Afrika, Kilimo Salama. Kilimo Salama, zu deutsch „Sichere Landwirtschaft“, versichert Bauern, deren Erträge für große Versicherungsgesellschaften nicht interessant sind. Abgesehen vom Vertragsabschluss läuft alles online ab. Die Bauern zahlen 10% ihres Aufwandes für Samen an Kilimo Salama als Versicherungsprämie und werden mit einer Wetterstation ausgestattet. Die Wetterstationen senden regelmäßig Daten an die Versicherung, die so schnell mitbekommt, wenn Dürren oder zu starker Regen die Ernte bedrohen. In diesem Falle werden automatisch Entschädigungen an die Bauern gezahlt. Auch das geschieht online, über ein mobiles Zahlungssystem. Für die Bauern ist damit der Lebensunterhalt gesichert, ohne dass in einem langwierigen Prozess zunächst ein Gutachter zu der Farm reisen muss.</p>
<p>Immer mehr Kleinbauern in Afrika versichern so ihre Ernte. Das Projekt, das es seit 2009 gibt, zählt derzeit mehr als 800.000 Kunden. Neben den afrikanischen Staaten Kenia, Ruanda, Tansania, Botswana und Zimbabwe soll die Versicherung auch bald im asiatischen Raum angeboten werden.</p>
<h3>Internet der Dinge – Chance für Entwicklungsländer</h3>
<p>Viele dieser Technologien, wie zum Beispiel die automatischen Erinnerungen an Impfungen und die Wetterdatenübertragung, basieren auf dem Internet der Dinge (IoT). Darunter versteht man in erster Linie alle Geräte, die als „intelligent“ bezeichnet werden, also mit anderen Geräten kommunizieren können. Bekannt sind hierzulande vor allem Anwendungsfelder wie die <a href="http://politik-digital.de/news/internet-der-dinge-teil-7-industrie-4-0-141454/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Industrie 4.0</a> oder <a href="http://politik-digital.de/news/internet-der-dinge-teil-4-smart-cars-141164/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">selbstfahrende</a> Autos. In Entwicklungsländern werden große Hoffnungen in das Internet der Dinge gesetzt und für viele akute Probleme enstehen durch das IoT neue Lösungsmöglichkeiten: So gibt es neben den Unterstützungen für Bauern <a href="http://www.betterplace-lab.org/de/das-internet-der-dinge/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Projekte</a>, die die Kühlkette von Impfstoffen überwachen. Die oft sehr hitzeempfindlichen Stoffe werden in Kühlbehältern gelagert, die bei Überschreiten einer bestimmten Temperatur Alarm schlagen. Auch in der Katastrophenhilfe hat sich das Internet der Dinge bereits bewährt, durch Sensoren, die seismografische Veränderungen aufzeichnen, können Frühwarnsysteme Betroffene per Push-Benachrichtigung warnen. Nach Katastrophen können durch Ortungssysteme Opfer leichter gefunden und Hilfe organisiert werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/kiwanja/3170270786/in/gallery-140176341@N05-72157664059938159/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ken Banks, kiwanja.net</a><span class="licensetpl_attr">,</span> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 2.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Transparenz in der Entwicklungshilfe</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/transparenz-in-der-entwicklungshilfe-5442/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sebastian Drescher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 15:57:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[Datenaustausch]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlanden]]></category>
		<category><![CDATA[Open Aid Conference]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbank]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei der ersten Open Aid Conference in Berlin trafen gestern Open Data-Experten auf Entwicklungshelfer. Die zentrale Frage dabei: Wie können technische Lösungen und neue Datenstandards der Entwicklungszusammenarbeit zu mehr Transparenz und Effektivität verhelfen? Ein Thema, das in Deutschland bisher wenig Beachtung findet.  
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei der ersten Open Aid Conference in Berlin trafen gestern Open Data-Experten auf Entwicklungshelfer. Die zentrale Frage dabei: Wie können technische Lösungen und neue Datenstandards der Entwicklungszusammenarbeit zu mehr Transparenz und Effektivität verhelfen? Ein Thema, das in Deutschland bisher wenig Beachtung findet.  </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Entwicklungsarbeit ist eine komplexe Geschichte: In den Geberländern bringen staatliche, kirchliche und gemeinnützige Einrichtungen jedes Jahr große Summen an Hilfsgeldern auf, die in den Entwicklungsländern wiederum in eine Vielzahl unterschiedlicher Projekte fließen. Wer dabei wo und wie viel investiert und ob die Hilfe wirklich ankommt, ist oft schwer zu bestimmen. Was fehlt, sind Transparenz und ein einheitlicher Standard zur Veröffentlichung der Daten. Einen solchen Standard hat in diesem Jahr die <a href="http://www.aidtransparency.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">International Aid Transparency Initiative</a> (IATI) festgelegt und wirbt derzeit unter Nichtregierungsorganisationen und staatlichen Entwicklungsdiensten um Anwendung.</p>
<p>Obgleich Deutschland zu den 22 Partnerländern der IATI gehört,<br />
ist noch unklar, bis wann das Bundesministerium für wirtschaftliche<br />
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Standard umsetzen wird. Nach<br />
<a href="http://blog.zeit.de/open-data/2011/09/21/opendata-entwicklungszusammenarbeit-openaid-konferen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Einschätzung von <b>Claudia Schwegmann</b></a>, die sich mit der Organisation OpenAid aktiv für die IATI einsetzt, hat das Thema unter Minister Dirk<br />
Niebel derzeit keine Priorität. Auch innerhalb der deutschen<br />
Entwicklungsorganisationen sieht Schwegmann noch viel Skepsis gegenüber<br />
dem neuen Standard. Um die Diskussion in Deutschland anzuregen, fand<br />
gestern die erste Open Aid Conference in Berlin statt, bei der rund 120<br />
Besucher aus Nichtregierungsorganisationen, Verwaltung und der Open<br />
Data-Bewegung zusammenkamen. Organisiert wurde die Konferenz von der<br />
<a href="http://www.boell.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Heinrich Böll Stifutung</a>, der <a href="http://okfn.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open Knowledge Foundation</a>, <a href="http://www.openaid.de/de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">OpenAid</a> und<br />
<a href="http://www.transparency.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transparency International</a>. </p>
<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/header_siebes.png" align="left" height="206" width="150" />Dort sprach unter anderem <b>Ronald Siebes</b>, der im niederländischen Außenministerium die Implementierung des Standards mitverantwortet hat. Möglich geworden sei dies in den Niederlanden vor allem durch Impulse aus der Politik, berichtet Siebes. So hätten sich zwei Parteien für die IATI eingesetzt &#8211; allerdings aus ganz unterschiedlicher Motivation heraus: Während die einen eine Erhöhung der Entwicklungszahlungen fordern, streben andere eine Kürzung an. Siebes selbst sieht großes Potenzial in der Offenlegung der Finanzströme: Man müsse den Entscheidungsträgern und der Bevölkerung aufzeigen, was mit dem Geld passiert. So wäre nun beispielsweise für jeden einsehbar, wieviel Geld die Niederlande an Mosambik zahlen und wofür das Geld dort verwendet wird. Diese Transparenz könne langfristig auch das angeschlagene Image der Entwicklungsarbeit verbessern und Vertrauen schaffen. Wichtig sei ein einheitlicher Standard aber auch im internationalen Kontext. Denn die Festlegung der Art und Weise, wie Informationen über Entwicklungsprojekte (wer, was, wo, von wann bis wann und wie viel?) dargestellt werden, würde die Koordination immens erleichtern. &quot;Ein gemeinsamer Standard ermöglicht einfach, dass man darüber reden kann&quot;, sagt Siebes – und bezieht sich damit auch auf die Maschinenlesbarkeit der Daten. </p>
<p>Mitreden wollte auch die Weltbank – und hat als einer der zentralen Akteure und Datensammler in der Entwicklungsarbeit bisher mehr als die Hälfte der <a href="http://www.iatiregistry.org/package" target="_blank" rel="noopener noreferrer">266 Datensätze</a> der IATI beigeseteuert. Ähnlich ergiebig ist auch das <a href="https://finances.worldbank.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open </a><a href="https://finances.worldbank.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Finance Portal der Weltbank</a>, das im Juli dieses Jahres an den Start ging. Dort sind neben detaillierten Informationen zu den einzelnen Entwicklungsprojekten auch Höhe und Zinsstände der von der Weltbank vergebenen Kredite einsehbar. Für <b>Prasanna Lal Das</b>, der an der Umsetzung des Projekts maßgeblich beteiligt war, ist die Offenlegung der Daten jedoch nur der erste Schritt. Langfristiges Ziel sei es, auf Grundlage der Daten einen Dialog aufzubauen und mit den Menschen über die Sozialen Medien und ein <a href="http://blogs.worldbank.org/insidetheweb/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Feedback-Portal </a>in Kontakt zu kommen. Inwieweit solche Rückmeldungen in die Politik der Weltbank einfließen soll, erklärte Lal Das bei der Vorstellung des Portals auf der Open Aid Conference jedoch nicht. Helfen könnte es aber bei der Bekämpfung von Korruption und Verschwendung der Entwicklungsgelder in den Empfängerländern. Klar ist, dass sich das Angebot vor allem an Menschen aus den Empfängerländern richtet, die nach Aussage Lal Das&#8217; auch den Großteil der Nutzer ausmachen. Um dem hohen Anteil mobiler Endgeräte in den Entwicklungsländern gerecht zu werden und mehr Partizipation zu ermöglichen, ist das Portal inzwischen auch als mobile Applikation abrufbar. </p>
<p><object style="height: 390px; width: 640px"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/YvVrP2mdOt4?version=3"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowScriptAccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/YvVrP2mdOt4?version=3" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always" height="360" width="640"></embed></object><br />
<br />
Auch für <b>Beris Gwynne</b>, Direktorin des Genfer Büros des Kinderhilfswerks <a href="http://www.worldvision.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Worldvision</a>, ist Transparenz der Schlüssel zur effektiven Entwicklungshilfe. Open Data könne dazu zwar einen großen Beitrag leisten, reiche aber nicht aus, so die Australierin in ihrer Ansprache auf der Open Aid Conference. Transparenz fordere auch eine gewisse Haltung und Offenheit unter allen Beteiligten. Bei einer Organisation wie Worldvision, die mit über 40.000 Mitarbeitern in fast 100 Ländern aktiv ist, gehe es auch darum, intern Transparenz herzustellen und entsprechende Strukturen zu schaffen: So hat Worldvision unter anderem einen Whistleblower-Mechanismus eingeführt und sich zur Einhaltung bestimmter Verhaltenskodizes verpflichtet. Trotz allem sei ein finales Ergebnis nicht möglich: &quot;Transparenz ist kein Ziel, sondern ein ständiger Prozess&quot;.</p>
<p>Die Reden der drei Referenten finden sich als Videomitschnitt im <a href="http://vimeo.com/okf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vieokanal der Open Knowledge Foundation. </a></p>
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		<title>Digitale Presseschau &#8211; KW 22</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johann Eggert]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 17:49:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Syrien]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Netzneutralität]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Schmidt]]></category>
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					<description><![CDATA[<a href="/digitale-presseschau-kw-22"><img src="/sites/politik-digital.de/files/logo-linkliste.png" align="left" height="82" width="75" /></a>Die Top 6-Links aus der politik-digital.de-Redaktion befassen sich in dieser Woche mehrheitlich mit internationalen Themen. Vom Konflikt in Syrien, dem Internet- und Technikverständnis eines US-amerikanischen Literaten bis zur Transparenz bei Entwicklungshilfe-Maßnahmen reichen die online veröffentlichten Beiträge, die wir Ihnen heute ans Herz legen möchten. Am besten hat uns dann aber doch ein Feuilletonbeitrag über die Debatte zur Netzneutralität in Deutschland gefallen.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Top 6-Links aus der politik-digital.de-Redaktion befassen sich in dieser Woche mehrheitlich mit internationalen Themen. Vom Konflikt in Syrien, dem Internet- und Technikverständnis eines US-amerikanischen Literaten bis zur Transparenz bei Entwicklungshilfe-Maßnahmen reichen die online veröffentlichten Beiträge, die wir Ihnen heute ans Herz legen möchten. Am besten hat uns dann aber doch ein Feuilletonbeitrag über die Debatte zur Netzneutralität in Deutschland gefallen.</p>
<p><strong><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/netzneutralitaet-die-buergerrechte-der-heavy-user-1.1103178" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das digitale Bürgerrecht auf Netzneutralität</a></strong><br />
Der Kampf um einen diskriminierungsfreien Zugang zum Internet ist schon seit längerer Zeit kein Nischenthema für Expertenarbeitskreise und verschrobene Technikblogger mehr. Niklas Hofmann schreibt im Feuilleton der <strong>Süddeutschen Zeitung</strong> über eine stetig zunehmende Ökonomisierung des Internet und die damit zusammenhängenden Probleme. Die unabwendbar heraufziehenden Konflikte zwischen ökonomischem Interesse der Service-Provider und dem &#8220;digitalen Bürgerecht&#8221; auf Netzneutralität werden in dem Beitrag, der in der vergangenen Woche in der Druckausgabe der Süddeutschen Zeitung erschienen ist, kritisch beleuchtet und haben nach unserer Meinung den ersten Platz in der aktuellen digitalen Presseschau verdient.</p>
<p><a href="http://www.nytimes.com/2011/05/29/opinion/29franzen.html?_r=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Die Freiheit(en) der digitalen Welt</strong></a><br />
Die Vereinigten Staaten, ein Land des allzu unkritischen Forschrittsglaubens? Keinesfalls, wie in dieser Woche Jonathan Franzen eindrucksvoll bewiesen hat. Der amerikanische Schriftsteller, berühmt geworden mit dem Werk &#8220;Korrekturen&#8221;, schreibt in einem Essay für die Online-Ausgabe der <strong>New York Times</strong> über seine persönlichen Erfahrung mit zunehmender Digitalisierung. Mit der immer stärkeren Technisierung des menschlichen Alltages werde, so Franzen in seinen Reflexionen, die Grundlage für eine Rede vor Collegestudenten gewesen sind, auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und unser Verhältnis zur Natur grundlegend verändert. Eine Veränderung, die Franzen anhand seiner eigenen Liebe zur Vogelbeobachtung wortmächtig darstellt. Franzen fordert die Studenten auf, nicht feige zu sein, sondern hinauszugehen, sich der Welt und ihren Wesen zu stellen – auch wenn sie damit zwangsläufig Schmerzen in Kauf nehmen.</p>
<p><a href="http://blog.zeit.de/open-data/2011/05/30/entwicklungshilfe-opendata-transparenz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Transparente Entwicklungshilfe</strong></a><br />
Finanzielle Mittel, die in Entwicklungshilfeprojekte fließen, stehen allzu häufig im Verdacht, in den Nehmerländern in dunklen Kanälen zu versickern oder anderweitig missbraucht zu werden. Möglicherweise kann das Internet zukünftig dabei helfen, den Verbleib der Gelder transparenter zu machen. Im &#8220;Open-Data-Blog&#8221; auf <strong>Zeit-Online</strong> wird über den Versuch berichtet, die für Entwicklungshilfe-Maßnahmen aufgewendeten Gelder transparent darzustellen. Grundlage dieses Vorhabens ist das sogenannte “IATI-Register”. In der Folge der Parisier Erklärung über die Verwendung von Entwicklungshilfegeldern bermüht sich die OECD bereits seit dem Jahr 2008 um die Gestaltung dieses Prozesses. Das deutsche Entwicklungshilfeministerium äußert sich, so wird in dem Blog-Beitrag berichtet, aktuell aber noch zurückhaltend zu diesem Projekt.</p>
<p><a href="http://www.infowar-monitor.net/2011/05/7349/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Die Rache der Machthaber im Netz</strong></a><br />
Die NATO-Lufttschläge gegen den libyschen Machthaber Gadafi und dessen perfide Strategien menschlicher Schutzschilder oder des Verstecks in Krankenhäusern sind in den Medien allgegenwärtig. Die Despoten im Nahen und Mittlern Osten haben jedoch auch im Internet aufgerüstet, wie ein Artikel zeigt, den wir unseren Leserinnen und Lesern in dieser Woche an vierter Stelle empfehlen möchten. Der <strong>Info-War-Monitor</strong> berichtet aktuell über die sogennante “Syrian Electronic Army”. Bereits während des Frühjahrs hatte die Koordination der Protestbewegungen über das Internet einen maßgeblichen Anteil bei der Überwindung autoritärer Herrschaftsstrukturen in Tunesien und Ägypeten geleistet. Der Beitrag auf &#8220;Info-War-Monitor&#8221; beleuchtet nun die Gegenseite &#8211; die Arbeit der von Regierungsseite getragenen “Syrian Electronic Army”, die ebenfalls unter der Bezeichnung &#8220;Syrian Electronic Soldiers&#8221; auf Webseiten der syrischen Ooppositionsbewegung die Systemgegner zu verunsichern sucht und in sozialen Netzwerken wie Facebook für den Machterthalt von Bashir Al Assad trommelt.</p>
<p><a href="http://allthingsd.com/20110531/googles-executive-chairman-eric-schmidt-live-at-d9/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Verbrüderung abgesagt</strong></a><br />
Es war, ist und bleibt der sprichwörtloiche &#8220;Kampf der Giganten&#8221;. Googles scheidender Vorstandschef Eric Schmidt gesteht in einem auf dem Portal <strong>All things digital</strong> veröffentlichten Video-Interview ein, im kommerziellen Wettbewerb mit dem Online-Netzwerk Facebook nicht immer klug gehandelt zu haben. Die Chance eines möglichen Zusammengehens der beiden weltweit meistbesuchten Internetseiten habe er für Google verpasst, so Schmidt. Sie hätte darin bestanden, noch mehr Inhalte und Nutzerprofile des mitgliederstärksten Sozialen Netzwerkes in die Suchfunktion von Google zu integrieren. Nach Schmidts Abgang wird Larry Page, einer der Gründer der leistungsstärksten Suchmaschine, erneut an die Spitze des kalifornischen Unternehmens rücken.</p>
<p><a href="http://www.heise.de/tp/artikel/34/34744/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Die digitale Steinzeit</strong></a><br />
Zu guter Letzt haben wir eine launig verfasste Serie gefunden, in der die Geschichte der Internet-Entwicklung nachvollzogen wird. In Zeiten, in denen man seinen Webbrowser fast standardmäßig auf einem mobilen Endgerät in der Hosentasche mit sich herumträgt, wirken Erzählungen von Internet-Pionieren wie Vinton Cerf, der sich in der vergangenen Woche zu verschiedenen Vorträgen in Berlin aufgehalten hat, wie aus einer anderen Zeit. Markus Kompa unternimmt in seinem Beitrag für das Blog <strong>Telepolis</strong> eine solche Zeitreise und berichtet in der fünfteiligen Artikelserie von seinen ersten Gehversuchen im Internet bis hin zu netzpolitischen Bestrebungen der vergangenen zwei Jahre. Wie lange die von Kompa beschriebene Epoche her ist, mögen damalige Browsernamen wie Netscape Navigator oder Mosaic verdeutlichen; für Menschen die heute mit dem Internet aufwachsen, beinahe Fremdwörter.</p>
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		<title>&#034;Westerwelle hat sich nichts vorzuwerfen&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nina Schröter]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 16:19:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[BMZ]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesentwicklungsministerium]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Niebel]]></category>
		<category><![CDATA[Video-Chat]]></category>
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					<description><![CDATA[Dirk Niebel (FDP) war am Montag, den 15. März 2010 zu Gast im
tagesschau-Videochat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Die User
diskutierten mit dem Bundesentwicklungminister unter anderem über den von ihm geplanten radikalen Umbau der Entwicklungszusammenarbeit sowie die Dienstreisen und Hartz IV-Debatte von Guido Westerwelle.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dirk Niebel (FDP) war am Montag, den 15. März 2010 zu Gast im<br />
tagesschau-Videochat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Die User<br />
diskutierten mit dem Bundesentwicklungminister unter anderem über den von ihm geplanten radikalen Umbau der Entwicklungszusammenarbeit sowie die Dienstreisen und Hartz IV-Debatte von Guido Westerwelle.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p><center><a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll552.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/Dirk_Niebel_Chat.jpg" width="400" height="241" /></a></center><center> </center> <br />
Wenn Sie den Videochat noch einmal sehen wollen, klicken Sie einfach auf das Bild.</p>
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		<title>Ein Laptop für jedes Kind</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Wittig]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jun 2008 14:58:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[One Laptop per Child]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
					
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		<title>&#8220;Wir stärken Fraueninitiativen, die ihre Rechte einklagen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-staerken-fraueninitiativen-die-ihre-rechte-einklagen-3800/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Mar 2008 09:35:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungsland]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesministerin]]></category>
		<category><![CDATA[wirtschaftliche Zusammenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Heidemarie Wieczorek-Zeul]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Montag, 10. März 2008, war die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über Armutsbekämpfung, die Zusammenarbeit mit China und ihre Position zur Linkspartei.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, 10. März 2008, war die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über Armutsbekämpfung, die Zusammenarbeit mit China und ihre Position zur Linkspartei.<br />
<!--break--></p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Heute ist Heidemarie Wieczorek-Zeul, SPD, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu uns ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Sie hat heuteden entwicklungspolitischen Aktionsplan für Menschenrechte 2008 bis 2010 vorgestellt. Liebe User, nutzen Sie die Gelegenheit, Frau Wieczorek-Zeul ihre Fragen zu stellen. Herzlich willkommen Frau Wieczorek-Zeul. Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Ja, gern!
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/hwieczorekzeul300x.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" title="Heidemarie Wieczorek-Zeul" height="317" width="243" />
</div>
<div style="text-align: center">
<i>Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD),</i>
</div>
<div style="text-align: center">
<i>Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung </i>
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Vorneweg: Was ist ein nationaler Aktionsplan für Menschenrechte?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Unser Plan versucht, in die Ziele der Entwicklungszusammenarbeit, die Armutsbekämpfung, die Initiativen gegen Klimawandel, die Menschenrechtssituation, die Stärkung der Menschenrechte einzubeziehen. Ein Beispiel: Wir unterstützen den Aufbau des afrikanischen Menschengerichtshofes. Wir unterstützen Frauen, deren Rechte entweder negiert werden oder die Opfer von Gewalt werden. Und wir stärken Fraueninitiativen, die ihre Rechte einklagen.
</p>
<p>
<b>derhund: </b>Warum gibt es ein eigenständiges &quot;Entwicklungshilfe&quot;-Ministerium. Könnten die Aufgaben nicht besser vom Auswärtigen Amt (AA) übernommen werden?<br />
Immerhin verfügt das AA über entsprechende Infrastruktur in 228 Auslandsvertretungen.
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Das Entwicklungsministerium ist zusammen mit dem britischen Entwicklungsministerium eigenständig. Darum werden wir beneidet, weil wir die langfristigen Perspektiven zur Aufgabe haben und nicht das Agieren nach reinen außenpolitischen Gesichtspunkten. Und außerdem ist Entwicklungszusammenarbeit auch, wie wir am<br />
Beispiel des Menschenrechtsaktionsplans sehen, ein Teil innergesellschaftlicher Entwicklung in den Entwicklungsländern. Das ist natürlich ein deutlicher Unterschied zur Außenpolitik.
</p>
<p>
<b>Julian: </b>Wie gut stehen die Chancen, die Entwicklungshilfe in absehbarer Zeit auf 0,7 Prozent aufzustocken? Das wurde ja bereits im Jahr 2000 versprochen.
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das Versprechen 0,7 Prozent stammt sogar aus den siebziger Jahren. Aber unsere Vorväter haben leider vergessen, ein Zeitziel, einen Jahresplan mit anzugeben. Als ich als Ministerin angefangen habe, waren wir bei 0,26 Prozent im Jahr 1998 und wir haben im Jahr 2005 mit allen EU-Staaten einen Zeitplan entwickelt, der bedeutet: bis 2010 0,51 Prozent und bis 2015 0,7 Prozent.
</p>
<p>
<b>Gast:</b> Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit der verschiedenen staatlichen Institutionen (Bundesländer, Kommunen)?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Ich finde das ganz erfreulich. Es gibt sehr viele Kommunen, die sich engagieren. Das haben wir am Beispiel Tsunami-Hilfe gesehen. Die Bundesländer haben einen Schwerpunkt auch bei der Kooperation mit Entwicklungsländern. Wichtig ist, dass wir uns alle in die gleiche Richtung im Sinne der Milleniumsentwicklungsziele engagieren.
</p>
<p>
<b>Weniger Partnerländer, konzentriertere Hilfe</b>
</p>
<p>
<b>easterly:</b> Warum wird nach dem Auswahlprozess von 1998 nun erneut die Anzahl der &quot;Partnerländer&quot; reduziert? Nach welchen Kriterien erfolgt diese Konzentration der Entwicklungshilfe und wer ist am Entscheidungsprozess beteiligt?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Als ich 1998 angefangen habe, waren wir bei 119 Entwicklungsländern. Das war ein bisschen nach dem Gießkannenprinzip. Dann haben wir das in<br />
der ersten Legislaturperiode auf 70 Länder reduziert und haben uns in der Koalitionsvereinbarung 2005 zusammen mit der CDU/CSU geeinigt, auf 60 Länder zu reduzieren. Die Gründe sind: Wir können einfach in den Partnerländern eine bessere Arbeitsteilung mit anderen machen. Wir können besondere Schwerpunkte setzen. Die Kriterien sind: Was können wir dazu<br />
beitragen, Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen? Was können wir ganz besonders gut in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit? Wie verantwortlich ist die Regierungsführung des Partnerlandes? Und natürlich gibt es auch gewachsene politische Bindungen. Ein Land wie Namibia etwa ist natürlich auf Grund seiner Geschichte ein Land, in dem wir mit Entwicklungspolitik besonders präsent sind.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das war die beliebteste Frage aus der Vor-Chat-Phase. Hier kommt die zweite:
</p>
<p>
<b>Spenser:</b> Wie sehen Sie die Zukunft der Entwicklungshilfe in der DR Kongo, gerade vor dem Hintergrund des chinesischen Engagements?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Ich finde, am wichtigsten ist, dass wir der Regierung helfen, bei dem Abbau von Rohstoffen neue Verträge zu schließen und Transparenz zu<br />
verwirklichen. Das heißt: Deutlich zu machen, welche Leistungen die Firmen erbringen, die in der Demokratischen Republik Kongo tätig sind und Transparenz zu bewirken, wie die Zahlungen dieser Firmen im nationalen Haushalt verwandt werden. Das bedeutet die Förderung der so genannten Transparenzinitiative, die Peter Eigen initiiert hat und die wir unterstützen. Gleichzeitig geht es mir aber auch darum, alles zu tun, damit der Gewalt gegen Frauen im Osten des Kongo endlich ein Ende gesetzt wird. Viele der militärischen Gruppen dort setzen in ihren Auseinandersetzungen die Vergewaltigung von Frauen als &quot;Waffe&quot; ein. Das sind Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die vor dem internationalen Strafgerichtshof geahndet werden müssen.
</p>
<p>
<b>Nutzer: </b>Wie kann die Entwicklungszusammenarbeit Krieg und Gewalt vorbeugen?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Einmal indem Armut bekämpft wird. Indem alle Kinder &#8211; auch die Mädchen &#8211; die Chance haben, in die Schule zu gehen, indem die Beteiligung der<br />
Bevölkerung gestärkt wird. Und indem Konflikte &#8211; zum Beispiel um Wasser, um Zugang zu Land &#8211; präventiv gelöst werden. Wir unterstützen zum Beispiel die so genannte<br />
Nilbecken-Initiative, bei der die Nil-Anrainer-Länder mittlerweile so kooperieren, wie das für die Rheinanlieger selbstverständlich ist. Wir setzen uns auch für eine<br />
friedenspolitische Trendwende ein: Zwanzig US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung pro Jahr würden ausreichen, alle Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen. Und heute schon werden<br />
weltweit 187 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung für Rüstung ausgegeben. Hier muss umgewichtet werden.
</p>
<p>
<b>Chris:</b> Mikrokredite und Grundeinkommen als Bestandteil der Armutsbekämpfung (siehe Bangladesh, Namibia) &#8211; wie stehen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Sehr positiv. Unser Ministerium fördert diese Mikrokreditinitiativen in vielen Ländern, so dass wir damit etwa fünfzig Millionen Menschen<br />
erreichen. Mikrokredite sind vor allem wirkungsvoll, um Frauen wirtschaftliche Eigenständigkeit zu ermöglichen. Übrigens gibt es mittlerweile nicht nur dass Mikrokreditsystem, sondern auch Mikroversicherungen, die auf dem gleichen Prinzip beruhen.
</p>
<p>
<b>Bildungshilfe und Entschuldung </b>
</p>
<p>
<b>Christian: </b>Warum hat die Bildungshilfe einen so niedrigen Stellenwert?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Die Unterstützung für den Zugang zu Bildung hat einen absolut hohen Stellenwert. Zum Beispiel sind durch die Entschuldung der ärmsten<br />
Entwicklungsländer heute zwanzig Millionen Kinder mehr in der Schule. Das sind hervorragende Ergebnisse. Wir unterstützen die Weltbank bei der so genannten &quot;Fast-Track-Initiative&quot; und wir steigern die Mittel auch in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit für Bildung. Bildung ist zusammen mit dem Kondom auch der wichtigste Schutz gegen HIV/AIDS und andere Krankheiten.
</p>
<p>
<b>Wuschel: </b>Wie lassen sich deutsche Entwicklungshilfe und Waffenlieferungen bzw. Know-how- Lieferungen in Krisenregionen durch deutsche Unternehmen vereinbaren?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Die Grundsätze für den Export von Waffen und Rüstungsgütern sind absolut restriktiv. Ich engagiere mich immer dafür, dass es keine Genehmigung von Waffenlieferungen an ärmste Entwicklungsländer gibt. Sie sollen die knappen Finanzmittel zur Bekämpfung der Armut einsetzen. Es gibt aber mittlerweile eine Reihe von Schwellenländern, zum Beispiel Indien, die eine derart restriktive Rüstungsexportpolitik als diskriminierend betrachten. Ich teile diese Position nicht. Aber ich muss immer darum ringen, dass restriktiv gehandelt wird und vor allem dem Kleinwaffentransfer ein Ende gesetzt wird.
</p>
<p>
<b>&quot;strategische Partnerschaft&quot; mit China </b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Und eine weitere Frage, die die User vielfach stellen:
</p>
<p>
<b>Perle: </b>Warum bekommt China Entwicklungshilfe?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> China erhält keine Entwicklungshilfe. Wir haben eine strategische Partnerschaft &#8211; das gilt für die Bundesregierung insgesamt &#8211; mit China, in der wir versuchen, Einfluss auf die Investitionstätigkeit Chinas &#8211; zumal in Afrika &#8211; zu nehmen. Wir haben den Rechtsstaatsdialog mit China, in dem wir versuchen, die Menschenrechte in China zu fördern, zum Beispiel im Arbeitsrecht und bei der Beendigung von Zwangsarbeit. Und wir arbeiten mit China zusammen, um dem Klimawandel entgegen zu<br />
wirken, zum Beispiel durch die Förderung Erneuerbarer Energie und durch stärkere Energieeffizienz. In China geht pro Woche etwa ein Kohlekraftwerk ans Netz. Wir haben also ein Eigeninteresse daran, dass China einen sinnvollen Energiepfad einschlägt. Sonst geht auch uns die Luft aus. Deutsche Unternehmen sind in diesen Bereichen sehr gut auf dem Markt positioniert. Unser Ministerium heißt im Übrigen &quot;Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung&quot;. Entwicklungszusammenarbeit ist längst nicht mehr das Bohren von Brunnen oder der Bau von Infrastruktur, sondern Beratung, Beeinflussung von Prozessen und Hilfe bei der demokratischen Entwicklung. Deshalb führt für mich an der Zusammenarbeit mit China kein Weg vorbei.
</p>
<p>
<b>mjiokjoijoijoi: </b>Welche positiven Rückkopplungseffekte auf Deutschland primär wirtschaftlicher Natur sehen Sie bei der Entwicklungshilfe?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das Entwicklungsministerium ist kein Ministerium zum Wirtschaftsexport. Das ist das Wirtschaftsministerium. Aber: Deutsche Unternehmen haben<br />
ein hohes Interesse daran, in den Entwicklungsländern rechtsstaatliche Rahmenbedingungen und funktionierende Märkte zu finden. Deshalb kann man sagen, dass gerechtere Verhältnisse in der Welt und bessere Lebensbedingungen auch für Deutschland von hoher Bedeutung sind.
</p>
<p>
<b>Wuschel: </b>Ist der Schuldenerlass für Länder der Dritten Welt nicht die eigentliche Entwicklungshilfe und warum ist dies nicht vorrangiges Ziel?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul</b>: Das ist interessant, denn normalerweise kriegen wir dies als Vorwurf. Wir haben einen großen Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer schrittweise verwirklicht, der insgesamt 125 Milliarden Dollar ausmacht und der in den Entwicklungsländern Freiräume geschaffen hat, so dass Bildung und Gesundheit in den<br />
Haushalten viel besser ausgebaut werden konnten. Deshalb werden wir auch Entschuldung fortsetzen. Wir haben dabei auch ganz innovative Instrumente entwickelt. Ein Beispiel: Die &quot;Debt2Health&quot;-Initiative. Dabei erlassen wir Entwicklungsländern Schulden. Im Austausch dazu bringen sie die freiwerdenden Mittel in den globalen Fonds zur<br />
Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose ein.
</p>
<p>
<b>schneeweissjo: </b>Warum ist Entwicklungshilfe nie Wahlkampfthema?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>In Großbritannien hat zum Beispiel Gordon Brown seinen Wahlkampf mit der Forderung gemacht, weltweit allen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Es ist mein Traum, dass es auch in Deutschland einen so positiven Wettbewerb um die besten entwicklungspolitischen Ziele zwischen den Parteien gibt und der Wettbewerb um die Frage geht: Wie die Millenniumsentwicklungsziele am besten und am schnellsten erreicht werden können?
</p>
<p>
<b>&quot;unterstütze die Position von Kurt Beck&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Neben dem Interesse an der deutschen Entwicklungshilfepolitik stellen die User auch die Frage, was Sie zur Lage der SPD zu sagen haben. Zum Beispiel:
</p>
<p>
<b>Azrael</b>: Wie erleben Sie den Richtungsstreit in der SPD? Wie positionieren Sie sich?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ich unterstütze die Position von Kurt Beck, der mit seiner Initiative den Ländern die Frage der Kooperation mit der so genannten Linkspartei offen lassen will. Das gilt aus meiner Sicht aber nur auf Landesebene und auch nur, wenn andere Kooperationen nicht möglich sind. Wir müssen uns stärker mit der Frage beschäftigen, was ein Fünf-Parteien-Landesparlament an Möglichkeiten bedeutet. Es kann jedenfalls doch nicht die Schlussfolgerung sein, dass dann jedes Mal Große Koalitionen entstehen &#8211; so sehr ich auf Bundesebene daran arbeite, in dieser Großen Koalition Fortschritte für Deutschland aber auch weltweit zu bewirken.
</p>
<p>
<b>pixies: </b>Sollte Frau Ypsilanti sich doch zur Wahl stellen, wie sehen Sie die Situation in Hessen?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Ich habe Frau Ypsilanti niemals öffentliche Ratschläge gegeben. Das unterscheidet mich vielleicht auch von dem ein oder anderen männlichen Kollegen. Ich habe großen Respekt vor ihrer Leistung und sie hat selbst entschieden, dass sie sich am 5. April nicht zur Wahl als Ministerpräsidentin stellen wird.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Hat die SPD ein Männer-Problem?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Also ich bin ganz sicher, dass Frauen, die Führungsfunktionen an der Spitze von Regierungen übernehmen wollen, immer schärfer bewertet werden als Männer. Was bei Männern als Durchsetzungsfähigkeit bewertet wird, wird bei Frauen allzu leicht als ungezügelter Ehrgeiz bewertet.
</p>
<p>
<b>El-Jefe: </b>Könnten Sie es sich vorstellen, SPD-Parteivorsitzende zu werden?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Das habe ich hinter mir. Ich habe mich ja einmal einem Mitgliederentscheid (im Jahr 1993) gestellt und habe dabei auch gezeigt, dass ich der Meinung bin, dass Frauen auch notfalls streitig Funktionen anstreben sollten. Aber Kurt Beck, finde ich, hat eine ganz wichtige Arbeit als Parteivorsitzender zu leisten. Denn er hat meiner Meinung nach die SPD wieder mit vielen Menschen versöhnt, die sich von ihr abgewandt hatten. Ohne den Hamburger Parteitag der SPD wäre unsere Ausgangssituation in<br />
Hessen bei der Landtagswahl nicht so gut gewesen, wie sie es war.
</p>
<p>
<b>peter: </b>Wo sehen Sie die Unterschiede in der Entwicklungspolitik zur Linkspartei?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Es gibt sicher eine Reihe von gemeinsamen Überzeugungen. Zum Beispiel bei der Verpflichtung der Millenniumsentwicklungsziele. Deutliche<br />
Unterschiede gibt es bei der Frage, ob es auch Situationen geben kann, bei denen die internationale Gemeinschaft die Pflicht zur „Responsibility to Protect&quot; hat (Kofi Annan). Das heißt, notfalls auch Menschen zum Beispiel in Darfur durch den Einsatz von Militär zu schützen. Da streite ich mit der Linkspartei, denn als Entwicklungsministerin habe ich gelernt: Es gibt Situationen, bei denen man Gewaltgruppen, notfalls auch militärisch, in den Arm fallen muss. Sonst hätte Sierra Leone heute keine demokratisch gewählte Regierung sondern ein Gewaltregime, das sich über die Diamanteneinkünfte immer wieder fortsetzen würde.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Während des Chats haben wir eine Umfrage unter den Chat-Teilnehmern durchgeführt: Sollte Deutschland die Entwicklungshilfe für China stoppen? 70 Prozent<br />
haben ja gesagt, 30 Prozent nein. Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ehrlich gesagt bin ich der Meinung, dass man bei Umfragen ein bisschen auch die Ausgangssituation von Informationen verbreitern müsste. Im<br />
Übrigen geht es bei China &#8211; wie ich Ihnen erklärt habe &#8211; nicht um Entwicklungshilfe. Deshalb ist die Fragestellung geeignet, bewusst Missverständnisse zu produzieren.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Eine Stunde tagesschau-Chat sind vorbei. Dankeschön an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen konnten. Frau Wieczorek-Zeul,<br />
möchten Sie noch ein Schlusswort an die User richten?
</p>
<p>
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Bleiben Sie dem Thema Entwicklungszusammenarbeit gewogen. Es ist die Politik, die weltweit am ehesten Frieden und Gerechtigkeit bewirken kann.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Vielen Dank für Ihr Interesse und vielen Dank an Frau Wieczorek-Zeul. Das Protokoll des Chats ist in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht noch einen schönen Abend!
</p>
<p>
<i>Den Chat moderierte Anja Mößner, tagesschau.de</i></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Wieczorek-Zeul</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2008 16:18:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesregierung]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Montag, 10. März, von 18 bis 19 Uhr ist Heidemarie
Wieczorek-Zeul (SPD), Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung, zu Gast im tagesschau-Chat. <a href="http://www.talkserver.de/redirect/ch_07" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stellen Sie jetzt schon Ihre Fragen.</a>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, 10. März, von 18 bis 19 Uhr ist Heidemarie<br />
Wieczorek-Zeul (SPD), Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und<br />
Entwicklung, zu Gast im tagesschau-Chat. <a href="http://www.talkserver.de/redirect/ch_07" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stellen Sie jetzt schon Ihre Fragen.</a><br />
<!--break--></p>
<p>
Soldaten und Entwicklungshilfe: In Afghanistan läuft der<br />
zivile Aufbau, gleichzeitig verstärkt die Bundeswehr ihre Präsenz am<br />
Hindukusch. &quot;Entwicklungspolitik ist die kostengünstigste<br />
Sicherheitspolitik&quot;, sagt Entwicklungsministerin Heidemarie<br />
Wieczorek-Zeul.
</p>
<p>
In Deutschland werden dagegen nach dem umstrittenen Umgang<br />
mit Spendengeldern beim UN-Kinderhilfswerk Unicef Forderungen nach einem Rücktritt des gesamten Vorstands laut.
</p>
<p>
Kommen Entwicklungshilfe und Spenden wirklich bei den Menschen an? Warum<br />
wird ein Teil der Entwicklungshilfe als Zuschuss zum Staatshaushalt gezahlt und<br />
fließt nicht direkt in Hilfsprojekte? Wieso gibt es Entwicklungshilfe für die<br />
aufstrebende Wirtschaftsmacht China? Fragen Sie Bundesministerin Heidemarie<br />
Wieczorek-Zeul im <a href="http://www.talkserver.de/redirect/ch_07" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Karl Addicks über seine Arbeit im Bundestag</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/karl_addicks_ueber_seine_arbeit_im_bundestag-251/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jan 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Petitionsausschuss]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Addicks]]></category>
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					<description><![CDATA[<span class="fett"><span class="fett"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span class="normal">
Am Donnerstag, 27. Januar, war Karl Addicks, </span><span style="font-family: Arial,helvetica">Nachrücker 
im Bundestag und Obmann im Petitionsausschuss</span>, von 13 bis 
14 Uhr zu Gast <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> 
im Live-Chat der Serie &#34;Politiker-Talk&#34;</span>. <br />
Er beantwortete u. a. Fragen zu Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung 
durch Eingaben an den Bundestag und die Notwendigkeit einer neuen 
Entwicklungspolitik.</span></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="fett"><span class="fett"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span class="normal"><br />
Am Donnerstag, 27. Januar, war Karl Addicks, </span><span style="font-family: Arial,helvetica">Nachrücker<br />
im Bundestag und Obmann im Petitionsausschuss</span>, von 13 bis<br />
14 Uhr zu Gast <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
im Live-Chat der Serie &quot;Politiker-Talk&quot;</span>. <br />
Er beantwortete u. a. Fragen zu Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung<br />
durch Eingaben an den Bundestag und die Notwendigkeit einer neuen<br />
Entwicklungspolitik.</span></span></span><!--break--><span class="fett"><span class="fett"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> </span></p>
<p></span></span><span class="fett">Moderator: </span>Herzlich willkommen<br />
im FDP-Live-Chat der Serie &quot;Politiker-Talk&quot;! Unser heutiger<br />
Gast ist Dr. Karl Addicks, MdB. In den nächsten 60 Minuten<br />
werden wir uns in diesem Live-Chat aus Berlin über seine Funktionen<br />
als Obmann des Petitionsausschusses und als stellvertretendes Mitglied<br />
im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung<br />
auseinandersetzen und hoffen auf interessante Fragen von Ihnen,<br />
liebe Chatter und Chatterinnen. Die Fragen werden von unseren Moderatoren<br />
jetzt entgegengenommen. Herr Dr. Addicks, sind Sie bereit?</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ja ich bin bereit.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Herr Addicks, seit November<br />
2004 sind Sie Abgeordneter der FDP im Bundestag. Als Nachrücker<br />
für den durch Verzicht ausgeschiedenen Abgeordneten Christoph<br />
Hartmann sind Sie von der Saar an die Spree gekommen. Wie schnell<br />
mussten Sie die Entscheidung treffen, ob Sie das Mandat annehmen?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Diese Entscheidung musste<br />
schon sehr schnell getroffen werden. Sie haben eine Woche Zeit,<br />
das Mandat abzulehnen .Wenn es nicht innerhalb einer Woche abgelehnt<br />
ist, haben Sie es automatisch angenommen. Wenn Sie es dann noch<br />
ablehnen wollten, müssten Sie zum Bundestagspräsidenten<br />
gehen und sagen, dass Sie das Mandat wieder aufgeben. Ich war zu<br />
dem Zeitpunkt mehr oder weniger gerade als Hausmann tätig und<br />
war Beruflich nicht gebunden.
</p>
<p>
<span class="fett">drseeberg:</span> Herr Addicks, erst mal Glückwunsch<br />
zum Mandat! Was sind die besonderen Schwierigkeiten, wenn man mitten<br />
in einer Legislaturperiode einsteigen muss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ja, da sind Sie konfrontiert<br />
mit vielen Menschen die Sie kennen lernen müssen. Ich hatte<br />
am Anfang natürlich Probleme, mir die ganzen Namen und Gesichter<br />
zu merken. Da darf man sich halt nicht unter Druck setzen. Das kommt<br />
nach einiger Zeit ganz von selbst. Natürlich bedanke ich mich<br />
auch erst mal zum Glückwunsch zum Mandat. Es ist schon etwas<br />
Besonderes, wenn man die Möglichkeit bekommt, auf diese Art<br />
und Weise eine direkte politische Arbeit zu machen, wo sie auch<br />
etwas bewegen können.
</p>
<p>
<span class="fett">DoraDiamant:</span> Herr Addicks, waren Sie<br />
sehr überrascht, als sie auf einmal als Nachfolger von Herrn<br />
Hartmann nach Berlin berufen wurde?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich hatte etwa 3 Wochen<br />
Zeit, weil wir 3 Wochen vor der Landtagswahl im Saarland waren unsere<br />
Umfragewerte noch so, dass wir nicht davon ausgehen konnten dass<br />
es mit dem Einzug in den Landtag klappen würde, aber als dann<br />
die Umfragewerte stetig hochgingen und auch über 5% kamen,<br />
habe ich angefangen, mich mental auf die Übernahme des Bundestagsmandates<br />
vorzubereiten. Ich bin ja auf Platz 3 der Landesliste.
</p>
<p>
<span class="fett">fuzzy:</span> War Ihre Frau sofort damit einverstanden,<br />
dass sie nach Berlin gehen?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Ich habe keine Frau.
</p>
<p>
<span class="fett">DoraDiamant:</span> Wie gefällt Ihnen Berlin?.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Berlin gefällt mir<br />
schon immer. Ich habe hier viele Freunde und bin in der Stadt eigentlich<br />
zu Hause.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Und haben Sie sich schon an<br />
das Klima der &quot;Berliner Republik&quot; gewöhnt? Ist es<br />
anders als im Saarland?.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> An dieses Klima habe ich<br />
mich schon gewöhnt, ja.<br />
Es geht sehr schnell.
</p>
<p>
<span class="fett">jakobulobulobulus:</span> Wie kommt man von<br />
der Tropenmedizin zur Politik?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Da kommt man folgender<br />
maßen dazu: Ich habe von 1990 bis etwa 2000 außerhalb<br />
von Europa gearbeitet unter anderem im Irak im Irak wurde ich 1990<br />
von Saddam Hussein als Geisel festgehalten. Damals habe ich mir<br />
gesagt, wenn Du hier jemals rauskommst sorgst du mit dafür,<br />
dass diese Freiheitliche Republik die wir hier in Deutschland haben<br />
erhalten und verteidigt wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Dick Brave:</span> Sie waren ein Jahr als Arzt<br />
in Basra, für wen waren sie denn da tätig? Kommt man als<br />
Firmenarzt auch unters Volk?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Da war ich für die<br />
Firma Strabag am int. Zivilflughafen von Basra. Das ist ein Riesenprojekt<br />
wo zeitweise bis zu 2000 Europäer gearbeitet haben mit Familien<br />
und Kind und Kegel. Die brauchen natürlich einen europäischen<br />
Arzt. Ich bin durchaus auch unters Volk gekommen und habe dort sehr<br />
nette Menschen kennen gelernt. Es tut mir leid, dass das irakische<br />
Volk diese entsetzliche Phase durchmachen muss, an deren Ende, wie<br />
ich hoffe etwas Vergleichbares steht, wie das was wir hier in Deutschland<br />
haben.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Eine Nachfrage zu den Verhältnissen<br />
im Irak:
</p>
<p>
<span class="fett">KudderwieFischkutter:</span> Wie bewerten Sie<br />
vor diesem Hintergrund den Krieg gegen den Irak?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Trotz aller Bedenken hoffe<br />
ich, dass die Iraker dadurch zu einem demokratischen Staatswesen<br />
finden können. Eines ist klar, dass das Regime von Saddam Husein<br />
weg musste. Der Mann hat 100.000e auf dem Gewissen.
</p>
<p>
<span class="fett">S. Adam:</span> Wäre Ihnen da ein Platz<br />
im Ausschuss für internationale Beziehungen nicht lieber?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Man kann sich die Ausschüsse<br />
nicht einfach aussuchen. Als Nachrücker müssen Sie den<br />
Platz einnehmen, der im Moment vakant ist. und das war für<br />
mich der Sitz im Petitionsausschuss und ein Stellvertretersitz im<br />
Ausschuss für Entwicklungszusammenarbeit und dadurch kann ich<br />
auch bei den Sitzungen des Arbeitskreises &quot;Internationales&quot;<br />
und &quot;Auswärtiges&quot; teilnehmen.
</p>
<p>
<span class="fett">rafi shankar:</span> Sie sind ja weit in der<br />
Welt herumgekommen, wie glauben Sie, können ihre Wählerinnen<br />
und Wähler davon profitieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich glaube, es ist kein<br />
Fehler, von der Welt etwas gesehen zu haben und zu wissen, dass<br />
Dinge anderswo so dermaßen anders laufen können als bei<br />
uns, dass man es sich hier bei uns gar nicht vorstellen kann. Das<br />
relativiert einiges. Ich hoffe, dass ich davon etwas einbringen<br />
kann.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Kommen wir nun zu Ihrer Funktion<br />
als Obmann im Petitionsausschuss.
</p>
<p>
<span class="fett">sergio leone:</span> Was macht eigentlich ein<br />
Petitionsausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ein Petitionsausschuss<br />
befasst sich mit Eingaben und Beschwerden und auch Anregungen von<br />
Bürgern. Das Petitionsrecht kann man vielleicht vergleichen<br />
mit dem Beschwerdebuch in einem Hotel. Das Grundgesetz garantiert<br />
ein Petitionsrecht für Jedermann und gibt dem Gesetzgeber die<br />
Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge, Gesetzeslücken<br />
oder ganz neue Gesetzschaffungsmaßnahmen wahrzunehmen. Es<br />
ist schon öfter vorgekommen, dass durch die Eingabe von Bürgern<br />
Gesetzeslücken aufgedeckt wurden oder auch ein ganz neuer Regelungsbedarf<br />
erkannt wurde. Pro Jahr kommen ca. 15.000 Petitionen in den Ausschuss<br />
von denen etliche nach Bearbeitung durch den Ausschussdienst im<br />
Petitionsausschuss beraten werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Ist Ihre Funktion als Obmann<br />
überparteilich oder vertreten Sie hier auch Ihre eigenen Positionen?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Nein, das ist eine Parteiliche.<br />
Im Petitionsausschuss wird auch abgestimmt, wobei das Klima in diesem<br />
Ausschuss ein sehr Kollegiales ist. Die Zusammenarbeit mit den Vertretern<br />
der Regierungsparteien und der Union ist mehr oder weniger einvernehmlich<br />
und wenn wir uns nicht einigen können, dann stimmen wir eben<br />
ab. Das alles geht in einer ruhigen Atmosphäre vor sich. Aufgeregte<br />
Debatten wie aus dem Plenum haben wir so gut wie nie.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Also hat jede Partei seinen<br />
Obmann im Petitionsausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ja. Wobei die FDP als kleine<br />
Partei auf Grund der proportionalen Besetzung nur zwei Vertreter<br />
im Petitionsausschuss hat. Der eine ist Vorsitzender und der andere,<br />
der Obmann, meine Person.
</p>
<p>
<span class="fett">koizumi:</span> Wie viele Leute sitzen denn<br />
in diesem Ausschuss? Ich kann mir vorstellen, dass die Anzahl der<br />
Beschwerden leicht ausufert.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Die Anzahl der Beschwerden<br />
ist, wie ich schon sagte bei ca. 15000 im Jahr, je nach Änderung<br />
der politischen Situation können das mehr oder weniger werden.<br />
In dem Ausschuss sitzen ca. 25 Vertreter der im Bundestag mit Fraktionsstatus<br />
vertretenden Parteien.
</p>
<p>
<span class="fett">koizumi:</span> Wie ist die Parteienverteilung<br />
im Ausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Das können Sie auf<br />
den Internetseiten des Bundestages unter <a href="http://www.bundestag.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.bundestag.de</a><br />
erfahren. Die Regierungsparteien haben im Ausschuss natürlich<br />
die Mehrheit. Ebenso wie im Bundestag.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Eine Nachfrage bezüglich<br />
der Anzahl der Petitionen:
</p>
<p>
<span class="fett">nasi Goreng: </span>Die müssen sie alle<br />
lesen?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Nein, natürlich nicht.<br />
Die Petitionen gehen beim Ausschussdienst ein und werden dort bearbeitet<br />
und nur ein kleinerer Teil wird von den Abgeordneten bearbeitet.<br />
Der Ausschussdienst sortiert z.B. unflätige oder unsinnige<br />
Petitionen aus. Eine Petition z.B. man möge den Bundeskanzler<br />
50 Peitschenhiebe verabreichen wovon 25 auch vom Finanzminister<br />
übernommen werden könnten &#8211; mit einer solchen Petition,<br />
wie sie wirklich reingekommen ist, befassen wir uns nicht.
</p>
<p>
<span class="fett">gromo:</span> Sie sind im Petitionsausschuss,<br />
ist das ein ernst zu nehmendes Gremium oder eher ein Placebo für<br />
die Bürger?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Nein, das ist ein sehr<br />
ernst zu nehmendes Gremium und eine wichtige Rückmeldung für<br />
den Gesetzgeber. Wie ich oben schon gesagt habe haben Petitionen<br />
schon öfter dazu geführt, dass neuer oder zusätzlicher<br />
Gesetzgebungsbedarf erkannt wurde. Der Gesetzgeber ist meiner Ansicht<br />
nach auf die Anregungen Wünsche und Beschwerden der Bürger<br />
geradezu angewiesen. Im Moment sind wir übrigens dabei, Petitionsmöglichkeit<br />
per E-Mail zu prüfen .
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Noch eine Frage zur Arbeitsweise<br />
des Ausschussdienstes:
</p>
<p>
<span class="fett">Liese:</span> Nach welchen Kriterien sucht dieser<br />
Dienst aus? Und wer sitzt drin? Sehen Sie da keine Gefahren?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> In dem Ausschussdienst<br />
arbeiten ca. 80 Sachbearbeiter, die neutral die Petitionen bearbeiten<br />
und wie ich gerade schon sagte, offenbar unsinnige oder aussichtslose<br />
Petitionen vorab überscheiden.
</p>
<p>
<span class="fett">Liese:</span> Wie oft pro Woche oder Monat tagt<br />
der Petitionsausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Der Petitionsausschuss<br />
tagt in der Sitzungswoche einmal, d.h. bei ca. 25 Sitzungswochen<br />
pro Jahr 25 mal.
</p>
<p>
<span class="fett">PartyPartei:</span> Wie reiche ich denn eine<br />
Beschwerde oder Petition ein? Schicke ich einfach einen Brief an<br />
den Ausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ja, schicken Sie einfach<br />
ein formloses Schreiben mit Ihrem Anliegen an den Petitionsausschuss<br />
im Deutschen Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin. Man<br />
wird Ihnen auf jeden Fall antworten. Allerdings muss die Petition<br />
mit Namen , Anschrift und Unterschrift versehen sein.
</p>
<p>
<span class="fett">sambal olek: </span>Dann sind Sie sozusagen<br />
mein Anwalt wenn ich mich über Politiker beschweren will?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Warum nicht? Kommt darauf<br />
an, wie Sie das machen. Was meinen Sie denn genau? Wo drückt<br />
denn der Schuh?
</p>
<p>
<span class="fett">loveevol:</span> Wie lange dauert es ungefähr,<br />
bis eine Petition durch den Ausschuss ist und vollkommen fertig<br />
bearbeitet?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Das kann sehr lange dauern.<br />
Wir haben einige Petitionen, die seit 2 Jahren anliegen. Wenn z.B.<br />
Stellungnahmen der Bundesregierung oder betroffener Verwaltungsorgane<br />
einzuholen sind und das Ganze dann noch mehrfach hin und hergeht,<br />
kann es zu diesen langen Bearbeitungszeiten kommen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Was ist denn mal ganz konkret<br />
ein Beispiel für eine umgesetzte Petition?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Wir konnten Petenten helfen,<br />
die von unerträglichem Lärm an Eisenbahnstrecken betroffen<br />
waren.
</p>
<p>
<span class="fett">rainer_zufall:</span> Die Initiative &quot;bund-online<br />
2005 &quot; hat sich ja zum Ziel gesetzt, eGovernment in Deutschland<br />
voranzutreiben. Wird der Petitionsausschuss dazu beitragen, wenn<br />
der eMail-Verkehr zum Petitionsausschuss eingeführt wird? Prüfen<br />
Sie das aufgrund dieser Initiative?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Wir prüfen das auf<br />
Grund eigener Initiative. Ich konnte mich selbst überzeugen,<br />
wie der Petitionsausschuss des schottischen Parlaments Online funktioniert.<br />
Ich habe mich da völlig problemlos einer Petition angeschlossen<br />
mit meinem Wohnsitz in Deutschland. Das ging überraschend einfach.<br />
Wir, d.h. der Petitionsausschuss, arbeiten gerade daran diese Möglichkeit<br />
auch in Deutschland einzuführen.
</p>
<p>
<span class="fett">sambal olek:</span> Na ja, kümmern Sie<br />
sich auch um Lokalpolitik? Denn die meisten Dinge die mich betreffen,<br />
finden ja hier in meinem unmittelbaren Umfeld statt. Zur Zeit wird<br />
bei mir am Ort etwa eine Umgehungsstrasse gebaut.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich kümmere mich auch<br />
um die Lokalpolitik. Aber man wird verstehen, dass ich mich nicht<br />
um alles kümmern kann. Versuche aber mein Bestes auch in solchen<br />
Fällen Einfluss auszuüben. Ich könnte z.B. meine<br />
Kollegen aus der Landtagsfraktion auf bestimmte Sachen aufmerksam<br />
machen oder auch versuchen in einer bestimmten Richtung einzuwirken,<br />
wobei es klar ist, dass man es nie allen recht machen kann.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Neben Ihrem Amt als Obmann<br />
im Petitionsausschuss sind Sie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und ehemaliger<br />
Projektleiter der GTZ: Was sind denn Ihrer Meinung nach die dringlichsten<br />
Probleme in der Entwicklungshilfe?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Wir sollten in der Entwicklungszusammenarbeit<br />
wie das pol. korrekt heißt &#8211; von der Armutsbekämpfung<br />
weg kommen und mehr eine Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Die Mittel<br />
die für die Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stehen,<br />
können nicht alle Probleme der sog. Entwicklungsländer<br />
lösen. Man muss bedenken, dass die gesamte, weltweit geleistete<br />
Entwicklungshilfe weniger als die Hälfte der Transferleistungen<br />
von Deutschland West nach Deutschland Ost beträgt. Dies nur<br />
als Maßstab.
</p>
<p>
<span class="fett">tubus:</span> Herr Addicks, Sie sitzen auch<br />
im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.<br />
Wie stehen Sie zu der Entwicklungspolitik der Bundesregierung? Meinen<br />
Sie, dass das Budget für die Entwicklungshilfe ausreichend<br />
ist?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Es wäre natürlich<br />
wünschenswert, wenn dieses Budget verdoppelt oder gar verdreifacht<br />
würde. Die Bürger dieses Landes müssten dass mit<br />
ihrem Steueraufkommen bezahlen. Und da bin ich der Auffassung, dass<br />
im Moment mit den Transferleistungen die Steuerbürger sich<br />
schon an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit befinden. Wir<br />
wollen keine Steuererhöhungen, um mehr Entwicklungshilfe leisten<br />
zu können. Das ist bei der derzeitigen Haushaltssituation einfach<br />
nicht vermittelbar und auch nicht zumutbar.
</p>
<p>
<span class="fett">kizi:</span> Deutschland zahlt leider nicht<br />
die versprochenen 1,6 oder 1,7 Prozent des BIP für Entwicklungshilfe.<br />
Warum nicht?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Die Zielzahlen liegen bei<br />
0,7 % (sog. ODA-Quote), wobei Deutschland im Moment bei ca. 0,33<br />
% liegt. Im internationalen Vergleich die wenigsten Geberländer<br />
diese Zielquote erreichen und wie mehr ohne Steuererhöhung<br />
oder zusätzliche Verschuldung im Moment nicht machbar ist.
</p>
<p>
<span class="fett">rollbusch: </span>Sie waren jahrelang als Arzt<br />
im Ausland tätig und sind jetzt stellvertretendes Mitglied<br />
im Ausschuss für Wirtschaft. Zusammenarbeit und Entwicklung.<br />
Liegt aufgrund ihrer Erfahrungen als Arzt das Thema Entwicklungspolitik<br />
besonders am Herzen? Welchen entwicklungspolitischen Ansatz verfolgen<br />
sie?
</p>
<p>
<span class="fett">magnolia:</span> Sie glauben auch das 500 Millionen<br />
für die Flut zuviel ist? Leid ist ja nicht aufrechenbar und<br />
bei uns gehts auch vielen schlecht.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich glaube nicht, dass<br />
500 Millionen zu viel ist. Man kann das schlecht in Zahlen ausdrücken.<br />
Jedenfalls finde ich es toll dass neben den offiziellen 500 Millionen<br />
noch einmal fast genauso viel von privaten Spendern aufgebracht<br />
worden ist. Dafür möchte ich hier jedem einzelnen Spender<br />
danken und kann sagen, dass ich stolz auf die Hilfsbereitschaft<br />
der Bürger dieses Landes bin.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Kommen wir nun noch einmal<br />
zu einer Frage mit aktuellem Bezug:
</p>
<p>
<span class="fett">Jauche:</span> Finden Sie es gut, dass der Weg<br />
für Studiengebühren nun frei ist?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Ich finde es gut, dass<br />
das BverfG, den Weg dafür frei gemacht hat. Es ist jetzt Ländersache<br />
und ich glaube, dass Studiengebühren zu einer Verbesserung<br />
des Bildungsangebots der Hochschulen führen werden. Wobei die<br />
Gebühren ja durchaus im Rahmen bleiben werden. Keiner wird<br />
5000 Euro pro Jahr Studiengebühren zahlen müssen. Vielleicht<br />
bleiben manche Hochschulen ja auch Gebührenfrei. Ich erinnere<br />
mich übrigens, dass ich seinerzeit von Studiengebühren<br />
auch nicht ganz frei war. Ich musste damals pro Semester 250 DM<br />
Immatrikulationsgebühren etc. bezahlen. Viel wichtiger wäre<br />
für mich dass Kinderbetreuung gänzlich kostenfrei ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Hadd_nicks:</span> Was halten Sie als Mediziner<br />
vom Gesundheitsmodell der FDP?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Wenn wir dieses Gesundheitsmodell<br />
nach den Vorschlägen der FDP durchsetzen könnten, wäre<br />
das für die praktizierenden Ärzte und damit auch für<br />
die Patienten und vor allem für die Patienten ein großer<br />
Fortschritt. Ich erinnere mich daran, wie ich in meiner kurzen Zeit<br />
als niedergelassener Kassenarzt unter der Regulationsflut gelitten<br />
habe. Das beschränkt die Zeit die effektiv für den Patienten<br />
zur Verfügung steht und das kann meiner Ansicht nach nicht<br />
der Sinn der Sache sein.
</p>
<p>
<span class="fett">Horst See.:</span> Warum fordern sie die Rücknahme<br />
der Rechtschreibreform?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich halte es für schwierig,<br />
per Vorschrift auf diese Art und Weise in die Sprache einzugreifen.<br />
Sprache ist für mich etwas Lebendiges, dass ständiger<br />
Veränderung unterliegt. Natürlich braucht man bestimmte<br />
Regeln. Aber das wird meiner Ansicht nach hier zu Lande ein bisschen<br />
zu eng gesehen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Eine letzte Nachfrage zur<br />
Bildungspolitik der FDP:
</p>
<p>
<span class="fett">brigitte:</span> Wie sieht das bildungspolitische<br />
Konzept der FDP aus? Wie will die FDP sicherstellen, dass Sozialschwache<br />
nicht vom Studium abgehalten werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Das ist zwar nicht mein<br />
Spezialthema, aber ich glaube sagen zu können, dass selbst<br />
Leute, die finanziell nicht so gut gestellt sind, sich immer ein<br />
Studium werden leisten können. Im Zweifelsfall kann man ja<br />
auch selbst ein bisschen arbeiten. Ich habe seinerzeit als Werkstudent<br />
Rama-Kartons gepackt und viel auf dem Bau gearbeitet.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Unsere 60 Minuten Chat sind<br />
vorbei, vielen Dank für das große Interesse. Herzlichen<br />
Dank, Herr Dr. Addicks, dass Sie sich die Zeit zum chatten genommen<br />
haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie auf den Seiten der<br />
Veranstalter. Das Team der Serie &quot;Politiker-Talk&quot; wünscht<br />
allen Beteiligten einen schönen Tag.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Vielen Dank für das<br />
Interesse. Einen schönen Tag noch.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Kein Konzept für eine Nachkriegsordnung&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[espies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 May 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Heidemarie Wieczorek-Zeul]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Wiederaufbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/Wieczorek-Zeul.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" border="0" height="116" width="85" />Heidemarie 
Wieczorek-Zeul</b><b>, Entwicklungsministerin (SPD), </b><b>ist 
am 12. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de.</b></span> ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/Wieczorek-Zeul.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" border="0" height="116" width="85" />Heidemarie<br />
Wieczorek-Zeul</b><b>, Entwicklungsministerin (SPD), </b><b>ist<br />
am 12. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de.</b></span> <!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen liebe Politik-Interessierte! Heidemarie<br />
Wieczorek-Zeul, Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und<br />
Entwicklung, ist ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Für die kleine<br />
Verzögerung bitten wir um Nachsicht. Beginnen wir gleich mit der<br />
ersten User-Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Osimann:</b> Wie<br />
geht es weiter beim Aufbau im Irak? Deutschland wird doch keine Schnitte<br />
vom fetten Kuchen abbekommen, wie die CDU fordert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Es geht erst mal darum, dass im Irak humanitär geholfen wird. Da<br />
ist nach wie vor eine dramatische Situation in Krankenhäusern. Der<br />
Wiederaufbau selbst sollte ja unter der Autorität der Vereinten Nationen<br />
stattfinden, da nur sie die Legitimität dafür haben. Unter den<br />
Bedingungen der UN-Autorität und mit entsprechendem Sicherheitsratbeschluss<br />
habe ich gesagt, dass wir auch bereit sind, zu helfen. Das hat mit der<br />
Frage von Aufträgen überhaupt nichts zu tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Stöfferle:</b><br />
Die USA halten sich nicht an multilaterale Abkommen und begehen bei ihrer<br />
Entwicklungshilfe den Pfad der außenpolitischen Doktrin: Wer für<br />
uns ist, bekommt Geld. Ärgert Sie dieser Ansatz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Es ist nicht ganz richtig, denn im Bezug auf die Entwicklungshilfe unterwerfen<br />
sie sich durchaus den international gemeinsam festgelegten Zielen. Aber<br />
andererseits handeln sie allein nach &quot;geostrategischen Gesichtspunkten&quot;<br />
&#8211; das schlägt manchmal den entwicklungspolitischen Zielsetzungen<br />
ins Gesicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hanna:</b> Sie<br />
haben erklärt, dass Sie einen Schuldenerlass für den Irak für<br />
absurd halten. Wie stehen Sie zu den Krediten, die von Saddam Hussein<br />
für Waffen und Palastbauten aufgenommen wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Man muss, glaube ich, zwei Sachen unterscheiden: Die eine ist, dass die<br />
internationale Gemeinschaft bei Ländern, die Diktaturen überwunden<br />
haben, neue Schuldenregelungen trifft, und das andere ist ein völliger<br />
Schuldenerlass. Der völlige Schuldenerlass ist bezogen auf ärmste<br />
hochverschuldete Entwicklungsländer, mit bestimmten Kriterien versehen,<br />
z.B. der verantwortlichen Regierungsführung und deshalb kann von<br />
allgemeinem Schuldenerlass in Bezug auf den Irak nicht geredet werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sie haben ihre Regierungserklärung im Mai mit einem Dank an die USA<br />
für die Befreiung Deutschlands vom Regime Hitlers begonnen. Obszön<br />
haben sie im April im Bundestag genannt, dass die USA zur Finanzierung<br />
des Irak-Kriegs einen Nachtragshaushalt von 75 Milliarden Dollar brauchen.<br />
Das sei 1,5 Mal so viel wie die Entwicklungshilfe weltweit. Kann man die<br />
Kosten eines Krieges gegen Entwicklungshilfe aufrechnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ich habe am 8. Mai gesprochen &#8211; das ist der 58. Jahrestag von der Befreiung<br />
der Hitler-Barbarei &#8211; deshalb habe ich das zu Anfang gesagt. Was mich<br />
aber immer wieder empört ist, dass für Kriegsführung immer<br />
wieder in kürzester Zeit Milliarden von US-Dollar mobilisiert werden.<br />
z.B. die 80 Mrd. Dollar für den Irak-Krieg, dass man aber für<br />
die Bekämpfung der Armut für jeden zusätzlichen Dollar<br />
kämpfen muss.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Herbert Flötenmann:</b><br />
Haben Sie das Gefühl, die USA wollen sich im Irak auf Kosten der<br />
Entwicklungshilfe bereichern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Nein, das ist überhaupt nicht der Punkt. Ich habe nur das Verhältnis<br />
von Mitteln für Krieg und Mitteln für Entwicklungszusammenarbeit<br />
gegeneinander gestellt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Stöfferle:</b><br />
Ich komme gerade aus den USA, habe dort studiert. Zahlreiche Stimmen sprechen<br />
davon, dass der Irak-Krieg auch eine Art &quot;Entwicklungshilfe&quot;<br />
war. Was sagen Sie einem solchen Menschen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Dem Menschen sage ich, wer Entwicklungshilfe leisten will, soll Entwicklungshilfe<br />
leisten und nicht Krieg führen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Voraussetzung ist aber doch die Möglichkeit dazu, sprich ein Land,<br />
das mitmacht &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ja, aber auch da gilt, der Auftrag des UN-Sicherheitsrats war die Vernichtung<br />
von Massenvernichtungswaffen. Die Entwaffnung des Irak wäre ohne<br />
Krieg möglich gewesen. Dahinter steht natürlich die Frage, wie<br />
kriegt man in arabischen Ländern, die keine Demokratien sind, einen<br />
Veränderungsprozess in Gang. Ich bin auch der Meinung, dass ein Entwicklungsprozess<br />
die Menschen in den Ländern aktivieren muss und aktivieren sollte.<br />
Das ist der Ansatz, den wir in arabischen Ländern auch betreiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BartSimpson:</b><br />
Auch wenn die USA nur beabsichtigen, den Irak zu einem Vasallenstaat umzuformen<br />
&#8211; glauben sie die Europäer können über Entwicklungshilfemaßnahmen<br />
verhindern, dass sich der Irak zum Vasallenstaat entwickelt, oder sehen<br />
sie eine solche Gefahr nicht ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Zunächst mal muss alles getan werden, dass die irakische Bevölkerung<br />
selbst entscheiden kann. Jetzt geht es darum, den Frieden überhaupt<br />
erst herzustellen und deshalb ist der Prozess am besten auch durch die<br />
Vereinten Nationen zu begleiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine in die Zukunft gerichtete Frage, sie kennen ja viele Länder<br />
und die politische Situation dort:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ernie:</b> Der<br />
Irak-Krieg als Friendensmission, um einem Land zu helfen! Wird diese Theorie<br />
auch in anderen Ländern (Nordkorea) umgesetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Da geht es eben um die Auseinandersetzung, um das Konzept des sogenannten<br />
Präventivschlages und unsere Position ist klar: Krieg darf nicht<br />
wieder zu einem &quot;normalen&quot; Instrument von Politik werden. Im<br />
Übrigen haben ja die USA auch selbst eine unterschiedliche Strategie<br />
gegenüber Nordkorea eingeschlagen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Lohse:</b><br />
Welche Entwicklungshilfe hat denn Deutschland in den letzten Jahren im<br />
Irak geleistet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
In den letzten Jahren nicht mehr, denn da gab es ja die Sanktionen gegen<br />
den Irak. Was wir gemacht haben, ist die Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen<br />
in den kurdischen Gebieten, die wir unterstützt haben. Wir haben<br />
im Übrigen über das Welternährungsprogramm der Vereinten<br />
Nationen dazu beigetragen, dass die Bevölkerung während der<br />
Sanktionen mit Lebensmitteln versorgt worden ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernie:</b> Sehen<br />
sie den Irak als zukünftigen demokratischen Staat, der alle anderen<br />
Staaten ringsherum &quot;ansteckt&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ich glaube, dass man sich da mit Prognosen sehr zurückhalten sollte.<br />
Wichtig ist, dass der Irak Unterstützung auf dem Weg der Selbstbestimmung<br />
hat und ansonsten verweise ich auf die andere Antwort: Ein wichtiges Problem<br />
in den arabischen Staaten ist, dass Frauen stärker in der Gesellschaft<br />
und der Politik beteiligt werden, denn ein Teil der Defizite resultieren<br />
in diesen Ländern genau daraus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Der User mit dem passenden Nick-Name &quot;ultimatio ratio&quot; hat das<br />
als hypothetische Frage angekündigt, aber Fragen stellen kostet ja<br />
nichts &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ultima-ratio:</b><br />
Würde es dem irakischen Volk heute besser gehen, hätten nicht<br />
die USA Saddam Hussein beseitigt? Oder anders gefragt, wie wäre Ihre<br />
alternative Handlungsweise gegenüber den damals krassen Menschenrechtsverletzungen<br />
durch das irakische Regime gewesen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Das haben wir eigentlich vorhin schon beantwortet. Unsere Perspektive<br />
war, eine Öffnung des Irak durch die Entwaffnung zu erreichen und<br />
damit Veränderungen in Gang zu setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BartSimpson:</b><br />
Nachdem bereits General Garner entlassen wurde und die aktuelle Nachrichtenlage<br />
weiter von &quot;Chaos&quot; im Irak spricht: Haben die USA aus ihrer<br />
Sicht überhaupt ein erfolgversprechendes Konzept zur Befriedung und<br />
Demokratisierung des Irak, das über Kontrollmaßnahmen, bei<br />
gleichzeitigem relativ geringen finanziellem Engagement, hinausgeht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Das war ja unser Bedenken bei all den Plänen der amerikanischen Regierung:<br />
dass kein Konzept für eine Nachkriegsordnung bestand. Aber unabhängig<br />
davon ist es notwendig, einen politischen Prozess zu fördern, in<br />
dem alle Gruppen der Bevölkerung repräsentiert werden und in<br />
dem der Weg zur Selbstbestimmung für den Irak möglich wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Weiß da die Ministerin Wieczorek-Zeul nicht noch ein bisschen mehr<br />
über die Pläne der USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ich meine, das sind eigentlich Vermutungen, dass die Frage der Rohstoffsicherung<br />
eine Rolle gespielt hat. Auch deshalb ist es wichtig, dass bei den Beratungen<br />
im UN-Sicherheitsrat sichergestellt wird, dass die Verfügung über<br />
die Öl-Ressourcen nur bei der irakischen Bevölkerung selbst<br />
ist und solange es keine legitimierte irakische Regierung gibt, muss die<br />
Transparenz und die Kontrolle durch die internationale Gemeinschaft sichergestellt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Bis zum Jahr 2015 wollen sie den Anteil in extremer Armut lebenden Menschen<br />
um die Hälfte verringern. Derzeit müssen 1,2 Milliarden Menschen<br />
(!) mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Weltbank und der<br />
Internationale Währungsfonds berichten, dass die Bedingungen dafür<br />
immer schlechter werden. Wie groß ist die Chance, dass Sie das noch<br />
erreichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Dass es erreicht werden kann, ist möglich. Aber unter erschwerten<br />
Bedingungen, das sagt auch die Weltbank. Deshalb ist meine Forderung und<br />
meine Sorge, dass wir in eine Entwicklung geraten, in der wieder gerüstet<br />
wird und die Militärausgaben erhöht werden und dass es zu Lasten<br />
geht der Mittel, die zur Bekämpfung der Armut notwendig sind. Wenn<br />
wir die Ziele wirklich erreichen wollen, müssen wir alle Finanzmittel<br />
darauf konzentrieren. Vielleicht müssen wir das erweitern: Zugang<br />
zu Wasser, Zugang Energie (2,4 Mrd. Menschen haben weltweit keinen Zugang<br />
zu kommerzieller Energie).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zenzi:</b> Hallo,<br />
Frau Wieczorek-Zeul, ich glaube, Sie haben z.Zt. einen schweren Stand.<br />
Die Finanzen stehen schlecht. Ist es Ihnen überhaupt noch möglich,<br />
für Ihr Ressort Gelder für Projekte in Drittweltländern<br />
locker zu machen? Gibt es Beschränkungen, z.B. auf gewisse Regionen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Es gibt keine Beschränkungen auf Regionen. Wir kooperieren mit Partnerländern<br />
unter drei Gesichtspunkten: Einmal unterstützen wir Länder,<br />
die sich besonders um verantwortliche Regierungsführung bemühen;<br />
zweitens arbeiten wir auch in Konfliktregionen, um ein Abgleiten zu verhindern<br />
und drittens in Länder, die nach Kriegen oder Bürgerkriegen<br />
den Neuanfang brauchen. Ansonsten gilt, dass Entwicklungszusammenarbeit<br />
die kostengünstigste Sicherheitspolitik ist. Übrigens auch für<br />
uns.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Dennoch schlägt &quot;zenzi&quot; doch in die richtige Kerbe: bei<br />
30 Milliarden Neuverschuldung leidet doch auch ihr Etat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Wir haben zugesagt, das wir die internationale Verpflichtung einhalten<br />
werden, schrittweise die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit<br />
zu erhöhen. Das ist genauso eine internationale Verpflichtung wie<br />
eine Verpflichtung in einem Bündnis und wir lösen unsere Verpflichtung<br />
ein. Vielleicht kann ich ergänzen: Das ist eine humanitäre Position,<br />
es ist aber auch im Interesse eines exportorientierten Landes wie der<br />
Bundesrepublik Deutschland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kleiner Vorsatz: Das ach, ja von &quot;h.kurt&quot; bezog sich auf eine<br />
andere Frage, dennoch: die Ziele waren ja ursprünglich noch wesentlich<br />
höher gestellt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>h.kurt:</b> Ach<br />
ja, wie sieht es denn aus mit dem Ziel, 0.7 % des BIP als Entwicklungshilfe<br />
zu verplanen? Wird das in dieser Legislaturperiode erreicht? Wie sieht<br />
es im Rest Europas aus ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
BIP = Bruttoinlandsprodukt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Erstens steht das Ziel, zweitens haben wir gesagt, wir werden es schrittweise<br />
erreichen. Wir haben zugesagt, in dieser Legislaturperiode auf 0,33% zu<br />
erhöhen. Im Übrigen ist Deutschland in absoluten Zahlen der<br />
drittgrößte Geber von Entwicklungshilfe weltweit und Entwicklungsländer<br />
hätten im Übrigen weit mehr Einkommen und wären weit weniger<br />
auf Hilfe angewiesen, wenn die Industrieländer z.B. von ihren Agrarproduktsubventionen<br />
Abstand nehmen, mit denen sie den Entwicklungsländern unfaire Konkurrenz<br />
machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Was würde ein Abbau der Handelshemmnisse denn für die angeschlagene<br />
deutsche Wirtschaft bedeuten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Wir müssen ja sowieso die Agrarpolitik der EU reformieren &#8211; und zwar<br />
weg von der Subventionierung von Produkten und hin zu der Unterstützung<br />
in den ländlichen Regionen und indem wir Exportsubventionen auslaufen<br />
lassen. Deshalb würde von solchen Veränderungen die bäuerliche<br />
Landwirtschaft nicht benachteiligt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch einmal zu der Frage, wie Veränderungen herbeigeführt werden<br />
können: Sie haben die Frauen angesprochen. Dazu zwei Nachfragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ernie:</b> Nachfrage:<br />
es ist aber doch eine Glaubensfrage, dass Frauen in der Politik so wenig<br />
involviert sind. Kann man daran denn wirklich was ändern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BartSimpson:</b><br />
Aber führt z.B. eine von außen herbeigeführte schnelle<br />
Veränderung hin zu wesentlich mehr Frauenrechten (auch wenn es aus<br />
unserer Sicht wünschenswert ist) nicht zu weiteren Verwerfungen,<br />
die radikalen islamistischen Kräften Vorschub leisten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Die Frage der Notwendigkeit der Beteiligung von Frauen: da weist gerade<br />
der Arab Human Development Report der Vereinten Nationen darauf hin, das<br />
manche arabische Länder trotz Rohstoffen wirtschaftlich weit hinten<br />
liegen wegen der mangelnden Beteiligung von Frauen. Man kann generell<br />
sagen, dass die Bildung und Förderung von Frauen und Mädchen<br />
und der Zugang von Frauen zu Familienplanung den wichtigsten Schub zu<br />
Modernisierung von Ländern bedeuten. Dass natürlich immer auch<br />
die kulturelle Situation von Ländern beachtet werden muss, versteht<br />
sich von selbst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, unsere Zeit ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank für Ihre Fragen und herzlichen Dank an Frau Wieczorek-Zeul,<br />
dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind. Noch ein Terminhinweis:<br />
Am 22.Mai stellt sich der FDP-Vizefraktionschef und FDP-Finanzexperte<br />
Otto Solms Ihren Fragen. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch<br />
einen schönen Abend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Klasse, dass sie sich in den Themen so engagieren, bleiben sie dran.<br />
</span><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> </span>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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