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	<title>Entwicklungspolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Entwicklungspolitik &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Digitale Presseschau &#8211; KW 46</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 17:22:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
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		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/linkliste_banner.png" height="180" width="480" /><br />
Angela Merkel antwortet auf YouTube, Streitgespräch über Sinnhaftigkeit von Datenschutz, Weltverbesserung im Netz - dies und mehr in der dieswöchigen Digitalen Presseschau. 
<p>
&#160;
</p>
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Angela Merkel antwortet auf YouTube, Streitgespräch über Sinnhaftigkeit von Datenschutz, Weltverbesserung im Netz &#8211; dies und mehr in der dieswöchigen Digitalen Presseschau.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3 align="center"><strong>Unser Video der Woche<br />
</strong></h3>
<p align="center">[youtube http://www.youtube.com/watch?v=XCnMBb5a8yQ]</p>
<p style="text-align: left;">Heute startete die Initiative „Die Kanzlerin antwortet“ auf YouTube. Aus rund 1.800 Fragen von Bürgern konnten diese die zehn beliebtesten Fragen an Angela Merkel auswählen. Die Kanzlerin beantwortete heute die Fragen 10 bis 7, am Montag geht es weiter. Dass sie den Dialog mit den Bürgern sucht, ist sehr zu begrüßen. Fraglich ist aber, ob das gewählte Format einer Video-Aufzeichnung den Bürgern Mehrwert bietet. Der Auftritt wirkte stellenweise phrasen- und floskelhaft. Ein direkter Dialog oder eine echte Live-Diskussion hätten stattdessen die Chance für spontane und unmittelbare Reaktionen bieten können. Wer wissen will, warum Merkel keine Freundin direkter Demokratie ist, sollte sich unser Video der Woche anschauen.</p>
<p><a href="http://www.heise.de/tr/artikel/Datenschutz-greift-nicht-mehr-1376922.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>&#8220;Datenschutz greift nicht mehr&#8221;</strong></a></p>
<p>Klarer Gewinner unserer Abstimmung über den Top-Artikel der Woche ist ein Streitgespräch zwischen Constanze Kurz vom Chaos Computer Club mit Julia Schramm von der Aktivistengruppe &#8220;Die datenschutzkritische Spackeria&#8221; im Technology Review. Dabei geht es um Fragen wie diese: Ist Datenschutz im Zeitalter von Facebook und Twitter ein überholtes Konzept? Oder: Schränkt Datenschutz die Freiheit im Internet ein?</p>
<p><strong><a href="http://berlinergazette.de/digitaler-umweltschutz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mülltrennen im Netz: Was ist digitaler Umweltschutz?</a></strong></p>
<p>Der Jurist und Betriebswirt Leonhard Dobusch schreibt in einem Artikel für die Berliner Gazette über das Öko-System Internet. Dabei befasst er sich mit dem Begriff des digitalen Umweltschutzes, kritisiert das überholte Urheberrecht und hebt die Bedeutung von Creative Commons hervor. Dobusch vermisst bisher eine thematische Klammer als Schnittstelle zwischen den verschiedenen digitalen Bürgerrechtsbewegungen.</p>
<p><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/staatstrojaner-eine-neue-dimension-der-privatheit-11529722.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Eine neue Dimension der Privatheit</a></strong></p>
<p>Auf den dritten Platz wählten wir einen Gastbeitrag des FDP-Politikers und Ex-Bundesinnenministers Gerhart Baum. Dieser macht auf die Dringlichkeit einer digitalen Bürgerbewegung aufmerksam, die sich gegen Eingriffe in die Privatsphäre der Bürger durch staatliche Behörden zur Wehr setzt – wie im Fall des Staatstrojaners. Wo man in den Kernbereich privater Lebensgestaltung eingreife, würde die Menschenwürde verletzt, so Baum.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-11/milleniumziele-internet-projekte" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Weltverbesserung im Web</strong></a></p>
<p>In ihrem Artikel für Zeit Online verweist Anna Gauto auf die große Bedeutung neuer Kommunikationstechnologien für eine erfolgreiche und zügige Umsetzung entwicklungspolitischer Maßnahmen– insbesondere durch junge Menschen. Sie nennt gelungene Beispiele, wie das <a href="http://maternalmortalityportal.org/)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Portal Maternal Mortality</a>, das Informationen zur weltweiten Müttersterblichkeit und Schwangerschaft liefert.</p>
<p><a href="http://theeuropean.de/martin-eiermann/8844-strukturwandel-der-oeffentlichkeit" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Ein Bund fürs Leben?</strong></a></p>
<p>Martin Eiermann von The European beschreibt das untrennbare Abhängigkeitsverhältnis zwischen Journalismus und Zivilgesellschaft. Dies versucht er mittels dreier Beispiele zu untermauern. Dabei kritisiert er den vermeintlichen Zweckpessimismus: Die These von der zunehmenden Bedeutung der digitalen Öffentlichkeit werde durch kritische Anmerkungen verfeinert, nicht entkräftet.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Zwischen Euphorie und Zensur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 10:06:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Open Source Nation Brasilien</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaft-mrichter_fossnationbrasil061019-shtml-2902/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mrichter]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Text steht unter CreativeCommons-
                              Lizenz und darf unter Namensnennung der Autorin zu nichtkommerzieller Nutzung unter gleichen Bedingungen weitergegeben werden. Die Autorin des im Januar verfassten Textes, Meike Richter, hat ihre Magisterarbeit zum Thema auf ihrer Website fair-code.net 
                              veröffentlicht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Text steht unter CreativeCommons-<br />
                              <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lizenz</a> und darf unter Namensnennung der Autorin zu nichtkommerzieller Nutzung unter gleichen Bedingungen weitergegeben werden. Die Autorin des im Januar verfassten Textes, Meike Richter, hat ihre Magisterarbeit zum Thema auf ihrer Website fair-code.net<br />
                              <a href="http://www.fair-code.net/faircodeblog/index.php?op=ViewArticle&amp;articleId=19&amp;blogId=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">veröffentlicht</a>.<!--break--></p>
<p>
                              <strong>(Artikel, 19. Oktober 2006) Brasilien geht pro Linux und macht sich für eine Neuregelung geistiger Eigentumsrechte stark. Die Südamerikaner führen eine Reihe von Entwicklungs- und Schwellenländern an, die sich auf diesem Wege aus wirtschaftlicher Abhängigkeit befreien wollen.</strong>
                            </p>
<p>Seit einigen Jahren verfolgt Brasilien eine ganz eigene Entwicklungspolitik. Das südamerikanische Land kehrt Bill Gates&#8217; Imperium den Rücken und fördert den Einsatz und die Entwicklung von<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/FOSS" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Freier/ Open Source Software</a> (FOSS). Begonnen hat die pro-Linux-Politik auf kommunaler und Bundesebene, seit dem Wahlsieg der<br />
                            <a href="http://www.ptb.org.br/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arbeiterpartei</a> unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gehört die Förderung von offenem Code zum Regierungsprogramm. Die Brasilianer haben erklärt, 80% der neu anzuschaffenden Computer mit Open Source Software auszustatten. Auch die existierende öffentliche IT-Infrastruktur migriert auf FOSS, und staatlich geförderte Software soll unter freien Lizenzen veröffentlicht werden. Außerdem ist freie Software Bestandteil nationaler Programme zur Überbrückung des Digital Divide, denn ein Großteil der Brasilianer hat<br />
                            <a href="http://www.heise.de/ct/04/02/044/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">keinen Zugang</a> zu Informations- und Kommunikationstechnologien (ICTs) wie dem Internet. Mit der Überwindung des digitalen Grabens ist der Anspruch verbunden, gleichzeitig wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklung zu fördern. Diese Hoffnung speist sich aus dem Umstand, dass Zugang zu Information und Wissen, seine Schaffung und Verbreitung, ein zentraler Machtfaktor in einer globalisierten, vernetzten Welt ist.</p>
<p>Und hier nun kommt Software ins Spiel – fungiert sie doch als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Die weiche Ware besteht nicht nur aus Information, sondern ist gleichsam der Zentralschlüssel zu digitalen Datenräumen und Wissen aller Art. Eines der Hauptargumente der Brasilianer für Linux lautet, dass es ökonomisch sinnvoller ist, Staatsgelder für die Ausbildung lokaler Arbeitskräfte auszugeben, als die finanziellen Ressourcen ins Ausland zu transferieren, um dort Software-Lizenzen einzukaufen. Denn anders als bei proprietärer Software, beispielsweise dem Betriebssystem Windows von Microsoft, fußt das ökonomische Wertschöpfungsmodell nicht auf Erhebung von Lizenzgebühren. Stattdessen bringen Serviceleistungen um die Software herum Gelder ein. Freie Software ist längst kein Spielzeug für Technik-begeisterte Bastler mehr. Konzerne wie IBM oder Novell Suse und eine Vielzahl kleiner und mittlerer Unternehmen erwirtschaften mit diesem speziellen Code Profit. Der<br />
                            <a href="http://www.mozilla.com/firefox/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Firefox-Browser</a>, Linux-basierte Betriebssysteme wie Debian oder das Office-Paket<br />
                            <a href="http://www.openoffice.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">OpenOffice</a> zählen zu den bekanntesten Anwendungen. Brasilien hat eine sehr aktive FOSS-Szene. Die weltweit ersten mit Open Source betriebenen Bankautomaten haben die Südamerikaner entwickelt.</p>
<p>Freie Software hat, geschützt durch spezielle Lizenzen, eine ganz eigene Kultur und Ökonomie, die sich aus ihren vier Haupt-Merkmalen ergibt: die Software darf ohne jede Einschränkung benutzt werden, der Quellcode ist verfügbar, er darf verändert und es darf aus ihm gelernt werden, die Software darf ohne Einschränkungen und ohne Zahlungsverpflichtungen kopiert und weitergegeben werden, die Software darf verändert und in veränderter Form weitergegeben werden.<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Quellcode" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Quellcode</a> ist die „DNA“ des Programmcodes, bestehend aus Textbefehlen, geschrieben in einer höheren Programmiersprache. Entwicklung und Anpassung von Software ist nur in dieser Rohform möglich. Open Source Software entsteht innerhalb offener Netzwerk-Strukturen, in denen Informatik-Studenten, Hobby-Programmierer und IT-Profis über Ländergrenzen hinweg miteinander kooperieren.</p>
<p>Weil bei FOSS der Bauplan frei zugänglich ist, schätzen die Südamerikaner diese Art Code. Marcel Tosatti, Brasilianer und ehemaliger Hüter des Linux-<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kernel" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kernel</a>, drückt es so aus: „Die Technologie und die Lizenz gibt den Ländern der Dritten Welt die Chance, nicht mehr Sklaven irgendeiner Technologie zu sein. So kann jedes Land eigene Technologien entwickeln.“ Nicht zuletzt weil proprietäre Software die Anpassung an lokale sprachliche Bedürfnisse oft unmöglich macht, empfinden ärmere Länder ihre Benutzung als eine Art „elektronische Kolonisierung“. Eine generelle Unzufriedenheit mit Preisstruktur, Lizenzmodellen und Service des global mächtigsten proprietären Software-Produzenten – Microsoft – spielt eine zentrale Rolle. Tatsächlich handelt sich der Konzern immer wieder Klagen wegen wettbewerbswidriger<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Microsoft#Die_Antitrust-Klage_und_die_drohende_Spaltung_der_Firma" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Praktiken</a> ein. Auch die entwickelte Welt stört sich zunehmend an der Monopolstellung Microsofts und findet in freier Software eine willkommene Alternative. Die Stadt<br />
                            <a href="http://www.muenchen.de/Rathaus/referate/dir/limux/89256/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">München</a> beispielsweise ist dabei, ihre gesamte Verwaltung auf FOSS zu migrieren.</p>
<p>Brasiliens pro-Linux Politik ist eng verknüpft mit den Auseinandersetzungen um geistige Eigentumsrechte. Entwicklungs- und Schwellenländer erklären seit Jahren, dass die existierenden Copyright-und Patentsysteme nicht zu ihrem Vorteil arbeiten, sondern die Interessen entwickelter Länder beziehungsweise der dort ansässigen Unternehmen reflektieren. Die ursprüngliche Idee hinter geistigem Eigentum ist einleuchtend: Erfinder und Kreative bekommen ein zeitlich befristetes Monopol auf ihre Erzeugnisse und können wegen Ausschaltung des Wettbewerbs hohe Preise verlangen. Obwohl die Ideen temporär nicht von anderen genutzt und weiterentwickelt werden dürfen und Folge-Innovationen sich somit verzögern, rechnet sich das Konzept. Denn der Staat schafft auf diesem Wege Anreize für Innovation. Kritiker sagen, dass die kontinuierliche Ausweitung geistiger Eigentumsrechte, etwa auf mathematische Algorithmen, Gene oder Pflanzen, das System pervertiert und Innovation verhindert. Nicht mehr die besten Ideen, sondern die teuersten Anwälte setzten sich durch. Im Falle von armen Ländern tritt das Problem verschärft zutage. Sie verfügen kaum über Patente und Copyrights und die Möglichkeiten,<br />
                            <a href="http://www.dailytimes.com.pk/default.asp?page=story_16-8-2005_pg5_12" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sie</a> durchzusetzen. Bei der World Intellectual Property Organisation (WIPO) führt Brasilien eine Reihe von Entwicklungs- und Schwellenländern an, die sich für eine Neubewertung geistiger<br />
                            <a href="http://www.irights.info/index.php?id=381" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Eigentumsrechte</a> einsetzen. Die WIPO ist eine UN-Agentur, die Markenrechte, Patent- und Copyrightsysteme global verbindlich festlegt. Es ist kein Zufall, dass gerade die Brasilianer auf neue Konzepte betreffend geistiges Eigentum setzen. In den 1990ern waren sie die ersten, die ernsthaft gedroht haben, im öffentlichen Interesse Patente auf überteuerte AIDS-Medikamente zu verletzen. Und zwar unter einer konservativen Regierung.</p>
<p>Die offene Regelung geistiger Eigentumsrechte bei freien Software-Systemen wie Linux soll helfen, technologisch und wirtschaftlich unabhängiger zu werden. Denn bei Software geht es nicht nur um Code, sondern um Rechte, Kontrolle, Sicherheit, Transparenz und Macht. Software ist eher ein Prozess denn ein Produkt – um sie einsatzfähig zu halten, ist kontinuierliche Weiterentwicklung unerlässlich. Während proprietäre Technologien nur denen offen stehen, die sie sich leisten können, erlaubt Freie Software Zugang zu Wissen und Informatik der entwickeltesten Länder.</p>
<p>Ob Brasiliens pro-Linux Politik weiter voranschreitet, bleibt indes abzuwarten. Ist sie doch eng verbunden mit dem Schicksal der Arbeiterpartei. Die Förderung Freier Software gewinnt aber auch in anderen Ländern Lateinamerikas an Bedeutung: seit September 2005 ist in Peru Einsatz und Förderung freier Software<br />
                            <a href="http://www.bundestux.de/show/88304.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gesetzlich festgeschrieben</a>.</p>
<p>Man darf die brasilianische Politik nicht als bloßes Armuts-Bekämpfungsprogramm abtun. Dahinter steht die Absicht, kommerziellen und gesellschaftlichen Mehrwert ohne klassischen Schutz geistigen Eigentums zu schaffen, sondern mit neuen Copyright- und Patentmodellen, die an die Bedürfnisse moderner Wissensgesellschaften angepasst sind. Wissen ist ein ganz besonderes Gut: es wächst durch Teilung.</p>
<p>
                              <strong>Dieser Text steht unter CreativeCommons-<br />
                              <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lizenz</a> und darf unter Namensnennung der Autorin zu nichtkommerzieller Nutzung unter gleichen Bedingungen weitergegeben werden. Die Autorin des im Januar verfassten Textes, Meike Richter, hat ihre Magisterarbeit zum Thema auf ihrer Website fair-code.net<br />
                              <a href="http://www.fair-code.net/faircodeblog/index.php?op=ViewArticle&amp;articleId=19&amp;blogId=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">veröffentlicht</a>.</strong><br />
                              
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Bedeutung von eDemocracy in Lateinamerika</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/wissensgesellschaft-cdowe_interview_ester_kaufman_061012-shtml-2534/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[In Bezug auf die politische Kommunikation unter Zuhilfenahme des Internets: Wo steht Lateinamerika im Vergleich zu anderen Ländern?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In Bezug auf die politische Kommunikation unter Zuhilfenahme des Internets: Wo steht Lateinamerika im Vergleich zu anderen Ländern?<!--break--></p>
<p>
                              <strong>(Interview) Ester Kaufman war Koordinatorin der Lateinamerikanischen Fakultät für Sozialwissenschaften, wo sie zum Thema &#8220;eGovernment und Informationsgesellschaft&#8221; gelehrt hat. Christoph Dowe, Geschäftsführer von politik-digital.de, hat die Expertin im eMail-Interview zur Bedeutung von eDemocracy in Lateinamerika befragt.</strong>
                            </p>
<p>
                              <strong>In Bezug auf die politische Kommunikation unter Zuhilfenahme des Internets: Wo steht Lateinamerika im Vergleich zu anderen Ländern?</strong>
                            </p>
<p>Die lateinamerikanischen Regierungen stehen der Invasion der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und deren Auswirkungen auf die politische Kommunikation im Gegensatz zu anderen Staaten wehrlos gegenüber. In dieser Region haben sie andere Probleme zu bekämpfen: Armut, Unterernährung, Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Regierungspolitik bezüglich der IKT ausschließlich von den Konzepten multilateraler Einrichtungen bestimmt wird. Umso mehr, da diese Organisationen die Vorhaben finanzieren. Die Konsequenz ist, dass wir Programme haben, bei denen der Kauf einer Technologie beschlossen wird, ohne vorher festgelegt zu haben, was damit geschehen soll. Das einzige was zählt ist, besagten Organisationen zu beweisen, dass man die Abkommen einhält. Finanzielle Mittel werden häufig für Partikularinteressen oder politische Zwecke eingesetzt. Bei diesen Rezepten ist Transparenz daher ein zentraler Punkt.</p>
<p>Eines der Ziele ist es, die Regierungen mit Hilfe des Internets transparenter zu machen. Die genannten Konzepte haben zwar zweifelsohne Transparenz zum Ziel. Sie sind aber nicht an der Beseitigung der Korruption an sich orientiert, sondern daran, das Geschäftsklima zu verbessern. Es hat also mehr mit dem Unternehmen zu tun, die investieren oder Gelegenheiten nutzen wollen, als damit, interne Probleme zu lösen. Probleme wie die Schwächung unserer Institutionen und der Klientelismus scheinen nur für den reinen Diskurs relevant zu sein. Das soll aber nicht heißen, dass die Schwächung und der Klientelismus in allen öffentlichen Einrichtungen andauert. Einige Projekte haben sich durch diese Programme gut entwickeln können. Sie wurden im Weberschen Sinn des Wortes professionalisiert. Leider passiert dies nur bei den Programmen, die mit dem Eintreiben von Steuern oder dem Einkauf zu tun haben. In diesem Fällen sind die elektronischen Regierungen in Lateinamerika tatsächlich effizient. Außen vor bleiben letzten Endes aber die Programme, die auf eine Öffnung zu den Bürgern hinwirken, die mit sozialen Plänen oder ökonomischer Verteilung zusammenhängen: die sozialen Programme und die Bildungsprogramme.</p>
<p>
                              <strong>Welche lateinamerikanischen Länder haben eGovernment-Strategien entwickelt und welche setzen sie erfolgreich um?</strong>
                            </p>
<p>Die herausragendsten Regierungen bei der Entwicklung des eGovernment sind Mexiko, Chile und Brasilien. Brasilien beispielsweise hat hier die bedeutendste Anstrengung unternommen, die dann jedoch auf halben Wege stecken blieb. In dieser Übergangssituation bleiben nur die Regierungen, die irgendeinen Mechanismus der Partizipation auf ihrer Seite anbieten, aber ohne irgendeine institutionelle Verpflichtung, die eingebrachten Ideen zu berücksichtigen (Venezuela, Chile oder Mexiko).<br />
                            <br />Dann folgen Uruguay, Peru und Costa Rica. Argentinien könnte sich bald dieser zweiten Gruppe annähern.</p>
<p>Erfolgsindikatoren sind unter anderen die Bereitschaft der höchsten Autoritäten, einen eGovernment-Plan zu entwickeln. Ebenso, dass diese Vorhaben von staatlichen Reformen begleitet sind, die Entwicklungen und Dienstleistungen integrieren und einige Auslieferungspunkte zusammenführen. Sie sind aber alle immer noch weit von einem One-Stop-Shop entfernt. Keines der lateinamerikanischen Länder ist kurz davor, das Ziel zu erreichen, aber einige sind sehr viel weiter als andere.</p>
<p>
                              <br />
                              <strong>Spielt eDemocracy in diesen Konzepten eine Rolle?</strong>
                            </p>
<p>Wenn wir unter „eDemocracy“ die elektronische Stimmabgabe verstehen, so könnte die IKT dem Wahlakt eine größere Transparenz verleihen und vielleicht zu einer höherer Beteiligung von Analphabeten führen, wie es bei den vorletzten Präsidentschaftswahlen in Brasilien der Fall war. Das Potenzial von IKT zeigt sich aber erst in anderen Konzepten von eDemocracy. Diese anderen Konzepte betreffen die alltägliche Regierungspolitik, die die Bürger betrifft. Wenn es effektive Mechanismen zur Beteiligung eben dieser Bürger gäbe, hätten wir ein Konzept von Demokratie, das direktere und vielseitigere Formen als die traditionelle repräsentative Demokratie bietet.</p>
<p>
                            <strong>Wie sieht es mit Best-Practice-Projekten aus, in denen Regierungsstellen IKT nutzen, um mit ihren Bürgern zu diskutieren?</strong></p>
<p>Es gibt nur wenige Beispiele und selbst die sind leider nur wenig erfolgreich. Es gibt Beispiele wie den des „<br />
                            <a href="http://www.taz.de/pt/2002/02/04/a0183.1/text" target="_blank" rel="noopener noreferrer">elektronischen partizipatorischen Haushaltes</a>“, das die Arbeiterpartei in Porto Alegre in Brasilien vorangetrieben hat. Trotz der guten Absichten der Regierung und obwohl partizipatorische Mechanismen im Internet angeboten wurden, sind diese nur wenig genutzt worden. Die Erklärung hierfür ist sicherlich, dass die Meinungen, die online geäußert wurden, für die politischen Autoritäten nicht verpflichtend waren. Die Leute suchen effektivere Druckmechanismen, wobei sich die Organisationen der Bürgergesellschaft mehr vernetzen und sich gegenseitig unterstützen – jenseits der Vorschläge und Mechanismen der Regierungen.</p>
<p>
                              <strong>Was sind die wichtigsten Themen für internetbasierte eDemocracy in Lateinamerika?</strong>
                            </p>
<p>Ich glaube, dass das wichtigste Thema der Kampf gegen die Korruption ist. Dazu gehört die Transparenz des Regierungshandelns und der Zugang zu Informationen. Diese Themen werden sehr stark von Programmen forciert, die von multilateralen Organisationen wie IAB und<br />
                            <a href="http://www.worldbank.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Weltbank</a> finanziert werden.</p>
<p>Bei einem Rundgang durch die Portale der Regierungen lassen zudem sich Tendenzen erkennen: Man sieht weiter entwickeltere Formulare für Reklamationen, Beschwerden und Anfragen, und auch mit genauer bestimmbaren Adressaten. Auch tauchen Abstimmungen, Umfragen und Foren auf. Inzwischen erscheinen zudem Inhalte, die mit dem Aufbau von bürgerlichen Kapazitäten verbunden sind. Selbst wenn diese Erscheinungen rein formal oder Teil einer Kommunikationsstrategie sind – man schafft damit Brücken, die die Bürger nutzen sollten.</p>
<p>
                              <strong>Was muss von den Regierungen getan werden, um eDemocracy stärker zu fördern?</strong>
                            </p>
<p>Es muss viel getan werden. Einerseits muss es eine Politik der digitalen Alphabetisierung geben, was auch den Zugang zu den Technologien und eine Politik der Vernetzung voraussetzt. Zum anderen muss es eine Politik geben, wo der Zugang zu Informationen durch die Portale der Regierungen eine ernsthafte Übung für die Bildung einer Bürgerschaft sind und nicht nur rein formale Akte. Man setzt „Zugang zur Information“ mit der Verfügbarkeit der offiziellen Information gleich. Dabei weiß man, dass diese Information nur von Eingeweihten verstanden werden. Für den Zugang zu Informationen ist auch notwendig, zu überprüfen, ob die Informationen verstanden wurden. Das ist es, was das Empowerment und die Schaffung einer Bürgerschaft garantiert. Man muss einfordern, dass klar verständlich gemacht wird, das eine neue Gesetzgebung etwas ändert: nämlich ein Recht, das von den Bürgern in Anspruch genommen werden kann.</p>
<p>
                              <strong>Braucht man überhaupt eDemocracy-Projekte von Regierungsseite, oder sollte die Zivilgesellschaft selbst aktiv werden?</strong>
                            </p>
<p>Es gibt eine gewisse Hoffnungslosigkeit, was die Stabilität der Institutionen und der Politik in Lateinamerika angeht. Was das angeht, kann die eDemocracy sich nicht von der Demokratie unterscheiden: Die Regierungen interessieren sich größtenteils nicht für die Partizipation und noch weniger die ePartizipation. Die Bürger suchen sich ihre eigenen Ausdrucksformen jenseits von Wahlen und Institutionen.</p>
<p>
                              <strong>Wie stellen Sie sich die Zukunft der eDemocracy in Lateinamerika vor?</strong>
                            </p>
<p>Die elektronische Regierung und ihre Formen der eDemocracy sind Chancen für einen Wandel in der nahen Zukunft. Wenn sie gut genutzt werden, stärken die Technologien die Interaktion. Sie sind auch eine exzellente Rechtfertigung für die Neuformulierung der Architektur von Öffentlichem und Privatem und eine Gelegenheit, um Interaktionsmöglichkeiten im virtuellen Raum zu schaffen.</p>
<p>Das Phänomen des Zusammenflusses von Gesellschaft, Regierung und IKT erfordert dringend eine Inbesitznahme des Feldes durch die Universitäten, besonders die Sozialwissenschaften. Man kann mit einer solchen Entwicklung nicht beginnen, ehe man nicht mit der Gemeinschaft zusammenarbeitet; diese Arbeit muss die Aufteilung von und die Suche nach repräsentativen Vereinigungen sein, erst für die anfängliche Partizipation und dann für ihre Verbindung. Diese Aufgaben brauchen die Unterstützung durch akademische Teams, die die partizipatorische Planung aufzeigen; die die Ausarbeitung von Methodologien für Entwürfe, Umsetzung, Evaluierung und Überwachung von Prozessen und Ergebnissen übernehmen.</p>
<p>
                              <strong><br />
                                <em>Wir danken Stefanie Huber für die Übersetzung!</em><br />
                              </strong><br />
                              
                            </p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;EU-Militäreinsatz im Kongo als politisches Signal&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Heidemarie Wieczorek-Zeul]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 8. März 2006, war 
Heidemarie Wieczorek-Zeul</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
Bundesministerin für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit 
(SPD)</b><b>, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in 
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Sie beantwortete Fragen 
zur aktuellen Diskussion über einen EU-Militäreinsatz 
im Kongo und der Schwierigkeit, in Zeiten terrorristischer Bedrohungen, 
Entwicklungspolitik zu betreiben.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 8. März 2006, war<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
Bundesministerin für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />
(SPD)</b><b>, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in<br />
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Sie beantwortete Fragen<br />
zur aktuellen Diskussion über einen EU-Militäreinsatz<br />
im Kongo und der Schwierigkeit, in Zeiten terrorristischer Bedrohungen,<br />
Entwicklungspolitik zu betreiben.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Herzlich Willkommen zum tagesschau-Chat aus dem ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Heute diskutiert mit Ihnen Heidemarie Wieczorek-Zeul, Ministerin<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Vielen<br />
Dank, Frau Ministerin, dass Sie Zeit für den Chat haben. Ihre<br />
Fragen können Sie jederzeit stellen, nichts geht verloren,<br />
alles kommt in den großen Fragentopf. Beginnen wir damit:
</p>
<p class="normal">
<b>Klapauzius:</b> Ist es richtig, dass<br />
viele gegenwärtige Probleme in Afrika auf die Kolonisation<br />
durch die Europäer und ihre schonungslose Ausbeutung wie auch<br />
willkürlichen Handlungen gegenüber der afrikanischen Kultur<br />
zurückzuführen sind?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ein<br />
großer Teil der Probleme Afrikas hängt sicher mit der<br />
kolonialen Vergangenheit zusammen, z.B. die Fixierung auf Rohstoffausbeutung.<br />
Aber es gibt natürlich auch die Eigenverantwortung der afrikanischen<br />
Völker selbst.
</p>
<p class="normal">
<b>herbert</b>: Ich frage mich, wie aktiv<br />
die EU in politischen Fragen im Kongo eingreift oder ob sie lediglich<br />
passiv als Schützer der kommenden Parlamentswahl fungieren<br />
soll. Vielen Dank.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ich<br />
plädiere dafür, dass sich möglichst viele Mitgliedstaaten<br />
der EU an einem Kontingent beteiligen, das zum Schutz der Wahlen<br />
im Kongo sein sollte. Diesen Schutz der Wahlen halte ich für<br />
zentral, damit der Friedensprozess voran kommt und die Gewalt ein<br />
Ende findet. Denn in den Auseinandersetzungen der letzten Jahre<br />
sind dort drei Millionen Menschen gestorben. Deshalb gibt es auch<br />
die europäische Verantwortung, zu helfen.
</p>
<p class="normal">
<b>QN_Eisenmann:</b> Warum tragen Frankreich<br />
und Deutschland bei einem eventuellen Kongo-Einsatz die Hauptrolle?<br />
Deutschland entsendet genauso wie Frankreich jeweils ca. 400 Soldaten.<br />
Warum können nicht die anderen europäischen Staaten ihren<br />
Beitrag zu einem Kongo-Einsatz beisteuern? Liegt es an der Tatsache,<br />
dass Deutschland und Frankreich der &#8216;EU-Motor&#8217; sind?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das<br />
Ziel soll ja auch sein, möglichst viele EU-Staaten zu beteiligen.<br />
Daher ist die Entscheidung noch nicht endgültig getroffen.<br />
Aber die größeren Länder haben natürlich auch<br />
die größere Verantwortung.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum Schutz<br />
der Wahlen:
</p>
<p class="normal">
<b>Georg: </b>Schutz ist aber immer ein<br />
relativer Begriff. Erinnern wir uns an Ruanda oder Somalia! Wie<br />
weit kann und darf dieser Schutz gehen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Mit<br />
dem Kontingent von geplant 1500 europäischen Soldaten ist ein<br />
politisches Signal verbunden. Und zwar das Signal, dass wir wollen,<br />
dass die Wahlen tatsächlich stattfinden und sie auch den Friedensprozess<br />
voranbringen. Es geht nicht um einen Kampfeinsatz, denn in der schwierigsten<br />
Region &#8211; dem Osten des Kongo &#8211; ist bereits eine sehr große<br />
Zahl von UN-Friedenstruppen vorhanden, die so genannten MUNUC. Insgesamt<br />
befinden sich 16.500 Soldaten im Kongo. Es geht also um das politische<br />
Signal.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> &quot;Was sollen deutsche<br />
Soldaten im Kongo?&quot; &quot;Was haben wir da verloren?&quot;<br />
&quot;Die Hölle Kongo muss nicht auch noch sein!&quot; &#8211; so<br />
texten die Kommentatoren einiger Zeitungen heute. Haben Sie mit<br />
Ihrer Position hier einen schweren Stand?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Mancher<br />
macht natürlich auch Berichterstattung mit dem Fernstecher.<br />
Ich selbst war im Kongo. Die Situation ist so, dass die Menschen<br />
aus der Zivilgesellschaft, mit denen ich gesprochen habe, sagen:<br />
&quot;Wir wollen, dass die Wahlen stattfinden und wir wollen denen<br />
auch das Handwerk legen, die in dieser Region Gewalt ausüben&quot;.<br />
Wenn wir dazu beitragen können, dass wir in dieser Region,<br />
die größer ist als ganz Europa &#8211; der Region der großen<br />
Seen &#8211; einen Prozess des Friedens voranbringen, dann hätten<br />
wir in der Region so etwas ähnliches bewirkt, wie es der Prozess<br />
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erreicht hat. Afrika<br />
ist unser Nachbarkontinent und alle Probleme, die in der Welt stattfinden,<br />
können auch uns erreichen. Daher gibt es aus meiner Sicht eine<br />
humanitäre und auch eine sicherheitspolitische Begründung.
</p>
<p class="normal">
<b>M:</b> Wurde denn überhaupt daran<br />
gedacht, was nach den vier Monaten Bundeswehreinsatz kommt? Oder<br />
wird das wieder ein Abenteuer ohne Ende wie auf dem Balkan?
</p>
<p class="normal">
<b>samir: </b>Wie lange sollte denn ihrer<br />
Meinung nach eine EU-Truppe intervenieren? Geht es ihnen um die<br />
Absicherung der anstehenden Wahlen oder wird ein längerfristiger<br />
Einsatz angestrebt?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Es geht<br />
darum, die Bedingungen für den Einsatz des Kontingentes festzulegen.<br />
Die Bedingungen &#8211; die ich auch teile &#8211; sind Stationierungen in der<br />
Hauptstadt Kinshasa und im Umland. Zeitlich befristet. Möglicherweise<br />
ein Zeitraum von vier Monaten und möglichst breite Beteiligung<br />
von Europa. Nach den Wahlen wird es vor allem darauf ankommen, dass<br />
die Wirtschaft voran kommt und dass vor allem die Nutzung der Ressourcen<br />
im Kongo für die Bekämpfung der Armut eingesetzt und der<br />
Ausplünderung der Ressourcen entgegengearbeitet wird.
</p>
<p class="normal">
<b>SaiSai:</b> Ich frage mich, ob das<br />
politische Signal nicht auch falsch verstanden werden kann, gerade<br />
von der lokalen Bevölkerung. Die Wurzeln der Konflikte liegen<br />
oft in der Kolonialvergangenheit. Kann da eine &quot;Einmischung&quot;<br />
durch Nationalstaaten &#8211; und nicht die UNO &#8211; nicht falsch verstanden<br />
werden?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Wenn<br />
es ein solches Kontingent gäbe, kann das nur mit einem UN-Auftrag<br />
versehen werden.
</p>
<p class="normal">
<b>Maiglöckchen:</b> Wozu sollen<br />
Wahlen im tribalistischen Kongo führen? Durch eine aufgesetzte<br />
Demokratie werden doch keine Probleme gelöst.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Manchmal<br />
hat man den Eindruck, dass wir den anderen erzählen sollen,<br />
was sie machen sollen. Die Menschen, mit denen ich im Kongo gesprochen<br />
habe &#8211; auch im Osten des Kongo &#8211; sagen: &quot;Wir wollen mit den<br />
Wahlen dazu beitragen, dass die, die Gewalt anwenden, sanktioniert<br />
werden, mit unserer Stimme&quot;. Das ist einer der Gründe,<br />
warum ich in dieser Frage so eine entschlossene Position habe.
</p>
<p class="normal">
<b>bndagent_koeln:</b> Sollte sich nicht<br />
Belgien viel mehr im Kongo engagieren? Schließlich ist Belgien<br />
als ehemalige Kolonialmacht doch für den Schlamassel mitverantwortlich.
</p>
<p class="normal">
<b>Fleischer:</b> Welche Staaten waren<br />
denn im Besitz von Kolonien im momentanen Kongo gebiet? Sollte es<br />
nicht zu deren Aufgaben gehören das angerichtete Unheil wieder<br />
auszubaden?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das<br />
teile ich überhaupt nicht. Es ist gerade so, dass Deutschland,<br />
gerade weil es nicht ehemalige Kolonialmacht in dem Gebiet ist,<br />
eher geeignet ist, sich zu engagieren. Wenn wir eine gemeinsame<br />
Außen- und Sicherheitspolitik der EU wollen, können wir<br />
doch nicht sagen, dass sollen die ehemaligen Kolonialmächte<br />
machen.
</p>
<p class="normal">
<b>barita:</b> Wie soll in Zukunft die<br />
Zusammenarbeit zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Militär<br />
aussehen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Eine<br />
wirklich zentrale Frage: Auf keinen Fall darf Entwicklungszusammenarbeit<br />
militärischen Belangen untergeordnet werden. Aber eines ist<br />
auch klar: Ohne Frieden gelingt Entwicklung nicht. Und es braucht<br />
auch auf Dauer Entwicklung, damit der Frieden gelingt. Das heißt,<br />
bezogen auch auf den Kongo und viele andere sogenannte &quot;failing<br />
states&quot; &#8211; oder möglicherweise &quot;failed states&quot;<br />
&#8211; zu erreichen, dass die staatlichen Strukturen wieder aufgebaut<br />
werden und dazu beitragen, dass Rebellengruppen entwaffnet werden<br />
und dass Zukunftsperspektiven bei Bildung, Gesundheit und in der<br />
Wirtschaft für die Menschen existieren. Beide Bereiche, Entwicklungspolitik<br />
und Sicherheitspolitik und militärische Aktionen, finden unter<br />
der jeweils eigenen Verantwortung statt. Das zeigen wir ja auch<br />
bezogen auf ein Land wie Afghanistan.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Sie waren auch bereits<br />
vor 2001 Entwicklungsministerin. Die Anschläge vom 11.September<br />
und die Krise in Irak haben die Welt verändert. Ist Entwicklungspolitik<br />
heute schwieriger?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Insgesamt<br />
würde ich sagen, dass Entwicklungspolitik generell nicht nur<br />
seit 2001 schwieriger ist, weil wir diese Tendenz &#8211; die ich vorhin<br />
schon angesprochen habe &#8211; zu &quot;failing state&quot; sehr stark<br />
haben. Und damit auch das Vorherrschen von Bürgerkriegs-Auseinandersetzungen<br />
innerhalb von Staaten. Darauf muss sich Entwicklungspolitik einstellen.<br />
Aber insgesamt gilt auch, dass dem Terrorismus nicht auf Dauer durch<br />
Krieg der Boden entzogen wird, sondern dass wir den Nährboden<br />
für Terrorismus in Form von Armut, von Ohnmacht, austrocknen<br />
müssen. Dasa heißt auch, Schwerpunkt in Bezug auf die<br />
Bekämpfung von Armut, in Bezug auf gerechte Gestaltung der<br />
Globalisierung und das heißt auch, die zahlenmäßigen<br />
Gewichte zu verschieben. Weltweit werden wieder eine Billion US-Dollar<br />
für Rüstung ausgegeben, davon die Hälfte Rüstungshaushalt<br />
der USA und nur 78 Milliarden US-Dollar für Entwicklungszusammenarbeit.<br />
Hier müssen die Gewichte verschoben werden.
</p>
<p class="normal">
<b>hugo: </b>Müsste Europa in der<br />
Entwicklungspolitik nicht verstärkt auf Bildung setzen (z.B.<br />
Entsendung von Lehrern, Gründung von Schulen/Hochschulen etc.),<br />
um religiösen Fanatismus einzudämmen und die Ideen einer<br />
aufgeklärten Gesellschaft zu verbreiten?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Sie<br />
haben absolut Recht. Weil wir sehr lange über den Kongo gesprochen<br />
haben, haben wir nicht über die Schwerpunkte von Entwicklungszusammenarbeit<br />
gesprochen. Sie haben völlig Recht, öffentliche Schulen<br />
statt Koranschulen, Erziehen zu Dialog und Verständigung, das<br />
fördern wir &#8211; zumal in vielen islamisch geprägten Ländern.<br />
Ein Erfolg durch den Schuldenerlass für ärmste, hochverschuldete<br />
Entwicklungsländer und die Verbindung mit der Bekämpfung<br />
von Armut hat dazu geführt, dass z.B. ein Land wie Tansania<br />
heute statt 800.000 Schüler und Schülerinnen, seine Zahl<br />
auf 1,6 Millionen verdoppelt hat.
</p>
<p class="normal">
<b>Leila:</b> Worin sehen Sie die Ursachen<br />
für die so unterschiedlichen Entwicklungen Afrikas und Asiens<br />
nach dem zweiten Weltkrieg? Beide Kontinente haben eine koloniale<br />
Vergangenheit und dienten den Industrieländern als Rohstofflieferanten.<br />
Während Asien floriert, scheitern in Afrika fast alle Demokratisierungsversuche<br />
an der Unfähigkeit der Revolutionäre, die von ihnen erkämpfte<br />
Macht nicht für eigene (Stammes-)Interessen zu missbrauchen.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Eines<br />
ist richtig: Afrika ist in der Globalisierung an den Rand gedrängt<br />
worden. Aber ich warne auch vor einer pauschalen Bewertung der afrikanischen<br />
Länder. Afrika ist auch Ghana, Botswana, Tansania, Südafrika<br />
&#8211; um positive Beispiele zu nennen. Aber es ist auch Simbabwe, um<br />
das schlimmste Beispiel zu nennen.<br />
Wenn man nach den Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungstrends<br />
fragt, sehe ich eher zwei mögliche Erklärungsansätze.<br />
Der Eine: Afrika ist nicht der große Markt &#8211; oder noch nicht<br />
&#8211; wie ihn ein Teil asiatischer Länder darstellen. Und die asiatischen<br />
Länder haben sich weniger an die früheren verfehlten Empfehlungen<br />
der internationalen Finanzinstitutionen gehalten.
</p>
<p class="normal">
<b>demos:</b> Geht nicht ein guter Teil<br />
der Entwicklungshilfe durch Korruption verloren? Was gedenken Sie<br />
dagegen zu tun?</p>
<p><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Das, was wir an Entwicklungszusammenarbeit<br />
leisten, fließt nicht in korrupte Kanäle oder Regime.<br />
Das stellen wir sicher über Kontrolle nach Projektfortschritt,<br />
aber auch durch die Stärkung der Kontrolle der Zivilgesellschaft<br />
in den betroffenen Ländern. Dazu arbeiten wir eng mit Transparency<br />
International zusammen.<br />
Ein Beispiel, wie Korruption am besten verhindert werden kann: Dazu<br />
beitragen, dass Öleinkommen in afrikanischen Ländern nach<br />
dem Muster transparent gemacht werden: &quot;publish what you pay<br />
and publish what you receive&quot;. D.h. die ölfördernden<br />
Unternehmen müssen ihre Zahlungen offen legen und die Entwicklungsländer<br />
die Verwendung der Einnahmen in ihren Haushalten offen legen.
</p>
<p class="normal">
<b>bndagent_koeln:</b> Aber in Palästina<br />
ging doch ein großer Teil der Entwicklungshilfe nicht an die<br />
Bevölkerung, sondern an korrupte Funktionäre der Fatah.<br />
Das war doch mit ein Grund dafür, dass die Hamas so stark geworden<br />
ist.
</p>
<p class="normal">
<b>Tristan: </b>Frau Wieczorek-Zeul, glauben<br />
Sie, dass sich die entwicklungspolitische &#8216;good governance&#8217; Theorie<br />
mit einer finanziellen Unterstützung der Hamas vereinbaren<br />
lässt?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Also<br />
zunächst mal, was wir an Entwicklungszusammenarbeit in den<br />
palästinensischen Gebieten machen, umfasst folgende Bereiche:<br />
Beschäftigungsprogramme für Jugendliche und verbesserte<br />
Wasser- und Abwasserversorgung.<br />
Wir finanzieren von unserer Seite aus die palästinensische<br />
Autonomiebehörde nicht über Budgethilfe. Die Ursachen<br />
für den Wahlerfolg sind sicher vielfältig, z.B. die Korruption<br />
im Fatah-Bereich, aber auch dass es über lange Zeit nicht gelungen<br />
ist, das Recht des palästinensischen Volkes auf einen eigenen<br />
Staat an der Seite Israels zu verwirklichen. Es bleiben die Anforderungen<br />
an die Hamas, als gewählte Regierungspartei sich in den Friedensprozess<br />
einzufügen und die Prinzipien der so genannten Road-Map zu<br />
verfolgen. Ich plädiere dafür, diesen Prozess mit Nachdruck<br />
voran zu bringen.<br />
Ob eine Isolierungsstrategie, die die US-Regierung verfolgt, wirklich<br />
den gewünschten Erfolg bringt, oder nicht erst recht eine Solidarisierung<br />
mit Hamas zur Konsequenz hat, ist die große Frage.
</p>
<p class="normal">
<b>sunshine:</b> Ich bin gerade seit einem<br />
Monat in Kenia und frage mich doch, wie man bei einer Regierung,<br />
die aufgrund ihrer korrupten Politik schon von der Bevölkerung<br />
nicht ernst genommen wird, denn sicher gehen kann dass Gelder nicht<br />
veruntreut werden. Oder geht nichts an die Regierung von der Entwicklungshilfe?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Grundsätzlich<br />
noch einmal: Wir unterstützen nicht Regierungen, sondern Menschen<br />
in den beteiligten Ländern. Zwei Beispiele für Kenia:<br />
Wir unterstützen Grundschulbildung von Kindern und wir haben<br />
Mittel aus der Entwicklungszusammenarbeit umgewidmet, um Hilfe für<br />
die hungernde Bevölkerung in bestimmten Regionen Kenias zur<br />
Verfügung zu stellen. Wir dürfen ja nicht die Menschen<br />
für ihre schlechten Regierungen bestrafen.
</p>
<p class="normal">
<b>Kolping:</b> Ich selbst habe lange<br />
in Kenia gelebt und erlebt wie Nichtregierungsorganisationen mit<br />
gleichen Aufgaben nebeneinander herarbeiten. Sollte nicht das Bundesministerium<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung koordinierend<br />
wirken, um Synergieeffekte zu nutzen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Es kann<br />
natürlich nicht &#8211; wie der Name schon sagt &#8211; Aufgabe der Regierung<br />
sein, die Aufgaben von Nichtregierungsorganisationen zu koordinieren.<br />
Unabhängig davon macht es aber Sinn, dass die staatlichen Geber,<br />
die in einem Entwicklungsland tätig sind, sich mit Nichtregierungsorganisationen<br />
konzertieren, um Doppelarbeit zu vermeiden.
</p>
<p class="normal">
<b>zacharias:</b> Welche Rolle spielen<br />
Public-Private-Partnerships für Sie im Kontext der internationalen<br />
Entwicklungszusammenarbeit? Sehen sie das als Chance oder Risiko<br />
(Verlust von Kontrolle etc)?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ich<br />
betrachte es als große Chance. Wir haben eine Initiative schon<br />
im Jahr 1999 gestartet, die wir Entwicklungspartnerschaft mit der<br />
Wirtschaft nennen. Derartige Entwicklungspartnerschaften mit der<br />
Wirtschaft umfassen mittlerweile rund 1.600 Projekte. Und wir mobilisieren<br />
mit dem Einsatz von einem Euro jeweils zwei Euro aus dem Bereich<br />
der privaten Wirtschaft. In der globalen Welt braucht es möglichst<br />
viele Beteiligte, um die Milleniums-Entwicklungsziele zu erreichen.
</p>
<p class="normal">
<b>ichsachrheingau&#8230;:</b> Wäre es<br />
nicht eine hübsche Idee, und außerdem viel besser für<br />
Frieden und Sicherheit, den Etat Ihres Hauses mit dem des Verteidigungsministers<br />
zu tauschen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Spannende<br />
Perspektive. Aber Spaß beiseite. Wir haben uns als Bundesregierung<br />
auf einen Aktionsplan zur Steigerung der Entwicklungshilfe festgelegt.<br />
In diesem Jahr werden wir 0.33 Prozent des BNP erreichen. Im Jahr<br />
2010 0,51 und spätestens im Jahr 2015 0,7 Prozent. Dieses Ziel<br />
werden wir auch erreichen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Ministerin Wieczorek-Zeul<br />
hat einen vollen Terminplan, daher superpünktlicher Schluss<br />
heute. Das war unser tagesschau-Chat mit Entwicklungsministerin<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul. Vielen Dank, Frau Ministerin für<br />
diesen interessanten Chat, vielen Dank an alle Leserinnen und Leser<br />
für Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen rund um die Entwicklungspolitik.<br />
Das Protokoll des Chats finden Sie zum Nachlesen auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Unsere nächsten Chats sind am 15. März<br />
und 21. März. Dann stellen sich Jörg van Essen, Parlamentarischer<br />
Geschäftsführer der FDP und Peter Harry Carstensen (CDU),<br />
Ministerpräsident von Schleswig-Holstein der Diskussion. Die<br />
Chats beginnen um dreizehn bzw. sechzehn Uhr. tagesschau.de und<br />
politik-digital.de wünschen Ihnen noch einen angenehmen Tag.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Bleiben<br />
Sie der Entwicklungspolitik gewogen!</p>
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		<title>Karl Addicks über seine Arbeit im Bundestag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jan 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Addicks]]></category>
		<category><![CDATA[Petitionsausschuss]]></category>
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					<description><![CDATA[<span class="fett"><span class="fett"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span class="normal">
Am Donnerstag, 27. Januar, war Karl Addicks, </span><span style="font-family: Arial,helvetica">Nachrücker 
im Bundestag und Obmann im Petitionsausschuss</span>, von 13 bis 
14 Uhr zu Gast <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> 
im Live-Chat der Serie &#34;Politiker-Talk&#34;</span>. <br />
Er beantwortete u. a. Fragen zu Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung 
durch Eingaben an den Bundestag und die Notwendigkeit einer neuen 
Entwicklungspolitik.</span></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="fett"><span class="fett"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span class="normal"><br />
Am Donnerstag, 27. Januar, war Karl Addicks, </span><span style="font-family: Arial,helvetica">Nachrücker<br />
im Bundestag und Obmann im Petitionsausschuss</span>, von 13 bis<br />
14 Uhr zu Gast <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
im Live-Chat der Serie &quot;Politiker-Talk&quot;</span>. <br />
Er beantwortete u. a. Fragen zu Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung<br />
durch Eingaben an den Bundestag und die Notwendigkeit einer neuen<br />
Entwicklungspolitik.</span></span></span><!--break--><span class="fett"><span class="fett"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> </span></p>
<p></span></span><span class="fett">Moderator: </span>Herzlich willkommen<br />
im FDP-Live-Chat der Serie &quot;Politiker-Talk&quot;! Unser heutiger<br />
Gast ist Dr. Karl Addicks, MdB. In den nächsten 60 Minuten<br />
werden wir uns in diesem Live-Chat aus Berlin über seine Funktionen<br />
als Obmann des Petitionsausschusses und als stellvertretendes Mitglied<br />
im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung<br />
auseinandersetzen und hoffen auf interessante Fragen von Ihnen,<br />
liebe Chatter und Chatterinnen. Die Fragen werden von unseren Moderatoren<br />
jetzt entgegengenommen. Herr Dr. Addicks, sind Sie bereit?</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ja ich bin bereit.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Herr Addicks, seit November<br />
2004 sind Sie Abgeordneter der FDP im Bundestag. Als Nachrücker<br />
für den durch Verzicht ausgeschiedenen Abgeordneten Christoph<br />
Hartmann sind Sie von der Saar an die Spree gekommen. Wie schnell<br />
mussten Sie die Entscheidung treffen, ob Sie das Mandat annehmen?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Diese Entscheidung musste<br />
schon sehr schnell getroffen werden. Sie haben eine Woche Zeit,<br />
das Mandat abzulehnen .Wenn es nicht innerhalb einer Woche abgelehnt<br />
ist, haben Sie es automatisch angenommen. Wenn Sie es dann noch<br />
ablehnen wollten, müssten Sie zum Bundestagspräsidenten<br />
gehen und sagen, dass Sie das Mandat wieder aufgeben. Ich war zu<br />
dem Zeitpunkt mehr oder weniger gerade als Hausmann tätig und<br />
war Beruflich nicht gebunden.
</p>
<p>
<span class="fett">drseeberg:</span> Herr Addicks, erst mal Glückwunsch<br />
zum Mandat! Was sind die besonderen Schwierigkeiten, wenn man mitten<br />
in einer Legislaturperiode einsteigen muss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ja, da sind Sie konfrontiert<br />
mit vielen Menschen die Sie kennen lernen müssen. Ich hatte<br />
am Anfang natürlich Probleme, mir die ganzen Namen und Gesichter<br />
zu merken. Da darf man sich halt nicht unter Druck setzen. Das kommt<br />
nach einiger Zeit ganz von selbst. Natürlich bedanke ich mich<br />
auch erst mal zum Glückwunsch zum Mandat. Es ist schon etwas<br />
Besonderes, wenn man die Möglichkeit bekommt, auf diese Art<br />
und Weise eine direkte politische Arbeit zu machen, wo sie auch<br />
etwas bewegen können.
</p>
<p>
<span class="fett">DoraDiamant:</span> Herr Addicks, waren Sie<br />
sehr überrascht, als sie auf einmal als Nachfolger von Herrn<br />
Hartmann nach Berlin berufen wurde?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich hatte etwa 3 Wochen<br />
Zeit, weil wir 3 Wochen vor der Landtagswahl im Saarland waren unsere<br />
Umfragewerte noch so, dass wir nicht davon ausgehen konnten dass<br />
es mit dem Einzug in den Landtag klappen würde, aber als dann<br />
die Umfragewerte stetig hochgingen und auch über 5% kamen,<br />
habe ich angefangen, mich mental auf die Übernahme des Bundestagsmandates<br />
vorzubereiten. Ich bin ja auf Platz 3 der Landesliste.
</p>
<p>
<span class="fett">fuzzy:</span> War Ihre Frau sofort damit einverstanden,<br />
dass sie nach Berlin gehen?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Ich habe keine Frau.
</p>
<p>
<span class="fett">DoraDiamant:</span> Wie gefällt Ihnen Berlin?.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Berlin gefällt mir<br />
schon immer. Ich habe hier viele Freunde und bin in der Stadt eigentlich<br />
zu Hause.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Und haben Sie sich schon an<br />
das Klima der &quot;Berliner Republik&quot; gewöhnt? Ist es<br />
anders als im Saarland?.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> An dieses Klima habe ich<br />
mich schon gewöhnt, ja.<br />
Es geht sehr schnell.
</p>
<p>
<span class="fett">jakobulobulobulus:</span> Wie kommt man von<br />
der Tropenmedizin zur Politik?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Da kommt man folgender<br />
maßen dazu: Ich habe von 1990 bis etwa 2000 außerhalb<br />
von Europa gearbeitet unter anderem im Irak im Irak wurde ich 1990<br />
von Saddam Hussein als Geisel festgehalten. Damals habe ich mir<br />
gesagt, wenn Du hier jemals rauskommst sorgst du mit dafür,<br />
dass diese Freiheitliche Republik die wir hier in Deutschland haben<br />
erhalten und verteidigt wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Dick Brave:</span> Sie waren ein Jahr als Arzt<br />
in Basra, für wen waren sie denn da tätig? Kommt man als<br />
Firmenarzt auch unters Volk?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Da war ich für die<br />
Firma Strabag am int. Zivilflughafen von Basra. Das ist ein Riesenprojekt<br />
wo zeitweise bis zu 2000 Europäer gearbeitet haben mit Familien<br />
und Kind und Kegel. Die brauchen natürlich einen europäischen<br />
Arzt. Ich bin durchaus auch unters Volk gekommen und habe dort sehr<br />
nette Menschen kennen gelernt. Es tut mir leid, dass das irakische<br />
Volk diese entsetzliche Phase durchmachen muss, an deren Ende, wie<br />
ich hoffe etwas Vergleichbares steht, wie das was wir hier in Deutschland<br />
haben.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Eine Nachfrage zu den Verhältnissen<br />
im Irak:
</p>
<p>
<span class="fett">KudderwieFischkutter:</span> Wie bewerten Sie<br />
vor diesem Hintergrund den Krieg gegen den Irak?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Trotz aller Bedenken hoffe<br />
ich, dass die Iraker dadurch zu einem demokratischen Staatswesen<br />
finden können. Eines ist klar, dass das Regime von Saddam Husein<br />
weg musste. Der Mann hat 100.000e auf dem Gewissen.
</p>
<p>
<span class="fett">S. Adam:</span> Wäre Ihnen da ein Platz<br />
im Ausschuss für internationale Beziehungen nicht lieber?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Man kann sich die Ausschüsse<br />
nicht einfach aussuchen. Als Nachrücker müssen Sie den<br />
Platz einnehmen, der im Moment vakant ist. und das war für<br />
mich der Sitz im Petitionsausschuss und ein Stellvertretersitz im<br />
Ausschuss für Entwicklungszusammenarbeit und dadurch kann ich<br />
auch bei den Sitzungen des Arbeitskreises &quot;Internationales&quot;<br />
und &quot;Auswärtiges&quot; teilnehmen.
</p>
<p>
<span class="fett">rafi shankar:</span> Sie sind ja weit in der<br />
Welt herumgekommen, wie glauben Sie, können ihre Wählerinnen<br />
und Wähler davon profitieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich glaube, es ist kein<br />
Fehler, von der Welt etwas gesehen zu haben und zu wissen, dass<br />
Dinge anderswo so dermaßen anders laufen können als bei<br />
uns, dass man es sich hier bei uns gar nicht vorstellen kann. Das<br />
relativiert einiges. Ich hoffe, dass ich davon etwas einbringen<br />
kann.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Kommen wir nun zu Ihrer Funktion<br />
als Obmann im Petitionsausschuss.
</p>
<p>
<span class="fett">sergio leone:</span> Was macht eigentlich ein<br />
Petitionsausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ein Petitionsausschuss<br />
befasst sich mit Eingaben und Beschwerden und auch Anregungen von<br />
Bürgern. Das Petitionsrecht kann man vielleicht vergleichen<br />
mit dem Beschwerdebuch in einem Hotel. Das Grundgesetz garantiert<br />
ein Petitionsrecht für Jedermann und gibt dem Gesetzgeber die<br />
Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge, Gesetzeslücken<br />
oder ganz neue Gesetzschaffungsmaßnahmen wahrzunehmen. Es<br />
ist schon öfter vorgekommen, dass durch die Eingabe von Bürgern<br />
Gesetzeslücken aufgedeckt wurden oder auch ein ganz neuer Regelungsbedarf<br />
erkannt wurde. Pro Jahr kommen ca. 15.000 Petitionen in den Ausschuss<br />
von denen etliche nach Bearbeitung durch den Ausschussdienst im<br />
Petitionsausschuss beraten werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Ist Ihre Funktion als Obmann<br />
überparteilich oder vertreten Sie hier auch Ihre eigenen Positionen?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Nein, das ist eine Parteiliche.<br />
Im Petitionsausschuss wird auch abgestimmt, wobei das Klima in diesem<br />
Ausschuss ein sehr Kollegiales ist. Die Zusammenarbeit mit den Vertretern<br />
der Regierungsparteien und der Union ist mehr oder weniger einvernehmlich<br />
und wenn wir uns nicht einigen können, dann stimmen wir eben<br />
ab. Das alles geht in einer ruhigen Atmosphäre vor sich. Aufgeregte<br />
Debatten wie aus dem Plenum haben wir so gut wie nie.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Also hat jede Partei seinen<br />
Obmann im Petitionsausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ja. Wobei die FDP als kleine<br />
Partei auf Grund der proportionalen Besetzung nur zwei Vertreter<br />
im Petitionsausschuss hat. Der eine ist Vorsitzender und der andere,<br />
der Obmann, meine Person.
</p>
<p>
<span class="fett">koizumi:</span> Wie viele Leute sitzen denn<br />
in diesem Ausschuss? Ich kann mir vorstellen, dass die Anzahl der<br />
Beschwerden leicht ausufert.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Die Anzahl der Beschwerden<br />
ist, wie ich schon sagte bei ca. 15000 im Jahr, je nach Änderung<br />
der politischen Situation können das mehr oder weniger werden.<br />
In dem Ausschuss sitzen ca. 25 Vertreter der im Bundestag mit Fraktionsstatus<br />
vertretenden Parteien.
</p>
<p>
<span class="fett">koizumi:</span> Wie ist die Parteienverteilung<br />
im Ausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Das können Sie auf<br />
den Internetseiten des Bundestages unter <a href="http://www.bundestag.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.bundestag.de</a><br />
erfahren. Die Regierungsparteien haben im Ausschuss natürlich<br />
die Mehrheit. Ebenso wie im Bundestag.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Eine Nachfrage bezüglich<br />
der Anzahl der Petitionen:
</p>
<p>
<span class="fett">nasi Goreng: </span>Die müssen sie alle<br />
lesen?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Nein, natürlich nicht.<br />
Die Petitionen gehen beim Ausschussdienst ein und werden dort bearbeitet<br />
und nur ein kleinerer Teil wird von den Abgeordneten bearbeitet.<br />
Der Ausschussdienst sortiert z.B. unflätige oder unsinnige<br />
Petitionen aus. Eine Petition z.B. man möge den Bundeskanzler<br />
50 Peitschenhiebe verabreichen wovon 25 auch vom Finanzminister<br />
übernommen werden könnten &#8211; mit einer solchen Petition,<br />
wie sie wirklich reingekommen ist, befassen wir uns nicht.
</p>
<p>
<span class="fett">gromo:</span> Sie sind im Petitionsausschuss,<br />
ist das ein ernst zu nehmendes Gremium oder eher ein Placebo für<br />
die Bürger?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Nein, das ist ein sehr<br />
ernst zu nehmendes Gremium und eine wichtige Rückmeldung für<br />
den Gesetzgeber. Wie ich oben schon gesagt habe haben Petitionen<br />
schon öfter dazu geführt, dass neuer oder zusätzlicher<br />
Gesetzgebungsbedarf erkannt wurde. Der Gesetzgeber ist meiner Ansicht<br />
nach auf die Anregungen Wünsche und Beschwerden der Bürger<br />
geradezu angewiesen. Im Moment sind wir übrigens dabei, Petitionsmöglichkeit<br />
per E-Mail zu prüfen .
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Noch eine Frage zur Arbeitsweise<br />
des Ausschussdienstes:
</p>
<p>
<span class="fett">Liese:</span> Nach welchen Kriterien sucht dieser<br />
Dienst aus? Und wer sitzt drin? Sehen Sie da keine Gefahren?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> In dem Ausschussdienst<br />
arbeiten ca. 80 Sachbearbeiter, die neutral die Petitionen bearbeiten<br />
und wie ich gerade schon sagte, offenbar unsinnige oder aussichtslose<br />
Petitionen vorab überscheiden.
</p>
<p>
<span class="fett">Liese:</span> Wie oft pro Woche oder Monat tagt<br />
der Petitionsausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Der Petitionsausschuss<br />
tagt in der Sitzungswoche einmal, d.h. bei ca. 25 Sitzungswochen<br />
pro Jahr 25 mal.
</p>
<p>
<span class="fett">PartyPartei:</span> Wie reiche ich denn eine<br />
Beschwerde oder Petition ein? Schicke ich einfach einen Brief an<br />
den Ausschuss?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ja, schicken Sie einfach<br />
ein formloses Schreiben mit Ihrem Anliegen an den Petitionsausschuss<br />
im Deutschen Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin. Man<br />
wird Ihnen auf jeden Fall antworten. Allerdings muss die Petition<br />
mit Namen , Anschrift und Unterschrift versehen sein.
</p>
<p>
<span class="fett">sambal olek: </span>Dann sind Sie sozusagen<br />
mein Anwalt wenn ich mich über Politiker beschweren will?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Warum nicht? Kommt darauf<br />
an, wie Sie das machen. Was meinen Sie denn genau? Wo drückt<br />
denn der Schuh?
</p>
<p>
<span class="fett">loveevol:</span> Wie lange dauert es ungefähr,<br />
bis eine Petition durch den Ausschuss ist und vollkommen fertig<br />
bearbeitet?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Das kann sehr lange dauern.<br />
Wir haben einige Petitionen, die seit 2 Jahren anliegen. Wenn z.B.<br />
Stellungnahmen der Bundesregierung oder betroffener Verwaltungsorgane<br />
einzuholen sind und das Ganze dann noch mehrfach hin und hergeht,<br />
kann es zu diesen langen Bearbeitungszeiten kommen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Was ist denn mal ganz konkret<br />
ein Beispiel für eine umgesetzte Petition?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Wir konnten Petenten helfen,<br />
die von unerträglichem Lärm an Eisenbahnstrecken betroffen<br />
waren.
</p>
<p>
<span class="fett">rainer_zufall:</span> Die Initiative &quot;bund-online<br />
2005 &quot; hat sich ja zum Ziel gesetzt, eGovernment in Deutschland<br />
voranzutreiben. Wird der Petitionsausschuss dazu beitragen, wenn<br />
der eMail-Verkehr zum Petitionsausschuss eingeführt wird? Prüfen<br />
Sie das aufgrund dieser Initiative?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Wir prüfen das auf<br />
Grund eigener Initiative. Ich konnte mich selbst überzeugen,<br />
wie der Petitionsausschuss des schottischen Parlaments Online funktioniert.<br />
Ich habe mich da völlig problemlos einer Petition angeschlossen<br />
mit meinem Wohnsitz in Deutschland. Das ging überraschend einfach.<br />
Wir, d.h. der Petitionsausschuss, arbeiten gerade daran diese Möglichkeit<br />
auch in Deutschland einzuführen.
</p>
<p>
<span class="fett">sambal olek:</span> Na ja, kümmern Sie<br />
sich auch um Lokalpolitik? Denn die meisten Dinge die mich betreffen,<br />
finden ja hier in meinem unmittelbaren Umfeld statt. Zur Zeit wird<br />
bei mir am Ort etwa eine Umgehungsstrasse gebaut.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich kümmere mich auch<br />
um die Lokalpolitik. Aber man wird verstehen, dass ich mich nicht<br />
um alles kümmern kann. Versuche aber mein Bestes auch in solchen<br />
Fällen Einfluss auszuüben. Ich könnte z.B. meine<br />
Kollegen aus der Landtagsfraktion auf bestimmte Sachen aufmerksam<br />
machen oder auch versuchen in einer bestimmten Richtung einzuwirken,<br />
wobei es klar ist, dass man es nie allen recht machen kann.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Neben Ihrem Amt als Obmann<br />
im Petitionsausschuss sind Sie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und ehemaliger<br />
Projektleiter der GTZ: Was sind denn Ihrer Meinung nach die dringlichsten<br />
Probleme in der Entwicklungshilfe?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Wir sollten in der Entwicklungszusammenarbeit<br />
wie das pol. korrekt heißt &#8211; von der Armutsbekämpfung<br />
weg kommen und mehr eine Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Die Mittel<br />
die für die Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stehen,<br />
können nicht alle Probleme der sog. Entwicklungsländer<br />
lösen. Man muss bedenken, dass die gesamte, weltweit geleistete<br />
Entwicklungshilfe weniger als die Hälfte der Transferleistungen<br />
von Deutschland West nach Deutschland Ost beträgt. Dies nur<br />
als Maßstab.
</p>
<p>
<span class="fett">tubus:</span> Herr Addicks, Sie sitzen auch<br />
im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.<br />
Wie stehen Sie zu der Entwicklungspolitik der Bundesregierung? Meinen<br />
Sie, dass das Budget für die Entwicklungshilfe ausreichend<br />
ist?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Es wäre natürlich<br />
wünschenswert, wenn dieses Budget verdoppelt oder gar verdreifacht<br />
würde. Die Bürger dieses Landes müssten dass mit<br />
ihrem Steueraufkommen bezahlen. Und da bin ich der Auffassung, dass<br />
im Moment mit den Transferleistungen die Steuerbürger sich<br />
schon an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit befinden. Wir<br />
wollen keine Steuererhöhungen, um mehr Entwicklungshilfe leisten<br />
zu können. Das ist bei der derzeitigen Haushaltssituation einfach<br />
nicht vermittelbar und auch nicht zumutbar.
</p>
<p>
<span class="fett">kizi:</span> Deutschland zahlt leider nicht<br />
die versprochenen 1,6 oder 1,7 Prozent des BIP für Entwicklungshilfe.<br />
Warum nicht?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Die Zielzahlen liegen bei<br />
0,7 % (sog. ODA-Quote), wobei Deutschland im Moment bei ca. 0,33<br />
% liegt. Im internationalen Vergleich die wenigsten Geberländer<br />
diese Zielquote erreichen und wie mehr ohne Steuererhöhung<br />
oder zusätzliche Verschuldung im Moment nicht machbar ist.
</p>
<p>
<span class="fett">rollbusch: </span>Sie waren jahrelang als Arzt<br />
im Ausland tätig und sind jetzt stellvertretendes Mitglied<br />
im Ausschuss für Wirtschaft. Zusammenarbeit und Entwicklung.<br />
Liegt aufgrund ihrer Erfahrungen als Arzt das Thema Entwicklungspolitik<br />
besonders am Herzen? Welchen entwicklungspolitischen Ansatz verfolgen<br />
sie?
</p>
<p>
<span class="fett">magnolia:</span> Sie glauben auch das 500 Millionen<br />
für die Flut zuviel ist? Leid ist ja nicht aufrechenbar und<br />
bei uns gehts auch vielen schlecht.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich glaube nicht, dass<br />
500 Millionen zu viel ist. Man kann das schlecht in Zahlen ausdrücken.<br />
Jedenfalls finde ich es toll dass neben den offiziellen 500 Millionen<br />
noch einmal fast genauso viel von privaten Spendern aufgebracht<br />
worden ist. Dafür möchte ich hier jedem einzelnen Spender<br />
danken und kann sagen, dass ich stolz auf die Hilfsbereitschaft<br />
der Bürger dieses Landes bin.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Kommen wir nun noch einmal<br />
zu einer Frage mit aktuellem Bezug:
</p>
<p>
<span class="fett">Jauche:</span> Finden Sie es gut, dass der Weg<br />
für Studiengebühren nun frei ist?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks: </span>Ich finde es gut, dass<br />
das BverfG, den Weg dafür frei gemacht hat. Es ist jetzt Ländersache<br />
und ich glaube, dass Studiengebühren zu einer Verbesserung<br />
des Bildungsangebots der Hochschulen führen werden. Wobei die<br />
Gebühren ja durchaus im Rahmen bleiben werden. Keiner wird<br />
5000 Euro pro Jahr Studiengebühren zahlen müssen. Vielleicht<br />
bleiben manche Hochschulen ja auch Gebührenfrei. Ich erinnere<br />
mich übrigens, dass ich seinerzeit von Studiengebühren<br />
auch nicht ganz frei war. Ich musste damals pro Semester 250 DM<br />
Immatrikulationsgebühren etc. bezahlen. Viel wichtiger wäre<br />
für mich dass Kinderbetreuung gänzlich kostenfrei ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Hadd_nicks:</span> Was halten Sie als Mediziner<br />
vom Gesundheitsmodell der FDP?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Wenn wir dieses Gesundheitsmodell<br />
nach den Vorschlägen der FDP durchsetzen könnten, wäre<br />
das für die praktizierenden Ärzte und damit auch für<br />
die Patienten und vor allem für die Patienten ein großer<br />
Fortschritt. Ich erinnere mich daran, wie ich in meiner kurzen Zeit<br />
als niedergelassener Kassenarzt unter der Regulationsflut gelitten<br />
habe. Das beschränkt die Zeit die effektiv für den Patienten<br />
zur Verfügung steht und das kann meiner Ansicht nach nicht<br />
der Sinn der Sache sein.
</p>
<p>
<span class="fett">Horst See.:</span> Warum fordern sie die Rücknahme<br />
der Rechtschreibreform?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Ich halte es für schwierig,<br />
per Vorschrift auf diese Art und Weise in die Sprache einzugreifen.<br />
Sprache ist für mich etwas Lebendiges, dass ständiger<br />
Veränderung unterliegt. Natürlich braucht man bestimmte<br />
Regeln. Aber das wird meiner Ansicht nach hier zu Lande ein bisschen<br />
zu eng gesehen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Eine letzte Nachfrage zur<br />
Bildungspolitik der FDP:
</p>
<p>
<span class="fett">brigitte:</span> Wie sieht das bildungspolitische<br />
Konzept der FDP aus? Wie will die FDP sicherstellen, dass Sozialschwache<br />
nicht vom Studium abgehalten werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Das ist zwar nicht mein<br />
Spezialthema, aber ich glaube sagen zu können, dass selbst<br />
Leute, die finanziell nicht so gut gestellt sind, sich immer ein<br />
Studium werden leisten können. Im Zweifelsfall kann man ja<br />
auch selbst ein bisschen arbeiten. Ich habe seinerzeit als Werkstudent<br />
Rama-Kartons gepackt und viel auf dem Bau gearbeitet.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Unsere 60 Minuten Chat sind<br />
vorbei, vielen Dank für das große Interesse. Herzlichen<br />
Dank, Herr Dr. Addicks, dass Sie sich die Zeit zum chatten genommen<br />
haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie auf den Seiten der<br />
Veranstalter. Das Team der Serie &quot;Politiker-Talk&quot; wünscht<br />
allen Beteiligten einen schönen Tag.
</p>
<p>
<span class="fett">Karl Addicks:</span> Vielen Dank für das<br />
Interesse. Einen schönen Tag noch.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Kein Konzept für eine Nachkriegsordnung&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/kein-konzept-fuer-eine-nachkriegsordnung-304/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[espies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 May 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
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		<category><![CDATA[Wiederaufbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/Wieczorek-Zeul.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" border="0" height="116" width="85" />Heidemarie 
Wieczorek-Zeul</b><b>, Entwicklungsministerin (SPD), </b><b>ist 
am 12. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de.</b></span> ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/Wieczorek-Zeul.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" border="0" height="116" width="85" />Heidemarie<br />
Wieczorek-Zeul</b><b>, Entwicklungsministerin (SPD), </b><b>ist<br />
am 12. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de.</b></span> <!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen liebe Politik-Interessierte! Heidemarie<br />
Wieczorek-Zeul, Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und<br />
Entwicklung, ist ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Für die kleine<br />
Verzögerung bitten wir um Nachsicht. Beginnen wir gleich mit der<br />
ersten User-Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Osimann:</b> Wie<br />
geht es weiter beim Aufbau im Irak? Deutschland wird doch keine Schnitte<br />
vom fetten Kuchen abbekommen, wie die CDU fordert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Es geht erst mal darum, dass im Irak humanitär geholfen wird. Da<br />
ist nach wie vor eine dramatische Situation in Krankenhäusern. Der<br />
Wiederaufbau selbst sollte ja unter der Autorität der Vereinten Nationen<br />
stattfinden, da nur sie die Legitimität dafür haben. Unter den<br />
Bedingungen der UN-Autorität und mit entsprechendem Sicherheitsratbeschluss<br />
habe ich gesagt, dass wir auch bereit sind, zu helfen. Das hat mit der<br />
Frage von Aufträgen überhaupt nichts zu tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Stöfferle:</b><br />
Die USA halten sich nicht an multilaterale Abkommen und begehen bei ihrer<br />
Entwicklungshilfe den Pfad der außenpolitischen Doktrin: Wer für<br />
uns ist, bekommt Geld. Ärgert Sie dieser Ansatz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Es ist nicht ganz richtig, denn im Bezug auf die Entwicklungshilfe unterwerfen<br />
sie sich durchaus den international gemeinsam festgelegten Zielen. Aber<br />
andererseits handeln sie allein nach &quot;geostrategischen Gesichtspunkten&quot;<br />
&#8211; das schlägt manchmal den entwicklungspolitischen Zielsetzungen<br />
ins Gesicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hanna:</b> Sie<br />
haben erklärt, dass Sie einen Schuldenerlass für den Irak für<br />
absurd halten. Wie stehen Sie zu den Krediten, die von Saddam Hussein<br />
für Waffen und Palastbauten aufgenommen wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Man muss, glaube ich, zwei Sachen unterscheiden: Die eine ist, dass die<br />
internationale Gemeinschaft bei Ländern, die Diktaturen überwunden<br />
haben, neue Schuldenregelungen trifft, und das andere ist ein völliger<br />
Schuldenerlass. Der völlige Schuldenerlass ist bezogen auf ärmste<br />
hochverschuldete Entwicklungsländer, mit bestimmten Kriterien versehen,<br />
z.B. der verantwortlichen Regierungsführung und deshalb kann von<br />
allgemeinem Schuldenerlass in Bezug auf den Irak nicht geredet werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sie haben ihre Regierungserklärung im Mai mit einem Dank an die USA<br />
für die Befreiung Deutschlands vom Regime Hitlers begonnen. Obszön<br />
haben sie im April im Bundestag genannt, dass die USA zur Finanzierung<br />
des Irak-Kriegs einen Nachtragshaushalt von 75 Milliarden Dollar brauchen.<br />
Das sei 1,5 Mal so viel wie die Entwicklungshilfe weltweit. Kann man die<br />
Kosten eines Krieges gegen Entwicklungshilfe aufrechnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ich habe am 8. Mai gesprochen &#8211; das ist der 58. Jahrestag von der Befreiung<br />
der Hitler-Barbarei &#8211; deshalb habe ich das zu Anfang gesagt. Was mich<br />
aber immer wieder empört ist, dass für Kriegsführung immer<br />
wieder in kürzester Zeit Milliarden von US-Dollar mobilisiert werden.<br />
z.B. die 80 Mrd. Dollar für den Irak-Krieg, dass man aber für<br />
die Bekämpfung der Armut für jeden zusätzlichen Dollar<br />
kämpfen muss.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Herbert Flötenmann:</b><br />
Haben Sie das Gefühl, die USA wollen sich im Irak auf Kosten der<br />
Entwicklungshilfe bereichern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Nein, das ist überhaupt nicht der Punkt. Ich habe nur das Verhältnis<br />
von Mitteln für Krieg und Mitteln für Entwicklungszusammenarbeit<br />
gegeneinander gestellt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Stöfferle:</b><br />
Ich komme gerade aus den USA, habe dort studiert. Zahlreiche Stimmen sprechen<br />
davon, dass der Irak-Krieg auch eine Art &quot;Entwicklungshilfe&quot;<br />
war. Was sagen Sie einem solchen Menschen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Dem Menschen sage ich, wer Entwicklungshilfe leisten will, soll Entwicklungshilfe<br />
leisten und nicht Krieg führen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Voraussetzung ist aber doch die Möglichkeit dazu, sprich ein Land,<br />
das mitmacht &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ja, aber auch da gilt, der Auftrag des UN-Sicherheitsrats war die Vernichtung<br />
von Massenvernichtungswaffen. Die Entwaffnung des Irak wäre ohne<br />
Krieg möglich gewesen. Dahinter steht natürlich die Frage, wie<br />
kriegt man in arabischen Ländern, die keine Demokratien sind, einen<br />
Veränderungsprozess in Gang. Ich bin auch der Meinung, dass ein Entwicklungsprozess<br />
die Menschen in den Ländern aktivieren muss und aktivieren sollte.<br />
Das ist der Ansatz, den wir in arabischen Ländern auch betreiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BartSimpson:</b><br />
Auch wenn die USA nur beabsichtigen, den Irak zu einem Vasallenstaat umzuformen<br />
&#8211; glauben sie die Europäer können über Entwicklungshilfemaßnahmen<br />
verhindern, dass sich der Irak zum Vasallenstaat entwickelt, oder sehen<br />
sie eine solche Gefahr nicht ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Zunächst mal muss alles getan werden, dass die irakische Bevölkerung<br />
selbst entscheiden kann. Jetzt geht es darum, den Frieden überhaupt<br />
erst herzustellen und deshalb ist der Prozess am besten auch durch die<br />
Vereinten Nationen zu begleiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine in die Zukunft gerichtete Frage, sie kennen ja viele Länder<br />
und die politische Situation dort:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ernie:</b> Der<br />
Irak-Krieg als Friendensmission, um einem Land zu helfen! Wird diese Theorie<br />
auch in anderen Ländern (Nordkorea) umgesetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Da geht es eben um die Auseinandersetzung, um das Konzept des sogenannten<br />
Präventivschlages und unsere Position ist klar: Krieg darf nicht<br />
wieder zu einem &quot;normalen&quot; Instrument von Politik werden. Im<br />
Übrigen haben ja die USA auch selbst eine unterschiedliche Strategie<br />
gegenüber Nordkorea eingeschlagen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Lohse:</b><br />
Welche Entwicklungshilfe hat denn Deutschland in den letzten Jahren im<br />
Irak geleistet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
In den letzten Jahren nicht mehr, denn da gab es ja die Sanktionen gegen<br />
den Irak. Was wir gemacht haben, ist die Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen<br />
in den kurdischen Gebieten, die wir unterstützt haben. Wir haben<br />
im Übrigen über das Welternährungsprogramm der Vereinten<br />
Nationen dazu beigetragen, dass die Bevölkerung während der<br />
Sanktionen mit Lebensmitteln versorgt worden ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernie:</b> Sehen<br />
sie den Irak als zukünftigen demokratischen Staat, der alle anderen<br />
Staaten ringsherum &quot;ansteckt&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ich glaube, dass man sich da mit Prognosen sehr zurückhalten sollte.<br />
Wichtig ist, dass der Irak Unterstützung auf dem Weg der Selbstbestimmung<br />
hat und ansonsten verweise ich auf die andere Antwort: Ein wichtiges Problem<br />
in den arabischen Staaten ist, dass Frauen stärker in der Gesellschaft<br />
und der Politik beteiligt werden, denn ein Teil der Defizite resultieren<br />
in diesen Ländern genau daraus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Der User mit dem passenden Nick-Name &quot;ultimatio ratio&quot; hat das<br />
als hypothetische Frage angekündigt, aber Fragen stellen kostet ja<br />
nichts &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ultima-ratio:</b><br />
Würde es dem irakischen Volk heute besser gehen, hätten nicht<br />
die USA Saddam Hussein beseitigt? Oder anders gefragt, wie wäre Ihre<br />
alternative Handlungsweise gegenüber den damals krassen Menschenrechtsverletzungen<br />
durch das irakische Regime gewesen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Das haben wir eigentlich vorhin schon beantwortet. Unsere Perspektive<br />
war, eine Öffnung des Irak durch die Entwaffnung zu erreichen und<br />
damit Veränderungen in Gang zu setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BartSimpson:</b><br />
Nachdem bereits General Garner entlassen wurde und die aktuelle Nachrichtenlage<br />
weiter von &quot;Chaos&quot; im Irak spricht: Haben die USA aus ihrer<br />
Sicht überhaupt ein erfolgversprechendes Konzept zur Befriedung und<br />
Demokratisierung des Irak, das über Kontrollmaßnahmen, bei<br />
gleichzeitigem relativ geringen finanziellem Engagement, hinausgeht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Das war ja unser Bedenken bei all den Plänen der amerikanischen Regierung:<br />
dass kein Konzept für eine Nachkriegsordnung bestand. Aber unabhängig<br />
davon ist es notwendig, einen politischen Prozess zu fördern, in<br />
dem alle Gruppen der Bevölkerung repräsentiert werden und in<br />
dem der Weg zur Selbstbestimmung für den Irak möglich wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Weiß da die Ministerin Wieczorek-Zeul nicht noch ein bisschen mehr<br />
über die Pläne der USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ich meine, das sind eigentlich Vermutungen, dass die Frage der Rohstoffsicherung<br />
eine Rolle gespielt hat. Auch deshalb ist es wichtig, dass bei den Beratungen<br />
im UN-Sicherheitsrat sichergestellt wird, dass die Verfügung über<br />
die Öl-Ressourcen nur bei der irakischen Bevölkerung selbst<br />
ist und solange es keine legitimierte irakische Regierung gibt, muss die<br />
Transparenz und die Kontrolle durch die internationale Gemeinschaft sichergestellt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Bis zum Jahr 2015 wollen sie den Anteil in extremer Armut lebenden Menschen<br />
um die Hälfte verringern. Derzeit müssen 1,2 Milliarden Menschen<br />
(!) mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Weltbank und der<br />
Internationale Währungsfonds berichten, dass die Bedingungen dafür<br />
immer schlechter werden. Wie groß ist die Chance, dass Sie das noch<br />
erreichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Dass es erreicht werden kann, ist möglich. Aber unter erschwerten<br />
Bedingungen, das sagt auch die Weltbank. Deshalb ist meine Forderung und<br />
meine Sorge, dass wir in eine Entwicklung geraten, in der wieder gerüstet<br />
wird und die Militärausgaben erhöht werden und dass es zu Lasten<br />
geht der Mittel, die zur Bekämpfung der Armut notwendig sind. Wenn<br />
wir die Ziele wirklich erreichen wollen, müssen wir alle Finanzmittel<br />
darauf konzentrieren. Vielleicht müssen wir das erweitern: Zugang<br />
zu Wasser, Zugang Energie (2,4 Mrd. Menschen haben weltweit keinen Zugang<br />
zu kommerzieller Energie).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zenzi:</b> Hallo,<br />
Frau Wieczorek-Zeul, ich glaube, Sie haben z.Zt. einen schweren Stand.<br />
Die Finanzen stehen schlecht. Ist es Ihnen überhaupt noch möglich,<br />
für Ihr Ressort Gelder für Projekte in Drittweltländern<br />
locker zu machen? Gibt es Beschränkungen, z.B. auf gewisse Regionen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Es gibt keine Beschränkungen auf Regionen. Wir kooperieren mit Partnerländern<br />
unter drei Gesichtspunkten: Einmal unterstützen wir Länder,<br />
die sich besonders um verantwortliche Regierungsführung bemühen;<br />
zweitens arbeiten wir auch in Konfliktregionen, um ein Abgleiten zu verhindern<br />
und drittens in Länder, die nach Kriegen oder Bürgerkriegen<br />
den Neuanfang brauchen. Ansonsten gilt, dass Entwicklungszusammenarbeit<br />
die kostengünstigste Sicherheitspolitik ist. Übrigens auch für<br />
uns.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Dennoch schlägt &quot;zenzi&quot; doch in die richtige Kerbe: bei<br />
30 Milliarden Neuverschuldung leidet doch auch ihr Etat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Wir haben zugesagt, das wir die internationale Verpflichtung einhalten<br />
werden, schrittweise die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit<br />
zu erhöhen. Das ist genauso eine internationale Verpflichtung wie<br />
eine Verpflichtung in einem Bündnis und wir lösen unsere Verpflichtung<br />
ein. Vielleicht kann ich ergänzen: Das ist eine humanitäre Position,<br />
es ist aber auch im Interesse eines exportorientierten Landes wie der<br />
Bundesrepublik Deutschland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kleiner Vorsatz: Das ach, ja von &quot;h.kurt&quot; bezog sich auf eine<br />
andere Frage, dennoch: die Ziele waren ja ursprünglich noch wesentlich<br />
höher gestellt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>h.kurt:</b> Ach<br />
ja, wie sieht es denn aus mit dem Ziel, 0.7 % des BIP als Entwicklungshilfe<br />
zu verplanen? Wird das in dieser Legislaturperiode erreicht? Wie sieht<br />
es im Rest Europas aus ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
BIP = Bruttoinlandsprodukt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Erstens steht das Ziel, zweitens haben wir gesagt, wir werden es schrittweise<br />
erreichen. Wir haben zugesagt, in dieser Legislaturperiode auf 0,33% zu<br />
erhöhen. Im Übrigen ist Deutschland in absoluten Zahlen der<br />
drittgrößte Geber von Entwicklungshilfe weltweit und Entwicklungsländer<br />
hätten im Übrigen weit mehr Einkommen und wären weit weniger<br />
auf Hilfe angewiesen, wenn die Industrieländer z.B. von ihren Agrarproduktsubventionen<br />
Abstand nehmen, mit denen sie den Entwicklungsländern unfaire Konkurrenz<br />
machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Was würde ein Abbau der Handelshemmnisse denn für die angeschlagene<br />
deutsche Wirtschaft bedeuten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Wir müssen ja sowieso die Agrarpolitik der EU reformieren &#8211; und zwar<br />
weg von der Subventionierung von Produkten und hin zu der Unterstützung<br />
in den ländlichen Regionen und indem wir Exportsubventionen auslaufen<br />
lassen. Deshalb würde von solchen Veränderungen die bäuerliche<br />
Landwirtschaft nicht benachteiligt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch einmal zu der Frage, wie Veränderungen herbeigeführt werden<br />
können: Sie haben die Frauen angesprochen. Dazu zwei Nachfragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ernie:</b> Nachfrage:<br />
es ist aber doch eine Glaubensfrage, dass Frauen in der Politik so wenig<br />
involviert sind. Kann man daran denn wirklich was ändern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BartSimpson:</b><br />
Aber führt z.B. eine von außen herbeigeführte schnelle<br />
Veränderung hin zu wesentlich mehr Frauenrechten (auch wenn es aus<br />
unserer Sicht wünschenswert ist) nicht zu weiteren Verwerfungen,<br />
die radikalen islamistischen Kräften Vorschub leisten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Die Frage der Notwendigkeit der Beteiligung von Frauen: da weist gerade<br />
der Arab Human Development Report der Vereinten Nationen darauf hin, das<br />
manche arabische Länder trotz Rohstoffen wirtschaftlich weit hinten<br />
liegen wegen der mangelnden Beteiligung von Frauen. Man kann generell<br />
sagen, dass die Bildung und Förderung von Frauen und Mädchen<br />
und der Zugang von Frauen zu Familienplanung den wichtigsten Schub zu<br />
Modernisierung von Ländern bedeuten. Dass natürlich immer auch<br />
die kulturelle Situation von Ländern beachtet werden muss, versteht<br />
sich von selbst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, unsere Zeit ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank für Ihre Fragen und herzlichen Dank an Frau Wieczorek-Zeul,<br />
dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind. Noch ein Terminhinweis:<br />
Am 22.Mai stellt sich der FDP-Vizefraktionschef und FDP-Finanzexperte<br />
Otto Solms Ihren Fragen. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch<br />
einen schönen Abend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Klasse, dass sie sich in den Themen so engagieren, bleiben sie dran.<br />
</span><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> </span>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Stärke des Rechts muss weltweit bestimmen, und nicht das Recht des Stärkeren.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_staerke_des_rechts_muss_weltweit_bestimmen_und_nicht_das_recht_des_staerkerenquot-334/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jul 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Heidemarie Wieczorek-Zeul]]></category>
		<category><![CDATA[Internationaler Strafgerichtshof]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wiecz.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" height="90" width="80" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit 
Heidemarie Wieczorek-Zeul am 03. Juli 2002</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wiecz.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" height="90" width="80" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul am 03. Juli 2002</b></span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
<br />
Moderator: </b>Herzlich willkommen zum tacheles.02 Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de mit Unterstützung von tagesspiegel.de! Heute ist bei<br />
uns die Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, SPD. In der<br />
nächsten Stunde haben Sie Gelegenheit, Ihre Fragen zu entwicklungspolitischen<br />
Fragen zu stellen. Zunächst: Schön, dass Sie hier sind, Frau Ministerin!<br />
Sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Jawohl, hier bin ich, hallo.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Eine Frage<br />
zu einem ersten Themenkomplex:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pur:</b> Wie könnte<br />
man die USA in Sachen Strafgerichtshof noch umstimmen? Und welche Druckmittel<br />
hat Europa?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Wir müssen versuchen, mit allen Möglichkeiten die amerikanische Regierung<br />
umzustimmen. Und wichtig ist, dass alle europäischen Länder die gleiche<br />
Position beziehen, denn mit dem internationalen Strafgerichtshof soll ja ein<br />
Signal in alle Länder gesandt werden, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit,<br />
Völkermord, nie mehr hingenommen werden, und dass wir in einer globalen<br />
Welt globale Rechtstaatlichkeit brauchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Desarollo:</b> Glauben<br />
Sie, dass der Bundestag für einen Bosnien-Einsatz auch ohne UN-Mandat stimmen<br />
wird? Was hätte das zur Folge?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Hallo Desarollo. Der Name ist bei Ihnen Programm, hoffentlich. <br />
Ich kann jedenfalls für die Fraktionen der Regierung sagen, dass wir für<br />
die Verlängerung des Einsatzes stimmen werden; aber das Verhalten der US-Regierung<br />
hätte massive Konsequenzen, möglicherweise auch für künftige<br />
UN-Friedensmissionen und das würde die UN schwer beschädigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Osaft: </b>Nach Informationen<br />
der Frankfurter Rundschau zählen Sie in einem internen Papier 20 Unstimmigkeiten<br />
mit den USA auf. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Nein, ich könnte natürlich eine größere Zahl von Konflikten<br />
nennen, aber die Punkte, um die es geht, möchte ich besonders nennen: Ein<br />
zentraler Konflikt ist das Verhalten der Regierung Bush zur drastischen Aufstockung<br />
von Agrarproduktsubventionen entgegen allen Versprechungen an die Adresse der<br />
Entwicklungsländer, derartige Subventionen zurückzufahren. Mit dieser<br />
Art von Protektionismus wird den Entwicklungsländern auf den Weltmärkten<br />
unfaire Konkurrenz gemacht. Damit werden ihre Einkommensmöglichkeiten deutlich<br />
gemindert. Das ist das Gegenteil dessen, was notwendig ist. Ein anderes Konfliktfeld<br />
ist das Verhalten der amerikanischen Regierung gegenüber den internationalen<br />
Organisationen, die weltweit für Familienplanung eintreten. Denen will<br />
die Bush-Administration die Mittel streichen, d.h. aber, weltweit, zumal in<br />
den Entwicklungsländern, dem Kampf gegen AIDS zu schaden und die Geburtenraten<br />
in den Entwicklungsländern zu steigern. Das Gegenteil davon ist notwendig.<br />
Man könnte hier noch deutlich mehr hinzufügen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>halligalli: </b>War ihr<br />
Kritikpapier mit Außenminister Fischer abgesprochen, der sich ja immer<br />
sehr, sehr diplomatisch gegenüber der amerikanischen Politik äußert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Der Vorteil von Enwicklungsministerinnen ist, dass sie nicht diplomatisch sein<br />
müssen. Im Übrigen: die Punkte, die ich eben genannt habe, werden<br />
von allen EU-Entwicklungsministern geteilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pur:</b> Fühlen<br />
Sie sich nicht manchmal ziemlich hilflos angesichts der mächtigen US-Regierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Nein. Ich bin schon immer für die Notwendigkeit der Selbstbehauptung Europas<br />
eingetreten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Noch einmal<br />
eine Nachfrage zum Internationalen Strafgerichtshof:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang:</b> Wieso erwähnen<br />
Sie eigentlich nicht, dass Russland und China ebenfalls den Internationalen<br />
Strafgerichtshof nicht anerkennen? Ihre einseitige Position sieht mir so eher<br />
nach Antiamerikanismus aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Die Forderung zum Internationalen Strafgerichtshof geht an alle Länder.<br />
Das besondere Problem bezogen auf die USA ist, dass sie ihre Zustimmung zu einer<br />
weiteren Entscheidung zum Einsatz der UN-Friedensmission in Bosnien-Herzegowina<br />
in fast erpresserischer Weise verkoppeln mit der Forderung, amerikanische Soldaten<br />
von Entscheidungen und Urteilen des Internationalen Strafgerichtshofs auszunehmen.<br />
Kein Staat kann sich aber über andere Staaten stellen. Es gilt: Die Stärke<br />
des Rechts muss weltweit bestimmen, und nicht das Recht des Stärkeren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BastianZ: </b>Denken<br />
Sie, dass der Kompromissvorschlag der amerikanischen Regierung akzeptabel ist<br />
oder würde dieser den internationalen Gerichtshof dauerhaft beschädigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
BastianZ, welchen &quot;Kompromissvorschlag&quot; meinen Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BastianZ: </b>Ich meine<br />
den Vorschlag, Mitgliedsstaaten des Weltsicherheitsrats zu ermöglichen,<br />
Verfahren zunächst für 12 Monate zu stoppen um das Verfahren damit<br />
hinauszögern zu können&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Für mich ist das kein &quot;Kompromissvorschlag&quot;, denn wenn ein<br />
Staat sich den Verpflichtungen erst einmal entziehen kann, ist das ja ein völlig<br />
falsches Signal an alle Staaten der Weltgemeinschaft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sfor: </b>Wäre ein<br />
Bosnien-Einsatz ohne UN-Mandat nicht auch ein falsches Zeichen? Würde die<br />
UN da nicht an Wichtigkeit verlieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Deshalb ist es ja so wichtig, UN-Friedensmissionen nicht zu beschädigen.<br />
Und vor allen Dingen darf nichts passieren, was den Menschen in Bosnien-Herzegowina<br />
den Schutz entzieht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Ein kleiner<br />
Themenwechsel: Gesundheitspolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>torben76: </b>Glauben<br />
Sie, dass AIDS das größte Problem der Entwicklungsländer ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Es ist ein zentrales Problem, denn AIDS droht gerade die Generation der<br />
Menschen, die berufstätig sein können und das Land aufbauen können,<br />
auszulöschen. Zurück blieben ältere Menschen und Waisenkinder.<br />
Weltweit gibt es etwa 12 Million solcher Aidswaisen bereits. Aids ist eine menschliche<br />
und wirtschaftliche Katastrophe für Entwicklungsländer und deshalb<br />
ist die Bekämpfung von Aids ein Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ankeline:</b> Wie stehen<br />
Sie dazu, dass Entwicklungsländer Patente für Arzneimittel brechen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Das Abkommen zum Schutz des geistigen Eigentums sieht vor, dass Entwicklungsländer<br />
im Falle derartiger Gefährdungen wie bei Aids 1. billigere Produkte importieren<br />
können (sog. Parallelimporte), oder auch 2. sogenannte Generika herstellen<br />
oder beziehen können. Das ist im letzten Jahr im November auf der Handelskonferenz<br />
in Doha ausdrücklich bestätigt worden. Ich habe mich von Anfang an<br />
gegen die ursprünglichen Klagen der Pharmaindustrie gewandt, denn, um ein<br />
Beispiel zu geben: In Tansania gibt es pro Kopf der Bevölkerung vielleicht<br />
fünf US$ für das Gesundheitswesen. Es ist klar, dass kein Entwicklungsland<br />
Tausende von Dollar für die Behandlung von Kranken ausgeben kann. Und deshalb<br />
müssen die Produkte sehr kostengünstig zur Verfügung gestellt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ooo: </b>Die Pharmaindustrie<br />
beutet ja auch durch Genpatente die Ressourcen des Regenwaldes aus&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Es gibt ein Abkommen, das vorsieht, dass die Nutzung von genetischen Ressourcen<br />
der Entwicklungsländer durch die entsprechenden Firmen dem betreffenden<br />
Land gegenüber finanziell kompensiert wird. So dass das Land von der Nutzung<br />
des Patentes profitiert. Was nicht geht, ist, dass die genetischen Ressourcen<br />
durch Firmen patentiert werden und anschließend die Menschen in dem betroffenen<br />
Entwicklungsland die Produkte teuer bezahlen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Hier gehen<br />
inzwischen Fragen zu sehr unterschiedlichen Fragenkomplexen ein; wir werden<br />
eine kleine Runde mit einer Frage pro Fragenkomplexe machen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JRicken:</b> Ende letzten<br />
Jahres haben Sie in Berlin die von Ihrem Ministerium bei Prof. Spahn in Auftrag<br />
gegebene Studie zur Tobin Tax und zu Regulierung der Internationalen Finanzmärkte<br />
vorgestellt. Wie sieht es mit Initiativen zur Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen<br />
aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Die Studie belegt, dass eine moderne Tobin Tax durchaus realisierbar wäre,<br />
auch in einer Zeitzone, z. B. der europäischen. Wir führen jetzt die<br />
Diskussion sowohl in Entwicklungsländern als auch mit europäischen<br />
Ländern, um bestimmte Fragen weiter zu klären. Zum Beispiel die Frage,<br />
wie ein Abwälzen einer Devisentransaktionssteuer verhindert werden könnte<br />
und eine Reihe weiterer, zum Teil sehr technischer Fragen. Ich halte alle Vorschläge,<br />
die dazu beitragen, gemeinsame globale Güter zu finanzieren, für unterstützenswert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Elchtest 2002: </b>Müsste<br />
man nicht die Banken viel stärker in die Pflicht nehmen, ärmsten Ländern<br />
Kredite zu erlassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Beim Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer geht<br />
es einmal um den Erlass von Schulden der aus Finanzkrediten der Entwicklungszusammenarbeit<br />
resultiert, sowie aus sogenannten Handelsschulden, aber es gibt auch die Verpflichtungen<br />
des privaten Sektors, wenn auch in vergleichsweise geringem Umfang.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>halligalli:</b> Der Beitrag<br />
an Entwicklungshilfe der BRD ist im Vergleich zu anderen Staaten zwar hoch,<br />
gemessen am eigenen BSP aber beschämend niedrig. warum fordern sie nicht<br />
gemeinsam mit ihren AmtskollegInnen eine drastische Erhöhung und setzen<br />
sich so an die Spitze einer Bewegung, die auch die Globalisierungskritiker einbinden<br />
würde?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Meine Entwicklungsministerkollegen und ich engagieren uns dafür, die Entwicklungsmittel<br />
drastisch aufzustocken. Angesichts der notwendigen Haushaltskonsolidierungen<br />
war das in den letzten Jahren schwierig. Wir haben aber gleichwohl eine Trendwende<br />
in der Entwicklungsfinanzierung in Gang gesetzt.<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Unser SPD-Ziel ist,<br />
bis in der nächsten Legislaturperiode das Zwischenziel von 0,33 % Bruttonationaleinkommen<br />
zu erreichen. Das heißt von jetzt rund 5 Mrd. Euro auf dann rund 7 Mrd.<br />
Euro zu kommen. Und die nächste Stufe ist dann die darauffolgende Legislaturperiode.<br />
Im Übrigen, am Ende der sozialdemokratisch geführten Regierung Helmut<br />
Schmidt 1982 waren wir bei 0,48 %. Am Ende der Regierung Helmut Kohl waren es<br />
0,26 % Bruttosozialprodukt. Neben der Entwicklungsfinanzierung ist aber auch<br />
die Frage der Öffnung von Märkten entscheidend. Die Entwicklungsländer<br />
könnten rund 50 Mrd. US$ Einnahmen erreichen, wenn die Industrieländer<br />
ihre Märkte im Agrarbereich nicht abschotten würden. Zum Vergleich,<br />
die Zahl ist ungefähr so hoch wie die gesamte Summe für offizielle<br />
Entwicklungszusammenarbeit weltweit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tintin:</b> was sagen<br />
sie zu ATTAC?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Die Mitglieder von ATTAC, die ich kenne, sind alle keine Globalisierungsgegner,<br />
sondern Globalisierungskritiker. Und das ist gut so. Im übrigen finde ich<br />
es prima, dass es endlich eine Öffentlichkeit für die Fragen gibt,<br />
die heute alle als quasi fachspezifische Themen von wenigen Experten verhandelt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Sauer:</b> Was<br />
denken Sie über die demokratische Entwicklung in Afghanistan &#8211; besonders<br />
die Rechte von Frauen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Sowohl die Bundesregierung als auch die internationale Gemeinschaft tut alles,<br />
um einen Prozess von Demokratie zu fördern, wobei Rückschläge<br />
immer befürchtet werden müssen. Wir tragen in unserer praktischen<br />
Entwicklungspolitik dazu bei, dass die Mädchen wieder in die Schule gehen<br />
können, dass Frauen wieder Zugang zur Gesundheitsversorgung haben und dass<br />
sie in ihren Rechten bestärkt werden, auch bei der zu erarbeitenden neuen<br />
afghanischen Verfassung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Hier sind<br />
einige Nachfragen zur so genannten Tobin-Steuer, also der Besteuerung von internationalen<br />
Kapitaltransfers, eingegangen. Hier die erste dieser Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zion:</b> Könnte<br />
eine Tobin Tax überhaupt gegen deutsche Wirtschaftsinteressen durchgesetzt<br />
werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Die moderne Tobin Tax hat zum Ziel, gerade kurzfristige Kapitalspekulationsbewegungen<br />
zu verhindern. Wer langfristig Kapital anlegen will, den würde die Tobin<br />
Tax faktisch nicht betreffen. Es ist aber trotzdem notwendig, sich europäisch<br />
und international in Bezug auf eine Devisentransaktionssteuer abzusprechen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JRicken: </b>Wird der<br />
Deutsche Bundestag einen Vorratsbeschluss, ähnlich wie in Frankreich fassen,<br />
d.h. die moderne Tobin Tax auf dem EU-Markt einführen zu wollen, sobald<br />
alle anderen EU-Staaten auch dafür sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Mit allem Respekt gegenüber den französischen Kolleginnen und Kollegen:<br />
eine solche Entscheidung wäre ja ziemlich folgenlos. An dieser Stelle setzt<br />
ja gerade der Vorschlag von Professor Spahn an. Im übrigen: Prof. Spahn<br />
ist ein hochangesehener Ökonom an der Universität Frankfurt, der gerade<br />
für die hessische Landesregierung unter Roland Koch ein Gutachten zum Finanzplatz<br />
Frankfurt erarbeitet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Unsere<br />
Zeit geht langsam zu Ende. Hier eine letzte Fragen zum Wahlkampf:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kannibal: </b>Warum ist<br />
Entwicklungspolitik kein Wahlkampfthema?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Entwicklungspolitik ist ein Wahlkampfthema. Für mich als Entwicklungsministerin<br />
und für die SPD insgesamt ist Entwicklungspolitik ein wichtiger Beitrag<br />
zur gerechten Gestaltung der Globalisierung und nicht-militärische Sicherheitspolitik.<br />
Sie steht damit im Zentrum internationaler Beziehungen. Die FDP will z. B. das<br />
Entwicklungsministerium auflösen. Die CDU/CSU betrachtet ausweislich ihres<br />
Wahlprogramms Entwicklungspolitik als Wurmfortsatz. Da fällt die Entscheidung<br />
doch leicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Liebe<br />
Chatterinnen und Chatter! Unsere tacheles.02-Zeit ist bereits wieder abgelaufen.<br />
Wir bedanken uns im Namen von tagesschau.de und politik-digital.de sowie von<br />
unserem Unterstützer tagesspiegel.de für Ihre Teilnahme und die vielen<br />
Fragen; leider konnten wieder einmal nicht alle beantwortet werden, da es zu<br />
viele waren. Herzlichen Dank besonders an Frau Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul<br />
für Ihre Bereitschaft, an diesem Chat teilzunehmen. Wir hoffen, dass es<br />
auch für Sie interessant war!<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">tacheles.02 ist ein Format<br />
von <a href="http://www.tagesschau.de/">tagesschau.de</a> und <a href="http://www.politik-digital.de/index.shtml">politik-digital.de</a><br />
und wird unterstützt von <a href="http://www.tagesspiegel.de/">tagesspiegel.de</a>.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Aufbruch im Netz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/aufbruch-im-netz-548/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Nov 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungsland]]></category>
		<category><![CDATA[Internetverbindung]]></category>
		<category><![CDATA[Gender Mainstreaming]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Bilder aus Afrika, die uns in den Nachrichten regelmäßig gezeigt werden, 
lassen kaum glauben, dass sich auch dieser Kontinent aufgemacht hat, den Cyberspace 
zu erobern. Das Beispiel Mercy Wambuis zeigt, dass diese Eroberung schon weiter 
fortgeschritten ist, als viele denken. Die Kenianerin arbeitet für die <a href="http://www.uneca.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">UNECA</a> 
(United Nations Economic Commission for Africa) und engagiert sich besonders für 
die Integration afrikanischer Frauen in die Netzgesellschaft.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bilder aus Afrika, die uns in den Nachrichten regelmäßig gezeigt werden,<br />
lassen kaum glauben, dass sich auch dieser Kontinent aufgemacht hat, den Cyberspace<br />
zu erobern. Das Beispiel Mercy Wambuis zeigt, dass diese Eroberung schon weiter<br />
fortgeschritten ist, als viele denken. Die Kenianerin arbeitet für die <a href="http://www.uneca.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">UNECA</a><br />
(United Nations Economic Commission for Africa) und engagiert sich besonders für<br />
die Integration afrikanischer Frauen in die Netzgesellschaft.<!--break--></p>
<p>
Afrika hat in den letzten Jahren trotz der eher ernüchternden politischen und<br />
wirtschaftlichen Entwicklung Fortschritte auf dem Gebiet der Internet-Anbindung<br />
gemacht. Waren 1996 erst 11 Länder an das Netz angeschlossen, so haben heute<br />
alle Staaten eine permanente Verbindung. Auch die Zahl der ständig angeschlossenen<br />
Computer ist steil angestiegen, von 1999 bis 2000 allein um 20-25%.
</p>
<p>
Dass das digitale Nord-Süd-Gefälle trotzdem noch lange nicht überwunden ist,<br />
zeigt ein relativierender Blick auf diese Zahlen: Während in Europa ca. 41%<br />
der Bevölkerung online gehen, sind es <a href="http://www.nua.ie/surveys/how_many_online/africa.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in<br />
Afrika nur etwa 0,5%</a>. Die Zahl der permanent verbundenen Computer entspricht<br />
trotz der starken Zunahme immer noch etwa dem Niveau eines kleinen Landes wie<br />
Lettland. Zudem hat sich das Wachstum der Internetzugänge vor allem auf die<br />
Hauptstädte konzentriert, weite Landesteile sind in der Regel von der Entwicklung<br />
ausgeschlossen.
</p>
<p>
Zum Teil lassen sich die Diskrepanzen zwischen der Nord- und Südhalbkugel auf<br />
die großen Kostenunterschiede zurückführen: Für 1 Stunde im Internet müssen<br />
Afrikaner im Durchschnitt umgerechnet <a href="http://demiurge.wn.apc.org/africa/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">etwa<br />
7,50 DM</a> bezahlen. Zum Vergleich: In Deutschland zahlen Surfer nur noch selten<br />
mehr als 2 DM für die Stunde. Angesichts der verbreiteten Armut in Afrika wundert<br />
es nur wenig, dass diese Summe für die meisten eine unüberwindliche Hürde darstellt.
</p>
<p>
Andere gravierende Probleme bereiten die vielen verschiedenen Sprachen, der<br />
verbreitete Analphabetismus und der Mangel an technischem Know-How. Mercy Wambui<br />
sieht die Möglichkeit, wenigstens einige dieser Probleme zu lösen und fordert<br />
die Entwicklung nationaler Informations- und Kommunikationsstrukturen. Sie setzt<br />
sich dafür ein, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine gerechte<br />
und sinnvolle Nutzung der entsprechenden Technologien ermöglichen.
</p>
<p>Afrika wird bei der Implementierung dieser Technologien die Eigenheiten afrikanischer<br />
Kulturen berücksichtigen müssen. In der Vergangenheit wurde oft vorausgesetzt,<br />
dass sich westliche Werte und Interessen einfach übertragen lassen. Praktisch<br />
bedeutete dies auch, dass die Inhalte der Angebote kaum Bezug zum Alltag in<br />
afrikanischen Ländern hatten. Manche Kritiker der westlichen Dominanz befürchten<br />
zudem den Verlust kultureller Identitäten und die Entstehung einer kommerzialisierten<br />
Allerweltskultur. </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Gleichberechtigung im Internet</b>
</p>
<p>
Ein anderes Problem des afrikanischen Internetaufbruchs bewegt Mercy Wambui<br />
besonders: In Afrika sind Frauen bisher im Zugang zu den neuen Technologien<br />
stark unterrepräsentiert und profitieren kaum von der Entwicklung. Zu geringe<br />
finanzielle Mittel und eine ungenügende Ausbildung gehören auch hier zu den<br />
Hauptursachen für die Benachteiligung. Dazu kommen die immer noch weit verbreiteten<br />
Vorurteile einer von Männern dominierten Gesellschaft, die Frauen ein technisches<br />
Verständnis generell abspricht.
</p>
<p>
Dieser Zustand soll sich ändern. Neben der UNECA gehört vor allem die <a href="http://www.apc.org/english/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">APC</a><br />
(Association of Progressive Communication) zu den Organisationen, die sich hier<br />
besonders engagieren. Ihr <a href="http://www.apc.org/english/about/apcafrica/apcwomen.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Womens-Networking-Support-Program<br />
für die Region Afrika</a> versucht, die Netz-Gleichheit der Geschlechter auf<br />
dem Kontinent durch Forschung, Informationen und Bildungsangebote zu fördern.
</p>
<p>
Das APC-Programm steht in engem Kontakt zu <a href="http://www.womenaction.org/sectionj.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WomenAction</a>,<br />
einer anderen wichtigen Organisation zur Förderung der Frauenrechte. WomenAction<br />
möchte nicht nur den Internet-Zugang weiblicher Nutzer fördern, das Netzwerk<br />
aus vielen internationalen NGOs hat es sich auch zum Ziel gesetzt, das klischeebeladene<br />
Frauenbild im Netz zu überwinden.
</p>
<p>
Berufen können sich diese Initiativen auf die <a href="http://www.undp.org/fwcw/fwcw2.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Peking+5<br />
Konferenz</a>, die als ein Meilenstein für Frauen auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung<br />
und besseren Zugangsmöglichkeiten zu neuen Technologien gilt. Das von der UNO<br />
initiierte NGO-Treffen fand im Juni 2000 in New York statt und zog eine Bilanz<br />
des Erreichten seit dem ersten Treffen in <a href="http://www.un.org/esa/gopher-data/conf/fwcw/off/a--20.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Peking<br />
1995</a>. Dort war eine <a href="http://www.un.org/womenwatch/daw/beijing/platform/declar.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Grundsatzerklärung</a>
</p>
<p>
Dank solcher Initiativen und Organisationen wie der UNECA, WomanAction oder<br />
der APC beginnen die Regierungen auf dem Kontinent langsam zu verstehen, dass<br />
die technologische mit der gesellschaftlichen Entwicklung einher gehen muss.<br />
Mercy Wambui ist in dieser Hinsicht gleich in mehrerer Hinsicht Vorbild für<br />
andere.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Neue Technologien bieten Lösungen für unsere momentanen Entwicklungsprobleme.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/neue_technologien_bieten_loesungen_fuer_unsere_momentanen_entwicklungsprobleme-549/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/neue_technologien_bieten_loesungen_fuer_unsere_momentanen_entwicklungsprobleme-549/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[irobbers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Nov 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Entwicklungsland]]></category>
		<category><![CDATA[Economic Commission for Africa]]></category>
		<category><![CDATA[Mercy Wambui]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="font-size: x-small">Interview mit Mercy 
Wambui</span></b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="font-size: x-small">Interview mit Mercy<br />
Wambui</span></b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Auf der Konferenz ‚<a href="http://www.glow-boell.de/home/content/d/about_us/konferenz/Welcome/render_top" target="_blank" rel="noopener noreferrer">feminst_spaces</a>&#8216;<br />
der Heinrich-Böll-Stiftung hat politik-digital mit Mercy Wambui, Vertreterin<br />
der <a href="http://www.uneca.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">European Commission for Africa</a><br />
(ECA) ein Gespräch geführt. Die ECA berät Regierungen bei der<br />
Planung und Umsetzung neuer Informations- und Kommunikationsstrukturen. Frau<br />
Wambui spricht über den Entwicklungsstand Afrikas beim Ausbau der eigenen<br />
Informationhigways und der Rolle, die die afrikanischen Frauen im Modernisierungsprozess<br />
haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b> Für wie realistisch halten sie die Behauptung, dass Länder<br />
der Dritten Welt mit Hilfe des Internet Entwicklungsschritte überspringen<br />
könnten? Also das sogenannte &#8216;Leapfrogging&#8217;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui: </b>Wir<br />
haben heute einfach nicht die Zeit, alle Phasen der Technologie-Entwicklung<br />
zu durchlaufen. <br />
Die Informations- und Kommunikationstechnologien bieten tatsächlich die<br />
Möglichkeit, einige Stufen zu überspringen. Die Finanzierung von Computern<br />
ist im Vergleich zu den Maschinen in der Phase der Industrialisierung viel preiswerter.<br />
Wir wollen moderne Computertechnik einsetzen, um so Fortschritt zu erzielen.<br />
Der Schlüssel dazu ist die Schaffung politischer Rahmenbedingungen auf<br />
nationaler Ebene, die ermöglichen, neue Technologien schnell einsetzen<br />
zu können.<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Zum Beispiel war es<br />
in Kenia lange Zeit illegal, Daten per Telefon zu übertragen oder herunterladen.<br />
Nach viel Überzeugungsarbeit haben wir die Regierung 1992 aber dazu bewegen<br />
können, das Verbot aufzuheben. Wir haben ihnen gezeigt, wie hilfreich und<br />
profitabel es sein kann, sich Dokumente aus dem Netz zu laden, an die man sonst<br />
nicht herankommt oder deren Beschaffung zu lange dauert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b>Wie konkret kann das Internet die Entwicklung beschleunigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui:</b> Also,<br />
das Potential ist enorm! Beispiel Telemedizin: Es besteht ein Mangel an Ärzten<br />
und Experten besonders in ländlichen Regionen, um medizinische Situationen<br />
interpretieren zu können. Daher ist es eine großartige Errungenschaft,<br />
Ärzte an verschiedenen Orten über das Internet einsetzen zu können.<br />
Diese neue Methode der Online-Diagnose ist in einigen Länder wie Westafrika,<br />
Senegal und Mali schon eingeführt worden.<br />
Auch das ‚Distant-Learning&#8217; bietet viele Möglichkeiten. Kinder, die<br />
normalerweise keinen Zugang zu Schulen haben, können über die neuen<br />
Informationstechnologien ihren Horizont erweitern und der Abgeschiedenheit entkommen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b>Welche Rolle spielt die Economic Commission for Africa bei der Einführung<br />
von Kommunikations- und Informationsnetzen in Afrika?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui:</b> Die<br />
Aufgabe der ECA besteht darin, mit Regierungen zusammen die Potentiale der neuen<br />
Technologien auszuschöpfen und in die Tat umzusetzen.<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Es ist wichtig, dass<br />
Projekte, Rahmenbedingungen, Regelungen transparent gemacht werden, da sie zur<br />
Orientierung anderer Länder dienen. Deren Regierungen sehen dann, was möglich<br />
ist, was sich bewährt hat und werden so selbst den Aufbau einer eigenen<br />
Infrastruktur für die neuen Technologien einleiten.<br />
Das ist unsere wichtigste Aufgabe: Länder und Leute zusammenzubringen,<br />
so dass sie voneinander lernen und gesammelte Erfahrungen zu Hause umsetzen<br />
zu können.<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Ruanda geht mit gutem<br />
Beispiel voran. Im Entwicklungsplan der Regierung sind die neuen Informations-<br />
und Kommunikationstechnologien in großem Umfang integriert. Es wird also<br />
in der Bildung, Landwirtschaft, im Gesundheitswesen, Handel u.s.w. genau geprüft,<br />
wie man die neuen Technologien einsetzen kann, wie sie in den Alltag integriert<br />
werden können. Der Plan ist auf der Regierungs-Homepage unter <a href="http://www.rwanda1.com/government" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.rwanda1.com/government</a><br />
zu finden. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b>Welche Bedeutung messen sie dem Internet neben den anderen Medien<br />
zu, zum Beispiel dem Radio, Zeitungen, Fax etc.?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui: </b>Wie<br />
bemühen uns um ein holistischen Ansatz, bei dem das Internet zwar eine<br />
große Rolle spielt, andere Medien aber weiterhin dort eingesetzt werden,<br />
wo sie sinnvoll sind. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b> Wie weit fortgeschritten sind denn Webauftritte und Online-Angebote<br />
von afrikanischen Regierungen und Behörden? Ist es üblich, dass Politiker<br />
auch eine Homepage haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui: </b>Nein,<br />
so weit sind wir noch nicht. Aber in genau diesem Bereich berät die ECA<br />
die Regierungen. Durch den Prozeß des Dialogs mit dem privaten Sektor<br />
und anderen Akteuren kommen wir dann zu Beschlüssen, die einer nationalen<br />
Infrastruktur für Informations- und Kommunikationstechnologien den Weg<br />
bahnen. <br />
Der nigerianische Präsident hat vor kurzem einen IT-Berater ernannt. Ruandas<br />
Parlament hatte mehrere Sitzungen, um den neuen Regierungsplan zu diskutieren.<br />
In Äthiopien fand eine mehrtägige Konferenz zum Thema &quot;Äthiopien<br />
im Informationszeitalter&quot; statt. Diese Beispiele zeigen, dass sich Afrika<br />
neuen Entwicklungsmöglichkeiten öffnet. Es muß aber vor allem<br />
der politische Wille vorhanden sein, um neue Projekte in Gang setzen zu können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b> Wer hat in Afrika den Startschuß gegeben für die Einführung<br />
neuer Technologien?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui: </b>Oft<br />
waren es Nichtregierungsorganisationen, wie die ECA, die auf ihren Websites<br />
viele Informationen zu den Möglichkeiten neuer Technologien angeboten haben.<br />
Dann ist der private Sektor mitaufgesprungen. Die Regierungen waren zuerst misstrauisch<br />
gegenüber den neuen Technologien, weil sie unter so großem Einfluß<br />
der NGOs und der Wirtschaft standen. <br />
Erst seit jüngster Zeit beginnen die Regierungen, sich dem Thema ernsthaft<br />
zu widmen, es zu einer Priorität zu machen, weil sie merken, dass sie sonst<br />
mit der rasanten Entwicklung nicht Schritt halten können.<br />
Hinzu kommt, dass der private Sektor Druck macht und droht, abzuwandern, in<br />
ein Land, wo eine bessere Vernetzung und günstigere Bedingungen existieren.<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Leider werden aber<br />
auch voreilige Schritte unternommen. 1996 in Kenia, zum Beispiel, sah ich eines<br />
Morgens in der Zeitung die Veröffentlichung eines Gesetzentwurfs zur Kommunikations-<br />
und Informationsinfrastruktur, der aber nie zuvor im Parlament diskutiert wurde.<br />
Er wurde nur schnell herausgegeben, weil die Weltbank die Regierung drängte,<br />
den Telekommunikations-Sektor zu regeln und die Wirtschaft weiter zu liberalisieren.<br />
<br />
Ich war damit nicht einverstanden und forderte, die breite Öffentlichkeit<br />
mit einzubeziehen und eine öffentliche Debatte zu Fragen nach der Bedeutung<br />
der neuen Technologien, ihren Einsatzzwecken u.s.w. anregen. Erst jetzt beginnt<br />
die Regierung tatsächlich einzusehen, dass diese Debatte notwendig ist<br />
und dass eine geplante, regulierte IT-Entwicklung von höchster Bedeutung<br />
ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b>Wie steht es um die Teilhabe der Frauen an den Möglichkeiten<br />
der neuen Technologien?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui: </b>Es<br />
ist eine schreckliche Situation. Es ist ganz anders als in anderen Teilen der<br />
Welt &#8211; die afrikanischen Frauen sind von vornherein ausgegrenzt, zum Beispiel<br />
in der Bildung. Es wird ihnen außerdem vermittelt, dass Technik Männersache<br />
sei und sie sich dafür nicht interessieren sollten.<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Teil meiner Arbeit<br />
mit dem <a href="http://www.apc.org/english/index.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Women&#8217;s<br />
Networking Support Programme</a> (APC) bestand darin, zu untersuchen, wie man<br />
Frauen mehr einbeziehen kann; wie man ihnen zeigen kann, dass sie, auch ohne<br />
ein Computer-Geek oder ein Programmierer zu sein, von den neuen Technologien<br />
als normale Endnutzer profitieren können.<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">So gibt es beispielsweise<br />
ein Trainingsprogramm extra für Frauen an der Cisco Academy in Äthiopien,<br />
gefördert von Cisco und der Weltbank. Den Frauen werden technische Kenntnisse<br />
vermittelt, sie werden für Themen und Möglichkeiten der neuen Technologien<br />
sensibilisiert und ermutigt, eigene Ideen zu entwickeln und zu verfolgen. Mit<br />
ihren neuerworbenen Kenntnissen können sie dann in ihre Heimat zurückkehren<br />
und dort entweder für einen Internet-Anbieter arbeiten oder selbst ein<br />
eBusiness gründen. Mit technischem Know-how und der richtigen Ausstattung<br />
gelangen sie so an Märkte, zu denen sie zuvor nie Zugang hatten. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b> Sind die Regierungen bestrebt, Weiterbildung vor allem für<br />
Frauen zu fördern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui: </b>Nein,<br />
aber wir empfehlen den Regierungen, in das <a href="http://www.uneca.org/aisi/nici/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NICI</a>,<br />
das Programm für die Entwicklung nationaler Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen,<br />
Frauen mehr miteinzubeziehen. Wir wollen sichergehen, dass Frauen und Frauenthemen<br />
in den Diskussionen Gehör finden. <br />
Die digitale Spalte klafft in Afrika besonders weit auseinander; zum einen wegen<br />
der hohen Kosten, zum anderen wegen der Sprache und des weitverbreiteten Analphabetismus.<br />
Aber wir versuchen, Lösungen zu diesen Problemen zu finden. Sogar bei Analphabetismus<br />
&#8211; da setzen wir Touch-Screen-Computer ein. Und es gibt Beispiele, wo Frauen<br />
kein Englisch kennen müssen, um mit Touch-Screens zu arbeiten. Wenn sie<br />
diese Möglichkeiten sehen, dann wirkt das motivierend. Frauen sagen nicht,<br />
‚wir sind hier und Computer da drüben&#8217;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b>Wie kann ihrer Meinung nach das Internet die Emanzipation fördern?<br />
Inwiefern stellt es traditionelle Geschlechterrollen in Frage und reformiert<br />
sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui: </b>Es<br />
ist erstaunlich! In all den Trainingsprogrammen, insbesondere von der APC, werden<br />
Frauen für die Chancen, die sich aus der Nutzung neuer Technologien ergeben,<br />
sensibilisiert. Es wird ihnen gezeigt, wie man eine Maus benutzt, dass sie ihre<br />
eigene Emailadresse haben können, dass sie mit anderen Menschen kommunizieren<br />
oder dass sie sich Informationen zum Beispiel zu Gesundheitsthemen im Netz herunterladen<br />
können. Das alles trägt enorm zur Stärkung des Selbstbewußtseins<br />
bei. <br />
Interessanterweise ist die Reaktion auf das Internet bei Frauen ist auch ganz<br />
anders bei den Männern. Letztere interessieren sich vor allem für<br />
technischen Firlefanz, Frauen hingegen sind viel pragmatischer. Ihnen ist wichtiger,<br />
wieviel Nutzen ihnen das Netz bringt und ob sie die Informationen, die sie brauchen,<br />
auch bekommen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b>Existiert große Frustration oder Verärgerung darüber,<br />
dass das Netz so sehr von den westlichen Ländern dominiert ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui: </b>Ja,<br />
es ist vor allem frustrierend, wenn da Leute sind, die dein eigenes Land nicht<br />
kennen und falsche Informationen verbreiten. Natürlich ist auch die Sprache<br />
immer ein großes Hindernis.<br />
Afrika braucht eine Identität im Netz. Zum Beispiel gibt es Yahoo! Japan<br />
oder Yahoo! Frankreich. Afrika ist aber nicht dabei.<br />
Aber es gibt Versuche, sprachbasierte Portale aufzubauen. Bei den vielen verschiedenen<br />
Sprachen in Afrika, ist Verallgemeinerung allerdings kaum möglich. Kenia<br />
allein hat um die vierzig verschiedenen Sprachen, Nigeria über 200 &#8211; sie<br />
sehen wir schwierig das wird. Aber man kann die meistverbreiteten Sprachen verwenden<br />
&#8211; was auch gemacht wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b>Wie stellen sie sich ihre Arbeit in Zukunft vor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mercy Wambui: </b>Weitermachen.<br />
Wir schauen uns die Beschränkungen an und denken darüber nach, was<br />
man tun kann. Wir wollen einfach innovativ sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:<br />
</span></b>Vielen Dank für das Interview. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Das Gespräch mit Mercy<br />
Wambui führte Ines Robbers.</span></p>
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