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	<title>Erdbeben &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Erdbeben &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Hashtags für den Notfall</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Philipp Albrecht]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 15:01:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbeben]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Bruns]]></category>
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		<category><![CDATA[Katastrophenmanagement]]></category>
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		<category><![CDATA[Japan]]></category>
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					<description><![CDATA[Spätestens seit den dramatischen Ereignissen in Japan sollte auch Deutschland darüber nachdenken, welche Rolle soziale Medienkanäle im Katastrophenfall spielen können und sollen. Andernorts ist man schon einen Schritt weiter: Die Flutkatastrophe im australischen Bundesstaat Queensland im Januar und das Erdbeben im neuseeländischen Christchurch im Februar 2011 haben eine Diskussion in Gang gesetzt, die erste Ergebnisse zeitigt und die sich zum Teil auch auf Japan und Deutschland übertragen lässt. politik-digital.de sprach mit dem Social-Media-Experten Dr. Axel Bruns über seine Forschungen zur Rolle der neuen Medien in Krisensituationen.   
<p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Spätestens seit den dramatischen Ereignissen in Japan sollte auch Deutschland darüber nachdenken, welche Rolle soziale Medienkanäle im Katastrophenfall spielen können und sollen. Andernorts ist man schon einen Schritt weiter: Die Flutkatastrophe im australischen Bundesstaat Queensland im Januar und das Erdbeben im neuseeländischen Christchurch im Februar 2011 haben eine Diskussion in Gang gesetzt, die erste Ergebnisse zeitigt und die sich zum Teil auch auf Japan und Deutschland übertragen lässt. politik-digital.de sprach mit dem Social-Media-Experten Dr. Axel Bruns über seine Forschungen zur Rolle der neuen Medien in Krisensituationen.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Dr. Axel Bruns (@snurb_dot_info) ist Associate Professor in der Creative-Industries-Fakultät an der Queensland University of Technology in Brisbane (Australien) und ein Chief Investigator im ARC Centre of Excellence for Creative Industries and Innovation (CCi). Er ist Experte für soziale Medien und Onlinejournalismus und Autor der Bücher &#8220;Blogs, Wikipedia, Second Life and Beyond: From Production to Produsage&#8221; (2008), &#8220;Gatewatching: Collaborative Online News Production&#8221; (2005) sowie Herausgeber von &#8220;Uses of Blogs&#8221;, mit Joanne Jacobs (2006; alle bei Peter Lang, New York). Er leitet derzeit ein Forschungsprojekt zur Nutzung von sozialen Medien in Australien; mehr dazu auf <a href="http://mappingonlinepublics.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://mappingonlinepublics.net<br />
</a><br />
<b>politik-digital.de: Herr Dr. Bruns, was sind die bisherigen Ergebnisse und Erkenntnisse Ihrer Untersuchung über die Social-Media-Aktivitäten in Japan nach dem Erdbeben und dem Tsunami? </b></p>
<p><img decoding="async" title="Dr. Axel Bruns" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/110324_axel_bruns.png" alt="Dr. Axel Bruns" width="100" height="138" align="left" hspace="10" vspace="10" /> Dr. Bruns: Wir haben seit etwa einer Stunde nach dem Beben alle Tweets erfasst, die das Wort &#8216;Tsunami&#8217; beinhalten (darin eingeschlossen natürlich auch das Hashtag „#tsunami“), sowie Tweets zu einigen anderen Schlüsselwörter (#Sendai, #eqjp, #japan).</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Welche Zahlen und Fakten über Tweets und Inhalte konnten Sie bisher gewinnen? </b></p>
<p>Schon das reine Volumen ist überwältigend: mittlerweile weit über 3,5 Millionen Tsunami-Tweets seit jenem Freitag, 11. März. Davon benutzt jedoch nur ein Teil auch das Hashtag #tsunami. Es könnten allerdings noch mehr sein, aber leider ist die Erfassung von Tweets durch das Twitter-API (Application Programming Interface) nicht immer vollkommen zuverlässig.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Nach welchen Kriterien gestalten Sie Ihre Untersuchungen? </b></p>
<p>Unsere bisherige Forschung hat sich besonders auf zentrale Hashtags konzentriert (#qldfloods, #eqnz, #ausvotes, …), teils, weil Hashtags von zentraler Bedeutung sind, teils, weil es derzeit technisch schwer möglich ist, allgemeinere Datensätze zu erfassen, z.B. von allen Twitter-Nutzern in Australien. Twitter selbst erlaubt das nicht gerne. Was wir anhand der Auswertung des Schlüsselwortes Tsunami sehen, ist, dass über das Hashtag hinaus natürlich noch weitaus mehr Aktivität stattfindet.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Wie unterscheidet sich aus der wissenschaftlichen Perspektive die Auswertung der Tweets von Australien und Japan?</b></p>
<p>Hoffentlich haben wir sehr bald schon genauere Daten, wobei die schiere Datenmenge interessant sein wird! Im Gegensatz zu den Überschwemmungen in Queensland oder dem Erdbeben in Neuseeland ist die Krise in Japan eine Verquickung einer ganzen Reihe einzelner Katastrophen &#8211; vom Erdbeben selbst, das ja auch einige Schäden verursacht hat, über den fürchterlichen Tsunami und seine Folgen bis hin zu den immer noch fortlaufenden Reaktorstörungen. Auch in den sozialen Medien würde ich daher erwarten, dass sich ein durchaus komplexeres Bild ergibt als bei den deutlich mehr in sich abgeschlossenen Fällen, die wir bislang betrachtet haben. Zum Beispiel werden wir in den japanischen Daten nicht so deutlich die verschiedenen Phasen sehen, die wir in Neuseeland beobachtet haben: Zwar mag man nun im Hinblick auf Beben und Tsunami langsam von der unmittelbaren Rettungs- auf die langfristigere Hilfs- und Wiederaufbauphase übergehen, was auch in der Twitternutzung sichtbar werden mag. Aber im Hinblick auf die Reaktorprobleme sind wir immer noch mitten in einer akuten Krisensituation, an der wohl auch weiterhin eine globale Twitter-Öffentlichkeit Interesse hat. Es handelt sich hier eben &#8211; leider &#8211; um eine ganz andere Größenordnung von Katastrophe, die gleich mehrere Einzelkrisen beinhaltet und deren Ende immer noch nicht abzusehen ist.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>In welchem Verhältnis stehen Twitter und Co. zu den klassischen Medien? Ergänzend, konkurrierend? Schneller, transparenter oder kurzlebiger, substanzloser?</b></p>
<p>Klar ergänzend, wobei man mehrere Phasen unterscheiden muss. Während der ersten Phase scheint Twitter vor allem zur schnellen Verbreitung von Informationen genutzt zu werden, teils komplementär zu den Massenmedien – z.B. zur Verbreitung von Eilmeldungen –, teils als Informationsquelle aus erster Hand in Form von Augenzeugenberichten, Fotos und Videos. Das ist dann ein wenig, was Alfred Hermida als &#8220;<a href="http://journal.media-culture.org.au/index.php/mcjournal/article/viewArticle/220" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ambient journalism</a>&#8221; bezeichnet hat. Dabei sind auch die Twitter-Accounts der Massenmedien klar von großer Wichtigkeit. Deren Tweets werden massenhaft weiterverbreitet. Nach der ersten Phase (wenn man von Rettung zu Hilfe und Wiederaufbau übergeht) werden dann die Twitter-Accounts von anderen Autoritäten &#8211; Regierung, Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz usw. &#8211; wichtiger, die konkrete Informationen für die betroffene Bevölkerung haben und ggfs. auch zurücktweeten, wenn jemand Fragen an sie stellt. Gleichzeitig geht das absolute Volumen an Tweets deutlich zurück, weil nicht betroffene Nutzer, die zwar am Anfang vor allem durch Retweets und allgemeine Beileids- und Unterstützungstweets beteiligt waren, nun nicht mehr sonderlich aktiv sind. Twitter wirkt also ergänzend, dabei aber nicht unkritisch &#8211; und teilweise berichtigend; oft schneller, was die Nutzer vor Ort angeht, solange die Infrastruktur das zulässt. Entferntere Nutzer sind aber immer noch zum Teil auf die Massenmedien oder andere Quellen angewiesen, um Informationen zu bekommen, die sie weiterleiten können. Im Ganzen wird das Mediensystem dadurch wohl auch transparenter, weil damit mehr Informationen verbreitet werden können und sich widersprechende Nachrichten gegeneinandergestellt werden – was freilich nicht immer auch größere Klarheit schafft.<br />
<b><br />
politik-digital.de: </b><b>Gibt es Besonderheiten bei der Verwendung von Twitter in Japan?</b></p>
<p>Zunächst natürlich die Sprache, die es dem nichtjapanischen Forscher schwer macht, die Inhalte der Tweets zu verstehen. Das ist durchaus nicht flapsig gemeint. So ist es z.B. möglich, mit 140 japanischen Schriftzeichen &#8211; und mehr noch mit 140 chinesischen! &#8211; deutlich komplexere Inhalte zu erfassen als mit 140 lateinischen Buchstaben. Man müsste auch schauen, ob die Pro-Kopf-Nutzung von Twitter in Japan vergleichsweise größer oder kleiner ist als etwa in Australien oder Neuseeland &#8211; was sich selbstverständlich auch auf die Nutzungsmuster auswirkt. Dabei muss man auch regionale Unterschiede berücksichtigen: Während der Flut in Queensland wurde das Twittervolumen z.B. deutlich größer, nachdem auch der sehr viel stärker besiedelte Großraum Brisbane erfasst worden war. In Brisbane mit etwa 1,5 bis 2 Millionen Einwohnern gibt es mit Sicherheit mehr Twitter-Nutzer als auf dem Lande. Wie das in Japan aussieht, kann ich nicht beurteilen.</p>
<p><b>politik-digital.de: Welche Rolle kommt den klassischen Medien zu? </b></p>
<p>Derzeit dürften TV und Radio die favorisierten Medien sein, wenn es auf große Reichweite ankommt (z.B. bei Evakuierungen, Warnungen etc.). Die Massenmedien bleiben mit Sicherheit ein zentraler Faktor. Besonders die Lokalmedien &#8211; einschließlich Ihrer Accounts in den sozialen Medien &#8211; sind aber oft auch sehr wichtig, weil sie sich vor Ort auskennen und daher leichter Informationen sammeln bzw. auf ihre Wahrheit überprüfen können. Das hängt aber von der Krise selbst ab: Brisbane in Australien und Christchurch in Neuseeland waren sehr viel lokaler in ihren Auswirkungen als der Tsunami in Japan.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Welche exklusive Rolle kommt den sozialen Medien zu? Was können die sozialen Medien, was klassische Medien nicht können?</b></p>
<p>Informationen aus erster Hand liefern, ganz besonders auch wenn Zugangswege blockiert sind und Internet bzw. Mobilverbindungen als einzige übrig bleiben. Außerdem auch Selbstorganisation von Bürgern in einzelnen Stadtteilen und Eigeninitiativen: z.B. &#8220;#bakedrelief&#8221; in Brisbane, durch das sich Leute zusammengefunden haben, die für die Fluthelfer Verpflegung gekocht und gebacken haben. Das war äußerst erfolgreich und wurde dann in Christchurch gleich kopiert. Allgemein natürlich die Zweiwegekommunikation &#8211; also direkter Kontakt und Austausch statt reiner Informationsverbreitung. Das ist besonders in der zweiten Phase nach der akuten Krise selbst wichtig.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Vor dem Hintergrund Ihrer Erkenntnisse und Erfahrungen nach der Flut in Queensland: Sehen Sie die Gefahr der ungewollten Desinformation via Twitter oder im Gegenteil die Möglichkeit der präziseren Information durch Beteiligung der unmittelbar Anwesenden? </b></p>
<p>Im Prinzip beides. Missinformation kommt vor, teilweise auch ungewollt und mit besten Absichten, wenn z.B. alte, nicht mehr zutreffende Tweets immer noch weiter retweetet werden. Die Polizei in Queensland hat daher regelmäßige #Mythbuster-Tweets geschickt, die die größten Missverständnisse ausgeräumt haben und selbst zahlreich weiterverbreitet wurden. Aber auch die Möglichkeit besserer Information, weil Twitter-User selbst solchen Gerüchten oft schnell begegnen und darüber hinaus weitere gute Ratschläge geben. Gerade in einer Krisensituation haben die offiziellen Quellen nicht immer viel Zeit, selbst viel zu verbreiten, da ist die Nutzergemeinde sehr wichtig.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Stehen die neuen Medienkanäle bei größeren Katastrophen nicht vor denselben Problemen wie die traditionellen (z.B. Abhängigkeit von Strom)?<br />
</b><br />
Ja, ganz klar, aber diese Probleme wirken sich in verschiedenen Fällen anders aus. Bei den australischen Überschwemmungen z.B. waren Strom und Telefon &#8211; und damit auch Internet &#8211; teilweise ausgefallen, während Mobiltelefone noch funktionierten &#8211; und damit mobiles Internet, also auch Social Media. In dem Fall können soziale Medien einer der wichtigsten Kanäle sein, weil ein Tweet mit Hashtag an alle gerichtet sehr viel mehr Nutzer erreicht als ein Anruf oder eine SMS an einzelne Teilnehmer. Bei einem Erdbeben oder Tsunami kann das natürlich ganz anders aussehen. Insgesamt geht es nicht darum, Social Media als Allheilmittel anzusehen, sondern als einen zusätzlichen Kanal, der unter bestimmten Voraussetzungen sehr nützlich sein kann.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Im Zusammenhang mit den Naturkatastrophen in Australien haben Sie gesagt &#8220;I have no doubt that social media will from now on become a key component of every emergency response effort – as much part of the ‘equipment’ as the fire truck or chopper&#8221;. Social Media werden aber nur von einem Teil der Bevökerung genutzt. Verschlechtern sich die Chancen der &#8220;Offliner&#8221; bei Katastrophen relativ gesehen?<br />
</b><br />
Die klassischen Medien sind ja auch noch da, und die &#8220;Offliner&#8221; werden hoffentlich wenigstens durch sie genügend informiert. Außerdem ist es ja nun auch nicht so, dass die digitale Kluft eine unüberbrückbare Barriere darstellt &#8211; in Katastrophensituationen sogar noch weniger. Vielmehr werden dabei meist diejenigen, die Zugang zu den sozialen Medien haben, zu einer zusätzlichen Informationsquelle für die restliche Bevölkerung. Das ist z.B. einer Kollegin von mir so gegangen, als ihr Stadtteil während der Fluten von der Außenwelt abgeschnitten war und nur ihr Straßenzug noch Strom und Internetzugang hatte. Da wird man dann schnell zum Informationskanal für seine Nachbarn &#8211; in beide Richtungen.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Welche Möglichkeiten der Informationsfilterung bestehen auf Twitter oder sollten Ihres Erachtens erarbeitet werden?</b></p>
<p>Hashtags sind sehr nützlich, und über sie finden Nutzer auch schnell die wichtigsten Teilnehmer, z.B. offizielle Accounts, denen sie direkt folgen können. Nicht alle Nutzer &#8211; einschließlich der offiziellen &#8211; kennen sich aber bislang mit Hashtags genügend aus. Dabei ist das Beispiel #eqnz (earthquake New Zealand) besonders interessant: Für Christchurch war das Beben im Februar ja schon das zweite nach dem ersten große Beben im Dezember &#8211; und die Nutzer von #eqnz erscheinen mir deutlich erfahrener als das z.B. bei der Flut in Queensland für das Hashtag #qldfloods (Queensland floods) der Fall war. Eine solche Erfahrung mit Hashtags ist wichtig &#8211; und hoffentlich entwickelt sie sich bei den Nutzern von Twitter, auch ohne dass sie erst mehrere Großbeben durchmachen müssen&#8230; Es gab auch Versuche, eine sehr viel komplexere Hashtag- oder Tweet-Syntax einzuführen, die dann leichter automatisch ausgewertet werden kann (z.B.: #eqnz #loc Main St #prob building collapse #needhelp). Das ist zwar gut gedacht, aber für unmittelbar Betroffene im Zweifelsfall nicht gut zu erinnern. Falls es keine App gibt, die eine solche Syntax automatisch erstellen kann, sehe ich darin keinen sehr erfolgversprechenden Ansatz. Und soweit wir das in unseren Daten sehen können, nutzt immer noch nur ein sehr kleiner Teil von Nutzern die Geolocation-Funktionen von Twitter, die die Geodaten in den Metadaten des Tweets einbetten. Eher würde ich erwarten, dass die manuelle Hashtag-Nutzung sich in Zukunft diversifiziert &#8211; also z.B. zusätzlich zu #qldfloods noch #bnefloods für Brisbane, oder #cleanup für Informationen zur Säuberung usw.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Welche Konsequenzen lassen sich bisher aus der Rolle der sozialen Medien bei der Katastrophe in Japan für die Politik ziehen? Social Media und ihre Nutzer sind weitgehend selbstorganisierend. Sollten Regierungen diese Plattformen unterstützen, sich dort systematischer präsentieren, z. B. durch einen Notfall-Twitter-Kanal?</b></p>
<p>Ja, auf jeden Fall &#8211; das ist für uns schon seit #qldfloods und #eqnz klar, und ist auch von der Polizei Queensland deutlich zum Ausdruck gebracht worden, nachdem @QPSmedia, der Twitter-Account des Queensland Police Service, von so offensichtlicher Wichtigkeit war. In Neuseeland ist man schon einen Schritt weiter: Bereits nach dem Beben im Dezember wurde @CEQgovtnz, der offizielle Canterbury Earthquake-Account der neuseeländischen Regierung, aufgesetzt, der beim zweiten Beben in der zweiten Phase, nach der akuten Krise selbst, prompt äußerst wichtig wurde. Dort wussten die Nutzer nach dem zweiten Beben gleich, auf wen sie besonders achten sollten. Ich denke, das kann auf andere Fälle übertragen werden &#8211; wobei natürlich insgesamt wichtig bleibt, mit solchen Accounts auch wirklich an Twitter teilzunehmen, statt sie nur zur Einweg-Informationsverbreitung zu nutzen. In Australien und Neuseeland wird eine Debatte darüber geführt, wie Regierung, Polizei und Feuerwehr die Social Media-Kanäle nutzen, erste Schritte wurden mit @CEQgovtnz eingeleitet.</p>
<p><b>politik-digital.de: </b><b>Wie sollten sich Deutschland bzw. die deutschen Behörden aufstellen, um im Katastrophenfall besser reagieren und informieren zu können?</b></p>
<p>Nach den guten Erfahrungen mit sozialen Medien während der letzten Krisen denken verschiedene Organisationen verstärkt darüber nach, wie sie diese Medien systematischer als zusätzliche Kanäle zum Informationsaustausch mit der Bevölkerung nutzen können. Bislang war die Nutzung noch &#8220;ad hoc&#8221;, und die verantwortlichen Pressesprecher haben sehr schnell sehr viel über die effektive Nutzung dieser Kanäle lernen müssen. Glücklicherweise haben sie das zum Teil aber auch wirklich getan. Jetzt, nachdem (wenigstens bei uns) die unmittelbaren Krisen vorbei sind, kann man langfristiger darüber nachdenken, welche weiteren Strategien zur Nutzung entwickelt werden müssen. Die wichtigsten Beobachtungen, die sich wohl auch auf Deutschland anwenden lassen können, sind:</p>
<ul>
<li>nach Möglichkeit sicherstellen, dass die Nutzer von Twitter und Facebook schon vorher informiert sind, dass die relevanten Hilfsorganisationen dort aktiv sind</li>
<li>darauf achten, dass die einzelnen Updates so weit wie möglich sichtbar sind und weiterverbreitet werden können &#8211; das heißt z.B. zu verstehen, was die wichtigsten Hashtags zur Krise sind, und diese dann auch konsequent zu benutzen bzw. neue Hashtags schnell sichtbar zu machen</li>
<li>im Notfall schnell und unbürokratisch zusätzliche Accounts schaffen, die sich z.B. an bestimmte Nutzergruppen wenden (etwa Nutzer in bestimmten betroffenen Gebieten oder Nutzer mit mangelnden Deutschkenntnissen)</li>
<li>soziale Medien nicht nur als Einweg-Informationskanal verstehen, sondern auch wichtige Nachrichten von anderen Nutzern &#8211; z.B. anderen Hilfsorganisationen oder Strom- und Telefonfirmen, aber auch von direkt betroffenen Nutzern vor Ort &#8211; weiterverbreiten bzw. auf deren Fragen antworten</li>
<li>private und unabhängige Initiativen, die nützliche Informationen und Hilfsmittel bereitstellen &#8211; z.B. Google Maps, auf denen von Freiwilligen aktuelle Gefahrenmeldungen eingetragen werden &#8211; unbürokratisch anerkennen und weiterverbreiten</li>
<li>mit anderen offensichtlich wichtigen (aktiven, weithin sichtbaren) Nutzern zusammenarbeiten, ganz egal, um wen es sich dabei im Einzelnen handelt &#8211; das mögen z.B. regionale oder lokale Medien sein, aber auch lokale Firmen, Vereine oder Einzelpersonen, die es während der Krise spontan auf sich nehmen, den Informationsfluss zu organisieren</li>
</ul>
<p><strong><em>Unter Mitarbeit von <a href="/user/sjost-westendorf?long" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Simone Jost-Westendorf</a> und <a href="/user/crutz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Charlie Rutz</a>.</em></strong></p>
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			</item>
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		<title>Das Internet als Krisenmedium in Japan</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/das-internet-als-krisenmedium-in-japan-5172/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Simone Schiedchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 19:25:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbeben]]></category>
		<category><![CDATA[Krystian Woznicki]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit knapp einer Woche sind die Nachrichten voll von Informationen über die Katastrophe in Japan und wir wissen nicht, was noch passieren wird. Wahrscheinlich ist kein anderes Land der Welt auf die Folgen einer solchen Katastrophe so gut vorbereitet gewesen, und dennoch sind die Auswirkungen so stark, dass der Mensch dem nur wenig bis gar nichts entgegensetzen kann. politik-digital.de bewertet die Rolle des Internet als Krisenmedium in Japan.
<p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit knapp einer Woche sind die Nachrichten voll von Informationen über die Katastrophe in Japan und wir wissen nicht, was noch passieren wird. Wahrscheinlich ist kein anderes Land der Welt auf die Folgen einer solchen Katastrophe so gut vorbereitet gewesen, und dennoch sind die Auswirkungen so stark, dass der Mensch dem nur wenig bis gar nichts entgegensetzen kann. politik-digital.de bewertet die Rolle des Internet als Krisenmedium in Japan.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Auch wenn eine Woche nach dem Erdbeben und dem Tsunami noch längst keine abschließende Bilanz zur Krisenkommunikation gezogen werden kann, bewertet politik-digital.de heute die Rolle des Internet in dieser Notlage sowie die Handlungsmöglichkeiten der einzelnen Akteure.  
</p>
<p>
Auf allen Nachrichtenkanälen wird über die aktuelle Situation in Japan informiert. Fast jede größere Zeitung, jeder TV-Sender hat auf der Homepage einen Live-Ticker eingerichtet, der eine Echtzeitkommunikation möglich macht. Aber &#8211; und das haben wir in dieser Form noch nicht erlebt – auch die sozialen Netzwerke spielen eine zentrale Rolle beim Austausch von Informationen. Japan als stark vernetztes Land konnte insbesondere diese Kanäle für sich nutzen. Trotz des teilweisen Zusammenbruchs des Telefonnetzes konnten Informationen über Twitter versendet werden, die es gleichzeitig erlaubten, die Katastrophe sehr schnell publik zu machen. Hierin kann eindeutig ein Vorteil des Social Media-Netzes gesehen werden, denn anders als beispielsweise nach dem Erdbeben auf Haiti ist eine unvergleichlich größere Informationsdichte möglich und Massen können über diese Netzwerke erreicht werden.
</p>
<p>
Um sich gegenseitig zu informieren und zu vernetzten, nutzen viele Japaner Online-Tools und schaffen sich somit in gewisser Weise eine Unabhängigkeit von den öffentlichen Medien. Es entsteht folglich eine eigenständige Handlungsebene, eine Art Gegenmacht zur Regierung. Zu erwähnen ist insbesondere der <a href="http://japan.person-finder.appspot.com/?lang=en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Personen-Finder</a> von Google, der nach der Katastrophe gelauncht wurde. Daneben werden private Strahlungsmessungen über das Netz öffentlich gemacht, beispielsweise über die Facebook-Gruppe „<a href="http://www.facebook.com/home.php?sk=group_195685977129326&amp;%3Bnotif_t=group_activity" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tokyo Radioactive NOW</a>“. Dadurch wurden Austauschmöglichkeiten geschaffen, die informieren und ermutigen sollen. Der Microblogging-Dienst Twitter wird zum gegenseitigen Austausch aktueller Meldungen, Suchanzeigen und Benachrichtigungen genutzt, er hat zusätzliche Hashtags angelegt, für medizinische Information, für Informationen zur Evakuierung und für Hilferufe. Einen guten thematischen Überblick und Diskussionsverlauf bietet <a href="http://trendistic.com/japan" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Trendistic</a>.
</p>
<p>
Doch neben den enormen Vorteilen, die das Internet als Krisenmedium in dieser Situation bietet, sollte der Aspekt nicht außer acht gelassen werden, dass eine unqualifizierte Masse an Informationen über die Japaner hereinbrach. Stephan Ruß-Mohl, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Lugano, macht in seinem bei <a href="http://carta.info/39164/gau/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CARTA</a> erschienenen Artikel darauf aufmerksam, dass manche Facebook-Nutzer &quot;sich selbst mit einer Nachrichtenagentur verwechseln&quot;. Er stellt zur Diskussion, ob hierin nicht eine Herabsetzung des seriösen Journalismus gesehen werden könne und fragt: &quot;Darf man das?&quot; An diesem Punkt setzt auch Krystian Woznicki, Herausgeber der Berliner Gazette, an. In seinen &quot;<a href="http://berlinergazette.de/7-thesen-zum-erdbeben-in-japan-live-internet-crowdsourcing-und-der-disaster-capitalism-complex/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">7 Thesen zum Erdbeben in Japan: Live-Internet, Crowdsourcing und der Disaster-Capitalism-Complex</a>&quot; ruft er  dazu auf, sich aktiv an der Gestaltung seines Textes zu beteiligen, um im Sinne des Bürger- und Prozessjournalismus am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen. Am Beispiel seines Textes wird ersichtlich, dass durch Crowdsourcing verschiedene Blickwinkel auf die Diskussion gerichtet werden können. So sind seit Erstveröffentlichung von Woznickis Thesen am 12.03. an die 100 Kommentare erschienen, die der Autor inzwischen in drei Updates eingearbeitet hat. 
</p>
<p>
Indem Journalisten und Blogger informieren, können sie  unmittelbaren Einfluss auf das Geschehen in Japan nehmen – jenseits von Panikmache und Betroffenheitsjournalismus. Substanzielle Informationen tragen im Gegenteil dazu bei, die Lage besser einschätzen zu können und den Betroffenen damit die Angst zu nehmen. Bei der Teilhabe durch das Live-Internet sollten nach Woznicki jedoch vier Forderungen erfüllt sein: 1. das Herausstellen der politisch relevanten Fragestellung, 2. die Sicherung der Qualität, 3. die Erstellung moderierter Plattformen, 4. die Initiierung von Informationsnetzwerken für die Kommunikation der Betroffenen und der Außenwelt. Im Gespräch mit politik-digital.de fordert Woznicki die breite Masse auf, Öffnungen innerhalb der Massenmedien zu nutzen, um aktiv am Geschehen teilzunehmen.
</p>
<p>
Schließlich stellt sich die Frage, wie die japanische Regierung das Internet für die Krisenkommunikation nutzt. Die Menschen fühlen sich nicht ausreichend informiert und viele, gerade außerhalb Japans, halten die Informationspolitik der Regierung und des Atomkraftwerkbetreibers von Fukushima, Tepco, für wenig transparent. Diesbezüglich  bemerkt Woznicki gegenüber politik-digital.de, dass die Informationen durch die Beschleunigung früher und umfassender vorliegen, wodurch Medien und Regierung der Annahme unterliegen, die Kontrolle zu haben. Doch gerade mit dem Mittel des Ausnahmezustands setzt die Regierung ein zutiefst undemokratisches Mittel zur Kontrolle ein. Beide Seiten unterschätzen somit nicht nur die Katastrophe, sondern auch das Internet und hierbei besonders die Bedeutung sozialer Netzwerke. Woznickis Fazit besteht in der notwendigen Zusammenarbeit von Regierung und Medien: &quot;Erst die umfassende Kollaboration ermöglicht es Regierung und Massenmedien, von der Beschleunigung durch das Internet zu profitieren.&quot; An dieser Win-win-Situation könne auch die Zivilbevölkerung Anteil nehmen.
</p>
<p>
Zur Erklärung des Handelns der Regierung führt Woznicki mehrere Begründungen an, unter anderem die Komplexität der Situation, die eine gewisse Zeit für die Reaktion beanspruche – ohne dass er das Verhalten der Regierung rechtfertigt. Gegenüber politik-digital.de ordnet er das Handeln der japanischen Regierung auch im kulturellen Zusammenhang ein: Die Regierung sei nicht unvorbereitet, sondern gefasst, und es gelte, das Gesicht zu wahren.
</p>
<p>
Auch der Krisenforscher Frank Roselieb <a href="http://oe1.orf.at/artikel/272313" target="_blank" rel="noopener noreferrer">meint</a>, dass die japanische Regierung angemessen gehandelt habe, da sie eine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung habe und bei einer solchen Katastrophe nicht vorschnell<br />
der Alarmzustand ausgerufen werden dürfe. Spätestens eine Woche nach dem Unglück solle die Regierung jedoch mehr Informationen herausgeben und die Bevölkerung in &quot;Echtzeit&quot; über das Geschehen unterrichten – das Verschweigen von Tatsachen sei dabei nicht akzeptabel. 
</p>
<p>
Japan hat die Chance, das Internet als das zentrale – auch grenzübergreifende &#8211; Krisenmedium zu nutzen und sich der Welt zu öffnen. Das Ausland hat dem gegenüber die Möglichkeit, mithilfe des Internet nicht mehr länger nur passiv, sondern – neben Spenden und logistischer Unterstützung &#8211; auch aktiv  über das Internet Anteil zu nehmen, etwa durch Web-Initiativen wie das <a href="http://love4japan.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open Home Project</a>, das Erdbebenopfern ein Bett in Berlin über das Netz anbietet. Das Nutzen sozialer Netzwerke und weiterer Online-Tools ermöglicht einen umfassenden und vielschichtigen Informationsfluss, um die Situation differenziert bewerten und entsprechend handeln zu können. Ob diese Chance in ihrer ganzen Dimension genutzt werden wird, wird sich erst zeigen.</p>
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