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	<title>Esther Dyson &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Esther Dyson &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#034;Wir wollen keine Regierung sein&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cahlert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Esther Dyson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
Wieviel Staat und wieviel Markt verträgt das Internet? Esther
Dyson leitet die neue Organisation <a href="http://www.icann.org/">&#34;ICANN&#34;</a>, die nach dem Willen der
amerikanischen Regierung die Internetadressen für die ganze Welt vergeben soll.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Wieviel Staat und wieviel Markt verträgt das Internet? Esther<br />
Dyson leitet die neue Organisation <a href="http://www.icann.org/">&quot;ICANN&quot;</a>, die nach dem Willen der<br />
amerikanischen Regierung die Internetadressen für die ganze Welt vergeben soll.</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/edemocracy/images/dyson.jpg" alt="Esther Dyson" align="left" border="1" height="155" width="114" /><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Sie haben die US-Regierung beraten, Sie erklären auf den<br />
Wirtschaftsforen in Davos den Spitzenmanagern und Politikern aus aller Welt, warum das Internet eine Revolution<br />
ist. Wie sind Sie Vorsitzende von ICANN, der Internet Corporation for Assigned Names und Numbers<br />
geworden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Ganz einfach. Die Gründungsmitglieder wurden in einen Raum gesperrt, und ich war die<br />
einzige, die sich als Freiwillige gemeldet hat. John Postel, der zuvor die Internet Assigned Numbers Authority<br />
personifizierte und das gesamte Adressen-System für das Internet entwickelt und organisiert hatte, suchte in den<br />
USA, Europa und in der ganzen Welt nach Personen für eine neue Organisation, die das Management des<br />
Internets übernehmen sollte. Sein Anwalt hat mir eine E-Mail geschickt, in der stand, daß ich Mitglied des<br />
Direktoriums werden sollte. Ira Magaziner, der Internetbeauftragte der Clinton-Regierung, hatte mir zwar schon<br />
vorher von ICANN erzählt, die Initiative jedoch ging auf John Postel zurück. Ich weiß nicht, wie es in Europa war,<br />
aber in den USA hat die Regierung alles getan, um sich aus diesem Prozeß herauszuhalten. Natürlich war sie<br />
immer sichtbar, aber nur in Form von Vorschlägen &#8211; zum Guten, oder zum Schlechten. Einige glauben ja, daß die<br />
Regierung eine größere Rolle hätte spielen sollen. Ich weiß, daß genau das die Europäer nervös macht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Haben sie dazu nicht allen Grund? ICANN wird die<br />
Internetadressen verteilen und allein schon dadurch den Zugang zum Netz weltweit kontrollieren. Wollen Sie das<br />
Netz regieren?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Das hängt davon ab, was man unter Regieren versteht. Sicherlich stand für uns am Anfang<br />
im Vordergrund, welche Rolle technische Standards spielen. Oder Fragen wie: Sollen kommerzielle Aktivitäten<br />
überhaupt erlaubt werden? In wieweit sind Meinungsfreiheit und Datenschutz betroffen? Unsere unmittelbare und<br />
wichtigste Aufgabe ist es heute, bei der Namensvergabe im Netz Wettbewerb zu schaffen. In den Bereichen von<br />
.com, .net, .org hat es bisher keinen freien Wettbewerb gegeben. Schwierig wird vor allem sein, ein effektives<br />
System zu schaffen, das Konflikte bei der Namensvergabe löst. Auf längere Sicht müssen wir uns auch mit der<br />
Frage befassen, ob es neue top-level-domains geben wird, zum Beispiel .firm oder .shop.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Ihr Buch &quot;Release 2.0&quot; vermittelt den Eindruck, daß Regierungen in jedem Fall die Finger<br />
vom Internet lassen sollten. Die New York Times hat ICANN aber als &quot;Verfassungsgebende Versammlung des<br />
Internet&quot; bezeichnet, und die Kritiker befürchten, daß damit genau eine jener schwerfälligen, bürokratischen<br />
Institutionen entsteht, vor denen die freie Unternehmerin Dyson immer gewarnt hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Wer zum erstenmal von ICANN hört, denkt immer gleich an eine Weltregierung. Aber wir<br />
wollen keine Regierung sein. In Wirklichkeit soll sich ICANN überhaupt nicht mit Datenschutz und der Regulierung<br />
bestimmter Inhalte befassen. ICANN soll nur die technische Infrastruktur des Netzes regeln und die Adressen und<br />
Protokolle organisieren. Wenn jemand aus politischen Gründen eine Seite im Internet schließen will, dann wollen<br />
wir nicht, daß er damit zu uns kommt. Wir wollen gar nicht soviel Macht, und schon gar nicht wollen wir das<br />
Werkzeug für diejenigen sein, die uns zu einer Macht machen wollen, die das Netz kontrolliert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wie wollen Sie das vermeiden? ICANN wird die Datenbank von<br />
Network Solutions kontrollieren, in der Millionen von höchst persönlichen Daten gespeichert sind.<br />
Industrielobbyisten haben schon gefordert, daß ein System für die positive Identifikation der Internetnutzer<br />
entwickelt werden muß.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Was ich über Datenschutz denke, und was ICANN macht, sind zwei verschiedene Paar<br />
Schuhe. ICANN soll damit nichts zu tun haben. Wir befassen uns nicht mit Millionen von E-Mails, die jeden Tag<br />
über dasNetz gehen, sondern mit den Menschen, denen eine Internetadresse gehört.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wer befaßt sich denn nun wirklich mit ihnen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Viele verschiedene Personen. Im Netz sollte es unterschiedliche Regeln geben. Wer ein<br />
Geschäft im Internet eröffnet, sollte anderen Regeln unterliegen als der normale Benutzer. Er sollte stärker<br />
verpflichtet sein, offenzulegen, wer er ist, und was er macht. Er sollte verantwortlich und identifizierbar sein. Wer<br />
dagegen nur bestimmte Internetseiten besucht, sollte das Recht haben, dies anonym zu tun.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wird sich die US-Regierung jetzt mit der UNO und<br />
Industrielobbyisten an einen Tisch setzen, um über den Datenschutz im Netz reden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Ich hoffe nicht. Ich persönlich werde mich immer dafür stark machen, daß das Individuum<br />
wählen kann, ob und wann es seine Identität offenlegt. Das Individuum muß wählen können, wo es im Netz hingeht.<br />
Es ist nicht notwendig, daß wir dafür eine einzige Regelung haben. Die Internetseiten werden vielleicht ein Siegel<br />
oder einen Hinweis darauf enthalten, wie die jeweiligen Besitzer persönliche Daten behandeln. Es wird<br />
unterschiedliche Jurisdiktionen dafür geben, die nicht notwendigerweise weltweit gelten, und es werden auch nicht<br />
notwendigerweise Regierungen sein, die diese Regeln machen und durchsetzen. Es wird Regulierungsagenturen<br />
geben, die aber wiederum nicht zwingend an einen Staat gebunden sein müssen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<!--<b><font color=#ff9900>politik-digital:</font></b> Hat die US-Regierung die Kontrolle über das Internet aus der
Hand gegeben? In Europa glauben wir, daß Regierungen gemeinschaftliche Güter verwalten sollten, da sie sonst
vom freien Markt ausgebeutet werden.


<p>
<b>Esther Dyson:</b> Manche amerikanische Kollegen verweisen gerne auf die Situation vor mehr als 200 Jahren,
als einige wenige brilliante Köpfe in der "Hall of Independence" in Philadelphia saßen und die Verfassung der USA
ausarbeiteten. 90 Prozent der Bevölkerung sei damals ausgegrenzt gewesen oder hätten sich überhaupt nicht
dafür interessiert. Sklaven war die Beteiligung an den Wahlen ganz verunmöglicht. Dennoch sei die US-Verfassung
so etwas wie eine Bibel demokratischer Werte. Natürlich hinkt der Vergleich. Richtig ist aber, dass die Prinzipien
und Strukturen, die jetzt im ICANN Prozess geschaffen werden, weitreichende Folgen für die zukünftige
globale Informationsgesellschaft haben werden. Insofern ist die Frage der Legitimität von ICANN schon von erheblicher
Bedeutung, vielleicht ist sie sogar die Schlüsselfrage. Ich persönlich plädiere für eine Art Mischung von
repräsentativer und direkter Demokratie, von "bottom-up" und "top-down". Juristisch betrachtet läuft das auf ein
globales System von Ko-Regulierung hinaus, wo Regierung und Wirtschaft sich kooperativ abstimmen. Zukünftig
wird weder "governmental regulation" noch "industry self-regulation" allein in der Lage sein, stabile, effektive und
gerechte Verhältnisse zu schaffen. Es muss, zumindest beim gegenwärtigen Zustand der Welt, zu einer
Kombination kommen. Und selbst dies ist eigentlich nicht hinreichend, weil der dritte Partner, der mündige, aktive
und kritische Bürger (Citizen, Consumer, User), auch direkt (und nicht nur über die von ihm gewählte Regierung)
einen Beitrag leisten können muß. Das Thema "public self-regulation" ist bisher kaum diskutierrt worden, eröffnet
aber viele neue Denk- und Handlungshorizonte.


<p>
--><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Vielen Dank für das Gespräch.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Das Interview mit Esther Dyson führte Christian Ahlert.</span></p>
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