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	<title>Ethik der Digitalisierung &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Ethik der Digitalisierung &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Rezension: Julian Nida-Rümelin und Nathalie Weidenfeld &#8211; Digitaler Humanismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johannes Brinz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Oct 2018 06:27:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
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		<category><![CDATA[Digitale Ethik]]></category>
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					<description><![CDATA[Könnte Siri ein Bewusstsein entwickeln und wenn ja, müssten wir ihr dann auch Menschenrechte zuerkennen? Wie sollen autonome Fahrzeuge in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-155316" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Der-Denkercut1-630x276.jpg" alt="File source: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Le_Penseur.jpg" width="630" height="276" /></p>
<p>Könnte Siri ein Bewusstsein entwickeln und wenn ja, müssten wir ihr dann auch Menschenrechte zuerkennen? Wie sollen autonome Fahrzeuge in Dilemmasituationen reagieren und können sie vielleicht sogar selbst Verantwortung übernehmen? Die Digitalisierung stellt die Philosophie vor eine Reihe neuer Probleme, die letztlich alle in einer Frage münden: Was ist der Mensch und wodurch unterscheidet er sich von Maschinen? Die Antwort, welche dieses Buch hierauf bietet, ist ganz einfach – es ist die typisch menschliche Fähigkeit sein Urteilen, Handeln und Fühlen von Gründen leiten zu lassen.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155311" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/181004_Digitaler-Humanismus-cover.jpg" alt="181004_Digitaler Humanismus cover" width="161" height="265" /></p>
<p>Nida-Rümelin, Julian; Weidenfeld, Nathalie: Digitaler Humanismus – eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. München: Piper 2018. 220 S. ISBN 978-3-492-05837-7.</p>
<p></div></div>
<p>Ist es denkbar, dass künstliche Intelligenzen ein Bewusstsein entwickeln und welche Folgen hätte das für uns und unseren Umgang mit Technik? Wären vielleicht sogar Freundschaften zwischen Mensch und Maschine möglich oder lassen sich soziale Beziehungen nicht digitalisieren? Wie groß ist der Einfluss des Internet auf die heutige Kultur und kann es vielleicht sogar die Demokratie retten? Das erste, was einem beim Lesen dieses Buches ins Auge fällt, ist, wie viele philosophische Aspekte das Gebiet der Digitalisierung umfasst. Viele dieser Fragen kennen wir aus Filmen wie I Robot, Star Trek oder Matrix. Doch in Zeiten, in denen autonome Fahrzeuge und humanoide Roboter längst Realität sind, sind wir nun gezwungen, eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz zu entwickeln.</p>
<h3>Eine Ethik für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz</h3>
<p>Dieser Aufgabe widmet sich nun – wie der Untertitel schon sagt – das Buch <a href="https://www.piper.de/buecher/digitaler-humanismus-isbn-978-3-492-05837-7" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Digitaler Humanismus</em></a><em> – eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz</em>. Es ordnet sich dabei ein in eine Reihe von Schriften, in denen der Münchner Philosoph Julian Nida-Rümelin sich mit den ethischen Aspekten gesellschaftlich besonders relevanter Themen auseinandersetzt und die eine enorme Breitenwirkung entfalten konnten. Nach <a href="https://www.buecher.de/shop/wirtschaftstheorie/die-optimierungsfalle/nida-ruemelin-julian/products_products/detail/prod_id/41831268/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ökonomie</a>, <a href="https://www.buecher.de/shop/politik/der-akademisierungswahn/nida-ruemelin-julian/products_products/detail/prod_id/40900371/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bildung</a> und <a href="https://www.buecher.de/shop/gerechtigkeit/ueber-grenzen-denken/nida-ruemelin-julian/products_products/detail/prod_id/47202093/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Migration</a> ist nun die Digitalisierung an der Reihe. Einen Sonderstatus erhält dieses Buch allerdings dadurch, dass die ethischen Reflexionen eingebettet sind in den Mythos der Digitalisierung, wie wir ihn aus Filmen und Science-Fiction-Romanen kennen. Zu verdanken ist dies der Zusammenarbeit mit Nathalie Weidenfeld. Weidenfeld besuchte die berühmte Lee Strassberg Schauspielschule in New York und ist promovierte Kultur- und Filmwissenschaftlerin. Derzeit arbeitet sie als freie Schriftstellerin und Lektorin in München. Seit 2001 ist sie verheiratet mit Julian Nida-Rümelin. Julian Nida-Rümelin studierte Philosophie und Physik und promovierte bei dem bedeutenden Wissenschaftstheoretiker Wolfgang Stegmüller. Nachdem er von 2001 bis 2002 Kulturstaatsminister war, kehrte er als Professor an die Universität zurück und zählt heute zu den <a href="https://www.euleev.de/images/andere_Redaktionen/Cicero_2008_29_09.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">einflussreichsten deutschen Intellektuellen</a>. Darüber hinaus ist Nida-Rümelin Leiter des Bereiches Kultur am Zentrum Digitalisierung Bayern. Das vorliegende Buch verspricht also einen kundigen Einblick in die ethische und philosophische Dimension der Digitalisierung zu geben.</p>
<p>Jeder kennt die dystopische Vorstellung, dass menschliches Leben lediglich als Simulation in einer <em>Matrix </em>existiert. Oder das moralische Dilemma, vor das sich Sonny am Ende des Filmes <em>I Robot </em>gestellt sieht. Einen Großteil unserer Vorstellungen und Urteile bezüglich künstlicher Intelligenz beziehen wir aus Kinofilmen, Serien und Romanen. Und genau hier setzt dieses Buch an. Es handelt quasi im Mythos der Digitalisierung und versucht diesen philosophisch zu dekonstruieren. Anhand verschiedener Filmszenen werden die zu behandelnden Fragestellungen zuerst eröffnet und ausgeleuchtet, worauf dann die wissenschaftliche Analyse folgt. Dadurch greifen die Autoren Fragen auf, die man sich so oder so ähnlich selbst schon einmal gestellt hat. Das verleiht diesem Buch eine gewisse Plastizität und macht es auch Laien einfach greifbar. Doch auch an fachlichem Wissen mangelt es keineswegs. Systematisch folgt die Argumentation stets dem Humanismus Nida-Rümelins, wonach es die typisch menschliche Fähigkeit ist, sein Urteilen, Handeln und Fühlen von Gründen leiten zu lassen, die den Maßstab für unseren Umgang mit Technik abgeben muss.</p>
<p>Der digitale Humanismus wendet sich dabei sowohl gegen den Digitalisierungspessimismus als auch gegen die Silikon-Valley-Ideologie und ihre Idee eines Transhumanismus. Künstliche Intelligenz solle als Gelegenheit gesehen werden, ein menschliches und freies Leben zu befördern. Der Grundtenor ist hierbei stets: Ja, die Entwicklung künstlicher Intelligenz stellt uns vor eine Reihe neuer Probleme, aber wenn wir unser alltägliches Urteilen kohärent auf den Bereich der Digitalisierung übertragen, lassen sie sich gewinnbringend lösen.</p>
<h3>Künstliche vs. menschliche Intelligenz</h3>
<p>Doch was unterscheidet nun für Weidenfeld und Nida-Rümelin künstliche von menschlicher Intelligenz? Zuerst einmal besitzen Roboter keine Intentionen. Sie wollen nicht. Maschinen sind nicht in der Lage, sich selbst Ziele zu stecken oder Projekte zu verfolgen. Sie folgen lediglich vorher von Menschen festgelegten Operationen – auch selbstlernende Computer. Die Aufgaben verteilt noch immer der Programmierer. Und diese Abhängigkeit von Algorithmen ziehe eine grundsätzliche Trennlinie zwischen menschlichem Denken und digitalem Rechnen. Hierbei greift die Argumentation immer wieder auf ein meta-mathematisches Theorem zurück, wonach ein hinreichend komplexes System – wie eben auch das menschliche Urteilen, Handeln und Empfinden eines ist – nicht vollständig algorithmisch gefasst werden kann. Dieses Defizit schließe Roboter kategorisch von einer Vielzahl typisch menschlicher Eigenschaften aus.</p>
<p>So können Maschinen beispielsweise keine Würde besitzen, da diese aus der Fähigkeit entstehe, ein Leben nach eigenen Vorstellungen zu leben, Autor seines eigenen Lebens zu sein. Ohne Autorschaft keine Menschenwürde. Auch die Möglichkeit eines freien Willens bekommen die Roboter abgesprochen. Sie seien nicht in der Lage, eigene Gedanken und Vorhaben in die Tat umzusetzen. Computer folgen Stromimpulsen und sind damit lediglich Glieder in vorherbestimmten Kausalketten. Und wie steht es um die vielleicht wichtigste Eigenschaft: Die Emotionalität? In vielen Filmen sind Roboter Gefühlen zugänglich, und moderne weit ausgereifte Humanoiden scheinen durchaus menschliche Züge entwickeln zu können. Aber auch hier sind die Autoren äußerst kritisch. Wer glaube, Roboter können Gefühle empfinden, nur weil sie sich so verhalten als ob, sitze einem Irrglauben auf. So wie das Kind, das beim Zahnarzt versucht nicht zu weinen, den Schmerz dennoch fühlt, könne im Umkehrschluss die Turing-Maschine Gefühle zwar simulieren, nicht aber empfinden. Fühlen lasse sich eben nicht auf Verhalten reduzieren.</p>
<h3>Liquid Democracy, Digitale Bildung und Bedingungsloses Grundeinkommen</h3>
<p>In einigen der zwanzig Kapiteln werden aber nicht nur tiefenphilosophische Grundsatzfragen diskutiert, es wird auch explizit auf aktuelle politische Debatten Bezug genommen. Besonders intensiv wird dabei das Thema autonomes Fahren behandelt.  Zentrales Argument: KIs versagen bei moralischen Dilemmata! In gewissen Gefahrensituationen muss ein selbstfahrendes Auto beispielsweise entscheiden, ob es seinen Insassen in Lebensgefahr bringt oder auf Passanten auf dem Gehweg zusteuert. Während Menschen eine falsche Entscheidung, die im Bruchteil einer Sekunde getroffen wird, nachgesehen werden könne, müssen selbstfahrende Autos im Vornherein und nach reichlicher Überlegung auf ein gewisses Verhalten programmiert werden. Dies wiederum führe zu erheblichen Problemen mit dem ethischen und juristischen Grundsatz der Nicht-Verrechenbarkeit von Menschenleben. Man kommt nicht drum herum, das Töten von Menschen dem Auto einzuprogrammieren.</p>
<p>Eine erstaunlich scharfe Kritik erfährt die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Die Behauptung, die Digitalisierung der Industrie mache Erwerbsarbeit überflüssig, sei empirisch falsch und eine Spaltung der Gesellschaft in hochbezahlte Erwerbsarbeiter und großzügig Alimentierte sei gefährlich. Auch <a href="https://politik-digital.de/news/politik-via-app-movimento-5-stelle-154282/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">der Vision, Politik mittels Internet und Liquid Democracy wieder bürgernah zu machen</a>, erteilt dieses Buch eine Absage. Die große Zahl der Beteiligten mache den Entscheidungsprozess manipulationsanfällig und führe in Konflikte mit Bedingungen kollektiver und demokratischer Rationalität. An dieser Stelle werden neuerdings verschiedene Theoreme aus der Mathematik und der Entscheidungstheorie herangezogen. Eines der umfangreichsten Kapitel beschäftigt sich mit der digitalen Bildung. Anhand des Filmes <em>Der Rasenmähermann</em> aus dem Jahre 1992 werden die Schattenseiten einer ausgearteten Bildung im Sinne bloßer Wissensanhäufung beschrieben. Auch in Zeiten unbegrenzter Speicherung und Verfügbarkeit von Wissen müsse Bildung in erster Linie dazu dienen, die menschliche Urteilsfähigkeit zu schärfen und die zwischenmenschliche Kommunikation zu fördern.</p>
<h3>Fazit: Ein Buch für Stunden der Muße – nicht für das philosophische Oberseminar</h3>
<p>In <em>Digitaler Humanismus – eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz </em>werden die vielen verschiedenen philosophischen Aspekte der Digitalisierung einfach und eingängig behandelt und die Anbindung an bekannte Filme macht das Buch sehr unterhaltsam und besonders Technik- und SciFi-Begeisterten einfach zugängig. Leider fehlt es an einigen Stellen an philosophischer Tiefe. Zwar werden die wichtigsten Konzepte verständlich dargestellt und sinnvoll auf die digitalen Fragen bezogen, allerdings sind circa zehn Seiten pro Themengebiet einfach zu knapp, um wirklich einen tiefen Einblick in die Materie zu gewähren. Der geringe Umfang von gerade einmal zweihundert Seiten in Kombination mit dem ausufernden Stoffumfang macht eine ausführliche Abwägung der Argumente pro und contra unmöglich. Das wiederum führt dazu, dass verschiedene Abschnitte teils sehr deutlich aus einer bestimmten philosophischen Sichtweise heraus geschrieben sind. Weder die Frage nach der Willensfreiheit, noch die Ablehnung des Konsequentialismus sind in der Philosophie unumstritten. Vertraut man jedoch der Kompetenz der Autoren und verzichtet auf ausschweifende Begründungen, so erhält man ein Buch, das es schafft, Lesbarkeit mit akademischem Anspruch zu verbinden. Besonders sympathisch: Mit Hilfe anschaulicher Beispiele gelingt es den Autoren die Verbindung zur Lebenswelt nicht abreißen zu lassen, wenn die Begründung droht sich in den Wirren der theoretischen Philosophie zu verfangen,</p>
<p>Alles in allem handelt es sich bei <em>Digitaler Humanismus – Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz </em>um ein Buch, das zwar keine wissenschaftlichen Ansprüche stellt, es allerdings weder an fachlicher Kompetenz noch an intellektuellem Anspruch mangeln lässt. Wer keine ausführliche Diskussion der verschiedenen ethischen Aspekte der Digitalisierung, sondern einen soliden und kurzweiligen Überblick über die einzelnen Themenbereiche erwartet, wird mit diesem Buch bestens bedient sein. Komplexe Zusammenhänge werden verständlich erläutert und die zwar gehobene, doch meist geradlinige Sprache ermöglicht ein flüssiges Lesen und schnelles Erfassen. Die Einbettung in den cineastischen Kontext und die gesellschaftliche Bedeutsamkeit des Themas machen dieses Buch einem breiten Publikum von Philosophie- und Technikinteressierten zugänglich und die Verbindung von Natur-, Kultur- und Geisteswissenschaft zeichnet ein möglichst vollständiges Bild eines digitalen Humanismus.</p>
<p>Titelbild:<br />
Der Denker by Jean-David &amp; Anne-Laure via <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Le_Penseur.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipedia Commons</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 2.0</a></p>
<p>Bild des Buchcovers: © Piper Verlag</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Gesellschaftlicher Dialog Ethik und Digitalisierung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/gesellschaftlicher-dialog-ethik-und-digitalisierung-vorbericht-154439/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Karina Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Mar 2018 09:14:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[IT-Sicherheit]]></category>
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		<category><![CDATA[technologische Innovationen]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 17. April 2018 lädt die Wegweiser GmbH zum ersten „Gesellschaftlichen Dialog Ethik &#38; Digitalisierung – Vertrauen in unsere vernetzte Welt“ in das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/header_ww_ethik2_620x274.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-154445" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/header_ww_ethik2_620x274.jpg" alt="header_ww_ethik2_620x274" width="620" height="274" /></a>Am 17. April 2018 lädt die Wegweiser GmbH zum ersten „Gesellschaftlichen Dialog Ethik &amp; Digitalisierung – Vertrauen in unsere vernetzte Welt“ in das Humboldt Carré in Berlin ein. Der Kongress wird von Bundesminister Peter Altmaier eröffnet und von Bundesministerin Dr. Katarina Barley, MdB abgeschlossen. politik-digital.de begleitet die Veranstaltung als Medienpartner.</p>
<p>Angesichts sich beschleunigender Veränderungen von Kommunikation, Information, Lernen, Arbeit, Freizeit, Medizin und Demokratie widmet sich der Gesellschaftliche Dialog Ethik &amp; Digitalisierung der Analyse der derzeitigen Entwicklungen.</p>
<p>In zahlreichen Foren diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft unter folgenden Leitfragen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die verschiedenen Lebensbereiche:</p>
<ol>
<li>Staat &amp; Rahmenbedingungen: Kann der Staat Schritt halten mit der Wucht der Digitalisierung und noch immer aus technologischer Innovation gesellschaftlichen Fortschritt für alle machen?</li>
<li>Arbeitgeber &amp; Arbeitnehmer: Wie können Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Wandel der Arbeitswelt durch Robotik, Automatisierung und Digitalisierung gemeinsam gestalten?</li>
<li>IT-Sicherheit &amp; Datenschutz: IT-Angriffe, Sicherheitslücken und Bequemlichkeit – Wie erreichen wir einen hohen IT-Schutz für unsere vernetzte Welt?</li>
<li>Mobilität &amp; Robotik: Fahren oder fahren lassen – neue Freiheiten oder drohender Kontrollverlust durch autonome Mobilitätsangebote?</li>
<li>Gesundheit &amp; Pflege: Big Data in der Gesundheitswirtschaft als Chance für uns alle oder persönliches Risiko?</li>
<li>Bildung &amp; Kompetenzen: Wie gewinnen „Jung und Alt“ notwendige digitale Kompetenzen, sodass alle selbstbestimmt/mündig leben/handeln können?</li>
</ol>
<p>Weitere Informationen zu Programm, Referenten und Teilnahmemöglichkeiten finden Sie <a href="https://www.wegweiser.de/de/gesellschaftlicher-dialog-ethik-digitalisierung-vertrauen-unsere-vernetzte-welt" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</p>
<p>Titelbild: © Wegweiser GmbH</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ungewisse Zukunft: Wie verändern Roboter unser Leben?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/die-rolle-der-roboter-in-unserem-leben-153607/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Feb 2018 09:19:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Initiative D21]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik der Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[humanoide Roboter]]></category>
		<category><![CDATA[Pepper]]></category>
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					<description><![CDATA[Sie sprechen viele verschiedene Sprachen, können Daten auswerten, stabile Prognosen aufstellen, Emotionen simulieren und diese auch in Menschen erwecken – humanoide [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="document-page">
<div class="text-wrapper user-select-text">
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/fdp-artikelbild.png"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-152941" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/robot-future.png" alt="fdp artikelbild" width="640" height="280" /></a>Sie sprechen viele verschiedene Sprachen, können Daten auswerten, stabile Prognosen aufstellen, Emotionen simulieren und diese auch in Menschen erwecken <span class="st">–</span> humanoide Roboter. Ob als Assistenten bei der Kindererziehung, der Altenpflege, dem Hotelempfang oder einfach als Alltag-Simplifizierer, sie scheinen allmählich Einzug in unser Leben zu nehmen. Werden humanoide Roboter in Zukunft nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sein?</p>
<h3>&#8220;Am Schluss werden wir alle erkennen, dass jeder von uns ein &#8216;Algorithmus&#8217; ist.&#8221;</h3>
<p>Der mittelfristige Wunsch vieler Roboterentwickler ist das Integrieren der Humanoide in den Alltag. Dies dient dem Zweck der Abnahme von lästigen alltäglichen Aufgaben, aber auch der emotionalen Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Die menschenähnlichen Maschinen befinden sich immer in Menschennähe und können deren Handlungen stets speichern und auswerten. Somit kann die Transparenz des Menschen vollends verloren gehen, so <a href="https://www.computerwoche.de/a/franz-josef-radermacher-und-gunter-dueck-im-gespraech,3068463">Professor Rademacher</a> von der Universität Ulm. Dank der ständigen Datensammlung und Auswertung der menschlichen Handlungen, sowie dem Bezug auf große Datenbanken könne jeder Mensch für die Maschine vorhersehbar und leicht durchschaubar werden. Professor Rademacher ist sogar der Meinung: &#8220;Am Schluss werden wir alle erkennen, dass jeder von uns ein &#8211; wenn auch höchst komplexer, hochgradig individueller und in seinem Verhalten nicht prognostizierbarer &#8211; &#8216;Algorithmus&#8217; ist&#8221;. So kann wahrscheinlich, mit dem Einzug der humanoiden Roboter in unser Leben, jeder Mensch zu einem kontinuierlich Informationen an große, kapitalistische Konzerne gebendes Rädchen eines riesigen Systems werden.</p>
<h3>Gefährdung des sozialen Zusammenlebens</h3>
<p>Bisher waren die Menschen, um Einsamkeit zu bekämpfen oder dem narzisstischen Trieb nach Anerkennung nachzugehen, auf die Interaktion mit anderen Menschen angewiesen. Dies kann sich stark ändern, wenn der technisch perfekt entwickelte Humanoide bei uns einzieht: Er urteilt nicht über uns, hat keine Erwartungen, kann explizite und auf uns zugeschnittene Informationen geben und sogar humane Gefühle erkennen und simulieren. Der humanoide Roboter, um ein Beispiel zu nennen, fürchtet sich bei <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pepper-der-emotionale-roboter-13656429.html">Dunkelheit</a>. Wie verändert dieses menschliche Verhalten die Interaktion zwischen Mensch und Maschine? <a href="https://www.digitalstrom.com/Unternehmen/digitalSTROM-AG/Management/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Martin Vesper</a>, Chief Executive Officer bei digitalSTROM, ist der Meinung, dass zwar die Roboter für soziale Zwecke genutzt werden, jedoch keineswegs die Mensch-zu-Mensch-Interaktion dadurch in die Brüche gehen werde.</p>
<p>Auch &#8220;Rabeneltern&#8221; bekommen durch die voranschreitende Technologie die Möglichkeit, die Erziehung ihrer Kinder nahezu vollständig einer Roboter-Nanny zu überlassen. Mit dieser möglichen Gefahr haben sich bereits viele Wissenschaftler beschäftigt. Der britische Informatik-Professor und Ethiker <a href="http://www.zeit.de/2012/04/T-Roboter-Interview">Noel Sharkey</a> schlägt vor, den Roboter mit einer Fläche zu versehen, auf die ein Elternteil regelmäßig ihre Hand legen muss. So könne gewährleistet werden, dass Elternteile sich stets in unmittelbarer Nähe befinden. Und wenn die haptische Legitimation ausfalle, schlage der Roboter Alarm, führt Sharky weiter aus.</p>
<h3>Die Interessen der Hersteller</h3>
<p>Humanoide erfüllen mittlerweile die technischen Voraussetzungen für sehr viele Fähigkeiten &#8211; jedoch hängt die tatsächliche Ausführung der Aufgaben von der Programmierung durch die Hersteller ab. Da stellt sich die Frage: Was genießt höheren Stellenwert in den Großkonzernen &#8211; die Ethik oder die Gewinnmaximierung? Ist es wichtiger, die Privatsphäre und die Intransparenz der Individuen zu wahren, oder stetig Daten zu sammeln und damit die Technik und den Kapitalismus voranzubringen? Martin Vesper vertritt die Meinung, jedes Unternehmen sei verpflichtet, dem Grundgesetz Folge zu leisten. Es liege in ihrer Verantwortung, die Roboter gemäß den Grundrechten zu programmieren und somit die Interessen der Hersteller und der Konsumenten zu vereinen.</p>
<h3>Die Frage nach der Wohlstandsverteilung</h3>
<p>Eine weitere, mögliche Konsequenz der fortschreitenden Robotik und der Einsetzung Humanoider in das gesellschaftliche Leben kann der schwindende Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften, gerade in den beratenden Bereichen der Wirtschaft und Medizin, sein. Dies birgt zum einen die Gefahr der Arbeitslosigkeit – gerade bei den gut bezahlten Jobs. Zum anderen stellt sich die Frage nach der Wohlstandsverteilung: Bereits Reiche und oft auch dadurch Arbeitgebende können sich den Kauf von technisch hochentwickelten Robotern leisten und sie in vielen Arbeitsbereichen einsetzen. Viele Menschen können durch Roboter ersetzt werden und verlieren ihre Arbeitsplätze. Eine mögliche Konsequenz dieser spekulativen Entwicklung könnte das Wegfallen der Mittelschicht und das Erstarken der Oberschicht sein. Die Schere zwischen Arm und Reich würde aufklaffen und das Machtmonopol sich bei den Reichen zentrieren. &#8220;Wir müssen Dinge anpassen, ohne Zweifel, sonst haben wir solche Konsequenzen&#8221;, meint Martin Vesper. Er hält das Problem für schwierig, jedoch für lösbar.</p>
<p>Die dritte Welle der Digitalisierung stellt uns zweifelsohne vor neue, bisher nicht gekannte, Herausforderungen. Sie zeigt uns, dass der technische Fortschritt nicht stagniert, sondern neue Dimensionen annimmt. Und wir müssen uns fragen: Wie gehen wir damit um? Verschließen wir uns vor der Weiterentwicklung oder leisten wir einen aktiven Beitrag zur Zukunftsgestaltung? Der Tenor ist: Es gilt, sich den Veränderungen zu stellen, mögliche Vor- und Nachteile zu diskutieren und ethisch vertretbare Lösungsansätze anzubieten. Ratsam sind hierbei die Auseinandersetzungen auf verschiedenen Ebenen und somit die Sensibilisierung möglichst vieler Menschen.</p>
<p>Wie werden humanoide Roboter unsere Wahrnehmung und unser Verhalten verändern? Wie werden sie unseren sozialen Zusammenhalt beeinflussen? Und wie weit wollen wir sie in unser Leben integrieren? Diesen und weiteren Fragen zur Digitalisierung geht die <a href="http://initiatived21.de/publikationen/denkimpulse-zur-digitalen-ethik/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ethik-AG</a> der Initiative D21 seit einem Jahr bei regelmäßigen Treffen nach.</p>
<p>Titelbild by <a href="https://unsplash.com/photos/0E_vhMVqL9g?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Andy Kelly</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a>, eigene Bearbeitung</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
</div>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Gesellschaft und Ethik im digitalen Wandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Oct 2016 10:00:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Seit langem führen wir über das Phänomen der Digitalisierung vielfältige Debatten. Die problemorientierte Betrachtung der digitalen Sphäre führt uns aber auch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-150390 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Die_Schule_von_Athen_bearbeitet_640x337-630x361.jpg" alt="Die Schule von Athen von Raffael, bearbeitet" width="630" height="361" />Seit langem führen wir über das Phänomen der Digitalisierung vielfältige Debatten. Die problemorientierte Betrachtung der digitalen Sphäre führt uns aber auch zu immer wiederkehrenden Diskursen und mehr Fragen als Antworten. Professor Dr. Claus Eurich, Technische Universität Dortmund, sieht uns, analog wie digital, gefangen in einem Labyrinth: Mal schaffe man es zwar um eine neue Ecke zu schauen, aber das große Ganze in Form einer Metaperspektive bleibe dabei auf der Strecke. Der Autor und Dozent setzt sich mit den großen Themen der Ethik, der gewaltlosen Kommunikation und Journalistik auseinander. In einem Interview sprechen ich mit ihm über genau diese Aspekte – bezogen auf den digitalen Wandel, der uns alle umgibt.</p>
<p><strong> politik-digital</strong>: Wenn wir die Themenkomplexe, Digitalisierung und Ethik, fassbar machen wollen: Was ist der erste Gedanke der Ihnen in den Sinn kommt, wenn Sie zunächst die Begriffe Digitalisierung und Gesellschaft miteinander verknüpfen?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Zum einen ist es eine rein technische Frage. Was ist Digitalisierung überhaupt, und wie löst sie die analogen Strukturen, die über Jahrhunderte gewachsen sind, allmählich auf? Dann gilt es, verschiedene Ebenen zu betrachten – für mich sind drei Ebenen wichtig: Digitalisierung hat erstens Auswirkungen auf einer infrastrukturellen Ebene, also im Bereich der Ökonomie, der Industrie, des Dienstleistungsbereichs, im Bereich des Verkehrs usw. Die zweite Ebene umfasst Medien, die Herstellung von Öffentlichkeit und das, was wir mit Vernetzung umschreiben. Das Dritte ist die persönliche Ebene: Da wo es den Menschen betrifft, seinen Umgang mit der digitalen Technik und das, was man vielleicht auch als Mensch-Maschine-Symbiose bezeichnen kann.</p>
<h3>Individualisierung und Ent-Persönlichung</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Bleiben wir mal auf der dritten, der menschlichen, Ebene: Inwiefern glauben Sie, dass dieser Aspekt der Digitalisierung momentan starke Einflüsse auf die Gesellschaft ausübt?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Ich glaube, dass wir es im Moment bei der Digitalisierung mit einem Quantensprung in der menschlichen Entwicklung insgesamt zu tun haben – ohne, dass wir bisher eine angemessene Chance gehabt hätten, uns geistig, seelisch und emotional anzupassen. Dadurch ist ein unglaublicher Sog entstanden, der ambivalente Züge zeigt: Einerseits gibt es eine stärkere Vernetzung der Menschen miteinander, gleichzeitig aber auch eine starke Ent-Persönlichung mit verstärkter Individualisierung. Überall sehe ich, wie Menschen in grotesker Weise mit ihren Geräten verschmolzen sind. Und dann wird deutlich: Das ist mehr als nur der Austausch von Informationen und Bildern. Hier geht es auch um tiefe seelische Bedürfnisse, um Sehnsucht nach etwas, nach Begegnung, nach Vertrautheit. Diese Bedürfnisse werden nun projiziert, und sie können sich ausleben in diesen Geräten. Wohin uns das führt, halte ich im Ergebnis momentan noch für recht offen.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Technische Veränderungen prägen nicht nur gesellschaftliche Prozesse, sondern werfen auch neue ethische Fragestellungen auf. Kann man auf menschlicher Ebene generell von einer Bewusstseinsänderung sprechen?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Unbedingt. Es ist ein Herausholen aus raumzeitlicher Enge, auch aus dem unmittelbaren Zusammensein und der direkten Kommunikation. Gleichzeitig ist es aber eben auch eine Entfremdung von der direkten Lebensumwelt, in der ich mich befinde. Ich begegne zum Beispiel kaum noch Menschen auf der Straße oder im öffentlichen Raum, die Augenkontakt suchen und halten, weil sie so sehr mit ihren Geräten beschäftigt sind, gleichsam ganz in sie aufgesogen sind. Auch das hat sehr viel mit Bewusstsein zu tun. Die Ethik dahinter ist nun ein ganz eigenes Thema: Wir brauchen bei dem Umgang mit Informationstechnologien keine eigene Informationsethik. Das wäre ein Verkennen der ethischen Grundanforderung! Denn: Das Ethos ist unabhängig von diesen Entwicklungen und meint, dass es immer, in jeder Situation und jeder historischen Phase bestimmte Grundsätze gibt, die es gilt, in das Leben zu integrieren und situativ anzuwenden.</p>
<h3>Kants Kategorischer Imperativ als digitale Handlungsmaxime</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Wie können wir uns das jetzt genau vorstellen?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Nehmen wir zum Beispiel Immanuel Kant. Man kann seinen kategorischen Imperativ modern interpretieren als das Grundgesetz der Achtsamkeit im Leben. Und wenn ich das dann durchdenke in meinem Verhalten, beispielsweise bezogen auf den Umgang mit Smartphones und wie ich mich über Straßen bewege, und mir vorstelle: Das ist jetzt ein allgemeines Gesetz, dass sich alle Menschen so bewegen und sich so voneinander abwenden, dann wird mir vielleicht schnell einiges klar &#8211; vorausgesetzt ich bin bereit zur Selbstreflexion.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Von dieser Verdinglichung, die Sie damit auch ansprechen, erzählen Sie ja auch in Ihrem neusten Buch „<a href="http://www.interbeing.de/aktuelles/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aufstand für das Leben</a>“. Sie appellieren, dass es Zeit wird aufzuwachen. Die Zerstörung und die Besinnungslosigkeit, mit der wir dem Leben, nicht nur dem Menschlichen, begegnen, sollen ein Ende haben. Inwiefern finden wir destruktive Energien auch im Internet?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Das Internet enthält einfach alles, Helles und Dunkles. Hier ist keine pauschale Aussage möglich. Ich würde daher auch die vielen Formen der elektronischen Kommunikationsweisen als erstes unter dem Vorzeichen sehen, wie sie uns ablenken und aus der direkten Lebenszuwendung und Wahrnehmung von Problemen herausführen. Gleichzeitig machen sie uns auch auf ganz bestimmte Probleme erst aufmerksam. Ich glaube nicht, dass wir auch nur den Hauch einer Chance haben als Gattung zu überleben, wenn wir die globalen Probleme nicht auch auf einer globalen Weise angehen und dazu gehört sicherlich auch eine globale Form der Vernetzung. Sie sehen also, das Dunkle und das Notwendige hängen immanent zusammen. Es gibt kein Internet nur des Lichts oder nur des Schattens.</p>
<h3>Journalismus: Wir brauchen mehr Haltung!</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Woran fehlt es uns nun in der Gesellschaft, um mehr Licht zu schaffen?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Es fehlt vor allem die Vision. Was halten wir für lebenswert? Diesen Diskurs vermisse ich in unserer Kultur. Dafür setzen wir unsere persönlichen Bedürfnisse einfach zu absolut. Wir haben verlernt über uns selber hinauszudenken. Dieser „Ego-Tunnel“, wie Thomas Metzinger es formuliert, in dem wir alle auf allen Ebenen stecken, scheint mir das Problem. Und genau da haben Informationstechnologien eine außerordentliche Kraft, dies auch noch zu verstärken.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Diese Kraft muss auch einen enormen Einfluss auf den Journalismus selbst haben. Inwiefern glauben Sie, dass das Prinzip des Ego-Tunnels auch im Journalismus heutzutage Dinge und Prozesse aufwühlt?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Dem Journalismus kommt in diesen ganzen Prozessen eine Schlüsselverantwortung zu, die meiner Auffassung nach höher anzusiedeln ist als die von Politik und Ökonomie. Es ist der Journalismus, der die Weltbilder in den Menschen stiftet und auch das Nachdenken über Handlungsoptionen. Wir haben in Deutschland, gerade auch im internationalen Maßstab, neben allem Defizitärem einen ganz exzellenten Journalismus – auch auf einem sehr hohen, selbstreflexiven Level. Zweifellos lässt sich aber auch da noch immer eine ganze Menge verbessern. Ich würde da eher weniger an den Strukturen ansetzen, sondern vielmehr bei dem Journalist als Person. Denn Ethik heißt für mich in aller erster Linie „Haltung“: Haltung haben, Haltung bewahren und wirklich innere Werte in sich tragen, die mir heilig sind und hinter die ich nicht zurücktrete. Gleichzeitig müssen wir registrieren, dass der klassische professionelle Journalismus im Internetzeitalter und einer völligen Zugangsfreiheit, was Informationen betrifft, an Bedeutung verliert.</p>
<h3>Zeit für Entscheidungen: Der Kairos-Moment</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Eine lösungsorientierte Perspektive nimmt auch der sogenannte Kairos-Moment in Ihrem aktuellen Buch ein. Was genau beschreibt der Kairos-Moment und befinden wir uns auch in der digitalen Welt in einem Moment des Entscheidens?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Ich würde nicht sagen, dass wir uns in der digitalen Welt in einem besonderen Moment des Entscheidens befinden, denn die digitale Welt ist ein Teil der Welt. Sie ist Teil der Handlungsmaxime und der -optionen, die wir auf allen Ebenen haben. Von daher können wir das nicht trennen. Als Kairos verstehe ich Geschichtsmomente, in denen sich Wege und Richtungen entscheiden. Kairos meint: In jedem Moment gibt es eigentlich immer alles an Optionen, die Möglichkeiten sind da – es entscheidet nur die Art und Weise, wie wir darauf schauen. Und wenn ich mal versuche eine Summe zu bilden aus den globalen Herausforderungen, die wir haben, dann glaube ich, stehen wir im Herzpunkt eines solchen historischen und globalen Kairos-Moments. Die Digitalisierung und die Möglichkeit, dass wir uns in hoher Geschwindigkeit und in hoher Zahl auf diesem Planeten vernetzen, das ist für mich der entscheidende Punkt, der das Digitale betrifft und in alles miteinbezieht. Das Gefühl der Vernetzung und der Solidarität im positiven Sinne sind dabei von größter Bedeutung.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Dass wir und selbst eher als findende, lösungsorientierte Menschen wahrnehmen, spiegelt also eine Notwendigkeit wider, auch um im Digitalen den Kairos-Moment nicht zu verpassen. Bei einem <a href="http://www.evolve-magazin.de/radio/aufstand-fuer-das-leben/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview mit Radio evolve</a> bezeichnen Sie sich trotz der intensiven Auseinandersetzung mit destruktiven Energien, Krisen und Unheil dennoch als Optimist. Wie können Sie mir und den LeserInnen helfen, unseren Optimismus nicht zu verlieren oder gar wiederzufinden?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Wir haben gar keine andere Chance als optimistisch zu sein, denn sonst wird der Sog des Destruktiven auch in der Wahrnehmung einfach zu stark. Wenn ich das Leiden auf unserem Planeten immer in allen Dimensionen und Facetten an mich heranlassen würde, dann wäre das schlicht und einfach nicht auszuhalten. Optimismus meint, das zu integrieren und trotzdem weiterzugehen und ganz im Sinne der existenzialistischen Ethik, sich immer wieder neu zu entwerfen. Wir brauchen eine Vision vom Leben, die uns durch alle Katastrophen hindurchzieht und weiter aufrecht gehen lässt.</p>
<h3>Optimismus als einzige Chance, auch online</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Um seinen Optimismus auch in den digitalen Sphären nicht zu verlieren, hat das<a href="http://www.digitale-ethik.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Institut für Digitale Ethik</a> der Hochschule für Medien in Stuttgart sogenannte <a href="http://www.digitale-ethik.de/beratung/10-gebote/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10 Gebote </a>veröffentlicht. Sie sollen uns helfen, uns in der digitalen Welt zurechtzufinden durch Gebote wie „Messe deinen Wert nicht an Likes und Posts“ oder „Glaube nicht alles, was Du online siehst und informiere Dich aus verschiedenen Quellen“. Welche (digitale) Handlungsmaxime geben Sie uns mit auf den Weg?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Mir liegt besonders am Herzen, ein eigenständiger Mensch zu sein und nicht zum Anhängsel oder Opfer einer Technik zu werden. Und wenn ich merke, hier läuft etwas ungut im Bereich der digitalen Nutzung, sollte ich mich in der Lage sehen, zu reagieren und auch andere Wege zu gehen. Im eigenständigen Denken und Entwickeln ethischer Maßstäbe beginnt für mich alles. Hier erst entsteht Menschsein. Und dann versuche deine Lebenswelt so zu gestalten, dass du wirklich das Gefühl hast: Es ist gut für mich und es dient dem Leben insgesamt. Einen anderen Ratschlag kann ich nicht geben.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Eurich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Die Schule von Athen von Raffael, public domain, verändert</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Internet Governance Forum Deutschland 2016: zur Ethik der Digitalisierung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/internet-governance-forum-deutschland-2016-zur-ethik-der-digitalisierung-150211/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Sep 2016 15:01:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Encoding Values]]></category>
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					<description><![CDATA[Personalisiertes E-Shopping, selbstfahrende Autos und Fitness-Tracker: einen bequemeren Alltag können Algorithmen sicherlich ermöglichen. Der Preis dafür ist aber hoch. So [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_150213" aria-describedby="caption-attachment-150213" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/DSC07712.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-150213" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/DSC07712.jpg" alt="Panel des Internet Governance Forum Deutschland 2016 &quot;Encoding Values&quot;" width="640" height="280" /></a><figcaption id="caption-attachment-150213" class="wp-caption-text">Im Panel (v.l.n.r.): Matthias Spielkamp (iRights/Algorithm Watch), Dr. Mirja Kühlewind (Transport AD/ETH Zürich, IETF), Constanze Bürger (Bundesministerium der Innern), Prof. Dr. Iris Eisenberger (BOKU Uni Wien), Dr. Benedikt Köhler (DataLion), Moderatorin Lena-Sophie Müller (Initiative D21)</figcaption></figure>
<p><strong>Personalisiertes E-Shopping, selbstfahrende Autos und Fitness-Tracker: einen bequemeren Alltag können Algorithmen sicherlich ermöglichen. Der Preis dafür ist aber hoch. So diskutierten letzten Freitag auch die TeilnehmerInnen des Panels „Encoding Values – zur Ethik von Protokollen“ des diesjährigen Internet Governance Forum Deutschland (IGF-D) über die Ethik digitaler Gesellschaften und die technische (Un)Kontrollierbarkeit von Algorithmen.</strong></p>
<p>Kontrovers diskutierten die Panellisten auf dem IGF-D 2016 über die Objektivität von Algorithmen und die Frage, ob die Einführung eines allgemein gültigen Wertekodexes eine Lösung darstelle. Einigkeit herrschte jedoch in einem anderen Punkt: „Wie es wirklich funktioniert, wissen wir, glaub ich, alle nicht“, konstatierte Dr. Benedikt Köhler (<a href="http://datalion.com/de/home_de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DataLion</a>). Dr. Mirja Kühlewind von der Internet Engineering Taskforce (<a href="https://www.ietf.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IETF</a>) stellte fest, dass „seit Snowden“ die Frage „Wie können wir Werte schützen?“ in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist. Auch wenn die Ethik der Digitalisierung immer mehr zum Thema wird, so bleiben dennoch essentielle Fragen rund um die (Un)Kontrollierbarkeit von Algorithmen unbeantwortet.</p>
<h3>Kann ein Algorithmus überhaupt neutral sein?</h3>
<p>In der Debatte um die theoretische Möglichkeit digitaler Neutralität und Objektivität betonte Matthias Spielkamp (<a href="https://irights.info/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">iRights</a>/<a href="http://algorithmwatch.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Algorithm Watch</a>), dass (halb-)automatisierte Prozesse auch nicht unbedingt wertneutral seien. Als Beispiel führte Spielkamp die Nutzung einer Software in den USA an, die helfen sollte, zukünftige Kriminelle zu prognostizieren. <a href="https://www.propublica.org/article/machine-bias-risk-assessments-in-criminal-sentencing" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Ergebnis</a>: technisch generierte Parteilichkeit durch Algorithmen. Menschen mit schwarzer Hautfarbe wurden automatisch als höheres Risiko eingestuft. Zugleich warf Spielkamp die Frage auf, inwiefern eine alternative Handhabung durch Menschen überhaupt weniger diskriminierend verlaufen könne.</p>
<p>Mehr Informationen preiszugeben als beabsichtigt – die Erfahrung hat auch Benedikt Köhler bereits gemacht, durch Algorithmen. Im Sinne einer <a href="http://blog.metaroll.de/wp-content/uploads/2007/09/blogrolls.PNG" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kartographie</a> der deutschsprachigen Blogosphäre stellte er Blogvernetzungen – d.h. ein Blog verlinkt einen weiteren Blog – graphisch dar. Letztendlich kontaktierten ihn kartographierte Blogger, warum sie denn als nah vernetzt zu privat-bekannten BloggerInnen dargestellt wurden, ohne jemals einen Link zu ihrem Blog gesetzt zu haben. Köhler betonte, einen „neutralen Algorithmus“ genutzt zu haben. Dennoch: lediglich ähnliche NutzerInnen zweier Blogs können bereits private Vernetzungen andeuten. So verbinde ein neutraler Algorithmus auch Dinge auf eine Weise, die niemand steuern kann, geschweige denn offenbaren will. Köhler zufolge „macht das der Algorithmus selbst“. Auch den transparenten Umgang mit Algorithmen erachtet Köhler daher als „notwendig“, aber „nicht hinreichend“. Das sah Professorin Dr. Iris Eisenberger (<a href="https://www.boku.ac.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BOKU Uni Wien</a>) anders, da sie bereits zuvor den entscheidenden Schritt in Richtung Neutralität ausmache. Für sie sei ein Algorithmus bereits wertend, sobald sich ein Unternehmen für einen speziellen Algorithmus entscheide.</p>
<h3>Die Lösung für „interdisziplinären Analphabetismus“: Transdisziplinarität</h3>
<p>Moderatorin Lena-Sophie Müller (<a href="http://www.initiatived21.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Initiative D21</a>) fragte in die Runde, wie die Ethik nun zu den richtigen AkteurInnen kommt sowie von ihnen gestaltet und verinnerlicht werden könne. Constanze Bürger (<a href="http://www.bmi.bund.de/DE/Home/startseite_node.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesministerium des Innern</a>) stellte dazu fest, dass es einen allgemein gültigen Wertekodex bislang noch nicht gebe und sprach sich für einen internationalen Wertekatalog der digitalen Welt aus. Während die Regierungen derzeit keinen ethischen Gestaltungsrahmen setzen, sind nicht-staatliche Akteure schon einen Schritt weiter: Matthias Spielkamp berichtete, dass bei Algorithm Watch bereits ein <a href="http://algorithmwatch.org/das-adm-manifest-the-adm-manifesto/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kriterienkatalog</a> erstellt wurde. Nichtsdestotrotz bleibe in der ethischen Diskussion die Frage eine ganz andere, so Spielkamp: „Man sollte sich als Gesellschaft fragen, welche Innovationen überhaupt eingeführt werden sollten, wenn sie nicht kontrollierbar scheinen. Manche Dinge sollte man nicht zulassen.“</p>
<p>Mit diesem Statement saß Spielkamp nicht alleine im Panel. Auch Prof. Dr. Iris Eisenberger plädierte für „Regeln von Menschen für Maschinen“ und diagnostiziert in der heutigen Zeit einen „interdisziplinären Analphabetismus“. Viele Menschen wüssten gar nicht, dass sie Werte implementieren. Zu Beginn gelte es, eine riesige Kommunikationslücke zwischen verschiedenen Disziplinen zu schließen, so Eisenberger. Dem schloss sich Spielkamp an, indem er sich abschließend für eine transdisziplinäre Betrachtung aussprach, die es bald geben werde und müsse – „aber nicht nächste Woche.“</p>
<p>Titelbild: Panel des IGF-D 2016 &#8220;Encoding Values&#8221; von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Digitale Technologien sind da, analoge Rahmenbedingungen fehlen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/digitale-technologien-sind-da-analoge-rahmenbedingungen-fehlen-149926/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Aug 2016 13:40:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[technische Kompetenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Sauberes Trinkwasser ist auf manchen Teilen der Welt schwieriger zu erreichen als ein Mobiltelefon. Die Weltbank macht in ihrem diesjährigen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/binary-1254502_1280.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-149928" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/binary-1254502_1280.png" alt="Welkarte, Binärcode" width="640" height="370" /></a></p>
<p>Sauberes Trinkwasser ist auf manchen Teilen der Welt schwieriger zu erreichen als ein Mobiltelefon. Die Weltbank macht in ihrem diesjährigen Weltentwicklungsbericht „<a href="http://www.worldbank.org/en/publication/wdr2016" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digital Dividends</a>“ auf ein global-strukturelles Problem aufmerksam: Eine analoge Basis zur erfolgreichen Integration und Nutzung der Digitalisierung fehlt in vielen Bereichen. Digitale Technologien weiter auf der Welt zu verbreiten – das ist nicht die globale Herausforderung, mit der wir uns primär beschäftigen sollten.</p>
<p>Aktuell, aber nicht neu: Die notwendige Schaffung von Strukturen in einer Gesellschaft zur erfolgreichen „Modernisierung“ bildet keine revolutionäre Erkenntnis. Bereits 1962 beschrieb Modernisierungstheoretiker Shmuel N. Eisenstadt, dass Länder nicht in einen Modernisierungsprozess gestoßen werden dürften, solange die passenden Rahmenbedingungen in der Gesellschaft noch nicht etabliert seien. Auch wenn Eisenstadt vor über 50 Jahren noch nicht das Phänomen der Digitalisierung vor Augen hatte, strahlt die These Eisenstadts im Weltentwicklungsbericht 2016 in einem neuen – digitalen – Licht. Die aktuellen Daten des diesjährigen Berichts zeigen, laut Weltbank, durchaus beunruhigende Trends. Diese seien nicht auf fehlende Technologien, sondern vielmehr auf den global ungleich verteilten Zugang sowie die (Aus-)Nutzung der Digitalisierung zurückzuführen.</p>
<h3>Weltbank Report: zwischen analoger und digitaler Welt</h3>
<p>Nach wie vor sieht die Weltbank den Brückenschlag zwischen den Personen und Gesellschaften mit, und all jenen ohne, Zugang zu digitalen Technologien (<em>Digital Divide</em>) als wichtiges Ziel auf der Entwicklungsagenda. Allerdings sei die bisherige Herangehensweise in Form unermüdlicher technologischer Verbesserungsmaßnahmen nicht zielführend gewesen. Zuerst solle das Zusammenspiel von Regulierung, Kenntnissen und Institutionen in Einklang gebracht werden. Diese Aspekte fasst die Weltbank unter dem Stichpunkt der analogen Basis einer Gesellschaft zusammen. Je nach digitalem Transformationsstand stehen die Länder vor unterschiedlichen Herausforderungen. Konkret bedeutet das: neue Reformen zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, rechenschaftspflichtige Institutionen und technische Kompetenzen. Nur wenn all dies gegeben sei, trage der Einsatz von Technologien zur Entwicklungswirkung einer Gesellschaft bei. In unserem komplexen Weltsystem bündeln digitale Technologien Chancen und Risiken – für Gruppen und Individuen. Ungleiche Lebensbedingungen weltweit bewirken unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zu Technik. Aber auch der Zugang zur digitalen Welt ist kein Garant: Wie sieht es dazu auf individueller Ebene im analogen Bereich aus? Allein das Level der Nutzerkompetenzen variiert stark: Während manche wegen fehlender Alphabetisierung nicht an der Digitalisierung teilhaben können, sind andere mit der Bedienung verschiedener Plattformen überfordert.</p>
<h3>Chancen und Risiken der Digitalisierung</h3>
<p>Die Weltbank kommt in ihrer Studie zum Ergebnis: Chancen des digitalen Fortschritts bestünden vor allem in den potenziellen Förderungsmöglichkeiten von Inklusion, Effizienz und Innovation. Weltweit haben immer mehr Menschen Zugang zum Internet – nichtsdestotrotz bleiben global betrachtet noch immer knapp 60% der Menschheit offline. Auch führe eine verbreiterte Informationsbasis zu geringeren Transaktionskosten für Unternehmen und Regierungen sowie zu einer erweiterten Innovationspalette im Sinne des E-Commerce.</p>
<p>Wie so oft ziehen innovative Chancen im Digitalen auch neue Risiken und Rückschläge nach sich. So gesteht auch die Weltbank ein, dass die wachsenden globalen Zweige und digitalen Verästelungen innerhalb und zwischen Unternehmen keine Früchte trugen: eine erhöhte Produktivität blieb aus. Durch die starke finanzielle Akzentuierung im Weltentwicklungsbericht, wird die enorme Bevorteilung der Eliten durch digitale Technologien vornehmlich im politisch-ökonomischen Rahmen thematisiert. Äußerst plakativ zeigt dies vor allem ein Beispiel im Rahmen des E-Governance: technisch faire und freie Wahlen werden von Jahr zu Jahr seltener – und das, obwohl sich immer mehr Länder als Demokratien deklarieren.</p>
<h3>Digitale Kluft = soziale Kluft?</h3>
<p>Nur wenige Menschen weltweit profitieren von digitalen Technologien. Soziale Ungleichheiten verschärfen sich global – und zwar, innerhalb von Gesellschaften sowie zwischen ihnen. Theoretische Chancen der Digitalisierung greifen für die Mehrheit der Weltbevölkerung also nicht. Die Frage, inwiefern eine möglichst schnelle und effektive Digitalisierung wirklich in jedem gesellschaftlichen Kontext erstrebenswert ist, bleibt im Weltentwicklungsbericht 2016 unberücksichtigt. Auch bleibt die Frage, inwiefern technischer Fortschritt für jedes Land nachzuholen und wünschenswert ist, im Rahmen einer ethischen Debatte zur Digitalisierung offen. Obgleich die wirtschaftlichen Analysen des Berichts die globalhistorisch gewachsenen Machtbeziehungen in den Schatten stellen, liegt der Fokus zeitweilig auf dem Wechselspiel zwischen digitaler und sozialer Ungleichheit.</p>
<p>Auch der mögliche sozio-politische Mehrwert der Digitalisierung – wie man ihn in Form sozialer Bewegungen schon beobachten durfte – ist nicht zu unterschätzen. Umso deutlicher bilden eine gesellschaftlich verankerte analoge Basis, digitale Zugangsmöglichkeiten und Nutzerkompetenzen &#8211; global betrachtet &#8211; ein sehr hohes Privileg. Der tägliche Zugang zu Strom, Internet und einem Mobiltelefon erleichtert Kommunikation und Arbeitsprozesse enorm. Im Großen und Ganzen macht die Debatte um den Weltentwicklungsbericht herum aber implizit auf weitaus existentiellere Ungleichheiten aufmerksam: Ja, auch die 20% der Weltbevölkerung mit dem geringsten Einkommen besitzen nun zu 70% ein Mobiltelefon – aber: Nein, das bedeutet bei Weitem nicht, dass sich der Trinkwasserstrom in gleicher Reichweite verbreitet hätte.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/en/binary-random-numbers-digital-ones-1254502/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Globale Digitalisierung</a> von <a href="https://pixabay.com/en/users/GDJ-1086657/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GDJ</a> via <a href="https://pixabay.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 1.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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