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	<title>EU-Erweiterung &#8211; politik-digital</title>
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	<title>EU-Erweiterung &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#034;Rot-Grün ist klare erste Präferenz&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/rot-gruen-ist-klare-erste-praeferenz-4792/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nina Schröter]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 17:13:11 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Cem Özdemir]]></category>
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					<description><![CDATA[Cem Özdemir war am Montag, den 08. März 2010 zu Gast im
tagesschau-Videochat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Die User diskutierten mit dem Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen unter anderem über mögliche Koalitionen nach der NRW-Wahl, die Einführung von Mindestlöhnen, den Atomausstieg und den EU-Beitritt der Türkei.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Cem Özdemir war am Montag, den 08. März 2010 zu Gast im<br />
tagesschau-Videochat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Die User diskutierten mit dem Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen unter anderem über mögliche Koalitionen nach der NRW-Wahl, die Einführung von Mindestlöhnen, den Atomausstieg und den EU-Beitritt der Türkei.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<center><a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll548.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/videochat___zdemir.jpg" height="242" width="400" /></a></center><br />
Wenn Sie den Videochat noch einmal sehen wollen, klicken Sie einfach auf das Bild. </p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wir brauchen nicht nur Kommunikation, sondern auch politische Diskussion</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir_brauchen_nicht_nur_kommunikation_sondern_auch_politische_diskussion-166/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Oct 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Josep Borrell]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Europäisches Parlament]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 19.10.2005 war Josep 
Borrell, Präsident des Europäischen Parlaments, von 10.15 
bis 11.00 Uhr zu Gast im arte Live-Chat. Er beantwortete unter anderem 
Fragen zur Erweiterung und zur Verfassung Europas.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 19.10.2005 war Josep<br />
Borrell, Präsident des Europäischen Parlaments, von 10.15<br />
bis 11.00 Uhr zu Gast im arte Live-Chat. Er beantwortete unter anderem<br />
Fragen zur Erweiterung und zur Verfassung Europas.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Chatgäste, wir begrüßen<br />
heute im ARTE-Chat den Präsidenten des Europäischen Parlaments,<br />
Herrn Josep Borrell. Herr Borrell steht Ihnen in den nächsten<br />
45 Minuten für Fragen zur Verfügung. Wir wünschen<br />
Ihnen viel Spaß.
</p>
<p>
<b>sebasaintes</b> (übersetzt aus dem Französischen):<br />
Wie steht es mit der Verfassung seit Mai?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> In Bezug auf die europäische<br />
Verfassung hat es seit Mai keine Fortschritte gegeben. Der Europäische<br />
Rat hat eine Denkpause beschlossen, die bis nächsten Juni dauern<br />
soll. Wir befinden uns in der Tat in einer Sackgasse.
</p>
<p>
<b>Luc Delany:</b> Ohne politisches Projekt, ohne Verfassung,<br />
besteht nicht das Risiko, dass Europa seinem Ende zugeht?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> Dieses Risiko besteht. Im Moment<br />
wollen die Europäer ein international handlungsfähiges,<br />
d.h. politisches Europa. Aber es gibt noch zu viele Unterschiede<br />
zwischen den Staaten, um dies zu ermöglichen. Die Bürger<br />
müssen sich für Europa stark machen, andernfalls könnte<br />
Europa im Zuge der Erweiterungen immer mehr zerfallen.
</p>
<p>
<b>Heide_Muskau: </b>Halten Sie es für sinnvoll,<br />
Bulgarien und Rumänien bereits 2007 voll in die EU zu integrieren?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> Die Europäische Kommission<br />
muss entscheiden, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind. Im<br />
Anschluss daran muss sich das Europäische Parlament äußern.<br />
Dieser Prozess wird bis zum Ende vollkommen demokratisch sein. Der<br />
Beitrittsvertrag sieht maximal ein Jahr Verzögerung vor. Aber<br />
nach allem, was bisher entschieden wurde, gibt es keinen Grund,<br />
den Prozess jetzt zu unterbrechen.
</p>
<p>
<b>Elodie Mohen</b> (übersetzt aus dem Französischen):<br />
Meinen Sie nicht, dass der Mangel an Absprache mit den Europäischen<br />
Bürgern über den Beitritt der beitrittswilligen Staaten,<br />
obwohl sie am ersten davon betroffen sind, ein negatives Signal<br />
hervorrufen wird und zu einem Desinteresse die Bürger an der<br />
EU führen wird?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> Wenn mit den zukünftigen Beitritten<br />
die Rumäniens und Bulgariens gemeint sind &#8211; und dabei handelt<br />
es sich in der Tat um Beitritte &#8211; müssen diese durch die nationalen<br />
Parlamente in den Mitgliedsstaaten ratifiziert werden. Soweit ich<br />
weiß, ist in keinem Land ein solches Referendum vorgesehen.<br />
Falls damit die Türkei oder Kroatien gemeint sein sollten,<br />
handelt es sich dabei momentan nicht um konkrete Beitritte, sondern<br />
um Beitrittsverhandlungen. Zu gegebenem Zeitpunkt und bei erfolgreichem<br />
Abschluss der Beitritts- verhandlungen wird Frankreich ein Referendum<br />
darüber abhalten. Wäre es besser gewesen, dieses bereits<br />
vor den Verhandlungen zu tun? Viele sind dieser Meinung. Ich möchte<br />
Sie daran erinnern, dass die Verleihung des Kandidatenstatus an<br />
die Türkei durch den Europäischen Rat im Jahr 1998 beschlossen<br />
wurde! Meiner Meinung nach hätte man an dieser Stelle in jedem<br />
europäischen Land eine Konsultation starten müssen bevor<br />
man eine endgültige Entscheidung gefällt hat.
</p>
<p>
<b>Pat</b> (übersetzt aus dem Französischen):<br />
Welche Zukunft besteht für Frankreich innerhalb Europas nach<br />
dem NEIN der Volksabstimmung?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> Frankreich hat mit Sicherheit an<br />
Einfluss verloren. Dies zeigt sich jeden Tag aufs Neue. Schauen<br />
Sie sich z.B. die Debatte über die Wirtschaftspolitik an oder<br />
bezüglich der Agrarausgaben. Aber die wirkliche Frage ist:<br />
Welche Zukunft gibt es für Europa nach dem Nein Frankreichs<br />
und Hollands?
</p>
<p>
<b>margit</b> (übersetzt aus dem Französischen):<br />
Wie wollen Sie verhindern, dass die nationalen Regierungen, wie<br />
in Frankreich zum Beispiel, die EU permanent für eigenes Versagen<br />
verantwortlich machen und so dem Ruf der EU in Frankreich extrem<br />
schaden, was ja auch zum Scheitern des Referendum deutlich beigetragen<br />
hat?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> Leider kann ich sie nicht daran<br />
hindern. Aber es stimmt, dass man nicht immer Europa für alles<br />
verantwortlich machen kann, und dann andererseits die Unterstützung<br />
der Bürger fordert.
</p>
<p>
<b>poldi:</b> Sind Sie auch der Meinung, dass Europa<br />
den Bürgern nicht nahe genug gebracht wurde? Wie könnte<br />
man die EU besser vermitteln?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> Ja, zweifellos. Während der<br />
Debatte über das französische und holländische Referendum<br />
war es erstaunlich zu sehen, wie schlecht die Leute informiert waren.<br />
Europa ist durch die Regierungen durch zwischenstaatliche Verträge<br />
geschaffen worden mit der passiven Zustimmung der Bürger. Man<br />
hat sich an die Idee von Europa gewöhnt, ohne die Details seiner<br />
Funktionsweise zu hinter- fragen. Aber nun ist eine stärkere<br />
politische Dimension hinzugekommen. Es gibt keinen Konsens mehr.<br />
Wir brauchen nicht nur mehr Kommunikation, sondern es müssen<br />
auch mehr politische Diskussionen in Gang gebracht werden. Vielleicht<br />
stellt das europäische Verfassungsprojekt den Beginn einer<br />
Europäisierung auf nationaler Ebene dar. Bis jetzt wurde die<br />
europäische Debatte eher nationalisiert.
</p>
<p>
<b>margit</b> (übersetzt aus dem Französischen):<br />
Fehlen der EU nicht populäre Politiker, die mit ihrer Person<br />
und ihrem Engagement die europäische Idee verkörpern,<br />
mit denen sich EU-Bürger identifizieren könnten?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> Ja, in der Tat. Heute braucht die<br />
Politik Gesichter. Sie wird sehr personalisiert, vielleicht zu sehr.<br />
Aber so ist das nun einmal. Es wäre gut, wenn Europa ein Gesicht<br />
bekäme. Dies würde vieles erleichtern.
</p>
<p>
<b>Calvin Visor</b> (übersetzt aus dem Französischen):<br />
Trotz des &quot;Relookings&quot; Ihrer Website, bleibt die Interaktivität<br />
mit den EU Bürger außen vor. Die Sprache ist zu kompliziert<br />
und die behandelten Probleme sind nicht sehr interessant. Wie möchte<br />
das EP mit dem normalen Bürger kommunizieren? Erscheint Ihnen<br />
das Kommunikationsniveau Ihrer Website angepasst, um mit dem normalen<br />
Bürger zu kommunizieren?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> Wir haben Fortschritte gemacht<br />
und der jetzige Auftritt ist sehr viel besser geworden. Aber wir<br />
wissen, dass dies noch nicht genug ist. Wir arbeiten insbesondere<br />
an der Interaktivität, die in einem nächsten Schritt weiterentwickelt<br />
wird. Auch wenn wir uns dabei einer besonderen Hürde gegenüber<br />
sehen: Der Vielsprachigkeit in Europa. Wir arbeiten in bald 22 Sprachen.<br />
Was meinen Sie mit &quot;wenig interessanten Problemen&quot;? Interessant<br />
oder wichtig? Die Zukunft der europäischen chemischen Industrie<br />
im Hinblick auf die Umwelt, die berühmte Liberalisierung der<br />
Dienstleistungen, die Diskussion über die Arbeitszeit, die<br />
Luftsicherheit sind keine sehr unterhaltsamen, dafür aber wichtige<br />
Themen. Wir können vielleicht noch zusätzliche Anstrengungen<br />
unternehmen, um Europa dem Bürger zu erklären, aber das<br />
europäische Projekt ist natürlich sehr komplex.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Konzentrieren wir uns zum Schluss auf<br />
Ihre Person.
</p>
<p>
<b>Yusso05: </b>Was war in Ihrer bisherigen Amtszeit<br />
die positivste Überraschung für Sie?
</p>
<p>
<b>Josep Borrell:</b> Dass das Europäische Parlament<br />
in der Lage war, seine Funktion gemäß den Verträgen<br />
wahrzunehmen besonders hinsichtlich der Einsetzung der neuen Kommission.<br />
Im demokratischen Leben haben wir nein sagen können, ohne eine<br />
Krise heraufzubeschwören. Das Parlament hat hierbei an Reife<br />
und Glaubwürdigkeit gewonnen. Dies war eine Überraschung<br />
für all jene, die das Parlament für eine &quot;Ja-Sager-Institution&quot;<br />
halten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Lieber Herr Borrell, liebe Chatgäste.<br />
Wir danken Ihnen für den sehr informativen Chat und die reichlich<br />
eingegangen Fragen. Leider konnten wir in der Kürze der Zeit<br />
nicht alle Fragen beantworten. Wir hoffen, dass es Ihnen Spaß<br />
gemacht hat. Für weitere Informationen zum Thema Europa, besuchen<br />
Sie unser Dossier auf <a href="http://www.arte-tv.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.arte-tv.com</a>.<br />
Vielen Dank und auf Wiedersehen!
</p>
<p><b>Josep Borrell:</b> Vielen Dank für Ihre Fragen.<br />
Es war mir ein Vergnügen, mit den Chat-Teilnehmern von ARTE<br />
zu sprechen. Das müsste man öfter machen. Ich bedanke<br />
mich auch bei den Übersetzerinnen, die diesen Chat letztendlich<br />
mitgetragen haben.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Türkei-Beitritt zur EU und Volksabstimmungen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tuerkei-beitritt-zur-eu-und-volksabstimmungen-203/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Jun 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Hartmut Nassauer]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Hartmut Nassauer<!-- #EndEditable --> 
im europathemen.de-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->08.06.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Hartmut Nassauer<!-- #EndEditable --><br />
im europathemen.de-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->08.06.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> <!-- #EndEditable --> </p>
<p>
<br />
<b>Moderator:</b> Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich willkommen<br />
im Chat von Europathemen, dem Projekt der Bundeszentrale für politische<br />
Bildung zur Europawahl. Durch die Kooperation mit dem Fernsehsender<br />
arte wird dieser Chat zudem in französischer Sprache angeboten.<br />
Unser heutiger Gast in der Redaktion von www.europathemen.de in Gießen<br />
ist der Spitzenkandidat der CDU-<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/photos/hnassauer2.jpg" alt="Hartmut Nassauer, Hessens Europa-Spitzenkandidat" title="Hartmut Nassauer, Hessens Europa-Spitzenkandidat" align="left" height="166" width="180" /></b>Hessen<br />
fürs Europäische Parlament, Hartmut Nassauer. Herr Nassauer<br />
ist seit 1994 Mitglied im Europäischen Parlament und bekleidete<br />
vorher verschiedene politische Ämter in Hessen. Einer seiner Themenschwerpunkte<br />
ist der Beitritt der Türkei zur EU – um dieses Thema soll<br />
es heute gehen. Wir freuen uns, dass Sie sich die Zeit nehmen, Herr<br />
Nassauer! </p>
<p>Eine erste Frage von mir vorweg, Herr Nassauer. Sie sprechen sich derzeit<br />
gegen einen Beitritt der Türkei in die EU aus. Sie schreiben: &quot;Die<br />
Aufnahme der Türkei in die EU würde deren Integrationsfähigkeit<br />
bei weitem überfordern.&quot; Gleichzeitig werden Sie zitiert mit<br />
den Worten: &quot;Wir benötigen dringend eine privilegierte Partnerschaft<br />
mit der Türkei an der Seite der Europäischen Union.&quot;<br />
Warum sind Sie gegen einen Beitritt? Und was wären die Eckpunkte<br />
einer &quot;privilegierten Partnerschaft&quot;?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Die EU hat zum 1. Mai zehn neue Mitglieder<br />
in einem Schritt aufgenommen. Sie wird viele Jahre benötigen, um<br />
diese neuen Mitglieder zu integrieren. Ihre Erweiterungsfähigkeit<br />
ist auf absehbare Zeit ausgeschöpft, die Aufnahme eines so großen<br />
Landes wie der Türkei würde die Erweiterungsfähigkeit<br />
der Union bei weitem überfordern. Deswegen plädiere ich für<br />
eine privilegierte Partnerschaft der Türkei an der Seite der EU,<br />
mit der alle gegenseitig interessierenden Fragen bilateral zwischen<br />
EU und Türkei gelöst werden können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nochmals die Nachfrage: Was ist eine privilegierte<br />
Partnerschaft?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Auf allen wichtigen Politikfeldern –<br />
Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Terrorismusbekämpfung,<br />
Wirtschaftsbeziehungen – und allen Verhandlungskapiteln der Beitrittsverhandlungen<br />
stimmen EU und Türkei gemeinsame Positionen ab und entwickeln darüber<br />
hinaus gemeinsame Institutionen zur Handhabung dieser Partnerschaft,<br />
wie gemeinsame parlamentarische Ausschüsse und Regierungsausschüsse.<br />
Das ist das Gerüst.
</p>
<p>
<b>Gabriel:</b> Mein Traum ist ohne Einschränkung durch ganz Europa<br />
zu reisen und überall mit einer Währung bezahlen zu können.<br />
Warum versuchen Sie dies mit Äußerungen gegen die Türkei<br />
und neue Mitgliedstaaten zu verhindern? Haben diese kein Recht beizutreten?<br />
Mit ihren Äußerungen nehmen Sie diesen Staaten doch alle<br />
Ambitionen und Hoffnungen!
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Die EU muss Grenzen haben. Sonst kann sie<br />
nicht funktionieren. Unser Ziel ist eine politische Union, die auf wichtigen<br />
Politikfeldern gemeinschaftliche Positionen unter Hintanstellung bisheriger<br />
nationaler Positionen entwickelt und nach Außen vertritt. Deswegen<br />
kann die EU nicht beliebig groß werden, der EU-Vertrag begrenzt<br />
sie ausdrücklich auf europäische Staaten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch kurz zu der Frage mit den &quot;Hoffnungen&quot;?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Ich teile die Hoffnung, dass die Europäische<br />
Union nicht nur ihre originären Ziele wie Friedenssicherung erfüllt,<br />
sondern auch den Binnenmarkt mit den vier Freiheiten Freizügigkeit<br />
für Menschen, Waren, Dienstleistungen, Kapital, verwirklicht.
</p>
<p>
<b>Übersetzerin: Antoine:</b> Versetzen Sie sich in die Lage eines<br />
Deutschen türkischer Abstammung, eines &quot;Türken der zweiten<br />
Generation&quot;: Würden Sie am nächsten Sonntag in der Situation<br />
nicht eine Protestwahl gegen die Parteien machen, die sich gegen den<br />
EU-Beitritt der Türkei stellen?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Ich kenne viele Deutsche türkischer Abstammung<br />
und viele türkische Mitbürger die große Vorbehalte gegen<br />
einen Beitritt der Türkei zur EU haben. Im übrigen geht es<br />
bei dieser Wahl nicht nur um die Türkei-Frage, sondern um eine<br />
Fülle anderer politischer Fragen, die auch türkisch-stämmige<br />
Deutsche aus Sicht ihrer politischen Haltung entscheiden werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine weitere Frage der gleichen Nutzerin:
</p>
<p>
<b>Übersetzerin: Antoine:</b> Kann man die Beitrittskandidatur<br />
der Türkei aus wirtschaftlichen Erwägungen abweisen und gleichzeitig<br />
den Beitritt von zehn anderen Ländern akzeptieren, die historisch<br />
Europa weniger nah stehen?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Zunächst glaube ich nicht, dass die zehn<br />
neuen Mitgliedsländer Europa etwa weniger nah stehen als die Türkei.<br />
Zum anderen will ich die Gelegenheit einmal nutzen, nachdrücklich<br />
zu betonen, dass ich ein Freund der Türkei bin, sie für ein<br />
überaus wichtiges Land für Deutschland und die EU halte, in<br />
der Türkei einen immer verlässlichen Freund der Deutschen<br />
sehe und schon deswegen an einem guten Verhältnis zur Türkei<br />
sehr interessiert bin. Ich möchte die Beziehungen lediglich anders<br />
regeln als durch eine Mitgliedschaft in der EU.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage des Nutzers &quot;Europa-Freund&quot;:
</p>
<p>
<b>Europa-Freund:</b> &quot;auf absehbare zeit ausgeschöpft&quot;<br />
– das heißt Sie sind auch gegen den Beitritt Rumäniens<br />
und Bulgariens 2007?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Wir haben Rumänien und Bulgarien den<br />
Beitritt angeboten, sobald sie die Bedingungen erfüllen. Beides<br />
muss gelten – sowohl das Angebot, wie die Forderung, dass die Beitrittsbedingungen<br />
erfüllt werden. Deswegen mache ich den Beitritt nicht am Jahr 2007,<br />
sondern an der Erfüllung der Kriterien fest.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und? Glauben Sie, dass die Kriterien erfüllt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Die bisherigen Fortschrittsberichte der Kommission<br />
belegen nicht zwingend, dass insbesondere Rumänien in den nächsten<br />
zwei Jahren auf allen Feldern, die in 31 Kapiteln verhandelt werden,<br />
den notwendigen Fortschritt erreicht. Das ist nicht ausgeschlossen,<br />
aber es bleibt abzuwarten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zurück zur Türkei-Frage:
</p>
<p>
<b>Theo:</b> Sie geben ja vor, das nächste EP werde über<br />
den Beitritt der Türkei entscheiden, obwohl viele Parlamentarier<br />
sagen, dass dieser Prozess sich noch über die nächsten zehn<br />
bis fünfzehn Jahre erstrecken wird. Machen Sie den Wählern<br />
nicht etwas vor, indem Sie mit falschen Vorgaben Ihren Wahlkampf führen?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Das am 13. Juni zu wählende Parlament<br />
hat im Oktober Stellung zu nehmen zu dem Vorschlag der Kommission, Beitrittsverhandlungen<br />
mit der Türkei aufzunehmen. Anders als die Entscheidung des Parlaments<br />
über einen Beitritt selbst ist diese Stellungnahme nicht verbindlich,<br />
wohl aber von politischem Gewicht. Deswegen ist es notwendig, in diesem<br />
Wahlkampf über den Türkei-Beitritt zu reden. Man sollte auch<br />
darauf hinweisen, dass die EU noch mit keinem Land Beitrittsverhandlungen<br />
aufgenommen hat, die nicht irgendwann mit dem Beitritt beendet worden<br />
sind. Schon deswegen wäre die Aufnahme von Verhandlungen ein gewichtiges<br />
Signal.
</p>
<p>
<b>Davala:</b> Was halten Sie für das stärkste Argument der<br />
Befürworter eines Türkei-Beitritts? Welches ist das schwächste?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Wie bei jeder wichtigen Frage gibt es Pro<br />
und Kontra. Für mich ist herausragend wichtig, die Partnerschaft<br />
mit der Türkei, die Einbindung der Türkei in die westliche<br />
Sicherheitsallianz, die gemeinsame Bekämpfung des internationalen<br />
Terrorismus, die Unterstützung der Türkei in ihrer Brückenfunktion<br />
nach Asien und in die islamische Welt. Am wenigsten entscheidend ist<br />
die Frage der wirtschaftlichen Beziehungen.
</p>
<p>
<b>altemur:</b> Welche nicht erfüllten Bedingungen sind es, die<br />
Ihrer Meinung nach gegen eine Mitgliedschaft der Türkei sprechen?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Bedingung für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen<br />
sind die so genannten Kopenhagener Kriterien. Sie erfordern eine gefestigte<br />
stabile Demokratie ohne maßgeblichen Einfluss des Militärs,<br />
einen funktionierenden Rechtsstaat, zum Beispiel ohne Folterpraktiken<br />
in den Gefängnissen, die Garantie der Menschenrechte, den Schutz<br />
von Minderheiten in ihrer kulturellen Eigenart und eine dem Wettbewerbsdruck<br />
standhaltende marktwirtschaftliche Ordnung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie hatten vorhin gesagt, dass Sie die Beziehungen<br />
zur Türkei anders regeln wollten als durch einen EU-Beitritt. Hierzu<br />
eine Nachfrage:
</p>
<p>
<b>Europa-Freund:</b> Zu dem &quot;anders regeln&quot; &#8211; warum denn<br />
*jetzt* der Sinneswandel? In der Vergangenheit haben sich alle CDU-Bundesregierungen<br />
nicht so deutlich positioniert.
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Zur Vergangenheit: Die EWG hat 1963 mit der<br />
Türkei ein Assoziationsabkommen geschlossen und als Perspektive<br />
den Beitritt zur damaligen Wirtschaftsgemeinschaft eröffnet. Inzwischen<br />
ist die EWG zur politischen Union geworden oder auf dem Wege dort hin,<br />
womit sich die Bedingungen der gegenseitigen Annäherung verändert<br />
haben. Es ist richtig, und übrigens auch bedauerlich, dass die<br />
Türkei in der Vergangenheit den Eindruck haben konnte, insbesondere<br />
unter Hinweis auf die Kopenhagener Kriterien, hingehalten zu werden.<br />
Viele dachten eigentlich &quot;nein&quot;, haben aber gesagt, &quot;ja,<br />
wenn die Kopenhagener Kriterien erfüllt sind&quot; und dabei verschwiegen,<br />
dass sie die Erfüllung dieser Kriterien in absehbarer Zeit gar<br />
nicht für möglich hielten. Immerhin hat Bundeskanzler Helmut<br />
Kohl auf dem Europäischen Gipfel in Luxemburg 1997 zu einem EU-Beitritt<br />
der Türkei so entschieden und eindeutig &quot;nein&quot; gesagt,<br />
dass seit diesem Zeitpunkt das Verhältnis zwischen vielen maßgebenden<br />
türkischen Politikern und den Unionsparteien in Deutschland ziemlich<br />
unfreundlich geworden ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich möchte mal eine Frage zwischenschieben,<br />
die offenbar en masse gleich lautend gestellt wird, vermutlich handelt<br />
es sich um eine Schülergruppe irgendwo in einem Schul-Computerraum<br />
😉
</p>
<p>
<b>asddsa:</b> Warum beschäftigen sich die Politiker im Wahlkampf<br />
für das Europäische Parlament mit regionalen Themen?
</p>
<p>
<b>ScHüLeR01:</b> Warum beschäftigen sich das europäische<br />
Parlament mit nur regionalen Themen?
</p>
<p>
<b>tai1b:</b> Warum beschäftigen sich die Parteien im Europa-Wahlkampf<br />
mit Bundesthemen anstatt mit Themen die wichtig für die EU sind?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Wir beschäftigen uns mit allen Themen,<br />
die für die Entscheidung am kommenden Sonntag von Belang sind.<br />
Wir als Europapolitiker gehen dabei in erster Linie auf europäische<br />
Themen ein, dazu gehört zum Beispiel, wie die Stellung der Bundesrepublik<br />
Deutschland sich unter der rot-grünen Bundesregierung in den vergangenen<br />
Jahren in Europa verschlechtert hat, zum Beispiel was Wirtschaftswachstum<br />
und Haushaltsstabilität anlangt. Viele Wähler werden –<br />
völlig zu Recht – die Gelegenheit der Wahl am Sonntag nutzen,<br />
um der rot-grünen Bundesregierung ein &quot;Zwischenzeugnis&quot;<br />
auszustellen, und es wird – wiederum völlig zu Recht –<br />
nicht brillant ausfallen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nochmals eine Person aus der mutmaßlichen Schülergruppe:
</p>
<p>
<b>hbs tai1b:</b> Wir haben uns die Wahlplakate der Parteien angesehen<br />
und finden, dass sie sich wenig mit dem Europa-Parlament und der Bedeutung<br />
der Wahl beschäftigen, sondern dass eher bundespolitische Themen<br />
dominieren. Das gilt besonders auch für die CDU. Wie kommt das<br />
?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Plakate können eigentlich nur transportieren,<br />
dass überhaupt eine Wahl stattfindet. Die sachliche Auseinandersetzung<br />
muss hinter den Plakatparolen stattfinden. Wenn die CDU sagt: Europa<br />
kann man nicht mit links machen, dann ist damit nicht nur die politische<br />
Richtung gemeint, sondern auch unser Vorwurf, dass die Bundesregierung<br />
das Gewicht Deutschlands in Europa weder in angemessener Weise eingebracht<br />
noch erfolgreich genutzt hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> &quot;Plakate können eigentlich nur transportieren,<br />
dass überhaupt eine Wahl stattfindet.&quot; Dann sollte der nächste<br />
Wahlkampf also alleine von der Bundeszentrale für politische Bildung<br />
durchgeführt werden, Herr Nassauer?
</p>
<p>
<b>CDUFAN2:</b> Aber müssen Sie nicht auch informieren?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Es ist nicht zu übersehen, dass europäische<br />
Wahlkämpfe in einem anderen Klima stattfinden als nationale Auseinandersetzungen.<br />
Europäische Wahlen sind zu unserem Bedauern weit weniger personalisiert.<br />
Als Abgeordneter hat man zum Beispiel keinen festen Wahlkreis, in dem<br />
man sich zunächst um eine Kandidatur bewirbt und dann um das Mandat.<br />
Vor allem gibt es keinen &quot;Kanzlerkandidaten&quot; bei der Wahl<br />
zum Europäischen Parlament. Stellen Sie sich vor, es ist Bundestagswahl<br />
und es gibt keinen Kanzlerkandidaten. Dann wäre auch das Interesse<br />
an der Bundestagswahl maßgeblich gemindert. Im übrigen sind<br />
die Europa-Wahlkämpfe mindestens in den Veranstaltungen weitaus<br />
informativer, weil mehr Information vermittelt wird als politischer<br />
Schlagabtausch, veranstaltet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Nutzer bleiben kritisch und bitten um Präzisierung:
</p>
<p>
<b>josua:</b> Das ist keine Antwort auf die gestellte Frage, warum<br />
die bundespolitischen Themen bei ihnen so eine wichtige Rolle spielen.
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Die bundespolitischen Themen spielen bei den<br />
Wählern eine unübersehbare Rolle, völlig zu Recht, wie<br />
übrigens auch bei Landtags- und Kommunalwahlen. Das ist keine Besonderheit<br />
der Europawahl. Jede Wahl transportiert aktuelle politische Befindlichkeit<br />
und die ist auch jetzt stark bundespolitisch geprägt angesichts<br />
der massiven und berechtigten Kritik an der Politik der rot-grünen<br />
Bundesregierung. Das dürfen auch Europa-Wahlkämpfer nicht<br />
unterdrücken.
</p>
<p>
<b>tOrWaRtTiTaNkAhN:</b> Stimmt. Es geht nicht nur um die Türkei-Frage.<br />
Ich finde, die CDU richtet ihren Wahlkampf ums Europa-Parlament viel<br />
zu sehr an der deutschen nationalen Politik aus. Sollte es nicht so<br />
etwas wie eine &quot;Ethik pro Europa&quot; aller Parteien geben, damit<br />
die wichtige Wahl zum EP nicht nur zu einem Stimmungstest für die<br />
Bundesrepublik verkommt?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Es gibt in grundsätzlichen europäischen<br />
Fragen – Notwendigkeit eines Verfassungsvertrages, Bewältigung<br />
der Erweiterung – stabile Gemeinsamkeiten zwischen den Parteien,<br />
die auch im Wahlkampf debattiert werden, aber es gibt daneben ein aktuelles<br />
politisches Klima, das auch im Europa-Wahlkampf nicht kurzerhand ausgeblendet<br />
werden kann. Im übrigen rede ich in meinen Veranstaltungen zu 90<br />
Prozent über Europa und allenfalls zu 10 Prozent über bundespolitische<br />
Verknüpfungen – und habe damit bei meinen Zuhörern keine<br />
Probleme.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>So, ich möchte dennoch noch einmal auf das Thema<br />
Türkei und Erweiterung zu sprechen kommen, weil hierzu noch einige<br />
Fragen vorliegen&#8230;
</p>
<p>
<b>Davala:</b> Kann ein Türkei-Beitritt Europas Sicherheit stärken?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Die enge Zusammenarbeit der Türkei mit<br />
der EU in allen Sicherheitsfragen ist von hoher Bedeutung, kann aber<br />
anders gewährleistet werden als nur durch einen Beitritt. Wir haben<br />
ja auch in den Jahrzehnten des Kalten Krieges in überaus angespannten<br />
Situationen sicherheitspolitische Gemeinsamkeit mit der Türkei<br />
praktiziert. Es kommt eher auf gemeinsame Positionen an, als auf die<br />
Einbindung der Türkei in die EU.
</p>
<p>
<b>Übersetzerin</b><b>: Adélaide:</b> Waren Sie schon einmal<br />
in der Türkei um sich eine Meinung über das Land bilden zu<br />
können?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Ich bin ungefähr zehn Mal in der<br />
Türkei gewesen, sehr intensiv vor allem seit 1995, im Zusammenhang<br />
mit der Ratifizierung der Zoll-Union der Türkei mit der EU, dafür<br />
haben damals CDU und CSU gekämpft, während Sozialdemokraten<br />
und Grüne die Ratifizierung der Zoll-Union mit der Türkei<br />
unter Hinweis auf die Menschenrechts- und Demokratie-Defizite abgelehnt<br />
haben. Ich kenne das Land und seine Menschen, und ich schätze beide<br />
sehr.
</p>
<p>
<b>Davala:</b> Europa reicht so weit wie die Fußball-Champions-League.<br />
Was halten Sie von dieser Grenzziehung?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Ich schätze die Champions-League,<br />
aber nicht ihre definitorische Kompetenz.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> 😉
</p>
<p>
<b>Übersetzerin: Pierre:</b> Haben Sie nur offizielle Reisen in<br />
die Türkei gemacht, oder auch mal im privaten Rahmen?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Ich habe auch private Reisen in die<br />
Türkei unternommen.
</p>
<p>
<b>tOrWaRtTiTaNkAhN: </b>Ist es nicht so, dass alle wirtschaftlichen<br />
Ziele im Hinblick auf die Türkei erreicht sind, eine Beitritt also<br />
aus Sicht der Wirtschaft nicht notwendig ist und die CDU deswegen die<br />
&quot;Polemik-Karte Überfremdung&quot; spielt?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> In Hinblick auf ihre wirtschaftliche<br />
Entwicklung ist die Türkei bei 22 Prozent des EU-Durchschnitts<br />
angelangt. Hier ist für Entwicklung noch viel Raum.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich möchte nun auf ein anderes heißes<br />
Thema kommen, zu dem auch Sie, Herr Nassauer, in der Vergangenheit Stellung<br />
genommen haben: Diäten im EP. Es gab den Vorwurf dass Sitzungsgelder<br />
unberechtigterweise ausgezahlt wurden. Hierzu eine Frage:
</p>
<p>
<b>Jochen1975NRW:</b> Sehr geehrter Herr Nassauer, was wird die EVP-Fraktion<br />
gegen die zu hohen Spesenabrechnungen einiger Abgeordneter unternehmen?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Für Kostenerstattungen ist zunächst<br />
jeder Abgeordnete persönlich verantwortlich. Unabhängig davon<br />
fordert die EVP-Fraktion ein Abgeordneten-Entschädigungs-Gesetz<br />
für das Europäische Parlament und damit eine Reform aller<br />
Kostenerstattungsregelungen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Sie haben ja auch die Bild-Zeitung für ihre<br />
Berichterstattung in der Sache kritisiert – was ist die Rolle der<br />
Medien in solchen Fällen?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Die Medien sollen durchaus alle Entschädigungs-<br />
und Kostenerstattungs-Fragen kritisch durchleuchten. Es ist völlig<br />
klar, dass Abgeordnete rechenschaftspflichtig sind für öffentliche<br />
Gelder, die sie beziehen. Ich habe Berichterstattung kritisiert, die<br />
falsch, unvollständig oder auch entstellend war, nicht zuletzt<br />
nach dem Motto von Johannes Rau: &quot;Eine halbe Lüge ist schon<br />
eine Lüge. Eine halbe Wahrheit aber keine Wahrheit&quot;.
</p>
<p>
<b>lef:</b> Warum wird die Spesenabrechnung der Abgeordneten nicht<br />
einfach transparenter gestaltet? Zum Beispiel über das Internet?
</p>
<p>
<b>Hartmut Nassauer:</b> Alle deutschen Europa-Abgeordneten haben in<br />
der letzten Sitzung in dieser Legislatur eine neue Kostenerstattungsregelung<br />
gefordert, die transparent und nachvollziehbar ist. Wir werben nachdrücklich<br />
für eine Mehrheit für unsere Forderungen im Europäischen<br />
Parlament.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Neues Thema:
</p>
<p>
<b>Tobschall:</b> Ich möchte meine Frage zur stärkeren Beteiligung<br />
der Bevölkerung (Volksabstimmungen / Referenden ) bei wichtigen<br />
europäischen Fragen (Europäische Verfassung, Einführung<br />
einer europäischen Währung, Beitritt neuer Mitglieder usw.<br />
) wiederholen. Sind Sie für Volksabstimmungen bei solchen Entscheidungen?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Ich könnte mir eine Volksabstimmung<br />
als entscheidenden Akt für das Inkrafttreten einer Verfassung vorstellen.<br />
In Europa diskutieren wir aber gegenwärtig nicht über eine<br />
Verfassung, sondern über einen Verfassungsvertrag zwischen allen<br />
Mitgliedstaaten. Grundsätzlich glaube ich, dass sich in unserem<br />
System der politischen Entscheidung die repräsentative Methode<br />
bewährt hat, die den Bürgerinnen und Bürgern aufgibt,<br />
Parlamente zu wählen, die für politische Entscheidungen im<br />
einzelnen zuständig sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei ähnliche Fragen auf einmal:
</p>
<p>
<b>josua:</b> Ich finde, dass es nicht nur dort ein Demokratiedefizit<br />
gibt, so können die Wähler zum kommenden Sonntag hin, die<br />
EU-Parteien durch Nicht-Wahl bestrafen oder mit Wahl belohnen? Welche<br />
Möglichkeiten sehen sie dieses Problem zu lösen?
</p>
<p>
<b>Leif:</b> Was kann man Ihrer Meinung nach gegen die geringe Wahlbeteiligung<br />
tun?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Wählen ist bei uns ein Recht und<br />
keine Pflicht (anders als zum Beispiel in Belgien). Man kann sich bei<br />
uns mit Politik befassen, man muss aber nicht. Wer Politik links liegen<br />
lässt und auch nicht wählt, überlässt die politische<br />
Entscheidung anderen – und muss deren Entscheidungen akzeptieren.<br />
Im übrigen mache ich die Erfahrung, dass eine zunehmende Zahl von<br />
Menschen von europäischen Entscheidungen unmittelbar betroffen<br />
ist und daraus auch den Schluss zieht, sich zu beteiligen. Ich möchte<br />
prognostizieren: Je mehr betroffen sind, je mehr werden auch wählen<br />
gehen. Letztlich muss das jeder für sich selbst entscheiden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch zwei Fragen, dann kommen wir zum Schluss:
</p>
<p>
<b>teuro3:</b> Im Spiegel lese ich: &quot;Das EU-Parlament gilt als<br />
Abstellgleis für Politiker aus der zweiten Reihe und als Ort, wo<br />
über Bananenkrümmungen und Ü-Ei-Verordnungen gestritten<br />
wurde.&quot; Ärgert sie eine solche Einschätzung? Oder treffen<br />
sie im Wahlkampf auf ähnliche Einschätzungen der Bürger?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Mich ärgert diese Einstellung<br />
schon lange nicht mehr (1994 ist sie mir gelegentlich begegnet), sie<br />
spricht mehr gegen den, der sie äußert als gegen Europa.<br />
Im Europäischen Parlament werden ganz unstreitig wesentliche politische<br />
Entscheidungen gefällt, und der Altersdurchschnitt liegt inzwischen<br />
keineswegs unter dem nationaler Parlamente. Meine jüngsten Fraktionskollegen<br />
sind unter 30 Jahre alt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gib nur einen Rudi Völler, wie Sie wissen.<br />
Und nur einen Lothar Matthäus, wie wir gerade erfahren haben. Daher<br />
zum Abschluss diese Frage:
</p>
<p>
<b>Davala:</b> Welche Bedeutung hat die Fußball-EM für Europas<br />
Identität?
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Auch Fußball ist ein Stück<br />
gelebtes und erfahrenes Europa. Mit seinen Leidenschaften, seinem Engagement<br />
und seinem Wettbewerb gehört Fußball zu Europa.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Liebe Chatterinnen und Chatter! Die Stunde ist bereits<br />
wieder um. Wir möchten uns bei allen Gästen im Namen von Europathemen<br />
der Bundeszentrale für Politischen Bildung und dem Fernsehsender<br />
Arte herzlich für die Teilnahme an diesem Chat bedanken. Ganz besonders<br />
haben wir uns gefreut, dass Sie, Herr Nassauer, sich die Zeit genommen<br />
haben, den Nutzern Rede und Antwort zu stehen. Vielen Dank auch an die<br />
Übersetzerinnen, die uns hier für diesen zweisprachigen Chat<br />
zur Seite standen! Wir hoffen, es war für alle Beteiligten interessant<br />
und wünschen einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Hartmut</b> <b>Nassauer:</b> Einen wunderschönen guten Tag<br />
und vielen herzlichen Dank</p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Europa, Türkei und Sicherheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 May 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CSU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Günther Beckstein 
(CSU) <!-- #EndEditable --> im europathemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->19.05.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Günther Beckstein<br />
(CSU) <!-- #EndEditable --> im europathemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->19.05.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen im Europathemen-Chat.<br />
Europathemen ist das Internetangebot der Bundeszentrale für politische<br />
Bildung zur Europawahl. Es wird in Zusammenarbeit mit ARTE Multimedia<br />
und www.netzeitung.de am Zentrum für Medien und Interaktivität<br />
der Universität Gießen erstellt. Wir begrüßen<br />
unseren heutigen Gast Dr. Dr. Günther Beckstein (CSU), Bayerns<br />
Innenminister. Herr Beckstein chattet aus München, die Moderatoren<br />
und Übersetzer in Berlin. Wir haben bis 15.30 Uhr Zeit &#8211; kann es<br />
losgehen, Herr Beckstein?
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/gbeckstein.jpg" alt="Günther Beckstein, Bayerns Innenminister" align="left" height="108" width="82" />Günther<br />
Beckstein:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Erste Frage:
</p>
<p>
<b>holger:</b> Was war Ihre erste europabezogene Amtshandlung<br />
nach der EU-Ost-Erweiterung am 1. Mai?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein:</b> Zu überprüfen, ob<br />
die Durchführung der Grenzkontrollen nach Wegfall der Zollkontrollen<br />
ordnungsgemäß vonstatten geht. Dies wurde mir am Vormittag<br />
des 1. Mai bestätigt. Wir hatten einige hundert Bereitschaftspolizisten<br />
zur Verstärkung an die Grenze geschickt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weitere Frage:
</p>
<p>
<b>regina:</b> Was haben Sie am 1. Mai gemacht?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein:</b> Ich war bei den Zuwanderungsverhandlungen<br />
des Vermittlungsausschusses in Berlin &#8230;Erfolgsquote wie beim Hornberger<br />
Schießen.
</p>
<p>
<b>Hiwi:</b> &#8230;um was zu kontrollieren?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein:</b> Alle Personen, die von der<br />
Tschechischen Republik nach Deutschland einreisen, sind vollständig<br />
zu kontrollieren, da die EU-Beitrittsländer noch nicht Freizügigkeit<br />
ohne Grenzkontrollen haben.
</p>
<p>
<b>Dorothea Scholz:</b> Herr Beckstein, was spricht gegen<br />
eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein:</b> Die Türkei ist geographisch<br />
im überwiegenden Teil zu Klein-Asien gehörig.
</p>
<p>
<b>BEOBCHTER: </b>Sind die Türken keine &quot;Europäer&quot;?<br />
Geographisch gehört doch ein Teil zu Europa!
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Nachbarländer sind Syrien,<br />
Iran, Irak und Armenien. Wir sind froh, diese Länder nicht als<br />
unmittelbare Nachbarn zu haben, so lange die politischen Spannungen<br />
so hoch sind.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Was sollte die EU zum Abbau der Spannungen<br />
beitragen?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Außerdem ist die Türkei<br />
wegen ihrer Größe und Geschichte in überschaubarer Zeit<br />
nicht in die EU voll zu integrieren. Wir wollen aber eine privilegierte<br />
Partnerschaft um die Türkei näher an Europa heranzuführen.<br />
zu beobachter: Wenn die Türkei nur aus Istanbul und aus der türkischen<br />
Riviera um Antalya bestünde, wäre die Mitgliedschaft kein<br />
Problem. Aber Ostanatolien ist schwerlich Teil der europäischen<br />
Kultur.<br />
zu moderator: Ich sehe wenig Möglichkeiten, dass die EU im Nahen<br />
Osten entscheidende Hilfe zur Stabilisierung geben kann. Weder im Irak<br />
noch im Iran, selbst nicht in Israel reichen die Möglichkeiten<br />
der EU für entscheidende Unterstützung.
</p>
<p>
<b>isabel: </b>Wie kann man sich eine privilegierte Partnerschaft<br />
mit der Türkei vorstellen? Die Türkei öffnet ihre Grenzen,<br />
übernimmt Regelungen aus der EU, hat als Partner aber kein Stimmrecht?
</p>
<p>
<b>europo: </b>Was heißt privilegierte Partnerschaft?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Eine Verbesserung des Status<br />
der Türkei über die Assoziierung hinaus bis hin zur vollständigen<br />
Zollfreiheit, erleichterte Reisemöglichkeiten für Verwandtenbesuche,<br />
Übernahme bestimmter Rechtsgebiete, aber in der Tat nicht volles<br />
Stimmrecht zu allen Angelegenheiten der übrigen Union.
</p>
<p>
<b>Dorothea Scholz: </b>Welche Rolle spielt dabei der Unterschied<br />
&quot;christliche Werte&quot; vs. &quot;muslimische Werte&quot;?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>zu dorothea: Sicher ist die<br />
EU nicht ein &quot;Christenclub&quot;, aber die unterschiedliche Geschichte<br />
hat erhebliche Auswirkungen, zum Beispiel hinsichtlich der Beachtung<br />
der Menschenrechte wie Religionsfreiheit, Gleichberechtigung der Frau<br />
und Rechte ethnischer Minderheiten, wie der Kurden.
</p>
<p>
<b>lehrer1000: </b>Wenn die Türkei 2015 Vollmitglied<br />
der EU werden sollte, welche Reformen würden Sie für diesen<br />
Staat vorschreiben?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Die Kopenhagener Kriterien<br />
schreiben vor, dass Beachtung der Menschenrechte, vollständige<br />
demokratische Strukturen ohne beherrschenden Einfluss des Militärs<br />
und wirtschaftliche Kompatibilität schon bei Aufnahme der Verhandlungen<br />
vorliegen müssen. Bei einer Vollmitgliedschaft ist grundsätzlich<br />
der gesamte Rechtsbestand der Europäischen Union zu übernehmen<br />
– vom Wettbewerbsrecht bis hin zum Umweltschutz.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Nachfrage von hiwi:
</p>
<p>
<b>hiwi: </b>Nach diesen Kriterien wäre Spanien auch<br />
nicht integrierbar gewesen.
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>zu hiwi: Den Einwand halte<br />
ich nicht für berechtigt. Die Franco-Diktatur lag etliche Jahre<br />
zurück, die wirtschaftliche Situation lag viel näher am EU-Durchschnitt<br />
als die Türkei, und schließlich ist Spanien unzweifelhaft<br />
ein Teil Europas – und zwar zweifellos mit dem gesamten Staatsgebiet.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Kritik von einem User:
</p>
<p>
<b>Rheuma-Kai: </b>Ist das geographische Argument nicht scheinheilig?<br />
Dient es nicht nur dazu, die &quot;Lufthoheit über den Stammtischen&quot;<br />
mit diesem sehr emotionalen Thema zu kaschieren?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Ich glaube, dass die EU mit<br />
der Bewältigung der Ost-Erweiterung und der schon sicheren Erweiterung<br />
um Rumänien und Bulgarien größte Herausforderungen zu<br />
bewältigen hat und damit die Erweiterung um die Türkei in<br />
überschaubarer Zeit nicht im Interesse Deutschlands liegt.
</p>
<p>
<b>Helene Falkenstein: </b>Ja, schönen guten Tag. Herr<br />
Beckstein, das mulmige Gefühl bei einem möglichen Beitritt<br />
der Türkei zur EU kann ich durchaus nachvollziehen. Aber ist es<br />
ein mulmiges Gefühl bei Ihnen, das sich konkret auf die EU bezieht<br />
oder auf weitere Beitrittskandidaten überhaupt? Wie sehen Sie die<br />
EU in Zukunft, was ist Ihre Vision und wie sehen Sie Chancen der Ukraine<br />
oder Albaniens zur EU? Zumindest auf Gründen der Stabilisierung<br />
der Region (wie seinerzeit bei Griechenland) spräche ja einiges<br />
dafür.
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Eine Erweiterung der EU bezüglich<br />
Kroatiens und späterer weiterer Balkanstaaten wird zu erwägen<br />
sein, ein Beitritt der Ukraine oder auch Russlands (wie Berlusconi vorschlägt)<br />
ist aber nach meiner Überzeugung nicht sinnvoll. Auch für<br />
die Ukraine sollte eine privilegierte Partnerschaft erwogen werden.
</p>
<p>
<i>übersetzt aus franz.: </i><b>Adélaide: </b>Herr<br />
Beckstein, Sie sind sicher gegen die Integration der Türkei in<br />
die EU. Aus kulturellen, geographischen, aber vor allen Dingen aus Gründen<br />
der Sicherheit. Glauben Sie nicht, dass es besser wäre, die Türken<br />
und ihre Werte zu integrieren als sie auszuschließen?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Aus Gründen der Sicherheit<br />
muss die Türkei näher an Europa herangeführt werden.<br />
Aber eine Vollmitgliedschaft mit größerer Bedeutung als Frankreich<br />
wäre für die Europäische Union nicht verkraftbar.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zwei Fragen &#8211; ein Thema: Sicherheit
</p>
<p>
<b>tiger: </b>Ist der Betritt der Türkei zur EU nicht<br />
die beste Antwort auf islamistischen Terror? Wer ein Islamisches Land<br />
integrieren kann, entzieht fanatischen Fundamentalisten die Basis!
</p>
<p>
<b>Rheuma-Kai: </b>Wäre es nicht im Sinne des Kampfes<br />
gegen den internationalen Terrorismus, wenn der Türkei der EU,<br />
zumindest mittelfristig, eine Beitrittsperspektive geboten würde?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>zu tiger: Wer garantiert,<br />
dass es möglich ist, durch Aufnahme in die EU Islamismus in der<br />
Türkei zu beseitigen?<br />
Meine Meinung heißt: den Terror durch intensive freundschaftliche<br />
Zusammenarbeit zu bekämpfen aber die Vollmitgliedschaft bedeutet,<br />
dass ein Land die zweitwichtigste und zweitmächtigste Stellung<br />
in der EU erhalten wird, dessen europäische Einbindung erst erarbeitet<br />
werden muss.
</p>
<p>
<b>Politiker: </b>Die Türkei, mit mehrheitlich muslimischer<br />
Bevölkerung, könnte eine wichtige Rolle in der Annäherung<br />
und Stabilisierung in Konflikten mit der islamischen Welt übernehmen!<br />
Dies ist ein wichtiger Sicherheitsaspekt angesichts der international<br />
beunruhigenden Entwicklungen.
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Eine Beitrittsperspektive<br />
wurde durch die Assoziation seit Jahrzehnten in Aussicht gestellt. Dennoch<br />
sind viele staatsrechtliche, wirtschaftliche und kulturelle Hindernisse<br />
vorhanden.
</p>
<p>
<b>trigger33: </b>Ist die Türkei ein Vorbild, was die<br />
Bekämpfung islamischer Terroristen angeht?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>zu Politiker: Zur Stabilisierung<br />
des Nahen Ostens möchte ich nicht entscheidende Weichenstellungen<br />
über unser Land und die übrige EU hergeben; andernfalls müsste<br />
auch die Vollmitgliedschaft Israels oder Tunesiens (jeweils beantragt)<br />
erwogen werden.
</p>
<p>
<b>reich4: </b>Wie hoch sehen Sie das Potenzial einer grenzüberschreitenden<br />
Zusammenarbeit der Polizei und einer europaweit auf gleiche Grundsätze<br />
verpflichteten Justiz im Kampf gegen die organisierte Kriminalität?<br />
Was hat sich seit dem 1. Mai getan?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>zu trigger33: Nein, der Rechtsstaat<br />
muss auch bei der Bekämpfung des Islamismus beachtet werden. Jedenfalls<br />
im Falle von Kaplan und bei vielen Asylantragsstellern wird das von<br />
deutschen Behörden anders gesehen.<br />
zu reich4: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit muss dringend verbessert<br />
werden. Die bisher erreichten Fortschritte, auch die nach dem 1. Mai,<br />
sind nur erste Schritte, aber bei weitem noch nicht zufrieden stellend.<br />
Die Rechtshilfe-Zusammenarbeit ist immer noch kompliziert und langwierig,<br />
ein Austausch von Geheimdiensterkenntnissen erfolgt in weitem Umfange<br />
nicht. Vielleicht wird sich dies aber in den nächsten Jahrzehnten<br />
verbessern.
</p>
<p>
<i>übersetzt aus franz.: </i><b>Adelaide: </b>Herr<br />
Beckstein, viele Franzosen finden, dass die Türkei in die EU selbstredend<br />
integriert werden müsste. In der Kontinuität der EU-Erweiterung.<br />
Fühlen Sie als deutscher Politiker nicht diesen Druck?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b> Ich bin überzeugt, dass<br />
auch in Frankreich die Vollmitgliedschaft der EU sehr strittig gesehen<br />
wird. Die Partei von Herrn Chirac hat sich mit großer Mehrheit<br />
dagegen ausgesprochen. Der größte Druck auf EU-Beitritt kommt<br />
von den USA.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Weitere Frage aus Frankreich:
</p>
<p>
<i>übersetzt aus franz.: </i><b>Antoine: </b>Herr<br />
bayrischer Innenminister! In Frankreich hörten wir viel von der<br />
Kruzifix-Diskussion in Bayerns Schulen, Tragen des Kopftuches etc. Glauben<br />
Sie, dass im Rahmen des Beitritts der Türkei in die EU das Thema<br />
der religiösen Zeichen erneut aktuell würde? Müssten<br />
neue Einschränkungen angepasst werden?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Wir haben in Deutschland keine<br />
strikte Neutralität des Staates, wir kennen christliche Gemeinschaftsschulen<br />
als staatliche Einrichtung und theologische Fakultäten an den Universitäten.<br />
Das Tragen des Kopftuchs ist in der Öffentlichkeit überall<br />
erlaubt. Etwas anderes gilt lediglich für bestimmte Amtsträger<br />
wie Lehrer in öffentlichen Schulen. Dagegen dürfen Schüler,<br />
Studenten und Arbeiter das Kopftuch tragen.
</p>
<p>
<b>Frank Lehmann: </b>Besteht nicht die Gefahr, dass die<br />
EU durch ständige Erweiterung irgendwann auseinander fällt?<br />
Kanzler Schröder sprach ja bereits von einem Europa der zwei Geschwindigkeiten.<br />
Ist so etwas Ihrer Meinung nach erwägenswert?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Diese Gefahr der Überforderung<br />
der EU sehen wir sehr wohl. Zumal Demokratie Mitbestimmung heißt<br />
und wir heute schon Sorge haben, dass viele EU-Regelungen dem Bürger<br />
kaum mehr erklärbar sind.
</p>
<p>
<b>europo: </b>Herr Beckstein, guten Tag: Wie stehen Sie<br />
dazu, dass die EU-Verfassung zur Volksabstimmung kommt?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Ich halte eine Volksabstimmung<br />
für die EU-Verfassung für notwendig zumal ich selbst –<br />
anders als viele in der Union – ein überzeugter Verfechter<br />
plebiszitärer Elemente bin. Wir haben in Bayern viele Volksentscheide<br />
mit bestem Ergebnis.
</p>
<p>
<b>goody: </b>Vor welchen Herausforderungen steht die EU<br />
bei der Zuwanderung? Sollte es ein einheitliches Zuwanderungsgesetz<br />
geben, und wenn ja, wie sollte es aussehen?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Wir brauchen eine bessere<br />
Abstimmung der Zuwanderung nach Europa. Für die besten Köpfe<br />
müssen wir offener werden, andererseits muss Missbrauch unserer<br />
Sozialsysteme durch illegale Zuwanderung stärker unterbunden werden.<br />
Seit Maastricht sind große Teile dieser Politik vergemeinschaftet,<br />
der Übergang zu Mehrheitsentscheidungen wird in Kürze erfolgen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wie viel Zeit haben wir noch?
</p>
<p>
<b>Günther Beckstein: </b>Ich muss jetzt aufhören,<br />
es war nett zu chatten. auf Wiedersehen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Liebe Europa-Freunde, leider ist die Zeit<br />
vorbei – vielen Dank an Minister Beckstein und an Sie, liebe User,<br />
für die vielen Fragen. Leider können wir in einer Stunde nicht<br />
alle Fragen beantworten. Auf www.europathemen.de finden sie weitere<br />
Informationen zum Thema.<br />
Vielen Dank für die vielen Fragen, gerade die französischen<br />
waren eine spannende Neuerung.<br />
Der nächste Termin:<br />
24.05. (Mo) 18.00-19.00 Uhr Angelika Zahrnt, Vorsitzende des BUND.<br />
Machen Sie wieder mit, wir freuen uns &#8211; ihr Chat-Team wünscht allen<br />
einen schönen Tag!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wolfgang Schäuble zu Europa</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 May 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Wolfgang Schäuble<!-- #EndEditable --> 
im europthemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->7.05.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wolfgang Schäuble<!-- #EndEditable --><br />
im europthemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->7.05.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen im Europathemen-Chat.<br />
„Europathemen“ ist das Internetangebot der Bundeszentrale<br />
für politische Bildung zur Europawahl. Es wird in Zusammenarbeit<br />
mit ARTE Multimedia und www.netzeitung.de am Zentrum für Medien<br />
und Interaktivität der Universität Gießen erstellt.<br />
Wir begrüßen unseren heutigen Gast Dr. Wolfgang Schäuble,<br />
Bundesinnenminister a. D. und Europa-Experte der Union. Wir haben eine<br />
Stunde Zeit &#8211; kann es losgehen, Herr Schäuble?
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wschaeuble6.jpg" alt="Wolfgang Schaeuble, Unions-Fraktionsvize" align="left" height="116" width="82" />Wolfgang<br />
Schäuble:</b> Bitte.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Erste Frage:
</p>
<p>
<b>gabriela:</b> Wie und wo haben Sie den 1. Mai erlebt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich habe den 1. Mai in der<br />
Nachbarschaft zu Straßburg erlebt, wo auch meine Heimat ist. Wir<br />
haben dort eine grenzüberschreitende Gartenschau, die von Kehl<br />
und Straßburg veranstaltet wird. Ein schönes europäisches<br />
Projekt.
</p>
<p>
<b>Diana:</b> Lieber Herr Schäuble, haben Sie die neuen<br />
EU-Staaten schon privat besucht?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nicht alle, aber einige. Ich<br />
bin in Polen, Ungarn und Tschechien gewesen.
</p>
<p>
<b>Suse23:</b> Wie sehen Sie Deutschlands Position im erweiterten<br />
Europa?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> In der Mitte. Und daraus folgt,<br />
dass wir durch die Erweiterung große Chancen haben. Wir sind jetzt<br />
umgeben von lauter Nachbarn – mit Ausnahme der Schweiz –<br />
die mit uns zusammen in der EU sind. Dies ist nicht nur politisch von<br />
Vorteil, sondern derzeit gewiss auch wirtschaftlich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frage dazu von:
</p>
<p>
<b>Grimm:</b> Was wird sich durch die neue EU in Deutschland<br />
ändern?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die neue EU wird den Druck<br />
verstärken, dass wir die nötigen Reformen im Wirtschafts-<br />
und Sozialsystem angehen müssen. Auch wenn das unbequem scheinen<br />
mag, ist das gut, da wir ja zur Zeit erleben, dass wir zurückfallen,<br />
wenn wir nicht entscheidungsfreudiger werden.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Welche Auswirkungen wird die EU-Ost-Erweiterung<br />
speziell für die Grenzlandregion Ostbayern in wirtschaftlicher<br />
Hinsicht haben? Wird die ohnehin sehr strukturschwache Region durch<br />
den Zustrom von Billigarbeitern noch mehr Arbeitsplätze für<br />
Einheimische verlieren?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich glaube, eher das Gegenteil.<br />
Grenzland bedeutet ja, dass man von den Zentralen weit entfernt ist.<br />
Diese Randlage entfällt durch die Erweiterung. Im Übrigen<br />
haben wir den Zustrom von Zuwanderern seit langem, so dass die Erweiterung<br />
nicht die Ursache dieser Probleme ist. Wenn sich die wirtschaftliche<br />
Lage bei unseren Nachbarn verbessert, wird der Druck auf unseren Arbeitsmarkt<br />
geringer.
</p>
<p>
<b>euro_egon:</b> À pro pos wirtschaftliche Reformen:<br />
Sehen Sie den Aufschwung in Europa kommen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich hoffe und ich setze darauf,<br />
dass mit der Erweiterung eine stärkere Dynamik verbunden sein wird,<br />
weil das unterschiedliche Wirtschaftsniveau in den einzelnen Regionen<br />
Europas für mehr Wachstum spricht als für das Gegenteil. Aber<br />
unsere eigenen Hausaufgaben müssen wir in Deutschland trotzdem<br />
lösen. Also Steuern, Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme, usw.
</p>
<p>
<b>PeterBursch:</b> Schätzen wir die Folgen des Beitritts<br />
der zehn neuen Mitglieder im Hinblick auf unseren Arbeitsmarkt realistisch<br />
ein? Viele Jobs werden in Kürze aus Deutschland Richtung Polen<br />
abwandern.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das hat ja bisher schon stattgefunden.<br />
Deshalb ist meine Meinung, dass die Erweiterung nicht die Ursache dieses<br />
Problems ist, sondern über eine gewisse Zeit hinweg dazu beitragen<br />
kann, dass das Problem kleiner werden kann. Die Ursache ist das unterschiedliche<br />
Niveau an Wohlstand und Produktionskosten.
</p>
<p>
<b>ramelow:</b> Welche Folgen kann die Erweiterung für<br />
das deutsche Steuersystem haben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich gehöre zu denjenigen,<br />
die eine Harmonisierung der Steuern für nicht notwendig halten.<br />
Aber unser Steuersystem muss einfacher, gerechter und effizienter werden<br />
– unabhängig von der Erweiterung.
</p>
<p>
<b>lee morgan:</b> Inwiefern wären sie für Regelungen<br />
der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik auf europäischer<br />
Ebene? Welche Kompetenzen sollten bei den nationalen Regierungen verbleiben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich ziehe es vor, dass die<br />
nationalen Staaten für die Regelungen des Arbeitsmarktes zuständig<br />
bleiben. Wir sollten in Europa nur vereinheitlichen, was Europa wirklich<br />
besser kann. Sonst bekommen wir noch mehr Bürokratie und nicht<br />
mehr Wachstum.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> neues Thema:
</p>
<p>
<b>Friedrich:</b> Sehen Sie Europa als historische Erinnerungs-<br />
und Schicksalsgemeinschaft, aus der sich eine kollektive europäische<br />
Identität entwickelt hat?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Im Prinzip ja, allerdings<br />
ist das noch sehr im Werden. Genau deshalb darf man nicht zu viel in<br />
Europa vereinheitlichen. Aber durch eine gemeinsame Währung, eine<br />
hoffentlich baldige gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik werden<br />
wir lernen, dass wir als Europäer gemeinsam in der Welt bessere<br />
Chancen haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Grenzen Europa, einige sagen dazu:
</p>
<p>
<b>stefan:</b> Was halten Sie grundsätzlich von einer<br />
Aufnahme der Türkei in die EU?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wenn Europa eine wirkliche<br />
politische Union werden soll, dann braucht es Grenzen. Und andere Grenzen,<br />
als die des geografischen Kontinents werden sich nicht wirklich finden<br />
lassen. Länder, die nicht zum europäischen Kontinent gehören,<br />
sollten wir nicht in die EU aufnehmen. Und für Länder, die<br />
teilweise zu Europa gehören und teilweise nicht, ist eine privilegierte<br />
Partnerschaft die bessere Lösung. Das gilt für die Türkei,<br />
und das gilt vielleicht auch eines Tages für Russland.
</p>
<p>
<b>greek220:</b> Es wird immer gesagt, die Türkei sei<br />
eine fremde Kultur. Aber wenn man das protestantische Schweden mit dem<br />
katholischen Bayern oder dem orthodoxen Griechenland vergleicht, kann<br />
man auch dort sehr unterschiedliche Kulturen feststellen. Was macht<br />
also die Türkei so besonders?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Sie liegt außerhalb<br />
Europas. In der Tat sind in der EU die kulturellen Unterschiede groß.<br />
Das macht auch ihren Reichtum aus. Allerdings haben wir aus unserer<br />
Geschichte auch viele Gemeinsamkeiten, wobei der Islam etwa auf der<br />
spanischen Halbinsel oder dem Balkan auch zur europäischen Geschichte<br />
gehört. Aber für die Grenzen bleibe ich bei dem, was ich eben<br />
gesagt habe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Nachfragen:
</p>
<p>
<b>Diana:</b> Aber ist Istanbul nicht auch eine wichtige<br />
europäische Metropole und haben die Griechen nicht auch über<br />
Jahrtausende in Vorderasien gelebt?
</p>
<p>
<b>bia:</b> Aber der Westteil der Türkei liegt auf dem<br />
europäischen Kontinent, und historisch betrachtet reichte die europäische<br />
Antike bis zur heutigen Westküste der Türkei.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich habe schon gesagt, dass<br />
die Türkei teilweise zu Europa gehört. Aber an der Grenze<br />
zu Syrien oder dem Irak sind wir nicht mehr in Europa. Und deshalb gehört<br />
die Türkei nur teilweise zu Europa. Und deshalb ist eine Partnerschaft<br />
die bessere Lösung gegenüber einer vollen Mitgliedschaft.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vorerst die letzte Frage zur Türkei:
</p>
<p>
<b>ilse:</b> Wird das Kurdenproblem auch eine Rolle beim<br />
EU-Beitritt der Türkei spielen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Türkei hat in demokratischer<br />
wie rechtsstaatlicher Hinsicht große Fortschritte erzielt. Das<br />
gilt auch für den Umgang mit der kurdischen Minderheit. Für<br />
meine Auffassung, was die Frage einer Mitgliedschaft in der EU anbelangt,<br />
ist dies nicht entscheidend. Im Übrigen ist es in jedem Fall im<br />
Interesse der Türkei, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ohne jede<br />
Einschränkung einzuführen und dauerhaft daran festzuhalten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir bleiben international: Der Beitritt<br />
weiterer Länder:
</p>
<p>
<b>Diana:</b> Dann sehen Sie einen Beitritt Georgiens also<br />
auch mit Skepsis entgegen?
</p>
<p>
<b>Europa1:</b> Aber selbst geografische Grenzen sind grenzwertig.<br />
Was ist mit Moldawien oder der Ukraine?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Grenzen sind immer auch im<br />
Einzelfall grenzwertig. Zypern könnte man auch nennen. Aber Türkei<br />
und Russland überschreiten eindeutig jede denkbare Grenze des europäischen<br />
Kontinents. Bei Ländern wie Georgien oder Moldawien kann man das<br />
nicht so eindeutig sagen. Allerdings stellt sich dort die Frage einer<br />
Mitgliedschaft in der EU bei den derzeitigen gegebenen Verhältnissen<br />
nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Europa ist groß – ein weiterer<br />
Kandidat:
</p>
<p>
<b>bimbo:</b> Wann kann Kroatien der EU beitreten? Hat Kroatien<br />
nicht bessere Chancen als Rumänien und Bulgarien 2007?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Rumänien und Bulgarien<br />
sind in den Verhandlungen sehr viel weiter. Ob es klug ist, dass man<br />
sich praktisch schon auf 2007 festgelegt hat, kann man bezweifeln. Ob<br />
man es ändern kann, ist ein andere Sache. Kroatien hat große<br />
Fortschritte gemacht, weswegen die Kommission zu Recht baldige Verhandlungen<br />
vorgeschlagen hat. Das könnte alle im ehemaligen Jugoslawien ermutigen,<br />
auf dem Weg zu Stabilität voran zu schreiten und nicht in nationalistische<br />
Exzesse zurück zu fallen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage zu Zypern:
</p>
<p>
<b>Suse23:</b> Wie bewerten Sie den Beitritt Zyperns zur<br />
EU?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Es ist durch die gescheiterte<br />
Volksabstimmung etwas problematisch geworden. Aber ich bin ganz zuversichtlich,<br />
dass die Teilung Zyperns dennoch bald überwunden werden wird; und<br />
dann sehe ich für Europa keine Probleme.
</p>
<p>
<b>Diana:</b> Wäre es dann vielleicht richtig, andere<br />
Länder zu ermutigen, eigene Gemeinschaften zu gründen mit<br />
der EU als Vorbild?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die EU kann für viele<br />
Teile der Welt ein Vorbild sein, um aus Jahrhunderte langen Streit eine<br />
friedliche Zukunft und eine starke wirtschaftliche Einheit zu bilden.<br />
Im Übrigen muss die EU über die Mitgliedschaft hinaus zu den<br />
benachbarten Regionen möglichst enge Beziehungen aufbauen.
</p>
<p>
<b>lee morgan:</b> Wie viele Mitglieder wird die EU im Jahre<br />
2010 haben? Und wie viele &quot;privilegierte Partner&quot;?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Im Jahre 2010 wird die EU<br />
vermutlich 27, vielleicht – wenn Kroatien es schafft – 28<br />
Mitglieder haben. Wenn die Türkei will, kann sie dann auch &quot;privilegierter&quot;<br />
Partner sein. Mehr sehe ich für das Jahr 2010 nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Von den geografischen Grenzen zu institutionellen<br />
Grenzen und Fragen:
</p>
<p>
<b>trickser:</b> Was halten Sie von der EU-Verfassung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Sie ist gegenüber den<br />
bisherigen Vertragsrecht ein Fortschritt. Aber wir sind noch lange nicht<br />
am Ziel angelangt. Wir brauchen klarere Unterscheidungen, was in Zukunft<br />
die EU und was die Mitgliedstaaten entscheiden sollen. Wenn alle für<br />
alles zuständig sind, ist niemand für etwas verantwortlich.<br />
Und für das, was die EU entscheiden soll, muss die demokratische<br />
Zustimmung durch das Europäische Parlament, sowie von einer von<br />
einer Mehrheit im Parlament getragenen Kommission und vom Rat, in dem<br />
die Regierungen der Mitgliedstaaten vertreten sind, gebildet werden.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Wie sehen Sie gerade nach dem<br />
Beitritt der zehn Länder die Chance auf eine gemeinsame Verfassung<br />
Europas?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Der Druck, das wir eine brauchen,<br />
wird größer. Und deshalb bin ich für die Verfassung<br />
eher optimistisch.
</p>
<p>
<b>swiss:</b> Wie stehen Sie dazu, die Europäische Verfassung<br />
vom deutschen Volk in direkter Abstimmung akzeptieren (oder nicht akzeptieren)<br />
zu lassen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wenn es eine richtige Verfassung<br />
ist, sollte man das tun. Das, was wir jetzt in dem Verfassungsvertrag<br />
haben, enthält allerdings wenig qualitative Fortschritte und deshalb<br />
habe ich Zweifel, ob darüber ein Referendum Sinn hat.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Wie bewerten Sie die Entscheidung<br />
Tony Blairs, die Bevölkerung in einem Referendum über die<br />
gemeinsame Verfassung abstimmen zu lassen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Großbritannien hat öfters<br />
schon Volksabstimmungen durchgeführt. Blair will offenbar eine<br />
Grundsatzentscheidung der Briten erreichen, dass sie zu Europa gehören<br />
wollen. Das kann Sinn haben. In Deutschland zweifelt die große<br />
Mehrheit der Bevölkerung, im Gegensatz zu Großbritannien,<br />
nicht daran, dass wir zu Europa gehören.
</p>
<p>
<b>abel:</b> Wo liegen die Schwächen des Verfassungsentwurfs<br />
im Hinblick auf eine ständig wachsende EU?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir haben keine klare Kompetenzregelung,<br />
und wir haben zu komplizierte Entscheidungsverfahren mit immer noch<br />
zu geringer Legitimation.
</p>
<p>
<b>gerzam:</b> Wie stellen Sie sich den Abbau des Demokratiedefizits<br />
in der EU vor?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Vor allem durch eine Stärkung<br />
des Europäischen Parlamentes. Dazu wäre übrigens eine<br />
hohe Wahlbeteiligung am 13. Juni hilfreich.
</p>
<p>
<b>P. Müller:</b> Stoiber will ein europaweites Referendum<br />
in allen 25 Staaten über die EU-Verfassung fordern. Was halten<br />
Sie davon?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Stoiber hat meines Wissens<br />
gesagt, dass wir dann in Deutschland ein Referendum machen sollen, wenn<br />
vereinbart wird, dass in allen Mitgliedstaaten dies gemacht wird. Dagegen<br />
ist nichts einzuwenden. Mir wäre allerdings lieber, wenn wir solche<br />
europaweite Volksabstimmungen über eine Verfassung abhalten könnten,<br />
die sowohl in der Kompetenzabgrenzung als auch in den europäischen<br />
Institutionen noch bessere Ergebnisse aufweist, als wir sie in dem jetzigen<br />
Entwurf haben.
</p>
<p>
<b>agendachris:</b> Was passiert, wenn der Verfassungsentwurf<br />
scheitert? Oder wenn er nur in einigen Ländern angenommen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> So lange er nicht in allen<br />
Ländern angenommen ist, tritt er nicht in Kraft. Wenn er nicht<br />
zustande kommen sollte, muss man eben einen neuen Anlauf nehmen. Das<br />
bisherige Vertragsrecht in Europa gilt bis dahin weiter.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Was sagen Sie zum Abrechnungsskandal<br />
innerhalb der EU? Finden Sie es seriös, dass Abgeordnete Tagegelder<br />
kassieren, ohne anwesend zu sein? Treibt sich die Politik dadurch nicht<br />
selber in die Unglaubwürdigkeit?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die deutschen Abgeordneten<br />
haben dieser Tage eine Selbstverpflichtung beschlossen, diesen Misstand<br />
abzustellen. Das begrüße ich. Auf Dauer wird man jedoch um<br />
eine bessere Regelung der Bezüge für die Abgeordneten des<br />
EP, die im letzten Jahr nicht zuletzt an Widerständen der deutschen<br />
Regierung gescheitert ist, nicht herumkommen.
</p>
<p>
<b>gerzam:</b> Wie halten Sie es angesichts der vielen Aufgaben,<br />
die nach der Erweiterung der EU zu bewältigen sind, mit Ihren eigenen<br />
Überlegungen des &quot;Europas der verschiedenen Geschwindigkeiten“?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das haben wir ja, wenn Sie<br />
nur an die Währungsunion denken, der ja nicht alle Mitglieder der<br />
EU angehören. Wenn der Prozess der europäischen Einigung weitergehen<br />
soll, werden immer einige Länder vorangehen, und andere werden<br />
später nachkommen. Die Alternative wäre Stillstand.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage: Bedeutet bessere Regelung auch<br />
höhere Diäten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das Entscheidende ist, dass<br />
die Abgeordneten alle, sowohl was die Diäten als auch was ihre<br />
Reise- und sonstigen Kosten angeht, in einer angemessenen und für<br />
alle gleichen Weise ausgestattet werden. Das Problem der letzten Wochen<br />
ist, soweit ich es sehe, dass Abgeordnete ihre sehr unterschiedlichen<br />
Diäten durch relativ hohe Sitzungsgelder und Reisekostenerstattungen<br />
sozusagen aufgebessert haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kurz innenpolitisch, bevor wir zur Außenpolitik<br />
kommen:
</p>
<p>
<b>P. Müller:</b> Anderes Thema: Halten sie eine Einigung<br />
beim Zuwanderungsstreit noch vor der EU-Wahl für möglich –<br />
in einem Spitzengespräch zwischen Schröder und Merkel, wie<br />
heute in der Koalitionsrunde beschlossen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Für möglich halte<br />
ich es, aber für nicht sehr wahrscheinlich. Meistens einigt man<br />
sich nach Wahlkämpfen eher als in Wahlkampfzeiten.
</p>
<p>
<b>agendachris:</b> In Brüssel wird an einer europäischen<br />
Asyl- und Einwanderungspolitik gearbeitet. Welche Auswirkungen hat dies<br />
auf die deutsche Debatte zum Zuwanderungsgesetz?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Sie hat sie schon sehr beeinflusst,<br />
weil manche Fragen, mit denen wir uns früher in Deutschland befasst<br />
haben, inzwischen europäisch geregelt sind. Aber das Problem, das<br />
in den Verhandlungen jetzt zwischen den Grünen auf der einen Seite<br />
und den anderen Parteien auf der anderen Seite besteht, liegt ja darin,<br />
dass wir die neuen Erkenntnisse über Sicherheit gegenüber<br />
Terrorismus bei der Regelung über Zuwanderung nicht unberücksichtigt<br />
lassen können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Außenpolitik und Sicherheit:
</p>
<p>
<b>simsa:</b> Was halten Sie von einer gemeinsamen Außenpolitik,<br />
gerade in Bezug auf Konfliktherde wie den Irak?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die halte ich für zwingend<br />
notwendig. Wenn Europa nicht mit einer Stimme spricht, entfaltet es<br />
keine Wirkung. Das war in der Irak-Krise deutlich zu sehen.
</p>
<p>
<b>ilse:</b> Wie sollte Europa in den Irak-Konflikt eingreifen,<br />
und wie kann man die Situation überhaupt noch lösen? Wie soll<br />
denn eine irakische Regierung bei solchen Zuständen eingesetzt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Durch ein Mandat der UN. Wenn<br />
die Europäer mit einer Stimme sprechen, werden sie sich leichter<br />
mit den USA einigen. Und Europäer und USA zusammen haben noch eine<br />
gute Chance, in den Vereinten Nationen zu Beschlüssen zu kommen<br />
und auch die verantwortlichen Kräfte in der arabischen Welt einzubeziehen.
</p>
<p>
<b>Span_Tau:</b> Hallo Herr Schäuble – sind Sie<br />
der Meinung, dass Europa jetzt geschlossen gegenüber der amerikanischen<br />
Übermachtsrolle stehen sollte?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir sollten ein einiges Europa<br />
als Partner der USA verstehen, nicht als Gegenmacht. Übrigens,<br />
wer versucht, Europa gegen die USA zu einigen, wird am Ende nur Europa<br />
spalten. Und wenn Europa einig ist, dann werden die Amerikaner eher<br />
auf Europa hören.
</p>
<p>
<b>ende:</b> Wie denken Sie, können die Amerikaner die<br />
Konflikt-Situation im Irak lösen. Und ist der Abzug Spaniens gerechtfertigt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir brauchen möglichst<br />
schnell eine starke Rolle der UNO. Mir wäre lieber gewesen, Spanien<br />
wäre dabei geblieben, bis zum 30. Juni eine UNO-Resolution abzuwarten<br />
und sich für eine solche einzusetzen als einseitig ohne Rücksicht<br />
auf die UNO abzuziehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen:
</p>
<p>
<b>calamity:</b> Was halten Sie von einer gemeinsamen militärischen<br />
Einsatztruppe für Europa?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die halte ich grundsätzlich<br />
für richtig. Sie wird die NATO nicht ersetzen können, aber<br />
sie kann den europäischen Pfeiler der NATO stärken.
</p>
<p>
<b>ramelow:</b> Wird die Erweiterung das transatlantische<br />
Verhältnis ändern? Wie?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wenig, denn die neuen Mitglieder<br />
sind ja praktisch alle Mitglieder der NATO.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Wie kann ein Machtkonflikt zwischen<br />
den USA und der EU verhindert werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Indem man, etwa beim kommenden<br />
NATO-Gipfel in Istanbul, offen über die dringenden Probleme für<br />
die Sicherheit diskutiert und versucht, eine gemeinsame Strategie zu<br />
entwickeln.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Ende leichtere Kost:
</p>
<p>
<b>spokk:</b> Welche Bedeutung messen Sie informellen Ereignissen,<br />
wie z.B. dem Eurovision Song Contest oder der Fußball-EM für<br />
die europäische Integration bei?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist ganz wichtig, weil<br />
durch solche Events unser Bewusstsein gestärkt wird, dass wir nicht<br />
nur Polen, Franzosen oder Deutsche, sondern eben auch Europäer<br />
sind.
</p>
<p>
<b>ramelow:</b> Wer wird Europameister? Wie schneidet die<br />
deutsche Nationalmannschaft ab?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich bin ein hoffnungsloser<br />
Optimist und denke, dass wir vielleicht doch eine Chance haben, Europameister<br />
zu werden. Rumänien ist ja zum Glück nicht qualifiziert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Letzte Frage:
</p>
<p>
<b>ramelow:</b> Wird Föderalismus nach dem 1. Mai neu<br />
definiert werden müssen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Eigentlich nicht, denn auch<br />
schon mit 15 Mitgliedern kann Europa gar nicht anders organisiert werden,<br />
als nach dem Prinzip des Föderalismus. Durch die Erweiterung wird<br />
das nur noch verstärkt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Europa-Freunde, leider ist die Zeit<br />
vorbei – vielen Dank an Herrn Schäuble und an Sie, liebe<br />
User, für die vielen Fragen. Leider können wir in einer Stunde<br />
nicht alle Fragen beantworten. Auf www.europathemen.de finden sie weitere<br />
Informationen zum Thema.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Vielen Dank für die vielen<br />
Fragen! Und geht alle am 13. Juni wählen!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Europathemen ist das Internetangebot der<br />
Bundeszentrale für politische Bildung zur Europawahl. Es wird in<br />
Zusammenarbeit mit ARTE Multimedia und www.netzeitung.de am Zentrum<br />
für Medien und Interaktivität der Universität Gießen<br />
erstellt. Vielen Dank, den nächsten Chat-Termin finden Sie auf<br />
den Seiten von www.europathemen.de
</p>
<p>
<b>Span_Tau:</b> Danke für den interessanten Chat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Danke auch 😉</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Sparpolitik und EU-Erweiterung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 May 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildungsplatzabgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Ludwig Georg Braun]]></category>
		<category><![CDATA[Sparpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Ludwig Georg Braun<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->03.05.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Ludwig Georg Braun<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->03.05.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --><b>Moderator:</b> Liebe EU-Freunde<br />
und -Gegner, willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Zum Chat begrüße<br />
ich heute den Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags,<br />
Ludwig Georg Braun. Herr Braun chattet von Melsungen aus, dem Sitz des<br />
Medizintechnik-Unternehmens, B.Braun Melsungen AG, das er leitet. Können<br />
wir beginnen Herr Braun? </p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/lgbraun.jpg" alt="Ludwig Georg Braun" align="left" height="112" width="84" />Ludwig<br />
Georg Braun</b>: Ja!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Über drei Themenbereiche wollen wir<br />
heute reden: Über das neue Europa, die beliebte Ausbildungsplatzabgabe<br />
und die Sparpolitik der rot-grünen Koalition (Stichwort „Kaputt-Sparen&quot;).<br />
Sie können zu allen Themen (und natürlich auch zu anderen)<br />
bereits Fragen stellen.
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Ich heiße Sie alle sehr<br />
herzlich willkommen und freue mich, Gelegenheit zu haben, über<br />
dieses neue Medium mit Bürgern unseres Landes zu kommunizieren.
</p>
<p>
<b>tempo:</b> Wird die EU Erweiterung endlich die nötigen<br />
Reformen ankurbeln und beschleunigen, oder wird Deutschland mit steigendem<br />
Wettbewerb untergehen?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Ich glaube schon, dass die EU-Erweiterung<br />
in unserm Land Reformen angestoßen hat und glaube, dass die wieder<br />
aufgeflammte Diskussion über Vor- und Nachteile des Beitritts der<br />
MOE-Länder eine neue Beweglichkeit in Hinblick auf tarifliche Flexibilitäten<br />
in Deutschland bewirkt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> MOE = Mittelosteuropäische Länder<br />
oder liege ich da falsch, Herr Braun?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Richtig.
</p>
<p>
<b>serg:</b> Werden die Jahre der Übergangsregelungen<br />
bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit und der Dienstleistungsfreiheit<br />
ausreichen, um unsere Arbeitsplätze zu schützen?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Die beste Möglichkeit, deutsche<br />
Arbeitsplätze zu schützen, gelingt nicht durch gesetzliche<br />
Begrenzungen oder Ausgrenzungen, sondern durch höhere Leistungsfähigkeit,<br />
die unseren Produkten Wettbewerbsvorteile gibt. Wir müssen den<br />
Rohstoff des 21. Jahrhunderts fördern, d. h. Bildung in Schule,<br />
Universität und Betrieben und nicht an der Förderung des Rohstoffes<br />
des 19. und 20. Jahrhunderts, wie z. B. der Steinkohle festhalten.
</p>
<p>
<b>bildhauer</b>: Wo sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft<br />
Deutschlands? In der Produktion können wir mit den Billiglohnländern<br />
wohl kaum konkurrieren, oder?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Freizügigkeit von Arbeitnehmern<br />
war auch schon bei den Beitritten Spaniens, Portugals und Griechenlands<br />
ein Thema, das vorzeitig auf die Übergangsregelung verzichten ließ.<br />
Wir können sehr wohl unter Einsatz modernster Technik, gekoppelt<br />
mit hohem Wissen, mit Ländern wesentlich niederer Entgeltstrukturen<br />
in Wettbewerb treten und so unsere Produktionsbasis sichern. Wichtig<br />
ist dabei, flexibel auf unterschiedliche Herausforderungen reagieren<br />
zu können. Hier sind unsere tariflichen Vereinbarungen zu wenig<br />
individuell.
</p>
<p>
<b>Autoklau:</b> Die Öffentlichkeit ist ambivalent gegenüber<br />
der Erweiterung eingestellt. Waren da ihre Aussagen zum Outsourcing<br />
hinderlich, gewisse Ängste in der Bevölkerung abzubauen?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Nein, auf keinen Fall. Ich habe<br />
nur kleinen und mittelgroßen Unternehmen versucht, Mut zu machen,<br />
die Chancen der sich öffnenden Märkte zu nutzen. Dazu muss<br />
man mit einer Vertretung einer eigenen Firma oder einem Joint Venture<br />
in diesen Ländern aktiv sein. Kein Pole kommt nach Deutschland,<br />
um hier den Teppichfußboden für seinen Neubau einzukaufen.<br />
Es geht also darum, Chancen zu nutzen, die ich vor allem im höheren<br />
Managementwissen bei deutschen Unternehmern sehe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Managementwissen geht aber schnell verloren<br />
Letten, Litauer, Polen etc. lernen so schnell wie unsere jungen Leute<br />
&#8211; wenn das der einzige Vorteil ist?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Das sehe ich nicht so, sonst wäre<br />
die New Economy nicht so schnell gescheitert und dies ist sie weil ihr<br />
Managementerfahrung gefehlt hat.
</p>
<p>
<b>Psalmer:</b> Die Neuen haben Ansprüche auf Mittel<br />
aus allen Strukturförderungsfonds. Werden diese Gelder den neuen<br />
EU-Mitgliedern helfen, in der wirtschaftlichen Entwicklung aufzuholen?<br />
Und uns im Osten fehlen? Oder uns helfen, wenn die Märkte dort<br />
florieren?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Angenommen Sie stammen aus den<br />
neuen Bundesländern, dann haben 1500 Milliarden Transfermittel<br />
dazu verholfen, die Strukturdefizite wie sie eine Regierung verändern<br />
kann auszugleichen. Der Rest, z.B. fehlende Industriedichte, muss aus<br />
der Region heraus entstehen, weil Großtransfers von Unternehmen<br />
zwar bedeutend bleiben, aber beschäftigungspolitische Strukturprobleme<br />
nicht lösen. Wenn die Märkte dort florieren, haben wir auch<br />
die Perspektive erhöhter Zulieferung, was zudem noch verstärkt<br />
werden könnte, wenn unsere Unternehmen dort mit Vertriebsorganisationen<br />
präsent sind.
</p>
<p>
<b>Moe:</b> Teilen Sie die Befürchtung, dass durch die<br />
Strukturgelder Erwartungen in den neuen Ländern geweckt werden<br />
und andere Firmen in diese Sektoren (Bau, Infrastruktur&#8230;) wechseln,<br />
nur weil sie dann EU-Gelder erhalten, dass Marktkräfte und der<br />
Wettbewerb verzerrt werden?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Die MOE-Länder bekommen wesentlich<br />
weniger aus der EU-Kasse als wir jährlich von der Bundesrepublik-West<br />
in die BRD-Ost transferieren. Man kann es auch als den Ausgleich eines<br />
entwicklungspolitischen Handicaps bewerten, wenn die MOE-Länder<br />
nun Mittel bekommen, um z. B. die verkehrstechnischen Anbindungen an<br />
den Westen oder umweltbezogenen Investitionen in Städten und Gemeinden<br />
zu ermöglichen.
</p>
<p>
<b>Ralfbe:</b> Meiner Meinung nach versuchen die Unternehmer<br />
die Osterweiterung als Druckmittel gegenüber den Arbeitnehmern<br />
hierzulande zu nutzen. Wäre es nicht vielmehr wünschenswert,<br />
wenn gewisse Sozialstandards nicht abgebaut, sondern europaweit durchgesetzt<br />
werden? Das &quot;Projekt Europa&quot; ist doch wohl mehr als der marktliberale<br />
Diskurs, den auch sie hier vertreten!
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Viele unserer europäischen<br />
Mitgliedsstaaten haben sich in den zurückliegenden Jahren auf die<br />
aus der Internationalisierung der Weltwirtschaft ergebenen Konsequenzen<br />
richtig und reformkonsequent eingestellt. Wenn das in Deutschland bisher<br />
noch nicht erfolgt ist, hat das nichts mit der Osterweiterung zu tun,<br />
sondern mit Sturheit bestimmter gesellschaftlicher Kräfte. China<br />
freut sich darüber, weil die Egoismen auch deutscher Verbraucher,<br />
immer nur das günstigste Produkt einzukaufen zu beabsichtigen,<br />
weiterhin gelten wird. Wie wir unsere Bürger zu anderen Konsumverhalten<br />
bewegen wollen, bei gleichzeitiger Erhaltung individueller Freiheiten,<br />
bleibt bei den Kritikern einer Einforderung von Reformen offen.
</p>
<p>
<b>Abgabebfeind:</b> Wer ist denn so stur?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun: </b>Diejenigen sind stur, die veränderte<br />
Weltwirtschaft immer noch glauben, allein aus der deutschen Brille beurteilen<br />
zu können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zwei Fragen zur unterschiedlichen<br />
Einschätzung von Öffentlichkeit und Wirtschaft in Sachen EU-Erweiterung:<br />
Psalmer: Über zwei Drittel der Bundesbürger erwarten die Abwanderung<br />
von Firmen, fast genauso viele einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Müssen<br />
sie da besser aufklären? <br />
Chbuehler: Herr Braun, wo sehen Sie die ganz konkreten Möglichkeiten,<br />
in der öffentlichen Diskussion den von der Bevölkerung gesehenen<br />
Risiken (Billiglohnländer etc.) die Vorteile gegenüberzustellen?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Sicher haben wir Aufklärungsbedarf,<br />
was am besten am Kaufverhalten des einzelnen dargestellt werden kann.<br />
Denn jeder von uns nutzt für sich den Wettbewerb z. B. in Sonderangeboten,<br />
oder in langfristigen Kaufkontrakten oder einem günstigen Trade<br />
In seines Altproduktes. Unsere Arbeitskraft ist über die Internationalisierung<br />
auch zu einem Handelsprodukt geworden. So sind z. B. 4,5 Millionen Arbeitslose<br />
zu den heutigen Bedingungen nicht mehr wettbewerbsfähig. Wir müssen<br />
uns bewusst machen, dass die aufgebaute in der BRD vorhandene Produktionskapazität<br />
von der Binnenkonjunktur allein nicht mehr wird leben können. Wir<br />
sind also &#8211; wenn es zu keiner weiter erhöhten Arbeitslosigkeit<br />
kommen soll &#8211; ganz stark von der Teilnahme in Wachstumsmärkten<br />
angewiesen. Dies geschieht am besten über internationale Arbeitsteilung.<br />
Auf diese Weise sichern wir Arbeitsplätze bei uns und fördern<br />
gleichzeitig das Wachstum in Märkten mit großem Nachholbedarf.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Neues Thema: Das Wochenende brachte eine<br />
Menge Berichte über einen Kurswechsel der rot-grünen Koalition<br />
in der Finanzpolitik. Mehr Staatsgeld ausgeben, um die Konjunktur anzukurbeln.<br />
Finanzminister Eichel sagt nun, von Umkehr könne keine Rede sein.<br />
Alle Berichte vom Wochenende sind &quot;grundfalsch&quot;, erklärt<br />
er. Sind für Sie die Signale aus der Bundesregierung noch klar?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> An der Sparpolitik darf nicht<br />
gerüttelt werden, im Gegenteil, sie muss noch konsequenter bei<br />
Bund, Land und Kommunen durchgesetzt werden. Gesamthaft kann gesagt<br />
werden, dass die Verwaltung der Bürger im Staatsgebiet Deutschlands<br />
zu teuer ist für das, was der Bürger dafür erhält.<br />
Die Privatisierung vieler öffentlicher Dienstleistungen ist geboten.<br />
Das Beamtenrecht ist auf den Prüfstand zu stellen. Und der Föderalismus<br />
sollte auf eine geringere Anzahl Bundesländer hin betrieben werden.<br />
Die Zusammenlegung von Ministerien, auf allen Regierungsebenen wäre<br />
ein Vorschlag, der begleitet werden sollte durch die Konzentration der<br />
Bundesregierung ausschließlich in Berlin mit Aufgabe Bonn.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir haben noch viele Fragen zum Thema Arbeitslose<br />
und Wettbewerbsfähigkeit, bleiben aber noch einen Moment beim neuen<br />
Finanzkonzept der rot-grünen Koalition.
</p>
<p>
t<b>utz:</b> Wenn Eichel die Stabilitätskriterien bricht,<br />
ist das ein falsches Signal an die neuen Länder, es ihm gleich<br />
zu tun? Erleidet die EU damit auf den Finanzmärkten einen Vertrauensverlust?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Ohne Zweifel hier hat das Brechen<br />
der Finanzkriterien durch die Bundesrepublik uns einen deutlichen Imageverlust<br />
beschert. Da die kleineren Länder die Kriterien weitgehend erfüllen,<br />
können wir neben Frankreich und Italien wesentlich schwerer auf<br />
Einhaltung und Konsolidierung der Staatshaushalte drängen. Zusammengefasst<br />
wir haben einen Trumpf der Einflussnahme auf Europa aus der Vorbildfunktion<br />
aufgegeben.
</p>
<p>
<b>abbau:</b> Allerdings sind auch die Institute über<br />
das Vorgehen uneins. Die Mehrheit hält es für erforderlich,<br />
dass der Stabilitäts- und Wachstumspakt eingehalten und ein zusätzliches<br />
Sparpaket aufgelegt wird. Das Berliner DIW und das IWH aus Halle schlagen<br />
dagegen vor, die Konsolidierung mittelfristig durch einen verbindlichen<br />
Ausgabenpfad voranzutreiben und Einnahmen je nach Konjunkturverlauf<br />
schwanken zu lassen. Wem stimmen sie zu?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun: </b>Ich stimme erstmal dem zusätzlichen<br />
Sparpakt auf allen Ebenen (Bund, Land, Kommunen) zu. Und das zweite<br />
ist ein Umschichten von Ausgaben zu Lasten der Alten und zu Gunsten<br />
der Bildung oder Jugend.
</p>
<p>
<b>Zum:</b> Die Wirtschaft lahmt, die Politik soll was tun:<br />
wo sollte sie sparen und wo investieren? Was ist denn falsch am Kurswechsel?<br />
Wenn die Regierung nichts machen würde, würden auch alle schimpfen?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Am Kurswechsel, wenn man Agenda<br />
2010 meint, ist die Kritik nur, dass er nicht weit genug geht, um schneller<br />
Wirkung zu zeigen. Herr Herzog hatte einen Ruck gefordert, der durchs<br />
Land gehen müsse. Mit dem Abmildern der Einschnitte kommt es immer<br />
wieder zu Hinnahmen, die aber nicht zu der veränderten Einstellung<br />
führen. Neben dem, was die Politik tun kann, sind an erster Stelle<br />
die Unternehmen gefordert. Innovation ihrer Produkte und Dienstleistungen<br />
sind die wichtigste Aufgabe und notwendige Gedanken zu Mergers und Akquisitionen.
</p>
<p>
<b>Waigel:</b> Fehlt Eichel ein klares Konzept in der Finanzpolitik?<br />
Ist er der richtige Mann oder gehört er ausgewechselt? Den Bundesbank-Chef<br />
hat er ja auch abgesägt!
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> In der Steuerpolitik hat er zwar<br />
ein Konzept, aber dieses halte ich den Ziel der Standortverbesserung<br />
Deutschlands als nicht ausreichend dienend. Es bringt nichts die Einkommens-<br />
und Körperschaftssteuern zu senken, und gleichzeitig eine Mindestbesteuerung<br />
einzuführen oder über die Länder die Diskussion um Gewerbesteuer,<br />
Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer neu zu beleben. Was wir brauchen<br />
ist ein Abgleich zu den wichtigsten Investorländern, um dem Standort<br />
eine steuerliche Grundattraktivität zu geben. Dann kommen dazu<br />
die anderen Faktoren, die einen Standort attraktiv machen: Arbeitsplatzattraktivität,<br />
Forschungspotential, um nur zwei zu nennen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir sind bereits am Ende der Stunde angelangt.<br />
Noch eine letzte Frage zur Ausbildungsplatzabgabe.
</p>
<p>
<b>treiber002:</b> Warum sind Sie so sehr gegen eine Ausbildungsplatzabgabe?<br />
Glauben Sie, die Industrie würde sich auch nur ein bisschen bewegen<br />
ohne die Androhung eines solchen Gesetzes?
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Die Industrie hat im zurückliegenden<br />
Jahr bei einer deutlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit geschafft, die<br />
Minderung der Ausbildungsplätze auf wenige Tausend zu begrenzen.<br />
Ein Beispiel dafür ist die Wirtschaft, die ihre Verantwortung gegenüber<br />
jungen Menschen am Ende ihrer Schulzeit wahrnimmt. Eine Ausbildungsplatzabgabe<br />
würde dazu führen, dass viele Betriebe ihre außergewöhnlichen<br />
Anstrengungen, die weit über die Kosten einer Ausbildungsplatzabgabe<br />
hinausgehen, unterlassen würden. Wahrscheinlich mit dem Argument,<br />
der Staat will&#8217;s besser richten, so soll er&#8217;s doch! Dies führt<br />
zu einer weiteren Verschulung der Berufsausbildung ohne betriebliche<br />
Bindung und ohne Anpassung an den zukünftigen Bedarf mit der Konsequenz,<br />
dann zwar eine schulische Berufsausbildung zu haben, aber in einem Berufsfeld,<br />
das in hohem Maße nicht nachgefragt wird. Beispiele hierfür<br />
gab es aus den vielen Umschulungsprogrammen der ehemaligen Arbeitsämter<br />
und den Weiterbildungsmaßnahmen dieser Institutionen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Chat-Stunde ist leider bereits vorbei,<br />
vielen Dank für das große Interesse. Vielen Dank Herr Braun,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Die Transkripte aller Chats finden<br />
Sie auf den Seiten der Veranstalter. Zum nächsten Chat kommt Gesine<br />
Schwan, Kandidatin von SPD und Grünen für das Amt der Bundespräsidentin.<br />
Der Chat findet am kommenden Donnerstag, 6. Mai um dreizehn Uhr statt.<br />
Das tacheles.02-team wünscht allen Teilnehmern noch einen schönen<br />
Tag. tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wir unterstützt von tagesspiegel.de und sueddeutsche.de.
</p>
<p>
<b>Ludwig Georg Braun:</b> Ich fand die Fragen sehr interessant<br />
und aufschlussreich. Ich hoffe, mit meinen Antworten einige Klarstellungen<br />
und Hintergründe für wirtschaftliche Entscheidungsebenen gegeben<br />
zu haben. Herzlichen Dank!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Die Beitrittsländer</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/presseschau/wissensgesellschafterweiterungueberblick-shtml-2535/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Apr 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Litauen]]></category>
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		<category><![CDATA[Malta]]></category>
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		<category><![CDATA[Lettland]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer mehr über die politischen Systeme der neuen EU-Mitglieder erfahren will, kann sich auf den jeweiligen Homepages von Parlament, Regierung und Staatspräsident informieren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer mehr über die politischen Systeme der neuen EU-Mitglieder erfahren will, kann sich auf den jeweiligen Homepages von Parlament, Regierung und Staatspräsident informieren.<!--break--></p>
<p>
                              <br />
                              <strong>Wer mehr über die politischen Systeme der neuen EU-Mitglieder erfahren will, kann sich auf den jeweiligen Homepages von Parlament, Regierung und Staatspräsident informieren.</strong>
                            </p>
<p>
                              <strong><br />
                                <br />
                              </strong>
                            </p>
<p>
                            <img decoding="async" height="26" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/estland.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Estland</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des estnischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://www.riigikogu.ee/?lang=en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Riigikogu</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="http://www.riik.ee/en/valitsus/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">estnischen Regierung</a></li>
<li>Homepage des estnischen Präsidenten:<br />
                              <a href="http://www.president.ee/eng/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arnold Rüütel</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 46,7</li>
</ul>
<p></p>
<p>
                            <img decoding="async" height="27" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/lettland.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Lettland</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des lettischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://www.saeima.lv/index_eng.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Saeima</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="http://www.mk.gov.lv/index.php/en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">lettischen Regierung</a></li>
<li>Homepage der lettischen Präsidentin:<br />
                              <a href="http://www.president.lv/index.php?pid=210" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vaira Vike-Freiberga</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 15</li>
</ul>
<p></p>
<p>
                            <img decoding="async" height="27" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/litauen.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Litauen</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des litauischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://www3.lrs.lt/pls/inter/w4_home.int_ang" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Seimas</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="http://www.lrv.lt/main_en.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">litauischen Regierung</a></li>
<li>Homepage des litauischen Präsidenten:<br />
                              <a href="http://www.president.lt/en/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rolandas Paksas</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 68</li>
</ul>
<p></p>
<p>
                            <img decoding="async" height="27" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/malta.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Malta</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des maltesischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://parliament.gov.mt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">House of Representatives</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="http://www.gov.mt/index.asp?l=2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">maltesischen Regierung</a></li>
<li>Homepage des maltesischen Präsidenten:<br />
                              <a href="http://president.gov.mt" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Edward Fenech Adami</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 13,7</li>
</ul>
<p></p>
<p>
                            <img decoding="async" height="27" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/polen.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Polen</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des polnischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://www.sejm.gov.pl/english.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sejm</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="http://www.kprm.gov.pl/english/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">polnischen Regierung</a></li>
<li>Homepage des polnischen Präsidenten:<br />
                              <a href="http://www.prezydent.pl/dflt/en_index.php3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aleksander Kwasniewski</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 7,7</li>
</ul>
<p></p>
<p>
                            <img decoding="async" height="27" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/slowakei.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Slowakei</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des slowakischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://www.nrsr.sk/english/default.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Narodna Rada</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="http://www.government.gov.sk/english/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">slowakischen Regierung</a></li>
<li>Homepage des slowakischen Präsidenten:<br />
                              <a href="http://www.prezident.sk/page" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ivan Gasparovic</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 12,4</li>
</ul>
<p></p>
<p>
                            <img decoding="async" height="27" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/slowenien.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Slowenien</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des slowenischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://www.dz-rs.si/index_an.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Drzavni zbor</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="http://www.gov.si/vrs/ang/index-ang.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">slowenischen Regierung</a></li>
<li>Homepage des slowenischen Präsidenten:<br />
                              <a href="http://www.up-rs.si/eng/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Janez Drnovšek</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 23</li>
</ul>
<p></p>
<p>
                            <img decoding="async" height="27" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/tschechien.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Tschechien</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des tschechischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://www.psp.cz/cgi-bin/eng/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Poslanecká snemovna</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="http://wtd.vlada.cz/eng/aktuality.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tschechischen Regierung</a></li>
<li>Homepage des tschechischen Präsidenten:<br />
                              <a href="http://www.hrad.cz/cz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vaclav Klaus</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 12,2</li>
</ul>
<p></p>
<p>
                            <img decoding="async" height="27" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/ungarn.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Ungarn</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des ungarischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://www.mkogy.hu/parl_en.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Országgyüles</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="http://www.meh.hu/english" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ungarischen Regierung</a></li>
<li>Homepage des ungarischen Präsidenten:<br />
                              <a href="http://www.embajada-hungria.org/s/hun_pol_cv_madl.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ferenc Mádl</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 29,6</li>
</ul>
<p></p>
<p>
                            <img decoding="async" height="27" src="/edemocracy/netzkampagnen/osterweiterung/images/zypern.jpg" width="40" alt="" /><br />
                            <strong>Zypern</strong></p>
<ul>
<li>Homepage des zyprischen Parlamentes:<br />
                              <a href="http://www.parliament.cy/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">House of Representatives</a></li>
<li>Homepage der<br />
                              <a href="www.pio.gov.cy" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zyprischen Regierung</a></li>
<li>Homepage des zyprischen Präsidenten:<br />
                              <a href="http://www.cyprus.gov.cy/cyphome/govhome.nsf/Main?OpenFrameSet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tassos Papadopoulos</a></li>
<li>Internetverbreitung pro 100 Einwohner (2001): 10,6</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Türkei braucht EU-Beitrittsperspektive</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tuerkei-braucht-eu-beitrittsperspektive-268/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Claudia Roth]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><br />
</span></b></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir die Grünen-Politikerin und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung,<br />
Claudia Roth. Sie wird in den kommenden 60 Minuten Ihre Fragen beantworten.<br />
Frau Roth, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ja, ziemlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat sich erneut nachdrücklich gegen<br />
eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union<br />
ausgesprochen. Eine Mitgliedschaft der &quot;türkischen Freunde&quot;<br />
überfordere die EU. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich halte diese Position für absolut falsch. Eine demokratische Türkei,<br />
die den Menschenrechten, den Minderheitenrechten, der Rechtsstaatlichkeit<br />
verpflichtet ist, muss ihren Platz in Europa haben dürfen. Europa<br />
ist nicht der Hort des christlichen Abendlandes, sondern basiert auf Menschenrechten,<br />
Grundrechten und Demokratie. Gerade nach dem 11. September wäre die<br />
Mitgliedschaft der Türkei in der EU ein Ausdruck der Stärke<br />
und ein Signal des Dialogs der Kulturen und des Dialogs der Religionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Hier bitte ich auf den 2. Teil der Frage zu achten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Wie stehen Sie zum EU-Beitritt der Türkei? Sind in der Türkei<br />
nicht Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es gibt in der Tat erhebliche Verbesserungen in der Türkei. Zum Beispiel<br />
wurde die Todesstrafe abgeschafft, wird die Folter bekämpft, gibt<br />
es den Beginn der Anerkennung der kurdischen Realität und die Zurückdrängung<br />
des Militärs aus der Politik. Also eine Dynamik der Veränderungen<br />
ausgelöst durch die EU-Beitrittsperspektive. Das reicht aber noch<br />
nicht aus. Es entscheidet nicht die Papierform von Gesetzen, sondern die<br />
Umsetzung in die Realität. Das heißt, wir müssen weiter<br />
darauf drängen, dass die ausstehenden Reformen erfolgen und das es<br />
in der Tat zu einer Überwindung von Menschrechtsverletzungen in der<br />
Türkei kommt und zum Beispiel die Rechte der Kurden voll anerkannt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie sieht das von Ihnen erwähnte Drängen konkret aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Indem die Beitrittsperspektive glaubhaft bleibt, indem auf die uneingeschränkte<br />
Erfüllung der so genannten Kopenhagener Kriterien bestanden wird,<br />
indem Defizite immer wieder aufgezeigt werden als Vorrausetzung, dass<br />
Ende 2004 konkrete Verhandlungen über den Beitritt beginnen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Guten Tag! Grundsätzlich zustimmend sieht man jedoch Presseberichten<br />
zufolge noch zu viele Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Zudem<br />
denke ich, dass es für den Moment mit der Aufnahme der zehn Beitrittskandidaten<br />
schon ein erhebliches Maß an Dialog der Kulturen gibt, das es erst<br />
einmal zu &quot;integrieren&quot; gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Die Türkei ist das Land mit der längsten Beitrittsperspektive<br />
überhaupt, beginnend 1963. Konkrete Beitrittsverhandlungen würden<br />
Jahre dauern, aber das Integrationssignal für die Türkei &#8211; und<br />
nicht zuletzt für Millionen von Menschen aus der Türkei, die<br />
bei uns leben &#8211; macht deutlich, dass sie nicht &quot;zweitklassig&quot;<br />
sind. Und dass eine säkulare Demokratie, die ihre Wurzel im Islam<br />
hat, sehr wohl Platz in Europa haben kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hannes</b>:<br />
Ist das Tempo, mit der die EU wächst, nicht zu schnell?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gute Frage. Eine Erweiterung muss immer auch Vertiefung bedeuten, so dass<br />
die Europäische Union nicht zu einem reinen Staatenbund wird. Aber<br />
&#8211; und das ist die Heuchelei, auch von Frau Merkel &#8211; ein konkreter Beitritt<br />
der Türkei in die EU wird mindestens noch 10 Jahre dauern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h</b>:<br />
Wie sehen sie die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
eines Beitritts. Und werden Sie sich als Vertreter des Deutschen Volkes<br />
an seinen Willen halten, oder orientieren Sie sich an Ihrer persönlichen<br />
Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich werde mit meiner Partei versuchen, diese Frage verantwortlich und<br />
nicht demagogisch zu diskutieren. Ich werde Ängste ernst nehmen,<br />
sie aber nicht schüren und auf die Vorteile für die EU und die<br />
Türkei immer wieder hinweisen. Für mich ist das Allerpositivste,<br />
dass es mit europäischer Politik in der Türkei zu wirklich enormen<br />
Reformen im Menschenrechtsbereich gekommen ist. Diese Dynamik darf nicht<br />
abgebrochen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dada</b>:<br />
Wie steht denn ihre Partei zu ihrer Meinung? Haben sie alle hinter sich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Auf dem gestrigen Parteitag wurde diese Frage diskutiert und mit einer<br />
Gegenstimme und einer Enthaltung meine Position unterstützt, die<br />
sagt, keinen Rabatt bei Menschen und Minderheitenrechten und keine Ausgrenzung<br />
aufgrund der Religionen der Menschen, die in der Türkei leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Bleiben wir beim Parteitag &#8211; da spielte das Thema Zuwanderung eine Rolle.<br />
Die Verhandlungen über das neue Zuwanderungsgesetz verlaufen schleppend.<br />
Knackpunkte sind vor allem die Arbeitsmigration und die Finanzierung der<br />
Integration. Am nächsten Freitag soll es eine &quot;Bereinigungssitzung&quot;<br />
geben. Was haben die Grünen als Verhandlungsmasse in der Hand?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir wollen ein Zuwanderungsgesetz, das Einwanderung regelt, das Asylrecht<br />
sichert und die Integration fördert. Deutschland braucht Zuwanderung,<br />
nicht zuletzt aus demografischen und ökonomischen Gründen. Es<br />
ist ein Standortnachteil dafür keine Regelung zu haben. Und es ist<br />
ein demokratischer Standortnachteil, wenn in Deutschland die restriktivste<br />
Anerkennungspraxis in Europa praktiziert wird. Es geht nicht nur um das<br />
ob, sondern wie ein Zuwanderungsgesetz sein wird. Die Vorschläge<br />
der Union wollen diametral das Gegenteil. Das heißt, wir stimmen<br />
nicht um jeden Preis zu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber der Vermittlungsausschuss lebt doch von geben und nehmen. Die Positionen<br />
sind klar. Was können sie geben, um zu einer Einigung zu kommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir haben schon viel gegeben, aber ein Gesetz darf erstens kein Potemkinsches<br />
Dorf sein. Es muss modern Europa-tauglich, völkerrechtskonform und<br />
zukunftsorientiert sein. Wir dürfen nicht auf Jahre eine zukunftsorientierte<br />
Zuwanderungspolitik mit einem falschen Gesetz blockieren. Dafür wäre<br />
die Union in vollem Maße verantwortlich. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und was machen Sie, wenn sich Rot und Schwarz einfach über ihren<br />
Kopf hinweg einigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das wird nicht passieren. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Halten Sie Debatten um Zuwanderung in der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt<br />
für gerechtfertigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nicht nur für gerechtfertigt, sondern für notwendig. Verantwortliche<br />
Politik muss deutlich machen, dass nicht Migranten an Arbeitslosigkeit<br />
Schuld sind. Es gibt Branchen, in denen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen.<br />
Mit der Greencard-Initiative wurden im Schnitt pro Person zwei neue Arbeitsplätze<br />
geschaffen. Das heißt, es findet keine Verdrängung statt, sondern<br />
das Gegenteil. Selbstverständlich muss in Deutschland sehr viel zukunftsorientierter<br />
ausgebildet werden als bisher. Die deutsche Universität leidet unter<br />
dem restriktiven Ausländergesetz. Es fällt immer schwerer, qualifiziertes<br />
ausländisches Lehrpersonal zu bekommen. Wir brauchen aber die Internationalisierung<br />
auch der deutschen Hochschulen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius</b>:<br />
Welches sind die wichtigsten Punkte im Vorschlag der Grünen zum Zuwanderungsgesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Erstens eine Punktesystem, das Einwanderung regelt. Zweitens: Die Anerkennung<br />
nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer Verfolgung. Drittens: Integration,<br />
die mehr als den reinen Spracherwerb bedeutet. Das ist aber mehr als eine<br />
Stakkatoantwort.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das Thema Türkei bewegt die Gemüter, deshalb:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h:</b><br />
Warum wird bei Beitrittsverhandlungen die Türkei beachtet, Russland<br />
jedoch nicht, das auch halb in Asien liegt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Im Ankara-Vertrag wird seit 1963 die europäische Perspektive verankert.<br />
In der Türkei ordnen sich 90 Prozent der Bevölkerung zu Europa.<br />
In der EU leben schon jetzt Millionen von Menschen, die aus der Türkei<br />
zu uns gekommen sind und gerade Deutschland kann eine herausragende Brücke<br />
im Sinne einer starken multikulturellen, multireligiösen EU spielen.<br />
Russland, als EU-Mitglied, würde in der Tat diesen Rahmen sprengen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schweizer</b>:<br />
Was sind die Vorteile für die EU und für Deutschland?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es sind ökonomische Vorteile. Es sind aber vor allem Vorteile, die<br />
in Zeiten von internationalem Terrorismus eine Stärkung der EU durch<br />
eine demokratische Türkei als Signal gegen Terrorismus bedeuten würde.<br />
Der Anschlag auf Istanbul war ein Anschlag auf eine weltoffene, europäische<br />
Metropole. War ein Anschlag auch auf unsere Werte, auf Demokratie, auf<br />
gleiche Rechte von Mann und Frau, war ein Anschlag auf unser Lebens- und<br />
Gesellschaftsmodell und deswegen braucht die Türkei und die EU Integration<br />
und nicht Ausgrenzung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Die großen Vorteile einer europäischen Integration anerkennend,<br />
bedeutet ein Beitritt der Türkei zur EU aber auch eine gemeinsame<br />
Grenze mit dem Irak. Wie sieht der Irak in zehn Jahren aus? Hier sind<br />
im Augenblick nur Spekulationen möglich. Aber müsste eine Befürwortung<br />
des Türkei-Beitritts nicht auch bedeuten, dass sich die Bundesregierung<br />
am (heute leider noch so brenzligen) Nationbuilding im Irak beteiligt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das Nein zum Krieg im Irak hat keinesfalls bedeutet ein Nein zu humanitärer<br />
Hilfe und zur Unterstützung des politischen Aufbaus des Iraks. Wir<br />
setzen uns im Rahmen der UN massiv dafür ein, zum Beispiel für<br />
einen schnellstmöglichen Souveränitätstransfer auf irakische<br />
Vertreter. Die Situation im Irak ist zutiefst erschütternd und deprimierend<br />
und macht leider deutlich, dass der Krieg nicht positiv gewirkt hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Leiten wir nun zum Thema Vermögenssteuer über &#8211; Benjamin mit<br />
einem interessanten Gedanken:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>benjamin</b>:<br />
Sie reden von Standortnachteil und vom ökonomischen Nutzen. Liberale<br />
Rhetorik &#8211; auch in der Partei mehren sich die Wirtschaftsliberalen? Kommt<br />
die Vermögenssteuer oder bringt die allzu starke Standortnachteile?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Also Wirtschaftsliberale bin ich sicher nicht, sondern alte Jungdemokratin.<br />
Der Standort Deutschland braucht konsequente Reformen. Diese Reformen<br />
sind nötig, um den sozialen Rechtstaat auch in der Zukunft zu erhalten.<br />
Diese Reformen sind nicht sozialer Kahlschlag, wie es Union und FDP wollen.<br />
Reformpolitik findet nur dann Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn<br />
es gerecht zugeht. Mit der Vermögenssteuer wird eine Gerechtigkeitslücke<br />
geschlossen. Es kann nicht sein, dass sich Firmen wie BMW oder Daimler,<br />
armrechnen und keinen Beitrag leisten zum Gemeinwohl diesen Landes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rothenburger</b>:<br />
Vermögenssteuer: Sind die Grünen-Linken um Ströbele unverbesserliche<br />
Anti-Kapitalisten, die den Lauf der Zeit nicht verstehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nein, ich bin Anhängerin des Grundgesetzes, in dem steht, dass Eigentum<br />
verpflichtet. Und ich vermag nicht einzusehen, warum Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger<br />
ihren Beitrag leisten müssen, Vermögende aber nicht. Das hat<br />
nichts mit Anti-Kapitalismus zu tun, sondern mit sozialer Gerechtigkeit<br />
und Solidarität, mit sozialen Rechten, die die Grundlage unserer<br />
Demokratie sind. Working-Poor, Kopfpauschale, Aufhebung des Kündigungsschutzes<br />
ist nicht Lauf der Zeit, sondern ein Anschlag auf unser Gesellschaftssystem,<br />
das auch sozialen Zusammenhalt braucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ist das nicht Augenwischerei. Die Grünen-Spitze hat trotz Entgegenkommen<br />
mehr als klar gemacht, dass es eine effektive betriebliche Vermögenssteuer<br />
nicht geben wird. Es wurde auf dem Parteitag dagegen gestimmt, einen verbindlichen<br />
Gesetzesentwurf von der Bundestagsfraktion zu fordern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Der Parteitag hat sich eindeutig auch für eine betriebliche Vermögenssteuer<br />
ausgesprochen, ohne im Detail die Kriterien zu benennen. Der politische<br />
Wille ist klar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kofi</b>:<br />
Aber im Bundesrat finden sie doch keine Mehrheiten für ihre Aussagen.<br />
Jetzt schöne Reden halten kann ich auch. Aber wie sehen die Kompromisse<br />
aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Dass sie so schöne Reden halten können, freut mich. Aber die<br />
Tatsache, dass es im Bundesrat andere Mehrheiten gibt, darf nicht bedeuten,<br />
schon vorauseilend eigene Positionen aufzugeben. Wir müssen sie als<br />
machbar darstellen und notwendig für die Zukunft und damit die Blockadepatrioten<br />
der CDU/CSU unter Druck setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also doch die Beruhigungspille für ihre Parteibasis, zumindest aus<br />
Sicht von Reinhard Bütikofer und Christine Scheel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Keine Beruhigungspille, sondern politischer Auftrag an Bundesvorstand<br />
und Fraktion. Im Übrigen ist der Konsens sehr groß. Wir wollen<br />
eine Vermögenssteuer, wie sie im Detail aussieht, muss jetzt erarbeitet<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jürgen</b>:<br />
Wie groß ist der administrative Aufwand, um die Vermögenssteuer<br />
einzutreiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Diese Frage unterstellt, dass er zu groß sei. Wir hatten bis 1996<br />
eine Vermögenssteuer. Ich sehe keinen Grund, sie nicht wieder einzuführen.<br />
Wenn wir wissen, wie enorm groß Vermögen in Deutschland ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Anmerkung &#8211; die Vermögenssteuer hat 1996 gerade 4,6 Milliarden eingebracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gerade sagen sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nun ja, bei knapp 43 Milliarden Defizit. Aber nun letzte Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sonnenblumenfee</b>:<br />
Möchten Sie wieder die Grünen-Chefin werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Aus Bayern kommend sage ich, &quot;schaun wir mal&quot;. Diese Frage stellt<br />
sich nicht heute. Deswegen auch heute keine Antwort.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Unsere Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle für ihr Interesse und<br />
die zahlreichen Fragen. Es ist leider Vieles noch unbeantwortet geblieben.<br />
Dank an Sie, Frau Roth. Das Transkript dieses Chats und aller anderen<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Deutsche wollen erweitern, Holländer buchhalten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Dec 2002 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Voice of Civil Europe:]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Föderation]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsform]]></category>
		<category><![CDATA[Umfrage]]></category>
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					<description><![CDATA[Ergebnisse der Online-Umfrage Votes &#38; Quotes von politik-digital.de zur EU-Erweiterung, an der 559 Deutsche und Holländer teilgenommen haben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ergebnisse der Online-Umfrage Votes &amp; Quotes von politik-digital.de zur EU-Erweiterung, an der 559 Deutsche und Holländer teilgenommen haben.<!--break-->
                    </p>
<p>Holländer haben weniger Probleme mit dem Beitritt eines Landes mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung zur EU als Deutsche. Deutsche haben dafür weniger Probleme mit der EU-Erweiterung im Allgemeinen. Eine große Mehrheit der Deutschen und Holländer wünscht sich eine Föderation als Staatsform für Europa in der Zukunft.</p>
<p>Am 12. und 13. Dezember 2002 beraten die europäischen Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen über der Erweiterung der EU. Um auch die Meinungen der ‘normalen’ Bürger zu hören, hat<br />
                    <a href="http://www.democratisch-europa.nl" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Voice of Civil Europe</a>, ein Projekt von drei Organisationen, die Umfrage ‘Erweitern oder Scheitern’ durchführen lassen. Teilnehmer konnten entweder bei jeder Frage aus drei oder vier Antworten (Votes) wählen, oder selber eine Antwort (Quote) eingeben. In den<br />
                    <a href="http://www.politiek-digitaal.nl" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Niederlanden</a> nahmen 170, in<br />
                    <a href="/index.shtml">Deutschland</a> 182 und auf der deutschsprachigen<br />
                    <a href="http://www.europa-digital.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Europa-Webseite</a> haben 207 Besucher an der Umfrage teilgenommen. Diese letzte Gruppe werden wir im folgenden die ‘Europäer’ nennen.</p>
<p>
                    <strong>Holländer sind Buchhalter</strong><br />
                    <br />Etwa 60 Prozent der Niederländer meinten, dass die neuen Länder nicht beitreten dürfen, wenn ihre Finanzhaushalte nicht in Ordnung sind. Das ergaben die Antworten auf die Frage, ob Länder auch zugelassen werden sollen, wenn ihr Beitritt zu weiterem Kaufkraftverlust führen würde. Es gibt hier einen auffälligen Unterschied zwischen Holländern und ihre östlichen Nachbarn. Deutsche und Europäer sind flexibeler: 60 Prozent sind der Meinung, dass der Beitritt überhaupt nichts mit Preissteigerungen zu tun habe. Die Europäer haben kaum Angst vor Kaufkraftsverlust: 85 Prozent sagen, dass die neuen Länder einfach beitreten sollten.<br />
                    <br />Hat die niederländische Rigidität vielleicht etwas damit zu tun, daß sie als einziges Land die Stabilitätskriterien unter drei Prozent halten wollen?</p>
<p>
                    <strong>‘Will die Türkei eigentlich überhaupt Europa zugehören?’</strong><br />
                    <br />Bei den letzten Parlamentswahlen in der Türkei hat überraschend die gemäßigt-islamische Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) unter Reçep Tayyip Erdogan. gesiegt. Passt ein Land mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung aber überhaupt in die EU? Auf die Frage, ob es jetzt noch möglich sei, der Türkei eine Beitrittsperspektive zu geben, antworteten 60 Prozent der Holländer mit Ja. Dagegen fanden 64 Prozent der Europäer aber, dass der Sieg einer islamischen Partei ein falsches Signal sei. Diese Teilnehmer fürchten, dass die Türken ihren kulturellen Hintergrund wichtiger finden als die sogenannte “europäische” Kultur. 70 Prozent der Deutschen haben kein Problem mit einem türkischen Beitritt, aber 50 Prozent wünschen, dass für die Türkei unbedingt die finanziellen und wirtschaftlichen Beitrittskriterien gelten sollen. Ein Europäischer Besucher hatte allerdings Zweifel an den Motiven des Beitrittskandidaten: ‘Will die Turkei eigentlich überhaupt Europa noch zugehören?’</p>
<p>E<br />
                    <strong>uropäische Volkswanderung</strong><br />
                    <br />Was sind die Folgen der Erweiterung für den Arbeitsmarkt in den heutigen Mitgliedsländern? Darüber waren sich die Befragten nicht einig. Auf allen Seiten wurde in Quotes mitgeteilt, dass es schwer vorauszusehen sei, was passieren wird. Vielleicht blieben die Ost-Europäer im eigenen Land, weil die wirtschaftlichen Perspektiven dort besser werden. Vielleicht wollen sie aber die neue Freizügigkeit nutzen, um anderswo Arbeit zu finden. 36 Prozent der Holländer erwarten eine Zunahme der Arbeitsmigration und lehnen diese ab, weil es schon so viele Problemen mit der Integration gäbe. Fast die Hälfte der Deutschen ist der Ansicht, dass nicht allzu viele Menschen ihre Heimat verlassen werden, da der EU-Beitritt den neuen Ländern neue Perspektiven gäbe. Ein Europäischer Besucher war optimistisch: “Der notwendige Umbau unseres Arbeitsmarktes wird durch die Erweiterung beschleunigt. Der Arbeitsmarkt muss flexibler werden, hoch subventionierte Arbeitsplätze haben auch ohne Erweiterung keine langfristige Zukunft.”</p>
<p>
                    <strong>Streng zu uns selber</strong><br />
                    <br />Sind die wirtschaftlichen und finanziellen Kriterien für die Kandidaten zu streng? Die Mehrheit der Deutschen (67 Prozent) und 42 Prozent der Europäer meinten, dass strenge Kriterien der beste Garant für einen stabilen Europäischen Markt wären. Ein Holländer schrieb, dass die Kriterien in den heutigen wirtschaftlich schlechten Zeiten noch strenger sein sollten. ‘”Ohne wirtschaftlichen Erfolg wird die benötigte Legitimität der EU nie entstehen”. Eine Minderheit fand die Kriterien zu streng. Ein Deutscher schrieb: “Ja, wenn schon Deutschland einen blauen Brief bekommt&#8230;”.</p>
<p>
                    <strong>Kein Einheitsbrei, sondern eine Föderation</strong><br />
                    <br />Die Teilnehmer der Umfrage sind sich eining in der Beantwortung der Frage, wie die Europäische Union in Zukunft aussehen sollte. Europa soll eine Föderation werden. Eine große Mehrheit bevorzugt diese Option einem “Superstaat” oder einer “Zusammenarbeit”. In einer Föderation sollte dann zwar gemeinsam die Politik gestaltet werden, wie die Außen- und Sicherheitspolitik und die Wirtschaftspolitik. Aber genau wie in den USA sollte den Mitgliedern Raum gelassen werden für eigene Politik und eigenem Stil. Ein deutscher Besucher nannte schon einige Mottos: “Föderation mit gewollten Unterschieden. Es darf keinen Einheitsbrei geben, der durch Verwaltungen gelähmt ist. Weniger Staat, mehr Freiheit!”</p>
<p>
                    <strong>Voice of Civil Europe</strong><br />
                    <br />Die Ergebnisse dieser Umfrage werden auf einer internationalen Konferenz in Amsterdam am 12. Dezember präsentiert. Diese Veranstaltung wird organisiert von “The Voice of Civil Europe” und findet gleichzeitig zum EU-Gipfel in Kopenhagen statt. Das Ziel von<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkampagnen/voiceeu1.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Voice</a> ist es, die Debatte über die Zukunft Europas auch außerhalb der Europäischen Institutionen zu führen und eine breite öffentliche Diskussion der Bürgerinnen und Bürger anzuregen.</p>
<p>
                      <a href="http://www.europa-digital.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.europa-digital.de</a><br />
                      <br />
                      <a href="/index.shtml">www.politik-digital.de</a><br />
                      <br />
                      <a href="http://www.politiek-digitaal.nl" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.politiek-digitaal.nl</a><br />
                      
                    </p>
<p>
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 12.12.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die kulturellen Grenzen Europas sind nicht klar zu definieren</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/voice-of-civil-europe/netzkampagnenvoiceeu2-shtml-2573/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2002 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Voice of Civil Europe:]]></category>
		<category><![CDATA[Atzo Nicolai]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Einführung]]></category>
		<category><![CDATA[Stabilitätspakt]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Agrarsubventionen]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Interview mit Atzo Nicolai, Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten im niederländischen Außenministerium.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Interview mit Atzo Nicolai, Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten im niederländischen Außenministerium.<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong><br />
                    <br />Wir wollen über die Vergrößerung der EU sprechen. Meine erste Frage bezieht sich auf kulturelle Aspekte. Die EU ist ja nicht nur ein wirtschaftliches oder politisches Projekt, sondern auch ein kulturelles. Was sind Ihre Hoffnungen und Befürchtungen im Hinblick auf die Erweiterung der EU? Welche kulturellen Inspirationen bekommen Sie/wir von diesen Ländern?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Die Frage der Erweiterung der EU sollte man aus einer gewissen Distanz betrachten. Es dreht sich hierbei um eine historische und kulturelle Entwicklung. Ich glaube, momentan wird versucht, Europa in gewisser Weise wiederzuvereinen. Wir hatten bereits Perioden eines mehr oder weniger vereinten Europas. Natürlich gab es immer das Paradoxon Europas als kulturellem Phänomen, dass nämlich die Essenz der europäischen Kultur in ihrer Vielfältigkeit liegt. Denn was ist die Essenz einer Sache, wenn die Essenz Vielfältigkeit bedeutet?<br />
                    <br />Interessant ist, dass wir in Europa auf einer abstrakten Ebene eine geteilte und gemeinsam erlebte Geschichte haben, auch wenn es historische Unterschiede und unterschiedliche Einstellungen, Bräuche und unterschiedliche kulturelle Hintergründe gibt. Damit haben wir zwei Ebenen, das ist meiner Meinung nach einer der spannendsten Aspekt Europas. Wenn man ein Stadium erreichte, in der alle Menschen in Europa zwei Identitäten besitzen, eine nationale und ein europäische, so wäre das eine großartige Sache. Vielleicht wären diese zwei Identitäten sogar besser als lediglich eine europäische Identität.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Was ist mit den Grenzen dieser Identität – Beispiel Türkei. Gehört auch die Türkei zu Europa? Europa ist mehrheitlich „christlich-abendländisch“ geprägt. Ist die Mitgliedschaft islamisch-gläubiger Menschen ein Problem oder eine Herausforderung für Europa?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Das ist ein schwieriges Thema. Die kulturellen Grenzen Europas sind nicht klar zu definieren. Einerseits sehe ich die Türkei in kultureller Hinsicht nicht als uneuropäisch an, doch gleichzeitig ist sie auch nicht im „Zentrum“ Europas. Das heißt, sie ist gewissermaßen am Rand. Aus kultureller Perspektive ist ein Mitgliedschaft der Türkei sicherlich möglich . Ganz im Gegenteil, wenn man die Werte betrachtet, die nun in der Türkei zumindest diskutiert, jedoch auch mehr und mehr implementiert werden, so muss man sagen, die Türkei ist relativ europäisch.<br />
                    <br />Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: Das ist zuwenig europäisch, zuwenig christlich und zuviel Islam. Ich glaube auch nicht, dass das das eigentliche Problem ist. Die Diskussion dreht sich eigentlich um die Werte, die wir in Europa teilen. Meiner Meinung nach teilen wir bereits viele Werte in Europa und die EU teilt viele mit der Türkei. Aber wir müssen auch erkennen, dass es noch Differenzen gibt. Es gibt ein gutes Beispiel für den eingeschlagenen Reformweg, nämlich die Todesstrafe in der Türkei. Die Todesstrafe ist &#8211; mit Ausnahme von Kriegszeiten – abgeschafft worden. Aber es gibt noch einiges zu tun, aber mehr auf der praktischen Ebene als auf kultureller Ebene, so dass man nicht sagen kann, die Türkei gehöre nicht zu Europa.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Kommen wir zu einem anderen Aspekt – dem Stabilitätspakt. EU-Kommisar Romani Prodi hält ja beispielsweise sehr wenig davon, in Deutschland will man ihn wieder lockern. Die Beitrittsländer müssen während einer zweijährigen Übergangsphase am Europäischen Wechselkurssystem teilnehmen, um die Stabilität der landeseigenen Währung unter Beweis zu stellen. Danach müssen sie die strengen Maastricht-Kriterien erfüllen, um den EURO einführen zu dürfen. Gibt es einen Zweiklassen-Stabilitätspakt?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ich denke, die Trennlinie liegt eher zwischen den großen und kleinen Ländern und der Frage, wie streng die Stabilitätskriterien ausgelegt werden sollen. Im Moment wird darüber heftig diskutiert. Die Ansicht Frankreichs oder Deutschlands, die Kriterien flexibeler auszulegen, halte ich für unglücklich. Denn die Position der Niederlande und meine ist eindeutig. Alle Länder sollten sich an die gemachten Vereinbarungen halten, egal ob es Luxemburg, Slowenien oder Frankreich ist. Denn für unsere Volkswirtschaften und das Vertrauen in die Politik der EU ist die Einhaltung der Stabilitätskriterien von entscheidener Bedeutung.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Der EURO ist Anfang des Jahres gestartet. Viele Menschen in Deutschland sind von der EURO-Einführung enttäuscht, weil sich vieles verteuert hat. Die neuen Beitrittskandidaten sind wirtschaftlich nicht so stark und nun fürchten sich viele Menschen vor einem weiteren Kaufkraftverlust. Verstehen Sie diese Ängste?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ja. Auch in den Niederlanden waren viele über den EURO enttäuscht. Die zweite Enttäuschung ist die Diskussion, die wir nun über den Stabilitätspakt führen, beispielsweise die Diskussion in Frankreich und Prodis Kritik. Dadurch gibt es viele Sorgen und Zweifel. Doch ich denke, dass die Sorgen um die Stabilitätskriterien größer sind als jene um den Beitritt der neuen Länder. Und wir wissen, dass der Beitritt zu EU nicht gleichzeitig ein Beitritt zu Eurozone ist. Dadurch gewinnen wir Zeit und Möglichkeiten, eine Stabilitätsgarantie für den EURO zu entwickeln.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Zum Thema Beschäftigung: Wird es zu massiver Einwanderung von Arbeitskräften aus den neuen Mitgliedsländern kommen? Sollte es Übergangsfristen geben, die diese Einwanderung beschränkt oder sollten auch die Neumitglieder von Beginn an die Niederlassungsfreiheit haben?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Nun, einer der essenziellen Aspekte Europas ist der gemeinsame Markt, deshalb kann man Mitgliedsstaaten nicht davon ausschließen. Ich glaube, wenn ein Land in der EU akzeptiert wird, müssen wir auch die daraus entstehenden Konsequenzen akzeptieren.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Es sollte also keine Übergangsfristen bzw. Schutzklauseln geben?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Nicht generell, gibt es doch einen Zusammenhang mit der Diskussion über die Schutzklauseln. Die Niederlande befürworten die Schutzklauseln, d.h. die Möglichkeit, Länder auszuschließen, die gegen EU Interessen verstoßen. Wir sind froh über diesen Vorschlag der Kommission. Doch wir hatten viele Fragen diesbezüglich und auch Ideen, die über den Kommisssionvorschlag hinausgehen. Der letzte EU Gipfel beinhaltet mehr oder weniger unseren Vorschlag, bezüglich der Schutzklauseln weiter zu gehen. Ich glaube, mittlerweile haben wir ein gutes System. Damit haben wir eine guten Weg gefunden, den Beitrittskandidaten zu sagen: „Gut – ihr seid in den meisten Bereichen beitrittsfähig, doch noch nicht in allen Aspekten. Also schließen wir euch in einige Aspekten aus.“ Das gibt uns die Handlungsoption, die Niederlassungsfreiheit von Arbeitnehmern einzuschränken, ohne das prinzipielle Recht dazu zu verneinen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Was ist mit den Agrarsubventionen? Bauer X aus Polen hatte sich schon gefreut. Bald würden sie kommen, die Subventionen, die seine Kollegen im Westen so reichhaltig aus Brüssel erhalten. Doch wird Bauer X noch zehn Jahre ein Bauer zweiter Klasse bleiben. Denn nur schrittweise, bis 2013, gelangen die Landwirte aus den Beitrittsländer an den vollen Satz der EU-Agrarsubventionen. Sind diese Landwirte fit für den Binnenmarkt?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ja, ich glaube schon. Das wird sich zwar bis 2013 hinziehen, aber dann bekommen sie die gleiche Einkommensunterstützung. Ich glaube, sie habe die Möglichkeit, der Konkurrenz standzuhalten.</p>
<p>                    <strong>politik-digital:</strong> Aber sie bekommen nicht die gleichen Subventionen. Ich glaube daher, dass in diesen Ländern viele Bauern befürchten, dass sie keine faire Chance gegenüber ihren Kollegen in Frankreich etwa haben.</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ich denke, sie habe eine Chance – vielleicht nicht sofort. Aber, wie Sie vielleicht wissen, sind die Niederlande überhaupt dafür, dieses System der direkten Einkommensunterstützung zurückzunehmen. In diesem Fall hätten wir dann gar kein Problem.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Glauben Sie, dass dieses System auf jeden Fall geändert werden muss?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ja, absolut! Letzte Woche in Brüssel haben wir lediglich kleine Fortschritte in diesem Bereich erzielt, doch das war trotzdem ein wichtiger Schritt. Das finanzielle Abkommen führt zu einer Senkung der Einkommensunterstützung. Hoffentlich gibt es noch eine Diskussion über den Bericht des Landwirtschaftskommissars Fischler, in der größere Änderungen für das nächste Jahr geplant werden, was wir sehr befürworten. Wir können das auch erreichen – wir haben die Unterstützung Deutschlands, Schwedens, Großbritanniens und anderer Länder, vielleicht auch die der Neumitglieder. Andererseits sind natürlich alle neuen Beitrittskandidaten für das Subventionssystem. Ich hoffe also, dass wir es im nächsten Jahr grundlegend verändern können.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Bezüglich der Position ihrer Partei zur EU-Erweiterung – der Liberalen Partei – gab es in der Presse widersprüchliche Aussagen. Im Rahmen ihrer Regierungsbeteiligung unterstützen sie die EU-Erweiterung. Im Parlament waren dazu von der Liberalen Partei deutlich kritischere Meinungen zu hören. Können Sie dazu bitte stellungnehmen?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Außerhalb der Niederlande gibt es einige Missverständnisse darüber und auch über die Position der Liberalen Partei in den Niederlanden, weil die Liberalen vehemente Befürworter der EU-Erweiterung sind. Andererseits waren die Liberalen sehr strikt bezüglich des Abkommens über die Kopenhagener Kriterien. Das war wichtig für die Liberalen, und betrachtet man die Berichte der Kommission bezüglich der Fortschritte, so haben in vielen wichtigen Themen viele der Beitrittsländer noch Nachholbedarf. Trotzdem ist die Einschätzung der Kommission sehr positiv, da sie annimmt, das alle Probleme bis zum Beitritt gelöst werden können. Das stellt ein Problem dar. Die Liberalen haben darauf hingewiesen, dass Länder, die jetzt noch nicht beitrittsfähig sind, es vielleicht auch zur Zeit des Beitrittes noch nicht sind. Bei genauer Betrachtung muss man momentan sagen, dass nicht alle der Länder völlig beitrittsfähig sind. Das war die Stoßrichtung der Liberalen im Parlament und die Argumentationslinie der Parteispitze.– ich gehöre ja auch den Liberalen an, bin aber nicht im Parlament vertreten.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Welche Länder meinen Sie beispielsweise?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Im Parlament wurden unter anderem Polen, Lettland, Litauen und die Slowakei genannt.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Zum Abschluss eine persönliche Frage: Was ist denn ihre europäische Lieblingsspeise – die neuen Mitgliedsländer eingeschlossen?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Das ist die schwierigste Frage, die Sie mir stellen: Blinis denke ich.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Vielen Dank Herr Nikolai!</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Bye.</p>
<p></p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 07.11.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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