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	<title>Euro-Stabilitätspakt &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Euro-Stabilitätspakt &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Eine Steuerreform auf Pump lehne ich ab.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine-steuerreform-auf-pump-lehne-ich-ab-281/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Dagmar Wöhrl]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindefinanzreform]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Stabilitätspakt]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionsabbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dwoehrl.jpg" alt="Dagmar Wöhrl" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b>Dagmar Wöhrl, wirtschaftspolitische 
Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am 24. September 2003 zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dwoehrl.jpg" alt="Dagmar Wöhrl" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b>Dagmar Wöhrl, wirtschaftspolitische<br />
Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am 24. September 2003 zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Heute ist die wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag,<br />
Dagmar Wöhrl (CSU), zum Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Kann<br />
es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Der Fraktionsvize Friedrich Merz hat mit seinem Rückzug vom Rückzug<br />
für viel Aufregung in der Unionsfraktion gesorgt. Nun streiten sich<br />
die Geister. Hat er damit Angela Merkels Position gestärkt oder geschwächt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also, Angela Merkel hat gestern ein sehr gutes Ergebnis bekommen bei ihrer<br />
Wahl zur Fraktionsvorsitzenden der Union, so dass es keinesfalls zu einer<br />
Schwächung gekommen ist. Wir sind froh, dass sich Herr Merz gestern<br />
wieder zur Wahl als Fraktions-Vize gestellt hat, denn er ist einer der<br />
fähigsten Wirtschafts- und Finanzpolitiker der Union.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ehrich</b>:<br />
Was waren die Motive des Zickzack-Kurses von Friedrich Merz vor der Wahl<br />
zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Er hat seine Kritik an der Gesundheitsreform zum Ausdruck gebracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lassie</b>:<br />
Merz, mit dem schlechtesten Ergebnis aller Stellvertreter, hat einen Denkzettel<br />
verpasst bekommen. Er verteidigt sich, dass er in der Sache ein Thema<br />
angesprochen habe, &quot;bei dem viele Kolleginnen und Kollegen mit mir<br />
einer Meinung sind, sowohl vom Verfahren wie vom Inhalt. Diese Gesundheitsreform<br />
ist für uns eine schwere Entscheidung.&quot; Auch für Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Dass wir alle nicht glücklich sind, über diese Gesundheitsreform,<br />
kann man, glaube ich, verstehen. Wichtig wäre eine große Strukturreform<br />
gewesen, aber wenn man einen Konsens finden will, müssen natürlich<br />
auch Abstriche gemacht werden. Wenn wir an der Regierung gewesen wären,<br />
hätte eine Gesundheitsreform anders ausgesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie werden Sie im Bundestag abstimmen? Mit Ja oder Nein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich werde mit Ja abstimmen. Aber auch in dem Wissen, dass es nicht das<br />
Ende einer Gesundheitsreform ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernie</b>:<br />
Gemeindefinanzreform: Auf welcher Seite stehen sie? Auf der Seite des<br />
Städtetages oder stimmen sie dem BDI (die Gewerbesteuer abzuschaffen)<br />
zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Nach meiner Auffassung entspricht keiner der beiden Vorschläge einer<br />
richtigen Gemeindefinanzreform. Es müssen nochmals neue Vorschläge<br />
erarbeitet werden. Da die Gemeinden und Städte jedoch mit dem Rücken<br />
an der Wand stehen, hat die Union einen Sofortprogramm-Antrag eingebracht,<br />
wonach den Kommunen auf ein Jahr befristet der Umsatzsteueranteil erhöht<br />
werden soll und die von Rot-Grün erhöhte Gewerbesteuerumlage<br />
von 28 auf 20 Prozent zurückgenommen werden soll. Ich bin ein absoluter<br />
Gegner davon, ertragsunabhängige Elemente wie auch Mieten, Leasingraten<br />
und Zinsen in die Berechnung mit aufzunehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Klagen der Kommunen werden immer &quot;lauter&quot; &#8211; trotzdem scheinen<br />
Sie keine richtig &quot;Lobby&quot; in der Bundespolitik zu haben oder<br />
täuscht der Eindruck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Die größten Lobbyisten bei der Gemeindefinanzreform sind die<br />
Politiker selbst, da sehr viele früher in der Kommunalpolitik tätig<br />
gewesen sind und die Beschwerden der Bürger in ihren Wahlkreisen<br />
über Schließungen von Schwimmbädern, Schulbüchereien,<br />
usw. hautnah mitbekommen. Auch ich komme aus der Kommunalpolitik und kann<br />
so meine Erfahrungen aus dieser Zeit mit einbringen. Eigentlich sollte<br />
jeder Bundespolitiker vorher in der Kommunalpolitik tätig gewesen<br />
sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kohler</b>:<br />
Welche anderen Subventionen sollen abgebaut werden? Was werden Koch und<br />
Steinbrück am kommenden Dienstag vorstellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also: Was wissen Sie schon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also, ich weiß noch nichts genaues, aber ich gehe davon aus, dass<br />
eine Pauschalenkürzung von 10 % über 3 Jahre vorgeschlagen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hugo_Boss</b>:<br />
Die Kürzung der Pendlerpauschale ist im Haushaltsbegleitgesetz 2004<br />
Teil eines umfassenden Subventionsabbaus. Sind Sie gegen die Kürzung<br />
der Entfernungs-Pauschale für Berufspendler auf 15 Cent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Die Entfernungspauschale ist für ein Flächenland wie Bayern<br />
eine wichtige Angelegenheit, deswegen bin ich nicht für diese Kürzung.<br />
Außerdem muss man sehen, dass diese Entfernungspauschale von Rot-Grün<br />
als Kompensation für die Erhöhung der Ökosteuer eingeführt<br />
worden ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Damit stellt sich die Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lacoste</b>:<br />
Hat die Kürzung der Pendlerpauschale im Bundesrat eine Chance?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich glaube nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maja</b>:<br />
Aber ökologisch ist es doch sinnvoll, wenn Pendler den ÖPNV<br />
benutzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Sicher ist es sinnvoll, aber in vielen Gegenden gibt es keine Angebot<br />
des öffentlichen Personen-Nahverkehrs.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>petermann25</b>:<br />
Sie sagen, dass ein „Befreiungsschlag“ auf dem Arbeitsmarkt<br />
nötig ist. Aber wie genau sieht denn so ein Befreiungsschlag aus?<br />
Wie sollen neue Arbeitsplätze finanziert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Wichtig ist, dass unsere Betriebe wieder mehr Luft zum Atmen bekommen.<br />
Arbeitsplätze werden nun mal von Unternehmern geschaffen. Leider<br />
ist die wirtschaftliche Lage unseres Standortes zur Zeit nicht gerade<br />
rosig. Unternehmer sind verunsichert. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt.<br />
Nicht nur hinsichtlich ihrer Auftragslage, sondern auch vor allem hinsichtlich<br />
der Gesetzgebung der Regierung. Diese äußert sich in einem<br />
Hü und Hott und lässt jegliches Gesamtkonzept vermissen. Nicht<br />
alles kostet Geld, was von der Regierung auf den Weg gebracht werden müsste.<br />
Einer der wichtigsten Punkte wäre eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.<br />
Als Beispiel will ich hier erwähnen: betriebliche Bündnisse<br />
für Arbeit in den Betrieben oder z.B. das Kündigungsschutzgesetz.<br />
In unserem Antrag des Arbeitsmarktmodernisierungsgesetzes der Union sind<br />
viele Forderungen enthalten von Wiedereinführung des alten Teilzeitgesetzes<br />
bis hin von Einstellungen von Mitarbeitern während der Probezeit<br />
unter Tarif. Ein ganz wichtiger Punkt ist unser Ziel, die Lohnnebenkosten<br />
zu senken. Leider geht die Schere zwischen brutto und netto immer weiter<br />
auseinander und die Menschen haben netto immer weniger Geld in der Tasche.<br />
Vor allem der personalintensive Mittelstand, der sowieso schon unter einer<br />
geringen Eigenkapitalquote zu leiden hat, ist besonders stark davon betroffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paris</b>:<br />
Reformen a la Stoiber heißt aber auch, Pleiten wie Kirch hinzunehmen?<br />
Herr Stoiber ist da nicht besser als Herr Clement in NRW!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pumuckl</b>:<br />
Aber ist das nicht auch das Erbe der langen Kohlregierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Dass auch während unserer Regierungszeit Fehler gemacht worden sind,<br />
wird, glaube ich, niemand bestreiten. Als Beispiel kann man hier das Frühverrentungsgesetz<br />
nennen, womit sich viele Unternehmen auf Kosten des Staates von älteren<br />
Mitarbeitern getrennt haben, ohne im Gegenzug, wie mit dem Gesetz angedacht,<br />
Arbeitsplätze mit jüngeren Mitarbeitern zu schaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Resterampe</b>:<br />
Wie viel Wachstum brauchen wir wirklich, um am Arbeitsmarkt Effekte zu<br />
erzielen, die auch die vielen schlecht ausgebildeten Arbeitslosen miteinbeziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Man geht davon aus, dass wir in Deutschland mindestens ein Wachstum von<br />
2,0 % benötigen, um zu einem Beschäftigungszuwachs zu kommen.<br />
Andere Staaten benötigen ein viel geringeres Wachstum, die USA z.B.<br />
nur 0,7 %. Das zeigt, dass wir kein konjunkturelles Problem haben, sondern<br />
ein strukturelles. Mit großer Sorge habe ich letzte Woche vom IWF<br />
vernommen, dass Deutschland dieses Jahr das einzige Land in der Welt mit<br />
Null Wachstum sein wird. Ein Abbau unserer Arbeitslosigkeit scheint somit<br />
in weite Ferne gerückt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das klingt ziemlich hoffnungslos: 2% Wachstum, dann erst tut sich was.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Deswegen ist es notwendig, Mut zu haben und Strukturreformen anzugehen.<br />
Früher hat man immer gesagt, wir haben kein Erkenntnisproblem in<br />
der Politik, sondern wir haben ein Umsetzungsproblem. Ich sehe es inzwischen<br />
anders: Nämlich, dass wir ein Erkenntnisproblem haben, dass unsere<br />
jetzigen Strukturen wie z.B. unsere sozialen Sicherungssysteme in der<br />
bestehenden Form keine Zukunft mehr haben; aufgrund immer geringeren Beschäftigungszahlen<br />
und immer höherer Lebenserwartung der Menschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>TollSammler</b>:<br />
Die Gegenfinanzierung der vorgezogenen Steuerreform durch Kredite: ist<br />
das sinnvoll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zug</b>:<br />
Soll die Nachfrage der Konsumenten gestärkt werden, dann ist doch<br />
Eichel auf dem richtigen Weg: Wie würden sie die Bürger netto<br />
besser stellen, ohne mehr Schulden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Eine Steuerreform auf Pump lehne ich ab. Vergessen wird in der ganzen<br />
Diskussion, dass die Steuerreform schon vom Mittelstand durch Abschreibungsverschlechterungen<br />
vorfinanziert wurde. Für mich ist das ein populistischer Vorschlag,<br />
da es für die Länder und die Kommunen unmöglich ist, das<br />
benötigte Finanzvolumen in Milliardenhöhe aufzubringen. Ein<br />
ganz großes Problem ist die Schwäche unserer Binnenkonjunktur,<br />
die auch auf eine starke Konsumzurückhaltung zurückzuführen<br />
ist. Die Menschen sind verunsichert. Sie wissen bei dieser Regierung nicht<br />
woran sie sind, viele haben Angst um ihren Arbeitsplatz, viele um ihre<br />
Altersversorgung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kohler</b>:<br />
Müssen Schröder und Eichel die Stabilitätskriterien der<br />
EU einhalten oder würden sie die auch flexibel auslegen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich bin ein strikter Befürworter des Stabilitätspaktes. Deutschland<br />
hat unter Finanzminister Theo Waigl mit viel Mühe den Stabilitätspakt<br />
bei den anderen Mitgliedsländern der EU durchgesetzt. Ein Aufweichen<br />
des Paktes hätte schwerwiegende Folgen für den Euro. Deutschland<br />
wird unter Eichel nächstes Jahr das dritte Mal in Folge das Defizitkriterium<br />
von 3 % bei weitem überschreiten, so dass mit Strafzahlungen in Höhe<br />
von 10 Milliarden Euro an die Europäische Union zu rechnen ist. Wir<br />
können nur hoffen, dass die unsolide Haushaltspolitik Deutschlands<br />
in Europa keine Schule macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch mal zu den Subventionen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oioi</b>:<br />
Subventionen abbauen, da fällt mir die Landwirtschaft als erstes<br />
ein. Ihnen auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rwqrw</b>:<br />
Warum nicht endlich die Subventionen für Bauern und Häuslebauer<br />
abschaffen? Weil das ihre Wähler sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Es ist dringend notwendig, an die Subventionen heranzugehen. Dennoch bin<br />
ich der Auffassung, dass man zwischen strukturerhaltenden und investitionsfördernden<br />
Subventionen unterscheiden muss. Wissen muss man, dass die deutsche Landwirtschaft<br />
mit viel höheren Umwelt- und Tierschutzauflagen zu leben hat. Nichtsdestoweniger<br />
war die deutsche Landwirtschaft bereit, im Rahmen des EU-Abkommens mit<br />
der USA zur Agrarreform Subventionskürzungen hinzunehmen. Wichtig<br />
ist eine Diskussion: Wie sollen zukünftig Subventionen vergeben werden?<br />
Subventionen werden immer irgendwann notwendig sein, aber sie müssen<br />
von Anfang an befristet sein und nicht zur Dauereinrichtung werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ein ganz anderes &#8211; berechtigtes &#8211; Subventionsthema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerri</b>:<br />
Wie sieht es denn aus mit Subventionen für Kunst und Kultur? Das<br />
sind keine Gebiete, mit denen kurzfristig Geld verdient werden kann, trotzdem<br />
erscheinen sie mir förderungswürdig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Frage stellt sich vor allem angesichts der Finanzlage der Kommunen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also ich setze hier sehr stark auf privates Engagement, vor allem der<br />
Unternehmen. Auch die IHK’s haben in diesem Zusammenhang schon einige<br />
Kulturstiftungen ins Leben gerufen, die sich durch Spenden von Unternehmen<br />
finanzieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Markus</b>:<br />
Frau Wöhrl, hätten Sie nicht Lust, den Merz zu beerben? Schon<br />
mal mit Frau Merkel darüber gesprochen? Oder darf das nur ein CDU’ler<br />
machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich glaube, dass sich diese Frage nicht stellt. Ich bin froh, mit Herrn<br />
Merz zusammen zu arbeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Leser/innen und Fragende, die Stunde ist vorbei, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und die Fragen. Vielen Dank, Frau Wöhrl, dass Sie sich<br />
die Zeit genommen haben. Ein Terminhinweis noch: Am kommenden Dienstag,<br />
30.9.2003 ist Anna Lührmann voraussichtlich von 17.30 bis 18.30 Uhr<br />
bei uns Gast im ARD-Hauptstadtstudio. Die Grünen-Politikerin ist<br />
die jüngste Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Alle Chat-Transkripte<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht noch einen schönen Nachmittag und Abend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Tschüß, bis vielleicht bald wieder einmal hier bei tacheles02.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Stabilitätsprobleme werden zunehmen. Das Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindes</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_stabilitaetsprobleme_werden_zunehmen_das_maastrichtkriterium_wird_deutlich_ueberschritten_es_w-295/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Stabilitätspakt]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Neuverschuldung]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionsabbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b> 
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b><br />
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator</b>: Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Der Präsident des Deutschen Instituts für<br />
Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, ist heute in den Büroräumen<br />
von politik-digital zu Gast im Chat. Der Live-Chat kann über die<br />
geschaltete Webcam mitverfolgt werden. Herr Zimmermann, sind Sie bereit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Selbstverständlich.</p>
<p><b>Frage</b>: Bundeskanzler Schröder hat heute erklärt,<br />
dass die Finanzierung der dritten Stufe der Steuerreform ab 2005 durch<br />
&quot;darin vorgesehene Maßnahmen&quot; gedeckt sei. Was sind denn<br />
das für Maßnahmen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, zu den Maßnahmen gehören<br />
der Abbau von Subventionen in der Landwirtschaft und beim Bau sowie wahrscheinlich<br />
auch die Kürzung der Unterstützung für die Entfernungsgeldpauschale.</p>
<p><b>Moderator</b>: Heute hat Herr Eichel die Eckpfeiler seiner<br />
Steuerreform bekannt gegeben. Wie soll diese in Zeiten flauer Wirtschaft<br />
finanziert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Es ist vorgesehen, zunächst einmal<br />
Kredite auf zu nehmen und Bundesbesitz zu privatisieren. Das ist gut,<br />
weil deshalb die Konjunktur im nächsten Jahr leichter anspringen<br />
kann. Für die Jahre danach muss man dann aber daran denken, Subventionen<br />
ab zu bauen, etwa in der Landwirtschaft und beim Bau.</p>
<p><b>Ursula</b>: Nach Eichels Konzept will der Bund im kommenden<br />
Jahr 5 Milliarden Euro zusätzlichen Kredit aufnehmen. Wird die vorgezogene<br />
Steuerreform also deutlich schuldenfinanziert sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, und damit haben die Menschen netto<br />
mehr Geld in der Tasche und werden stärker konsumieren und in neue<br />
Unternehmungen investieren.</p>
<p><b>Nicole</b>: Schröder meinte, dass es lediglich darum<br />
ginge, ein Jahr finanziell über die Runden zu kommen. Aber jetzt<br />
mal ehrlich: Nach einem Jahr, also 2005, wird die Wirtschaft doch nicht<br />
über den Berg sein, Herr Zimmermann, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Da haben Sie Recht. Die Regierung muss<br />
weiter ihre Hausaufgaben machen, dazu gehört die Durchführung<br />
konsequenter Strukturreformen, etwa am Arbeitsmarkt. Weitere Maßnahmen<br />
sind die Reform der sozialen Sicherungssysteme und die Haushaltssanierung.</p>
<p><b>öltanker</b>: Wie viel Wachstum brauchen wir wirklich,<br />
um am Arbeitsmarkt Effekte zu erzielen, die auch die vielen schlecht ausgebildeten<br />
Arbeitslosen mitziehen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig durchgeführt wird dies<br />
die Bereitschaft der Unternehmen zu Investitionen erhöhen. Um am<br />
Arbeitsmarkt wirkliche Effekte zu erzielen, brauchen wir mindestens zwei<br />
Prozent Wachstum. Soviel werden wir demnächst nicht bekommen, das<br />
heißt die Arbeitslosigkeit wird auch in den nächsten Jahren<br />
eher anwachsen.</p>
<p><b>peterter</b>: Warum brauchen wir zwei Prozent Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Weil erst mit mehr als zwei Prozent<br />
mehr Menschen eingestellt werden.</p>
<p><b>kohl</b>: Ist das in anderen Ländern anders? Gibt es<br />
da früher Arbeitsplätze bei weniger Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: In Amerika und in England beispielsweise<br />
brauchen wir viel weniger Wachstum, um mehr Beschäftigung zu erreichen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Hier kommt wieder eine Frage zur Situation<br />
in Deutschland:</p>
<p><b>Rudi</b>: Aber wenn die Arbeitslosigkeit wächst, haben<br />
die Menschen doch nicht mehr Geld um zu investieren, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Wir müssen vermeiden,<br />
dass noch mehr Menschen arbeitslos werden. Gleichzeitig soll durch die<br />
Steuerreform mehr Geld in die Taschen von Konsumenten und Unternehmern<br />
gelangen, damit mehr Nachfrage entsteht.</p>
<p><b>igmetalla</b>: Bringt denn nur Arbeit mehr Wachstum? Oder<br />
nur anders herum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Beides ist möglich. Wichtig ist<br />
allerdings, dass Wachstum entsteht, damit mit mehr Gütern auch mehr<br />
Menschen in Arbeit kommen. Steigt andererseits die Arbeitsbereitschaft,<br />
dann führt dies auch zu einer Kostensenkung bei den Unternehmen und<br />
die Güterpreise können sich so günstig entwickeln, dass<br />
auch mehr abgesetzt wird.</p>
<p><b>Mirijam</b>: Aber ist es nicht auch ein psychologisches Problem?<br />
Die Menschen werden doch nur mehr investieren, wenn sie auch tatsächlich<br />
das Gefühl haben, nicht mehr in einer Konjunkturschwäche zu<br />
stecken? Kann man dieses Problem mit der Steuerreform lösen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Wenn die Steuerreform hilft, dass der<br />
Konjunkturaufschwung tatsächlich für die Menschen spürbar<br />
wird, dann wächst das Vertrauen in die Zukunft und es wird mehr investiert.</p>
<p><b>susip</b>.: Alle reden von Wachstum, aber warum muss die<br />
Wirtschaft eigentlich immer wachsen? Kann sie nicht auf dem heutigen Niveau<br />
bleiben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nein, sonst würde das Arbeitslosigkeitsproblem<br />
immer größer werden. Nur Wachstum sichert, dass sich neue Märkte<br />
entwickeln und zusätzliche Beschäftigung entsteht.</p>
<p><b>kohl</b>: Muss das Problem nicht EU-weit angegangen werden?<br />
Was machen etwa Frankreich und Chirac?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Auch die Franzosen haben Probleme mit<br />
der Sparpolitik und verfolgen eine ähnliche Politik, die Konjunktur<br />
durch zusätzliche Budgetdefizite anzuregen. Generell gilt, dass ganz<br />
Europa in einer Wachstumsschwäche steckt. Deutschland muss als größte<br />
Nation mit helfen, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zu einer europaweit bedeutsamen Frage:</p>
<p><b>Dieter Schmidt</b>: Hält Eichels Steuerreform dem Stabilitätspakt<br />
stand, oder sprengt sie ihn damit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Stabilitätsprobleme werden<br />
zunehmen. Der Pakt kann im nächsten Jahr nicht gehalten werden. Das<br />
Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindestens<br />
3,7 Prozent betragen.</p>
<p><b>Sucher</b>: Die marginale Grenze von 3% an Neuverschuldung<br />
soll nicht gesprengt werden. Was besagt diese Zahl genau? Ist sie nicht<br />
willkürlich gewählt und könnte in flauen Zeiten wie diesen,<br />
die ja ganz Europa auf dem Magen liegen, nach oben korrigiert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Bei dieser Grenze geht es um den Anteil<br />
der Neuverschuldung am Bruttoinlandsprodukt. 3 % heißt, dass das<br />
Defizit so groß ist wie 3 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl<br />
ist vertraglich vereinbart und kann nicht einfach verändert werden.<br />
Allerdings kann die Grenze überschritten werden, wenn eine Regierung<br />
die Finanzpolitik begründen kann. Im Fall für Deutschland kann<br />
man mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage, mit der Steuerreform selbst<br />
sowie mit den Strukturreformen erfolgreich argumentieren. Dann kann man<br />
die drohenden finanziellen Strafen vermeiden.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ist sie also eine beliebige Zahl, die vertraglich<br />
vereinbart wurde? Könnten es auch 3,5% sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Begründung<br />
für diese genaue Zahl, es könnte auch 5 % heißen. Allerdings<br />
galt sie bei Vertragsabschluß als politisch tragfähig und finanzpolitisch<br />
wirksam.</p>
<p><b>libero</b>: Chirac hatte angedeutet, den Stabilitätspakt<br />
nicht einhalten zu wollen? Warum soll sich Eichel daran halten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Eichel hat das Probleme, dass die Deutschen<br />
den Stabilitätspakt erfunden haben. Wir wollten diese Regelungen,<br />
damit wir die Aufgabe der DM leichter verkraften. Jetzt zeigt sich, dass<br />
kritische Länder wie Griechenland stabilitätsbewusster handeln.<br />
Allerdings hat Eichel in Brüssel erreicht, dass ein Reißen<br />
des Kriteriums dann akzeptiert wird, wenn Strukturreformen eingeleitet<br />
werden und der mittelfristige Stabilisierungspfad nicht verlassen wird.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zwei Fragen in die gleiche Richtung&#8230;</p>
<p><b>Sucher</b>: Was hat die Überschreitung denn für<br />
Konsequenzen?</p>
<p><b>Mumpitz</b>: Jedes Land hat doch Probleme, diese Zahl einzuhalten.<br />
Hätte man das nicht vorher absehen können?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nicht jedes Land hat Probleme, nur<br />
die großen Länder neben Deutschland und Frankreich auch Italien.<br />
Das war nicht voraus zu sehen, da damals größeres Wachstum<br />
herrschte, deshalb sollte man den Pakt bald sinnvoll reformieren, um Konjunkturschwankungen<br />
besser Rechnung zu tragen.<br />
Zu Sucher:<br />
Das kann zu Strafzahlungen in Milliardenhöhe führen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun ein Schwenk zur Innenpolitik Deutschlands&#8230;</p>
<p><b>Mirijam</b>: Um was für Subventionskürzungen geht<br />
es denn inhaltlich? Was bedeutet das für den Normalbürger?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die derzeit diskutierten Subventionen<br />
sind die Eigenheimzulage, das Entfernungsgeld beim Weg zur Arbeit, die<br />
Steuerbefreiung von Überstunden und Nachtarbeit sowie die Landwirtschaft.<br />
Größenordnungsmäßig geht es um Beträge in Höhe<br />
von 15 &#8211; 20 Milliarden Euro, die zunächst zur Diskussion stehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Wo soll das Geld genau herkommen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Aus den Taschen der Haushalte und Unternehmungen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zur Opposition:</p>
<p><b>kohl</b>: Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warf Rot-Grün<br />
eine &quot;Flucht in neue Schulden&quot; vor. Aber anders geht es doch<br />
nicht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es geht nicht anders, wenn man jetzt<br />
im kommenden Jahr die Konjunktur etwas stützen will. Natürlich<br />
könnte man durch eine Kürzung von Subventionen oder auch durch<br />
Haushaltseinsparungen eine Gegenfinanzierung schaffen. Dann müssten<br />
sich Regierung und Opposition allerdings darauf einigen, was gestrichen<br />
werden soll. Das fällt allen Parteien derzeit denkbar schwer. Dazu<br />
kommt, dass diese Einsparungen gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern<br />
und Dienstleistungen reduzieren würden, und es uns somit wirtschaftlich<br />
schlechter ginge. Das kann niemand wollen, also sollte sich rasch eine<br />
Einigung auch im Bundesrat auf Vorziehen der Steuerreform ohne Ausgabenkürzung<br />
finden.</p>
<p><b>peterter</b>: Die überwiegende Kreditfinanzierung und<br />
die fehlende Entlastung für Kommunen und Länder seien &quot;nicht<br />
hinnehmbar&quot;, sagt Stoiber. Abgesehen davon, das er kein eigenes Konzept<br />
hat, hat er inhaltlich recht und was schlagen sie vor?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die fehlende Entlastung für die<br />
Kommunen müssen bei der Gemeindefinanzreform kommen. Es ist ein großes<br />
Problem, dass die kommunalen Investitionen bereits seit Jahren schrumpfen.<br />
Das wird auf Dauer zu einem schwerwiegenden Wachstumshemmnis für<br />
die deutsche Wirtschaft. Die Länder haben dagegen eine konjunkturpolitischen<br />
Auftrag und würden bei einem mittelfristigen Subventionsabbau auch<br />
erhebliche Vorteile haben. Damit löst sich das Problem mittelfristig</p>
<p><b>jung</b>: Die Opposition sagt: Eine Steuerreform auf Pump<br />
sei gegenüber der jüngeren Generation unverantwortlich. Stimmt<br />
das? Bezahlen wir Jungen die Schulden von morgen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Jungen stehen vor großen<br />
Belastungen. Das kann nur vermieden werden, wenn jetzt Strukturreformen<br />
gemacht werden. Diese sind aber nur erträglich und praktikabel, ja<br />
sogar wirksam, wenn die wirtschaftliche Dynamik anspringt. Wer mit dem<br />
Fahrrad voran kommen will, muss zwar die Handbremse lösen, er muss<br />
aber auch in die Pedale treten.</p>
<p><b>cher</b>: Wenn der Staat jetzt neue Schulden, d.h. Kredite,<br />
aufnimmt, macht er das in Deutschland oder im Ausland? Denn Kredite im<br />
Inland fördern doch letztlich auch die deutsche Volkswirtschaft,<br />
oder?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das geschieht überwiegend im Inland.<br />
Der Staat tritt aber in Konkurrenz zu privaten Investoren, die dann höhere<br />
Zinsen zahlen müssen, um an ihre Kredite zu kommen. Auch sind höhere<br />
Staatsschulden mittelfristig über Steuern zurück zu zahlen.<br />
Die Haushalte haben also nicht dauerhaft mehr Geld in der Tasche.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ein Schwenk zu einer von Eichel angekündigten<br />
Privatisierungsmaßnahme:</p>
<p><b>Frodo</b>: Wie wird sich der geplante Verkauf der Telekom-<br />
und Post-Aktien auf den Börsenmarkt auswirken? Muss dann nicht wieder<br />
der kleine Mann, in diesem Fall die Kleinaktionäre, dran glauben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das wird wohl über die Kreditanstalt<br />
für Wiederaufbau langsam in den Markt eingebracht, keinesfalls wird<br />
das Bundeseigentum jetzt billig verschleudert. Somit kann sicher gestellt<br />
werden, dass die Aktien dann in den Markt kommen, wenn auch Nachfrage<br />
besteht. Aber natürlich ist es richtig, dass die Aussichten auf kurzfristige<br />
Wertzuwächse bei diesen Aktien zunächst verbaut.</p>
<p><b>Moderator</b>: Das heißt, die Kreditanstalt für<br />
Wiederaufbau steuert den Rückfluss der Aktien auf den Markt?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Diese Bank des Bundes ist<br />
für die Marktpflege verantwortlich. Sie stellt der Regierung kurzfristig<br />
die benötigten Gelder für den Haushalt zur Verfügung.</p>
<p><b>Lara</b>: Herr Zimmermann, die Börsenkurse sind im Moment<br />
am Boden. Für verkaufte Telekomaktien wird nicht viel zu bekommen<br />
sein. Wo kommt der Rest des Geldes her, das die vorgezogene Steuerreform<br />
gegenfinanzieren soll?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Aktien werden nicht sofort verkauft.<br />
Die Kreditanstalt bringt sie erst in den Markt, wenn die Situation günstig<br />
ist. Derzeit erhält also die Regierung einen Kredit der Kreditanstalt.</p>
<p><b>Moderator</b>: Und zurück zu grundsätzlichen Fragen<br />
der User:</p>
<p><b>jäggi</b>: Nachfrage zum Stabilitätspakt: Sollte<br />
Eichel also die drei Prozent Grenze überschreiten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Er hat keine andere Chance. Sonst würde<br />
er die Wirtschaft weiter abwürgen und mehr Arbeitslosigkeit schaffen.<br />
Allerdings muss er sehr genau begründen, warum er das tut.</p>
<p><b>Wundertüte</b>: Ist die Neuverschuldung überhaupt<br />
verfassungsmäßig?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Der Haushalt liegt über der normalen<br />
Grenze. Die Neuverschuldung ist größer als die Summe der Investitionen.´Das<br />
ist dennoch verfassungsgemäß, wenn Eichel gleichzeitig eine<br />
gesamtwirtschaftliche Notlage erklärt. Das wird er tun und dann ist<br />
es ganz legal.</p>
<p><b>jäggi</b>: Also hat die Union mit Ihrem Vorwurf der<br />
nicht Verfassungsmäßigkeit unrecht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Nein. Der Haushalt ist ohne diese Erklärung<br />
verfassungswidrig. Mit allerdings nicht, insofern ist das nur ein Spiel<br />
mit der Öffentlichkeit.</p>
<p><b>Moderator</b>: Vorletzte Frage: Aber ist das &quot;Gleichgewicht&quot;<br />
von Neuverschuldung und Investition vor dem Hintergrund der Steuerreform<br />
durchzuhalten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die Steuerreform wird kurzfristig zum<br />
Überschießen führen. Springt die Konjunktur aber an, gibt<br />
es weitere Steuereinnahmen und der Haushalt saniert sich.</p>
<p><b>Moderator</b>: Letzte Frage noch einmal zum Stabilitätspakt:</p>
<p><b>Spd</b>: Stabilitätspakt: Sie haben noch nicht präzisiert,<br />
warum die 3% in Maastricht vertraglich festgelegt wurden. Hat diese willkürlich<br />
gefundene Grenze eine ökonomische Basis? Ich lebe in Frankreich und<br />
dort werden seit drei Jahren die 3% überschritten. Dazu hat Frankreich<br />
seit 1997 mehr Wirtschaftswachstum erreicht als Deutschland.</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Basis.<br />
Das war eine politisch gegriffene Größe. Damit sollte eine<br />
restriktive Regelung gefunden werden, die nationalen Regierungen zu disziplinieren.</p>
<p><b>Moderator</b>: Liebe Politik-Interessierte, eine Stunde ist<br />
vorbei. Vielen Dank für Ihre Fragen, vielen Dank Herr Zimmermann,<br />
dass Sie in die Redaktionsräume von politik-digital gekommen sind.<br />
Den nächsten Chat gibt&#8217;s am kommenden Montag, den 21. Juli, dann<br />
stellt sich der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände<br />
Hans-Günter Friese von 17.00 bis 18.00 Uhr Ihren Fragen. Wir freuen<br />
uns, wenn Sie wieder dabei sind. Einen schönen Abend wünscht<br />
das tacheles.02-Team.</span></p>
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