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	<title>EuroDIG &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>EuroDIG &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Jan Malinowski (Europarat): &#034;Kontrolle über die Wahrung der Menschenrechte im Internet ist unvermeidlich&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Idelberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jun 2014 15:12:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Rolle spielen die Menschenrechte in der Internet Governance? Wie kann ihre Einhaltung im Internet sichergestellt werden? Und welche Aufgabe [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><i><b><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig_teilnehmer_jan.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-141187" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig_teilnehmer_jan.jpg" alt="eurodig_teilnehmer_jan" width="639" height="280" /></a></b></i><br />
Welche Rolle spielen die Menschenrechte in der Internet Governance? Wie kann ihre Einhaltung im Internet sichergestellt werden? Und welche Aufgabe hat der Europarat dabei? Auf dem diesjährigen EuroDIG beantwortete Jan Malinowski, beim Europarat zuständig für die Informationsgesellschaft, diese und weitere Fragen rund um das Thema Menschenrechte im Internet.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i> <em>Im April hat der Europarat die Charta der Menschenrechte und Prinzipien für das Internet <em>veröffentlicht</em>, einen <a href="http://www.coe.int/t/informationsociety/Rights%20of%20Internet%20Users/Draft%20Council%20of%20Europe%20Guide%20on%20Human%20Rights%20for%20Internet%20Users.pdf">Leitfaden</a> der Menschenrechte für Internetnutzer. Was ist das Ziel dieses Leitfadens?</em></p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><b>Jan Malinowksi:</b> Das Ziel war es, Internetnutzern in sehr einfacher Form zu veranschaulichen, welche Rechte sie im Internet aus Sicht der Menschenrechte haben. Zum Beispiel, wenn sie Allgemeinen Geschäfts- und Nutzungsbedingungen zustimmen, die meist knapp gefasst und schwierig zu verstehen sind.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de: </b></i><em>Welche sind die zentralen Punkte des Leitfadens?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowksi:</b> Zunächst ist es wichtig zu wissen: Die Empfehlungen sind zwar nicht bindend für die 47 Mitgliedsstaaten des Europarats, aber sie basieren auf den Menschenrechten, die online wie offline gelten. Einer der wichtigsten Aspekte ist das Recht auf Meinungsfreiheit, der zweite ist das Recht auf Privatsphäre. Aber es gibt noch eine weitere wichtige Feststellung: Es müssen wirksame Rechtsmittel vorhanden sein und diese müssen für alle Europäer, deren Menschenrechte verletzt werden, zugänglich sein.</p>
<p style="text-align: left;">Die Idee dahinter ist, dass der Rechtsweg in einem vernünftigen Verhältnis zum Anliegen stehen muss. Es kann keine Regel werden, dass man für kleinere Rechtsfälle mit US-Konzernen den weiten Weg an kalifornische Gerichte gehen muss. Auch die Zahl der Rechtsfälle am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, die das Internet betreffen, nimmt stetig zu. Dabei könnten viele Angelegenheiten auf lokaler oder nationaler Ebene im Dialog mit dem Netzbetreiber verhandelt und gelöst werden. Man kann mit seinem Anliegen natürlich auch zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen, aber das ist nicht der Zweck des Gerichts, nicht alles sollte dort landen.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Das Subsidaritätsprinzip sollte gelten und es sollte ein Wiki für Informationen genutzt werden&#8221;</p>
</blockquote>
<figure id="attachment_140670" aria-describedby="caption-attachment-140670" style="width: 244px" class="wp-caption alignright"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig_jan_malinowski.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-140670  " style="border: 0.5px solid black;" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig_jan_malinowski-305x201.jpg" alt="View Point, Europe's first human rights talkshow : Freedom of expression, decade under attack." width="244" height="161" /></a><figcaption id="caption-attachment-140670" class="wp-caption-text"><strong>Jan Malinowski</strong> ist Leiter des Ressorts Informationsgesellschaft im Generaldirektorat des Europarats. Der polnische Jurist arbeitet seit mehreren Jahren für den Europarat in Straßburg und ist in seiner Funktion u.a. mitverantwortlich für kürzlich verabschiedete Konventionen zu Datenschutz und Internetkriminalität.</figcaption></figure>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i> <em>Wie kann das in der Praxis aussehen? Wenn nicht alle User mit ihren Anliegen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen sollen, wohin dann?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski: </b>Zuerst sollten Sie das Gespräch mit der Gegenseite auf lokaler Ebene suchen, wer immer das in der jeweiligen Situation ist, sei es der Internetanbieter oder eine Behörde. Im Europarat können wir uns aber auch vorstellen, dass europaweit und kollaborativ nützliche Informationen in einem Wiki zusammengetragen werden. Menschen könnten dort über ihre Erfahrungen schreiben, vor allem über die Instrumente und Rechtsmittel, auf die sie zurückgegriffen haben. Außerdem sollte man auf einer solchen Plattform Informationen über die jeweils zuständigen Verbtraucherberatungen und Bürgerbeauftragten finden, die einem praktische Unterstützung in der Angelegenheit geben können. Das sollte aber eine Bottom-up-Initiative sein, so etwas kann nicht von höchster Ebene geleistet werden. Wir können nicht alle Informationen und Adressen im Detail für ganz Europa auflisten. Im Idealfall kommt das von den Bürgern selbst, die sagen: „Ich weiß das, und so läuft es ab.“</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Der Europarat spricht sich eindeutig für Netzneutralität aus&#8221;</p>
</blockquote>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Ein Punkt in dem Leitfaden empfiehlt, dass jeder Europäer Zugang zum Internet haben sollte und auf alle dort veröffentlichten Informationen. Vor diesem Hintergrund kann man nur sehr schwer gegen Netzneutralität argumentieren. Spricht sich der Europarat für Netzneutralität aus?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Wir arbeiten zurzeit an einem Text zur Netzneutralität, wir befinden uns in der finalen Phase der Verhandlungen. Ich hoffe, dass der Text im September oder Oktober verabschiedet werden kann.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Können Sie bereits sagen, welche Position der Europarat in dem Text einnehmen wird</em>?</p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski: </b>Er spricht sich eindeutig für Netzneutralität aus. Das Ministerkomitee<span style="font-size: xx-small;"> </span>hat in der Vergangenheit bereits vielfach klar <a href="http://hub.coe.int/web/coe-portal/search?cmd=search&amp;format=&amp;groupId=0&amp;keywords=net+neutrality&amp;x=0&amp;y=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Position für Netzneutralität</a><span style="font-size: xx-small;"> </span>bezogen. Er hat auch eine <a href="https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?id=1678287" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erklärung<span style="font-size: xx-small;"> </span>zur Netzwerkneutralität</a> verabschiedet, auf die sich alle 47 Mitgliedsstaaten verständigt haben. In dieser Deklaration wird grob dargestellt, welche Vorkehrungen zu treffen sind, um die Einhaltung der Menschenrechte im Internet zu gewährleisten<span style="font-size: xx-small;"></span>. So soll ein möglichst ungehinderter Internetzugang für alle sichergestellt werden. Das Datenverkehrsmanagement ist nur zur Sicherstellung der Netzwerksicherheit erlaubt und muss strikten Richtlinien folgen.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de: </b></i><em>Wie beurteilen Sie das so genannte Google-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das dem Einzelnen ein Recht auf Vergessen im Internet zuspricht<span style="font-size: xx-small;"></span>?</em></p>
<p style="text-align: left;">Man sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen. Das Google-Urteil ist eine Auslegung des Rechts durch den EuGH und wird an den obersten Gerichtshof Spaniens zurückgespielt. Dieser muss den Fall unter Berücksichtigung des EuGH-Urteils neu auslegen. Wir wissen noch nicht, wie es genau angewendet werden wird. Es gibt noch einige offene Fragen: Was bedeutet das Urteil künftig für das spanische Gesetz? Welche Folgen wird es auf die Balance zwischen Privatsphäre und Meinungsfreiheit haben?</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Was bedeutet das Urteil denn für die EU-Mitgliedsstaaten? Müssen sie es berücksichtigen?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinwoski: </b>Ja. Sofern die Richtlinie und die Charta der Grundrechte der Europäischen Union in diesem spezifischen Rahmen interpretiert wurden, muss diese Interpretation von den Mitgliedsländern angewendet und befolgt werden. Dabei müssen aber auch die Auswirkungen auf die Gesetzgebung des jeweiligen Landes bedacht werden.</p>
<p style="text-align: left;">Der EuGH hat ganz klar festgestellt, dass in Fällen wie in dem gegen Google Fragen der Menschenrechte und Meinungsfreiheit sowie Fragen des öffentlichen Interesses tangiert sind. Das Urteil gibt nicht jedem Europäer das Recht, Suchergebnisse entfernen zu lassen. Es gibt Informationen, die in die Öffentlichkeit gehören.</p>
<p style="text-align: left;">Als Beispiel kann der Fall des <span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.humanrightseurope.org/2014/06/france-court-backs-paris-match-publisher-over-prince-albert-of-monaco-article-sanction/">Prinzen von Monaco gegen Paris-Match</a></span></span> genannt werden, in dem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Ende das Urteil des obersten Gerichtshofs von Monaco aufhob. Der Straßburger Gerichtshof hat am Ende die Verletzung des Rechts auf Meinungsfreiheit des Magazins Paris Match über das Recht auf Privatsphäre des Prinzen gestellt. In jedem Fall, der vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gelangt, müssen also verschiedene Aspekte, wie Meinungsfreiheit, Privatsphäre und öffentliches Interesse gegeneinander abgewogen werden.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Artikel 8 der Europäischen Menchenrechtskonvention räumt den europäischen Bürgern das Recht auf Privatsphäre im Nachrichtenverkehr ein.&#8221;</p>
</blockquote>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i><i> </i><em>In den einzelnen EU-Staaten finden wir unterschiedliche Werte und Einstellungen gegenüber dem Datenschutz. Dieser hat zum Beispiel in Deutschland einen viel größeren Stellenwert als etwa in Großbritannien. Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit für den Europarat mit den zum Teil weit auseinanderliegenden Positionen zwischen den Ländern um?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Das muss man auf mehreren Ebenen beantworten. Auf der ersten Ebene haben wir <a href="http://dejure.org/gesetze/MRK/8.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention</a>, der das Privatleben schützt und den europäischen Bürgern das Recht auf Privatsphäre im Nachrichtenverkehr einräumt. Mögliche Ausnahmen davon müssen im Gesetz bereits berücksichtigt und mit bestimmten Beschränkungen versehen werden. In einer demokratischen Gesellschaft muss eine Einschränkung dieses Schutzes und Rechts immer begründet werden und verhältnismäßig sein.</p>
<p style="text-align: left;">Für ein gemeinsames Verständnis im Europarat haben wir das <span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://conventions.coe.int/Treaty/en/Treaties/Html/108.htm">Übereinkomme</a></span></span>n zum Schutz der Menschen bei der automatischen Verarbeitung personenbezogener Daten. Mit diesem haben sich die Mitgliedsstaaten auf gewisse Rahmenbedingungen und eine Mindestanforderung geeinigt, die auch außerhalb Europas angewendet werden kann. Wir befinden uns gerade in dem Prozess, diese in Kooperation mit der Europäischen Union zu aktualisieren und den heutigen Gegebenheiten anzupassen. Im Fall des Verdachts, dass die aktuelle Situation in einem Land unter den Mindeststandard gefallen ist oder dass Bürger in diesem Land exzessiver staatlicher Überwachung ausgesetzt sind, kann dieser Fall vor den EuGH gebracht werden. Zurzeit gibt es zum Beispiel den Fall „<span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.ccc.de/de/updates/2014/gchq-egmr">Big Brother Watch“ gegen Großbritannien am EuGH</a></span></span>: Darin geht es um die Frage, ob die britischen Videoüberwachungsmaßnahmen die Menschenrechte respektieren. Der Fall wird als richtungsweisend angesehen und soll deshalb schnell abgeschlossen werden. Mit seinem Urteil wird der EuGH eine klare Orientierung vorlegen, wie solche Überwachungsmaßnahmen aus menschenrechtlicher Perspektive zu bewerten sind.</p>
<p style="text-align: left;"><div class="c33l info-box"><div class="subc"><strong>Europarat</strong></p>
<p style="text-align: left;">Der <a href="http://www.coe.int/de/web/about-us/who-we-are" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Europarat</a> ist eine 47 Staaten umfassende Institution, die sich mit gesamteuropäischen Fragen insbesondere zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Europas beschäftigt. Er wird oft mit dem Europäischen Rat und dem Rat der Europäischen Union verwechselt, obwohl keine strukturellen Verbindungen existieren.</div></div>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Wie funktioniert die Wechselwirkung zwischen dem EuGH und den 47 Mitgliedsstaaten des Europarats?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Der Europäische Gerichtshof ist unabhängig von den Mitgliedsstaaten. Bevor die Mitgliedsstaaten sich im Europarat auf einen Standard festlegen, einigen sie sich grundsätzlich darüber, was sie in der jeweiligen Angelegenheit machen können und sollten. Die Einschätzung des Europarats zu einzelnen Artikeln der Europäischen Menschenrechtskonvention ist für den EuGH aber nicht verbindlich, während umgekehrt Urteile des EuGH für die Mitgliedsstaaten bindend sind.</p>
<p style="text-align: left;"><em><strong>politik-digital.de: </strong>Wie kann das Recht auf Privatsphäre im Internet praktisch umgesetzt werden? Nehmen wir an, dass ein Suchergebnis in Großbritannien zu Recht entfernt wurde, aber bei Google Deutschland weiter zu finden ist. Bisher steht mir als Nutzer frei, welche Ländersuchmaschine von Google ich benutze. Welche Mechanismen brauchen wir, um Urteile wie das gegen Google wirksam anzuwenden?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Das dürfte sehr schwierig sein, und das Beispiel zeigt zugleich, dass es nicht in der alleinigen Verantwortung von Google liegt, Inhalte zu entfernen oder unauffindbar zu machen. Wenn Informationen im Internet zu finden sind, die dort von Anfang an nicht stehen sollten, ist dafür nicht Google verantwortlich. Google sollte aber alle seine ihm zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, solche Ergebnisse mit Hilfe seiner Algorithmen in der Liste der Suchergebnisse weit unten zu platzieren. Gleichzeitig können Herausgeber Inhalte mit dem Hinweis „nicht-indexieren“ versehen, damit diese nicht von Suchmaschinen gefunden werden. Die Inhalte, die in die Öffentlichkeit gelangt sind, können im Nachhinein bei Bedarf zurückgezogen oder mit einem Verfallsdatum versehen werden, falls sie nicht als historischer Beleg für ein Ereignis dienen.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Ich halte die Kontrolle über die Wahrung der Menschenrechte im Internet für unvermeidlich.&#8221;</p>
</blockquote>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i> <em>Wie würden sie die derzeitige Situation der Menschenrechte im Internet beurteilen? Wo stehen wir in Europa?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Der Generalsekretär des Europarates Thorbjørn Jagland hat im April einen <a href="http://www.theguardian.com/law/2014/apr/14/europe-rule-law-crisis-council-thorbjorn-jagland-report-ukraine" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bericht </a>zum Zustand der Demokratie, der Menschenrechte und des Rechtsstaats  vorgelegt. In diesem drückt er seine Befürchtungen aus, dass Gesetze hier und dort entstehen, die dem Recht auf Meinungsfreiheit im Internet zuwider laufen. Allerdings nennt er keine Länder beim Namen.</p>
<p style="text-align: left;">Ich würde über das, was Jagland schreibt, hinausgehen: Wir haben bislang keinen Kontrollmechanismus, mit dem sich zuverlässig sagen lässt, welches Land auf einem gutem Weg ist und welches nicht. Was wir haben, sind die Standard setzenden Aktivitäten des Europarats. Die entsprechenden Dokumente haben immer eine Präambel, die das jeweilige Problem identifiziert. Nach den Snowden-Enthüllungen hat das Ministerkomitee des Europarats zum Beispiel eine <a href="https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?id=2074317&amp;Site=CM" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="color: #000080;">Erklärung zu digitaler Verfolgung und anderen Überwachung</span>stechnologien</a> abgegeben – zu der Frage, wie die Menschenrechte davon betroffen sind. Diese Dokumente des Europarats zeigen Probleme auf, die angesprochen werden müssen, und haben damit Signalwirkung.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Sowohl die Türkei als auch Russland sind Mitglieder im Europarat. In beiden Ländern, insbesondere in der Türkei, gab es in den vergangenen Monaten immer wieder heftige Diskussionen über Zensur und die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Ist das im Europarat Thema?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Im Fall der Türkei wurde das Problem auf nationaler Ebene gelöst. Das türkische Verfassungsgericht entschied, dass das Blockieren von Twitter und YouTube verfassungswidrig war. Hätte das Gericht anders entschieden, wäre der Fall vielleicht vor den EuGH gekommen. Es wäre dann die Aufgabe des EuGH gewesen zu entscheiden, ob die Sperren die Menschenrechte verletzen. Wir haben also mit dem EuGH eine sehr starke Kontrollinstanz, die jedoch erst im Nachhinein auf Ereignisse reagieren kann. Außerdem müssen zuerst alle nationalen Rechtsmittel ausgeschöpft sein, bevor der EuGH angerufen werden kann. Eine Reaktion geschieht daher immer zeitlich verzögert.</p>
<p style="text-align: left;">Doch der Europarat diskutiert zurzeit Möglichkeiten, die es uns erlauben, schneller auf Besorgnis erregende Situationen zu reagieren. Die Mitgliedsstaaten haben sich grundsätzlich auf die Einrichtung einer Plattform geeinigt, auf der Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen und von glaubwürdigen gesellschaftlichen Organisationen gesammelt werden sollen, wenn es Handlungsbedarf bei Verstößen gegen die Meinungsfreiheit in den Mitgliedsländern gibt. Zurzeit befinden wir uns noch in der Planungsphase, am Ende wird dem Ministerkomitee<span style="font-size: xx-small;"> </span>ein Entwurf zur Zustimmung vorgelegt.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i><em> Bis dato existiert kein Kontrollsystem, das die Situation der Menschenrechte im Internet kontrolliert. Für die Sicherheit in Europa haben wir die OSZE. Wäre es nicht gut, eine vergleichbare Kontrollinstanz für die Achtung der Menschenrechte im Internet zu haben?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Ich halte die Kontrolle über die Wahrung der Menschenrechte im Internet für unvermeidlich. Es ist nur die Frage, wer wann und wie kontrollieren wird. Ich persönlich glaube, dass eine starke Kontrollinstanz lieber früher als später eingeführt werden sollte. Sie kann jedoch kein Gericht ersetzen. Aber wir brauchen eine vorgelagerte Kontrollinstanz, die fähig sein muss, schnell auf Probleme zu reagieren, damit Verletzungen der Menschenrechte im Internet nicht andauern und damit eine neue Situation nicht zu Verletzungen derselben führt. Ich denke, dass der Europarat diese Aufgabe übernehmen sollte, weil er die Institution für Menschenrechte in Europa ist.</p>
<p style="text-align: left;"><em><b>politik-digital.de:</b> Hat der Europarat bis heute irgendwelche Anstrengungen unternommen, eine solche Kontrollinstanz unter seiner Regie einzuführen?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinwoski:</b> Generalsekretär Jagland hat die Schaffung einer Kontrollinstanz als notwendig bezeichnet. Die Diskussion um die Wahrung von Menschenrechten im Internet wird immer intensiver geführt. Wir müssen uns um die Folgen von Menschenrechtsverletzungen kümmern. Über kurz oder lang wird es dazu Vorschläge geben. Das Ministerkomitee<span style="font-size: xx-small;"> </span>des Europarats hat Mitte Mai den Bericht des Generalsekretärs geprüft und hatte keinerlei Einwände. Nun muss der Europarat Vorschläge machen, wie die Empfehlungen des Generalsekretärs konkret umgesetzt werden können.</p>
<p style="text-align: left;"><em>Das Interview führten Felix Idelberger und Simone Jost-Westendorf.<br />
</em></p>
<p style="text-align: left;">Fotos: <a href="http://www.eco.de">Eco</a> hat die Rechte am Teaserbild und das Profilfoto wurde uns vom <a href="www.coe.int">Europarat </a>gestellt.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>EuroDIG14: Ist das Internet kaputt? – „Es kommt darauf an“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Idelberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2014 15:44:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
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					<description><![CDATA[Noch nie wurde so viel über das Wesen, die Struktur und die Zukunft des Internets gesprochen wie zurzeit. Auch auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/20140612-P1030032.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-140559 alignnone" alt="20140612-P1030032" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/20140612-P1030032.jpg" width="640" height="280" /></a>Noch nie wurde so viel über das Wesen, die Struktur und die Zukunft des Internets gesprochen wie zurzeit. Auch auf dem European Dialogue on Internet Governance 2014 (EuroDIG) suchten sehr unterschiedliche Akteure Antworten auf die Frage, ob und warum das Vertrauen ins Netz verspielt ist und wie es wiederhergestellt werden könnte. Eine Diskussion zwischen dem Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht, Netzaktivisten Jacob Appelbaum, Cornelia Kutterer von Microsoft, dem österreichischen Regierungsvertreter Matthias Traimer und Ben Scott von der Stiftung Neue Verantwortung.</p>
<p style="text-align: justify">Wer von den Lesern dieses Textes weiß, wie ein Computer funktioniert? Also wirklich funktioniert? Der hebe seine Hand. Es dürften viele Hände unten bleiben. Noch weniger Hände dürften nach oben schnellen, wenn man nach der Funktionsweise des Internets fragen würde. Die Menschen vertrauen darauf, dass ihr Computer ebenso wie das Internet problemlos funktionieren. Nicht erst seit der NSA-Affäre spielt das <a href="http://www.forbes.com/sites/kostaperic/2012/08/30/the-internet-the-digital-economy-and-trust-where-are-we/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vertrauen im Einsatz von Technik</a> eine große Rolle für Internetnutzer, doch vertrauten sie zuvor auch Online-Diensten und Regierungen rundheraus &#8211; weil es auch keinen offenkundigen Grund gab, dies nicht zu tun.</p>
<p style="text-align: justify">Das Grundvertrauen gegenüber den Regierungen und den Unternehmen ist seit den <a href="http://america.aljazeera.com/articles/multimedia/timeline-edward-snowden-revelations.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NSA-Enthüllungen und zunehmender Berichterstattung</a> über die Datensammelwut von Unternehmen geschwunden – zumindest in der Wahrnehmnung vieler Internetaktivisten. Doch ist es wirklich weg? Auf der <a href="http://www.eurodig.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EuroDIG</a>-Podiumsdiskussion mit dem Titel „<a href="http://www.eurodig.org/wiki/The_Internet_is_broken_-_Bringing_back_trust_in_the_Internet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The internet is broken – Bringing back trust in the internet</a>“ mit <a href="http://www.janalbrecht.eu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jan-Philipp Albrecht</a> (Europaabgeordneter der Grünen), <a href="https://www.microsoft.com/eu/author/cornelia-kutterer.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cornelia Kutterer</a> (Microsoft), <a href="https://www.torproject.org/about/corepeople.html.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jacob Appelbaum</a> (Tor Projekt), <a href="http://www.bundeskanzleramt.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3477&amp;Alias=BKA" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Matthias Traimer</a> (Bundeskanzleramt Österreich) und <a href="http://cyberlaw.stanford.edu/about/people/ben-scott" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ben Scott</a> (Stiftung Neue Verantwortung) wurde über den Zustand des Internets diskutiert &#8211; und über mögliche Wege, es zu reparieren. Dabei waren folgende Fragen Thema: Ist das Vertrauen der Menschen ins Internet tatsächlich erschüttert? Sind sie vorsichtiger geworden oder machen sie weiter wie bisher? Haben die Resignierten mit der Annahme Recht, dass wir das Rad der Überwachung nicht mehr zurückdrehen können? Lassen sich Geheimdienste überhaupt effektiv durch die Legislative überwachen?</p>
<h3 style="text-align: justify">Das kaputte Internet wird täglich benutzt</h3>
<p style="text-align: justify">Für den österreichischen Regierungsvertreter Matthias Traimer ist das Internet nicht kaputt, solange es jeder von uns täglich benutzt. Der Aktivist Jacob Appelbaum hingegen ist der Überzeugung, dass viele User schlichtweg nicht wissen, dass sie von den Geheimdiensten manipuliert werden. Das sei der Grund dafür, dass bisher zu wenige Menschen ihre Verhaltensweisen im Netz geändert hätten oder gar grundlegende Änderungen von ihren Regierungen einforderten. Er spricht damit eines der Hauptargumente der Aktivisten gegen Überwachung an, das innerhalb der Netzgemeinde zurzeit viel diskutiert wird: Gute Narrative seien zu rar gesät, um allen Menschen klarzumachen – wie Ben Scott es anschaulich formulierte – „dass uns allen die Wickeltasche aus dem Kinderwagen gestohlen wurde, während wir mit dem Kind auf dem Schoß hinten im Bus saßen“.</p>
<h3>Die Rolle von Gesetzen und Internet Governance</h3>
<p style="text-align: justify">Ein Fokus der Diskussion lag auf Gesetzen zur Regulierung des Internets und zur Beschränkung von Geheimdiensttätigkeiten. Während Ben Scott eine längst überfällige Modernisierung des Privatrechts für das Internetzeitalter fordert, sieht Traimer dafür keine Notwendigkeit. Nach seiner Auffassung sollten Gesetze nicht nach Offline- und Onlinewelt unterschieden werden, sondern universell gültig sein. Traimer verlangt lediglich, dass die Bedeutung existierender Gesetze im Internet, beispielsweise der Freiheitsrechte, geregelt werden müsse. Appelbaum brachte hier die Menschenrechte ins Spiel, die im Internet gleichermaßen gelten und respektiert werden sollten wie offline. Die Menschen sollten sich frei von jedem Generalverdacht im Internet bewegen können, ohne dass prophylaktisch Daten über ihr Verhalten gesammelt werden. Er verwies zudem auf die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Fourth_Amendment_to_the_United_States_Constitution" target="_blank" rel="noopener noreferrer">amerikanische Tradition</a>, Generalvollmachten abzulehnen, die im Widerspruch zu den derzeitigen Generalvollmachten der Geheimdienste stehe.</p>
<p style="text-align: justify">Soll das Vertrauen ins Internet langfristig wiederhergestellt werden, reicht es nicht, Gesetze einzufordern. Die Frage ist auch, wie diese Gesetze im Internet effektiv durchgesetzt werden können. Zuallererst brauche es dafür laut Traimer das Bewusstsein der Menschen für ihre Rechte. Des Weiteren stellt sich die Frage, wie beispielsweise die Menschenrechte im Internet gewährt werden können, da die unterschiedlichen nationalen Gerichtsbarkeiten aufeinanderprallen. Das transnationale Wesen des Internets machen sich die Internetunternehmen zu Nutzen, indem sie sich dort niederlassen, wo die niedrigsten Datenschutzstandards existieren &#8211; vergleichbar mit den Steuertricksereien großer globaler Unternehmen, die ihren Standort nach der Höhe der Steuerabgaben auswählen.</p>
<h3 style="text-align: justify">Demokratische Kontrolle von Geheimdiensten möglich?</h3>
<p style="text-align: justify">Für Jan-Philipp Albrecht gibt es ein grundlegendes Problem: Zuallererst müsse das <a href="http://www.commdiginews.com/politics-2/commentary/nsa-deception-when-government-lies-democracy-dies-17976/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vertrauen der Menschen in die Demokratie</a> zurückgewonnen werden, das durch die illegalen Geheimdienstaktivitäten verloren gegangen sei, und das könne nur durch Taten seitens der Regierungen erreicht werden. Grundregeln und eine wirksame demokratische Kontrolle für die Geheimdienste wünscht sich auch Appelbaum.</p>
<p style="text-align: justify">Beides sollte eigentlich selbstverständlich sein. In Deutschland hat das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parlamentarisches_Kontrollgremium" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Parlamentarische Kontrollgremium</a> die Aufsicht über die Geheimdienste, und die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_zur_Beschr%C3%A4nkung_des_Brief-,_Post-_und_Fernmeldegeheimnisses#G-10-Kommission" target="_blank" rel="noopener noreferrer">G-10-Kommission</a> entscheidet als unabhängiges Organ darüber, in welchen Fällen die Nachrichtendienste des Bundes das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis von Bürgern einschränken dürfen. Doch beide Gremien haben die massive Verletzung der Grundrechte deutscher Bürger durch <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nsa-ausschuss-will-neue-bnd-enthuellungen-schnell-pruefen-a-975340.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die Kooperation des BND mit der NSA</a> nicht verhindern können. Der Bundestag sollten also zunächst die Kontrolle über die Geheimdienste reformieren, damit die Organe ihrer Aufgabe gerecht werden.</p>
<p style="text-align: justify">Appelbaum kritisierte insbesondere <a href="http://www.law.cornell.edu/uscode/text/50/1861" target="_blank" rel="noopener noreferrer">einzelne Formulierungen</a> in den US-Geheimdienstgesetzen, zum Beispiel die folgende: „Daten dürfen von der Regierung nur erhoben werden, sofern sie für eine autorisierte Ermittlung zum Erlangen ausländischer Geheimdienstinformationen, die keinen US-Staatsbürger betreffen, oder zum Schutz vor internationalem Terrorismus relevant sind“ [eigene sinngemäße Übersetzung]. Diese würden ad absurdum geführt, wenn ihre eigentlich beschränkende Funktion komplett verdreht werde. Was <a href="http://www.uscourts.gov/uscourts/courts/fisc/br13-09-primary-order.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">relevant</a> ist, wird nach Belieben von Geheimgerichten <a href="http://thebaffler.com/blog/2014/04/dragnet_surveillance" target="_blank" rel="noopener noreferrer">definiert</a>, gegen deren Urteile man sich kaum wehren könne.</p>
<h3 style="text-align: justify">Zentralisierung vs. Dezentralisierung des Internets</h3>
<p style="text-align: justify">Die Zentralisierung von Internetnetzwerken in Form von Knotenpunkten begünstige Überwachung, deshalb fordert Appelbaum eine Dezentralisierung des Netzwerks, so dass Daten viele Wege zu ihrem Ziel nehmen können. Dadurch würde die Überwachung erschwert. Er wirft den USA zudem vor, das Netzwerk systematisch zu manipulieren, so würden etwa <a href="http://www.golem.de/news/router-manipulation-cisco-empoert-ueber-spaehattacken-der-nsa-1405-106493.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">auszuliefernde Router</a> von der NSA abgefangen und in ihrem Sinne modifiziert. Cornelia Kutterer von Microsoft möchte diese Art der Überwachung unmöglich machen. Sie verlangt eine Verschlüsselung, die die Geheimdienste zwingt, eine richterliche Verfügung für die Überwachung zu beantragen. Appelbaum hält jedoch Microsoft und Co in dieser Diskussion für unglaubwürdig, weil sie in der Vergangenheit mit der <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/PRISM-Ueberwachungskandal-Microsoft-ermoeglicht-NSA-Zugriff-auf-Skype-Outlook-com-Skydrive-1916340.htmlhttp://" target="_blank" rel="noopener noreferrer">US-Regierung kooperiert</a> hätten. Microsoft hatte damals betont, transparent über diese Kooperation sprechen zu wollen, was ihnen jedoch seitens der US-Regierung untersagt worden sei.</p>
<p style="text-align: justify">Die Argumente der Podiumsteilnehmer waren keineswegs neu – spiegeln sie doch die Debatte der vergangenen Monate wider. Selten hat man jedoch ein Podium gesehen, auf dem alle an der Diskussion Beteiligten vertreten waren. Ebenso wenig neu ist die Frage von Ben Scott nach der Angemessenheit der Überwachungsmaßnahmen: Ist es angemessen, die Grundrechte von Millionen Menschen zu verletzten, obwohl der erzielte Erfolg gegen den Terrorismus durch die Überwachungsmaßnahmen umstritten ist? Doch es lohnt sich, diese Frage erneut aufzugreifen. Denn sie ist aufgrund ihrer politischen Dimension elementar, um beantworten zu können, inwiefern das Vertrauen ins Internet tatsächlich verloren ist und wie es zurückgewonnen werden kann. Auch im Hinblick auf den Trend zum „Internet der Dinge“ ist die gesellschaftliche Relevanz der Frage nicht zu unterschätzen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Antwort auf die Frage kann bisher lediglich im feinsten Juristenjargon lauten: „Es kommt darauf an“. Es muss eine gesellschaftliche Diskussion darüber geben, auf wie viel Freiheit wir im Tausch gegen potenziell mehr Sicherheit zu verzichten bereit sind. Historische Beispiele wie die Proteste der DDR-Bürger gegen Diktatur und Überwachung zeigen, dass es eine Mehrheit braucht, die mit dem derzeitigen Verhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit nicht einverstanden ist. Erst dann würde sich auch die Politik gezwungen sehen, sich zu bewegen.</p>
<p style="text-align: justify">Foto: Felix Idelberger (CC-BY 4.0)</p>
<p style="text-align: justify"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Kontrollieren, Regulieren, Protestieren – Digitale Presseschau 24/2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jun 2014 12:11:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Fußball und Netzpolitik, wie passt das denn zusammen? Na ja, nicht so richtig. Im WM-Gastgeberland Brasilien muss die Regierung nun [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Fußball und Netzpolitik, wie passt das denn zusammen? Na ja, nicht so richtig. Im WM-Gastgeberland Brasilien muss die Regierung nun trotzdem einsehen, dass sich Protest im Netz nicht ohne Weiteres kontrollieren lässt. Kontrollieren lässt sich hingegen, wer unsere E-Mails mitliest, verspricht uns DE-Mail. Allerdings interessiert das in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ecken der Welt ohnehin nur wenige. Woran das wohl liegt, wie die Zukunft der Internetpolitik aussieht und warum &#8220;Datenbesitz&#8221; keinen Sinn macht? Das alles in der digitalen Presseschau.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=K_zXSJCWrWM" title="Alles Verschlüsseln" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/K_zXSJCWrWM?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Informationelle Selbstbestimmung fängt im Kleinen an. DE-Mail, also Verschlüsselung „Made in Germany“, soll das nun auch für all die Otto-Normal-Verbraucher da draußen ermöglichen – und zwar ohne großen Aufwand oder Sachverstand. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Doch natürlich wird bereits Kritik laut. Trotzdem besser als nichts? Und haben wir überhaupt eine Alternative? Fragen wir mal den Fachmann, dachten sich die Kollegen von ZDF info.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/fragen-an-experten-auf-der-netzkonferenz-eurodig-12984250-p3.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vier Fragen, vier Antworten</a></h3>
<p>Hoch die Mauern in der digitalen Welt? Auf gar keinen Fall, meint Fadi Chehadé, Präsident der Internetadressenbehörde ICANN. Pünktlich zum EuroDIG 2014, bei dem in diesen Tagen in Berlin die großen Fragen der internationalen Netzpolitik diskutiert werden, hat die Frankfurter Allgemeine ihn und drei weitere Experten auf diesem Feld zur Zukunft des Internets und der Internet Governance befragt.<br />
<em><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/fragen-an-experten-auf-der-netzkonferenz-eurodig-12984250-p3.html">www.faz.net</a></em></p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/whistleblower-edward-snowden-der-hat-doch-gar-nichts-enthuellt-12982298.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Uninteressant, weil unbekannt? – Bei den Snowden-Leaks fehlt das Entscheidende.</a></h3>
<p>Warum eigentlich verschlüsseln? Ach stimmt, da war ja was: NSA-Affäre und so. Auch in dieser Woche schlug der Jahrestag der Snowden-Enthüllungen noch kleine Wellen durch die Netzöffentlichkeit. Die viel diskutierte Frage, warum es eigentlich immer noch die meisten nicht allzu brennend interessiert, dass ihre Privatsphäre quasi nicht mehr existent ist, wurde in dieser Woche von Wolfgang Michal recht pragmatisch beantwortet. Seine These: Snowden hat gar nichts enthüllt! Wie bitte?<br />
<em><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/whistleblower-edward-snowden-der-hat-doch-gar-nichts-enthuellt-12982298.html">www.faz.net</a></em></p>
<h3><a href="http://digitalcourage.de/blog/2014/das-erste-jahr-nach-snowden-weltweit-betrachtet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Globale Überwachung &#8211; globale Proteste</a></h3>
<p>Komisch nur, dass es im vergangenen Jahr dennoch zahlreiche Protestbewegungen gab, und zwar weltweit. Die Netzaktivisten von Digital Courage haben die verschiedenen Aktionen in Europa und Lateinamerika zum Jahrestag noch mal zusammengefasst. Was im Heimatland der NSA passiert und warum gerade in Südamerika das Thema Überwachung nicht mit einem bloßen Schulterzucken quittiert wird, kann hier nachgelesen werden.<br />
<em><a href="http://digitalcourage.de/blog/2014/das-erste-jahr-nach-snowden-weltweit-betrachtet">www.digitalcourage.de</a></em></p>
<h3><a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2014/06/brasilien-im-netz-treffen-proteste-und-regierung-aufeinander/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Friede, Freude, Fußball-WM? Nicht in Brasilien!</a></h3>
<p>Apropos Südamerika: 3:1 gewonnen im Eröffnungsspiel, ganz Brasilien befindet sich im WM-Fieber! Nein, nicht ganz. Von Medien im In- und Ausland möglichst ignoriert, organisiert sich rund um das sportliche Megaevent weiterhin der Protest. Allerdings nicht gegen Überwachung, sondern gegen die immense Geldverschwendung bei den Vorbereitungen der WM. Während die Proteste  auf der Straße repressiv bekämpft und von den Feierlichkeiten fern gehalten werden, finden sie übers Netz dennoch ihren Weg in die Öffentlichkeit.<br />
<em><a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2014/06/brasilien-im-netz-treffen-proteste-und-regierung-aufeinander/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.blog.zdf.de/hyperland</a></em></p>
<h3><a href="http://connected.tante.cc/2014/06/09/wem-gehoert-mein-digitaler-zwilling/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Der Eigentumsbegriff ist ein Irrweg“</a></h3>
<p>Noch mal zurück zum Datenskandal: Seit diesem versuchen wir angestrengt nachzudenken und zu diskutieren, wie wir „unsere Daten“ besser schützen und kontrollieren können. Stichwort: Verschlüsselung. Dabei ist noch nicht einmal gesagt, was in der digitalen Welt genau meins und deins ist. Jürgen Geuter erklärt in Sachen Daten dem Besitzdenken den Kampf an.<br />
<a href="http://connected.tante.cc/2014/06/09/wem-gehoert-mein-digitaler-zwilling/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.connected.tante.cc</a><br />
Bild: Screenshot aus dem Video<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>#eurodig: Der Weg ist das Ziel?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jun 2014 17:35:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Zum siebten Mal treffen sich seit heute beim European Dialogue on Internet Governance (EuroDIG), einer der wichtigsten europäischen Konferenzen im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-140356" alt="eurodig" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig.png" width="640" height="318" /></a>Zum siebten Mal treffen sich seit heute beim European Dialogue on Internet Governance (EuroDIG), einer der wichtigsten europäischen Konferenzen im Bereich der Internet Governance, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Unter dem Motto “Digital Society at stake &#8211; Europe and the future of the Internet“ werden zentrale Herausforderungen und Entwicklungen diskutiert. Bei der Auftaktveranstaltung offenbarten sich trotz insgesamt großer Einigkeit auch erste Konfliktlinien.<br />
Das Internet ist frei und offen für jeden. Diese Eigenschaft ist es, die Internet-Governance als  naheliegende, ja fast schon unumgängliche Spielwiese für Multistakeholder-Modelle auszeichnet. So sahen das auch die Initiatoren des diesjährigen <a href="http://politik-digital.de/eurodig-2014-in-berlin/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EuroDIG</a> und erklärten das Thema kurzerhand zum Schwerpunkt des Events sowie der heutigen Eröffnungsveranstaltung. Der EuroDIG solle keine der üblichen Top-down-Konferenzen sein, sondern ein Forum für verschiedene Stimmen und Interessengruppen bieten.<br />
In den Reihen der Ausrichter und ihrer wohlsortierten Podiumsgäste war man sich weitestgehend einig, dass nicht zuletzt auch wegen der guten Erfahrungen bei der <a href="http://netmundial.br/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NETMundial</a> in São Paolo der Multistakeholder-Ansatz ein zentrales Element der Internetpolitik sein müsste. Im Hinblick auf die internationale Konferenz im April dieses Jahres sprach beispielsweise Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft eco, von einem Kick-Off-Event. Bereits <a href="http://politik-digital.de/michael-rotert-zum-eurodig-auf-einem-guten-weg/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in einem Interview</a> im Vorfeld des EuroDIG  hatte der Gastgebervertreter auf die große Bedeutung von Gleichberechtigung und Mitsprache der Zivilgesellschaft in internationalen Foren hingewiesen.<br />
<b>„The Internet is different“</b><br />
Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier betonte in seiner Eingangsrede, dass sich die  grundlegende Struktur des Internets in der Art und Weise widerspiegeln müsse, wie wir politische Entscheidungen debattieren und treffen. Regieren und Dialog seien, so Steinmeier, besser vereinbar, als das auf den ersten Blick vielleicht erscheine. Das Internet dürfe keinesfalls ein rechtliches Vakuum darstellen. In seiner halbstündigen Rede warf der SPD-Minister außerdem Themen wie die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Internet 4.0, die Vorteile für die Beteiligung an Demokratie, Zugangschancen und Medienbildung auf. Begleitet von rund 20 als Edward Snowden maskierten Zuschauern kam er außerdem auf den tiefen Vertrauensverlust gegenüber der Bundesregierung und den USA im Zuge der NSA-Affäre zu sprechen. Dieses gelte es nun wiederherzustellen. Denn auch in der globalisierten Welt würden die Nationalstaaten eine wesentliche Rolle einnehmen. Was die globale Überwachung betreffe, ginge es um die richtige Balance zwischen Sicherheit und Freiheit. Die Angst vor einem „Big Brother“-Staat oder Daten sammelnden Unternehmen müsse international gelöst und unter allen Beteiligten verhandelt werden: „A global challenge can only have global solutions“, so Steinmeier.<br />
Auch die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Neelie Kroes lobte per Videobotschaft ausgiebig den Multistakeholder-Ansatz des Treffens und hob seine Bedeutung für die Internetpolitik  hervor. Die internationale Internet-Governance dürfe nicht in fragmentierten Gruppen diskutiert werden, sondern müsse im Dialog und Austausch erfolgen. Dies, so die Kommissarin für die Digitale Agenda, entspräche unserem demokratischen Werteverständnis. Danach komme  es darauf an, Gleichheit im Zugang und Vielfalt in den Positionen gleichermaßen zu gewährleisten.<br />
<b>Wo sind die Stakeholder?</b><br />
Gespräche auf Augenhöhe, Integration verschiedener Interessen, Gleichberechtigung aller Teilnehmer &#8211; zumindest auf symbolischer Ebene waren sich die Eingangsredner allesamt einig. Einzig den Realitätstest mochten die schönen Worte nicht so recht bestehen. Beim <a href="http://www.eurodig.org/eurodig-2014/programme-overview/opening-plenary" target="_blank" rel="noopener noreferrer">anschließenden Panel</a> durfte das gut gemischte Publikum einer eher homogenen Teilnehmergruppe aus  hochrangigen Vertretern staatlicher Ministerien oder internationaler Organisationen dabei zuhören, wie ausgehend von der NETmundial und dem viel beschworenen Multistakeholder-Modell über die Zukunft der Internet-Governance diskutiert wurde. Wo sind die Vertreter aller Stakeholder und warum waren auch Frauen auf dem Podium so stark unterrepräsentiert? &#8211;  Fragen, die vom Publikum aufgeworfen wurden. Die dünne Antwort lautete, man unterliege diplomatischen Zwängen und wolle sich verbessern.<br />
Nils Muznieks, Menschenrechtskommissar im Europäischen Rat, wies zu Recht darauf hin, dass die Internet Governance der Entwicklung hinterherhinke. “We are moving too slowly”. In Zeiten umfassender Überwachung und des Datensammelns durch Unternehmen seien Gesetzgeber und Justiz gleichermaßen gefordert, Gesetze und Rechtsprechung an die veränderten Umstände anzupassen. Gleichzeitig würde die Mehrebenen-Politik und die vielen aufeinander abzustimmenden Verantwortungsbereiche, insbesondere in der EU, es schwierig machen, adäquate und angemessene Politik und Gesetze zu machen.<br />
Ob Multistakeholder-Ansätze hier eine Lösung böten, mehr Beteiligung und effektive Politik zu vereinbaren, wurde im Weiteren durchaus in Frage gestellt. Gerade Moderatorin <a href="http://politik-digital.de/jeanette-hofmann-nicht-alle-europaeer-finden-datenschutz-wichtiger-als-das-recht-auf-meinungsfreiheit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jeanette Hofmann</a> konfrontierte die Teilnehmer immer wieder mit berechtigter Kritik. So sollte <a href="http://politik-digital.de/dirk-brengelmann-zur-internet-governance-regierungen-in-einer-besonderen-verpflichtung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dirk Brengelmann</a>, Vertreter des deutschen Außenministeriums, auf die Einwände seitens der zivilgesellschaftlichen Akteure am viel umjubelten Abschlusspapier der NETmundial antworten. Dieser verwies allerdings lediglich auf die ungewohnte Situation der Regierungen und lobte ansonsten das positive Ergebnis.<br />
<b>Alle sind gleich, manche sind gleicher</b><br />
Fadi Chehadé, Präsident und CEO der internationalen Internetbehörde ICANN, hingegen appellierte an die Beteiligten, den ewigen Konflikt zwischen multilateralen und Multistakeholder-Konzepten zu überwinden. Diese würden sich nicht ausschließen, sondern zunehmend nebeneinander bestehen und  ineinander fließen. Für ihn sei die NETmundial bereits schon deshalb ein großer Erfolg, weil sie die internationale Politik strukturell bereichert habe &#8211; nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder in den Worten Chehadés: „The process was the outcome“. Dabei wollte es Jeanette Hofmann allerdings nicht bewenden lassen. Vereinbarungen dürften nicht immer nur von einem Papier in das nächste nt übergehen, sondern müssten langfristig auch in konkreten Maßnahmen münden.<br />
Ein weiterer Kritikpunkt, dass nämlich einzelne Interessengruppen überproportionalen Einfluss geltend machen oder für ihre Ziele instrumentalisieren könnten, blieb allerdings weitestgehend unbeantwortet.<br />
Nichtsdestotrotz schien unter den Vortragenden die Begeisterung für Multistakeholder-Modelle ungebrochen. Auch Kathy Brown, CEO der ISOC, wies in ihrem abschließenden Kommentar auf die erstaunliche Energie bei Multistakeholder-Konferenzen hin. Zusammenarbeit und Gleichberechtigung entsprächen der Natur des Internets: Menschen kommen zusammen und vernetzen sich. Dass auch die etablierten Akteure auf der NETmundial Abstriche machen mussten, wertete sie als Zeichen dafür, dass diese nicht mehr ohne weiteres in der Lage seien, ihre Interessen durchzusetzen, sondern Kompromisse mit neuen Akteuren eingehen müssten.<br />
<b>Das Erreichte zählt</b><br />
Die Bedeutung entsprechender Foren und Konferenzen wird sich künftig vor allem daran bemessen, ob die gemeinsam erzielten Ergebnisse einen konkreten Niederschlag auf die Politik haben. Die Zeit, in der die Multistakeholder-Foren lediglich eine bunte Spielwiese seien, wie sie Kathy Brown beschrieb, sollte besser früher als später überwunden werden. Denn auch wenn der Weg noch so erfreulich und erstrebenswert scheint, in der Politik zählt letztlich eben auch das Erreichte. Michael Rotert hatte zu Beginn darauf hingewiesen, dass die Ideen von der NETmundial weiter voran- und eingebracht werden müssten. Sie dürften nicht einfach versickern. Genau das ist dem EuroDIG zu wünschen: dass „Multistakeholder“ nicht zum Buzzword verkommt, sondern zu einem maßgeblichen und auch effektiven Element internationaler Politik. Dass sich Vereinbarungen und Roadmaps irgendwann in Gesetzen, Beschlüssen und Verträgen wiederfinden. Europa könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Der EuroDIG ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.<br />
Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/35237099579@N01" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr/Mike Lee</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC 2.0</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Jeanette Hofmann: &#034;Nicht alle Europäer finden Datenschutz wichtiger als das Recht auf Meinungsfreiheit&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Idelberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jun 2014 13:53:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Diese Woche steht ganz im Zeichen der Internet Governance: zuerst das Internet Governance Forum Deutschland am Mittwoch, am Donnerstag und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/freepress_net_neutrality_cut.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-140254" alt="freepress_net_neutrality_cut" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/freepress_net_neutrality_cut.jpg" width="640" height="265" /></a>Diese Woche steht ganz im Zeichen der Internet Governance: zuerst das Internet Governance Forum Deutschland am Mittwoch, am Donnerstag und Freitag dann der  paneuropäische Dialog EuroDIG 2014. Zum Auftakt haben wir die Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmannn nach den dringendsten Fragestellungen, der Notwendigkeit eines Internetministeriums und ihren Erwartungen an den EuroDIG 2014 gefragt.<br />
<em><strong>politik-digital.de:</strong> Die Verankerung der Menschenrechte als Basis für Internet Governance gilt als eine der Meilensteine der <a href="http://netmundial.br/">NETMundial</a>. Ist zu erwarten, dass sich andere Foren wie das anstehende EuroDIG daran orientieren? Was bedeutet es überhaupt konkret für Internet Governance, diese auf Menschenrechten aufzubauen?</em><br />
<strong>Jeanette Hofmann:</strong> Der Einfluss des <a href="http://netmundial.br/wp-content/uploads/2014/04/NETmundial-Multistakeholder-Document.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NETMundial-Statements</a> auf die weitere konzeptionelle Entwicklung von <a title="Wer reguliert das Internet? Ein Überblick über Lösungsansätze" href="http://politik-digital.de/wer-reguliert-das-internet-ein-ueberblick-ueber-loesungsansaetze/">Internet Governance</a> ist eine offene Frage. Niemand kann derzeit mit Sicherheit sagen, ob sich die beteiligten Akteure in künftigen Konferenzen und Arbeitsgruppen auf diesen Text beziehen werden oder nicht. Ebenso offen ist, ob das Verfahren des Multistakeholder-inspirierten kollektiven Textschreibens wirklich Eingang in die Geschichte von Internet Governance findet. Manche Stimmen sagen, NETMundial sei ein einmaliges Ereignis gewesen und in dieser Form nicht wiederholbar. Andere denken, dass wir in São Paulo Internet-Geschichte geschrieben haben. Seit jeher arbeiten in diesem Feld viele Kräfte gegeneinander.<br />
<em><strong>politik-digital.de:</strong></em> <em>Wenn man sich die Außendarstellung von <a title="Leistungsschutzrecht: Verlage gegen Google" href="http://eurodig.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EuroDIG</a> und NETMundial anschaut, dann macht EuroDIG einen sehr viel staatstragenderen Eindruck. Gibt es außer der europäischen und globalen Ausrichtung wesentliche Unterschiede im Aufbau zwischen den Konferenzen?</em><br />
<figure id="attachment_140248" aria-describedby="caption-attachment-140248" style="width: 179px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/jeanette-hofmann.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-140248   " alt="jeanette hofmann" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/jeanette-hofmann.jpg" width="179" height="250" /></a><figcaption id="caption-attachment-140248" class="wp-caption-text">Die Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann ist Ko-Direktorin am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und forscht am WZB Berlin zu Internet Governance und zur Informationsgesellschaft</figcaption></figure><br />
<strong>Jeanette Hofmann:</strong> Ehrlich gesagt denke ich nicht, dass man die beiden Konferenzen miteinander vergleichen kann. Das Besondere an NETMundial war ja, dass diese Tagung klare Ziele hatte und wohltuend ergebnisorientiert war. Über Monate haben die Teilnehmer im Vorfeld an einem Entwurf für die Abschlussdeklaration gearbeitet. Die Veröffentlichung des ersten Entwurfs hat innerhalb weniger Tage wiederum gut 1.300 Kommentare ausgelöst. Diese Art der intensiven Verhandlung von Empfehlungen ist typisch für intergouvernementale Konferenzen, nicht aber für offene Multistakeholder-Prozesse, an denen sich im Prinzip jeder beteiligen kann. EuroDIG gehört zwar zu den Konferenzen, die tatsächlich auf Empfehlungen hinarbeiten, aber der Konsensbildungsprozess von NETMundial ist damit nicht zu vergleichen.<br />
<em><strong>politik-digital.de:</strong> Generell würde man unter den europäischen Akteuren eine größere Schnittmenge bei den Themen erwarten als bei einem weltweiten Forum. Ist das tatsächlich so? Bei welchen Themen liegen die europäischen Interessengruppen Ihrer Einschätzung nach am weitesten auseinander?</em><br />
<strong>Jeanette Hofmann:</strong> Ich glaube, auch innerhalb Europas gibt es ein breites Spektrum an Positionen und Prioritäten. Man denke nur an das jüngste EuGH-Urteil zur Löschung von Suchmaschineneinträgen. Es ist keineswegs so, dass alle Europäer die in Deutschland überwiegende Auffassung teilen, wonach dem Datenschutz Priorität gegenüber dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit einzuräumen ist. In Großbritannien etwa wird dem Datenschutz längst nicht so eine Bedeutung beigemessen wie in Deutschland. Auch besteht dort ein größeres Vertrauen in die Selbstregulierungskräfte des Marktes als bei uns. Die Niederländer tendieren in diesen Fragen vermutlich eher zur britischen als zur deutschen Haltung, während in Frankreich die Kritik an Selbstregulierungsansätzen eher stärker ausgeprägt ist als hierzulande. Internet Governance zeichnet sich gerade dadurch aus, dass die Konfliktlinien häufig quer zu den Akteursgruppen und politischen Traditionen verlaufen.<br />
<em><strong>politik-digital.de:</strong> EuroDIG findet bereits zum siebten Mal statt. Neben Diskussionen zu den grundlegenden Prinzipen des Internets und einem Themenschwerpunkt Überwachung wird es Workshops zu konkreten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen geben. Gibt es eine Diskussion, die Sie in Europa für besonders wichtig halten?</em><br />
<strong>Jeanette Hofmann:</strong> Ja, die Regelung zu Netzneutralität, weil sie einen großen Einfluss auf die Weiterentwicklung des Netzes haben werden. In São Paulo haben wir erfahren, dass sich in Brasilien und anderen großen Ländern des globalen Südens ein &#8220;Internet für Arme&#8221; durchsetzt, das aus einem kostenfreien Zugang zu einzelnen Anbietern wie Facebook besteht, den Rest des Netzes aber blockiert. Solchen Tendenzen muss unbedingt Einhalt geboten werden. Die effektive Kontrolle von Geheimdiensten ist ein weiteres Thema, und darüber hinaus auch die schwierige Frage, wie wir Grundrechte wie Datenschutz und Meinungsfreiheit künftig gegeneinander abwägen wollen.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> <em>Dem EuroDIG geht das <a href="http://www.intgovforum.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Governance Forum Deutschland </a>voraus. Welche speziellen Problemstellungen und Interessen in Bezug auf Internet Governance werden in Deutschland aktuell diskutiert?</em><br />
<strong>Jeanette Hofmann:</strong> Sicherlich die Umsetzung der Digitalen Agenda, der schleppende Breitbandausbau, die Neuformulierung des Prinzips der Netzneutralität, das Thema Vorratsdatenspeicherung etc etc.<br />
<em><strong>politik-digital.de: </strong>In Deutschland ist Internet Governance nicht an einer Regierungsstelle gebündelt: Es verteilt sich über Bundestagssauschüsse und Ministerien. Wie beurteilen Sie die Bemühungen der Bundesregierung zur Digitalen Agenda und halten Sie die Aufteilung für zielführend?</em><br />
<strong>Jeanette Hofmann:</strong> Ich denke, es ist zu früh, um diese Frage beurteilen zu können. Natürlich führt die Verteilung von internetrelevanten Kompetenzen und Aufgaben über mehrere Ministerien zu spürbaren Reibungsverlusten. Auf der anderen Seite erfassen Internet und digitale Gesellschaft inzwischen so viele verschiedene staatliche Verantwortungsbereiche, dass man sich nur schwer ein Internetministerium vorstellen kann, das für alle diese Themen zuständig wäre. Zudem gibt es natürlich auch innerhalb von Ministerien Konkurrenzgerangel. Ich würde die Probleme der Zuständigkeitsverteilung daher erst mal nicht überbewerten.<br />
<em><strong>politik-digital.de:</strong> Welche Erwartungen haben Sie an den EuroDIG 2014 und das Internet Governance Forum Deutschland?</em><br />
<strong>Jeanette Hofmann:</strong> Internet Governance ist ein Thema, das in Deutschland bislang eine ziemlich marginale Rolle spielt. Weder die Politik noch die Zivilgesellschaft oder Wirtschaft sind auf der internationalen Ebene durch großes Engagement aufgefallen. Auch ist der Funke des Multistakeholder-Ansatzes auf die innenpolitischen Belange der Netzpolitik bislang nicht übergesprungen. Ministerien veranstalten ihre traditionellen Anhörungen, aber sie unternehmen nur wenige Anstrengungen, um die Leistungsfähigkeit dieses Konzepts auch über solche ritualisierten Verfahren hinaus zu erproben. Es wäre schön, wenn das IGF-D und EuroDIG hier etwas bewegen würden.<br />
Fotos: <a href="https://www.flickr.com/photos/123139838@N03/13848474125" target="_blank" rel="noopener noreferrer">igf_d</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a>) und <a href="https://www.flickr.com/photos/freepress/7419840080" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Free Press Pics</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC-SA 2.0</a>); Beide beschnitten und skaliert<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>EuroDIG 2014 in Berlin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Idelberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Jun 2014 13:21:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[eco]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach Lissabon 2013 treffen sich europäische Stakeholder aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft am 12. und 13. Juni zum 7. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eco_eurodig-cut.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-140182" alt="eco_eurodig cut" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eco_eurodig-cut-e1401974466743.jpg" width="637" height="279" /></a>Nach Lissabon 2013 treffen sich europäische Stakeholder aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft am 12. und 13. Juni zum 7. EuroDIG im Auswärtigen Amt in Berlin. Ein unumgänglicher Schwerpunkt der Veranstaltung wird das Thema Überwachung sein. Doch auch die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Zukunft der Internet Governance stehen im Fokus.<br />
Der paneuropäische Dialog zu Internet Governance <span style="color: #000080"><a href="http://www.eurodig.org/">EuroDIG</a></span> bietet seit 2008 ein Forum für informellen und inklusiven Austausch von Interessengruppen aus ganz Europa zu Internet Governance. Deutschland ist zum ersten Mal Gastgeber des Dialogs, der in diesem Jahr unter dem Motto „Digital society at stake – Europe and the Future of the Internet“ steht. Die Schirmherrschaft hat das Bundeswirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt, das auch den Tagungsort stellt, Ausrichter ist der <span style="color: #000080"><a href="http://www.eco.de/">Verband der Internetwirtschaft</a></span> eco. Bisher haben sich über 600 Teilnehmer aus ganz Europa angemeldet, eine <span style="color: #000080"><a href="http://www.eurodig.org/news/registration-open-3">Registrierung</a></span> ist noch bis Freitag, 6. Juni, möglich.<br />
Eröffnet wird die Veranstaltung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier und dem Vorstandsvorsitzenden von eco <a title="Michael Rotert zum EuroDIG: „Auf einem guten Weg“" href="http://politik-digital.de/michael-rotert-zum-eurodig-auf-einem-guten-weg/">Michael Rotert</a><span style="font-size: xx-small"> </span>. <span style="color: #000080"><a href="http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/kroes/">Neelie Kroes</a></span>, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, wird sich per Videobotschaft zur Wort melden. Neben weiteren Repräsentanten der EU wie <span style="color: #000080"><a href="http://www.janalbrecht.eu/home.html">Jan-Philipp Albrecht</a></span><span style="font-size: xx-small"> </span>werden führende Mitarbeiter aus Wirtschafts-, Innen- und Außenministerium wie <a title="Dirk Brengelmann zur Internet Governance: „Regierungen in einer besonderen Verpflichtung“" href="http://politik-digital.de/dirk-brengelmann-zur-internet-governance-regierungen-in-einer-besonderen-verpflichtung/">Dirk Brengelmann</a><span style="font-size: xx-small"> </span> einen Auftritt haben. <span style="color: #000080"><a href="http://www.icann.org/en/groups/board/chehade-en.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fadi Chehadé</a></span>, CEO der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), wird zusammen mit <span style="color: #000080"><a href="http://www.internetsociety.org/who-we-are/presidentceo/ms-kathy-brown">Kathryn Brown</a></span>, Präsidentin der Internet Society, auf Podiumsdiskussionen die Perspektive der Internetorganisationen vertreten. Weitere Redner sind Blogger und Internetaktivisten, darunter <span style="color: #000080"><a href="https://www.torproject.org/about/corepeople.html.en">Jacob Appelbaum</a></span> vom Tor Project oder <span style="color: #000080"><a href="http://anniemachon.ch/">Annie Machon</a></span>, frühere britische Geheimdienstmitarbeiterin und Whistleblowerin.<br />
Das Programm wurde per Bottom-up-Prinzip erstellt und spiegelt den <span style="color: #000080"><a href="http://www.eurodig.org/eurodig-2014-planning-process-at-a-glance">offenen und partizipativen Charakter</a></span> des Dialogs wider. Für die kollaborative Vorbereitung und Dokumentation der einzelnen Sessions wurde das <span style="color: #000080"><a href="http://www.eurodig.org/news/eurodig-wiki">EuroDIG-Wiki</a></span> eingerichtet.<br />
Neben zahlreichen <span style="color: #000080"><a href="http://www.eurodig.org/eurodig-2014/programme-overview/side-events">Vor- und Begleitverstaltungen</a></span> zum EuroDIG, ist die Initiative <span style="color: #000080"><a href="https://eurodig.ypart.eu/instance/eurodig">Youth @ EuroDIG</a></span> hervorzuheben. In einer selbst vorbereiteten Sitzung werden junge Europäer die Möglichkeit haben, mit verschiedenen Stakeholdern über Internetpolitik und die Rolle der Medien zu diskutieren.<br />
Die <strong><a href="http://www.eurodig.org/news/registration-open-3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anmeldung</a> </strong>zum EuroDIG 2014 <span style="font-size: xx-small"> </span>ist nur noch <strong>bis einschließlich morgen, 6. Juni,</strong> möglich und ist unbedingte Voraussetzung für die Teilnahme.<br />
<em>politik-digital.de ist Medienpartner des EuroDIG 2014.</em><br />
Foto: <a href="http://www.eco.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eco</a></p>
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		<title>Wer reguliert das Internet? Ein Überblick über Lösungsansätze</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Idelberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2014 15:33:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Jeanette Hofmann]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Rieger]]></category>
		<category><![CDATA[Regulierung]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance Forum]]></category>
		<category><![CDATA[NETmundial]]></category>
		<category><![CDATA[EuroDIG]]></category>
		<category><![CDATA[Multikstakeholder]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn man mal wieder verzweifelt eine verloren geglaubte Datei oder einen Link sucht, kommt neuerdings mit Sicherheit der Spruch: „Frag [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/internetgovernance_puzzle_cut.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139692" alt="internetgovernance_puzzle_cut" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/internetgovernance_puzzle_cut.jpg" width="639" height="280" /></a>Wenn man mal wieder verzweifelt eine verloren geglaubte Datei oder einen Link sucht, kommt neuerdings mit Sicherheit der Spruch: „Frag doch die NSA“. Obwohl scherzhaft gemeint, ist die Vorstellung keinesfalls lustig! Regeln fürs Internet? Ja! Aber: Wer soll die aufstellen und wie?</p>
<p style="text-align: left">In seinen Anfangsjahren galt das Internet als freier und anarchischer Ort, an dem niemand uns vorschrieb, was wir dort zu tun oder zu lassen hatten. Machen wir uns nichts vor, diese Zeit ist seit Langem vorbei und wird auch nicht wiederkommen. Das Leben vieler Menschen spielt sich zunehmend online ab, viele Unternehmen verdienen ihr Geld mit dem Internet – daraus ergeben sich handfeste Interessen, die Entwicklung des Internets und seiner Strukturen zu beeinflussen. Auch Regierungen spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, denn deren Funktionsträger haben die offizielle Aufgabe, den Staat und seine Bürger auch online vor Bedrohungen zu schützen. Das Internet bedarf also offenkundig der Regulierung. Es bleibt nur die Frage „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=2hnE4dB9CXo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wer soll uns regulieren?</a>“, mit der <a href="http://frank.geekheim.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frank Rieger</a>, Sprecher des <a href="http://www.ccc.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Chaos Computer Clubs</a> (CCC), seinen Vortrag auf der re:publica &#8217;14 betitelte. Sollten das Regierungen, Geheimdienste, die globale Internetwirtschaft oder Multikstakeholder-Organisationen sein?</p>
<h3>Historische Bedeutung von NETMundial</h3>
<p>Ausgelöst durch die von Edward Snowden aufgedeckten weltweiten NSA-Bespitzelungen, initiierte die brasilianische Präsidentin Dilma Roussef gemeinsam mit der Internet Cooperation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die globale Multistakeholder-Konferenz „<a href="http://www.netmundial.br" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NETmundial</a>“ über die Zukunft des Internets, die vom 23.-24. April 2014 in São Paulo stattfand und an der knapp 1.500 Personen aus 93 Ländern teilnahmen.<br />
<a href="http://www.hiig.de/en/staff/dr-jeanette-hofmann/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jeanette Hofmann</a>, Berliner Politikwissenschaftlerin und Expertin für Urheberrecht und Internetregulierung, hat in einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=I5U8Cs91oJ4" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vortrag</a> auf der re:publica&#8217;14 die NETmundial als historisches Ereignis bezeichnet. Sie begründete diese Einschätzung mit dem Hinweis darauf, dass zum ersten Mal als Ergebnis einer solchen Multistakeholder-Konferenz ein <a href="http://netmundial.br/wp-content/uploads/2014/04/NETmundial-Multistakeholder-Document.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gemeinsames Dokument</a> vorgestellt werden konnte, in dem die Menschenrechte als Fundament für die Struktur und Regulierung des Internets verankert wurden. Obwohl das Dokument für die Akteure nicht bindend ist, sieht Hofmann, die maßgeblich an der Organisation der Konferenz beteiligt war, dieses Ergebnis als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung, um belastbare Strukturen für das Internet zu schaffen.<br />
Mit Begeisterung erzählte <a href="https://twitter.com/achdujeh" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hofmann</a>, dass die Akteure – aus den vier Gruppen Regierung, Wirtschaft, NGOs und Wissenschaft – sich die Redezeit gleichmäßig aufteilten. Das führte dazu, dass sich selbst Minister in eine Schlange stellen mussten und maximal zwei Minuten Redezeit hatten. Trotz dieser positiven Nachrichten musste Hofmann zugestehen, dass schlussendlich nicht alle Teilnehmer das <a href="http://netmundial.br/wp-content/uploads/2014/04/NETmundial-Multistakeholder-Document.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Abschlussdokument</a> mittragen wollten. Es offenbarten sich große Kontroversen, insbesondere in der Frage, ob Netzneutralität als Prinzip für die Struktur des Internets festzuschreiben sei. Ein anderer großer Streitpunkt war die „Innovation ohne Zustimmung“ (permissionless innovation). Die Startup-Szene hält diese Bedingung für unabdingbar für das Umsetzen von Ideen, während Inhaltsanbieter ihre Urheberrechte verletzt sehen. Zum Schluss hatten sich die Teilnehmer auf folgende Internet Governance-Prinzipen geeinigt: 1. die Menschenrechte als ihr grundlegendes Fundament; 2. die rechtliche Haftung von Mittelsunternehmen (Netzanbietern) zu beschränken; 3. die kulturelle und sprachliche Vielfalt im Internet zu schützen und zu fördern, 4. das Internet als ein ungeteiltes Netz zu erhalten; 5. dass alle Akteure sich für ein sicheres, stabiles und wehrhaftes Internet einsetzen; 6. eine offene Systemarchitektur einzusetzen und technische Probleme kollaborativ zu lösen; 7. Innovation ohne Zustimmung zu ermöglichen.<br />
Gründe für die Uneinigkeit in einigen Punkten erkennt Hofmann in der alt bekannten gegensätzlichen politischen Diskussionskultur und in den stark differierenden politischen Entscheidungsstrukturen der unterschiedlichen Staaten. Als Beispiele nannte sie die skeptische Haltung der Regierungen Chinas, Russlands und Indiens gegenüber dem Multistakeholder-Ansatz.<br />
Obwohl das Ergebnis der NETMundial medial überwiegend positiv aufgenommen wurde, hat die Konferenz mitnichten eine Antwort auf Frank Riegers Frage „Wer soll uns regulieren?“ gefunden. Es bleiben zu viele Zweifel, ob der Multistakeholder-Ansatz tatsächlich ein gleichermaßen demokratisch wie effizienter Lösungsweg sein kann. Multistakeholder-Organisation wird oft der <a href="http://www.economist.com/node/21531011" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vorwurf</a> gemacht, dass ihre Mitglieder zu langsam entscheiden und die Resultate unvorhersehbar seien.</p>
<h3>Mehr nationale Internetregulierung mit Wirtschaftsbeschränkungen verbunden</h3>
<p>Die wenigsten Regierungen dürften sich leicht mit der Vorstellung anfreunden, ihre Kompetenzen teilweise auf nicht-staatliche Akteure – seien es Gruppen aus der Wirtschaft oder Zivilgesellschaft – zu übertragen. Stattdessen haben einzelne Regierungsvertreter (Indien, Südafrika und Brasilien) vorgeschlagen, die Aufsicht über das Internet einer neuen globalen Behörde zu überlassen. Es ist umstritten, ob ausgerechnet die UN, die in den vergangenen Jahren selten mit Durchschlagskraft geglänzt hat, der richtige Ort ist, um einen sich so dynamisch entwickelnden Bereich wie das Internet zu regulieren. Doch steckt möglicherweise bei einigen Befürwortern die Überlegung dahinter, auf die Unfähigkeit der UN-Behörden zu spekulieren.<br />
Doch auch Staaten, die Zensurmaßnahmen eingeführt haben, können die Realität des globalen Internets nicht ignorieren. Eine komplette Abschottung vom Datenverkehr der restlichen Welt kann weder in ihrem Interesse sein, noch ist sie technisch umsetzbar, sofern diese Staaten weiter am globalen Handelsverkehr teilhaben wollen. Die Teilnahme dieser Staaten an der NETMundial demonstrierte jedoch immerhin ihre generelle Bereitschaft, über die Prinzipien des Internets zu verhandeln.</p>
<h3>Die heiße Phase hat begonnen</h3>
<p>Die Suche nach einer Antwort auf die Frage, nach welchen Prinzipien und von wem das Internet in der Zukunft verwaltet werden soll, ist derweil ein laufender Prozess, innerhalb dessen NETMundial ein wichtiger Meilenstein war. Auf die NETmundial wird nun zunächst das <a href="http://www.intgovforum.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Governance Forum für Deutschland</a> und im Anschluss die europäische Konferenz <a href="http://eurodig.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EuroDIG</a> (12-13. Juni 2014 in Berlin) folgen. Multistakeholder-Konferenzen erfreuen sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Dank des prinzipiell offenen Zugangs für alle soll Entscheidungen mehr Legitimation verliehen werden. Frank Rieger vom CCC hingegen hält auf diese Weise getroffene Entscheidungen jedoch nicht für fair, weil „die Stärkeren mit mehr Geduld und Ressourcen“ am Ende gewännen.<br />
Auch aus demokratietheoretischer Perspektive sind Multistakeholder-Konferenzen nicht unproblematisch, weil Lobbyisten, gleich aus welcher Ecke der Gesellschaft sie kommen, zu Mitgesetzgebern werden können, obwohl sie keine Wählerschaft vertreten. Sollte sich der Multikstakeholder-Ansatz als fruchtbar erweisen, um nicht nur unverbindliche Erklärungen hervorzubringen, sondern auch Dokumente mit spezifischen Maßnahmen zu erstellen, dann wird sich die Legitimationsfrage in Zukunft noch viel dringender stellen.</p>
<h3>Die Internetunternehmen warten nicht bis zu einer Einigung</h3>
<p>Während Experten jedoch mühsam über Formen der Internet-Governance diskutieren, schaffen Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon, Microsoft und Yahoo längst ständig neue Fakten, die nur noch schwer rückgängig zu machen sind. Gemeinsam mit 30 anderen Webseiten vereinigten sie 2013 <a href="http://www.theconnectivist.com/2013/06/the-expanding-consolidation-of-the-consumer-internet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">50 Prozent</a> aller Klicks weltweit auf sich. Selbst wenn Prinzipien, wie sie die NETmundial herausarbeitete, dauerhaft als Norm international etabliert werden könnten, werden diese nicht die Macht der großen Suchmaschinen tangieren. In den USA wurde kürzlich entschieden, dass Google seine Suchergebnisse beliebig sortieren darf, da diese vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sein sollten. Ganz anders haben in dieser Woche die Richter des Europäischen Gerichtshofs <a href="http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/eugh-urteil-c-131-12-google-suchergebnisse-loeschen-recht-auf-vergessenwerden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geurteilt</a>, indem sie die Suchmaschinenbetreiber verpflichteten, Ergebnisse aus ihrer Suche auf Wunsch zu entfern, sofern diese diese Persönlichkeitsrechte verletzen.<br />
Der Auffassung, dass es Unternehmen frei stehen sollte, auf welche Weise sie ihre Dienste anbieten – denn de jure ist niemand gezwungen, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen –, stehen gute <a href="http://irights.info/ben-scott-das-internet-ist-zu-einem-offentlichen-gut-geworden" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gründe</a> gegenüber, das Internet als öffentliches Gut aufzufassen und bestimmte Bereiche öffentlich zu regulieren. Das Internet nimmt inzwischen einen so prominenten Platz in der politischen Debatte ein, dass es als quasi öffentlicher Diskussionsraum nicht profitorientierten Unternehmen überlassen werden sollte. In jedem Fall sollte die Debatte weiter geführt werden, inwieweit wir als Gesellschaft das Internet als öffentliches Gut betrachten und Diskriminierungsaspekte berücksichtigen möchten.<br />
Auch <a href="https://twitter.com/frank_rieger" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frank Rieger</a> konnte in seinem Vortrag keine abschließende Antwort auf seine Frage „Wer soll uns regulieren“ geben. Dennoch gab er seinen Zuhörern Vorschläge mit auf den Weg, wie seiner Ansicht nach die Zukunft des Internets aussehen könnte. Anstatt die Struktur und Regulierung des Internets vollständig in staatliche Hände zu geben oder den Multistakeholder-Ansatz zu verfolgen, schlägt er genossenschaftliche Strukturen für die Bereitstellung der Infrastruktur vor, ähnlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Dazu zählt Rieger auch ausdrücklich Suchmaschinen. Allen, denen ein offenes und freies Internet ein Anliegen ist, sollten sich daher Gedanken darüber machen, wie eine demokratische Institution für diese Aufgabe und ihre Entscheidungsregeln aussehen und wie deren Etablierung erreicht werden könnte.<br />
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/graells/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">graells/flickr</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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