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	<title>Evgeny Morozov &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Internet der Dinge – Teil 6: Smart City</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Rieder]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Aug 2014 10:08:38 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Häuser, die selbst das Licht ausmachen, Mülltonnen, die der Stadtreinigung Bescheid geben, wenn sie geleert werden müssen, Elektroautos, die dem Fahrer den Weg zum nächsten freien Parkplatz zeigen, Straßenlaternen, die sich dimmen, wenn niemand in der Nähe ist &#8211; so könnte die Stadt der Zukunft aussehen, wenn man Visionären in der Debatte um Smart Cities glaubt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Der sechste Teil unserer Sommerreihe zum Internet der Dinge beleuchtet, wo Technologie bereits das urbane Leben regiert und fragt, ob schlaue Städte immer auch lebenswerte Städte sind.<br />
Was macht eine Stadt intelligent? Weltweit geistert der Begriff „Smart City“ durch Debatten um die Zukunft städtischen Zusammenlebens und bleibt dabei ähnlich konturlos wie das große Wort „Nachhaltigkeit“. Rio de Janeiro, Chicago, Singapur, Wien und London – sie alle wollen irgendwie smarter werden und verstecken dafür Sensoren in Asphalt und Straßenlaternen oder <a href="http://www.bbc.com/news/technology-22538561">entwickeln Wetterapps für Taxifahrer</a>. So zahlreich und vielfältig die Ideen zu Smart Cities auch sind, sie alle eint derselbe Leitgedanke: Vernetzung und Informationsaustausch im Namen von Effizienz und Klimaschutz. Im Grunde genommen sollen in einer intelligenten Stadt also mit technologischer Hilfe die Lebensqualität der Bewohner verbessert, Mobilität effizienter gestaltet und Ressourcen geschont werden. Die Bike- und Carsharing-Programme, die es mittlerweile in vielen deutschen Städten gibt, sind ein erster, kleiner Schritt in diese Richtung, Smart City will aber wesentlich mehr: ein ganzheitliches Konzept und die totale Vernetzung. Das bedeutet, von Abwasserkanälen über öffentlichen Nahverkehr und das Stromnetz bis hin zu Gebäuden und Autos, könnte bald alles über eine elektronische Schaltzentrale miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt sein.</p>
<h3>Zur Sache: Was passiert da eigentlich genau?</h3>
<p>Wie eine von Technologie komplett durchdrungene Stadt aussehen könnte, zeigt sich in Songdo in Südkorea. Etwa 65 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Seoul <a href="http://www.worldfinance.com/inward-investment/could-songdo-be-the-worlds-smartest-city">entsteht dort für 40 Milliarden US-Dollar ein „smarter“ Geschäftsbezirk</a>. Ein spannender Ort, denn in Songdo haben Architekten und Stadtplaner die Gelegenheit genutzt, neue Technologien zu implementieren, die in historisch gewachsenen Städten schwer umzusetzen wären, und alles auf Effizienz und Ressourcenschonung getrimmt. Überall in Gebäuden und Infrastruktur der Stadt sind Sensoren verbaut, die Temperatur, Energieverbrauch oder auch das Verkehrsaufkommen beobachten und regulieren können. Es sind keine Müllautos auf den Straßen zu sehen, stattdessen wird der Abfall durch ein ausgeklügeltes Röhrensystem aus den Gebäuden direkt in eine Sortiereinrichtung gesaugt, wo er aufbereitet, parfümiert und zur Energiegewinnung vorbereitet wird. Die Wasserrohre sind klug genug, noch nutzbares Wasser zurückzuhalten und die Toiletten der Stadt nicht mit Trinkwasser zu spülen. Smart Cards für die Bewohner dienen als Ausweis, Schlüssel und Zahlungsmittel zugleich.<br />
Alles gut durchdacht also und trotzdem bleibt ein Problem: Bisher ist Songdo weitgehend unbewohnt. Zwar scheint der Verkauf von Wohnungen mittlerweile in Gang gekommen zu sein, dennoch werden noch immer <a href="http://www.bbc.com/news/technology-23757738">nur ca. 20 Prozent der verfügbaren Geschäftsflächen genutzt</a>. Ähnlich sieht es in der ehemals hochgepriesenen Vorzeigestadt <a href="http://www.wired.co.uk/magazine/archive/2013/12/features/reality-hits-masdar">Masdar City</a> in Abu Dhabi aus, die ursprünglich für 40.000 Menschen geplant wurde, aber noch immer nahezu unbevölkert ist. Das wirft die Frage auf: Handelt es sich hier nur um Startschwierigkeiten oder sind Technologiekonzerne doch keine so guten Stadtplaner?<br />
Retortenstädte wie Songdo oder Masdar City mit ihrer omnipräsenten Technik sind und bleiben wahrscheinlich Extrembeispiele, doch auch Europa will innovativ sein und auf den Fortschrittszug aufspringen. In historisch gewachsenen Städten werden Smart City-Projekte meist zunächst auf begrenztem Raum getestet, wie beispielsweise <a href="http://www.economie.grandlyon.com/fileadmin/user_upload/fichiers/site_eco/20121121_gl_lyon_smart_community_dp_en.pdf">in Confluence</a>, dem alten Hafenviertel der südostfranzösischen Metropole Lyon. Dort bestimmt Energieeffizienz die Vision von der Smart City. Energieneutrale Gebäude mit Solarpanelen produzieren Strom und liefern ihn über ein Smart Grid dorthin, wo er gerade gebraucht wird. Eine Flotte von Elektroautos steht auf den Straßen bereit und über Smart Meter, also intelligente Zähler, wird der Energie- und Wasserverbrauch im Stadtteil erfasst und analysiert. So kann nicht nur die Stadtverwaltung den Energiekonsum besser prognostizieren, sondern auch jeder Bewohner seinen Ressourcenverbrauch selbst optimieren.<br />
Die nordspanische Hafenstadt Santander betreibt mit EU-Fördermitteln hingegen gleich einen großangelegten Smart City-Versuch. In der Stadt sind <a href="http://www.smartsantander.eu/index.php/testbeds/item/132-santander-summary">im Asphalt, an Straßenlaternen und auf Bussen und Taxis</a> 12.000 Sensoren verteilt, die Verkehrsaufkommen, Feinstaubbelastung und freie Parkplätze registrieren und an ein zentrales Kommandozentrum schicken. Dort kann dann die Straßenbeleuchtung gedimmt oder die Straßenreinigung zu vollen Mülleimern geschickt werden. Die Bewohner der Stadt können viele der Daten direkt über eine App abrufen und zudem selbst<a href="http://www.npr.org/blogs/parallels/2013/06/04/188370672/Sensors-Transform-Old-Spanish-Port-Into-New-Smart-City"> zur Verbesserung des Stadtbildes beitragen</a>, indem sie Schlaglöcher oder kaputte Straßenlaternen melden.<br />
Während das Prinzip der Smart City im Ausland bereits kräftig ausprobiert wird, sind deutsche Städte bisher eher zurückhaltend, was den Umbau von traditionellen zu intelligenten Städten angeht. In Stadtmarketingbroschüren und auf Diskussionsveranstaltungen ist „Smart City“ ein gern verwendeter Begriffe, generell scheint jedoch vorsichtiges Abwarten die Devise zu sein. Immerhin <a href="http://www.smartcity-cologne.de/">Köln</a> und <a href="http://www.hamburg.de/smart-city/">Hamburg </a>haben kürzlich erste Projekte zu dem Thema gestartet.</p>
<h3>Wozu das Ganze?</h3>
<p>Die deutsche Skepsis in allen Ehren, aber es gibt gute Gründe, warum ein wenig Innovationsgeist in Stadtverwaltungen durchaus angebracht wäre. Seit 2008 leben <a href="http://www.der-deutsche-innovationspreis.de/das-aktuelle/einzelansicht/article/studie-die-smart-city-kommt-in-15-jahren.html">mehr als 50 Prozent der Menschheit in urbanen Ballungszentren</a>, in Europa sind es bereits zwei Drittel der Bevölkerung. Bevölkerungswachstum und Urbanisierung bringen viele Herausforderungen mit sich und zwingen uns langfristig zu einem verantwortungsvolleren Ressourcenmanagement. Die Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien in die Infrastruktur einer Stadt kann dabei helfen, innovative Lösungen für Mobilität, Verwaltung und öffentliche Sicherheit zu finden und viele städtische Probleme effizienter und schneller zu lösen. Vor allem aber bietet der Einsatz neuer Technologien die Chance, Verwaltungsprozesse transparenter zu gestalten, behördliches Arbeiten besser zu koordinieren und interaktiv mit den Bürgern zu kommunizieren. Smart City-Technologien bergen also einiges Potential, das städtische Leben ein wenig leichter zu machen – und sei es nur, dass eine App uns sagt, wann der Bus Verspätung hat oder der Strom am günstigsten ist.</p>
<h3>Risiken und Nebenwirkungen</h3>
<p>Allerdings ist auch in der Smart City-Debatte nicht alles Gold, was glänzt. Kritiker des Konzepts wie <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/silicon-demokratie/evgeny-morozov-wir-brauchen-intelligente-doerfer-13030870.html">Evgeny Morozov</a> monieren, der Hype um schlaue Städte sei von internationalen Technologiekonzernen wie IBM, Cisco und Siemens geschaffen worden, die uns vorgaukelten, für jedes Problem im urbanen Raum gebe es eine technische Lösung, um teure Produkte an innovationshungrige Stadtverwaltungen zu verkaufen. Und tatsächlich fällt auf, dass die meisten Smart City Projekte im Rahmen einer Public Private Partnership mit großen Unternehmen umgesetzt werden. IBM beispielsweise ist nicht nur an mehr als 2.500 Smart City-Projekten weltweit beteiligt, sondern hat sich auch den <a href="http://www.ibm.com/legal/us/en/copytrade.shtml#section-S">Begriff „Smarter Cities“ schützen lassen</a>. Das ist insofern problematisch, als es, auch wenn IBM mit dem vermessen anmutenden Spruch „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ct544iR9JJM">Let&#8217;s build a smarter planet, city by city“</a> wirbt, beim Smart City-Konzept eben nicht nur um verbesserten Nahverkehr oder nachhaltigeres Wohnen geht, sondern auch um das Sammeln riesiger Datenmengen.<br />
Die Möglichkeiten, die sich aus Big Data rund um Städte ergeben, kann man euphorisch feiern, wie <a href="http://www.theguardian.com/smarter-cities/transforming-tomorrow">Drew Hemmend</a>, Leiter des britischen Thinktanks FutureEverything. Er frohlockt, die Datenfülle ermögliche es in Echtzeit, alles über die Menschen und Dinge um uns herauszufinden, und könne nicht nur innovative Apps und Dienstleistungen inspirieren, sondern auch neue Wege des Zusammenlebens hervorbringen. Man kann die Bündelung riesiger Datenmengen in einer Hand aber auch kritischer betrachten, denn eine totale Vernetzung aller Bereiche städtischen Lebens bietet natürlich das Potential totaler Überwachung. Energieverbrauchsdaten aus Häusern und Wohnungen könnten verraten, wann wir zuhause sind und welche Geräte wir verwenden; mithilfe von Nutzerdaten aus Carsharing oder öffentlichem Nahverkehr lassen sich Bewegungsprofile erstellen; und SmartCards als personalisiertes Zahlungsmittel, Bahnticket und Haustürschlüssel würden unsere gesamten Konsum- und Lebensgewohnheiten offenbaren.<br />
In den USA rebellieren bereits zahlreiche Bürger <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/anti-smart-meter-bewegung-widerstand-gegen-intelligente-stromzaehler-a-984085.html">gegen den Zwangseinbau von Smart Meters</a><span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;">,</span></span> und auch wir sollten darüber nachdenken, ob Big Data aus unseren Städten wirklich am besten bei Großkonzernen aufgehoben ist. Anthony Townsend, Zukunftsforscher und Autor des Buches „Smart Cities“, warnt davor, mit den Infrastrukturdaten<a href="http://www.npr.org/blogs/alltechconsidered/2013/07/18/200792512/DG-TOWNSEND"> das „Gehirn der Stadt“ an kommerzielle Unternehmen outzusourcen</a>, denn mit der Realisierung des Smart City-Prinzips könnten Städte und vor allem ihre Bürger nicht vor Missbrauch und der unkontrollierten Verwendung dieser Daten geschützt werden.<br />
In der Tat werfen die Public Private Partnerships, im Rahmen derer die meisten Smart City-Projekte durchgesetzt werden, zahlreiche Fragen auf &#8211; nicht nur danach, für welche Zwecke die Unternehmen die gesammelten Daten nutzen, sondern auch danach, was passiert, wenn der private Partner insolvent wird oder sich einer der Beteiligten aus dem Projekt zurückziehen will. Ist ein Betreiberwechsel einfach möglich, wenn die gesamte Smart City-Technologie einer Stadt von einer einzigen Firma stammt?<br />
Neben den berechtigten Sorgen um Datenschutz und Privatsphäre stellt sich in der Smart City-Debatte allerdings noch eine viel grundsätzlichere Frage: Ist eine smarte Stadt überhaupt wünschenswert, wenn intelligent gleichbedeutend mit effizienzoptimiert ist? Sind Perfektion und allgegenwärtige Kontrolle nicht der Tod urbanen Lebensgefühls? Wenn Effizienz und digitale Vernetzung zum alleinigen Leitmotiv im Städtebau werden, entscheiden Stadtplaner, was sich wo entwickeln darf. Das städtische Leben wird aus einer großen Kommandozentrale heraus gesteuert, jede Aktivität hat einen vorgesehen Ort, alles ist koordiniert und wohldurchdacht. Lebt eine lebendige Stadt aber nicht von Kreativität, persönlichen Freiheiten, Chaos und dem Versprechen, dass potentiell alles passieren kann? Anomalien und Effizienzlücken schaffen Raum für neue Ideen. Wenn aber alles in geregelten Bahnen fließt und Menschen nur aus einer festgelegten Reihe an möglichst effizienten Optionen auswählen können, regiert Passivität.<br />
Anthony Townsend beklagt, einige Menschen betrachteten Städte wie Rennautos, die man bis ins kleinste Detail justieren kann, und verlören dabei die Bürger aus den Augen. Und tatsächlich wird die Smart City-Debatte von Diskussionen über die neuesten, effizientesten und innovativsten Technologien regiert. Der Mensch und die sozialen Komponenten urbanen Lebens bleiben häufig außen vor. Dabei werden die drängendsten Probleme angesichts der stetig wachsenden städtischen Bevölkerung vermutlich nicht technischer, sondern vorwiegend sozialer Natur sein.<br />
Deshalb muss uns bei aller Euphorie über Smart Cities bewusst werden, dass intelligente Städte kein Abbild der Technologieportfolios großer Unternehmen sein sollten. Eine smarte Stadt ist eine Stadt, die Menschen eine hohe Lebensqualität bietet und dabei ökologisch verantwortungsvoll ist. Für die Entwicklung intelligenter Städte braucht es deshalb individuelle Konzepte, die die Bürger mit einbinden, und keine Marketingbegriffe. Stadtplaner und Politiker dürfen sich nicht auf technische Universallösungen verlassen, sondern müssen moderne Wege für ein faires gesellschaftliches Zusammenleben im urbanen Raum suchen. Nicht ohne Grund stehen viele der smarten Retortenstädte leer. Denn schlaue Städte sind gut, aber niemand mag Streber.</p>
<h3>Alle Teile der Sommerreihe Internet der Dinge:</h3>
<p><strong><em>Einführung:</em> <a title="Internet der Dinge – Leben in der smarten Welt" href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-leben-in-der-smarten-welt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leben in der smarten Welt<br />
</a><em>Teil 1</em></strong>: <strong><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-1-smart-wearables/">Smart Wearables</a></strong><br />
<strong><em>Teil 2:</em></strong> <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-2-intelligentes-shopping/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Intelligentes Shopping<br />
</strong></a><em><strong>Teil 3: </strong></em><strong><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-3-smart-home-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Smart Home<br />
</a></strong><strong><em>Teil 4</em></strong>: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-4-smart-cars/"><strong>Smart Cars</strong></a><br />
<strong><em>Teil 5</em></strong>: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-5-smart-country/"><strong>Smart Country</strong><br />
</a><em><strong>Teil 6: </strong></em><a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-6-smart-city/"><em><strong>Smart City</strong></em></a><br />
<em><strong>Teil 7: <a href="http://politik-digital.de/internet-der-dinge-teil-7-industrie-4-0/">Industrie 4.0 </a></strong></em><br />
Teasergrafik: <a href="https://www.flickr.com/photos/34547181@N00/13433043214">Philippe Put</a></p>
<div id="stcpDiv"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></div>
<!-- &#091;if gte mso 9&#093;&gt;-->
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div>
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		<title>Daten aller Länder, vereinigt euch! – Digitale Presseschau KW31</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Aug 2014 13:57:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im Fußball ist die deutsche Mannschaft Weltmeister geworden. Bis hierzulande auch die Internetverbindungen weltmeisterlich werden, kann man aber wohl noch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Fußball ist die deutsche Mannschaft Weltmeister geworden. Bis hierzulande auch die Internetverbindungen weltmeisterlich werden, kann man aber wohl noch eine Weile warten, wie unser Video der Woche zeigt. Außerdem in der Presseschau zu lesen: Wie die Digitalisierung den Kapitalismus besiegt, warum mathematische Vorurteile immer noch Vorurteile sind, und wie Zeitreisen mit Google funktionieren. Und, damit das klar ist, „Online sein“ ist ohnehin out. Schon seit 1998.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=qfF46JSYI8E" title="Breitband-Internet: Wie Deutschland hinterhersurft" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/qfF46JSYI8E?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Aus gegebenem Anlass: Unser Video der Woche zeigt eindrücklich, wie sehr Deutschland beim Thema Breitband hinterhersurft. In der Eifel wird beim Mailversand nebenher Mittag gekocht und in Berlin-Mitte ist DSL nicht überall verfügbar. Da darf das ZDF-Magazin Frontal 21 schon mal nachfragen, ob die Bundesregierung wirklich glaubt, das würde schon alles irgendwie „marktgetrieben“ funktionieren. Denn die Telekom, seit einiger Zeit ja Mitglied in diesem Markt, sagt dazu nur: „Eine Versorgungsverpflichtung haben wir nicht!“.</p>
<h3></h3>
<h3><a href="http://green.wiwo.de/die-energiewende-wird-digital-und-strom-gibt-es-kuenftig-fast-umsonst/">Marx Digital</a></h3>
<p>Was hat die digitale Revolution mit der Energiewende zu tun? Eine ganze Menge! Forscher der Stanford-Universität haben ausgerechnet, dass mit dem auf der Welt zur Verfügung stehenden Wind der weltweite Energiebedarf gleich siebenmal gedeckt werden könnte, wie die grüne Wirtschaftswoche berichtet. Voraussetzung: Die Energie muss intelligent verteilt werden – Stichwort Internet der Dinge. Diese Ausgangslage treibt den Ökonomen Jeremy Rifkin so weit, nicht nur das Ende der Energiewirtschaft, sondern gleich das des Kapitalismus zu prophezeien. Mit der Stillung der menschlichen Grundbedürfnisse lasse sich bald kein Geld mehr machen. Man sollte ihm zuhören: In seinem 2001 erschienen Buch „Access“ prognostizierte er die Sharing-Ökonomie  – und wurde belächelt.<br />
<a href="http://green.wiwo.de/die-energiewende-wird-digital-und-strom-gibt-es-kuenftig-fast-umsonst/"><em>green.wiwo.de</em></a></p>
<h3></h3>
<h3><a href="https://netzpolitik.org/2014/how-to-analyze-everyone-teil-ix-predictive-policing-oder-wenn-vorurteile-algorithmen-fuettern/">Der ganz große Minority Report</a></h3>
<p>Der Begriff „Predictive Policing“ ist eng mit der Verbrechensbekämpfung in den USA verbunden. Der Traum eines jeden Polizisten: dank Big Data schon vor dem Täter am Tatort sein. Doch die Zahlen, nach denen solche Programme funktionieren, sind mitnichten neutral, erklärt Anna Biselli auf netzpolitik.org. Wenn Vorurteile zu Algorithmen verhackstückt werden, wird auch das Programm „ausrechnen“, dass dunkelhäutige Migranten mit Rastalocken öfter kontrolliert werden müssen. Während der weiße Herr im Anzug daneben mit ein paar Kilo Koks über die Grenze spaziert.<br />
<a href="https://netzpolitik.org/2014/how-to-analyze-everyone-teil-ix-predictive-policing-oder-wenn-vorurteile-algorithmen-fuettern/"><em>netzpolitik.org</em></a></p>
<h3></h3>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/digitale-kommunikation-sprechen-sie-cobol-1.2063095">Nach der Pause: Programmieren!</a></h3>
<p>Jetzt sind auch noch Java und Objective-C Weltsprachen! Und weil die Schule schließlich auf die Welt vorbreitet, muss man die dort lernen. Anne Schüssler plädiert dafür in ihrem Gastbeitrag auf Süddeutsche.de. So weit, so richtig. Bleibt nur die Frage, wie dann noch Chinesisch und Maschinenbau in den Stundenplan passen, das brauchen wir ja auch. Und das Ganze in G8-Rekordzeit! Dumm nur, dass nach den anschließenden drei Jahren Regelbachelor das gute alte Schulzeit-Programmieren schon kein Mensch mehr kennt. Doch die Autorin kann uns beruhigen: „Wenn man es erst mal begriffen hat, ist es halb so schwer.“<br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/digitale-kommunikation-sprechen-sie-cobol-1.2063095"><em>sueddeutsche.de</em></a></p>
<h3></h3>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/digitale-ueberwachung-wir-ahnungslosen-versuchskaninchen-13069122.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2">&#8230;Und Big Data sprach: &#8220;Selber schuld!&#8221;</a></h3>
<p>Big Data hat realen Nutzen. Je mehr Lebensbereiche vermessen und analysiert sind, desto mehr liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, diese Informationen für sich zu nutzen. Schaurigschön fatalistisch erklärt Evgeny Morozov in der FAZ, warum es dann auch die Schuld der Armen ist, wenn sie arm bleiben: Hätten sie mal auf die guten Tipps ihres Smartphones gehört! Das ist die Überwachungsdividende: Missstände werden optimiert, aber keine Probleme behoben.<br />
<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/digitale-ueberwachung-wir-ahnungslosen-versuchskaninchen-13069122.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2"><em>faz.net</em></a></p>
<h3></h3>
<h3><a href="http://connected.tante.cc/2014/07/28/archivliebe/">Digitale Zeitreise</a></h3>
<p>Das Internet ist dynamisch, innovativ, immer in Bewegung. Bei seiner ganzen Unbeständigkeit ist es aber auch eines: ein riesiges Archiv. Und wie jedes große Archiv (und das Internet ist ohne Zweifel das größte) ist es ohne Index wertlos. Suchmaschinen wie Google stehen dafür zur Verfügung, sie ermöglichen ganze Zeitreisen. Doch ihre Funktion wird bedroht durch das „Recht auf Vergessen“. Denn was passiert in der Bücherei, wenn das Buch zwar noch da ist, aber keiner weiß mehr, wo?, fragt Jürgen Geuter auf seinem Blog.<br />
<a href="http://connected.tante.cc/2014/07/28/archivliebe/"><em>connected.tante.cc</em></a><br />
<strong>Und übrigens</strong>: Wisst Ihr noch, damals, als &#8220;Online Gehen&#8221; wieder total out war? Dieser Ausschnitt aus der <a href="http://www.crackajack.de/2012/09/29/online-gehen-lohnt-sich-das-bravo-screen-fun-1998/">Bravo</a> von 1998 hat uns die Woche versüßt!<br />
Foto: Screenshot<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Morozov und die Gretchenfrage der Netzdebatte</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/morozov-und-die-gretchenfrage-der-netzdebatte-139686/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/morozov-und-die-gretchenfrage-der-netzdebatte-139686/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2014 13:42:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Netz-Journalist Evgeny Morozov, bekannt und umstritten für seine scharfe Kritik an Überwachung, Netzkultur und technologischem Wandel, äußerte sich diese Woche [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/morozov.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139687" alt="morozov" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/morozov.png" width="639" height="320" /></a> Netz-Journalist Evgeny Morozov, bekannt und umstritten für seine scharfe Kritik an Überwachung, Netzkultur und technologischem Wandel, äußerte sich diese Woche in einem Interview auf heise online zu den Gefahren einer ökonomischen Prägung und Vereinnahmung durch neue Technologien. Leider stellte er sich kaum der Frage, warum es angesichts dessen nicht gelingt, die Menschen von seinen Positionen zu überzeugen und für diese Problematiken zu sensibilisieren.<br />
Ziel von <a href="http://www.heise.de/tr/artikel/Es-geht-um-die-Zukunft-der-Demokratie-2184581.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morzovs Schelte</a> war ein weiteres Mal die „New Economy“ im Silicon Valley, die er im Hinblick auf ihr Bedrohungspotenzial auf eine Stufe mit der geheimdienstlichen Überwachung stellte. Aber auch der Staat und die Internet-User, die Verantwortung und Problemlösungskompetenzen zunehmend an Wirtschaftsunternehmen abgeben würden, trügen zu dieser Entwicklung bei.<br />
Die privatwirtschaftliche Verfügung über unsere Kommunikationsmittel stellt für ihn ein Symptom unserer „Kapitulation gegenüber der Logik der Privatisierung und des Neoliberalismus“ dar. Im Zuge dessen überließen wir private und staatliche Entscheidungen zunehmend Datenberechnungen, anstatt darüber nachzudenken, wie diese Probleme in die Welt kämen. Die wirtschaftlichen Problemlösungen würden sich lediglich auf die „niedrig hängenden Früchte“ konzentrieren und eine vertiefte Auseinandersetzung mit Problemen im Zuge dessen verdrängen.<br />
Seine eigene Aufgabe sieht der in den USA lebende Buchautor nun auch darin, Bewusstsein zu schaffen für diese Problematik und zentrale Fragen gesellschaftlicher Gestaltung  zu repolitisieren. Dazu sei es auch notwendig, den Diskurs über digitale Technologien zu verändern. Auf sprachlicher Ebene befindet er Phrasen wie die „Freiheit des Internets“ als untauglich, da sie einerseits zu mehrdeutig und unverständlich seien und andererseits eine falsche Sicht auf Technologien einnehmen würden: „Es gibt keinen virtuellen Raum, es gibt keinen Cyberspace. Es gibt nur eine Welt.“ Für ihn ist bereits die Differenzierung zwischen  Internet und Nicht-Internet problematisch. Bereits in <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/politik-in-der-digitalen-welt/evgeny-morozov-antwortet-auf-martin-schulz-wider-digitales-wunschdenken-12790285.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">seiner Replik</a> auf Martin Schulz‘ <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitale-gesellschaft-eu-parlamentspraesident-warnt-vor-technologischem-totalitarismus-12787107.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beitrag</a> im Februar hatte der Publizist gefordert, mit der Mystifizierung des Internets zu brechen. Diese verweigere sich dem Umstand, Technik als der Gesellschaft eigenen Bestandteil zu begreifen. Technik entwickele sich unter spezifischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die wirtschaftlich und politisch vermachtet seien, und sei deshalb zu keinem Zeitpunkt frei oder neutral.<br />
<b> „Die Beweislast liegt nicht auf meiner Seite“</b><br />
So wichtig es ist, hin und wieder am Fortschrittsdogma und der Internet-Euphorie zu kratzen, muss aber dennoch reflektiert werden, warum diese eine so große Anziehungskraft auf die Menschen ausüben und warum es nicht gelingt, die Risiken öffentlich bekannt zu machen. Morozov verweist zwar darauf, dass man die gesellschaftlichen Kosten dieser Entwicklung aufzeigen müsse. Auf die Frage nach den mangelnden Problemlösungskompetenzen der repräsentativen Demokratie bleibt Morozov eine befriedigende Antwort schuldig. Denn während Staat, Gesellschaft und Menschen in vielen Bereichen bereits konkreten Nutzen aus den Innovationen ziehen, weist der Publizist die Beweislast von sich.<br />
Den vielfältigen Verheißungen wie Kosten- und Zeiteinsparungen, verbesserten Forschungsbedingungen oder Partizipationsmöglichkeiten begegnet er auf diese Weise mit einer gewissen Ignoranz. Dabei gilt es tatsächlich, kritische Fragen zu stellen: Wie weit wollen wir gehen? Wer soll darüber entscheiden? Was bezahlen wir dafür? Wo liegen die ethischen Grenzen? Wie verändern sich Rolle des Staates und seine Beziehung zu Wirtschaft und Zivilgesellschaft?<br />
Doch wenn wir den Menschen und Dingen, die wir kritisieren, nicht auf Augenhöhe begegnen, und wenn wir nicht versuchen zu verstehen, warum Menschen bestimmte Tools verwenden,  warum sie über gewisse Fragen nicht nachdenken oder sprechen wollen, und warum sie das Internet vor allem im Lichte seiner Annehmlichkeiten betrachten, dann lavieren wir uns um die  gegenwärtige Gretchenfrage des Netzdiskurses herum, die da lautet: Wie kann ein breiter gesellschaftlicher Diskurs angestoßen werden? Einen guten <a href="http://re-publica.de/session/ueberwachung-macht-impotent-neue-narrative-gegen-ueberwachung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beitrag</a> hierzu brachte jüngst der Journalist Friedemann Karig auf der re:publica, indem er „neue Narrative gegen Überwachung“ forderte. Aber auch Evgeny Morozov selbst liefert mit seiner Sensibilisierung für die Begriffe „Internet“ oder „Freiheit“ bereits einen wichtigen Anstoß. Nun muss eine weitere Auseinandersetzung mit den Mechanismen innerhalb der Netzdebatte folgen.<br />
Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/journalismfestival/6319166972/sizes/o/in/photostream/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">International Journalism Festival</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Globale Krisen und nationale Antworten &#8211; Digitale Presseschau 46/2013</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nicolas Morgenroth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Nov 2013 17:24:18 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[National Routing]]></category>
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		<category><![CDATA[Ole Reißmann]]></category>
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					<description><![CDATA[Krisen halten sich schon länger nicht mehr an nationale Grenzen, schon gar nicht die Krise des anonymen und freien Internets [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Krisen halten sich schon länger nicht mehr an nationale Grenzen, schon gar nicht die Krise des anonymen und freien Internets in Zeiten von Geheimdiensten 2.0, Facebook und Co. Dennoch meinen die Telekom, die Union und andere, die Lösung an den Ländergrenzen zu entdecken. Die Antworten auf diese deutsche Rückbesinnung haben sich bei Twitter unter dem Hashtag #schlandnet versammelt. Den Grundtenor fassen Jürgen Geuter und Michael Seemann mit „#schlandnet verecke!“ zusammen. Zudem findet sich in der Presseschau ein Beitrag des prominenten Netzkritikers Evgeny Morozov, aber auch eine scharfe und leidenschaftliche Kritik an Morozov und seinem Buch. Konstruktiv: Die letzte Kritik, dieses Mal an den Oligopolen der Social-Media-Anbieter, zeigt in einem ehrgeizigen Manifest zur Vergesellschaftung der sozialen Medien auch Alternativen auf.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="http://www.youtube.com/watch?v=WObYKjvyB58&amp;hd=1" title="Social Scoring" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/WObYKjvyB58?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Der elektrische Reporter über Credit Scoring: Wenn das digitale Double über die Kreditfähigkeit entscheidet.<b><br />
</b><br />
&nbsp;</p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2013-11/schlandnet-telekom-nsa-internet/komplettansicht" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Im Zweifel die Nation</a></h3>
<p>In Zeiten globaler Krisen hat der Nationalstaat wieder Konjunktur. Besonders vor dem Hintergrund der Entstehung des Internets und globaler digitaler Vernetzung schien der Nationalstaat leise und bedeutungslos in den Geschichtsbüchern zu versinken. Gegen Überwachung und für den Schutz der Bürger führen die Telekom und die Union ihn nun wieder ins Feld. Ole Reißmanns Artikel auf <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/telekom-draengt-auf-gesetz-fuer-nationalen-datenverkehr-a-932976.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel Online</a> lässt die wichtigsten Vertreter aus Politik und Telekom zu Wort kommen. Dass es der Telekom nicht nur um Datenschutz und Privatsphäre geht, legen Kai Biermann und Marin Majica auf <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2013-11/schlandnet-telekom-nsa-internet/komplettansicht" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zeit Online</a> ausführlich dar: National Routing böte keine zusätzliche Sicherheit, dafür mehr Marktmacht für den Telekommunikationsgiganten, höhere Kosten und eine Gefahr für die Netzneutralität.</p>
<h3><a href="http://mspr0.de/?p=3851" target="_blank" rel="noopener noreferrer">#schlandnet verrecke</a></h3>
<p>Im Netz ließ die Reaktion auf den Vorstoß der Telekom nicht lange auf sich warten: Mit dem Hashtag #schlandnet verbreitete sich eine Welle des Hohns und der Kritik. So sieht der Blogger <a href="http://tante.cc/2013/11/08/der-weltnetzsuchantrieb-ein-kommentar-zum-schlandnet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jürgen „tante“ Geuter</a> keinen Nutzen in der Idee, außer für die Telekom und die deutschen Sicherheits-Behörden, und fürchtet willkommene Anknüpfungspunkte für Rechtspopulismus. Auf <a href="http://www.carta.info/66787/schlandnet-eine-projektion/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+carta-standard-rss+%28Carta%29" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Carta</a> entwirft er eine dystopische Entwicklung des nationalen Internets 2013 hin zu einem geschlossenen, überwachten und kostenpflichtigen „Vertrauensnetz“ im Jahr 2016. Geuters Forderung „#schlandet verrecke“ greift auch Michael Seemann auf. Auf seinem <a href="http://mspr0.de/?p=3851" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog</a> nimmt er das Narrativ in den Blick, das hinter der Idee des National Routing steckt. Ein national begründetes „Die gegen Wir“, also Deutsche gegen die NSA, verschleiere nicht nur die tatsächlichen Konfliktlinien, schließlich liege der Feind in Form des BND „mit im Bett“. Sondern es stärke auch noch zusätzlich die bestehenden Machtverhältnisse.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/big-data-warum-man-das-silicon-valley-hassen-darf-12656097.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Diktatur der Alternativlosigkeit“</a></h3>
<p>Für Evgeny Morozov ist das diskursive Teflon das Problem. Damit meint er die Unantastbarkeit und die Dominanz der Silicon-Valley Industrie in Debatten über Internet, Technik und deren Verhältnis zur Gesellschaft. So würden die Internetkonzerne das Vokabular der Debatte stellen und die Informationstechnologie als über alle Kritik erhabene Fortschrittsbringer propagieren. Mit Anleihe bei Roberto Unger bezeichnet Morozov dies als „Diktatur der Alternativlosigkeit“, die scheinbare Offenheit mit einer Verschärfung von Kontrolle verbindet, Privatsphäre zu einem exklusiven weil kostenpflichtigen Gut transformiert und Arbeit auf das gesamte Leben ausweitet. Schuld daran seien allerdings weder Silicon-Valley noch die Technologie, sondern das bestehende politische und wirtschaftliche Regime. Zu einem näheren Blick auf dieses kommt er trotz seines ausführlichen Beitrags auf faz.de leider nicht mehr.</p>
<h3><a href="http://de-bug.de/mag/9926.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zwischen Hass und Future-Shock-Starre</a></h3>
<p>Evgeny Morozov hat auch ein Buch geschrieben, „Smarte Neue Welt“ heißt es, und wird von Sascha Kösch auf de-bug.de in einer Rezension mit viel Leidenschaft auseinandergenommen. So seien die in dem Buch vorgestellten Thesen des „Internet-Erklärbärs“ weder neu, noch würden sie tiefer gehend auf den Gegenstand angewandt. Morozov wiederhole vielmehr anhand von zahllosen Beispielen die immer gleiche These, dass das Internet nicht essentialistisch zu betrachten sei. Das Internet sei, so Morozov, konstruiert und nicht per se frei, transparent und offen. Jedoch würde dieses essentialistische Argument von Silicon Valley verwendet, um eigene Interessen durchzusetzen. Kösch findet Morozovs Buch perspektivlos, da es die Leser entweder mit Hass auf Silicon Valley oder in einer „Future-Shock-Starre“ zurückließe. Auch <a href="http://netzwertig.com/2013/11/13/netzdebatte-warum-evgeny-morozov-wichtig-ist/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Martin Weigert</a> bescheinigt dem Netzkritiker Morozov auf netzwertig.com Eindimensionalität, sieht ihn aber als notwendiges Gegengewicht zu überzeugten Technofanatikern.</p>
<h3><a href="http://nplusonemag.com/socialize-social-media" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Vergesellschaftung der sozialen Medien</a></h3>
<p>Eine große Sparte der Silicon Valley-Industrie sind die sozialen Medien. Facebook und Twitter sind private Konzerne mit Profitinteressen, die den Rahmen für einen Großteil der Kommunikation im Internet bilden. Dabei können sie sich auf das natürliche Monopol ihrer Infrastruktur verlassen und außerhalb jeden Wettbewerbs und ohne Alternativen agieren. Dies nimmt Benjamin Kunkel zum Anlass, auf n+1 die Vergesellschaftung der sozialen Medien zu fordern. In fünf Argumenten erklärt er warum: Erstens würden soziale Medien auf natürlichen Monopolen basieren. Zudem würden Profitinteressen deren Qualität einschränken. Soziale Medien seien drittens ein öffentliches Gut für demokratische Prozesse und könnten, viertens, nur als solches Innovation und Unternehmertum hervorbringen. Schlussendlich seien die Produzenten in diesen Konzernen die Nutzerinnen und Nutzer, also die Gesellschaft an sich, und sollten daher nicht im ökonomischen Rahmen agieren. „Tweeps and Facebook friends, unite“!<br />
&nbsp;<br />
&nbsp;<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a></p>
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		<title>Netzpolitik oder Digitalisierungspolitik: Worum geht es hier eigentlich?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzpolitik-oder-digitalisierungspolitik-worum-geht-es-hier-eigentlich-134035/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nicolas Morgenroth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Oct 2013 17:26:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Koalitionsverhandlungen]]></category>
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		<category><![CDATA[UADA]]></category>
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					<description><![CDATA[Aus Netz- wird Digitalisierungspolitik und aus Vorratsdatenspeicherung Mindestspeicherfrist: Die CDU bringt erneut einen unverbrauchten Begriff für ein altes Thema in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Enzyklopädie_bearb.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-134066" alt="Enzyklopädie_bearb" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Enzyklopädie_bearb.jpg" width="639" height="399" /></a>Aus Netz- wird Digitalisierungspolitik und aus Vorratsdatenspeicherung Mindestspeicherfrist: Die CDU bringt erneut einen unverbrauchten Begriff für ein altes Thema in die Debatte. Ist das ein Versuch, das Feld der Netzpolitik nach eigenen Vorstellungen neu zu definieren, um Deutungshoheit zu erlangen? Oder werden einfach rechtzeitig zur neuen Legislaturperiode ausgediente und schwammige Begriffe durch adäquate Bezeichnungen ersetzt?<br />
Netzpolitik ist das Thema, mit dem die Piraten sich als Partei zu profilieren schienen. Netzpolitik ist der Begriff, der für Wirbel in der etablierten Welt der politischen Fachressorts sorgte und auch den Rahmen für eine neue Bürgerrechtsbewegung bot. Im Wahlkampf wurde es jedoch auffällig ruhig um ihn. Die Lücke, welche die Nicht-Beachtung netzpolitischer Themen von Seiten der Regierung hinterließ, konnten oder wollten die Oppositionsparteien offenbar nicht füllen. Zur Vorbereitung auf die Koalitionsverhandlungen erstellte jedoch ein Arbeitskreis der CDU ein <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/CDU-Arbeitsgruppe-probt-Ausstieg-aus-der-Netzpolitik-1981266.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Positionspapier zur „Digitalisierungspolitik“</a>. Der Begriff „Netzpolitik“ findet darin keine Erwähnung. Zudem werden in den nun laufenden Koalitionsverhandlungen netzpolitische Themen im Kulturausschuss, Unterarbeitsgruppe „Digitale Agenda“, behandelt. Hat diese begriffliche Umwidmung eine Bedeutung? Ist das Ausweichen auf den Begriff des „Digitalen“ als eine bewusste Umgehung politisch aufgeladener Begriffe zu verstehen? Bedeutet dies eine Fortsetzung der politischen Nicht-Beachtung? Oder wurde vielmehr eine neue und weitaus passendere Bezeichnung gefunden? Und das Thema<a href="http://blog.petertauber.de/?p=1902" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> in einer eigenen Arbeitsgruppe aufgewertet</a>? Schließlich war Netzpolitik noch vor vier Jahren lediglich auf der Agenda in den <a href="http://wlstorage.net/file/koalitionsverhandlungen-cdu-csu-fdp.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arbeitsgruppen „Familie/Integration/Kultur/Neue Medien“ sowie „Innen/Justiz/Informationsgesellschaft“</a>.</p>
<h3>Netzpolitik – Ein Begriff schwammiger Vielfalt</h3>
<p>Der Begriff Netzpolitik ist schwer definierbar und wird unterschiedlich verwendet. Bei schneller Google-Suche inklusive Filter Bubble taucht der Begriff zum ersten Mal 1996/7 in Beiträgen der Soziologen <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/8/8001/3.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rainer Rilling</a> und<a href="http://www.uni-muenster.de/PeaCon/produktionsoeffentlichkeitnetzpolitik.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Hans Krysmanski</a> auf. Keiner der Autoren bietet allerdings eine Definition, und eine solche ist bis heute schwer auffindbar. Allerdings wird bei beiden die Vielschichtigkeit bzw. Uneindeutigkeit des Konzepts von Netzpolitik bereits beispielhaft deutlich. Die verschiedenen Bedeutungen, die der Begriff auch in seinen aktuellen Verwendungen umfasst, versuchen wir hier aufzuschlüsseln.<br />
Sowohl Rilling als auch Krysmanski diskutieren die Möglichkeit, politische Prozesse durch Informationstechnik, im Besonderen durch das Internet, zu verändern. Rilling nennt diesen Aspekt der Netzpolitik „Cyberdemokratie“: Netzpolitik als<em> Politik durch das Netz</em>. Um diese umsetzen zu können, bedarf es einer gewissen Infrastruktur, deren Wartung und gegebenenfalls Regulierung: Das ist Netzpolitik als<em> Politik des Netzes</em>, der Netzinfrastruktur. Ein dritter Aspekt des Begriffs ist der querschnittsthematische Prozess der Vernetzung, da die informationstechnische Vernetzung Folgen für fast alle gesellschaftlichen Bereiche hat. So schwärmt Krysmanski von einer vernetzten „fundamentaldemokratischen globalen Wissenschaftlergemeinschaft“: <em>Netzpolitik als Querschnittsthema</em> zu den Folgen der Vernetzung.<br />
Viertens beinhaltet Netzpolitik, im Gegensatz zu anderen Politikbereichen wie Innen- oder Wirtschaftspolitik, für viele Akteure bereits eine politische Agenda per se. Dementsprechend leitet Rilling Offenheit und Transparenz direkt aus einer „Logik des Netzes“ ab. Netzpolitisch ist dann nur die Forderung nach Netzneutralität oder bedingungsloser Transparenz, während deren Ablehnung gegen dieses Verständnis von Netzpolitik verstößt: <em>Netzpolitik als Agenda.</em> Diese Vermischung von Agenda und Gegenstand kritisiert der Publizist Evgeny Morozov als <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur/ein-netzstuermer-1.18162169" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Solutionismus“</a>, nämlich das Internet als universelle Lösung, wonach ihm inhärente Charaktermerkmale wie Offenheit und Transparenz zugeschrieben werden. Der Begriff Netzpolitik vereint so bis heute zumindest drei verschiedene Politikaspekte und eine politische Agenda.<br />
Vor dem Hintergrund der aktuellen Koalitionsverhandlungen läuft nun die Debatte, wie Netzpolitik institutionell in der nächsten Legislaturperiode in Regierung und Bundestag verankert werden soll. Daher erscheint eine (Neu-)Definition des Politikfeldes ein sinnvoller Schachzug.</p>
<h3>Das Auftreten der Digitalisierungspolitik</h3>
<p>In diesem Zusammenhang wirkt der Vorstoß der CDU, „Netzpolitik“ durch den Begriff „Digitalisierungspolitik“ zu ersetzen, wie ein Versuch, das Feld anders zu definieren. Die CDU-Netzpolitiker Peter Tauber und Thomas Jarzombek sehen darin auf Nachfrage von politik-digital.de jedoch keine inhaltliche Veränderung oder politische Motivation. Während Jarzombek auf eine „Anpassung an Begrifflichkeiten der Europäischen Union“ hinweist, verweist Tauber auf den Publizisten Christoph Kappes als Urheber. Kappes selbst jedoch sieht in einem <a href="http://christophkappes.de/netzpolitik/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog-Post</a> aus dem Jahr 2011 einen Unterschied zwischen den Begriffen, der für ihn offenbar groß genug ist, um für einen Wechsel zu plädieren. In diesem Beitrag spricht Kappes sich für die Bezeichnung Digitalisierungspolitik aus, da Netzpolitik den Blick zu sehr auf die Vernetzung konzentriere. Für ihn ist die Digitalisierung, also die Überführung von Informationen in diskrete, standardisierte Größen, mit dem Ziel, sie elektronisch verarbeiten zu können, der Kern der „Umwälzung“ der heutigen Gesellschaft. Vernetzung sei dabei nur ein Teil des Prozesses. Informationen müssen erst geschaffen werden, bevor sie verbreitet werden können. Netzpolitik bezeichnet für Kappes nur einen Teilbereich, nämlich das Internet als Regelungsgegenstand, die Netzinfrastruktur.<br />
Kappes‘ Argumente zielen auf die Kernfrage, ob Vernetzung oder Digitalisierung den wesentlichen Wandel darstellen. Sicherlich ist Digitalisierung eine Voraussetzung für die Vernetzung der Gesellschaft mithilfe von Informationstechnologien. Doch wie groß ist das Veränderungspotenzial von vereinzelten programmierbaren Maschinen, also Computern? Ist nicht die Vernetzung ursächlich für den politischen Handlungsbedarf in Breitbandausbau, Urheberrecht, Netzneutralität, Datenschutz und auch IT-Wirtschaft? Friedrich Krotz, Professor für Kommunikationswissenschaft, vertritt diese Gegenposition zu Kappes. Für ihn erscheint unvernetzte Digitalisierung schlicht <a href="https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/170932/von-den-digitalen-medien-zur-computergesteuerten-infrastruktur" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„belanglos“</a>.</p>
<h3>Umetikettierung mit System</h3>
<p>Fern von solchen abstrakten Diskursen sieht die Opposition durchaus eine politische und nicht nur akademische Motivation hinter der neuen Begriffswahl. Für <a href="http://malte-spitz.de/2013/10/23/netzpolitik-was-bleibt-und-was-kommt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Malte Spitz</a>, Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen, findet eine bewusste Neuverortung des Themas statt. „Die Umetikettierung hat System“, schreibt Spitz und nennt die Beispiele „neue Datenpolitik“ anstelle von „Datenschutz“ sowie „Mindestspeicherfrist“ statt „Vorratsdatenspeicherung“. Auch <a href="http://www.piratenpartei.de/2013/07/05/neusprech-alarm-mindestspeicherfrist-ist-vorratsdatenspeicherung-merkel-bleibt-auf-uberwachungskurs/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die Piratenpartei</a> warnt vor Orwellschem Neusprech. „Digitalisierungspolitik“ könnte in diesem Sinne als Rahmen für eine konservative Netzpolitik dienen, die sich politisch aufgeladener Begriffe entledigt. Dies könnte nicht nur hilfreich sein, um von einem „links“ aufgeladenen „Etikett“ wegzukommen, wie es der SPD-Politiker <a href="http://politik-digital.de/anfang-oder-ende-der-netzpolitik-interview-mit-jan-moenikes/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jan Mönikes</a> vermutet, sondern darüber hinaus sollten auf diese Weise „Gefahren versteckt“ und „Protest erschwert“ werden, befürchtet Spitz.</p>
<h3>Von Begriffen zur institutionellen Verankerung</h3>
<p>Doch wie auch immer die Diskussion ausgeht, es kommt nun zunächst darauf an, Netz- oder Digitalisierungspolitik in einer neuen Regierung und im Bundestag institutionell zu verankern. Da es unumstritten ein Querschnittsthema ist, stehen die Koalitionäre vor der Herausforderung, das Thema sowohl dezentral in alle Gremien einzubringen, als auch ein zentrales Organ zu bilden, das durchsetzungsfähig und kompetent ist. So gibt es laut Thomas Jarzombek den Vorschlag, überall „Digitalisierungsbeauftrage“ einzusetzen, welche dann in Treffen „gemeinsame Strategien“ entwickeln. Doch welches Gewicht würden solche „Beauftragten“ haben?<br />
Digitalisierung als prozessbezogener und sehr allgemeiner Begriff kann das Bild eines eher schwachen, dezentralen Politikfelds vermitteln. Wohingegen Netzpolitik bereits mit konkreten Themen und politischen Debatten assoziiert ist, aber das Themenfeld im Verständnis einiger auf den Aspekt der Infrastruktur reduziert. Es bleibt, die Koalitionsverhandlungen und die nächste Legislaturperiode vor diesem Hintergrund auch semantisch genau zu beobachten. Denn Sprache ist auch Ausdruck von Macht und Widerstand. Bisher lag die Deutungshoheit meist bei der netzpolitischen Zivilgesellschaft.<br />
&nbsp;<br />
Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/mecklenburg/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Thomas Kohler</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-SA 2.0)</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Von echten Bloggern und unechten Obama-Imitaten &#8211; Digitale Presseschau KW 14</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Apr 2013 15:25:09 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kulturflatrate]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Netzneutralität]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Lobo]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Big Data]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
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					<description><![CDATA[Achtung, bitte festhalten, Ihr Weltbild könnte darunter leiden: Merkel und Steinbrück sind keine neuen Obamas, Sascha Lobo kein „echter“ Blogger [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Achtung, bitte festhalten, Ihr Weltbild könnte darunter leiden: Merkel und Steinbrück sind keine neuen Obamas, Sascha Lobo kein „echter“ Blogger und die Kulturflatrate keine echte Lösung. Hinzu kommt: Die Fahndung nach Diktator Kim Jong-Un hat begonnen – allerdings nur auf Flickr.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p>http://www.youtube.com/watch?v=1yHLHayrDf8</p>
<h3><a href="http://techpresident.com/news/23663/german-politicians-wary-internet-policy-look-us-embrace-web-their-campaigns">Shades of Obama</a></h3>
<p>Obamas Internetwahlkampf 2008 und 2012 war richtungsweisend für die politische Kommunikation weltweit. Auch für die Bundestagswahl in Deutschland? Miranda Neubauer vergleicht die Internetqualitäten der beiden Spitzenkandidaten Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD). Eines steht fest: Keiner wird der nächste Obama.</p>
<h3><a href="http://innovisions.de/beitraege/fruehwarnung-aus-dem-netz/">Frühwarnung aus dem Netz</a></h3>
<p>Was tun wenn´s brennt? Eine neue Möglichkeit wäre das Absetzen einer Nachricht auf Twitter. Im EU-geförderten Projekt „Insight“ soll eine „Katastrophen-Monitoring-Engine“ entstehen, die zum Beispiel Beiträge von Privatpersonen aus dem Internet für Hilfskräfte in Echtzeit verwerten soll. Lageerfassung durch Augenzeugenberichte im digitalen Zeitalter – ein Beispiel dafür, dass Big Data-Verfahren nicht immer schlecht sind.</p>
<h3><a href="http://irights.info/welches-problem-soll-die-kulturflatrate-losen/13306">Welches Problem soll die Kulturflatrate lösen?</a></h3>
<p>Noch vor einem Jahr war es das Thema in der Netzgemeinschaft: das Urheberrecht. Die Debatte um neue Bezahlsysteme beim Urheberrechtsstreit ist mittlerweile etwas eingeschlafen. Urheberrechtler Gerald Sprindler hat sich nun im Auftrag der Grünen verschiedene Modelle einer Kulturflatrate angeschaut. Ilja Braun kommt zu dem Ergebnis: „So lange die Kulturflatrate die eierlegende Wollmilchsau sein soll, die alle Probleme auf einmal löst, bleiben ihre Chancen auf eine politische Umsetzung denkbar gering.“</p>
<h3><a href="http://carta.info/56377/vom-echten-bloggen/">Vom „echten Bloggen“</a></h3>
<p>Sascha Lobo kein „echter“ Blogger? Zumindest nicht als Autor der „Mensch-Maschine“-Kolumne, meint Jürgen Fenn. Seiner Ansicht nach sind kommerzielle Blogs keine Blogs. Denn: „Mit der Kommerzialisierung benimmt sich ein Blogger seines Einflusses.“ Das würde mit Glaubwürdigkeitsverlust einhergehen, so Fenn weiter. Eine Abrechnung mit der (kommerziellen) Blogosphäre.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/computer-internet/telekom-und-die-netzneutralitaet-drosselung-und-diskriminierung-12132211.html">Drosselung und Diskriminierung</a></h3>
<p>Wie bereits bekannt wurde, denkt die Deutsche Telekom über eine Drosselung von DSL-Anschlüssen nach. Das Ziel der Telekom besteht aber nicht darin, wie man vermuten könnte, Preiserhöhungen durchzusetzen, sondern in der Abschaffung der Netzneutralität. Warum und wieso erklärt Michael Spehr auf faz.net.</p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/2013/13/Internettheoretiker-Evgeny-Morozov">Ketzer des Netzes</a></h3>
<p>Das Silicon Valley ist das Maß aller Dinge für neue Technologie. Aber es ist nicht alles Gold was glänzt, meint zumindest der Internet-Theoretiker Evgeny Morozov. Warum er das Silicon Valley für provinziell hält und er als Weltretter angesehen werden kann, erzählt Maximilian Probst auf ZEITONLINE.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Digitale Presseschau 27/2012</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Schumacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jul 2012 15:22:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>
		<category><![CDATA[ACTA]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Anke Domscheit-Berg]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
		<category><![CDATA[Adrienne Fichter]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Wolf]]></category>
		<category><![CDATA[Minitel]]></category>
		<category><![CDATA[Turing-Test]]></category>
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					<description><![CDATA[ACTA ist Geschichte. Genauso wie das Internet als Retter der Welt und das älteste Online-Terminal Frankreichs, der Minitel. Dafür werden [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>ACTA ist Geschichte. Genauso wie das Internet als Retter der Welt und das älteste Online-Terminal Frankreichs, der Minitel. Dafür werden koreanische Schüler bald noch fortschrittlicher sein, als sie ohnehin schon sind. Ach ja, und Computer versuchen es jetzt auf die emotionale Tour. All das in der heutigen Ausgabe der Presseschau.</p>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="http://www.youtube.com/watch?v=e7FFOgcKgf4" title="Adieu Minitel: Internet-Vorläufer geht vom Netz" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/e7FFOgcKgf4?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Frankreich sagt Au-Revoir zu einem seiner längsten digitalen Wegbegleiter &#8211; dem Minitel. Eingeführt 1982 von der France Télécom, hat das Online-Terminal den Franzosen 30 Jahre lang gute Dienste erwiesen. Jetzt müssen die Franzosen nicht nur vom Pendant zum deutschen Bildschirmtext Abschied nehmen, sondern auch von einer Zeit, in der Frankreich ganz vorne dabei war, bei der Online-Revolution.</p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2012-07/acta-ende-kommentar/seite-2">Das Aus für ACTA ist ein Sieg der Demokratie</a></h3>
<p>In Zukunft könnte am 4. Juli nicht nur die Unabhängigkeit der USA gefeiert werden, sondern auch der Sieg der europaweiten Anti-ACTA-Bewegung. Das Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen, kurz ACTA, wurde vom Europaparlament abgelehnt. Ohne die europaweiten Demonstrationen wäre ACTA wohl nicht gestoppt worden. Dieser Sieg für Demonstranten und Bürgerrechtsbewegungen ist laut Patrick Beuth ein Beleg dafür, dass lebendige Demokratie nicht ausgestorben ist und Bürger Politik mitbestimmen können. Allerdings könnte ACTA auch nur ein Etappensieg sein, räumt der Autor ein.</p>
<h3><a href="http://www.berliner-zeitung.de/magazin/was-haben-sie-gegen-facebook--herr-morozov---die-dunklen-seiten-des-internets,10809156,16503206.html">Die dunklen Seiten des Internet</a></h3>
<p>Evgeny Morozov ist Netzaktivist und schreibt unter anderem für die Zeitschrift „Foreign Policy“ eine Kolumne mit dem Namen &#8220;Net.Effect &#8211; How Technology Shapes the World.&#8221; Im Interview mit der Berliner Zeitung beschreibt er, dass die Menschheit auf eine dunkle Seite der Online-Welt zusteuert. Dass das Internet die Welt retten könne, hält Morozov für „Blödsinn“. Heute würde das Internet von autokratischen Staaten für Cyberattacken, Online-Überwachung, Zensur oder Propaganda genutzt, so Morozov. </p>
<h3><a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/digitale-revolution-schulen-in-korea-schaffen-buecher-aus-papier-ab-a-840959.html">Maximal digital</a></h3>
<p>Dass Südkorea ein technisch fortschrittliches Land ist, wissen wir nicht erst, seitdem Samsung den Smartphone-Markt erobert hat. Was jedoch Malte Kollenberg in dieser Woche im Spiegel berichtet, ist für Deutschland noch nicht denkbar. Südkorea möchte bis 2015 alle Schulen digitalisieren, das heißt, Papier, herkömmliche Stifte und Schultafeln sollen durch elektronische Bücher, virtuelle Tastaturen und digitale Whiteboards ersetzt werden.</p>
<h3><a href="http://adfichter.wordpress.com/2012/06/30/opendata-bewegung-warum-ihre-wiege-das-gratis-web-ihr-im-weg-stehen-wird/">Die OpenData-Bewegung: Warum ihre eigene Wiege, das Gratis-Web, ihr im Weg stehen wird</a></h3>
<p>Zu Open Data wurde schon viel geschrieben &#8211; meistens über die Chancen der Transparenz, die dadurch entstehen. Die Schweizer Bloggerin Adrienne Fichter sagt aber, dass alleine die Offenlegung aller Verwaltungsdaten keine Revolution auslösen wird. Nach ihrer Meinung brauche man &#8220;Daten-Architekten&#8221;, die die Informationen strukturieren.</p>
<h3><a href="http://www.cicero.de/salon/streitgespraech-gema-piratin-domscheit-berg-friss-oder-stirb/49905">„Friss oder stirb“</a></h3>
<p>Was passiert, wenn man ein Mitglied der Piratenpartei und einen GEMA-Anwalt an einen Tisch setzt? Cicero Online hat den Dialog zwischen Netzgemeinde und GEMA gesucht und auch gefunden. Am Tisch saßen neben &#8220;Neu-Piratin&#8221; Anke Domscheit-Berg auch  der GEMA-Rechtsanwalt Alexander Wolf. Aber wenn man ganz ehrlich ist: Eine Einigung sieht dann doch anders aus.</p>
<h3><a href="http://taz.de/Turing-Test-zum-Turing-Jahr/!96626/">Zu einem knappen Drittel menschlich</a></h3>
<p>Mit dem jährlich stattfindenden Turing-Test soll ermittelt werden, wie sehr sich ein System der künstlichen Intelligenz, sogenannte Chatbots, menschliches Denkvermögen aneignen kann. Erfolg bei diesem Frage-Antwort-Spiel hat das System, das Menschen ein Drittel der Zeit weis machen kann, dass am anderen Ende ein Mensch sitzt. Beim diesjährigen Test hat ein Chatbot gewonnen, das dem Chatpartner auf einer emotionalen Schiene vorgaukelt ein 13-jähriger Junge aus Odessa zu sein, wie Ben Schwan auf taz.de schreibt. </p>
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		<title>Jeff Jarvis: Das war erst der Anfang</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Herzog]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 10:18:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad-Adenauer-Stiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratiekongress]]></category>
		<category><![CDATA[Jeff Jarvis]]></category>
		<category><![CDATA[Public Parts]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/JeffJarvis_0.png" width="160" align="left" height="160" />Für den einen ist er Blogger und Journalist, für den anderen digitaler Visionär. Eines ist Jeff Jarvis jedoch zweifelsfrei: ein vehementer Verteidiger der freien Öffentlichkeit im Netz. Er warnt vor einem Rückzug in die Privatsphäre und vor dem deutschen „Verpixelungsrecht“. Ein Porträt und Videointerview.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/JeffJarvis_0.png" alt="" width="160" height="160" align="left" />Für den einen ist er Blogger und Journalist, für den anderen digitaler Visionär. Eines ist Jeff Jarvis jedoch zweifelsfrei: ein vehementer Verteidiger der freien Öffentlichkeit im Netz. Er warnt vor einem Rückzug in die Privatsphäre und vor dem deutschen „Verpixelungsrecht“. Ein Porträt und Videointerview.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Hände in den Hosentaschen &#8211; so steht Jeff Jarvis auf der riesigen Bühne, die die Konrad-Adenauer-Stiftung Ende November auf ihrem <a href="/sehnsucht-nach-der-analogen-welt" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Demokratiekongress 2011</a> für ihre Redner bereitgestellt hat. Auf den ersten Blick wirkt der hagere Mann dort etwas verloren, doch als er zu reden beginnt, verschwindet dieser Eindruck augenblicklich. Man registriert unmittelbar Jarvis&#8217; Selbstsicherheit, spürt, dass er regelmäßig vor einem großen Publikum spricht und seine Thesen zum Internet zu verteidigen weiß. Die Hände in den Hosentaschen zeugen nun eher von amerikanischer Lässigkeit als von Verunsicherung. Auch im anschließenden Gespräch zeigt sich Jarvis professionell und vor allem sympathisch. Er wiederholt geduldig seine Antworten, obgleich er diese zweifelsohne schon mehrere Male an diesem Tag formuliert hat. Man kann sich gut vorstellen, dass Jarvis als Professor der Graduate School of Journalism an der City University in New York bei seinen Studenten gut ankommt. Zurzeit macht er allerdings weniger in dieser Funktion und auch nicht als Journalist für diverse Zeitungen und Zeitschriften von sich reden, vielmehr wird er als Buchautor und Blogger auch außerhalb der Netzgemeinde immer bekannter. Im September dieses Jahres hat der 57-Jährige nach „What Would Google Do?“ sein zweites Buch, „Public Parts“, veröffentlicht. Darin erklärt er, wie virtuelles Teilen im digitalen Zeitalter unsere Art zu arbeiten und zu leben seiner Erfahrung nach verbessert. Auf seinem Blog <a href="http://www.buzzmachine.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„BuzzMachine“</a> schreibt er regelmäßig über seine Ideen,neue Entwicklungen und über Projekte im Internet, die er interessant findet.</p>
<p><strong>Öffentlichkeit bringt jeden Einzelnen weiter</strong></p>
<p>Angefangen hatte Jarvis&#8217; Netzkarriere vor zehn Jahren, genau genommen am 11. September 2001. Er befand sich damals als „dummer Journalist“, wie er selbst sagt, nur einen Block entfernt vom Südturm des World Trade Centers in New York, als dieser einstürzte. „Das war eine Erfahrung, die mein Leben veränderte. Ich entschied mich, für einige Wochen zu bloggen, um Gedanken und Erinnerungen an das Geschehen teilen zu können“. Dabei ist es nicht geblieben. Jarvis erklärt, das Bloggen habe nicht nur geholfen, die Ereignisse zu verarbeiten, sondern es habe auch seine Auffassung von Medien verändert. Seither versteht er diese als Mittel, um mit anderen in Dialog zu treten. „Wir alle sind Schöpfer geworden, jeder von uns ist Medium. Die alten<br />
Verteiler von Informationen werden nicht mehr so sehr wie früher<br />
gebraucht, sie sind nicht mehr die Vermittler und die<br />
Zwischenhändler, die entscheiden konnten, was mit der Gesellschaft<br />
geteilt werden soll.“<br />
Dass das Internet allen Menschen &#8220;eine Gutenberg-Druckerpresse&#8221; zur Verfügung zu stellen vermag, begeistert ihn nach wie vor, und er sieht gewaltige Vorteile in der daraus entstehenden Öffentlichkeit. Sie schaffe nicht nur Transparenz und Zusammenarbeit, sondern verhindere auch das Schubladendenken. Mit dem Internet sei ein neuer Wissensfluss entstanden und man könne neue Beziehungen aufbauen. Alles, was geteilt werden kann, solle geteilt werden. Jarvis selbst hat damit auch persönlich gute Erfahrung gemacht, als er vor zwei Jahren an Prostatakrebs litt und dies auch auf Twitter und Facebook bekannt gab. Damit fand er nicht nur Unterstützung durch seine Leser, sondern sieht darin auch eine Gelegenheit, andere Männer auf die Risiken aufmerksam zu machen und mit den eigenen Krankheitsdaten einen Beitrag zur Forschung zu leisten. Das Internet sei eine einmalige Gelegenheit, um sich auszudrücken und zu organisieren, so Jarvis, und damit ein einmaliger Machtgewinn für jeden Einzelnen.</p>
<p><strong>Wir müssen nicht dem Internet vertrauen, sondern den Menschen</strong></p>
<p>Wenn man all diese Argumente hört, könnte man meinen, Jeff Jarvis sei blind für negative Aspekte des Internet. Tatsächlich sieht er in Google oder Facebook längst nicht nur die datenhungrigen Konzerne, die zahlreiche andere in ihnen sehen. „Ich finde es sehr wichtig, dass Facebook und Google+ die Art, wie wir teilen, verändert haben“. Wen etwas an diesen Netzwerken störe, der könne ja jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln. „Wir haben zu viel Angst“, meint Jarvis. „Wir müssen den Menschen vertrauen, das ist die Grundvoraussetzung für Demokratie, freie Märkte, für Bildung und Journalismus.“ Selbstverständlich gebe es gute und schlechte Menschen in der Netzwelt genauso wie im Leben. Diese voneinander zu unterscheiden, müssten wir lernen, und die Kompetenz auch an unsere Kinder weitergeben.</p>
<p><strong>Das Internet benötigt Schutz</strong></p>
<p>Nicht unsere Privatsphäre, sondern das Internet selbst sieht Jarvis in Gefahr. Die Öffentlichkeit habe viel zu wenige Beschützer. Anstatt neuer Gesetze für das Internet sei dringend eine Diskussion über dessen Regulierung notwendig, sagt Jarvis, und meint, sich damit der deutschen Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger anzuschließen. Ansonsten ist er aber weniger begeistert vom Umgang der Deutschen und ihrer Politiker mit dem Internet. In „Public Parts“ widmet er Deutschland und seiner Einstellung zum Datenschutz sogar ein eigenes Kapitel. Er mokiert sich darüber, dass Deutsche ein „Verpixelungsrecht“ für Google Street View fordern, sich aber mit wildfremden Menschen nackt in die Sauna setzen. Dass dies ein billiger Witz war, musste er sich mittlerweile selbst eingestehen. Seinem Ruf bei all den Fans, die ebenfalls genug von der Angst um die Privatsphäre haben, konnte dies trotzdem nicht schaden. Auch wenn <a href="/internet-freiheit-macht-nicht-frei" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Evgeny Morozovs</a> öffentliche Kritik an seinem Buch vor einigen Wochen zu einem regelrechten „Kritiker-Krieg“ zwischen den beiden bekannten Netz-Publizisten führte.</p>
<p>Worin Jarvis und Morozov sich wohl einig sein sollten, ist die Tatsache, dass Regierungen zur Gefahr für die Menschen werden können. Der Zugang zu einem freien Netz, zu unabhängigen Informationen und zu freier Rede im Internet stellt für beide Wissenschaftler ein Menschenrecht dar. Jarvis fügt hinzu, dass es einer Ethik bedürfe, die fordert, dass wir die uns im Netz anvertrauten Informationen vertraulich behandeln. Trotzdem müsse sich jeder der öffentlichen Sphäre bewusst sein und sollte auch nicht zum Teilen privater Informationen gezwungen werden. Facebook sei nun mal kein Platz für Geheimnisse. Jarvis hegt dennoch einen dringenden Wunsch: „Ich möchte nicht in einer privaten Gesellschaft leben, sondern in einer sozialen.“ Um diesen Wunsch verwirklichen zu können, müssten aber alle Menschen bereit sein, öffentlich Fehler zu machen und voneinander zu profitieren, statt das Wissen egoistisch für sich zu behalten.</p>
<p>Allen Skeptikern seiner Ideen gibt Jeff Jarvis auf seiner Tour stets einen Lieblingssatz mit auf den Weg, so auch an diesem Tag in Berlin: „We ain&#8217;t seen nothing yet“ – Das war erst der Anfang!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Internet-Freiheit macht nicht frei</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/kopfe/internet-freiheit-macht-nicht-frei-5894/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Herzog]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 17:28:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzensur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/2011/11/internet-freiheit-macht-nicht-frei/</guid>

					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/morozov01.png" align="left" height="137" width="180" />Während es in der arabischen Welt brodelt und der Begriff „Facebook-Revolution“ in aller Munde ist, verweist einer hartnäckig auch auf die dunkle Seite der Internet-Freiheit: Der Blogger und Journalist Evgeny Morozov zeigt sich wenig euphorisch und warnt vor zunehmender Überwachung, Zensur und Propaganda. Bei einem Zwischenstopp in Berlin traf politik-digital.de ihn für ein Interview.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-6708" title="Evgeny Morozov" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/evgeny_morozov.png" alt="" width="171" height="137" />Während es in der arabischen Welt brodelt und der Begriff „Facebook-Revolution“ in aller Munde ist, verweist einer hartnäckig auch auf die dunkle Seite der Internet-Freiheit: Der Blogger und Journalist Evgeny Morozov zeigt sich wenig euphorisch und warnt vor zunehmender Überwachung, Zensur und Propaganda. Bei einem Zwischenstopp in Berlin traf politik-digital.de ihn für ein Interview.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der aus Weißrussland stammende Evgeny Morozov forscht aktuell als Gastdozent an der Stanford University im kalifornischen Palo Alto. Bekannt wurde er Anfang dieses Jahres durch sein Buch „The Net Delusion: The Dark Side of Internet Freedom“, in dem er darlegt, warum das Internet und soziale Netzwerke seiner Ansicht nach nicht die befreiende Rolle einnehmen können, die ihnen oft zugeschrieben wird, und in dem er unter anderem die Existenz einer Twitter- Revolution im Iran mit Zahlen widerlegt.Zuletzt führte er einen öffentlichen Disput mit dem bekannten Journalisten und Publizisten Jeff Jarvis über die in dessen Buch „Public Parts: How Sharing in the Digital Age Improves the Way We Work and Live“ geäußerten Thesen. Morozov warf Jarvis in einem Beitrag für das Magazin The New Republic (<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/netzdiskurs-das-elend-der-internetintellektuellen-11504372.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsch</a> / <a href="http://www.tnr.com/print/article/books/magazine/96116/the-internet-intellectual" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Englisch</a>) u.a. eine oberflächliche Betrachtungsweise des Spannungsverhältnisses von Privatsphäre und Öffentlichkeit vor, woraufhin Jarvis <a href="http://www.buzzmachine.com/2011/10/13/a-bad-review-of-me/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eine ausführliche Replik schrieb</a>.</p>
<p>Der 27-jährige Morozov <a href="http://neteffect.foreignpolicy.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bloggt auf Net Effect</a> für das US-Magazin Foreign Policy und schreibt für verschiedene Medien, darunter für die New York Times, das Wall Street Journal, die Financial Times und den britischen Guardian. Sein Hauptinteresse gilt den neuen Technologien und ihrem Einfluss auf die Gesellschaft. Der Netz-Skeptiker versucht die Rolle des Internet als „Revolutions-Maschine“ zu relativieren und warnt zugleich vor dessen Missbrauch durch autoritäre Regime. Als Aktivist in der NGO <a href="http://www.tol.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transitions Online</a> reiste er einige Jahre durch Europa, Weißrussland und Zentralasien und traf Aktivisten und Blogger. Dabei erkannte er laut eigenen Angaben die dunklere Seite des Internet und „dass Regierungen oft viel schlauer sind als Aktivisten“. Mit der Zeit stellte er sich die Frage, wie das Internet und Technologien mit Geschichte und Kultur verbunden sind.</p>
<p>Nach und nach entfernte er sich vom Fokus auf autoritäre Staaten, um sich mehr mit kulturellen Fragen zu beschäftigen, wie mit dieser: „Was bedeutet das Internet und wie können wir ihm einen Sinn geben?“ Morozov ist viel unterwegs, hält Vorträge auf der ganzen Welt und macht sich sein eigenes Bild der entsprechenden Länder. In der vergangenen Woche war er zu Gast als Redner beim internationalen <a href="http://www.wissen-und-macht.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Symposium „Wissen und Macht“</a> im Deutschen Technikmuseum Berlin. Mit politik-digital.de sprach er dort über die Rolle des Internet, über den Einfluss von Facebook und seine persönliche Arbeit. Eindringlich warnt Morozov davor, dass die Art und Weise, wie Konzerne alle Arten von intellektuellem, kulturellem und rhetorischem Kapital mobilisieren, um ihre Aktivitäten normal erscheinen zu lassen, genau das ist, was ihre Macht und Gefahr für uns ausmacht.</p>
<p align="center"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/morozov02.png" alt="" width="250" height="173" /></p>
<p align="center"><strong>Lena Herzog (politik-digital.de) im Gespräch mit Morozov<br />
</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Herr Morozov, Sie schreiben über die dunkle Seite der Internet-Freiheit. Hat die Freiheit im Internet denn ihrer Meinung nach auch positive Aspekte und Vorteile?<br />
</strong></p>
<p>Zuerst einmal muss ich klar stellen, dass der Untertitel meines Buches, „The Dark Side of Internet Freedom“, sich nicht auf die Freiheit der Inhalte im Internet bezieht, sondern auf das Grundsatzprogramm des US-Außenministeriums. Ich kritisiere ganz einfach Hillary Clintons Ansichten von Internet-Freiheit, ich kritisiere nicht die Freiheit, E-Mails zu senden, an wen auch immer. Die positiven Aspekte des Internet sind, dass es Zugang zu Informationen ermöglicht und die Kommunikation mit anderen Menschen erleichtert. Die offenkundigste Nutzung des Internet liegt in der sozialen Mobilisierung und der Suche nach Informationen, die Regierungen oder andere öffentliche Akteure nicht preisgeben wollen. Aber es gibt auch Grenzen der Nutzung, und diese sind: Propaganda, Überwachung und Zensur. Wir müssen sicher gehen, dass wir all diese negativen Aspekte minimieren. Daran habe ich in den vergangenen Jahren gearbeitet.</p>
<p><strong>Wie denken Sie, können die Leute wahren Einfluss auf die Demokratie erlangen, wenn das nicht durch das Internet möglich ist?<br />
</strong></p>
<p>Ich habe nicht gesagt, dass das nicht durch das Internet versucht werden soll. Es ist alles eine Frage der sinnvollen Technologie, entsprechender Instrumente und Netzwerke. Die wesentliche Frage ist, wie wir Zugang zur politischen Welt bekommen können, ohne trivialen Lösungen zu verfallen, die das Internet bietet. Ich befürchte, dass viele Leute sich entscheiden werden, eine Facebook-Gruppe zu gründen, obwohl andere Optionen verfügbar sind, weil Facebook cool, billig und kosteneffizient ist. Für mich ist die wichtigste Frage, inwiefern das Internet seine eigenen Lösungen vorschlägt und ob die Menschen diese nutzen werden. Wenn es das tut, dann wird exakt die Art von falschem ideologischen Bewusstsein dahinter stecken, das uns nach Instrumenten greifen lässt, nicht etwa weil wir sie benutzen müssen, sondern weil unsere Umwelt uns denken lässt, dass diese Instrumente perfekt geeignet sind.</p>
<p><strong>Denken Sie also, dass es nötig ist, zu den „altmodischen“ Mitteln zu greifen, um eine Revolution herbeizuführen?<br />
</strong></p>
<p>Ich sage nicht, dass das nötig ist. Ich sage nur, dass die Anwendbarkeit dieser Methode und Strategie vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Umwelt geprüft werden muss. Man kann nicht feststellen, ob das Internet passend oder unpassend dafür ist, indem man nur das Internet selbst betrachtet. In einigen Fällen gehen bereits bestehende soziale Gruppen auf Facebook oder Twitter, um ihre Projekte voranzutreiben. In manchen Fällen wird man Leute erleben, die sich bisher nicht an öffentlichen Diskussionen beteiligt haben und die im Internet Gleichgesinnte finden, mit denen gemeinsam etwas Größeres entwickeln und sich für ihre Themen einsetzen. Das ist auch in Ordnung, aber es muss immer im Kontext beurteilt werden. Kontextualisierung im Hinblick auf das Internet ist so eine Art größeres Ziel von mir. Ich möchte zeigen, dass Technologie und das Internet selbst, so einflussreich es ist, nicht die Aktionen vorschreiben sollten. Die Taten müssen aus einem tatsächlichen Engagement der Gesellschaft hervorgehen.</p>
<p><strong>Wie wir alle wissen, sammeln und speichern Konzerne wie Facebook und Google zahllose Daten, die wir ihnen bei unserer Internetnutzung übermitteln. Bisher haben wir uns hauptsächlich darüber unterhalten, wie autoritäre oder totalitäre Regime diese Daten missbrauchen können. Sehen sie auch von diesen Konzernen selbst eine Gefahr für unsere Freiheit ausgehen?<br />
</strong></p>
<p>Es gibt verschiedene Gründe, weshalb diese Konzerne bedrohlich für uns sein können. Teilweise sammeln sie sehr viele Daten und es ist klar, dass diese Daten irgendwo auftauchen werden und uns gefährlich werden können. Sicherheit ist großartig, wenn wir sie nicht auf eine einzige Karte setzen. Facebook weiß so viel über uns und gibt so viele Informationen über uns preis, dass wir das Thema Datenschutz für immer vergessen werden können. Deshalb macht die Tatsache, dass Facebook so mächtig ist, es so bedrohlich. Der Fehler von Facebook liegt darin, dass sie die Daten nicht vernichten bzw. löschen. Hinzu kommt, dass diese Firmen unser Verhalten beeinflussen, sie formen unsere Erwartungen und Ideologien. Die Idee, für die Mark Zuckerberg jetzt wirbt, ist die des partiellen Teilens. Das wird als cool angepriesen, als etwas, das relevant für das Internet-Zeitalter ist. Aber wenn man genau darüber nachdenkt, ist es nur ein Euphemismus für eine Überwachung durch den großen Bruder. Die Tatsache, dass partielles Teilen uns als etwas völlig Normales erscheint, sollte erforscht werden. Die Art und Weise, wie diese Konzerne alle Arten von intellektuellem, kulturellem und rhetorischem Kapital mobilisieren, um ihre Aktivitäten normal erscheinen zu lassen, ist genau das, was ihre Macht und Gefahr für uns ausmacht. Es ist die scheinbare Normalität, die sie erzeugen, und das stört mich persönlich sehr.</p>
<p><strong>Sollten nun also Regierungen Auflagen für Facebook oder Google machen?<br />
</strong></p>
<p>Ja. Ich glaube nur nicht, dass wir schon an einem Punkt angelangt sind, an dem wir intellektuell so weit sind, zu wissen, wie diese Auflagen aussehen sollen. Es gibt zwar bereits Regelungen zum Beispiel im Sinne des Datenschutzes. Es ist nicht so, dass Regierungen komplett übersehen, dass es Regelungsbedarf gibt, aber sie denken, dass sie für bestimmte Themen nicht das intellektuelle Kapital besitzen und nicht den Hintergrund haben, um zu verstehen, wie soziale Personalisierung funktioniert, Facebooks neue Timeline aussieht oder das neue Gesichtserkennungsprogramm in Drittanbieter integriert werden wird. Das ist alles sehr kompliziert und es ist sehr einfach, dieses Gebiet überzuregulieren, besonders in Europa. Das ist etwas, was ich nicht möchte. Ich möchte sicher stellen, dass diese Konzerne neue Anwendungen entwickeln und neue Plattformen aufbauen können. Ich will aber auch sicher gehen, dass sie nicht damit davon kommen, dass sie Dinge behaupten, die weder wir noch politische Entscheidungsträger verstehen. Mein ganzes Projekt geht in einem gewissen Sinne darum, zu versuchen, diese Entscheidungsträger, Journalisten und Intellektuelle zu einer kritischeren Einstellung gegenüber diesen Konzernen zu bewegen.</p>
<p><strong>Was planen Sie als nächstes?<br />
</strong></p>
<p>Ich fühle mich gut damit, dass ich einen gewissen Einfluss auf die öffentliche Debatte über Technologie und das Internet besitze. Nächstes Jahr werde ich ein neues Buch veröffentlichen und ich schreibe Buchkritiken und Aufsätze. Im Englischen gibt es leider das Wort „Publizist“ nicht, auf Deutsch hat es eine viel bessere Bedeutung. Ich sehe mich selbst irgendwo in diesem Bereich, als ein öffentlich agierender Intellektueller. Welches Projekt ich als nächstes verfolge? Mir einen Bart wachsen lassen!</p>
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