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	<title>Exzellenzinitiative &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Exzellenzinitiative &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Mehr Exzellenz für deutsche Unis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Oct 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Exzellenzinitiative]]></category>
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		<category><![CDATA[Deutsche Forschungsgemeinschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, den 23. Oktober, war Prof. Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er
sprach über die neue Runde der Exzellenzinitiative für deutsche Unis und erklärte, ob Studiengebühren der Lehre zu Gute kommen.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, den 23. Oktober, war Prof. Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er<br />
sprach über die neue Runde der Exzellenzinitiative für deutsche Unis und erklärte, ob Studiengebühren der Lehre zu Gute kommen.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Herzlich Willkommen im tagesschau-Chat.<br />
Heute begrüßen wir als Gast im ARD-Hauptstadtstudio den<br />
Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Professor<br />
Matthias Kleiner. Was bringt die Spitzenförderung? Und sorgen<br />
Studiengebühren für eine Verbesserung von Forschung und<br />
Lehre? Liebe User, stellen Sie unserem Experten Ihre Fragen rund<br />
um die deutsche Hochschullandschaft. <br />
Herr Kleiner, schön, dass Sie bei uns sind. Können wir<br />
beginnen?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Oh ja! Ich freue mich schon<br />
darauf.
</p>
<p align="center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mkleiner.jpg" height="300" width="200" /><br />
<i>Prof. Matthias Kleiner, <br />
Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft</i>
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Skizzieren Sie doch bitte erst einmal,<br />
was Ihre Aufgabe als DFG-Präsident ist.
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Es gibt zunächst mal die<br />
formale Aufgabe, alle Ausschüsse und Gremien der DFG, sofern<br />
es nicht fachbezogene Kommissionen sind, zu leiten, die DFG nach<br />
außen zu vertreten, ein Stück weit auch nach innen in<br />
die Geschäftsstelle hinein, und Leitlinien gemeinsam mit dem<br />
Rest des Präsidiums (da gibt es acht Vizepräsidenten)<br />
zu entwickeln. Darüber hinaus gibt es einen Senat der DFG,<br />
indem etwa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sitzen. Diesen<br />
Senat leite ich, um gemeinsam mit diesem Senat und anderen Gremien<br />
(Hauptausschuss) und den Mitgliedern der DFG diese Geschicke zu<br />
lenken. <br />
Wobei die interessante Frage ist: Was ist eigentlich die DFG? DFG<br />
heißt &quot;Deutsche Forschungsgemeinschaft&quot; und sie<br />
ist zum einen die zentrale Institution zur Förderung von Grundlagenforschung<br />
in Deutschland &#8211; im Übrigen die größte Institution<br />
dieser Art in Europa &#8211; und zum anderen ist sie eine Selbstorganisation<br />
der deutschen Wissenschaft. Manchmal sagen wir, die Gemeinschaft<br />
der Forschenden in Deutschland. Sie ist ein Verein. Mitglieder sind<br />
die forschungsrelevanten Universitäten, das sind etwa 80, dann<br />
die Forschungsinstitutionen wie Max-Planck, Helmholtz und Leibnitz,<br />
und die Akademien.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Kommen wir zur Exzellenzinitiative:</p>
<p><b>juniper: </b>Wie will man sicherstellen, dass durch<br />
die Exzellenzinitiative andere, Nicht-Elite-Unis, ebenfalls eine<br />
gute Lehre und Forschung anbieten können?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Es ist zunächst wichtig<br />
zu wissen, dass die Exzellenzinitiative nicht nur die Neuen in der,<br />
wie wir sagen, dritten Förderlinie ausgezeichneten Universitäten<br />
fördert. Dies macht nur etwa 25 Prozent des Geldes aus. Diese<br />
Universitäten mussten mindestens eine Graduiertenschule und<br />
ein Exzellenzcluster erfolgreich beantragen. Und von diesen gibt<br />
es viel mehr, nämlich 39 Graduiertenschulen und 37 Exzellenzcluster.<br />
Diese sind an mehr als 30 Universitäten angesiedelt, sodass<br />
wir mit der Exzellenzinitiative Spitzenforschung in Deutschland<br />
auch in ihrer Breite fördern.
</p>
<p>
<b>JJ:</b> Warum werden Fachhochschulen nicht in der<br />
Exzellenzinitiative berücksichtigt? Ist das geplant?</p>
<p><b>Matthias Kleiner: </b>Nein, das ist nicht geplant.<br />
Bei der Exzellenzinitiative geht es zunächst um Grundlagenforschung,<br />
die an Fachhochschulen weit überwiegend nicht gemacht wird.<br />
Daher können Fachhochschulen nicht berücksichtigt werden.</p>
<p><b>Moderatorin: </b>Vor dem Chat konnten bereits Fragen<br />
von den Usern formuliert und bewertet werden. Hier kommt eine der<br />
beliebtesten:</p>
<p><b>Würgermonster:</b> Guten Tag: Wieso wurden die<br />
ostdeutschen. Unis bei der Mittelvergabe so eklatant benachteiligt?<br />
Befürchten Sie nicht, dass in Deutschland nun eine Art Hochschulprekariat<br />
derart entsteht, dass manche Universitäten nicht mal ein gewisses<br />
Mindestniveau an Forschung und Lehre gewährleisten können?<br />
Wieso wurde das viele Geld nicht gerecht in der Breite an alle Unis<br />
verteilt, sodass das Niveau in Deutschland insgesamt und nicht bloß<br />
an zehn West-Unis steigt, wenn auch langsam, aber dafür stetig<br />
und nachhaltig?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Für eine „gerechte“<br />
und breite Verteilung der Mittel aus der Exzellenzinitiative hätte<br />
es eben diese Exzellenzinitiative nicht gebraucht, sondern nur einen<br />
guten Statistiker. Es ging bei der Exzellenzinitiative um einen<br />
Wettbewerb, der allein aufgrund von herausragenden wissenschaftlichen<br />
Leistungen entschieden wurde. Dazu sind 320 Gutachterinnen und Gutachter<br />
zur Beurteilung eingesetzt worden, von denen kamen etwa 80 Prozent<br />
aus dem Ausland. Daher haben sie nicht darauf geschaut, ob ein Antrag<br />
aus den neuen Bundesländern oder aus den alten kam, sondern<br />
allein auf die Qualität. Auch bei den abgelehnten Anträgen,<br />
von denen es auch zahlreiche aus den neuen Bundesländern gab,<br />
gibt es vielfach sehr gute Qualität, insbesondere bei den Vollanträgen<br />
der Endrunde. Im Übrigen sind die Neuen Bundesländer ebenfalls<br />
mit erfolgreichen Universitäten vertreten, zum Beispiel einer<br />
hervorragende Graduiertenschule in Leipzig. Oder eben so eine in<br />
Jena. Ich bin ziemlich sicher, dass in einer weiteren Runde der<br />
Exzellenzinitiative wesentlich mehr Universitäten aus den neuen<br />
Bundesländern Erfolg haben werden.</p>
<p><b>chriskraft:</b> Als Eliteuniversitäten wurden<br />
solche Hochschulen ausgewählt, die aufgrund einer hervorragenden<br />
finanziellen Situation aussichtsreiche Projekte und eine vielversprechende<br />
Forschung präsentieren konnten. Ist es nicht unsozial, nun<br />
gerade solche Universitäten noch weiter zu fördern?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Zunächst: Ich spreche nicht<br />
so gerne von Eliteuniversitäten, weil wir mit den neuen Zukunftskonzepten<br />
diesen Universitäten einen Impuls gegeben haben, sich zu internationalen<br />
Spitzenuniversitäten im Laufe der nächsten zehn bis fünfzehn<br />
Jahre zu entwickeln. Ob sie in diesem engeren Wettbewerb dann erfolgreich<br />
sein werden, muss sich ja noch beweisen. Zum anderen schauten die<br />
Gutachter und Mitglieder des Bewilligungsausschusses oder der wissenschaftlichen<br />
Kommission auf das, was bereits geleistet worden ist, aber auch<br />
auf die Konzepte, wie man in die Zukunft gehen will &#8211; sowohl bei<br />
den einzelnen Projekten, Schulen als auch bei den Zukunftskonzepten<br />
für die ganze Universität. Es wurde nicht so sehr darauf<br />
geachtet, ob eine Universität nun besonders reich ist oder<br />
eine Hochglanzpräsentation machen konnte. Es ging allein um<br />
die wissenschaftliche Qualität.</p>
<p><b>Alonso1981: </b>Die Exzellenzinitiative ist sehr intransparent,<br />
beispielsweise finden die Sitzungen aller Kommissionen unter Ausschluss<br />
der Öffentlichkeit statt. Selbst abstrakte Regelungen wie die<br />
Befangenheitsregelungen für die Gutachter werden nicht herausgegeben,<br />
obwohl bei der Exzellenzinitiative öffentliche Gelder verteilt<br />
werden. Was sind die Gründe für dieses intransparente<br />
Verfahren? </p>
<p><b>Matthias Kleiner:</b> Da möchte ich energisch<br />
widersprechen. Die Entscheidungsverfahren sind aus meiner Sicht<br />
sehr transparent und nachvollziehbar. Allerdings brauchen die intensiven<br />
Diskussionen über die einzelnen Anträge den Schutz der<br />
Vertraulichkeit, damit man sich dort offen über die Qualität<br />
und auch die Mängel der Anträge auseinandersetzen kann.<br />
Die Befangenheitsregeln sind außerdem vollkommen klar: Dort<br />
wo es den Anschein der Befangenheit gibt, zum Beispiel dadurch,<br />
dass ein Gutachter oder eine Gutachterin oder ein Kommissionsmitglied<br />
aus dem Standort der Antragsteller kommt, muss er für die Beratung<br />
oder Entscheidung über den Antrag den Raum verlassen.</p>
<p><b>Alonso1981: </b>Spiegel online hat berichtet, dass<br />
der Antrag der Uni Göttingen in der 3. Förderlinie (Elite-Uni)<br />
von der gemeinsamen Kommission, die ausschließlich aus Wissenschaftlern<br />
besteht, negativ bewertet wurde. Trotzdem wurde Göttingen am<br />
Ende Elite-Uni. Was sind die Gründe dafür? Sollte der<br />
föderale Proporz gewahrt bleiben oder haben die Wissenschaftler<br />
ihre Ansicht geändert?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Das Entscheidungsverfahren ist<br />
wie alle Entscheidungsverfahren der DFG ein mehrstufiges und es<br />
gibt am Ende ein Gremium, das über die Förderung am Ende<br />
letztlich bestimmt. Das war in diesem Fall der Bewilligungsausschuss<br />
der Exzellenzinitiative, der sich alle Anträge in der dritten<br />
Förderlinie hat vortragen lassen und nach gemeinsamer und offener<br />
Diskussion ebenso entschieden hat. Diese Entscheidung war aus meiner<br />
Sicht der Sitzung rein wissenschaftsgeleitet, was auch dadurch gesichert<br />
wird, dass auch im Bewilligungsausschuss die Wissenschaft die Mehrheit<br />
hat.</p>
<p><b>clara:</b> In den USA und in Großbritannien sind<br />
Eliteunis über Jahrzehnte gewachsen und verfügen über<br />
eine lange Tradition. Wie realistisch ist es, in Deutschland durch<br />
staatliche Förderung Eliteunis zu schaffen?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Man darf aus meiner Sicht nicht<br />
alleine auf den finanziellen Aspekt schauen. Da sind die 1,9 Milliarden<br />
Euro, die es in der Exzellenzinitiative auf fünf Jahre verteilt<br />
gibt, wirklich grade einmal der Jahresetat einer Spitzenuniversität<br />
wie zum Beispiel Harvard. Dennoch denke ich, dass für deutsche<br />
Verhältnisse und wohl auch für europäische die Fördersummen<br />
schon erheblich sind. Darüber hinaus darf man den eher ideellen<br />
Wert der Exzellenzinitiative auf keinen Fall unterschätzen.<br />
Die Exzellenzinitiative hat im deutschen Wissenschaftssystem vor<br />
allem durch ihren Wettbewerbscharakter eine ungeheure positive Dynamik<br />
bewirkt, die sich auch fortsetzt. Und noch einmal: Es geht um Impulse,<br />
sowohl für die Universitäten in der ersten und zweiten<br />
Förderlinie, also die etwa 30 bis 35, die mit ihren Spitzenbereichen<br />
sich in ihre eigene Zukunft aufmachen, <br />
wie für die neuen Universitäten in der dritten Förderlinie,<br />
die sich aufmachen in zehn bis fünfzehn Jahren international<br />
sichtbare Spitzenuniversitäten zu werden.
</p>
<p>
<b>chriskraft:</b> 1,9 Milliarden Euro klingt nach viel.<br />
In fünf Jahren bleiben pro „Eliteuni“ nur etwa<br />
40 Millionen pro Jahr. (Zum Vergleich: Das Jahresbudget von Harvard<br />
beträgt etwa drei Milliarden Dollar). Ist die Eliteförderung<br />
nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?</p>
<p><b>Matthias Kleiner: </b>Mit dem Jahresetat von Harvard<br />
verglichen, ist sie eher bescheiden. Für die deutschen Universitäten<br />
sind zehn, zwanzig, fünfzig Millionen Euro jährlich frei<br />
für Forschung verfügbares Geld schon ein sehr erheblicher<br />
Betrag. Und es geht nicht nur um Geld, sondern es geht um Ideen,<br />
um den Aufbruch, um den Mut Neues zu wagen.
</p>
<p>
<b>Frisbee:</b> Würde eine Privatisierung der Universitäten<br />
nicht automatisch ein Konkurrenzdenken und eine Spezialisierung<br />
der Unis auslösen und eine staatliche Eliteförderung überflüssig<br />
werden lassen?<br />
Matthias Kleiner: Eine Privatisierung der deutschen Universitäten<br />
in einer großen Breite würde zum Beispiel eine Erhebung<br />
von Studiengebühren in einer großen Breite nach sich<br />
ziehen. Und zwar Studiengebühren in weit größerer<br />
Höhe als die, über die wir jetzt diskutieren oder die<br />
es jetzt schon gibt. Ob das ein Vorteil wäre?</p>
<p><b>listenin:</b> Die Gleichung Elite = Qualität ist<br />
ja bekanntlich umstritten. Meine Erfahrung mit Eliteuniversitäten<br />
im Ausland zeigt, dass sie sich vor allem durch ihre Auswahl an<br />
hervorragenden (und leistungswilligen) Studenten und insbesondere<br />
eine exzellente Marketingabteilung auszeichnen. Die Qualität<br />
der Lehre, der Infrastruktur et cetera ist oft nicht so viel anders<br />
wie an einer guten deutschen Uni. Wie stellt die Exzellenzinitiative<br />
sicher, dass in Zukunft zum Beispiel ein hervorragender kasachischer<br />
Bachelor-Absolvent seinen Master in Deutschland macht und nicht<br />
in London?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Kommilitonen aus dem Ausland<br />
müssen ja zunächst einmal auf deutsche Universitäten<br />
aufmerksam werden. Und das schafft man nur, wenn sie international<br />
renommiert, das heißt sichtbar, sind. Wenn ich Kollegen/innen<br />
aus Zürich, aus Boston oder aus Palo Alto (Stanford) frage,<br />
wie viel Vorlesungsstunden sie pro Woche machen, dann sagen die<br />
mir: zwei Stunden, drei Stunden, zwei Stunden &#8211; und nehmen sich<br />
dann für diese zwei oder drei Stunden zwölf bis fünfzehn<br />
Stunden pro Woche Vorbereitungszeit. Dadurch entsteht exzellente<br />
Lehre, die man dann Kleingruppen von Studierenden mit Betreuungsrelationen<br />
von 1:10 oder 1:20 zuteil werden lässt. Ich selbst hatte als<br />
Professor bis zum Dezember letzten Jahres im Schnitt neun Semesterwochenstunden<br />
Lehrdeputat, die man nicht mit jeweils sechs bis acht Stunden Vorbereitungszeit<br />
pro Stunde abdecken kann. Und die Betreuungsrelation in Deutschland<br />
beträgt im Schnitt 1:70. Die Universitäten brauchen in<br />
ihrer grundlegenden Ausstattung mehr Geld, um ihre Lehre verbessern<br />
zu können. Und trotzdem: Ich freue mich, in einigen Jahren<br />
wieder in meine Forschung und Lehre zurückkehren zu können.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Zwei Fragen zur Bezahlung der wissenschaftlichen<br />
Mitarbeiter:</p>
<p><b>peterrosenberger:</b> Ein zentrales Problem bei der<br />
Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auch an den so<br />
genannten Elite-Universitäten ist die adäquate Vergütung<br />
des wissenschaftlichen Nachwuchses und dessen Förderung, da<br />
oft junge Wissenschaftler zunächst mehrere Jahre in den USA<br />
verbringen, bevor sie überhaupt von der DFG gefördert<br />
werden. Bringt diese Initiative wirklich eine Förderung des<br />
Nachwuchses mit sich, und zwar auf der Ebene der wissenschaftlichen<br />
Förderung als auch einer adäquaten persönlichen Vergütung,<br />
oder wird das Geld eh schon bei den Etablierten landen, und wie<br />
wollen Sie dies bitte kontrollieren&#8230;.?
</p>
<p>
<b>Steffen:</b> Ich erhalte als von der DFG geförderter<br />
Doktorand an der Uni Heidelberg, verheiratet, zwei Kinder, circa<br />
300 Euro pro Monat weniger, als der Hartz-IV-Satz mir zugesteht.<br />
Dieser ist laut Studien nicht ausreichend, um zum Beispiel seine<br />
Kinder gesund zu ernähren. Wird sich an dieser Situation an<br />
den geförderten &#8211; oder besser &#8211; insgesamt etwas ändern?<br />
Werden Doktoranden und Postdocs besser bezahlt werden?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Die Exzellenzinitiative schafft<br />
etwa vier- bis fünftausend Stellen für Doktoranden und<br />
wissenschaftliche Mitarbeiter sowie einige hundert Juniorprofessuren<br />
und Professuren. Zusätzlich werden, wie ich schätze, drei-<br />
bis fünftausend Stellen für studentische Mitarbeiter entstehen.<br />
Insofern schafft die Exzellenzinitiative viele Karrierechancen für<br />
junge Leute und bezieht auch Studentinnen und Studenten mit ein.<br />
Eine große Sorge von mir ist allerdings, dass wir tatsächlich<br />
in Deutschland Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wegen der<br />
bestehenden Tarifverträge im öffentlichen Dienst nicht<br />
international wettbewerbsfähig bezahlen können. Hier verlangt<br />
die DFG und die deutsche Wissenschaft insgesamt seit Jahren einen<br />
angemessenen eigenen Wissenschaftstarifvertrag, um hier Abhilfe<br />
zu schaffen. An diesem dicken Brett bohren wir allerdings noch.<br />
Zu dem Einzelfall: Es hört sich hier nach Forschungsstipendium<br />
an, das tatsächlich für die wirtschaftliche Absicherung<br />
einer Familie sehr eng bemessen ist. Die DFG wird schon in Kürze<br />
neue Möglichkeiten bieten, in Forschungsprojekten die so genannte<br />
„Eigene Stelle“ mit einer ganz normalen tariflichen<br />
Vergütung beantragen zu können. Damit werden wir die Forschungsstipendien<br />
im Inland überwiegend abbauen können.</p>
<p><b>Moderatorin: </b>Auch die Studierenden haben Geldsorgen&#8230;</p>
<p><b>abcd:</b> wie kann ihrer Meinung nach sichergestellt<br />
werden, dass die Einnahmen aus den Studiengebühren ausschließlich<br />
zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Diese Frage beantworte ich gerne,<br />
obwohl sie mit der Exzellenzinitiative ja zunächst nichts zu<br />
tun hat und auch die DFG nicht im engeren Sinne betrifft. Aus meiner<br />
Erfahrung an meiner Universität, an der Technischen Universität<br />
Dortmund, weiß ich, dass in den Hochschulen sehr großer<br />
Wert darauf gelegt wird, dass zum einen mit den Einnahmen aus Studiengebühren<br />
nur Dinge zur Verbesserung der Lehre finanziert werden und dass<br />
in die Entscheidungsprozesse in erheblichem Maße Studierende<br />
eingebunden sind.
</p>
<p>
<b>chriskraft: </b>Stagnierende BAföG-Sätze<br />
bei zwei Prozent Inflation, zinsbelastete Studienkredite, Studiengebühren<br />
und hohe Lebenshaltungskosten an den Standorten der neuen Elite:<br />
Ist es richtig, einen Weg zu gehen, der das Studium mit dem Anhäufen<br />
eines Schuldenberges verbindet?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Was ist die Alternative? Dass<br />
die Handwerksmeisterin oder der Handwerksmeister, der seinen Meisterkurs<br />
vollständig selbst bezahlen musste, über seine Steuern<br />
das Studium der Akademiker mitfinanziert, die später eine große<br />
materielle und soziale Sicherheit haben? Die Beträge, um die<br />
es tatsächlich geht, sind doch in den ersten Jahren einer Berufstätigkeit<br />
nach dem Studium nur dann zurückzuzahlen, wenn ein ausreichend<br />
hohes Einkommen verfügbar ist und die Rückzahlung nicht<br />
einen ausreichenden Lebensstandard gefährdet. Ich selbst habe<br />
mein Studium nur zum Teil mit BAföG finanzieren können,<br />
sondern überwiegend dafür arbeiten müssen und würde<br />
es im Nachhinein eher als hilfreich empfunden haben, dafür<br />
ein Darlehen aufnehmen zu können, was ich in den ersten zehn<br />
Jahren meiner Berufstätigkeit nach dem Studium zurückgezahlt<br />
hätte. Ich glaube, wir diskutieren auf einem relativ hohen<br />
Niveau, wenn man mal an andere soziale Brennpunkte unserer Gesellschaft<br />
denkt.</p>
<p><b>austrian student:</b> Heute hat der Europäische<br />
Gerichtshof geurteilt, dass deutschen Studenten BAföG zusteht,<br />
wenn sie &#8211; wie ich an der Medizinischen Uni Innsbruck &#8211; ein Vollstudium<br />
im Ausland aufnehmen. Hat dieses Urteil für Sie eine Bedeutung?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Da dieses Urteil die Mobilität<br />
von Studierenden erhöhen kann, finde ich auf den ersten Blick<br />
diese Entscheidung recht positiv.</p>
<p><b>Moderatorin: </b>Während des Chats haben wir unsere<br />
User gefragt, ob sie glauben, dass die Exzellenzinitiative die deutsche<br />
Hochschullandschaft insgesamt verbessert. Das Ergebnis: 29 Prozent<br />
sagen JA, 70 Prozent sagen NEIN. Herr Kleiner, wie bewerten Sie<br />
das Umfrage-Ergebnis?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner:</b> Ich hoffe, dass wenn mehr über<br />
die Exzellenzinitiative bekannt ist und man vor allem merkt, was<br />
sie bewirken wird, dass sich das Ergebnis genau umdreht. Denn ich<br />
bin auch aus meinen Erfahrungen als Hochschullehrer sicher, dass<br />
die Exzellenzinitiative nicht nur einigen wenigen Forschern sondern<br />
in ganzer Breite auch den Studierenden zu Gute kommt. Schon allein,<br />
dass sie frühzeitig in Forschung einbezogen werden und sie<br />
mitbekommen, welch großes Abenteuer Wissenschaft darstellt.<br />
Auch die materiellen Bedingungen in den Universitäten werden<br />
sich verbessern. Und wenn man das Ergebnis beider Runden der Exzellenzinitiativen<br />
ansieht, betrifft dies alle Disziplinen, von den Geisteswissenschaften<br />
bis hin zu den Ingenieurswissenschaften. Allein die Tatsache, dass<br />
erstmalig mit einer Forschungsförderung so genannte Programmpauschalen<br />
bezahlt werden, wird dies bewirken. Auf alle Bewilligungssummen<br />
kommen 20 Prozent „freies Geld“ mit dem die Universitäten<br />
vieles &#8211; vor allem hoffentlich innovatives &#8211; bewirken können.<br />
Ich glaube auch, wenn wir es schaffen, viel mehr Details über<br />
die Exzellenzinitiative und die geförderten Projekte zu kommunizieren,<br />
wird sich ein solches Abstimmungsergebnis vollständig ändern.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Zweifel bleiben:</p>
<p><b>terrainc: </b>Aber gerade kleinere Fächer werden<br />
an „Elite“-Unis ins Abseits gedrängt.</p>
<p><b>Lemim:</b> Ich studiere in Oldenburg Musik. Da bei<br />
uns in Musik wenig geforscht wird, sondern mehr in die Lehre investiert<br />
wird, gibt es weniger Gelder. Wieso wird der Schwerpunkt immer mehr<br />
auf die Forschung und immer weniger auf die Lehre gelegt?</p>
<p><b>Matthias Kleiner:</b> Die Exzellenzinitiative ist ausdrücklich<br />
ein Instrument zur Verbesserung der universitären Forschung,<br />
vor allem in der Spitze. Ich bin auch der Meinung, dass die Lehr-<br />
und Studierbedingungen an den Universitäten erheblich verbessert<br />
werden müssen, vor allem durch eine bessere finanzielle Ausstattung.<br />
20 Prozent bis 30 Prozent mehr Grundausstattung für die Universitäten<br />
wären aus meiner Sicht hier das richtige Mittel. Ich finde,<br />
an Universitäten, an denen es ja ausdrücklich um Wissenschaft<br />
geht, dürfen Forschung und Lehre nicht gegeneinander ausgespielt<br />
werden, sondern gehören eng zusammen. Daher muss man ausreichend<br />
forschen, um Forschung in Lehre integrieren zu können. Wenn<br />
ich den Titel mancher Graduiertenschule oder manches Exzellenzclusters<br />
lese, dann habe ich gar nicht den Eindruck, dass die so genannten<br />
„kleinen Fächer“ zu kurz kommen. Ein Kurztitel<br />
ist zum Beispiel „TOPOI“. Hier wird man sich mit Raum<br />
und Wissen in alten Zivilisationen beschäftigen. Sicherlich<br />
kein Thema des wissenschaftlichen Mainstreams und trotzdem ganz<br />
fantastisch! Wenn ich diese ganzen Titel lese (schauen sie im Einzelnen<br />
bei uns auf der Homepage, <a href="http://www.dfg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.dfg.de</a>),<br />
werde ich richtig neidisch, dass ich dort nicht mitmachen kann.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Eine Stunde Chat neigt sich dem Ende<br />
zu. Herr Kleiner, möchten Sie noch eine Schlussbemerkung an<br />
die User richten?
</p>
<p>
<b>Matthias Kleiner: </b>Ja, sehr gerne. Ich bin sehr<br />
gespannt darauf, was im Detail an den Universitäten und Institutionen,<br />
die in der Exzellenzinitiative erfolgreich waren, passieren wird.<br />
Und ich hoffe sehr, dass sich das entwickeln wird, was sich mir<br />
als zukünftige Wissenschaftslandschaft in Deutschland darstellt:<br />
Nicht etwa eine Wüste mit einigen Leuchttürmen, sondern<br />
eine vielfältige bergige Landschaft, die der Unterschiedlichkeit<br />
unserer Wissenschaften entspricht.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Dankeschön an unsere User für<br />
die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen konnten. Dankeschön<br />
an unseren Gast, Professor Kleiner.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Keine Eliteunis in Ostdeutschland</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/keine-eliteunis-in-ostdeutschland-124/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/keine-eliteunis-in-ostdeutschland-124/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Exzellenzinitiative]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschen Forschungsgemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst-Ludwig Winnacker]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/keine-eliteunis-in-ostdeutschland-124/</guid>

					<description><![CDATA[Am Montag, 16. Oktober, war Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über die Exzellenzinitiative für deutsche Hochschulen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, 16. Oktober, war Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über die Exzellenzinitiative für deutsche Hochschulen.<br />
<!--break--></p>
<p>
Herzlich willkommen zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Ernst-Ludwig Winnacker. Er ist Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).<br />
Sein Name steht &#8211; wie der seiner Organisation &#8211; für den Elitewettbewerb, der zwei Hochschulen in München und einer in Karlsruhe jüngst Fördermittel in Millionenhöhe eingebracht hat. Mit am Tisch sitzt auch der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider. Herr Winnacker, können wir beginnen?
</p>
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ja.
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<b>coulomb:</b> Warum waren an der Entscheidung zur Exzellenzinitiative 90 Prozent ausländische Wissenschaftler beteiligt? Hätten nicht viel mehr deutsche Wissenschaftler, die die beengten Möglichkeiten deutscher Universitäten kennen, stärker in die Begutachtung eingebunden werden müssen? Amerikanische Verhältnisse können aufgrund der vorgegebenen deutschen Rahmenbedingungen doch gar nicht erreicht werden!
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es waren 60 Prozent Europäer, 30 Prozent aus Übersee und zehn Prozent Deutsche. Hätten wir mehr Deutsche verwendet, wären diese befangen gewesen &#8211;<br />
sie hätten über sich selbst entscheiden müssen. Das halte ich für undenkbar. Außerdem ging es nicht über beengte Verhältnisse, sondern um wissenschaftliche Qualität.
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<b>carell:</b> Ich habe Herrn Winnacker in der Tagesschau gesehen, wo er sehr dafür angegriffen wurde, dass die Preise nur nach Süddeutschland gegangen sind. Ich fand, dass Herr<br />
Winnacker zu weich und ausweichend geantwortet hat. Er hätte mehr die Kompetenz der internationalen Gutachter mit Ihrer Fachkompetenz in die Waagschale legen sollen und ganz klar zum Ausdruck bringen sollen: Wer Spitzenleistungsuniversitäten will, der darf nicht nach dem Proporz gehen.
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Einverstanden.
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BrainDrain2007: Ich gehe, wie viele meiner Kollegen, ins Ausland. Dort rekrutieren Top-Universitäten auf Lebenszeit, während hier mittelmäßige Universitäten mit Zweijahresverträgen locken. Wann stellen sich die deutschen Universitäten dem globalen Wettkampf und führen ein Research Assessment Exercise (RAE) ein wie in Großbritannien? Hier freuen sich Universitäten, wenn Professuren für einige Jahre unbesetzt bleiben &#8211; das würde in Großbritannien sofort mit Ranking-Verlust bestraft.
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Exzellenzinitiative ist die RAE, von der Sie sprechen. Außerdem gibt es seit Jahren ein Förderranking der DFG, das die Qualitätsunterschiede der deutschen Universitäten seit langem dokumentiert.
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<b><b>Moderator:</b></b> Herr Winnacker, Sie haben Aachen, Heidelberg und Freiburg gute Chancen für die zweite Runde der Exzellenzinitiative eingeräumt. Aber auch andere Universitäten, etwa in Berlin, machen sich große Hoffnungen. Wollen Sie eine Art Nervenkrieg entfachen oder sind solche Aussagen bereits eine Vorankündigung?
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich habe nur gesagt, dass sie automatisch in die zweite Runde kommen. Das sieht der Wettbewerb so vor.
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<b>Peter Strohschneiderr:</b> Diese Universitäten können, wenn sie wollen, mit ihren Anträgen dabei sein. Das wird dann sicher nicht zu einem Nervenkrieg führen, aber doch zu einer Schärfung des Wettbewerbs. Und das ist gewollt mit der Exzellenzinitiative.
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<b>bvogler:</b> Ich bin selbst Professor an einer amerikanischen Universität und würde über alles dem deutschen System den Vorzug geben. Der ständige Zwang &quot;Geld zu jagen&quot; führt sicherlich zu extremen Verzerrungen. Die Ausbildung in Deutschland war zu meiner Zeit sehr viel besser als das, was amerikanische Universitäten heute leisten. Ein Problem: Massen-Uni, hier viel mehr als in Deutschland. Ich bin seit fünf Jahren hier.
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es gibt in Amerika eine viel größere Differenzierung der Universitäten. Es gibt ca. 4500 Universitäten und darunter etwa 100 Forschungsuniversitäten, während es in Europa 2500 Universitäten gibt, die alle den Anspruch erheben, Spitzenuniversitäten zu sein. Das führt notwendigerweise zu einer Verwässerung der Ressourcen.
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<b>albrecht möller:</b> Peinlich, peinlich; seit 1984 ist Prof. Winnacker mit München innig verbunden, jetzt sorgt er mit Forschungsmillionen für seine bayrische Kamarilla.
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Völlig abwegig. Der Präsident der DFG hat in keinem Förderverfahren eine Stimme, auch in diesem nicht. Außerdem haben DFG und Wissenschaftsvorsitzende extrem strikte Befangenheitsregeln in allen Stufen des Verfahrens. Und so haben Prof. Strohschneider und ich an keinen Beratungen über München teilgenommen.
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<b>Dr. Schorsch:</b> Wie kann man den politischen Druck in weiteren Runden, doch noch die &quot;Gießkanne&quot; zu zücken, abwehren? Kann es auch eine Runde (bei den &quot;Eliteunis&quot;) ohne Sieger geben?
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es kann in einem solchen Wettbewerb natürlich nicht ohne &quot;Sieger&quot; und &quot;Verlierer&quot; abgehen. Die Politik hat sich auf ein strikt wissenschaftsgeleitetes Verfahren festgelegt und genau so haben wir es auch durchgeführt.
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<b>Peter Strohschneiderr:</b> Das wird auch so bleiben.
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<b>cycologist: </b>Wann wird es in Deutschland endlich Auswahlverfahren für Studierende geben? &quot;Eliteuniversitäten&quot; wie Harvard, Yale oder Princeton sichern ihren Bestand vor allem aus der Rekrutierung der besten Bewerber die über den S.A.T. und andere Eingangstests ausgewählt werden. Diese Auswahl soll dem Ideal einer Meritokratie dienen, in der die Bildungselite nicht nach Abstammung, Staatsangehörigkeit, oder Wohlstand ausgewählt wird, sondern nach Eignung.
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Gibt es längst. Es gibt zahllose Bachelor &#8211; und Masterstudiengänge, in denen Studierende im Wettbewerb ausgewählt werden.
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<b>markus76: </b>Kann es sein, dass abgesehen von finanziellen und politischen Problemen in Deutschland vor allem auch ein kulturelles Problem dafür sorgt, dass die deutsche Forschung international nicht anschlussfähig ist? Ich war einige Jahre Teil des deutschen Systems und beobachte es jetzt aus Nordamerika. Im Vergleich hat man das Gefühl, dass das mittelalterliche Ständesystem sich in die Universitäten zurückgezogen hat.
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die deutsche Forschung ist durchaus anschlussfähig, in vieler Hinsicht. In diesen Bereichen sind die auch die Hierarchien längst abgeschafft.
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<b>elitestudent:</b> Warum gibt es kein Geld für &quot;arme Unis&quot;? Die brauchen es doch am meisten?
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Entscheidung wurde nicht nach Armut und Reichtum der Universitäten getroffen, sondern nach der wissenschaftlichen Qualität ihrer Anträge. Es zahlt sich eben jetzt aus, wenn man über Jahrzehnte hinweg in die Forschung in den Universitäten investiert hat.
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<b>moechtegernphd:</b> Heißt Förderung der Spitzenuniversitäten gleichzeitig Vernachlässigung der anderen Universitäten?
</p>
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, überhaupt nicht. Ich habe immer das Bild einer Pyramide im Blick, mit einer breiten soliden Basis, aber mit einer Spitze. Die Spitze haben wir in der Vergangenheit vernachlässigt.
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<b>unitrier:</b> Wie sehen die Konzepte aus, damit in Zukunft kleinere und abgelegenere Universitäten nicht zu reinen Ausbildungsstätten verkommen, sondern auch dort weiterhin qualitative Forschung betrieben werden kann?
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Exzellenzinitiative ist ein Instrument, ein ganz bestimmtes Problem zu bearbeiten: Das Fehlen der Spitzen.
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<b>Peter Strohschneiderr:</b> Die Initiative ist kein Instrument zur Lösung aller und jeder Probleme im deutschen Wissenschaftssystem, insbesondere nicht der Unterfinanzierung.
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<b>ExInt_Fan:</b> Herr Prof. Winnacker, warum versuchen<br />
wir in Deutschland, die amerikanischen Universitäten wie Stanford,<br />
Harvard oder das MIT krampfhaft zu kopieren? Haben wir nicht andere<br />
Stärken, die wir umsetzen sollten?
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Tun wir das wirklich? Es gibt viele Wege<br />
nach Rom. Und diese haben wir im Laufe der ersten Runde auch kennen<br />
gelernt.
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<b>Björn:</b> In Deutschland fehlt es nicht an guten<br />
Ideen oder qualifizierten Akademikern. Eine Möglichkeit, mehr<br />
Forschungsgelder zu erhalten, sehe ich in der stärkeren Zusammenarbeit<br />
zwischen Hochschulen und der Industrie und die dadurch beschleunigte<br />
Entwicklung marktreifer Produkte. Welche Möglichkeiten sehen<br />
sie diese Zusammenarbeit auszubauen? Was muss die Politik der Länder<br />
und des Bundes tun?
</p>
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das Ergebnis zeigt genau, dass mit sehr<br />
unterschiedlichen Modellen &#8211; durchaus nicht nur mit solchen, die<br />
sich an wenigen amerikanischen Universitäten orientieren &#8211;<br />
in der Exzellenzinitiative erfolgreich sein kann. Auch das war oder<br />
ist in der Exzellenzinitiative vorgesehen. Dafür gibt es gute<br />
Beispiele.
</p>
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<b>Peter Strohschneiderr:</b> Vor allem auf der Ebene der Cluster.
</p>
<p>
<b>thomas1962: </b>Lieber Herr Winnacker, was mich an<br />
Deutschland immer so irritiert, ist diese Fixierung auf bestimmte<br />
Lebensplanungen. Man muss bis 35 angekommen sein, sonst wird es<br />
schwierig. Ich bin gerade dabei, aus den USA zurückzukehren.<br />
Dort habe ich eher das Gefühl, es kommt darauf an &quot;can<br />
he/she do the job?&quot; Und nicht &quot;ist der/die nicht schon<br />
über 40?&quot;
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich denke, dass der Reichseinheitsbrei<br />
des deutschen Hochschulsystems längst passé ist und<br />
auch vielleicht auch so nie existiert hat. Inzwischen sind Altersgrenzen<br />
weithin abgeschafft.
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<p>
<b>Webmaster5:</b> Darf es sich Deutschland denn erlauben,<br />
keine Elite-Universität in der Hauptstadt zu bieten?
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Natürlich darf es das.
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<b>Peter Strohschneiderr:</b> Deutschland ist aus vielen Gründen ein<br />
föderaler, dezentraler Staat und es steht viel kultureller<br />
und intellektueller Reichtum darin, dass es so ist.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Außerdem haben die<br />
Berliner Unis noch eine zweite Chance.
</p>
<p>
<b>PP: </b>Bringt die Exzellenzinitiative denn überhaupt<br />
so viel Geld pro Universität? Die Ludwig-Maximilians-Universität<br />
München zum Beispiel erhält doch gerade mal zehn Prozent<br />
ihres bisherigen Budgets extra?
</p>
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<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> 15 Prozent, wie ich gehört habe und<br />
das ist natürlich schon ein beachtlicher Freiraum.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Es gibt ein hartes sachliches Argument: Man<br />
muss die Mittel aus der Exzellenzinitiative nicht nur zu den Gesamtetats<br />
in ein Verhältnis setzen, sondern zu dem, worüber die<br />
Uni frei disponieren kann. Und diese Beträge in den Haushalten<br />
werden durch die Exzellenzinitiative dramatisch gesteigert
</p>
<p>
<b>Kai Jennrich: </b>Fakultäten an Hochschulen ohne<br />
das &quot;Elite&quot;-Prädikat, die aber über anerkannt<br />
hervorragende Lehrreputation verfügen und deren Absolventen<br />
sollten nicht Opfer eines undifferenzierenden Etiketten-Wettbewerbs<br />
in der Öffentlichkeit werden &#8211; nach dem Motto: &quot;Elite&quot;-Kleider<br />
machen Leute. Ist diese Besorgnis begründet? Auf welche Weise<br />
wirkt die Deutsche Forschungsgemeinschaft einer solchen verallgemeinernden<br />
und fatalen Fehlentwicklung entgegen?
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Durch Differenzierung in der Exzellenzinitiative.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Außerdem wird dieses Label nicht<br />
auf Ewigkeit verliehen, sondern muss sich immer wieder neu erarbeitet<br />
werden. Aber eines ist auch klar: Es wird in Deutschland Universitäten<br />
mit eher regionaler Bedeutung geben oder mit internationaler Bedeutung.<br />
Daran werden wir uns gewöhnen müssen.
</p>
<p>
<b>a-j-k85:</b> Herr Winnacker, auf welche Art können<br />
sich Universitäten beim Ranking der Exzellenzinitiative hervortun?<br />
Auch durch bessere Bedingungen in der Lehre oder nur durch Programme<br />
für die Forschung?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Zukunftsperspektiven beziehen sich<br />
im Wesentlichen auf die Forschung, aber gute Forschung ist in der<br />
Regel von guter Lehre nicht zu trennen. Deswegen wird am Ende auch<br />
die Lehre von diesen Entscheidungen profitieren.
</p>
<p>
<b>Phelps:</b> Wie kommt es zu dieser Konzentration von<br />
Eliteuniversitäten ausschließlich im Süden der Bundesrepublik<br />
Deutschland?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil man Jahrzehntelang in die Forschung<br />
und die Hochschulen insgesamt investiert hat. Und weil dies auch<br />
zu einer Ansammlung von außeruniversitärer Forschung<br />
geführt hat.
</p>
<p>
<b>biologisch: </b>Müsste der Bundesetat für<br />
Bildung und Forschung nicht der allergrößte Etatposten<br />
eines Landes sein, das angeblich die Ressource &quot;Wissen&quot;<br />
stärken möchte?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Natürlich.
</p>
<p>
<b>Merlin:</b> Soll sich die Politik wirklich in die<br />
Entscheidung dieser Initiative einmischen dürfen?
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Die Politik hat sich auf ein strikt wissenschaftsgeleitetes<br />
Gefahren festgelegt. Dafür sind wir sehr dankbar. Und sie hat<br />
sich auch an diese Festlegung gehalten
</p>
<p>
<b>ziggeding:</b> Wie vertragen sich Forschungsqualität<br />
und Studiengebühren, die nicht an die Universitäten gehen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Überhaupt nicht. Ich bin immer davon<br />
ausgegangen, dass Studiengebühren an die Universitäten<br />
gehören.
</p>
<p>
<b>ringo star:</b> Wenn man Eliteuniversitäten in<br />
anderen Ländern betrachtet, findet man sowohl in den Ländern,<br />
als auch bei den Universitäten eine &quot;Kultur&quot; der<br />
Eliteuniversitäten. Glauben sie, dass &quot;künstlich&quot;<br />
benannte Eliteuniversitäten, wie im Rahmen der Exzellenzinitiative,<br />
wirklich einen vergleichbaren Status sowohl national als auch international<br />
erlangen können? Wenn ja, in welchem Zeitraum?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Ernennung einiger der Unis zu Spitzen-Universitäten<br />
ist erst der Anfang. Die entsprechenden Kulturen müssen sich<br />
erst noch entwickeln. Hoffen wir, dass in zehn Jahren die erste<br />
der geförderten Unis in den internationalen Ranglisten ganz<br />
vorne auftauchen.
</p>
<p>
<b>seltmann:</b> Bundesministerin Schavan hatte im Bewilligungsausschuss<br />
ja die Zustimmung der Politik an die Bedingung geknüpft, in<br />
der zweiten Runde das Verfahren abzuändern, damit die Politiker<br />
mehr Einfluss auf die Entscheidungen nehmen können. Wie wollen<br />
sie diesmal verhindern, dass sich die Wissenschaft dem Druck der<br />
Politik beugt?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weder hat sich die Wissenschaft der Politik<br />
noch hat sich die Politik der Wissenschaft gebeugt, sondern beide<br />
der Sache, nämlich der wissenschaftlichen Exzellenz. Ich bin<br />
überzeugt, dass sich daran nichts ändern wird. Was nicht<br />
heißt, dass die Politik noch frühzeitiger informiert<br />
wird. Es war ja das erste Mal, dass wir so was deutschlandweit gemacht<br />
haben. Wir haben bei dem Verfahren viel gelernt und wir werden das<br />
sicher in Einzelheiten optimieren.
</p>
<p>
<b>Trude: </b>Im Ausland (USA) ist die Spitze der deutschen<br />
Forschung meist als Max-Planck-Institut bekannt. Wäre es nicht<br />
von Vorteil, diese im Ausland bekannte Spitze so zu fördern,<br />
dass auch Topwissenschaftler aus den USA nach Deutschland gehen<br />
würden? Das ist das wahre Geheimnis der Elite-Unis in den USA:<br />
Es werden oftmals sehr gute Professoren weltweit abgeworben.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist ja das Problem. In der Max-Planck-Gesellschaft<br />
ist der Anteil ausländischer Wissenschaftler sehr viel höher<br />
als bei den Universitäten. Genau das sollte die Exzellenzinitiative<br />
verbessern. Und verbessert es hoffentlich auch.
</p>
<p>
<b>kajac: </b>Ich bin Professorin an einer kleineren<br />
Universität. Für mich scheint sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft<br />
der Universitäten anzubahnen: Die großen machen die Forschung,<br />
die kleinen die Lehre.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist nicht meine Beobachtung. Wir haben<br />
auch Cluster an kleineren Universitäten eingerichtet. Aber<br />
natürlich bedarf es in vielen Fällen für Spitzenforschung<br />
auch der kritischen Masse.
</p>
<p>
<b>sophie:</b> Das einzige Kriterium bei dem Verfahren<br />
soll doch &quot;wissenschaftliche Exzellenz&quot; sein. Kann ein<br />
in der ersten Runde abgelehnter Antrag, der automatisch in die zweite<br />
Runde geht, dann überhaupt in der zweiten Runde genehmigt werden?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wir reden hier von einem sehr hohen Niveau.<br />
Es ist durchaus denkbar, dass die antragstellenden Wissenschaftler<br />
ihre Anträge dann auch noch modifizieren. Im Januar wird ja<br />
nur über Antragsskizzen entschieden, über Anträge<br />
erst in einem Jahr.
</p>
<p>
<b>TA:</b> Sie haben gesagt, der Titel der Exzellenzinitiative<br />
kann einer Hochschule auch verlustig gehen. Für wie lange wird<br />
er verliehen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Förderdauer ist zunächst<br />
auf fünf Jahre festgelegt. Die Bundesministerin Frau Annette<br />
Schavan hat angekündigt, den Wettbewerb verstetigen zu wollen.<br />
Schon aus diesem Grund, also der Möglichkeit, auch anderen<br />
eine neue Chance zu geben, begrüße ich das sehr.
</p>
<p>
<b>pi-nutzz:</b> Sie waren ja bereits selbst als Forscher<br />
in Amerika. Gibt es etwas, dass sie an den Unis dort besonders beeindruckt<br />
hat, das Sie sich auch für unsere Unis wünschen würden?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Was mich dort vor allem beeindruckt ist<br />
die frühe Selbständigkeit der jungen Wissenschaftler,<br />
die ganz selbstverständlich auf Augenhöhe respektiert<br />
werden. Das habe ich versucht, in meiner Arbeit bei der Deutschen<br />
Forschungsgemeinschaft möglich zu machen.
</p>
<p>
<b>tecker: </b>Spitzenforschung sollte dort gefördert<br />
werden, wo sie ist. Aber wenigstens eine Uni im Osten und im Norden<br />
sollte doch zumindest dahingehend gefördert werden, Spitzenforschung<br />
leisten zu können &#8211; oder?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das war aber nicht die Aufgabe des Exzellenzwettbewerbs.<br />
Die Voraussetzungen für Exzellenz müssen die Länder<br />
schaffen, die ausschließlich für die Hochschulen zuständig<br />
sind. Die Hochschulen in Ostdeutschland hatten bisher nur wenig<br />
Zeit, sich zu entwickeln. Dennoch gibt es wunderbare Beispiele für<br />
Spitzenforschung in Ostdeutschland, denken sie nur an Dresden oder<br />
denken sie nur an die wunderbaren Max-Planck-Institute in Ostdeutschland.<br />
40 Jahre Misswirtschaft sind eben nicht von heute auf morgen zu<br />
beseitigen.
</p>
<p>
<b>Titanmond:</b> Im Tagesspiegel werden Sie zitiert<br />
mit den Worten: &quot;Es waren nicht mehr gute Anträge da&quot;.<br />
Ist es dann realistisch, dass in der zweiten Phase mehr als drei<br />
weitere Universitäten Exzellenzzentren werden und wenn ja,<br />
was stimmt Sie so optimistisch?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Neues Spiel, neues Glück. Und außerdem<br />
werden alle Beteiligten ihre Anträge noch einmal anschauen<br />
und gegebenenfalls überarbeiten. Dazu ist auch noch genügend<br />
Zeit.
</p>
<p>
<b>pede:</b> Warum werden ganze Universitäten gefördert.<br />
Wäre es nicht sinnvoller, einzelne Teilgebiete hervorzuheben,<br />
die wirklich auch international mithalten können?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es geschieht beides. Bei den Hochschulen<br />
und den Exzellenzclustern werden nur bestimmte Fachgebiete gefördert.<br />
Auch die Mittel der dritten Säule werden nicht nach dem Gießkannenprinzip<br />
verteilt werden, sondern auf bestimmte Gebiete der Universitäten.
</p>
<p>
<b>Evam:</b> Was ich sehr bedenklich an dem ganzen Verfahren<br />
finde ist, dass es ein so deutliches Übergewicht an naturwissenschaftlichen<br />
und technischen Anträgen, die gefördert wurden, gibt.<br />
Wenn ich das richtig sehe, gibt es lediglich eins von 18 Exzellenzclustern<br />
aus den Geisteswissenschaften. Ich glaube nicht, dass die naturwissenschaftlichen<br />
Anträge einfach besser waren und ich finde eine solche Förderpolitik<br />
skandalös. Wie können Sie das ändern?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich denke, dass auf die Dauer sich der<br />
Anteil der Geisteswissenschaften erhöhen wird. An sich sind<br />
Exzellenzcluster auch ideale Instrumente für die Geisteswissenschaften,<br />
wenn sie denn richtig verstanden würden, das heißt als<br />
ein großes Dach unter dem Vieles Platz hat. Auf jeden Fall<br />
hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft viele andere Förderinstrumente,<br />
die auf die Bedürfnisse der Geisteswissenschaften vielleicht<br />
besser zugeschnitten sind. Bei den Graduiertenschulen übrigens<br />
ist die Lage schon sehr viel besser: Bei den Anträgen waren<br />
es noch 27 Prozent, was höher ist als der übliche Anteil<br />
der Geisteswissenschaften an der Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.<br />
Wir werden unser bestes tun, die Gutachtergruppen noch besser auf<br />
die kulturellen Unterschiede der verschiedenen Fächer einzustimmen.
</p>
<p>
<b>Sarah:</b> Wieso gibt es keine bessere Förderung<br />
hochbegabter Studenten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eine gute Frage. Seit Mitte ca. 1850 gibt<br />
es in Bayern die Einrichtung des Maximilianeums, in dem Personen<br />
mit einem Einser-Abitur, was aber nicht einmal ausreicht, aufgenommen<br />
werden. Die bayerische Staatsregierung hat schon 2002 mit dem Ausbau<br />
sogenannter Elitenetzwerke begonnen &#8211; auch hier geht es um nichts<br />
anderes als die Förderung besonders begabter Studierender.<br />
Außerdem gibt es die Studienstiftung des Deutschen Volkes<br />
und die Begabtenförderung, die das, was sie gefordert haben,<br />
ebenfalls leisten. Es ist eindrücklich, wie oft die Leibnitz-Preisträger<br />
der Deutschen Forschungsgemeinschaft auch Studienstifter waren.<br />
Auch die auskömmliche Finanzierung der Begabtenförderung,<br />
insbesondere der Studienstiftung, sollte auf Dauer gesichert werden.
</p>
<p>
<b>MKno:</b> Was kann ich als Student an der Ludwig-Maximilians-Universität<br />
(Diplom-Geographie) nun konkret von der Ernennung meiner Universität<br />
zur Elite-Universität erwarten? Wird sich die Förderung<br />
überhaupt in den Studienbedingungen bemerkbar machen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich hoffe es, weiß allerdings nichts<br />
über die Einzelheiten, die die Universität nun zu fördern<br />
beabsichtigt. Vielleicht entwickeln sie selbst ein paar Vorschläge<br />
aus bester Kenntnis vor Ort, die sie dem Rektorat übermitteln.<br />
Das wäre doch ein guter Aufhänger. Als Rektor würde<br />
ich mich über so was freuen.
</p>
<p>
<b>Schwertsik:</b> Herr Prof. Winnacker, mir ist nicht<br />
ganz klar, was denn nun das Ergebnis des Auswahlverfahrens ist.<br />
Haben wir nun tatsächlich &quot;Elite-Universitäten&quot;<br />
oder nicht doch eher &quot;Elitestrukturen&quot; bzw. &quot;Elite-Institute&quot;?<br />
Gibt es ein Gesetz, eine Vereinbarung, ab wann sich eine Universität<br />
offiziell Elite-Universität nennen darf?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, das wird eine Abstimmung mit den<br />
Füßen klären. Es wird am Ende darauf ankommen, wie<br />
weit die nun geförderten Universitäten international sichtbar<br />
werden und wie weit es ihnen gelingt, die besten Studierenden und<br />
Lehrenden anzuziehen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Das waren 60 Minuten tagesschau.de-Chat. Wir bedanken<br />
uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis<br />
an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Herrn Winnacker und Herrn Strohschneider,<br />
dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Der nächste<br />
Chat findet am kommenden Mittwoch, den 18. Oktober, mit der CDU-Bundestagsabgeordneten<br />
Anette Widmann-Mauz statt. Los geht’s um dreizehn Uhr. Das<br />
letzte Wort gehört Ihnen, Herr Winnacker.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich bedanke mich für diese interessanten<br />
Fragen. Es war eine spannende Zeit, die wir hinter uns haben. Ich<br />
drücke die Daumen für alle Beteiligten und für das<br />
System, dass es wirklich besser wird.</p>
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