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	<title>Fachkräftemangel &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Fachkräftemangel &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Spanien: Digitalisierung in der Krise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 08:47:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalstrategie]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>
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		<category><![CDATA[Digitale Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[Das politische Klima in Spanien ist gereizt: Ohnmacht im Parlament, Korruptionsvorwürfe gegen die Politik, Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen und  eine Generation [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/König-Felipe-Digital.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-149799 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/König-Felipe-Digital.jpg" alt="The King of Spain Felipe VI, (C) and Catalan President Artur Mas (L) listen to explanations in the Orange stand during the opening of MWC 2015. Mobile World Congress 2015 by  Jordi Boixareu, CC BY-NC-ND 2.0" width="634" height="359" /></a>Das politische Klima in Spanien ist gereizt: Ohnmacht im Parlament, Korruptionsvorwürfe gegen die Politik, Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen und  eine Generation von jungen Spaniern, die keine Arbeit mehr im eigenen Land findet. Der Höhepunkt der Wirtschaftskrise liegt bereits sechs Jahre zurück, die Folgen sind aber immer noch spürbar, auch in der schleppenden Digitalisierung spanischer Unternehmen.</p>
<h3>„España 4.0“: Digitalisierung  trotz Krise</h3>
<p>Wie geht es weiter mit einem Land, das sich nicht so recht von seiner wirtschaftlichen und politischen Flaute erholen zu scheint? Spaniens Regierung und führende Unternehmen haben große Ambitionen mit dem Krisenland: „España 4.0“, eine neue Digitalstrategie, die im Rahmen der europäischen Digitalen Agenda im Jahr 2013 vorgestellt wurde. Bis 2025 sollen etwa 120 Milliarden Euro mit der digitalen Transformation verdient und Kosten bis zu 20% gesenkt worden sein. In Zukunft sollen tausende neue Arbeitsplätze entstehen, diese Zukunftsberufe nennen sich unter anderem  „social manager“ oder „intelligence manager“.</p>
<p>Digitalisierung wird gerne missverstanden und auf rein technische Innovationen reduziert. Allerdings umschließt die digitale Transformation die gesamte Unternehmensstruktur und betrifft somit sämtliche Bereiche eines Betriebs – von der Administration bis zu verbesserten Produktionstechniken. Die in diesem Jahr veröffentlichte <a href="https://w5.siemens.com/spain/web/es/estudiodigitalizacion/Documents/Estudio_Digitalizacion_Espana40_Siemens.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a> von Siemens und Roland Berg ist die erste seiner Art, die sich mit der digitalen Transformation Spaniens in den verschiedenen Wirtschaftssektoren befasst.</p>
<h3>Finanzielle und strukturelle Defizite</h3>
<p>Die Ergebnisse der Studie legen ein erhebliches Verbesserungspotenzial des Landes offen. Zwar machen fast alle Unternehmen von digitalen Medien wie E-Mail und eigener Website Gebrauch, nur ein geringer Teil verfügt jedoch über Kompetenzen, die über diese digitalen Grundstandards hinausreichen.  Diese digitale Kluft zwischen dem, was technisch bereits möglich ist, und dem, was angewandt wird, ist besonders groß in den Bereichen Gesundheit und Technik (75%) und Energie (51%). Ein Viertel der Unternehmen haben weiterhin keinen Zuständigen für Digitales. Weniger als ein von drei Betrieben hat überhaupt eine Digitalstrategie. Wie kommt das?</p>
<p>Die Studie trifft auf einen Paradox: obwohl Spanien an Platz 14 der Weltrangliste der Länder steht, die den größten Anteil ihres BIPs in Digitalisierung investiert, schafft es das Land nur auf Platz 45 in der digitalen Entwicklung. Mangelt es also an den Mitteln oder an der richtigen Strategie? Die Antwort ist: an beidem. Die Kombination aus fehlenden Ressourcen und mangelnden Investitionen, vor allem in Forschung und Entwicklung (F&amp;E), führt zu einer chronischen Unterfinanzierung des digitalen Wandels in der Wirtschaft.  Laut Eurostat investierte Spanien so nur 1,2% seines GDP in F&amp;E, verglichen mit 3% in Deutschland und 2% in den USA. Ein weiteres Manko entsteht durch die Schwächen in den Bildungsmöglichkeiten. Obwohl die Zukunftsrichtung der Wirtschaft digital ist, gibt es kaum digitale Fachkräfte. Die rasant steigende Nachfrage nach IT-Experten und Social Media Managern übersteigt das Angebot an Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten. Momentan besitzen nur etwa die Hälfte aller Spanier grundlegende Kenntnisse im Umgang mit neuen Medien.</p>
<h3>Auf dem Weg in eine digitale Zukunft</h3>
<p>Es entsteht ein Teufelskreis: weniger Innovation führt zu weniger Investitionen führt zu weniger Geld für Bildung führt zu weniger Innovation. Mit dem digitalen Wandel, der immer mehr qualifizierte Arbeitskräfte fordern und geringqualifizierte aussortieren wird, ist die Nachfrage nach Fachkräften höher denn je. Eine digitale Zukunft braucht digitale Talente. Viele junge Spanier verlassen bereits ihr Land, um ihre Zukunftsmöglichkeiten im Ausland zu verbessern. Und doch: Spanien befindet sich auf einem Weg, der optimistisch stimmt. Laut <a href="https://ec.europa.eu/digital-single-market/desi" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digital Economy and Society Index (DESI)</a> hat Spanien im letzten Jahr innerhalb der EU am meisten Potenzial im Digitalen entwickelt: es gibt immer mehr Studienabschlüsse in digitalen und technischen Studiengängen und bei der Nutzung elektronischer Services wie „eInvoice“ in der öffentlichen Verwaltung steht Spanien sogar auf Platz 5 im EU-Vergleich.</p>
<p>Entscheidend ist, wie die neue Regierung die Pläne der „Digitalen Agenda 2013“ umsetzten wird. Nur wenn sich mehr Menschen den neuen Technologien zuwenden und mehr Geld in digitale Bildung fließt, wird Spanien den Sprung in eine digitalisierte Zukunft schaffen.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/jobopa/16074619154/in/photolist-6A9sTs-qusCf7" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mobile World Congress 2015 </a> via flickr von <a href="http://jobopa.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jordi Boixareu</a>,<br />
<span class="licensetpl_attr">licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC-ND</a></span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Schulen bereiten schlecht auf Arbeit vor</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/schulen_bereiten_schlecht_auf_arbeit_vor-2351/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Seifert]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jul 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildungsplatz]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Wansleben]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b><span class="fett">Am Donnerstag, 26. Juli, war Dr. Martin Wansleben,
der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags
(DIHK), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.
Er sprach über die Ausbildungsplatzsituation in Deutschland,
Anforderungen der Arbeitswelt und Ursachen des Fachkräftemangels.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b><span class="fett">Am Donnerstag, 26. Juli, war Dr. Martin Wansleben,<br />
der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags<br />
(DIHK), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
Er sprach über die Ausbildungsplatzsituation in Deutschland,<br />
Anforderungen der Arbeitswelt und Ursachen des Fachkräftemangels.</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><b><b>Moderator:</b></b></b><br />
</b> Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Heute ist Dr.<br />
Martin Wansleben zu uns ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Er ist<br />
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.<br />
Dieser beklagt Fachkräfte- und Nachwuchsmangel für die<br />
deutsche Wirtschaft. Gleichzeitig werden wieder tausende Jugendliche<br />
in diesem Jahr keine Lehrstelle finden. Liebe User, nutzen Sie die<br />
Gelegenheit, mit unserem Experten darüber zu diskutieren.
</p>
<p>
<b>Steffen_1:</b> Was halten sie von einem Grundrecht<br />
auf Ausbildung?
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mwansleben85x.jpg" alt="Martin Wansleben" height="120" width="85" /><br />
<i>Dr. Martin Wansleben</i><br />
<i>Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und<br />
Handelskammertags</i>
</p>
<p>
<b> Martin Wansleben:<span class="normal"> </span></b><span class="normal">Ausbildung<br />
setzt immer voraus, dass sich diejenigen, die ausgebildet werden<br />
wollen und sollen, auch selbst engagieren. Ein Grundrecht auf Ausbildung<br />
würde allzu sehr eine Scheinwelt vorgaukeln. Wir setzen uns<br />
deshalb sehr dafür ein, dass jeder, der kann und will, eine<br />
Chance auf Ausbildung erhält. Das ist auch die Kernverpflichtung<br />
im Ausbildungspakt. Haben Sie selbst konkrete Ausbildungsprobleme,<br />
bei denen wir Ihnen helfen können? Bitte melden Sie sich dann.<br />
</span>
</p>
<p>
<b>F_Dreimann:</b> Was können Schulen und Unternehmen<br />
konkret unternehmen, um Schüler wieder mehr für Fach-<br />
und Ausbildungsberufe zu begeistern?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:<span class="normal"> </span></b>Vielfach<br />
hat Schule das Problem, dass Fächer sehr theoretisch behandelt<br />
werden. Wichtig ist deshalb, im Unterricht auch schwierige theoretische<br />
Fragen anhand ganz praktischer Beispiele zu erklären. Hier<br />
können Unternehmen zusätzlich helfen: durch Mitarbeiterinnen<br />
und Mitarbeiter, die in die Klassen gehen, durch Unterrichtsstunden<br />
im Unternehmen und/oder durch Betriebspraktika. Im Rahmen der Aktion<br />
&quot;Schule und Wirtschaft&quot; geschieht hier eine Fülle.<br />
Wenn Ihre Schule noch keinen konkreten Unternehmenskontakt hat,<br />
wenden Sie sich bitte unter Bezug auf diesen Internetchat an Ihre<br />
regionale <a href="http://www.ihk.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IHK</a>.
</p>
<p>
<b>luiseambaum:</b> Sollten die Unternehmen Ihrer Meinung<br />
nach mehr in die Lehrplanung an den Haupt- und Realschulen einbezogen<br />
werden? Gibt es Unternehmer, die daran Interesse hätten?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Sie treffen den Nagel auf den<br />
Kopf! Die Brücke zwischen Schule und Unternehmen ist entscheidend.<br />
Es gibt viele Unternehmen, die daran Interesse haben. Auch immer<br />
mehr Schulen öffnen sich für die Kooperation mit Unternehmen,<br />
aber diese Zusammenarbeit bezieht sich wohl eher auf die konkrete<br />
Ausgestaltung von Unterricht und weniger auf die Gestaltung von<br />
Lehrplänen. Hier ist zuallererst die Kultusverwaltung gefordert.<br />
Wir werben allerdings sehr dafür, sowohl bei Unternehmen, als<br />
auch bei Schulen. Auch wenn es schon viele Kontakte gibt, kann und<br />
sollte da noch einiges geschehen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Hier kommen zwei Fragen die<br />
in die gleiche Richtung zielen:
</p>
<p>
<b>Prome:</b> Spielt das Kriterium „Zeugnis“<br />
immer noch eine so prägende Schlüsselrolle ?
</p>
<p>
<b>Starek:</b> Warum verlangen Firmen einen immer<br />
höheren Abschluss für eine „minderwertigere Arbeit“<br />
(Bezug auf Abschluss)? Eine zu große Auswahl? Zu schlechte<br />
Erfahrungen?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Das Zeugnis ist nun mal<br />
der einzige Leistungsnachweis, der da ist. Häufig macht man<br />
allerdings die Erfahrung, dass ein Zeugnis den Menschen nicht wirklich<br />
gerecht wird. Im Rahmen des Ausbildungspaktes hat die Wirtschaft<br />
deshalb die so genannten Einstiegsqualifizierungen eingeführt.<br />
Sie helfen auch Schülerinnen und Schülern mit schlechteren<br />
Zeugnissen durch Bewährung in der betrieblichen Praxis, den<br />
Einstieg in die betriebliche Ausbildung zu finden. Wissenschaftliche<br />
Studien zeigen, dass wir hier eine Übernahmequote von knapp<br />
70 Prozent erreichen. <br />
Und an Starek: Je teurer wir sind, desto besser müssen wir<br />
sein. Oder andersherum: Unseren relativ hohen Lebensstandard können<br />
wir in Deutschland und auf den Märkten der Welt nur durch bessere<br />
Produkte und Leistungen verdienen. Das ist der Grund, warum wir<br />
alle stets danach trachten und trachten müssen, besser zu werden.<br />
Das setzt auch die Unternehmen im Wettbewerb gehörig unter<br />
Druck. Am Ende gilt aber auch: Wenn man zu hohe Qualifikationen<br />
fordert, frustriert man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit zu<br />
leichter Arbeit.
</p>
<p>
<b>Heinz21:</b> Wieso werden Auszubildende zunehmend<br />
als billigste Arbeitskräfte missbraucht und an anderer Stelle<br />
kommen dann die Klagen über einen angeblichen Fachkräftemangel?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Die Wirtschaft hat im Rahmen<br />
des Ausbildungspaktes seit 2004 trotz miserabler Konjunktur und<br />
sinkender Beschäftigung die Anzahl der Ausbildungsplätze<br />
erhöht. Ein Großteil des Fachkräftemangels ist auch<br />
darauf zurück zu führen, dass wir zu wenig Hochschulabsolventen<br />
im Bereich der Ingenieur- und Naturwissenschaften haben. Hier muss<br />
noch viel geschehen &#8211; betriebliche Ausbildung soll im betrieblichen<br />
Alltag stattfinden. Das ist ihre spezifische Qualität. Missbrauch<br />
sollte nicht stattfinden. Wenn Sie diesbezüglich Beschwerden<br />
haben, wenden Sie sich bitte an den Ausbildungsberater Ihrer regionalen<br />
IHK.
</p>
<p>
<b>florentine:</b> In welchen Ausbildungsbereichen<br />
gibt es denn die größten Defizite an Bewerbern? Wo hingegen<br />
kann die Nachfrage der Unternehmen mit ausreichend geeigneten Kandidaten<br />
befriedigt werden?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Probleme haben insbesondere<br />
die Unternehmen, die in sehr anspruchsvollen Ausbildungsberufen<br />
ausbilden, zum Beispiel im IT- und Medienbereich. Aber auch in Berufen<br />
wie den Mechatronikern und den Industriekaufleuten. Auf der anderen<br />
Seite gibt es aber auch Ausbildungsplätze, bei denen das Ausbildungsniveau<br />
weniger hoch ist und die dennoch frei bleiben, wie zum Beispiel<br />
im Nahrungsmittelhandwerk, Metzger, Bäcker et cetera.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Warum bleiben diese frei?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Offensichtlich finden Jugendliche<br />
diese Berufe zu wenig attraktiv, zum Beispiel wegen Arbeitszeiten<br />
oder Arbeitsbedingungen. Immer mehr wollen „Weiße-Kragen-Berufe“<br />
und nicht den „Blaumann“. Ich empfehle deshalb dringend<br />
zu mehr Flexibilität, zu weniger Vorurteilen. Wichtig ist zunächst<br />
einmal der Einstieg in die konkrete Ausbildung. Eine Ausbildung<br />
erleichtert es allemal, seinen Weg im Arbeitsleben zu finden.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Noch einmal zwei ähnliches Fragen:
</p>
<p>
<b>Herr Gonzo:</b> Kann man denn mit nur einer Ausbildung<br />
überhaupt noch Karriere machen? Unternehmen stellen doch nur<br />
noch High Potentials ein. Zum Teil kommt man doch nicht mal mehr<br />
mit Abitur und/oder Studium weit?
</p>
<p>
<b>Prakti:</b> Kann man nicht Angestellte ohne Hochschulabschluss<br />
noch offensiver nachschulen, so dass sie Positionen von Akademikern<br />
übernehmen können?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Die betriebliche Ausbildung<br />
oder das Hochschulstudium können immer nur der Einstieg ins<br />
Berufsleben sein. Entscheidend für das Weiterkommen sind das<br />
Engagement des Einzelnen und seine Bereitschaft und Fähigkeit<br />
ständig, ob im Rahmen von Weiterbildungen oder im betrieblichen<br />
Alltag, hinzu zu lernen. Keine Ausbildung gibt einem heute die Garantie<br />
für Karriere. Umgekehrt gilt allerdings auch: Wer gut ist,<br />
findet seinen Weg, ob in der jetzigen Firma oder woanders. Der DIHK<br />
setzt sich sehr dafür ein, dass diejenigen, die eine betriebliche<br />
Ausbildung durchlaufen haben, bei entsprechender Eignung nachher<br />
auch studieren können oder zum Beispiel über entsprechende<br />
Weiterbildungskurse den Titel „Bachelor Professional“<br />
erhalten.
</p>
<p>
<b>KTG:</b> Die Berufsinformation auf meinem Gymnasium<br />
lässt ziemlich zu wünschen übrig. Vor allem bekommen<br />
wir wenige Infos über Ausbildungsjobs, alles konzentriert sich<br />
aufs Studium. Sollte sich hier nicht was ändern?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Meine drei Söhne haben<br />
leider dieselben Erfahrungen gemacht.<br />
Mein Rat: bei der regionalen IHK oder auch bei der <a href="http://www.arbeitsagentur.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesagentur<br />
für Arbeit</a> finden Sie eine Fülle von Erstinformationen.<br />
Für alle weitergehenden Fragen stehen die dortigen Berater<br />
gerne zur Verfügung.
</p>
<p>
<b>needajob:</b> Welche Qualifikationen fehlen den erfolglosen<br />
Bewerbern auf eine Ausbildung am häufigsten? Könnte unser<br />
Schulsystem diese in seiner gegenwärtigen Form vermitteln oder<br />
halten sie eine neue Bildungsreform für zwingend nötig?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Die Frage triff voll ins Schwarze.<br />
Die Eltern müssen sich mehr um die Bildung der Kinder kümmern.<br />
Wir brauchen bessere Kindergärten. Wir brauchen bessere Schulen.<br />
Wir brauchen aber auch Jugendliche, die wissen: Ohne Fleiß<br />
kein Preis! Bezüglich der von den Unternehmen festgestellten<br />
Defizite machen wir regelmäßig Umfragen. Die Unternehmen<br />
sehen Defizite beim mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen<br />
und den elementaren Rechenfertigkeiten. Hier sind in der Tat die<br />
Schulen gefragt. Leider gibt es aber auch immer wieder viel zu viele<br />
Jugendliche, die nicht so gerne aufstehen, und die bestimmte Berührungsängste<br />
haben mit der Regelmäßigkeit des betrieblichen Alltags.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Früher war alles besser?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Ein tolles Lied von den Wise<br />
Guys, das alles auf den Punkt bringt!
</p>
<p>
<b>Hape_2:</b> Halten Sie deutsche Jugendliche für<br />
zu unflexibel im europäischen Vergleich?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> In der Regel sind trotz aller<br />
bekannter Mängel die meisten deutschen Schulen besser als in<br />
vielen anderen europäischen Ländern. Die Ausgangssituation<br />
für deutsche Jugendliche ist also gar nicht so schlecht und<br />
alle Statistiken zeigen, dass Jugendliche mit abgeschlossener betrieblicher<br />
Ausbildung (Lehre) bessere Chancen haben, als die Jugendlichen in<br />
den meisten europäischen Nachbarländern. Gerade aber in<br />
den kleineren, so genannten Reformstaaten, also in den baltischen<br />
Staaten, Ungarn, Tschechien, Slowakei et cetera, wissen die Jugendlichen<br />
sehr unmittelbar, dass sie sich zusätzlich anstrengen müssen.<br />
Wenn man das sieht, wird deutlich, dass sich auch bei uns manch<br />
eine/r mehr anstrengen könnte.
</p>
<p>
<b>die jugend von heute:</b> Woher kommt das denn, das<br />
Jugendliche mit der Arbeitswelt „Berührungsängste“<br />
haben? Wer hat hier versagt?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Die Arbeitswelt steht nun mal<br />
für den „Ernst des Lebens“. Diese Arbeitswelt kommt<br />
zudem zu wenig in der Schule vor und ist zu sehr unbekannt. Außerdem<br />
gibt es viel zu viele Erwachsene, die glauben, es wäre richtig,<br />
über ihre Arbeit zu schimpfen. So kommt schon mal die Zuversicht<br />
für die Kinder zu kurz. Mein Rat: Nicht bange machen lassen!<br />
Nach der Schule war für mich das Leben einfacher!
</p>
<p>
<b>die jugend von heute:</b> Aber das war doch früher<br />
nicht wirklich anders? Oder meinen Sie, dass früher das Leben<br />
allgemein härter war und die Jugendlichen einen harten Alltag<br />
also schon gewöhnt waren?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Hören Sie sich bitte den<br />
Song von den Wise Guys an. Da wird alles beantwortet: Nur nicht<br />
den Sprüchen auf den Leim gehen, dass früher alles besser<br />
war. Übrigens waren wir in Deutschland noch nie so reich wie<br />
jetzt, hatten noch nie so gute Autos, konnten noch nie so komfortabel<br />
Reisen et cetera. Und das kann ja wohl nicht zustande kommen, wenn<br />
wir schlechter wären oder schlechter arbeiten.
</p>
<p>
<b>KTG:</b> Nach Pisa und einigen anderen Studien ist<br />
in Deutschland die soziale Kluft zwischen armen und reichen Schülern,<br />
also auch bei denen, die sich später um Ausbildungsplätze<br />
bewerben, sehr hoch. Bessere Chancen haben Schüler aus besseren<br />
Familien. Wie könnten Politik und Wirtschaft hier gegensteuern?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Das Hauptthema ist die<br />
Frage der Betreuung der Kinder durch die Familien. Da wir anders<br />
als zum Beispiel in Skandinavien oder Frankreich für Kleinkinder<br />
weniger Institutionen haben wie Kindergärten, Horte, Krippen<br />
et cetera, ist die individuelle Situation in der Familie schicksalsbestimmender.<br />
Deshalb müssen sich die Eltern mehr anstrengen und deshalb<br />
brauchen wir eine bessere zusätzliche Kinderbetreuung. Dafür<br />
setzt sich der DIHK sehr ein. Mit Kinderbetreuung darf dabei nicht<br />
nur gemeint sein, die Kinder bloß zu verwahren. Wichtig ist,<br />
die Kinder sehr frühzeitig zu fördern.
</p>
<p>
<b>hauke07:</b> Welche Programme unterhält denn<br />
die IHK, um Jugendlichen, die keine Ausbildungsstelle bekommen,<br />
zu helfen?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Allen Jugendlichen, die<br />
bis Ende September noch keine Lehrstelle gefunden haben, werden<br />
von den IHKs und den Arbeitsagenturen zu einer gemeinsamen Nachvermittlung<br />
eingeladen. Diese gibt es flächendeckend in ganz Deutschland.<br />
In den letzten Jahren ist es fast vollständige gelungen, jedem<br />
der dort erschienenen Jugendlichen ein Angebot zu machen. Leider<br />
nehmen nur rund 60 Prozent der Eingeladenen diese Chance wahr. In<br />
Berlin waren es im letzten Jahr sogar nur ein Drittel.
</p>
<p>
<b>theObserver:</b> Wenn Sie Fachkräftemangel beklagen<br />
&#8211; warum engagieren sie sich dann nicht stärker in der Förderung<br />
von Studenten/Azubis in den fehlenden Bereichen? Wie wäre es<br />
mit Stipendien für Ingenieur-Studenten?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Immer mehr Unternehmen suchen<br />
gerade den Kontakt zu Ingenieur-Studenten. Nicht wenige bieten sogar<br />
die finanzielle Unterstützung, dann allerdings gegen konkrete<br />
Leistungsverpflichtungen. Und die Verpflichtung, nachher auch im<br />
Unternehmen zu arbeiten. <br />
Außerdem wird das Angebot an dualen Studiengängen (Berufsakademien)<br />
immer umfassender. Hier erhalten die Studenten analog zur Ausbildungsvergütung<br />
sogar regelmäßig ihr Geld.
</p>
<p>
<b>SunshineReggae:</b> Sie haben den Pläne<br />
des Arbeitsministeriums begrüßt, den deutschen Arbeitsmarkt<br />
für EU-Bürger bereits vor 2009 zu öffnen. Was planen<br />
Sie zu tun, damit dieses Thema nicht im Sand verläuft?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Sie können sicher<br />
sein: Wir bleiben dran! Die Pläne der Bundesregierung sind<br />
bereits eine erste Antwort auf unser Drängen &#8211; aber auch auf<br />
die Daten und Fakten, die wir liefern.<br />
Angesichts der positiven Erfahrungen vieler unserer Nachbarn und<br />
angesichts unserer demographischen Situation gibt es zu offenen<br />
Grenzen für Fach- und Führungskräfte aus aller Welt<br />
keine Alternative.
</p>
<p>
<b>hert:</b> Mit welchen Zahlen würden sie den Mangel<br />
an Fachkräften aktuell beziffern? Ist dieser Bereich akut kritisch<br />
zu bewerten? Warum?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Die Anzahl der Arbeitsplätze<br />
ist nicht fix. Je schneller wir die Fachkräftelücke schließen<br />
könnten, desto schneller könnten die Unternehmen ihre<br />
Aufträge hier in Deutschland abarbeiten. Desto mehr könnte<br />
Deutschland vom weltweiten Boom profitieren. Desto mehr Arbeitsplätze<br />
würden entstehen. Wir haben in Bayern eine Umfrage gemacht,<br />
die zeigt, dass je internationaler Unternehmen agieren, desto größer<br />
der Prozentsatz der Unternehmen ist, die freie Stellen nicht mehr<br />
besetzen können. Allein für Bayern schätzen wir auf<br />
Basis dieser Umfrage den akuten Fachkräftemangel auf 24.000.<br />
In diesem Jahr haben 980.000 Jugendliche die Schulen verlassen &#8211;<br />
nur 800.000 Kinder sind eingeschult worden. Da kommt noch einiges<br />
auf uns zu!
</p>
<p>
<b>KH:</b> In wie weit hat die Industrie es versäumt,<br />
rechtzeitig adäquate Ausbildungsgänge (zum Beispiel Studium<br />
inklusive Ausbildung) anzubieten, um einem drohenden Fachkräftemangel<br />
zu begegnen?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Die Ursachen für den Fachkräftemangel<br />
sind leider sehr vielfältig. Wenn ich meine eigenen Erfahrungen<br />
und die Erfahrungen meiner Kinder zugrunde lege, drängt sich<br />
mir der Eindruck auf, dass gerade die Schulen vor technischen und<br />
naturwissenschaftlichen Fächern eher abschrecken, als die Jugendlichen<br />
dazu zu motivieren. Die Wirtschaft wirbt seit Jahren für mehr<br />
Fachkräfte, aber Eines ist auch völlig unbestritten: In<br />
den hinter uns liegenden schlechten Jahren mussten viele Unternehmen<br />
Arbeitsplätze abbauen, um selbst zu überleben. Das hinterlässt<br />
seine Spuren. Umso wichtiger ist, dass jetzt die Politik und wir<br />
alle dran bleiben, die endlich wieder positive wirtschaftliche Entwicklung<br />
in Deutschland und Europa zu stabilisieren.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Eine Stunde tagesschau-Chat ist schon<br />
wieder vorüber. Ein Dank an unsere User für die vielen<br />
Fragen, die wir leider nicht alle stellen konnten. Herr Wansleben,<br />
möchten Sie noch ein Schlusswort an die User richten?
</p>
<p>
<b>Martin Wansleben:</b> Auch wenn manches im ersten<br />
Blick nicht so ganz einfach erscheint, steckt in den Meisten von<br />
uns mehr als wir denken. Deshalb mein Rat: sich einbringen, jeden<br />
Tag von neuem dran bleiben und zur Aufmunterung empfehle ich &quot;Nie<br />
mehr zweite Liga&quot; (von welcher Gruppe wohl?).
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und vielen Dank an Herrn Wansleben. Das Protokoll des Chats ist<br />
in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht<br />
noch einen schönen Tag!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Green Card &#8211; Die Eckpfeiler</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/das-green-card-dossier/green_card_die_eckpfeiler-557/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jul 2000 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Green Card-Dossier]]></category>
		<category><![CDATA[Green Card]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetzgebung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Die Eckpfeiler der Green-Card-Initiative für ausländische Computerexperten stehen. 
Heiß debattiert und vielfach kritisiert, soll die Verordnung nach den 
<a href="http://www.bundesregierung.de/05/0525/index.html">Plänen der Bundesregierung</a> 
spätestens zum 1. August dieses Jahres in Kraft treten. Die Wirtschaft meldet allerdings schon 
Änderungswünsche an.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Die Eckpfeiler der Green-Card-Initiative für ausländische Computerexperten stehen.<br />
Heiß debattiert und vielfach kritisiert, soll die Verordnung nach den<br />
<a href="http://www.bundesregierung.de/05/0525/index.html">Plänen der Bundesregierung</a><br />
spätestens zum 1. August dieses Jahres in Kraft treten. Die Wirtschaft meldet allerdings schon<br />
Änderungswünsche an.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auch wenn die Rechtsgrundlage für die Green Card erst zum 1. August vorliegen wird, die Kernpunkte des<br />
Green-Card-Pakets sind festgezurrt: Maximal 20.000 ausländische IT-Spitzenkräfte können Green-Cards<br />
erhalten. Nach 10.000 erteilten Arbeitserlaubnissen soll durch ein Monitoring-Verfahren geprüft werden, ob<br />
weiterer Bedarf besteht. Die Regelung gilt für alle Computer-Spezialisten aus Nicht-EU-Staaten mit Hochschul-<br />
und Fachhochschulabschluss einschließlich Bachelor und Master. Die Beschäftigungsdauer ist zunächst auf<br />
drei Jahre befristet, kann danach aber um bis zu zwei weitere Jahre auf insgesamt maximal fünf Jahre<br />
verlängert werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Am 2. Mai wird die Bundesregierung mit den Chefs der großen deutschen Informationstechnik-Unternehmen,<br />
zusammengeschlossen in der <a href="http://www.initiatived21.de/">&quot;Initiative D21&quot;</a>, und dem Präsidenten<br />
der Bundesanstalt für Arbeit<br />
(<a href="http://www.arbeitsamt.de/hst/index.html">BA</a>), Bernhard Jagoda, die Umsetzung der<br />
Initiative besprechen. Die Wirtschaft hat bereits Änderungswünsche angemeldet. Ihr sind die Pläne<br />
zu unflexibel gestaltet. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte am 18. April in einem<br />
<a href="http://www.bda-online.de/www/bdaonline.nsf/e5d82c463bddf044c125682400315855">Interview</a><br />
des SWR, es müsse eine Regelung gefunden werden, die es ermögliche, den Bedarf sehr schnell und sehr<br />
unbürokratisch zu decken. Insbesondere die direkte Zuständigkeit der interessierten Firmen für die Rekrutierung<br />
von Arbeitnehmern sei ein wichtiges Anliegen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Besonders der letzte Punkt dürfte noch für Konflikte sorgen. Denn nach den Plänen der Bundesregierung soll<br />
zunächst die Bundesanstalt für Arbeit die konkreten Stellenangebote der Firmen sammeln. Dafür hat sie extra<br />
eine <a href="http://www.arbeitsamt.de/hst/services/it_hotline/index.html">IT-Hotline</a> eingerichtet, in die<br />
Arbeitgeber ihre Stellenangebote direkt einstellen können. Nach Prüfung der Anforderungen für diese Stellen<br />
kann die Arbeitsverwaltung aus den vorhandenen Bewerbungen Vermittlungsvorschläge an die Unternehmen<br />
machen. Bevor ausländische IT-Fachkräfte eine Zulassung erhalten, prüft die BA allerdings, ob es geeignete<br />
Bewerberinnen und Bewerber aus Deutschland und anderen EU-Mitgliedsstaaten gibt, die vorrangig zu<br />
vermitteln sind.<br />
Die Arbeitgeber möchten dieses Verfahren gerne umgehen und ihre neuen Mitarbeiter lieber<br />
persönlich im Ausland rekrutieren. &quot;Auf keinen Fall dürfen die Spezialisten nur über einen zentralisierten<br />
Kanal zugeteilt werden&quot;, forderte etwa Christoph Kannengießer, Geschäftsführer der BDA und Leiter der<br />
Abteilung Arbeitsmarkt, in der&quot;Berliner Morgenpost&quot;. Flankierende Unterstützung durch die Zentralstelle<br />
für Arbeitsvermittlung und die Außenhandelskammern sei aber sinnvoll. Entscheidend sei, dass ein<br />
Visa zügig erteilt werde, um den akuten Bedarf zu decken.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Je eher die ausländschen Fachkräfte ihre Arbeit aufnehmen können, so die Erwartung der<br />
Befürworter, desto schneller würden positive Wirkungen für den deutschen Arbeitsmarkt eintreten.<br />
Bernhard Jagoda sagte gegenüber dem Bonner General-Anzeiger, er erwarte, dass jeder der<br />
ausländischen Experten Beschäftigungsmöglichkeiten für zwei bis drei weitere Mitarbeiter eröffne.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"></span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>IT Inside</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/it_inside-558/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jul 2000 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländer]]></category>
		<category><![CDATA[Green Card]]></category>
		<category><![CDATA[IT-Branche]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
Die Welt hinter dem Gesetzesentwurf 
</p>
<p>
<b> Während die Politiker noch über eine Zuwanderungsregelung für ausländische 
Fachkräfte in der Informationstechnik-Branche nachdenken, findet die Realität 
bereits statt.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
Die Welt hinter dem Gesetzesentwurf
</p>
<p>
<b> Während die Politiker noch über eine Zuwanderungsregelung für ausländische<br />
Fachkräfte in der Informationstechnik-Branche nachdenken, findet die Realität<br />
bereits statt.</b><!--break-->
</p>
<p>
Es gibt sie nämlich schon in den hiesigen Büros von IT- und Multimediaunternehmern,<br />
die Mitarbeiter aus Nicht-EU-Ländern. Unternehmen beschreiten bereits neue<br />
Wege, um die begehrten Fachleute zu finden und Menschen am Karriereknick wittern<br />
in einer Weiterbildung die erhoffte Chance. Die Diskussion um die Green Card,<br />
zeitweise auf populistischem &quot;Wolle mer se rei`lasse&quot;-Niveau geführt, zielt<br />
jedoch an den Beteiligten und Betroffenen vorbei.
</p>
<p>
<b>Die Firma</b>
</p>
<p>
Multinationale Konzerne wie beispielsweise IBM oder SAP können vergleichsweise<br />
einfach Mitarbeiter aus ausländischen Filialen nach Deutschland holen. Kleinere<br />
Unternehmen müssen erfinderischer sein, um die starren deutschen Bestimmungen<br />
zu umlaufen. Bei bvm, einer Berliner Multimediaunternehmung, die sich erfolgreich<br />
auf die Konzeption und Gestaltung von Computerspielen konzentriert, sitzen<br />
bereits seit einigen Jahren Mitarbeiter aus Bulgarien an den Computern. Hauptsächlich<br />
sind es Studenten, die rechtlich noch vergleichsweise einfach zu beschäftigen<br />
sind. In manchem Fall mussten allerdings abenteuerliche Umwege begangen werden,<br />
um die bulgarischen Mitarbeiter zu bezahlen: &quot;Wir haben eine Zeitlang&quot; grinst<br />
Axel von Maydell, Geschäftsführer bei bvm, &quot;jede Menge Kunst in Bulgarien<br />
gekauft &#8230;&quot;
</p>
<p>
Irgendwann war jedoch klar, dass solche Praktiken auf Dauer nicht tragbar<br />
sein würden. So gründete bvm, die zur Zeit ungefähr 100 Mitarbeiter beschäftigen,<br />
kurzerhand eine Dependance in Bulgarien. Nachdem im Berliner Büro bereits<br />
einige IT-ler aus Bulgarien mit großem Erfolg tätig waren, lag es für Maydell<br />
nahe, die hier bestehenden Kontakte zu nutzen und nach Bulgarien zu expandieren.<br />
Maydell kritisiert an der Green Card-Regelung, die er auf Grund der eklatanten<br />
Unterschiede zur echten Green Card gar nicht so nennen möchte, vor allem die<br />
Bürokratisierung: &quot;Könnte man bei der Suche nach neuen Mitarbeitern frei auf<br />
dem Weltmarkt operieren, würde so eine Green Card tatsächlich helfen.&quot; Den<br />
deutschen Weg, der immer über die Bundesanstalt für Arbeit führen muss, hält<br />
er für zu langatmig und zu wenig effizient. Versäumnisse sieht er auch im<br />
bildungspolitischen Bereich. Medientechnik und Mediengestaltung sind Lehrberufe,<br />
die erst seit rund einem Jahr existieren. Viel zu spät wurden sie ins Arbeits-Leben<br />
gerufen, um der aktuellen Nachfrage zu begegnen.
</p>
<p>
Auch andere Firmen der Branche haben sich der Einfachheit halber ins nicht-europäische<br />
Ausland begeben. Ausschlaggebend sind hierbei nicht die niedrigeren Löhne,<br />
sondern die Möglichkeit relativ unbürokratisch motivierte Mitarbeiter beschäftigen<br />
zu können. WWL, ein Internet-Dienstleister mit gegenwärtig 140 offenen Stellen<br />
hat eine Niederlassung in Prag eröffnet. Bei IBM begrüßt man den Schritt hin<br />
zu einer Green Card. Christina Hinze, Pressesprecherin, betont jedoch, dass<br />
es sich um eine kurzfristige Regelung handeln sollte. &quot;Die Einführung einer<br />
Green Card bedeutet nicht, dass wir uns in Schulen und Universitäten zurücklehnen<br />
können.&quot; IBM selber, so Frau Hinze, kann seinen Bedarf an Fachkräften zur<br />
Zeit noch decken. Der Zuzug von ausländischen Fachkräften wird den Markt jedoch<br />
insgesamt stimulieren, hofft man bei IBM. Die Konkurrenz um die hochqualifizierten<br />
Arbeitnehmer ist bekanntermaßen groß.
</p>
<p>
<b>Das Amt</b>
</p>
<p>
Ähnlich sehen die Arbeitsämter die Green Card mittlerweile als Möglichkeit,<br />
den deutschen Arbeitsmarkt anzuregen. &quot;Wir begrüßen die Green Card als vorübergehende<br />
Maßname, denn es gibt nicht ausreichend studierte Fachkräfte. Ein solcher<br />
hochqualifizierter Mitarbeiter schafft unter sich gleich mehrere Stellen für<br />
deutsche IT-ler&quot; erklärt Klaus Pohl, Pressesprecher des <a href="http://www.arbeitsamt.de/hst/dienststellen/laaberlinbrandenburg/index.html"><br />
Landesarbeitsamtes Berlin/Brandenburg</a> Damit im Mittelbau auch genügend<br />
Arbeitskräfte nachwachsen, fördert das Landesarbeitsamt derzeit rund 200 Maßnahmen<br />
zur Weiterbildung, 80% der Teilnehmer, so Pohl, können danach vermittelt werden.<br />
Tatsächlich gibt es potentielle IT-Kräfte, die beim Landesarbeitsamt Berlin<br />
gemeldet sind, Ende März waren es gut 2100. Der Umschlag ist in diesem Bereich<br />
jedoch sehr hoch: Von 11 arbeitslosen Systemprogrammieren konnten 10 vermittelt<br />
werden, unter den 216 arbeitsuchenden Anwendungsprogrammieren sind noch 25<br />
ohne Job. Bei anderen Jobprofilen könne sogar mehr vermittelt werden, als<br />
gemeldet sind, meint Klaus Pohl.
</p>
<p>
<b>Die Arbeitnehmer</b>
</p>
<p>
&quot;5 Jahre deines Lebens und dann wirst du wieder heimgeschickt&quot; Boril Boschnakov<br />
aus Sofia, Bulgarien, sieht die Green Card kritisch. Der 28jährige arbeitet<br />
neben seinem Studium an der Hochschule der Künste in Berlin bei bvm. Auch<br />
sein Kollege Dimitre findet die 5 Jahres-Regelung für beide Seiten ungünstig.<br />
Davon abgesehen meint er, hat die Green Card ihren Namen nicht verdient. Beide<br />
können zwar verstehen, dass die Deutschen nach einer Regelung für die Zuwanderung<br />
suchen, aber so wie die Diskussion geführt wird, meint Dimitre, gibt sie auch<br />
Anlass für Ausländerfeindlichkeit.
</p>
<p>
Ihr argentinischer Kollege Diego ist seit 11 Jahren in Deutschland. Er ist<br />
seit letztem Jahr bei bvm als Programmierer und Projektleiter tätig. Mit der<br />
Aufenthaltsgenehmigung hat er inzwischen keine Schwierigkeiten mehr. Trotzdem<br />
begrüßt er die Diskussion um die Zuwanderung. Abgesehen von den ausländerfeindlichen<br />
Parolen, ist viel zu lange nicht über den Status hier arbeitender Ausländer<br />
gesprochen worden, meint Diego. In Berlin leben alle gerne und gerne auch<br />
noch länger. Boril, Dimitre und die Bulgarin Diana, ebenfalls neben ihrem<br />
Studium bei bvm beschäftigt, erleben Deutschland als aufregenden Arbeitsplatz.<br />
In Bulgarien existieren Studiengänge wie Multi-Media Design oder Visuelle<br />
Kommunikation nicht. Dort, so erzählen sie, bringen sich die Leute die Sachen<br />
selber bei. Umso mehr können sie hier -nicht nur an der Uni- lernen. Alle<br />
vier haben nichts dagegen in Deutschland zu bleiben. &quot;Allerdings, fügt Dimitre<br />
hinzu, fühlt sich die deutsche Bürokratie manchmal feindselig an &#8230;&quot;
</p>
<p>
<b>Der Weiterbilder</b>
</p>
<p>
Frank Ringwald von der CIMdata GmbH für Weiterbildung sieht der Green Card<br />
gelassen entgegen. Seinen Schüler, so glaubt er, werde durch den Zuzug von<br />
Fachkräften aus dem Ausland nicht das Wasser abgegraben: &quot;Ich denke nicht,<br />
dass der Bedarf an Arbeitskräften durch die Green Card auch nur ansatzweise<br />
gedeckt werden kann. Daher sehe ich auch keine Konkurrenz für unsere Teilnehmer&quot;.<br />
Auch hier herrscht also die Hoffnung vor, der Markt werde durch den Zuzug<br />
stimuliert.
</p>
<p>
Bei CIMdata, einem der größten privaten Weiterbilder in Berlin werden Hochschulabsolventen,<br />
oftmals mit geisteswissenschaftlichen Abschlüssen, in den Bereichen Multimedia,<br />
Informatik und Maschinenbau fit gemacht. Aber auch Drucker oder Fotografen<br />
können hier den Sprung in die neuen Berufsfelder vorbereiten. Über mangelnde<br />
Nachfrage jedenfalls kann sich Herr Ringwald nicht beklagen. Und da die klassischen<br />
deutschen Bildungsinstitutionen meist nur langsam dem Trend hinterher stolpern,<br />
wird die Weiterbildung im IT-Bereich nach dem Motto &quot;lebenslanges Lernen&quot;<br />
auch weiterhin aktuell bleiben. Die Chancen nach einer ca. einjährigen Weiterbildung<br />
auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein, sind nach Aussage von Frank Ringwald,<br />
gut. Die Green Card wird letztlich überbewertet: &quot;Laut meinem Informationsstand<br />
werden ohnehin schon Spezialisten im Ausland akquiriert, so dass diese ganze<br />
Green Card-Aktion im Grunde eine Vereinfachung einer ohnehin schon herrschenden<br />
Praxis ist.&quot;
</p>
<p>
Angesichts der allgemeinen Gelassenheit, mit der offizielle Stellen, Betriebe<br />
und auch Arbeitnehmer der Grünen Karte begegnen, werden die Panik-Parolen<br />
vom Rhein noch peinlicher als sie es ohnehin schon sind. Viel Lärm um eine<br />
Notwenigkeit, um eine Selbstverständlichkeit. Es bleibt nun abzuwarten, ob<br />
sie auch wirklich kommen werden, die Software-Maharadschas und IT-Zaren.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Inder für Kinder&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/das-green-card-dossier/inder_fuer_kinder-560/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/das-green-card-dossier/inder_fuer_kinder-560/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jul 2000 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Green Card-Dossier]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländer]]></category>
		<category><![CDATA[Green Card]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Eike Hebecker]]></category>
		<category><![CDATA[Generationenvertrag]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/inder_fuer_kinder-560/</guid>

					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>Ein Gespräch mit <a href="http://www.politik-digital.de/politikdigital/team/ehebecker.shtml">
Eike Hebecker</a>, Politikwissenschaftler und Experte für Bildung und Neue Medien, über die 
gesellschaftspolitischen Hintergründe der Green-Card</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Ein Gespräch mit <a href="http://www.politik-digital.de/politikdigital/team/ehebecker.shtml"><br />
Eike Hebecker</a>, Politikwissenschaftler und Experte für Bildung und Neue Medien, über die<br />
gesellschaftspolitischen Hintergründe der Green-Card</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Herr Hebecker, das Wort des NRW-Spitzenkandidaten der CDU Jürgen Rüttger<br />
von &quot;Kindern und Indern&quot;, das mittlerweile in aller Munde war, wurde sicher auch im Hinblick auf den<br />
Stimmenfang für die Wahl in NRW gesprochen. Wie ist so eine Formel wahlkampfpolitisch einzuordnen??</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Eike Hebecker</b>: Die Zuspitzung  des Sachverhalts auf eine popularisierbare Formel ist<br />
sicherlich auf die Wahlkampfsituation und die Fixierung der CDU auf ihre<br />
Kampagnenfähigkeit zurückzuführen, die sie gegenwärtig als vielversprechende<br />
(siehe Hessen) &#8211; aber auch als die einzige realisierbare &#8211; Erfolgsstrategie<br />
favorisiert. Diese Festlegung ist mit der Qualifizierung des Themas zu einer<br />
Kampagne getroffen und in der Dramaturgie des Wahlkampfes nicht mehr zu<br />
revidieren, auch wenn die Ressentiments gegen Ausländer, mit denen hier<br />
fraglos operiert wird, innerhalb der eigenen Partei und von prominenter<br />
Position in der Wirtschaft kritisiert werden. Darüber hinaus schlägt sich<br />
die Kampagne auch nicht in der Stimmung der Bevölkerung und den<br />
Umfrageergebnissen nieder, was in einem Bundesland wie Nordrhein-Westfalen,<br />
das auf eine erfolgreiche Integration von ausländischen Mitbürgern<br />
zurückblicken kann, auch nicht verwundert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Die schlichte Parole &quot;Kinder statt Inder&quot; hat weit über die NRW-Wahl hinaus<br />
eine regelrechte Lawine ausgelöst?<br />
Welcher Nerv wurde hier getroffen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Eike Hebecker</b>: Hinter der verkürzten Formel verbergen sich in der Tat zentrale<br />
gesellschaftspolitische Dimensionen, deren Problematik sich durch den Ausspruch Rüttgers<br />
neu konkretisierten. Die Äußerung tangiert inhaltlich die Themen der Revision der Einwanderungspolitik,<br />
die Reform des Bildungssystems sowie die Frage der Generationengerechtigkeit im Hinblick auf eine<br />
zukünftige Lastenverteilung. Allesamt hochsensible und tabuisierte Politikfelder, von denen<br />
bekannt ist, dass sie für keine populären, pauschalen und spontanen Lösungen<br />
empfänglich sind. Ein Politiker, der dies wider besseren Wissens suggeriert<br />
und propagiert, kann schnell seine Glaubwürdigkeit verlieren, zumal wenn er<br />
als ehemaliger Zukunftsminister eher als ein Teil des Problems, als ein Teil<br />
der Lösung identifizierbar ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Vom Rüttger´schen &quot;mauvais-mot&quot; zum Auslöser: der Green Card. Inwiefern ist diese Initiative als<br />
veränderte Haltung bei der Einwanderungspolitik zu sehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Eike Hebecker</b>: Die Debatte um die Zuwanderung hat in dem Sinn<br />
ja der Bundeskanzler angestossen, indem er eine Greencard-Regelung für die fehlenden<br />
hochqualifizierten Arbeitskräfte in der<br />
IT-Branche angeregt hat. Dass diese punktuelle wirtschaftspolitische<br />
Intervention nicht zu begrenzen sein würde, war vorauszusehen und zeigte<br />
sich nicht nur an der Ausweitung dieser Option auf andere Berufsgruppen wie<br />
das Hotel- und Gaststättengewerbe oder Spargelpflücker, sondern vor allem an<br />
der einsetzenden Diskussion um eine neue Einwanderungspolitik, die es<br />
erlaubt, die Zuwanderung an den ökonomischen Bedürfnissen der Bundesrepublik<br />
zu orientieren. Dazu gehört natürlich ein Bekenntnis zu der Tatsache, dass<br />
Deutschland ein Einwanderungsland ist und Einwanderung braucht, was bisher<br />
ja insbesondere von der CDU/CSU vehement bestritten worden ist und auch in<br />
der gegenwärtigen Diskussion zu einer polemischen und unsachlichen<br />
Vermischung von Einwanderung und Asyl geführt hat. Darüber, ob der Kanzler<br />
hier mit strategischem Kalkül gehandelt und einen Test-Ballon gestartet hat,<br />
lässt sich nur spekulieren. Das Zögern, eine entsprechende<br />
Gesetzgebungsinitiative zu starten, spricht jedenfalls dagegen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Eine weitere gesellschaftspolitische Dimension, die das Thema<br />
Green Card berührt ist Ihrer Meinung nach die Generationengerechtigkeit.<br />
Kommt der Generationenvertrag durch die mangelhaften Investitionen in die Bildungspolitik ins Wanken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Eike Hebecker</b>: Jürgen Rüttgers hat das Thema mit seiner Formel von den<br />
&quot;Kindern statt Indern&quot; ganz konkret auf die Bildungspolitik gelenkt. Für Kinder und Jugendliche jetzt aus<br />
wahltaktischen Gründen eine besserer Ausbildung, die notwendigen technischen<br />
Ausstattungen in den Schulen und die zukünftigen Jobs zu fordern, erscheint<br />
angesichts der Tatsache, dass sie als Bevölkerungsgruppe durch die<br />
Sparzwänge im Bildungsbereich und Jugendarbeitslosigkeit bisher in doppelter<br />
Hinsicht benachteiligt waren sogar zynisch. Die soziodemographische<br />
Situation beginnt sich jedoch spürbar zu verschieben. Die Arbeitslosigkeit<br />
wird momentan vor allem durch die Überalterung der Arbeitslosen abgebaut und<br />
in Zukunft werden immer mehr Branchen Probleme haben, genügend Arbeitskräfte<br />
zu finden. Aus dieser Perspektive wird deutlich, dass wir Kinder und &quot;Inder&quot;<br />
also Einwanderung brauchen, um die demographische Schieflage zu<br />
korrigieren. Bei der Erwirtschaftung der Kosten und der Verteilung der<br />
Lasten unserer sozialen Sicherungssysteme werden &quot;Kinder und Inder&quot; quasi zu<br />
Verbündeten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Der Generationenvertrag ist gefährdet, weil eine adäquate Ausbildungssituation,<br />
die es ermöglichen würde, den zukünftigen Bedürfnissen des Arbeitsmarktes und damit<br />
des Rentensystems zu begegnen, von den Verantwortlichen nicht geschaffen wurde.<br />
Warum hat die Bildungspolitik nicht früher reagiert?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Eike Hebecker</b>: Zunächst einmal ist festzustellen, dass die gegenwärtigen Defizite in der<br />
Bildung und Ausbildung voraussehbar waren und von daher hausgemacht sind.<br />
Dies ist nicht nur auf fehlende finanzielle Mittel zurückzuführen, sondern<br />
hängt maßgeblich mit den strukturellen Problemen des Bildungs- und<br />
Ausbildungssystems zusammen, die es nicht erlauben, flexibel auf die<br />
gesellschaftlichen und vor allem die arbeitsmarktbezogenen Anforderungen zu<br />
reagieren, die mit der rasanten medientechnologischen Entwicklung der<br />
letzten Jahre verbunden sind.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Wo genau sehen sie die Schwachpunkte der Bildungspolitik<br />
auf den IT-Bereich bezogen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Eike Hebecker</b>: Überalterte Kollegien an den Schulen, die mit<br />
den dort platzierten Netzrechnern nichts anfangen können und sich in<br />
pädagogischen Grabenkämpfen den Neuerungen verweigern. Überforderte<br />
Universitäten, in deren Studienplänen für die Lehrerausbildung Neue Medien<br />
nicht vorkommen oder deren Informatikfakultäten vielleicht gerade<br />
geschlossen worden sind und 16 Bundesländer, die sich in ihrer<br />
bildungspolitischen Zuständigkeit mit mindestens 16 verschiedenen Konzepten<br />
profilieren wollen. In Hessen wird beispielsweise gegenwärtig ein<br />
Wahlversprechen eingelöst, indem 2000 neue Lehrer eingestellt werden, für 20<br />
000 neue Computer, die ebenfalls benötig werden ist aber kein Geld mehr<br />
verfügbar. Dafür, dass eventuell 10 000 Computer und 1000 Lehrer, die damit<br />
umgehen können eine bessere Investition mit synergetischen Effekten<br />
darstellen könnte, fehlt das politische Vorstellungsvermögen. Diese<br />
Beispiele sind sicherlich nicht repräsentativ aber symptomatisch für die<br />
gegenwärtige Situation. Andererseits hatte Bundespräsident Herzog vor<br />
mittlerweile drei Jahren mit seiner &quot;Ruck-Rede&quot; auf den bildungspolitischen<br />
Handlungsbedarf aufmerksam gemacht und die Initiative &quot;Schulen ans Netz<br />
arbeitet sogar schon seit 1996 an ihrem Ziel, alle Schulen mit mindestens<br />
einem internetfähigen Rechner auszustatten. Obwohl hier mit einem Konzept<br />
der public private partnership, das die Wirtschaft einbindet, der richtige<br />
Weg eingeschlagen wurde, zeigt sich heute, dass noch mehr hätte getan werden<br />
können und müssen. Die gegenwärtige Bundesregierung dürfte im Grunde<br />
genommen überhaupt nicht mehr vor dem Problem stehen, das Thema Neue Medien<br />
und Bildung erneut zur Chefsache machen müssen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Wacht die Politik noch rechtzeitig auf? Was muss passieren,<br />
damit die wirtschaftliche und soziale Sicherung in Deutschland gefestigt wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Eike Hebecker</b>: Die mit der Green Card indirekt thematisierten Politikfelder<br />
Einwanderungspolitik, Generationengerechtigkeit und Bildungspolitik müssen jetzt<br />
gleichermaßen Beachtung finden.<br />
Dass im Bundesministerium für Bildung und Forschung gegenwärtig über ein<br />
2 Milliarden Sonderprogramm zur Medienbildung nachgedacht wird, stimmt hoffnungsvoll ebenso wie die<br />
Idee, einen Teil der Sondereinnahmen aus der Versteigerung von<br />
Mobilfunklizenzen in dieser Hinsicht Zweck zu binden. Die Chancen für ein<br />
Umdenken und Umlenken stehen jedenfalls nicht schlecht. In den kommenden 10<br />
Jahren werden 60 Prozent des Lehrpersonals an den Schulen ausgetauscht. Die<br />
neuen Pädagogen werden gegenwärtig an den Hochschulen ausgebildet und müssen<br />
quer durch alle Fächer mit den Optionen der Neuen Medien vertraut gemacht<br />
werden, wenn das gegenwärtige Defizit mittelfristig aus eigener Kraft<br />
kompensiert werden soll. Vielleicht sind die vielbeschworenen Inder an<br />
Universitäten sogar besser platziert als in den Unternehmen, sie sprechen<br />
englisch und können programmieren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital</span></b>: Vielen Dank für das Gespräch.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Über den Tellerrand hinaus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jul 2000 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Green Card-Dossier]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Green Card]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Belgien]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Green Card im europäischen Vergleich
</span>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
</b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Die Diskussion um die Einführung einer Green Card für IT-ler schlägt hierzulande hohe Wogen,
die naturgemäß über den deutschen Tellerrand hinaus schwappen. Ist der Mangel an IT-Fachkräften
ein deutsches Problem?
Diskutieren auch andere EU-Mitglieder über die begrenzte Zuwanderung von Spezialisten?
Und wie sieht es eigentlich mit dem innereuropäischen Austausch von Arbeitskräften in diesem Berufsfeld aus?</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Green Card im europäischen Vergleich<br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
</b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Die Diskussion um die Einführung einer Green Card für IT-ler schlägt hierzulande hohe Wogen,<br />
die naturgemäß über den deutschen Tellerrand hinaus schwappen. Ist der Mangel an IT-Fachkräften<br />
ein deutsches Problem?<br />
Diskutieren auch andere EU-Mitglieder über die begrenzte Zuwanderung von Spezialisten?<br />
Und wie sieht es eigentlich mit dem innereuropäischen Austausch von Arbeitskräften in diesem Berufsfeld aus?</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein Rundblick über die europäischen Arbeitsmärkte zeigt: die Situation der verschiedenen EU-Staaten ist<br />
vergleichbar, vergleichbar ungleich: Arbeitslose auf der einen, offene Stellen auf der anderen Seite.<br />
Auch die Methoden, mit denen diesem Arbeitskräftemangel in bestimmten Branchen begegnet wird,<br />
ähneln sich. Und die deutschen Überlegungen zur Green Card sind gar nicht so bahnbrechend &#8230;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">15 Millionen Menschen in Europa haben keine Arbeit, Die<br />
Arbeitslosenquote liegt noch immer bei knapp unter 9 Prozent. Und doch<br />
suchen manche Branchen händeringend neue Mitarbeiter. Innerhalb eines nationalen Marktes ist die<br />
Ware Arbeitskraft unterschiedlich begehrt. Alte Arbeitsplatzgaranten, wie Banken oder Textilproduzenten<br />
bauen ständig Arbeitsplätze ab und im Gegensatz  boomt die High- Tech-Branche. In Deutschland fehlen<br />
nach Angaben der Industrie sogar 75tausend<br />
Fachkräfte. Aber Deutschland steht mit seinem IT-Problem nicht alleine da.<br />
Wie Radio E in einer Sendung zu diesem Thema berichtete, könnte das Thema regulierte Einwanderung<br />
auch in Frankreich bald auf der politischen Agenda stehen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> Im Westen was Neues: Frankreich</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auch dort bleiben viele Arbeitsplätze trotz hoher Arbeitslosenzahlen unbesetzt.<br />
So stand vor einigen Tagen in einer Pariser Tageszeitung &quot;60.000 Arbeitsplätze sofort zu besetzten.&quot;<br />
Auch hier hat der High-Tech-Bereich in Sachen offene Stellen die Nase vorn. Staat und Arbeitgeber schieben<br />
sich gegenseitig die Schuld zu: schlechte<br />
Arbeitsbedingungen sagen die einen, mangelnde Qualifikation die anderen. Die<br />
französische Arbeitsministerin, Martine Aubry, hat 9 Millionen Francs locker<br />
gemacht, um dieses Problem zu lösen. Eine Kampagne soll den jungen Leuten<br />
die Jobs schmackhaft machen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eine erste rechtliche Erleichterung für die Rekrutierung von Fachkräften für die IT-Branche hat man in Frankreich<br />
bereits 1998 geschaffen. Jede Firma, die einen nicht-europäischen Spezialisten ins Land holen möchte,<br />
muss einen Antrag beim Arbeitsamts des Departements einreichen, dem der Arbeitsvertrag beiliegt.<br />
Nach einer Prüfung der Qualifikation des potentiellen Arbeitnehmers und der Höhe des Gehaltes erhält das<br />
Unternehmen den geprüften Vertrag zurück mit der Genehmigung für den zukünftigen Arbeitnehmern ein Visum<br />
und die Arbeitserlaubnis zu beantragen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Nicht hinterm Berg: Österreich</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In Österreich hat sich der<br />
Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten etwas beruhigt, die<br />
Arbeitslosenquote ist<br />
im Vergleich zum Vorjahr (8,2%) deutlich gesunken (7,3%). Was aber<br />
gleichzeitig besonders zutage tritt, ist der<br />
Mangel an heimischen Facharbeitskräften, in manchen Branchen werden<br />
bereits die Lehrlinge knapp.<br />
Eingerechnet sind in die Statistik aber auch jene Job-Suchenden, die<br />
sich derzeit in Schulung befinden.<br />
Diese scheinen deshalb nicht als arbeitslos auf. Herbert Buchinger,<br />
Chef des Österreichischen Arbeitsmarktservice sagte hierzu in einem<br />
Interview mit Radio Österreich International, dass der Rückgang der<br />
Arbeitslosigkeit in Österreich eng mit dem Ausbau der aktiven<br />
Arbeitsmarktpolitik zusammenhängen. Der Mangel an Hochqualifizierten<br />
IT-Kräften ist aber auch in Österreich ein Problem. Bisher bemüht man<br />
sich hier vorallem um den Nachwuchs unterhalb des Hochschulniveaus.<br />
Laut Buchinger wird über eine Green Card in Österreich derzeit nicht<br />
nachgedacht: &quot;Ich würde sagen, das ist nicht notwendig, weil in den<br />
Fällen, wo es um die IT-Spezialisten geht, haben wir es relativ<br />
großzügig verglichen mit anderen Berufen bei den<br />
Beschäftigungsbewilligungen. Hier ist der Markt ja ohnehin offen.&quot;<br />
In einer sogenannten Niederlassungsverordnung werden in regelmäßigen<br />
Abständen Verteilschlüssel publiziert,<br />
in denen die Zuzugsquote von Nicht-EU-Arbeitnehmern nach Berufsgruppen<br />
festgelegt sind. Berufe der<br />
Informationstechnologie sind hier mit besonders hohen Schlüsseln<br />
versehen, dass heisst, es ist für<br />
Unternehmen relativ leicht eine Arbeitsbewilligung für neue Mitarbeiter<br />
zu erhalten. Nach dem Antrag<br />
beim &quot;Arbeitsmarktservice&quot; erhält der neue Arbeitnehmer eine<br />
Beschäftigungsbewilligung, die nach einem Jahr<br />
in eine Arbeitserlaubnis übergeht. Wie die österreichische<br />
Handelskammer mitteilte, wird der Verteilerschlüssel<br />
für IT-Berufe derzeit nicht ausgeschöpft.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Gespalten: Belgien</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In Belgien stehen sich Arbeitslosigkeit und Arbeitskräftemangel<br />
besonders krass gegenüber: Während in der französischsprachigen<br />
Wallonie weit mehr Menschen als im EU-Durchschnitt Arbeit suchen,<br />
sorgt die boomende Wirtschaft in Flandern für Engpässe auf dem<br />
Arbeitsmarkt. Und wieder stöhnen auch hier die Unternehmen: Wo sind<br />
die Facharbeiter und Informatiker? Allerdings hat Belgien schon lange eine pragmatische Lösung für den<br />
begrenzten Zuzug von hochqualifizierten Arbeitskräften gefunden. Wenn ein Arbeitgeber beweist,<br />
dass er eine offene Stelle nicht mit Belgiern oder EU-Bürgern besetzen kann, hat er die Möglichkeit<br />
den passenden Arbeitnehmer auch im nicht-europäischen Ausland zu suchen. Nach einer zunächst<br />
auf ein Jahr begrenzten Arbeitserlaubnis ist die Aufenthaltsgenehmigung bei Bedarf unbegrenzt verlängerbar.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Reif für die Insel: Großbritanien</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Arbeitnehmer aller Länder &#8211; Qualifiziert Euch! Doch diese<br />
Lieblingslosung des neuen Labour-Exlinken Tony Blair hat ihre Tücken.<br />
Vor allem wenn ihr massenhaft gefolgt wird. Denn: Was soll eine<br />
Sekretärin mit Uni-Abschluss? Und im Umkehrschluss: Wer will noch als<br />
Aushilfe auf dem Bau schuften, wenn er den Facharbeiterschein in der<br />
Tasche hat? Arbeitnehmer qualifiziert euch, aber bitte nicht alle und<br />
nicht zu sehr und vor allem nicht in den falschen, weil momentan nicht<br />
so sehr angesagten Bereichen. Denn: auch in Großbritanien grassiert der Expertenmagel im IT-Bereich.<br />
Deshalb arbeitet man in England derzeit auch an einem &quot;Review&quot; der entsprechenden Gesetze,<br />
um den Zuzug von Spezialisten zu erleichtern. Zurzeit genügt bereits ein Antrag der Firma, die<br />
einen Arbeitnehmer aus dem Nicht-europäischen Ausland beschäftigen will, der nach einer<br />
Prüfung zur befristeten Arbeitserlaubnis führt. Bei IT-Berufen, so erklärt die Rechtsexpertin<br />
der britischen Botschaft, Frau Green, prüft man zu Zeit entsprechend des Bedarfs sehr großzügig.<br />
Ungefähr 15.000 IT-Fachleute holt man so zur Zeit jährlich auf die Insel.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Gemeinschaft mit Hindernissen: Europa</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die europäischen Zeichen der Zeit stehen allgemein auf Zuwanderung von hochqualifizierten Spezialisten.<br />
Den Anschluss an den Boom der IT-Branche will niemand verpassen. Die rechtlichen Bedingungen ähneln sich.<br />
Deutschland ist mit seinen Überlegungen,<br />
den Zuzug von Informatikern zu erleichtern, keineswegs der Vorreiter im europäischen Vergleich. Im Gegenteil,<br />
wie der kurze Blick über den Tellerrand zeigt, haben unsere Nachbarn schon länger gesetzlich die Möglichkeit<br />
flexibel auf die Nachfrage zu reagieren, ohne dass gleich die amerikanische Green Card zitiert wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Innerhalb Europas ist der Austausch von Arbeitskräften kein Problem. Theoretisch jedenfalls.<br />
Der Maastrichter Vertrag hat die erweiterte Freizügigkeit für EU-Bürger innerhalb der Gemeinschaft<br />
festgeschrieben. Trotzdem machten Mitte der 90er Jahre nur klägliche 1,5% der Europäer von diesem<br />
Recht Gebrauch. Barbara Weiler, Europaabgeordnete, sieht die Festschreibung der Mobilität als<br />
mögliches Korrektiv bei Arbeitskräftemangel. Allerdings wird trotz rosiger gesetzlicher Lage die<br />
echte Freizügigkeit zur Geduldsprobe: unterschiedliche Akzeptanz von Berufsabschlüssen,<br />
erschwerte Aufenthaltsbedingungen für nicht Erwerbstätige, schlechte Zusammenarbeit der<br />
europäischen Stellen und mangelnde Kenntnisse des Gemeinschaftsrechts bei lokalen<br />
Stellen sind einige der Stolpersteine für potentielle &quot;Wanderarbeiter&quot;.<br />
Der Ruf fast aller EU-Mitgliedstaaten nach mehr IT-Profis legt allerdings die Vermutung nahe,<br />
dass auch die Erledigung der &quot;europäischen Hausaufgaben&quot; in Sachen Freizügigkeit die Situation<br />
auf den nationalen IT-Märkten nicht verändern würde. In diesem Fall muss wohl die ganze EU über den<br />
Tellerrand hinaus blicken &#8230;<br />
</span></p>
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