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	<title>Fact Checking &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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		<title>Umgang mit Fake News: Informationsfreiheit vs. Bullshit-Faktor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Erle]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2019 14:52:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Sie sind die Wunderwaffe der politischen Diskussion im Internet-Zeitalter. Gezielte Falschmeldungen, in tendenziös gestalteten Portalen veröffentlicht und über die sozialen Medien verbreitet. Viele Phänomene der letzten Jahre lassen sich durch Fake News erklären, oder wurden dadurch unterstützt: die Anti-Vaxxer-Bewegung, der Brexit, die Wahl des US-Präsidenten oder der Aufstieg der AfD.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<p>Doch wieso haben Falschnachrichten eine so starke Wirkung? Das Internet als Recherchequelle macht es einfacher denn je, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Die aktuelle Entwicklung scheint den entgegenzulaufen. Die Kommunikations- und Medienwirkungsforschung hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Rätsel zu lösen. Ergebnisse aus der Psychologie und der Beobachtung von Fake-News-Strategien rechtsradikaler Akteure werfen nun neues Licht auf die Wirkungsweise der Fake News.</p>
<h3>Der Bullshit-Rezeptor</h3>
<p>Es gibt ein Persönlichkeitsmerkmal, das in der Psychologie gerne mit der Empfänglichkeit für Fake News assoziiert wird: die sogenannte “pseudo-profound bullshit receptivity”. Dieser Wert gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Mensch <a href="http://journal.sjdm.org/15/15923a/jdm15923a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">einer zufällig generierten Wortfolge einen Sinn</a> zuschreibt (Beispiele finden sich <a href="http://wisdomofchopra.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> und <a href="http://sebpearce.com/bullshit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>). Es wird angenommen, dass das menschliche Vermögen zur Mustererkennung hier eine Rolle spielt. In der Tat zeigt sich auch jenseits der Sprache, dass Menschen mit hoher Bullshit-Affinität in zufällig generierten Bildern <a href="http://journal.sjdm.org/18/181212a/jdm181212a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Muster entdecken</a>. Die Anfälligkeit für Bullshit ist also nicht nur ein Zeichen mangelnder Medienkompetenz oder Intelligenz. Im Gegenteil: es ist die Kombination eines starken Talentes zur Mustererkennung, allerdings ohne die Fähigkeit, falsch positive Ergebnisse auszuschließen.</p>
<p>Ein Team von Wissenschaftler der University of Regina und des MIT <a href="https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3023545" target="_blank" rel="noopener noreferrer">haben nun untersucht</a>, welcher Zusammenhang zwischen der Empfänglichkeit für Bullshit und für Fake News besteht. Die Ergebnisse legen nahe, dass vor allem Menschen mit hoher Bullshit-Affinität Fake News Glauben schenken und sie weiterverbreiten:</p>
<p>Wer zufällig generierten Wortfolgen mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Sinn zuschreibt,</p>
<ul>
<li>glaubt auch häufiger Fake News.</li>
<li>ist weniger gut in der Lage, Fake News und korrekte Nachrichten zu unterscheiden.</li>
<li>ist eher bereit, News-Inhalte zu teilen (gleich ob Fake oder korrekt)</li>
<li>(und, so <a href="https://www.psypost.org/2018/08/people-who-are-more-receptive-to-pseudo-profound-bullshit-are-less-likely-to-donate-to-charity-51970" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eine andere Studie</a>: ist weniger wohltätig)</li>
</ul>
<h3>Die Psychologie der Fake News</h3>
<p>Welche anderen Erkenntnisse zur Psychologie der Fake News gibt es noch?</p>
<ul>
<li>Menschen, die ihren eigenen Wissensstand überschätzen, glauben häufiger Fake News.</li>
<li>Wer besser in der Lage ist, kritisch zu denken, glaubt seltener Fake News.</li>
<li>Wiederholtes Lesen einer Fake-News-Schlagzeile erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man sie für glaubhaft hält (das Gleiche gilt auch für korrekten Nachrichten, und sogar dann, wenn man sich nicht an das erste Lesen erinnert.)</li>
</ul>
<p>Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die Anfälligkeit für Fake News weniger von deren Übereinstimmung mit den eigenen politischen Ansichten zusammenhängt, als mit einem Mangel an kritischem Denken: wer besser bei Tests zum kritischen Denken abschneidet, glaubt mit geringerer Wahrscheinlichkeit auch solche Fake News, die seine Weltanschauung bestätigen.</p>
<h3>Die Funktionsweise von Fake News</h3>
<p>Es ist wenig überraschend, dass die Verbreiter von Fake News die oben genannten Mechanismen gezielt ausnutzen. Erfolgreiche Fake News Kampagnen sind auf die oben erwähnten psychologischen Effekte zugeschnitten. Medienforscher identifizieren dabei folgende Taktiken:</p>
<ul>
<li>Psychologisch: Wiederholung. Das beständige Wiederholen der immer gleichen Botschaften, egal wie oft sie unwidersprochen widerlegt wurden.</li>
<li>Technisch: Algorithmische Effekte (Trending Topics) durch Koordination. Funktionen wie “<a href="https://t3n.de/news/social-media-trending-topics-twitter-entstehen-300592/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Trending Topics</a>” führen dazu, dass durch die kurzfristige Häufung von Nachrichten zu einem Thema dieses von den Algorithmen der sozialen Netzwerke aktiv weiter verbreitet wird. So sollen etwa Anhänger der AfD <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-neue-rechte-im-internet-debatten-beeinflussen-mit-fake.1264.de.html?dram:article_id=445051" target="_blank" rel="noopener noreferrer">generalstabsmäßig Kampagnen</a> planen, um ihre Themen in die Öffentlichkeit zu heben.</li>
<li>Bots: Ein Werkzeug sowohl zur Wiederholung als auch zur Koordination.</li>
<li>Emotionalisierung gegen Reflexion: Emotionen behindern das kritische Denken kurzfristig. Lange genug, dass ein User ein Fake-News-Posting teilt. Dies wird auch durch den Einsatz von Bildern unterstützt: Bilder sind ein höchst effektives Werkzeug der Emotionalisierung und leicht zu fälschen. Zudem sind die Algorithmen der sozialen Netzwerke so programmiert, dass sie Bilder bei der Verbreitung bevorzugen.</li>
</ul>
<h3>Der Umgang mit Fake News</h3>
<p>Wie kann man dem Problem der Fake News begegnen? Sowohl staatliche als auch privatrechtliche Akteure und natürlich die Anwender selber haben verschiedene Optionen. Zensurgesetze sind in autoritären Staaten beliebt (und mit dem NetzDG haben sie auch in Deutschland einen kleinen Bruder bekommen). Die <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-18-6648_de.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EU hat sich bisher zu einem weniger aggressiven Vorgehen entschlossen</a> und setzt auf Koordination, Aufklärung und eine Selbstverpflichtung der Plattformbetreiber. Diese unternehmen mittlerweile zunehmend <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/fake-news-113.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schritte gegen Fake News</a> &#8211; auch, weil sie befürchten selber unter das Presserecht gestellt zu werden, und damit <a href="https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/massnahmen-gegen-fake-news-facebook-soll-fuer-falschmeldungen-haften/14986148.html?ticket=ST-201623-4QgyWbbL9AWdcsd3p1sa-ap1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">für Falschinformationen haftbar</a> gemacht zu werden. Dies wäre eine parallele Entwicklung wie die zum Urheberrecht, wo den Plattformbetreibern Strafen drohen, wenn sie zulassen, dass geschützte Inhalte unlizenziert auf ihren Plattformen stehen.</p>
<p>Eine der vielversprechendsten Maßnahmen ist der Einsatz von Fact Checkern. Die <a href="https://meedia.de/2019/03/18/kampf-gegen-fake-news-die-dpa-wird-zweiter-deutscher-faktenpruefer-bei-facebook/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dpa hat jüngst von Facebook das Mandat erhalten</a>, als zweiter Fact Checker in Deutschland Falschnachrichten als solche auszuweisen.</p>
<p>Schließlich haben die User der sozialen Netzwerke die Möglichkeit, durch Protest und Boykott Schritte der Plattformen zu erzwingen. Viele der Maßnahmen, mit denen die sozialen Netzwerke <a href="https://www.nytimes.com/2018/08/06/technology/infowars-alex-jones-apple-facebook-spotify.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in jüngster Zeit</a> gegen rechtsextreme und populistische Angebote vorgegangen sind, dürften wesentlich durch den Druck der User zustande gekommen sein.</p>
<p>Doch wie effektiv sind diese Maßnahmen, und wie stark beschneiden sie den öffentlichen Diskurs und Grundrechte wie die Meinungsfreiheit?</p>
<h3>Fact Checking</h3>
<p>Allgemein bestehen <a href="https://www.factcheck.org/2008/09/fact-checking-is-useless/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zweifel daran</a>, ob man dem Problem der Fake News durch Korrektur und Richtigstellung Herr werden kann. Manche Studien zeigen, dass fundierte Gegendarstellungen keinen Effekt haben, wenn es darum geht, eine irrige Annahme zu korrigieren. Vor allem im politischen Bereich droht, dass der Fact Checker oder das Netzwerk von Usern als parteiisch wahrgenommen werden und ihre Versuche deswegen wirkungslos bleiben. Ihr Effekt ist im besten Falle schwach.</p>
<p>Dennoch sind die Diskussion über Falschmeldungen, die Frage, wer von ihrer Verbreitung profitiert und ihre Richtigstellung wichtig. Nicht dadurch, dass sie eine falsche Ansicht korrigieren (was wie gesagt zweifelhaft ist), sondern weil sie ein gelebtes Vorbild für Medienkompetenz sind. Ein User, der so mit der Frage konfrontiert wird, wer welche News mit welcher Motivation fälscht oder verfälscht darstellt und wie man den Wahrheitsgehalt prüfen kann, wird dadurch für eben diese Fragen sensibilisiert. Er entwickelt unwissentlich und unwillentlich die Werkzeuge, die ihn selbst weniger anfällig machen für die nächsten Fake News.</p>
<p>Einen eingefleischten Verschwörungstheoretiker wird selbst diese Fähigkeit nicht mehr erreichen. Das Ziel ist aber ein anderes: zu verhindern, dass das Lager der Populisten und Faktenverweigerer nicht weiter anwächst. Wie jeder Hype wird auch dieses Phänomen sich dann früher oder später totlaufen.</p>
<h3>Bühne und Sprachrohr</h3>
<p>Fake News sind ein Werkzeug politischer (und wirtschaftlicher) Akteure. Die Meinungsfreiheit gebietet es, sie nur im Extremfall zu unterbinden (bei strafrechtlich relevanten Inhalten etwa, und teilweise auch im Falle von staatlicher Propaganda). Das bedeutet jedoch nicht, dass ihnen private Organisationen eine Bühne einräumen oder ihre Botschaft verbreiten müssen. Zwar haben die sozialen Netzwerke ein wirtschaftliches Interesse daran, das zu tun. Sie haben aber in der letzten Zeit dem öffentlichen Druck nachgegeben und Maßnahmen ergriffen, Fake News zu bekämpfen. Auch durch die algorithmische Deselektion von Fake News-Inhalten und -Akteuren. Deren Nachrichten sind nach wie vor auffindbar, werden aber quasi nur noch auf gezielte Suche hin angezeigt. Ein normaler User wird sie in seiner Timeline nicht mehr zu sehen bekommen.</p>
<p>Ähnlich wie beim Fact Checking lassen sich die eingefleischten Fans von Fake News-Quellen dadurch nicht abhalten. Es lässt sich aber verhindern, dass sie ungehindert Nachwuchs bekommen. Leider sind die Maßnahmen <a href="https://correctiv.org/faktencheck/artikel-faktencheck/2017/10/12/facebook-fact-checking-reduziert-reichweite-von-fake-news-um-80-prozent" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nur teilweise aktiv</a>: Zwar haben Fake News Inhalte 80 Prozent ihrer Reichweite eingebüßt, dafür dauert es bis zu drei Tage, bis ein Fake News Post als solcher erkannt und unterdrückt wird. In Social Media-Begriffen eine Ewigkeit.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Das System Fake News funktioniert, weil psychologische Mechanismen und technische Möglichkeiten in Kombination eine starke Wirkung auf das Weltbild haben können. Es muss einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft daran gelegen sein, weder die freie Ausübung der Kommunikation zu stark zu beschränken noch zu versuchen, das Denken unserer Mitmenschen mit Gewalt zu ändern.</p>
<p>Gleichzeitig ist es die Aufgabe der Gesellschaft, jedem einzelnen faktenbasierte Urteile zu ermöglichen. Dazu sind Bildung und Zugang zu relevanten Informationen zentral wichtig. Die Schulpflicht ist nicht zuletzt deswegen weitgehend unumstritten, selbst wenn sie die Wahlfreiheit von Eltern und Kindern begrenzt.</p>
<p>Parallel darf es auch beim Zugang zu relevanten und korrekten Informationen staatliche Vorgaben geben. Dort, wo die technologische Verbreitung von Fake News es faktisch unmöglich macht, sich mit allgemein akzeptierten und wissenschaftlich begründeten Fakten auseinander zu setzen (man denke an die Impfdebatte), ist ein Eingreifen nicht nur möglich, sondern auch nötig. Eine <a href="https://politik-digital.de/news/zielt-das-netzdg-ins-leere-2-151888/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zensur im Sinne des NetzDG</a> ist dennoch der falsche Weg. Der algorithmische Entzug der Megaphons, mit dem Verschwörungstheoretiker und Populisten neue Anhänger rekrutieren, ist dagegen ein geeigneter.</p>
<p><strong>Titelbild: </strong>alone-4008607_1920 via <a href="https://pixabay.com/de/photos/allein-amerika-american-ank%C3%BCndigung-4008607/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay </a></p>
<p>
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</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>App vom Arzt: „Datenschutz ist was für Gesunde“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Oct 2016 11:44:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das neue Buch von CDU-Politiker Jens Spahn ist eine leidenschaftliche Fürsprache für weniger Datenschutz im Gesundheitswesen – zum Wohle der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/news/app-vom-arzt-datenschutz-ist-was-fuer-gesunde-150435/attachment/8585047526_109a4d5ff1_k/" rel="attachment wp-att-150436"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150436" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/8585047526_109a4d5ff1_k.jpg" alt="8585047526_109a4d5ff1_k" width="645" height="278" /></a>Das neue Buch von CDU-Politiker Jens Spahn ist eine leidenschaftliche Fürsprache für weniger Datenschutz im Gesundheitswesen – zum Wohle der Patienten. Gegenargumente haben dabei leider keinen Platz. Trotzdem lässt das Werk einen interessanten Blick in die digitale Medizin zu.</p>
<p>Nachts um drei beginnt das Herzrasen. Man ist vorbelastet, hatte schon immer kardiologische Probleme. Der Gang zum Arzt ist um diese Uhrzeit unmöglich – was also tun? „Welch ein Segen wäre es für Sie, […] wenn Sie die Symptome einfach in eine App eingeben könnten, die Ihre Krankheitsgeschichte kennt und mit den akuten Beschwerden abgleicht und Ihnen in Sekundenschnelle entweder akute Maßnahmen empfiehlt oder Sie direkt per App mit einem Arzt verbindet.“ Jens Spahn, CDU-Bundestagsabgeordneter, ehemaliger Gesundheitspolitiker und heute Staatssekretär im Finanzministerium, hat gemeinsam mit den beiden Ärzten <a href="http://www.markus-mueschenich.de/">Markus Müschenich</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Debatin">Jörg F. Debatin</a> ein neues Buch herausgebracht, das genau dieses Szenario genauer beleuchten möchte.</p>
<h3>Vorteile der Internetmedizin</h3>
<p>„App vom Arzt &#8211; Bessere Gesundheit durch digitale Medizin“ soll den Leserinnen und Lesern die Skepsis vor Datenkraken im Gesundheitssystem nehmen und die Vorteile eines digitalen Gesundheitswesens aufzeigen. Der Leser braucht in diesem Werk definitiv kein ausgewogenes Abwägen der Argumente beider Seiten zu erwarten. In weiten Teilen liest sich „App vom Arzt“ beinahe wie eine Kampfschrift für die digitale Medizin und eine umfassende Kritik am deutschen Datenschutz. Die Autoren bestreiten dies zwar immer wieder explizit, jedoch lässt sich das schwarz-weiß gezeichnete Weltbild in dieser Frage nicht verleugnen.</p>
<p>Dabei sind die Vorteile der digitalen Medizin (eHealth) unbestreitbar, die Argumente der Autoren mehr als nachvollziehbar. Ein umfassender Datenpool mit allen möglichen Gesundheitsindikatoren von Puls über Blutdruck bis hin zu Ernährungsgewohnheiten wäre für die weltweite Forschung ein wahrlicher Segen. Darüber hinaus ist eine umfassende Gesundheitsakte mit den persönlichen Lebensgewohnheiten und der medizinischen Vorgeschichte der Schritt in Richtung der personalisierten Medizin, in der beispielsweise die Medikamentendosis perfekt auf den Patienten abgestimmt sein könnte. Viel früher ließe sich erkennen, ob sich der Zustand eines Patienten verschlechtert oder verbessert, die Kosten würden hierdurch sinken. Auch die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten könnte viel einfacher werden – mit einer solch umfassenden Patientenakte würde das Informationsdefizit im Gesundheitssystem endgültig wegfallen.</p>
<h3>Datenschutz ist was für Gesunde</h3>
<p>Entscheidend sei letztlich der persönliche Mehrwert, den die digitale Medizin den Menschen geben würde, so die Autoren. Für Gesundheit und Lebenserhaltung könne man im Zweifel auch datenschutztechnische Bedenken über Bord werfen: „Datenschutz ist was für Gesunde.“ Diese steile These begründen die Autoren in ihrem Buch durchaus schlüssig, jedoch nicht antithetisch. Ihre Argumentation zielt einzig und allein darauf ab, diese Aussage zu untermauern, ohne dabei auf die Bedenken der anderen Seite einzugehen – der Mittelweg existiert nicht.</p>
<p>Dem Ziel einer digitalisierten Medizin und einer verbesserten Patientenversorgung stehe der deutsche Datenschutz im Weg – so die recht unverhohlene These von Spahn, Müschenich und Debatin. Es sei „in seiner jetzigen Form ein echter Innovationskiller, der den Fortschritt der Medizin behindert.“ Warum ist der Umgang der Deutschen mit Daten so verkrampft? Warum hat man kein Problem damit, dass Payback oder Netflix die eigenen Einkaufsgewohnheiten oder das Sehverhalten dokumentieren, im Gesundheitswesen aber immer mit Datenschutz argumentiert wird? Eine berechtigte Frage, auch wenn der Vergleich hinkt. Denn schon heute entstehen in der Medizin an vielen Stellen Daten, vom Computertomographen bis hin zur eigenen Fitness-App auf dem Smartphone. Warum diese Daten nicht um den Willen der eigenen Gesundheit zusammenführen?</p>
<h3>Ärzte werden nicht ersetzt, aber entlastet</h3>
<p>Dabei müssten auch die Ärzte verstehen, dass nicht mehr als „Halbgötter in Weiß“ gelten werden, sondern in Zukunft noch in ein System aus vernetzten Expertensystemen aus der ganzen Welt eingebunden sind. Das können Fachärzte aus anderen Ländern oder auch medizinische Datenbanken oder Ergebnisse aus Big Data-Analysen sein. Die Konsequenz sei den Autoren zufolge, dass Verantwortung im Gesundheitswesen in Zukunft anders verteilt werde: „Solche intelligenten, ‚mitdenkenden‘ Systeme werden zwar den Arzt oder die Pflegekraft nicht ersetzen. Sie werden aber deren Arbeit massiv entlasten und eröffnen damit Möglichkeiten für ein neues, intensiveres Arzt-Patienten-Verhältnis.“</p>
<h3>Lobbyismus?</h3>
<p>Das Buch zeigt darüber hinaus auf, wo die bis dato im Frühstadium befindliche digitale Medizin bereits heute eingesetzt wird. Von Migräne-Apps bis hin zu Herz-/Kreislauf-Analysen nur mithilfe von Smartphone-Kamera und Smartwatch – viele Ideen stammen aus noch nicht allzu lange existierenden Start-Ups. Neben vielen und breit gefächerten Beispielen aus der digitalen Medizin kommen jedoch auch oft Unternehmen vor, mit denen Autor Markus Müschenich selbst verbunden ist. Viele der genannten, teils preisgekrönten Start-Ups aus dem digitalen Gesundheitswesen unterstützt er selbst mit seinem Unternehmen <a href="https://flyinghealth.com/">Flying Health</a> – einer Firma, die solchen Ideen aus der Digitalmedizin mit professioneller Unterstützung gezielt zur Marktreife verhilft.</p>
<p>Darüber hinaus ist der Mediziner selbst Vorstand des <a href="http://bundesverbandinternetmedizin.de/">Bundesverbands Internetmedizin</a>, in dem beinahe alle von Flying Health unterstützten Start-Ups Mitglied sind. Jörg F. Debatin ist nach einigen Stationen als Professor an Universitätskliniken heute Vice President von <a href="http://www3.gehealthcare.de/">GE Healthcare</a>, der Gesundheitssparte von General Electric, die selbst in Digitalmedizin investiert. So fachlich qualifiziert die beiden Autoren auch sein mögen: man wird den Beigeschmack einer interessengeleiteten Lobbyarbeit in Buchform leider nicht los.</p>
<h3>eHealth: Die Herausforderungen sind riesig</h3>
<p>Trotzdem ist das Buch insgesamt eine interessante Lektüre und auch ohne Vorkenntnisse gut lesbar, da Fachbegriffe aus Medizin und IT stets erklärt werden. Einerseits haben wir es hier mit der Darstellung  praxisnaher, digital- medizinischer Methoden zu tun, andererseits geht es um die Utopie der perfekten Versorgung im digitalen Gesundheitswesen.</p>
<p>Der praktische Zwischenschritt fehlt allerdings, denn um die Utopie zu erreichen  müssen noch unglaublich viele Hürden überwunden werden. Wie gehen wir mit dem Datenschutz in der Zukunft um? Ist Gesundsein ein ausreichendes Argument, um den Datenschutz über Bord zu werfen? Wie können wir solche Datenmengen sicher lagern? Vor allem die letzte Frage bleibt ein großes Rätsel: die Autoren sehen als selbstverständlich an, dass man seine Daten eines Tages in eine „hochgesicherte private Gesundheits-Cloud“ abspeichern werde. Doch digitale Systeme sind heute noch nicht vor Diebstahl und Angriffen gefeit – wie soll das in Zukunft gelöst werden (wenn das überhaupt möglich ist)?</p>
<p>Oft wird postuliert, dass die Sucht nach dem digitalen Raum krankmache – Jens Spahn, Markus Müschenich und Jörg F. Debatin setzen zum Schluss bewusst ein entgegengesetztes Statement: „Digital macht gesund“ – durchaus, sofern ihre utopische Vorstellung vom künftigen Gesundheitswesen wahr wird. Aber bis dahin müssen noch viele Fragen geklärt werden.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/jasonahowie/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jason Howie</a> via <a href="https://www.flickr.com/photos/jasonahowie/8585047526/in/photolist-e5CBwN-dFhfdP-p4KxNq-dZVikB-9rjV72-dfA5AD-8UBfZk-97wvKd-o5XQEw-svssHq-nfqLp3-bVh9bx-guRjaL-fji5g5-fiy5a9-G3V4sq-gS1CUe-ecH16V-d3sH1G-dt6PTJ-dCUj4r-eyQvnV-eyQzet-dNEPZB-67rRe3-bkysWn-nQ4D96-bWEqPA-hshDrJ-o32nbL-nVpFqR-dgjth6-pqcSqv-d2Tnhq-nhtsqF-nfqJTr-dtAXJo-padpzS-nfqHU3-nhtuv2-nhttYv-nXVsE5-nfqLQy-f3PTiZ-dxeVd3-iYzuWq-eyTPXh-eyQwCc-9topYA-r5kRf3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr</a>: licenced via<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> CC BY 2.0 </a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>US-Wahl: Online-Öffentlichkeiten und Fact-checking-Formate</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Oct 2016 10:07:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahl]]></category>
		<category><![CDATA[Campaigning]]></category>
		<category><![CDATA[Clinton]]></category>
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		<category><![CDATA[Fact Checking]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer mehr Menschen informieren sich vor allem online über Politik. Dass damit Probleme verbunden sein können, zeigt schon das Hate-Speech-Phänomen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/news/us-wahl-online-oeffentlichkeiten-und-fact-checking-formate-150416/attachment/us-faktencheck2/" rel="attachment wp-att-150424"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150424" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Us-Faktencheck2.jpg" alt="us-faktencheck2" width="640" height="398" /></a>Immer mehr Menschen informieren sich vor allem online über Politik. Dass damit Probleme verbunden sein können, zeigt schon das Hate-Speech-Phänomen in sozialen Netzwerken sowie bei Nutzer-Kommentaren von Online-Angeboten. Auch im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft spielt der Streit um Desinformation, Meinungs-Manipulation und postfaktische Tendenzen eine wichtige Rolle: Fact-checking ist sowohl für die Kampagnen der Kandidaten selbst als auch für Medien zur kommunikativen Königsdisziplin avanciert.</p>
<p>Dies ist natürlich kein Zufall, sondern steht in einem Zusammenhang mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, zu dessen Markenzeichen krude Behauptungen gehören, die vehement vertreten werden. Seine elektoralen Überraschungserfolge lassen sich auch als Ausdruck einer verbreiteten Haltung verstehen, die als “postfaktisch” charakterisiert wird. Dieses relativierende Verhältnis zu Wahrheit und Wissenschaft korrespondiert wiederum mit einem Strukturwandel der Öffentlichkeit, der in sozialen Netzwerken einen idealtypischen Ausdruck findet. So beeinflusst Facebook durch seine Algorithmen, was die Nutzer alles in ihrem Newsfeed zu sehen bekommen, und orientiert sich dabei an den Präferenzen, die sie durch ihr Online-Verhalten (abonnierte Profile, befreundete Personen, geteilte Inhalte, Likes usw. usf.) preisgeben. Die daraus resultierende Profilbildung, die Facebook zur Einordnung der Nutzer vornimmt um Werbung optimal zu adressieren, trägt maßgeblich zur Entstehung der gefürchteten “Echokammern” (Cass Sunstein) und <a href="http://politik-digital.de/news/filter-bubble-algorithmen-und-kein-ausweg-142731/">“Filterblasen”</a> (Eli Pariser) bei, die bereits vorhandene (Vor-)Urteile verstärken können. Einen erschreckenden Einblick in die dadurch mögliche Welt einseitig politisierter “Nachrichten”-Produktion und ihrer immensen Bedeutung in den USA lieferte die New York Times mit einer unter dem Titel <a href="http://nytimes.com/2016/08/28/magazine/inside-facebooks-totally-insane-unintentionally-gigantic-hyperpartisan-political-media-machine.html?_r=0">“Inside Facebook’s (Totally Insane, Unintentionally Gigantic, Hyperpartisan) Political-Media Machine”</a> publizierten Recherche.</p>
<h3>Böse Bots</h3>
<p>Dass solche vermeintlichen Randerscheinungen eine zunehmende Relevanz für das Wahlverhalten haben können, legt dabei ein Befund nahe, den der <a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/sites/default/files/Digital-News-Report-2016.pdf">Reuters Institute Digital News Report 2016</a> für die USA belegen kann: Für Erstwähler verdrängen soziale Medien das Fernsehen als maßgebliche Quelle für Nachrichten. Damit wird auch eine weitere Problematik bedeutsamer, die bereits bei Abstimmungen wie dem Brexit-Referendum virulent geworden ist: Das neueste Mittel zur manipulativen Stimmungsmache sind “Social Bots”, die als vorgeblich von Personen stammenden Profilen in sozialen Netzwerken automatisiert eine vorgegebene Position vertreten. Wie diese Programme durch massenhaftes Auftreten Wahrnehmungen beeinflussen und ein bestimmtes Diskussionsklima erzeugen können, hat der Politikwissenschaftler Simon Hegelich zuletzt in einer Kurzstudie unter dem Titel <a href="http://www.kas.de/wf/de/33.46486/">“Invasion der Meinungs-Roboter”</a> prägnant analysiert.</p>
<h3>Mobile first &#8211; information last?</h3>
<p>Ein weiterer Trend könnte die postfaktischen Tendenzen spezifisch konfigurierter Online-Öffentlichkeiten verstärken. Johanna Dunaway hat sich in einem Diskussionspapier für das Shorenstein Center der Harvard University damit auseinandergesetzt, wie es sich auswirkt, wenn der Zugang zu Online-Medien vor allem über mobile Endgeräte erfolgt. Kurz gesagt: Es sieht nicht gut aus, denn vor allem auf dem Smartphone werden im Vergleich zu größeren Geräten weniger News-Anwendungen genutzt, und gleichzeitig nutzen gerade benachteiligte gesellschaftliche Gruppen ausschließlich diese für den Online-Zugang. <a href="http://shorensteincenter.org/mobile-vs-computer-news-audiences-and-outlets/">Dunaway resümiert</a>: “It may be correct to conclude, as some already have, that we are entering an era of second-class digital citizenship led by a mobile-only digital underclass”.</p>
<h3>Fakten, Fakten, Fakten</h3>
<p>Gleichzeitig lässt sich bei der US-Wahl der (vielleicht auch verzweifelte) Versuch feststellen, Fakten gerade durch Online-Kommunikation zur Geltung zu verhelfen. Nach der Debatte der Vizepräsidentschafts-Kandidaten nutzten beide Kampagnen erstmalig “Moments”, das nun für alle Nutzer zugängliche Tool zum Kuratieren von Tweets, um ihre Kritik an der Gegenseite zu kommunizieren. Die betreffende Sammlung der Clinton-Kampagne stand unter dem Titel <a href="https://twitter.com/i/moments/783832696065843200">“The many, many lies Mike Pence told at last night&#8217;s debate”</a> und beinhaltete außer eigenen Beiträgen auch Faktenchecks unabhängiger Akteure wie von politifact.com, factcheck.org oder NBC News. Die Inhalte werden dabei meist als share-pic oder GIF präsentiert. Der öffentlich-rechtliche Sender NPR erzielte mit seinem von Experten in Echtzeit kommentierten <a href="http://www.npr.org/2016/09/26/495115346/fact-check-first-presidential-debate">Online-Transkript</a> der ersten TV-Debatte zwischen Clinton und Trump mit mehreren Millionen Zugriffen eine riesige <a href="http://www.poynter.org/2016/nprs-real-time-fact-checking-drew-millions-of-viewers/432375/">Reichweite</a>. Eine Variante dieses Fact-checking-Formats praktiziert die Washington Post, die Transkripte der TV-Debatten mittels der Möglichkeiten von Genius.com annotiert. Damit lassen sich dann auch multimediale Inhalte und Nutzer-Kommentare einbinden (<a href="https://www.washingtonpost.com/news/the-fix/wp/2016/10/09/everything-that-was-said-at-the-second-donald-trump-vs-hillary-clinton-debate-highlighted/#annotations:10578854">siehe z.B.</a>). Artikel, die Faktenchecks beinhalten, kommuniziert die Washington Post auch besonders: Sie sind gebündelt als wöchentlicher Newsletter zu abonnieren und werden unter dem Hashtag “#factcheckfriday” als <a href="https://twitter.com/i/moments/786940076987150337">“Moment”</a> getwittert.</p>
<p>Die Karriere des Fact-checking manifestiert sich schließlich darin, dass Google in den USA und Großbritannien seit Mitte Oktober 2016 in den Suchergebnissen im News-Tab <a href="/blog.google/topics/journalism-news/labeling-fact-check-articles-google-news/).">Beiträge als Faktenchecks</a> identifiziert und gesondert ausweist. Ob Rubriken wie “Was wir wissen und was nicht” (so die in deutschen Online-Medien seit einiger Zeit populäre Variante) allerdings ein probates Mittel sind, um in die (sozial-medialen) Sphären des Postfaktischen einzudringen, bleibt abzuwarten.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/duncan/%20">duncan C via flickr</a>, licenced via <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">CC BY-NC 2.0 </a>and <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:USA_check.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wikimedia commons</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Digitale Lügendetektoren könnten Politiker das Fürchten lehren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 12:07:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Karin Kutter]]></category>
		<category><![CDATA[News-App]]></category>
		<category><![CDATA[owni.fr]]></category>
		<category><![CDATA[Truth-Teller]]></category>
		<category><![CDATA[véritomètre]]></category>
		<category><![CDATA[Washington Post]]></category>
		<category><![CDATA[Fact Checking]]></category>
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					<description><![CDATA[Frankreich hat es, die Vereinigten Staaten haben es, braucht Deutschland es auch? Was könnten wir uns für die Bundestagswahl davon [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Gabriel-Rodriguez-CC-by-sa-3-0-e1362050033153.jpg"><img decoding="async" class="size-large wp-image-127203" alt="Gabriel Rodriguez  (CC BY-SA 3.0)" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Gabriel-Rodriguez-CC-by-sa-3-0-630x418.jpg" width="630" height="418" /></a><br />
Frankreich hat es, die Vereinigten Staaten haben es, braucht Deutschland es auch? Was könnten wir uns für die Bundestagswahl davon erhoffen? Und worüber reden wir hier überhaupt? Digitale Wahrheitsfindung ist der neue Trend, der unabhängig voneinander in Frankreich und in den USA entwickelt wurde und vielleicht auch im Hinblick auf die diesjährigen Bundestagswahlen Interessenten finden könnte.<br />
Was wäre die Welt ohne Lügen? Für einige Menschen, wie dem französischen Schauspieler Jean Gabin „die Hölle auf Erden“. Keine Notlügen, kein Schönreden von Situationen – die Wahrheit kann manchmal sehr unbequem sein. Aber wie sieht es in der Politik aus? Wollen wir von unseren gewählten Vertretern angelogen werden? In den Augen der Entwickler zweier neuer Softwarelösungen stellt sich diese Frage nicht. Mit ihren Programmen versuchen sie zu analysieren, ob und inwieweit Politiker tatsächlich die Wahrheit wiedergeben.<br />
<strong>Auf der Suche nach der Wahrheit</strong><br />
Politiker haben es heutzutage nicht leicht. Stellen Sie sich kurz einmal vor, nicht nur Ihre Doktorarbeit würde auf Fehler untersucht, sondern auch jede Aussage und jedes Versprechen, das Sie abgegeben haben. Und das nicht von einzelnen Personen oder Gruppen, sondern von einem Computerprogramm, das wirklich nur Fakten kennt. Sei es das französische <a href="http://itele.owni.fr/">véritomètre</a> oder der Prototyp der amerikanischen <a href="http://truthteller.washingtonpost.com/">Truth-Teller-App</a>: Bei beiden steht der Faktencheck zur Wahrheitsfindung im Fokus. Glaubwürdigkeitsrecherche im digitalen Zeitalter, wenn man es so nennen will. Eine gewisse Angst der Volksvertreter dürfte schon alleine bei der Vorstellung daran vorprogrammiert sein.<br />
<strong>Frankreichs Wahrheitsbarometer – Amerikas Wahrheitserzähler</strong><br />
Das Internetportal véritomètre ist Faktenchecking 2.0. Vom im Dezember leider eingestellten, offenen Think Tank <a href="http://owni.fr/">owni.fr</a> entworfen, hat der véritomètre die französischen Präsidentschaftswahlen begleitet. Dabei wurden Aussagen der Kandidaten in verschiedenen Debatten mit Statistiken auf den Wahrheitsgehalt überprüft und in drei Kategorien eingeteilt: &#8220;wahr&#8221;, &#8220;falsch&#8221; und &#8220;unpräzise&#8221;. Das Ergebnis war ein Glaubwürdigkeitswert für jeden einzelnen Politiker. Laut Karin Kutter, die bei den <a href="http://dietrendblogger.de/">Trendbloggern</a> über vériomètre <a href="http://dietrendblogger.de/nichts-als-die-wahrheit-mit-dem-veritometre-die-glaubwurdigkeit-von-politikern-messen/">berichtete</a>, war das Ziel der Initiatioren: &#8220;Der mündige Bürger muss nicht mehr passiv dem Polittheater zusehen.&#8221;<br />
<iframe hcb-fetch-image-from="http://vimeo.com/58400613" title="Washington Post Truth Teller" src="https://player.vimeo.com/video/58400613?width=840&#038;height=1000&#038;discover=1?dnt=1&amp;app_id=122963" width="640" height="360" frameborder="0" allow="autoplay; fullscreen" allowfullscreen></iframe><br />
Faktencheck steht auch bei der amerikanischen Truth-Teller-App auf der Agenda. Initiiert von der Washington Post, soll sie in Zukunft sogar in Echtzeit politische Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können &#8211; und das automatisch und für jeden. Der Prototyp wurde dieses Jahr bei Barack Obamas ersten Rede zur Lage der Nation am 12. Februar getestet und konnte in Ansätzen schon überzeugen.<br />
Wie funktioniert die Truth-Teller-App? Die „speech-to-text“ Technologie ermöglicht es der News-App getroffene Äußerungen herauszufiltern und diese dann anhand einer Datenbank, die bisher noch von den Entwicklern gefüttert wird, auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Wie lange der Entwicklungsprozess noch dauert, bis die App auch ohne gespeiste Datenbank funktioniert, steht noch nicht fest. Laut den Machern der App soll sie aber auch für Mobiltelefone bzw. Smartphones zugänglich gemacht werden. So soll eine Person künftig die Rede eines Politikers aufnehmen können und mit der App den Wahrheitsgehalt „checken“.<br />
<strong>Deutschland ahoi?!</strong><br />
Die deutschen Parteidampfer nehmen Kurs auf die Bundestagswahl. Kapitäne und Matrosen sind bereits an Bord, allerdings herrscht an Deck noch erhebliches Chaos. In der nächsten Zeit wird sich herausstellen, ob die Parteien bereit sind die (richtigen) Segel zu setzen oder ob man eher einen Mastbruch zu erwarten hat. Und die Bürger? Die haben die Wahl und bestimmen, aus welcher Richtung der Wind weht. Eines steht aber bereits heute fest: Die Besatzungen werden um jede Stimme kämpfen und deswegen unzählige Aussagen und vollmundige Versprechungen unters Volk bringen. Aber wem soll man wirklich glauben? Welchen Politikerreden ist zu trauen? An dieser Stelle könnte tatsächlich eine Wahrheitsfindungssoftware ins Spiel kommen, die nichts anderes macht, als reine Fakten zu checken. Das bedeutet, man müsste nicht Redakteuren und ihren Einschätzungen vertrauen, sondern könnte sich auf den digitalen Faktencheck verlassen, der nüchterne Analyse verspricht. Natürlich wird das für die Meinungsbildung nicht ausreichen, aber es könnte zumindest als zusätzliche Informationsressource dienen. Ob das in Form einer „Live-App“ wie bei Truth-Teller oder einem Wahrheitsbarometer wie bei véritomètre geschieht, scheint erst mal nebensächlich. Wichtig ist das Signal, dass Versprechungen und Aussagen von Politikern, die dazu dienen, beim Bürger besser anzukommen, künftig entlarvt werden können. Damit am Ende nicht der Kabarettist Oliver Hassencamp mit seinem Spruch recht behält: „Aus Lügen, die wir glauben, werden Wahrheiten, mit denen wir leben.“<br />
Bild: Gabriel Rodriguez (cc by-sa 3.0)<br />
<img decoding="async" class=" wp-image-123958 alignnone" alt="CC-BY-SA" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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		<title>Die harten Fakten im Wahlkampf</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/neuwahlen-zum-bundestag-2005/wahlkampfbundestagswahl05factcheckfrost050831-shtml-2572/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuwahlen zum Bundestag 2005]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Fact Checking]]></category>
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					<description><![CDATA[Schwerpunkt: Die Wirtschaftszusammenhänge aufzeigen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Schwerpunkt: Die Wirtschaftszusammenhänge aufzeigen<!--break--><br />
                            <strong>Im Wahlkampf wird viel versprochen und Behauptungen über den politischen Gegner aufgestellt. Den Überblick über den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu behalten, ist für die Wählerinnen und Wähler so gut wie unmöglich. Um eine qualifizierte und neutrale Prüfung der aufgestellten Statements bereitzustellen, gibt es jetzt im Netz Angebote um nachzuprüfen, was hinter der ein oder anderen Behauptung eigentlich an Fakten steht.</strong></p>
<p>Einmal mehr kommt ein in den USA erfolgreiches Konzept ins deutsche Netz. Im letzten US-Wahlkampf war<br />
                            <a href="http://www.factcheck.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FactCheck.org</a> eine der bekanntesten und nachgefragtesten Seiten, um Aussagen, Versprechen und Kommentare aus dem politischen Gefecht einer wissenschaftlichen und journalistischen Prüfung zu unterziehen. Für Deutschland gibt es diese Seite seit Anfang August, die von drei freien Journalisten betrieben wird:<br />
                            <a href="http://www.factcheck-deutschland.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FactCheck- Deutschland.de</a>.</p>
<p>Die Idee für ein deutsches factchecking wurde geboren, nachdem Iris Karlovits, Andrea Protscher und Mathew D. Rose einen Fernsehbericht über die Arbeit von FactCheck.org im Herbst 2004 gesehen hatten und sofort erkannten: ein solches Angebot ist auch für Deutschland wichtig und nützlich. Ziel der deutschen Macher ist es, von Politikern getroffene Aussagen zu untersuchen und diese gegebenenfalls „der vorgenommenen, zweckgerichteten Interpretation durch die Politik“ zu entkleiden und sie anschließend in ihren ursprünglichen Zusammenhang zu stellen, erklärt Iris Karlovits. Dabei nutzen die Autoren die selben Quellen wie die Politiker, soweit ihnen diese zugänglich sind. Die jeweiligen Quellenangaben werden dem User am Ende jeden Artikels mitgeteilt, so dass man sich bei Interesse weiter informieren kann.</p>
<p>FactCheck Deutschland selbst versteht sich als eine Art „Verbraucheranwalt für Bürger“, die sich ohne parteipolitischen Filter eine Meinung zur Wahlentscheidung am 18. September bilden wollen. Neben der journalistischen Aufklärung durch die Redaktionsstelle und ehrenamtliche Redakteure steuert die Uni Tübingen die wissenschaftliche Fundierung bei. Das Team um Professor Josef Schmid am Lehrstuhl für<br />
                            <a href="http://www.sowi.uni-tuebingen.de/wip/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Politische Wirtschaftslehre</a> recherchiert das Hintergrundwissen zu den Themen, steuert aber auch eigene Beiträge bei.</p>
<p>
                            <strong>Schwerpunkt: Die Wirtschaftszusammenhänge aufzeigen</strong></p>
<p>FactCheck Deutschland ist stark dem amerikanischen Vorbild orientiert, dessen Leiter Brooks Jackson dem deutschen Team Tipps aus seinen Erfahrungen mit FactCheck.org gab und somit den Start der Seite erleichterte. Über diese Kontakte und den Namen hinaus gibt es keine weiteren Beziehungen zwischen den beiden Projekten, die deutsche Seite läuft unabhängig vom US-Vorbild. Ein wesentlicher Unterschied zur amerikanischen Seite erwächst in den Augen von Iris Karlovits aus der unterschiedlichen politischen Kultur in Deutschland und den USA. In Nordamerika würden die Zusammenhänge zwischen Volkswirtschaft und Politik viel stärker betont und durchschaut, als in Deutschland. Daher herrsche in Deutschland eine viel größer Unwissenheit über Funktionsweise und Grundlagen der (Volks-) Wirtschaft.</p>
<p>Diesem Aufklärungsbedarf will FactCheck Deutschland nach eigenem Bekunden nachkommen, vor allem, da es sich in diesem Wahlkampf hauptsächlich um „das Eine“ dreht – das Geld der Deutschen, sagen die Macher von FactCheck Deutschland in ihrer Einschätzung der Bundestagswahl 2005. Ziel dieser Aufklärung soll es sein, Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft transparent zu machen, denn: „Wer keine Ahnung von Wirtschaft hat, der kann der Politik auch nicht in die Karten sehen“ argumentiert Iris Karlovits.</p>
<p>Um dem Leser eine Orientierung zu geben, erfolgt die Einteilung der Einträge thematisch in die Rubriken Wirtschaft, Arbeit und soziale Sicherheit. Unter dem Stichwort „Hintergründiges“ gibt es bisher nur eine Auseinandersetzung mit dem Begriff des Wahlkampfes: neoliberal. Unter den Aussagen, die unter die Lupe genommen werden, sind diejenigen der beiden großen Volksparteien vorne an. Die kleineren Parteien werden zu einem deutlich geringerem Anteil untersucht. Nur dem Zusammenschluss von WASG und PDS zur Linkspartei wird eine größere Aufmerksamkeit zuteil. Es gibt jedoch einige zusammenfassende Artikel, die die Versprechen und Vorstellungen aller Parteien zu verschiedenen Politikfeldern, wie Renten- oder Konjunkturpolitik, näher beleuchten und die einzelnen Konzepte beurteilen.</p>
<p>Vier Wochen nach dem Go-Live und drei Wochen vor der Bundestagswahl ist FactCheck Deutschland nun warmgelaufen. Mittlerweile täglich erscheinen neue Einträge, die sich auf aktuelle Aussagen und Probleme im Wahlkampf beziehen.</p>
<p>
                            <strong>Realisation des Projekts durch Spendengeld</strong></p>
<p>Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für FactCheck.org war die Überparteilichkeit der Betreiber und auch die deutsche Seite reklamiert politische Unabhängigkeit und Neutralität für sich. Bei den bisherigen Einträgen gibt es keinen Anlass zu gegenteiligen Verdächtigungen, Regierungs- wie Oppositionsverlautbarungen und -taten werden zu gleichen Teilen kritisch beleuchtet. Auch dass die Redaktionsstelle in Berlin vom Privatmann Frank Hansen als Mäzen gesponsert wird, dessen eigene „Bridge-Stiftung“ als Grünen-nah gilt, tut dem keinen Abbruch. Hansen unterstützt das Projekt, um eine offene politische Diskussion und Kommunikation in Deutschland zu unterstützen, so Iris Karlovits, in die Arbeit der Redakteure „mischt er sich in keiner Hinsicht inhaltlich ein“. Überdies ist Frank Hansen einer der wenigen Leute in Deutschland, die als Spender von e-Democracy-Projekten auftreten. Über die Spende von Hansen hinaus verfügt FactCheck Deutschland über keine finanziellen Mittel, so dass alle weitere Arbeit ehrenamtlich läuft. Ob dies reicht, das Projekt nach der Bundestagswahl weiterlaufen zu lassen, ist ungewiss. Vorgenommen hat es sich die Redaktion von FactCheck Deutschland auf jeden Fall.</p>
<p>
                            <strong>Das Experiment: Electofix</strong></p>
<p>Einen ähnlichen Service, Wählern dabei zu helfen, eine gut informierte Wahlentscheidung am 18. September treffen zu können, bietet<br />
                            <a href="http://www.electofix.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Electofix</a>. „Im Gegensatz zu redaktionell betreuten Angeboten wie FactCheck.org oder FactCheck-Deutschland.de handelt es sich bei Electofix um eine offene Plattform, bei der jeder mitmachen kann“, erklärt Tim Bonnemann, der die Idee für Electofix hatte und deren Umsetzung verantwortet.</p>
<p>Kernstück ist ein Wiki, die sogenannte<br />
                            <a href="http://www.electofix.de/wiki/index.php/Checkliste" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Checkliste</a>, auf die jeder User das Thema eintragen kann, dass er gerne untersuchen lassen möchte. Gleichzeitig kann er alle angeführten Aussagen und Thesen selbst prüfen, unter Angabe von Fundort/Quelle sowie zu weiterführenden Informationen. Bis Ende August haben die User mittlerweile zehn Themen und Aussagen auf die Checkliste gestellt, unter anderem zur Familienpolitik oder dem Kirchhof-Modell zur Steuerreform. Im Wiki sieht Tim Bonnemann ein hervorragendes Collaboration-Tool, mit dessen Hilfe das verteilte Wissen der einzelnen Nutzer aggregiert und wesentliche Informationen herausgefiltert werden können. Dieser Ansatz bietet in seinen Augen das Potential, redaktionelle Angebote zu übertreffen, wenn eine gewisse Größe und Dynamik erreicht ist.</p>
<p>Zur Zeit hat die aktive Beteiligung durch Dritte gerade angefangen, wobei erst die weitere Entwicklung zeigen kann, ob und inwieweit dieses Format grundsätzlich funktioniert. „Falls es bis zur Wahl gelingen sollte, auch nur drei wesentliche Wahlkampf-Statements anhand von gemeinsam zusammengetragenen Quellen zu widerlegen oder zu bestätigen, wäre das in meinen Augen schon ein kleiner Erfolgt“, meint Tim Bonnemann. Das Ziel ist auch daher so niedrig gesetzt, da zwischen dem Go-Live des Projekts und dem Wahltermin am 18. September nur gut acht Wochen liegen – eine knappe Zeitspanne, um die erforderlichen Nutzerzahlen zu generieren und eine Community aufzubauen.</p>
<p>Auch Tim Bonnemann möchte sein Projekt nach der Wahl weiterlaufen lassen, auf alle Fälle bis Ende Oktober, um auch noch die ersten Wochen nach der Wahl begleiten zu können. Denn wie heißt es so schön: „Nach der Wahl ist vor der Wahl“. Aussagen von Politikern werden auch nach dem 18. September 2005 sicherlich noch Anlass zu Skepsis und Nachforschungen geben.</p></p>
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